RECORD: Darwin, C. R. 1877. Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. 3rd edition Stuttgart: Schweizerbart.

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Ch. Darwin's

gesammelte Werke.

Aus dem Englischen übersetzt von

J. Victor Carus.

Autorisirte deutsche Ausgabe.

Siebenter Band.

Der Andruck der (. emii thslie« cmmiren.

Mit 21 Holzschnitten und 7 hellogrophlächeu Tafeln.

STÜTTGART. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1877.

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Der

Ausdruck der Gemütsbewegungen

dem Menschen und den Thieren

Charles Darwin.

Aus dem Englischen übersetzt

J. Victor Carus.

[it 21 Holzschnitten und 7 heliographischen Tafeli

Dritte, sorgfältig durchgesehene Auflage.

STUTTGART.

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1877.

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Ilofbuchdrockerci Zu Guttenbcrg (Carl Grünlngcr) in Stattgart.

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Inhalt.

Einleitung......................Seite 1

Erstes Capitel.

Allgemeine Principien des Ausdrucks.

Angabe der drei hauptsächlichsten Principien. — Das erste Princip: Zweck:

Handlungen «erden gcwuhnhcitsgemäsz mit gewissen Seelenzustänrlen associirt und werden ausgeführt, mögen sie in jedem besondern Falle von Nutzen sein oder nicht, — Die Macht der Gewohnheit. — Vererbung. — Associirte ge- wohnheitsgemäsze Bewegungen bei dem Menschen. — Refleithätigkeiten. — Übergang der Gewohnheiten in Keflexthiitigkeiten. — Associirte gewohnheits- i.isze Bewegungen bei den                         n. — Schluszbemerkungen S. 24

Zweites Capitel,

Allgemeine Principien des Ausdrucks. — (Fortsetzung.)

Das Princip des Gegensatzes. — Beispiele vom Hunde und von der Katze. — Ursprung des Princips. - Conventionelle Zeichen. — Das Priucip des Gegen- satzes ist nicht daraus hervorgegangen, dasz entgegengesetzte Handlungen mit Bewusztsein unter entgegengesetzten Antrieben ausgeführt werden S. 45

Drittes Capitel.

Allgemeine Principien des Ausdrucks. — (Schlusz.)

Das Princip der directen Wirkung des erregten Nervensystems auf den Körper, unabhängig vom Willen und zum Theil von der Gewohnheit. — Veränderung der Farbe des Haars. — Erzittern der Muskeln. — Abgeänderte Sccretionen. — Transpiration. — Ausdruck des gröszten Schmerzes, — der Wuth, groszer

Fhe Com niete Wort-, of Charles Darwin Online

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Freude und äuszcrster Angst. — Contrast zwischen den Erregungen, welche ausdrucksvolle Bewegungen verursachen und nicht verursachen. — Aufregende und niederdrückende Seelenzustände. — Zusammenfassung .... S. 60

Viertes Capitel.

Mittel des Ausdrucks bei Thieren.

luszerung von Lauten. — Stimmlaute. - - Auf lindere Art hervorgebrachte Laut

—  Aufrichten der Hautanhänge, der Haare, Fedem u. s. w., bei den Seelen- erregungen des Zorns und Schreckens. — Das Zurückziehen der Ohren als eine Vorbereitung zum Kämpfen und als ein Ausdruck des Zorns. — Aufrichten der Ohren und Emporheben des Kopfes ein Zeichen der Aufmerksamkeit S. 76

Fünftes Capitel.

Specielle Ausdrucksformen der Thiere.

Hund. — Verschiedene ausdrucksvolle Bewegungen desselben. — Katzen. Pferde. - Wiederkäuer. — Affen, deren fl                                     le und Zu-

neigung; — für Schmerz; — Zorn; — Erstaunen und Schreck . . S. 105

Sechstes Capitel.

Specielle Ausdrucksweisen beim Menschen: Leiden und "Weinen.

Das Schreien und Weinen kleiner Kinder. — Form der Gesichtszüge — Alter, in welchem das Weinen beginnt. — Die Wirkung gewohnheitsgemäszen Unter- drückens des Weinens. — Schluchzen. — Ursache der Zusammenziehnng der Muskeln rings um das Auge während des'Schreiens. -- Ursache der Thränen- absonderung....................S. 133

Siebentes Capitel,

Gedrücktsein, Sorgen. Kummer, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung.

Allgemeine Wirkung des Kummers auf den Körper. — Schräge Stellung der . brauen im Leiden. — Ober die Ursache der schrägen Stellung der A

—  Ober das Herabdrücken der Mundwinkel........

Achtes Capitel.

Freude, Ausgelassenheit, Liebe, zärtliche Gefühle, fromme Ergebu und Andacht.

Das Lachen ursprünglich der Ausdruck der Freude. — Lächerliche Ideen.

wegnngen des Gesichts während des Lachens. — Natur des dabei hervorg brachten Lautes. — Die Absonderung von Thränen während hellen Gelächters.

—  Abstufung vom lauten Lachen zum leichten Lächeln. — Ausgelassenheit.

—  Der Ausdruck der Liebe. — Zarte Gefühle. — Andacht .... S. 1

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Neuntes Capitel.

Verlegung. — Nachdenken. — Üble Laune. — Schmollen. — Ent- schlossenheit. Act des Stirnrunzeina. — Überlegung mit einer Anstrengung oder mit Wahrnehmung von etwas Schwierigem oder Unangenehmem. — Vertief Nachdenken. — Üble Laune. — Mürrisches Wesen. — Hartnäckigkeit. Schmollen und Verziehen des Mundes. — Bestimmtheit oder Entschiedenheit. — Das feste Schlieszen des Mundes............S. 202

Zehntes Capitel.

Hasz und Zorn.

- Wuth. — Wirkungen derselben auf den Körper. — Entblöszung der Zähne.

Wuth bei Geisteskranken. — Zorn und Indignation. — Wie dieselben Ton

verschiedenen Menschenrassen ausgedrückt werden. — Hohn und herausfordern

der Trotz. — Das Entblöszen des Eckzahns auf einer Seite des Gesichts S.

Elftes Capitel,

Geringschätzung. — Verachtung. — Abscheu, — Schuld. — Stolz u Hülflosigkeit. — Geduld. — Bejahung und Verneinung.

Verachtung, Spott und Geringschätzung verschieden ausgedrückt. — Höhnisc' Lächeln. — Geberden, welche Verachtung ausdrücken. — Abscheu. List, Stolz u. s. w. — Hülflosigkeit oder Unvermögen. — Geduld. — Harl näckigkeit. — Zucken der Schultern, bei den meisten Menschenrassen vor- kommend. — Zeichen der Bejahung und Verneinung......S. 232

Zwölftes Capitel.

Überraschung. — Erstaunen. — Furcht. — Entsetzen. Überraschung, Erstaunen. — Erheben der Augenbrauen. — Öffnen

Vorstrecken der Lippen. — Geberden, welche die Überraschung begleiten. — Verwunderung. — Furcht. — Au - Aufrichten der Haare. — Zasammenziehung des Platysma myoides — Erweiterung der Pupille. — Ent- en. — Schlusz ...............

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Dreizehntes Capitel.

Selbstaufmerksamkeit. — Scham. — Schüchternheit. — Bescheidenheit Erröthen.

Natur des Erröthens. — Vererbung. — Die am meisten afficirten Theile di

pers. — Erröthen bei verschiedenen Menschenrassen. — Begleitende Geberden. — Zerstreutheit des Geistes. - Ursachen des Erröthens. — Selbstaufinerksam- keit. das Fandamental-Element. — Schüchternheit. — Scham nach Verletzung Ton Moralgesetzen und conventioneilen Regeln. — Bescheidenheit. — Theorie des Erröthens. — schluszwiederholung...........S. 283

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Vierzehntes Capitel.

Schluszbemerkungen und Zusammenfassung.

drei leitenden Grundsätze, welche die hauptsächlichsten

drucks bestimmt haben. — Deren Vererbung. — Übet des Antheil, «eichen

der Wille und die Absicht bei der Erlangung verschiedener Ausdracksweisen

gehabt haben. — Das instinctive Erkennen des Ausdrucks. — Die B

des Gegenstandes zur Frage von der specinschen Einheit der .

t das allmähliche Erlangen verschiedener Ausdrucksformen durch Urerzeuger des Menschen. — Die Wichtigkeit des Ausdrucks. — Schlusz.

rl;uii.i. M-:                       auf den i heliotypirten Tafeln sind

nach Fho                    mstatt nach den Original-NegaHvei

ducirt worden;                                             ts unbestimmt. Nichts-

destoweniger sind sii getreue Copien und für " Zirerk                                                                   nn auch noch

sorgfältig ausgeführte '/> ichnung.

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Einleitung.

Über den körperlichen Ausdruck der Seelenbewegungen sind viele Werke geschrieben worden, aber eine noch gröszere Zahl über „Phy- siognomie", d. h. über das Erkennen des Characters aus dem Studi der beständigen Form der Gesichtszüge. Mit diesem letzteren stände haben wir es hier nicht zu thun. Die älteren Abhandlungen welche ich zu Rathe gezogen habe, sind mir nur von geringem od von gar keinem Nutzen gewesen. Die berühmten „Conferences" Malers Le Bei h, 1067 erschienen, ist das beste mir bekannte ältere Werk; es enthält manche gute Bemerkungen. Eine andere, aber etwas veraltete Abhandlung, nämlich der „Discours" des bekannten hollän- dischen AnatomenPetes Campeb3, nach seinen 1774—1782 gehaltenen Vorlesungen, kann kaum als eine irgend einen merkbaren Fortschritt in der Erkenntnis des Gegenstandes bezeichnende Arbeit betrachtet werden. Dagegen verdienen die folgenden Werke die eingehendste Berücksichtigung.

Der durch seine Entdeckungen in der Physiologie so berühm Sir; ChableS IIi i.r. veröffentlichte 1806 die erste und im Jahre 184' die dritte Ausgabe seiner „Anatomie und Philosophie des Ausdrucks Man kann mit vollem Rechte sagen , das/, er nicht blosz den Grund

1 J. Parsona gib! in seiner Abbandlang „Appendu to the Philosoph! ;-- 1746, ]'. II. ein Verzeichnis von einnrn                         Bchriftstelli

Kelche aber den Ausdruck geschrieben haben.

Ich oitire stets nach dem Wiederabdrucke der Coi gäbe des Lavater von Moreau, erschienen 1820, in Bd, IX. p, 257.

' Discours iiar Pierre Camper sur le moyen de representer les diverses pa

* Ich citire immer nach der dritten Ausgabe voi                     he nach dem

.: Charles Bell's erschien und seine letzten Verbesserungen enthält, Die

jabe von 180G ist von viel                            m Werthe and enthält

n Ansichten noch nicht.

vii.                                                                          1

en- n«,

der

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zu diesem besonderen Zweige der Wissenschaft gelegt, sondern ber~r ein werthvolles Gebäude aufgeführt habe. Sein Werk ist nach all Richtungen hin von hohem Interesse; es enthält graphische Beschrei- bungen der verschiedenen Seelenbewegungen und ist ausgezeichnet illustrirt. Es wird allgemein zugegeben, dasz der Dienst, welchen es der Wissenschaft geleistet hat. hauptsächlich darin besteht, dasz es die innige Beziehung nachgewiesen hat, welche zwischen den Be- wegungen des seelischen Ausdrucks und denen der Respiration besteht. Einer der bedeutungsvollsten Punkte, so gering er auf den ersten Blick erscheinen mag, ist der, dasz die rund um die Augen herum- liegenden Muskeln während heftiger exspiratorischer Anstrengungen unwillkürlich zusammengezogen werden, um jene zarten Organe gegen den Druck des Blutes zu schützen. Diese Thatsache, welche Professor Donoers in Dtrecht mit der gröszten Freundlichkeit für mich nach- untersucht hat, wirft, wie wir später sehen werden, eine Masse Licht auf mehrere der bedeutungsvollsten Ausdrucksformen der menschlichen Gemüthsstimmung. Die Verdienste von Sir Ch. Bell's Werk sind von mehreren auswärtigen Schriftstellern unterschätzt oder vollstän- dig übersehen, von einigen dagegen eingehend anerkannt worden, so z. B. von A. Lejioine5, welcher mit sehr gerechter Anerkennung sagt: „le livre de Ch. Hin. devrait f'tre mödite par quiconque essaye de „faire parier le visage de l'homme, par les philosophes aussi bien „que par les artistes, car, sous une apparence plus ldgere et sous le , prätexte de l'esthetique, c'est un des plus beaux monuments de la

tscience des rapports du physique et du moral.' Aus Gründen, welche sofort angeführt werden sollen, versuchte nt Ch. Bell nicht, seine Ansichten so weit zu verfolgen, als sie wohl hätten ausgeführt werden können. Er versucht keine Erklärung dar- über zu geben, warum bei verschiedenen Seelenbewegungen verschie- dene Muskeln in Thätigkeit gesetzt werden, warum z. B. von einer Person, welche vor Schmerz oder Angst leidet, die inneren Enden der Augenbrauen in die Höhe und die Mundwinkel herab gezogen werden. Im Jahre 1807 gab Moreau eine Ausgabe von Lavater's Phy-

§'ognomik heraus6, in welche er mehrere seiner eigenen Abhandlungen 5 De la Physionomie et Je la Parole, pai Albert Lemoine. 1865. p. 101. 6 .L'Arl                      Hommes" etc. par G. Lavater. 1'

dieses Werkes, auf welche in .1er Vorredi                         n 1820 in zehn Bänden als

Moreau's Beobachtungen enthaltend Bezug genommen wird, soll im Jahre 1807

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einverleibte; diese enthalten ausgezeichnete Beschreibungen der wegungen der Gesichtsmuskeln in Verbindung mit vielen werthvolle Bemerkungen. Er wirft indessen nur sehr wenig Licht auf die Philo- sophie des Gegenstandes. Wo z. B. Mobkatj von dem Acte des Stirn- runzelns spricht, d. h. von der Zusammenziehung des von französischen Anatomen sogenannten „sourcilier" (des corrugator supercilii), bemerkt er mit Recht: „Cette action des sourciliers est un des symptomes les „plus tranches de l'expression des affections penibles ou concentrees." Er fügt dann hinzu, dasz diese Muskeln wegen ihrer Anheftung und Lage dazu geeignet sind, „ä reserrer, ä concentrer les principaux „traits de la face, comme il convient dans toutes ces passions vrai- „ment oppressives ou profondes, dans ces affections dont le sentiment „sernble porter l'organisation ä revenir sur elle-meme, ä se contracter „et ii s'amoindrir, comme pour offrir moins de prise et de surface „ä des impressions redoutables ou importunes." Wer der Ansicht ist, dasz Bemerkungen dieser Art irgend welches Licht auf die Bedeutung oder den Ursprung der verschiedenen Ausdrucksarten werfen, sieht die Sache von einem von dem meinigen sehr verschiedenen Standpunkte aus an.

In der oben angeführten Stelle findet sich, wenn überhaupt, nur ein kleiner Fortschritt in der Philosophie des Gegenstandes über den vom Maler Le Brot eingenommenen Standpunkt hinaus, welcher 1667 bei der Schilderung des Ausdrucks der Furcht sagt: „Le sourcil,

erschienen sein; und ich zweifle nicht daran, dasz dies richtig ist. weil die

Jcs ersten Bandes stellende „Notice sur Lavater" vom 13. April 1806 da- lirl i~t. In einigen bibliographischen Werken wird indesz als Erschall 1805—1809 angegeben; 1805 scheint aher unmöglich richtig sein zu können. Dr. Duchenne bemerkt (ÄKcanisme de la I'hysionomieHumaine, Ausgabe in 8° 1862, und Area                                       ine, Jan. et Fc'vr. 1862), dasz Moreau

„a compose pour son ouvrage uu article important" etc. im Jahre 1805; ich finde in Band I. der Ausgabe von 1820 Stell                         Daten !'-'. Decem-

ber 1805 und 5. Januar I                        tust dem bereits erwähnten 13. April 1806.

In Folge des Umstände«, dasz einige dieser Stellen im Jahre 1S05 „compose" wurden, schreibt Duchenne dem Moreau die                        Sir Cli. Bell zu,

Werk, wie wir gesehen haben, im Jahre 1806 her                      itde. Dies

ist eine                         nliehe Art, die Priorität wissenschaftliche

i; doch sind derartige Fragen von äuszerst geringer Bedeutung im Ver- gleich mit dein relativen Werthe der Arbeiten. Die oben ans Morean's und

;ii's Abhandlungen ange!                         ind in diesen wie in allen übrigen

Fallen nach der Ausgabe des Lavater von 1820 citirt, Tom. IV., p. 228, Tom. XI, p. 279.

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„est abaisse d'un cöte et eleve" de l'autre, fait voir que la partie „älevee semble le vouloir joindre au cerveau pour le garantir du mal „que l'äme apercoit, et le cöte qui est abaisse et qui parait ende, „nous fait trouver dans cet etat par les esprits qui vieunent du cer- „veau en abondance, comme pour couvrir l'äme et la defendre du mal „qu'elle craint; la bouche fort ouverte fait voir le saisissement du „coeur, par le saug qui se retire vers lui, ce qui l'oblige, voulant „respirer, ä faire un effort qui est cause que la bouche s'ouvre ex- „trßmement, et qui, lorsqu'il passe par les organes de la voix, forn „un son qui n'est point articule; que si les muscles et les veine „paraissent enfles, ce n'est que par les esprits que le cerveau envoie „en ces parties-lä." Ich habe die vorstehenden Stellen für der führung werth gehalten als Proben des überraschenden Unsinns, wel eher über den Gegenstand geschrieben worden ist.

„Die Physiologie oder der Mechanismus des Erröthens" Dr. Bdegess erschien 1839; auf dieses Werk werde ich im dreizehn ten Capitel häufig verweisen.

Im Jahr 1862 veröffentlichte Dr. Duchenne zwei Ausgaben, in Folio und in Octav, seines „Mechanismus der menschlichen Physiog- nomie", worin er mit Hülfe der Electricität die Bewegungen der Ge- sichtsmnskeln analysirte and durch prachtvolle Photographien erläu- terte. Er hat mir in sehr liberaler Weise gestattet, so viele Photographien zu copiren, als ich wünschte. Mehrere seiner Lands- leute haben von seinen Werken nur sehr obenhin gesprochen oder sie vollständig mit Stillschweigen übergangen. Es ist möglich, dasz Duchenne die Bedeutung der Zusammenziehung einzelner Muskeln bei Bildung einer Ausdrucksform übertrieben haben mag: denn in Folge der äuszerst innigen Art und Weise, in der diese Muskeln zusammen- hängen, wie man aus Hkni.k's anatomischen Zeichnungen7 sehen kann (wohl der besten jemals erschienenen), ist es schwer, an deren ge- trennte Wirkung zu glauben. Nichtsdestoweniger hat Duchenne offen- bar diese Fehlerquelle, ebenso wie noch andere, deutlich erkannt; und da er bekanntlich in der Aufklärung der Physiologie der Muskeln mit Hülfe der Electricität auszerordentlich erfolgreich war, so hat er wahrscheinlich wohl auch in Betreff der Gesichtsmuskeln im Allge- meinen Recht. Nach meiner Ansicht hat Dr. Duchenne den Gegen-

: Hau Ib                                                                                             dritte Ab-

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stand durch seine Behandlung desselben bedeutend gefördert. Niem hat die Contraction jedes einzelnen Muskels und die in Folge da in der Haut entstehenden Furchen sorgfältiger studirt als er. Er hat auch gezeigt, — und dies ist ein sehr wichtiger Dienst, den er d Sache geleistet hat, — welche Muskeln am wenigsten unter der G trole des Willens stehen. In theoretische Betrachtungen Iftszi er si sehr wenig ein und versucht nur selten zu erklären, warum un dem Einflüsse gewisser Seelenerregungen sich gewisse Muskeln nicht andere zusammenziehen.

Ein vortrefflicher französischer Anatom, Pierre Gratkukt, an der Sorbonne eine Reihe von Vorlesungen über den Ausdruck halten, welche 1805 nach seinem Tode unter dem Titel „De la l'hy- „sionomie et des Mouvements d"Expression" herausgegeben wurden. Es ist dies ein sehr interessantes Werk, voll von werthvollen Beob- achtungen. Seine Theorie ist ziemlich complicirt und lautet, so weit dieselbe in einem einzigen Satze (p. 65) wiedergegeben werden kai folgendermaszen: — „II resulte de tous les faits que j'ai rappel „que les sens, l'imagination et la pensee elle-meme, si elevee, si ab „straite qu'on la suppose, ne peuvent s'exercer sans eveiller uu senti- „ment correlatif, et que ce sentiment se traduit directement, gym- .pathiquement, symboliquement ou metaphoriquement, dans toutes les „spheres des organes exterieurs, qui le racontent tous, suivaut leur „mode d'action propre, comme si chacun d'eux avait öte directeme: „affecte."

Oka holet scheint die vererbte Gewohnheit und in gewisser Au dehnung sogar die Gewohnheit beim Individuum übersehen zu haben; es gelingt ihm daher, wie es mir scheint, nicht, die richtige Erklä- rung, ja überhaupt nur irgend eine Erklärung vieler Geberden und Ausdrucksweisen zu geben. Als eine Erläuterung für das, was er symbolische Bewegungen nennt, will ich seino. Chevreüi entnomm! nen, Bemerkungen (p. 37), über einen Mann, welcher Billard anführen: „Si une bille devie legerement de la direction que lejoueur „pretend lui imprimer, ne l'avez-vous pas vu cent fois la pousser du „regard, de la töte et mime des gpanles, comme si ces mouvements, „purenient symboliques, pouvaient rectifier son trajet? Des mouve- „ments non moins significatifs se produisent quand la bille rnanque „d'une impulsion süffisante. Et, chez les joueurs novices, ils sont „quelquefois accuses au point d'ßveiller le sourire sur les levres des

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„spectateurs." Derartige Bewegungen lassen sich, wie mir es schei einfach auf Rechnung der Gewohnheit schreiben. So oft ein Mens gewünscht hat, einen Gegenstand auf eine Seite zu bringen, hat er denselben stets nach dieser Seite hin bewegt; sollte es nach vorwärts sein, stiesz er ihn nach vorwärts, und wollte er ihn auf- halten, hat er ihn zurückgezogen. Wenn daher Jemand seinen Billard- ball in einer falschen Richtung laufen sieht und er intensiv wünscht, dasz er in einer andern Richtung laufen möchte, so kann er es in Folge langer Gewohnheit nicht vermeiden, unbewuszt Bewegunge auszuführen, welche er in andern Fällen für wirksam erkannt hat.

Als ein Beispiel sympathischer Bewegungen führt Gratiolet (p. 212) den folgenden Fall an: — „un jeune einen ä oreilles droites, ,anqnel son maitre presente de loin quelque riande appätissante, fixe „avec ardeur ses yeux sur cet objet dont il suit tous les mouvements, „et pendant que les yeux regardent, les deux oreilles se portent en „avant comme si cet objet pouvait etre entendu." Anstatt hier von einer Sympathie zwischen den Ohren und Augen zu sprechen, scheint mir es viel einfacher zu sein anzunehmen, dasz die Bewegungen diese Organe durch lange fortgesetzte Gewohnheit fest mit einander ass ciirt worden sind, da Hunde viele Generationen hindurch, währen«] sie scharf auf irgend einen Gegenstand hinsahen, ihre Ohren gespitzt haben, um jeden Laut zu vernehmen, und umgekehrt auch wiede scharf nach der Richtung hingesehen haben, von welcher her sie ein Laut vernahmen.

Im Jahre 185S veröffentlichte Dr. Pidebit eine Abhandlung übe Ausdruck, die ich nicht gesehen habe, in welcher er aber, ipäter behauptet, Gratiolet in vielen seiner Ansichten zuvor 1867 gab er sein „Wissenschaftliches System der Mimik und Physiognomik" heraus. Es ist kaum möglich, in einigen wenigen Sätzen eine gehörige Idee von seinen Ansichten zu geben. Die beiden folgenden Sätze werden am besten ausdrücken, was in Kürze gesagt werden kann: „Die Muskelbewegungen des Ausdrucks beziehen sich „zum Theil auf imaginäre Gegenstände und zum Theil auf imaginäre ,Sinneseindrücke. In diesem Satze liegt der Schlüssel zum Verstand* „nis aller expressiven Muskelbewegungen." (S. 25.) Ferner „Expres- „sive Bewegungen offenbaren sich hauptsächlich in den zahlreichen „und beweglichen Muskeln des Gesichts, zum Theil, weil die Nerven, lurch welche sie in Bewegung gesetzt werden, in der unmittelbarsten

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„Nähe des Seelenorgans entspringen, zum Theil aber auch, weil diese «Muskeln zu Stützen der Sinnesorgane dienen." (S. 2(3.) Wenn Dr. PniKHiT das Werk Sir Ch. Bell's studirt hätte, würde er wahr- scheinlich nicht gesagt haben (S. 101), dasz heftiges Lachen deshalb ein Runzeln der Stirne verursache, weil es in seiner Art etwas mit dem Schmerz Gemeinsames habe, oder dasz bei kleinen Kindern die Thränen die Augen reizen (S. 103) und dadurch die Zusammenziehui der umgebenden Muskeln veranlassen. Doch sind manche gute merkungen durch das Buch zerstreut, auf welche ich mich später ziehen werde.

Kurze Erörterungen über den Ausdruck sind in verschiedene! Werken zu finden, welche hier nicht einzeln angeführt zu werden brauchen. Dagegen hat Mr. Bus in zweien seiner Werke den Gegen- stand mit einiger Ausführlichkeit behandelt. Er sagt8: „Ich betrachte „den sogenannten Ausdruck als Theil und Stück des Gefühls. Ich „glaube, es ist ein allgemeines Gesetz des Geistes, dasz in Verbindung „mit der Thatsache des inneren Fühlens oder des Bewusztseins eine „diffusive Th&tigkeit oder Erregung auf die Glieder des Körpers aus- geht." An einer andern Stelle fügt er hinzu: „eine sehr beträcht- liche Zahl von Thatsachen kann unter den folgenden Grundsatz ge- nbracht werden, dasz nämlich Zustände des Vergnügens mit einer Er- höhung und Zustände des Schmerzes mit einer Herabstimmung eini- „ger oder aller Lebensfunctionen in Zusammenhang stehen." oben erwähnte Gesetz der diffusiven Thätigkeit der Empfindun. scheint aber zu allgemein zu sein, um auf specielle Ausdrucksfon viel Licht zu werfen.

Mr. Herbert Spencer macht bei Behandlung der Empfindungi in seinen „Grundzügen der Psychologie" (1855) die folgenden Bemer- kungen; „Furcht drückt sich, wenn sie stark ist, in Schreien „Versuchen, sich zu verbergen oder zu entfliehen, in Zuckungen und „Zittern; und dies sind gerade die Erscheinungen, welche das wirk- liche Erfahren des gefürchteten Übels begleiten würden. Die zer- störenden Leidenschaften zeigen sich in einer allgemeinen Spannung „des Muskelsystems, im Knirschen der Zahne and Vorstrecken der „Krallen, in den weit geöffneten Augen und Nasenlöchern, im Knurren;

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Senses and the Intellect. 2 edit. 1864, p. 96 und 288. Die

rkes i-t vom Ji'-ni 1855 datirt. Siehe auch die2.Auf- Bain's Werk: ,On the Emotions and Will.*

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8                                                      Einleitung.

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und dies sind schwächere Formen der Thätigkeitsäuszerungen, wel i Tödten der Beute begleiten." Wie ich glaube, liegt bierin die re Theorie einer groszen Zahl von Ausdrucksformen; das haupt- sächlichste Interesse und die gröszte Schwierigkeit des Gegenstandes liegt aber in dem genaueren Verfolgen des Zustandekommens der wunderbar complicirten Resultate. Ich sehe, dasz irgend Jemand iher war. bin ich nicht im Stande gewesen, zu ermitteln) bereits früher eine ganz ähnliche Ansicht ausgesprochen hat; denn Sir Ch. Bell sagt9: „Es ist behauptet worden, dasz das, was die „äuszeren Zeichen der Leidenschaften genannt wird, nur die begleiten- 'ii Erscheinungen jener willkürlichen Bewegungen sind. die örperbau nothwendig macht." Mr. Spencer hat auch eine wei volle Abhandlung über die Physiologie des Lachens10 veröffentlich in welcher er auf das allgemeine Gesetz mit Nachdruck hinweist. dasz die „Empfindung, wenn sie einen gewissen örad „gewöhnlich in einer körperlichen Handlung äussert", und dasz von keinem besondern Beweggrunde geleiteter Überschusz von Nervt aft offenbar zunächst die gewohnheitsgemäszen Wege einschlagen rd: reichen aber diese nicht hin, so flieszt derselbe in die weniger wohnheitsgemäszen über." Für die Beleuchtung unseres Gegen- ndes ist dies Gesetz, wie ich glaube, von der gröszten Bedeutung11. Alle Schriftsteller, welche über den Ausdruck geschrieben haben, scheinen mit Ausnahme Mr. Spencer's, des groszen Commentators des Princips der Entwickelung, fest davon überzeugt

rnncips aer iuitwieKeiung, lest uavon unerzeugt gewesen zu sein. dasz die Arten, natürlich mit Einschlusz des Menschen, in ihrem gegenwärtigen Zustande in's Dasein traten. Sa Ch. Beli . n

R Erzeugung hatte, behauptet, dasz viele unserer Gesichtsmu-- Inatomy of Expression. :'.. edit p. 121. Series. 1863. p. in leihe findet sich eine Erörterung Ober das Lachen, welche mir aber i sehr u " Seit dem Erscheinen der oben angezogenen Abhandlung hat Mr. Spencer noch eine andere geschrieben über „Morala and Moral Sentiments" in der Fort- nightly Review. April 1.. 1871, p. 426                                                  blaszfolj

rangen im 2. Bande der 2. Ausgabe der Princ

veröffentlicht, um der Anschuldigung so entgehen, dl griffe ich in Mr. Sp< cer's Bereich über, will ich erwähnen, das/ ich schon in dei „Abstammung i Menschen" ankündigte,                                                               genden Buches ge-

schrieben zu haben. Meine ersten schriftlichen Aufzeichnungen über dl Ausdrucks tragen das Datum von 1838.

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kein „blosze Werkzeuge für den Ausdruck" seien, oder „eine specielle Einrichtung" für diesen einen Zweck darstellen,2. Aber schon die einfache Thatsache, dasz die menschenähnlichen Affen die nämlichen Gesichtsmuskeln wie wir besitzen,3, macht es sehr unwahrscheinlich, dasz diese Muskeln bei uns ausschlieszlich dem Gesichtsausdrucke dienen; denn ich denke doch, dasz Niemand anzunehmen geneigt sein wird, dasz Affen mit speciellen Muskeln begabt worden sind nur zu dem Zwecke, ihre widerlichen Grimassen darzustellen. Es lassen sich in der That bestimmte, vom Ausdrucke unabhängige Gebrauchsweisen mit groszer Wahrscheinlichkeit für beinahe alle Gesichtsmuskeln nach- weisen.

Sik Cn. Bki.i. wünschte offenbar einen so weiten Unterschied sehen dem Menschen und den niederen Thieren zu machen wie nu: möglich; und in Folge hiervon behauptet er, dasz „bei den niederen „Geschöpfen kein Ausdruck vorhanden ist als das, was man mehr „oder weniger deutlich auf die Äuszerungen ihres Willens oder die „notwendigen Instincte zurückführen kann." Er behauptet ferner, dasz ihre Gesichter hauptsächlich im Stande zu sein scheinen, Wuth oder Furcht auszudrücken" '*. Aber selbst der Mensch kann Liebe und Demuth durch auszere Zeichen nicht so deutlich ausdrücken ein Hund, wenn er mit hängenden Ohren, herabhängenden Lippe: sich windendem Körper und wedelndem Schwänze seinem geliebti Herrn begegnet. Auch lassen sich diese Bewegungen beim Hunde nicht durch Handlungen des Willens oder durch nothwendige Instincte erklären, ebensowenig wie das Glänzen der Augen und das Lüche! der Wangen bei einem Menschen, wenn er einen alten Freund tri Wenn Sra Ch. Bell über den Ausdruck der Zuneigung beim Hunde gefra. worden wäre, so würde er ohne Zweifel geantwortet haben, dasz dies Thier mit speciellen Instincten erschaffen worden sei, welche dasselbe für die gesellige Verbindung mit dem Menschen geschickt machten, und dasz alle weiteren Untersuchungen über den Gegenstand überflüssig seien.

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Anatomy of Expression 3. edit. p. 98, 121, 131. '« Professor Owen führt ausdrücklich an (Proceed. Zoolog. Soc. 1830, p. 28), dasz dies in Bezug auf den Orang der Fall ist, und zählt speciell die bedeutungs- volleren Muskeln auf, von welchen bekannt ist, dasz sie beim Menschen dazu dienen, seine Gefühle auszudrücken. Siehe auch eine Beschreibung mehrerer Ge- sichtsmuskeln des Chimpanse von Prof. Macalister in: Annals and Magaz. of Natur. Ili-i. VoL Vll. May, 1871, p. M2.

* Anatomy of Expression, p. 121, 138.

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10                                                    Einleitung.

Obgleich Gratiolet es emphatisch leugnet15, dasz irgend ei Muskel allein zum Zwecke des Ausdrucks entwickelt worden sei, s scheint er doch niemals über das Princip der Entwickelung nach gedacht zn haben. Allem Anscheine nach betrachtet er jede Speci als Resultat einer besonderen Schöpfung. Dasselbe gilt auch von di übrigen Schriftstellern über den Ausdruck. Nachdem /. B. Dr. DüCHBS von den Bewegungen der Gliedmaszen gesprochen hat, geht er ai diejenigen über, welche dem Gesichte einen bestimmten Ausdruc geben, und bemerkt16: „Le crateur n'a donc pas eu ä se preoccuper „ici des besoins de la meeanique; il a pu, selon sa sagesse, ou — que „Von me pardonne cette maniere de parier — par uue divine fantaisii „mettre en action tel ou tel muscle, un seul ou plusieurs musch „ä la fois, lorsqu'il a voulu que les signes caracteristiques des im-sins. „meine les plus fugaces, fussent ecrits passagerement sur la face de „l'homme. Ce langage de la physionomie une fois a66, il lui a sufli, „pour le rendre universel et immuable, de donner ä tout Stre humain

faculte" instinctive d'exprimer toujours ses sentiments par la con-

ction des meines muscles."

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Viele Schriftsteller betrachten den ganzen Gegenstand, die schiedenen Ausdrucksformen, als unerklärlich. So sagt der berühm Physiolog Johannes Müixeb17: „Der so äuszerst verschiedene A ,druck der Gesichtszüge in den verschiedenen Leidenschaften zeigt, „dasz je nach der Art der Seelenzustände ganz verschiedene Gruppen «der Fasern des Nervus facialis in Thätigkeit oder Abspannung ge- setzt werdeD. Die Gründe dieser Erscheinung, dieser Beziehung „der Gesichtsmuskeln zu besondern Leidenschaften, sind gänzlich un- bekannt."

So lange man den Menschen und alle übrigen Thiere als besond Schöpfungen betrachtet, wird ohne Zweifel dadurch unserm natürlichen Verlangen, den Ursachen des Ausdrucks so weit ;ils möglich nach- zuforschen, eine wirksame Schranke gesetzt. Nach dieser Theorie kann Alles und Jedes gleichmäszig gut erklärt werden; in Bezug auf die Lehre vom Ausdruck hat sie sich ebenso verderblich erwiesen, wie in Bezug auf jeden andern Zweig der Naturgeschichte. Beim Menschen

1,1 De l.i Phj sion imie, p. 12, 7::.

" Mlcanisme de la Physionomie Hnmaine. Ausg. in 8°, p. 31. Handbuch der Physiologie

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Au-

lassen sich einige Formen des Ausdrucks, so das Sträuben des Haa unter dem Einflüsse des äuszersten Schreckens, oder des Entblöszens der Zähne unter dem der rasenden Wuth, kaum verstehn, ausgenom- men unter der Annahme, dasz der Mensch früher einmal in einem viel niedrigeren und thierähnlichen Zustande existirt hat. Die Gemeinsam- keit gewisser Ausdrucksweisen bei verschiedenen, aber verwandten Species, so die Bewegungen derselben Gesichtsmuskeln während Lachens beim Menschen und bei verschiedenen Affen, wird etwas ständlicher, wenn wir an deren Abstammung von einem gemeinsamen Urerzeuger glauben. AVer aus allgemeinen Gründen annimmt, dasz der Körperbau und die Gewohnheiten aller Thiere allmählich ent- wickelt worden sind, wird auch die ganze Lehre vom körperlichen

drucke der Seelenzustände in einem neuen und interessanten Lieh

achten.

Das Studium des Ausdrucks ist schwierig, da die Bewegung! häufig äuszerst unbedeutend und von einer schnell vorübergehenden Natur sind. Es mag schon eine Verschiedenheit wahrgenommen wer- den, und doch kann es, wie ich wenigstens gefunden habe, unmögl sein, anzugeben, worin die Verschiedenheit besteht. Wenn wir Zeuj irgend einer tiefen Erregung sind, so wird unser Mitgefühl erregt, das/, wir vergessen oder dasz es uns fast unmöglich wird, eine sorgfältige Beobachtung anzustellen. Von dieser Thatsache habe ich viele merkwürdige Belege erbalten. l'usre Einbildung ist eine andere und noch bedenklichere Quelle des [rrthums; denn wenn wir nach der Natur der Umstände irgend einen Ausdruck zu sehn erwarten, bilden wir uns leicht seine Anwesenheit ein. Trotzdem Dr. Di CHE

ahrung besasz, so glaubte er doch, wie er selbst angibt. lange Zeit. das/, sich bei gewissen Seelenerregungen mehrere Muskeln

ammenzögen, wahrend er sich zuletzt überzeugte, dasz die Bewegung

einen einzelnen Muskel beschränkt war.

Um eine so gute Grundlage als nur möglich zu gewinnen und um, unabhängig von der gewöhnlichen Meinung, zu ermitteln, in wie weit besondere Bewegungen der Gesichtszüge und eigentümliche Ge- berden wirklich gewisse Seelenzustände ausdrücken, habe ich die fol- genden Mittel als die nützlichsten befunden. An erster Stelle sind Kinder zu beobachten: denn sie bieten, wie Sir Ch. Bell bemerkt, viele seelische Erregungen „mit auszerordentlicher Kraft" dar: während

Bpätem Leben mehrere unsrer Ausdrucksarten „aufhören, der reinen

..-'''                                                  ' ...:: ' ,: ::'

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Einleitung.

„und einfachen Quelle zu entspringen, aus welcher sie in der Kindheit „ hervorgehen" 1B.

An zweiter Stelle kam mir der Gedanke, dasz man Geisteskranke studiren müsse, da sie Ausbrüchen der stärksten Leidenschaften aus- gesetzt sind, ohne sie irgendwie zu controliren. Ich selbst hatte keine Gelegenheit dies zu thun; ich wandte mich daher an Dr. Mai und erhielt von ihm eine Empfehlung an Dr. J. Crichton BROWNE, welcher eine auszerordentlich grosze Irrenheilanstalt in der Nähe von Wakefield leitet und, wie ich fand, dem Gegenstande bereits Auf- merksamkeit geschenkt hatte. Dieser vorzügliche Beobachter hat mir mit unermüdlicher Freundlichkeit zahlreiche Notizen und Beschreibungen mit werthvollen Andeutungen über viele Punkte gesandt, und ich kann den Werth seiner Unterstützung kaum überschätzen. Ich ver- danke auch der Freundlichkeit des Mr. Patrick Nicol von der Sussex- Irrenanstalt interessante Angaben über zwei oder drei Punkte.

Drittens galvanisirte Dr. Duchenne, wie wir bereits gesehen haben, bestimmte Muskeln im Gesichte eines alten Mannes, dessen Haut wenig empfindlich war, und rief dadurch verschiedene Ausdrucksarten hervor, welche in einem grossen Maszstabe photographirt wurden. Glücklicherweise fiel es mir ein, mehrere der besten Tafeln ohne ein Wort der Erklärung mehr als zwanzig gebildeten Personen verschie- denen Alters und beiderlei Geschlechts zu zeigen und diese in jedem einzelnen Falle zu fragen, von welcher Seelenbewegung oder von wel- chem Gefühl der alte Mann ihrer Vermuthung nach wohl erregt sei; die Antworten, die ich erhielt, notirte ich mir mit den von ihnen ge- brauchten Worten. Mehrere dieser Ausdrucksformen wurden von bei- nahe jeder Person augenblicklich erkannt, wenn sie auch nicht mit genau denselben Worten beschrieben wurden, und ich glaube, dasz man diese als naturgetreu ansehn kann; ich werde sie später einzeln anführen. Auf der andern Seite wurden in Bezug auf einige derselben die allerverschiedensten Urtheile geäussert. Dieses Vorzeigen war noch in einer andern Art von Nutzen, da es mich überzeugte, wie leicht wir von unsrer Einbildung irregeführt werden können; denn als ich zum ersten Male Dr. DüCHENNE'a Photographien durchsah und gleich- zeitig den dazu gehörigen Text las, wobei ich erfuhr, was darzustellen beabsichtigt worden war, wurde ich von der Wahrhaftigkeit aller,

19 Anatoiny of Expression, 3. edit. p. 198.

k of Charles Darwin 0: iline

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mit nur wenig Ausnahmen, mit Bewunderung erfüllt. Wenn ich aber dieselben ohne Erklärung durchgesehen hätte, so würde ich dem- ungeachtet ohne Zweifel ebenso sehr in manchen Fällen in Verwirrung gerathen sein, wie es andern Personen ergangen ist.

Viertens hatte ich auch gehofft, von den groszen Meistern der Malerei und Bildhauerkunst, welche so aufmerksame Beobachter sind, eine grosze Hülfe zu erhalten. Ich habe daher Photographien Kupferstiche vieler allgemein bekannter Kunstwerke genau betrachte habe aber, mit wenig Ausnahmen, dadurch keinen Vortheil erlangt Der Grund hiervon ist ohne Zweifel der, dasz bei Werken der Kunst die Schönheit das hauptsächlichste, oberste Ziel ist; und stark eontra- hirte Gesichtsmuskeln zerstören die Schönheit ". Die der Composition zum Ausgangspunkte dienende Geschichte wird meistens durch ge- schickt angebrachte Nebendinge mit wunderbarer Kratt zur Dar Stellung und zum Ausdrucke gebracht.

Fünftens schien es mir von groszer Bedeutung zu sein, zu er- mitteln, ob dieselben Weisen des Ausdrucks, dieselben Geberden bei allen Menschenrassen, besonders bei denjenigen, welche nur wenig mit Europäern in gesellige Berührung gekommen sind, vorkommen, wie so oft ohne viele Belege zu geben behauptet worden ist. Wenn nur immer dieselben Bewegungen der Gesichtszüge oder des Körpers bei mehreren verschiedenen Bässen des Menschen dieselben Seelenbewe- gungen ausdrücken, so können wir mit groszer Wahrscheinlichkeit folgern, dasz derartige Ausdrucksarten echte sind, d. h. dasz sie an- geborne oder instinctive sind. Conventionelle Ausdrucksformen oder Geberden, welche das Individuum während der ersten Zeit seines Lebens sich aneignet, dürften wahrscheinlich bei den verschiedenen Kassen in derselben Weise von einander verschieden gewesen sein, wie deren Sprachen es sind. In Folge dessen vertheilte ich, zeitig im Jahre 1867, die folgenden Fragen gedruckt mit der Aufforderung, welcher auch vollständig entsprochen worden ist, dasz man sich nur auf wirkliche Beobachtungen, nicht auf das Gedächtnis verlassen möge. Diese Fragen wurden nach dem Verlaufe einer beträchtlich langen Zeit seit meiner ersten Beschäftigung mit dem Gegenstande niedergeschrieben, innerhalb deren meine Aufmerksamkeit nach einer andern Richtung hin in Anspruch genommen war; und ich sehe jetzt,

Bemerkungen hierüber in Ldssing'a Laokoon.

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dasz sie viel besser Lütten gestellt werden können. Einigen der später versendeten Exemplare fügte ich handschriftlich noch einige wenige Bemerkungen hinzu.

1. Wird Jas Erstaunen dadurch ausgedrückt, dasz die Augen und Mund weit geöffnet and die Augenbrauen in die Höhe gezogen werden? egt die Scham ein Erröthen . wenn die Farbe der Haut ein Sichtbarwerden desselben gestattet? und besonder-: sich das Erröthen am Körper abwärts?

3. Wenn ein Mensch indignirt oder trotzig ist. runzelt er die Stir: hält er seinen Körper und Kopf aufrecht, wirft er seine Schultern zurüc und ballt er die Faust ?

I.   Wenn er Ober irgend einen Gegenstand tief nachdenkt oder Räthsel zu lösen versucht, runzelt er die Stirn oder die Haut unterha der untern Augenlider?

5.   Sind im Zustande der Niedergeschlagenheit die Mundwinkel heral

ind <1 i innern Enden der Augenbrauen durch den Muskel, weicht die Franzosen den »Gram-Muskel« nennen, emporgehoben? Die Auge: brauen Btehen in diesem Zustande unbedeutend schräg, ihr innen ist leicht angeschwollen und die Stirn ist im mittleren Theile quer . aller nicht quer aber die ganze Breite, wie dann, wenn die Augenbrauen beim Erstaunen in die Höhe gezogen werden.

6.   Wenn der Mensch in guter Laune ist. glänzen dann ist die Haut rund um sie herum und anter ihnen etwas gerunzelt und

Winkeln ein wenig nach hinten gezog

7.   Wenn ein Mensch einen andern verhöhnt oder bissig anfahrt, wi dann der Winkel der Oberlippe über dem Hund                         zahn auf

hoben, auf welcher der                                       I sich findet?

8.   Ist der Ausdruck des Mürrisch- oder Obstinatseins wieder

and leicht gerunzelt sind?'

9.   Wird Verachtung durch ein leichtes Vorstrecken der Lipp Smporheben der Nase, verbunden mit einer Leichten Exspiration ausge

drückt?

10.   Wird Widerwille dadurch                           die Unterlippe nach ali-

ud die Oberlippe leicht erhoben wird in Verbindung einer plötzlichen Exspiration, bald so wir ein beginnendes Erbrechen als wenn                          m Munde ausgesj

II.   Wird die äuszerste Furcht allgemein in derselben Weise ausge' drückt, wi- bei Europäern?

1-'. Wird dl                           ls so weit getrieben,  dasz es Thränen

die Augen bringt ?

IM. Wenn riii Mensch zu zeigen wt                          t irgend etwas hen nicht verhindern kann oder dasz er selbst etwas nicht tli kann, zinkt er dann mit den Schultern, wendet er                            ii nach

innen, streckt er seine Hände nach aussen und öffnet   er dieselben, wobei noch dir Augenbrauen erhoben werden?

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14.  Wenn Kinder mürrisch oder eigensinnig sind, lassen sie d den Mund hängen oder strecken sie die Lippen vor?

15.   Kann Schuld, oder Schlauheit, oder Eifersucht im Ausdrucke kannt werden? rch weiss indessen nicht, wie diese Ausdrucksform scharf zu bestimmen Bind.

16.   Wird bei der Bejahung der Kopf in Benkrechter Richtung genic und bei der Verneinung nach den Seiten geschüttelt?

Beobachtun'n an Eingebornen, welche nur wenig Communic ern gehabt haben, worden natürlich die werthvollsten sein, obschon Eingebornen angestellt von groszem Interesse für mich sein wurden. Allgemeine Bemerkungen über den Ausdruck sind von ver- bältnismäszig geringem Werthe; und das Gedächtnis ist so trüg

h ernstlich bitte, ihm nicht zu trauen. Eine bestimmt abgefaszte Beschri                      Irucke unter irgend ein                    ong oder einem

bestimmten Zustande des Geistes, mit einer Angabe der [Imstande, unter welchen jene eintraten, würden groszen Werth für mich haben.

Auf diese Fragen habe ich sechsunddreiszig Autworten von ver- schiedenen Beobachtern erhalten, mehrere derselben von Missionären oder Beschützern der eingebornen Bevölkerung, denen allen ich für die grosze Mühe, welche sie sich gegeben haben, und für die werthvolle Hülfe, die ich dadurch erhalten habe, auf's Tiefste verbunden bin. Ich will ihre Namen u. s. w. am Ende des vorliegenden Abschnittes einzeln aufzählen, um nicht die Reihe meiner Bemerkungen hier zu unterbrechen. Die Antworten beziehen sich auf mehrere der ver- schiedensten und wildesten Rassen des Menschen. In vielen Fällen sind die Umstände erzählt worden, unter denen eine jede der Ausdrucks- formen beobachtet worden ist, und die Ausdrucksform selbst ist be- schrieben. In derartigen Fällen kann den Antworten ein groszes Vertrauen geschenkt werden. Bestanden die Antworten einfach in Ja oder Nein, dann habe ich sie immer mit Vorsicht aufgenommen. Au3 der mir hierdurch gewordenen Belehrung folgt, dasz ein und derselbe Zustand der Seele durch die ganze Welt mit merkwürdiger Gleich- förmigkeit ausgedrückt wird; und diese Thatsache ist als ein Beweis für die grosze Ähnlichkeit aller Menschenrassen im Baue des Körpers und in den geistigen Anlagen schon an sich interessant.

Sechstens und letztens habe ich so sorgfältig als ich nur konnte dem Ausdrucke mehrerer Leidenschaften bei einigen der gewöhnlichen Hausthiere Aufmerksamkeit gewidmet; und dies ist, wie ich glaube, von äuszerster Bedeutung, natürlich nicht, um zu entscheiden, in wie weit beim Menschen gewisse Ausdrucksformen für bestimmte Seelen- zustände characteristisch sind, sondern deshalb, weil es die sicherste

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Grundlage für eine Verallgemeinerung in Betreff der Ursachen oder des Ursprungs der verschiedenen Bewegungen des Ausdrucks darbietet. Bei der Beobachtung von Thieren sind wir weniger dem ausgesetzt, von unsrer Einbildung uns vorweg einnehmen zu lassen, und darüber können wir sicher sein, dasz die Ausdrucksart der Thiere nicht con- rentionell ist.

Die Beobachtung des Ausdrucks ist aus den oben erwähnten Gründen durchaus nicht leicht, was auch viele Personen, die ich ge- beten habe gewisse Punkte zu beobachten, sehr bald gefunden haben. Diese Gründe sind einmal: die flüchtige Natur mancher Ausdruc formen — der Umstand, dasz die Veränderungen in den Gesichl zügen häufig äuszerst gering sind, — dasz unsre Sympathie leici erweckt wird, wenu wir irgend eine starke Erregung der Seele vor uns sehn, wodurch unsre Aufmerksamkeit abgezogen wird, — dasz uns unsere Einbildungskraft täuscht, indem wir in einer unbestimm Weise wissen, was etwa zu erwarten ist, trotzdem sicherlich i ige von uns wissen, worin die eigentlichen Veränderungen in dem drucke genau bestehn, — und endlich selbst unsre lange Vertrautheit t dem Gegenstände: alle diese Gründe wirken vereint. Es ist dem- zufolge schwer mit Sicherheit zu bestimmen, welches die Bewegungen der Gesichtszüge und des Körpers sind, die gewöhnlich gewisse Seelen- zustände characterisiren. Nichtsdestoweniger sind doch, wie ich hoffe, einige dieser Zweifel beseitigt worden und zwar einmal durch die Beobachtung kleiner Kinder, der Irren, der verschiedenen Menschen- rassen, der Kunstwerke und endlich der Gesichtsmuskeln, wie diese unter der Wirkung des Galvanismus in Dr. DüCHKNNE's Versuchen erscheinen.

Es bleibt aber noch immer die viel bedeutendere Schwierigkeit übrig, nämlich die Ursache oder den Ursprung der verschiedenen Aus- drucksformen einzusehn und zu beurtheilen, ob irgend eine theoretische Erklärung zuverlässig ist. Auszer dem Versuche, mit unserm Ver- stände, so gut als wir nur ohne Hülfe irgend welcher Regeln es können, zu beurtheilen, welche von zwei oder mehr Erklärungen die zufriedenstellendste ist, oder ob beide völlig unbefriedigend sind, sehe ich nur einen Weg, unsre Schluszfolgerungen zu prüfen. Der selbe besteht darin, dasz wir beobachten, ob dasselbe Princip, durch welches dem Anscheine nach die eine Ausdrucksform erklärt wer

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kann, in andern verwandten Fällen angewendet werden kann, und besonders, ob ein und dasselbe allgemeine Princip mit befriedigenden Resultaten sowohl auf den Menschen als auf die niedern Thiere an- wendbar ist. Ich bin zu glauben geneigt, dasz diese letztere Methode von allen die brauchbarste ist. Die Schwierigkeit, die Wahrheit irgend einer theoretischen Erklärung zu beurtheilen und dieselbe durch eine bestimmte Untersuchungsweise zu prüfen, beeinträchtigt in hohem Masze das Interesse, welches dies Studium eigentlich wohl zu erregen ganz geeignet scheint.

Endlich möchte ich in Bezug auf meine eignen Beobachtungen erwähnen, dasz dieselben im Jahre 1838 begonnen wurden und dasz ich von jener Zeit an bis auf den heutigen Tag gelegentlich dem Gegenstande Aufmerksamkeit geschenkt habe. Zu der eben angegebenen Zeit war ich bereits geneigt, an das Princip der Entwickelang oder der Herleitung der Arten von andern und niedrigeren Formen zu glauben. In Folge hiervon fiel mir, als ich Sir Cn. Bku.'s groszes Werk las, dessen Ansicht, dasz der Mensch mit gewissen Muskeln erschaffen worden sei, welche speciell zum Ausdrucke seiner Empfin- dungen eingerichtet seien, als unbefriedigend auf. Es schien mir viel- mehr wahrscheinlich zu sein, dasz die Gewohnheit unsre Gefühle durch gewisse Bewegungen auszudrücken, wenn sie auch jetzt zu einer an- gebornen geworden ist, doch in einer gewissen Art und Weise all- mählich erlangt worden sei. Es war aber in keinem geringen Grade verwirrend, herausfinden zu sollen, wie derartige Gewohnheiten erlangt winden sind. Der ganze Gegenstand musste von einem neuen Gesichts- punkte aus betrachtet werden und eine jede Ausdrucksform verlangte eine rationelle Erklärung. Diese Überzeugung führte mich dazu, das vorliegende Werk zu versuchen, wie unvollkommen seine Ausführung auch ausgefallen sein mag.

Ich will nun die Namen der Herren mittheilen, denen ich, wie ich oben sagte, für Informationen in Bezug auf den Ausdruck, wie ihn die verschiedenen Menschenrassen darbieten, zu Dank tief ver- pflichtet bin, und ich will auch einige der Umstände speciell anführen, unter denen in einem jeden Falle die Beobachtungen angestellt worden sind. Dank der grossen Freundlichkeit und dem bedeutenden Einflüsse des Mr. Wilson", auf Hayes Place, Kent, habe ich aus Australien nicht

i>\i:wi\. Atudrnck. Dritt« Auflage, vu.)                                                                 2

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Ig                                                   Einleitung.

weniger als dreizehn Reihen von Antworten auf meine Fragen erhalten. Dies ist ganz besonders glücklich für mich gewesen, da die Eingebornen von Australien zu den distinctesten von allen Menschenrassen gehören. Man wird bemerken, dasz die Beobachtungen hauptsächlich im Süden, in den Grenzbezirken der Colonie Victoria gemacht worden sind; doch habe ich auch einige ausgezeichnete Antworten aus dem Norden erhalten.

Mr. Dison Lact hat mir im Detail einige werthvolle Beob- achtungen mitgetheilt, welche er mehrere hundert Meilen weit im Innern von Queensland angestellt hat. Mr. R. Brough Smvtii in Melbourne bin ich sehr verbunden für Beobachtungen, die er selbst angestellt hat, und für Zusendung mehrerer der folgenden Briefe, nämlich: Von Mr. Hagenauer von Lake Wellington, einem Missionär in Gippsland, Victoria, welcher durch seinen Umgang mit den Eingebornen viele Erfahrung besitzt. Von Mr. Samuel Wilson, einem Grundbesitzer, welcher in Langerenong, Wimmera, Victoria, lebt. Von Mr. George Taplln, Oberaufseher der eingebornen industriellen Niederlassung in Port Macleay. Von Mr. Arciiibalij G. Lang in Coranderik, Victoria, einem Lehrer an einer Schule, in welcher alte und junge Eingeborne von allen Theilen der Colonie zusammenkommen. Von Mr. H. B. Lane in Belfast, Victoria, einem Polizeibeamten und Amtmanne, dessen Beobachtungen, wie mir versichert worden ist, in hohem Grade zu- verlässig sind. Von Mr. Templeton Blnnkit in Echuca, dessen Auf- enthaltsort an der Grenze der Colonie Victoria liegt, und welcher in Folge dessen im Stande war, viele Eingeborne zu beobachten, welche wenig Verkehr mit den Weiszen gehabt haben. Er hat seine Beob- achtungen mit denen zweier andrer Herren verglichen, welche lange in seiner Nähe gelebt haben. Endlich auch von Mr. J. Bulmer, einem Missionär in einem entfernten Theile von Gippsland, Victoria.

Ich bin auch dem ausgezeichneten Botaniker, Dr.

, in Victoria, für einige von ihm selbst.angestellte Beob- achtungen, wie für Zusendung andrer, welche Mrs. Green gemacht hat, sowie mehrerer der vorstehend erwähnten Briefe verbunden.

In Bezug auf die Maoris von Neu-Seeland hat mir Mr. J. W

einige wenige meiner Fragen beantwortet; diese Antworten waren aber merkwürdig ausführlich, klar, deutlich und bestimmt und ent- hielten Schilderungen der umstände, unter denen die Beobachtungen

acht worden sind.

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Der Rajah Brooke hat mir einige Informationen in Bezug a die Dyaks von Borneo gegeben.

Betreffs der Malayen bin ich auszerordentlich erfolgreich gewesen. JIr. F. Gk.uii (an welchen ich von Mr. WiLLACE empfohlen worden war) hat während seines Aufenthaltes im Innern von Malacca als Bergbau-Ingenieur viele Eingeborne beobachtet, welche noch niemals vorher mit weiszen Leuten in gesellige Berührung gekommen waren. Er hat mir zwei lange Briefe geschrieben mit ausgezeichneten und detaillirten Beobachtungen über den Ausdruck. Gleichzeitig hat er auch die chinesischen Einwanderer in dem Maluyischen Archipel beob- achtet.

Auch der bekannte Naturforscher, Mr. Swixuoe, groszbritannischer Consul, hat die Chinesen, und zwar in ihrem Heimathlande, in meine Interesse beobachtet und Erkundigungeu bei Andern angestellt, a welche er sich verlassen konnte.

In Indien hat Mr. H. Erskine während seines Aufenthalts in seiner officiellen Stellung in dem Admednugur-Bezirk der Präsident- schaft Bombay der Ausdrucksweise der Einwohner Aufmerksamkeit geschenkt, hat aber deshalb viel Schwierigkeit gefunden, zu irgend welchen sichern Schluszfolgerungen zu gelangen, weil dieselben ge- wöhnlich alle ihre Seelenerregungen in der Gegenwart von Europäern zu verbergen suchen. Er hat auch Informationen für mich von Mr. West, dem Uichter in Canara, erhalten, und einige intelligente ein- geborne Herren über gewisse Punkte consultirt. In Calcutta beob- achtete Mr. Scott, der Curator des botanischen Gartens, sorgfältig die verschiedenen Menschenstämme, welche in dem Garten während eines beträchtlichen Zeitraums angestellt waren, und Niemand hat mir so ausführliche Details mitgetheilt wie er. Die Gewohnheit sorg- fältiger Beobachtung, welche er durch seine botanischen Studien sich angeeignet hatte, hat er auch in Bezug auf den in Frage stehenden Gegenstand zur Geltung gebracht. In Betreff der Insel Ceylon bin ich Mr. S. 0. Gi.kmk für Antworten auf mehrere meiner Fragen zu Dank verpflichtet.

Wenn ich mich min zu Africa wende, so bin ich, was betrifft, wenig glücklich gewesen, obschon .Mr. Wnrwooc Beide mir geholfen hat, so weit es nur in seiner Macht stand. Es Würde ver- weise leicht gewesen sein, Informationen in Betreu der Neger- Sklaven in America zu erhalten; da diese aber lange Zeit mit weiszen

2*

The Con                                          rv.'in Onlit

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Menschen Umgang gehabt haben, so würden derartige Beobachtungen nur wenig Wertb besessen haben. Im südlichen Theile des africa- nischen Continents beobachtete Mra. Bakbeb die Kauern nnd Fingoes und schickte mir viele ganz bestimmte Antworten. Mr. J. P.

i: hat gleichfalls Beobachtungen über die Eingebornen angestellt; er hat mir auch ein merkwürdiges Document verschafft, nämlich die englisch niedergeschriebene Ansicht des Christian Gaika, Bruder des Häuptlings Sanddjj, über die Ausdrucksweisen seiner Landsleute. In den nördlichen Gegenden von Africa beantwortete Captain welcher lange bei den Abyssiniern gelebt hat, meine Fragen theils aus dem Gedächtnis theils nach Beobachtungen, welche er am Sohne des König Theodor, der damals unter seiner Obhut war, angestellt hat.                           Gkav und Mrs. Gray zollten mehreren Punkten

betreffs der Ausdrucksweisen der Eingebornen Aufmerksamkeit, als sie dieselben während ihrer Reise den Nil hinauf zu beobachten Gelegen- heit hatten.

Auf dem grossen americanisehen kontinent hat Mr. Bsi bei den Feuerländern lebender Katechet, einige wenige Fragen in Be- zug auf die Ausdrucksweisen derselben beantwortet, welche ii vielen Jahren ihm vorgelegt hatte. In der nördlichen Hälfte des Continents] beobachtete Dr. Bothrock die Ausdrucksweise der wilden Atnah- und Espyox-Stämme am Nasse-Flasz im nordwestlichen America. Auch beobachtete Mr. Wasium,                       . Assistenzarzt in der

Armee der Vereinigten Staaten, mit besonderer Sorgfalt (nachdem er meine in den Smithsonian Reports abgedruckten Fragen gesehn hatte) einige der wildesten Stämme in den westlichen Theilen der Vereinigten Staaten, nämlich die Tetons, die Grosventres, die Mandans und die Assinaboines; seine Antworten haben sich als äuszerst werthvoll erwiesen.

Endlich habe ich noch, auszer diesen speciellen Quellen der In- formation, einige wenige Thatsachen gesammelt, welche beiläufig in Reisewerken mitgetheilt sind.

Da ich häufig, und besonders im letzten Theile dieses Werkes, die Muskeln des menschlichen Gesichts zu erwähnen haben werde, habe ich eine Zeichnung aus Sir Ca. Bei.i.'s Werk copiren und ver-

Kinern lassen (Fig. 1), ebenso zwei andere mit noch sorgfältigeren

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Details (Fig. 2 und Fig. 3) aus Henle's bekanntem „Handbuch d Anatomie des Menschen". Die gleichen Buchstaben beziehn sich in allen drei Figuren auf die nämlichen Muskeln; es sind aber nur die Namen der bedeutungsvolleren angegeben, auf welche ich mich zu beziehen haben werde. Die Gesichtsmuskeln verschmelzen vielfach unter einander und erscheinen, wie mir gesagt worden auf einem praparirten Gesichte kaum so deutlich geschieden, wie hier dargestellt worden sind. Einige Schriftsteller nehmen an, dj die Gesichtsmusculatur aus neunzehn paarigen und Muskel besteht20; Andere lassen aber die Zahl viel gröszer sein, selbst bis auf fünfundfünfzig reichen, nach Mobeaü. Wie Alle zugeben, welche über den Gegenstand geschrieben haben, sind sie sehr variabel in ihrer Anordnung und Mokeau bemerkt, das/, sie in kaum einem halben Dutzend Individuen gleich sind.21 Sie variiren auch ihrer Function nach. So ist z. B. das Vermögen, den Augenzahn der einen Seite zu entblöszen, bei verschiedenen Personen sehr verschieden. Auch die Fähigkeit dir Nasenflügel zu bewegen ist der Angabe Pih zufolge in einem merkwürdigen Grade verschieden; und noch ande derartige Fälle lieszen sich anführen.

Endlich kann ich mir das Vergnügen nicht versagen, meiner Ver- bindlichkeit gegen Mr. Bejlandeb wegen der Mühe Ausdruck zu geben, welche er sich gegeben hat, verschiedene Ausdrucksweisen für mic zu photographiren. Ich bin auch Herrn Kinukkmann in verbunden für das Darleihen einiger ausgezeichneter N weinenden Kindern, und Dr. Waixicb für ein reizendes Negativ ein' lächelnden Mädchens. Meinen Dank an Dr. Duchenne für die gegebene liberale Erlaubnis, einige seiner groszen Photographien copiren und verkleinern zu lassen, habe ich bereits früher ausgesprochen. Alle diese Photographien sind durch den Process der Heliotypie worden und hierdurch wird die Genauigkeit der Copie garantirt. Di Tafeln sind stets mit römischen Zahlen citirt worden.

Ich bin auch Mr. T. W. Wood zu groszem Danke verbunden auszerordentliche Mühe, welche er sieh beim

zu geben, für mich Hamburg

itiv eine; die mir

20 Partridge, in Todd's Cyclopaedia of Anatomy and Physiologe Vol.

» La Phyaionomie, par 6. Lavater, Tom.IV. 1820. p.274. I Ichtsmuskeln, s. Tom. IV, p. 200—211. Mimik and Physiognomik. 1867, p. 91.

'v Corn&lete t'Vork of Charles Darwin Onli

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22                                                   Einleitung.

drucks verschiedener Thiere nach dem Leben gegeben hat. Ein aus- gezeichneter Künstler, Mr. Rivif.re, hat die Freundlichkeit gehabt, mir

FU". 1. Dar-;

zwei Zeichnungen von Hunden zu geben, eine von einem Hunde in einer feindlichen, die andere von einem in einer demüthigen und lieb-

Fig. 2. Abbildung nach He

kosenden Stimmung. Auch Mr. A. May hat mir zwei ähnliche Skizzen von Hunden gegeben. Mr. Cooper hat viel Sorgfalt auf die Anfertigung der Holzschnitte verwandt. Einige der Photographien und Zeichnungen,

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namentlich diejenigen Ton Mr. May und die von Mr. Wolf vom tynopithecus wurden zunächst von Mr. Cooper photographisch auf

! -nie.

i Stirnmuskel. B Corrugator supercilii oder Augenbrauen-Bonzler. C Orbicularis palpebrarum oder Ringmnskel des Auges. D Pyramidalis nasi oder Pyramidenmaske] 1 E I.evator labii superioris alaeque nasi. nder Heber der Oberlippe

des Nasenflügels. F Levator labii proprins, eigentliche! Lippenlieber.

rochbeinmnskel. II Malaris, Wangenbeinmnskel. I Kleiner Joehbeinnmskel. K Triangolaris oris oder Depressor anguli oris. Herabdrücker des Mt

Winkels. L Quadratus menti. oder viereckiger Kiiinmuskel. M Bisorins, oder Lachmnskel, Theil des Platysma myoides, des Han

mnakels des II

den Holzstock gebracht und dann geschnitten; auf diese \V< beinahe absolute Treue erreicht worden.

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Erstes Capitel.

Allgemeine Principien des Ausdrucks.

drei hauptsächlichsten Principien. — Das erste Princip: Zwei / mit gewissen - t ihrt, mögen sie oder nicht. — Di                           wohnheit. — Vererbung. — Assi

dem Menschen. — KeflezthStigkeiten. — G wohnheiten in ReSexthStigkeitei nngen bei den niedern Thieren. - Schlnszbe.....rknngen.

Ich will damit beginnen, die drei Principien oder Gesetze dar- pgen, «eiche mir die meisten Ausdrucksformen und Geberden zu klären scheinen, die von dem Menschen und den niedern Thieren unter dem Einflüsse verschiedener Seelenbewegungen und Gefühle un- willkürlich gebraucht werden'. Ich bin indessen auf diese drei Prin- cipien erst am Schlüsse meiner Beobachtungen gelangt. Sie werden in dem vorliegenden und in den zwei folgenden Capiteln in einer all gemeinen Art and Weise besprochen werden. Sowohl bei dem Mensch' als bei den niedern Thieren beobachtete Thatsachen werden hier benut: werden; doch sind die letztern Thatsachen vorzuziehen, da sie wenige: geneigt sind, uns zu täuschen. Im vierten und fünften Capitel will ich die speciellen Ausdruckserscheinungen bei einigen der niedern Thiere beschreiben und in den folgenden Capiteln diejenigen beim Menschen. Jeder Leser wird dann hierdurch in den Stand gesetzt sein, für sich selbst zu beurtheilen, wie weit meine drei Principien auf die Theorie des vorliegenden Gegenstandes Licht werfen. Mir

:

[er

1 Mr. Herbert Spencer hal (1 tliche Trennnngslinie zwischen Seelenerregnngen (Emotionen) und Empfln

„in unserm Körpergerüst erzeugt werden." 1 rregungen und Empfindungen, classifleirt er als Gefühle.

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Zweckmässige Handlangen associirt.

scheinen auf diese Weise so viele Ausdrucksweisen in einer ziemlich befriedigenden Art erklärt zu werden, dasz wahrscheinlich sämintliche später als unter dieselben oder nahe analoge Gesichtspunkte gehörig nachgewiesen werden dürften. Ich brauche kaum vorauszuschicken, dasz Bewegungen oder Veränderungen an jedem beliebigen Theile des Körpers in ganz gleichmäsziger Weise zum Ausdrucke benutzt werden können, so das Wedeln des Schwanzes bei dem Hunde, das Zurück- schlagen der Ohren bei dem Pferde, das Zucken der Schultern oder die Erweiterung der Capillargefäsze in der Haut bei dem Menschen Diese drei I'rincipien sind nun die folgenden:

I. Das Princip z weckmäsziger associirter Gewohn- iten. — Gewisse complicirte Handlungen sind unter gewissen Seelenzuständen von directem oder indirectem Nutzen, um gewi, Empfindungen, Wünsche u. s. w. zu erleichtern oder zu befriedig! und Bobald nur immer derselbe Seelenzustand herbeigeführt wird schwach dies auch geschehen mag, so ist in Folge der -Macht der Gewohnheit und der Association eine Neigung vorhanden, dieselh ngen auszuführen, wenn sie auch im gegebenen Falle nl von dem geringsten Nutzen sind. Einige in der Kegel durch G' wohnheit mit gewissen Seelenzuständen associirte Handlungen können theilweise durch den Willen unterdrückt werden, und in derartigen Fällen sind die Muskeln, welche am wenigsten unter der besondern Controle des Willens stehen, diejenigen, welche am meisten geneigt sind, doch noch thätig zu werden und damit Bewegungen zu ver: lassen, welche wir als expressive anerkennen. In gewi Fallen erfordert das Unterdrücken einer gewohnheitsgei wegung andere unbedeutende Bewegungen, und diese sind gleich weise ausdrucksvoll.

eigt 'an-

II. l>\:< Prineip des Gegensatzes. — Gewisse Seelenzustände iren zu bestimmten gewohnheitsgemaszen Handlungen, welche, nach unserm ersten Princip, zweckmässig sind. Wenn nun ein direct ent- gegengesetzter Seelenzustand herbeigeführt wird, so tritt eine sehr starke und unwillkürliche Neigung zur Ausführung von Bewegungen einer direct entgegengesetzten Natur ein, wenn auch dieselben von keinem Nutzen sind, und derartige Bewegungen sind in manchen Fällen äuszerst ausdrucksvoll.

Comolete Wc ri f Ch irles Darwin Onli

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26                                                                              Inicto.                           Cap.

III. Das Princip, dasz Handlungen durch die Consti' tution des Nervensystems verursacht werden, vom An- fang an unabhängig vom Willen und in einer gewissen Ausdehnung unabhängig von der Gewohnheit. —Wenn das Sensorium stark erregt wird, so wird Nervenkraft im Überschusse er- zeugt und in gewissen bestimmten Richtungen fortgepflanzt, welc zum Theil von dem Zusammenhange der Nervenzellen, zum Theil v der Gewohnheit abhängen, oder die Zufuhr der Nervenkraft kann allem Anscheine nach unterbrochen werden. Es werden hierdurch Wirkun- gen hervorgebracht, welche wir als ausdrucksvoll anerkennen. Dies dritte Princip kann der Kürze wegen das der directen Thätigkeit des Nervensystems genannt werden.

In Bezug auf unser erstes Princip ist es bekannt, wie stark ie Macht der Gewohnheit ist. Die complicirtesten und schwierif Bewegungen können mit der Zeit ohne die geringste Anstrengung und ohne Bewusztsein ausgeführt werden. Man weisz nicht sicher, woher es kommt, dasz Gewohnheit bo wirksam in der Erleichterung complicirter Bewegungen ist. Physiologen nehmen aber an2, „dasz „sich die Leitungsfähigkeit der Nervenfasern mit der Häufigkeit ihr ..Erreguiii,' ausbildet." Dies bezieht sich auf die Bewegungs- Empfindungsnerven ebensowohl wie auf die Nerven, welche mit dem Acte des Denkens in Zusammenhang stehen. Dasz irgend eine physi- kalische Veränderung in den Nervenzellen oder den Nerven hervorge- bracht wird, welche gewohnheitsgemäsz benutzt werden, kann kaum bezweifelt werden; denn im andern Falle wäre es unmöglich, zu ver- stehen, warum die Neigung zu gewissen erworbenen Bewegungen ver- erbt wird. Dasz diese vererbt wird, sehen wir bei Pferden in ge- i vererbten Schrittarten, so im kurzen Galopp und im Paszgange, welche den Pferden nicht natürlich sind, im Stellen junger Vorstehe- hunde und im Spüren junger Hühnerhunde, in der eigenthümlichen Flugart gewisser Taubenrassen u. s. w. Wir haben analoge Fälle bei dem Menschen in der Vererbung gewisser Züge und ungewöhrj licher Gesten, auf welche wir sofort zurückkommen werden.

:

2 3. Müller, Handbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. 1840. S. 100. Siehe auch Mr. H. Spencer's interessante Spekulationen 'über denselben Gegen- stand und über die Genesis der Nerven, in seinen Principles of Biology, Vol. II, 3, und in seinen Principles of Psychology (2. edit.) p. 511—557.

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«ige Handlungen as.

diejenigen, welche die allmähliche Entwicklung der Arten annehmen, wird ein äuszerst auffallendes Beispiel der Vollendung, mit welcher die schwierigsten consensuellen Bewegungen überliefert werden können, von einem Schmetterlinge, dem Rüsselsehwärmer (Macroglossa), dar- geboten; man kann nämlich diesen Schwärmer kurz nach dem Ver- lassen seines Puppengehäuses, wie sich aus dem Staube auf seinen nicht verdrückten Flügelschuppen ergibt, ruhig in der Luft stehen sehen, seinen langen haarähnlichen Rüssel entrollt und in die klein- sten Öffnungen der Blüthen eingesenkt, Ich glaube, Niemand jemals gesehen, dasz dieser Schmetterling die Ausführung seiner schwie rigen Aufgabe, welche ein so sicheres Zielen erfordert, erst habe lernen müssen.

Wenn eine ererbte oder instinctive Neigung zur Ausübung einer Handlang oder ein ererbter Geschmack für gewisse Arten von Ns rung vorhanden ist, so ist häutig oder allgemein ein gewisser Gi vdii Übung oder Gewohnheit bei dem Individuum erforderlich. YV sehen dies an den Schrittarten des Pferdes und in einem Grade an dem Stellen der Vorstehehunde. Obschon manche jur Hunde das eiste Mal, wo sie mit hinausgenommen werden, ganz vo züglich stellen, so associiren sie doch oft die eigentümliche geerb Stellung mit einer falschen Witterung oder selbst mit einem Gesicht eindruck. Ich habe behaupten hören, dasz wenn man einem Kalb gestattet, auch nur einmal an seiner Mutter zu saugen, es später viel schwieriger ist, es mit der Hand aufzuziehen3. Raupen, welche mit den Blättern einer Art von Bäumen gefüttert worden sind, sind, wie man erfahren hat, eher vor Hunger umgekommen, als dasz sie die Blätter eines andern Baumes gefressen hätten, obschon dieser ihnen im Naturzustände ihre eigentliche Nahrung darbot4. Und so verhält sich in vielen andern Fällen. Die Macht der Association wird von Jedermann zugegeben.

3 Eine Bemerkung beinahe desselben Sinnes haben vor langer Zeit schon Hippocrates und dann der berühmte Harvey gemacht; beide behaupten näm- lich, dasz ein junges Thier im Laufe weniger Tage die Kunst di

ind dieselbe nicht ohne einige Schwierigkeit sich wieder aneignen kann. Ich führe diese Behauptungen nach Pr. Darwin's Zoonomia, Vol. I, 1794, p. 110, an.

♦ Siehe wegen der Autoritäten und in Bezug auf verschiedene analoge That- sachen: Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 2. Aufl. 2. Bd. 1873, S. 347 (Übersetzung!.

.

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Main bemerkt, dasz „Handlungen, Empfindungen und Gefühlszustän „welche zusammen oder in dichter Aufeinanderfolge vorkommen, „verwachsen oder zusammen zu hängen streben, und zwar in ein „solchen Weise, dasz, wenn irgend eine von ihnen später der Seele „dargeboten wird, die andern im Geiste hervorgerufen zu werden ge- zeigt sind05. Es ist für unsern Zweck so bedeutungsvoll, völlig sich zu vergegenwärtigen, dasz Handlungen leicht mit andern Hand lungen oder mit verschiedenen Zuständen der Seele associirt werden dasz ich ziemlich viele Beispiele anführen will; an erster Stelle solch welche sich auf den Menschen, und später die, welche sich auf niedern Thiere beziehen. Einige der Beispiele sind von einer untergeordneten Natur; sie dienen aber unserm Zwecke eben so wie bedeutungsvollere Gewohnheiten. Jedermann ist bekannt, wie schwierig oder selbst unmöglich es ist, ohne wiederholte Versuche die Gliedmaßen in gewissen entgegengesetzten Richtungen zu welche niemals geübt worden sind. Analoge Fälle kommen bei Em- pfindungen vor, wie in dem bekannten Experiment, eine kleine Kugel zwischen den Spitzen zweier übereinander gekreuzter Finger zu rollen, wo man dann vollständig das Gefühl von zwei Kugeln erhält. Ein Jeder sucht sich, wenn er auf den Boden fällt, durch Ausstrecken seiner Arme zu schützen; und wie Prof. Ai.isox bemerkt hat: nur Wenige können es über sich gewinnen, nicht so zu handeln, wenn sie sich absichtlich auf ein weiches Bett fallen lassen. Wenn man aus dem Hause hinausgeht, so zieht man seine Handschuhe völlig unbe- wus/.t an; dies könnte nun eine äuszerst einfache Operation scheinen. Wer aber einmal ein Kind gelehrt hat, Handschuhe an en. weisz, dasz dies durchaus nicht der Fall ist. Ist unsere Seele lebendig erregt, so sind es auch die Bewegung Körpers. Aber hier kommt ein anderes Moment auszer Gewohnheit, nämlich der einer Leitung entbehrende Übers* Nervenkraft, zum Theil mit in's Spiel. Nokfoi.k sagt, wo er vo: Cardinal WoLSES spricht:

len,

1 „The Senses and the Intellect*,  2. edit. 1864, p. 332. Professor Hux

bemerkt (Grundzüge der Physiologie   in allgemein verständlichen Vorlesung:

. von Rosenthal, Leipzig,   1871 „aulgestellt werden, dasz wenn *w                          ade häufig und lebhaft

„men o:                                                    werden, die spätere Hervorbring

um den andern hervorzurufen; und zwar geschieht dies, ob wir es in oder nicht."

be-

an om

am-

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nge Handlungen associirt.

„Seltsamer Aufruhr Ist ilmi im Hirn: er beiszt die Lippe, starrt; Hält plötzlich an den Schritt, hlickt auf dii

Pinger an die Schläfe; stracks, Springt wieder auf, läuft schnell, stellt wieder still. Schlägt heftig seine Brust; und gleich drauf reiszt er Die Augen auf zum Mond: seltsame Stellung Sahn wir hier an ihm wechseln."

r Arhte, 3. Aufc., 2. Seen. (Schlegel und 1 li

Der gemeine Mann kratzt sich häufig den Kopf, wenn er in Vi nheit kommt; und ich glaube, dasz er aus Gewohnheit so hande als wenn er eine unbedeutende, unangenehme körperliche Empfindung erführe; ein Jucken am Kopfe, dem er besonders ausgesetzt ist, er- leichtert er nämlich dadurch etwas. Ein Anderer reibt sich die Augi wenn er in Verwirrung geräth, oder hustet kurz, wenn er verlei ist, wobei er in beiden Fällen so handelt, als ob er eine etwas unbe- queme Empfindung in seinen Augen oder in seiner Luftröhre fühlte6. In Folge des beständigen Gebrauches der Augen werden diese Organe ganz besonders leicht durch Association unter verschiedenen Seelenzuständen beeinfluszt, obschon offenbar nichts zu sehen ist. Wie OMT bemerkt, wird ein Mensch, welcher eine ausgesprochene Ansicht heftig zurückweist, beinahe mit Sicherheit seine Augen schlieszen oder sein Gesicht abwenden; nimmt er aber den Satz an, so wird er als Bejahung mit dem Kopfe nicken und seine Augen weit öffnen. In dem letztern Falle handelt er so, als wenn er die Sache ganz deutlich sähe, im erstem Falle, als ob er sie nicht sähe oder nicht sehen wollte. Ich habe bemerkt, dasz, wenn Personen einen schrecklichen Anblick beschreiben, sie häufig ihre Augen für Augen- blicke fest schlieszen oder ihren Kopf schütteln, gleichsam, um irgend etwas Unangenehmes nicht zu sehen oder hinweg zu scheuchen; und ich habe mich selbst dabei ertappt, dasz, wenn ich im Dunkeln an ein schaudererregendes Schauspiel dachte, ich die Augen fest zudrückte. Sieht man plötzlich auf irgend einen Gegenstand oder sieht man sich rings umher um, so hebt man seine Augenbrauen in die Höhe, da-

6 Gratiolet führt bei seiner Erörterung dieses Gegenstandes (De la Phy- rionomie, p. S24) viele analoge Beispiele an. So /. B, b. p. 1-. Hber das öffn

und Schlieszen der ingen. Engel wird (p. 328) citirt in Betreff der veränder Gangart des Menschen, je nachdem die Gedanken sich ändern.

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mit die Augen schnell und weit geöffnet werden können. Dr. DüCHEN macht die Bemerkung7, dasz, wenn eine Person sich auf Etwas zu besinnen versucht, sie häufig die Augenbrauen in die Höhe zieht, als wenn sie das Gesuchte sehn wollte. Ein gebildeter Hindu machte dieselbe Bemerkung gegen Mr. Ekskine in Bezug auf seine Landsleute. Ich bemerkte, wie eine junge Dame, welche eifrig versuchte, sich des Namens eines Malers zu erinnern, zuerst nach der einen Ecke der Zimmerdecke und dann in die entgegengesetzte Ecke hinaufsah, wobei sich die Augenbraue der betreffenden Seite emporwölbte, obgleic natürlich da oben nichts zu sehen war.

In den meisten der vorstehend angeführten Fälle können wir ein- sehen, in welcher Weise die associirten Bewegungen durch Gewohnheit erlangt worden sind; bei manchen Individuen sind aber gewisse fremd- artige Geberden oder besondere Züge in Association mit gewissen Seelenzuständen aufgetreten, welche von gänzlich unerklärbaren Ursachen abhängen und zweifellos vererbt werden. An einem andern Orte habe ich einen Fall meiner eignen Erfahrung von einer auszerordentlichen nnd zusammengesetzten Geberde erzählt, welche mit angenehmen Ge- fühlen associirt und von dem Vater seiner Tochter überliefert war, ebenso noch einige andre analoge Thatsachen8. Ein andres merk-

1 Mecanisme de la Physionomie Humaine. 1862. p. 17.

8 S. „Das Variiren der Thicre und Pflanzen im Zustande der Dom

2. Bd., S. 7. Die Vererbung gewohnheitsgemäszer Geberden ist für uns von solcher

Bedeutung, dasz ich gern Mr. Galton's Erlaubnis benutze, den folgenden merk-

Worten mitzutheilen: — „Die folgende Schilderung

„einer bei Individuen von drei aufeinander folgenden Generationen auftretenden

nheit ist von eigentümlichem Interesse, da dieselbe während des gesunden

„festen Schlafes eintritt und daher nicht durch Nachahmung erklärt werden kann.

„sondern durchaus natürlich sein jnusz. Die Einzelnheiten sind vollkommen zn-

äig, denn ich habe ihnen ganz eingehend nachgeforscht nnd spreche nach

„zahlreichen und unabhängig von einander erlangten Beweisen. Die Fi

„Herrn von sehr angegebner Stellung fand, dasz derselbe die eigenthümlkhe An-

Schlafe auf dein Bücken in seinem Bette

inen rechten An                                                                 Ms zur Stirn zu

„erheben und ihn dann mit einem Schwünge wieder fallen zu lassen, so dasz die

„Handwurzel schwer auf seinen Nasenrücken fiel. Diese Bewegung kam nicht in

Nacht vor. sondern nur gelegentlich und zwar unabhängig von irgend einer

i ermittelnden Ursache. Zuweilen wurde

ii länger unaufhörlich wiederholt, Die Nase des Bern war ziemlich vor- wurde von den erhalten „Einmal wurde eine fatale Wunde dadurch versa .Heilen brauchte, und zwar wegen der Nacht für Nacht einl                        iholung

h

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Cap. 1.                          Zweckmäszige Handlungen associirt.                                31

würdiges Beispiel einer alten vererbten Bewegung, welche mit dem Wunsche, einen bestimmten Gegenstand zu erlangen, associirt war, wird im Verlaufe der vorliegenden Darstellung noch mitgetheilt werden.

Es gibt noch andere Handlungen, welche gemeiniglich unter ge- wissen Umständen, unabhängig von Gewohnheit, ausgeführt werden und welche die Folge einer Nachahmung oder irgend einer Art von Sympathie zu sein scheinen. So kann man zuweilen Personen sehn, welche, wenn sie irgend etwas mit einer Scheere schneiden, ihre Kinn- backen in gleichem Tempo mit den Scheerenblättern bewegen. Wenn Kinder schreiben lernen, so drehen sie häufig so wie sie ihre Finger bewegen die Zunge in einer lächerlichen Weise umher. Wird ein öffentlich auftretender Sänger plötzlich etwas heiser, so kann man hören, wie viele der Zuhörer sich zu räuspern beginneu, um ihren Hals frei zu machen; dies hat mir ein Herr versichert, auf den ich mich verlassen kann; es kommt hier aber wahrscheinlich Gewohnheit mit in's Spiel, da wir uns unter ähnlichen Umständen eben selbst räuspern würden. So ist mir auch gesagt worden, dasz beim Wett- hüpfen viele der Zuschauer, gewöhnlich Männer und Knaben, zu der- selben Zeit, wo die Ausführenden ihre Sprünge machen, auch ihre Füsze bewegen; aber auch in diesem Falle kommt wahrscheinlich

„der Schläge, die                      rvorgernfen hatten. Seine Fran muszte den Knopf

„vom Ärmel seines Nachthemdes entfernen, da er mehrere starke Kratzwunden lacht hatte-, auch winden mehrere .Mittel versnobt, den Ann festzubinden, Jahre nach dem Tode dieses Herrn heirathete sein Sohn eine Da; niemals von dem Familienereignis gehör) hatte. Sie beobach „genau dieselbe Eigenthümlichkeit an ihrem Manne; da aber dessen Nase nicht „besonders vorragend ist, hat diese bis jetzt noch nicht von Schlagen zu leiden „gehabt. Die merkwürdige Bewegung tritt nicht ein. wenn er nur halb im „ist, so z.B. wenn er in seinem Armsessel nickt; im Moment aber, wo er fest ein- schlaft , tritt Bie leicht ein. Sie tritt wie bei seinem Vater intermittirend auf, „zuweilen viele Nächte hindurch gar nicht, und zuweilen beinahe unaufhörlich „während eines T/heiles fast jeder Nach! Sie wird, wie es bei seinem Vater der „Fall war, mit dem rechten Arme ausgeführt.

seiner Kinder, ei                         I dieselbe Eigenthümlieh!

„sie führt sie gleichfalls mit der rechten Hand ans. aber in einer nnbedi „modilicirteii Form; denn nachdem sie den Ann erhoben hat. läszt sie die Iland- .wurzel nicht auf den Nasenrücken fallen, sondern die Innenfläche der halb- „geschlossen Hand fällt über das Gesicht herab, dasselbe ziemlich schnell .streichend. Auch bei d                           das Auftreten dieses Zugs sehr intormit-

„tireinl; et erscheint ganze Perioden hindurch für Monate nicht, kommt aber zu- „weilen unaufhörlich vor."

len. ssen

;„i,i

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32                            Allgemeine Ge                   racks.                       Cap. 1.

Gewohnheit in's Spiel; es ist wenigstens sehr zweifelhaft, ob Frauen es auch so machen würden.

lteflexthätigkeiten. — Reflexbewegungen im strengen Sinne des Ausdrucks sind Folgen der Erregung eines peripherischen Nerven, welcher seinen Einflusz gewissen Nervenzellen überliefert, worauf dann diese ihrerseits wieder gewisse Muskeln oder Drüsen zur Thütigkeit anregen; und alles dies kann ohne irgend eine Empfindung oder ein Bewusztwerden unsrerseits stattfinden, obschon es oft hiervon begleitet wird. Da viele lieflextliätigkeiten für den Ausdruck von hoher Be- deutung sind, so musz der Gegenstand hier mit etwas Ausführlichkeit besprochen werden. Wir werden auch sehen, dasz etliche derselben in Handlungen übergehen oder kaum von solchen unterschieden werden können, welche durch Gewohnheit erworben worden sind9. Husten und Niesen sind geläufige Beispiele von lieflextliätigkeiten. Bei kleinen Hindern ist der erste Act der Athmung häufig ein Niesen, obschon dies die coordinirte Bewegung zahlreicher Muskeln erfordert. Das Athemholen ist zum Theil willkürlich, aber hauptsachlich eine Reflex- bewegung und wird in der natürlichsten und besten Art und Weise ohne das Hinzutreten des Willens ausgeführt. Eine sehr grosze Zahl complicirter Bewegungen sind reflectorisch. Ein Beispiel, wie es kam besser gegeben werden kann, ist das oft angeführte von einem haupteten Frosche, welcher natürlich nicht fühlen und keine Bewegung mit Bewusztsein ausführen kann. Bringt man aber einen Tropfen Säure auf die innere Oberfläche des Schenkels bei einem Frosche in diesem Zustande, so reibt er den Tropfen mit der obern Fläche des Fuszes derselben Seite wieder ab. Wird dieser Fusz abgeschnitten, so kann er diese Handlung nicht ausführen. „Nach einigen frucht „losen Anstrengungen gibt er daher den Versuch auf diese Weise au „erscheint unruhig, als ob er, wie Pflügeb sagt, irgend eine andr „Weise aufsuchte, und schlieszlich gebraucht er den Fusz der ander eite; und dadurch gelingt es ihm, die Säure wegzureiben. Offenbar

»Seite; und dadurch gelingt es ihm, die Säure wegzureiben. Offenbai thal,

Professor Huxley bemerkt (Grundziige der Physiologie etc. von Rosen- 1871, S. 289), dasz die dein Rückeninarke eigenen Rellexthätigkeiten natür- liehe sind, dasx wir abei mit Hülfe des Gehirnes, das heiszt also durch Gewohn. h.'it, ein.' Unzahl künstlicher Ifeilexthiitigkeit                         nnen. Virclmw

nimmt an (Sammlung wissunschaftl. Vorti                           i das Rückenmark, 1871,

i i. dasz einige Reflexbewegungen kaum von Instincten unterschieden werden können; und in Bezug auf letztere kann hinzugefügt werden, dasz einige von ihnen wiederum nicht von vererbten Gewohnheiten unterschieden werden können.

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„uns

Käu;

wir liier nicht blosz Zusamnienziebungen von Muskeln vor s, sondern combinirte und harmonische Contractionen in gehöriger „Aufeinanderfolge zur Erreichung eines speciellen Zwecks. Dies sind „Handlungen, welche ganz die Erscheinung darbieten, als würden sie „durch den Verstand geleitet und durch den Willen angeregt, und „zwar bei einem Thiere, dessen anerkanntes Organ der Intelligenz und „des Willens entfernt worden ist."10

Den Unterschied zwischen Reflexthätigkeiten und willkürlich' Bewegungen sehen wir bei sehr jungen Kindern daran, dasz sie, wie mir Sir Hkxky Bollamd mitgetheilt hat, nicht im Stande sind, gewisse Handlungen, die denen des Niesens und Hustens gewisserweise analog sind, auszuführen, namentlich, dasz sie nicht im Stande sind, sich zu schnauben (d. h. ihre Nase zusammenzudrücken und heftig durch den engen Gang zu blasen), und dasz sie nicht im Stande sind, ihren Ha' von Schleim zu reinigen. Die Ausführung dieser Acte haben sie i lernen, und doch werden diese von uns, wenn wir etwas älter sind, beinahe so leicht wie Reflexthätigkeiten vollzogen. Niesen und Husten indessen können nur theilweise oder durchaus gar nicht vom Willen controlirt werden, während das Reinmachen des Halses oder das uspern und das Schnauben der Nase vollständig unter unarer Herr ft stehen.

Wenn wir das Vorhandensein eines reizenden Körperchens unsrer Nase oder unsrer Luftröhre merken, d. b. wenn dieselbi empfindenden Nervenzellen gereizt werden, wie es beim Niesen Husten eintritt, so können wir willkürlich die Körperchen entfer dadurch, dasz wir mit Kraft Luft durch diese Gänge hindurch- treiben. Wir können dies aber nicht mit nahezu derselben Kraft, Schnelligkeit und Präcision thun, wie bei einer Reflexbewegung. In diesem letztern Falle erregen allem Anscheine nach die empfindenden Nervenzellen die motorischen Nervenzellen ohne irgend welche Ve: schwendung von Kraft, wie es der Fall ist, wenn sie zuerst mit d Hemisphären des groszen Gehirns in Communication treten — dem Sitze unsres Bewusztseins und unsres Willens. In allen Fällen scheint ein tiefliegender Antagonismus zwischen denselben Bewegungen, je nachdem sie durch den Willen oder durch einen Reflexreiz angeregt werden, in der Kraft zu bestehn, mit denen sie ausgeführt, und in der

Dr. Mandaley, Body and Mind. 1870, p. 8.

i

len

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Leichtigkeit, mit welcher sie erregt werden. Claude Bebnabd hauptet daher: „L'influence du cerveau tend donc ä entraver les mouv „ments reflexes, ü limiter leur force et leur etendue" ".

Der bewuszte Wunsch, eine Rellexhandlung auszuführen, hemmt oder unterbricht zuweilen ihre Ausführung, obschon die gehörigen empfindenden Nerven gereizt sein können. Vor vielen Jahren gieng ich z. B. eine kleine Wette mit einem Dutzend junger Leute ein, dasz sie nicht niesen würden, wenn sie Schnupftabak nähmen; obschon sie alle erklärten, dasz sie es ausnahmslos thäten. Demzufolge nahmen sie alle eine Prise; da sie aber sämmtlich zu gewinnen wünschten, nieste nicht einer, obschon sich ihre Augen mit Wasser füllten, und alle ohne Ausnahme hatten mir die Wette zu bezahlen. Sir Henri Holland bemerkt,2, dasz wenn man dem Acte des Schlingens Auf- merksamkeit zuwendet, die gehörigen Bewegungen gestört werden; und hieraus erklärt es sich wahrscheinlich, wenigstens zum Theil, dasz es manchen Personen so schwer wird, eine Pille zu verschlucken. Ein andres sehr geläufiges Beispiel einer Keflexthätigkeit ist das unwillkürliche Schlieszen der Augenlider, wenn die Oberfläche des Auges berührt wird. Eine ähnliche blinkende Bewegung wird dadurch verursacht, dasz ein Schlag nach dem Gesichte zu gerichtet wird. Dies ist aber eine gewohnheitsgemäsze und keine streng reflectorische Thätigkeit, da der Reiz durch die Seele und nicht durch die Erregung eines peripherischen Nerven überliefert wird. Meist wird der ganze Körper und Kopf zu gleicher Zeit plötzlich zurückgezogen. Indessen können diese letzteren Bewegungen verhindert werden, wenn die Ge- fahr unsrer Einbildungskraft nicht drohend erscheint; dasz uns aber unser Verstand sagt, es sei keine Gefahr vorhanden, reicht nicht aus. Ich will eine unbedeutende Thatsache hier erwähnen, welche diesen Punkt erläutert und welche mich zu ihrer Zeit sehr amüsirt hat. Ich brachte mein Gesicht dicht an die dicke Glasscheibe vor einer Puff-Otter in dem zoologischen Garten mit dem festen Entschlüsse, nicht zurückzufahren, wenn die Schlange auf mich losstürzte. Sobald ber der Stosz ausgeführt wurde, war es mit meinem Entschlüsse aus, und

sprang ein oder zwei Yards mit erstaunlicher Geschwindigkeit zurück.

11 8. die sehr interessante Erörterung über den ganzen Gegenstand in Cl. Ber- 13 Chaptera on Mental Physiology. 1858, p. 85.

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Mein Wille und mein Verstand waren kraftlos gegen die Einbildung einer Gefahr, welche niemals direct erfahren worden war.

Die Heftigkeit des Zusammenfahrens scheint zum Theil von der Lebhaftigkeit der Einbildung und zum Theil von dem entweder ge- wohnheitsgemäszen oder zeitweiligen Zustande des Nervensystems ab- zuhängen. Wer auf das Scheuwerden seines Pferdes, je nachdem das- selbe ermüdet oder frisch ist, aufmerkt, wird beobachten, wie voll- kommen die Abstufung von einem einfachen Blicke auf irgend einen unerwarteten Gegenstand mit einem augenblicklichen Zweifel, ob er gefährlich ist, bis zu einem so heftigen und schnellen Satze ist, dasz das Thier wahrscheinlich sich nicht willkürlich in einer so rapiden Weise herumdrehen könnte. Das Nervensystem eines frisch und gut gefütterten Pferdes schickt seinen Befehl an das Bewegungsnerven- system so schnell, dasz ihm keine Zeit gegönnt ist, zu überlegen, ob die Gefahr eine wirkliche ist oder nicht. Nach einem einmaligen heftigen Scheuwerden, wenn das Pferd erregt ist und das Blut reich- lich durch das Gehirn flieszt, ist es sehr geneigt, von Neuem zusammen- zufahren; dasselbe gilt, wie ich bemerkt habe, für kleine Kinder.

Ein Zusammenfahren in Folge eines plötzlichen Geräusches, wo also der Beiz durch die Gehörnerven vermittelt wird, wird bei er- wachsenen Personen immer von einem Blinken der Augenlider be- gleitet i3. Indessen habe ich beobachtet, dasz meine Kinder, obschon sie bei plötzlichen Geräuschen zusammenfuhren, wenn sie unter vier- zehn Tagen alt waren, sicherlich nicht immer mit den Augen blinkten; und, wie ich glaube, thaten sie dies niemals. Das Zusammenfahren eines älteren Kindes stellt dem Anscheine nach ein unbestimmtes Greifen nach irgend Etwas dar, um da3 Fallen zu verhüten, [ch schüttelte eine Pappschachtel dicht vor den Augen eines meiner Kinder, als es 114 Tage alt war, und es blinkte nicht im Allergeringsten. Als ich aber ein wenig Confect in die Schachtel that, sie in derselben Stellung wie vorher hielt, und mit jenem raschelte, so blinkte das Kind jedesmal heftig mit den Augen und fuhr ein wenig zusammen. Offenbar war es unmöglich, dasz ein sorgfältig gehütetes Kind durch Erfahrung gelernt haben könnte, dasz ein raschelndes Geräusch in der Nähe seiner Augen eine Gefahr anzeigte. Eine solche Erfahrung

13 .1. Müller bemerkt (Handbuch der Physiologie des Menschen, EngL Obers. II. Bd. 8. 1811), dasz das Zusammenschrecken immer von einem Verschlieszen der

Augenlider "

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36

Allgemeine Gesetze des Ausdruckt

Cap. 1.

wird aber im späteren Alter während einer langen Eeihe von Genera- tionen erlangt worden sein, und nach dem, was wir von der Vererbung wissen, liegt darin nichts unwahrscheinliches, dasz eine Gewohnheit den Nachkommen zu einem früheren Alter vererbt wird, als zu dem, in welchem sie zuerst von den Eltern erlangt wurde.

Nach den vorstehenden Bemerkungen erscheint es wahrscheinlich, dasz einige Handlungen, welche anfangs mit Bewusztsein ausgeführt wurden, durch Gewohnheit und Association in Reflexhandlungen um- gewandelt worden und jetzt so fest fixirt sind und vererbt werden, dasz sie ausgeführt werden, selbst wenn nicht der geringste Nutzen damit verbunden ist '*, so oft nur dieselben Ursachen eintreten, welche Ursprünglich durch den Willen in uns diese Handlungen erregten. In solchen Fällen erregen die empfindenden Nervenzellen die moto- rischen Zellen, ohne erst mit denjenigen Zellen zu communiciren, von welchen unser Bewusztsein und unser Wille abhängt. Wahrscheinlich wurde das Niesen und Husten ursprünglich durch die Gewohnheit er- langt, jedes reizende Theilchen so heftig als möglich aus dem em- pfindlichen Luftwege auszustoszen. Was das Moment der Zeit betrifft, so ist davon mehr als hinreichend vergangen, dasz diese Gewohnheiten zu eingebornen oder in Beflexhandlungen umgewandelt wurden. Denn sie sind den meisten oder allen höheren Säugethieren gemeinsam und müssen daher zuerst in einer sehr weit zurückliegenden Zeit erlangt worden sein. Warum der Act des Käusperns keine Reflexhandlung ist und von unsern Kindern gelernt werden musz, kann ich nicht be- haupten, erklären zu können. Wir können aber einsehen, warum das Schnauben mit dem Taschentuche gelernt werden musz.

Es ist kaum glaublich, dasz die Bewegungen eines kopflosen Frosches, wenn er einen Tropfen Säure oder irgend einen andern Gegen- stand von seinem Schenkel wegwischt, — welche Bewegungen für den speciellen Zweck so gut coordinirt sind, — anfangs nicht willkürlich ausgeführt sein sollten, während sie später durch lang fortgesetzte Gewohnheit so leicht gemacht wurden, dasz sie zuletzt ohne Bewuszt- sein oder unabhängig von den Hemisphären des Gehirns ausgeführt werden.

11 Dr. Maudsley bemerkt (Body and Mind, p. 10), dasz „Reflexbewegungen, «welche gewöhnlich einen nützlichen Zweck bewirken, unter den veränderten jjm- ,ständen einer Krankheit sehr viel Schaden anrichten und selbst die Gelegel .nrsache heftigen Leidens und eines sehr schmerzvollen Todes werden können."

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So scheint es ferner wahrscheinlich zu sein, dasz das Zusammei fahren ursprünglich durch die Gewohnheit erlangt wurde, so schnei' als möglich der Gefahr durch einen Sprung zu entgehen, so oft nur irgend einer unsrer Sinne uns eine Warnung davor zukommen liess. Wie wir gesehen haben, wird das Zusammenfahren von einem Blinken mit den Augenlidern begleitet, so dasz die Augen, die zartesten um empfindlichsten Organe des Körpers, geschützt werden, und wie glaube, wird es immer von einem plötzlichen und kräftigen Einathm begleitet, was die naturgemäsze Vorbereitung für jede heftige An- strengung ist. Wenn aber ein Mensch oder ein Pferd zusammen- schreckt, so schlügt sein Herz gegen seine Kippen, und hier haben wir, wie man in Wahrheit sagen kann, ein Organ, welches niemals unter der Controle des Willens gestanden hat und doch an den a gemeinen Reflexbewegungen des Körpers theilnimmt. Indessen wer ich auf diesen Punkt in spätem Capiteln noch zurückkommen.

Die Zusammenziehung der Regenbogenhaut, sobald die Net/haut durch ein helles Licht gereizt wird, ist ein andres Beispiel einer Be- wegung, welche, wie es scheint, unmöglich zuerst willkürlich aus- geführt und dann durch Gewohnheit fixirt worden ist; denn die Iris steht, soviel bekannt ist, bei keinem Thiere unter der bewuszten Controle des Willens. In derartigen Fällen musz irgend ein von der Gewohnheit vollständig verschiedener Erklärungsgrund noch entdeckt werden. Das Ausstrahlen von Nervenkraft aus heftig erregten Nerven- zellen auf andre mit diesen in Zusammenhang stehende Zellen, wie in dem Falle, wo ein helles auf die Netzhaut treffendes Licht ein Niesen veranlaszt, kann uns vielleicht bei dem Verständnis des Ur- sprungs mancher Reflexbewegungen unterstützen. Ein Ausstrahlen von Nervenkraft dieser Art, wenn es eine Bewegung verursacht, die die ursprüngliche Erregung zu mildern strebt — wie in dem Falle wo die Zusammenziehung der Regenbogenhaut es verhindert, dasz viel Licht auf die Netzhaut fällt — dürfte später mit Vortheil nutzt und für diesen speciellen Zweck modificirt worden sein.

Es verdient ferner Beachtung, dasz Reflexbewegungen aller Wal scheinlichkeit nach unbedeutenden Abänderungen unterworfen sind, ebenso wie alle körperlichen Bildungen und Instincte; und alle die Abänderungen, welche wohlthätig oder von hinreichender Wichtigkeit waren, werden darnach gestrebt haben, erhalten und vererbt zu werden. So können Reflexhandlungen, wenn sie einmal für den einen Zweck

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38                                Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           Cap,

erlangt wurden, später unabhängig von dem Willen oder der Gewohn- heit modificirt werden, so dasz sie nun einem bestimmten anderen Zwecke dienen. Derartige Fälle würden denjenigen parallel sein, welche, wie wir allen Grund zu glauben haben, bei vielen Instincten eingetreten sind; denn obschon manche Instincte einfach durch lang fortgesetzte und vererbte Gewohnheit entwickelt worden sind, so haben sich andere in hohem Grade complicirte Instincte durch die Erhaltung von Abänderungen schon früher bestehender entwickelt, d. h. durch natürliche Zuchtwahl.

loh habe die Erwerbung von UefiVxhandlungen in ziemlicher Aus- führlichkeit, wie ich aber wohl fühle, immer noch in einer sehr un- vollkommenen Weise erörtert, weil sie häufig im Zusammenhange mit Bewegungen, die für unsere Seelenerregungen ausdmckvoll sind, mit in's Spiel kommen; es war auch nothwendig, zu zeigen, dasz minde- stens einige von ihnen ursprünglich durch den Willenseinfluaz erlangt worden sind, um eine Begierde zu befriedigen oder eine unangenehme Empfindung zu erleichtern.

Associirte gewohnheitsgemäs ze Bewegungen bei den niederen Thieren. — Ich habe schon, was den Menschen be- trifft, mehrere Beispiele von Bewegungen angeführt, welche, mit ver- schiedenen Zuständen des Geistes oder Körpers assoeiirt, jetzt zweck- los sind, ursprünglich aber von Nutzen waren und auch jetzt noch immer unter gewissen Umständen von Nutzen sind. Da dieser Gegen- stand für uns von groszer Bedeutung ist, so will ich nun eine be- trächtliche Anzahl analoger Thatsachen mit Bezug auf die Thiere an- führen, obschon viele von ihnen sehr unbedeutender Natur sind. Meine Absicht ist, zu zeigen, dasz gewisse Bewegungen ursprünglich zu einem bestimmten Zwecke ausgeführt wurden und dasz sie unter nahe- zu denselben Umständen noch jetzt hartnäckig in Folge der Gewohn- heit ausgeführt werden,, wenn sie auch nicht von dem geringsten Nutzen sind. Dasz die Neigung zu dergleichen in den meisten der folgenden Fälle vererbt wird, können wir daraus schlieszen, dasz der- artige Handlungen in einer und derselben Weise von allen Individuen der nämlichen Species, von Jungen und Alten ausgeführt werden. Wir werden auch sehen, dasz sie durch die allerverschiedenartigsten, oft weit hergeholten und zuweilen misverstandenen Associationen ange- regt werden.

The Co:                                          irwin Oniir

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Cay. 1.

Associirte Bewegungen bei Thieren.

39

Wenn sich Hunde zum Schlafen auf einem Teppiche oder einer andern, auch harten Fläche niederlegen wollen, so gehen sie meist rings im Kreise herum und kratzen den Boden mit ihren Vorder- pfoten in einer sinnlosen Art, als wenn sie beabsichtigten, das Gras niederzutreten und eine Grube zu scharren, wie es ohne Zweifel ihre wilden Voreltern thaten, als sie auf offenen grasigen Ebenen oder in den Willdern lebten. Schakale. Penneks u. a. verwandte Thiere in den zoologischen Gärten behandeln ihr Stroh in derselben Weise; es ist aber ein ziemlich merkwürdiger Umstand, dasz die Wärter nach einer Beobachtung von mehreren Monaten niemals gesehen haben, dasz sich die Wölfe ebenso benähmen. Ein halb blödsinniger Hund — und ein Thier in diesem Zustande wird ganz besonders geneigt sein, einer sinnlosen Handlung Folge zu geben — drehte sich, wie einer meiner Freunde beobachtet bat, auf einem Teppiche dreizehnmal rings im Kreise herum, ehe er sich hinlegte.

Viele lleischfressende Thiere, welche nach ihrer Beute hinkriechen und sich vorbereiten, plötzlich auf dieselbe loszubrechen oder zu sprin- gen, senken ihren Kopf und ducken sich zum Theil, um für das Ein- springen vorbereitet zu sein; und diese Gewohnheit ist in einer über- triebenen Form bei unsern Vorstehe- und Hühnerhunden erblich ge- worden. Ich habe nun hundert Mal beobachtet, dasz, wenn zwei fremde Hunde sich auf einer offenen Strasze begegnen, derjenige, wel- cher den andern zuerst, wenn auch noch in der Entfernung von hun- dert oder zweihundert Yards sieht, nach dem ersten Blicke immer seinen Kopf senkt, meist sich ein wenig duckt oder selbst niederlegt, d. h. also, er nimmt die gehörige Stellung ein, sich zu verbergen und sich für ein Losbrechen oder einen Sprung fertig zu machen, ob- schon die Strasze völlig offen und die Entfernung noch grosz ist. Ferner heben IIlinde aller Arten, wenn sie ihre Beute '

!!.!                             

eifrig beobachten und sich ihr langsam                                   Den Pboto-

nähern. häufig das eine ihrer Vorderbeine

für eine lange Zeit in die Höhe in Bereitschaft für den nächsten vor- sichtigen Schritt, und dies ist gerade für den Vorstehehnnd auszer- ordentlich characteristisch. (Fig. 4.) Aber aus Gewohnheit benehmen sie sich in genau derselben Weise, so oft ihre Aufmerksamkeit erregt

fhe Com:                               es Darwin Online

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40                                 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           l/'ap. i.

reell der

wird, kh habe einen Hund am Fusze einer hohen Mauer

der aufmerksam einem Laute auf der andern Seite derselbeu zuhörte

wobei er ein Bein in die Höhe hob; in diesem Falle konnte doch

keine Absicht vorhanden gewesen sein, ein vorsichtiges Annähern vor

zubereiten.

Haben Hunde ihre Excremente ausgeleert, so machen sie oft mit allen vier Füszen einige wenige kratzende Bewegungen nach hinten, selbst auf einem nackten Steinpflaster, als wenn es zum Zwecke des Zudeckens der Excremente mit Erde geschähe, in nahezu derselben AVeise, wie es Katzen thun. Wölfe und Schakale benehmen sich in den zoologischen Gärten in genau derselben Weise, und doch bedecken weder Wulfe, Schakale noch Füchse, wie mir die Wärter versichert haben, jemals ihre Excremente. selbst wenn sie den Umständen nac e thun könnten, ebensowenig wie es die Hunde thuu. Indessen scharren alle diese Tuiere die übrig bleibende Nahrung. Wenn daher die Bedeutung der eben erwähnten katzenähnlichen Gewohnheit recht verstehen, worüber kaum ein Zweifel bestehen kann, so haben

hier ein zweckloses Überbleibsel einer gewohnheitsgemäszen lie- ung, welche ursprünglich von irgend einem entfernten Urerzeuger er Hundegattung zu einem bestimmten Zwecke ausgeführt wur und welche nun eine ungeheuer lange Zeit hindurch beibehalten woi den ist.

Hunde und Schakale1"' linden ein groszes Vergnügen darin, ihren Nacken und Rücken auf Aas zu wälzen und zu reiben. Es scheint ihnen der Geruch entzückend zu sein, obgleich wenigstens Hunde kein Aas fressen. Mr. Bartlett hat meinetwegen Wölfe beobachtet und ihnen Aas gegeben, hat aber niemals gesehen, dasz sie sich auf dem- selben wälzten. Ich habe die Bemerkung gehört, und ich glaube, sie ist richtig, dasz die gröszeren Hunde, welche wahrscheinlich von Wol- fen abstammen, sich nicht so häufig auf Aas wälzen, als es kleinere Hunde thun, welche wahrscheinlich von Schakals abstammen. Wenn ein Stück braunen Zwiebacks einem meiner Pinscher, einer Hündin, gegeben wird, und sie nicht hungrig ist (ich habe auch von andern ähnlichen Beispielen gehört), so zerrt sie dasselbe zuerst umher zerfetzt es. als wenn es eine Ratte oder ein anderes Beutethier wä. dann wälzt sie sich wiederholt auf demselben herum, als wenn es ein

15 s. Mr. F. IT. S a 1 v i n' s Schilderang eines zahmen Schakals in: Land and Water. Od

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Associirte Bewegungen bei Thie

Stück Aas wäre, und endlich friszt sie es. Es möchte fast scheinen, als sollte dem widrigen Bissen erst noch ein imaginärer Geschmack beigebracht werden, und um dies zu bewirken, handelt der Hund in seiner gewöhnlichen Art und Weise [so, als wenn der Zwieback ein lebendiges Thier wäre oder wie Aas röche, obgleich er besser als wir weis/., dasz dies nicht der Fall ist. Ich habe gesehen, dasz derselbe Pinscher in derselben Art handelt, wenn er einen kleinen Vogel 0' eine Maus getödtet hat.

Hunde kratzen sich mit einer schnellen Bewegung eines ihrer Hinterbeine; und wenn man ihren Rücken mit einem Stocke reibt, so ist die Gewohnheit so stark, dasz sie nicht umhin können, die Luft oder den Boden in einer nutzlosen, lächerlichen Art und Weise zu kratzen. Wenn der eben erwähnte Pinscher mit einem Stocke in Weise gerieben wird, so zeigt er zuweilen sein Entzücken noch dur eine andere gewohnheitsgemäsze Bewegung, nämlich dadurch, dasz in die Luft leckt, als wenn er meine Hand leckte.

Pferde kratzen sich in der Art, dasz sie diejenigen Theile ih Körpers, welche sie mit ihren Zähnen erreichen können, benagen; aber noch gewöhnlicher zeigt ein Pferd dem andern, wo es gekratzt wer- den möchte, und dann benagen sie sich gegenseitig. Ein Freund, dessen Aufmerksamkeit ich auf diesen Gegenstand gelenkt hatte, be- obachtete, dasz, wenn er den Rücken seines Pferdes rieb, das Thier seinen Kopf vorstreckte, seine Zähne entblöszte uqjd seine Kinnladi bewegte, genau so, als wenn es den Rücken eines andern Pferdes b nagte; denn es hätte niemals seinen eigenen Rücken benagen können. Wenn ein Pferd stark gejuckt wird, wie es beim Striegeln geschieht, so wird seine Begierde, irgend etwas zu beiszen, so unwiderstehlich stark, dasz es die Zähne zusammenschlägt und auch, wenn schon nicht mit bösem Willen, den Wärter beiszt. In Folge der Gewohnheit schlägt es gleichzeitig seine Ohren dicht herab, gewissermaszen um sie gegen das Gebissenwerden zu schützen, als wenn es mit einem andern Pferde kämpfte.

Ist ein Pferd voll Eifer, eine Heise anzutreten, so nähert es si der gewohnheitsgemäszen Bewegung des Fortschreitens auf die grösz mögliche Art dadurch, dasz es auf den Boden stampft. Wenn nun Pferde im Stalle gefüttert werden sollen und sie erwarten ihren Hafer ängstlich, so stampfen sie das Pflaster oder das Stroh. Zwei Pferde benehmen sich in dieser Weise, wenn sie sehen oder hö:

zu

!

. : in Oniin

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2                                       .meine Gesetze des Ausdrucks.                           Cap. 1.

dasz der Hafer ihren Nachbarn gegeben wird. Hier haben wir aber Etwas vor uns, was man beinahe Ausdruck nennen könnte, da das Stampfen des Bodens allgemein als ein Zeichen der Begierde aner- kannt wird.

Katzen decken ihre Excremente beider Arten mit Erde zu; mein Groszvater aber sah,s, wie eine junge Katze Asche auf einen Löffel voll reinen Wassers scharrte, der auf dem Herde vergossen war, so dasz hier eine gewohnheitsgemäsze oder instinctive Handlung irrthüm- lich nicht durch eine vorausgehende Handlung oder durch den Gernch, sondern durch das Gesicht erregt wurde. Es ist sehr bekannt. Katzen ungern ihre Füsze nasz machen, wahrscheinlich, weil sie ur- sprünglich die trockenen Theile von Ägypten bewohnt haben; und wenn sie ihre Füsze nasz machen, so schütteln sie sie heftig. Meine Tochter gosz etwas Wasser in ein Glas dicht neben dem Kopfe einer jungen Katze, sofort schüttelte diese ihre Füsze in der gewöhnlichen Art und Weise, so dasz wir hier eine gewohnheitsgemäsze Bewegung haben, die irrthümlich durch einen associirten Laut statt durch den Gefühlssinn erregt wurde.

Junge Katzen, junge Hunde, junge Schweine und wahrscheinli viele andere junge Thiere stoszen mit ihren Vorderfüszen gegen die Milchdrüsen ihrer Mütter, um eine reichlichere Milchabsonderung zu erregen oder sie zum Flieszen zu bringen. Es ist nun bei jungen Katzen sehr gewöhnlich und durchaus nicht selten bei alten Katzen der gewöhnlichen und der persischen Kassen (welche manche Natur- forscher für specifisch verschieden halten), dasz sie, wenn sie gemüth- lich auf einem warmen Shawl oder auf einem andern weichen Gegen- stande liegen, diesen ruhig und abwechselnd mit ihren Vorderfüszen beklopfen; ihre Zehen sind ausgebreitet und die Krallen leicht vor- gestreckt, genau so, als wenn sie an ihrer Mutter saugten. Dasz dies dieselbe Bewegung ist, zeigt sich deutlich daraus, dasz sie zu derselben Zeit häufig einen Zipfel von einem Shawl in ihr Maul neh- men und daran saugen, wobei sie meist ihre Augen schlieszen und vor Entzücken schnurren. Diese merkwürdige Bewegung wird ge- wöhnlich nur in Association mit der Empfindung einer warmen weichen Oberfläche erregt. Ich habe aber eine alte Katze gesehen, welche

16 Dr. Darwin, Zoonou                            p. 160. Ich finJe in dii

auch die Tbatsache erwähnt (p. 151),                           n ihre Füsze ausstrecken,

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ewegungen bei Thieren.

die Luft

sich freute, dasz ihr Rücken gekratzt wurde, und welche nun mit ihren Füszen in ganz derselben Weise klopfte, so dasz diese Hand- lung beinahe der Ausdruck einer angenehmen Empfindung geworden ist.

Da ich einmal auf den Act des Saugens zu sprechen gekommen bin, will ich noch hinzufügen, dasz diese zusammengesetzte Bewegung ebenso wie das abwechselnde Vorstrecken der Vorderfüsze eine Reflex- bewegung ist; denn beide Handlungen werden ausgeführt, wenn ein mit Milch angefeuchteter Finger in den Mund eines jungen Hundes gesteckt wird, bei dem der Vordertheil des Gehirns entfernt worden ist". Man hat neuerdings in Frankreich angegeben, dasz die Thä- tigkeit des Saugens allein durch den Geruchssinn erregt werde dasz ein junger Hund, wenn seine Riechnerven zerstört werden, ni mals sauge. In gleicher Weise scheint die wunderbare Fähigkeit welche ein junges Hühnchen nur wenige Stunden nach dem Auskriechen besitzt, kleine Nahrungstheilchen aufzupicken, durch den Gehörsinn in Thätigkeit gesetzt worden zu sein; denn bei Hühnchen, welche durch künstliche Wärme ausgebrütet worden waren, hat ein tüchtiger Be- obachter gefunden, dasz „ein mit dem Fingernagel auf einem Brette „gemachtes Geräusch, um das Picken der Henne nachzuahmen, die .jungen Hühnchen zuerst gelehrt hat, ihre Nahrung aufzupicken"18.

Ich will nur noch ein anderes Beispiel einer gewohnheitsgemäszen und zwecklosen Bewegung hinzufügen. Die Spieszente (Tadorna) er- nährt sich auf den von den Fluthen unbedeckt gelassenen sandigen Dünen; sobald nun eine Wurmröhre entdeckt wird, „fängt sie an, „den Boden mit ihren Füszen zu schlagen, gewissermaszen, als wenn „sie über der Höhle tanzte, und dies veranlaszt den Wurm, an die „Oberfläche zu kommen." Mr. St. John bemerkt nun, dasz, wenn seine zahmen Spieszenten „herankommen, um Futter zu bitten, sie „den Boden in einer ungeduldigen und rapiden Weise schlagen"19. Man kann dies daher beinahe als ihren Ausdruck für Hunger be- trachten. Mr. Barti.ett theilt mir mit, dasz wenn der Flamingo und der Kagu (Bhinochetus jubatus) gefüttert sein wollen, sie den Boden in derselben merkwürdigen Art und Weise schlagen. So schla-

" Carpenter, Principles of Comparative Physiology. 1854, p. 690, und J. Müller, Physiologie, engl. Übers. II. Bd., p. 936.

18 Mowbray, on Poultry. 6. edit. 1830, p. 54.

" s. die von diesem ausgezeichneten Beobachter gegebene Schilderung in: Wild Sports of the Highlands, 1846, p. 142.

"

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gen auch Eisvögel, wenn sie einen Fisch fangen, denselben stets so lange, bis er getödtet ist, und in den zoologischen Gärten schlagen sie immer das rohe Fleisch, mit dem sie zuweilen gefüttert werden, ehe sie es verschlingen.

Ich glaube, wir haben nun die Richtigkeit unseres ersten Prin- cips hinreichend erwiesen, nämlich, dasz, wenn irgend eine Empfin- dung, Begierde, ein Unwillen u. s. w. während einer langen Keihe von Generationen zu irgend einer willkürlichen Bewegung geführt hat, dann eine Neigung zur Ausführung einer ähnlichen Bewegung beinahe mit Sicherheit erregt werden wird, so oft dieselbe oder irgend eine analoge oder associirte Empfindung u. s. f., wenn auch sehr schwach, erfahren wird, trotzdem, dasz die Bewegung in diesem Falle nicht von dem geringsten Nutzen sein kann. Derartige gewolinheitsgemäsze Bewegungen weiden häufig oder ganz allgemein vererbt, und dann sind sie nur wenig von Refiexthatigkeiten verschieden. Wenn wir von den speciellen Ausdrucksformen bei dem Menschen handeln wer- den, wird der letzte Theil unseres ersten Grundsatzes, wie er zu An- fang dieses Capitels mitgetheilt wurde, sich als gültig herausstellen, nämlich, dasz, wenn durch Gewohnheit mit gewissen Seelenzuständen associirte Bewegungen theilweise durch den Willen unterdrückt wer- den, die im strengen Sinne unwillkürlichen Muskeln ebenso wie die- jenigen , welche am wenigstens unter der besondern Controle des Willens stehen, noch immer geneigt sind, zu wirken; und deren Thä- tigkeit ist dann häufig in hohem Grade ausdrucksvoll. Wenn umge- kehrt der Wille zeitweise oder beständig geschwächt ist, so treten die willkürlichen Muskeln gegen die unwillkürlichen zurück. Wie Sir Ch. Bell bemerkt20, ist es eine den Pathologen geläufige That- sache, „dasz, wenn Schwäche in Folge einer AfFection des Gehirns „auftritt, der Einflusz am gröszten auf diejenigen Muskeln sich „äuszert, welche in ihrem natürlichen Zustande am meisten unter „dem Befehle des Willens stehen'. Wir werden auch in unseren folgenden Capiteln noch einen andern in unserem ersten Principe ent- haltenen Satz betrachten, nämlich, dasz die Hemmung einer gewohn- heitsgemäszen Bewegung zuweilen andere unbedeutende Bewegungen erfordert, wobei diese letzteren als ein Mittel des Ausdrucks dienen.

20 Philosophien] Transactions, 1823, p. 182.

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Wir wollen nun unser zweites Prinzip betrachten, das des Gegen- satzes. Gewisse Seelenzustände führen, wie wir im letzten Capitel gesehen haben, auf gewisse gewohnheitsgemäsze Bewegungen, welch ursprünglich von Nutzen waren oder es noch immer sein können; und wir werden nun finden, dasz, wenn ein direct entgegengesetzter Seelenzustand herbeigeführt wird, eine heftige und unwillkürliche Nei- gung eintritt, Bewegungen einer direct entgegengesetzten Natur aus- zuführen, auch wenn dieselben niemals von irgend welchem Nutzen waren. Einige wenige auffallende Beispiele dieses Gegensatzes werden angeführt werden, wenn wir die speciellen Ausdrucksweisen beim .Man- schen behandeln werden; da wir aber in diesen Fällen ganz besonders dem ausgesetzt sind, conventionelle oder künstliche Geberden und Ausdrucksarten mit denen zu verwechseln, welche angeboren oder all- gemein sind und welche allein als wahre Ausdrucksformen betrachtet zu werden verdienen, so will ich mich in dem vorliegenden Capitel fast ausschlieszlich auf die niederen Thiere beschränken.

Wenn sich ein Hund einem fremden Hunde oder Menschen in einer wilden und feindseligen Stimmung nähert, so geht er aufrecht und recht steif einher: sein Kopf ist leicht emporgehoben oder nicht sehr gesenkt; der Schwanz wird aufrecht und vollständig steif ge- tragen; die Haare sträuben sich, besonders dem Nacken und Kücken entlang; die gespitzten Ohren sind vorwärts gerichtet und die Augen

The CornpL _ _ _ _ ____

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haben einen starren Blick (s. Fig. 5 und 7.) Diese Erscheinungen sind, wie hernach erklärt werden wird, eine Folge davon, dasz es die Absicht des Hundes ist, seinen Feind anzugreifen; sie sind hiernach

Innd, der sich einem andern Hunde in feil.!- Von Mr. Riviere gez.

hohem Grade verständlich. Da er sich darauf vorbereitet, mit em wilden Knurren auf seinen Feind einzuspringen, so sind die czähne unbedeckt und die Ohren werden rückwärts dicht an den

.

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Cap. 2.

Princip des Gegensatzes.

Kopf angedrückt; mit diesen letzten Bewegungen haben wir es aber hier nicht zu thun. Wir wollen nun annehmen, dasz der Hund plötz- lich die Entdeckung macht, der Mann, dem er sich nähert, sei kein

Fig. 6. Derselbe Hund in einer demüthigen und zanoigoogsvoilen Stimmung Von Mr. Rivlero ges.

Fremder, sondern sein Herr; und nun musz man beobachten, wie voll ständig und augenblicklich seine ganze Haltung umgewandelt wird. Anstatt aufrecht zu gehen, sinkt der Körper nach abwärts oder duckt

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4g                                 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           Cap. 2.

sich, und führt windende Bewegungen aus; der Schwanz, statt steif und aufrecht gehalten zu werden, wird gesenkt und von der einen zur andern Seite gewedelt; das Haar wird augenblicklich glatt; die Ohren sind heruntergeschlagen und nach hinten gezogen, aber nicht dicht an den Kopf; die Lippen sind schlaff. Dadurch, dasz die Ohren nach hinten gezogen werden, werden die Augenlider verlängert und

:.i:bb!ut-3chäferhund. in demselben Zasunde wie der Hund Gez. Ton Mr. A. May.

die Augen erscheinen nicht länger mehr rund und starr. Man n noch hinzunehmen, dasz das Thier zu solchen Zeiten in einem vor Freude aufgeregten Zustand sich befindet; es wird dabei Nervenkraft in Überschusz erzeugt, welche naturgemäsz zu Handlungen irgend welcher Art führt. Nicht eine der so eben bezeichneten Bewegungen, welche einen so deutlichen Ausdruck der Zuneigung darstellen, ist

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Princi;

von dem geringsten directen Nutzen für das Thier. So weit ich übersehen kann, sind sie nur dadurch zn erklären, dasz sie in eine

iligen Gegensatze zu der Haltung und den Bewegungen stehen, welche aus leicht einzusehenden Ursachen eintreten, wenn ein Hum zu kämpfen beabsichtigt, und welche demzufolge bezeichnend für di

em

be Hund Mioei                                                    Mr. A. Ma;

Zorn sind. Ich ersuche den Leser, die vier beistehenden Abbildungen zu betrachten, welche in der Absicht gegeben wurden, um die Er- scheinungen eines Hundes unter diesen beiden Seelenzuständen leben- dig in's Gedächtnis zu rufen. Es ist indessen nicht wenig schwierig, die Zuneigung bei einem Hunde darzustellen, während er seinen Herrn liebkost und mit seinem Schwänze wedelt, da das Wesent-

4

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5Q                                 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           wip. -.

liehe des Ausdrucks hier in den beständigen gewundenen Bewegun gen liegt.

Wir wollen uns nun zu der Katze wenden. Wenn dies Thi von einem Hunde erschreckt wird, so krümmt es den Rücken in einer überraschenden Art und Weise, richtet das Haar emporn öffnet das Maul und spuckt. Wir haben es aber hier nicht mit dieser so be- kannten Haltung zu thun, welche für den Schreck in Verbindung mit Zorn so ausdrucksvoll ist, wir haben es hier nur mit dem Ausdrucl des Zornes oder der Wuth zu thun. Derselbe ist nicht häufig sehen, kann aber beobachtet werden, wenn zwei Katzen mit einand kämpfen, und ich habe ihn sehr wohl von einer wilden Katze darge- stellt gesehen, die von einem Knaben geplagt wurde. Die Stellung ist fast genau dieselbe, wie die von einem Tiger, welcher gestört wird und über seinem Futter knurrt, was ja Jeder in Menagerien gesehen haben musz. Das Thier nimmt eine kauernde Stellung an, der Kör- per ist ganz ausgestreckt und der Schwanz wird entweder ganz oder nur die Spitze von einer Seite zur andern geschwungen oder gekrümmt. Das Haar ist nicht im mindesten aufgerichtet. So weit sind sowohl die Stellung als auch die Bewegungen nahezu die nämlichen, wie wenn das Thier bereit ist, auf seine Beute einzuspringen und wenn es ohne Zweifel böse ist. Bereitet es sich aber zum Kampfe vor, dann tritt der Unterschied ein, dasz die Ohren nicht nach hinten gedrückt wer den; der Mund wird zum Theil geöffnet und zeigt die Zähne; di Vorderfüsze werden gelegentlich mit vorgestreckten Krallen vorgi stoszen, und gelegentlich stöszt das Thier ein wüthendes Knurren aus. (S. Fig. 9 und 10.) Alle oder beinahe alle diese Handlungen sind, wie hernach erklärt werden wird, eine natürliche Folge der Ar und Weise, wie die Katze ihren Feind angreift, und der Absicht d zu thun.

Wir wollen nun einmal eine Katze in einer gerade entgeg gesetzten Stimmung betrachten, während sie sich recht zuneigun voll fühlt und ihren Herrn liebkost. Man beachte hier, wie entgegen gesetzt dabei ihre ganze Haltung in jeder Hinsicht ist. Sie steht jetzt aufrecht mit dem Kücken leicht gekrümmt, was das Haar ziem- lich rauh erscheinen läszt, ohne dasz es sich jedoch sträubt; anstai dasz der Schwanz ausgestreckt gehalten und von der einen zur andern Seite geworfen wird, wird derselbe vollständig steif und fast senk- echt in die Höhe gehalten; die Ohren sind aufrecht und gespitzt;

The ComoleK vVc i jf Chaile; Darwin Onlif»

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das Maul ist geschlossen, und das Thier reibt sich an seinem Her mit einem Schnurren statt eines Knurrens. Es ist auch ferner beachten, wie völlig die ganze Haltung einer schmeichelnden Kat von der eines Hundes in gleicher Stimmung verschieden ist, we letzterer mit kriechendem und sich windendem Körper, herabhänge dem und wedelndem Schwänze und herabgedrückten Ohren seine Herrn liebkost. Dieser Contrast in den Stellungen und Bewegungen dieser beiden fleischfressenden Säugethiere in derselben vergnüglichen und zärtlichen Gemüthsstimmung kann, wie es mir scheint, nur da- durch erklärt werden, dasz die betreuenden Bewegungen in vollkom- menem Gegensatze zu denen stehen, welche ausgeführt werden, w< die Thiere böse sind und bereit, entweder zu kämpfen oder auf i in zuspringen.

In diesen beiden Fällen, beim Hunde und der Katze, haben allen Grund zu glaubeu, dasz die Geberden sowohl der Feindseligk als auch der Zuneigung angeboren oder ererbt sind; denn sie sind den verschiedenen Kassen der Species und in allen Individuen eini und der nämlichen Kasse, sowohl jungen als alten, beinahe identiS' dieselben.

Ich will hier noch ein anderes Beispiel des Gegensatzes im An drucke anführen. Ich besasz früher einen groszen Hund, welcher wie jeder andere Hund ein groszes Vergnügen daran fand, hinaus spazier zu gehen. Er zeigte seine Freude darin, dasz er gravitätisch hoch erhobenen Schritten vor mir her trabte mit hoch emporgehobi nein, dabei aber nicht steifem Schwänze. Nicht weit von mein Hause führt ein Fuszweg rechts vom llauptgang ab nach ein w&chshause hin. was ich häufig für ein paar Augenblicke zu be pflegte, um nach meinen Versuchspflanzen zu sehen. Dies war jedes- mal eine grosze Enttäuschung für den Hund, da er nicht wuszte, ob ich den Spaziergang fortsetzen würde; uud die augenblickliche und vollständige Veränderung des Ausdrucks, die ihn überfiel, sobald nur meinen Körper im Allergeringsten nach dem Fuszwege sich we den sah (und zuweilen that ich es nur des Versuches wegen), w förmlich lächerlich. Sein Blick der gröszten Niedergeschlagenheit war jedem Gliede meiner Familie bekannt und wurde das „Gewächshaus- I" genannt. Es bestand dies darin, dasz der Kopf sehr gesenkt wurde, der gante Körper ein wenig zusammensank und bewegungslos

Schwanz ganz plötzlich herunter san- 4«

wie Z

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52

Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.

ken, wobei aber der Schwanz nicht im Mindesten gewedelt wurd Mit dem Sinken der. Ohren und dem Hängenlassen seines grosze Mauls wurden auch die Augen bedeutend im Aussehen verändert ur

zum Kampfe bereit. Nach dem Leben cez. von Mr. Wood.

sahen, wie ich der Ansicht war, weniger glänzend aus. Sein ganzes Aussehen war das der mitleid3werthen, hoffnungslosen Niedergeschla- genheit; und wie ich schon gesagt habe, es war lächerlich, weil die

Tl _ _ _                                arles Darwin Online

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Cap. 2.                                   Princip des Gegensatzes.                                         53

Ursache so unbedeutend war. Jeder einzelne Zug in seiner Stellung war in vollständigem Gegensatze zu seiner früheren freudigen, aber doch würdevollen Haltung; es kann dies, wie mir scheint, auf keine andere Weise erklärt werden, als durch das Princip defl Gegensatzes.

Fig. 10. Kaue In sül i

Wäre nicht die Veränderung so augenblicklich gewesen, so würde ich dieselbe dem Umstände zugeschrieben haben, dasz sein nieder- geschlagener geistiger Zustand, wie beim Menschen, das Nerven- und Circulationssystem und dadurch noth wendigerweise den Tonus seines

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54                                 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           Cap.

ganzen Muskelsystems afficirte, und zum Theil mag dies auch wir lieh die Ursache gewesen sein.

Wir vollen nun untersuchen, auf welche Weise das Princip des

Gegensatzes beim Ausdrucke entstanden ist. Bei gesellig lebenden Thieren ist das Vermögen gegenseitiger Mittheilung zwischen den Gliedern einer und derselben Gemeinde, — und bei andern Arten zwischen den verschiedenen Geschlechtern ebenso wie zwischen d Jungen und Alten —, von der gröszten Bedeutung für sie. Diei Mittheilungen werden meist mittelst der Stimme bewirkt; es ist al sicher, dasz Geberden und ausdrucksvolle Stellungen in einem wissen Grade gegenseitig verstanden werden. Der Mensch gebraucl nicht blosz inarticulirte Ausrufe, Geberden und ausdrucksvoll'' Mienen, sondern hat noch die artienlirte Sprache erfunden, wenn freilich das Wort „erfunden-' auf einen Procesz angewendet werden kann, der sich durch zahllose halb unbewuszt gethane Abstufungen vollzogen hat. Ein Jeder, welcher Affen beobachtet hat, wird nicht daran zwei- feln, dasz sie vollkommen die Geberden und den Ausdruck unter eina: der und, H                    bemerkt, auch die des Menschen verstehen

Wenn ein Thier im Begriffe ist. ein anderes anzugreifen, oder auch wenn es sich vor einem andern fürchtet, macht es sich häufig in seiner äuszern Erscheinung schreckenerregend, es richtet das Haar auf, mehrt dadurch scheinbar den Umfang seines Körpers, zeigt die Zäh ,er schwingt seine Hörner, oder stöszt wüthende Laute aus. Da das Vermögen der gegenseitigen Mittheilung sicherlich Thiere von groszem Nutzen ist, so hat die Vermuthung a prio nichts Unwahrscheinliches in sich, dasz Geberden, welche offenbar ent- gegengesetzter Natur sind, verglichen mit denen, durch welche ge- wisse Gefühle bereits ausgedrückt werden, zuerst willkürlich unter dem Einflüsse eines entgegengesetzten Gefühlszustandes angewendet worden sein dürften. Die Thatsache, dasz die Geberden jetzt ange- boren sind, bietet keinen gültigen Einwurf gegen die Annahme dar, dasz sie ursprünglich beabsichtigt waren; denn werden sie viele Ge- nerationen hindurch ausgeführt, so werden sie wahrscheinlich schliesz- lich vererbt werden. Nichtsdestoweniger ist es mehr als zweifelhaft, wie wir sofort sehen werden, ob irgend welche von den Fällen, welc'

ten cht

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! liiere von Paraguay. 1830. S. 55.

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unter die vorliegende Kategorie des Gegensatzes gehören, in dit Weise entstanden sind.

Bei conventioneilen Zeichen, welche nicht angeboren sind, wie denen, welche die Taubstummen und die Wilden benutzen, ist von dem Principe des Gegensatzes oder der Antithese zum Theil Gebrauch gemacht worden. Die Cistercienser Mönche hielten es für sündhaft zu sprechen, da sie es aber nicht vermeiden konnten, eine gewisse gegenseitige Mittheilung zu unterhalten, so erfanden sie eine Ge- berdensprache, bei welcher das Princip des Gegensatzes angewendet worden zu sein scheint2. Dr. Scott, ron der Exeter Taubstummen- Anstalt, schreibt mir, dasz „Gegensätze beim Lehren der Taubstu: „men, welche einen lebendigen Sinn für dieselben haben, sein- viel .nutzt weiden." Trotzdem bin ich doch überrascht gewesen, wie wenig völlig unzweideutige Beispiele sich dafür anführen lassen. Dies hängt zum Theil davon ab, dasz sämmtliche Zeichen gewöhnlich irgend einen natürlichen Ursprung haben, und zum Theil von der Gewohn heit der Taubstummen und Wilden, ihre Zeichen zum Zwecke grösze rer Geschwindigkeit so viel als nur möglich zusammenzuziehen3. 1 natürliche Quelle oder ihr Ursprung wird daher häufig zweifelhi oder geht vollständig verloren, wie es in gleicher Weise auch Worten der articulirten Sprache der Fall ist.

Überdies scheinen viele Zeichen, welche offenbar zu einander hältnis des Gegensatzes stehen, beiderseits als selbständige Be- chnungen entstanden zu sein. Dies scheint für die Zeichen zu gelten, welche die Taubstummen für Licht und Dunkelheit, für Stärke und Schwachheit u. s. w. benutzen. Li einem spätem Capitel werde ich zu zeigen versuchen, dasz die einander entgegengesetzten Geberden der Bejahung und der Verneinung, nämlich das senkrechte Nicken das seitliche Schütteln des Kopfes, beiderseits wahrscheinlii

ize-

M. Tylor gibt in seiner ,Early History of Mankind' (2. lit. 1-7". ]i ibetdensprache di                          und m&ebi einige

merkungen über das l'rin                                       den Geberden.

1 s. über diesen Gegenstand ds                              rk ron l'r W

Deaf and Dumb, 2. edit 1870, p. 12. Ei                         Zosammenziehnng

. in viel kürzere als es der natürliche Ausdruck erfordert, unter den Taubstummen sehr gewöhnlich. Diese zusammengezogen i verkürzt, dasz sie alle Ähnlichkeit mit der naturgemäß loren hat, aber für die Taubstummen, welche ! gebrauchen, bat Stärke der ursprünglichen Bezeichnung.-

tt.

ie Cornplete Work of Charles Darwin Onln

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56                                 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                           Cap. 2.

einen natürlichen Ausgangspunkt hatten. Das Schwingen der Hand von rechts nach links, welches von manchen Wilden als Zeichen der Verneinung gebraucht wird, dürfte als Nachahmung des Kopfschüt- telna erfunden worden sein; ob aber die entgegengesetzte Bewegung des Schwingens der Hand in einer geraden Linie vom Gesicht ab- wärts, welches als Zeichen der Bejahung gebraucht wird, durch di Gegensatz oder in irgend einer völlig verschiedenen Art und \\ ei entstanden ist, bleibt zweifelhaft.

Wenden wir uns nun zu den Geberden, welche angeboren sind oder allen Individuen der nämlichen Species gemeinsam zukommen und welche unter die vorliegende Kategorie des Gegensatzes fallen, so ist e> äuszersl zweifelhaft, ob irgend welche von ihnen ursprüng- lich mit Vorbedacht erfunden und mit Bewusztsein ausgeführt worden sind. Beim Menschen ist das beste Beispiel einer Geberde, welche in einem directen Gegensatze zu andern, naturgemäsz unter einem ent- gegengesetzten Seelenzustande ausgeführten Bewegungen rieht Zucken mit den Schultern. Dies drückt Unfähigkeit oder eine Ent- schuldigung aus, — es bezeichnet                       nicht gethan werden kann oder was nicht vermieden werden kann. Die Geberde wi weilen bewuszt und willkürlich gebraucht; es ist aber auszei wahrscheinlich, dasz sie ursprünglich mit Vorbedacht erfunden und später durch Gewohnheit fixirt worden ist; es zucken nämlich nicht allein kleine Kinder in den oben bezeichneten Gemüthszuständen mit ihren Achseln, sondern die Bewegung wird auch, wie in einem spä- tem Capitel gezeigt «erden wird, von verschiedenen ont Bewegungen begleitet, dessen sich nicht ein Mensch unter ta

Rruszt wird, wenn er nicht speciell dem Gegenstande seine rksamkeit zugewendet hat. Wenn Hunde sich einem fremden Hunde nähern, so können sie unter umständen für zweckmäszig halten, durch ihre Bewegungen erkennen zu geben, dasz sie freundlich gesinnt sind und nicht zu kämpfen wünschen. Wenn zwei junge Hunde im Spielen einander knurren und sich in das Gesicht und die Beine beiszen, so Ver- ben sie offenbar unter einander ihre Geberden und Manieren. Es eint geradezu bei jungen Hunden und Katzen ein gewisser Grad instinetiver Kenntnis davon zu existiren, dasz sie ihre kleinen scharfen Zähne oder Krallen beim Spielen nicht zu derb gebrauchen dürfen, doch kommt Letzteres zuweilen vor und dann ist ein Gewinsel

«ÜMHIPIIBMMHHBBHMIlH

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Prineip des Gegensatzes.

Ende vom Lied; im andern Falle würden sie wohl oft sich gegei seitig die Augen verletzen. Wenn mein Pintscher mich im Spielen in die Hand beiszt, oft gleichzeitig dazu knurrend, und ich sage dann, wenn er zu stark beiszt, zu ihm: «ruhig, ruhig", so beiszt er zwar weiter, antwortet mir aber doch mit ein paar wedelnden Bewegungen des Schwanzes, was zu bedeuten scheint: „es schadet nichts, es i3t ja nur Spasz." Obgleich nun wohl Hunde in dieser AVeise and> Hunden und dem Menschen wirklich ausdrücken und auszudrücki wünschen können, dasz sie freundlicher Stimmung sind, so ist doch nicht zu glauben, dasz sie jemals mit Vorbedacht daran gedacht hätten, ihre Ohren zurückzuziehen und herabzuschlagen statt sie au lecht zu halten, ihren Schwanz herabhängen zu lassen und damil wedeln, anstatt ihn steif und aufgerichtet zu tragen u sie gewuszt hätten, dasz diese Bewegungen in einem dir satze zu denen stehen, welche sie in einer entgegengesetzten und bös> Stimmung ausführen.

Wenn ferner eine Katze, oder vielmehr wenn irgend ein früh Urerzeuger der Species im Gefühle einer zuneigungsvollen Stimmung zuerst seinen Bücken leicht gekrümmt, seinen Schwanz senkrecht nach oben gehalten und seine Ohren gespitzt hat, kann man wohl glauben, dasz das Thier mit vollem Bewusztsein gewünscht habe, damit zu zeigen, dasz sein Seelenzustand der directe Gegensatz von dem wo es in fertiger Bereitschaft zum Kampfe oder auf Bein zuspringen eine kriechende Stellung einnahm, seinen Schwanz von ein Seite zur andern krümmte und seine Ohren herabdrückte? Selbst Doch weniger kann ich glauben, dasz mein Hund seine geschlagene Haltung und sein -Gewächshaus-Gesicht* mit Will anlegte, eine Haltung, welche einen so vollkommenen Contrast seiner früheren gemüthlichen Stimmung und ganzen Haltimg dete. Es kann nicht angenommen werden, dasz er gewuszt habe. würde seinen Ausdruck verstehen und er könne damit mein H erweichen und mich zum Aufgeben des Besuchs des öi veranlassen.

Es musz daher in Bezug auf die Entwickelung der Bewegungen, welche unter die vorliegende Kategorie gehören, noch irgend ein an- deres, vom Willen und Bewusztsein verschiedenes Prineip thätig ge- wesen sein. Dies Prineip scheint im Folgenden zu bestehen: jede Bewegung, welche wir unser ganzes Leben hindurch willkürlich aus

acht auf-

üher

äer- llen

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ist beständig eine entgegengesetzte Gruppe von Muskeln in Thätig- keit gekommen, — wie beim Drehen nach rechts oder nach links, im Fortstoszen eines Gegenstandes von uns weg oder im Heranziehen desselben zu uns her, und beim Heben und Senken einer Last. Intentionen und Bewegungen sind so stark mit einander associirt, dasz, wenn wir recht eitrig wünschen, dasz sich ein Gegenstand in irgend einer Richtung bewegen möchte, wir es kaum vermeiden können, unsern Körper in derselben Richtung zu bewegen, obgleich wir uns dessen vollkommen bewuszt sein mögen, dasz dies keines Einflusz haben kann. Eine gute Erläuterung hievon ist ben der Einleitung gegeben worden, nämlich in den grotesken Bewegungen eines jungen und eifrigen Billard-Spielers, wenn er den Lauf seines Balles verfolgt. Wenn ein Erwachsener, oder auch ein Kind, in leidenschaftlicher Erregung irgend Jemand mit erhobner Stimme sagt, er solle fortgehen, so bewegt er meist seinen Arm, als wenn er den andern damit fortschieben wolle, obgleich der Beleidiger nicht nahe dabei zu stehen braucht, und obschon nicht die geringste Nöthigung dazu vorhanden zu sein braucht, erst durch eine Geberde noch zu er- klären, was gemeint wird. Wenn wir auf der andern Seite eifrig wünschen, das/. Jemand nahe zu uns herankommen möi dein wir so, als ob wir ihn zu uns heran ziehen wollten; und Ä liches tritt in zahllosen andern Fällen ein.

Da die Ausführung gewöhnlicher Bewegungen entgegengesetzter Art, unter entgegengesetzten Willenseinflüssen, bei uns und den niede- ren Thieren zur Gewohnheit geworden ist, so erscheint es, wenn Thä- tigkeitsäuszerungen einer bestimmten Art mit bestimmten Empfin- dungen oder Erregungen in feste Association zu einander getreten sind, natürlich, das/. Handlungen einer direct entgegengesetzten Art, wenn sie auch ohne Nutzen sind, unter dem Einflüsse einer direct entgegengesetzten Empfindung oder Erregung unbewuszt durch Ge- wohnheit und Association ausgeführt werden. Nur nach diesem Grund- satze kann ich es verstehen, auf welche Weise die Geberden und Ausdrucksformen, welche unter die Rubrik der Gegensätze gehören, entstanden sind. Wenn sie freilich dem Menschen oder irgend einem andern Thiere zur Unterstützung inarticulirter Ausrufe oder der sind, so werden sie auch willkürlich angewendet

BüBmpwmiGPiiwMp

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Princip des Gegensatzes.

und die Gewohnheit dadurch verstärkt werden. Mögen sie aber als ein .Mittel der Mittheilung von Nutzen sein oder nicht, so wird doch die Neigung, entgegengesetzte Bewegungen bei entgegengesetzten Em- pfindungen oder Erregungen auszuführen, wenn wir nach Analogie urtheilen dürfen, durch lange Übung erblich werden; und darüber kann kein Zweifel bestehen, dasz mehrere, von dem Princip des Gegen- zes abhängige Bewegungen vererbt werden.

:>f Charles

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Drittes Capitel.

Allgemeiue Principien des Ausdrucks. — (Schlusz.)

unabhängig vom Willen und zum Theil von  der Gewohnheit - Veränderung

u«. — Erzittern der Mus                             - retionen.

; iration. — Ausdruck des gröszten  -

Freude uud äuszerster Angst. — Coi                                        n, welche

die Bewegungen verursachen und  nicht verursachen. — Aufregend

-

Wir kommen nun zu unserm dritten Principe, dasz nämlich ge- wisse Handlungen, welche wir als ausdrucksvolle für gewisse Zustände der Seele anerkennen, das directe Resultat der Constitution des Nerven- systems sind und von Anfang an vom "Willen und in hohem Mas/ auch von der Gewohnheit unabhängig gewesen sind. Wenn das Sen- sorium stark erregt wird, so erzeugt sich Nervenkraft im Oberschasse und wird in gewissen Richtungen fortgepflanzt, welche von dem Zu- sammenhange der Nervenzellen und, so weit das Muskelsystem in Be- tracht kommt, von der Natur der Bewegungen, welche gewohnheits- gemäsz ausgeübt worden sind, abhängen. Es kann aber auch allem Anscheine nach der Zuflusz der Nervenkraft unterbrochen werden. Natürlich ist jede Bewegung, welche wir ausführen, durch die Con- stitution des Nervensystems bestimmt; aber Handlungen, welche in Gehorsam gegen den Willen oder in Folge von Gewohnheit oder durch das Princip des Gegensatzes ausgeführt werden, sollen hier soviel als möglich ausgeschloszen werden. Der hier vorliegende Gegenstand ist sehr dunkel; seiner groszen Bedeutung wegen musz er aber in ziem- licher Ausführlichkeit erörtert werden; und es ist immer sehr rath- sam, uns unsere Unwissenheit klar zu machen.

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Wirkung des Nervensystems.

das wei

Der auffallendste, wenn auch seltene und abnorme Fall, welch' für den directen Einflusz des Nervensystems auf den Körper angeführt werden kann, wenn ersteres heftig afficirt wird, ist das Erbleichen des Haars, welches gelegentlich nach äuszerst heftigem Schreck oder Kummer beobachtet worden ist. Ein authentischer Fall ist von einem Manne in Indien berichtet worden, welcher zur Hinrichtung geführt wurde und bei welchem die Veränderung der Farbe so schnell eintrat, sz sie für das Auge wahrnehmbar war1.

Ein anderes gutes Beispiel bietet das Zittern der Muskeln dar, Iches den Menschen und vielen oder geradezu den meisten der niedern Thiere gemeinsam zukommt. Das Zittern ist von keinem Nutzen, oft geradezu störend, und kann ursprünglich nicht durch den Willen erlangt und dann durch Association mit irgend einer Seelen- erregung gewohnheitsgemäsz geworden sein. Eine ausgezeichnete Autorität hat mir versichert, dasz kleine Kinder nicht zittern unter den Umständen, welche bei Erwachsenen heftiges Zittern her führen würden, in C'onvulsionen verfallen. Das Zittern wird bei schiedenen Individuen in sehr verschiedenem Grade und durch verschiedenartigsten Ursachen hervorgerufen, so durch Einwirkung Kälte auf die Oberfläche, durch Fieberanfälle, trotzdem die Temperatur des Körpers hier höher als der normale Maszstab ist, bei Blutvergif- tungen, im Delirium tremens und andern Krankheiten, durch allge- meinen Kräftemangel im hohen Alter, durch Erschöpfung nach über- mäsziger Ermüdung, nach localen Reizen durch heftige Verletzungen, sowie Verbrennungen und in einer ganz besondurn Art und Weise durch die Einführung eines Katheters. Von allen Seelenerregungen ist bekauntermaszen Furcht diejenige, welche am leichtesten Zittern herbeiführt, aber dasselbe thun gelegentlich groszer Zorn und grosze Freude. Ich erinnere mich, einmal einen Knaben gesehen zu habe welcher gerade seine erste Bekassine im Fluge geschossen hatte, Hände vor Entzücken in einem solchen Grade zitterten, dass er ein Zeit lang nicht im Stande war, seine Flinte wieder zu laden; und ich habe von einem ganz ahnlichen Falle bei einem australische] Wilden gehört, dem eine Flinte geliehen worden war. Schöne Musi

oete lern

I

1 s. die interessanten Fälle, welche G. Pouchet gesammelt hat in der ] [es Dem Mondes. Jan. 1. 1872. p. 79. Vor wenig Jahren wurde auch ein Fall äi British Association in Belfast mitgetheilt.

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62                           Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.                      Cap.

verursacht in Folge der unbestimmten Erregungen, welche sie hervor ruft, ein den Kücken hinablaufendes Schauern bei manchen Personen. In den eben erwähnten physikalichen Ursachen und den Seelenerregungen scheint sehr wenig Gemeinsames zu liegen, was das Zittern veranlassen könnte. Sir Jähes Paget, welchem ich für mehrere der angeführten Thatsachen verbunden bin, theilt mir mit, dass der Gegenstand ein sehr dunkler ist. Da Zittern häufig durch Wuth veranlaszt wird, lange vorher, ehe Erschöpfung eintritt, und da es zuweilen grosze Freude begleitet, so möchte es fast scheinen, als ob jede starke Er regung des Nervensystems den stätigen Flusz der Nervenkraft zu den Muskeln unterbräche2.

Die Art und Weise, in welcher die Absonderung des Nahrung! canals und gewisser Drüsen, so der Leber, der Nieren oder der Milch' drüsen, durch heftige Gemüthserregungen afficirt werden, ist eil anderes ausgezeichnetes Beispiel für die directe Einwirkung des Sei soriums auf diese Organe und zwar unabhängig vom AVillen oder v irgend einer nutzbaren associirten Gewohnheit. Es besteht die g Verschiedenheit bei verschiedenen Personen in den Theilen, welche auf diese Weise afficirt werden, und in dem Grade ihrer Affection.

Das Herz, welches ununterbrochen Tag und Nacht in einer so wunderbaren Weise fortschlägt, ist für äuszere Reize äuszerst empfind- lich. Der bekannte Physiolog Ci.Ariu. BERNAUS hat gezeigt9, wie die geringste Reizung eines Empfindungsnerven auf das Herz einwirkt, und zwar selbst dann, wenn ein Nerv so schwach berührt worden ist, dasz von dem Thiere, an welchem experimentirt wird, unmöglich ein Schmerz empfunden werden konnte. Wir dürfen daher erwarten, das: wenn die Seele heftig erregt wird, sie augenblicklich in einer direct Weise das Herz afficirt, und dies wird auch ganz allgemein anerkannt und von Allen gefühlt. Claöde Bernartj hebt auch wiederholt hervor, und dies verdient besondere Beachtung, dasz, wenn das Herz afficirt wird, es auf das Gehirn zurückwirkt: andererseits wirkt aber der Z stand des Gehirns wieder durch den herumschweifenden Nerven ai zurück, so dasz bei jeder Erregung eine lebhafte wechsi

Ir- en

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liiller I                     ach der Physiologie des Mensch

Wirkung auf alle Ickenmarksnerven bis zur unvollkommenen Lähmnng and zum Zittern." Lecons sur les Prop. dee Tissus rivanta                     -166.

Mlilet               .. .

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Wirkung des Nervensv

seitige Wirkung und Bückwirkung zwischen diesen beiden bedeutun vollsten Organen des Körpers bestellt.

Das vasomotorische System, welches den Durchmesser der klein Arterien regulirt, wird vom Sensorium direct beeinfluszt, wie m sehen kann, wenn ein Mensch vor Scham erröthet. Ich glaube abi dasz in diesem letzteren Falle die gehemmte Fortleitung der Nerven' kraft zu den Gefäszen des Gesichts theihveise in einer merkwürdigen Art durch Gewohnheit erklärt werden kann. Wir werden auch im Stande sein, etwas wenn auch sehr wenig Licht auf das unwillkürliche Emporsträuben des Haares bei den Erregungen des Schrecks und der Wuth zu werfen. Die Thränenabsonderung hängt ohne Zweifel von dem Zusammenhange gewisser Nervenzellen ab; aber auch hier können wir einige wenige der Schritte verfolgen, durch welche der Abflusz von Nervenkraft Jeu erforderlichen Cauälen entlang unter gewisse Seelenerregungen gewohnheitsgemäsz geworden ist.

Eine kurze Betrachtung der äuszeren Zeichen einiger der heftiger findungen und Gemüthserregungen wird am besten dazu uns, wenn auch nur im allgemeinen Umrisse zu zeigen, in welcber complicirten Art und Weise das hier betrachtete Princip der directen Thätigkeit des erregten Nervensystems auf den Körper mit dem Prin cipe gewohnheitsgemäsz associirter zweckmäsziger Bewegungen vi bunden ist.

Wenn Thiere von einem Anfalle äuszersten Schmerzes leide winden sie sich meist in fürchterlichen Verdrehungen herum, diejenigen, welche gewöhnlich ihre Stimme gebrauchen, stoszen dnrc dringende Schreie oder Geheul aus. Fast jeder Muskel des Körp wird in heftige Thätigkeit versetzt. Bei dem Menschen ist der .Mund dicht znsammengepreszt, oder gewöhnlicher sind die Lippen zurück- gezogen, während die Zähne zusammengepreszt sind oder knirsche Man sagt, dasz in der Hölle „Zähne-klappern" sei; ich habe das Knirsch dei Backenzähne deutlich auch bei einer Kuh gehört, welche heftig an einer Entzündung der Eingeweide litt. Als der weiblic itamus im zoologischen Garten seine Jungen zur Welt bring wollte, litt er heftig. Das Thier gieng unaufhörlich herum oder wälzte sich auf den Seiten, öffnete und schlosz die Kinnladen und schlug die Zähne aufeinander1. Iiei dem Menschen starren die

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4 Mr. Bartlett, Notes oh the Birth of a Hiiipopotamus. Pro.. Soc. 1871. :

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wie im fürchterlichsten Erstaunen wild hinaus oder die Augenbrauen sind heftig zusammengezogen. Der Körper ist von Schweisz gebadet und Tropfen rieseln das Gesicht herab. Die Circtilation und Respi- ration sind bedeutend afficirt. Die Nasenlöcher sind daher meist er- weitert und erzittern oft, oder der Athen) wird so lange angehalten, bis das Blut in dem purpurroten Gesichte stillsteht. Wenn die Seelenangst sehr heftig und lang anhaltend ist, so verändern sich Ile diese Anzeichen. Die äuszerste Erschöpfung folgt mit Ohnmächten Convulsionen.

Wenn ein Empfindungsnerv gereizt wird, so überlief' gewissen Reiz der Nervenzelle, von weloher er ausgeht, und diese gibt ihren Reiz wieder zuerst an die entsprechende Nervenzelle der entgegengesetzten Körperseite und dann auf- und abwärts dem cereb; spinalen Nervenstränge entlang an andere Nervenzellen, und zw gröszerer oder geringer Ausdehnung je nach der Stärke des ursprün liehen Reizes, so dasz zuletzt das ganze Nervensystem afficirt weiden kann3. Diese anwillkürliche Überlieferung von Nervenkraft ka llstandigem Bewusztsein erfolgen oder auch ohne dasselbe. Wai Erregung einer Nervenzelle Nervenkraft erzeugt oder fre ist nicht bekannt; aber dasz dies der Fall ist. scheint ein.; i zu sein, zu welcher die sämmtlichen bedeutenderen Physioli

1 gelangt sind. .Mr. Hki:- BSBT Spkkcbb bemerkt, dasz man es als .eine gar nicht weiter .fragliche Wahrheit annehmen kann, dasz die in irgend einem Augi „blicke vorhandene Quantität freigewordener Nervenkraft, welche „einer nicht weiter erforschbaren Weise in uns den Zustand herr' „ruft, den wir Fühlen nennen, sich in irgend einer Richtung „dehnen musz und eine gleich grosze Offenbarung von Kraft irgend' anders erzeugen musz", so dasz, wenn das Cerebrospinalsystem heftig reizt und Nervenkraft im Überschusz frei gemacht wird, letztere h in heftigen Empfindungen, lebendigem Denken, heftigen Be-

lg- ien mit

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Kli- ter

über diesen Gegenstand Claude Bernard. T Virchuw druck! stell fast genau ebenso darüber am in seiner Abhand- lung „Über das Rückenmark" (Sammlung wissenschaftlicher

' Joh. Müller sagt bei Schilderung der Neirenthttigkeit: ,Jeder schnelle

ig in den Zuständen der Seele ist im Stande eine Entladung zu bewirken"

(Handbuch der PhysioL Bd.2. 8.89). .-. Vircbow und Bernard über denselben

I an Stellen der in der vorigen Anmerkung erwähnten Werke.

Complete Work of Charles Darwin Onli

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The Comol1'                         irles Darwin Online

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en kann '. ;runde be- lachst die renn diese

wegungen oder vermehrter Thätigkeit der Drüsen ausbreiten Mr. Spknceb behauptet ferner, dasz .ein von keinem Beweggründe „sonders geleiteter Überschusz an Nervenkraft offenbar zunächst „am meisten gewohnh                     Wege einschlagen und, wenn

„nicht hinreichen, in die weniger gewobnheitsgemäszen überfiieszen „werde." Folglich werden die Gesichts- und Athmungsmuskeln, welche die am meisten gebrauchten sind, geneigt sein, zuerst in Thätigkeit ü zu werden, dann diejenigen der oberen Extremitäten, zunächst dann diejenigen der untern und endlich diejenigen des ganzen Körpers8. Eine Gemflthserregung kann sehr stark sein und wird doch nur wenig geneigt sein, Bewegungen irgend einer Art herbeizuführen, wenn sie nicht gewöhnlich zu einer willkürlichen Handlung behufs ihrer Erleichterung oder Befriedigung geführt hat; und wenn Bewegungen erregt werden, so wird deren Natur in einem hohen Grade durch dii jenigen bestimmt, welche unter derselben Erregung häufig unwi kürlich zu einem bestimmten Zwecke ausgeführt worden sind. Gros Schmerzen treiben alle Thiere und haben dieselben während zahlloser Generationen dazu getrieben, die heftigsten und verschiedenartigsten Anstrengungen zu machen, der Ursache des Leidens zu entfliehen. Selbst wenn eine Gliedmasze oder ein anderer besonderer Theil des Körpers verletzt wird, sehen wir oft eine Neigung, schütteln, als gälte es, die Ursache abzuschütteln, obschon dies offei bar unmöglich wäre. Auf diese Weise kann eine Gewohnheit, mit der äuszersten Kraft alle Muskeln anzustrengen, sich entwickelt haben, so oft heftige Schmerzen empfunden werden. Da die Muskeln der Brust und der Stimmorgane ganz beständig gebraucht werden, so werden diese besonders der Erregung ausgesetzt sein, und es werden laute, scharfe Schreie und Angstrufe ausgestoszen werden. Aber wahr- scheinlich ist auch der Vortheil, den das Thier vom Schreien erlangt, mit in's Spiel gekommen; denn die Jungen der meisten Thiere rufen, wenn sie in Angst oder Gefahr sind, laut nach ihren Eltern um Hülfe, wie auch die Mitglieder einer und derselben Gemeinschaft einander um Hülfe anrufen.

ntific, Political efi                              p. 109. 111.

Sir 11. Holland bemerk! (Medical Notes and Heflexions. 1839, p. 328) bei prechung jenes merkwürdigen in allgemeiner nervöser Unruhe bestehenden Korperzuatandes, dass er .Folge der Anhäufung irgend einer Erregungsorsache zu _si-in scheint, welche in ihrer Erleichterung der Muskelbewegungen bedarf."

ll IRWM .                                                         ( VII )                                                             5

Th« .. _ .                                                        .

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leic Jans

ine Gesetze des .'.

Ein anderes Princip, nämlich das innerliche Bewusztsein, dasz die Kraft oder die Fähigkeit des Nervensystems beschränkt ist, wird, wenn auch nur in einem untergeordneten Grade, die Neigung zu heftigen Handlungen im auszersten Leiden verstärkt haben. Bin Mensch kann nicht tief nachdenken und gleichzeitig seine Muskelkraft auf das Äuszerste anstrengen. Wie Htppokbateb schon vor langer Zeit be- merkt hat: wenn zwei Schmerzen zu einer und derselben Zeit gefühlt werden, so übertäubt der heftigere den andern. Märtyrer sind in der Kcstase ihrer religiösen Schwärmerei wie es scheint häufig für die schauderhaftesten Qualen unempfindlich gewesen. Wenn Matrosen gepeitscht werden sollen, so nehmen sie zuweilen ein Stück Blei in ihren Mund, um es mit iiuszerster Kraft zu beiszen und so den Sehmerz zu ertragen. Kreiszende Frauen bereiten sich darauf vor, ihre Maske! bis sum Auszersten anzustrengen, um ihre Schmerzen dadurch zu leichtern.

Wir sehen hieraus, dasz die nicht besonders geleitete Ausstrahlung

Nervenkraft von den zuerst afficirt gewesenen Nervenzellen, — der ' fortgesetzte Gebrauch, in heftigem Kampfe den Versuch zu machen, der Ursache des Leidens zu entfliehen — und das Bewusztsein, dasz willkürliche Anstrengung der Muskeln den Schmerz erleichtert, dasz alles dies wahrscheinlich sich vereinigt hat, die Neigung zu den hef- tigsten beinahe convulsivischen Bewegungen im Zustande auszersten Leidens herbeizuführen; und derartige Bewegungen mit Einschlusz derer der Stimmorgane werden ganz allgemein als im hohen Grade ausdrucksvoll für diesen Zustand anerkannt.

Da die blosze Berührung eines Empfindungsnerven in einer din Weise auf das Herz zurückwirkt, so wird offenbar auch heftiger Schme in gleicher Weise aber noch weit energischer auf dasselbe zurück- wirken. Nichtsdestoweniger dürfen wir selbst in diesem Falle die indirecte Einwirkung der Gewohnheit auf das Herz nicht übersehen, wie wir später noch sehen werden, wenn wir die Zeichen der Wnth betrachten.

Wenn ein Mann in einer Agonie von Schmerz leidet, so riesi ihm häufig der Schweisz das Gesicht herab; und mir hat ein Veterinär arzt versichert, dasz er häufig gesehen habe, wie bei Pferden die Tropfen von dem Bauche herabfallen und die Innenseite der Schenkel herabrinnen, ebenso an dem Körper der Kinder, wenn diese heftig leiden. Er hat dies beobachtet, als gar kein heftiges Sträuben vor-

ein

imerz

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iden war, welches die starke Hautthätigkcit erklären könnte. D ganze Körper des oben erwähnten weiblichen H                     »ar, wähl

rend er seine Jungen gebar, mit roth gefärbtem Schweisze bedeckt. Dasselbe tritt auch bei äus/.orster Furcht ein. Der genannte Thier- arzt hat häufig Pferde aus diesem Grunde schwitzen sehen; dasselbe hat Mr. HakH.kii beim lihinoceros gesehen, und bei dem Menschen ist es ein bekanntes Symptom. Die Ursache der in diesen Fällen

brechenden Transpiration ist vollkommen dunkel. Main siologen glauben aber, dasz sie mit einer Schwäche des capillaren Kreislaufs zusammenhängt, und wir wissen allerdings, dasz ds motorische System, welches den capillaren Kreislauf regulirt, bedeu- tend von der Seele beeinfiuszt wird. Was die Bewegungen gewisser Muskeln dos Geeichte im Zustande groszen Leidens ebenso wie in Folge anderer Seelenerregungen betrifft, so werden diese am besten betrachtet werden, wenn wir von den speziellen Ausdrucksformen des Menschen und der niedern Thiere handeln.

Wir wollen uns nun zu den characteristischen Symptomen AVuth wenden. Unter dem Einflüsse dieser mächtigen Erregung die Thätigkeit des Herzens bedeutend beschleunigt9 oder kann auch sehr gestört sein. Das Gesicht ist geröthet oder es wird purpurn in Folge des verhinderton Rückflusses des Blutes oder kann auch todten- bleich werden. Die Respiration ist beschwerlich; die Brust hebt sich mühsam und die erweiterten Nasenlöcher zittern. Häufig zittert der ganze Körper. Die Stimme ist afficirt; die Zähne sind fest zusammen- geklemmt oder knirschen und das Muskelsystem ist gewöhnlich zu heftiger, beinahe tobsüchtiger Thätigkeit angeregt. Aber die Geber- den eines Menschen in diesem Zustande weichen gewöhnlich von den zwecklosen Wendungen und Kämpfen eines vom wüthendsten Schmerz

Kplagten ab; denn sie stellen mehr oder weniger deutlich die Hand- g des Kämpfens oder Sichherumschlagens mit einem Feinde dar. Alle diese Zeichen der Wuth sind wahrscheinlich zum grosz eile, und einige von ihnen scheinen es gänzlich zu sein, Folgen directen Einwirkung des erregten Sensoriums. Aber Thiere aller 9 Ich bin Mr. \                      hr verbanden dafür, dat

n's Buch über ilen Puls aufmerksam gemacht bat, in welchem eh grau

heiten in der Schnelligkeit und andern Frau in gesundem Zustande.

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rten 'ind früher ihre I'rerzeuger haben, wenn sie von einem Feinde

angegrift*en oder bedroht wurden, ihre Kräfte bis zum Auszersten im

Kämpfen und im Veitheidigen angestrengt. Wenn ein Thier nicht

so handelt, oder nicht die Absicht oder wenigstens die Begierde hat,

seinen Feind anzugreifen, so kann man nicht im eigentlichen Sinne

en, dasz es in Wuth gerathen sei. Eine vererbte Gewohnheit der

skelanstrengung wird hierdurch in Association mit Wuth erlangt

orden sein; und dies wird direct oder indirect verschiedene Organe

nahezu in derselben Weise afticiren, wie es grosze körperliche

den thun.

Ohne Zweifel wird das Herz gleicherweise in einer directen Art cirt werden. Es wird aber auch aller Wahrscheinlichkeit nach ch Gewohnheit beinfiuszt werden und letzteres nm so mehr, als nicht unter Controle des Willens stellt. Wir wissen, dasz jedwede osze Anstrengung, welche wir willkürlich unternehmen, das Herz beeinfhiszt und zwar durch mechanische und andere Principien, welche hier nicht betrachtet zu werden brauchen. Und im ersten Capitel rde gezeigt, dasz Nervenkraft leicht in gewohnheitsgemäsz benutz- i Canälen flieszt und zwar durch die Nerven der willkürlichen oder unwillkürlichen Bewegung und durch die der Empfindung. So wird selbst ein mäsziger Grad von Anstrengung auf das Herz einzuwirken geneigt sein, und nach dem Principe der Association, von welchem so viele Beispiele angeführt worden sind, können wir ziemlich sicher sein, dasz jede Empfindung oder Gemüthserregung wie groszer Schmerz oder Wuth, welche gewohnheitsgemäsz zu starker Muskelthätigkeit geführt hat, den Zuflusz von Nervenkraft zum Herzen unmittelbar beeinflussen wird, obgleich zur gegebenen Zeit gar keine Muskel strengung vorhanden zu sein braucht.

Wie ich eben gesagt habe, wird das Herz, nur um so leich durch gewohnheitsgemäsze Associationen afficirt werden, als es nicht unter der Controle des Willens steht. Wenn ein Mensch mäszig zornig oder selbst wenn er in Wuth gerathen ist. so kann er wohl die Be- wegungen seines Körpers beherrschen, er kann es aber nicht verhin- dern, dasz sein Herz heftig schlägt. Seine Brust gibt vielleicht ein paar seufzende Inspirationen und seine Nasenlöcher zittern eben, denn die Bewegungen der Respiration sind nur zum Theil willkürlich. In gleichet Weise werden zuweilen allein diejenigen Muskeln des Gesichts, welche am wenigsten dem Willen unterworfen sind, eine geringe

an-

iter

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' irkang des Nen

hergehende Erregung verrathen. Ferner sind die Drüsen gänzlich Willen unabhängig, und ein an Kummer leidender Mensch kann wohl seine Gesichtszüge beherrschen, kann aber nicht immer verhin- dern, dasz ihm die Thränen in die Augen kommen. Wenn verlockende Nahrung vor einen hungrigen Menschen hingestellt wird, so kann er wohl seinen Hunger durch keine äuszerliche Geberde zu erkennen geben, er kann aber die Absonderung des Speichels in seinem Mun nicht unterdrücken.

Bei übergroszer Freude oder sehr lebendigem Vergnügen ist eine starke Neigung zu verschiedenen zwecklosen Bewegungen und zu Äuszerung verschiedener Laute vorhanden. Wir Behen dies an unsern kleinen Kindern in ihrem lauten Lachen, dem Zusammenschlagen der Hände und dein Hüpfen vor Freude, in dem Springen und Bellen eines Hundes, wenn er mit seinem Herrn ausgehen will, und in den mun tern Sprüngen eines Pferdes, wenn es auf ein offenes Feld wird. Freude beschleunigt die Circolation und diese reizt wieder das Gehirn, welches umgekehrt auf den ganzen Körper zurückwirkt. Die eben erwähnten zwecklosen Bewegungen und die vermehrte Herzthä' tigkeit können zum hauptsächlichsten Theil auf den erregten Zustand des Sensoriums10 und auf den davon abhängigen, nicht l'berschusz von Xervenkraft bezogen werden, wie Mr. Herbes behauptet. Fs verdient Beachtung, dasz hauptsächlich das Voran; empfinden eines Vergnügens und nicht sein wirklicher Genusz es ist, welches zu zwecklosen und extravaganten Bewegungen des Körpers und zum Ausstoszen verschiedener Laute führt. Wir sehen dies

les

:

)ie a.

111 Wie mächtig lieft i _                         tehira erregt und wie das

den Körper zurückwirkt, ze E                    lentlich in den seltenen Fallen sogenaj

tooticationen. Dr. J. C rieh ton Browne erzähll (M : einem jungen Menschen eines stark nervösen I I. -nullius mit der Nachricht, das; bähe, zuerst blasz, dann heiter und bald ganz ausgelassen, aber erhitzt und

wurde. Kr machte dann mit ein                         en Spaziergang, um sieh

lassen laut lachend, reiz-

ichend und laut in den                           I zurück.

er kein Bpirituöses Getränk berührt hatte,

lermann für betrunken hielt. Nach einer Zeit trat Erbrechen ein;

der halbi                       anhält wurde untersucht; es lies! Bich aber auch hier kein

ron Alkohol nachweisen. Er fiel dann in tiefen .Schlaf und war 1 wachen gesund, ausgenommen, dasz er über Kopfschmerzen, Übelkeit und Kraft-

ClltS,

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ist

erst

seien Kindern, wenn sie irgend ein groszes Vergnügen oder onderen Heiz erwarten; auch Hunde, welche beim Anblick eil Hers mit Futter freudig umher gesprungen sind, zeigen, wenn bekommen, ihr Ergötzen durch kein äuszerliches /eichen, nie! einmal durch ein Wedeln ihres Schwanzes. Nun ist bei Thieren aller Arten das Erreichen beinahe aller ihrer Freuden mit Ausnahme derer der Wärme and der Ruhe mit lebendigen Bewegungen assoeiirt und ist lange so assoeiirt gewesen, so beim Jagen oder beim Suchen nach brnng und bei ihrer Brautwerbung. Überdies ist die blosze

der Muskeln nacb hu                                                   aft an s

bst schon ein Vergnügen, wie wir auch an uns fühlen, und wie an dem Spiele junger Tbiere sehen. Nach diesen JJein schon dürften wir daher vielleicht erwarten, dasz leb- rgnfigen geneigt Bein wird, sieh umgekehrt in Muski I gen anzuzi

Bei allen oder beinahe allen Thieren, seihst bei Vögeln,

ursacht äuszerste Angst ein Erzittern des Körpers. Die Haut

Bisz aus und die Haare sträuben Bich. Die

derungen des Nahrungscanais und der -Vieren werden vermei

d sie werden unwillkürlich entleert in Folge der Erschlaffung

Schlieszmn                                      ekanntlich hei dem .Menschen der Fall

t und wie ich es bei Kindern, Hunden. Katzen und Affen g|

be. Das Athmen ist beschleunigt. Das Herz schlägt schnell

d heftig. Ob es aber das Blut auch wirksamer durch den Kör

pumpt, dürfte bezweifi                        denn die Oberfläche des Körpj

blutlos und die Kraft der Muskeln schlägt sein- bald fei

einem erschreckten Pferde habe ich das Schlagen des Her

ch den Sattel hindurch so deutlich gefühlt, dasz ich die Schläge

tte zählen können. Die öeistesthätigkeiten werden bedeutend ge-

rt. Äusz                         lung folgt bald und selbst Ohnmacht. Man

gesehen, dasz ein erschrockener Canarienvogel nicht blosz erzitterte

und um die Basis seines Schnabels herum weisz wurde, sondern in

Ohnmacht fiel", und einmal habe ich in einem Zimmer ein Both-

kehlchen gefangen, welches so vollständig in Ohnmacht lag, dasz

eine Zeit lang glaubte, es sei todt.

Die meisten dieser Symptome sind wahrscheinlich das direc Gewohnheit unabhängige Resultat des gestörten Zustandes des 1 Dr. Darwin, Zoonomia. Vol. I. 1794, p 148,

Fall ähen

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Sensoriums. Es ist aber zweifelhaft, ob sie alle auf diese Weise er- klärt werden können. Wenn ein Thier beunruhigt wird, so steht beinahe immer für einen Augenblick bewegungslos da, um seine Sinne zu sammeln und die Quelle der Gefahr zu ermitteln, zuweilen auch zum Zwecke, der Entdeckung zu entgehen. Sehr bald folgt aber kopl lose Flucht, ohne die Körperkraft wie beim Kampfe zu Käthe halten, und das Thier flieht so lange fort, als die Gefahr währt, äuszerste Erschöpfung mit unterbrochener Respiration und Circulatio mit zitternden Muskeln des ganzen Körpers und profusem Schweisze ein ferneres Fliehen unmöglich macht. Es scheint daher nicht un- wahrscheinlich zu sein, dasz das Princip der associirten Gewohnheit zum Theil einige der oben erwähnten characteristischen Symptome inecks erklärt, mindestens dasz derartige Gewohn en dieselben verstärken.

eh

dem

Dasz das Princip associirter Gewohnheiten bei der Verursachung für die in Vorstehendem erwähnten verschie- ßen heftigen Gemüthserregungen und Empfindungen ausdrucksvoll sind, eine bedeutende Rolle gespielt hat, können wir, wie ich glaube daraus sclil                                         einige andere heftige Gemüths-

erregungen, welche zu ihrer Erleichterung oder Befriedigung gewöh: lieh keine willkürliche Bewegung bedürfen, und zweitens den Contn in der Natur der sogenannten erregenden und deprimirenden Seele zustände in Betracht ziehen.                          serregung ist stärker

Mutterliebe. Es kann aber eine Mutter die innigste Liebe für ihr hülfloses Kind fühlen und sie doch durch kein äuszeres Zeichen ver- rathen, oder nur durch leichte liebkosende Bewegungen mit einem sanften Lächeln und zärtlichen Augen. Nun soll aber irgend Jemand ihr Kind absichtlich verletzen, und man beachte nun, was für eine Veränderung eintritt; wie sie in die Höhe fährt mit einem drohenden Anblicke, wie ihre Augen funkeln und ihr Gesicht sich röthet, wie ihr Busen wogt, ihre Nasenlöcher sich erweitern und ihr Heiz schlägt; denn der Zorn und nicht die Mutterliebe hat gewohnheitsgemäsz zur Thätigkeit geführt. Die Liebe zwischen den beiden Geschlechtern ist von Mutterliebe Völlig verschieden, und wenn Liebende sich treffen, so wissen wir, dasz ihre Herzen schnell schlagen, ihr Athem beschleu- nigt ist und ihre Gesichter erröthen; denn diese Liebe die einer Mutter zu ihrem Kinde unthätig.

...

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e dea Ausdrucks.                       Cap.

Kin Mensch kann sein Herz mit Hasz oder dem schwärzest

Verdachte erfüllt haben oder von Neid oder Eifersucht zernagt sein da aber diese Gefühle nicht sofort zu Handlungen führen und sie ge- wohnlich eine Zeit lang anhalten, so werden sie auch durch kei äuszerliches Zeichen sichtbar, ausgenommen, dasz ein Mensch in diesei Zustande sicherlich nicht gemüthlich und gut gelaunt erscheint. Wen diese Gefühle in äuszerliche Handlangen umschlagen, so nimmt Wut! ihre Stelle ein und wird deutlich gezeigt. .Maler können kaum Ver dacht, Eifersucht, Neid u. s. w. porträtiren, ausgenommen mit Hülfe von Nebendingen, welche die Geschichte zu erzählen haben, und Dich- ter brauchen solche unbestimmte und phantastische Ausdrücke wie „grünäugige Eifersucht"*). Spknceb beschreibt Verdacht als „faul, „misgünstig und grimmig, schief unter den Augenbrauen vorschielend" u. s. w. SHAKE8PKABE spricht vom Neid als „hager in ekler Höhle" (2. Heinr. VI.. Act III. Sc. 2); an einer audern Stelle sagt er: „sicher „soll schwarzer Ilasz mein Grab nicht bauen" (Heinr. VIII., Art II. Sc. 1); und weiter „auszer dem Bereich des blassen Neids" (Titus Andr. Act 11. Sc. 11.

Gemüthsbewegungen und Empfindungen sind oft als erregende und deprimirende classificirt worden; wenn alle Organe des Körpe: und der Seele — diejenigen der willkürlichen und unwillkürlich

Dg, der Wahrnehmung, Empfindung, des Denkens u. s. w. ihre Functionen energischer und schneller als gewöhnlich ausfahre so kann man sagen, dasz ein Mensch oder ein Thier erregt, und i igesetzten Zustande, dasz er niedergeschlagen sei. Zorn u sind vom Anfang an erregende Gemüthsbewegungen und i fähren oaturgemäsz, besond                   ere, zu energischen Beweguni

gen, welche auf das Herz und dieses wieder auf das Gehirn zurück- wirken. Ein Arzt machte einmal gegen mich die Bemerkun die aufregende Natur des Zornes zu beweisen, dasz, wenn man im äuszersten Grade abgespannt ist, man sich zuweilen eingebildete Be- leidigungen erfindet und sieh in Leidenschaft bringt und zwar ganz nnbewuszt, nur um sich selbst wieder zu kräftigen. Und seitdem ich diese Bemerkung gehört habe, habe ich gelegentlich ihre vollständige Wahrheit anerkannt.

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Schlegel

inlieit".

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Wiikun

Mehrere andere Seelenzustände scheinen anfangs aufregend sein, werden aber bald bis zu einem äuszersten Grade niederschlagend. Wenn eine Mutter plötzlich ihr Kind verliert, so ist sie zuweilen vor Schmerz wie wahnsinnig und musz als sich in einem aufgeregten Zustande befindend betrachtet »erden. Sie läuft wild umher, zerzaust sich das Haar oder die Kleider und ringt ihre Hände. Diese letztere Handlung ist vielleicht Folge des Princips des Gegensatzes und ver- räth ein innerliches Gefühl der Haltlosigkeit, dasz nichts gethan wei- den kann. Die andern wilden und heftigen Bewegungen können zum Theil durch die Erleichterung erklärt werden, welche jede Anstren- gung der Muskeln gewahrt, und zum Theil durch den nicht in bi stimmte Halmen geleiteten Oberfinsz von Nervenkraft aus dem gere; ten Sensorhim. Aber beim plötzlichen Verluste einer geliebten Persi ist einer der ersten und gewöhnlichsten Gedanken, welcher eintritt, der, dasz irgend etwas mehr noch hätte geschehen können, um den Ver lornen zu retten. Ein ausgezeichneter Beobachterl2 spricht bei di Beschreibung des Benehmens eines Mädchens beim plötzlichen To< ihres Vaters: ..sie gieng um das Baus herum, ihre Hände ringem ,wi" ein geisteskrankes Geschöpf und riet aus: es war meine .Schuld; „ich hätte ihn niemals verlassen sollen: wenn ich nur bei ihm sitzen „geblieben wäre!" u. s. w. Wenn solche Ideen lebhaft vor der Seele stehen, dann wird durch das Princip associirter Gewohnheiten die stäik.-ie Neigung zu energischen Handlungen irgend welcher Art

treten.

Sobald der Leidende sich dessen vollständig bewuszt wird, dasz nichts mehr gethan werden kann, nimmt Verzweiflung oder tiefer Kummer die                     wahnsinnigen Schmerzes eiu. Der Leidend'

sitzt bewegungslos da oder schwankt langsam hin und her. Die Ci eulation wird trüge. Das Athmen wird beinahe vergessen und tiel (Verden eingezogen. Alles dies wirkt auf das Gehirn zurück und es erfolgt bald Erschöpfung mit zusammengesunkenen Muskeln und stumpfen Augen. Da associirte Gewohnheit den Leidenden nicht langer mehr zum Handeln treibt, so wird er von seinen Freunden zu willkürlichen Anstrengungen veranlaszt und gedrängt, nicht dem -elineigenden bewegungslosen Kummer nachzugeben. Anstrengungen reizen das Herz; dieses wirkt auf das Gehirn zurück und hilft de: -eine schwere Last tra '-' -Airs. Oliphant in ihrem Roman „Mim Majoribanl

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.|                                 Allgemeine G                           ick».

Ist der Schmerz sehr heftig, so führt er sehr bald äuszerste rgeschlagenheit oder Erschöpfung herbei. Aber zuerst ist er ein Reizmittel und regt zu Handlungen an, wie wir sehen, wenn wir ein Pferd peitschen, und wie es sich zeigt durch die schrecklichen Qualen, die in fremden Ländern erschöpften Zugstieren beigebracht werden, zu erneuerter Anstrengung anzutreiben. Furcht ist andrer- seits die niederschlagendste von allen Gemüthserregungen; sie führt bald die äuszerste hülflose Erschöpfung                                        szen in

Folge oder in Association mit den heftigsten und                         fcen An-

strengungen der Gefahr zu entfliehen, wenn auch derartige Versuche : nicht gemacht worden Bind. Nichtsdestoweniger wirkt selbst auszerete Furcht häufig zu Anfang wie ein mächtiges Reizmittel. Ein durch Schreck zur Verzweiflung getriebener Mensch oder ein Thier wird mit wunderbarer Kraft begabt und ist notorisch im höchsten Grade gefährlich.

Im Ganzen können wir schlieszen, dasz das Princip der directen Einwirkung des Sensoriums auf den Körper, welches eine Folge der ims und ron Anfang an unabhängig vom Willen ist, in hohem Grade von Einflusz auf die Bestimmung vieler Ausdrucksformen gewesen ist. Gute Beispiele hiefür werden von dem Zittern der Muskeln, dem Sehwitzen der Haut, den moditicirten Ab- sonderungen des Nahrungscanais und der Drüsen hei verschiedenen Gemüthserregungen und Empfindungen dargeboten. Aber Thätigkeiten dieser Art werden oft mit. andern combinirt, welche eine Folge res ersten Princips sind, nämlich, dasz Handlungen, welche häufig von directem oder indirectem Nutzen waren, um bei                         elenzu-

i gewisse Empfindungen, Begierden u. s. w. zu befriedigen oder zu erleichtern, noch immer unter analogen Umständen durch blosze Gewohnheit ausgeführt werden, obgleich sie von keinem Nutzen sind. Wir sehen Conibinationen dieser Art wenigstens zum Theil in den wahnsinnigen Geberden der Wuth und in dem Sich-winden unter äuszerstem Schmerz und vielleicht auch in der vermehrten Thätigkeit des Herzens und der Respirationsorgane. Selbst wenn diese und an- lemüthsbewegungen oder Empfindungen in einer sehr schwachen Art erregt werden, wird doch eine Neigung zu ähnlichen Handlungen in Folge der Macht lange associirter Gewohnheit eintreten; und diese Handlungen, welche am wenigsten unter der Controle des Willens

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stehen, werden allgemein am längsten beibehalten. Gelegentlich ch unser Princip des Gegensatzes gleichfalls in's Spiel gekomm

Es können schlieszlich so viele ausdrucksvolle Bewegungen durc die drei Principien, (reiche nun erörtert worden sind, erklart werden, — wie sich meiner Überzeugung nach noch im Laufe dieses Bande eilen wird, — das/ wir hoffen dürfen, später alle Ausdrucks formen hierdurch oder durch nahe analoge Principien erklärt zu i Es ist indessen häufig unmöglich, zu entscheiden, wie vi in jedem besondern Falle dem einen unserer Principien und wie Gewicht dem andern beizulegen ist; und sehr viele Punkte in I« Lehre vom Ausdruck bleiben noch unerklärt.

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Sorna und Schreckens. — Das Zurückziehen der Ohren als .ine Vorbereitung zum Kamillen und                                              lufrichten

der Ohren und Emporheben des Kopfes ein Zeichen der Aufmerksamkeit,

In diesem und dem folgenden Capitel will ich, aber nur in so weit hinreichendem Detail als zur Erläuterung meines Gegenstandes nöthig ist, die Bewegungen des Ausdruckes bei einigen wenigen all- gemein bekannten Thieren in verschiedenen Seelenzuständen beschrei- ben. Ehe ich aber dieselbe in gehöriger Aufeinanderfolge betrachte, wird es viel nutzlose Wiederholung ersparen, wenn ich gewisse, den meisten von ihnen gemeinsame Alisdrucksmittel erörtere.

Das Äuszern von Lauten. — Bei vielen Arten von Thieren, den Menschen mit eingeschlossen, sind die Stimmorgane im höchsten Grade wirksame Mittel des Ausdrucks. Wir haben im letzten < .1- pitel gesehen, dasz, wenn das Sensorium stark erregt wird, die .Mus- keln des Körpers allgemein in heftige Bewegung versetzt werden; als Folge hiervon werden laute Töne ausgestoszen, wie schweigsam auch das Thier im Allgemeinen sein mag und obschon die Laute von keinem Nutzen sind. Hasen und Kaninchen gebrauchen z. B., wie ich glaube, ihre Stimmorgane niemals, ausgenommen im Zustande des äuszersten Leidens; so wenn ein verwundeter Hase vom Jäger getödtet oder wenn ein junges Kaninchen von einem Wiesel gefangen wird. Binder und Pferde ertragen grosze Schmerzen schweigend; ist aber der Schmerz excessiv und besonders wenn er mit Schrecken verbunden ist, dann

i; sie fürchterliche Laute aus. Ich habe in den Pampas häufig in groszen Entfernungen das Gebrüll der Binder im Todeskampfe

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unterschieden, wenn sie mit dem Lasso gefangen und ihnen die Schenk' sehnen durchschnitten wurden. Man sagt, dasz Pferde, wenn sie von Wolfen angegriffen werden, laute und eigentümliche Angstschreie ausstoszen.

Zu der Äusserung vocaler Laute dürften unwillkürliche und zweck- lose, in der erwähnten Art und Weise angeregte Zusammenziehungen der Muskeln der Brust und Stimmritze zuerst Veranlassung gegebi haben. Jetzt wird aber die Stimme von vielen Thieren zu versch denen Zwecken benutzt; auch scheint Gewohnheit bei deren Verwen düng unter anderen Umständen eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Naturforscher haben, und wie ich glaube mit Recht, bemerkt, dasz sociale Thiere, weil solche ihre Stimmorgane gewohnheitsgemäsz als Mittel zu gegenseitiger Mittheilung benutzen, dieselben auch bei an dem Veranlassungen viel häufiger gebrauchen als andere Thiere gibt aber auffallende Ausnahmen von dieser Regel, z. B. beim Kani eben. Auch hat das Princip der Association, welches einen so weiti Wirkungskreis hat, dabei eine Rolle gespielt. Es folgt hieraus, d; die Stimme, weil sie unter gewissen, Vergnügen, Schmerz, Zorn u. s. w, veranlassenden Bedingungen gewohnheitsgemäsz als nützliches Hülfs- mittel angewendet worden ist, allgemein gebraucht wird, sobald nur immer dieselben Empfindungen oder Gemüthsbewegungen unter völlig iedenen Bedingungen oder in einem geringeren Grade angeregt rden. Die beiden Geschlechter vieler Thiere rufen während der Bruns zeit unaufhörlich einander, und in nicht wenig Fällen sucht das Mann chen durch die Stimme das Weibchen zu bezaubern oder zu reizen. Dies scheint allerdings der uranfängliche Gebrauch und die urspüng- liche Entwickelungsweise der Stimme gewesen zu sein, wie ich in meiner „Abstammung des Menschen" zu zeigen versucht habe. Hier- nach wird der Gebrauch der Stimmorgane mit der Vorausempfindung des gröszten Vergnügens, was die Thiere zu fühlen im Stande sind, assoeiirt worden sein. Thiere, welche in Gesellschaft leben, rufen einander oft, wenn sie getrennt werden und empfinden offenbar eine grosze Freude, wenn sie sich treffen; dies sehen wir z. B. an einem Pferde bei der Rückkehr seines Gefährten, dem es entgegenwiehert. Die Mutter ruft beständig nach ihren verlorenen Jungen, so z. B. eine Kuh nach ihrem Kalbe; auch rufen die Jungen vieler Thiere nach ihrer Mutter. Wenn eine Schafheerde auseinander getrieben

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1 des Ausdrucks bei Tbieren.                       Cap.

ird, so blocken die Mutterschafe unaufhörlich nach ihren [Ammern die wechselseitige Freude beim Zusammenkommen drückt sich ganz deutlich aus. Wehe dem Menschen, welcher sich mit den Jungen der gröszeren und furchtbareren Raubthiere zu schaffen macht, wenn diese das Ängstgeschrei ihrer Jungen hören. Wuth führt zur heftigen Anstrengung aller Muskeln mit Einschlusz derer der Stimme; und einige Thiere versuchen, wenn sie in Wuth gerathen sind, ihre Feinde durch deren Kraft und Wildheit in Schrecken zu versetzen, wie es der Löwe durch Brüllen und der Hund durch Knurren thut. Ich glaube deshalb, da?/, ihr /.weck hierbei der ist, Schrecken einzujagen, weil zu gleicher Zeit der Löwe sein Mähnenhaar, der Hund das Haar seinem Bücken entlang aufrichtet und sie sich dadurch so grosz und so schrecklich aussehend machen wie nur möglich. Rivalisirende Männ- chen versuchen durch ihre Stimmen sich einander zu überbieten und herauszufordern; und dies führt zu Kämpfen auf Tod und Hierdurch wird der Gebrauch der Stimme mit der Erregung s Zorns, auf welche Weise er auch veranlaszt worden sein mag, rt worden sein. Wir haben auch gesehen, dasz intensive Schmer- zen gleich der Wuth zu heftigem Aufschreien führen; die Anstrengung des Schreies gibt an und für sich etwas Erleichterung. Hierdurch wird der Gebrauch der Stimme mit Leiden jedweder Art assoeiirt worden sein.

Die Ursache, warum sehr verschiedene Laute bei verschiedenen Gemüthsbewegungen und Empfindungen geäuszert werden, ist ein sehr dunkler Gegenstand. Auch gilt die Hegel nicht immer, dasz irgend eine ausgesprochene Verschiedenheit besteht. So weicht z. B. beim Hunde das Bellen vor Zorn nicht sehr von dem Bellen vor Freude ab, obschon beide unterschieden werden können. Es ist nicht wahr- scheinlich, dasz irgend eine genaue Erklärung der Ursache oder der Quelle jedes besonderen Lautes unter verschiedenen Seelenzuständen jemals gegeben werden wird. Wir wissen, dasz einige Thiere, nach- dem sie domesticirt worden sind, die Gewohnheit erlangt haben, Laute auszustoszen, die ihnen nicht natürlich waren'. So haben domesti- cirte Hunde und selbst gezähmte Schakals zu bellen gelernt, was ein aut ist, der keiner Species der Gattung eigen ist, mit Ausnahme

in meinem „Variiren der Thiere und Pflanzen im

Zustande der Domestication" 2. Aufl. Bd. I. S. 29. Über das Girren der Tauben 3. 172.

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Nord-America, welcher bellen soll. Aach ha einige Rassen der domesticirten Tauben in einer neuen und thümlichen Art und Weise zu girren gelernt.

Der Character der menschlichen Stimme unter dem Einflüsse ver- schiedener Seelenerregungon ist tob Bi                        in Beinern inter- essanten Aufsätze über Musik erörtert worden2. Er zeigt deutlich, dasz die Stimme unter verschiedenen Bedingungen sich bedeutend in der Lautheit und in der Qualität ändert, d. h. in der Resonanz und im Timbre, in der Höhe und den Intervallen. Es kann wohl Niemand

Sprecher oder einen Prediger, dann einen der zornig einen Andern ansehreit, oder einen, welcher Erstaunen übi Etwas ausdrückt, hören, ohne von der Wahrheit der Bemerkung Spi CEB's frappirt zu sein. Es ist merkwürdig, wie früh im Leben seh die Modulation der Stimme ausdrucksvoll wird. Bei einem meiner Kinder bemerkte ich, ehe dasselbe zwei Jahre alt war, deutlich, dasz das , Um" der Zustimmung durch eine leichte Modulation stark empha- tisch gemacht wurde, während ein eigenthümlicu winselndes Verneinen eine obstinate Bestimmtheit ausdrückte. .Mr. Spekcbb weist ferner nach, dasz die Sprache unter Erregung des Gemüths in allen den oben angeführten ISeziehungen eine innige Verwandtschaft mit Vocal- musik, und folglich auch mit Instrumentalmusik darbietet; und er versucht die characteristischen Eigenschaften beider mit physiologischen Gründen zu erklären, nämlich aus „dem allgemeinen Gesetze, dasz „eine Empfindung ein Reiz zur Muskelthätigkeit ist". Man kann zu- geben, dasz die Stimme durch dies Gesetz beeinfluszt wird; die Er- klärung erscheint mir aber zu allgemein und zu vag, als dasz sie auf die einzelnen Unterschiede, mit Ausnahme des der Lautheit, zwischen dem gewöhnlichen Sprechen und dem Sprechen in gewissen Gemüths- erregungen oder dem Singen viel Licht werfen könnte.

Diese Bemerkung behält seine Gültigkeit, mögen wir annehmen, die verschiedenen Qualitäten der Stimme dadurch entstanden, sz unter der Erregung starker Gefühle gesprochen wurde und dasz diese Qualitäten später auf die Vocalmusik übertragen wurden, oder mögen wir der Ansicht sein, wie ich es behaupte, dasz die Gewohn- heit musikalische Laute auszustoszen zuerst als ein Mittel der Braut- werbung bei den frühen Urerzeugern des Menschen entwickelt und

a Essays, Scientific, Political and Speculative, 1358. The Origin and Function p. 359.

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hierdurch mit den stärksten Gemüthserregungen, deren sie fähig war associirt wurde, — nämlich mit glühender Liebe, Rivalität und Triumph Dasz Thiere musikalische Töne hervorbringen, ist eine Jedermann ge läufige Thatsache, wie wir es ja täglich im Gesang der Vögel hör Eine merkwürdigere Thatsache ist die, dasz ein Affe, einer der Gil bons, genau eine Octave musikalischer Töne hervorbringt, wöbe die Tonleiter in halben Tönen auf- und abwärts singt, so dasz i von diesem Affen sagen kann, dasz „er allein unter den Säugethieri „singe"3. Durch diese Thatsache und durch die Analogie mit anderen Thieren bin ich zu der Folgerung geführt worden, dasz die Drerzeuger des Menschen wahrscheinlich musikalische Töne ausstieszen, ehe sie das Vermögen der articulirten Sprache erlangt hatten, und dasz in Folge hievon die Stimme, wenn sie in irgend einer heftigen Gemüths- erregung gebraucht wird, durch das Princip der Association einen musikalischen Character anzunehmen strebt. Bei einigen der niederen Thiere können wir deutlich wahrnehmen, dasz die Männchen ihn' Stimmen dazu gebrauchen, ihren Weibchen zu gefallen und dasz sie nlbst un ihren eigenen vocalen Äuszerungen Vergnügen finden. War aber besondere Laute ausgestoszen werden, und warum diese Vi gnügen gewähren, kann für jetzt nicht erklärt werden.

Dasz die Höhe ,der Stimme in gewisser Beziehung zu gewis Empfindungszuständen steht, ist ziemlich klar. Eine Person, welc sich ruhig über schlechte Behandlung beklagt oder welche unbedeutend leidet, spricht beinahe immer in einem hohen Tone. Wenn Hunde ein wenig ungeduldig sind, so geben sie oft einen hohen pfeifend' Ton durch die Nase, der uns sofort als klagend auffällt4; wie schwi ist es aber zu wissen, ob der Laut seinem Wesen nach ein ist oder nur in diesem besondern Falle als solcher erscheint, weil

aus Erfahrung gelernt haben, was er bedeutet. Ki.-. dasz die Affen ('                     >, welche er in Paraguay hielt

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* Die Abstammung des Menschen. 3. Aufl. 1875. Bd. 2, p. 31"

inl von Professor Owen. Es ist neuerdings nachgewiesen worden Säugethiere, welche in der Stnfenreihe fiel tiefet als Affen stehen, Dämlich N tbieie, fähig sind, correcte musikalische Töne hervorzubringen, s. die Schilderung einer singenden Hesperomt/s von S. Lockwood in „The American Naturalist." Vol. V. December, 1871, p. 761. s. Die Abstammt                     >. a. a. 0., p. 811.

4 Mr. Tylor (Primitive Culture. Vol. I. 1871, p. 166) erwähnt bei Erörtern! Gegenstandes das Winseln des Hundes. Naturgeschichte der Säugethiere von Paraguay. 1830. S. 46.

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Erstannen durch einen halb pfeifenden, halb brummenden Ton, Zo oder Ungeduld durch Wiederholung des Lautes „hu", ,hu" mit einer tieferen, grunzenden Stimme, und Schrecken oder Schmerz durch Bchrilles Geschrei ausdrückten. Auf der andern Seite drückt beim Menschen ein tiefes Stöhnen und ein hohes durchdringendes Geschrei in gleicher "Weise den auszersten Schmerz aus. Das Lachen kann entweder hoch oder tief sein, so dasz, wie schon Halles vor langer Zeit bemerkt hat6, der Laut bei erwachsenen Personen den Character der Vocale 0 und A annimmt, während er bei Frauen und Kindern mehr den Character von E und I hat. Diese letzten beiden Vocal- laute haben, wie Helmholtz gezeigt hat, ihrer Natur gemäsz einen höheren Ton, als die beiden erstem; und doch drücken beide T Lachens in gl                                  uler Vergnügen aus.

Bei Betrachtung der Art und Weise, in welcher Äuszerungi Stimme eine Gemüthserregung ausdrücken, werden wir naturj ilarauf geführt, die Ursache dessen zu untersuchen, was man in di sik »Ausdruck* nennt. Mr. Litchfield, welcher der Theorie di Musik lange Zeit seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, ist so freuni ; gewesen, mir über diesen Gegenstand die folgenden Bemerkung mitzutheilen: — „Die IV..                     Wesen des musil

-drucks' sei, sehlieszt eine Anzahl dunkler Punkte in sich, wel „viel mir bekannt ist, noch ungelöste Räthsel sind. Indessen musz bis d Punkte ein jedes Gi nck der (iemüthserregungen durch einfache Laute al lüden worden ist, auch auf di

i- ursprüngliche Typus r Musik angenommen werden kann. Ein groszer Theil d „müthlichen Wirkung eines Gesanges hängt \< „Thätigkeit ab, durch welche die Töne hervoi                    rden. So

.hängt z. L. :                  :i. welche grosze Heftigkeit der Lei li

Irücken, die Wirkung oft hauptsächlich von dem kraftvollen Aus- einer oder zweier character                     sagen ab. welche

deutende Anstrengung der Stimmkraft erfordern, und es ist häufig g dieser Art seine gehörige Wirkung rfehlt, wenn er zwar von einer Stimme von hinreichender Kraft d gehörigem Umfange, um die

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citirt von

. 'C arl ...

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„ein „sp<

„zugeben, aber obne grosze Anstrengung gesungen wird. Dies ist „obne Zweifel der Schlüssel zu dem Geheimnis, warum ein Lied so „oft durch Transposition aus einer Tonart in die andere seine Wirkung „verliert. Es zeigt sich hieraus, dasz die Wirkung nicht blosz von .den wirklichen Klängen selbst, sondern zum Theil auch von der »Natur der Thätigkeit abhängt, welche die Klänge hervorbringt. Es ist in der That offenbar, dasz, sobald wir fühlen, der .Ausdruck' anges sei eine Folge seiner schnelleren oder lau wegung, der Kühe seines Flusses, der Lautheit seiner Äuszeru wir in der That die Muskel thätigkeit, welche den Kl igt, in derselben Weise beurtheilen, wie wir die Muskel ätigkeit überhaupt beurtheilen. Dies läszt aber die feinere und Vre Wirkung, welche wir den musikalischen Ausdruck »des Gesanges nennen, — das durch seine Melodie oder selbst durch »die einzelnen die Melodie erst zusammensetzenden Töne hervorgerufi „Entzücken, unerklärt. Es ist dies eine Wirkung, welcl .Sprache nicht definirt werden kann, welche auch, so viel ich wei „Niemand zu analysiren im Stande gewesen ist, und welche die geist- »volle Spekulation Hkrbebt Speni ee's über den Ursprung der Musik „vollkommen unerklärt läszt. Denn es ist ganz sicher, dasz die „melodische Wirkung einer Keihe von Tönen uicht im Allerg »von ihrer Stärke oder ihrer Schwäche, noch von ihrer absoluten »Höhe abhängt. Eine Melodie bleibt immer dieselbe, mag sie nun „laut oder schwach, von einem Kinde oder einem Erwachsenen ge- »sungen, mag sie nun auf einer Flöte oder auf einer Posaune gespielt »werden. Die rein musikalische Wirkung irgend eines Tones hängt „von seiner Stellung in dem ab, was man technisch die Tonleiter nennt: »ein und derselbe Ton bringt hienach absolut verschiedene Wirkungen »auf das Ohr hervor, je nachdem er in Verbindung mit der ein« „oder einer andern Reihe von Tönen gehört wird."

»Es ist also diese relative Association von Tönen das Momen in dem alle die wesentlich characteristischen Wirkungen abhängen, eiche man unter der Bezeichnung musikalischer Ausdruck' zu- sammenfaszt. Warum aber gewisse Associationen von Tönen gerade die und die, andre jene Wirkungen haben, ist ein Problem, welches noch immer zu lösen bleibt. Allerdings müssen diese Wirkungen auf die eine oder die andere Weise mit den arithmetischen Verhält- nissen zwischen den Schwingungszahlen der Töne, welche eine musi-

:

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Csp. l.                                                                                               83

.kalisclie Tonleiter bilden, in Verbindung stehen. Und es ist wohl lieh, — doch ist dies eine blosze Vermuthung, — dasz die ere oder geringere mechanische Leichtigkeit, mit welcher

.der schwingende Apparat des menschlichen Kehlkopfes aus einem „Schwingungszustand in den andern übergeht, eine der ursprünglichen .Ursachen gewesen ist, weshalb verschiedene Reihen von Tönen ein .gröszeres oder geringeres Vergnügen hervorgerufen haben.*

Lassen wir aber diese verwickelten Fragen bei Seite und be- schränken wir uns auf die einfacheren Laute, so können wir wenigstens einige der Gründe für die Association gewisser Arten von Tönen mit gewissen Seelenzuständen einsehn. Es wird z.B. ein von einem jungen Thiere oder von einem Gliede einer Thiergemeinde als ein Ruf nach Hülfe ausgestoszener Schrei naturgemäsz laut, lang ausgezogen und hoch sein, so dasz er in grössere Entfernung reicht. Denn Hei hat gezeigt7, dasz in Folge der Form der innern Höhle des m liehen Ohrs und seiner daraus sich ergebenden Resonanzfähigkeit hohe Töne einen eigenthümlich starken Eindruck hervorrufen. Wenn männ- liche Thiere Laute ausstoszen, um den Weibchen zu gefallen, so wer- den sie natürlich solche anwenden, welche den Ohren der Species lieb- lich sind; und es möchte scheinen, als wenn dieselben Töne oft sehr verschiedenen Thieren angenehm wären, und zwar in Folge der Ähn- lichkeit ihres Nervensystems, wie wir selbst ja dies darin wahrnehmen, das/, uns der Gesang der Vögel und selbst das Zirpen gewisser Laub- frösche Vergnügen macht. Auf der andern Seite werden Laute, welche hervorgebracht werden, um einem Feinde Schrecken einzujagen, natur- gemäsz rauh und unangenehm sein.

Ob das Princip des Gegensatzes, wie sich vielleicht hätte erwarten . bei Lauten mit in's Spiel gekommen ist, ist zweifelhaft. Die unterbrochenen lacheuden oder kichernden Laute, welche der Mensch und verschiedene Arten von Allen hervorbringen, wenn lieh gestimmt sind, sind von langausgezogenen Schreien dieser Thiere, wenn sie in Angst sind, so verschieden, als nur möglich. Da Grunzen der Befriedigung eines Schweines, wenn ihm sein Futter zu- ;i Schrei des Schmerzes oder Schreckens auszerst verschieden. Beim Hunde aber sind, wie erst vor Kurzem

den Tonempfini                     S. '221 ff. HeJmholtz hat

auch in diesem gelehrten Werke die Beziehung der Form der Mai ngen der Vocalkute ausführlich ei

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Mittel des Ausdrucks bei Thie.

bemerkt wurde, das Bellen vor Zorn und das vor Freude Laute, welche durchaus nicht in Gegensatz zu einander stehn; dasselbe gilt am für einige andere Falle.

Es findet sich dabei noch ein anderer dunkler Punkt, nämlic ob die unter verschiedenen Zuständen der Seele hervorgebrachten Laute die Form des Mundes bestimmen oder ob die Form desselben nicht von unabhängigen Ursachen bestimmt und der Laut dadurch modificirt wird. Wenn ganz junge Kinder schreien, so öffnen sie ihren Mund weit, und dies ist ohne Zweifel nothwendig, um einen starken vollen Laut auszustoszen; der Mund nimmt aber dann aus einer völlig ver- schiedenen Ursache eine fast viereckige Gestalt an, welche, wie später erklärt werden wird, von dem festen Schlieszen der Augenlider und dem daraus folgenden Heraufziehen der Oberlippe abhängt. In wie weit diese viereckige Form des Mundes den klagenden oder weinenden Laut modificirt, bin ich nicht vorbereitet zu sagen: wir wissen aber aus den Untersuchungen von Helmholtz und Andern, dasz die Foi der Mundhöhle and der Lippen die Natur und die Höhe der herv allaute bestimmt. In einem spätem Capitel wird auch gezeigt wer Gefühlen der Verachtung oder des .\                      rklärlichen Grün

igung vorhanden ist, durch die Mundhöhle oder .' hinaus zu blasen, und dies ruft einen Laut hervor wie „Puh ,1'islr. Wenn irgend Jemand erschreckt oder plötzlich in Erstaunen

itt, gleicherweise aus einer erklärlichen I nämlich um für eine längere Anstrengung vorbereitet zu sein, eine augenblickliche Neigung ein, den Mund weit ZU öffnen, wie um eine ind schnelle Inspiration auszuführen. Wenn die nächste volle i wird der Mund leicht geschlossen und rternden Ursachen, die Lippen vorgestreckt; nach Helm- HOLTZ bringt aber diese Form des .Mundes, wenn die Stimme übe: haupt nur zum Tönen gebracht wird, den Laut des Vocals 0 herv kann man einen tiefen Laut eines langen Oh! von ein< ganzen M                     in unmittelbar nach dem Erleben irgend eil

stauneuerregenden Ereignisses hören. Wenn in Verbindung mit liier merz gefühlt wird, dann tritt eine Neigung ein, alle Einschlusz derer des Gesichts, zusammen- zuziehen und dann werden die Lippen zurückgezogen; dies dürfte es vielleicht erkl                     an der Ton höher wird und den Cl

den ilier

ien he,

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des Ah oder Ach annimmt. Da die Furcht ein Erzittern lieber Muskeln des Körpers verursacht, so wird auch die Stirn zitternd und gleichzeitig auch wegen der Trockenheit des heiser, da die Speicheldrüsen nicht thätig sind. Warum das Lachen der Menschen und das Kichern der Affen aus einer schnellen Wieder- holung von Lauten besteht, kann nicht erklärt werden. Während der Äuszerung dieser Laute wird der Mund dadurch, dasz die Winkel nach hinten und nach oben gezogen werden, quer verlängert; für diese Thatsache eine Erklärung zu geben wird in einem späteren Capitel versucht werden. Aber das ganze Thema von den Verschieden- heiten der unter verschiedenen Seelenzuständen hervorgebrachten Laute ist so dunkel, dasz es mir kaum gelungen ist, irgend welches Licht darauf zu werfen; und die Bemerkungen, welche ich hier gemacht habe, haben nur wenig Bedeutung.

Alle bis jetzt erwähnten Laute hängen von den Bespirationsorganen ab; es sind aber auch Laute, welche durch völlig verschiedene Mittel bracht werden, ausdrucksvoll. Kaninchen stampfen laut auf den Boden, um ihren Kameraden ein Signal zu geben; und wenn man es ordentlich zu machen versteht, so kann man an einem ruhigen Abend die Kaninchen rings umher antworten hören. Es stampfen auch diese Thiere, ebenso wie einige andere, auf den Boden, wenn sie zornig gemacht werden. Stachelschweine rasseln mit ihren Stacheln und machen ihren Schwanz erzittern, wenn sie zornig gemacht werden; ein solches Thier benahm sich in dieser Weise, als eine lebendige Schlange in seinen Käfig gebracht wurde. Die Stacheln am Schwänze sind von denen am übrigen Körper sehr verschieden; sie sind kurz, hohl, dünn wie ein Gänsekiel mit quer abgeschnittenem Ende, so dasz sie offen sind; sie werden von langen, dünnen, elastischen Stielen getragen. Wenn nun der Schwanz schnell ge- schüttelt wird, so schlagen diese hohlen Kiele gegen einander und bringen, wie ich im Beisein des Mr. Bartlett hörte, einen eigen- thümlichen anhaltenden Laut hervor. Ich glaube, wir können einsehen,

Darwin Onlir

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um Stachelschweine durch eine Modification ihrer schützenden Stacheln mit diesem lauterzeugenden Instrumente versehen worden Sie sind nächtliche Thiere; und wenn sie ein auf Raub aus- ziehendes Kaubthier wittern oder hören, so dürfte es für sie im Dunkeln ein groszer Vortheil sein, ihrem Feinde anzuzeigen, was sie sind und dasz sie mit gefährlichen Stacheln ausgerüstet sind. Sie werden da- durch dem Angrille entgehen. Sie sind sich, wie ich hinzufügen will, der Kraft ihrer Waffen so vollständig bewnszt, dasz wenn sie in Wnth gerathen. sie nach hinten einen Angriff machen, wobei ihre Sta aufgerichtet, indesz etwas nach hinten geneigt sind.

Viele Vögel bringen während ihrer Brautwerbung mittelst eingerichteter Federn verschiedenartige Laute hervor. Wenn S1 erregt werden, so bringen sie mit ihren Schnäbeln ein lautes klap- perndc< i                  irvor. Manche Schlangen machen ein knarrendes

und rasselnd'                                  iecten striduliren dadurch, d

speciell modificirte Theile ihrer harten Bedeckungen auf einander reiben. Diese Stridulation dient allgemein als ein sexueller Reiz oder Rnfj sie wird aber auch dazu benutzt, verschiedene Gemfithserregungen auszudrücken8. Jeder, welcher Bienen aufmerksam beobachtet hat, . dasz sich ihr Summen ändert, wenn sie zornig sind; und dies dient als eine Warnung, dasz Gefahr gestochen zu werden vorhanden ist. Ich habe diese wenigen Bemerkungen gemacht, weil einige Schrift- steller ein so groszes Gewicht auf den Umstand gelegt habei die Stimm- und Athmungsorgane speciell als Mittel des Ausdrucks angepaszt worden sind, dasz es mir gerathen schien zu zeigen, wie auf andere Weise erzeugte Laute demselben Zwecke gleichmäszig gut dienen.

Aufrichten der Hautanhänge. — Kaum irgend eine wegung des Ausdrucks ist so allgemein wie das unwillkürliche Auf- richten der Haare, Federn und andern Hautanhänge; denn durch drei der groszen Wirbelthierclassen geht es gemeinsam durch. Diese An- hänge werden unter der Erregung des Zornes oder Schreckens empor- gerichtet, ganz besonders wenn diese Gemfithserregungen mit einander verbunden sind oder schnell aufeinander folgen. Die Bewegung dient dazu, das Thier seinen Feinden oder Nebenbul

8 Ich habe einige Details hierüber in meiner „ 3. Annage, 1875, Bd. I. S. 371, 398 angeführt.

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ichteil der Haut:

barer erscheinen zu lassen und wird allgemein von verschiedenen will kürlichen Bewegungen, die demselben Zwecke angepaszt sind, sowi von dem Ausstoszen wilder Laute begleitet. Mr. Barti.ktt, welcher über Thiere aller Arten eine so reiche Erfahrung besitzt, zweife nicht daran, das/, dies der Fall ist:                      ine davon ganz v

ne Frage, ob d                     des Aufxichtens ursprünglich

diesem speciellen Zwecke erlangt wurde.

Ich will zuerst eine ziemlich beträchtliche Menge von ThatsacbJ mittheilen, welche zeigen, wie allgemein diese Handlungsweise bei

In und Reptilien ist; dabei behalte ich das, ich in Bezug auf den Menschen zu sagen habe, auf ein späteres Capit vor. Mr. Sutton, der intelligente Wärter im zoologischen Garti tete für mich sorgfältig den Chimpanse und den Orang; gibt an, dasz, wenn sie plötzlich erschreckt werden, wie durch Gewitter, oder wenn sie zornig gemacht werden, wie durch Haar aufgerichtet wird, ich sali einen Chimpanse, der vom Anblick eines schwarzen Kohlenträgers beunruhigt war; sein Haar richtete sich am ganzen Körper in                                te kurze Ansätze nach

vorwärts, als wollte er den .Mann angreifen, ohne irgend eine wirk- liche Absicht es zu thun, aber doch, wie der Wärter bemerkt, in der Hoffnung, den Manu zu erschrecken. Wird der Gorilla zur Wuth ge- reizt, so erscheint er nach der Beschreibung des Mr. Ford9 „mit auf- gerichtetem und vorstehendem Kamme, erweiterten Nasenlöchern „und nach unten geworfener Unterlippe; zu gleicher Zeit stöszt er »seinen characteristischen Schrei aus, gewissermaszen um seinen Gegner „zu erschrecken." Beim Anubis-Pavian sah ich, wie sich in der Er- regung des Zorns das Haar dem Kücken entlang vom Nacken bis zu den Lenden sträubte, aber nicht am Rumpfe oder an andern Theilen des Körpers. Ich brachte eine ausgestopfte Schlange in das Affenhaus und im Augenblicke sträubte sich bei mehreren Species das Haar in die Höhe, besonders am Schwänze, wie ich es namentlich bei dem ithecus nictitans beobachtete. Brehm gibt an10, dasz der Mi</i(* is (eine zur Abtheilung der amerikanischen Affen gehörige Form

:

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' Citirt von Huxley in: „Zengi                   51 dlnng des Menschen in dl

i hersetzung. 1868. 10 Illustrirtes Thierleben. (1. Aufl.) Bd. I. S. 130. [2. Aufl. S. 233 von Hapale

.

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im Äffecte seine Jlähne aufrichtet, um, wie er hinzufügt, sich schrecklich als möglich aussehend zu machen.

Bei den Baubtlüeren scheint das Sträuben der Haare beina ganz allgemein zu sein; es wird häufig von drohenden Bewegungen, wie dem Zeigen der Zähne und dem Ausstoszen wilden Gebrülls be- gleitet. Beim Herpestes habe ich das Haar nahezu über den ganzen Körper mit Einschlusz des Schwanzes aufrecht stehen sehen; bei Hyaena und Proteles wird der Bückenkamm in einer auffallenden 'eise aufgerichtet. Der Löwe richtet im Affecte der Wuth

[ahne empor. Das Sträuben des Haares beim Hunde dem Nacke und Bücken entlang und bei der Katze über den ganzen Körper ist eine Jedermann bekannte Erscheinung. Bei der Katze tritt es augen- scheinlich nur im Affecte der Furcht ein, beim Hunde unter dem des Zorns und der Furcht, aber nicht, so weit ich es beobachtet habe, bei unterwürfiger Furcht, wie wenn ein Hund von einem strengen Wildwart geschlagen werden soll. Wenn aber ein Hund sich zum Kampfe aufgelegt zeigt, wie es zuweilen vorkommt, so geht das Haar in die Höhe. Ich habe häufig bemerkt, dasz das Haar des Hundes besonders gern sich sträubt, wenn er halb im Zorne ist und halb sich

Cornolete Work of Charles Darwin Onli

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ifrichten der Hautanhänge, wenn er im Dunkeln irgend einen Gegenstand

fürchtet, wie z. B. undeutlich sieht.

Ein Yeterinärarzt hat mir versichert, dasz er oft gesehen ha wie sich bei Pferden und Rindern, an welchen er früher eine Operatioi vollzogen hatte und welche er von Neuem operiren wollte, das Haar sträubte. Als ich einem Peccari eine ausgestopfte Schlange zeigte, richtete sich das Haar dem Kücken entlang in einer wunderbaren Art in die Höhe: dasselbe geschieht auch beim Eber, wenn er in Wuth geräth. Man hat beschrieben, wie ein Elk, welcher in den Vereinig

ion

ten Staaten einen Mann todt stach, zuerst sein Geweihe schwang, vor Wuth schrie und den Boden stampfte; „endlich sah man, b „sich sein Haar sträubte und aufrecht stellte" und danu sprang vorwärts zum Angriff11. Auch bei Ziegen, und wie ich von Mr. Blyth höre, auch bei einigen indischen Antilopen wird das Haar aufgerichtet. [ch habe es beim behaarten Ameisenfresser sich sträuben sehen, ebenso beim Agnti, einem Nagethier. Eine weibliche Fledermaus12, welche

" The Hon. J. Caton, Ottawa Acsd. of Natur. Soiences. May 1868, p.86,40.

Water, 1867, p. 37. » Land and ft'ater, 2 >. Jnly 1867, p. 659.

The Cornplete Work of Charles Darwin ünli

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ihre Jungen in der Gefangenschaft aufzog, „sträubte das Haar auf „ihrem Rücken', wenn irgend Jemand in den Käfig hineinsah, und „bisz heftig nach hingehaltenen Fingern".

Vögel aller der groszen Hauptordnungen richten ihre Federn auf, wenn sie zornig odei erschreckt werden. Wohl ein Jeder wird ein- mal gesehen haben, wie sich zwei junge Hähne, selbst wenn es junge Vögel sind, mit aufgerichteten Baissichelfedern zum Kampfe vorbereiten; es können diese Federn, wenn sie aufgerichtet werden, nicht etwa als Yerthcidigungsmittel dienen: denn Kampfhahnzüchter haben durch die Erfahrung gelernt, dasz B8 für die Hähne ein Vor- theil ist, diese Federn gestutzt zu haben. Der männliche Kampfläufer (Machetespug                     gleichfalls seinen Federkragen in die Böhe,

wenn er kämpft. Wenn ein Hund sieh einer gemeinen Henne nähert, itet sie ihre Flügel aus, erhebt ihren Schwanz, richtet alle ihre Federn auf und stürz! sich so wild als möglich aussehend auf den Eindringling. Der Schwan/, wird nicht immer in derselben Stellung gehalten: zuweilen wird er so hoch                     z die nuttlern Federn,

wie in der umstehenden Zeichnnng, beinahe den Kucken berühren. oe erheben, wenn sie in Zorn gerathen, gleichfalls ihre Flügel und ihren Schwanz und richten ihre Federn auf. Sie öffnen ihren Schnabel und machen beim Rudern kleine schnelle Stösze vorwärts gegen einen Jeden, der sich dem Rande                        a weit nähert.

den Tropik-Vögelnia sagt man, dasz sie, wenn sie auf ihren Nestern gestört werden, nicht fortfliegen, sondern „nur ihre Federn .aufrichten und schreien." Nähert man sich der Schleiereule, so „schwellt sie augenblicklich ihr Gefieder auf, breitet ihre Flügel und „ihren Schwanz aus, zischt und schlägt ihre Kinnladen schnell mit „Heftigkeit zusammen" u. Dasselbe thun auch andere Eulenarten. Wie mir Mr. Jenner Weib mitgetheilt hat, schütteln auch Habichte unter ähnlichen Umständen ihre Federn auf und breiten ihre Flügel und ihren Schwanz aus. Einige Arten von Papageien richten ihre Federn auf; ich habe dasselbe Jlanoeuvre beim Casuar gesehen, als er beim Anblick eines Ameisenfressers zornig wurde. Junge Kuckucke im Neste richten ihre Federn auf, öffnen ihre Schnäbel weit und machen sich so schrecklich als möglieh.

13 Fhai                            Ibis, Vol. III. p. 180.

'i s. Andubon, Omithological Biography, Vol. II, 1854, p. 407. Andere Fälle habe ich im Zoologisehen Garten beobachtet.

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ufrichten der Hautanhänge.

Wie ich von Mr. Weir höre, richten auch kleine Vögel, wie v sehiedene Finken, Meisen und Grasmücken, wenn sie zornig sind, alle ihre Federn auf oder nur diejenigen um den Hals; oder sie breiten iluc Flügeln oder Schwanzfedern aus. Mit dem Gefieder in diesem Zustande und mit drohenden Geberden fahren sie, den Mund weit ge- öffnet, aufeinander los. Aus seiner reichen Erfahrung zieht Mr. Weis den Schlusz, das/, das Aufrichten der Federn viel mehr durch den Zorn als durch Furcht verursacht wird. Als Beispiel führt er einen Bastard-Goldfinken von sehr zorniger Disposition an, welcher, wenn sich ihm der Diener zu -ehr näherte, im Augenblicke die Erscheinung einer Kugel von Federn annahm. Er glaubt, das/, wenn Vögel er- schreckt werden, sie der allgemeinen Kegel nach ihre sämmtlichen : dicht andrücken; die hierdurch eintretende Verminderung ihrer ist häufig staunenerregend. Sobald sie sich von der Furcht

der l'lierraschung erholen, ist das erste, was sie vornehmen, ihre Federn aufzuschütteln. Die besten Beispiele von diesem Andrücken der Federn, welche Mr. Weib beobachtet hat, bieten die Wachtel und der Wellenpapagej dar1'. Eine solche Handlungsweise ist bei diesen Vögeln daraus verständlich, dasz sie gewöhnt sind, in Gefahr sich entweder platt auf den Boden zu ducken oder bewegungsl einem Zweige zu sitzen, am der Entdeckung zu entgehen. Obgleii bei Vögeln Zorn die hauptsachlichste und häufigste Ursache desA richtens der Federn sein mag, so ist es doch wahrscheinlich, da junge Kuckucke, wenn sie im Neste angesehen werden, und eine Henm mit ihren Küchlein, der sich ein Hund nähert, wenigstens einen gerin gen Schrecken fühlen. Mr. Tkukimkikk theilt mir mit, dasz bei Kampf- bahnen das Aufrichten der Federn auf dem Kopfe schon seit langer Zeit auf den Kampfplätzen als ein Zeichen der Feigheit erkannt wor- den ist.

Die Männchen einiger Eidechsen breiten, wenn sie während der Brunstzeit mit einander kämpfen, ihre Kehlsäcke oder Krausen aus und richten ihre Rückenkämme in die Höhe16. Dr. GüNTHEB glaubt aber nicht, dasz sie die einzelnen Dornen oder Schuppen aufrichten können.

''' Melopsittacua undulatus b, eine Schilderung seiner Lebensweise bei Gould, Handbook of Birds of Anstralia. 1865, Vol. II, p. 82.

16 s. z. B. die Schilderung, welche ich von einer Anolis und dem Draco ge- geben habe (Abstammung des Menschen, 3. Ami.. Bd. II. S. 29, 30, 31).

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Wir sehen hieraus, wie allgemein in den ganzen zwei höheren Wirbelthierclassen und bei einigen Reptilien die Hautanhänge unter dem Einflüsse des Zorns oder der Furcht emporgerichtet werden. Wie wir aus Kdi.i.ikek's interessanter Entdeckung1' wissen, wird diese Be- wegung durch die Zusammenziehung kleiner, nicht gestreifter, unwill- kürlicher Muskeln, häufig Arrectores pili genannt, bewirkt, welche an die Wurzelscheiden der einzelnen Haare, Federn u. s. w. geheftet sind. Durch die Zusammenziehung dieser Muskeln können die Haare augenblicklich aufgerichtet werden, wie wir beim Hunde sehen, wo- bei das Haar gleichzeitig ein wenig aus seinem Balge herausgezogen wird; später wird es dann schnell wieder niedergedrückt. Die unend- lich grosze Zahl dieser sehr kleinen Muskeln über den ganzen Körper eines behaarten Säugethiers ist staunenerregerd. Das Aufrichten des Haares wird indessen in manchen Fällen, wie bei dem am Kopfe des Menschen, durch die quergestreiften und willkürlichen Fasern des darunter liegenden Panniculus carnosus unterstützt. Es geschieht durch die Thätigkeit dieser letztern Muskeln, dasz der Igel seine Stacheln aufrichtet. Aus den Untersuchungen Levdig's 18 und Anderer geht auch hervor, dasz sich quergestreifte Muskelfasern von dem Panniculus zu einigen der gröszeren Haare erstrecken, wie /.. 11. zu den Schnurrborsten gewisser Säugethiere. Die Arrectores pili ziehen sich nicht blosz während der oben erwähnten Gemüthserregungen zusammen, sondern auch bei der Einwirkung von Kälte auf die Haut- oberfläche. Ich erinnere mich, dasz meine, aus einem niedrigeren und wärmeren Lande gebrachten Maulthiere und Hunde, nachdem sie eine Nacht auf der rauhen Cordillera zugebracht hatten, das Haar über den ganzen Körper emporgesträubt hatten, wie im allergröszten Schrecken. Wir sehen dieselbe Erscheinung bei uns in der „Gänse- haut" während des Frostes vor einem Fieberanfall. Mr. Li.-iku1* hat auch gefunden, dasz das Kitzeln einer benachbarten Hautstelle das Aufrichten und Vortreten der Haare verursacht.

Aus diesen Thatsachen geht offenbar hervor, dasz das Aufrichten

Muskels Bind in seinen bekannten Büchern beschrieben. Ich bin dem ausgezeichneten Beobachter sehr dafür verbunden, das/ er mir in einem Briefe Aufklärung über d                                       D hat.

logie des Menschen u. s. w. 1857. S. 82. Ich venia

i'r Freundlichkeit des Prof. Tarnet Auszüge aus diesem Werk.

irnal of Microscoidcal Science. 1853, Vol. I, p. 2(12.

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aufrichten der Hautanhan

der Hautanhänge eine vom Willen unabhängige Reflexbewegung is' tritt diese Bewegung unter dem Einflüsse des Zorns oder der Furcht ein, so darf sie nicht als eine zum Zwecke der Erlangung irgend eines \ ortheila erworbene Fähigkeit, sondern musz als ein wenigstens zu einem groszen Theil mit einer Affection des Sensorium zusammen- fallendes Resultat angesehen werden. Das Resultat kann, so weit es zufällig ist, mit dem profusen Schwitzen im äuszersten Schmerz oder Schrecken verglichen werden. Nichtsdestoweniger ist es merkwürdig, eine wie unbedeutende Reizung häufig hinreicht, das Aufrichten des Haares zu verursachen, so wenn zwei Hunde im Spielen mit einander zu kämpfen vorgeben. Wir haben auch bei einer groszen Zahl von Thieren, die zu sehr verschiedenen Ordnungen gehören, gesehen, dasz das Aufrichten der Haare oder Federn beinahe immer von verschie denen willkürlichen Bewegungen begleitet wird, — von drohendi Geberden, Offnen des .Mundes, Zeigen der Zähne, bei Vögeln von Au breiten der Flügel und des Schwanzes und Ausstoszen rauher Laute; bsicht bei diesen willkürlichen Bewegungen ist unverkennbar.

''int daher kaum glaublich, dasz das coordinirte Auflichten der Hautanhänge, durch welche das Thier seinen Feinden oder Neben- buhlern gröszer und schrecklicher aussehend gemacht wird, durchaus rin zufaUiges mid zweckloses Resultat der Reizung des Sensorrums

int dies beinahe ebenso unglaublich, als Aufrichten der Stacheln beim Igel                      ichein beim Stach

Schweine oder der Schmuckfedern bei vielen Vögeln während ih Brautwerbung Alles nur zwecklose Handlungen sein sollten

Wir stoszen hier auf eine bedeutende Schwierigkeit. Wie ka; die Zusammenziehung der nicht gestreuten und unwillkürlichen A rectores pili mit der der verschiedenen willkürlichen Muskeln für denselben speciellen Zweck coordinirt worden sein? Wenn wir an- nehmen dürften, dasz die Arrectoren ursprünglich willkürliche Muskeln

a wären, und seitdem ihre Querstreifen verloren hätten und un- willkürlich geworden wären, so würde der Fall verhältnismässig einfach

Mir ist indessen nicht bekannt, dasz irgend welche Belege zu

r Ansicht sprachen, obschon der umgekehrte Obi

keine grosze Schwierigkeit dargeboten haben würde, da die willkürlichen

Muskeln in den Embryonen der höheren Thiere und in den Larven

mancher Crustaceen in einem ungestreiften Zustande sich befinden.

ludet sich in den tieferen Halbschichten erwachsener Vögel

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Mittel des Ausdrucks bei Xhie

das Muskelnetz nach Leydiom in einem Übergaugszustande. da die n nur Andeutungen einer Querstreifung darbieten. Es scheint eine andere Erklärung möglich zu sein. Wir können

nehmen, dasz ursprünglich die Arrectores pili unbedeutend in einer directeu Art und Weise unter der Einwirkung der Wuth und des Schreckens durch eine Heizung des Neryensystems beeinfluszt wor- sind, wie es unzweifelhaft bei unserer sogenannten „Gans

r einem Fieberanfall der Fall ist. Thiere sind wiederholt durch viele Generationen hindurch von Wuth und Schrecken erregt worden; in Folge hiervon werden die directen Wirkungen des gereizten Nerven- ä auf die Hautanhänge beinahe sicher durch Gewohnheit und die Tendenz der Nervenkraft, leicht gewohnten Canälen entlang aus- zuströmen, verstärkt worden sein. Wir werden diese Ansicht von der Kraft der Gewohnheit in einem spätem Capitel auffallend bestätigt sehen, wo gezeigt werden wird, dasz das Haar der Wahnsinnigen in Folge der wiederholten Anfälle von Wuth und Schrecken in einer auszerordentlichen Art und Weise afficirt wird. Sobald nun bei Thieren die Fähigkeit des Aufrichtens hierdurch gekräftigt oder ge- steigert worden war, so werden sie die Haare oder Federn bei rivali-

enden oder in Wuth gerathenen Männchen sicher häufig aufgerichtet fang ihrer Körper vergröszert gesehen haben. In diesem

lle scheint es möglich zu sein, dasz bei ihnen der Wunsch ent- standen ist, sich ihren Feinden gegenüber gröszer und furchtbarer aussehen zu machen d                     sie willkürlich eine drohende Stel-

lung annahmen und rauhes Geschrei ausstieszen; dasz ferner derartige Stellungen und Laute nach einer Zeit durch Gewohnheit instinetiv wurden. Auf diese Weise dürften Handlungen, welche durch die Zu- sammenziehung willkürlicher Muskeln ausgeführt wurden, zu dein speciellen Zwecke mit solchen, welche unwillkürliche Muskeln aus- führten, combinirt worden sein. Es ist sogar möglieh,

ie erregt und sich undeutlich irgend einer Veränderung im Zu- stande ihres Haarkleides bewuszt sind, durch wiederholte Anstrengun- gen ihrer Aufmerksamkeit und ihres Willens auf dasselbe einwirken können; denn wir haben zu glauben Ursache, dasz der Wille in. - ist, in einer nicht klaren Art und Weise die Thätigkeit einiger nii streiften oder unwillkürlichen Muskeln zu beeinflussen, wie z. 1!. in I

if Charles Darwin Onlii

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aufrichten der Ilautanliün

auf die Periode der peristaltischen Bewegungen des Darms und d: Contraction der Blase. Auch dürfen wir die Bolle nicht übei welche Abänderung und natürlich'1 Zuchtwahl gespielt haben können denn diejenigen Männchen, welchen es gelam.                      Nebenbuh

lern oder ihren andern Feinden gegenüber am furchtbarsten ans zu machen, wenn die                     ?anz überwältigender Kraft gewesen

sind, werden im Mittel mehr Nachkommen hinterlassen haben characteristischen Eigenschaften zu erben, was dieselben am sie zuerst erlangt sein mögen, als andere Männchen.

Das Aufblähen des Körpers und andere Mittel, be Feinde Furcht zu erregen. — Gewisse Amphibien und Beptilien, welche entweder keine Stacheln zum Aufrichten oder keine Muskeln, durch welche jene aufgerichtet werden könnten, besitzen, vergröszern ie beunruhigt oder zornig werden, dadurch, dasz sie Luft einathmen. Dasz die                     a und Kröten der Fall ist, ist all-

gemein bekannt. In der Aesopischen Fabel vom Ochsen und dem I

tere Thier vor Eitelkeit und Neid gich so- weit aufblasen, bis es platzt. Diese Handlungsweise musz v,.. der allerältesten Zeiten beobachtet worden sein, da, zufolge der gäbe des Mr. Bknsleigh Wedgwood81 das Wort Kröte in vie europäischen S                     Gewohnheit des Anschwellen ausd

Es is dies Schwellen bei einigen exotischen Arten in den zoolog luvten beobachtet worden, und Dr. Günther glaubt, dasz es der . Gruppe allgemein zukommt. Nach Analogie zu schlieszen, war der ursprüngliche Zweck wahrscheinlich der, einem Feinde gegen- über den Körper so grosz und fürchterlich als möglich erscheinen zu machen; es wird aber noch ein anderer und vielleicht bedeutungs- er secundärer Vortheil dadurch erreicht. Wenn Frösche von Schlangen ergriffen werden, welches ihre hauptsächlichsten Feinde sind, so vergröszern sie sich wunderbar, so dasz, wenn die Schlau_ geringer Qrösze ist, sie, wie mir Dr. Günther mittheilt, den

--Mucken kann, er entgeht daher dadurch dem Verschlungi werden.

Chamäleons und einige andere Eidechsen blähen sich auf zornig werden. So ist eine Oregon bewohnende Species. d

Dictionarj

CornoleK                             Darwin Onli

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Douglasü, langsam in ihren Bewegungen und beiszt nicht, bat aber

schreckliches Ansehen; ,wenn sie gereizt wird, springt sie in einer zerst drohenden Art auf Alles zu, was man ihr vorhält, „gleichzeitig den .Mund weit und zischt hörbar, worauf sie ihren Kö „per aufbläht und andere Zeichen des Zorns blicken läszt"22. .Mehrere Arten von Schlangen blähen sich gleichfalls auf, sie gereizt werden. In dieser Hinsicht ist die l'ull-Otter (Clo merkwürdig; nachdem ich aber dieses Thier sorgfaltig obachtet habe, glaube ich doch, dasz es dies nicht thtit zum Zwec abaren Vergrößerung seines Körperumfangs, sondern einfa um eine grosze Menge Luft einzuathmen, so dasz es seinen übe raschend lauten, harschen und lang ausgezogenen zischenden La hervorbringen kann. Die Cobra-de-capellos (Brillenschlangen) sehr sich, wenn sie gereizt werden, ein wenig auf und zischen mäszig; zu derselben Zeit aber liehen sie ihren Kopf in die Höhe und breiten mittelst ihrer verlängerten vorderen Kippen die Haut zu beiden Seiten des Halses zu einer groszen platten Scheibe, dem sogenannten Schilde, aus.- Mit weit geöffnetem .Munde nehmen sie dann ein schrecken- issehen an. Der hierdurch erreichte Vortheil musz be- trächtlich sein, um den damit verbundenen Verlust an Schnelligkeit immer bedeutend ist) zu compensiren, da sie im beten Zustande doch nicht ebenso gut auf ihre 1

itürzen können, nach demselben Princip nämlich, n chem ein breites dünnes Stück Bolz nicht so schnell durch Luft bewegt werden kann als ein dünner runder Stock. Eine nicht Sehlange, ZVoj                                                    iwohnerin Ost-

Indiens, breitet, wenn sie gereizt wird, gleichfalls die Halshai und wird daher häufig irrthümlicfa für ihre Landesgenossin, die I gehalten23. Diese Ähnlichkeit dient vielleicht dem 7

ser Schutz. Eine andere nicht giftige Schlange, die von Süd-Africa, bläht sich auf, breitet ihren Hals aus und zischt tu: ieszt auf jeden Eindringling in ihr Bereich'-''. Viele andere

unter ähnlichen Umständen. Sie schwingen auch ihre

512. Dr, Günl                      E British India,

Mr. .1. Mangel '

HMHBBHHHOT

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The Comc .                            ____         .

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Aul'Mi

vorgestreckten Zungen mit Schnelligkeit: and dies dürfte dazu dienen, 'iireckenerregende ihres Ansehens noch zu vermel

idere Mittel zum Hervorbrin Lauten auszer dem Zischen. Vor vielen Jahren beobachtete ich in Sfid-America, 'las/, eine giftige Schlange, ein Trigonocephalus, wenn sie gestört wurde, mit Schnelligkeit das Ende ihr.1? Schwanzes in vibrirende Bewegung versetzte, so dasz es gegen das trockene Gras und Reiszig stoszend ein rasselndes Geräusch hervorbrachte, noch in einer Entfernung                                                      gehört werden

konnte25. Die giftige und wilde                                  von Indien bringt

merkwürdigen,                                                                           i Laut"

auf eine ganz andere Weise hervor, nämlich dadurch, dasz -i .Ränder ihr seitlichen Körperschu]                                        ibt", wahrend

der Kopf beinahe in ein und                                                     . Die Schup-

pen an den Seiten, aber an keiner anderen Stelle des Körpers, sind stark gekielt und die Kiel                           ge gezähnt; wenn nun das

aufgerollt daliegende Thier seine Seiten gegen einander reibt, so kratzen sie aufeinander-'". Endlich haben wir noch den bekannten Fall der Klapperschlange. Wer nur die Klapper einer todten Schlang ilt hat, kann sich keine rechte Idee von dem Laute mi den das lebende Thier hervorbringt. Professor Siiai.ki: gibt an, das/. dieser Laut von dem nicht zu unterscheiden ist, den das Männchen einer groszen Cicade (ein homopteres Insect), welche denselben Bezirk bewohnt, hervorbringt -'. Als im zoologischen Garten die Klapper- lich liier dl jte Rasseln m I                           .1er Klappe

p. 196.

" The American Naturalist. Jan. 1872, p. 32. ich bedaure, lim. P

irliche Zueh wähl zu di

will indessen nicht bezweifeln, das

Klapper und die

Was die Entwickelang

7

'.' . ...                                                                                   :

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1 --.lrucks bei Tbii

schlangen und Puff-Ottern zu gleicher Zeit heftig erregt wurden, v ich von der Ähnlichkeit der von ihnen hervorgebrachten Laute si frappirt; und obgleich das von der Klapperschlange gemacht!' lauter und schriller als das Zischen der Puff-Otter ist, so konnte ich doch, wenn ich in der Entfernung von einigen Yards von ihnen stand. kaum beide von einander unterscheiden. Zu welchem Zwecke auch der Laut von der einen Species hervorgebracht wird, ich kann doi kaum bezweifeln, dasz er bei der andern Species demselben Zwee dient: und aus den von vielen Schlangen gleichzeitig gemachten drohen den Geberden schliesze ich, dasz ihr Zischen, das Klappern der Klapper- schlange, das Schütteln des Schwanzes beim Trigonocephalus, Kratzen der Schuppen bei Echis und die Ausbreitung des Halsschildi bei der Cobra, alles demselben Ende dient, dem nämlich, sie ihr Feinden schrecklich erscheinen zu lassen -\

Auf den ersten Blick scheint die Schluszfolgefung wahrseheinl Giftschlangen, wie die im Vorstehenden erwähnten, weil sie durch ihre Giftzähne so gute Vertheidigungsmittel haben, niem von irgend einem Feinde angegriffen werden und dasz sie demzufolge nicht nöthig haben, noch mehr Schrecken zu erregen. Dies ist aber durchaus nicht der Fall; denn in allen Theilen der Erde wird ihnen von vielen Thieren bedeutend nachgestellt. Es ist eine bekannte That- sache, dasz in den Vereinigten Staaten Schweine dazu benutzt werden. von Klapperschlangen heimgesuchte Bezirke zu säubern, was sie auch in äusserst wirksamer Weise tliun29. In England greift der Igel die Kreuzotter an und verzehrt sie. Wie ich von Dr. Jerdon höre, fcödten in Indien mehrere Arten von Habichten und wenigstens eine Säuge-

)er-

Hein habe

so hat Prof. Shaler nahezu dieselbe Ansicht wie ich: ich hin inuni nung gewesen, seitdem ich in Sfid-America den Trigonocephalus beobachtet

29 Nach den in neuerer Zeit von Mrs. liarber über Iten und im „Journal ' richten, wie auch nach d                            Schriftstellern, z.B. von Lawson über

die Klap]                                                                                                         ä nicht

unwahrscheinlich, dasz d                                                                              ind <lie

a Laute gleich!                          a kBnnen, ihm i

dadurch nannt wird, bezaubern.

Dr. R. Brown                                          I 371, p. 39.

auch flochtet sich eine Schi                                                    rscheint.

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thierart, der Herpestes, Brillenschlangen und andere Giftschlangen Ahnliches gilt auch für Süd-Africa. Es ist daher durchaus nicht i wahrscheinlich, dasz irgend ein Zeichen oder ein Laut, durch welchen sich die giftigen Arten im Augenblicke als gefährlich zu erkennen geben können, ihnen von gröszerem Nutzen ist, als den nicht giftigen Arten, welche, im Falle dasz sie angegriffen werden, nicht im Stan sein würden, irgend welchen wirklichen Schaden zu thun.

Da ich einmal so viel über Schlangen gesagt habe, werde versucht, noch einige wenige Bemerkungen über die Art und Weise hinzuzufügen, auf welche die Klapper der Klapperschlange wahrschein- lich entwickelt worden ist. Verschiedene Thiere, mit Einschlusz eini- ger Eidechsen, kräuseln entweder oder schwingen ihren Schwanz, wenn sie gereizt werden. Dies ist bei vielen Arten von Schlangen der Fall31. Im zoologischen Garten schwingt eine nicht giftige Art, die Coronella Sayi, ihren Schwanz so rapid hin und her, dasz man ihn kaum mehr sehen kann. Der vorhin erwähnte Trigonocephalus dieselbe Gewohnheit; dabei ist das Ende seines Schwanzes ein wen verdickt oder endet in einem Knopfe. Bei der Leu der Klapperschlange so nahe verwandt ist, dasz Linke sie beide eine und dieselbe Gattung brachte, endet der Schwanz in einer ein fachen, groszen, lanzettförmigen Spitze oder Schuppe. Bei einigen Schlangen ist, wie Professor Shaler bemerkt, die Haut „in der Schwanz- Gegend unvollständiger von den darunterliegenden Theilen geschieden „als an andern Theilen des Körpers". Wenn wir nun annehmen, dasz das Schwanzende irgend einer alten americanischen Species ve gröszert und von einer einzigen groszen Schuppe bedeckt war, so hat kaum bei den aufeinanderfolgenden Häutungen abgestoszen wer-

ihn ?.in-

Dr, Günther gibt Bemerkungen (Reptilea of British Indio, p. 840) über ic durch den Ichneumon oder Herpestes und, bo ; Srhlani.-'-n jnng Bind, durch das Jungle-Huhn. Es ist bekannt, dasz auch Pfauhahn ungestüm Schlai

I ! \.. r i Arten in Organic Types", gelesen vor der American Philos. Soc lö. Decemb. 1871, p. am*. In Bezog auf den Nutzen der von Schlangen gemachten Geberden on Laute hat Prof. Cope dieselbe Ansicht wie ich. Ich kur/. in der letzten Ausgab Stellen im Texte gedruckt norden sind, habe ich                           s ihabt zu finden,

dasz Mr. '                        Che American Naturalist, May IE                       ine ähn-

: der Klapper hat, nämlich dasz sie „verhindere rill' auf die Schlange gemacht werde",

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den können. In diesem Fall' wird sie beständig beibehalten worden sein und in jeder Wachstbumsperiode wird sich, wenn die Schlange

r wurde, eine neue Schuppe, gröszer als die letzte, über gebildet haben, welche dann ebenfalls erhalten worden sein wird. Es wird damit der Grund zur Entwickelung einer Klapper gelegt worden sein; wenn die Schlange, wie so viele andere Arten, ihren Schwai in schwingende Bewegungen versetzte, so oft sie gereizt wurde, wird die Klapper gewohnheitsgemäsz benutzt worden sein. Da Klapper seit jener Zeit speciell dazu entwickelt worden ist, als ein wirksames schallerzeugendes Instrument zu dienen, darüber kann kaum ein Zweifel bestehen; denn selbst die in der Schwanzspitze einge-

senen Wirbel sind in ihrer Form geändert worden und hangen

men. Darin aber, dasz verschiedene Gebilde, wie die Klapper der Klapperschlange, die Seitenschuppen der Echis, der Hals mit deu darin befindlichen Kippen bei der Cobra und der ganze Körper der Puff-Otter zum Zwecke, die Feinde dieser Thiere zu warnen und fort- zuschicken, modificirt worden sind, liegt keine gröszere Unwahr-

ilichkeit als darin, dasz der ganze Körperbau eines Vogels, näm- lich des wunderbaren Secretairs (6                   . zu dem Zweck* iicirt worden ist, Schlangen ungestraft tödten zu können. Nach dem, was wir vorhin gesehen haben, zu urtheilen, ist es in hohem Grade wahrscheinlich, dasz dieser Vogel seine Federn aufrichten wird,

eine Schlange angreift; und sicher ist es, dasz der Herpesi wenn er eifrig auf eine Schlange losstürzt, das Haar auf dem Körper und besonders am Schwänze aufrichtet32. Wir haben au> Stachelschweine, wenn sie beim Anblicke ein Schlange zornig oder beunruhigt werden, ihren Schwanz in schnelle vibrirende Bewegung setzen und dabei durch das Zusammenschlagen der hohlen Stachelkiele einen eigenthümlichen Laut hervorbringen. Es versuchen also hier beide, sowohl der Angreifer als der

. sich gegenseitig so schrecklich als möglich zu machen, und beide b                                          /.wecke entwickelte Mittel, welche

merkwürdig genug in einigen dieser Fälle nahezu dieselben sind. Endlich können wir einsehen, dasz wenn einerseits diejenigen indivi- duellen Schlangen, welche am besten im Stande waren, ihre Feinde tzutreiben, am sichersten dem Verschlungen werden entgiengen, und

71, p. 3.

Complete Work of Charles Darwin Onii

ade

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Zurücklegen der Ohren.                                        1

wenn andererseits diejenigen Individuen der angreifenden Feinde gröszerer Zahl leben blieben, welche am besten für das gefährlic Unternehmen, Giftschlangen zu tödten und zu verschlingen, ausg rüstet waren, — das/, dann in dem einen Falle wie in dem ande unter der Annahme, dasz die in Frage stehenden Charactere variirt wohlthätige Abänderungen durch das Überleben des Passendsten halten worden sind.

Das Zurückziehen der Ohren und Andrücken dersel- ben an den Kopf. — Die Ohren sind durch ihre Bewegungen bei vielen Thieren äuszerst ausdrucksvoll; bei einigen aber, wie beim . den höheren Allen und vielen Wiederkäuern versagen sie in dieser Beziehung ihren Dienst. Bin unbedeutender Unterschied der Haltung dient dazu, wie wir es täglich beim Hunde sei in der deutlichsten Weise einen verschiedenen Seelenzustand ausz drücken; wir haben es aber hier nur damit zu thun, dasz die Ohren scharf nach hinten gezogen und dicht an den Kopf angedrückt weiden. Es wird damit ein böser Gemüthsznstand gezeigt, doch nur bei den Thieren, welche mit ihren Zähnen kämpfen; eine Erklärung dieser Haltung bietet die Sorgfalt, mit welcher sie es zu verhüten suclu dasz sie von ihren Gegnern bei den Ohren ergriffen weiden. In Ful hiervon werden bei ihnen durch Gewohnheit und Association. sie sieh im geringen Grade böse fühlen oder im Spiel will zu sein vorgeben, ihre Ohren zurückgezogen. Dasz dies die richtige Erklärung ist, kann man aus der Beziehung folgern, welche bei sehr vielen Thieren zwischen ihrer Art und Weise zu kämpfen und dem Zurück- ziehen ihrer Ohren besteht.

Alle oarnivoren ßaubthiere kämpfen mit ihren Eckzähnen alle ziehen, so viel ich beobachtet habe, ihre Ohren zurück, wenn sie böse oder wild werden. Man kann dies beständig bei Hunden sehen, wenn sie im Ernste mit einander kämpfen und bei jungen Hunden, wenn sie sich im Spiele beiszen. Die Bewegung ist verschieden von der, wenn die Ohren herabsinken und leicht nach hinten gezogen werden, was ein Hund thut, wenn er vergnügt ist und \ Hern geliebkost wird. Das Zurückziehen der Ohren ist gleichfalls bei jungen Kätzchen zu sehen, wenn sie in ihren Spielen mit einander ebenso bei erwachsenen Katzen, wenn sie wirklich wild wer-

wie früher in Fig. 9 dargestellt worden ist (p. 52). Obgleich

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1Q2                                Mittel des Ausdrucks bei Thieren.                           Cap. 4.

hierdurch die Ohren in hohem Grade geschützt sind, so werden sie doch häufig bei alten männlichen Katzen während ihrer Kämpfe anter einander zerrissen. Dieselbe Bewegung ist bei Tigern, Leoparden u. 8. w. sehr auffallend, wenn sie in Menagerien über ihrem Futter knurren. Der Luchs hat merkwürdig lange Ohren; das Zurückziehen derselben. wenn man sich einem dieser Tliiere in seinem Käfig nähert, ist sehr auffallend und für die wilde Stimmung des Thieres in eminentem Grade ausdrucksvoll. Selbst eine der Ohren-Robben, die Otaria \ welche sehr kleine Ohren hat, zieht sie zurück, wenn sie wild auf die Füsze ihres Wärters losstürzt,

Wenn Pferde mit einander kämpfen, so brauchen sie ihre Schneide- zähne zum Beiszen und ihre Vorderbeine zum Schlagen viel mehr als sie ihre Hinterbeine zum Ausschlagen nach hinten brauchen. 1 dies beobachtet worden, wenn sich Hengste losgemacht und mil ander gekämpft haben; es las/t sich auch aus der Art der Verwun- dungen schlieszen, welche sie sich einander beibringen. Ein Jeder erkennt das bösartig'                      ts das Zurückziehen der Ohren einem

Pferde gibt. Diese Bewegung ist von der sehr verschieden, >

'ferd macht, wenn es auf etwas hinter sich hört. Wenn ein bösgelauntes Pferd in einem Stalle geneigt ist, hinten auszuschlagen, so werden die Ohren aus Gewohnheit zunickgezogen, obschon es weder die Absicht noch die Möglichkeit zu beiszen hat. Wenn aber ein Pferd im Spiel, wenn es z. 1!. auf ein offenes Feld kommt, oder wenn es nur leise von der Peitsche berührt wird, seine beiden Hinterbeine auf- hebt, so zieht es nicht immer die Ohren zurück; denn seine Stimmung ist dann nicht böse. Guanacos kämpfen wüthend mit ihren Zähnen; sie müssen dies sehr häufig thun, denn ich fand die Häute mehrerer solcher Thiere, die ich in Patagonien schosz, tief mit Narben bedeckt. Dasselbe thun auch Kameele, und beide Thiere ziehen, wenn sie böse werden, ihre Ohren dicht nach hinten. Ich habe auch bemerkt, dasz, wenn Guanacos nicht die Absicht zu beiszen haben, sondern nur ihren widrigen Speichel aus der Ferne auf einen Eindringling ausspucken, sie ihre Ohren zurückziehen. Selbst wenn der Hippopotamus mit seinem weit geöffneten enormen Munde einem Kameraden droht, zieht rade wie ein Pferd, seine kleinen Ohren zurück.

Welchen Contrast bieten nun die eben erwähnten Thiere gegen- über den Rindern, Schafen und Ziegen dar, welche niemals ihre Zähne beim Kampfe benutzen und auch niemals ihre Ohren zurückziehen, wenn

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Cap. I.                             Zurücklegen der Ohren.                                  1

sie in Wuth gerathen! Obgleich Schafe und Ziegen so fricdferti Thiere zu sein scheinen, so begegnen sich doch häufig die Männchen in wüthenden Kämpfen. Da die Hirschartigen eine nahe verwandte Familie bilden und ich nicht wuszte, dasz sie jemals mit ihren Zähnen kämpften, war ich über die Schilderung sehr erstaunt, welche Major

Bjkg von dem Orignal in Canada gegeben hat. Er sagt: sich „zwei Männchen zufällig begegnen, so fahren sie, die Ohr „zurückgeschlagen und mit den Zähnen aufeinander knirschend, m ,fürchterlicher Wuth auf einander los"33. Mr. li.uniin theilt mir aber mit, dasz einige Hirscharten bösartig mit ihren Zähnen mit einander kämpfen, so dasz das Zurückziehen der Ohren beim Orignal mit unserer Regel übereinstimmt. Mehrere im zoologischen Garten tene Arten von Känguruhs kämpfen in der Weise, dasz sie mit ihren Vorderbeinen kratzen, mit den Hinterbeinen schlagen; sie 1 einander niemals und die Wärter haben auch niemals gi äie ihre Ohren zurückziehen, wenn sie in Wuth gerathen. Kanin- kämpfen hauptsächlich durch Schlagen und Kratzen; doch beiszen sie auch einander; ich habe einmal gehört, das/, eines den halben oes Gegners abgebissen hat. Im Beginn ihrer Kämpfe gen sie die Ohren zurück; später aber, nenn sie über einaiv wegspringen und einander stoszen, halten sie die Ohren aufrecht o ii sie viel herum. Mr. Babtlett beobachtete einen wilden Eber. i\ev sich mit sei: Sau zankte; beide hatten das Maul geöffnet und ihre Ohren zorflcl gezogen. Allem Anscheine nach ist dies aber beim domesticir Schweine, wenn es sich herumzankt, nicht das gewöhnliche Benehm Eber kämpfen in der Weise mit einander, dasz sie mit ihren Hau fon unten nach oben schlagen; Mr. Bartlett bezweifelt es, ob dann ihre Ohren zurückziehen. Elephanten, welche in gleicher Weise mit ihren Stoszzähnen kämpfen, ziehen ihre Ohren nicht zurück, richten sie im Gegentheile auf, wenn sie aufeinander oder auf eine: Feind losfahren.

Die Khinocerosse im zoologischen Garten kämpfen mit ihre Xasenhörnern, und man hat niemals gesehen, dasz sie versuchen, ein- ander zu beiszen, ausgenommen beim Spielen; auch sind die Wärter überzeugt, dasz sie, wenn sie böse werden, ihre Ohren

man and Naturalist in Canada. 1866, p. 53.

nicht wie Pferde

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4                               Mir                            bei Thieren.                           Gap, -I

gern er ii

bew(

bab

Sinr

nd Hunde zurückziehen. Es ist daher die folgende Ton Sir S. Baker34 machte Angabe unerklärlich, das/, nämlich ein Bhinoceros, welches in Nord-Africa schosz, ..keine Ohren hatte; es waren ihm dieselben on einem andern Thiere derselben Art während eines Kampfes dicht Kopfe abgebissen worden; auch ist diese Verstümmelung durch- 08 nicht ungewöhnlich". Endlich noch ein paar Worte über die Affen. Einige Arten, wel he Ohren haben und mit ihren Zähnen kämpfen, — wie z.

ziehen ihre (ihren, wenn sie gereizt werden gerade so wie Hunde zurück; und dann haben sie ein sehr tückisci Ansehen. Andere Arten, wie der /«                      . handeln

scheine nach nicht so. Ferner ziehen andere Arten. — und dies im Vergleich mit den meisten anderen Thieren eine grosze Anomalie, — ihre Ohren zurück, zeigen ihre Zähne und klappern dan

sich über Liebkosungen recht vergnügt gestimmt fühlen. Ich habe bei zwei oder d                    m Macacus und bei dem Gyno

achtet. In Folge unserer intimen Bekanntschaft mit Hunden würde dies.                    nu von Leuten, welche mit der Art der Aßen

unbekannt sind, niemals für eine solche erkannt werden, welche Freude Vergnügen bezeichnet.

Aufrichten der Ohren. — Diese Bewegung erfordert ka ch eine eingehendere Erwähnung. Alle Thiere. welche das Vermöj ben. ihre Ohren frei zu bewegen, richten ihre Ohren, wenn sie schreckt werden oder wenn sie irgend einen Gegenstand aufmerksam beobachten, nach dem Punkte hin, wi' welchen sie ihre Blicke richten. um jeden Laut aus dieser Gegend her wahrzunehmen. Allgemein chten sie zu derselben Zeit ihren Kopf in die Höhe, da alle ihre nesorgane an diesem gelegen sind; einige von den kleineren Thieren ten sich sogar auf ihren Hinterbeinen auf. Selbst diejenigen Arten, eiche auf dem Boden kauern oder augenblicklich die Flucht ergreifen, um der Gefahr zu entgehen, handeln für einen Moment in der ge- schilderten Weise, um die Quelle und die Natur der Gefahr zu er- mitteln. Das Aufheben des Kopfes mit aufgerichteten vorwärts gerichteten Augen gibt jedem Thiere den teilenden Ausdruck gespannter Aufmerksamkeit.

larvviri Onl

ateten Ohren und 1 nicht miszuver-

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Fünftes Capitel.

Specielle Ausdrucksförmen der Thiere.

Iinck8ToIIe Bewegungen di—Iben. — Kai Pferde. Wiederkäuer. Allen, deren Ausdr» neigunj                                                                en und Schreck.

Der Hund. — loh habe bereits früher (Fig. 3 und 7) die Er- scheinung eines Bundes beschrieben, der sich einem andern Hunde mit feindseligen Absichten nähert. Er hat nämlich dann aufgerichtete Ohren, scharf nach vorn gerichtete Augen; das Haar im Nacken und auf dem Rücken sträuM sieh. Der ßang ist merkwürdig steif und der Schwanz «ird aufrecht und steif getragen. Es ist diese i nung uns eine so                        las« man von einem zornigen Mensch

zuweilen im Englischen sagt, „er sträubt seinen Kücken." Von d oben erwähnten Funkten bedarf nur der steife Gang und der aufrecht gehaltene Schwanz weiterer Erörterung. Sir Ch. Bell bemerkt1, dasz wenn ein Tiger oder ein Wolf von seinem Wärter geschlagen und plötzlich zur Wuth getrieben wird, „jeder Muskel in Spannung geräth „und die Gliedmaszen in einer Haltung höchster Anstrengung sich be- „finden, bereit zum Einspringen." Diese Anspannung der Muskeln und der davon abhängige steife Gang können nach dem Principe

irter Gewohnheit erklärt werden; denn Zorn hat beständig zu heftigen Kämpfen und in Folge dessen dazu geführt, dasz alle Muskeln

törpers heftig angestrengt wurden. Es ist auch G Vermuthung vorhanden, dasz das Muskelsystem eine kurze Vorbereituni oder einen gewissen Grad von Innervation bedarf, ehe es z

The Anatomy of I

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gez.

106                              Ausdrackrfonnen bei Thieren.                         Cap. 4.

Thätigkeit gebracht werden kann. Meine eigene Empfindung führt mich zu diesem Schlüsse. Ich kann aber nicht finden, dasz es eine Schluszfolgerung wäre, zu welcher auch Physiologen gelangt sind. Doch theilt mir Sir J. Paget mit, dasz, wenn Muskeln plötzlich mit der ten Kraft ohne irgend welche Vorbereitung zusammengezogen werden, sie sehr leicht zereiszen, so z. B. wenn ein Mensch unerwartet ausgleitet, dasz dies aber nur selten eintritt, wenn eine Handlung, so heftig sie auch sein mag, mit Vorbedacht ausgeführt wird.

Wa- die Aufrechthaltüng des Schwanzes betrifft, so scheint sie (ob dies aber wirklich der Fall ist, weisz ich nicht) davon abzuhängen, dasz die Hebemuskeln kräftiger sind als die herabziehenden, so dasz, wenn alle Muskeln des hinteren Körpertheils im Zustande der Spannung sich befinden, der Schwanz gehoben wird. Wenn ein Hund in einer .liehen Stimmung ist und vor seinem Herrn mit hohen Schritten einhertrabt, so hält er gewöhnlich seinen Sclnv.ui/. in die Höhe, obschon er nicht entfernt so steif gehalten wir m das Thier zornig ist. Wenn ein Pferd zum ersten Male in ein irird, so kann man sehen, wie es mit langen enden Schlitten, den Kopf und den Schwanz hoch in die Höhe gehalten, dahin trabt. Selbst wenn Kill: gnügen umherspringen, werfen sie ihre Schwänze in einer 1. Art in die Höhe. Dasselbe ist auch bei verschiedenen Thieren in den zoologischen Gärten der Fall. Indesz wird in gewissen Fällen die Haltung des Schwanzes durch specielle Umstände bestimmt z. B. ein Pferd in groszer Schnelligkeit zum Galop übergeht, senkt es immer den Schwanz, um der Luft so wenig Widerstand als nur möglich darzubieten.

Wenn ein Hund im Begriff ist, auf seinen Gegner loszuspriugi stöszt er ein wildes Knurren aus, die Ohren werden dicht nach ten gedrückt und die Oberlippe wird den Zähnen aus dem Wege ezogen, besonders über den Eckzähnen (Fig. 14). Dieselben Bewe- gungen sind bei erwachsenen und bei jungen Hunden auch während ihrer Spiele zu beobachten. Wenn aber ein Hund beim Spiele böse wird, so ändert sich sein Ausdruck sofort. Indesz ist dies einfach eine Folge davon, dasz die Lippen und Ohren mit viel gröszerer Energie zurückgezogen werden. Wenn ein Hund einen andern nur anknurrt, so werden die Lippen gewöhnlich nur auf einer Seite, nämlich an der o sich sein Gegner findet, zurückgezogen.

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Die Bewegungen eines Hundes, welcher Zuneigung zu seinem Herrn zu erkennen gibt, sind in unserem zweiten Capitel (Fig. 6 und 8) beschrieben worden. Sie bestehen darin, dasz der Kopf und der ganze Körper sich niedriger stellt und gewundene Bewegungen ausführt, während der Schwanz ausgestreckt und von der einen zur andern Seite gewedelt wird. Die Ohren hangen herab und werden ein wenig nach hinten gezogen, was eine Verlängerung der Augenlider verursacht; dadurch wird das                 sehen des Gesichts verändert.

Die Lippen hängen lose herab und das Haar bleibt glatt. Alle diese Bewegungen oder Geberden sind wie ich glaube dadurch erklärbar,

Fig. 14. Kopf eines fletschend)                                                                 -Mr. Wood.

dasz -io in vollkommenem Gegensatze zu denjenigen stehen, welche naturgemäsz ein bösgewordener Hund unter einem direct ein gesetzten Seelenzustande annimmt. Wenn man seinen Hund anredet en nur bemerkt, so sehen wir die letzte Spur dieser Bewegungen in einem leichten Wedeln des Schwanzes, ohne dasz der Körper irgend eine andere Bewegung machte und ohne dasz selbst die Ohren herab- hiengen. Hunde geben ihre Zuneigung auch dadurch zu erkennen,

sie sich an ihren Herren zu reiben und von ihnen gerieben oder geliebkost zu werden wünschen.

Gratioi.et erklärt die eben angeführten Geberden der Zuneigung

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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108                                    AoBdrucksform*

in der folgenden Art. Der Leser mag beurtheilen, ob ihm die Er- klärung befriedigend erscheine. Wo er von den Thieren im Allgemeinen mit Einschlusz des Hundes spricht, sagt er2: „C'est toujours la partie »la plus sensible de leurs corps, qui recherche les caresses ou les „donne. Lorsque toute la longueur des flaues et du corps est sensible. „l'animal serpente et rampe sous les caresses; et ces ondulations se „propageant le long des muscles analogues des segments jusqu'aux _i-\ii--nii!.-s de la colonne verte'brale, la qneue se ploie et s'agite." Weiterhin bemerkt er, dasz wenn Hunde sich zuneigungsvoll fühlen, sie ihre Ohren herabhängen lassen, um alle Laute abzuschlieszen, so dasz ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Liebkosungen ihrer Ilerre concentrirt werden kann!

Hunde haben noch eine andere und auffallende Weise, ihre Zu- neigung erkennen zu geben, nämlich dadurch, dasz sie die Hände oder das Gesicht ihrer Herren lecken. Sie lecken auch zuweilen andere Hunde und dann immer am Maule. Ich habe auch gesehen, dasz Hunde Katzen leckten, mit denen sie befreundet waren. Diese Ge- wohnheit entstand wahrscheinlich daraus, dasz die Weibchen ir. Jungen, die theuersten Gegenstände ihrer Liebe, um sie zu reinige beleckten. Nach einer kurzen Abwesenheit lecken sie auch oft ihre Jungen ein paar Mal schnell im Vorübergehen, allem Anscheine nach aus Zuneigung. Hierdurch wird die Gewohnheit mit der Err der Liebe assoeiirt worden sein, auf welche Weise diese auch später erregt werden mag. Sie ist jetzt so fest vererbt oder angeboren, dasz sie gleichmäszig auf beide Geschlechter überliefert wird. Eine meiner weiblichen Pintscher warf vor Kurzem Junge, welche s lieh getödtet wurden; und trotzdem die Hündin schon zu allen Zeiten eine sehr zärtliche Creatur war, so war ich doch über die Art und Weise überrascht, in welcher sie nun versuchte, ihre instinetive mütter- liche Liebe dadurch zu befriedigen, dasz sie sie auf mich wandte: und ihre Begierde, meine Hände zu lecken, wuchs zu einer unersätt- en Leidenschaft. Dasselbe Princip erklärt es wahrscheinlich, warum Hunde, wen sie sich zuneigungsvoll fühlen, es gern haben, sich an ihren Herren zu eiben oder von ihnen gerieben oder geklopft zu werden; denn von dem arten ihrer Jungen her ist die Berührung mit einem geliebten de in ihrer Seele fest mit der Erreguug der Liebe assoeiirt worde De la PI                        ' p, 187. 218.

Comolete Work of Charles Dar1

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Cap. 5.                                         llun.l.

Das Gefühl der Zuneigung eines Bandes gegen seinen Herrn ist mit einem starken G                     aterwürfigkeit verbunden,

mit dem der Furcht verwandt ist. Daher senken Hunde nicht blosz ihre Körper und kriechen ein wenig, wenn sie sich ihrem Herrn nähern, sondern werfen sich zuweilen auf den Boden, mit der Bauch- seite nach oben gekehrt. Dies ist eine Bewegung, welche jedem An- zeichen von Widerstand so vollständig als möglich entgegengesetzt ist. Ich besasz früher einen groszen Hund, der sich nicht im geringsten fürchtete, mit andern Hunden zu kämpfen. Aber ein wolfartiger Schäferhund in der Nachbarschaft besasz, trotzdem er nicht so wild und nicht so kraftvoll war wie mein Hund, einen merkwürdigen Ein- tiusz auf ihn. Wenn sich beide auf der Strasze begegneten, so pflegte mein Hund ihm entgegen zu rennen, den Schwanz zum Theil zwischen die Beine genommen und das Haar nicht aufgerichtet, und dann warf er sich auf den Boden, den Bauch nach oben. Durch diese Handlung schien er deutlicher als es durch Worte hätte geschehen können, sagen zu wollen: «Siehe, ich bin dein Sclave!"

Kin vergnüglicher und erregter mit Zuneigung assoeiirter Seelen- zustand wird von manchen Hunden in einer sehr eigenthümlichen "Weise ausgedrückt, nämlich durch Grinsen. Somervhxe hat dies schon vor längerer Zeit bemerkt, wenn er

„Und mit höflichem Grinsen grüszt dich der schwänzelnde Hund „Kauernd, seine sich weit öffnende

„Schmelzen in sanften Liebkosungen und demuthiger Freude."

Die Jagd. Buch 1.

Sir Wai.iki Scott's berühmter schottischer Windhund, Maida, hatte diese Gewohnheit, und sie ist bei Pintschern gewöhnlich. Ich habe sie auch bei einem Spitze und bei einem Schäferhunde gesehen. .Mr. HiviKKK, welcher dieser Ausdrucksweise besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, theilt mir mit, dasz sie selten in einer vollständiger Weise entfaltet wird, aber in einem geringeren Grade ganz gewöhn- lich ist. Während des Actes des Grinsens wird die Oberlippe beim Knurren zurückgezogen, so dasz die Eckzähne sichtbar werden, und auch die Ohren werden zunickgezogen; aber die allgemeine Er- scheinung des Thieres zeigt deutlich, dasz kein Zorn gefühlt wird Sir Ch. Bell bemerkt3, „Hunde bieten bei ihrer Ausdrucksweise

I !. p. 140.

! he Cornr.                              es Darwin Online

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fi.rmen lici Thier

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Vi'

dei

uneigung ein geringes Aufwerfen der Lippen dar und grinsen und schnüffeln während ihrer Sprünge in einer Weise, die dem Lachen „ähnlich ist.* Manche Personen sprechen vom Grinsen, als wäre es ein Lachen. Wenn es aber wirklich ein Lachen wäre, so würden wir eine ähnliche, indessen noch ausgesprochenere Bewegung der Lippen und Ohren sehen, wenn Hunde ihr Freudengebell ertönen lassen: dies ist aber nicht der Fall, obschon ein Freudengebell oft auf ein Grinsen folgt. Auf der anderen Seite thun Hunde, wenn sie mit ihren Ka- meraden oder Herren spielen, beinahe immer so, als wenn sie einander bissen, und dann ziehen sie, wenn auch nicht energisch, ihre Lippen und Ohren zurück. Ich vermuthe daher, dasz bei manchen Hunden igung vorhanden ist, so oft sie ein lebendiges mit Zuneigung erbundenes Vergnügen empfinden, durch Gewohnheit und Association f dieselben Muskeln einzuwirken, als wenn sie im Spiele einand er die Hände ihrer Herren bissen.

Ich habe im zweiten Capitel die Gangart und die äuszere Er- heinung eines Bundes in gemüthlicher Stimmung beschrieben und 11 auffallenden Gegensatz erwähnt, den dasselbe Thier darbietet, wenn es niedergeschlagen und enttäuscht ist, wobei der Kopf, die Ohren, der ganze Körper, der Schwanz und das Manl herabsinken und die Augen matt werden. Bei der Erwartung irgend eines groszen Ver- gnügens hüpfen und springen die Hunde in einer extravaganten Manier umher und bellen vor Freude. Die Neigung, in diesem Seelenzustandi- zu bellen, wird vererbt oder ist Eigenheit der Kasse. Windspiele bellen selten, wogegen die Spitzhunde so unablässig beim An- zu einem Spaziergange mit ihren Herren bellen, dasz sie geradezu störend werden.

Der äuszerste Schmerz wird von Hunden in nahezu derselben

ausgedrückt, wie bei vielen anderen Thieren, nämlich durch

ulen, Winden und Zusammenziehen des ganzen Körpers.

Aufmerksamkeit wird gezeigt durch Erhebung di

aufgerichteten Ohren, wobei die Augen intensiv auf den Gegenstand

Oder die Seite, worauf sich die Beobachtung lenkt, gerichtet werden.

t es ein Laut, dessen Quelle nicht bekannt ist, so wird der Kopf

ufig schräg von einer zur andern Seite in einer äuszerst bezeichnen-

n Art und Weise gewendet, allem Anscheine nach, um mit g

Genauigkeit zu beurtheilen, von welchem Punkte der Laut ausgeht.

Ich habe aber einen Hund gesehen, der über ein neues Geräusch sehr

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überrascht war und seinen Kopf in Folge der Gewohnheit nach der einen Seite hindrehte, obschon er die Quelle des Geräusches deutlii wahrnahm. Wenn die Aufmerksamkeit der Hunde in irgend ein' Weise erregt wird, während sie irgend einen Gegenstand beobach' oder auf irgend einen Laut aufmerken, so heben sie, wie früher merkt wurde, häufig die eine Pfote in die Höhe (Fig. 4, S. 39) halten dieselbe oben, als wenn sie sich langsam und verstohlen an nähern wollten.

Bei extremem Erschrecken wirft sich ein Hund nieder, heult und entleert seine Excretionen; das Haar wird aber, wie ich glaube, nicht aufgerichtet, wenn nicht etwas Zorn dabei empfunden wird. Ich habi einen Hund gesehen, der über eine Musikbande, die auszerhalb Hauses laut spielte, stark erschrocken war, wobei jeder Muskel sc Körpers zitterte, sein Herz so schnell pulsirte, dasz die Schläge kaum gezählt werden konnten und er mit weit geöffnetem Munde nach Athem rang, in derselben Weise, wie es ein erschreckter Mensch thut. Und doch hatte sich dieser Hund nicht angestrengt, er war nur langsam und ruhelos im Zimmer umhergewandert und der Tag war kalt.

Selbst ein sehr unbedeutender Grad von Furcht zeigt sich un- abänderlich dadurch, dasz der Schwanz zwischen die Beine eingezogen wird. Dieses Einziehen des Schwanzes wird immer von einem Zurück- ziehen der Ohren begleitet; diese werden aber nicht dicht an den Kopf angedrückt, wie bei dem Knurren, und werden nicht herab; lassen, wie wenn ein Hund vergnüglich oder zuneigungsvoll gestim ist. Wenn zwei junge Hunde einander beim Spielen jagen der eine, welcher davonläuft, immer seinen Schwanz eingezogen. Das selbe ist auch der Fall, wenn ein Hund in gemüthlicher Stimmun in weiten Kreisen oder in Achterfiguren wie wahnsinnig rings u seinen Herrn herumkariolt. Er handelt dann so, als wenn ein ander Hund ihn jagte. Diese merkwürdige Art zu spielen, welche Jede geläufig sein musz, der nur irgend Hunde mit Aufmerksamkeit beol achtet hat, wird besonders gern dann angeregt, wenn das Thier wenig erschreckt oder zum Fürchten gebracht worden ist, so wenn sein Herr plötzlich im Dunkeln auf ihn zuspringt. In diesem Falle eben sowohl wie wenn zwei junge Hunde im Spiele einander jagen, möchte es fast scheinen, als wenn der eine, welcher davon läuft, sich davor fürchtet, dasz der andere ihn beim Schwänze faszte. So viel ich aber ausfindig machen kann, fangen Hunde einander nur sehr

der lieh

äg

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selten in dieser Weise, Ich trug einen Herrn, h lang Fuchshunde gehalten hatte, und derselbe wandte sieh noch an andere erfahrene Jäger, ob sie je gesehen hätten, dasz diese einen auf diese Weise ergriffen; sie hatten es aber niemals gesehen. int, wenn ein Hund gejagt wird oder wenn er in Gefahr ist, hinten geschlagen zu werden oder dasz irgend etwas auf ihn falle, dasz er in diesen Fällen wünscht, so schnell wie möglich Hintertheil weg zu bringen und das/, dann in Folge der Symp der des Zusammenhangs zwischen den .Muskeln auch der Schwanz cht nach inuen gezogen wird.

Bin ähnlicher Zusammenhang zwischen den Bewegungen des Hintertheils und des Schwai                     der Hyäne zu beobachten.

Mr. Bartlett theilt mir mit, dasz wenn zwei dieser Thiere mit einander dtig sich der « i                                        --es des

andern bewnszt und in Folge dessen ..                     htig sind. Sie v.

recht gut, dasz wenn eins ihrer Beine ergriffen würde, der Kn im Augenblicke in Atome zermalmt werden würde. Sie nähern sich daher einander knieend, wobei ihre                       1 als möglich nach

inuen gewendet sind und der ganze Körper gebogen, so das/, er keinen .ringenden Punkt darbietet. Der Schwanz ist zu der- ben Zeit dicht zwischen die Bi                     in. In dieser Stellung hern sie sich einander von der Seite oder selbst theilweise von hinten. Dies ist ferner auch bei Hirschen der Fall, von denen meiner cies, wenn sie böse sind und kämpfen, ihre Schwänze einziehen. Wenn rd auf der Weide das Hintertheil eines andern im Spiele zu beiszen versucht, oder wenn ein rohe« Barsche einen Esel von hinten schlägt, so wird das Hintertheil und der Schwanz eingezogen, obschon es hier nicht so scheint, als würde dies nur deshalb gelhan, um den Schwanz vor Beschädigung zu schützen. Wir haben auch das um- gekehrte dieser Bewegungen schon gesehen. Denn wenn ein Thier mit hohen elastischen Schritten einhertrabt, so wird beinahe in I ragen, gesagt habe, hält ein Hund, wenn er gejagt wird und davon läuft, seine (.ihren nach hinten gerichtet, aber immer ollen; und dies wird offenbar gethan, um die Fusztritte seines Verfolgers u hören. Aus Gewohnheit werden die Ohren häufig in dieser selben bilang und der Schwanz eingezogen getragen, wenn die Gefahr offen- r vor dem Hunde liegt. Ich habe wiederholt an einer furchtsamen

C:.

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Pintscherhündin i>                     /., wenn sie sieh vor irgend einem vor ih

befindlichen Gegenstande fürchtete, dessen Natur sie vollständig kannte wo sie also nicht nöthig hatte, erst zu recognosciren, sie doch eine lange Zeit ihre Ohren und ihren Schwanz in dieser Stellung hielt, ein wahres Abbild der Traurigkeit. Ungemüthlichkeit oder irgend welche Furcht werden ähnlich ausgedrückt. So gieng ich eines Tages aus dem Hause hinaus, gerade zu derselben Zeit, wo dieser Hund wnszte, dasz sein Mittagsbrod gebracht werden würde. Ich rief ihn nicht, aber er wünschte doch sehr, mich zu begleiten und glen sehnte er sich nach seiner .Mahlzeit; und da stand er da, zuerst nach der einen Richtung, dann nach der andern hinblickend, mit zogenem Schwänze und die Ohren zurückgeschlagen, eine unverkennbare Erscheinung einer verwirrten ungemüthliehen Stimmung darbietend.

Beinahe alle die jetzt beschriebenen ausdrucksvollen Bewegungen, mit Ausnahme des Grinsens vor Freude, sind angeboren oder instinc- tiv, denn sie sind allen Individuen, Jungen wie Alten, und zwar aller [lassen, gemeinsam. Die meisten von ihnen kommen auch in gleicher liehen Eltern, nämlich dem Wolfe wie dem Scha- kale zu. einige von ihnen sogar noch andern Arten derselben Gruppe. Gezähmte Wölfe und Schakale springen, wenn sie von ihren Herren geliebkost weiden, vor Freude umher, wedeln mit ihren Schwänzen, lassen ihre Ohren herab hängen, lecken die Hände ihrer Herren, ducken sich nieder und werfen sich selbst auf den Boden, mit dem Bauche nach oben4. Ich habe einen im Ganzen mehr fuchsähnlichen africanischen Schakal vom Gabun gesehen, der, wenn er geliebkost wurde, seine Ohren herabdrückte. Werden Wölfe und Schakale er- schreckt, so ziehen sie sicherlich ihre Schwänze ein. Und es ist ein gezähmter Schakal beschrieben worden, der um seinen Herrn in Kreisen und Achterfiguren wie ein Hund herumlief mit dem Schwänze zwischen inen.

Es ist angeführt worden5, dasz Füchse, mögen sie auch noci

Schakals

ben, in: Novi Comme                       Petropol. 1""5, Tom. XX. '

Schilderung diese« Thieres an Land and Water, Octobei 1869. Auch Lient, Annesley, E. .V, hat mir ein Einzelnheit                    bakal mitgetheilt. Ich I

im zoologischen Garten vielfache Erkundigungen eingezogen und dieselben auc selbst beobachtet.

8

. .::; Dar

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so zahm sein, niemals irgend eine der eben erwähnten ausdrucksvollen Bewegungen darbieten. Dies ist aber nicht streng genommen richtig. Vor vielen Jahren beobachtete ich im zoologischen Garten (und ich habe auch die Thatsache zu jener Zeit niedergeschrieben), das/ ein sehr zahmer englischer Fuchs, wenn er von seinem Wärter geliebkost wurde, mit seinem Schwänze wedelte, seine Ohren niederdrückte und sich dann auf den Boden niederwarf mit dem Bauche nach oben. Der schwarze Fuchs von Xord-America drückte gleichfalls seine Ohren in einem unbedeutenden Grade nieder. Ich glaube aber, dasz Füchse niemals die Hände ihres Herrn lecken; und man hat mir versichert, dasz, wenn sie in Furcht gerathen, sie niemals ihre Schwänze ein- ziehen. Wenn man die Erklärung, welche ich von dem Ausdrucke der Zuneigung bei Hunden gegeben habe, annimmt, dann möchte fast scheinen, als ob Thiere, welche nie domesticirt worden sind, nä lieh Wölfe, Schakale und selbst Füchse nichtsdestoweniger durch Princip des Gegensatzes gewisse ausdrucksvolle Geberden sich an eignet haben; denn es ist nicht wahrscheinlich, das/, diese in Kali gefangen gehaltenen Thiere dieselben dadurch gelernt hätten, dasz Hunden nachahmten.

Katzen. — Ich habe bereits die Bewegungen einer Ca (Fig. 9, S. 52), wenn sie sich wild fühlt, aber nicht erschreckt i beschrieben. Sie nimmt eine kauernde Stellung an und legentlich ihre Vorderfüsze aus mit ausgestreckten Klauen, fertig z~ Zuschlagen. Der Schwanz ist ausgestreckt und wird gekrümmt oder von einer Seite zur andern geschlagen. Das Haar wird nicht aufge- richtet; wenigstens war es in den wenigen Fällen, die ich beobachtete, nicht der Fall. Die Ohren werden zurückgezogen und die Zähne ge- zeigt. Leises wildes Knurren wird ausgestoszen. Wir können ein- sehen, warum die von einer in der Vorbereitung zum Kampfe mit einer anderen Katze begriffenen oder von einer irgend wie heftig ge- reizten Katze angenommene Stellung so vollständig verschieden ist von der, welche ein Hund annimmt, der einem andern Hunde mit ligen Absichten begegnet; denn die Katze gebraucht ihre Vord und das macht eine kauernde Stellung zwe mäszig oder nothwendig. Sie ist auch viel mehr als ein Hund da gewöhnt,                      11 zu liegen und plötzlich auf ihre Beute e:

zuspringen. Dafür dasz der Schwanz herumgeschlagen oder von

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einen zur anderen Seite gekrümmt wird, läszt sich keine Ursache m: Gewiszheit nachweisen. Diese Gewohnheit ist vielen anderen Thieren gemeinsam, z. 1!. dem Poma, wenn er sich zum Springen bereit hält'; sie kommt aber bei Hunden oder Füchsen nicht vor, wie ich aus Mr. St. John's Beschreibung eines Fuchses schliesze, der im Hinter- halte liegt und einen Hasen fangt, Wir haben bereits gesehen, d&SZ manche Arten von Eidechsen und verschiedene Schlangeu, wenn sie erregt werden, schnell die Spitzen ihres Schwanzes erzittern machen. Es möchte fast scheinen, als wenn im Zustande starker Erregung ei nicht zu controlirende Begierde nach einer Bewegung irgend welch Art existire, welche eine Folge davon ist, das/. Nervenkraft von erregten Sensorium reichlich frei gemacht wird, und dasz, da der Schwanz frei herabhängt und seine Bewegungen die allgemeine Stellung des KOrpers nicht stören, dieser gekrümmt und umhergeschlagen wird. Alle Bewegungen einer Katze im zuneigungsvollen Gemüthszu- stande linden sich in vollkommenem Gegensatze zu den eben beschrie- benen. Jetzt steht sie aufrecht mit leicht gekrümmtem Kücken, den Schwanz senkrecht in die Höhe gehalten und die Uhren aufgerichtet und sie reibt ihre Backen und Seiten an ihrem Herrn oder ihrer Herrin. Die Lust, sich an irgend Etwas zu reiben, ist bei Katzen in diesem Seelenzustande so stark, dasz man oft sehen kann, wie sie sich gegen Stühle oder Tischheine oder Thürpfosten reiben. Diese Art an ;ie Zuneigung auszudrücken, entstand wahrscheinlich ursprün lieh durch Association wie hei dem Hunde daher, das/, die Z\Iut' ihre Jungen pflegt und hätschelt, und vielleicht auch daher, das/, sich die Jungen untereinander lieben und miteinander spielen. Eine andere und sehr verschiedene Geberde, welche für das Gefühl des Vergnügens ausdrucksvoll ist, ist bereits beschrieben worden, nämlich die merk- würdige Art und Weise, in welcher junge und selbst alte Katzen, wenn sie sich vergnüglich fühlen, abwechselnd ihre Vorderfflsze mit auseinander gehaltenen Zehen vorstrecken, als wenn sie ge_ Zitzen ihrer Mutter stoszen und an denselben saugen wollten. Diese aheit ist insofern jener des Reibens an irgend Etwas analog, lide allem Anscheine nach von Handlangen sich herleiten lassen, e während der Saugperiode au                   rden. Warum Katzen

re Zuneigung viel mehr durch Reiben ausdrücken als es Hände thun,

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ihre Zune

Azara, Quadrnpfedes du Paragna;                   I. p. 136.

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Ausdrucksfornien bei Thieren.

Cap. 5.

obschon letztere an der Berührung mit ihrem Herrn ein Entzücken linden, und warum Katzen nur gelegentlich die Hände ihrer Freunde lecken, während Hunde dies immer thun, kann ich nicht angeben. Katzen reinigen sich selbst durch Belecken ihres Pelzes viel regel- mäßiger als es Hunde thun. Andererseits scheinen ihre Zungen viel weniger für diese Arbeit passend zu sein als die längeren und beweg- licheren Zungen der Hunde.

Fig. 15. Katze, vor einem Hunde erschreckend. Nach dum Loben gez. von Mr. Wood.

Werden Katzen erschreckt, so stehen sie in voller Höhe da und krümmen ihren Rücken in einer bekannten lächerlichen Art. Sie spucken, zischen oder knurren. Das Haar am ganzen Körper und be- sonders am Schwänze richtet sich auf. In den von mir beobachteten Fällen wurde der Basaltheil des Schwanzes aufrecht, der Endtheil nach einer Seite gebogen getragen. Aber zuweilen wird der Schwanz (siehe Fig. 15) nur ein wenig erhoben und fast von seiner Basis an nach der einen Seite gebogen. Die Ohren werden zurückgezogen und

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die Zähne exponirt. Wenn zwei junge Kätzchen mit einander spiele: so versucht das eine häufig das andere in dieser Weise zu erschrecken. Nach dem, was wir in früheren Capiteln gesehen haben, sind sämmt- liche der eben erwähnten Einzelnheiten des Ausdrucks \ mit Ausnahme der außerordentlichen Krümmung des Backens, bin zu der Annahme geneigt, dasz in derselben Weise wie viele Yö während sie ihre Federn schütteln, dabei ihre Flügel und ihren Schw; ausbreiten, um sich so grosz als möglieh aussehen zu machen, Katzen in ihrer vollen Grösze aufrecht dastehen, ihren Kücken krüm men, häufig den Basaltheil ihres Schwanzes erheben und ihr Haar emporrichten, um denselben Zweck zu erreichen. Wird der Luchs angegriffen, so sagt man. dasz er seinen Kücken krümme, und Beebm hat ihn in dieser Weise abgebildet. Die Wärter im zoologischen Garten haben aber keine Neigung zur Annahme irgend einer derartigen Stellung bei gröszeren katzenartigen Thieren wie Tiger, Löwen u. s. w. gesehen. Diese haben aber auch wenig Ursache, sich vor irgend eine! anderen Thiere zu fürchten.

Katzen brauchen ihre Stimmen sehr viel als Mittel des drucks; und in verschiedenen Ocmüthserregungen und Begierden stoszen sie mindestens sechs oder sieben verschiedene Laute aus. Das Schnur- ren im befriedigten Zustande, welches sowohl während der Einathmung als während des Ansathmens gemach! wird, ist einer der merkwürdig- sten Laute. Der Puma, Jagd-Leopard und Ocelot schnurren gl falls. Der Tiger aber „stöszt, wenn er sich vergnüglich fühlt, „eigentümlich kurzes Schnüffeln aus, verbunden mit dem Schi „der Augenlider"7. Es wird angegeben, dasz der Löwe, Jaguar und Leopard nicht schnurren.

Pferde. — Wenn Pferde wild werden, ziehen sie ihre Ohren scharf nach hinten, stoszen ihren Kopf vor und entblöszen zum Tlieil ihre Schneidezähne, bereit zum Beiszen. Sind sie dazu geneigt, hinten auszuschlagen, so ziehen sie gewöhnlich in Folge der Gewohnheit auch ihre Ohren zurück und ihre Augen weiden in einer eigenthümlichen Art und Weise nach hinten gewendet6. Sind sie in einei

n. mt-

' Land and Watcr, 1867, p. 657. b. auch Azara über den Puma in dem vorhin angefahrten

8 Sir Ch. Bell, the Anatom) of Expression, 3 edit. p. 123; s. auch p. 126 darüber, dasz Pferde nicht durch, den Mund athmen und über die dazu in Beziehung ternng der Nasenlöcher.

" r. '.'!'                          :                             !                                            ". ."' : '                                                           .,                                                      "

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118                                   Ausdrucksformen bei Thieren.                               üap. ...

liehen Zustande, so z. B. wenn ein beliebtes Futter ihnen in den Stall gebracht wird, so erheben sie und ziehen sie ihren Kopf ein, spitzen ihre Ohren und sehen scharf ihre Freunde an, wobei sie oft wiehern. Ungeduld wird durch Stampfen auf den Boden ausgedrückt.

Die Bewegungen eines Pferdes, wenn es stark erschreckt wi: sind äuszerst ausdrucksvoll. Eines Tages erschrack mein Pferd se über eine Säemaschine, die, von einem dicken Wachstuche bedeckt, auf dem offenen Felde stand. Es erhob seinen Kopf so hoch, dasz der Hals beinahe senkrecht wurde; und dies that es aus Gewohnheit, denn die Maschine lag an einem Abhänge unter ihm und konnte durch das Erheben des Kopfes durchaus nicht mit gröszerer Deutlichkeit gesehen (Verden. Wäre irgend ein Laut von derselben ausgegangen, so hätte er ebensowenig deutlicher gehört werden können. Die Au und Ohren wurden intensiv vorwärts gerichtet und ich konnte dun den Sattel das Schlagen des Serzeus fühlen. Mit rothen erweiter Nasenlöchern schnaubte es heftig und drehte sich rund um. Es 1 auch mit gröszter Eile davongeflogen, hätte ich es nicht daran hindert. Das Erweitern der Nasenlöcher geschieht nicht zum Zwec die Quelle der Gefahr zu wittern. Denn wenn ein Pferd sorgfäl irgend einen Gegenstand beriecht und dabei nicht beunruhigt ist, erweitert es seine Nasenlöcher nicht. Wenn ein Pferd keucht, athmet es in Folge der Anwesenheit einer Klappe in seiner Ken nicht durch das offene Maul, sondern durch die Nasenlöcher, und diese sind in Folge hiervon mit einer groszen Ausdehnungsfähigkeit worden. Diese Ausdehnung der Nasenlöcher ebenso wie das Schnau und das Schlauen des Herzens sind Thätigkeiten, welche einer langen Reihe von Generationen mit der Seelen- Schrecks fest assoeiirt worden sind: denn der Schreck hat gewo: heitsgemäsz das Pferd zur heftigsten Anstrengung, beim eiligs Davonlanfi                     rsache der Gefahr weg, geführt

begabt hnauben

Wiederkäuer. — Rinder und Schafe sind deshalb merkwürdig, il sie in einem so unbedeutenden Grade ihre Gemüthserregungen oder Empfindungen sichtbar werden lassen, mit Ausnahme des , sten Schmerzes. Wenn eine Bulle wüthend wird, so zeigt er sein Wutli nur durch die Art und Weise, in welcher er seinen herab- hängenden Kopf mit erweiterten Nasenlöchern trägt und durch Brüllen. Er stampft auch oft auf den Boden; und dieses Stampfen scheint vo

.

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dem eines ungeduldigen Pferdes sehr verschieden zu sein, denn we: der Boden locker ist, so wirft er Staubwolken auf. Ich glaube, das: Bullen in dieser Weise handeln, wenn sie von Fliegen irritirt werden, zum Zwecke, dieselben fortzutreiben. Die wilderen Schafrassen und die Gemsen stampfen, wenn sie erschreckt werden, den Boden und pfeifen durch ihre Nasen; und dies dient ihren Kameraden als ein Warnungssignal. Wird der Mnschusochse der arktischen Länder an- gegriffen, so stampft er gleichfalls auf den Boden9. Wie diese Be- wegungen des Stampfens entstanden sind, kann ich nicht einmal muthen; denn nach Erkundigungen, die ich zu diesem Zwecke anstell scheint es nicht so, als wenn irgend eines dieser Thiere mit Yorderfüszen kämpfte.

Manche Arten der Hirsehgattung zeigen, wenn sie wild werde viel mehr auszeren Ausdruck als es Rinder, Schafe oder Z denn sie ziehen, wie bereits angeführt worden ist, ihre Ohren zurü knirschen mit ihren Zähnen, richten ihre Haare auf. schreien, stampfen auf den Boden und wetzen ihre Hörner. Eines Tages näherte sich im zoologischen Garten der Hirsch von Form"-,: mir iu einer merkwürdigen Stelluug mit emporgehobener Muffel, so dasz die Hörner auf den Nacken gedrückt wurden. Der Kopf wur dabei etwas schief gehalten. Nach dieser Ausdrucksform war sicher, dasz er böse war. Kr näherte sich langsam und sobald dicht an die Eisenstäbe herankam, senkte er uicht seinen Kopf, um nach mir zu stoszen, sondern bog ihn plötzlich nach innen und schlug seine Hörner mit groszer Kraft gegen das Gitter. .Mr. Babtlett theilt mir mit, dasz einige andere Species von Hirschen dieselbe Stellung lehmen, wenn sie zornig werden.

len, ifen

Affen. — Die verschiedenen Arten und Gattungen der Affe drücken ihre Gefühle auf viele verschiedene Weisen aus, und di Thatsach                     Mit, da sie in einem gewissen Grade sich au>

mit auf die Frage bezieht, ob die sogenannten Menschenrassen verschiedene Species oder Varietäten aufgefaszt werden sollen. Dei wie wir in den folgenden Capiteln sehen werden, drücken die ver schiedenen Rassen des Menschen ihre Gemüthserregungen und Empfin ngen über die ganze Erde mit merkwürdiger Gleichförmigkeit aus.

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T'niercn.

der ausdrucksvollen Handlungen der Affen sind in anderer Weise noch interessant, Dämlich dadurch, dasz sie denen des Menschen äuszerst analog sind. Da ich keine Gelegenheit gehabt habe, irgend

Species der Gruppe unter allen Umständen zu beobachten, so werden meine gelegentlichen Bemerkungen am besten nach den ver- schiedenen Seelenzuständen angeordnet.

Vergnügen, Freude, Zuneigung. — Es ist nicht möglich, wenigstens ohne mehr Erfahrung als ich sie besitze, bei Affen den Ausdruck des Vergnügens oder der Freude von dem der Zuneigung zu unterscheiden. Junge Chimpansen geben eine Art von bellendem Laut von sich, wenn sie sich über die Rückkehr irgend Jemandes freuen, dem sie anhänglich sind. Wenn dieser Laut, den die Wärter ein Lachen nennen, ausgestoszen wird, werden die Lippen vorgestreckt; doch werden sie dies auch im Zustande verschiedener anderer Er- regungen. Nichtsdestoweniger konnte ich doch bemerken, dasz wenn diese Thiere freudig gestimmt waren, die Form der Lippen etwas von der verschieden war, welche sie annahmen, wenn sie sich ärgerten. Wird ein junger (himpanse gekitzelt, — und die Achselhöhlen sind besonders für das Kitzeln empfindlich wie bei unseren Kindern — so wird ein noch entschiedenerer kichernder oder lachender Laut ausge- stoszen, obschon das Lachen zuweilen von keinem Laute begleitet wird. Die Mundwinkel werden dann zurückgezogen, und dies verursacht zu- weilen, dasz die unteren Augenlider leicht runzlig werden. Aber dieses Runzeln, welches für unser eigenes Lachen so characteristisch ist, zeigte sich bei einigen anderen Affen noch deutlicher. Die Zähne im Oberkiefer werden beim Chimpanse nicht exponirt, wenn er seinen lachenden Laut ausstöszt, in welcher Hinsicht er von uns abweicht. Aber die Augen funkeln und werden heller, wie Mr. W. L. Martin 10 bemerkt, der der Ausdrucksweise dieser Thiere besondere Aufmerk samkeit zugewendet hat.

Werden junge Orangs gekitzelt, so grinsen sie gleichfalls machen ein kicherndes Geräusch. Mr. Martin gibt an, dasz ihre Augen glänzend werden. Sobald ihr Lachen aufhört, läszt sich beob- achten, dasz ein Ausdruck über ihr Gesicht geht, welcher, wie Mr. Wi lace gegen mich bemerkt, ein Lächeln genannt werden habe etwas derselben Art beim Chimpanse beobachtet. Dr. Dcche

10 Natural ffistory of Mammalia, Vol. I. 1841, p.

Complete Wort of Charles Darwin Onlii

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— und ich kann keine bessere Autorität citiren — theilt mir dasz er in seinem Hause einen sehr zahmen Allen ein Jahr lang halten hat; wenn er ihm während der Mahlzeiten irgend einen aus- gesuchten delicaten Bissen gab, beobachtete er, dasz die Mundwinkel leicht erhoben wurden. Es liesz sich also ein Ausdruck der Befriedi- gung, der etwas von der Natur eines beginnenden Lächelns hatte und der dem ähnlich war, was oft auf dem Gesichte des Menschen sehen ist, deutlich bei diesem Thiere bemerken.

Freut sich der Cebus Azarae1*, dasz er eine geliebte Person wiedersieht, so bringt er einen eigentümlichen kichernden Laut her- vor. Er drückt auch angenehme Empfindungen dadurch aus, dasz er seine Mundwinkel zurückzieht, ohne                     Laut hervorzubringen,

i] : nennt diese Bewegung Lachen. Man dürfte es aber ange- iner ein Lachein nennen. Die Form des Mundes ist verschieden, wenn entweder Schmerz oder Sehreck ausgedrückt und ein schrillen- des Geschrei ausgestoszen wird. Eine andere Art von Cebus im zoo gischen Harten ,                     *< gibt, wenn er vergnüglicl

ist, oft hintereinander einen schrillen Tun von sich und zieht gleich falls die Mundwinkel nach hinten, allein Anscheine nach in Folge der Zusammenziehung derselben .Muskeln wie bei uns. Dasselbe thut der Berberall'e (Innus ecaudatus) in einem auszerordentlichen Grade: ich habe bei diesem Allen beobachtet, dasz die Haut des unteren Augen- lides sich dann runzi                      Iben Zeil bewegte er seinen Unter- kiefer oder die Unterlippe schnell in einer krampfhaften Art, wobei die Zähne eiponirt wurden. Aber der dabei hervorgebrachte Lai war kaum deutlicher als der, den wir zuweilen unterdrücktes Lach nennen. Zwei von den Wärtern bestätigten, dasz dieser unbedeuten Laut das Lachen des Thieres sei. Als ich aber meinen Zweifel hier- über ausdrückte (ich hatte zu der Zeit noch gar keine Erfahrung). lieszen sie den Affen einen ihm verhaszten Entellus, der in derselben Abtheilung mit ihm lebte, angreifen oder erschrecken. In dem Augen- blicke veränderte sich der ganze Ausdruck des Gesichts des hm. Der Mund wurde viel weiter geöffnet, die Eckzähne wurden v( ständig sichtbar gemacht und ein heiserer bellender Laut wurde a gestoszen.

11 Rengger ( ihrem Heimathlande Paraguay sieben Jahre lang in Gefangenschaft.

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Der Anubis-Pavian ''                     anubis) wurde zun;:.

seinem Wärter gereizt und in wüthenden Zorn gebracht, wie es leicht geschehen kann, worauf der Wärter wieder gut Freund mit ihm wurde

h dem Leb«

und ihm die Hand schüttelte. Sobald die Versöhnung vollzogen bewegte der Pavian seine Kinnladen und Lippen schnell auf und nieder

und sah befriedigt aus. Wenn wir herzlieh lachen, so 15 ähnliche Bewegung oder ein Zittern mehr oder weniger deutlich unseren Kinnladen beobachten; aber beim Menschen werden besonder

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die Muskeln des Brustkastens beeinfluszt, während bei diesem

und bei einigen anderen Affen es die Muskeln der Kinnladen un

Lippen sind, welche krampfhaft afficirt werden.

Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, die merkwürdige Art und Weise zu erwähnen, in welcher zwei oder drei Species von Macacus und der Cynopithecus niger ihre Ohren zurückziehen und einen leisen schnatternden Laut ausstoszen, wenn sie sich über Liebkosungen freuen. Bei dem Cynopithecus (Fig. 17) werden zu derselben Zeit die Mund- winkel nach rückwärts und aufwärts gezogen, so dasz die Zahn bar werden. Es würde daher dieser Ausdruck von einem Fremden niemals als einer des Vergnügens erkannt werden. Der Kamm langer Haan' auf dem Vorderkopfe wird niedergeschlagen und dem Anscheine nach die ganze Kopfhaut zurückgezogen. Hierdurch werden die Augen- brauen ein wenig emporgehoben und die Augen nehmen einen starren Ausdruck an; auch die unteren Augenlider werden leicht gerunzelt; aber dieses Bunzeln ist wegen der beständigen Querfurchen auf d Gesichte nicht auffallend.

Schmerzhafte Erregungen und Empfindungen. — Bei Affen wird der Ausdruck geringen Schmerzes oder irgend einer schmerz- haften Gemüthserregung, wie Kummer, Arger, Eifersucht u. s. w. nicht leicht von dem eines maszigen Zornes unterschieden, und diese - zustände gehen leicht und schnell in einander ober, [ndesz wird bei einigen Arten Kummer ganz sicher durch Weinen ausgedrückt. Eine Frau, welche einen Allen, der der Annahme nach von Borneo ge- kommen war (Macacus maurus oder .1/. inornatm Gray), an die zoologi-                    taft verkaufte, erzahlte, er habe oft geweint. Auch

Mr. Hai,in n hat ebenso wie der Wärter, Mr. g                    ederholt

gesehen, dasz er, wenn er sich härmte oder selbst wenn er sehr bemitleidet wurde, so reichlich weinte, das/, ihm die Thräuen die Backen herabliefeu. Bei diesem Falle liegt indessen doch etwas Fremd- artiges vor. Denn zwei spater im zoologischen Garten gehaltene Exemplare, welche der Annahme nach zu derselben Species gehört hat man niemals weinen sehen, obschon sie von dem Wärter und v mir selbst sorgfältig beobachtet wurden, wenn sie sehr in Noth waren und laut schrieen. Rekgger gibt an12, dasz sich die Augen des mit Timmen füllten, aber doch nicht so stark, dasz sie

12 Eengger, a. a. 0. S. 16. Humboldt,

Narrative, Vol. IV. p. 52

CömDlete                             Darwin Onlii

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124                              Ansdrucksfonnen bei Thieren.

liefen, und zwar, wenn er daran gehindert wurde, irgend einen sehr ersehnten Gegenstand zu erlangen oder wenn er stark erschreckt wurde. Auch A. v. Humboldt gibt an, dasz sich die Augen des Callithri                  „augenblicklich mit Thränen füllen, wenn er von

„Furcht ergriffen wird". Als aber dieser kleine hübsche Affe im zoologischen Garten so lange geplagt wurde, bis er laut aufschrie, so trat dies doch nicht ein. Ich wünsche indesz nicht, auch .nur den allergeringsten Zweifel an der Genauigkeit der Angabe Hi.mboldt's zu erregen.

Die Erscheinung der Niedergeschlagenheit bei jungen Orangs und Chimpansen, wenn sie krank sind, ist so deutlich und beinahe so er- greifend wie bei unseren Kindern. Dieser Zustand des Geistes und des Körpers zeigt sich in den verdrossenen Bewegungen, dem abge- spannten Ausdrucke, den matten Augen und der veränderten Ge- sichtsfarbe.

Zorn. — Diese Gemüthserregung wird von vielen Arten von Affen häufig dargeboten und, wie Mr. Martin bemerkt13, auf viele verschiedene Arten ausgedrückt. „Viele Arten strecken, wenn sie ge- reizt werden, ihre Lippen vor, starren mit einem tixirten und wilden „Blicke auf ihren Feind und nehmen wiederholt kurze Anläufe, als ,. wenn sie im Begriffe wären, vorwärts zn springen, während sie zu „derselben Zeit innerliche gutturale Laute hervorbringen. Viele zeigen „ihren Zorn dadurch, dasz sie plötzlich vorwärts kommen, plötzliche „Anläufe nehmen und zu derselben Zeit den ilund offnen und die .Lippen zusammenziehen, so dasz die Zähne verborgen werden, wäh- lend die Augen keck auf den Feind fixirt weiden wie in wilder „Herausforderung. Wieder andere und vorzüglich die langschwänzigen „Affen, Guenons, zeigen ihre Zähne und begleiten ihr malitiöses Grin- „sen mit einem scharfen abrupten, wiederholten Geschrei." ~S\r. Sn un- bestätigt die Angabe, dasz einige Arten ihre Zähne entblöszen, wenn sie wüthend werden, während andere dieselben durch Vorstrecken ihrer Lippen bedecken; einige Arten ziehen ihre Ohren zurück. Der vor Kurzem angeführte Cynopithecus niger handelt in dieser Art, drückt zu derselben Zeit den Haarkamm auf seinem Vorderkopfe nieder und zeigt seine Zähne, so dasz die Bewegungen der Gesichtszüge im Zorne nahezu dieselben sind wie diejenigen in der Freude, und es

13 Natural History of Mammalia

COITioI

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die beiden Ausdrucksweisen nur von Denjenigen unterschieden werd welche mit dem Thiere vertraut sind.

Paviane zeigen ihre Leidenschaft und drohen ihrem Feinde häufig in einer sehr merkwürdigen Weise, nämlich dadurch, dasz sie ihren Mund weit öffnen wie im Acte des Gähnens. Mr. BARTLETl hat es oft gesehen, wie zwei Paviane, wenn sie in denselben Käfig gethan wurden, zuerst einander gegenüber sitzen und nun abwechselnd ihren Mund öffnen. Und diese Bewegung scheint häufig in einem wirklichen Gähnen ihr Ende zu nehmen. Mr. Bartlett glaubt, dasz beide Thiere einander zu zeigen wünschen, dasz sie mit einem furchtbaren Gebisse versehen sind, wie dies unzweifelhaft der Fall ist. Da ich die That- sache dieser gähnenden Geberde kaum für richtig hielt, reizte Mr. Bart- i.ktt den alten Pavian und brachte ihn zur heftigen Leidenschaft; fast unmittelbar darauf begann er diese Bewegung. Einige Species von Maca<nt8 und Gy\                    "'nehmen sich in derselben Art und

Paviane zeigen auch ihren Zorn, wie Brehm an denen beob- achtet hat, die er in Abyssinieii lebendig hielt, noch in einer anderen nämlich dadurch, dasz sie den Boden mit der einen Hand schlagen „wie ein zorniger Mensch, der mit der Faust auf den Tisch „schlägt". Ich habe diese Bewegung bei den Pavianen im zoologischen Garten gesehen. Aber zuweilen scheint diese Handlung eher aus- drücken zu sollen, dasz sie einen Stein oder einen anderen Gegenstand

(ihrem Strohlager suchen. Mr. Sctton hat oft beobachtet, wie das Gesicht des i esus roth wurde, wenn er in Wuth gerieth. Als er dies gegen mich erwähnte, griff ein anderer Affe einen Rhesus an, und nun sah ich, dasz sich sein Gesicht so deutlich wie bei einem Menschen in einer heftigen Leidenschaft röthete. Im Laufe einiger Minuten, nach- dem der Kampf vorüber war, erhielt das Gesicht dieses Affen seine natürliche Farbe wieder. In derselben Zeit, als das Gesicht sich röthete, schien der nackte hintere Theil des Körpers, welcher immer roth ist, noch rother zu werden. Doch kann ich nicht positiv behaupten, das/, dies der Fall war. Wenn der Mandrill iu irgend einer Weise gereizt wird, so wird angegeben, dasz die brillant gefärbten nackten Theile der Haut noch lebhafter gefärbt werden.

Bei mehreren Arten der Paviane springt die Leiste der Stirn be-

'* B rehm, Thierleben, Ed. 1. 2. Aufl. S. 153. Über Paviane, welche den Boden schlagen, s. S. 61.

.....'.                                                                               ...                                .., v ' „! :

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Cap. 5.

deutend über die Augen hervor und ist mit einigen wenigen langen Haaren besetzt, die unseren Augenbrauen entsprechen. Diese Thiere blicken beständig rund um sich her, und um nach oben sehen zu können, erheben sie ihre Augenbrauen. Es möchte fast scheinen, als hätten sie hierdurch die Gewohnheit erlangt, häufig ihre Augenbrauen zu bewegen. Wie sich dies auch verhalten möge: viele Arten von Affen, besonders die Paviane bewegen, wenn sie zornig oder in irgend einer Weise gereizt werden, ihre Augenbrauen schnell und unaufhör- lich auf und nieder, ebenso wie die behaarte Haut des Vorderkopfes15. Da wir beim Menschen das Erheben und Senken der Augenbrauen mit bestimmten Zuständen der Seele assoeiiren, so gibt die beinahe unablässige Bewegung der Augenbrauen bei Affen denselben einen sinnlosen Ausdruck. Ich habe einmal einen Mann beobachtet, der die Gewohnheit hatte, fortwährend seine Augenbrauen ohne irgend welche entsprechende Seelenerregung zu erheben; und dies gab ihm ein albernes Aussehen. Dasselbe gilt für einige Personen, welche ihre Mundwinkel ein wenig zurück- und aufwärts gezogen haben, wie bei einem beginnenden Lächeln, trotzdem sie zu der Zeit weder amü noch vergnüglich gestimmt sind.

Ein junger weiblicher Orang, der von seinem Wärter dadu eifersüchtig gemacht wurde, das/, dieser einem anderen Affen Aufmerk samkeit zuwendete, liesz leicht seine Zähne sehen, stiesz ein mürrisch Geräusch ungefähr wie „tisch-schist" aus und drehte ihm den Küc zu. Sowohl Orangs als Chim pausen strecken, wenn sie etwas m geärgert werden, ihre Lippen bedeutend vor und bringen ein sei bellendes Geräusch hervor. F.in junger weiblicher Chimpanse bot in einer heftigen Leidenschaft eine merkwürdige Ähnlichkeit mit einem Kinde in demselben Zustande dar. Er schrie laut mit weit geöffnetem Munde, wobei die Lippen zurückgezogen waren, so dasz die Zähne vollständig exponirt waren. Er warf die Arme wild um sich herum, sie zuweilen über dem Kopfe zusammenschlagend. Er rollte sich auf dem Boden hin, zuweilen auf dem Rücken, zuweilen auf dem Bauche, und bisz nach jedem Dinge, was er erreichen konnte. Man hat einen jungen Gibbon                                                       IC, der sich in leiden-

schaftlicher Erregung fast genau in derselben Art benahm.

15 Brehm bemerkt (Thierleben, a. a. 0. 2. Aufl. S. II! .

iennel t. Wanderinj

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Cap. 5.

Die Lippen junger Orangs und Chimpansen werden unter vei schiedenen Umständen zuweilen in wunderbarem Grade vorgestreckt, Sie thun dies nicht blosz, wenn sie leicht geärgert, mürrisch und enttäuscht sind, sondern auch, wenn sie sich über irgend Etwas be- unruhigen — in einem Falle bei dem Anblicke einer Schildkröte " und gleichfalls, wenn sie vergnügt werden. Es ist aber weder di Grad des Vorstreckens noch die Form des Mundes, wie ich glaub in allen Fällen genau dieselbe; auch sind die Laute, welche dai ausgestoszen werden, verschieden. Die beistehende Zeichnung (Fig. 1

ver-

Fig. 18. Chil

stellt einen Chimpansen dar, der dadurch mürrisch gemacht worden war, dasz man ihm eine Orange angeboten und dann weggenommen hatte. Ein ähnliches Vorstrecken oder Hängenlassen des Mundes, wenn auch in einem viel unbedeutenderen Grade, kann man bei mürri- schen Kindern sehen.

Vor vielen Jahren stellte ich im zoologischen Garten einen Spie- gel auf die Erde vor zwei jungen Orangs hin, welche, soweit es be- kannt war, niemals vorher einen solchen gesehen hatten. Xu.ist

C. Martin. Natu]                                                     H, p. M)5,

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drüi fühl

rrten sie ihr eigenes Bild mit der stetesten Überraschung an änderten oft ihren Standpunkt. Dann näherten sie sich dicht dem Bilde und streckten ihre Lippen nach ihm hin als wenn sie es küssen wollten, in genau derselben Weise, wie sie es gegeneinander gethan hatten, als sie einige Tage vorher in ein und dasselbe Zimmer ge- bracht worden waren. Dann machten sie alle möglichen Grimassen und stellten sich in verschiedenen Stellungen vor dem Spiegel auf, drückten und rieben die Oberfläche, hielten ihre Hände in verschie- er Entfernung hinter denselben, sahen hinter ihn und schienen dlich beinahe erschreckt zu sein, fuhren etwas zurück, wurden un- lig und verweigerten nun länger hineinzusehen. Wenn wir versuchen, irgend eine unbedeutende Handlung auszu- hren, welche schwierig ist und Präcision erfordert, z. B. wenn wir eine Xadel einfädeln wollen, so schlieszen wir allgemein unsere Li fest, wie ich vermuthe zum Zwecke, unsere Bewegungen nicht durch Athmen zu stören. Und ich bemerkte dieselbe Bewegung bei einem jungen Orang. Das arme kleine Geschöpf war krank und amüsirte sich damit, zu versuchen, die Fliegen an den Fensterscheiben mit seinen Knöcheln zu tödten. Dies war schwierig, da die Fliegen umher- summten; und bei jedem Versuche wurden die Li;.;                    alossen

und in derselben Zeit ein wenig vorgestreckt.

Obschon der Gesichtsausdruck und noch specieller die Geberden von Orangs und Chimpansen in mancher Hinsicht in hohem Grade ausdrucksvoll sind, so zweifle ich doch, ob sie im Ganzen eben so ausdrucksvoll sind wie diejenigen einiger anderen Arten von Affen. Dies mag zum Theil dem Umstände zugeschrieben werden, dasz ihre < ihren unbeweglich sind, zum Theil der Nacktheit ihrer Augenbrauen, deren Bewegungen hierdurch weniger auffallend werden. Indessen wird, wenn sie ihre Augenbrauen erheben, ihre Stirn wie bei uns quer gefurcht. Im Vergleich mit dem Menschen sind ihre Gesichter ausdruckslos, hauptsächlich in Folge des Umstandes, dasz sie die Stirn bei keiner Seelenerregung runzeln, d. h. soweit ich im Stande gewesen bin, es zu beobachten, und ich habe dem Punkte sorgfältige Aufmerk- samkeit zugewendet. Das Stirnrunzeln, welches eine der bedeutungs- vollsten aller Ausdrucksformen bei dem Menschen ist, ist eine Folge der Zusammenziehung der Corrugatoren, durch welche die Augenbrauen herabgezogen und einander genähert werden, so dasz sich auf der

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Stirn senkrechte Falten bilden. Man gibt freilich an1". Orang und Chimpanse diesen Maske] besitzen; er scheint aber nur selten in Thätigkelt versetzt zn werden, wenigstens in einer deutlichen Weise. leb hielt meine Hände zur Bildung einer Art Gitter zusammen, brachte einige verlockende Früchte hinein und liesz nun einen Orang und einen Chimpansen ihr Auszerstes versuchen, sie zubekommen. Obgleich sie aber ziemlich unwillig wurden, zeigte sii; auch nicht eine Spur von Stirnrnnzeln. Auch trat kein Stirnrunzel ein, als sie wüthend wurden. Zweimal nahm ich zwei Chimpansen aus ihrem im Ganzen dunkeln Zimmer plötzlich heraus in hellen Sonnenschein, welches uns mit Sicherheit die Stirn zu runzeln veran- lasst hätte. Sie blinkten und winkten mit ihren Augen, aber nur einmal sah ich ein sehr unbedeutendes Stirnrunzeln. Bei einer anderen Gelegenheit kitzelte ich die Nase eines Chimpansen mit einem halme, und als das Gesicht leicht runzelig wurde, erschienen unbedeutende senkrechte Furchen zwischen den Augenbrauen, tc habe aber niemals ein Stirnrnnzeln bei einem Orang gesehen.

Geräth der Gorilla in Wuth, so wird beschrieben, dasz er Haarkamm aufrichte, seine Unterlippe herabhängi                       Nasen-

löcher erweitere und furchtbare Töne aus: Wvm.w geben an", dasz die Kopfhaut frei rück- und vorwärts wegt werden kann und dasz sie, wenn das Thier gereizt ist, star zusammengezogen wird. Ich vermuthe aber, das/, sie mit diesem letz- teren Ausdrucke meinen, dasz die Kopfhaut herabgezogen wird. Denn sie sagen gleichfalls vom jungen Chimpansen, das/, er, wenn er a schreit, „die Augenbrauen stark zusammengezogen habe". Die deutende Fähigkeit zur Bewegung der Kopfhaut beim Gorilla, viele Pavianen und anderen Affen verdient in Bezug auf den I'i:. einige wenige Menschen dieselbe Fähigkeit besitzen. Bei Fähigkeit, willkürlich die Kopfhaut zu bewegen, ist entweder in Fol«: vmi Rückschlag eingetreten oder beibehalten worden20.

v m, Bbei den Orang, b. Proc.....I. Zoolog. Boc 181

Cbimpai                      i lister in: Ann. and Magaz. of Natur. II

an, dasz der Corrngator snpercilii von de palpebrarnm nicht zn bem

17, p.423 Dbei ebenda, Vol. IV. 1843 lt. p. 365.

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usilnifk-f>nih:ii bei Tliicr

pin 11 kröt

seh

II

Erstaunen, Schreck. — Eine leben;                      rscüildkrö

wurde auf meine Bitte in einen und denselben Behälter mit vielen Affen im zoologischen Garten gestellt. Sie zeigten grenzenlos* staunen, einige auch Furcht. Dies zeigte sich dadurch, dasz sie be- wegungslos und mit weit geöffneten Augen starr herabblickend da- saszen und ihre Augenbrauen oft auf und nieder bewegten. Das Ge- siebt schien etwas verlängert zu sein. Sie erhoben sich etwas auf ihren Hinterbeinen, um einen noch besseren Blick zu gewinnen; auch zogen sie sich häufig wenige Fusz zurück und wendeten dann ihren Kopf über die eine Schulter, wieder starr herunterblickend. Es war merkwürdig zu beobachten, wie viel weniger sie sich vor der Schild- kröte fürchteten als vor der lebendigen Schlange, welche ich früher mal in ihren Behälter gethan hatte21; denn im Laufe weniger uten wagten einige der Affen sich in die Nähe, um die Schild- zu berühren. Auf der anderen Seite waren einige der gröszeren Paviane bedeutend erschreckt und grinsten, alsjwären sie im Begriff, laut aufzuschreien. Als ich eine kleine angezogene Puppe dem Cynopi- niger zeigte, stand er bewegungslos da, starrte intensiv mit weit geöffneten Augen darauf hin und bewegte seine (ihren ein wenig vorwärts. Als aber die Schildkröte in seinen Käfig gebracht wurde, bewegte auch dieser Affe seine Lippen in einer merkwürdigen schnell schnatternden Weise, von welcher der Wärter meinte, es solle die hildkröte versöhnen und ihr gefallen. Ich bin niemals im Stande gewesen, deutlich wahrzunehme die Augenbrauen erstaunter Affen permanent in die Höhe erhoben halten werden, obschon sie häufig auf und nieder bewegt wurden. Aufmerksamkeit, welche dem Erstaunen vorausgeht, wird vom Menschen durch ein leichtes Erheben der Augenbrauen ausgedrückt. Dr. Di i i heilt mir mit, dasz, wenn er dem früher erwähnten Allen einige voll- ändig neue Eszwaaren gab, er                     brauen ein wenig in die

öhe hob und hierdurch das Ansehen gröszerer Aufmerksamkeit er- hielt. Dann nahm er die Speise in seine Finger und kratzte, beroch und untersuchte sie mit herabgesenkten oder geradlinigen Augenbrauen, wodurch sich ein Ausdruck der Überlegung darstellte. Zuweilen warf er seinen Kopf ein wenig zurück, untersuchte dann mit plötz-

AbstammuDg des I

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lieh emporgehobenen Augenbrauen nochmals und kostete endlieh di Nahrung.

In keinem einzigen Falle hielt irgend ein Affe seinen Mond, während er erstaunt war, offen. Mr. Sutton beobachtete meine! einen jungen Orang und einen Chimpansen während einer beträchl lieh laugen Zeit, und so viel sie auch erstaunt sein mochten od wenn sie mit noch so intensiver Aufmerksamkeit auf irgend eine: fremdartigen Laut hörten: so hielten sie doch ihren Mund nichl Diese Thatsache ist überraschend, da beim Menschen kaum irgend ein Ausdruck allgemeiner ist als ein weit geöffneter Mund im Gefühle des Erstaunens. So viel ich im Stande gewesen biu, zu beobachten, athmen Affen stärker durch ihre Nasenlöcher als es die Mei thun; und dies dürfte es erklären, dasz sie, wenn sie erstaunt sind, ihren Mund nicht öffnen. Denn wie wir in einem späteren Capitel seilen werden, thut der Mensch dies, wenn er erstaunt ist, augenschein- lich zuerst zum Zwecke, schnell eine volle Inspiration zu erhalten und später, um so ruhig als möglich zu athmen.

Schreck wird von vielen Arten von Allen durch daa & schriller Schreie ausgedrückt. Die Lippen werden zurückgezogen, so dasz die Zähne exponirt sind. Das Haar wird aufgerichtet, besonders gleichzeitig etwas Zorn gefühlt wird. Mr. Sütton hat das Ge- sicht des Macacus rhesus ans Furcht deutlich erbleichen sehen. Allen zittern auch aus Furcht und zuweilen entleeren sie ihre Excrete. Ich habe einen Affen gesehen, der, als er gefangen wurde, beinahe im Jbermasze des Schrecks in Ohnmacht fiel.

Es ist nun iu Bezug auf die Ausdrucksweise verschiedener Thiere eine hinreichende Zahl von Ihatsachen mitgetheilt worden. Unmög- lich kann man mit Sir Cn. Bell übereinstimmen, wenn er sagt22, dasz „die Gesichter der Thiere hauptsächlich fähig zu - „Wuth uud Furcht auszudrücken", und ferner, wenn er sagt, das/ alle ihre Ausdrucksweisen „mehr oder weniger deutlich entweder auf „ihre "Willensacte oder ihre uothwendigen instinetiven Handlungi „zogen werden können". Wer einen Hund beobachtet, der sich vor- '. einen anderen Hund oder einen Menschen anzugreifen, und

en

Anatom;

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182                                   Ans.lrucksformen bei Thieren.                               Cap. 5'

dann dasselbe Thier, wenn es seinen Herrn liebkost, oder wer den Gesichtsausdruck eines Affen betrachtet, wenn er beleidigt, und dann, wenn er von seinem Herrn gehätschelt wird, wird zur Annahme ge- neigt sein, dasz die Bewegungen ihrer Gesichtszüge und ihrer Ge- berden beinahe so ausdrucksvoll sind wie die des Menschen. Obgleich von einigen der Ausdrucksformen bei niederen Thieren keine Erklärung gegeben werden kann, so ist doch die gröszere Zahl derselben in i'ber- einatimmnng mit den drei im Anfange des ersten Capitels angeführten Principien erklärbar.

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welchem das Weinen beginnt. — Die Wirkung gewohnheitsgemäszen Cnter-

iinen8. — Schlachten. — I                         .mimenziehung der

Muskeln rings um Jas Auge während des Schreiens. — Ursache der Thränen-

In diesem und den folgenden Capiteln sollen die vom Menschen -chiedenen Seelenzuständen dargebotenen Ausdrucksweisen be- schrieben und erklärt werden, soweit es in meiner Macht liegt. Meine Beobachtungen sind in der Ordnung zusammengestellt, welche ich als die zweckmäszigste befunden habe; diese wird allgemein zu entgegen- Bn Erregungen und Empfindungen führen, die aufeinander folgen. Leiden des Körpers und der Seele: Weinen. — Ich habe bereits mit hinreichenden Einzelnheiten im dritten Capitel die Zeichen -ten Schmerzes beschrieben, wie sie sich durch Schreien und d, durch ein Winden des ganzen Körpers und durch das Zu- sammenschlagen oder Knirschen der Zähne darstellen. Diese Zeichen werden häufig von profusem Schwitzen, Erblassen, Zittern, äuszerstem Abgespanntsein oder Ohnmacht begleitet, oder diese Zustände folgen jenen. Kein Leiden ist gröszer als das in Folge äuszerster Furcht oder höchsten Entsetzens; hier kommt aber eine besondere Erregung noch in's Spiel, die später an anderem Orte betrachtet werden wird, andauerndes Leiden besonders des Geistes geht in trübe Stim- mung, Kummer, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung über, und dieser Zustand wird den Gegenstand des folgenden Capitels bilden. Hier werde ich mich beinahe ganz auf das Weinen oder Schreien be- sonders bei Kindern beschränken.

Comolete Work of Charles Dar

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Wenn kleine Kinder selbst geringen Schmerz erdulden, mäszigen Hunger oder Kummer leiden, so werden heftige und anhaltende ausgestoszen. Während sie in dieser Weise schreien, werden die Anyen fest geschlossen, so dasz die Haut rings um sie gefaltet und die Stirn zu einem Runzeln zusammengezogen ist. Der Mund ist weit geöffnet und die Lippen sind in einer eigentümlichen Art und Weise zurückgezogen, was dem Munde eine viereckige Form gibt. Das Zahnfleisch oder die Zähne sind dabei mehr oder weniger exponirt. Der Athem wird beinahe krampfhaft eingezogen. Es ist leicht, kleine Kinder während des Schreiens zu beobachten. Ich habe aber Photo- :. welche durch Jen Procesz des augenblicklichen Lichtbildens gemacht wurden, als das beste Mittel zur Beobachtung erkann sie eingehendere Untersuchung gestatten. Ich habe zwölf davon ge- sammelt, von denen die meisten ausdrücklich für mich angel wurden. Sie bieten al                    allgemeinen characteristischen Mo-

mente dar. Sechs von ihnen habe ich daher1 (Tafel I.) durch Procesz der Heliotypie reproduciren lassen.

Das feste Schlieszen der Augenlider und die in Folge davon ein- tretende Compression des Augapfels — und dies ist ein aus/erst be- deutungsvolles Moment bei verschiedenen Ausdrucksformen — dienen dazu, die Augen davor zu schützen, das/, sie zu sehr mit Blut über- füllt werden, wie sofort im Detail erklärt werden soll. In Bezug auf die Reihenfolge, in welcher sich die verschiedenen Muskeln zusammen- um die Augen fest zusammenzudrücken, bin ich dem Dr. Lam;- aff von Southampton für einige Beobachtungen, die ich seit der it wiederholt habe, zu Danke verpflichtet. Die beste Art. diese rdnung zu beobachten, ist: eine Person zuerst ihre Augenbrauen erheben (dies erzeugt Furchen quer über die ganze Stirn) und dann allmählich alle die .Muskeln rund um das Auge mit so viel Kraft als nur möglich zusammenziehen zu lassen. Der Leser, welcher mit der Anatomie des Gesichts nicht bekannt ist, sollte sich hier Seite 22 d 23 mit den Holzschnitten 1—3 ansehen. Die Augenbrauenrunzler. orrugatores supercilii, scheinen die ersten Muskeln zu sein, welche sich zusammenziehen; sie ziehen die Augenbrauen nach unten und

Die besten Photographien in meiner Sammlung sind die von Mr. Eejlan- Victoria Street, London, und von Herrn Kindermann in Hamburg. Die aren 1, S, 4 u. 6 sind von dem ersteren, Fig. 2 n. 5 von dem letzteren. Fig. 6 gegeben worden, um das mäszige Weinen bei einem alteren Kinde zu zeigen.

CorriDlet«                              üarwin Onlii

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innen der Basis der Xase zu und verursachen senkrechte Furch d. h. also ein Stirnrunzeln, welches zwischen den Augenbrauen er- scheint; zu derselben Zeit verursachen                     chwinden der über fegziehenden Querfurchen. Die keisförmigen Muskeln h beinahe gleichzeitig mit den Augenbrauenrunzlern zusam- men und rufen Furchen ganz rings um das Auge hervor. Sie scheinen

iner Zusammenziehung mit gröszerer Kraft fahij sobald die Zusammenziehung der Augenbrauenrunzler ihnen einen ge- wissen Stützpunkt gegeben hat. Zuletzt ziehen sich die Pyramiden- mnskeln der Nase zusammen; diese ziehen die Augenbrauen und die Haut der Stinie noch tiefer herab und erzeugen ku über der Basis der Nase2. Der Kürze wegen werden diese .Muskeln allgemein als die Kreismuskeln oder als diejenigen, welche das Auge umgeben, erwähnt «erden.

Wenn diese Muskeln stark zusammengezogen werden, so ziehen sich auch diejenigen, welche nach der Oberlippe hinlaufen3, zusamml und erheben die Oberlippe. Dies hätte sich wegen der Art und Wei in (reicher wenigstens einer derselben, der Malaris, mit den kre Muskeln in Zusammenhang steht, erwarten lassen. Ein Jed' welcher allmählich die Muskeln rings um seine Augen zusammenziehe: will, wird in dem Masze, wie er die Kraft verstärkt, fühlen, dasz seine Oberlippe und seine Nasenflügel (welche zum Theil von einem der nämlichen .Muskeln beeinfluszt werden) beinahe immer ein wenig in die Höhe gezogen werden. Wenn er seinen Mund fest sehlieszt, während er die Muskeln rings um das Auge zusammenzieht, und dann plötz- lich seine Lippen erschlafft, so wird er fühlen, dasz der Druck auf sich sofort verstärkt. Wenn ferner eine Person an einem

AiKit. Bd. 1. 1858. S. 139) stimmt mit Duchenne darüber überein, dasz dies die Wirkung der Zusammenziehnng dea l'yramidalia nai

llien ans dem Levator labii snperioris alaeqne naai, dem Levator labii propriua, ilem Molaris, und dem Zygomati- cna minor oder kleinen Jochbeinmnskel. Dieser letztere Mnskel liegt parallel mit dem groszen Jochbeinmuskel und oberhalb desselben und heftet sich an den änszeren Theil der Oberlippe. Er ist in Fig. 2 (S. 22). aber nicht in Fig. 1 und 3 dargestellt, Dr. Duchenne wies zuersl                                        n. Ilum.. Album,

1862, p. 8                       mg der Zu-ammenziehung dieses Muskels in Bezug auf die

ireien angenommene Form des Gesichts nach. Henle betrachtet die eben ten Muskeln (mit Ausnahme des Malaris) als Unterabtheilungen des dratus labii snperioris.

1011 ien

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len blendenden Tage auf einen entfernten Gegenstand hinzusehen nscht, aber gezwungen ist, theilweise die Augenlider zu schlieszen, wird beinahe immer zu beobachten sein, dasz die Oberlip] rhoben wird. Der Mund mancher sehr kurzsichtigen Personen, welche beständig gezwungen sind, die Öffnung ihrer Augen etwas zu ver- kleinern, erhält aus dieser selben Ursache einen grinsenden Ausdruck. Das Erheben der Oberlippe zieht das Fleisch auf den oberen Theilen der Wangen in die Höhe und bewirkt hierdurch eine stark markirte Falte auf jeder Wange — die Nasenlippenfalte — welche von der Nähe der Nasenflügel zu den Mundwinkeln und noch unter dieselben hinabläuft. Diese Falte oder Furche ist in allen den Photo- graphien von weinenden Kindern zu sehen und ist für den Ausdruck ?s solchen sehr charakteristisch, obschon eine nahezu ähnlich - Lachens oder Lächelns gebildet wird*. Da die Oberlippe während di                      Schreiens in der eben

ihr in die Höhe gezogen wird, so werden die die

4 Obgleich Dr. Duchenne die Zusammenziehun: währe]                             Weinens und die dadurch hervorgebrachten Forchen im

b in Beiner Schilderung i

Abbildung gegeben (Album, Fig I~). in wel                                       ' Gesichts

durch Galvanis                                                                           irorden ist, während

i (nämlich neunzehn anter einundzwanzig

et: aber n                                                    rkannten nur -

i Ausdruck, d. h. wenn icl                                       Kammer*,

. „Ärgerlichki ii" für correel nehme, während fünfzi

„Schlau- Wir können hiei                         d isz irgend Etwas

in den                           bitig ist. Einige von diesen föni                         iürften in-

flim Theil dadurch irregeführt worden sein, dasz sie nichi

alten Mann weinen zu sehen, und dasz                          abgesondert wurden. Was

Dr. Duchenne (Fig. 49) betrifft, in wel

der ei

stein                                                                                 le der Ausdruck

verbal:                                                                                                      . idzwanzig

:". „Unglück",

u. s. w

Ansicht sieh bi]

waren vollständig im irrthum und antworteten: „schlai

Sehen auf einen entfernten Gegenstand" n

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Mundwinkel herabziehenden Muskeln (siehe K in Holzschnitt 1 und stark zusammengezogen, um den Mund weit offen zu halten, ein starker und voluminöser Laut ausgestoszen werden kann. Die Thätigkeit dieser einander entgegenwirkenden Muskeln oben und unten strebt dem Munde eine oblonge fast viereckige Contur zu geben, wie man in den beiliegenden Photographien sehen kann. Ein ausgezeich- neter Beobachter5 sagt bei der Beschreibung eines kleinen Kindes, welches während des Fütterns schrie: »es bildete seinen Mund zu »einem Viereck und liesz die Suppe aus allen vier Ecken herauslaufen.1' Ich bin der Ansicht — doch werden wir auf diesen Punkt in einem !i Capitel zurückkommen — dasz die die Mundwinkel herab- ziehenden Muskeln weniger unter der besonderen Controle des Willens stehen als die angrenzenden Muskeln, so dasz wenn ein kleines Kind nur zweifelhaft geneigt ist, zu schreien, dieser Herabdrücker des Mundwinkels allgemein der erste ist, welcher sich zusammenzieht, und der letzte, welcher aufhört, zusammengezogen zu sein. Wen ältere Kinder anfangen zu weinen, so sind die .Muskeln, welche Oberlippe laufen, häufig die ersten, welche sieh zusammenziehen. ist vielleicht eine Folge davon, das/, altere Kinder keine so starke

ig haben, laut aufzuschreien und in Folge dessen ihren Mu weit offen zu halten, so dasz die ebengenannten herabziehenden Mn kein in keine so starke Thätigkeil versetzt werden.

Bei einem meiner eigenen Kinder beobachtete ich n achten Tage an und einige Zeit später noch, dasz das erste Zeichen eines Schreianfalls, wenn ein solcher in seinem allmählichen Eintritte beobachtet werden konnte, ein unbedeutendes Stirnrunzeln war in Folge der Zusammenziehung der Augenbrauenrunzler. Die Capillarg der nackten Kopf- und Gesichtshaut wurden zu derselben Zeit mit Blut geröthet. Sobald der Schreianfall factisch begann, wurden alle Muskeln rings um die Augen heftig zusammengezogen und der Mund in der oben beschriebenen Weise weit geöffnet, so dasz die Gesichts- züge in dieser frühen Periode dieselbe Form annahmen wie in etwas vorgeschritteneren Alter.

Dr. l'ii'KkiT6 legt auf die Zusammenziehung gewisser Muskeln groszes Gewicht, welche die Nase herabziehen und die Nasenlöcher

Mimik und Physiognomik. 1867. S. 106. Duchenne. Mecani* ion. Hum. Album, p. 3 I.

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verengern und welche für den weinenden Ausdruck ganz bes in sein sollen. Die Depressores anguli ori den, wie wir eben gesehen haben, gewöhnlich in derselb

rezogen und streben dann indirect, den Angaben des Dr. Düches zufolge, in derselben Weise auf die Nase zu wirken. B welche heftigen Schnupfen haben, läszt sieh ein ähnliches znsamme gekniffenes Aussehen der Nase beobachten, welches, wie Dr. gegen mich bemerkt, Folge ihres bi                    hnfiffelns und

von abhängigen Druckes der Atmosphäre auf beiden Seiten ist. Der Zweck dieser Zusammenziehimg der Nasenlöcher bei Kindern, welche Schnupfen haben oder während sie schreien, schein! der zu sein, di Herabflieszen des Schleimes und der Thränen zu hemmen und Ausströmen dieser Flüssigkeiten über die Oberlippe zu verhindern

Nach einem lang andauernden und heftigen Schreianfalle sind die Kopfbaut, das Gesicht und die Augen geröthet in

s Blut nun, wegen der heftigen expiratorischen An von dem Kopfe zurückzufiieszen verhindert wurde. Aber die Röt

gereizten Augen ist hauptsächlich Folge des reichlichen I

Thränen. Die verschi                                            -. welche stark

zusammengezogen worden waren, zucken noch immer ein wenig, die Oberlippe ist noch etwas in die Höhe gezogen oder umgebogen' und die .Mundwinkel etwas nach abwärts gezogen. Ich habe es selbst ge- fühlt und es bei anderen erwachsenen Personen beobachtet, dasz, wenn Thränen mit Schwierigkeit zurückgedrängt werden, wie beim Lesen einer tragischen Beschichte, es beinahe unmöglich ist, zu vorhindern, das/, die verschiedenen Muskeln, welche bei kleinen Kindern während ihrer Schreianfälle in heftige Thätigkeit versetzt werden, leicht zuck oder zittern.

Kleine Kinder vergieszeu, so lange sie noch sehr jung sind, Thränen oder weinen nicht, wie es Wärterinnen und Ärzten wohl- bekannt ist. Dieser umstand ist nicht ausschlieszlich Folge davon, dasz die Thränendrüsen noch nicht fähig wären, Thränen abzusondern. Ich beobachtete diese Thatsache zuerst, als ich zufällig mit dem Auf- schlage meines Kockes das offene Auge eines meiner Kinder gerieben hatte, als es 77 Tage alt war. Dies verursachte ein reichliches Er- füllen des Auges mit Wasser, und obschon das Kind heftig -

Dr. Duchenne macht diese Bemerkuntr.

irs

ne

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blieb das ander                    . in oder wurde nur leicht mit Thrä

unterlaufen. Ein ähnlicher unbedeutender Ergusz trat zehn Tage früher in beiden Augen während eines Schreianfalles ein. Die Thränen liefen nicht über die Augenlider und die Backen bei diesem Kinde herab, als es im Alter von 122 Tagen heftig schrie. Dies trat zuerst 17 Tagi                                           [89 Tagen. Einige wenige andere

Kinder sind für mich beobachtet worden; es stellte sich heraus, d: die Periode, wo reichliches Weinen eintritt, sehr variabel zn s scheint. In einem Falle wurden die Augen leicht wässerig im Alter von nur 20 Tagen, in einem anderen in dem von 62 Tagen. Bei zwei anderen Kindern, im Alter von 84 und 110 Tagen, liefen dieThranen nicht über das Gesicht herab, aber bei einem dritten Kindi

>n im Alter von 104 Tagen über die Wangen. Wie mir positiv hert wurde, liefen in einem Falle Thränen in dem ungewöhnlich frühen Alter von 42 Tagen über das Gesicht. Es möchte scheinen, die Thränendrüsen in den Individuen etwas Übung erforderten, e leicht zur Thätigkeit erregt werden können, in ziemlich der- . Art und Weis                    chiedene angeerbte consensuelle Be-

wegungen und Geschmacksformen eine ge                      erfordern, ehe

sie fiiirt und vollkommen werden. Dies ist um so wahrscheinlicl bei einer Gewohnheit wie der des Weinens, welche seit der Zeit langt worden sein musz, wo der Mensch von dem gemeinsamen erzeuger der Gattung Homo und der nicht weinenden anthropomorphi Alien abgezweigt wurde.

Die Thatsache, dasz Thränen in einem sehr frühen Alter Schmerz oder irgend einer geistigen Erregung nicht vergossen werden, ist merkwürdig, da im späteren Leben keine Ausdrucksform allgemeiner oder schärfer ausgeprägt ist als das Weinen. Ist die Gewohnheit einmal von einem Kinde erlangt worden, so drückt es in der deut- lichsten Art und Weise Leiden aller Arten, sowohl körperlichen Schmerz als geistiges Unglück, selbst wenn es von anderen Erregungen wie Furcht oder Wuth begleitet wird, durch Weinen aus. Indessen ist der Character des Weinens in einem sehr frühen Alter verschie- den, wie ich bei meinen eigenen Kindern beobachtet habe: — leiden- schaftliches Schreien ist verschieden von dem Weinen vor Kummer. Eine Dame theilt mir mit, dasz ihr neun Monate altes Kind laut aufschreit, aber nicht weint, wenn es in Leidenschaft geräth. Es vergieszt aber Thränen, wenn es dadurch bestraft wird, dasz man

Comolete '                           [ . in Onlii

ehe :hei

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Ausdruck des Leidens.                                    Cap.

seinen Stuhl mit dem Rücken nach dem Tische zu umdreht. Diese Verschiedenheit kann vielleicht dem Umstände zugeschrieben werden, dasz das Weinen in einem vorgeschritteneren Alter, wie wir sofort sehen werden, in den meisten Fällen mit Ausnahme des Kummers unterdrückt wird, aber auch dem anderen Umstände, dasz die Fähig- keit eines solchen Zurückdrängens auf eine frühere Lebensperiode über- liefert wird als auf die, in welcher sie zum ersten Male ausgeübt wurde.

Bei Krwachsenen und besonders denen des männlichen Geschlechts hört das Weinen bald auf, durch körperlichen Schmerz verursacht zu «erden oder solchen auszudrücken. Dies kann dadurch erklärt wer den, dasz es für schwächlich und unmännlich gehalten wird, we; Männer, sowohl civilisirter als barbarischer Kassen, körperlichen Schmerz durch irgend welche äuszerliche Zeichen zu erkennen geben. Mit dieser Ausnahme weinen Wilde aus sehr unbedeutenden Ursachen reichlich, für welche Thatsache Sir .1. Lubbock8 Beispiele gesammelt hat. Ein Häuptling auf Neuseeland „weinte wie ein Kind, weil die ..Matrosen seinen Lieblingsmantel mit Mehl gepudert hatten-. Ich sah im Feuerlande einen Eingebornen, welcher vor Kurzem einen Bruder verloren hatte; er weinte abwechselnd in hysterischer Heftig- keit und lachte dann wieder über ü                   . was ihn amfiairte, herzlich. Auch bei civilisirten Nationen Europas besteht in der Häufig- keit des Weinens ein groszer Unterschied. Engländer weinen selten, ausgenommen unter dem Drucke des heftigsten Kummers, während in in Theilen des C'ontinents die Menschen viel leichter und reich- licher Timmen vergieszen.

Geisteskranke geben bekanntlich allen ihren Gemüthserregungen mit nur geringer oder gar keiner Zurückhaltung nach; Dr. ,!.<_':

i hat mir nun mitgetheilt, dasz für einlache .Melancholie selbst

im männlichen Geschlechte nichts characteristischer ist, als eil

gung. bei der allergeringsten Veranlassung oder auch aus gar keiner

he zu weinen. Solche Patienten weinen auch ganz unverhältnis-

beim Eintritt irgend einer wirklichen Ursache des Kummers.

Dge der Zeit, durch welche manche Patienten weinen, ebenso

die Menge von Thränen, welche sie vergieszen, ist zuweilen staunen-

jend. Ein melancholisches Mädchen weinte einen ganzen Tag und

:

The Origiu of Civilizatioi

':&. of Charles Darwin Onli

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gestand dem Dr. Browne später, dasz es geschehen sei, weil es i eingefallen sei, dasz sie früher einmal ihre Augenbrauen rasirt habe, um deren Wachsthum zu befördern. Viele Patienten in der Anstalt sitzen eine Zeit lang da, sich beständig vorwärts and rückwärts be- wegend, >„und wenn man sie anredet, hören sie in ihren Bewegungen ..ml. ziehen ihre Augen zusammen, drücken ihre Mundwinkel herab brechen in Weinen aus". In einigen dieser Fälle scheint oder freundlich Gegrüszte sich irgend eine eingebild und traurige Idee vor die Seele zu führen; aber in anderen Fällen nstosz jeder Art, ganz unabhängig von irgend einer kummer- vollen Idee, das Weinen an. Auch Patienten, welche an acuter Manie leiden, haben Paroxysmen von heftigem Weinen mitten in ihren unzu- sammenhängenden Basereien. Wir dürfen indesz auf das reichliche Thränenvergieszen bei Geisteskranken, als eine Folge des Man jeder Zurückhaltung, nicht zu viel Gewicht legen; denn gewisse hirnkrankheiten wie Hemiplegie, Hirnschwund und Marasmus haben eine specielle Neigung, Weinen zu veranlassen. Das Weinen bei Geisteskranken ist ganz allgemein, selbst nachdem ein Zustand völliger gkeit erreicht worden und das Vermögen der Sprache ver- loren gegangen ist. Auch blödsinnig geborne Personen weinen '. Mi sagt aber, dasz es bei Cretins nicht der Fall ist.

Das Weinen scheint, wie wir bei Kindern sehen, die ursprün liehe und natürliche Ausdrucksform für Leiden irgend welcher Art zu sein, mag es körperlicher Schmerz, der nur wenig der änszersteo Todesangst nachsteht, oder geistiges Unglück sein. Aber die vor- stehend erwähnten Thatsachen und die gewöhnliche Erfahrung zeigt uns. dasz eine häufig wiederholte Anstrengung, das Weinen zu unter- drücken, in Verbindung mit gewissen Seelenzuständen sehr wirksam ist, die Gewohnheit zu unterbrechen. Andererseits scheint es fast, als könne das Vermögen zu weinen durch Gewohnheit verstärkt werden. So behauptet Mr. K. Taylor10, welcher lange in Neu-Seeland lebte, dasz die Frauen dort willkürlich Thränen imÜberflusz vergieszen können. Sie kommen zu diesem Zwecke, um die Todten zu beklagen, zusammen und setzen ihren Stolz darein, „in der ergreifendsten Weise zu weine

z. I!. Mr Marshall'a Beschreibung eil                     n in: Phil

64, p. 526. In Bezng anf Cretins vergl. Piderit. Mimik und

7. S. nl.

11 New Zealand ™.l its Inhabitants. 1855, \>. 175.

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Leid

Ein einzelner Versuch des Zurückhalten?, auf die Thränendrfii

hingeleitet, scheint wenig zu thun und geradezu zu einem gesetzten Resultate zu führen. Ein alter und erfahrener Ar/t hat mir erzählt, dasz er immer gefunden habe, wie das eiuzige Mittel, das gelegentlich bittere Weinen von Damen aufzuhalten, welche ihn um liatli fingen und selbst wünschten, aufhören zu können, gewesen sei, sie zu bitten, dies nicht zu versuchen, und ihnen zu versichern, dasz sie nichts mehr trösten würde, als lang anhaltendes reichliches Weinen.

Das Schreien kleiner Kinder besteht in lang anhaltendem thmen mit kurzen rapiden, beinahe krampfhaften Inspirationen, rgeschrittenerem Alter Schluchzen folgt. Der - zufolge11 ist während des Actes des Schluchzens haupt- sächlich die Stimmritze afficirt. Es wird dieser Laut gehört „im „Augenblicke, wenn die Inspiration den Widerstand der Stimmritze „überwindet und die Luft in dieselbe hineinfährt". Es ist aber auch der ganze Act der Athinung krampfhaft und heftig. Die Schultern erden zu derselben Zeit meist gehoben, da durch diese Bewegung Athemholen erleichtert wird. Bei einem meiner Kinder waren. siebenundsiebzig Tage alt war, die Inspirationen so schnell und heftig, dasz sie sich dem Character des Schluchzens näherten. Al- es 138 Tage alt war. bemerkte ich zuerst entschiedenes Schluchzen, welches später jedem schlimmen Weinanfalle folgte. Die Athern- bewegungen sind zum Theil willkürlich, zum Theil unwillkürlich, und ich vermuthe, dasz das Schluchzen wenigstens zum Theil davon her- rührt, dasz die Kinder nach der frühesten Kindheit eine gl Fähigkeit haben, ihre Stimmorgane zu beherrschen und ihr Schreien zu unterdrücken. Da sie aber über ihre Iiespirationsmuskeln weniger Gewalt haben, so fahren diese eine Zeit lang fort, sich in einer will- ürlichen und krampfhaften Art und Weise noch zusammenzuziehen, achdem sie einmal in heftige T                      tzt worden waren. Das

Schluchzen scheint dem Menschen eigenthümlich zu sein, denn die Wärter im zoologischen Garten versichern mir, dasz sie niemals bei irgend einer Art von Alien ein Schluchzen gehört haben, obschon Allen häutig laut schreien, während sie gejagt und gefangen werden d dann eine Zeit lang keuchen. Wir sehen hieraus, dasz zwiscl

Complete «V'ork of Charles Dar'

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Schluchzen und dem reichlichen Vergieszen von Thri enge Analogie besteht; denn bei Kindern beginnt das S nicht während der frühesten Kindheit, tritt aber spater ziemlich plötz- lich ein und folgt dann jedem heftigen Weinanfalle, bis die Gewohn- heit mit den fortschreitenden Jahren abgelegt wird.

Über die Ursache der Zusammenziehung der rings um

das Auge gelegenen Muskeln während des Schreiens. —

Wir haben gesehen, dasz neugeborene und junge Kinder, während

sie schreien, ausnahmslos ihre Augen fest schlieszen und zwar durch

Zusammenziehung der umgebenden Muskeln, so dasz die Haut

gs herum in Falten gelegt wird. Bei älteren Kindern und

Erwachsenen läszt sich, so oft ein heftiges und nicht zurü

gehaltenes Weinen eintritt, eine Neigung zur Zusammenziehung die

Beiben Muskeln beobachten; doch wird dieselbe häufig gehemmt.

Sehen nicht zu stören.

Sir Ch. Bell erklärt18 diese Handlung in der folgenden Weil "ährend eines jeden heftigen Respirationsactes, mag es beim her: ichen Lachen oder beim Weinen, Niesen oder Husten sein, wird der Dgapfel durch die Fasern des Ringmuskels fest zusammengedrückt, i-i eine Einrichtung, um das Gefäszsystem des Innern des unterstützen und es vor einem rückläufigen Anstosze, welcher dem Blute in derselben Zeit in den Venen mitgetheilt wird, „zu hüten. Wenn wir den Brustkasten zusammenziehen und die Luft

Iastreiben, so tritt in den Venen des Halses und des Kopfes eine 'erlangsamung des Blutes ein; und in den kraftvolleren Acten der Lusstoszung dehnt das Blut nicht blosz die Gefäsze aus, sondern wird ogar in die kleineren Zweige zurückgetrieben. Wäre das Auge zu »lchen Zeiten nicht gehörig zusammengedrückt und würde dem Stosze ein Widerstand geleistet, so könnte den zarten Geweben im Innern es Auges ein nicht wieder gut zu machender Schaden zugefügt „»erden.' Er bemerkl ferner, „wenn wir die Augenlider eines Kindes .von einander ziehen, um das Auge zu untersuchen, während es schreit und vor Leidenschaft um sich schlägt, so wird die Bindehaut ich mit Blut gefüllt und die Augenlider umgewendet, weil dem

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11: in "i

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17-

Thi? Anatom; o isophical Transactions, 1822, p. -'- -im of the Hnrn«

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I" I

zsystem des Auges min die natürliche Stütze and das Mittel ommen wird, sich gegen den plötzlichen Zuflusz von Blut zu ahren." Es werden die Muskeln rings um das Auge nicht blosz, wie

gibt und ich selbst häufig beobachtet habe, während des hreiens, lauten Lachens, Hustens und Niesens heftig zusammen- gezogen, sondern auch während mehrerer anderer analoger Handlongen. Schnaubt sich ein Mensch heftig durch die Nase, so zieht er dieselben Muskeln zusammen. Ich bat einen meiner Knaben, so laut als er möglicherweise konnte, zu schreien und sobald er begann, zog er seine eismuskeln fest zusammen. Ich beobachtete dies wiederholt und s ich ihn frug, warum er jedesmal seine Augen so fest geschlossen tte, bemerkte ich, dasz er sich der Thatsache nicht bewuszt war; hatte instinetiv oder unbewuszt so gehandelt. Um die Zusammenziehung dieser Muskeln zu veranlassen, ist es nicht nöthig, dasz wirklich Luft aus der Brust ausgetrieben wird. Es genügt schon, die Muskeln der Brust und des Bauches mit groszer aft zusammenzuziehen, während wegen des Verschlusses der Stimm- ze keine Luft austreten kann. Bei heftigem Erbrechen oder Wür- gen wird das Zwergfell dadurch veranlaszt herabzutreten, dasz der Brustkasten mit Luft gefüllt wird. Es wird dann durch den Ver- schlusz der Stimmritze ebenso wie durch „die Zusammenziehung seiner „eigenen Fasern"13 in dieser Lage gehalten. Die Bauchmuskeln ziehen sich nun heftig über dem .Magen zusammen; die eigenen Muskeln dieses contrahiren sich gleichfalls, und der Inhalt wird dann hierdurch ausgeworfen. Während jeden Versuchs zum Erbrechen „wird der Kopf „bedeutend mit Blut erfüllt, so dasz das Gesicht roth und geschwollen „wird und die groszen Venen des Gesichts und der Schläfe sichtbar .erweitert werden." Wie ich aus Beobachtung weisz, werden zu der- selben Zeit die Muskeln rund um das Auge stark zusammengezogen. Dies ist gleicherweise der Fall, wenn die Bauchmuskeln mit unge- wöhnlicher Kraft beim Austreiben des Inhalts des Darmcanals nach abwärts wirken.

Die gröszte Anstrengung der Muskeln des Körpers führt, wenn cht auch diejenigen des Brustkastens zur Austreibung oder zum

Dr. Brii                                             Erbrechens in: i

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Zusammendrücken der in den Lungen enthaltenen Luft in hefti Thätigkeit versetzt werden, nicht zu der Zusammenziehung der M kein rings um das Auge. Ich habe meine Söhne beobachtet, we sie bei Turnübungen grosze Kraft aufwandten, so wenn sie wiede holt ihren nur an den Armen hängenden Körper emporzogen und schwere Gewichte vom Boden aufhoben. Aber es trat hier kaum eine Spur einer Zusammenziehung an den Muskeln rund um das Auge ein.

Da die Zusammenziehung dieser Muskeln zum Schutze der Augen während heftiger Exspirationen, wie wir später sehen werden, indil ein Fundamentalzug bei mehreren unserer bedeutungsvollsten Aus- drucksformen ist, so war ich auszerordentlich begierig, zu ermitteln, in wie weit Sir Cn. Beli.'s Ansicht bestätigt werden konnte. Prof. Donders in Utrecht1*, bekannt als eine der höchsten Autoritäten in Europa über das Sehen und den Bau des Auges, hat mit gröszter Freundlichkeit diese Untersuchung für mich mit Hülfe der vielen ingeniösen Apparate der modernen Wissenschaft unternommen und oltate pnblicirt15. Kr weist nach, dasz während heftiger Ex- spirationen die aoszeren, die in und die hinter dem Augapfel gelegenen Qefäsze sammtlich in zweierlei Weise afficirt werden, nämlich durch den vermehrten Druck des Blutes in den Arterien und dadurch, 'las/. der Rücklauf des Blutes durch die Venen gehindert wird. Es ist daher sicher, dasz sowohl die Arterien als die Venen des Auges rend heftiger Exspirationen mehr oder weniger ausgedehnt werden. Die. detaillirten Beweise sind in Prof. Donders' Abhandlung nachzu- sehen. Die Wirkungen auf die Venen des Kopfes sehen wir in ihrem Bervorragen und an der purpurnen Farbe des Gesichts eines Menschen, welcher häufig hustet, weil er halb erstickt ist. Ich will noch nach derselben Autorität erwähnen, dasz das ganze Auge entschieden wäli-

14 loh bin Mr. Bowman sehr dafür verbunden, dasz er mich mit Prof.

Donders bekannt gemacht hat und das/, er diesen groszen Physiologen bat dazu

n helfen, die Untersuchung des vorliegenden Gegenstandes vorzunehmen.

Auch bin ich Mr. Bowman dafür groszen Dank Bchuldig, dasz er selbst mir mit

gegeben hat. 1 Diese Abhandlang erschien zuerst in dem „Nederlandsch Arehief voor ii Natuurkunde". Deel. 5. 1870. Sie ist von Dr. W. D. Moore in's .; worden anter dem Titel: »On the Action of the Eyelida in detennination of Blood from ezpiratory effort", in : Arrhives of Medicine. by Dr. L. S. Beale, Vol. V. 1870, p. 20.

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Ausdruck Jcs Leidens.

Cap.

rend jeder heftigen Exspiration etwas nacli vorn rückt. Dies ist eine Folge der Erweiterung der hinter dem Augapfel gelegenen Gefäsze iiihl hätte sich nach dem sehr innigen Zusammenhange des Auges und Gehirns erwarten lassen. Alan weisz ja, dasz das Gehirn, wenn ein Theil des Schädels entfernt worden ist, mit jedem Athemzuge sich hebt und senkt. Dasselbe kann man auch an den noch nicht ge- -'iien Nähten kindlicher Köpfe beobachten. Ich vermuthe aber, das/, dies auch die Ursache ist, weshalb die Augen eines erdrosselten Menschen aus ihren Höhlen herauszutreten scheinen.

In Bezug auf den Schutz des Auges während heftiger exspirato- rischer Anstren gungen durch den Druck der Augenlider kommt Prof. - nach seinen mannigfaltigen Beobachtungen zu dem Schlüsse, dasz diese Handlung mit Sicherheit die Erweiterung der Gefäsze be- sehrankt oder ganz beseitigtIB. Er fügt hinzu, dasz wir in solchen Zeiten nicht selten die Hand unwillkürlich auf die Augenlider sehen, gewissermaszen um hierdurch den Angapfel noch schützen und zu behüten.

Trotz dem allen kann für jetzt noch keine grosze Reihe von Be- legen beigebracht werden, um nachzuweisen, dasz das Auge wirklich Schaden leidet, wenn ihm während heftiger Exspiration eine Unter- stützung fehlt. Doch finden sieh einige. Es ist „eine Thatsachi

gewaltsame exspiratorische Anstrengungen bei heftigem „oder Erbrechen und besonders beim Niesen zuweilen Veranlassung „zu Zerreiszungen der kleinen (äuszern) Gefäsze des Auges geben17." In Bezug auf die innern Gefäsze hal in neuerer Zeit Dr. Ginnt

:

Igor Dondera bemerk!                                                    28): „Nacl

„Verletzungen des Auges, nach Operationen und in einigen Formell innerer F.nt-

„züiiilungen legen wir groszen Werth auf die gleichmäa; .

„schlo-                            and vermehren dieselbe noch in fielen Füllen dm

„Binde. In beiden Fäll

„sm vermeiden, d                                        nl ist." Mr. Bowman theilt mir

dasz er in Fällen                                     neu, welche die skrophnlöse Angern

düng d.-:                                                               merzhafi wirkt, dasz es während

wird, beim Öffnen der Lider häufig durch die Blät                                         irden ist.

— nicht eine unnatürliche Blässe, sondern eine Abwesenheit jener Röthe, welche

sich li;ir -                                                                                                        ja ,iMnn

Fall ist; und dii

i d betrachten.

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ntzün-

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einen Fall von Exophthalmos als Folge eines Keuchhustens beschrie- ben, welcher seiner Meinung nach von der Zerreiszung der tieferliegen- den Gefäsze abhieng; und auch andere analoge Fall-1 sind beschrieben worden. Aber schon das blosze Gefühl des Unbehaglichen würde wahrscheinlich hinreichen, zu der associirten Gewohnheit, den Aug- apfel durch Zusammenziehung der umgebenden Muskeln zu schützen, hinzuführen. Selbst die Erwartung oder die Möglichkeit einer Schädi- gung würde wahrscheinlich hierzu genügen, in derselben Weit ein zu nahe vor dem Auge hin- und herbewegter Gegenstand ein unwillkürliches Blinken mit dem Augenlide veranlaszt. Wir können daher aus Sir Cu. Bei.l's Beobachtungen und besonders aus den noch sorgfältigem Untersuchungen des Prof. DoNDEKS sicher folgern, das/. das feste Schlieszen der Augenlider während des Schreiens der Kinder eine Handlung von tiefer Bedeutung und von wirklichem Nutzen ist.

Wir haben bereits gesehen, dasz die Zusammenziehung der Kreis- muskeln das Aufwärtsziehen der Oberlippe herbeiführt und folglich, wenn der Mund nicht weit offen gehalten wird, das Herabziehen der Mundwinkel durch die Zusammenziehung der niederdrückenden Mus- keln. Auch die Bildung der Nasenlippenfalte auf dem Backen tritt in Folge des Aufwärtsziehens der Oberlippe ein. So sind die sämmt- lichen hauptsächlichen ausdrucksvollen Bewegungen des Gesichts wäh- rend des Weinens offenbar das Resultat einer Zusammenziehung der Muskeln rings um das Auge. Wir werden auch finden, dasz das Ver- gieszen der Thränen von der Zusainmenziehung dieser selben Muskeln abh&ngt oder mindestens in irgend welcher Verbindung mit dersel- ben steht.

In einigen der vorstehend angeführten Fälle und besonders beim Niesen und Husten ist es möglich . dasz die /.usamraenziehung der Ereismuskeln noch auszerdem dazu dienen dürfte, das Auge vor einem zu heftigen Stoszen oder Erzittern ZU schützen. Ich verniuthe dii deshalb, weil Hunde und Katzen, wenn sie harte Knochen zeihe immer ihre Augenlider schlieszen und dies wenigstens zuweilen beim Niesen thun. Doch thun es Hunde nicht, wenn sie laut bellen. Mr. Si ctoh beobachtete für mich sorgfältig einen jungen Orang und Chimpansen und fand, dasz beide immer ihre Augen beim Niesen und .. aber nicht beim hefi                                         [ch gab einem

Allen der neuweltlic                      r, nämlich einem Cebus, eine kleine

Prise Schnupftabak; und als er nieste, schlosz er seine Augen. Als

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er aber bei einer späteren Gelegenheit lautes Geschrei ausstiesz, schlosz er dieselben nicht.

«he der Absonderung der Thränen. — Es ist eine bedeutungsvolle Thatsache, welche bei jeder Theorie der Thränen- absonderung in Folge einer Affection der Seele betrachtet werden musz, dasz, so oft die .Muskeln rings um das Auge heftig und un- willkürlich zusammengezogen werden, um die Blutgefäsze zusammen- zudrücken und hierdurch die Augen zu schützen, Thränen abgesondert werden und häutig in hinreichender Menge, dasz sie über die Backen herabrollen. Dies tritt auch unter den entgegengesetztesten Gemüths- erregungen, aber auch wenn durchaus keine Erregung vorhanden ist, ein. Die einzige Ausnahme, und dies sogar nur eine theilweise, von der allgemeinen Existenz einer Beziehung zwischen der unwillkürlichen und heftigen Zusammenziehung dieser Muskeln und der Thränen- absonderung ist der Fall bei sehr kleinen Kindern, welche, während sie mit fest zugeschlossenen Augenlidern heftig schreien, gewöhnlich nicht weinen, bis sie das Alter von zwei bis drei oder vier Monaten erreicht haben. Ihre Augen werden indesz schon in einem viel frühern Alter mit Thränen unterlaufen. Wie bereits bemerkt worden ist, möchte es scheinen, als kämen die Thränendrüsen aus Mangel an Übung oder aus irgend einer andern Ursache in einer sehr frühen Lebensperiode nicht zu einer völligen functionellen Thätigkeit. Bei Kindern in einem etwas vorgeschritteneren Alter ist das Aufschreien oder das Winseln in Folge irgend einer Kümmernis so regelmäßig von dem Thränenvergieszen begleitet, dasz Weinen und Schreien fast gleichbedeutende Ausdrücke geworden sind 18.

Unter der Einwirkung der entgegengesetzten Geraüthsbewegung groszer Freude oder groszer Heiterkeit tritt, so lange das Lachen mäszig ist, kaum irgend welche Zusammenziehung der Muskeln rings um das Auge ein, so dasz also auch kein Stirnrunzeln eintritt. Wenn aber lautschallendes Gelächter ausgestoszen wird mit schnellen und heftigen krampfhaften Exspirationen, dann strömen die Thränen das Gesicht herab. Ich habe mehr als einmal das Gesicht einer Person

" [d. li im Englischen to weep and towy.] Mr. Hensleigh W ofEnglish Etymology, Vol.I i                    «rt: -das Zeitwort

kommt i                                n wop, dessen ursprüngliche Bedentang einfach

.1 i-'t."

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nach einem Paroiysmus heftigen Lachens beobachtet und konnte be- merken, dasz die Ringmuskeln und die, welche nach der Oberlippe laufen, noch immer theilweise zusammengezogen waren, was dann in Verbindung mit den von Thränen noch feuchten Wangen der oberen Hälfte des Gesichts einen Ausdruck gab, der von dem eines Kindes, welches noch immer vor Kummer schluchzt, nicht zu unterscheiden war. Die Thatsaehe, dasz während heftigen Lachens Thränen das Gesicht herabströmen, ist eine allen Menschenrassen gemeinsam zu- kommende, wie wir in einem späteren Capitel sehen werden.

Bei heftigem Husten, besonders wenn eine Person halb erstickt ist, wird das Gesicht purpurn, die Venen erweitert, die Kreismuskeln stark zusammengezogen und Thränen rinnen die Wangen hinab. Selbst einem Anfalle gewöhnlichen Hustens hat beinahe jeder sich die Augen zu wischen. Bei heftigem Erbrechen oder Würgen werden, wie ich selbst erfahren und an Andern gesehen habe, die kreisförmi- gen Muskeln stark zusammengezogen, und zuweilen flieszen Thränen reichlich die Hacken herab. Es ist die Vermuthung gegen mich aus- gesprochen worden, dasz dies eine Folge davon sein könnte, dasz der scharfe reizende Stoff in die Nasenhöhle gebracht wird und nun durch Reflexthätigkeit die Absonderung der Thränen verursacht. In Folge dessen bat ich einen meiner Rathgeber, einen Arzt, auf die Wirkungen des Würgens zu achten, wenn nichts aus dem Magen ausgeworfen würde. In Folge eines merkwürdigen Zufalls litt er selbst am näch- sten Morgen an einem Würganfalle und heobachtete drei Tage später eine Dame während eines ähnlichen Anfalls. Er ist ganz sicher, dasz in keinem der beiden Fälle ein Atom von Substanz aus dem Magen geworfen wurde, und doch wurden die Kreismuskeln stark zusammen- gezogen und Thränen reichlich vergossen. Ich kann auch ganz positiv für die energische Zusammenziehung dieser selben Muskeln rings um das Auge und die dazu tretende reichliche Thränenabsonderung spre- chen, wenn die Bauchmuskeln mit ungewöhnlicher Gewalt in Richtung nach abwärts auf den Darmcanal wirken.

Das Gähnen fängt mit einer tiefen Inspiration an, der ein lan und gewaltsames Ausathmen folgt. Zu gleicher Zeit werden beinahe alle Muskeln des Körpers mit Einschlusz derer rings um das Auge heftig zusammengezogen. Häufig werden während dieses Actes Thränen abgesondert, und ich habe sie selbst über die Backen herablaufen sehen.

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0                                         Ausdruck des Leidens.                                    Cap. 6.

lide Atb niei

s

Ich habe häufig beobachtet, dasz, wenn Personen irgend einen Punkt, der sie unerträglich juckt, kratzen, sie gewaltsam ihre Augen- lider schlieszen. Ich glaube aber nicht, dasz sie hier einen tiefen themzug thun und dann mit Gewalt ausathmen. Auch habe ich emals beobachtet, dasz hierbei die Augen sich mit Thränen füllen;

bin ich nicht vorbereitet, zu behaupten, dasz dies niemals ein- tt. Das gewaltsame Schlieszen der Augenlider ist vielleicht nur ein Theil jener allgemeinen Thätigkeit, durch welche beinahe alle Muskeln des Körpers zu derselben Zeit steif gemacht werden. Es ist vollständig verschieden von dem sanften Schlieszen der Augen, welches, wie Gratiolet 19 bemerkt, häufig das Riechen eines entzückenden Ge- ruchs oder das Schmecken eines deliciösen Bissens begleitet, und wel-

wahrscheinlich darin seine Ursache hat, dasz man wünscht, j

rn störenden Eindruck durch die Augen auszuschlieszen.

Prof. Donders schreibt mir das Folgende: „Ich habe einige Fa „einer sehr merkwürdigen Affection beobachtet, wo nach einem leich- „ten Keiben (attouchement), z. 13. nach dem Reiben eines Rockes, „welches weder eine Wunde noch eine Contusion veranlasztc, krampf- „hafte Zusammenziehung der Kreismuskeln mit einem profusen Thränen- „ergusse eintraten, welche ungefähr eine Stunde anhielten. Später, „zuweilen nach einer Zwischenzeit von mehreren Wochen traten noch- mals heftige Krämpfe derselben Muskeln ein in Begleitung von „Thränenabsonderung und verbunden mit primärer oder seeundärer „Röthung des Auges." Mr. BoWMAN theilt mir mit, dasz er gelegent- lich ganz analoge Fälle beobachtet hat und dasz in einigen derselben ine Röthung oder Entzündung der Augen eingetreten ist.

Ich war begierig, zu ermitteln, ob bei irgend einem der niedern iere eine ähnliche Beziehung zwischen der Zusammenziehung der Kreismuskeln während heftigen Ausathmens und der Absonderung von Thränen bestände. Es gibt aber sehr wenige Thiere, welche diese Muskeln in einer lang andauernden Art zusammenziehen oder welche Thränen vergieszen. Der Mcn                        welcher früher in dem

zoologischen Garten so reichlich weinte, würde einen schönen Fall zur Beobachtung dargeboten haben. Die beiden Affen aber, welche sich jetzt dort befinden und von denen man annimmt, dasz sie zu rselben Species gehören, weinen nicht. Nichtsdestoweniger hat sie

wel- i-alle

" De la Physiognomie, 1865, p. 217.

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Barti.ett und ich selbst, während sie laut schrieen, sorgfältig beobachtet. Sie schienen diese Muskeln zusammenzuziehen. Sie be- wegten sich aber so schnell in ihren Käfigen herum, dasz es schwer war, sie mit Sicherheit zu beobachten. Soviel ich im Stande gewesen bin, zu ermitteln, zieht kein anderer Affe seine Kreismuskeln beim Schreien zusammen.

Man weisz, dasz der indische Elephant zuweilen weint. Sir E. Tknnent sagt, wo er diejenigen beschreibt, die er in Ceylon ge- gen und gebunden gesehen hat: einige „lagen bewegungslos auf er Erde mit keinen andern Zeichen von Leiden als den Thränen, „welche ihre Augen füllten und beständig herabflossen." Wo er von einem andern Elephanten spricht, sagt er: „als er überwältigt und

Iestgemacht worden war, war sein Kummer äuszerst ergreifend. Seine leftigkeit wich der gröszten Niedergeschlagenheit. Er lag auf der Crde, stiesz durchdringendes Geschrei aus, während ihm Thränen eine Backen herabträufelteu20." Der Wärter der indischen Elephanten i zoologischen Garten behauptet positiv, dasz er mehrmals Thränen s Gesicht eines alten Weibchens herabrollen gesehen habe, als es ier die Entfernung eines Jungen unglücklich war. Ich war daher i äuszersten Grade begierig, zu ermitteln (um nämlich die Gültig- keit jener regelmäszigen Beziehung zwischen der Zusammenziehung

20 .Ceylon', 3. edit. Vol. II. 1850, p. 364, 37(1. Ich habe mich

ul"t das Weinen des Elephanten an Mr. Thwaites

wendet und in Folge dessen ''inen Brief tob -Mi. Glennie erhalten, (reicher mit

noch Andern freundlichst eine Heerde frisch eingefangener Elephanten beobachtete.

lerkwürdig, dasz sie

Schreien niemals die Muskeln rond am das Ange zusammenzogen. Auch

keine Thränen, wie auch die eingeborneu Jäger behaupteten, niemals

Elephanten weinen gesehen zu haben, Nichtsdestoweniger Bcheinl

nnmSglich i                           mnent's bestimmte Detailangaben über ihr Weinen

zu bezweifeln, da dieselben auch noch von di                          luptung des Wärters

im zoologischen Garten unterstützt werden. Sicher ist. dasz die beides Elephanten

:i anflengen, ihre ringförmigen Muskeln zu-

menzogen. Ich kann diese einandi                        nden Angabea nur dadurch

mit einander versonnen, das/ ich annehme, die frisch cingefangenen Elephanten

juchten, weil sie erschreckt oder wöthend waren, ihre Verfolger zu

beobachten und zogen folglich ihre Augenringmuskeln nicht zusammen, damit ihr

Sehen nicht                              Diejenigen, wek                         ent weinen gesehen

hat, waren völlig niedergeschlagen und hatten den Widersland in Verzweiflung

aufgegeben, hie Elephanten, welche im zoologischen Garten auf das Commando-

wort trompeteten, waren natürlich weder beunruhigt, noch in Wuth gerathen

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der Kreismuskeln und dem Yergieszen von Thränen bei Mensch noch weiter zu erhärten), ob Elephanten, wenn sie laut schreien od „trompeten", diese Muskeln zusammenziehen. Auf Mr. Bartleti Wunsch liesz der Wärter den alten und den jungen Elephanten trom peten, und wir sahen wiederholt bei beiden Thieren, dasz gerade, wenn das Trompeten begann, die Uingrnuskeln, besonders die untern, deutlich zusammengezogen wurden. Bei einer spätem Gelegenheit liesz der Wärter den alten Elephanten noch lauter trompeten und ausnahmslos wurden sowohl die obern als untern Kreismuskeln heftig zusammengezogen und zwar diesmal in gleichniäszigem Grade. Es ist eine eigentümliche Thatsacbe, dasz der africanische Elephant (welcher freilich so verschieden von der indischen Art ist, dasz er von man chen Naturforschern in eine besondere Untergattung gebracht wird als er bei zwei Gelegenheiten zum lauten Trompeten gebracht wur keine Spur einer Zusammenziehung der Kreismuskeln darbot.

Xaeh den verschiedenen im Vorstehenden mitgetheilten, sich auf den Menschen beziehenden Fällen läszt sich, wie ich glaube, nicht zweifeln, dasz die Zusammenziehung der Muskeln rings um das Au: während des heftigen Ausathmens oder wenn die ausgedehnte P>r gewaltsam zusammengedrückt wird, in einer gewissen Art innig der Absonderung von Thränen im Zusammenhange steht. Dies be- stätigt sich unter sehr von einander verschiedenen Gemüthserregungen und auch unabhängig von irgend welcher Erregung. Natürlich soll das nicht heiszen, dasz Thränen ohne die Zusammenziehung dieser Muskeln nicht abgesondert werden können. Denn es ist ja notorisch, dasz sie häufig reichlich vergossen werden, wenn die Augenlider nicht geschlossen und wenn die Augenbrauen nicht gefurcht sind. Die Z sammenziehung musz sowohl unwillkürlich als lang anhaltend sei wie während eines Erstickungsanfalls, oder energisch, wie währen des Niesens. Das blosze unwillkürliche Blinken mit den Augenlidern bringt, wenn es auch häufig wiederholt wird, doch keine Thränen die Augen. Auch reicht die willkürliche und lang anhaltende Zi sammenziehung der verschiedenen umgebenden Muskeln hierzu nicl aus. Da die Thränendrüsen von Kindern leicht zu reizen sind, übe redete ich meine eignen und mehrere andere Kinder verschieden Alters, diese Muskeln wiederholt mit äuszerster Kraft zusammenzu- ziehen und dies fortzusetzen, so lange sie es nur möglicherweise thun

ten. Dies brachte aber kaum irgend welche Wirkung hervor.

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Zuweilen fand sich wohl ein wenig Feuchtigkeit in den Augen, aber nicht mehr als scheinbar durch das Ausdrücken der bereits abgeson- derten Thränen innerhalb der Drüsen erklärt werden konnte.

Die Natur der Beziehung zwischen den unwillkürlichen und energischen Zusammenziehungen der Muskeln rings um das Auge und der Absonderung von Thränen kann nicht positiv bestimmt werden. Es mag aber vermuthungsweise eine wahrscheinliche Ansicht hier vi gebracht werden. Die primäre Function der Thränenabsonderung in Verbindung mit etwas Schleim die Oberfläche des Auges schlüpfrig zu erhalten, und eine secundäre Aufgabe ist, wie Manche glauben, die Nasenhöhlen feucht zu erhalten, so dasz die eingeathmete Luft feucht werde21, gleichzeitig aber auch, um das Vermögen zu riechen zu begünstigen. Eine andere und mindestens gleichmäszig wichtige Function der Thränen ist aber, Staubtheilchen oder andere sehr kleine Gegenstände, welche in das Auge gelangt sein könnten, wegzuschaffen. Dasz dies von groszer Bedeutung ist, wird aus den Fällen klar, in welchen die Hornhaut durch Entzündung undurchsichtig geworden ist, in Folge davon, dasz die Staubtheilchen nicht entfernt werden konnten, weil das Auge und das Augenlid unbeweglich geworden waren22. Die Absonderung von Thränen in Folge der Heizung irgend eines fremden Körpers im Auge ist eine Reflexthätigkeit; — d. h. der fremde Kör- per reizt einen peripherischen Nerven, welcher gewissen empfindenden Nervenzellen einen Eindruck überliefert; diese wiederum theilen einen Eindruck andern Nervenzellen und diese endlich der Thränendrüse mit. Der diesen Drüsen überlieferte Beiz verursacht, wie wir guten Grund zur Annahme haben, eine Erschlaffung der muskulösen Wan- dungen der kleineren Arterien. Diese gestatten einer gröszern Menge von Blut, das Drüsengewebe zu durchziehen und dies wieder führt eine reichlichere Secretion von Thränen herbei. Wenn die kleinen Arterien des Gesichts mit Einschlusz derer der Netzhaut unter hier- von sehr verschiedenen Umständen erschlafft werden, nämlich während eines heftigen Erröthens, so werden zuweilen die Thränendrüsen in einer ähnlichen Art afficirt; denn die Augen füllen sich dann mit riiiien.

irgeon, citirt in dem Journal of Anatom; and Physiology. Not.

22 s. z. B. einen von Sir Ch. Bull mitgetheilten Fall in den Philosoph» Transactions, 1823, p. 177.

Complete Work of Charles Darwin Onlii

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Es ist schwer, eine Vermuthung darüber aufzustellen, auf welche Weise viele Reflexthätigkeiten entstanden sind. Aber in Bezug auf den vorliegenden Fall der Affection der Thränendrüsen durch Reizung der Oberfläche des Auges dürfte es der Bemerkung werth sein, dasz, sobald irgend eine uranfängliche Thierform in ihrer Lebensweise halb auf das Leben auf dem Lande angewiesen und nun dem ausgesetzt wurde, Staubtheilchen in ihre Augen zu bekommen, diese, wenn sie nicht weggewasehen wurden, eine bedeutende Reizung verursacht haben werden; und nach dem Principe der Ausstrahlung von Nervenkraft an benachbarte Nervenzellen werden die Thränendrüsen zur Absonde- rung gereizt worden sein. Da dies oft wiedergekehrt sein wird und Nervenkraft leicht gewohnten Bahnen entlang ausstrahlt, so wird zu- letzt eine geringe Reizung genügen, eine reichliche Thränenabsonde- rung zu verursachen.

Sobald durch dieses oder irgend ein anderes Mittel eine Reflex- ihätigkeit dieser Art hergestellt und leicht gemacht worden ist, wer- den andere auf die Oberfläche des Auges angewandte Reizmittel, so z. B. ein kalter Wind, langsame entzündliche Reizung oder ein Schlag auf das Augenlid eine reichliche Absonderung von Thränen verursachen, wie es ja bekanntlich der Fall ist. Die Drüsen werden auch durch die Reizung benachbarter Theile zur Thätigkeit gereizt. So werden, wenn die Nasenhöhlen durch stechende Dämpfe gereizt werden, wenn auch die Augenlider fest geschlossen gehalten werden, doch Thränen reichlich abgesondert, und dies tritt auch ein in Folge eines Schlages auf die Nase z. B. mit einem Boxerhandschuh. Ein stechender Peit- schenschlag auf das Gesicht ruft, wie ich gesehen habe, dieselbe Wir- kung hervor. In diesen letztern Fällen ist die Absonderung von Thränen nur ein zufällig begleitendes Resultat und von keinem direc- ten Nutzen. Da alle diese Theile des Gesichts mit Einschlusz der Thränendrüsen mit Zweigen desselben Nerven versehen werden, näm- lich des fünften Paares, so ist es in einem gewissen Grade zu ver- stehen, warum die Wirkungen der Reizung irgend eines Zweiges auf die Nervenzellen oder Wurzeln der andern Zweige sich verbreiten.

Die inneren Theile des Auges wirken gleichfalls unter gewissen Bedingungen in einer reflectorischen Weise auf die Thränendrüsen. Mr. Bowman hat mir freundlichst die folgende Angabe mitgetheilt. Der Gegenstand ist aber ein sehr verwickelter, da alle Theile des Auges in so inniger Beziehung zu einander stehen und für verschie-

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dene Reize so empfindlich sind. Ein starkes auf die Netzhaut treff des Licht hat, wenn letztere sich in normalem Zustande befindet, wenig Neigung, Thränenabsonderung zu verursachen. Aber bei un sunden Kindern, welche kleine, lange offenbleibende Geschwüre der Hornhaut haben, wird die Netzhaut gegen Licht excessiv empfind lieh und selbst die Einwirkung des gewöhnlichen Tageslichts ver ursacht gewaltsamen und lange dauernden Verschlusz der Lider, eben wie einen profusen Thränenergusz. Wenn Personen, welche mit de Gebrauche eonvexer Gläser beginnen sollten, gewohnheitsgemäsz die abnehmende Accomodationsfähigkeit überanstrengen, so folgt häufig eine ungehörige Thränenabsonderung und die Netzhaut wird sehr leicht für Licht krankhaft empfindlich. Im Allgemeinen sind krankhafte Affectionen der Oberfläche des Auges und der Ciliar-Gebilde, welche beim Acte der Accomodation betheiligt sind, geneigt, von excessiver Thränenabsonderung begleitet zu werden. Die Härte des Augapfels, wenn sie nicht bis zur Entzündung sich steigert, aber doch einen Mangel des Gleichgewichts zwischen den Flüssigkeiten einschlieszt, welche von den im Augapfel gelegenen Gefäszerr ergossen und wieder aufgesogen werden, wird gewöhnlich nicht von irgend welcher Thränen- absonderung begleitet. Schlägt das Gleichgewicht nach der andern Seite über und wird das Auge zu weich, so ist eine gröszere Neigung zur Thränenabsonderung vorhanden. Endlich gibt es zahlreiche krank- hafte Zustände undStructurveränderungen der Augen, ja selbst fürchter- liche Entzündungen, welche von nur geringer oder gar keiner Thränen- onderung begleitet sein können. Es verdient auch Erwähnung, da es sich indirect auf uns egenstand bezieht, dasz das Auge und die umgebenden Theile eim auszerordentlichen Zahl reflectirter und assoeiirter Bewegungen, Em- pfindungen und Thätigkeiten. auszer denen, die sich auf die Thränen- drüsen beziehen, ausgesetzt sind. Wenn ein helles Licht die Netz- haut des einen Auges allein trifft, so zieht sich die Regenbogenhaut zusammen, aber auch die Regenbogenhaut des andern Auges bewegt sich nach einem meszbaren Zeitintervall. Die Regenbogenhaut bewegt sich gleichfalls bei der Accomodation auf nahes oder entferntes Sehen und wenn man die beiden Augen convergiren läszt23. Jedermann

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s. über diese verschiedenen Punkte Prof. Donders: On the Anonialies of coraodation and Refraction of the Eye. 1864, p. 573.

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eisz, wie unwiderstehlich die Augenbrauen unter dem intensiv hellen Lichtes herabgezogen werden. Die Augenlider blinken auch unwillkürlich, wenn ein Gegenstand in der Nähe der Augen be- wegt oder ein Laut plötzlich gehört wird. Die bekannte Thatsache, dasz ein helles Licht manche Personen veranlaszt, zu niesen, ist selbst noch merkwürdiger. Denn hier strahlt Nervenkraft aus gewissen Nervenzellen in Verbindung mit der Netzhaut nach den empfindenden Nervenzellen der Nase hin, welches ein Kitzeln in dieser hervorruft, und von diesen geht die Bewegung der Nervenkraft weiter auf die- jenigen Zellen, welche die verschiedenen respiratorischen Muskeln (die Ringmuskeln eingeschlossen) beherrschen, die dann die Luft in einer eigenthüinlichen Weise austreiben, daz sie allein durch die Nasen-

cher hervorbricht.

Um aber auf unsern Gegenstand zurückzukommen: Warum wer-

n während eines Schreianfalls oder anderer heftiger exspiratorischer strengungeu Thränen abgesondert? Da ein unbedeutender Schlag auf Augenlider eine reichliche Thränenabsonderung veranlaszt, so ist es mindestens möglich, dasz die krampfhaften Zusauunenziehungen der Augenlider durch heftiges Drücken auf den Augapfel in einer ähn- lichen Weise etwas Absonderung verursachen. Dies erscheint möglich, obschon die willkürliche Zusammenziehung derselben Muskeln keine solche Wirkung hervorbringt. Wir wissen, dasz ein Mensch nicht willkürlich mit nahezu der gleichen Kraft niesen oder husten kann, als wenn er es automatisch thut; und dasselbe gilt für die Zusammen- ziehung der ringförmigen Muskeln. Sir Ch. Bki.l machte an diesen letzteren Versuche und fand, dasz beim plötzlichen und gewaltsamen Schlieszen der Augenlider im Dunkeln Lichtfunken gesehen werden wie die, welche durch ein Schlagen der Augenlider mit den Fingern hervorgerufen werden. „Aber beim Niesen ist das Zusammendrücken „sowohl rapider als auch gewaltsamer und auch die Funken sind „glänzender. Dasz diese Funken eine Folge der Zusammenziehung „der Augenlider sind, ist klar, weil, wenn diese während des Actes \iesens offen gehalten werden, keine Lichtempfindung erfahren

wird."

In den eigeuthümlichen von Prof. Donders und Mr. Bowman geführten Fällen haben wir gesehen, dasz einige Wochen, nachdem die Augen unbedeutend beschädigt worden waren, krankhafte Zusammen- ziehungen der Augenlider erfolgten, und diese waren von einem pr

....:

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Cap. 6.                                                Weinen.                                                     K,7

fusen Thränenergusse begleitet. Bei dem Acte des Gähnens sind die Thränen allem Anscheine nach nur Folgen der krampfhaften Zusammen- ziehung der Muskeln rings um das Auge. Trotz dieser letztern Fälle scheint es aber doch kaum glaublich zu sein, dasz der Druck der Augenlider auf die Oberfläche des Auges, — (wenn er auch krampf- haft und daher mit viel bedeutenderer Gewalt ausgeführt wird als willkürlich gethan werden kann), — hinreichend sein solle, durch Beflex- thätigkeit die Absonderung der Thränen in den vielen Fällen zu ver- ursachen, in welche diese während heftiger exspiratorischer Anstrengung eintritt.

Es kann aber in Verbindung mit dem allen noch eine andere Ursache in's Spiel kommen. Wir haben gesehen, dasz die innern Theile des Auges unter gewissen Bedingungen in einer reflectorischen Art und Weise auf die Thränendrüsen wirken. Wir wissen, dasz wäh- rend heftiger exspiratorischer Anstrengungen der Druck des arteriellen Blutes innerhalb der Augengefäsze vergröszert wird und dasz der ltückflusz des venösen Blutes verhindert ist. Es scheint daher nicht unwahrscheinlich zu sein, dasz die Ausdehnung der Augengefäsze, welche hiedurch veranlaszt wird, durch Reflexion auf die Thränen- drüsen wirken könnte, wodurch die Wirkungen, welche eine Folge des krampfhaften Druckes der Augenlider auf die Oberfläche des Auges sind, vergröszert würden.

Überlegt man sich, inwieweit diese Ansicht wahrscheinlich ist, so musz man im Auge behalten, dasz die Augen kleiner Kinder durch zahllose Generationen in dieser doppelten Art und Weise, so oft sie geschrieen haben, beeinfluszt worden sind. Und nach dem Principe, das/. Nervenkraft leicht gewohnten Canälen entlang ausströmt, wird selbst ein mäsziger Druck des Augapfels und eine mäszige Ausdehnung der Augengefäsze endlich durch Gewohnheit dahin gelangen, auf die Drüsen zu wirken. Wir haben einen analogen Fall darin, dasz die Kreismuskeln beinahe immer in einem geringen Grade selbst während eines unbedeutenden Weinanfalls zusammengezogen werden, wo keine Ausdehnung der Gefäsze und keine unangenehme Empfindung inner- halb der Augen erregt worden sein kann.

Wenn überdies complicirte Handlungen oder Bewegungen lange Zeit in strenger Association mit einander ausgeführt und diese aus irgend einer Ursache zuerst willkürlich und später gewohnheitsgemäsz unterbrochen worden sind, dann wird, wenn die gehörigen erregenden

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Ausdruck des Leidens.

Bedingungen eintreten, irgend ein Theil der Handlung oder der Be wegung, welche am wenigsten unter der Controle des Willens steht, häufig noch immer unwillkürlich vollzogen werden. Die Ahsonderung aus einer Drüse ist merkwürdig frei von dem Eintlusse des Willens. Wenn daher mit dem fortschreitenden Alter des Individuums oder mit der fortschreitenden Cultur der Rasse die Gewohnheit des Aufweinens oder Schreiens unterdrückt wird und folglich auch keine Ausdehnung der Blutgefäsze des Auges eintritt, so kann es nichtsdestoweniger ganz gut sich ereignen, dasz Thränen noch immer abgesondert «erden.

Wir können, wie vor Kurzem erst bemerkt wurde, die .Muskeln rings um das Auge bei einer Person, welche eine traurige Geschichte liest, zwinkern oder in einem so unbedeutenden Grade zittern sehen, dasz es kaum nachzuweisen ist. In diesem Falle ist kein Aufschrei und keine Ausdehnung der Blutgefäsze eingetreten und doch senden in Folge der Gewohnheit gewisse Nervenzellen einen geringen Betrag von Nervenkraft nach den Zellen hin, welche die Muskeln rings um's Auge beherrschen. Diese wiederum überliefern etwas davon an die Zellen, welche die Thränendrüsen beeinflussen; denn häufig werden die Augen zu gleicher Zeit eben mit Thränen angefeuchtet. Wenn das Zittern der Muskeln rund um das Auge und die Absonderung von Thränen vollständig aufgehalten worden ist, so ist es nichtsdesto- weniger beinahe sicher, dasz eine gewisse Neigung doch noch immer vorhanden gewesen ist, Nervenkraft in diesen selben Richtungen aus- strahlen zu lassen; und da die Thränendrüsen merkwürdig frei von der Controle des Willens sind, so werden sie in ausserordentlichem Grade dem ausgesetzt sein, noch immer in Thätigkeit zu treten und uns dadurch, trotzdem keine äuszern Zeichen sichtbar werden, doch die traurigen Gedanken zu offenbaren, welche durch die Seele der Person ziehen.

Als eine weitere Erläuterung der hier entwickelten Ansichten kann ich noch bemerken, das/., wenn während einer frühen Lebens- periode, wo Gewohnheiten aller Arten sich leich                      unsere Kinder daran gewöhnt wurden wären, im Gefühle de lautes Behalte] Iches die Ge- i und /.war eben so häufig und so anhaltend, wie sie der Gewohnheit der Schreianfälle nachgegeben haben, wenn sie sieh unglücklich fühlen, sie wahr! ise im spätem Leben Thränen so reichlieh und so n mfiths-

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zustande abgesondert haben würden wie in dem andern. Leich Lachen oder ein Lächeln oder selbst ein vergnüglicher Gedanke würd hingereicht haben, eine mäszige Thränenabsonderung zu verursachen Es besteht allerdings eine offenbare Neigung in dieser Richtung, in einem späteren Capitel gezeigt werden wird, wo wir die zartei Gefühle besprechen. Bei den Sandwich-Insulanern werden der Antra i 's zufolge ** Thränen als ein Zeichen des Glückes angeseh Wir würden aber doch noch bessere Beweise hierüber verlangen das Zeugnis eines vorübergehenden Weisenden. Wenn ferner Kinder unserer Basse während vieler Generationen und jedes derselben wäh- rend mehrerer Jahre beinahe täglich von lang anhaltenden Erstickungs- znfällen zu leiden gehabt hätten, während welcher die Gefäsze des Auges ausgedehnt und Thränen reichlich abgesondert worden wären. dann ist es wahrscheinlich, — denn so grosz ist die Kraft der as. ciirten Gewohnheit, — dasz während des späteren Lebens der blo: Gedanke an eine Erstickung ohne irgend welche trübe Stimmung des Geistes hingereicht haben würde, Thränen in unsere Augen zu bringen. Um dieses Capitel zusammenzufassen: Das Weinen ist wahrschein- lich das Resultat irgend einer bestimmten Reihe von Ereignissen, wie etwa der folgenden. Wenn Kinder Nahrung verlangen oder in irgend we'

ise leiden, so schreien sie laut auf gleich den Jungen der meis' andern Thiere, zum Theil als ein Rufen nach ihren Eltern um Hül zum Theil in Folge davon, dasz jede grosze Anstrengung erleichternd wirkt. Lang anhaltendes Schreien führt unvermeidlich zur fjberfüllung der Blutgefäsze des Auges, und diese wird zuerst bewuszterweise und endlich gewohnheitsgemäsz zur Zusammenziehung der Muskeln rings um das Auge geführt haben, um dasselbe zu schützen. In der- selben Zeit wird der krampfhafte Druck auf die Oberfläche des Auges und die Ausdehnung der Gefäsze innerhalb derselben, ohne mit Not- wendigkeit eine bewuszte Empfindung herbeizuführen, durch Reflex- thätigkeit die Thränendrfisen afficirt haben. Endlich ist es durch die drei Principien, Dämlich das Princip, dasz Nervenkraft leicht gewohn- ten Canälen entlang ausströmt, das Princip der Association, welches in seiner Wirkungsweise sehr weit verbreitet ist, und dasz gewisse Handlungen mehr unter der Controle des Willens stehen als andere,— dahin gekommen, dasz ein Leiden leicht die Absonderung von Thränen

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'' citirt von Sir J. Lnbbock, Prehistoric Times, 1865, p.

Corriolete                             Darwin Onlii

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veranlaszt, ohne mit Notwendigkeit von irgend einer andern Thätig- keit begleitet zu sein.

Obschon wir in Übereinstimmung mit dieser Ansicht das Weinen als ein zufalliges Resultat betrachten müssen, so zwecklos als die Ab- sonderung von Thränen in Folge eines Schlags auf das Äuszere des Auges oder als ein Niesen in Folge der Aflection der Netzhaut durch ein helles Licht, so bietet dies doch keine Schwierigkeit dafür dar, einzusehen, dasz die Absonderung der Thränen zur Erleichterung des Leidens dient. Und in dem Masze, als das Weinen heftiger und hysterischer ist, umsomehr wird die Erleichterung gröszer sein, — nach demselben Principe, nach welchem das Winden des ganzen Kör- pers, das Knirschen mit den Zähnen und die Äuszening durchdringen- der Aufschreie, —* nach welchem dies Alles in der Seelenangst der Schmerzen Erleichterung gibt.

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Allgemeine Wirkung des Kummers auf den Körper. — Schräge Stellung der Augen- brauen im Leiden. — Über die Ursache der schrägen Stellung der Augenbrauen. - Pbet 'bis Herabdrücien der Mundwinkel.

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Wenn der Geist unter einem heftigen Anfalle von Gram gelit' at und die Ursache hält noch immer an, so verfallen wir in einei Zustand der Niedergeschlagenheit; oder wir können uns auch im äuszer- sten Grade verloren und niedergedrückt fühlen. Lange anhaltender körperlicher Schmerz führt, wenn er nicht geradezu äuszerste Seelen- angst veranlaszt, allgemein zu demselben Seelenzustande. Wenn wir in der Erwartung eines Leidens sind, so sind wir in Angst wir keine Hoffnung auf Erlösung haben, so verzweifeln wir.

Personen, welche an excessivem Kummer oder Gram leiden, suchen sich häufig durch heftige und beinahe wahnsinnige Bewegungen Er- ichterung zu verschaffen, wie in einem früheren Capitel beschrieben rde; wird aber ihr Leiden in etwas gemildert, dauert es aber noch rt, so haben sie keinen Wunsch mehr nach Thätigkeit, sondern bleiben bewegungslos und passiv oder schwanken gelegentlich hin und her. Die Circulation wird träge, das Gesicht bleich; die Muskeln wer- .'. die Augenlider matt; der Kopf hängt auf die zusammen- gezogene Brust herab; die Lippen, Wangen und der Unterkiefer sinken alle unter ihrem eigenen Gewichte herab. Es sind daher die ganzen Gesichtszüge verlängert, und von einer Person, welche eine schlimme Nachricht hört, sagt man, dasz sie ein langes Gesicht mache. Eine Gesellschaft Eingeborner im Feuerlande versuchte uns zu erklären, dasz ihr Freund, der Capitän eines Segelschiffes, niedergeschlagen sei;

Ausdruck. Dritte Auflage. CVII-)                                                   11

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Ausdruck des Kummers.

und zwar thaten sie dies dadurch, das/, sie ihre Backen mit beiden Händen herabzogen, um ihr Gesicht so lang als möglich erscheinen zu machen. Mr. Bdnnet theilt mir mit, dasz die Eingebornen von Australien, wenn sie niedergeschlagen sind, den Mund hängen lassen. Nach lange anhaltendem Leiden werden die Augen matt und verlieren den Ausdruck; auch werden sie häufig leicht mit Thränen unterlaufen, ie Augenbrauen werden nicht selten schräg gestellt, was eine Folge

von ist, dasz ihre innern Enden in die Höhe gezogen werden. Dies ruft eigentümlich geformte Furchen auf der Stirn hervor, welche von denen eines einfachen Stirnrunzelns sehr verschieden sind; doch kann in einigen Fällen allein ein Stimrunzeln vorhanden sein. Die Mund- winkel werden abwärts gezogen; und dies wird so ganz allgemein als ein Zeichen einer gedrückten Stimmung erkannt, dasz es beinahe sprichwörtlich geworden ist.

Das Athmen wird langsam und schwach und wird häufig von tiefem Seufzen unterbrochen. Wie (ii;.u iglet bemerkt, vergessen wir, sobald nur unsere Aufmerksamkeit lange auf einen Gegenstand ge- richtet ist, zu athmen und erleichtern uns dann durch eine tiefe In- spiration; die Seufzer einer in Trauer befangenen Person sind aber als Folge der langsamen Respiration und trägen Circulation auszer- ordentlich characteristisch1. Wenn der Kummer einer Person in diesem Zustande gelegentlich wiederkehrt und sich zu einem Paroxysmus ver- schärft, dann ergreifen Krämpfe die Respirationsmuskeln, und sie fühlt, als wenn irgend Etwas, der sogenannte globus hystericus, in ihrer Kehle aufstiege. Diese krampfhaften Bewegungen sind offenbar mit dem Schluchzen der Kinder verwandt und sind Überbleibsel jener eftigeren Krämpfe, welche eintreten, wenn man von einer Person

gt, dasz sie vor excessivem Kummer ersticke2.

Ieftigeren 1 igt, dasz s Schrä er oben ge

Schräge Stellung der Augenbrauen. — Allein zwei Punkte r oben gegebenen Beschreibung erfordern weitere Erläuterung, und

' Die obigen descriptiven Bemerkungen sind zum Theil meinen eigenen Beob- achtungen entnommen, hauptsächlich aber Gratiolet (De la Physionomie, p. 53, 337; über das Seufzen, p. 232), welcher den ganzen Gegenstand sehr gut erörtert hat; s. auch Huschke, Himices et Physiognomices Fragmentnm physiologicum, 1821, p. 21. Über das matte Ansehen der Augen s. Dr. Piderit, Mimik und nik, 1867, S. 65.

2 Obei die Wirkung des Kummers auf die üespirationsorgane s. besonders noch Sir Ch. Bell, Anatomy of Expression, 3. cdit. 1844, p. 151.

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zwar sind dieselben sehr merkwürdig: nämlich das in die Höhe Ziehen der innern Enden der Augenbrauen uud das Herabziehen der Mund- winkel. Was die Augenbrauen betrifft, so kann man wohl gelegent- lich sehen, dasz sie bei Personen, welche an tiefer Niedergeschlagen- heit leiden oder voller Sorgen sind, eine schräge Stellung annehmen; so habe ich z. 1!. diese Bewegung bei einer Mutter gesehen, welche von ihrem kranken Sohne sprach; zuweilen auch wird sie durch völlig unbedeutende oder momentan vorübergehende Ursachen wirklicher oder vorgeblicher Trübsal veranlasst. Die Augenbrauen nehmen diese Stel- lung dadurch an, dasz die Zusammenziehung gewisser Muskeln (näm- lich der kreisförmigen, der Augenbrauenrunzler und des Pyramiden- muskels der Nase, welche zusammen die Augenlider herabzuziehen und zusammenzuziehen streben) durch die kraftvollere Zusammenziehung der centralen Bündel des Stirnmuskels zum Theil gehemmt wird. Diese letzteren Bündel erheben durch ihre Zusainmenzieliiing allein die innern Enden der Augenbrauen; und da die Augenbrauenninzler in derselben Zeit die Augenbrauen zusammenziehen, so werden ihre innern Enden in eine grosze Falte oder einen Klumpen zusammengelegt. Diese Falte ist in der Erscheinung der Augenbrauen, wenn sie schräg gestellt sind, in hohem Grade characteristisch, wie in den Figuren 2 und 5 auf Tafel II. zu sehen ist. Die Augenbrauen erscheinen gleichzeitig rauh in Folge des Umstandes, dasz die Haare vorstehend ge- macht sind. Dr. J. I                       \i: hat auch häufig bei melancho- lischen Patienten, welche ihre Augenbrauen beständig in einer schrä- gen Stellung halten, „eine eigenthümliche spitze Wölbung des obern „Augenlides" beobachtet. Eine Spur hiervon ist bei der Vergleichung des rechten und linken Augenlides des jungen Mannes in der Photo- graphie (Fig. 2, Tai'. II.) zu bemerken; denn er war nicht im Stande, gleichmäszig auf beide Augenlider zu wirken. Dies zeigt sich auch an der Ungleichheit der Furchen auf den beiden Seiten seiner Stirn Dieses spitze Wölben der Augenlider hängt, wie ich glaube, davon 32 nur die innern Enden der Augenbrauen in die Höhe gezogen werden; denn wird die ganze Augenbraue in die Höhe gehoben und gebogen, so folgt das obere Augenlid in einem geringen Grade der- selben Bewegung.

Das am allermeisten auffallende Resultat der einander entgegen- gesetzten Zusammenziehung der oben erwähnten Muskeln wird aber durch die eigentümlichen sich auf der Stirn bildenden Furchen dar-

11*

The Cornc                                       "win Onlint

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geboten. Man kann diese -Muskeln, wenn sie so in Verbindung, aber in entgegengesetzter Richtung in Thätigkeit treten, der Kürze wegen die „Gram-Muskeln" nennen. Wenn eine Person ihre Augenbrauen durch Zusammenziehung des ganzen Stirnmuskels erhebt, so erstrecken sich quere Falten über die ganze Breite der Stirn; in dem vorliegen- den Falle werden aber nur die mittleren Bündel zusammen gezogen; in Folge dessen bilden sich quere Furchen allein über dem mittleren Theile der Stirn. Die Haut über dem äuszeren Theile der Augen- brauen wird gleichzeitig durch die Zusammenziehung der äuszern Par- tien der Kreismuskeln nach abwärts gezogen und geglättet. Es werden auch die Augenbrauen durch die gleichzeitige Zusammenziehung der Augenbrauenrunzler einander genähert3; und diese letztere Handlung bringt senkrechte Furchen hervor, welche den äuszern und herabge- zognen Theil der Stirnhaut von dem mittleren und in die Höhe ge- hobenen scheiden. Die Verbindung dieser senkrechten Furchen mit den mittleren und queren Furchen (s. Fig. 2 und 3) erzeugt auf der

3 Bei den vorstehenden Bemerkungen über die Art und Weise, wie die Augen- brauen schräg gestellt werden, bin ich der, wie es scheint, ganz allgemeinen An- sieht aller der Anatomen gefolgt, deren Werke ich über die Thätigkeit der oben genannten Muskeln zu Rathe gezogen oder mit denen ich mich unterhalten habe.

rde daher im ganzen Verlaufe die»                        ähnliche Ansieht von der

Wirkung des corrugat or supercilii, orbicnla ris, pyramidalis m

nmuskeln festhalten. Dr. Duchenne indessen glaubt, — und jedeFolge- rnng, zu welcher er gelangt, verdient ernstliche Erwägung, - dasz es der von ihm sourcilier genannte Angenbrauenrunzler sei, weicher den innernWinkel der Augenbrauen erhebe und                         des oberen und inneren Theils BOK

Krcismuskels als auch des pyramidalis nasi sei (s. Mecanisme de la I' Snmaine, 1862, folio, Art. V. Text, und Figuren 19 bis 2                        Im 1862,

! ext). Kr gibt indessen zu, dasz der Corrugator die Augenbrauen zusammen- ziehe und dadurch senk                                                                    ein Stirnrunzcln

che. Er glanbt ferner, dasz nach den äuszern zwei Drittheilen dei brauen zu der Augenbrauenrunzler in Verbindung mit dem oberen Theile der Krcisiimskeln wirke; wobei hier beide in Antagonismus zum Stirnmuskel stehen.

ch mich nach Henle's Abbildung (Holzschnitt, Fig. 8. S. 23) richte, so bin ich nicht im Stande einzusehen, wie der Corrugator in der von Duchenne geschilderten Art wirken kann. S. auch über diesen Gegenstand Prof. Don Bemerkungen in den: „Archives of Medioine* VoL V. 1870, p. 84. Mr. ,1. Wood, welcher so bekannt wegen seiner sorgfältigen Studien über die Muskeln des mensch- lichen Körners ist, sagt mir, er glaube, die Schilderung, die ich von der Wirkung i unzlers gegeben habe, sei correct. Es ist dies aber kein Punkt od welcher Bedeutung in Bezug auf die Ausdrncksfonn, welche durch die der Augenbrauen hervorgebracht wird, noch von irgend welcher Bedeutung

Comolete Work of Charles Darwin Onli

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rage Stellang der Augenbrauen.

Stirn eine Zeichnung, welche man mit der Figur eines Hufeisens ' glichen hat; streng genommen bilden aber diese Furchen die Seiten eines Vierecks. An der Stirn erwachsener oder nahezu wachsener Personen sind dieselben häufig ganz, deutlich, wenn die Augenbrauen in der geschilderten Weise schräg gestellt werden; bei kleinen Kindern aber sind sie in Folge des Umstandes, dasz sich ihre Haut nicht leicht faltet, nur selten zu sehen oder es lassen sich blosze uren derselben nachweisen.

Diese eigenthüralichen Furchen sind am besten in Figur 3 Tafel IL der Stirn einer jungen Dame dargestellt, welche in einem ganz ihnlichen örade das Vermögen besitzt, willkürlich auf die er- forderlichen Muskeln einzuwirken. Da dieselbe, während sie photo- graphirt wurde, ganz von dem Versuche absorbirt war, so war ihr sausdruck durchaus nicht der des Kummers; ich habe daher allein die Abbildung der Stirn gegeben. Fig. 1 auf derselben Tafel, nach Duchennes Werk ' copirt, stellt in einem verkleinerten Masz- stabe das Gesicht in seinem natürlichen Zustande von einem jungen Manne dar, der ein guter Schauspieler ist. In Fig. 2 ist er abg bildet, wenn er Kummer ausdrückt; wie aber schon vorher bemer wurde, sind hier die beiden Augenbrauen nicht in gleichmäsziger Art beeinfiuszt worden. Dasz der Gesichtsausdruck ein richtiger ist, kann man aus der Thatsache schlieszen, dasz von fünf- zehn Personen, denen die Originalphotographie gezeigt wurde, ohne irgend einen Schlüssel zu dem, was mit dem Vorlegen des Bil- des beabsichtigt wurde, vierzehn sofort antworteten: „verzweifelnder Kummer", „leidendes Erdulden", „Melancholie" u. s. w. Die Ge- schichte der Fig. 5 ist einigermaszen merkwürdig. Ich sah die Photographie in dem Schaufenster eines Ladens und brachte sie zu Mr. Rejlandee, um ausfindig zu machen, von wem sie gemacht wor- ei, wobei ich gegen ihn bemerkte, wie pathetisch der Ausdruck Er antwortete: „Ich habe sie gemacht, und der Ausdruck konnte ohl schon pathetisch sein, denn ein paar Minuten später brach der unge in Weinen aus." Er zeigte mir dann eine Photographie des-

Ich bin Dr. Duchenne sehr für die Erlaubnis verbunden, diese beiden otographien (Fig. 1 und 2) durcli den Procesz der Heliotypie aus seinem Folio- werke reproduciren zu lassen. Viele der vorstehenden Bemerkungen aber das Fallen der Haut, wenn die Augenbrauen schräg gestellt werden. sind seiner ausgezeich- iten Erörterung über diesen Gegenstand entnommen.

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selben Knaben in einem gemüthlichen Gemüthsznstande, welche ich habe reproduciren lassen (Fig. 4). In Fig. 6 kann man eine Spul von schräger Stellung an den Augenbrauen entdecken; diese Figur ist aber, ebenso wie Fig. 7, hier mitgetheilt worden, um das Herabziehen der Mundwinkel zu zeigen, auf welchen Gegenstand ich sofort zurück- kommen werde.

Es können nur wenig Personen ohne einitr Übung willkürlich auf ihre „Gram-Muskeln" wirken; nach wiederholten Versuchen _ es indesz einer beträchtlichen Anzahl, während Andere es niemals können. Der Grad der schrägen Stellung der Augenbrauen, mag die- selbe willkürlich oder unbewuszterweise angenommen worden sein, ist bei verschiedenen Personen sehr verschieden. Bei einigen, welche allem Anscheine nach ungewöhnlich starke Pyramidenmuskoln haben, hebt die Zusammenziehung der mittleren Bündel des Stirnmuskels, obschon sie energisch sein mag, wie sich durch die viereckigen Fur- chen an der Stirn zeigt, die innern Enden der Augenbrauen nicht in die Höhe, sondern verhindert es nur, dasz sie so tief herabgesenkt werden, als es sonst der Fall gewesen sein würde. So weit ich zu beobachten im Stande gewesen bin', werden die Gram-Muskeln viel häutiger von Kindern und Frauen als von Männern in Thätigkeit ge- setzt. Nur selten, wenigstens bei erwachsenen Personen, wirkt körper- licher Schmerz auf sie ein, vielmehr beinahe ausschlieszlich Seelen- angst. Zwei Personen, welche es nach einiger Übung erlangten, ihre Gram-Muskeln wirken zu lassen, fanden, als sie sich im Spiegel be- trachteten, dasz sie, wenn sie ihre Augenbrauen schräg stellten, gleich- zeitig unabsichtlich ihre Mundwinkel herabzogen: und dies ist häufig der Fall, wenn der Ausdruck natürlich angenommen wird.

Das Vermögen, die Gram-Muskeln gehörig in Thätigkeit zu b gen, scheint wie beinahe jede andere menschliche Fähigkeit erblich zu sein. Eine Dame, welche zu einer Familie gehörte, die dadurch be- rühmt war, dasz sie eine auszerordentliche Anzahl groszer Schauspieler und Schauspielerinnen hervorgebracht hat, und welche selbst den hier besprochenen Ausdruck „mit merkwürdiger Präcision" wiedergeben kann, erzählte dem Dr. Crichton Browne, dasz ihre ganze Familie diese Fähigkeit in einem merkwürdigen Grade besessen habe. Wie ich gleichfalls von Dr. Browne höre, soll sich dieselbe erbliche Nei- gung bis auf den letzten Nachkommen der Familie erstreckt haben, welcher zu dem Roman „Red Gauntlet" von Sir Walter Scott Ver-

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lassung gegeben hat; der Held wird hier aber beschrieben, als zöge seine Stirn bei einer jeden starken Gemüthserregung in eine huf- enförmige Figur zusammen. Ich habe auch eine junge Frau ge- ehen, deren Stirn beinahe gewohnheitsgemäsz in dieser Weise zu- sammengezogen zu sein schien, unabhängig von irgend einer während der Zeit gefühlten Erregung.

Die Gram-Muskeln werden nicht sehr häufig in's Spiel gebracht; da ferner ihre Thätigkeit oft nur momentan ist, so entzieht sie sich leicht der Beobachtung. Obgleich die Ausdrucksform, wenn sie zur Beobachtung kommt, ganz allgemein und augenblicklich als die des Kummers oder der Sorgen erkannt wird, so ist docli nicht eine Person unter einem Tausend, wenn sie den Gegenstand nicht eingehend studirt hat, im Stande, genau anzugeben, was für eine Verände- rung an dem Gesichte des Leidenden vorgeht. Wahrscheinlich liegt hierin der Grund dafür, dasz diese Ausdrucksform, soviel ich bemerkt habe, in keinem Werke der Dichtung, auch nicht einmal beiläufig, erwähnt wird, mit Ausnahme des „Red Gauntlet" und einem einzigen andern Romane; es gehört aber die Verfasserin des letzten, wie mir gesagt worden ist, zu der oben erwähnten berühmten Familie von

Ichauspielern, so dasz ihre Aufmerksamkeit vielleicht speciell auf iesen Gegenstand hingelenkt worden ist. Die alten griechischen Bildhauer waren mit dieser Ausdrucksform ohl bekannt, wie es an den Statuen des Laokoon und des Schleifers i sehen ist; wie aber Duchenne bemerkt, verlängerten sie die queren orchen auf der Stirn über deren ganze Breite und begiengen damit inen groszen anatomischen Fehler; auch ist dies bei einigen modernen tatuen gleicherweise der Fall. Jene wunderbar sorgfältigen Beob- achter haben indessen wahrscheinlicherweise eher mit Absicht die Wahrheit zum Zwecke der Schönheit geopfert, als dasz sie einen Fehler gemacht hätten; denn rechtwinklige Furchen auf der Stirn würden am Marmor keinen groszartigen Anblick dargeboten haben. So viel ich ausfindig machen kann, wird diese Ausdrucksform in ihrem voll- ständig entwickelten Zustande nicht oft von den alten Meistern auf Gemälden dargestellt, ohne Zweifel aus derselben Ursache. Doch theilt mir eine Dame, welche mit dieser Ausdrucksform vollkommen vertraut ist, mit, dasz sie in Fi:\ Angeuco's Abnahme vom Kreuz in Florenz ganz deutlich von einer der Personen rechter Hand dargeboten wird; ich selbst könnte noch einige wenige andere Beispiele hinzufügen.

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Dr. Cki                     : widmete auf meine Bitte dieser Ausdrucks-

form bei den zahlreichen in der West-Kiding-Irrenanstalt unter seiner Behandlung stehenden geisteskranken Patienten eingehende Aufmerk- samkeit; auch kennt er Dlciiknnk's Photographie von der Thätigkeit der Gram-Muskeln sehr gut. Er theilt mir mit, dasz die letztern bei Fällen von Melancholie und speciell von Hypochondrie beständig; in energischer Thätigkeit gesehen werden können; und die von ihrer fort- währenden Znsammenziehung abhängigen, bleibend vorhandenen Linien oder Furchen sind für die Physiognomie der zu diesen beiden i gehörenden Geisteskranken characteristisch. Dr. Browne beobachtete in meinem Interesse eine beträchtliche Zeit hindurch Borgfältig drei Fälle von Hypochondrie, bei denen diese Gram-Muskeln bestandig zu- sammengezogen waren. Miner dieser Fälle betraf eine 51 Jahre alte Wittwe, welche Bich einbildete, alle ihre Eingeweide verloren und in Folge dessen einen leeren Körper zu haben. Sie hatte einen An- druck groszer Trübsal und schlug ihre halbgeschlossenen Hände stun- denlang rhythmisch zusammen. Die Gram-Muskeln waren permanent zusammengezogen und die obern Augenlider waren gewölbt. Dieser Zustand hielt Monate lang an; dann wurde sie hergestellt und ihr Gesicht nahm nun seinen natürlichen Ausdruck wieder an. Ein zweiter Fall bot nahezu dieselben Eigentümlichkeiten dar; doch waren hier auszerdem noch die Mundwinkel herabgezogen.

Auch Mr. Patrick (ficot hat mit groszer Freundlichkeit für mich mehrere Fälle in der Sussex-Irrenanstalt beobachtet und mir in Bezug auf drei derselben ausführliche Einzelheiten mitgetheilt; diese brauchen jedoch hier nicht angefühlt zu werden. Aus seinen Beobachtungen an melancholischen Patienten Bchlieszt Mr. NiCOL, dasz die innern Enden der Augenbrauen beinahe immer mehr oder weniger in die Höhe gezogen sind, wobei die Falten auf der Stirn mehr oder weniger deut- lich markirt werden. In einem Falle, bei einer jungen Frau, war zu beobachten, dasz diese Falten in beständigem Spiele oder beständiger Bewegung begriffen waren. In einigen Fällen sind die Mundwinkel herabgezogen, häufig aber nur in einem unbedeutenden Grade. Ein gewisses Masz von Verschiedenheit in dem Ausdrucke der verschiedenen melancholischen Patienten konnte beinahe immer beobachtet werden. Allgemein hängen die Augenlider matt herab; die Haut in der Nähe ihrer äuszein Winkel und unter ihnen ist gefurcht. Die Nasenlippen- falte, welche von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln herab läuft

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Schräge Stellang der Augenbraii

welche bei weinerlichen Kindern so auffallend ist, ist häufig bei iesen Patienten deutlich ausgesprochen.

Obgleich bei geisteskranken Personen die Gram-Mnskeln häufig in beständiger Thätigkeit sind, so werden sie doch iu gewöhnlichen Fällen zuweilen unbewuszt durch lächerlich unbedeutende Veranlassun- gen in momentane Thätigkeit gebracht. Ein Herr machte einer jungen Dame als Belohnung ein widersinnig kleines Geschenk; sie gab vor, gt zu sein, und als sie ihm Vorwürfe machte, nahmen ihre Augenbrauen eine äuszerst schräge Stellung an, wobei die Stirn gehörigen Falten bekam. Eine andere junge Dame und ein jun Mann, beide in ausgelassener Laune, sprachen eifrigst mit ausze ordentlicher Geschwindigkeit auf einander los; dabei bemerkte ich

oft die junge D:                      irde und ihre Worte nicht sei

genug hervorbringen konnte, ihre Augenbrauen schräg nach oben zogen wurden, wobei sich dann rechtwinklige Furchen auf ihrer St bildeten. Gewissermaszen hiszte sie in dieser Weise jedesmal die Nothflagge; sie that dies ungefähr ein halbes Dutzend Mal im Laufe weniger Minuten. Ich machte weiter keine Bemerkung über die Sache; bei einer andern Gelegenheit aber bat ich sie, ihre Gram-Muskeln in Thätigkeit zu setzen; ein anderes junges Mädchen, welches dabei war und dies willkürlich thun konnte, zeigte ihr, was dadurch beabsich- tigt werde. Sie versuchte es nun wiederholt, doch mislang es ihr vollständig. Und dennoch war eine so unbedeutende Veranlassung zur Trauer, wie das Gefühl nicht im Stande zu sein schnell genug zu sprechen, hinreichend, diese Muskeln immer und immer wieder- energische Thätigkeit zu versetzen.

Der durch die Zusammenziehung der Gram-Muskeln hervorgerufi Ausdruck des Grams oder Kummers ist durchaus nicht auf Eui beschränkt, scheint vielmehr allen Menschenrassen gemeinsam zuzu- kommen. Ich habe wenigstens glaubwürdige Schilderungen erbalten in Bezug auf das Vorkommen desselben bei den Hindus, den Dhangars (einem der ursprünglichen Bergstämme von Indien, folglich zu einer ganz andern Basse gehörig als die Hindus), den Mahnen. Negern und Australiern. Was die letztern betrifft, so beantworteten zwei Beob- achter meine Fragen bejahend, gehen aber in keine Einzelnheiten ein. Doch fügt Mr. Taim.ix meinen beschreibenden Bemerkungen die Won hinzu: .dies ist genau zutreffend". Was die Neger anlangt, so bi achtete die Dame, welche Fha Angelico's Gemälde gegen mich

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wähnte, einen Neger, welcher ein Boot auf dem Nil an einem Ta zog; als er auf ein Hindernis stiesz, sah sie, wie seine Grara-Muskeln in heftige Thätigkeit versetzt und auf der Mitte der Stirn scharf aus- gesprochene Falten gebildet wurden. Mr. Geach beobachtete einen Malayen in Malacca, dessen Mundwinkel stark herabgezogen waren, dessen Augenbrauen schräg standen und bei welchem kurze ti Gruben auf der Stirn vorhanden waren. Dieser Ausdruck währte ein«' kurze Zeit: Mr. GEACB bemerkt dazu: ,68 war ein sehr fremi „artiger Ausdruck, dem sehr ähnlich, welchen eine Person darbietet, „die über irgend einen schweren Verlust eben in Weinen aast» „will."

Die F.ingebornen von Indien sind, wie Mr. EL Kkskink gefunden hat, mit dieser Ausdrucksform ganz gut bekannt; Mr. J. Scott, vom botanischen Garten in Calcutta, hat mir mit groszer Freundlichkeit eine ausführliche Beschreibung zweier Fälle geschickt. Er b tete eine Zeit lang, während er selbst nicht gesehen wurde, ein ;

r-Wi'iii \n!i Nagpore, die Frau eines der Gärtner, welche ihr kleines im Sterben begriffenes Kind pflegte; dabei sah er deutlich, wie die Augenbrauen an den innern Enden in die Höhe gezogen waren, die Augenlider matt herabhiengen, die Stirn in der Mitte gefurcht und der Mund leicht geöffnet war mit stark herabgedrückten Mund- winkeln. Er trat dann hinter einer Wand von Pflanzen vor und redete die arme Frau an; sie fuhr zusammen, brach in eine Fluth bittrer Thranen aus und beschwor ihn, ihr Kind zu heilen. Der zweite Fall betraf einen Hindustani-Mann, welcher in Folge von Armuth und Krankheit gezwungen war, seine Lieblingsziege zu ver- kaufen. Nachdem er das Geld erhalten hatte, blickte er wiederholt auf das Geld in seiner Hand und dann auf die Ziege, als sei er noch in Zweifel, ob er es nicht zurückgeben solle. Er gieng dann zur Ziege, welche fertig aufgebunden war, um fortgeführt zu werden; das Thier erhob sich und leckte ihm die Hände. Seine Augen schwank- ten unstät von der einen zur andern Seite; sein „Mund war theil- „weise geschlossen, die Mundwinkel sehr entschieden herabgedrückt". Endlich schien sich doch der Arme dazu zu entscheiden, dasz er sich von seiner Ziege trennen müsse; und nun wurden, wie Mr. Scott sah, die Augenbrauen leicht schräg gestellt mit der characteristischen Faltung oder Schwellung an den innern Enden, es waren aber keine 'alten auf der Stirn vorhanden. Der Mann stand eine Minute lang

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Schläge Stellung der Augenbrauen,

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so da; dann brach er nach einem tiefen Seufzer in Thränen aus, hob seine beiden Hände auf, segnete die Ziege, drehte sich herum und gieng davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

Über die Ursache der schrägen Stellung der Augen- brauen im Leiden. — Mehrere Jahre lang schien mir kein. drucksform so verwirrend zu sein wie diejenige, die wir hier betrachten. Was könnte die Ursache sein. das/, sich bei Kummer oder bei Sorgen allein die mittleren Bündel des Stirnmuskels in Verbindung mit denen rings am das Auge zusammenziehen? Es scheint hier eine complicirte Bewegung vorzuliegen zu dem alleinigen Zweck, Gram oder Kummer auszudrücken; und doch ist dies ein verbältnismäszig seltener Auf- druck, der auch häufig übersehen wird. Ich glaube, die Erklärung ist nicht so schwierig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Dr. Duchenne theilt eine Photographie des vorbin erwähnten jungen Mannes mit. als er nach aufwärts auf eine stark erleuchtete Fläche sah, dabei zogen sich seine Gram-Muskeln unwillkürlich in einer über- triebenen Art zusammen. Ich hatte diese Photographie vollständig vergessen, als ich an einem sehr hellen Tage, die Sonne hinter mir, während ich ansritt, einem Mädchen begegnete, dessen Augenbrauen, wie sie zu mir heraufsah, auszerordentlich schräg gestellt wurden mit den eigentümlichen Furchen auf der Stirn. Dieselbe Bewegung habe ich dann unter ähnlichen Umständen bei mehreren späteren Gelegenheiten beobachtet. Bei meiner Bückkehr nach Hause liesz ich drei meiner Kinder, ohne ihnen eine Andeutung meines Zweckes zu geben, so lange und so aufmerksam, wie sie nur konnten, nach dem Gipfel eines hohen, gegen den äuszerst glänzenden Himmel stehenden Baumes hinsehen. Bei allen dreien wurden die kreisförmigen Muskeln, die Augenbrauen- runzler und die Pyramidenmuskeln energisch durch Beflexthätigkeit in Folge der Reizung der Netzhaut zusammengezogen, damit ihre Augen vor dem hellen Lichte geschützt würden. Sie versuchten aber ihr Aus/erstes, aufwärts zu sehen, und nun liesz sich ein merkwür- diger von krampfhaften Zuckungen begleiteter Kampf zwischen den ganzen Stirnmuskeln oder nur seinem mittleren Theile und den ver- schiedenen Muskeln, welche dazu dienen, die Augenbrauen herabzu- ziehen und die Augenlider zu schlieszen, beobachten. Die unwill- kürliche Zusammenziehung der Pyramidenmuskeln verursachte eine quere und tiefe Runzelung auf dem Basaltheile ihrer Nasen. Bei einem

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der drei Kinder wurden die ganzen Augenbrauen momentan erhob und gesenkt, und zwar durch die abwechselnde Zusaminenzielm ganzen Stirnmuskels und der die Augen umgebenden Muskeln, so dasz die ganze Breite der Stirn abwechselnd gefurcht und wieder geglättet wurde. Bei den zwei andern Kindern wurde die Stirn nur in der Mitte gefurcht, wodurch sich rechtwinklige Falten bildeten; die Augen- brauen wurden schräg gestellt, ihre innern Enden faltig geschwollen — bei dem einen Kinde zeigte sich dies in einem unbedeutende: Grade, bei dem andern in einer scharf markirten AA'eise. Diese V schiedenheit in der schrägen Stellung der Augenbrauen hieng di

nie nach von einer A'erschiedenheit in ihrer allgemeinen Be- weglichkeit und von der Kraft der Pyramidenmuskeln ab. In diesen beiden Fällen wirkten die Muskeln unter dem Einflüsse eines starken Lichtes auf die Augenbrauen und die Stirn in genau derselben id mit jeder characteristischen Einzelnheit, wie unter dem Einflu Kummers oder der Sorgen.

Duchenne gibt an, dasz der Pyramidenmnskel der Nase wenig unter der Controle des Willens steht als die andern Muskeln rings um das Auge. Er bemerkt, dasz der junge Mensch, welcher so gut auf seine Gram-Mnskeln, ebenso wie auf die meisten seiner übrigen Gesichtsmuskeln wirken konnte, seine Pyramidenmnakeln nicht zu- sammenziehen konnte5. Es ist indessen ohne Zweifel diese Fähigkeit bei verschiedenen Personen verschieden. Der Pyramidenmuskel dient dazu, die Haut der Stirn zwischen den Augenbrauen, gleichzeitig deren innern Enden, herabzuziehen. Die mittlem Bündel des Sti mnskels sind die Antagonisten des Pyramidenmuskels; und wenn Thätigkeit des letztern besonders gehemmt wird, so müssen die mii lern Bündel jenes zusammengezogen werden. AATenn daher bei Pi sonen mit kräftigen Pyramidenmuskeln unter dem Einflasse hellen Lichts ein unbewusztes Streben eintritt, das Herabsenken der Augenbrauen zu verhindern, so müssen die mittlem Bündel des Stirn- muskels in Thätigkeit gesetzt werden; und wenn deren Zusammen- ziehung hinreichend stark ist, die Pyramidenmuskeln zu fiberwältigen, so werden sie zusammen mit der Contraction der Augenbrauenmnzler und der kreisförmigen Muskeln in der eben geschilderten AA'eise auf Augenbrauen und die Stirn wirken.

oisme de la Physion. Humaine. Album, p, 15.

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Stellang der Augenbr

Wenn Kinder schreien oder in Weinen ausbrechen, so ziehen sie, irie wir wissen, die Kreismuskeln, die Augenbrauenrunzler und die Pyramidenmuskeln zusammen, ursprünglich zum Zwecke, ihre Augen zusammenzudrücken und sie hierdurch vor einer Blutüberfüllung zu schützen, später dann aus Gewohnheit. Ich erwartete daher bei Kin- dern zu finden, dasz, wenn sie versuchten entweder den Ausbruch des im Anzüge begriffenen Weinens zu verhindern oder das Weinen zu unterdrücken, sie die Zusammenziehung der obengenannten Muskeln in derselben Weise hemmen würden, wie wenn sie nach aufwärts helles Licht sehen, dasz folglich häufig die mittlem Bündel des Sti muskels in Thätigkeit kommen würden. Demzufolge begann ich seit Kinder zu solchen Zeiten zu beobachten, und Dat Andere, darunter mehrere Arzte, dasselbe zu thun. Es ist nothwendig, sorgfältig zu beobachten, da die eigentümlich entgegengesetzte Wirkung dieser Muskeln bei Kindern nicht nahezu so deutlich ist wie bei Erwach- senen, weil bei ihnen die Stirn nicht so leicht gefaltet wird. Ich erkannte aber bald, dasz bei derartigen Gelegenheiten die Gram- Muskeln sehr häufig in sehr entschiedene Thätigkeit kamen würde überflüssig sein, hier sämmtliche Fälle anzuführen, welche b obachtet wurden; ich will nur einige wenige einzeln mittheilen. Ei: kleines, anderthalb Jahr altes Mädchen wurde von mehreren andern Kindern gequält; ehe es in Thränen ausbrach, wurden die Augen- brauen ganz entschieden schräg gestellt. Bei einem etwas altem Mädchen wurde dieselbe schräge Stellung beobachtet, wobei die innern Enden der Augenbrauen deutlich faltig anschwollen; gleichzeitig wur- den auch die Mundwinkel nach abwärts gezogen. Sobald es in Thränen ausbrach, änderten sich sämmtliche Gesichtszüge und die besondere Au-drucksform verschwand. Nachdem femer ein kleiner Junge geimpft werden war, was ihn zu heftigem Schreien und Weinen gebracht hatt gab ihm der Arzt eine zu diesem Zwecke mitgebrachte Apfelsi was dem Kinde ungemeines Vergnügen machte; als es zu weinen hörte, wurden alle die characteristischen Bewegungen beobachtet, mit Einschlusz der Bildung der rechtwinkligen Falten auf der Mitte der Stirn. Endlich begegnete ich auf der Strasze einem kleinen, drei oder vier Jahre alten Mädchen, welches von einem Hunde erschreckt wor- den war; als ich sie fing, was ihr begegnet sei, hörte sie auf zi weinen und im Augenblicke wurden ihre Augen in einem liehen Grade schräg gestellt.

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Wir babeu daher hier, wie ich nicht zweifeln kann. Jen Schlüssel zur Lösung des Problems, warum sich unter dem Einflüsse des Kum- mers die mittlem Bündel des Stirnmuskels und die Muskeln rings um das Auge in Opposition zu einander zusammenziehen, — mag ihre Zusammenziehung eine länger anhaltende sein, wie bei den melancho- lischen Geisteskranken, oder momentan vorübergehen, wie in Folge irgend einer unbedeutenden Ursache der Trübsal. Wir haben alle als Kinder wiederholt unsere ringförmigen Muskeln, Augenbrauen- runzler und Pyramidenmuskeln zusammengezogen, um während des Schreiens unsere Augen zu schützen; unsere Vorfahren haben viele Generationen hindurch vor uns dasselbe gethan; und obgleich wir wohl mit fortschreitenden Jahren leic                               in Schmerzens-

Bchreien verhindern können, wenn wir uns in Noth fühlen, so können wir doch der langen Gewohnheit wegen nicht immer eine leichte Zu- sammenziehung der eben genannten Muskeln \erhindern; wir bemer- ken in der That weder deren Zusammenziehung bei uns selbst, noch -n wir, sie aufzuhalten, wenn sie nur unbedeutend ist. Die Pyramidenmuskeln scheinen aber weniger unter der Controle des Willens zu sein, als die andern damit in Beziehung stehenden .Mus- keln; und wenn sie ordentlich entwickelt sind, kann ihre Zusammen- ziehung nur durch die antagonistische Zusammenziehung der mittlem Bündel des Stirnmuskels gehemmt werden. Das Resultat, welches notwendigerweise daraus folgt, dasz diese Bündel energisch zusammen- gezogen werden, ist das Ziehen der Augenbrauen sehr&g nach innen und oben, das Zusammenfalten ihrer innerii Enden und die Bildung rechtwinkliger Furchen auf der Mitte der Stirn. Da Kinder und Frauen viel reichlicher weinen als Männer und da erwachsene Per- sonen beiderlei Geschlechts nur selten weinen, ausgenommen bei geisti- ger Trübsal, so können wir einsehen, warum man die Gram-Muskeln, meiner .Meinung nach der Fall ist, viel häufiger bei Kindern und Frauen in Thätigkeit sieht als bei Männern, und bei erwachsenen Personen beiderlei Geschlechts nur in Fällen geistiger Trübsal. In einigen der vorhin angeführten Fälle, so in dem des armen Dhangar- und des Hindustani-Mannes, folgte der Thätigkeit der Gram- ln sehr schnell ein bitteres Weinen. In allen Fällen von Noth, mag dieselbe grosz oder klein sein, strebt unser Gehirn in Folge lauger Gewohnheit danach, gewissen Muskeln einen Befehl zum Zu- sammenziehen zu senden, als wären wir noch immer Kinder im Be-

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griffe laut aufzuschreien; diesem Befehle aher sind wir durch die wunderbare Gewalt des Willens und durch die Gewohnheit theilweise entgegenzuwirken im Stande, obschon dies uubewuszt geschieht, so Mittel des Gegenwirkens betrifft.

Liier das Herabdrücken der Mundwinkel. — Dies lung wird durch die Depressores anguli oris ausgeführt (-. K. in Fig. 1 und 2, S.                      Bern gehen nach abwärts auseinan-

der, während das obere convergirende Ende rund um die Mundwinkel und an der Oberlippe ein wenig innerhalb der Lippenwinkel6 befestigt ist. Einige der Fasern scheinen Antagonisten des groszen Jochbein« muskels zu sein, andere die Antagonisten der verschiedenen, zum d Theil der Oberlippe gehenden Muskeln. Die Zusammenziehung Muskeln zieht die Mundwinkel, mit Einschlusz des auszern Theils der Oberlippe und selbst, in einem geringen Grade, der Nasen- flügel nach unten und auszen. Ist der Mund geschlossen und wirkt nun dii                     ao bildet die Commissur oder die Verbindungs-

linie der beiden Lippen eine gekrümmte Linie mit der Concavität nach unten7 und die Lippen selbst, besonders die Unterlippe, werden meist ein wenig vorgestreckt. Der Mund in diesem Zustande ist recht gut in den beiden Photographien von Mr. Kejlanuek dargestellt (Tat. 11, Fig. 6 und 7). Der obere Knabe (Fig. 6) hatte gerade zu weinen aufgehört, nachdem er von einem andern Knaben einen - in's Gesicht bekommen hatte, und es war gerade der richtige Moment ergriffen worden, ihn zu photographiren.

Der Ausdruck für Gedrücktsein, Kummer oder Niedergeschlagi heit, wie er sich als Folge der Zusammenziehung dieses Muskels di stellt, ist von einem Jeden bemerkt worden, der über den Gegenst; geschrieben hat. Wenn man sagt, dasz eine Person .den Mund gen läszt", B0 ist dieser Ausdruck mit dem synonym, dasz er ge- drückter Stimmung ist. Das Herabziehen der Mundwinkel kann, wie bereits nach der Autorität des Dr. Crichton Browne und des Mr. gesagt worden ist, oft bei den melancholischen Irren gesehen werden und war sehr gut in einigen, mir von dem erstem der genanu

6 Henle, Handbuch der Anatomie des Menschen. Bd. 1. 1

' s. die Schilderung der Wirkung dieses Kinkels bei Duchenne, Mecanis de la l'hysiononiie Humaine. Album (1862) VIII

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Ausdruck des Kummers.

Herren gesandten Photographien von Patienten mit starker V zum Selbstmord ausgesprochen. Bei Menschen, die zu verschiedenen Rassen gehören, ist es beobachtet worden, namentlich bei Hindus, bei den dunklen Bergstämmen von Indien, bei Malayen und, wie mir Mr. Hagenaoeb mittheilt, bei den Eingebornen von Australien.

Wenn Kinder schreien, so ziehen sie die Muskeln rund um die Augen fest zusammen und dies zieht die Oberlippe in die Höhe; da sie dabei ihren Mund weit offen halten müssen, so werden auch die Niederzieher-Muskeln, welche zu den Mundwinkeln gehen, in starke Thätigkeit gesetzt. Dies verursacht allgemein, aber nicht ausnahms- los eine winklige Biegung in der Unterlippe an beiden Seiten in der Naho der .Mundwinkel. Das Resultat davon, dasz auf die Ober- und Unterlippe in dieser Weise eingewirkt wird, ist, das/, der .Mund eine viereckige Gestalt annimmt. Die Zusammenziehung der Niederzieher- Muskeln ist am besten bei kleinen Kindern zu sehen, wenn sie nicht heftig schreien und besonders gerade, ehe sie beginnen oder wenn sie aufhören zu schreien. Ihr kleines Gesicht nimmt dann einen äuszerst bemitleidenswerthen Ausdruck an, wie ich beständig bei meinen eige- nen Kindern beobachtete, wenn sie im Alter von ungefähr sechs Wochen und zwei oder drei Monaten waren. Zuweilen wird, wenn sie gegen einen Weinanfall ankämpfen, der Mund in einer so über- triebenen Weise gekrümmt, dasz er hufeisenförmig wird und dar wird der Ausdruck des Elends zu einer lächerlichen Carricatur.

Die Erklärung der Zusammenziehung dieses Muskels unter de Einflüsse des Gedrücktseins oder der Niedergeschlagenheit folgt allem Anscheine nach aus demselben allgemeinen Principe wie die der schrä- gen Stellung der Augenbrauen. Dr. Duchenne theilt mir mit, dasz er aus seinen nun während vieler Jahre fortgesetzten Beobachtungen zu dem Schlüsse kommt, dasz dies einer der Gesichtsmuskeln ist, welcher am wenigsten unter der Controle des Willens steht. Diese Thatsache dürfte in der That schon aus dem gefolgert werden, was so eben über Kinder gesagt wurde, die zweifelhaft zu weinen anfangen oder es versuchen, mit Weinen aufzuhören; denn dann beherrschen sie allgemein sämmtliche andere Gesichtsmuskeln wirksamer als die Niederdrücker der Mundwinkel. Zwei ausgezeichnete Beobachter, welche sich keine Theorie über die Sache gemacht hatten, einer derselben ein Arzt, beobachtete sorgfältig für mich einige ältere Kinder und Frauen, wie dieselben unter etwas entgegenwirkenden Kämpfen siel

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dazu

iliziehen der Mondwinke

allmählich dem Punkte näherten, in Thränen auszubrechen; beide Beobachter waren darüber sicher, dasz die Niederzieher-Muskeln eher in Thiitigkeit zu treten begannen, als irgend einer der andern Muskeln. Da nun die Niederzieher wiederholt viele Generationen hindurch wäh- rend der frühen Kindheit in heftige Thätigkeit versetzt worden sind, so wird Nervenkraft nach dem Princip lange associirter Gewohnheit streben, nach denselben Muskeln ebenso wie nach den andern Gesichts- muskeln hinzuströmen, sobald im spätem Leben selbst ein leichtes Gefühl der Trübsal empfunden wird. Da aber die Niederzieher etwas mtrole des Willens stehen als die meisten andern Muskeln, so können wir erwarten, dasz sie sich häufig in leichtem Grade zusammenziehen werden, während die andern unthätig bleiben, merkwürdig, eine wie geringe Serabdrfickang der Mundwinkel dem Gesicht einen Ausdruck ron üedrücktsein oder Niedergeschlagen- heit gibt, so dasz eine äuszerst ulibedeutende Zusammenziehung dieser

;eln hinreichend ist, diesen Seelenzustand zu verrathen.

Ich will hier eine unbedeutende Beobachtung erwähnen, da zu dient, den vorliegenden Gegenstand zusammen zu fassen. Eine alte Dame mit gemüthlichem, aber in Gedanken vertieftem Ausdruck sasz mir in einem Eisenbahnwagen nahezu gegenüber. Während ich nach ihr hinsah, bemerkte ich, dasz ihre Depressores anguli oris sehr unbedeutend, aber doch entschieden zusammen gezogen wurden ; da aber ihr Gesicht so glatt und mild wie immer blieb, so dachte ich nur darüber nach, wie bedeutungslos diese Zusammenziehun_ und wie leicht man getäuscht werden könnte. Der Gedanke war kaum in mir aufgestiegen, als ich sah, wie sich die Augen der Dame plötz- lich so mit Thränen füllten, dasz sie beinahe übertiossen; dabei sank ihr gan                     in sich zusammen. Nun konnte darüber kein

Zweifel                     -/. irgend eine schmerzliche Erinnerung, vielleicht

an ein längst verlorenes Kind, ihr durch die Seele zog. Sobald ihr im in dieser Art afticirt wurde, überlieferten gewisse Nerven- zellen aus langer Gewohnheit augenblicklich einen Befehl an all« nsmuskeln und an die Muskeln rings um den Mund, sie auf einen Anfall vuii Weinen bereit zu machen. Diesem Befehl wurde aber durch den Willen, oder vielmehr durch eine später erlangte Ge- wohnheit das Gegengewicht gehalten; sämmtliche Muskeln gehorchte diesem Einflösse, mit Ausnahme der Depressores anguli oris welche in geringem Grade sich zusammenzogen. Der Mund wind

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nicht eiumal geöffnet, die Respiration war nicht beschleunigt, un kein .Muskel wurde afficirt, ausgenommen diejenigen, welche die Mun winkel herabdrücken.

Sobald der Mund dieser Dame, ihrerseits ganz unwillkürlich und unbewuszt, begann, die für einen Anfall von Weinen gehörige Form anzunehmen, konnten wir beinahe sicher sein, dasz etwas Nervenkraft durch die lange gewohnten Cauäle zu den verschiedenen Respirations- muskeln, ebenso wie zu den Muskeln rings um das Auge und zu dem vasomotorischen Centrum, welches den Blutzuflusz zu den Thranen- drüsen beherrscht, überliefert werden würde. Für die letztere That- sache haben wir in der That einen deutlichen Beweis in der Erschei- nung, dasz ihre Augen leicht mit Thränen gefüllt wurden ; wir können dies auch verstehen, da die Thränendrüsen weniger unter der Controle des Willens stehen als die Gesichtsmuskeln. Ohne Zweifel bestand zu derselben Zeit eine gewisse Neigung in den Muskeln rings um das Auge sich zusammenzuziehen, gewissermaszen, um sie vor dem Über- fülltwerden mit Blut zu schützen; diese Zusammenziehung wurde aber vollständig überwältigt und ihre Augenbrauen blieben ungefurcht. Wären die Pyramidenmuskeln, die Augenbrauenrunzler und die Kreis- muskeln der Augen so wenig dem Willen gehorsam gewesen, wie sie es bei vielen Personen sind, so wären sie in geringem Grade beein- fluszt worden; dann würden sich auch die mittlem Bündel de? Stirn- muskels in Antagonismus zusammengezogen haben und ihre Augen- brauen würden schräg gestellt worden sein mit rechtwinkligen Fur- chen auf der Stirn. Ihr Gesicht würde dann noch deutlicher, als that, den Zustand der Niedergeschlagenheit oder vielmehr des Ku mers ausgedrückt haben.

Durch Vergegenwärtigung solcher Schritte wie der vorstehend geschilderten können wir einsehen, woher es kommt, dasz, sobald irgend ein melancholischer Gedanke durch das Gehirn zieht, eine eben wahrnehmbare Herabziehung der Mundwinkel oder ein leichtes Er- heben der innern Enden der Augenbrauen eintritt, oder dasz selbst beide Bewegungen combinirt werden, und unmittelbar darauf ein leich- tes Erfüllen der Augen mit Thränen erfolgt. Ein Zug von Nerven- kraft wird mehreren gewohnten Canälen entlang fortgeleitet und ruft auf jedem Punkte, wo der Wille nicht durch lange Gewohnheit be- deutende Gewalt des Eingreifens erlangt hat, eine Wirkung hervor. Die oben erwähnten Thätigkeiten können als rudimentäre Spuren der

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.bziehen der Mundwinkel.

Schreianfalle betrachtet werden, welche während der frühesten Ki heit BO häufig und so anhaltend sind. In diesem Falle, wie in vielen andern, sind allerdings die Vermittlungsglieder wunderbar, welche bei der Erzeugung der . verschiedenen Ausdrucksformen im menschlichen Gesicht Ursache und Wirkung mit einander verbinden; sie erklären uns die Bedeutung gewisser Bewegungen, welche wir unwillkürlich und unbewuszt ausführen, so oft gewisse vorübergebende Erregungen durch unsere Se»

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Achtes Capitel.

rende, Ausgelassenheit, Liebe, zärtliche Gefühle, fromme Ergebung und Andacht.

Lachen ursprünglich der Ausdruck der Freude. — Lächerli.

weguntM                                                                            .Ie9 dabei hervorg

brachten Lautes. — Die Absonderung von Thränen wahrend bellen Si

—  Abstufung vom lauten Lachen zum leichten Läoheln, — Ausgelassenheit

—  Der Ausdruck der Liebe. — Zarte Gefühle. — Andacht.

Wenn die Freude intensiv ist, so führt sie zu verschiedene zwecklosen Bewegungen, zum Herumtanzen, in die Hände-Schlagen Stampfen etc. und zu lautem Lachen. Das Lachen scheint Ursprung lieh der Ausdruck bloszer Freude oder reinen Glücks zu sein. Wir dies deutlich bei Kindern, wenn sie spielen und dabei beinahe u höflich lachen. Wenn junge Leute, die schon aus der Kindheit heran sind, recht ausgelassen sind, so hört man von ihnen immer viel sinnlose Lachen. Das Lachen der Götter wird von Homer beschrieben als „Ausbruch ihrer himmlischen Freude nach ihren täglichen Banketten" Ein Mensch lächelt — und wie wir sehen werden, geht Lächeln mählich in Lachen über — wenn er einem alten Freunde auf de Strasze begegnet, ebenso wie bei jedem unbedeutenden Vergnügen: wenn er ein schönes Parfüm riecht1. Laura Bbidgman konnte wegen ihrer Blindheit und Taubheit keinen Ausdruck durch Nachahmung irgendwie erlernt haben, und doch „lachte sie und schlug mit den „Händen zusammen, und die Farbe auf ihren Wangen erhöhte sieh", wenn ein Brief von einem geliebten Freunde ihr durch Geberdensprache

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erbert Spencer, Essays Scientific etc. 1858,

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Cap. 8.

Lachen.

181

mitgetheilt wurde. Bei andern Gelegenheiten hat man gesehen, wie sie vor Freude auf den Boden stampfte2.

Auch blödsinnige und geistesschwache Personen bieten einen guten Beweis dafür dar, dasz Lachen oder Lächeln ursprünglich reines Glück oder blosze Freude ausdrückte. Dr. Cricbton Browne, dem ich wie bei so vielen andern Gelegenheiten auch hier für die Resultate seiner groszen Erfahrung verbunden bin, theilt mir mit, dasz bei Idioten das Lachen die vorherrschendste und häufigste aller gemüthlichen Aus- drucksformen ist. Viele Blödsinnige sind mürrisch, leidenschaftlich, unruhig, in einem schmerzlichen Seelenzustande oder im äuszersten Grade stumpf, und diese lachen niemals. Andere lachen häufig in einer vollständig sinnlosen Art und Weise. So beklagte sich ein blöd- sinniger Knabe, der nicht fähig war zu sprechen, bei Dr. Browne mit Hülfe von Zeichen, dasz ein anderer Knabe in der Anstalt ihm eine Ohrfeige gegeben habe, und dies wurde „von Ausbrüchen von .Gelächter begleitet, sein Gesicht war dabei mit dem hellsten Lächeln „überdeckt". Es gibt noch eine andere grosze Classe von Blödsinnigen, welche beständig freudig erregt und mild sind und fortwährend lachen oder lächeln3. Ihr Ausdruck bietet häufig ein stereotypes Lächeln dar; sobald Nahrung vor sie hingestellt wird, oder wenn sie gelieb- kost werden, oder wenn man ihnen helle Farben zeigt, oder wenn sie Musik hören, vermehrt sich ihre Freudigkeit und dann grinsen, kichern und lachen sie. Einige von ihnen lachen mehr als gewöhnlich, wenn sie umhergehen oder irgend eine Muskelanstrengung versuchen. Die freudige Erregtheit der meisten dieser Blödsinnigen kann unmöglich, wie Dr. Browne bemerkt, mit irgend einer bestimmten Idee associirt sein. Sie empfinden einfach Vergnügen und drücken dies durch Lachen oder Lächeln aus. Bei im Ganzen hochgradig geistesschwachen Per- sonen scheint persönliche Eitelkeit die häufigste Ursache des Lachens zu sein und nächst dieser das Vergnügen, was sie bei der zustimmen- den Anerkennung dieses Betragens empfinden.

Bei erwachsenen Personen wird das Lachen durch Ursachen er- regt, welche von denen beträchtlich verschieden sind, welche während der Kindheit hinreichen. Diese Bemerkung ist aber kaum auf das Lächeln anwendbar. Das Lachen ist in dieser Beziehung dem Weinen

! F. Lieber, über die Stimmlante der Laura Bridginan, in: Smithsonian Contributions, Vol. II. 1851, p. 6.

3 s. auch Mr. Marshall, in: Philosoph. Transactions. 1864, p 526.

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Cap,

welches bei Erwachsenen beinahe ganz auf geistige Trübs: beschränkt ist. während es bei Kindern durch körperliche Schmerzen oder irgend welche Leiden ebensowohl erregt wird wie durch Furcht oder Wuth. Viele merkwürdige Erörterungen sind über die Ursache des Lachens bei erwachsenen Personen geschrieben worden. Der Gegen- stand ist äuszerst complicirt. Irgend etwas nicht Zusammengehöriges oder Unerklärliches, das Erstaunen Erregende oder auch ein gewisses Gefühl der Überlegenheit beim Lachenden, der dabei in einer glück- lichen Geistesstimmung sich befinden musz, scheint die häufigste Ur- sache zu sein '. Die Imstande dürfen nicht momentaner Natur sein; kein Armer wird lachen oder lächeln, wenn er plötzlich hört, dasz ihm ein groszes Vermögen vererbt worden ist. Wenn der Geist durch freudige Empfindungen stark erregt wird und es tritt irgend ein un- erwartetes Ereignis oder ein unerwarteter Gedanke ein, dann wird, wie Mr. II                           i: bemerkt5, „eine bedeutende Menge nervöser

„Energie plötzlich in ihrem Abflüsse gehemmt, anstatt dasz ihr „stattet würde, sich in der Erzeugung einer äquivalenten Menge „neuen Gedanken und Erregungen, welche im Entstehen begriffen waren „auszubreiten." .... „Der Überschusz musz sich in irgend einer andern Richtung Luft machen. Es erfolgt daher ein Ausflnsz durcl

motorischen Nerven auf verschiedene Classen von Muskeln, ierdurch werden die halb convulsivischen Thätigkeiten erzeugt, „wir Lachen nennen." Eine sich auf diesen Punkt beziehende Beo achtung hat einer meiner Correspondenten während der letzten lagerung von Paris gemacht, nämlich, dasz die deutschen Soldate nach starker Erregung in Folge des Umstands, dasz sie äuszerster Gefahr ausgesetzt gewesen waren, besonders geneigt waren, bei dem geringsten Scherze in lautes Lachen auszubrechen. So wird ferner, wenn kleine Kinder gerade anfangen wollen zu weinen, ein unerwar- tetes Ereignis zuweilen ihr Weinen in Lachen verwandeln, welches allem Anscheine nach gleichzeitig gut dazu dient, ihre überschüssige Energie zu verbrauchen.

Man sagt zuweilen, dasz die Einbildung durch eine lächerlichi

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Mr. Bain gibt in seinem Buche: The Emotions and the Will. 1865,

lange und interessante Erörterung über das Lächerliche. . Das oben angefüh

Werke entnommen. 8. auch Maui

The Fable of the Bees, Vol. II, p. 168.

The l'hysiology of Laughter. Essays, Second Series, 1863, p. 114.

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Lachen.

183

Idee gekitzelt werde, und dies sogenannte Kitzeln des Geistes ist dem Kitzeln des Körpers merkwürdig analog. Jedermann weisz, wie un- mäszig Kinder lachen und wie ihr ganzer Körper convnlsivisch be- wegt wird, wenn sie gekitzelt werden. Die anthropomorphen Affen stoszen, wie wir gesehen haben, gleichfalls einen wiederholten Laut aus, der uuserm Lachen entspricht, wenn sie, besonders in den Achsel- höhlen, gekitzelt werden. Ich berührte mit einem Stückchen Papier die Fuszsohle eines meiner Kinder, als es nur sieben Tage alt war; der Fusz wurde plötzlich weggeschnellt und die Zehen in verschie- denen Eichtungen gekrümmt wie bei einem filtern Kinde. Derartige Bewegungen sind ebenso wie das Lachen, nachdem man gekitzelt wurde, offenbar Iletlexthätigkeiten, und dies zeigt sich gleichfalls darin, das/, dir kleinen, nicht gestreiften Muskeln, welche dazu dienen, die einzelnen Haare an dein Körper aufzurichten, sich in der Nähe einer gekitzelten Oberhautstelle zusammenziehen6. Doch kann man das Lachen in Folge einer lächerlichen Idee, wenn es auch unwillkürlich eintritt, doch nicht im strengen Sinne eine Keflexthätigkeit nennen. In diesem Falle und bei dem Lachen in Folge eines Kitzeins musz sich die Seele in einem vergnüglichen Zustande befinden. Wenn ein kleines Kind von einem Fremden gekitzelt würde, so würde es vor Furcht schreien. Die Berührung musz leicht sein, und eine Idee oder ein Ereignis darf, wenn es lächerlich sein soll, nicht von groszer Be- deutung sein. Die Theile des Körpers, welche am leichtesten gekitzelt werden, sind diejenigen, welche nicht gewöhnlich berührt werden, so ihselhöhlen oder zwischen den Zehen, oder Theile (so z. B. die ihle), welche beständig von einer breiten Fläche berührt werden. Doch bietet die Oberfläche, auf welcher wir sitzen, hier eine merk- würdige Ausnahme von der Regel dar. Der Angabe Gkatioi.kt's zu- folge7 sind gewisse Nerven für das Kitzeln viel empfindlicher als andere. Nach der Thatsache, dasz ein Kind sich kaum selbst kitzeln kann oder wenigstens in einem viel geringern Grade, als wenn es von einer andern Person gekitzelt wird, scheint es, dasz der genaue Punkt, welcher berührt werden soll, nicht bekannt sein darf, und so scheint auch in Bezug auf den Oeist irgend etwas Unerwartetes — eine neue oder nicht zusammenstimmende Idee, welche in einen gewohnheits-

6 ,1. I. ist er. in: Quarterly Journal of Microscopical Science, 1853, Vol. I, p. 266.

' De la Physionomie, p. 186.

TheCorriLi-*                    >             -. in Online

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184

gemäszcn Gedankenzug hineinbricht — ein starkes Element des Lächer liehen darzubieten.

Der Laut des Lachens wird dadurch hervorgerufen, dasz eine tiefen Inspiration kurze, unterbrochene, krampfhafte Zusammenziehnn gen des Brustkastens und besonders des Zwerchfells folgen8. Wii hören daher, dasz man sich „beim Lachen beide Seiten hält* Folge des Erschütterns des Körpers nickt der Kopf bald da. bald dorthin. Häufig zittert die Unterkinnlade auf und nieder, wie es auch bei einigen Arten von Pavianen der Fall ist, wenn sie viel Vergnügen empfinden.

Während des Lachens wird der Mund mehr oder wenig 3ffnet, die Mundwinkel stark nach hinten ebenso wie ein wenig nacu Den, und die Oberlippe etwas in die Höhe gezogen. Das Zurück- ziehen der Mundwinkel sieht man am besten bei dem mäszigen Lachen und besonders in einem breiten Lächeln — die letztere Bezeichnung bezieht sich darauf, dasz der Mund weit geöffnet wird. In beistehen- den Figuren 1—3 der Tafel III. sind verschiedene Grade mäszigen Lachens und des Lächelns photographirt worden. Die Abbildung des kleinen Mädchens mit dem Hute rührt von Dr. WALLICB her. und der Ausdruck war ein ächter: die andern beiden sind von Mr. Bejlandkb. Dr. Duchenne betont wiederholt9, dasz unter der Erregung der Freude der Mund ausschlieszlich durch die groszen Jochbeinmuskeln, welche dazu dienen, die Mundwinkel rück- und aufwärts zu ziehen. Iieein- lluszt wird; aber nach der Art und Weise zu urtheilen, in welcher die obern Zähne immer während des Lachens und des breiten Lächelns exponirt werden, ebenso wie nach meinen eignen Empfindungen kann ich nicht daran zweifeln, dasz einige der zur Oberlippe laufenden Muskeln gleichfalls in mäszige Thätigkeit versetzt werden. Die untern und obern Kreismuskeln des Auges werden zu derselben Zeit mehr oder weniger contrahirt, und es besteht, wie in dem Capitel über das Weinen erklärt worden ist, ein inniger Zusammenhang zwischen den kreisförmigen, besonders den untern, und einigen der zur Oberlippe laufenden Muskeln. He.nlk bemerkt hierüber10, dasz wenn ein Mensch

9   Sir Ch. Bell (Anat. of Expression, p. 147) macht einige Bemerkungen über die Bewegungen des Zwerchfelles während dea Lachens.

nisnie de la I'hysionomie Humaine. Album, Legende VI.

10   Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen. 1858, Bd. L. S. 144. a. des BolMchnitt, Fig. 2 11 auf 8. 22.

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das eine Auge fest schlieszt, er nicht vermeiden kann, die Oberlippe derselben Seite zurückzuziehen. Wenn man umgekehrt seinen Finger auf sein unteres Augenlid legt und dann seine obern Schneidezähne soweit als möglich sichtbar macht, so wird man fühlen, dasz in dem Masze, als die Oberlippe stark nach aufwärts gezogen wird, die Mus- keln des untern Augenlides sich zusammenziehen. In Henle's Ab- bildung, die in dem Holzschnitte Fig. 2 wiedergegeben ist, kann man sehen, dasz der Musculus malaris (H), welcher zur Oberlippe hin- läuft, einen beinahe integrirenden Theil des untern Theils des kreis- förmigen Muskels bildet.

Dr. Duchenne hat eine grosze Photographie eines alten Mannes (verkleinert auf Tafel III. Fig. 4) in seinem gewöhnlichen passiven Zustande und eine andere von demselben Manne (Fig. 5) natürlich lächelnd, mitgetheilt. Die letztere wurde von Jedem, dem sie gezeigt wurde, als naturwahr wieder erkannt. Er hat auch als Beispiel eines unnatürlichen oder falschen Lächelns eine andere Photographie (Fig. 6) desselben alten Mannes gegeben, wo die Mundwinkel durch Galvani- der groszen Jochbeinmuskeln stark zurückgezogen sind. Dasz der Ausdruck hier nicht natürlich ist, ist offenbar. Ich zeigte diese Photographie vierundzwanzig Personen, von denen drei nicht im Ge- ringsten sagen konnten, was damit gemeint war, während die andern, trotzdem sie wahrnahmen, dasz der Ausdruck etwas von der Natur eines Lächelns an sich hatte, in so unbestimmten Worten meine Frage beantworteten, wie „ein schlechter Witz", ein .Versuch zum Lachen", .grinsendes Lachen", „halb erstauntes Lachen" u. s. w. Dr. Duchenne schreibt das Falsche in dem Ausdrucke durchaus dem zu, dasz die Kreismuskeln der untern Augenlider nicht hinreichend zusammen- gezogen sind; denn er legt bei dem Ausdrucke der Freude mit Recht groszes Gewicht auf deren Zusammenziehung. Ohne Zweifel liegt in dieser Ansicht viel Wahres, indesz, wie es mir scheinen möchte, nicht die ganze Wahrheit. Die Zusammenziehung des untern Theils der Kreismuskeln wird immer, wie wir gesehen haben, von dem Aufwärts- ziehen der Oberlippe begleitet. Wäre in Fig. 6 auf die Oberlippe in dieser Weise in einem geringern Grade eingewirkt worden, so würde ihre Krümmung weniger steif, auch die Nasenlippenfalte unbedeutend verschieden und der ganze Ausdruck, wie ich glaube, natürlicher ge- worden sein, ganz unabhängig von der deutlichen Wirkung der stär- kern Zusammenziehung der untern Augenlider. Überdies ist der Augen-

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186                                         Ausdruck der Freude.                                    Cap. 8.

brauenrunzler in Fig. C zu sehr zusammengezogen und verursacht Stirnrunzeln, während dieser Muskel niemals unter dem Einflüsse der Freude tliätig ist, ausgenommen während eines stark ausgesprochenen oder heftigen Lachens.

Durch das Rückwärts- und Aufwärtsziehen der Mundwinkel Folge der Zusammenziehung der groszen Jocbbeinmuskeln und durch das Erheben der Oberlippe werden die Wangen Dach oben gezogen. Es bilden sich hierdurch Falten unter den Augen und bei alten Leuten auch an ihren ftnszern Winkeln und diese sind für Lachen oder Lächeln in hohem Grade characteristisch. Ein Jeder kann fühlen und sehen, wenn er seine eignen Empfindungen aufmerksam beobachten und sich in einem Spiegel betrachten will, das/, in dem Masze, wie ein leichtes Lächeln in ein starkes oder selbst in ein Lachen übergeht und wie ferner die Oberlippe nach oben gezogen wird und die untern Hälfte der Kreismuskeln sich zusammenziehen, auch die Falten an den unter Augenlidern und die unterhalb der Augen bedeutend verstärkt o zert werden. V.                    rholt beobachtet habe, werden

derselben Zeit die Augenbrauen unbedeutend herabgezogen, was

lafür ist. dasz die obern so gut wie die untern llingmuskeln D9 in einem gewissen Grade sich zusammenziehen, trotzdem dies, soweit unsere Empfindungen dabei in Betracht kommen, unbe- merkt eintritt. Wenn man die ursprüngliche Photographie des alten Mannes, mit dem Gesichte in seinem gewöhnlichen behaglichen Zu- stande (Fig. 4) mit der Fig. 5 vergleicht, in welcher er natürlich lächelt, so kann man sehen, dasz in der letztem die Augenbrauen ei wenig gesenkt sind. Ich vermuthe, das/, dies eine Folge davon is' dasz die obern Kreismuskeln durch die Gewalt lang assoeiirter Ge- wohnheit dazu getrieben werden, in einer gewissen Ausdehnung in Übereinstimmung mit den untern lüngmuskeln thätig zu werden, welche selbst in Verbindung mit dem Nachaufwärtsziehen der Ober- lippe zusammengezogen werden.

Die Neigung in den Jochbeinmuskeln, sich unter vergnüglichen Ge- müthserregungen zusammenzuziehen, zeigte sich in einer merkwürdigen mir von Dr. Bkowns mitgetheilten Thatsache bei Patienten, welche an der für Geisteskranke characteristischen allgemeinen Lähmung

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ii Bemerkungen hierüber von Dr. J, Crichton Browne in of Mental Science, Apr. 1871, p. 149.

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eiche an leiden".

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dieser Krankheit herrscht beinahe unveränderlich ein Optimismus Täuschung in Bezug auf Wohlstand, Rang, Grösze — unsinnige reude, Wohlwollen und Verschwendung, während ihr frühestes kör- perliches Symptom ein Zittern an den Mundwinkeln und an den „äuszern Augenwinkeln ist. Dies ist eine allgemein anerkannte That-

sache. Beständiges zitterndes Erregtsein der untern Augenbrauen- und groszen Jochbeinmuskeln ist für die frühern Zustände der all- gemeinen Lähmung pathognomoniach. Das Gesicht hat einen zu- „friedenen und wohlwollenden Ausdruck. In dem Masze, wie die „Krankheit fortschreitet, werden andere Muskeln mit ergriffen; bis „aber vollständige Blödsinnigkeit erreicht ist, ist der vorherrschende „Ausdruck der eines schwachen Wohlwollens."

Wie beim Lachen und dem breiten Lächeln die Wangen und die Oberlippe bedeutend emporgehoben sind, so scheint die Nase verkürzt zu sein und die Haut auf dem Nasenrücken wird fein in queren Linien gefurcht mit andern schrägen Längslinien auf den Seiten. Gl lieh werden <li'' mittlem obern Schneidezähne ezponirt. Eine

prochene Nasenlippenfalte wird gebildet, welche von dem Flügel es jeden Nasenlochs zum Mundwinkel herabl&uft. Häufig ist diese lte bei alten Personen doppelt. Ein helles und glänzendes Auge ist für einen vergnügten oder amüsirten Seelenzustand ebenso characteristisch wie die Zurückziehung Mundwinkel und Oberlippe mit den dadurch hervorgerufenen Falten. Selbst die Augen mikrocephaler Idioten, welche so tief gesunken sind, dasz sie niemals sprechen lernen, glänzen unbedeutend auf, wenn sie eine Freude empfinden '2. Bei dem extremen Lachen sind die Augen zu sehr mit Thränen unterlaufen, als dasz sie glänzen könnten; aber die während mäszigen Lachens oder Lächelns aus den Drüsen ausge- drückte Feuchtigkeit dürfte den Glanz der Augen noch erhöhen helfen, chon dies von einer durchaus untergeordneten Bedeutung sein musz, sie in der Trauer matt werden, trotzdem sie dann häufig feucht sind. Ihr Erglänzen scheint hauptsächlich Folge ihres Gespanntseins zu sein13, was wieder von der Zusammenziehung der Kreismuskeln und von dem Drucke der in die Höhe gehobenen Wangen abhängt. Der Angabe des Dr. Piiierit zufolge, welcher diesen Punkt ausföhr-

" C. Vogt, Memoire sur les Microcephales. 1807, p. 21. i. Bell, Anatomy of Expression, p. 133.

The Com:.                             les Darwin Online

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lieber als irgend ein anderer Schriftsteller erörtert hat11, dürfte aber diese Spannung der Augen in hohem Grade dem Umstände zuge- schrieben werden, dasz die Augäpfel mit Blut und andern Flüssig- keiten in Folge der Beschleunigung des Kreislaufs, die von der Er- regung der Freude abhängt, erfüllt werden. Er weist auf den Con- trast in dem Erscheinen der Augen bei einem hektischen Patienten mit rapider Circulation und den Augen eines an Cholera leidenden Menschen hin, bei dem beinahe alle Flüssigkeit des Körpers entfernt worden ist. Jede Ursache, welche die Circulation herabsetzt, macht die Augen stumpfer. leb erinnere mich, einen Mann gesehen zu haben, der durch langdauernde und schwere Anstrengung während eines sehr heiszen Tages im äiiszersten Grade ermattet war. Jemand, der dabei stand, verglich seine Augen mit denen eines gekochten Kabeljaus.

Doch kehren wir zu den Lauten zurück, welche während des Lachens hervorgebracht werden. Wir können in einer unbestimmten Art und Weise einsehen, wie es kommt, dasz das Ausstoszen von Lauten irgend welcher Art naturgemäsz mit einem vergnüglichen Seelenzustande assoeiirt wird; denn durch einen groszen Tbeil des Thierreichs hindurch werden vocale oder instrumentale Laute entweder als ein Kuf oder als Reizmittel für das eine Geschlecht vom andern angewendet. Es werden solche auch als Ausdrucksmittel gebraucht beim fröhlichen Zusammenkommen der Eltern mit den Jungen und der aneinander hängenden Glieder einer und derselben socialen Gemein- schaft. Warum aber die Laute, welche der Mensch ausstöszt, wenn er vergnügt ist, den eigenthümlichen wiederholten Character des Lachens haben, wissen wir nicht. Nichtsdestoweniger können wir ein- sehen, dasz sie naturgemäsz so verschieden wie möglich von dem Auf- schreien oder dem Weinen im Unglück sein werden; und wie bei dem Hervorbringen des letzteren die Exspirationen verlängert und zusammen- hängend sind, während die Inspirationen kurz und unterbrochen sind, so könnte man vielleicht bei den Lauten, welche vor Freude ausge- stoszen werden, erwarten, dasz die Exspirationen kurz und unterbrochen sind, während die Inspirationen verlängert sind; und so ist es auch der Fall.

Es ist ein gleicherweise dunkler Punkt, warum die Mundwinkel zurückgezogen und die Oberlippe während des gewöhnlichen

«♦ Mimik und Physiognomik, 1867, S. 63—67.

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hoben wird. Der Mund darf nicht bis zum äuszersten Grade ge- öffnet werden; denn wenn dies während eines Paroxysmus excessiven Lachens eintritt, so wird kaum irgend welcher Laut geäuszert, oder er verändert seinen Ton und scheint tief aus der Kehle zu kommen. Die Kespirationsmuskeln und selbst die der Gliedmaszen gerathen in

erselben Zeit in rapide schwingende Bewegungen. Die Unterkinnlade mt häufig an dieser Bewegung Theil und dies dürfte dazu dienen, zu verhindern, dasz der Mund weit geöft'net wird. Da aber ein voller ausgiebiger Laut ausgestoszen werden soll, so musz die Mund- öffnung grosz sein; und es geschieht vielleicht, um dies zu erreichen, dasz die Mundwinkel zurückgezogen werden und die Oberlippe erhoben «inl. Obgleich wir kaum weder die Form des Mundes während des Lachens, welche zur Faltenbildung unterhalb der Augen führt, noch den eigenthümlichen wiederholten Laut des Lachens, noch das Zittern der Kinnlade erklären können, so können wir nichtsdestoweniger schlieszen, dasz alle diese Wirkungen Folgen einer gemeinsamen Ur- sache sind. Denn sie sind alle für einen vergnügten Seelenzustand ihiedenen Arten von Affen characteristisch und ausdrucksvoll, läszt sich ein abgestufte Reihe verfolgen von heftigem zu

äszigem Lachen, zu einem breiten Lächeln, zu einem sanften Lächeln und zum Ausdrucke blosz vergnügter Stimmung. Während des ex- cessiven Lachens wird der ganze Körper häufig nach rückwärts ge- 'en und schüttelt sich oder wird beinahe convulsivisch bewegt; Respiration ist bedeutend gestört; der Kopf und das Gesicht wer- den mit Blut überfüllt, die Venen ausgedehnt und die Kreismuskeln werden krampfhaft zusammengezogen, um die Augen zu schützen. Es werden reichlich Thränen abgesondert. Es ist daher, wie früher bemerkt wurde, kaum möglich, irgend eine Verschiedenheit zwischen dem von Thränen feuchten Gesichte einer Person nach einem Paroxys- mus excessiven Lachens und nach einem Anfalle bitteren Weinens nachzuweisen15. Es ist wahrscheinlich Folge der groszen Ähnlichkeit der durch diese so weit von einander verschiedenen Gemüthserregungen verursachten krampfhaften Bewegungen, dasz hysterische Patienten

'" Sir .1. Reynolds bemerkt (Discourses XII. p. 100): „Es ist merkwürdig .zu beobachten, - ee isi aber sicher richtig, — 'las/, die Extreme entgegengi haften mit sehr wenig Abänderung durch eine und dieselbe Thal „ausgedr                                                        wahnsinnige Freude eil

hantin und den Kummer einer Maria Magdalena an.

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abwechselnd mit Heftigkeit weinen und lachen und dasz kleine Kinder zuweilen plötzlich von dem einen in den andern Zustand übergehen. .Mr. Swdjhoe bemerkt, dasz er oft gesehen hat, wie Chinesen, wenn sie an tiefem Kummer leiden, plötzlich in hysterische Lachanfalle ausbrechen.

Ich war begierig zu erfahren, ob Thränen während excessiven Lachens von den meisten Menschenrassen reichlich vergossen würden, und ich höre von meinen Correspondenten, dasz dies der Fall ist. Ein Fall wurde bei den Hindus beobachtet, und diese sagen selbst, dasz es häufig vorkommt. Dasselbe gilt von den Chinesen. Die Frauen eines wilden Stammes von Malayen auf der Halbinsel von Malacca vergieszen zuweilen Tbränen, wenn sie herzlich lachen; doch kommt dies selten vor. Bei den Dyaks von Borneo musz es häufig der Fall sein, wenigstens bei den Frauen; denn ich höre von dem Rajah C. Brooke, dasz es bei ihnen eine sehr gewöhnliche Redensart ist zu sagen, „wir weinten beinahe vor Lachen". Die Eingebornen Australien drücken ihre Gemüthserregungen sehr entschieden au mein Correspondent beschreibt sie als vor Freude umherspringend um mit ihren Händen schlagend und auch als häufig brüllend vor Lachen. Nicht weniger als vier Beobachter haben bei solchen Gelegenheiten ihre Augen sich reichlich mit Wasser füllen sehen und in einem FaL liefen die Thränen ihre Backen herab. Mr. Bilsiek, ein }Iissi<>na in einem entfernten Theile von Victoria, bemerkt, „dasz sie ein „scharfes Gefühl für das Lächerliche haben; sie sind ausgezeichne „Mimiker, und wenn einer von ihnen im Stande ist, die Eigenthüm „lichkeiten irgend eines abwesenden Gliedes des Stammes nachzuahmen, „so ist es sehr häufig, Alle im Feldlager convulaivisch lachen zu hören." Bei Europäern erregt kaum irgend etwas das Lachen so leicht als Nachahmung, und es ist im Ganzen merkwürdig, dieselbe Thatsache bei den Wilden von Australien wiederzufinden, welche eine von den distinctesten Rassen der Welt darstellen.

In Söd-Africa füllen sich bei zwei KalTerstämmen, besonders bei den Weibern, die Augen häufig während des Lachens mit Thränen. Oaika. der Bruder des Häuptlings Sandilli, beantwortete meine Frage über diesen Punkt mit den Worten: „Ja, es ist ihr gewöhnlicher Ge- brauch." Sir Ahdbbw Smith hat gesehen, wie das bemalte Gesicht eines Hottentotten-Weibes nach einem Lachanfalle mit Thränen gössen war. Bei den Abyssiniern in Xord-Africa werden

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unter denselben Umständen abgesondert. Endlich ist dieselbe That- sache auch in Nord-America bei einem merkwürdig wilden und isolir- ten Stamme, aber hauptsächlich bei den Weibern beobachtet worden. Bei einem andern Stamme ist sie nur bei einer einzelnen Gelegenheit gesehen worden.

Wie vorhin bemerkt wurde, geht excessives Lachen gradweise in mäsziges Lachen über. In diesem letztern Falle werden die Muskeln rund um das Auge viel weniger zusammengezogen; auch findet sich wenig oder gar kein Stirnrunzeln. Zwischen einem leisen Lachen und einem breiten Lächeln ist kaum irgend welcher Unterschied, ausge- nommen, dasz beim Lächeln kein wiederholter Laut ausgestoszen wird, obschon eine einzelne ziemlich starke Exspiration oder ein leises Ge- räusch — ein Rudiment eines Lachens — häufig beim Beginn eines Lächelns zu hören ist. Bei einem mäszig lächelnden Gesichte kann die Zusammenziehung der obern Kreismuskeln gerade noch an einem leichten Senken der Augenbrauen bemerkt werden. Die Zusammen- ziehung der untern kreisförmigen und Augenlidmuskeln ist viel deut- licher und zeigt sich durch das Furchen der untern Augenlider und der Haut unter ihnen in Verbindung mit einem leichten Hinaufziehen der Oberlippe. Aus dem breitesten Lächeln kommen wir durch die feinsten Abstufungen in das sanfteste. In diesem letztern Falle wer- den die Gesichtszüge in einem viel geringern Grade bewegt, auch viel langsamer, und der Mund wird geschlossen gehalten. Auch ist die Krümmung der Nasenlippenfurche unbedeutend verschieden in beiden Fällen. Wir sehen hieraus, dasz keine scharfe Trennungslinie zwischen der Bewegung der Gesichtszüge während des heftigsten Lachens und eines sehr leichten Lächelns gezogen werden kann16.

Man kann daher sagen, dasz ein Lächeln der erste Zustand in der Entwickelung eines Lachens ist. Man kann sich aber auch eine verschiedene und wahrscheinlichere Vermuthung bilden, nämlich dasz die Gewohnheit, laute wiederholte Töne aus einem Gefühle des Ver- gnügens auszustoszen, zuerst zur Zurückziehung der Mundwinkel und der Oberlippe und zur Zusammenziehung der kreisförmigen Muskeln führte, und dasz nun durch Association und lang fortgesetzte Gewohn- heit dieselben Muskeln in unbedeutende Thätigkeit versetzt weiden, BObald durch irgend eine Ursache in uns ein Gefühl erregt wird,

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sobald di " Dr.

Dr. Piderit ist zu demselben Schlüsse gekomn

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welches, wenn es stark wäre, zum Lachen geführt haben würde. Das Kesultat ist dann ein Lächeln.

Mögen wir das Lachen als die vollständige Entwicklung eines Lächelns, oder wie es wahrscheinlicher ist, ein leises Lächeln als die letzte Spur einer durch viele Generationen fest eingewurzelten Gewohn- heit zu lachen, sobald wir vergnügt gestimmt sind, betrachten, wir bei unsern Kindern den allmählichen Übergang des einen in's verfolgen. Es ist Denen, welchen die Pflege kleiner Kinder anvertraut ist, wohl bekannt, dasz es schwer ist, sich zu vergewissern, wann gewisse Bewegungen um ihren Mund herum wirklich ausdrucks- voll sind, d. h. "wann sie wirklich lächeln. Ich habe daher mit Sorg- falt meine eigenen Kinder beobachtet. Eines derselben lächelte Alter von fünfundvierzig Tagen, während es gleichzeitig in einem glücklichen Gemüthsznstande war; d. h. hier wurden die Mundwinkel zurückgezogen und die Augen wurden gleichzeitig entschieden strah- lend. Ich beobachtete dasselbe am folgenden Tage, aber am dritten Tage war das Kind nicht ganz wohl, und da fand sich keine Spur des Lächelns, und gerade dies letztere macht es wahrscheinlich, dasz die früheren Zeichen eines Lächelns wirkliche waren. Acht Tage später und während der nächst darauf folgenden Woche war es merkwürdig, wie seine Augen erglänzten, sobald es lächelte, und seine Xase wurde in derselben Zeit quer gefurcht. Dies wurde nun von einem kleinen blökenden Geräusche begleitet, welches vielleicht ein Lachen darstellen sollte. Im Alter von 113 Tagen nahm dieses kleine Geräusch, wel- ches immer während der Exspiration gemacht wurde, einen unbedeu- tend verschiedenen Character an und wurde mehr abgesetzt oder unter- brochen wie beim Schluchzen, und dies war sicherlich beginnendes Lachen. Die Veränderung im Tone schien mir zu der Zeit mit der gröszern seitlichen Ausdehnung des Mundes zusammenzuhängen in dem Masze, wie das Lächeln breiter wurde.

Bei einem zweiten Kinde wurde das erste wirkliche Lächeln un- gefähr in demselben Alter beobachtet, nämlich bei fünfundvierzig Tagen, und bei einem dritten Kinde in einem etwas früheren Alter. Als das zweite Kind fünfundsechzig Tage alt war, lächelte es viel breiter und deutlicher als das zuerst erwähnte in demselben Alter es that und stiesz selbst in diesem frühen Alter ein Geräusch aus, was dem Lachen sehr ähnlich war. In diesem allmählichen Erlangen der Gewohnheit des Lachens bei Kindern haben wir einen Fall vor

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V'.'in Online

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Icher in einem gewissen Grade mit dem des Weinens analo ist. Da bei den gewöhnlieben Bewegungen des Körpers, wie Gehen, Übung nothwendig ist, so scheint dies auch beim Lachen u Weinen der Fäll zu sein. Auf der andern Seite ist die Kunst schreien, weil sie Kindern von Nutzen ist, von den frühesten Tage an ganz gut entwickelt worden.

Ausgelassenheit, Heiterkeit. — l-i ein Mensch ausg lassener Stimmung, so bietet er, wenn er auch nicht wirklich lächelt doch gewöhnlich eine gewisse Neigung dar, seine Mundwinkel zurück- zuziehen. In Folge der Erregung des Vergnügens wird die Circulation schneller; die Augen sind glänzend und die Farbe des Gesicht- er- höht sich. Das durch den vermehrten Blutzuflusz gereizte Gehirn wirkt auf die geistigen Fähigkeiten zurück; es ziehen lebendige Ideen schneller durch die Seele und die Affecte werden wärmer. Ich habe einmal gehört, wie ein Kind, das nur wenig unter vier Jahren alt war, gefragt wurde, was es heisze, in guter Stimmung zu sein; dar- auf antwortete es, „das heiszt lachen, schwatzen und küssen". Es dürfte schwierig sein, eine richtigere und practisehere Definition zu geben. Ein Mensch in diesem Zustande hall seinen Körper aufrecht, seinen Kopf erhoben und seine Augen offen. Es liegt keine Ermattu in den Gesichtszügen und keine /.usammenziehung der Augenbrau wird sichtbar. Im Gegentheil strebt der Stirnmuskel, wie M bemerkt", sich leicht zusammenzuziehen, und dies glättet die Augen- brauen, entfernt jede Spur eines Stirnrunzeins, wölbt die Augenbrauen ein wenig und hebt die Augenlider. Die lateinische Redensart „ex- porrigere frontem" — die Augenbrauen glätten — heiszt daher heiter oder lustig sein. Der ganze Ausdruck eines Menschen in guter Laune ist das genaue Gegentheil von dem eines an Kummer Leiden- Sir Cn. Bell werden „in allen aufheiternden Gemüths- jwegungen die Augenbrauen, Augenlider, die Nasenlöcher und die „Mundwinkel erhoben. In den niederdrückenden Leidenschaften tritt Umgekehrte ein." Unter dem Einflösse der letzteren werden die igenbraoen schwer, die Augenlider, die Wangen, der ganze Kopf scheint matt, die Augen sind stumpf, das ganze Gesicht schlaff und

" La riiysionomir.

p. auch Sir Ch Bell, Inatony                                                       r unten

angeführten Citats.

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Ausdruck der Freude.

das Athmen langsam. In der Freude wird das Gesicht breiter, im Kummer wird es länger. Ob das Princip des Gegensatzes hier bei der Hervorbringung dieser entgegengesetzten Ausdrucks weisen in Unter- stützung der directen Ursachen, welche speciell erwähnt worden und hinreichend deutlich sind, mit in's Spiel gekommen ist, will ich nicht zu sagen wagen.

Bei allen Menschenrassen scheint der Ausdruck guter Laune der- selbe zu sein und wird leicht erkannt. Die Personen, welche mir aus den verschiedenen Theilen der alten und Denen Welt Mittheilungen gesandt haben, beantworten meine Fragen über diesen Punkt bejahend und geben noch einige Einzelnheiten in Bezug auf die Hindus, Ma- layen und Neu-Seeländer. Das Glänzen der Augen bei den Austra- liern ist vier Beobachtern aufgefallen. Dieselbe Thatsache ist bei den Hindus, den Neu-Seeländern und den Dyaks von Borneo bemerk worden.

Wilde drücken zuweilen ihre Befriedigung nicht blos/. durch Lächeln aus, sondern auch durch Geberden, welche von dem Vergnügen des Essens hergeleitet werden. So citirt Mr. Wkdgwood *8 eine An gäbe Pbthbbick's, dasz die Neger am obern Nil ein allgemeines Bei ben ihres Bauches begannen, wenn er seine Perlen auspackte. Und Lkk iMAKiiT sagt, dasz die Australier mit ihrem Munde schmatzten und schnalzten, als sie seine Pferde und Ochsen und ganz besonders als sie seine Känguruh-Hunde sahen. Wenn die Grönländer „etwas „mit Vergnügen bestätigen, so saugen sie mit einem bestimmten Laute Jnft ein"" und dies dürfte eine Nachahmung des Actes des Vor- aluckens würziger Speise sein.

Das Lachen wird durch die feste Zusammenziehung der Kreis- Mundes unterdrückt, welche den groszen Jochbeinmuskel und andere Muskeln daran hindern, die Lippen nach rückwärts und aufwärts zu ziehen. Es wird auch zuweilen die Unterlippe von den Zähnen festgehalten, und dies gibt dem Gesichte einen schalkhaften Ausdruck, wie es bei der blinden und tauben Laura Bbidgmak beob- achtet wurde20. Der grosze Jochbeinmuskel ist zuweilen in seinem Verlaufe variabel. Ich habe eine junge Frau gesehen, bei welcher die Herabdrücker der Mundwinkel bei dem Unterdrücken eines Lächel

'i

2. .Mit. 1*72. Intrp.luctic.il. p. XL] 19 Crantz, citirt von 1 i0 F. Lieber, Smithsonian Contributions, VoL II. 1851, p. 7.

.:: i'Vori . :j[ irk Ddi «;ii

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P- o.                         Liebe, zärtliche Empfindungen.                             1(15

in starke Thatigkeit versetzt wurden. Dies gab ihr indesz durchaus nicht einen melancholischen Ausdruck des Gesichts wegen des ölanzi ihrer Augen.

Das Lachen wird häufig in einer gezwungenen Weise dazu ange- wendet, irgend einen andern Seelenzustand, selbst Zorn, zu verbergen oder zu maskiren. Wir sehen oft Personen lachen, um ihre Scham oder Schüchternheit zu verbergen. Wenn eine Person ihren Mund zusammenkneift, als wollte sie die Möglichkeit eines Lächelns verhüten, trotzdem nichts vorhanden ist, ein solches zu reizen, oder nichts, was den freien Genusz desselben verhindern könnte, so erhält das Gesicht einen affectirten, feierlichen oder pedantischen Ausdruck. Aber von solchen hybriden Ausdrucksformen braucht hier nichts weiter gesagt zu werden. Bei dem Verlachen wird ein wirkliches oder vorgegebem Lächeln oder ein Lachen häufig mit dem Ausdrucke, welcher der Ve) aclitung eigentümlich ist, verschmolzen, und dies kann in zorni Verachten oder Spott übergehen. In solchen Fällen ist die Bedeutun des Lachens oder des Lächelns die, der verletzenden Person zu zeige: dasz sie nur Erheiterung erregt.

Liebe, zärtliche Empfindungen u. s. w. — Obschon di( Gemüthserregung der Liebe, z. B. der einer Mutter für ihre Kinder, eine der stärksten ist, deren die Seele fähig ist, so kann doch kaum gesagt werden, dasz sie irgend ein eigenthümliches oder besonderes Mittel des Ausdrucks habe, und dies ist daraus verständlich, dasz sie nicht gewohnheitsgemäsz zu irgend einer speciellen Thätigkeitsrichtung geführt hat. Da ohne Zweifel Zuneigung eine Vergnügen erregend Empfindung ist, so verursacht sie allgemein ein leichtes Lächeln und etwas Erglänzen der Augen. Ganz allgemein wird eine starke B gierde empfunden, die geliebte Person zu berühren, und Liebe wird durch dieses Mittel deutlicher als durch irgend ein anderes ausge- drückt21. AVir verlangen daher darnach, diejenigen in unsere Arme zu schlieszen, welche wir zärtlich lieben. Wahrscheinlich verdanken wir diese Begierde vererbter Gewohnheit in Association mit dem Warten and Pflegen unserer Kinder und mit den gegenseitigen Lieb- kosungen Liebender.

-'' Mr. Bain 1>                                                         p. 239): „Zärtlich-

st, die menschlichen Wesen in eine gegei marmnng zu dehen.*

13*

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.

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Ausdruck der Liebe.

i den niedern Thieren sehen wir dasselbe Princip thätig, dasz sich Vergnügen aus der Berührung in Association mit Liebe herleitet. Hunde und Katzen finden offenbar groszes Vergnügen daran, sieh an ihren Herrn oder Herrinnen zu reiben und von ihnen gerieben oder geklopft zu werden. Wie mir die Wärter im zoologischen Garten sagten, finden viele Arten von Affen ein Entzücken darin, einander zu bätschein oder von andern gehätschelt zu werden, auch von Per- sonen, zu welchen sie Anhänglichkeit fühlen. Mr. BiETLETT hat mir das Benehmen zweier Chimpansen, im Ganzen älterer Thiere als die- jenigen, die gewöhnlich nach Europa importirt werden, beschrieben, als sie zuerst zusammengebracht wurden. Sie saszen einander gegen- über, berührten einander mit ihren weit vorgestreckten Lippen, und der eine legte seine Hand auf die Schulter des andern. Dann schlössen sie sich gegenseitig in ihre Arme ein. Später standen sie auf,

1'eder mit einem Arm auf der Schulter des andern, hoben ihren Kopf . öffneten ihren Mund und schrien vor Entzücken. Wir Kuropäer sind an das Küssen als ein Zeichen der Zuneigung so gewöhnt, dasz man es für der Menschheit angeboren halten könnte. Dies ist indessen nicht der Fall. Stkki.k irrte sich, als er sagte, ie Natur war ihr Urheber und es begann mit der ersten Braut- rerbung". Jemmv Button", der Feuerländer, sagte mir, dasz diese ewohnheit in seinem Vaterlande unbekannt sei. Sie ist gleichfalls unbekannt bei den Neu-Seeländern, den Eingeborneu von Tahiti, den Papuas, den Australiern, den Somalis von Africa und den Eskimos22. Es i-t aber insoweit eingeboren oder natürlich, als es allem Anscheine nach von dem Vergnügen abhängt, mit einer geliebten Person in nahe Berührung zu kommen. In verschiedenen Theileu der Welt wird es durch das Reiben der Nasen aneinander ersetzt, so bei den Neu-See- ländern und Lappländern, oder durch das Reiben oder Klopfen der Arme, der Brust oder des Bauches, oder, dasz der eine sein eigenes Gesicht mit den Händen oder Füszen des andern streichelt. Vielleicht dürfte die Gewohnheit, als ein Zeichen der Zuneigung auf verschiedene Theile des Körpers zu blasen, von demselben Grundsatze abhängen2

ibt in Prehistorie Times, 2. edifc, 1869, p.

liehe Sehriftbelege für diese Angaben. Das Citat aus Steele ist diesem entnommen.

ine ausführliche Schilderung mit                       i bei E. B. Tyloi

Mankind. 2. edifc, 1870, p. 51.

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Die Empfindungen, welche man zärtlich nennt, sind schwer analysiren; sie scheinen aus Zuneigung, Freude und besonders a Sympathie zusammengesetzt zu sein. Diese Empfindungen sind sich von einer Vergnügen erregenden Natur, ausgenommen wenn das Mitleid zu tief ist oder Entsetzen erregt wird, wie bei der Nachricht, dasz ein Mensch oder Thier gequält worden ist. Von unserem vor- liegenden Gesichtspunkte aus sind sie deshalb merkwürdig, als leicht die Absonderung von Thränen hervorrufen. So mancher Vater und Sohn hat beim Wiedersehen nach einer langen Trennung geweinl besonders wenn die Begegnung unerwartet war. Ohne Zweifel die äuszerste Freude an sich die Neigung, auf die Thränendrüsen ei zuwirken. Aber bei solchen Veranlassungen, wie der eben erwähnte] werden auch unbestimmte Gedanken an den Kummer, welcher pfunden worden wäre, wenn sich der Vater und Sohn niemals ge> troffen hätten, wahrscheinlich durch die Seele gezogen sein, uud Kum- mer führt naturgemäsz zur Absonderung von Thränen. So heiszt bei der Kückkehr des Ulysses:

er

der Jüngling Schlang am den herrlichen Vater sich schmerzvoll Thräucu \ jetzo des Grams wehmüthige Sehnsucht.

„Also nun zum Erbarmen vergossen sie Thränen der Wehinuth. „Ja den Klagenden wäre das Licht der Sonne gesunken, hos nicht alsbald zum Vater geredet."

Ferner heiszt es von der Penelope, als sie endlich ihren Gatten derer kannte:

„Ihr aher erzitterten Herz und Kniee. „Da sie die Zeichen erkannt, die genau ihr verkündet Odysseus. „Weinend lief sie hinan und schlang sich mit offenen Annen

mahl um den Hals, und das Haupt ihm küssend begann sie.'

ebenda Will G

Die lebhafte Rückerinnerung an unsere frühere Heimat oder längst vergangene glückliche Zeiten verursacht sehr leicht die Füllung unserer Augen mit Thränen. Aber auch hier tritt sehr naturgemäsz der Gedanke ein, dasz diese Zeiten niemals wiederkehren werden, derartigen Fällen können wir sagen, dasz wir mit uns selbst in unse ;zigen Zustande sympathisiren im Vergleich mit unserm frühe

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Ausdruck iler Liebe.

Zustande. Sympathie mit dem Unglück Anderer, selbst mit dem rein imaginären Unglück der Heldin in einem traurigen Romane, für die wir keine Zuneigung weiter empfinden, reizt sehr leicht zu Thränen. Dasselbe thut die Sympathie mit dem Gefühle anderer, wie z. B. mit dem Glücke eines Liebhabers, der in einer gut erzählten Novelle nach vielen harten Erfahrungen endlich an das Ziel seiner Wünsche kommt.

Sympathie scheint eine besondere oder bestimmte Gemüth erregung darzustellen; sie ist besonders geneigt, die Thränendrüsen zu reizen. Dies gilt sowohl für den Fall, dasz wir Sympathie em- pfinden, als für den, wo wir sie empfangen. Jedermann musz erfahren haben, wie leicht Kinder in Weinen ausbrechen, wenn wir sie für irgend eine kleine Verletzung bemitleiden. Wie mir Dr. Chichton Browne mittheilt, reicht bei den melancholischen Geisteskranken häufig ein freundliches Wort hin, sie in nicht zu stillendes Weinen zu ver- setzen. Sobald wir unser Mitleid mit dem Kummer eines Freundes ausdrücken, kommen häufig Thränen in unsere eigenen Augen. Das Gefühl der Sympathie wird gewöhnlich durch die Annahme erklärt, dasz wenn wir von dem Leiden eines Andern hören oder dasselbe sehen, die Idee des Leidens in unserer eigenen Seele so lebhaft wach- gerufen wird, dasz wir selbst leiden. Diese Erklärung ist aber kaum genügend, denn sie gibt keinen Aufschlusz über die innige Verbindung zwischen Sympathie und Zuneigung. Wir sympatbisiren ohne Zweifc viel tiefer mit einer geliebten als mit einer gleichgültigen Person die Sympathie der einen gewährt uns viel mehr Erleichterung als di der andern. Aber doch können wir ganz sicher auch mit denjenigen sympathisiren, für die wir keine Zuneigung empfinden.

Warum ein Leiden, wenn es wirklich von uns erfahren wird, Weinen erregt, ist in einem frühern Capitel erörtert worden. In Bezug auf die Freude ist deren natürlicher und allgemeiner Ausdruck das Lachen, und bei allen Menschenrassen führt das laute Lachen viel häufiger zur Absonderung von Thränen, als es irgend eine andere Ur- sache mit Ausnahme des Unglücks thut. Das Füllen der Augen mit Thränen, welche ohne Zweifel bei groszer Freude eintritt, wenn auch kein Lachen es begleitet, kann, wie es mir scheint, nach denselbi Grundsätzen durch Gewohnheit und Association erklärt werden, \ das Vergieszen von Thränen aus Kummer, wenn kein Aufschrei da ausgestoszen wird. Trotzdem ist es nicht wenig merkwürdig, d;

.'Müi'-l': .'

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Cap. 8.                                  Zärtlich,                                                199

Sympathie mit der Xoth Anderer reichlicher Thränen erregt als [jene Trübsal. Und dies ist sicherlich der Fall. Bei dem Leiden eines geliebten Freundes hat so mancher Mann Thränen ver- gossen, aus dessen Augen keines seiner eigenen Leiden eine Limine auspressen würde. Es ist noch merkwürdiger, das/. Sympathie mit dem Glücke oder der glücklichen Lage derjenigen, welche wir zärtlich lieben, zu demselben Resultate führt, wahrend ein ähnliches

fundenes Glück unsere Augen trocken läszt. Wir müssen indessen im Auge behalten, dasz die lang andauernde Gewohnheit der Zurückhaltung, welche in Bezug auf das Hemmen des reichlichen Thränenliusses in Folge körperlicher Schmerzen so wirkungsvoll zu der Verhütung eines maszigen Ergusses von Thränen ans mit dem Leiden oder dem Unglücke Anderer nicht in's Spiel gebracht wurden ist.

Die .Musik hat eine wunderbare Kraft, wie ich an einem andern e zu zeigen versucht habe8*, in einer unbestimmten und vagen und Weise die starken Gemüthserregungen in uns wieder wach zu rufen, welche vor langst vergangenen Zeiten gefühlt wurden, wahrscheinlich                      (ruhen Urem-uger einander

Hülfe durch ihre Stimme erzeugter Töne umwarben. Und da mehrere stärksten liemütbserregungen — Kummer, grosze Freude, Liebe, Sympathie — zur reichlichen Absonderung von Thränen führen, so ist es nicht überraschend, dasz die Musik gleichfalls geneigt ist, unsere Augen mit Thränen zu füllen, besonders wenn wir bereits durch irgend eine der zarteren Empfindungen erweicht sind. Musik bringt auch häutig noch eine andere eigentümliche Wirkung hervor. Wir wissen, dasz jede starke Empfindung, Gemüthsbewegung oder Erregung — wie äuszerster Schmerz, Wuth, Schrecken, Freude oder die Leiden- schaft der Liebe — sämmtlich eine besondere Neigung haben, die Muskeln erzittern zu machen; und der eigentümliche Zug oder leichte Schauer, welcher bei vielen Personen den Rücken und die Gliedmaszen hinabfährt, wenn sie durch Musik mächtig ergriffen werden, scheint in demselben Verhältnisse zu dem eben erwähnten Erzittern des Kör- pers zu stehen, in dem eine leichte Thränenabsonderung in Folge der Macht der Musik zu dem Weinen aus irgend einer starken und wirk- lichen Gemüthsbewegung steht.

" Die Abstammung des Menschen. 3. Aufl.,

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200                                Ausdruck der frommen Ergebung                           Cap. 8.

Fromme Ergebung. — Da Ergebung in einem gewissen Grade mit Zuneigung verwandt, obschon sie, hauptsächlich ans Ehrfurcht bestehend, häufig mit Furcht verbunden ist, so mag der Ausdruck dieses Seelenzustandes hier kurz erwähnt werden. Bei einigen sowohl früher als jetzt noch existirenden Secten sind Religion und Liebe in befremdender Weise combinirt worden, und es ist selbst behauptet worden, so traurig die Thatsache an sich sein mag, dasz der heilige Kusz der Liebe nur wenig von dem verschieden sei, welchen der Frau oder eine Frau dem Manne gibt25. Ergebung oder Andacht wird hauptsächlich dadurch ausgedrückt, dasz das Gesicht nach dem Himmel gekehrt ist mit nach oben gerollten Augäpfeln. Sir Ch. Bell bemerkt, dasz bei dem Herannahen des Schlafes oder eines Ohnmachts- anfalles oder des Todes die Pupille nach oben und innen gezogen wird; er glaubt nun, das/, .wenn wir uns in Andachtsempfindungen ergehen „und auszere Bindrücke nicht beachtet werden, die Augen dann durch .eine weder gelehrte noch erworbene Thätigkeit nach oben gewandt .werden" und dasz dies Folge einer und derselben Ursache ist, wie in den eben erwähnten Fällen26. Dasz die Augen während des Schlafes nach oben gerollt werden, ist, wie ich von Prof. Donders höre, richtig. Bei neugebornen Kindern gibt diese Bewegung der Augapfel, wählend sie an der Brust ihrer Mutter saugen, ihnen häufig einen absurden Ausdruck ecstatischen Entzückens, und hier läszt sich deutlich wahr- nehmen, dasz gegen die naturgemäsze, während des Schlafes angeno: mene Stellung angekämpft wird. Aber Sir Ch. Bell's Erklärung Thatsache, welche auf der Annahme beruht, dasz gewisse Muskel mehr unter der Controle des Willens stehen als andere, ist, wie ic von Prof. Donders höre, incorrect. Da die Augen häufig im Gebete nach oben gewendet werden, ohne dasz der Geist so sehr in Gedanken absorbirt wäre, dasz er der Bewusztlosigkeit des Schlafes sich an- nähert, so ist die Bewegung wahrscheinlich eine Conventionelle — das Resultat des gewöhnlichen Glaubens, dasz der Himmel, die Quelle der göttlichen Gewalt, zu der wir beten, über uns gelegen ist.

Eine demüthigende knieende Stellung mit erhobenen und in eil ander gelegten Händen scheint uns in Folge langer Gewohnheit eine

ss Dr. Maudsley hat eine Erörterung hierüber in seinem Buche: Body and Mind, 1870. p. 85.

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The Anatomy of Expression, p. 103, and Philosoph.

.

Transactions, 1823,

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der frommen Ergebung so wohl entsprechende Geberde zu sein, dasz man meinen könne, sie sei angeboren. Doch habe ich keinen einzigen Beweis hierfür von den verschiedenen auszereuropäischeu Menschen- rassen erhalten. Während der classischen Periode der römischen schichte war es nicht gebräuchlich, wie ich von einem ausgezel neten Kenner des classischen Alterthums höre, dasz die Hände dieser Weise während des Gebets vereinigt wurden, ilr. Bensleigh WedgwoOD hat allem Anscheine nach die richtige Erklärung gegeben obschon in ihr ausgedrückt wird, dasz die Stellung eine der scla scheu Unterwürfigkeit ist. .Wenn der Betende kniet und ae „erhoben hält mit aneinander gelegten Bandflächen, so stellt er einen „Gefangenen dar, welcher die Vollständigkeit seiner Unterwerfung da- durch beweist, dasz er seine Hände dem Sieger zum Binden darbietet. „Es ist die bildliche Darstellung des lateinischen dare manus, um „die Unterwürfigkeit zu bezeichnen.* Es ist daher nicht wahrschein- lich, dasz sowohl das Aufwenden der Augen als auch das Ineinauder- legen der geöffneten Hände unter dem Einflüsse andächtiger Empfin- dungen angeborne oder wahrhaft ausdrucksvolle Handlungen sind und dies hätte man auch kaum erwarten können. Denn es ist sehr zweifel- haft, ob Empfindungen, welche wir jetzt als andachtsvolle auffassen, die Herzen von Menschen bewegten, als sie in vergangenen Zeiten ch in einem uneivilisirten Zustande verharrten.

of Language, 1866, p. 146. Mr. Tylor (Early History lankind. 2. edit. 1870. p. 48) gibt einen complicirteien Ursprung für die Stell der Hände während de- Gebetes an.

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Die Augenbrauenrunzlcr bringen durch ihre Zusammenziehung die Augenbrauen etwas herab und nähern dieselben einander, wobei" sie auf der Stirn senkrechte Falten, d. h. ein Stirnrunzeln hervor- bringen. Sir Ch. Bell, welcher irrthümlicherweise der Ansicht war, dasz der Augenbrauenrunzler ein dem Menschen eigenthümlicher Mus- kel sei, bezeichnet ihn als .den merkwürdigsten Muskel des mensch- lichen Gesichts. Er verknüpft die Augenbrauen mit einer energi- schen Anstrengung, was auf eine unerklärliche, aber doch unwider- stehliche Weise die Idee des Geistes hervorruft." An einer andern Stelle sagt er ferner: „Wenn die Augenbrauen zusammengezogen wer- „den, so wird Energie des Geistes sichtbar; dabei vermischt sich die „Idee des Gedankens und der Seelenbewegung mit der der wilden und „brutalen Wuth des reinen Thieres"1. In diesen Bemerkungen liegt

1 Anatomy of Expression, p. 137, 139. Es ist nicht überraschend, das/, sich jvnbrauenrunzler beim Menschen viel stärker entwickelt haben, als bei den menschenähnlichen Affen; denn sie werden von ihm unter verschiedenen Umstän- den in beständige Thätigkeit versetzt und werden auch durch die vererbten Wir- kungen des Gebrauchs gestärkt und modificirt worden sein. Wir haben gesehen, «ms für eine bedeutungsvolle Rolle sie in Verbindung mit den Kreismuskeln des Auges spielen, um die Augen vor dem Überfülltwerden mit Blut während heftiger expiratorischer Bewegungen zu schützen. Wenn die Augen so schnell und so ge-

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Überlegung.

sehr viel Wahres, aber kaum die ganze "Wahrheit. Dr. DucBB» hat den Augenbrauenrunzler den Muskel der Überlegung genannt aber es kann dieser Name ohne einige Einschränkung nicht als völ correct betrachtet werden.

Es kann ein Mensch in das tiefste Nachdenken versunken sei seine Augenbrauen bleiben doch glatt, bis er im Zuge seines Nac denkens auf irgend ein Hindernis stöszt oder bis er durch irgend eine Störung unterbrochen wird, dann zieht ein Stirnrunzeln wie ein Schatten G                     cht Bin halbverhungerter Mensch kann in-

tensiv darüber nachdenken, wie er sich Nahrung verschaffen könnte: wahrscheinlich wird er aber kein Stirnrunzeln zeigen, bis er entweder ken oder bei einer Handlung auf irgend welche Schwierig- . . oder wenn er die endlich erlangte Nahrung ekelhaft findet. Ich habe bemerkt, dasz beinahe ein Jeder augenblicklich die Stirn runzelt, wenn er in dem, was er iszt, einen fremdartigen oder schlechten Geschmack wahrnimmt. Ich bat mehrere Personen, oh: ihnen meine Absieht tu erklären, aufmerksam auf ein leises klopfe des Geräusch hinzuhören, dessen Natur and Quelle sie sämmtlich voll- kommen kannten; nicht eine von ihnen runzelte die Stirn. Als aber Jemand sich zu uns gesellte, der nicht begreifen konnte, was wir alle im tiefsten Stillschweigen thäten, und dann gebeten wurde, aufzuhorchen, runzelte er die Stirn stark, wenn schon nicht aus übler Laune, und sagte, er könne nicht im Mindesten verstehen, was wir Alle wollten. Dr. Piderit3, welcher Bemerkungen ähnlichen Inhalts veröffentlicht hat, fügt noch hinzu, dasz Stotterer gewöhnlich beim Sprechen die Stirn runzeln und dasz ein Mensch selbst beim Ausführen einer so ingfügigen Handlung wie dem Anziehen eines Stiefels die Sti 11 er ihn zu eng findet. Manche Personen runzeln

gennf runzel

waltsai

tsam wie möglich geschlossen werden, um sie vor einem Schlage zu retten liehen sich die Augenbrauenrunzler zusammen. Bei Wilden oder and-n

unbedeckt getragen wird, werden die Augenbrauen beständig gesenkt und zusammengezogen, um als ein Schirm gegen das zu starke Licht zu dieni und dies wird zum Theil durch die Augenbrauenrunzler ausgefülir' wegung würde dem Mensehen noch speciellei von Nutzen gewesen sein, wenn sei frühen Urerzeuger den Kopf aufrecht getragen hätten. Endlich glaubt Prof. Don ders (Archives of Mediane, ed. by L. S. Beale, VoL V, 1870, p. 34). dasz die Augenbrauenrunzler in Thätigkeit gesetzt Verden, um das Hervortreten des Aug- apfels bei der Accomodation                           die gniszte Nähe zu verursachen. nisme de la Physionomie Humaine, Album, Legende III. 3 Mimik und Physiognomik. -

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te Work of:

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Ausdruck der Überlegung.

Stirn so gewohnheitsgemäsz, dasz die einfache Anstrengung des Spn chens beinahe immer ihre Augenbrauen veranlaszt, sich zusammen' zuziehen.

Menschen aller Hassen runzeln die Stirn, wenn sie in ihren Q danken auf irgend welche Weise verworren werden, wie ich aus di Antworten schliesze, die ich auf meine Fragen erhalten habe habe indessen dieselben schlecht formulirt, da ich dabei das vertiefte Nachdenken mit perplexer Überlegung verwechselt habe. Nichtsdesto- weniger ist es doch klar, dasz die Australier, Hindus und Blaffern von Süd-Africa die Stirn runzeln, wenn sie in Verlegenheit gerathen. Dohkitzhofer bemerkt, dasz die Guaranis von Süd-America bei gleich Gelegenheit ebenfalls ihre Augenbrauen zusammenziehen

Nach diesen Betrachtungen können wir schlieszen, dasz das Stin runzeln nicht der Ausdruck der einfachen Überlegung, wie tief ei gehend dasselbe auch sein mag, oder der, wenn auch noch so intei siven Aufmerksamkeit ist, sondern der Ausdruck für irgend eine Schwierigkeit oder etwas Unangenehmes, was während eines Gedanken- zuges oder bei einer Handlung erfahren wird. Tiefe Überlegung kann indessen selten lange fortgesetzt werden, ohne auf irgend eine Schwie- rigkeit zu stoszen, so dasz sie allgemein von einem Stirnrunzeln be- gleitet sein wird. Daher kommt es, dasz das Stirnrunzeln dem G sieht gewöhnlich, wie Sir Ch. Bell bemerkt, den Ausdruck intellei tueller Energie gibt. Damit aber diese Wirkung hervorgebracht werde, müssen die Augen klar und fest sein, oder nach abwärts gerichtet werden, wie es häufig beim tiefen Denken vorkommt. Das Gesicht musz nicht auf andere Weise gestört sein, wie es bei einem übelgelaunten oder mürrischen Menschen der Fall ist, oder bei einem, welcher die Wirkungen lange anhaltenden Leidens zeigt mit matten Augen und schlaff herabhängenden Kinnladen, oder welcher einen schlechten Ge- schmack in einer Speise wahrnimmt, oder der es schwierig findet, irgend eine unbedeutende Handlung, wie das Einfädeln einer Nadel, auszuführen. In diesen Fällen kann man häufig ein Stirnrunzeln ein- treten sehen, es wird aber hier von irgend einer andern Ausdrucks- form begleitet sein, welche es vollständig verhindert, dasz das Gesicht I Anblick intellectueller Energie oder tiefen Denkens darbietet.

sn.

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History of the Abipones. Engl. Übers. Vol. II, p. 59, citirt von Lubbock, rin of Civilisation, 1870, p. 355.

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Auf Alt.

Wir können nun untersuchen, woher es kommt, dasz ein Sti runzeln die Empfindung von irgend etwas Schwierigem oder Unan- genehmem entweder in einem Gedankenzuge oder in einer Handlung ausdrücken soll. In derselben Vi                   Naturforscher empfehlens-

werth finden, die embryonale Entwickelung eines Organes zu verfolgen, um seinen Bau vollständig zu verstehen, ist es auch in Bezug auf die Bewegungen des Gesichtsausdrucks gerathen, so nahe als möglich denselben Plan zu verfolgen. Die früheste und beinahe einzige Aus- drucksform, welche während der ersten Tage der Kindheit zu sehen ist, dann aber häufig dargeboten wird, ist die im Acte des Schreiens gezeigte; und das Schreien wird sowohl zuerst als noch einige Zeit später durch jede ängstigende oder unangenehme Empfindung oder Gemüthsbewegung erregt, durch Hunger, Schmerz, Zorn, Eifersucht, Furcht u. s. w. In solchen Zeiten werden die Muskeln rings um das Auge heftig zusammengezogen, und dies erklärt, wie ich glaube, in den Act des Stirnrunzeins während der übrigen Zeit eres Lebens. Ich habe wiederholt meine eignen Kinder von einem lter unter einer Woche bis zu dem von zwei oder drei Monaten beobachtet und gefunden, dasz wenn ein Schreianfall allmählich heran- kam, das erste Zeichen davon die Zusammenziehung der Augenbrauen- runzler war, welche ein leichtes Stirnrunzeln verursachte und welcher sehr bald die Zusammenziehung der andern Muskeln rings um das Auge folgte. Wenn ein kleines Kind sich ungemüthlich fühlt oder unwohl ist, so kann man kleine Stirnrunzelungen — wie ich in meinem Tagebuche notirt habe, — beständig wie Schatten über ihr Gesicht ziehen sehen; diesen folgen allgemein, aber nicht immer, früher oder später Schreianfälle. Ich beobachtete z. B. ein kleines, zwischen sieben und acht V                     Bund, als es Milch saugte, welche kalt und

ihm daher unangenehm war; während der ganzen Zeit behielt es ein irnrunzeln bei. Dies entwickelte sich nie zu einem wirk- lichen Anfall von Weinen, doch liesz sich gelegentlich jede - dichten Herannahens eines solchen beobachten.

Da kleine Kinder zahllose Generationen hindurch der Gewohnh beim Anfange jeden Anfalls von Weinen oder Schreien die brauen zusammenziehen, gefolgt sind, so ist dieselbe mit dem langsam eintretenden Gefühle von irgend etwas Ängstigendem oder Unange- nehmem fest associirt worden. Sie ist daher leicht geneigt unter ähnlichen Umständen auch während des reifen Alters beibehalten zu

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werden, obschon sie dann niemals zu einem Weinanfall weiterentwick wird. Schreien oder Weinen wird schon in einer frühen Leben periode willkürlich zurückzudrängen begonnen, während das Stir runzeln kaum jemals auf irgend einer Altersstufe unterdrückt wir. Es ist vielleicht der Bemerkung werth, dasz bei zum Weinen sehr neigten Kindern alles das, was ihren Geist verwirrt und was die eisten andern Kinder nur zum Slirnrunzeln bringen würde, leicht Weinen hervorruft. So führt auch bei gewissen Classen von teskranken jede Anstrengung des Geistes, wie leicht sie auch sein mag, welche bei einem gewohnheitsgemäsz die Stirn runzelnden Menschen ein leichtes Stirnrunzeln verursachen würde, zum nich zurückzudrängenden Weinen. Darin, dasz die Gewohnheit die Augen brauen bei der ersten Wahrnehmung von irgend etwas Ängstigend zusammenzuziehen, obschon sie während der Kindheit erworben wun für den übrigen Theil unseres Lebens beibehalten wird, liegt nie ehr l'berraschendes als darin, dasz viele andere in einem frühen ter erworbene associirte Gewohnheiten sowohl vom Menschen als en niedern Thieren dauernd beibehalten werden. So behalten z. B. völlig erwachsene Katzen häufig die Gewohnheit bei, wenn sie sich warm und gemüthlich fühlen, abwechselnd ihre Vorderpfoten mit aus> gespreizten Zehen vorzustrecken, welche Gewohnheit sie zu eii stimmten Zwecke ausübten als sie an ihren Müttern saugten

Eine andere und verschiedene Ursache hat wahrscheinlich die Gewohnheit die Stirne zu runzeln, so oft der Geist sich intensiv mit einem Gegenstande beschäftigt und auf irgend eine Schwierigkeit stöszt, noch verstärkt. Das Sehen ist der bedeutungsvollste von allen Sinnen, und während der Urzeiten musz die gespannteste Aufmerksam- keit unaufhörlich auf entfernte Gegenstände gerichtet worden sein, um Beute zu erlangen und Gefahren zu vermeiden. Ich erinnere ch, als ich in Theilen von Süd-America reiste, welche wegen der von Indianern gefährlich waren, darüber frappirt gewesen wie unaufhörlich und doch allem Anscheine nach unbewuszt die halb wilden Gauchos den ganzen Horizont aufmerksam prüften. Wenn nun Jemand ohne irgend wie den Kopf bedeckt zu haben ( es doch ursprünglich beim Menschen der Fall gewesen sein mv. -ton anstrengt, in hellem Tageslicht und iders wenn der Himmel glänzt, einen entfernten Gegi terscheiden, so zieht er beinahe ausnahmslos seine Augenbrauen

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sammen, um den Eintritt von zuviel Licht in seine Augen zu ver- hüten; die untern Augenlider, die Backen und die Oberlippe werden zu gleicher Zeit emporgehoben, so dasz die Öffnung der Augen ver- kleinert wird. Ich habe absichtlich mehrere Personen, junge und alte, gebeten, unter den oben erwähnten Umständen nach entfernten Gegen- ständen zu sehen, wobei ich sie glauben machte, dasz ich nur die Stärke ihres Gesichtssinnes zu prüfen wünschte; und sie alle be- nahmen sich in der eben beschriebenen Art und Weise. Einige von ihnen hielten auch ihre flachen offenen Hände über die Augen, um den Überschusz von Licht abzuhalten. Nachdem Geatiolet einige Bemerkungen nahezu derselben Art gemacht hat3, sagt er: „ce sont la des attitudes de vision difficile." Er kommt zu dem Schlüsse, dasz sich die Muskeln rings um das Auge zum Theil zu dem Zwecke zu- sammenziehen, zu vieles Licht auszuschlieszen (was mir die bedeutungs- vollere Absicht zu sein scheint), zum Theil um alle Strahlen von der Netzhaut abzuhalten, ausgenommen diejenigen, welche direct von dem Gegenstande herkommen, welcher erforscht wird. Mr. Bowman, welchen ich über diesen Punkt um Rath frug, meint, dasz die Zu- sammenziehung der das Auge umgebenden Mukeln auszerdem noch .zum Theil dazu dienen dürfte, die consensuellen Bewegungen der „beiden Augen dadurch zu sichern, dasz ihnen ein festerer Stützpunkt „gegeben wird, während die Augäpfel durch die Thätigkeit ihrer „eigenen Muskeln für das binoculare Sehen eingestellt werden."

Da die Anstrengung, bei hellem Lichte mit Aufmerksamkeit einen entfernten Gegenstand zu betrachten, sowohl schwierig als ermüdend ist, und da diese Anstrengung durch zahllose Generationen hindurch gewohnheitsgemäsz von der Zusammenziehung der Augenbrauen be- gleitet worden ist, so wird die Gewohnheit des Stirnrunzeins hiedurch bedeutend verstärkt worden sein, obschon sie ursprünglich während der ersten Kindheit aus einer davon völlig unabhängigen Ursache ausgeübt wurde, nämlich als erster Schritt zum Schutze der Augen beim Schreien. Soweit der Seelenzustand dabei in Betracht kommt, besteht allerdings eine grosze Analogie zwischen dem aufmerksamen Prüfen eines entfernten Gegenstandes und dem Verfolgen eines

5 De la Physionomie, p. 15, lll, 146. Mr. Herbert Spencer erklärt du Stirnmnzeln aneschlieszlich durch die Gewohnheit                     sen zur Bildung

iiirms für die Augen in einem b                     unmenznziehen. s, Prin-

ciples of Psycholog*. 2. edit, 1872

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schwierigen Gedankenzuges oder auch der Ausführung irgend ein kleinen und mühsamen mechanischen Arbeit. Die Annahme, dasz die Gewohnheit des Stirnrunzeins beibehalten wird, wenn auch durchaus gar keine Xöthigung vorliegt, zu viel Licht abzuhalten, erhält durch die früher erwähnten Fälle Unterstützung, bei denen die Augenbrauen jenlider unter gewissen Umständen in einer zwecklosen Art und Weise in Thätigkeit geriethen, weil sie früher unter analoge: Verhältnissen zu einem nützlichen Zwecke ähnlich benutzt wurde So schlieszen wir z. B. willkürlich unsere Augen, wenn wir Gegenstand nicht zu sehen wünschen, und wir sind sehr _ zu schlieszen, wenn wir einen Vorschlag verwerfen, als wenn wir ihn dann nicht sehen könnten oder wollten, oder auch aus gleichem Grunde, wenn wir an etwas Schauerliches denken. Wir erheben unsere Augenbrauen, wenn wir schnell Alles rings um uns her zu sehen wünschen, und dasselbe thun wir häufig, wenn wir ernsthaft

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Vii, uns an irgend etwas zu erinnern, gewissermaszen um zu uchen es zu sehen. Versankensein, Nachdenken. — Wenn eine Person in Gedanken verloren und ihr Geist abwesend ist, oder, wie es zuweilen gesagt wird, .wenn sie in Gedanken hinbrütet", so runzelt sie ihre Stirn nicht, aber die Augen erscheinen leer. Die untern Augenlider werden meist in die Höhe gezogen und gefaltet, in derselben Weise wie wenn eine kurzsichtige Person einen entfernten Gegenstand zu erkennen versucht; gleichzeitig werden auch die obern Augenkreis- muskeln leicht zusammengezogen. Das Falten der untern Augenlider unter solchen Umständen ist bei einigen Wilden beobachtet worden, so von Mr. DVSON LAC1 bei den Australiern von Queensland und mehrere Male von Mr. Geach bei den Malayen des Innern von Ma- lacca. Was die Bedeutung oder die Ursache dieser Handlung sein mag, kann für jetzt nicht erklärt werden; es liegt uns aber hie: ein anderes Beispiel einer Bewegung rund um die Augen heru Beziehung auf den Seelenzustand vor.

Der leere Ausdruck der Augen ist sehr eigenthümlich und zeigt sofort an, wenn ein Mensch vollständig in seinen Gedanken verloren ist. Professor Doxders hat mit seiner gewöhnlichen Freundlichkeit diesen Gegenstand meinetwegen untersucht. Er hat Andere in diesem Zustand beobachtet und ist selbst wieder von Professor Engelmann beobachtet worden. Die Augen werden dann nicht auf irgend einen

Cornplete                             ;arvvin Onlin

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Gegenstand fixirt, also nicht, wie ich mir vorgestellt hatte, auf eim nten Gegenstand. Die Sehachsen der beiden Augen werden

häufig in geringem Grade divergent; wird der Kopf senkrecht gehalten, und ist die Gesichtsebene horizontal, so steigt die Divergenz im Maximum bis zu einem Winkel von 2°. Dies wurde ermittelt durch Beobachtung des gekreuzten Doppelbildes eines entfernten Ge-

ndes. Wenn sich der Kopf nach vorn neigt, wie es häufig bei einem in Gedanken absorbirten Menschen vorkommt, in Folge nämlich der allgemeinen Erschlaffung seiner Muskeln, dann werden, wenn die Gesichtsebene noch immer horizontal bleibt, die Augen nothweiidigei- weise ein wenig aufwärts gedreht, und dann beträgt die Divergenz 3° oder 3°5'; werden die Augen noch weiter nach oben gewende dann steigt sie bis auf 6° oder 7°. Professor Doxders schreibt dies Divergenz der beinahe vollständigen Erschlaffung gewisser Augen- muskeln zu, welche leicht in Folge des Versunkeuseins des Geistes eintritt6. Der thätige Zustand der Muskeln der Augen führt zur Convergenz derselben; Professor Dondbes bemerkt hierbei noch. ;ils die Divergenz der Augen während einer Zeit vollständigen Versunken-

iläuternd, dasz, wenn ein Auge erblindet, es beinahe immer nach Verlauf einer kurzen Zeit sich nach auszen wendet; Muskeln werden nämlich nun nicht mehr dazu benutzt, den Augapfel behufs des binocularen Sehens nach innen zu bewegen.

jenes Überlegen wird häufig von gewissen Bewegungen oder Geberden begleitet. In solchen .Momenten erheben wir gewöhnlich

Hände an die Stirn, den Mund oder das Kinn; soweit beobachtet habe, thun wir es aber nicht, wenn wir vollständig im Nachdenken versunken sind und wenn keine Schwierigkeit uns entgegen- tritt. l'i.Ain > beschreibt in einem seiner Stücke7 einen verlegenen Menschen und sagt: „Seht ihn an, er hat sein Kinn auf den Pfeiler »seiner Hand gestützt." Selbst eine so kleinliche und allem An- scheine nach bedeutungslose Geberde, wie das Erheben der Hand nach dem Gesichte, ist bei einigen Wilden beobachtet worden. Mr. -I. Mansel Wkai.k hat es bei den Kaffern in Süd-Africa gesehen; und der einge-

6 Gratiolet bemerkt (De la Physionomie. p. :!:'): „Quand ['attention est ii qaelqne image Interieure, 1'oaO regarde 'Ums le ride et B'associe ante- . nieiit ä la contemplation de l'esprit." Diese Anrieht verdient aber kaum eine Erklärung genannt n

' Miles Gloriosns, Act. II. Sc. 2.

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des Nachdenken

>rene Häuptling Gaika fügt hinzu, dasz die Leute „manchmal Barte zapfen." Mr. Washington Matthbws, welcher einige der wildesten Indianerstämme in den westlichen Gegenden der Ver- einigten Staaten beobachtet bat, bemerkt. da dieselben, wenn sie ihre Gedanken conceutriren, „ihre Sand .lieh den Daumen und Zeigfinger, mit irgend einem Theile

sichts, meistens mit der Oberlippe, in Berührung bringen.

Italien wohl einsehen, warum man die Stirn drückt oder reiht, tiefes Nachdenken das Gehirn ermüdet; warum mau aber die Hand nach dem .Mund oder dem Gesicht erhebt, ist durchaus nicht klar.

-tens mit der Oberlippe, in Berührung bringen." Wir können wohl einsehen, warum man die Stirn drückt oder reibt, da tiefes Nachdenken das Gehirn einlüdet: warum man aber die Hand

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üble Laune. — Wir haben gesehen, dasz das Stirnrunzeln natürliche Ausdruck irgend einer empfundenen Schwierigkeit oder irgend etwas Unangenehmem ist, was sich entweder in Gedanken o< bei einer Handlung darbietet; und wessen Geist häutig und leic in dieser Weise afficirt wird, der wird sehr leicht übel gelaunt ode: in unbedeutendem Grade zornig "der reizbar werden und wird dies ewöhnlich durch ein Stirnrunzeln /.eigen. A.ber ein in Folge des irnrunzelna verstimm!                          Ausdruck kann ausgeglichen

rden. wenn der Mund, weil er gewohnheitsgemäsz in ein Lächeln

wird, freundlich erscheint und die Augen hell und fröhlii il. Dasselbe tritt ein, wenn das Auge klar und sicher blickt

terlegens vorhanden ist. Stirnrunzeln mit etwas herabgezogeneu Mundwinkeln, welches letztere eil des Kummers ist, gibt das Ansehen eines mürrischen Gereiztseins Wenn ein Kind während es weint stark die Stirn runzelt (sie Tafel TV, Fig. 2)8, aber nicht in der gewöhnlichen Art stark Kreismuskeln zusammenzieht, dann bietet sich ein schan ebener Ausdruck des.Zornes oder selbst der Wuth. in Verbindung ,em des Unglücks dar.

Wenn die ganzen. zum Stirnrunzeln gebrachten Augenbrauen urcli die Znsammenziehung der Pyramidenmuskeln der .v nach unten gezogen werden, was quere Furchen oder Falten quer über die Basis der Nase hervorruft, wird der Ausdruck der des mürrischen Wesens. Duchenne glaubt, das/, die Zusammenziehung dieses Muske ohne jedes Stirnrunzeln die Erscheinung der aus/ersten und

8 Die Originalpl                                indermann ist i

- ie, da sie die Rnnzeinng

ins.

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Härte veranlaszt9. Ich zweifle aber sehr, ob dies ein wahrer ode: natürlicher Ausdruck ist. Ich habe die DüCHENNE'sche Photographie eines jungen Mannes, bei welchem dieser Muskel mittelst des Gal- vanisinus in starke Contraction versetzt worden war, elf Personen, darunter einigen Künstlern, gezeigt und keiner konnte sich eine Idee davon machen, was beabsichtigt wurde, ausgenommen ein Mädchen, welches ganz richtig antwortete: „mürrische Zurückhaltung." Als ich, wohl wissend was damit beabsichtigt war, zum ersten Male diese Photographie betrachtete, fügte meine Einbildungskraft wie ich glaube das, was noch nothwendig war, nämlich die Kunzelung der Augen- brauen, hinzu; in Folge hievon schien mir dann der Ausdruck richtig und zwar äuszerst mürrisch zu sein.

Bin fest geschlossener Mund gibt in Verbindung mit herabge- zogenen und gerunzelten Augenbrauen dem Ausdrucke Entschiedenheit oder kann ihn auch zu dem der Halsstarrigkeit und Verdrieszlichkeit machen. Woher es kommt, dasz der fest geschlossene .Mund dem Gesichte den Ausdruck der Entschiedenheit gibt, wird sofort erörtert werden. Ein Ausdruck mürrischer Hartnäckigkeit ist von meinen Correspondenteu deutlich bei den Eingeborenen von sechs verschiedenen den Australiens erkannt worden. Dasselbe ist auch bei den Malaven. Chinesen, Kaft'ern, Abyssiniern und der Angabe des Dr. Roth- roi b zufolge in einem auffallenden Grade bei den wilden Indianern Mm Nord-America und nach Mr. D. Fobbes bei den Aymaras von Bo- livien erkannt worden. Ich habe ihn auch bei den Araucanern des südlichen Chile beobachtet. Mr. Dyson Luv bemerkt, dasz die Ein- geborenen von Australien, wenn sie sich in diesem Seelenzustand be- finden, zuweilen ihre Arme über die Brust kreuzen, eine Stellung, die man häufig bei uns sehen kann. Eine feste Entschiedenheit, zu- weilen sich bis zur Hartnäckigkeit steigernd, wird auch zuweilen dadurch ausgedrückt, dasz beide Schultern heraufgezogen werden; die Bedeutung dieser Geberde wird im folgenden Capitel erklärt werden.

Bei kleinen Kindern zeigt sich das Schmollen durch Hervor- strecken oder Verziehen des Mundes; wie es zuweilen genannt wird:

machen ein Schnäuzchen' ,0. Wenn die -Mundwinkel stark herab

211 oder

' Hecaniame de la Physiognomie Etnmaine, Album, Legende IV. I 10 [Das proTÜJCielle .einen Flansch machen* entspricht dem „to pont" am meisten. C] Hensleigh Wedgwood, On the Orij . 1866, p. 7-'.

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212                                                                      Uens.

gedrückt werden, so wird die Unterlippe ein wenig umgewandt und vorgestreckt und dies wird gleichfalls .Verziehen des Mundes" ge- nannt. Aber das hier besprochene Mundverziehen besteht in einem Vorstrecken beider Lippen in einer röhrigen Form, zuweilen in einem solchen Grade, dasz sie bis zur Nasenspitze reichen, wenn die Nase kurz ist. Das Verziehen des Mundes wird gewöhnlich von Stirn' runzeln, zuweilen von Äusserung eines Lautes, wie ,buh' oder ,wu begleitet. Diese Ausdrucksform ist deshalb merkwürdig, als sie, i weit mir bekannt ist. beinahe die einzige ist, welche viel deutlich während der Kindheit als während des erwachsenen Alters dargebote wird. Indessen ist eine gewisse Neigung zum Vorstrecken der Lippen unter dem Einflüsse groszer Wuth bei den Erwachsenen aller Rassen vorhanden. Manche Kinder strecken den Mond vor, wenn sie schüchtern sind, und dann kann man kaum sagen, dasz sie schmollen.

Nach den Erkundigungen, welche ich bei mehreren groszen Fa- milien angestellt habe, scheint das Vorstrecken des Mundes bei europäischen Kindern nicht sehr allgemein zu sein; doch kommt es auf der ganzen Erde vor und musz bei den wilden Rassen sowohl allgemein als auch scharf ausgesprochen sein, da es die Aufmerksam- keit vieler Beobachter gefesselt hat. Es ist in acht verschiedenen Bezirken in Australien bemerkt worden, und einer der Herren mir Aufschlüsse verschafften, bemerkt, wie bedeutend dann die Lippen der Kinder vorgestreckt werden. Zwei Beobachter haben das Mund verziehen bei Kindern der Hindus gesehen, drei bei denen der Kaffer und Fingos in Süd-Al'rica und bei den Hottentotten, und zwei bei de Kindern der wilden Indianer von Nord-America. Verziehen des Munde: ist auch bei den Chinesen, Abyssiniern, Malayen von Malacca, den Dyaks von Borneo und häufig bei den Neu-Seeländern beobachtet worden. Mr. MANSEL Wkai.k theilt mir mit, dasz er nicht blosz bei den Kindern der Kaffern, sondern auch bei den Erwachsenen beiderlei Geschlechts gesehen habe, wie sie, wenn sie mürrisch sind, ihre Lippen bedeutend vorstrecken, und Mr. Stack hat dasselbe in Neu-Seelan zuweilen bei den Männern und sehr hänfig bei den Frauen beobachtet Eine Spur derselben Ausdrucksform läszt sich gelegentlich selbst bi erwachsenen Europäern entdecken.

Wir sehen hieraus, dasz das Vorstrecken der Lippen bei kleinen Kindern über den gröszten Theil der Erde für das mür rische Schmollen characteristisch ist. Diese Bewegung ist dem An

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heine nach ein Resultat davon, dasz eine ursprüngliche Gewohnheit hauptsächlich während der Kindheit beibehalten worden ist oder dasz gelegentlich zu ihr zurückgegriffen wird. Junge Orangs und Chim- pansen strecken ihre Lippen bis zu einem auszerordentlichen Grade r, (wie in einem früheren Capitel beschrieben wurde), wenn sie zufrieden, etwas erzürnt oder mürrisch sind, auch wenn sie über- rascht, ein wenig erschreckt werden und selbst wenn sie in unbe- deutendem Grade vergnügt werden. Der Mund wird hier wie es Iheint zu dem Zwecke vorgestreckt, um die den verschiedenen Seelen- ständen eigenthümlichen Laute hervorzubringen; wie ich beim Chim- nsen beobachtete, ist die Form des Mundes etwas verschieden, wenn i' Ausruf des Vergnügens und wenn der des Zorns ausgestoszen jrd. Sobald diese Thiere in Wnth gerathen, ändert s Mundes vollständig und die Zähne werden dann gezeigt. Wenn r erwachsene Orang verwundet wird, so gibt er, wie man erzahlt, „einen eigenthümlichen Schrei von sich, der zuerst aus hohen Tönen „besteht, sich aber zuletzt in ein leises Brummen vertieft. Während lie hohen Töne ausstöszt, streckt er seine Lippen trichterförmig beim Brummen in den tiefen Tönen hält er seinen Mund weit offen" u. Beim Gorilla ist die Unterlippe, wie angegeben wird, oszer Verlängerung fähig. Wenn dann nun unsere halbmenschlichen erzeuger ihre Lippen, wenn sie verdrieszlich oder etwas erzürnt aren, in derselben Weise vorstreckten, wie es die jetzt lebenden enschenähulichen Affen thun, so ist es keine anomale, aber doch merkwürdige Tliatsache, dasz unsere Kinder in ähnlichen Affecten eine Spur derselben Ausdrucksform und eine geringe Neigung, einen Laut auszustoszen, darbieten. Denn es ist bei Thieren durchaus nicht ungewöhnlich, dasz sie Charactere, welche ursprünglich ihre erwach- i Urerzeuger besaszen und welche noch immer von bestimmten

Ixten, ihren nächsten Verwandten, besessen werden, während der fugend mehr oder weniger vollkommen beibehalten und später ver- ieren.

Es ist auch keine anomale Thatsache. dasz die Kinder der Wilden ine stärkere Neigung zum Vorstrecken der Lippen, wenu sie mürrisch hmollen, darbieten, als die Kinder civilisirter Europäer; denn das

=

1 Sil. Müller, citirt von Huxley, Zeugni (Übersetzung).

für die Stellung d«

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AiiMiiuck des Schmollens.

Wesen der Wildheit scheint in der Beibehaltung eines ursprünglichen Zustandes zu bestehen, und dies gilt gelegentlich sogar für körper- liche Eigentümlichkeiten,2. Man könnte dieser Ansicht von dem Ursprünge des Mundverziehens den Umstand entgegenhalten, dasz die menschenähnlichen Affen ihre Lippen auch dann vorstrecken, wenn sie erstaunt und selbst wenn sie etwas vergnügt gestimmt sind, während bei uns der Ausdruck allgemein auf einen mürrischen Seelen zustand beschränkt ist. Wir werden aber in einem späteren < aj.it sehen, dasz die Überraschung bei verschiedenen Menschenrassen zu- weilen zu einem geringen Vorstrecken der Lippen führt, obschon groszes Überraschen oder Erstaunen gewöhnlicher dadurch g wird, dasz der .Mund weit geöffnet wird. Ebenso ziehen wir ja, wenn wir lächeln oder lachen, unsere Mundwinkel zurück und haben daher Neigung die Lippe vorzustrecken, wenn wir vergnügt gestimmt sind, verloren, wenn wirklich unsere frühen Urerzeuger das Vergnügen dieser Weise ausdrückten. Eine kleine von schmollenden Kindern gemachte Geberde mag ier noch erwähnt werden. Dämlich das Zucken oder das Erheben der einen Schulter. Dies hat wie ich glaube eine verschiedene Bedeutung von dem Hochhalten beider Schultern. Ein eigensinniges Kind, welches auf dem Knie seiner .Mutter sitzt, hebt die ihr nähere Schulter empor bewegt sie dann schnell weg, um gewiasermaezen einer Liebkosung auszuweichen und stöszt dann mit ihr rückwärts, als wollte es einen Beleidiger fortstoszen. Ich habe ein Kind in ziemlicher Entfernung von irgend jemand Anderem stehen und seine Empfindungen deutlich dadurch ausdrücken sehen, dasz es die eine Schulter erhob, ihr dann eine geringe Bewegung nach rückwärts gab, und dann den ganzen Brper herumdrehte.

Bestimmtheit und Entschiedenheit. — Das feste S des Mundes dient dazu, dem Gesicht einen Ausdruck der Entschieden- heit oder Bestimmtheit zu geben. Kein entschlossener Mensch ihrscheinlich jemals einen gewöhnlich weit offenstehenden Mini shabt. Es wird daher auch eine kleine und schwache Unterkinnlade welche anzudeuten scheint, dasz der Mund nicht für gewöhnlich un

12 Ich habe mehrere Beispiele hievon in meiner .Abstammung des U il. l. Cap, 1 gegi;

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fest geschlossen wird, allgemein für ein characteristisches Zeich einer Schwäche des Characters gehalten. Eine länger anhaltende strengung, sei es des Körpers oder des Geistes, setzt einen vorhe: gehenden Eotachlusz voraus; und wenn gezeigt werden kann, der Mund vor und während einer bedeutenden und andauernden strengung des Muskelsystems allgemein mit Festigkeit geschloss wird, dann wird auch nach dem Princip der Association der Mund beinahe sicher geschlossen werden, sobald irgend ein entschiedener Entschlusz gefasst wird. Nun haben mehrere Beobachter bemerkt, wie ein Mensch beim Beginn irgend einer heftigen Muskelanstrengung ausnahmslos zuerst seine Lungen mit Luft ausdehnt und sie dann durcb kraftvolle Zusammenziehung seiner Brustmuskeln zusammen- drückt; um dies aber zu bewirken, musz der Mund fest geschlossen werden.

Für diese Handlungsweise hat man verschiedene Ursachen ange- geben. Sir Cii. Bkli. behauptet13, dasz zu solchen Zeiten die Brust mit Luft ausgedehnt und im Zustande der Ausdehnung erhalten wird, um den am Brustkasten befestigten Muskeln einen feBten Stützpunkt zugeben. Er bemerkt dann: wenn zwei Menschen auf Tod und Leben mit einander ringen, so herrscht ein fürchterliches Stillschweigen, welches nur durch das harte, halb erstickte Athmen unterbrochen wird. Es herrsch! Schweigen, weil das Austreiben von Luft bei: Ausstoszen irgend eines Lautes den Stützpunkt für die Muskeln Arme erschlaffen würde. Wird ein Aufschrei gehört, — angenomm der Kampf lande im Dunkeln statt, — so wissen wir sofort, d: einer von beiden den Kampf verzweifelnd aufgegeben hat.

Gratiolbt nimmt an", dasz. wenn ein Mensch mit einem andern bis aufs Aus/.erste zu kämpfen oder eine schwere Last zu unterstützen oder lange Zeit hindurch eine und dieselbe gezwungene Stellung zubehalten hat, er notwendigerweise zuerst tief einathmen und da; mit dem Athemholen aufhören müsse; er glaubt aber, dasz Si - Erklärung irrig ist. Er behauptet, dasz aufgehobene Kes- piration den Kreislauf des Blute- verlangsame, worüber, wie ich meine, kein Zweifel besteht; er führt auch einige merkwürdige Beweise dem Baue der niederen Thiere an, welche auf der einen Seite zei

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Anatom]                          p. 190.

la l'hysionomie, p. 118—121.

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dasz für eine länger andauernde Muskelanstrengung eine verlangsamte Circulation und auf der anderen Seite für schnelle Bewegungen eine beschleunigte Circulation nothwendig ist. Wir schlieszen dieser An- sicht zufolge, wenn wir irgend eine bedeutende Anstrengung beginnen. unsern Mund und unterbrechen das Athmen, um die Circulation des Blutes 211 verlangsamen. Gratiolet faszt den Gegenstand mit den Worten zusammen: „C'est lü la the'orie de l'effort continn*; in wie weit aber diese Theorie von andern Physiologen angenommen wird. BZ ich nicht. Dr. Pii-ki:ii erklärt,:' das feste Schlieszen des Mundes wahrend Anstrengung der Muskeln aus dem Princip, dasz sieh der Eintlusz iles Willens auch auf andere Muskeln ausbreitet als auf die. welche bei Ausführung irgend einer besonderen Anstrengung noth- wendig in Thätigkeit gesetzt werden: und es sei natürlich, dasz die Respirationsmuskeln und die des Mundes, welche so bestS

ucht werden, ganz besonders leicht in dieser Weise beeinflnszt den. Mir seheint es wahrscheinlich, dasz in dieser Ansicht wohl ihres liegt; denn wir pressen gern während heftiger An- strengungen die Zähne aufeinander und dies ist so lange die Muskeln der Brust stark zusammengezogen sind nicht nothwendig, um die Exspiration zu verhindern.

Wenn endlich Jemand irgend eine delicate und schwierige Opi ration auszuführen hat, welche kein Aufbieten irgend bedeutendi Kraft erfordert, so schlieszt er doch nichtsdestoweniger seinen Moni und hört eine Zeit lang zu athmen auf; er thut dies aber, damit die Bewegungen seiner Brust nicht diejenigen seiner Arme stören sollen. Wenn /.. B. eine Person versucht, eine Nadel einzufädeln, so kann man sehen, wie sie ihre Lippen zusammendrückt und entweder auf- hört zu athmen oder so ruhig als möglich athmet. So war es auch, wie früher angegeben wurde, mit einem jungen und kranken Chi panse, während er sich damit unterhielt, die Fliegen mit seit Knöcheln zu tödten, wie sie an den Fensterscheiben auf- und nieder- summten. Eine Handlung, wie geringfügig sie auch sein mag, wenn sie nur schwierig auszuführen ist, setzt einen gewissen Grad einer vorausgehenden entschlossenen Sammlung voraus.

Darin scheint nichts Unwahrscheinliches zu liegen, dasz die ebei

15 Mimik und Physiognomik

implet VVorl if '':'/' v- Jan, '- !ii

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Kiit-ehietlenheit.

3

genannten Ursachen in verschiedenen Graden entweder verbunden oder einzeln bei verschiedenen Veranlassungen in's Spiel gekommen sind. Das Kesultat wird eine sicher entwickelte, jetzt vielleicht vererbte Gewohnheit sein, beim Beginn oder während einer jeden heftigen und lange anhaltenden Anstrengung oder jeder delicaten Operation

st den -Mund zu schlleszen. Durch das Princip der Association wi; h eine starke Neigung zu dieser selben Gewohnheit eintreten,

ld sich der Geist zu irgend einer besondern Handlung oder Art Benehmens entschlossen hat, selbst ehe irgend eine körperliche An- strengung aufgewendet wurde oder wenn gar keine solche nothwendig war. Das gewohnheitsgemasze und feste Schlieszen des Mundes würde danach dazu gekommen sein, Entschiedenheit des t'haracters zu zeigen: Entschiedenheit geht leicht in Hartnäckigkeit über.

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Zehntes Capitel.

Hasz und Zorn.

- Wuth. — Wirkungen derselben auf den Körper. — Entblöaznng der Zäh Wntb bei Geisteskranken. — Zorn and Indignal

Hohn and heran der Trotz. — Das                                                                 ichts.

den

Wenn wir von einem Menschen irgend eine absichtliche Belei gung erlitten haben, oder sie erleiden zu sollen erwarten, oder we: er uns in irgend welcher Weis.' anstöszig ist, so haben wir ihn nie] gern, und diese Abneigung verschärft sich leicht zu Ba irartige Empfindungen nur in einem mäszigen Grade gefühlt wer werden sie durch keine Bewegung des Körpers oder der Gesiehts- e deutlich ausgedrückt mit Ausnahme vielleicht einer gewissen Würde des Benehmens oder durch etwas üble Laune. Es können in- dessen nur wenig Individuen lange über eine verhaszte Person nach denken, ohne Indignation oder Wuth zu empfinden und Zeichen d selben darzubieten. Ist aber die anstöszige Person vollkommen Bedeutung, so empfinden wir einfach Geringschätzung oder Verachtung, Ist dieselbe auf der andern Seite allmächtig, dann geht der Hasz in äuszerste Angst über, so z. B. wenn ein Sclave an einen grausamen Herrn oder ein Wilder an eine blutdürstige bösartige Gottheit denkt'. Die meisten unserer Gemüthsbewegungen sind so innig mit ihren Aus- drucksformen verbunden, dasz sie kaum existiren, wenn der Körpi passiv bleibt. es hängt nämlich die Natur der Ausdrucksform zu hauptsächlichsten Theile von der Natur der Handlungen ab, welche unter diesen besondern Seelenzuständen gewohnheitsgemäsz ausgeführt

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1 8. einige Bemerkungen hierüber in Hr. the Will. 2. ed. 1865, p. 127.

lain's Buch: The Emotioi

Complete                              larwin Onli

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Zorn und Wii

worden sind. Es kann z. B. ein Mensch wissen, dasz sein Leben der äuszersten Gefahr sehwebt und kann heftig wünschen, es zu retten und doch, wie es Ludwig XVI. that, als er von einer wüthenden Volksmenge umgeben wurde, sagen: „Fürchte ich mich? Fühlt meinen Puls!" So kann auch ein Mensch einen andern intensiv hassen. Si lange aber sein Körperbau noch nicht afficirt ist, kann man nich von ihm sagen, dasz er wüthend sei.

\\ u t h. — Ich habe bereits Gelegenheit gehabt, von dieser G fegung im dritten Capitel zu handeln, als ich den directen Einflusz des gereizten Sensoriums auf den Körper in Verbindung mit den Wirkungen gewohnheitsgemäsz associirter Handlungen erörterte. Wuth stellt sich in den verschiedenartigsten Weisen dar. Immer ist das Herz und die Circulation afficirt; 'las Gesicht wird roth oder pur l'tiin. wobei die Venen an der Stirn und am Halse ausgedehnt werde: Das Erröthen der Haut ist bei den kupferfarbigen Indianern von Sfi| America2 und selbst, wie man sagt, an den weiszen Narben, d Bückständen alter Wunden, bei Negern beobachtet worden Affen werden roth aus Leidenschaft. Bei einem meiner eignen Kinder beobachtete ich, als es noch nicht vier Monate alt war, wiederholt, dasz das erste Symptom eines sich nähernden leidenschaftlichen A falls das EinstrOmen des Blutes in seine nackte Kopfhaut war. Aj der andern Seite wird die Thätigkeit des Herzens zuweilen dur grosze Wuth so stark gehemmt, das/, das Gesicht bleich oder liv wird'', und nicht wenige an einer Herzkrankheit leidende Mensch sind unter dieser mächtigen Gemüthserregung todt niedergefallen.

Das Athemholen ist gleicherweise afficirt. Die Brust hebt sich wer und die erweiterten Nasenlöcher zittern "'. So schreibt Ten-

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- iagethiere von Paraguay, 1B30, S. Sir Ch. Bell. Anatomy of Ex]                                          cht Dr, Bui

r Narbe einer Negerin, als

♦ Moreau und G ral io] Bosse intensiver Leidenschaft erörtert; s. die Ausgabe von 1820 von La. Vol. IV. p. 282 un.l 300, nnd Gratiolet, De la Physionomie, p. :

5 Sir Ch. Bell, Anatomy of Expression, p. 94, 107, hat diesen G ausführlich erörtert. Moreau bemerkt (in der Ansgabe von 1820 von Lavater'a Physiognomik, Vol. IV. p, 287), and citirt Portal zur Besl                    asthma-

Patienten in Folge der gewohnheitagemäazen Zusammenxiehung der <lio Nasenflügi                                          nl erweiterte Nasenlöcher erhalten. 1 >i -

Erklärung, welche Dr. Piderit (Mimik und Physiognomik. S. 82) von der Er-

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,Scharfe Athemzüge des Zorns bliesen ihre zauberisch-schön „Nasenlöcher auf." Es sind daher derartige Ausdrücke entstanden wie .Bache schnauben" und „vor Zorn glühen"6.

Das gereizte Gehirn gibt den Muskeln Kraft und gleichzeitig dem Willen Energie. Der Körper wird gewöhnlich aufrecht gehalten, bereit zur augenblicklichen Handlung, zuweilen aber auch nach vorn gebeugt gegen die anstöszige Person bin, wobei die Gliedmaazen oder weniger steif sind. Der Mund wird gewöhnlich mit Festigkeit geschlossen, um den festen Entschlusz auszudrücken, und die Zähne werden fest aufeinander geschlossen oder sie knirschen. Derarti; Geberden wie das Erheben der Arme mit geballten Fäusten, als woll man den Beleidiger schlagen, sind sehr häufig. Wenig Menschen groszer Leidenschaft und wenn sie Jemand sagen, dasz er fortgeh Bolle, können dem Triebe widerstehen, derartige Geberden zu mach als beabsichtigten sie, den andern zu schlagen oder heftig hinwegz treiben. Die Begierde, zu schlagen, wird in der That häufig so un erträglich stark, dasz unbelebte Gegenstände geschlagen oder auf den Boden geschleudert werden; die Geberden werden aber häufig »oll ständig zwecklos oder wahnsinnig. Junge Kinder wälzen sieh. sie in heftiger Wuth sind, auf dem Boden, auf dem Hucken od Bauche liegend, schreien, stoszen, kratzen oder beiszen Alles, was in ihr Bereich kommt. Dasselbe ist, wie ich »on Mr. S bei Hindu-Kindern der Fall und, wie wir gesehen haben, auch bei d Jungen der anthropomorphen Affen.

Das Muskelsystem wird aber auch häufig in einer vollständi verschiedenen Art afficirt. Denn eine häufige Folge äuszerster Wuth ist das Zittern. Die gelähmten Lippen weigern sich dann, dem Willen gehorchen „und die Stimme erstickt in der Kehle"7, ode

terung der Nasenlöcher gibt, um Dämlich ein freies Athemholen zu gestat während der Mund i                         und die Zähne fest zusammengebissen si

scheint auch nicht nahezu so correct zu sein, wie die von Ch. Bell gegeb~ welcher dieselbe der Sympathie (d. h. gewohnheitsgcmäszen Mitthätigkeit) a Eespirationsmuskeln zuschreibt. Man kann sehen, wie sich die Nns.m zornigen Menschen erweitern, obschon sein Mund offen ist.

' Vir. Wedgwood, On the Origin of I.anguage, 1866, p. 76. Er bemi

auch, dasz der Laut des harten Athmens »durch die Sylben puff, huff, wl

111 wird, wonach dann ein hu ff ein Anfall übler Laune ist [im E

; Sir Ch. Bell (Anatom; of Expression, p. 95) gibt einige ausgezeichn Bemerkungen über den Ausdruck der Wuth.

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Comolete                             Darwin Onl

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laut, harsch und unharmonisch. Wird dabei viel und sehr schnell gesprochen, so schäumt der Mund. Das Haar sträubt sich zuweilen; ich werde aber auf diesen Gegenstand in einem andern Capitel zurück- kommen, wenn ich die gemischten Gemüthserregungen der Wuth und der äuszersten Furcht behandeln werde. In den meisten Fällen ist ein stark markirtes Stirnrunzeln wahrnehmbar; denn dies ist regel- mäszig eine Folge des Gefühls, dasz irgend etwas nicht gefällt ode schwer zu beseitigen ist in Verbindung mit einer Concentration de Geistes. Zuweilen aber bleiben die Augenbrauen, anstatt bedeutend zusammengezogen und gesenkt zu werden, glatt, und die starrenden Augen werden weit offen gehalten. Die Augen sind immer glänzend oder können, wie Homek es ausdrückt, feurig strahlen. Sie sind zu- weilen mit Blut unterlaufen und man sagt: sie ragen aus ihren Höhlen hervor — ohne Zweifel das Resultat davon, dasz der Kopf mit Blut überfüllt ist, wie sich aus dir Ausdehnung der Venen ergibt. Der Augabe ÖBATiOLET'a zufolge8 sind die Pupillen immer in der Wuth zusammengezogen, und ich höre von Dr. Crichton Browne, dasz dies in den vvüthenden Delirien der Hirnhautentzündung der Fall ist; die Bewegungen der Regenbogenhaut unter dem Einflüsse der verschie- denen Gemüthsbewegungen ist aber ein sehr dunkler Gegenstand. SHAKESPEARE faszt die hauptsächlichsten characteristischen Zeic wie folgt zusammen:

..Im Frieden kann so wohl nichts einen Mann Als Demnth und bescheidne Sitte kleiden; Doch bläst des Krieges Wetter euch in's Ohr,

Dann ahml dem Tiger nach in seinem Thun;

Spannt eure Sei.....n, ruft das Blut herbei!

Knistell! die liebliche Natur mit Wuth! Dann leiht dein Auge einen Schreckensblick; Nun knirscht die Zähne, schwellt die Nüstern auf, Den \ihem hemmt, Bpannt alle Lebensgeister Zur vollen Höh' — auf, Englische von Adel!

Die Lippen werden zuweilen während der Wuth in einer Art und Teise vorgestreckt, deren Bedeutung ich nicht verstehe, wenn es nicht' von unserer Abstammung von irgend einem affenartigen Thiere her rührt. Beispiele hierfür sind nicht blosz bei Europäern beobacht worden, sondern auch bei Australiern und Hindus. Indessen werde

' De la Physionomie, 1865,

>:-. vVori :! :'. .

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die Lippen viel häufiger zurückgezogen, wodurch die grinsenden und aufeinander gebissenen Zähne gezeigt werden. Dies ist beinahe vc Jedem bemerkt worden, welcher über den Ausdruck geschrieben hat Die Erscheinung ist die, als würden die Zähne entblöszt, um zum Ergreifen oder zum Zerreiszen eines Feindes bereit zu sein, wenn auch gar keine Absicht, in dieser Weise zu handeln, vorhanden Bein mau Mr. Dison Lact hat diesen grinsenden Ausdruck bei den Australien beobachtet, wenn sie sich zanken, und dasselbe hat G.uka bei de] Kaffern von Süd-Africa gesehen. Wo Dickens10 von einem verruchten Mörder spricht, der soeben gefangen worden war und von einer wüthen- den Volksmenge umgeben wurde, schildert er das Volk als „einer „hinter dem andern aufspringend, die Zähne fletschend und sich wie ,wilde Thiere benehmend". Jedermann, der viel mit kleinen Kindern zu thun gehabt, musz gesehen haben, wie natürlich es bei ihnen ist wenn sie in Leidenschaft sind, zu beiszen. Es scheint bei ihnen so instinetiv zu sein wie bei jungen Krokodilen, welche mit ihren kleinen Kinnladen schnappen, sobald sie aus dem Ei ausgekrochen sind. Ein grinsender Ausdruck und das Aufwerfen der Lippen schein

eilen zusammen zu gehen. Bin Borgfaltiger Beobachter sagt, das!

viele Beispiele von intensivem Basz (welcher kaum von einer mein oder weniger unterdrückten Wuth unterschieden werden kann) bi Orientalen und einmal bei einer alten englischen Frau gesehen hab>

allen diesen Fällen „war ein Grinsen, nicht blosz ein mürrischi vorhanden, die Lippen verlängerten sich, die Wang „rückten gewissermaszen herunter, die Augen wurden halb geschloss .während die Augenbrauen vollkommen ruhig blieben"".

' Sir Ch. Bell, Anatom; of Expression, p. 177. Qi

I action „de dechiror et de raordre.* Wenn Gratiolet, anstatt den iml druck symbo 1 in u e D

Überbleibsel einer wähl                                                   ohnheit wäre, alt

halbmenschlicljen Ureneuger mit ihren Zähnen mii einander kämpften, wie G und Orangs heul                                       reretÄndlicher gewesen sein Dr. Pi

(Mimik and Phj                                      ' auch von dem Zurückziehen der Ober-

lippe während der Wuth. In eh                           einem von Bogarth's wunder-

Bildexn wird die Leidenschaft in der deutlichsten Art und Weise durch die mzelte Stirn und die eiponirten grasenden Zähne estellt.

rwist, Fol. III. p. 245. 11 The Spectator, Julv 11, 1868,

.

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Zorn und Wuth.

i rückziehen der Lippen und Entblöszen der Zähne w end der- Paroxysnien der Wuth, als sollte der Beleidiger werden, ist in Anbetracht dessen, wie selten die Zähne vom Menschen beim Kämpfen gebraucht werden, so merkwürdig, das/, ich mich Dr. Crichton Browne erkundigte, ob diese Gewohnheit bei den Geis: kranken, deren Leidenschaften nicht gezügelt werden, gewöhnlich Er theilt mir mit, dasz er es wiederholt sowohl bei Geisteskranken als Blödsinnigen beobachtet habe, und gibt mir noch die folgenden läuterungen — :

Kurz zuvor, ehe er meinen Brief empfieng, war er Zeuge eines cht zu beherrschenden Ausbruchs \on Zorn und eingebildeter Eifer- sucht bei eine                  mken Dame. Zuerst überhäufte sie ihren .Mann mit Vorwürfen, und während sie dies that, schäumte sie am Monde. Zunächst näherte sie sich dann ihrem Manne dicht mit zu- sammengedrückten Lippen und einem giftig aussehenden Stdrnrunzeln. Dann zog sie ihre Lippen zurück, besonders die Winkel der Oberlip und zeigte ihre Zähne, wobei sie gleichzeitig einen heftigen Strei nach ihm ausführte. Gin /.weiter Fall betraf einen alten Soldate welcher, wenn er aufgefordert wird, sich den Regeln der Anstalt zu fügen, seiner Unzufriedenheit, die schliesslich in Wuth ausgeht, Lu macht. Er beginnt gewöhnlich damit, das/, er Dr. Browne fragt, er sich nicht schäme, ihn in einer solchen Art und Weise zu beh: dein. Dann schwört und flucht er, schreitet auf und ab. wirft sei Arme wild umher und bedroht Jeden, der in seine N Endlich wenn seine Aufregung auf den Höhepunkt kommt, fährt mit einer eigentümlichen seitwärtigen Bewegung auf Dr. Bsow los, schüttelt seine geballte Faust vor ihm und droht ihm mit de! Untergange. Dann kann man sehen, wie seine Oberlippe erhoben wi besonders an den Winkeln, so das/ seine groszen Eckzahn werden. Er stöszt seine Flüche durch seine aufeinander Zähne dureli und sein ganzer Ausdruck nimmt den Character äus/.i ster Wildheit an. Eine ähnliche Beschreibung findet auch auf ein andern Mann Anwendung mit Ausnahme, dasz dieser gewöhnlich m dem Munde schäumt und spuckt, tanzt und in einer fremdartig! rapiden Art and Weise umher springt, wobei er seine Verwünschung in einer schrillen Fistelstimme ausstö

Dr. Browne theilt mir auch einen Fall von einem epileptischen »en mit, welcher anabhängiger Bewegungen unfähig ist und

sei.

Cornplete            .                 ... nlir

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22 I                                         Ausdruck des Zorns.                                      Cap. 10.

den ganzen Tag mit einigem Spielzeug zubringt. Sein Temperament ist indessen mürrisch und wird leicht zur Heftigkeit aufgeregt. Wenn irgend Jemand seine Spielsachen berührt, so hebt er seinen Kopf lang- sam aus seiner gewöhnlich herabhängenden Stellung und iixirt seine Augen auf den Beleidiger mit einem trägen, aber doch zornigen mürri- schen Blicke. Wird die ärgernde Veranlassung wiederholt, so zieht er seine dicken Lippen zurück, entblöszt eine vorstehende Reihe häsz- licher Zähne (unter denen die groszen Eckzähne besonders bemerkbar sind) und führt dann einen schnellen heftigen Schlag mit seiner offenen Hand nach der beleidigenden Person aus. Die Schnelligkeit dieses Griffes ist, wie Dr. Browne bemerkt, bei einem gewöhnlich so torpi- den Wesen merkwürdig, da dieser Mensch ungefähr fünfzehn Secunden braucht, wenn er durch irgend ein Geräusch aufmerksam gemacht wird, seinen Kopf von einer Seite zur andern zu drehen. Wenn ihm in diesem wüthenden Zustande ein Taschentuch, ein Buch oder irgend ein anderer Gegenstand in seine Hände gegeben wird, so zieht er ihn nach seinem Munde und beiszt ihn. Auch Mr. Nicol hat mir zwei Fälle geisteskranker Personen beschrieben, deren Lippen während der Wuthanfälle zurückgezogen wurden.

Dr. M.U'nsr.KY fragt, nachdem er verschiedene fremdartige thier- ähnliche Züge bei Blödsinnigen einzeln geschildert hat, ob dies nicht eine Folge des Wiedererscheinens primitirer Instincte sei — „ein „schwaches Echo aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Zeugen „einer Verwaudtschsft, «reiche der Mensch beinahe verwachsen hat." So wie jedes menschliche Gehirn im Laufe seiner Entwickelung die- selben Zustände durchläuft, wie diejenigen, welche bei den niedern Wirbelthierclassen auftreten, und da das Gehirn eines Blödsinnigen sich in einem gehemmten Entwicklungszustande befindet, so können wir, fügt er hinzu, vermuthen, dasz es „seine ursprünglichen Func- ntionen offenbaren wird, aher keine von den höhern Functionen*. Dr. M.u usi.kv meint, dasz dieselbe Ansicht auch auf das Gehirn in seinem degenerirten Zustande bei manchen geisteskranken Patienten ausgedehnt werden dürfe, und fragt: „Woher kommt das wilde Flet- schen, die Neigung zur Zerstörung, die obseöne Sprache, das wilde „Heulen, die anstöszigen Gewohnheiten, welche manche geisteskranke „Patienten darbieten? Warum sollte ein menschliches, seiner Vernunft „beraubtes Wesen jemals im Character so thierisch werden, wie es ..bei manchen der Fall ist, wenn es nicht in seinem Innern diese

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Zorn und Indignation.

Natur bes&sze?"'-' Allem Anscheine nach musz diese Fraj iahend beantwortet werden.

Zorn und Indignation.—Diese beidenSeelenzustände weichi der Wuth mir dem Grade nach ab, und es besteht auch kei ttrf ausgesprochener Unterschied in ihren characteristischen Zeichei Zustande ma-zigen Zornes ist die Thätigkeit des Herzens ein weni mehrt, die Farbe ist erhöht und die Augen weiden glänzend. Aui ie Kespiration ist ein wenig beschleunigt, und da sämmtliche di Function dienende Muskeln in Association handeln, so werden die Nasenflügel etwas erhoben, um der Luft einen freien Einzug zu ge- statten, und dies ist ein äuszerst ehar                          /.eichen für die Indignation. Der Mund wird gewöhnlich zusammengedrückt und bei e immer findet sich ein Stirnrunzeln an den Augenbraue)), wahnsinnigen Geberde der aus/ersten Wuth wirft sich ein indi nirter Mensch unbewuszt in eine Stellung, bereit zum Angriffe i zum Niederschlagen seines Gegners, den er vielleicht vom Kopf zu den Füszen mit trotziger Herausforderung abmiszt. Er tri] seinen Kopf aufrecht, seine Brust ordentlich gehoben und die Füsze fest auf den Boden gestellt. Er hält seine Arme in Ver- stellungen, einen oder beide Ellenbogen eingestemmt oder mit den Armen starr an den beiden Seiten herabhängend. Bei 1 werden die Fäuste gewöhnlich geballt13. Die Abbildungen Fig. 1 und 2 auf Tafel VI. sind ziemlich gute Darstellungen von Leuten die Indignation simuliren. Es kann ja auch ein Jeder in einem Sp: a, wenn er sieh lebhaft einbildet, dasz er insultirt trori ist und in einem zornigen Tone seiner Stimme eine Erklärung v langt. Er wird sich dann plötzlich und unbewuszt in irgend eini derartige Stellung werfen.

Wuth, Zorn und Indignation werden in nahezu derselben Art und Weise über die ganze Erde ausgedrückt. Die folgende): Innigen dürften der Mittheiluug werth sein, da sie Zeugnis hiervi

2 Body and U                            -58.

I! Le Brun bemerkt in seinen bekannten „Conferences sui 1TE

(La Pliysioiiomie par La'                         320, Vol, IX. p                          rn durch

vnne 111) sclik e, M im, 1824, p. 20.

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Ch. Bell,

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ablegen und da sie einige der vorstehenden Bemerkungen erlaute Eine Ausnahme besteht indesz in Bezug auf das Ballen der Fäus welches hauptsächlich auf Menschen beschränkt zu sein scheint, mit ihren Fäusten kämpfen. Bei den Australiern hat nur ein Correspondenten die Fäuste ballen gesehen. Alle stimmen darin üb ein, dasz der Körper aufrecht gehalten wird, und mit zwei Ausnahm geben sie sämmtlich an, dasz die Augenbrauen schwer zusammen- gezogen werden. Einige von ihnen deuten den fest zusammengedrück- ten Mund an, die ausdehnten Nasenlöcher und die blitzenden Augen. Der Angabe des Mr. Taplin zufolge wird Wuth bei den Australiern dadurch ausgedrückt, dasz die Lippen vorgestreckt und die Augen weit geöffnet werden, und, wenn Frauen in Wuth sind, dasz sie umher- tanzen und Staub in die Luft werfen. Ein anderer Beobachter er- zählt von den Eingebornen, dasz, wenn sie in Wuth gerathen, sie ih Arme wild umherwerfen.

Ähnliche Berichte, ausgenommen über das Ballen der Fäuste, habe ich in Beziehung auf die Malayen der Halbinsel Malacca, die Abyssinier und die Eingebornen von Sfid-Africa erhalten. Dasselbe gilt für die Dakota-Indianer von Nord-America; nach Mr. Matthews halten sie dann ihren Kopf aufrecht, runzeln ihre Stirn und gehen oft mit lang ausgezogenen Schritten davon. Mr. Bbidoes gibt an, dasz die Feuerländer, wenn sie in Wuth gerathen, häufig auf den Hoden stampfen, zerstreut umherlaufen, manchmal weinen und blasz werden. Mr. Stack beobachtete einen Neu-Seeländer Mann, der sich mit einer Frau zankte, und machte in seinem Tagebuche die folgende Bemerkung: „Augen erweitert, Körper heftig nach rückwärts und vor- wärts geworfen, Kopf vorwärts geneigt, Fäuste geballt, bald hinter Kopf rückwärts geworfen, bald einander vor das Gi alten." Mr. Swinhoe sagt, dasz meine Beschreibung mit dem über einstimmt, was er bei den Chinesen gesehen hat, ausgenommen, da ein zorniger Mann allgemein seinen Körper nach seinem Gegner hi gt, auf ihn hinzeigt und eine Fluth von Schimpfen über eszt.

Was endlich die Eingebornen von Indien betrifft, so hat m Mr. J. Scott eine ausführliche Beschreibung ihrer Geberden und Aus drucksweisen, wenn sie in Wuth sind, geschickt. Zwei Bengalesen, welche niedrigen Kasten angehörten, zankten sich um ein Darlehen. Zuerst waren sie ruhig, wurden aber bald wüthend und erg

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C8p. 1".                                   Zorn und Indignation.                                         l'7

die Btärksten Scbimpfreden über ihre gegenseitigen Verwandten und Urahnen für viele Generationen zurück. Ihre Geberden waren von denen der Europäer sehr verschieden; denn obschon ihre Brustkasten ausgedehnt und ihre Schultern straff gehalten wurden, so blieben ihre Arme doch steif herabhängend, wobei die Ellenbogen nach innen ge- wendet und die Hände abwechselnd fest geschlossen und geöffnet wurden. Ihre Schultern wurden häufig hoch in die Höhe gehoben und dann wieder gesenkt. Sie blickten von unten unter ihren ge- senkten und stark gerunzelten Brauen wild aufeinander und ihre vor- gestreckten Lippen wurden fest geschlossen. Sie näherten sich einan- der mit vorgestrecktem Kopfe und Halse und stieszen, kratzten und faszten einander. Dieses Vorstrecken des Kopfes und Körpers scheint bei den in Wuth Gerathenen eine sehr häufige Geberde zu sein. Ich habe es bei heruntergekommenen englischen Frauen bemerkt, wenn sie sich heftig auf den Straszen zankten. In derartigen Fällen läszt sich annehmen, dasz keine der beiden Parteien erwartet, von der an- dern einen Streich zu empfangen.

Hin Bengalese, der in dem botanischen Garten beschäftigt war, wurde in Gegenwart Mr. Scott's von dem eingebornen Aufseher be- schuldigt, eine werthvolle Pflanze gestohlen zu haben. Er hörte

igend und verächtlich der Anschuldigung zu. Seine Stellung war aufrecht, die Brust ausgedehnt, der Mund geschlossen, die Lippen vorgestreckt, die Augen fest und mit durchdringendem Blicke. Er behauptete dann mit herausforderndem Trotze seine Unschuld mit auf- gehobenen und geballten Händen, wobei sein Kopf nach vorn gestreckt, die Augen weit geöffnet und die Augenbrauen erhoben wurden. Mr. Scott hat auch zwei Mechis in Sikhim beobachtet, die über ihren Lohn- antheil sich zankten. Sie geriethen sehr bald in eine wüthende Leiden- schaft, und dann wurden ihre Körper weniger aufrecht, die Köpfe nach vorn gestreckt. Sie machten einander Grimassen, die Schultern wurden erhoben, die Arme an den Ellenbogen steif nach innen ge- bogen und die Hände krampfhaft geschlossen, aber nicht eigentlich geballt. Sie näherten und entfernten sich beständig von einander, er- hoben häufig ihre Arme, als wenn sie sich schlagen wollten; aber ihre waren offen und kein Streich wurde ausgeführt. Mr. Scott hat ähnliche Beobachtungen auch an den Lepchas gemacht, welche er oft sich zanken gesehen hat. und bemerkt, dasz sie ihre Arme steif und beinahe ihrem Körper parallel hielten, wobei die Hände etwas

15*

"'''':                                                                                                                      .';: ! ;-Ji .:i! '.

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Ausdruck des Hohns und des Trotzes.                      Cap.

Dach hinten gestreckt und zum Theil geschlossen, aber nicht eigen ch geballt wurden.

Hohn, herausfordernder Trotz; Entblöszen des E zahns auf einer Seite. — Der Ausdruck, den ich jetzt zu schreiben beabsichtige, weicht nur wenig von dem ab, den ich bei beschrieben habe, wo die Lippen zurückgezogen und die grinsenden Zähne exponirt werden. Der unterschied besteht allein darin, dasz die Oberlippe in einer derartigen Weise zurückgezogen wird, dasz der Eckzahn allein auf einer Seite des Gesichts gezeigt wird; das Gesicht selbst ist allgemein etwas aufgestülpt und halb von der den Anstoi erregenden Person abgewendet. Die andern Zeichen der Wuth nicht notwendigerweise vorhanden. Dieser Ausdruck kann gelegent lieh an einer Person beobachtet werden, welche einer andern Hohn bietet oder sie trotzend herausfordert, obschon kein wirklicher Zorn dabei ist, so z. 1$. wenn irgend Jemand scherzhafterweise irgend eines Fehlers bezichtigt wird und antwortet: „Ich biete der Beschuldigung Trotz.1- Die Ausdrucksform ist keine gewöhnliche; doch habe ich g sehen, wie eine Dann' dieselbe mit vollkommener Deutlichkeit darb' welche von einer andern Person gehänselt wurde. Schon im Jahre 174' hat sie Parsoks unter Beifügung eines Kupferstiches geschildert, der den einen unbedeckten Eckzahn der einen Seite zeigt". Mr. Rbjlander frug mich, ohne dasz ich irgend welche Andeutung in Bezug auf den Gegenstand gegeben hatte, ob ich jemals diese Ausdrucksform beob- achtet hätte, und sagte mir, dasz sie ihm sehr aufgefallen sei. Er hat für mich eine Dame photographirt (Tafel IV, Fig. 1), welche zu! veilen unabsichtlich den Eckzahn der einen Seite zeigt und welc' ies mit ungewöhnlicher Deutlichkeit willkürlich thun kann. Der Ausdruck eines halb scherzhaften Hohns geht allmälich den groszer Wildheit über, wenn in Verbindung mit stark gerunzi ten Augenbrauen und wildem Blicke der Eckzahn exponirt wird engalischer Knabe wurde in Gegenwart Mr. Scott's irgend einer U bat bezichtigt. Der Delinquent wagte nicht, seinem Ärger in Wort jft zu machen; aber er zeigte sich deutlich in seinem Gesichte, zu ilen in einem trotzigen Stirnrunzeln, zuweilen „in einem durchaus adischen Fletschen". Wenn sich dies darbot, ,wurde der Wink

14 Transactions Philosoph. Soc, Appendix, 1746, p. 65,

a\-

ten ra- ins

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„der Lippe über dem Augenzahne, welcher zufällig in diesem Fa „sehr grosz und vorragend war. nach der Seite des Anklägers ge- hoben, während ein starkes Stirnrunzeln noch in den Brauen zurüek- blieb". Sir Ch. Bell gibt an15, dasz der Schauspieler Cookk den entschiedensten Hasz ausdrücken konnte, „wenn er bei einem schrägen „Blicke seiner Augen den äuszern Theil der Oberlippe in die HO „zog und einen scharfen Eckzahn zeigte."

Das Entblöszen des Eckzahns ist das Resultat einer doppel Bewegung. Die Ecke oder der Winkel des Mundes wird ein we zurückgezogen und zu gleicher Zeit zieht ein Muskel, welcher paral! und nahe der Xase verläuft, den äuszern Theil der Oberlippe hinauf und entblöszt den Eckzahn auf dieser Seite des Gesichts. Die Zu- saiiiuienziehung dieses Muskels ruft eine deutliche Furche auf der Wange hervor und erzeugt starke Falten unter dem Auge, besonders an seinem innern Winkel. Die Handlung ist dieselbe wie die fletschenden Hundes, und wenn ein Hund sich zum Kämpfen SO zieht er oft die Lippe auf einer Seite allein in die Böbe, nämli auf der seinem Gegner zugewendeten. Das englische Wort sneer (höhnen) ist factisch dasselbe wie snarl (fletschen), welches ursprüng-

ch snar hiesz. Das 1 ist nur „ein Element, welches die Fortdau

der Handlung bezeichnet"16.

Ich vermuthe, dasz wir eine Spur dieser selben Ausdruckst in dem sehen, was wir ein höhnisches oder sardonisches Lächeln nennen. Die Lippen werden dann verbunden oder beinahe verbanden gehalten, aber ein Winkel des Mundes wird auf der Seite nach verhöhnten Person hin zurückgezogen, und dieses Zurückziehen Mundwinkels bildet einen Theil des wirklichen Yerhrdnieus. Obgleic manche Personen mehr auf der einen Seite des Gesichts als auf der andern lächeln, so ist es doch nicht leicht einzusehen, warum im Falle einer Verhöhnung das Lachein, wenn es ein wirkliches ist, so gewöhnlich auf eine Seite beschränkt sein sollte. Ich habe bei diesen Gelegenheiten auch ein leichtes Zucken in dem Muskel bemerkt, welcher den äuszern Theil der Oberlippe aufwärts zieht, und wäre

15 Anatomy of Expression. |                      Bell nennt die Mnskeln, welche

Pletschmnskeln". nsleigh NVedgwood, Dictionarj of English Etymology. Vol. III. 5, p. 240, 243.

gen öhe

Jen ich

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230                         Ausdruck des Huhns and                                 Csp.

gung vollständig ausgeführt worden, so würde sie n entblöszt und ein leichtes Verhöhnen hervorgebracht haben. Mr. Büxher, ein australischer Missionair in einem entfernten Theile von Gipp's-Land, sagt in Beantwortung meiner Fragen über das Entblöszen des Eckzahns auf der einen Seite: „Ich finde, dasz „die Eingebornen bei dem einander Anfletschen mit geschl „Zähnen sprechen, wobei die Oberlippe nach einer Seite

t und das Gesicht einen allgemeinen zornigen Ausdruck annimi

ie sehen aber die angeredete Person direct an." Drei andere Be

hter in Australien, einer in Abyssinien und einer in China bean

rteten meine Fragen über diesen Gegenstand bejahend. Da aber

Ausdruck ein seltener ist und sie in keine Einzelnheiten eingehen,

nehme ich Anstand, mich ganz auf sie zu verlassen. Es ist in-

ssen durchaus nicht unwahrscheinlich, dasz dieser thieräbnliche Ans

uck bei Wilden häufiger ist als bei civilisirten Rassen. Mr. Qea

ein Beobachter, dem ich völliges Vertrauen schenken kann

hat diese Ausdrucksform bei einer Gelegenheit an einem Malayi

Innern                     a beobachtet. Mr. S. 0. Glenie antworfc

r haben diese Ausdrucks weise bei den Eingebornen xon Cej

bei, aber nicht häutig." Endlich hat in Nord-Amerie

Dr. RothrOCK dieselbe bei einigen wilden Indianern und häufig bei

i Stamme, der an die Atnahs anstöszt, gesehen.

Obgleich die Oberlippe sicherlich zuweilen beim Verhöhnen o«

rausfordernden Trotz allein auf einer Seite erhoben wird, so «

ich doch nicht, ob dies immer der Fall ist; denn das Gesicht ist

wohnlich halb abgewendet und der Ausdruck häufig nur moment:

Da die Bewegung nur auf eine Seite beschränkt ist, so könnte m

licherweise sie keinen wesentlichen Theil der Ausdrucksform bilden.

sondern davon abhängen, dasz die gehörigen Muskeln unfähig ein«

Bewegung sind, ausgenommen auf einer Seite. Ich bat vier Person«

es zu versuchen, willkürlich in dieser Weise ihre Muskeln in Thätij

keit zu bringen; zwei konnten den Eckzahn nur auf der linken Seil

eine nur auf der rechten Seite und die vierte weder auf der eine:

noch auf der andern entblöszen. Nichtsdestoweniger ist es durchaus

nicht gewisz, ob dieselben Personen, wenn sie irgend Jemand im

nst herausgefordert und Trotz geboten hätten, nicht unbewuszt

ren Eckzahn auf der Seite entblöszt haben würden, welche Seite es

eh sei, die dem Beleidiger zugekehrt war. Denn wir haben gesehen

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manche Personen nicht willkürlich ihre Augenbrauen schräg eilen können und doch augenblicklich in dieser Weise handeln, wenn sie durch eine wirkliche, wenn auch äuszerst geringfügige Ursache Trübsal ergriffen werden. Das Vermögen, willkürlich den Eck- anf einer Seite des Gesichts zu entblöszen, ist daher häufig gänz- verloren worden, und dies deutet an, dasz es eine selten benutzte d beinahe abortive Handlung ist. Es ist in der That eine chende Thatsai                            Mensch diese Fähigkeit oder irgi

welche Neigung zu ihrer eigentlichen Verwendung überhaupt noc zeigt. Denn Mr. Sütton hat bei unsern nächsten Verwandten, näm- lich den Affen, in dem zoologischen Garten niemals eine fletschende Bewegung bemerkt, und er ist positiv sicher darüber, dasz die Pa- viane, trotzdem sie mit groszen Eckzähnen versehen sind, dies niemals thun, sondern wenn sie wild sind und sich zum Angriff bereit machen, alle ihre Zähne entblös                                                    anthropomorphen

Affen, wo heim Männchen die Eckzähne viel gröszer sind als bei dem Weibchen, wenn sie sieh zum Kampfe vorbereiten, ihre Zähne ent- . ist nicht bekannt. Die hier betrachtete Ausdruckst                          der Ausdruck ei

scherzhaften Hohns oder eines wilden Pletschens sein, ist eine merkwürdigsten, welche bei dem .Menschen vorkommt. Sie enthüllt seine thierische Abstammung; denn Niemand, selbst wenn er in einem tödtlichen Kample mit einem Feinde sich auf dem Boden wälzt und versucht, ihn zu beiszen, würde versuchen, seine Eckzahne mehr zu brauchen als seine andern Zähne. Wir dürfen wohl nach unserer Ver- wandtschaft mit den anthropomorphen Allen glauben, das/, unsere männ- lichen halbmenschlichenUrerzeuger grosze Eckzähne besaszen, und noch jetzt werden gelegentlich Kinder geboren, bei denen sie sich von unge- wöhnlich bedeutender Grösze entwickeln mit Zwischenräumen in den ein- ander gegenüberstehenden Kinnladen zu ihrer Aufnahme ". Wir können ferner vermuthen. trotzdem wir keine Unterstützung durch Analogien haben, dasz unsere halbmenschlichen Urerzeuger ihre Zähne entblösz- ten, wenn sie sich zum Kampfe bereiteten, da wir es immer noch thun, wenn wir wild werden, oder wenn wir einfach irgend Jemandi verhöhnen oder ihm herausfordernden Trotz bieten, ohne irj Absicht, mit unsern Zähnen wirklich Angriffe zu machen.

Abstammung des Menschen, 8. Aufl., Bd. I. 8.

Z'r-s

itzte ber- ;end loch

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Elftes Oapitel.

Geringschatzun

Rlolz u, s. w. r

, — Verachtung. - Absehen. Schuld. Hülflosigkeit. — Geduld. Bejahung und Verneinung.

gedrückt. — Höhnisch

List, Stolz u. 9. w. — HQlfli                                      n. — Geduld. -

näckigkeit. — /

kommend.                               jahong und Verneinung.

Spott und Geringschätzung kann kaum von Verachtung unter- werden, ausgenommen, dasz sie einen im Ganzen genommen :i Seelen/.ustand voraussetzen. Sie können auch nicht dem den Empfindungen unterschii                   . welche im letzt

Capitel unter der Bezeichnung dos Hohnes und des herausfordernd« Trotzes erörtert wurden. Abscheu ist eine ihrer Natur nach Ganzen verschiedenere Empfindung und bezieht sieh auf etw strebendes, ursprünglich iu Bezug auf den Geschmackssinn, wie es weder factisch wahrgenommen oder lebhaft eingebildet wird, und zweiter Stelle auf irgend Etwas, was eine ähnliche Empfindung ver- ursacht und zwar durch den Sinn des Geruchs oder Gefühls oder selbst des Gesicht                      iweniger ist auszerste Verachtung oder

wie sie zuweilen genannt wird, widrige Verachtung kaum voi verschieden. Diese verschiedenen Zustände der Seele sind daher nahe vandt und jeder von ihnen kann auf viele verschie- Einige Schriftsteller haben haupt- cblich die eine Ausdruckswei3e hervorgehoben, andere wieder eine von verschiedene. Aus diesen Umständen hat Mr. Lemodse gefei-

t- en

er-

..      .

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ist. wie Mr. Tylob bemerkt6 „nicht sehr leicht zu verstehen. ..sowie wir 69 allgemein sehen. Wenn wir aber bemerken, dasz ii „selben Zeichen, wenn sie vollständig ruhig gemacht werden, w .wenn irgend ein kleiner Gegenstand zwischen dem Zeigefinger un .Daumen weggerollt wird, oder wenn ein solcher mit dem Daumen- .nagel and Zeig                      chnippl wird, gewöhnliche und ganz

..gut verstandene Geberden der Taubstummen sind, welche irgend leringes, Unbedeutendes, Verächtliches bezeichnen, so scheint als wenn wir liier eine vollkommen natürliche Handluii.

ii und conventionell in einer Weise mit einer Bedeutung „versehen hätten, das/, ihre ursprüngliche Meinung ganz verloren ge- ngangen ist. Eine merkwürdige Erwähnung dieser Geberde rindet sich „bei Strabo." Mr. WASHnwron Matthews tbeilt mir mit, da.-/, bei den Dakota-Indianern von Nord-                     chtung nicht blosz durch

Bewegungen des Gesicht                     oben beschriebenen ausgedrückt

sondern auch „conventioneil dadurch, das/, die Hand ges< iid in die Nähe der Brusi gehalten wird, das/, dann der Vi .plötzlich ausgestreckt, die Hand geöffnet und die Finger von einander

n. Wenn die Person, auf deren Kosten da „gemacht wird, anwesen                     I die Hand nach ihr hin and der

„Kopf zuweilen von ihr weggewendet." Dieses plötzliche Ausstrecken und i nl'nen der Hand deutet vielleicht das Fallenlassen oder W werfen eines werthlosen Gegenstandes an.

Der Ausdruck .Abscheu oder Widerwillen- in seiner Bedeutung bezeichnet etwas dem Geschmacke Widerwärtiges. Es merkwürdig, wie leicht diese Empfindung dureb irgend Etwas in äuszern Erscheinung, in dem Gerüche oder der Natur unserer Nahrun

aliches erregt wird. Im Feuerlande berührte ein Eingeborener etwas kall                               ich, welches ich in unserem Bivouak

asz, mit seinen Fingern und zeigte deutlich den äuszersten Absch über dessen Weichheit, wahrend ich auf der anderen Seite den äuszi sten Abscheu davor empfand, dasz meine Speise von einem nackten Wilden berührt worden sei, wenn schon seine Hände nicht schmutzig schienen. Etwas Suppe in den Bart eines Menschen ge- schmiert, erscheint widerlich, trotzdem dasz natürlich nichts Wider- iches in der Suppe selbst ist. Ich vermuthe, dasz dies aus der

Early Histoiy of Hankind, 2. edit, 1870, p. 16.

mg

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234

Ausdruck der Verachtung.

Cap. 11.

die Bewegung kann in ein bloszes Falten der Nase abgekürzt sein. Die Nase ist häufig unbedeutend zusammengezogen, so dasz der Gang /.i.ini Theil geschlossen wird3, und dies ist häufig von einem unbe- deutenden Schnaufen oder einer Exspiration begleitet. Alle diese Thä- tigkeiten sind dieselben wie diejenigen, welche wir anwenden, wenn wir einen widrigen Geruch wahrnehmen, welchen wir von uns abzu- halten oder auszutreiben suchen. In iius/.ersi                        recken wir, wie Dr. Pidebit bemerkt4, beide Lippen vor und erheben sie oder auch nur die Oberlippe -sermaszen um die \. wie mit einer Klappe zu schlieszen, wobei natürlich die Nase nach adei wird. Wir scheinen hierdurch der verachteten Person sagen zu wollen, dasz sie widerwärtig riecht5, in nahe derselben Art und Weise, wie wir ihr durch unsere hall.-                         Augenlider oder durch das Wegwenden unseres Gesichts ausdrücken, dasz sie nicht werth isi. angesehen zu «erden. .Man darf indessen nicht etwa an- nehmen, dasz derartige Ideen wirklich durch die See! wir unsere Verachtung ausdrücken. Da wir aber, so oft wir nur einen anangenehmen Geruch oder einen anangenehmen Anblick wahrgenom- men haben. Bewegungen dieser Art ausgeführt haben, so sind sie ge- wohnheitsgemäsz oder fixirt wurden und werden nun unter jedem Seelenzustande angewendet. Verschiedene merkwürdige kleine Geberden deuten gleicherweise Verachtung an, z. B. mit den Fingern „ein Schnippchen

; Dr. W. Ogle                            interessanten Aufsätze äbi

(Medico-chi                           ions, Vol. I.III. p. 268) darauf hin, dasz wir. wenn

i nspiration durch ' machen, die Lnfl durch eine Reihe riehen. Wenn .die >..t-- ü 1. .-li-r wahrend dii

.wird man -                                     I davon entfernt erweitert zu werden, bei jedem

„Schnüffeln factisch lusammenziehen. Die Zusammenziehung nmfaszt nicht die .ganze vordere Öffnung, sondern nur den hintern Theil." Er erklärt dann die Wenn wir auf i                           irgend einen Geruch

ausznschlieszen wünschen, bo betrifft:, wie ich vermnthe, die Zusammenziehung nur den vordem Theil der Nasenlöcher.

.Mimik nnd Physiognomik", 1867, S. 84, 98. Gratiolet (a. a. 0. p. 155) hat nahezu                             ma Dr. Piderit in Betreff des Ausdrucks der Ver-

achtung und des Ahseheus.

'' Hohn Betzt eine starke Tonn von Verachtung voraus; und eine der Wurzeln des englischen Wortes „scon                                                 rood (Dictionary of

Englisfa Etymology, Vol. III, p. 125) Koth oder Schmatz, Eine Person, welche verhöhnt wird, wird wie Schmatz behandelt.

.                                                       ,'

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Absehen and Widerwille.

lieh nicht gegessen wird, trotzdem nichts in einer derartigen Speise vorhanden ist, was den Magen veranlassen könnte, sie wieder auszu- werfen. Erfolgt Erbrechen als eine Keflexthätigkeit aus irgend einer wirklichen Ursache — so in Folge zu reichlicher Nahrung oder ver- dorbenen Fleisches oder in Folge eines Brec hmittels — so erfolgt es nicht augenblicklich, sondern gewöhnlich nach einem beträchtlichen Zeiträume. Um daher das Würgen oder Erbrechen, welches so schnell und leicht durch eine blosze Idee erregt wird, erklären zu können, entsteht die Vermuthung, dasz unsere Urerzeuger früher die Fähigkeit gehabt haben müssen (ähnlich wie die, welche die Wiederkäuer und einige andere Thiere besitzen) willkürlich Nahrung, welche ihnen nicht zusteht, oder von welcher sie glauben, dasz sie ihnen nicht bekommt, auswerfen zu können. Und wenn nun auch diese Fähigkeit verloren gegangen ist, soweit der Wille dabei in Betracht kommt, so wird sie doch zu unwillkürlicher Thätigkeit gerufen und zwar durch die Kraft einer früher wohlbefestigten Gewohnheit, sobald der Geist vor der Idee zurückschreckt, irgend eine gewisse Art von Nahrung oder irgend etwas Widerwärtiges überhaupt genossen zu haben. Diese Vermuthung erhält durch die Thatsache, welche mir Mr. 81 rros versichert hat, Unterstützung, dasz sich die Affen im zoologischen Garten häufig er- brechen, während sie doch in vollständiger Gesundheit sich finden, was genau so aussieht, als wäre der Act völlig willkürlich. Wir können nun wohl verstehen, dasz ein Mensch im Stande ist, dun die Sprache seinen Kindern und Andern eine Kenntnis der Spei arten mitzutheilen, welche vermieden werden sollen, und dasz er in Folge dessen nur wenig Veranlassung gehabt haben wird, die Fähigkeit des willkürlichen Auswerfens anzuwenden; hierdurch «in dann diese Fähigkeit leicht in Folge von Nichtgebrauch verloren gi gangen sein.

Da der Geruchssinn so innig mit dem des Geschmacks in Ver- bindung steht, so ist es nicht überraschend, dasz ein äuszerst schlechter Geruch bei manchen Personen Würgen oder Erbrechen eben so leich' erregen kann, als der Gedanke an eine, widerwärtige Speise es thu und dasz als eine weitere Folge davon ein mäsziger widerwärtigi Geruch die verschiedenen für den Abscheu ausdrucksvollen Bewegungen verursachen kann. Die Neigung in Folge eines fauligen Geruchs zu würgen wird in einer merkwürdigen Weise unmittelbar durch einen gewissen Grad von Gewohnheit verstärkt, dagegen sehr bald durch

: .

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Cap. 11

starken Association der beiden Eindrücke in unserer Seele, namlicl des Anblicks der Nahrung, wie sie auch sonst beschaffen sein ma; und der Idee des Essens derselben, folgt.

Da die Empfindung des Abscheus ursprünglich in Verbindun mit dem Acte des Essens oder Schmeckens entsteht, so ist es natür- lich, dasz die Ausdrucksformen für denselben hauptsächlich in Be- wegungen rund um den Mund bestehen. Da aber Abscheu gleich zeitig auch Arger verursacht, so wird er gewöhnlich von einem Stirn' runzeln begleitet und häufig auch durch Geberden, als wollte man di widerwärtigen Gegenstand fortstoszen oder sich gegen denselben ve: wahren. In den beiden Photographien (Figur 2 und 3 auf Tafel V. bat Mr. Rejlandeh diesen Ausdruck mit ziemlichem Erfolg stellt. Was das Gesicht betrifft, so wird mäsziger Abscheu auf ver- schiedenem Wege dargestellt; dadurch das?, der Mund weit wird, als wollte man einen widrigen Bissen herausfallen lassen, durch Spucken, durch Blasen, aus den vorgestreckten Lippen heraus, oder durch einen Laut als reinigte man sich die Kehle; derartige Gutturale weiden geschrieben: »ach" oder „uch" und ihre Äuszerung wird zu- weilen von einem Schauder begleitet, wobei die Anne ,lieht an die Seite gepreszt und die Schultern in derselben Weise erhoben werden, als wenn Entsetzen gefühlt würde7. Äuszerster Abscheu wird durch Bewegungen rings um den Mund ausgedrückt. welche mit denen identisch sind, die für den Act des Erbrechens vorbereitend sind. Der Mund wird weit geöffnet, die Oberlippe stark zurückgezogen, welches die Seiten der Nase in starke Falten bringt, und die Unterlippe vor- gestreckt und so viel als möglich umgewendet. Diese letztere Be- wegung erfordert die Zusammeuziehung der Muskeln, welche die Mundwinkel herunterziehen8.

Es ist merkwürdig, wie leicht und augenblicklich entweder bloszes Würgen oder wirkliches Erbrechen bei manchen Personen durch die blosze Idee herbeigeführt wird, an irgend einer ungewöhnlichen Xab- g theilgenommen zu haben, wie an einem Thiere, welches gewöhn-

hierfiber Mr. Hensleigh Wedgwood's Einleitung zu dem Didionary

12, p. XXXV11.

lanbt, dasi bei dem Umstülpen der Unterlippe die Winkel von den Depressoree anguli oria herabgezogen werden. Heule (Handbuch d. System. ! kommt zum SchlnsBe, dasz dies durch den Muscnlus a.nadratns menti bewirkt wird.

;

Comolete W' <vV of Charles Darwin Onii

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Eifersucht,

Lang1

»ich dir eine Lüge Bage, so spei' mir in's Gesicht»" [Heinrich IV. I. Theil, Act IL, Scene IV. | Leichhabdt bemerkt, das/, die „ihre Hede durch Spucken oder durch Ausstoszen eines Geräusches .nie puli, puh! unterbrechen, allem Anscheine nach als Ausdruck ihres „Absehens." Capitata Bükton spricht von gewissen Negern als vo .Abscheu auf die Erde spuckend" 10. Capitain Speed* theilt mir mit, dasz dies auch bei den Abvssiniern der Brauch ist. Mr. Geach sagt, dasz bei den Malayen von Malacca der Ausdruck- des Absehens „dem Spucken aus dem Mumie entspricht.- und bei den Feuerländern ist nach der Angabe des Mr. Bmdges „das Anspucken Jemandes das höchste Zeichen der Verachtung."

Ich habe niemals Abscheu deutlicher ausgedrückt gesehen auf dem Gesichte eines meiner Kinder im Alter von fünf Monate im ersten Male etwas kaltes Wasser, und dann noch einm: einen Monat später, als es ein Stück einer reifen Kirsche in den Mo gesteckt bekam. Es zeigte sich dies dadurch, dasz die Lippen und der ganze Mund eine Form annahmen, welche dem Inhalte gestattete, schnell herauszulaufen oder zu fallen. Gleichzeitig wurde die Zunge vorgestreckt. Diese Bewegungen waren von einem geringen Schändet begleitet. Es war um so komischer, als ich zweifle, ob das Kiin wirklich Abscheu oder Widerwillen fühlte. Die Augen und die Sti drückten groszes Erstaunen und Erwägung aus. Das Vorstrecken Zunge, um einen widrigen Gegenstand aus dem Munde fallen zu lass' dürfte es erklären, woher es kommt, dasz das Ausstrecken der Zun allgemein als ein Zeichen der Verachtung oder des Hasses dient".

Wir haben nun gesehen, das?. Hohn, Geringschätzung, Verachtun und Abscheu auf viele verschiedenartige Weise ausgedrückt werden, durch I'.ewegung des Gesichts und durch verschiedene Geberden, un dasz diese über die ganze Erde dieselben sind. Sie bestehen Handlungen, welche das Zurückweisen oder Ausstoszen irg wirklichen Gegenstandes ausdrücken, den wir nicht gern haben odei verabscheuen, welcher aber keine anderen starken Gemüthserregungen einer gewissen Art. wie Wuth oder Schrecken, in uns erregt; durch Gewalt der Gewohnheit und der Association werden dann ähnliche

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Diese beid                     d ron Mr. H. Wedgwood, On the Oi

angnage, 1866, p. 75, mitgi

i« Mr. Tylor (Karly History of Mankind, 2.edit., 1870, p.52) gibt an, dasz dies der Fall ist; er fügt hinzu: „es ist nicht recht klar, warum

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Ausdruck Jos Absehens.                                  Cap. 11.

längeres Bekanntsein mit der Ursache des Widerwärtigen und durch willkürliches Bekämpfen verloren. So wollte ich /.. B. das Skelel eines Vogels reinigen, welches nicht hinreichend macerirt war der Geruch davon brachte meinem Diener und mir selbst (wir hall Beide nicht viel Erfahrung in derartigen Arbeiten) so heftige Wfirj nfälle herbei, dasz wir gezwungen waren, es aufzugeben. Wahrem vorausgehenden Tage hatte ich einige andere Skelete untersucht, eiche unbedeutend rochen und doch afficirte mich der Geruch nicht im Allergeringsten. Dagegen brachten mich diese selben Skelete spä für mehrere Tage, sobald ich dieselben in die Hände nahm. ürgen.

Aus den Antworten, welche ich von meinen Correspondenten

alten habe, geht hervor, dasz die verschiedenen Bewegungen, welchi

jetzt als Verachtung und Abscheu ausdrückend beschrieben worden

ind, durch einen groszen Theil der Welt hindurch vorkommen.

wortet mir z. B. Dr. Rothbock mit einer entschiedenen Bejal

Bezog auf gewisse wilde Indianerstämme von Nord-America. Oraj

t. dasz wenn ein Grönländer irgend etwas mit Veraehtnng

tsetzen verneint, er seine Nase aufwirft und einen leisen Laut dur

ausstöszt9. Mr. Scott hat mir eine graphische Beschreibung sichte eines jungen Hindus beim Anblicke von Iticinusöl geschickt, lches derselbe gelegentlich zu nehmen gezwungen war. Auch hat . Scott denselben Ausdruck auf dem Gesichte Eingeborener höhe sten gesehen, welche sich gewissen verunreinigenden Gegenständ sehr genähert hatten. Mr Bbidges sagt, dasz „die Feuerländer erachtung durch Vorstrecken der Lippen und Zischen durch dieselben „und durch Aufwerfen der Nase ausdrücken." Die Neigung, entweder durch die Nase zu schnüffeln oder einen Laut, der sich durch „uch" der „ach" ausdrücken läszt, auszustoszen, wird von mehreren meiner rrespondenten bemerkt.

Ausspucken scheint beinahe ein ganz allgemeiner Ausdruck d raehtnng oder des Abscheues zu sein und offenbar stellt das Spucken iszen von irgend etwas Widerwärtigem aus dem .Munde dar. kespeare läszt den Herzog von Norfolk sagen: „Ich spei' ihn inn ihn verlänmderische Memm' und Schurke." [Eichard 11.. Act I.]; so ferner Falstaff: „Ich will dir was sagen, Heinz

yar;

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Citirt von Tylor, Primitive Cnlture, Vol. I. 1871, p. 169.

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Entdeckung seiner kleinen Missetbat. Er wurde, wie ich in meinen zu der Zeit niedergeschriebenen Bemerkungen notirt habe, durch ein unnatürliches Glänzen der Augen und durch eine merkwürd tirte, unmöglich zu beschreibende Art und Weise dargestellt.

Auch die Schlauheit wird, wie ich glaube, hauptsächlich durch Bewegungen um die Augen dargestellt. Denn diese sind weniger unter des Willens in Folge der Gewalt lang andauernder Gewohn- heit, als die Bewegungen des Körpers. Mr. Herbeb merkt „wenn ein lebhaftes Verlangen vorhanden ist, etwas auf der einen „Seite des Gesichtsfeldes zu sehen, ohne die Vermuthung aufkommen ..zu lassen, dasz man es sieht, so tritt die Neigung ein, die auffallende .Bewegung des Kopfes zu verhindern und die nothwendige Richtung -/.lieh den Augen zu überlassen, welche daher sehr stark h der einen Seite hingewendet werden. Wenn folglich die Augen Ch einer Seite gewendet werden, während das Gesicht nicht nach

n Seite gedreht wird, so erhalten wir die natürliche Sprac

was man Schlauheit nennt". Von allen den obengenannten complicirten Seelenbewegun vielleicht der Stolz die am deutlichsten ausgedrückte. Ein stolzer Mensch drückt sein Gefühl de                                          ire dadurch

aus. das/ er seinen Kopf und Körper aufrecht halt. Kr ist erhaben (.haut" oder hoch) und macht sich selbst so grosz als möglich aus- sehend, so dasz man metaphorisch von ihm sagt, er sei

ien oder ausgestopft. Man sagt zuweilen, dasz ein Pfauhahn oder ein Truthahn, der mit aufgerichteten Federn umheretolzirt, ein Sinnbild des Stolzes sei". Bin arroganter Mensch blickt auf Andere herunter und läszt sich kaum dazu herab, sie mit gesenkten Auge lidern anzusehen, oder er kann auch seine Verachtung durch nn deutende Bewegungen ausdrücken wie die vorhin beschriebenen um Nasenlöcher oder die Lippen herum. Der -Muskel, welcher die unfc

rzieht, ist daher der Musculus Buperbus genannt word

n Photographien von Patienten, die an der Monomanie di Stolzes litten und die mir Dr. Crichton Bbowne geschickt hat, wurdi

12 Principl                                        . 1872, p, 552.

äion, p. 111) über die Thätigkeit des Musculus

ch ist

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16

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ndlungen ausgeführt, so oft irgend welche analoge Empfindungen unserer Seele entstehen.

Eife

sor

ifersucht, Neid, Geiz, Rache, Argwohn, List, Schi heit, Schuld, Eitelkeit, Eingebildetsein, Ehrgei Demutli u. s. w. — Es ist zweifelhaft, ob die gröszere Zahl di eben erwähnten complicirten Seelenzustände durch irgend welchen feststehenden Ausdruck, der hinreichend deutlich wäre, um beschrieben r gezeichnet zu werden, verrathen wird. Wenn Shakespi Xeide als .hohläugig" oder „schwarz* oder ,blasz* und von ifersucht als „dem grünäugigen Ungeheuer" spricht, und wen Spensbb den Argwohn als „faul, misgünstig und grimmig" beschreibt müssen sie diese Schwierigkeit empfunden haben. Nichtsdestoweniger nuen die erwähnten Empfindungen — wenigstens viele von ch die Augen entdeckt werden, z. B. Eingebildetsein. Wir werd aber häufig in einem höheren Grade, als wir vermutlien. durch unsere vorausgehende Kenntnis der Personen oder der Umstände geleitet. Meine Frage, ob der Ausdruck der Schuld oder der List p den verschiedenen Menschenrassen wieder erkannt werden kann antworten meine Correspondenten beinahe einstimmig bejahend verlasse mich auch auf ihre Antwort, da sie allgemein verneinen, das/. die Eifersucht in dieser Weise erkannt werden kann. In den Fällen. o Einzelnheiten mitgetheilt werden, wird beinahe immer auf die ugen Bezug genommen. Von einem schuldigen Menschen wird ge- agt, dasz er es vermeide, seinen Ankläger anzusehen, oder dasz er ihm nur verstohlene Blicke zuwerfe. Von den Augen wird gesagt, dasz sie „schräg hinschielen" oder dasz sie „von einer Seite zur andern schwanken," oder dasz die Augenlider gesenkt und theilweise „ge- schlossen" sind. Letztere Bemerkung hat Mr. BagenaüER in Bezug auf die Australier und Gaika in Bezug auf die Kaifern gemacht. Die ruhelosen Bewegungen der Augen sind allem Anscheine nach, (wie dang noch erklärt werden wird, wenn wir von dem Erröthen sprechen werden), eine Folge davon, dasz der Schuldige es nicht aushält, den lick seines Anklägers zu ertragen. Ich will noch hinzufügen, dasz bei einigen meiner eigenen Kinder in einem sehr frühen Alter en Ausdruck der Schuld beobachtet habe ohne einen Schatten von Furcht. In einem Beispiele war der Ausdruck bei einem zwei Jahre und sieben Monate alten Kinde unverkennbar deutlich und führte zur

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gezuckt hätten. Docli wurde der folgende Fall sorgfältig von ein Professor der Medicin und ausgezeichneten Beobachter beobachtet mir von ihm mitgetheilt. Der Vater des                      lenden Her:

war ein Pariser und seine Mutter eine Schottin. Seine Frau ist na beiden Seiten von britischer Abkunft und mein Berichterstatter glaubt nicht, das/, sie jemals in ihrem Leben mit den Schultern gezuckt hatte. Seine Kinder sind in England erzogen worden, und die Wär- terin ist eine Vollbluteugländerin, welche man niemals die Schaltern hat zacken sehen. Xun wurde beobachtet, dasz seine älteste Tochter zwischen sechzehn und achtzehn Monaten mit ihren Schultern obei zu der Zeit ihre Mutter ausrief: „Seht die kleine Fran- zösin, wie sie mit den Schultern zuckt'.- Anfangs that sie dies

reiten dabei ihren Kopf ein wenig nach hinten und auf ei; Seite werfend. Soweit aber beobachtet wurde, bewegte sie ihre Ell bogen und Hände nicht in der gewöhnlichen Weise. Die Gewohnt verlor sieh allmählich wieder und jetzt, wo sie etwas über vier Jahre alt ist, sieht man nie. das                      irte. Vom Vater sagt man

r zuweilen seine Schultern zuckte, besonders wenn er mit irgend Jemand disputirte. Es ist aber auszerst unwahrscheinlich, dasz seine r ihm in einem so frühen Alter nachgeahmt hätte; denn wie terstatter bemerkt, kann sie unmöglich häufig diese Ge- bei ihm gesehen haben. Wenn übrigens die Gewohnheit durch Nachahmung erlangt worden wäre, so ist es nicht wahrscheinlich. sie sobald schon wieder freiwillig von diesem Kinde und. wie fort selien werden, noch von einem zweiten Kinde aufgef D wäre, trotzdem der Vater noch immer mit seiner F. lebte. Es mag noch hinzugefügt werden, dasz dieses kleine \! ihrem Pariser Groszvater im Gesichte in einem beinahe lächerlichen

ahnlich ist. Sie bietet noch eine andere und sehr merku

Ähnlichkeit mit diesem dar, nämlich, dasz sie eine eigentümliche

kleine Angewohnheit hat. Wenn sie ungeduldig irgend etwas zu haben

wünscht, so streckt sie ihre kleine Hand aus und reibt geschwind den

Daumen gegen den Zeige- und Mittelfinger, und diesen selben kleinen

Zug bot unter denselben Umständen ihr Groszvater sehr häufig dar.

Die zweite Tochter desselben Herrn zuckte auch ihre Schultern

vor dem Alter von achtzehn Monaten und gab später die Gewohnheit

auf. Es ist natürlich möglich, dasz sie ihrer altern Schwester

ahmt haben kann, aber sie fuhr ooch mit dieser Bewegung fort.

16*

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ach

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igkcit.                 Cap.

der Kopf und der Körper aufrecht getragen und der Mund fest ge- schlosa                     I ztere Thätigkeit, die für die Entschiedenheit aus

|] i-l, ist, wie ich verrouthe, eine Folge davon, dasz der stolze Mensch vollständiges Selbstvertrauen in sich fühlt. Der gi druck des Stolzes Bteht in directem Gegensätze zu dem der Denrath, so dasz. hier von dem letzteren Seelenznstande nichts weiter werden braucht.

Hülflosigkeit; Unfähigkeit: Zucken mit den Sehn tern. — Wenn Jemand auszudrücken wünscht, das/, er etwas nie' thun, oder dasz er nicht verhindern kann.                     gesebeb

erbebt er oft mit einer schnellen Bewegung beide Schultern. Wenn die ganze Geberde vollkommen ausgeführt wird, so biegt er zu der Ellenbogen dicht nach innen, erhebt seine offeni Hände und dreht dieselben nach auswärts mit auseinander e Fingern. Häutig wird der Kopf etwas nach einer die Augenbrauen werden erhöh                      wieder Palten quer über

die Stirn verursacht. M                                                    öffnet, Ich

will hierbei noch erwähnen, an                         unbewuszt die Gesichts-

zuge hier beeinfluszt werden, das/, obschon ich häufig absichtlich mit meinen Schultern gezuckt hatte, um zu beobachten, wie sich mei Arme stellen würden, ich doch durchaus mir dessen nie] wurde, dasz meine Augenbrauen gehoben und mein Mund wurde bis ich mich selbst im                                            it der Zeit

habe ich dann dieselben Bewegungen auch auf den Gesichtern anderer Leute bemerkt. In den beistellenden Figuren :! und -I auf Tafel VI. hat Mr. Rejlindeb mit vielem Erfolg die Geberde des Zuckens mit den Schultern dargestellt.

Engländer sind im Ganzen viel weniger demonstrativ als Menschen der meisten andern europäischen Nationen es sind, und sie zucken mit ihren Schultern viel weniger häutig und energisch als es Franzosen und Italiener thun. Die Geberde äussert .sich in allen möglichen Graden von der complicirten eben beschriebenen Bewegung bis zu einem momentanen und kaum bemerkbaren Erbeben beider Schultern, oder wie ich es bei einer in einem Lehnstuhle sitzenden Dame beobachtet habe, bis zu dem bloszen unbedeutenden Seit wenden der offenen Hände mit                   iten Fingern. Ich hal

niemals gesehen, dasz ganz kleine englische Kinder ihr

cbul-

nielr ,e, so

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der

Cap. 11.                                Zucken mit Jen Schultern.

Es scheint aber, dasz die Geberde zuweilen blosz auf das Erheben oder Zucken der Schultern beschränkt ist, ohne dasz die andern Be- wegungen gleichzeitig mit ausgeführt würden.

Mr. Scott hat diese Geberde häufig bei den Bengalesen und Dhangars (die letzteren bilden eine besondere Rasse) gesehen, welche im botanischen Garten in Calcutta beschäftigt werden; so wenn sie z. B. erklärten, dasz sie irgend eine Arbeit, wie das Erheben einer schweren Last, nicht thun könnten. Er befahl einem Bengalesen, auf einen hohen Baum zu klettern. Der Mann sagte aber mit einem Zucken seiner Schultern und einem Seitwärtsschütteln seines Kopfes, er könne es nicht. Mr. Scott wuszte, dasz der Mann faul war, glaubte, er könne es doch und bestand darauf, dasz er es versuche. Sein Ge- sicht wurde nun bleich, seine Arme hiengen schlaff an den Seiten herunter, sein Mund und seine Augen wurden weit geöffnet, und nun blickte er, den Baum nochmals abmessend scheu von der Seite auf Mr. Sriitt hin, zuckte mit den Schultern, wendete seine Ellenbogen nach innen, streckte seine offenen Hände aus und erklärte mit einigen sehneilen seitlichen Schwenkungen seines Kopfes, i                    icht im

Stande. Mr. II. Eksktne hat gleichfalls die Eingebomen von Indien mit ihren Schultern zucken sehen; er hat aber nie gesehen, dasz sie die Ellenbogen so weit nach innen drehten, als wir es thun: und während sie mit ihren Schultern zuckten, legten sie zuweilen ihre Hände kreuzweise über die Bi

Bei den wilden Malayen des Innern von Malacca und bei den Bugis (echte Malayen, obschon sie eine verschiedene Sprache sprechen) hat Mr. Geacb häufig diese Geberde gesellen. Ich vermuthe, dasz sie rollständig ausgeführt wird, da Mr. Geach in Beantwortung auf meine Frage, in welcher die Bewegungen der Schultern. Arme, Hände und des Gesichts beschrieben werden, bemerkt, sie werden in einem Wunders. Indien Style ausgeführt. Ich habe leider einen Auszug aus einer wissenschaftlich                    rloren, in welcher das Zucken der

Schultern bei einigen Bingebornen (Mikronesiern) des Carolinen-Archi- pels im stillen Ocean sehr gut beschrieben wurde. Capitain Speedt theilt mir mit, dasz die Abyssinier mit den Schultern zucken, geht aber in keine Einzelnheiten ein. Mr. Asa Gray sah einen arabischen Dragoman in Alexandrien genau so sich bewegen, wie es in meiner beschrieben war, als ein alter Herr, dem derselbe aufwartete, nicht in er gehörigen Richtung gehen wollte, die ihm bezeichnet worden war.

.

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244                                    Ausdruck ,1er HülHosigkeit.                               Cap.

naclidem ihre Schwester die Gewohnheit bereits verloren hatte. A fangs war sie ihrem Pariser Groszvater in einem mindern Gra ähnlich als ihre Schwester in demselben Alter es war. Jetzt ist s: es aber in einem noch gröszeren Grade. Auch sie übt noch bis heute die eigenthümliche Gewohnheit aus, wenn sie ungeduldig etwas ver- langt, ihren Daumen und ihre zwei Vurderfinger aufeinander zu reiben.

In diesem letztern Falle liegt ein gutes Beispiel vor für die in einem frühem Capitel gegebene Thatsache von der Vererbung eines Zuges oder einer Geberde. Denn ich vermuthe doch, dasz Niemand eine so eigenthümliche Gewohnheit wie diese, welche dem Groszvater und zweien seiner Enkelkinder gemeinsam war, die ihn nie gesehen hatten, einem blusz zufälligen Zusammentreffen zuschreiben wird.

Betrachtet man alle diese Verhältnisse in Bezug auf den 1 in- stand, dasz diese Kinder mit ihren Schultern zuckten, so litezt sich kaum bezweifeln, dasz sie diese Gewohnheit von ihren französischen Vorfahren geerbt hatten, trotzdem sie nur ein Viertel französischen Blutes in ihren Adern hatten und trotzdem ihr Groszvater nicht häutig mit seinen Schultern zuckte. Darin, dasz diese Kinder durch Ve erbung eine Gewohnheit in früher Kindheit erlangt und dann wied aufgegeben haben, liegt nichts sehr Ungewöhnliches, wenn auch Thatsache interessant ist. Denn es ist eine bei vielen Arien vö Thieren häufig vorkommende Thatsache, dasz gewisse Charactere ei: gewisse Zeit lang von den Jungen beibehalten, dann aber verlöre! werden.

Da es mir eine Zeit lang in hohem Grade unwahrscheinlich

in, dasz eine so complicirte Geberde wie das Zucken mit di Schultern in Verbindung mit den dasselbe begleitenden Bewegungen angeboren sein sollte, so war ich begierig, zu ermitteln, ob die blinde und taube                      «an, welche die Angewohnheit nicht durc

Nachahmung erlernt haben kann, sie ausübte. Und ich habe durch Dr. 1\nl- von einer Dame, welche noch kürzlich das Ki unter ihrer Pflege hatte, gehört, dasz sie mit ihren Schultern zuckt ihre Ellenbogen nach innen dreht und ihre Augenbrauen in derselben Weise wie andere Leute und unter ähnlichen Umständen erhebt. Ich war auch begierig, zu erfahren, ob diese Geberde von den verschie- denen Menschenrassen ausgeführt würde, besonders von denen, welche niemals irgend welchen bedeutenden Verkehr mit Europäern gehabt hatten, und wir werden sehen, dasz sie diese Bewegung ausführen.

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Cap. 11.                                Zucken mit den .~Miu1i.mii.                                      247

„diese Vergünstigung zu gewähren", „er musz seinen eigene! ,gehen, ich kann ihn nicht aufhalten*. Das Zucken mit den Schnitt drückt gleichfalls Geduld oder die Abwesenheit irgend welcher A sieht zu widerstehen aus. Daher werden die Muskeln, weh Schultern erheben, wie mir ein Künstler mitgetheilt hat, zuweilen die „ Geduldmuskeln" genannt. Der Jude Shtlok sagt:

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Mannes ge-

nio, viel and oftermals ilir auf dem Bialto mich geschmäht rin meine Geld ; and um meine Zinsen;

trug ich's ini; ge                            icken "

Sir Ch. Bell hat eine lebensgetreue Abbildung eines

her vor irgend einer fürchterlichen Gefahr zurückschreckt und im Begriffe ist, in verlorener Angst aufzuschreien. Kr ist dar- llt mit seinen Schultern beinahe bis zu den Ohren erhohen und leutet sofort an,                         danke an Widerstand vorhanden ist.

Da das Zucken mit den Schultern allgemein den Sinn hat: „ich „kann dies oder das nicht thun",                              zuweilen durch eine

unbedeutende Änderung aus: „ich will es nicht thun". Die Bewegung drückt dann einen festen Entschlusz aus. nicht zu handeln. Olmsted beschreibt15 einen Indianer                                        ark mit seinen Schul-

tern zuckte, als ihm mitgetheilt wurde, dasz eine Partie ]; Deutsche wären und nicht Americaner, womit er ausdrücken wollte, das/, er nichts mit ihnen zu thun haben wollte. Bei mürrischen und trotzköpfigen Kindern kann man sehen, wie sie ihre beiden Schultern hoch emporhoben. Diese Bewegung wird aber nicht von andern be- gleitet, welche allgemein ein echtes Schulterzucken hegleiten. Ein ausgezeichneter Beobachter16 sagt, als er einen jungen Mann beschreibt, welcher entschlossen war. dem Wunsche seines Vaters nicht nachzu- gehen: „er steckte seine-Hände tief in die Tasche und zog die Schul- tern bis an die Ohren in die Höhe; dies war ein deutliches Zeichen „dafür, dasz, mag es recht oder unrecht sein, dieser Fels aus seiner „festen Stellung nur dann fortbewegt würde, sobald es Jack wollte, „und dasz irgend welche Vorstellung über die Sache vollständig ver-

I1* Anatoi 15 Journe .......

Anatomy of Expression, p. 166.

throngh Texas, p. Mre. Oliphant, The Brownlows, p. 206.

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Mr. Washington Matthews sagt in Beziehung auf die wilden dianerstämme des westlichen Theils der Vereinigten Staaten: „Ich „habe bei einigen wenigen Gelegenheiten gefunden, dasz die Leute ein .unbedeutendes entschuldigendes Zucken zeigten, aber das übrige jeuer „bezeichnenden Geberde, welche Sie beschreiben, habe ich nicht ge- sehen." Fritz Miller theilt mir mit, dasz er die Neger in Bra- silien mit ihren Schultern habe zucken sehen. Es ist indesz natürlich hier möglich, dasz sie dies durch Nachahmung der Portugiesen ge- lernt haben. Mrs. Babber hat diese Geberde niemals bei den Kaffern von Süd-Africa gesehen, und Gaika hat, nach seiner Antwoi theilen, nicht einmal verstanden, was mit meiner Beschivi' meint war. Mr. Swinhob ist gleichfalls zweifelhaft in Bezug auf die Chinesen. Er hat aber gesehen, dasz sie unter Umständen, welche

.lassen würden, mit den Schultern zu zucken, ihren rechten Ellenbogen an die rechte Seite drückten, ihre Augenbrauen erhoben, ihre Hand mit der Flache nach der angeredeten Person hinstreckten und sie von rechts nach links schüttelten. Was endlich die Australier

o beantworten vier meiner Correspondenten die Frage einlach verneinend und einer einfach bejahend. Mr. Bonnett, welcher aus- gezeichnete Gelegenheit zur Beobachtung an den Grenzen der Colonie Victoria gehabt hat, antwortet auch mit einem „Ja" und fügt hinzu, dasz die Geberde „in einer bescheideneren und weniger demonstrativen

j'führt wird, als es bei civilisirten Nationen der Fall ist".

instand dürfte es erklären, dasz sie von vier meiner Cor- respondenten nicht bemerkt worden ist.

Diese Angaben, welche sich auf die Europäer, Hindus, die Berg- stämme von Indien, die Malayen, Mikronesier, Abyssinier, Indier von Nord-America und offenbar auch auf Australier beziehen — und viele dieser Eingebornen haben kaum irgend welchen Verkehr mit Europäern gehabt — sind wohl genügend, um zu beweisen, dasz das Zucken mit den Schultern, in manchen Fällen von den übrigen eigen- tümlichen Bewegungen begleitet, eine der Menschheit natürliche Ge- berde ist.

Dieser Geberde liegt eine nicht beabsichtigte oder unvermeidliche Handlung unsererseits zu Grunde oder eine, welche wir nicht aus- führen können, oder auch eine Handlung, die irgend eine andere Person ausführt, welche wir nicht verhindern können. Sie begleitet derartige Redensarten wie: „es war nicht meine Schuld", „es ist mir unmöglich,

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eines hülflosen Menschen sind in jedem einzelnen dieser Punkte genau das Umgekehrte. Auf Tafel VI. können wir uns vorstellen, dasz eine der Figuren auf der linken Seite eben gesagt hat: „was wollen Sie damit sagen, dasz Sie mich beleidigen?" und eine der Figuren auf der rechten Seite würde antworten: „ich konnte wahrhaftig nicht ,.anders'." Der hälflose Mensch zieht unbewuszterweise die Maske seiner Stirne zusammen, welche Antagonisten derjenigen sind, wel das Stirnrunzeln bewirken, und hierdurch hebt er seine Augenbrau in die Höhe. Zu gleicher Zeit erschlafft er die Muskeln um den Mund, so dasz der Unterkiefer herabhängt. Der Gegensatz ist in jeder Einzelnheit vollständig, nicht blosz in der Bewegung der Gesich sondern auch in der Stellang der Gliedmaszen und der Haltung des ganzen Körpers, wie in der beistehenden Tafel zu sehen ist. Da der hülllose oder sich entschuldigende Mensch häufig wünscht, seinen Seelenzustand zu zeigen, so handelt er dann in einer auffallenden ode: demonstrativen Art und Weise.

In Übereinstimmung mit der Thatsache, dasz das feste F.instemm der Ellenbogen und das Ballen                          iberden sind", welche

durchaus nicht bei Menschen aller Hassen allgemein sind, wenn sie sich indignirt fühlen und vorbereitet sind, ihren Feind anzugreifen, so scheint es fast, als wind'' ein hülfloser oder entschuldigender Seelen- zustand in vielen Theilen der Erde einfach durch das Zucken mit den Schultern ausgedrückt, ohne dasz die Ellenbogen nach innen gedreht und die Hände geöffnet würden. Ein Mensch oder ein Kind. halsstarrig ist, oder einer, der irgend einem groszen Unglücke gegen- über resignirt ist. hat in beiden Fällen keine Idee, durch active Mittel W iderstand leisten in wollen, und er drückt diesen Seelenzustand dl durch aus,                                        ultern erhoben hält; oder er ka:

möglicherweise seine Anne über der Brust zusammenschlagen.

Zeichen der Bejahung oder Billigung und der Ve neinung oder Misbilligung: Nicken und Schütteln des Kopfes. — Ich war begierig, zu ermitteln, wie weit die gewöhnlichen Zeichen der Bejahung und Verneinung, wie wir sie gebrauchen, über die Erde verbreitet sind. Es sind in der That diese Zeichen in einem gewissen Grade für unsere Gefühle ausdrucksvoll, da wir ein senk- - Nicken der Billigung mit einem Lächeln unsem Kindern gegen- r machen, wenn wir ihr Betragen billigen, und unsern Kopf seit-

1

r-

The Compiete V

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'

Cap.

jebens sei. Sobald der Sohn seinen Willen erlangt hatte, brachj „er seine Schultern in ihre natürliche Lage.'

Resignation wird zuweilen dadurch gezeigt, dasz die offenen Hän eine über der andern auf den untern Theil des Körpers gelegt werd Ich würde diese kleine Geberde nicht einmal einer vorübergehendi Notiz für werth gehalten haben, hätte nicht Dr. W. Ogle gegen mich bemerkt, dasz er sie zwei- oder dreimal bei Patienten beobachtet habe, welche sich unter der Einwirkung des Chloroforms auf Operationen le Furcht. schienen aber durch diese Stellung der Hände zu erklären, dasz sie sich nun entschlossen hätten und sich in das Unvermeidliche ergeben würden.

Wir können nun untersuchen, warum .Menschen in allen der Welt,                                           sie nun dieses Gefühl zu zeigt

□ oder nichti. da-/, sie irgend etwas nicht thun B nicht thun wollen, oder dasz sie, wenn etwas von einem Andern gi schieht, nicht wid                   len, mit ihren Schultern zucken, zu der-

selben Zeit hantig ihre Ellenbogen nach innen biegen, die offenen Flächen ihrer Hände mü                              gern zeigen, häufig ihren

Kopf ein wenig auf die eine 8                     ihre Augenbraue:

und ihren Mund Offnen. Diese Seelenzustände sind entweder einfach passiv oder zeigen die Entschiedenheit, nicht zu handeln, an. Keine der erwähnten Bewegungen sind von dem geringsten Nutzen. Die Erklärung liegt, wie ich nicht zweifeln kann, in dem Principe des nnbewuszten Gegensatzes. Dieses Princip scheint hier so deutlich in's Spiel zu kommen wie in dem Falle mit dem Hunde, welcher, w« er sich böse fühlt, sich in dii                    illung zum Angriffe verse

und sich seinem Gegner so fürchterlich erscheinend macht als möglich, sobald er sich aber zuneigun                      ml fühlt, seinen ganzen

Körper in eine direct i                               llung wirft, ob

von keinem directen Nutzen für ihn ist.

.Man beachte, wie ein indignirter Mensch, welcher empfindlic; ist und sich einem Unrechte nicht unterwerfen will, seinen Kopf auf" ne Schultern zurückwirft und seine Brust ausdehnt. Er ballt häufig seine Fäuste und bringt einen oder beide Anne i die Höhe zum Angriff oder zur Verteidigung, wobei die Maske seiner Gliedmaszen steif sind. Er runzelt die Stirn — d.h. er zieht seine Augenbrauen zusammen und senkt sie — und da er entschlossen ist, schlieszt er seinen Mund. Die Handlungen und die Stellungen

en

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mJ Verneinung.

sind, dasz sie niemals zu sprechen lernen, schildert Vout20, dasz einer von ihnen, wenn er gefragt wurde, ob er mehr Essen oder Trinken zu haben wünsche, durch ein Neigen oder Schütteln seines Kopfes antwortete. Schmalz nimmt in seiner merkwürdigen Abhandlung über die Erziehung der Taubstummen ebenso wie der Kinder, die nur einen Grad höher als die Idioten stehen, an, dasz sie immer beiderlei Zeichen wohl der Bejahung als Verneinung machen und verstehen können21. Wenn wir die verschiedenen Menschenrassen betrachten, so sehen wir nichtsdestoweniger, dasz diese Zeichen nicht so allgemein auge- wendet werden, als ich es erwartet haben würde. Sie scheinen aber doch zu allgemein zu sein, um durchaus für conventioneil oder künst- lich gelten zu können. Meine Correspondenten behaupten, dasz beide Zeichen von den Mahnen, von den Eingebornen von Ceylon, den Chi- nesen, den Negern der Küste von Guinea und, der Angabe G.uka's zufolge, von den Raffern ron Süd-Africa angewendet werden, obschon bei diesem letztem Volke Mr. Bakbek niemals ein seitliches Schütteln des Kopfes als Zeichen der Verneinung hat anwenden sehen. In Be- zug auf die Australier stimmen sieben Beobachter darin überein, dasz ein Nicken als Bejahungszeichen gegeben wird; fünf sind ein- mmig darüber, dasz ein seitliches Schütteln als Verneinung dient d /.war in Begleitung irgend eines Wortes oder ohne ein solches, er Mr. Dyson Lact hat dieses letztere Zeichen in Queensland niemals gesehen, und Mr. Bl i.mki; sagt, dasz im Gipp's-Land eine Verneinung dadurch ausgedrückt wird, dasz der Kopf ein wenig rückwär rfen und die Zunge ausgestreckt wird. Am nördlichen Ende des ntinents in der Nähe der Torres-Strasze schütteln die Eingebornen, nn sie eine Verneinung ausdrücken, „nicht mit dem Kopfe, sondern „halten die rechte Hand in die Höhe und schütteln diese, indem sie „sie zwei oder dreimal halb herum uud wieder zurückdrehen"22. Das Zurückwerfen des Kopfes mit einem Schnalzen der Zunge wird, wie man sagt, als Verneinungszeichen von den Neu-Griechen und Türken gebraucht, während das letztere Volk das Ja durch eine Bewegung ausdrückt, wie die von uns g<                   in wir den Kopf schütteln23,

mir Capitata Speedx mittheilt, drücken die Abyssinier eine Ver-

... 27. citirt von Tylor, Early Bistory of Mankind, 2. edit., 1870, p. 38. Mr. J. B. Jukes. I                                                   p. 248.

F. Lieber, On the vocal Bounds etc., p. 11. Tylor a. a. 0. p. 5.

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Zeichen der Bejahung und Verneinung.

Cap.

rts mit einem Stirnrunzeln schüttelu, wenn wir dasselbe misbilligen.

i kleinen Kindern besteht der                      . Verneinung in einem

11 der Nahrung, und ich habe wiederholt bei meinen eig-

Kindern bemerkt, dasz sie dies durch ein seitlielies Wegziehen

der Brust oder von irgend etwas, was ihnen in

einem Löffel angeboten wurde, ausdrückten. Bei der Annahme

Nahrung und dem Einnehmen derselben in ihren Mtmd neig

I Srts. Seitdem icli diese Beobachtungen machte, ist mir

mitgetheilt worden, dasz auf dieselbe Idee am                     . kommen

rdient Beachtung, dasz bei dem Annehmen oder Aufnehme

der Nahrung nur eine einzeln                                pfea nach vorwär

gemacht wird, und ein einfach                     lieszt eine Bejahung ein

Kinder Nahrung, besonders wenn sie ihnen

rden soll, so bewegen sie ihren Kopf häufig mehrmals

- thun, wenn wir in der Verneinung

unsern Kopf schütteln. Überdies wird im Falle eines Zurückweisen

oder der Man I

Bewegungen gleichfalls dazu gelangen könnten, als Zeiohen neinung zu dienen. Mr. Wedgwood bemerkt üb Gegenstarj                     im die Stimme mit geschlossenen Zähnen ode

-um Tönen gebracht wird, sie den Laut der Buc ,oder »(hervorbringt. Wir kannten daher den Gebrauch der Partikel .»', .um die Verneinung auszudrücken und möglicherweise auch „chische pij in demselben Sinne hieraus erklären. -

ichen angeboren oder instinctiv sind, wenigstens bei n. wird dadurch in hohem Grade wahrscheinlich gemacht, blinde und taub                                          g ihr Ja mit dem

gewöhnlichen affirmativen Nicken und ihr Nein mit unserm negativen Schütteln des Kopfes begleitete. Hätte nicht .Mr. LfflBKB das Gegen- theil angegeben", so würde- ich gemeint haben.                    ae Geberde

erlangt oder gelernt hätte, besonders in Anbetracht ihres wunderbar feinen Gefühlssinnes und der scharfen Wahrnehmung der Bewegungen derer. Bei mikrocephalen Idioten, welche so geistig verkümmer

Anderer. I Mittheilung a

dgwood für die Minden. " On the origin of Language, 1866, p. 91.

inds of Laura Bridgman: Smithsonian Conti 1851, p. 11.

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eniger sorgfältigen Beobachter als ein seitliches Schütteln beschrie- ben worden sein. Er führt auch an, dasz bei der Verneinung der Kopf gewöhnlich nahezu aufrecht gehalten und mehrere Male ge- schüttelt wird.

Mr. Bridges theilt mir mit, dasz die Feuerländer mit ihrem Kopfe senkrecht in der Bejahung nicken und ihn bei der Verneinung seit- lich schütteln. Nach der Angabe des Mr. Washington Matthews ist hei den wilden Indianern von Nord-Africa das Nicken und Schütteln des Kopfes von den Europäern gelernt worden und wird nicht natur- gemäsz verwendet. Sie drücken die Bejahung dadurch aus, „dasz sie „mit der Hand (wobei alle Finger mit Ausnahme des Zeigefingers „eingebogen sind) nach abwärts und auswärts vom Körper eine Curve „beschreiben, während die Verneinung durch eine Bewegung der offenen „Hand nach auswärts mit der Handfläche nach innen gekehrt ausge- drückt wird". Andere Beobachter geben an, dasz das Zeichen der Bejahung bei diesen Indianern ein Erheben des Zeigefingers ist, wel- cher dann gesenkt und nach dem Boden gerichtet wird, oder die Hände werden gerade nach vorn von dem Gesichte aus bewegt. Das Zeichen der Verneinung ist dagegen ein Schütteln des Fingers oder der ganzen Hand von einer Seite zur andern26. Diese letztere Bewegung stellt wahrscheinlich in allen Fällen das seitliche Schütteln des Kopfes dar. Die Italiener sollen in gleicher Weise den aufgehobenen Finger von rechts nach links bewegen als Zeichen der Verneinung, wie es in der That auch zuweilen Engländer tlrun.

Im Ganzen finden wir eine beträchtliche Verschiedenheit in den Zeichen der Bejahung und Verneinung bei den verschiedenen Menschen- rassen. Wenn wir in Bezug auf die Verneinung annehmen, dasz das Schütteln des Fingers oder der Hand von einer Seite zur andern ein symbolischer Ausdruck für die seitliche Bewegung des Kopfes ist, und wenn wir ferner annehmen, dasz die plötzliche Bewegung des Kopfes nach hinten eine der häufig von kleinen Kindern ausgeübten Hand- lungen darstellt, wenn sie Nahrung verweigern, so findet sich eine bedeutende Einförmigkeit über die ganze Erde in den Zeichen der Ver- neinung, und wir können auch sehen, wie sie entstanden sind. Die am schärfsten ausgesprochenen Ausnahmen werden von den Arabern,

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en der Bejahung und Verneinung.

neinung durch ein Werfen des Kopfes nach der rechten Schulter hin aas, wobei gleichzeitig ein leichtes Schnalzen bei geschlossenen; Monde gemacht wird. Eine Bejahung wird dadurch ausgedrückt, dasz der

zurückgeworfen und die Augenbrauen für einen Augenblick er- hoben werden. Die Tagalen von Lnzon im Archipel der Philippinen werfen, wie ich von Dr. Adolph M                         wenn sie Ja

gleichfalls ihren Kopf zurück. Nach der Angabe des ltajah Brook drücken die Dyaks von Borneo eine Bejahung durch Erhebung de Augenbrauen und eine Verneinung durch ein leichtes Zusammenziehen derselben in Verbindung mit einem eigenthümlichen Blicke der Augen aus. In Bezug auf die Araber am Nil kamen Professor und Urs. Asa ED dem Schlüsse, dasz ein Nicken als Bejahung selten war, während ein .Schütteln des Kopfes als Verneinung niemals gebrauch und nicht einmal von ihnen verstanden wurde. Hei den Eskimos1 bedeutet ein Nicken ..Ja- und ein Blinzeln mit den Augei

ir erhelien .den Kopf und das Kinn an der Stell „einer nickenden Zustimmung'25.

In Bezug auf die Hindus kommt Mr. II. Ekskine nach Erkundi die er bei erfahrenen Europäern bornen angestellt hat, zu dem Schlosse, dasz die Zeichen für die Be jahung und Verneinung abändern. Es wird zwar zuweilen ein Nicke und ein seitliches Schütteln, so wie wir es thun, gebraucht; eine Vi neinung wird aber häufiger dadurch ausgedrückt, dasz der Kopf plötz lieh nach hinten und ein wenig nach einer Seite geworfen und leichtes Schnalzen mit der                          stoszen wird. Was d

deutung                      lalzens mit der Zunge sein mag, welches bei

I neu Völkern beobacW                        I . kann ich mir nicht vor-

stellen. Ein gebildeter Eingeborner sagt, dasz die Bejahung häufig durch ein Werfen des Kopfes nach der linken Seite bin ausgedrückt würde. Ich bat Mr. -                                  nl diesen Punkt zu achten.

und nach wiederholten Beobachtungen glaubt er, dasz ein senkrechtes

. von den Eingebomen nicht für gewöhnlich als bejahe! braucht wird, sondern dasz der Kopf zuerst nach rückwärts, entweder nach der linken oder rechten Seite, und dann nur einmal schräg nach vorn geworfen wird. Diese Bewegung n                          : von einem

* Dr. » Tylc

Dr. King. Edinburgh Philns. Journal. 1845

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Zwölftes Gapitel.

Ueberraschung. Erstaunen. Furcht. — Entsetzen.

i der Augenbrauen. — Öffnen dei ippen. — Geberden, welche die Überraschung begleiten. — Verwunderung. — Fnicht. — Ar,

Znsammenziehnng des Platysma myoides -- Erweiterung dei Papilli Schlasz

Wird die Aufmerksamkeit plötzlich erregt und ist sie geht sie allmählich in Überraschung ober, diese wieder in Erstaunen, d dies endlich in bestürztes Entsetzen. Der letztere Seelenzustand dem Schrecken nahe verwandt. Aufmerksamkeit wird gezeigt iirch leichtes Erheben der Augenbrauen; und in dem Mäsze als dieser Zustand sich verschärft, werden sie in einem viel höheren Grad hoben, während die Augen und der Hund weit geöffnet werden. Das Erheben der Augenbrauen ist nothwendig, damit die Augen schnell und weit geöffnet werden können; diese Bewegung bringt quere Falten auf der Stirn hervor. Der Grad, bis zu welchem die Augen und der Mund geöffnet werden, entspricht dem Grade der gefühlten Über- raschung; es müssen aber diese Bewegungen coordinirt sein; denn Bin weit geöffneter Mund mit nur unbedeutend erhobenen Augenbrauen gibt nur eine bedeutungslose Grimasse, wie Dr. Duchenne in einer Photographie gezeigt hat1. Auf der andern Seite kann man häufig sehen, wie eine Person ihre Überraschung durch bloszes Er- eben ihrer Augenbrauen zu erkennen gibt.

Hr. Duchenne hat die Photographie eines alten Mannes gegeben, sn Augenbrauen durch Galvanisirung des Stirnmuskels ordentlich

1 Mceani-:                           i »nie. Allmui. 1862, p. 12.

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Zeichen                         und Verneinung.                     Cap 11.

Eskimos, einigen australischen Stämmen und den Dyake dargeboten. Bei den letzteren ist ein Stirnmnzeln das Zeichen der Verneinung iiml auch bei uns begleitet ein Stirnrunzeln häufig ein seitliches Schüt n des K

In Bezug auf das Nicken als Zeichen der Bejahung sind die Aus- laden im Ganzen noch zahlreicher, Dämlich bei manchen Hindus, bei den Türken, Abyssiniern, Dyaks, Tagalen nnd Neu-Seelftndern, Zuweilen werden die Augenbrauen bei der Bejahung emporgehoben, und da eine Person, wenn sie ihren Kopf nach vorn und unten beugt, natürlich zur Person, welche sie anredet, aufblickt, so wird sie auch leicht ihre Augenbrauen erheben, und dieses Zeichen dürfte in dieser Weise dann als Abkürzungszeichen entstanden sein. Ferner könnte vielleicht bei den Nen-Seeländern das Aufhellen des Kinnes und Kopfes in der Bejahung in einer abgekürzten Form die Bewegung des Kopfes ach oben repräsentiren, nachdem derselbe bei dem Nicken vorwärts d rückwärts bewegt worden war.

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Tab. 7

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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Dies

Ausdruck der Überraschung.                              Cap.

sage meii weit Übe

und gewölbt sind und dessen Hund willkürlich geöffnet wurde, ese Abbildung drückt Überraschung mit groszer Treue aus. Ich zeigte sie vierundzwanzig Personen, ohne ein Wort der Erklärung zu sagen, und nur eine einzige sah durchaus nicht ein, was damit ge- int war. Eine zweite Person antwortete: Schrecken, was nicht so it ab falsch ist; indessen fügten einige der Andern den n;i<chung oder Erstaunen noch die Bezeichnung hinzu: entsetzlie' kummervoll, schmerzlich oder widerwärtig.

Das weite Offenhalten der Augen und des Mundes ist eine ganz

allgemein für die der Überraschung oder des Erstaunens erkannte

Ausdrucksform. So sagt Shakespeare: „Ich sah 'nen Schmid mit

inern Hammer, so, Mit offnem .Mund verschlingen den Bericht vo

nem Schneider" (König Johann, Act IV., Scene 2); und ferner

schienen fast, so starrten sie einander an, ihre Augenlider zu ze:

sprengen; es war Sprache in ihrem Verstummen, und Rede selbst in

ihrer Geberde; sie sahen aus, als wenn sie von einer neu entstandene

„oder untergegangenen Welt gehört hätten." (Wintermärchen, Act V,

e2).

Meine Correspondenten beantworteten meine Fragen in Bezug auf verschiedenen Menschenrassen mit einer merkwürdigen Gleich- förmigkeit in demselben Sinne; die eben erwähnten Gesichtszüge werden häufig von gewissen, sofort zu beschreibenden Geberden und Lauten begleitet. Zwölf Beobachter in verschiedenen Theilen von Australien

stimmen über diesen Punkt überein. Mr. Wnrwi..... Reade hat diese

Ausdrucksform bei den Negern der Küste von Guinea beobachtet. Der Häuptling Gaika und Andere beantworten meine Frage in Betreff der Kaffern von Süd-Africa mit „Ja"; dasselbe thun Andere ganz aus- drücklich in Bezug auf die Abyssinier, Ceylonesen, Chinesen, Feue länder, verschiedene Volksstämme von Nord-America und die Ne> Seeländer. Bei den letztern zeigt sich, wie Mr. Stack angibt, dies Ausdrucksform bei gewissen Individuen deutlicher als bei andern obschon sie alle so viel als möglich ihre Gefühle zu verheimlichen suchen. Der Bajah Brooks sagt, dasz die Dyaks von Borneo, v sie erstaunt sind, ihre Augen weit öffnen, ihren Kopf hin und schwingen und sich ihre Brust schlagen. Mr. SCOTT tlieilt mir mit, das/, den Arbeitsleuten im botanischen Garten in Calcutta streng ver- boten ist zu rauchen; sie gehorchen aber häufig diesem Befehle nicht und wenn sie plötzlich auf der That ertappt werden, so öffnen sie

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r.-t ihr« Augen und ihren Mund weit. Mann zucken sie oft leicht mit den Schultern, sobald sie wahrnehmen, dasz die Entdeckung un- dlich ist, oder rnnzeln die Stirn und stampfen vor Ärger auf den Boden. Bald erholen sie sich aber von ihrer Überraschung und nun zeigt sich die unterwürfige Furcht an der Erschlaffung aller ihrer Muskeln; ihr Kopf scheint in die Schultern hineinzusinken; ihre i

[jenen Augen wandern da und dorthin und sie bitten nun Vergel'ii:

ekannte australische Forscher Mr. Stuart hat ei drastische Schilderung8 des bestürzten Entsetzens in Verbindung mit Furcht bei einem Eingeboren                     welcher noch niemals zuvor

einen Menschen hatte ein Pferd reiten sehen. Mr. Stuart näherte sich ihm ungesehen und rief ihn aus einer geringen Entfernung an „Er drehte sich herum und sah mich. Was er sich einbildete, da „ich wäre. weis/, ich nicht: ich habe aber niemal- ein seh „bild von Furcht und Erstaunen gesehen. Er stand da, unfähig „Glied zu rühren, an die Stelle gepflockt, den Mund offen, die Aug arrend. . . Er blieb bewegungslos, bis unser Schwarzer auf ein pa ards von ihm gekommen war: da wart' er plötzlich seine Stroh udel nieder und sprang so hoch als er nur konnte in ein Mnhj „Gebüsch." Er konnte nicht sprechen und antwortete nicht ein Wo Erkundigungen, die der Schwarze an ihn richtete: sondei vom Kopf bis zu den Füszen zitternd, .winkte er uns nur mit de .Hand ZU, dasz wir fort soll:

Dasz die Augenbrauen durch einen angeborenen oder instinetive Antrieb erhoben werden, läszt sich aus der Thatsache schlieszen, da Laura Bridgman ausnahmslos so handelt, wenn sie erstaunt ist. mir die Dame versichert hat, welche sie in der letzten Zeit unter ihrer l'rlege hatte. Da Überraschung durch oder Unbekanntes erregt wird, so wünschen wir natürlich,

dreckt werden, die i'rsache so schnell als möglich wahrzu- nehmen; wir öffnen in Folge dessen unsere Augen weit, damit das irt werde und die Augäpfel sieh leicht nach allen Richtungen bewegen können. Dies erklärt aber kaum die so bedeutende Erhebung der Augenbrauen und das wilde Starren der weit geöffneten Augen. Die Erklärung liegt wie ich glaube darin, dasz es unmöglich

- „The Polygl                                                       ! 2.

17

Corru

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la.

........_.......,............................................

ichtet, welche mit gespannter Aufmerksamkeit auf ein unbedeu- tendes Geräusch hörten, dessen Natur und Quelle sie ganz gut kannten,

sie öffneten ihren Mond nicht. Eine Zeit lang bildete ich mir daher ein, dasz das öffnen des Mundes vielleicht dazu helfen könne, die Richtung, von welcher ein Laut ausgeht, zu unterscheiden, und

Iwar dadurch, dasz man dem Laute noch einen andern Canal lür üinen Eintritt ins Ohr, nämlich durch die Eustachische Trompete, arbote. Dr. OötE6 aber, welcher so freundlich gewesen ist, die esten neueren Autorituten über die Functionen der Eustachischen 'rompete zu consultiren, theilt mir mit, dasz es beinahe zur Evidenz erwiesen ist, dasz sie, ausgenommen beim Acte des Schlingen-, ver- schlossen bleibt und dasz bei Personen, bei denen die Iromp normer Weise offen bleibt, der Gehörsinn durchaus nicht vollkommener er wird dann im Gegentheil dadurch beeinträchtigt, das/, die Athemlaute viel deutlicher werden. Wird eine l'hr in den Mund ge- halten, ohne aber dessen Wände irgendwo zu berühren, so wird das Picken derselben viel weniger deutlich gehört, als wenn sie auszen gehalten wird. Bei Personen, bei denen die Eustachische Trompete in Folge einer Krankheit oder eines Katarrhs permanent oder zeit- eilig verschlossen ist, ist das Hören beeinträchtigt. Dies dürfte aber [urch die Anhäufung von Schleim in der Trompete und die hieraus folgende Abschlieszung der Luft zu erklären sein. Wir können daher 11, das/, unter dem Eindrucke des Erstaunens der Mund nicht deswegen offen gehalten wird, damit die Laute deutlicher gehört werden, trotzdem dasz die meisten tauben Personen ihren .Mund offen halten. Eine jede plötzliche Seelenerregung, mit Einschlusz des Erstaunens, leschleunigt die Herzthätigkeit und mit dieser auch die Respiration. im können wir, wie GkäTIOLEI bemerkt7 und wie es auch mir wohl der Fall zu sein scheint, viel ruhiger durch den offenen Mund als durch die Nase athmen. Wenn wir daher mit gespannter Aufmerk- samkeit auf irgend einen Laut zu hören wünschen, so unterbrechen wir entweder das Athemholen oder wir athmen, indem wir unsern und öffnen und gleichzeitig unsern Körper bewegungslos halten, so als möglich. Einer meiner Söhne wurde in der Nacht durch

Auch I>r. Murie hat mir, zum'I'li.il der vergleichenden I :,lu*>e fuhren. I'.- I                      1865, i>. 284.

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lusdruck der 1 i

ist die Augen mit groszer Schnelligkeit durch das blosze Erheben dei obern Augenlider zu öffnen. Um dies zu bewirken, müssen die Augeiv brauen energisch in die Höhe gehoben werden. Jeder, welcher es versuchen will, vor einem Spiegel seine Augen so schnell als möglich zu öffnen, wird finden, dasz er so handelt, und das energische Hinauf- ziehen der Augenbrauen öffnet die Augen so weit, dasz sie starreu da alles Weisze rings um die Regenbogenhaut sichtbar wird. Übe dies bietet die Erhebung der Augenbrauen auch einen Vortheil bei: Sehen nach oben; denn so lange sie gesenkt sind, hindern sie unser Sehen in dieser Richtung. Sir tu. Bell gibt einen merkwürdigen kleinen Beweis3 für die Holle, welche die Augenbrauen beim Öffnen der Augenlider spielen. Bei einem schwerbetrunkenen .Menschen sind alle Muskeln erschlafft; in Folge dessen fallen die Augenlider matt herab, in derselben Weise wie es beim Einschlafen geschieht. U dieser Neigung entgegenzuwirken, erhebt der Trunkenbold seine Augei brauen; und dies gibt ihm einen verlegenen dummen Anblick, wie auf einem der HoQAETH'schen Blatter gut dargestellt ist. Ist i einmal die Gewohnheit, die Augenbrauen zu erheben, um so sehr als möglich Alles rings um uns her übersehen zu können, erlangt worden, so wird diese Bewegung in Folge der Association eintreten, sobald aus irgend einer Ursache, selbst in Folge irgend eine3 plöt: liehen Lautes oder einer Idee, Erstaunen empfunden wird.

Wenn bei erwachsenen Personen die Augenbrauen erhoben werden, wird die ganze Stirn stark in queren Linien gefaltet; bei Kindern

itt dies aber nur in einem geringen Grade ein. Die Falten laufen in Linien, welche mit jeder Augenbraue concentrisch oder parallel sind, und flieszen zum Theil in der Mitte zusammen. Sie sind fin- den Ausdruck der Überraschung oder des Erstaunens in hohem Gra< characteristisch. Jede Augenbraue wird auch, wie Duchenne bemerk! nn sie erhoben wird, stärker gewölbt als sie es vorher war.

Die Ursache, warum der Mund geöffnet wird, wenn man Erstaum pfindet, ist eine in hohem Masze complicirtere Sache; allem An scheine nach wirken auch mehrere Ursachen zur Einleitun

ewegung zusammen. Man hat häufig die Vermuthung geäuszert5,

itt eil

v of Expression, p. 1"*;. ime de la Physionoiuie Hnmaine, Album, p. 6. B. Dr. Piderit, Mimik und Physiognom                           r eine gute

\ is'huek der Überraschung gibt.

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Erstaunen.

erklärt wurde, dadurch vor, dasz wir zuerst tief und voll einatbmen. und demzufolge öffnen wir unsern Mund. Wenn keine Anstrengung

'. ir aber noch immer erstaunt bleiben, so hören wir eine Zeit lang zu athmen auf oder athmen so ruhig wie möglich, damit jeder Laut deutlich gehört werden könne. Oder ferner, wenn unsere Auf- merksamkeit lange Zeit und gespannt absorbirt bleibt, so werden alle unsere Muskeln erschlafft und der Unterkiefer, welcher anfangs lieh geöffnet wurde, bleibt herabhängen. So treten mehrere Ursachen für eine und dieselbe Handlung zusammen, sobald Überraschung staunen oder verwunderndes Entsetzen empfunden wird.

Obschon wir nun in diesem Atfecte allgemein den Mund öffnen,

den doch häufig noch die Lippen ein wenig vorgestreckt. Diese Thatsache erinnert uns daran, dasz dieselbe Bewegung, freilich in einem viel stärker ausgesprochenen Grade, vom L'himpanse und '

mi sie in Erstaunen gerathen. Da eine starke

. tiefen Inspiration folgt, welche das erste

der aufschreckenden Cberraschung begleitet, und da die Lippen

häufig vorgestreckt werden, so können allem Anscheine nach hieraus

die verschiedenen Laute erklärt werden, welche dann gewöhnlich

ausgestoszen werden. Zuweilen wird aber nur eine Exspiration gehört;

wenn sie in Entsetzen geräth, ihre Lippen

und streckt sie                     dieselben und athmet stark9. Einer der

-liebsten Laut                               : und in Folge der von Hei.m-

gegebenen Erklärung musz derselbe naturgemäsz erfolgen, wenn der Mund mäszig geöffnet und die Lippen vorgestreckt werden. In einer ruhigen Nacht wurden vom „Beagle* in einer kleinen Bucht an Tahiti einige Raketen abgebrannt, um die Eingebornen zu unterhalten:

de Rakete au-_                    nlen war, herrschte al

schweigen, diesem folgte aber ausnahmslos ein tiefes stöhnende - was ringsum in der ganzen Bucht erklang. Mr. Washdjgi

jagt, dasz die nord-americanischen Indianer das Erstaunen durch ein Stöhnen ausdrücken; der Angabe Mr. V folge strecken die Neger an der Westküste von Africa ihre Lippen vor und geben einen Laut von sich wie heigh, heigh. Wenn der Mund nicht sehr geöffnet wird, während die Lippen beträchtlich ror-

9 Lieber, On the Vocal Sounds of Laura Bridgmann, Smithsonian Contri- butions, Vol. II

. . . _ "V                             .'                             '                             . '

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Köpi

euer;

ein Geräusch aufgeweckt, unter Umständen, welche naturgemäsz groszer Behutsamkeit veranlassten, and nach wenig Minuten bemei er, dasz sein Mund weit offen stand. Er wurde sich dann dessen be- wuszt, dasz er ihn deshalb geöffnet hatte, um so ruhig als möglieh zu athraen. Diese Ansicht erhält noch durch die entgegengesetzte, bei Hunden vorkommende Erscheinung Unterstützung. Wenn ein Hund nach starker Köperbewegung keucht oder an einem sehr beiszen Tage ruht, so athmet er laut; wird aber seine Aufmerksamkeit plötz- lich erregt, so spitzt er sofort seine Ohren zum Horchen, schliesi seinen Mnnd und athmet, wie es ein Hund zu thun im Stande isi ruhig durch seine Nase.

Wenn die Aufmerksamkeit eine" Zeit lang mit gespanntem Eifer auf irgend einen Gegenstand, äuszern oder innern, concentrirt wird, i sämmtliche Organe des Körpers vergessen und vernach- lässigt8, und da die nervöse Energie eines jeden Individuum der Quantität nach beschrankt ist, ao wird nur «renig irgend einem andern Köpertheile übermittelt mit Ausnahme dessen, welcher zu der Zeit in ergische Thätigkeit versetzt wird. Viele Muskeln neigen daher zur chlaft'iing und die Unterkinnlade sinkt durch ihr eigenes Gewicht b. Dies dürfte das Herabsinken des Unterkiefers und den nd bei einem Menschen erklären, welcher vor Verwunderung rzt und vielleicht schon wenn er weniger heftig afficirt ist. ich in meinen Notizen verzeichnet linde, habe ich diese Erscheinu bei sehr kleinen Kindern bemerkt, wenn sie nur mäszig überras

waren.

Es gibt noch eine andere und in hohem Grade wirksam welche dazu führt, dasz der Mund, wenn wir erstaunt sind, und ga besonders, wenn wir plötzlich aufgeschrekt werden, geöffnet wird. W\ ad tiefe Inspiration viel leichter durch de weit geöffneten Mund als durch die Nasenlöcher ausführen. Wenn wir daher über irgend einen plötzlichen Laut oder Anblick zusa schrecken, so werden beinahe sämmtliche Muskeln des Körpers unwill- kürlich und augenblicklich in heftige Thätigkeit gesetzt, um uns : die Gefahr zu schützen oder um von ihr wegzuspringen, die wir ja gemäsz mit allem Unerwarteten assoeiiren. Wir bereiten uns aber zu jeder groszen Anstrengung unbewuszter Weise, wie früher

i. 0. p. 254.

.. ':: : . '. .....: . . .:

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gC3C

dasz er vor Kurzem seine Frau unter den unerwartetsten Umstünden angetroffen habe: .sie starrte vor sicli hin, öffnete den Mund und n sehr weit und warf ihre beiden Arme hoch über den „Kopf." Vor mehreren Jahren war ich überrascht, mehrere meiner kleinen Kinder zusammen ernstlich mit irgend Etwas auf dem Boden beschäftigt zu sehen; die Entfernung war aber zu grosz, als dasz ich sie hätte fragen können, was sie vorhätten. Ich hob daher meine offnen Hände mit ausgestreckten Fingern über den Kopf und wurde mir, sobald ich sie ausgeführt hatte, auch der Bewegum. Ich wartete dann ohne ein Wort zu sagen, um zu sehen, ob die K

ie Geberde verstanden hätten; und als sie zu mir heran gelauft kamen, riefen sie aus: „Wir sahen, das? Du über uns erstaunt warst." Ich weisz nicht, ob diese Geberde verschiedenen Menschenrassen eigen ist, da ich versäumt habe, Sber diesen Punkt Erkundigungen anzu- stellen. Dasz sie angeboren oder natürlich ist, könnte man aus der Thatsache schlieszen, dasz Lauba Bridgh                        in plötzliches

Erstaunen geräth, -ihre Arme ausbreitet und ihre Hände mit i „streckten Fingern nach oben wendet" ": auch ist es in Anbetracht ifflhl der Überraschung allgemein nur ein schnell vorübergehendes ist, nicht wahrscheinlich, dasz sie diese ' ihren scharfen Gefühlssinn erlernt haben sollte.

HüSCHKE beschreibt" eine von der eben geschilderten etwas v Bchiedene, aber damit verwandte Geberde, welche, wie er sagt, Pi sonen darbieten, wenn sie erstaunt werden. Sie halten sich aufrec die Gesichl                      hin beschrieben, aber die gerade gehaltenen

Arme werden nach hinten ausgebreitet, wobei die ausgestreckten Finger von einander gespreizt werden. Ich selbst habe diese Geberde niemals docli ist Bcschke wahrscheinlich correct; denn einer meiner umle frug einen Andern, wie er wohl groszes Erstaunen ausdrücke

e, und sofort warf er sich in die angegebene Stellung.

Wie ich glaube, sind diese Geberden nach dem Grundsätze Gegensatzes erklärbar. Wir haben g

lell

" Lieber, On the V"ocal Sout                  0. p. 7.

,J Huschke, Himices et P                                   physiol. 1821,

Gratiolet (De Ia Phyrion. p. 255) gibt die Abbildung eines Menschen in die Stellung, welche indessen nur Furcht in Verbindung mil Erstaunen auszudrücl scheint. Auch I.e Brun (Lavater, Vol. IX. p. 299J erwähnt d bei einen) erstaunten Ifi

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Aus

aus

Ausdruck des Erstaunens.                                Cap.

gestreckt werden, so wird ein blasendes, zischendes oder pfeifend Geräusch erzeugt. Mr. Et, Beodgb Smith theilt mir mit, dasz ein ustralier aus dem Innern mit nach dem Theater genommen wurde, einen Akrobaten zu sehen, der sich schnell Überschlag: „er war hohem Grade erstaunt, streckte seine Lippen vor und machte mit „dem Munde ein Geräusch, als bliese er ein Zündhölzchen aus.-' Na der Mittheilung Mr. Btjlmkk's lassen die Australier, wenn sie üb rascht sind, den Ausruf korki hören, „und um diesen hervorzubringen, .wird der Mund so vorgezogen, also sollte gepfiffen werden." Wir Europäer pfeifen häufig als Zeichen der Überraschung; so wird in einem neueren Romane gesagt:10 „hjer drückte der Mann sein Er- staunen und seine Misbilligung durch lange anhaltendes Pfeifen aus." . .1. Masski. Weale theilt mir Folgendes mit: als ein Kaffer- dchen „den hohen Preis eines Artikels nennen hörte, zog sie ihre Augenbrauen in die Höhe und pfiff genau so wie es ein Euro „than haben würde." Mr. Wedgwood bemerkt, dasz derartige La mit whew (wjuh) niedergeschrieben werden; sie dienen als Ausruf an laute der Überraschung.

Nach der Angabe von drei andern Beobachtern geben die Aust lier hautig das Erstaunen durch ein schnalzendes Geräusch zu kennen. Auch Europäer drücken zuweilen eine leichte Überraschu durch ein unbedeutendes klucksendes Geräusch nahezu derselben An ans. Wir haben gesehen, dasz wenn wir aufgeschreckt werden, der und plötzlich geöffnet wird; und wenn dann die Zunge zufällig dicht den Gaumen angepreszt ist, wird deren plötzliches Abziehen einen i Art hervorrufen, welcher dadurch zu der Bedeutung g ngen könnte. Überraschung auszudrücken.

Wenden wir uns nun zu den Geberden des Körpers. Eine übi laschte Person erhebt oft die geöffneten Hände hoch über den Kop oder mit einer Beugung der Arme nur bis zu gleicher Höhe mit dem Gesicht. Die geöffneten Handflächen sind nach der Person hingekehrt, welche dies Gefühl verursacht, und die ausgestreckten Finger sind gespreizt. Diese Geberde ist von Mr. Rejlandeb auf Taf. VII, Fig. 1 dargestellt. Auf dem „Abendmahle" von Leonardo da Vinci halten zwei der Apostel ihre Hände halb erhoben und drücken dadurch deut- en ihr Erstaunen aus. Ein zuverlässiger Beobachter erzählte

.Wenderholme', Vol. II. p. 91.

onf

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wie man sagt13, ihre rechte Hand an den Hals und biegen den opf nach hinten, wenn sie erstaunt sind. Mr. Worwoon Beadk hat 1.....Dachtet, dasz die Neger der Westküste von Africa, wenn sie über- rascht sind, ihre Hände gegen den Mund schlagen und gleichzeitig sagen: .Mein Mond klebt an mir", d. h. an meiner Hand; er hat auch gehört, dasz dies die gewöhnliche Geberde bei derartigen Ge- legenheiten ist. Capitain Spekdi theilt mir mit, dasz bei solchen Ver- anlassungen die Abyssinier ihre rechte Hand an die Stirn legen, mit der Flache nach auszen. Endlich führt Mr. Washington Matthews an, dasz das conventionelle Zeichen für das Erstannen bei den wilden Stämmen der westlichen Theile der Vereinigten Staaten darin besteht, „die halbgeschlossene Hand über den Mund zu legen; wahrend sie dies thun, biegen sie häufig den Kopf nach vorn und zuweilen wer- Worte oder ein leichtes Stöhnen geäuszert*. Catun" macht aerkung über das Drücken der Hand auf deu Mund in auf die Manda-Indianer und andere Iudianerstämme.

Bewunderung. — Hierüber braucht nur wenig gesagt zu we den. Bewunderung besteht allem Anscheine nach aus Überraschung in Begleitung von etwas Vergnügen und einem Gefühle der Zustim- mung. Wird sie lebhaft empfunden, so werden die Augen geöffnet und die Augenbrauen erhoben. Das Auge wird strahlend, anstatt ausdruckslos zu bleiben, wie beim einfachen Erstaunen; und der Mu verbreitet sich zu einem Lächeln, statt weit offen zu stehen.

Furcht, Schrecken. — Das Wort .Furcht* (und das eng- che fear) scheint von dem abgeleitet zu sein, was plötzlich und gefährlich ist15; und das Wort terror (lateinisch und englisch. deutseh Schrecken) von dem Zittern der Stimmorgane und des Körpers. Ich gebrauche das Wort ..terror" für die äuszerste Furcht; manche Schriftsteller sind aber der Meinung, dasz es auf Fälle beschränkt erden sollte, bei denen ganz besonders die Einbildungskraft in

. a. a. 0. p. 18.

North American Indians, 8. edü, 1842, VoL I. p. 105.

II Wedgwoi                                         Etymology, v"ol. I). L86

s. aucli Gratiolet (De la Phyaionomie, p, 135) über die Quellen solcher Worte, wie terror, horror, rigidua, Crigidusetc. [Über Furcht and Wörterbuch, Bd. 4, Sp. C83, wonach beide die innerlich .aufwühlende" Erregung ausdrücken.]

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Ausdruck des El

sieh

dignirt ist, er seinen Kopf aufrecht hält, seine Schultern festrückt, die Ellenbogen nach auszen dreht, häufig seine Fäuste ballt a .Mund schlieszt, während die Stellung eines hülflosen Menschen in jedei einzelnen dieser Details gerade das Umgekehrte ist. Ein Mensch im gewöhnlichen ruhigen Seelenznstande. der nichts thut und an nieli Besonderes denkt, läszt gewöhnlich Beine beiden Arme schlaft" an d. Seite herabhängen, wobei die Hände etwas gebogen und die Fingi nahe aneinander gehalten werden. Das plötzliche Erheben der Arm entweder der ganzen Arme oder der Vorderarme, das flache Öffnen der Hände und das Auseinanderspreizen der Finger — oder auch das Geradehalten der Arme und 'las Ausstrecken derselben nach hinten mit gespreizten Fingern — sind daher Bewegungen, welche in voll- kommenem Gegensatze zu der Haltung stehen, welche unter einem indifferenten Seelenznstande eingenommen wird; sie werden in Fol. hiervon vnii einem erstaunten Menschen unbewuszt ausgeführt. Ilauli. ist auch der Wunsch vorhanden. Überraschung in einer auffallenden Weise an den Tag zu legen, und die erwähnten Stellungen sind für diesen Zweck sehr passend. .Man könnte fragen, warum nur Ober- raschung und einige wenige andere Seelenznstande durch Bewegungen ich darstellen, welche zu andern im G                      n. Dies Princip

aber bei denjenigen Seelenerregungen nicht in's Spiel gebracht,

Schrecken, grosze Freude. Leide.....ler Wuth. welche naturgemäsz

Bchon zu gewissen Bandlungsweisen führen und gewisse Wirkungen auf den Körper ausüben: es sind hier nämlich alle Kör] sclmn präoecupirt; auch werden diese Gemüthserregungen hierdurch bereits mit der gröszten Deutlichkeit ausgedrückt.

Es gibt noch eine andere kleine Geberde, welche für das Erstaunen ausdrucksvoll ist. für die ich aber keine Erklärung darbieten kann, nämlich das Legen der Hand an den Mund oder an irgend einen an- dern Theil des Kopfes. Dieselbe ist bei so vielen Menschenrassen beobachtet worden, dasz sie irgend einen natürlichen Ursprung haben musz. Ein wilder Australier wurde in ein ganz mit offiziellen Pa- pieren erfülltes Zimmer gebracht; dies überraschte ihn in hohem Grade, er rief aus: cluck, cluck, cluck und brachte den Rücken der Hand gegen seine Lippen. Mrs. Barber sagt, dasz die Katlern und Fingoi ihr Erstaunen durch einen ernsthaften Blick und dadurch ausdrücken die rechte Hand auf den Mund legen, wobei sie das Wort mawo ausrufen, welches „wunderbar- bedeutet. Die Buschmänner

Comolete Work of Charit-: .

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Cap. 12.                                     Furcht.                                              267

auch gänzlich versagen. „Obstupui, steteruntque comae, et vox fauci- „bua haesit."

Von der unbestimmten Furcht findet sich eine bekannte und groszartige Beschreibung im Buche Hiob: — „Da ich Gesichte be- .trachtete in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, da kam „mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschracken. „Und da der Geist vor mir iibergieng, standen mir die Haare zu Berge „an meinem Leibe; da stand ein Bild vor meinen Augen, und ich „kannte seine Gestalt nicht; es war stille und ich hörte eine Stimme: „Wie mag ein Mensch gerechter sein, denn Gott? Oder ein Mann „reiner sein, denn der ihn gemacht hat?" (Hiob 4, 13 — 17.)

In dem Masze, wie sich Furcht zu einer Seelenangst des Schreckens (oder äußerster Furcht) vergröszert, sehen wir, wie bei allen heftigen Gemüthserregungen, verschiedenartige Resultate. Das Herz schlägt stürmisch oder versagt ganz zu fungiren und es tritt Ohnmacht ein; es ist Todtenblässe vorhanden; das Athmen ist beschwerlich; die Nasen- flügel sind weit ausgedehnt; „die Lippen schnappen und bewegen sich „convulsiviscb, die hohle Wange zittert, die Kehle schluckt und zieht sich zusammen"ir; die unbedeckten und vortretenden Augäpfel sind auf den Gegenstand des Schreckens fixirt oder sie können auch ruhe- los von der einen zur andern Seite rollen, „huc illuc volvens oculos totumque pererrat"18. Der Angabe nach werden die Pupillen enorm erweitert. Alle Muskeln des Körpers können steif oder in convulsi- rische Bewegungen versetzt werden. Die Hände werden abwechselnd geballt und wieder geöffnet, häufig mit einer zuckenden Bewegung. Die Arme können vorgestreckt sein, als wollten sie irgend eine fürch- terliche Gefahr abwenden, oder wild über den Kopf geworfen werden. Mr. Hagenaueb hat diese letztere Bewegung bei einem vor Furcht entsetzten Australier gesehen. In andern Fällen tritt eine plötzliche und unbezwingbare Neigung zur kopflosen Flucht ein; und diese ist dann so stark, dasz die tapfersten Soldaten von einem plötzlichen panischen Schrecken ergriffen werden können.

Wenn die Furcht auf den höchsten Gipfel steigt, dann wird der fürchterliche Schrei des Entsetzens gehört. Grosze Schweisztropfen

>- Sir Ch. Bell, Transactions ( Royal 8oo. 1822, p.808. „Anatomy of Ex-

. I. ss imii p_ 161 [gg, 18 s. Moreau über das Bollen der Augen in der Ausgabe von 1820 des Lavater, Tom IV, p. 263, s. auch Gratiolet, De la Physionomie, p. 17.

«/in Online

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Ausdruck der Furcht.                                   Cap. 12.

tracht komme. Der Furcht geht häufig ein Erstaunen voraus; und in so weit ist sie dem letzteren verwandt, das/ beide dazu führen, die Sinne des Gesichts und des Gehörs augenblicklich anzuspannen. In beiden Fällen werden die Augen und der Mund weit geöffnet und die Augenbrauen erhoben. Der zum Fürchten gebrachte Mensch steht anfangs bewegungslos wie eine Statue und athemlos da oder drückt sich nieder, als wollte er instinctiv der Entdeckung entgehen. Das Herz zieht sich schnell und heftig zusammen, so gegen die Rippen schlägt oder anstöszt; es ist aber sehr zweifelhaft, ob es dann wirksamer als gewöhnlich arbeitet, so dasz eine gröszere Menge Blutes allen Körpertheilen zugeführt wird; denn die Haut wird augenblicklich bleich, wie bei einer beginnenden Ohnmacht. Dieses Bleichsein der Oberfläche ist indessen wahrscheinlich zum groszen Theile odei ausschliesslich eine Folge davon, dasz das Nervencentrum, von dem aus die Gefäsznerven beeinflußt werden, in einer solchen Weise afficirt wird, dasz es die Zusammenziehung der kleinen Arterien der Haut verursacht. Dasz die Haut unter dem Gefühle groszer Furcht bedeutend afficirt wird, sehen wir an der merkwürdigen und uner- klärlichen Weise, in welcher die Perspiration sofort aus ihr hervor- bricht. Diese Ausscheidung ist um so merkwürdiger, als die Ober- Häche der Haut dann kalt ist, woher ja der Ausdruck „kalter Schweisz* rührt, während gewöhnlich die Schweiszdrüsen zur Thätigkeit angeregt werden, wenn die Oberfläche warm ist. Auch die Haare auf der Haut richten sich auf und die oberflächlichen .Muskeln zittern. Im Zu- sammenhange mit der gestörten Thätigkeit '>> Herzens wird auch das Athmen beschleunigt. Die Speicheldrüsen fungiren unvollkommen, der Mund wird trocken16 und häufig geöffnet und geschlossen. Ich habe auch bemerkt, dasz bei geringer Furcht eine starke Neigung zum Gähnen eintritt. Eines der am besten ausgesprochenen Symptome ist das Erzittern aller Muskeln des Körpers: dies zeigt sich hautig zuerst an den Lippen. Aus dieser Ursache und wegen der Trocken- heit des Mundes wird die Stimme heiser oder unbestimmt, oder kann

16 Mr. Kain (The Emotione and IbeWi 1,                    rklärt in der folgen-

den Art und Weise den Ursprung di                                I er in Indien dem

.'n Reis zu unterwerfen. Man läszl den \

..einen Mund voll Beia einnehmen und denselben nach einer kurzen Zeit auswerfen.

dann wird der Mensch für schuldig gehalten, — sein wissen wirkt daraufhin, die Speicheldrüsen zu lähmen."

,

d

Kt

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Cap. 12.                                       Purohi

Verzweiflung beschrieben, welche er an einem Mörder beobachtete, der in Tarin zum Richtplatze geführt warde. , Auf jeder Seite im Karren „saszen die dienstthuemlen Priester und in der Mitte sasz der Ver- brecher selbst. Es war unmöglich, den Znstand dieses unglücklichen .Kerls ohne Schrecken mit anzusehen; und doch war es andererseits .unmöglich, (als würde man durch einen fremdartigen Zauber immer .wieder dazu getrieben), den so wilden, so von Schauer erfüllten Gegen- stand nicht anzublicken. Er schien ungefähr fünfunddreiszig Jahre ,alt zu sein, war von groszer muskulöser Gestalt; sein Gesicht zeigte „starke und wilde Züge: halb nackt, bleich wie der Tod, in tödtlicher «Angst und Furcht, jedes Glied vor angstvoller Qual angespannt, die „Hände convulsivisch zusammengeballt, mit ausbrechendem Schweisz ..und zusammengezogenen Augenbrauen, küszte er beständig die Figur des Heilandes, welche auf der vor ihm aufgehängten Flagge gemalt ..war, aber mit einer solchen Seelenangst der wildesten Verzweiflung, .das/. Nichts, was nur jemals auf der Bühne dargestellt werden könnte, .auch nur den leisesten Begriff davon geben kann".

Ich will nur noch einen andern Fall hinzufügen, der das äuszerste Gesunkensein aller Kräfte im höchsten Grade der Furcht bei Menschen erläutert. Ein bösartiger Mörder zweier Personen wurde in ein Hospital gebracht in Folge eines irrigen Eindrucks, dasz er sich selbst vergiftet habe; als er am andern Morgen mit Handschellen versehen und von der Polizei weggeführt wurde, beobachtete ihn Dr. \V. Oia.r. sorgfältig. Seine Blässe war ganz extrem und das Gesuuken- sein seiner Kralle so grosz, dasz er kaum im Stande war, sich selbst anzukleiden. Seine Haut transpirirte; seine Augenlider und sein Kopf hiengen so bedeutend herab, dasz es unmöglich war. auch nur einen Blick seiner Augen zu erhaschen. Sein Unterkiefer hieng herab. Es war keine Zasammenziehung irgend eines Gesichtsmnskels zu Beben, und Dr. Ogle ist beinahe sicher, dasz das Haar nicht aufgerichtet war: denn er beobachtete ihu sehr nahe, da es zum Zwecke der Täuschung gefärbt war.

In Bezug auf die Art und Weise, wie die Furcht von den ver- schiedenen Menschenrassen dargestellt wird, stimmen meine Cor respondenten darin überein, dasz die Zeichen bei ihnen dieselben sind wie bei den Europäern. Sie werden von den Hindus und den Einge borenen von Ceylon in übertriebenem Grade dargeboten. Mr. hat gesehen, wie Malayen vor Furcht entsetzt bleich wurden

The Compi'                                              . line

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Ausdruck der Furcht.                                   Cap. 12.

stehen auf der Haut. Alle .Muskeln des Körpers werden erschlafft

erste Gesunkensein aller Kräfte folgt bald und di kräfte versagen ihre Thätigkeit. Die Eingeweide werden afficirt Schlieszmuskeln hören auf zu wirken und halten den Inhalt der Körper- hohlen nicht länger mehr zurück.

Dr. ,1.                      iwsb hat mir eine so bezeichnende Schilde-

rung intensiver Furcht bei einer wahnsinnigen fünfui alten Frau mitgetheilt, dasz ich es, so traurig die Beschn für gut halte, sie hier nicht wegzulassen. Wenn sie einen solchen Anfall bekommt, schreit sie auf: „Dies ist die Hülle'.- „Da .schwarze Frau!" „Ich kann nicht heraus!* — und andere derartige Ausrufungen. Wenn sie in dieser Weise schreit, sind ihre Bewegungen die abwecl                     innojg und Zitterns. Einen Augenblick lang

Bchlieszt -                   le fest, hält ihre Arme in einer steifen halb-

beugten -                   sich bin; dann biegt sie plötzlich ibr

i vorn, schwingt sich schnell hin und her, zieht ihre Finger durch

Haare, packt sich am Halse und versucht sich die Kleider abzu- icker-Muskeln (Mose, sterno-cleido-mastoidei, vereint dazu dienen, den Kopf auf die Brust zu beugen) treten auf- fallend vor, als wären sie geschwollen und die Haut über ihnen i rk gefaltet. Ihr Haar, welches am Hinterkopf kurz gesebnitte und welches glatt ist, so lange sie ruhig ist, steht jetzt aufrecht vordere Haar ist durch die Bewegungen ihrer Hände völlig d einander gewirrt. Das Gesicht drückt grosze Seelenangst aus. Di Haut ist am Gesicht und Hals abwärts bis zu den Schlüsselbeinen

Mi et und die Venen der Stirn und des Halses springen vor wie dicke Stränge. Die Unterlippe hängt herab und ist etwas umgestülpt. Der Mund wird halb offen gehalten, der Unterkiefer springt etwas vor. Die Wangen sind hohl und tief in gekrümmten, von den Nasen-

iln oacb den .Mundwinkeln hinauflaufenden Zügen gefurcht. Die Nasenlöcher selbst sind erhoben und erweitert. Die Augen sind weit geöffnet und unter ihnen erscheint die Haut geschwollen; die Pupillen sind erweitert. Die Stirn ist quer mit vielen Falten bedeckt und an den innern Enden der Augenbrauen ist sie stark in divergirenden Richtungen gefurcht in Folge der kraftvollen und andauernden Zu-

Emenziehung der Augenbrauenrunzler. Auch Mr. Bell" hat die Seelenangst in äuszerster Furcht und

ifft.

lf-

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Cap.

Aufrichten der Haare.

Haares, welches bei Geisteskranken so gewöhnlich ist, nicht immer mit äuszerster Furcht verbunden ist. Es zeigt sich vielleicht am häufigsten bei chronischen Tobsüchtigen, welche in unzusammenhängen- eise rasen und zerstörende Triebe haben; das borstige Sträuben des Ilaares ist aber am meisten während ihrer Parozysmen zu beob- achten. Die Thatsache, dasz das Haar unter dem Einflüsse sowohl der Wuth als der Furcht sieh aufrichtet, stimmt vollständig mit dem überein, was wir bei niederen Thieren gesehen haben. Als Beleg hie- für bringt Dr. Browne mehrere Falle bei. So richtet sich bei einem jetzt in der Anstalt befindlichen Manne vor dem Wiedereintritt jedes tobsüchtigen Paroxysmns „das Haar an seiner Stirn in die Höhe wie „die Mahne eines Shetland-Ponys." Er hat mir von zwei Frauen

hotographien geschickt, welche in den Zwischenzeiten ihrer Paroxys-

der Photographie -

men aufgenommen wurden und fügt in Bezug auf die eine dieser beiden Frauen hinzu, „dasz der Zustand ihres Haares ein sicheres „und angemessenes Criterium ihres geistigen Zustandes sei". Eine dieser Photographien habe ich copiren lassen und der Holzschnitt gibt, wenn er aus einer geringen Entfernung betrachtet wird, eine Darstellung des Originals mit der Ausnahme, dasz das Haar im 11 etwas zu grob und zu stark gekräuselt erscheint. Der auszerordent- liche Zustand des Haares bei den Geisteskranken ist nicht blosz Folge des Aufrichtens desselben, sondern auch seiner Trockenheit und Harte, i idernm davon abhängt, dasz die Hautdrüsen nicht thätig sind.

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270                               Furcht. — Aufrichten der Haare.                          Cap. 12.

zitterten; Mr. Bbocgh Smith gibt an, dasz ein eingeborener Australier „als er bei einer Gelegenheit in heftige Furcht gerieth, eine Gesichts- farbe zeigte, welche dem, was wir Blasse nennen, so nahe kam, wie „man es sieh bei einem sehr dunkeln Menschen nur vorstellen kann." Mr. DT80N Lacü hat gesehen, wie sich ai                   cht bei einem

Australier durch ein nervöses Zucken der Hände, Ffisze und Lippen, und durch den auf der Haut stehenden Schweisz darstellte. Viele Wilde unterdrücken die Zeichen nicht so stark wie es Europäer Ihuii: häufig zittern sie bedeutend. Der Kaffer G.vik.v sagt in einer ziemlich komischen Redeweise: das Schütteln „des Körpers wird häufig er- fahren und die Augen sind weit offen.' Bei Wilden werden die Schlieszmuskeln häufig erschlafft, genau so, wie man es bei stark in Furcht gebrachten Sunden sehen kann und wie ich es bei Affen ge- sehen habe, die darüber in entsetzlichen Schrecken geriethen, das/, sie gefangen wurden.

Das Aufrichten der Haare. Einige Zeichen der Furcht verdienen noch etwas weitere Betrachtung. Dichter sprechen beständig vom Sträuben der Haare; Brutus sagt zum Geiste Cäsars: »Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, der starren macht mein Blut, das Haar mir sträubt'-' [Julius Cäsar, Act IV., Scene 3.] Cardinal Beau- fort ruft nach der Ermordung Gloster's aus; „Kämmt nieder doch sein Haar: seht, seht! es starrt!- [Heinrich VI. - Theil, Act IM.. Scene 3.] Da ich nicht sicher war, ob die Dichter nicht etwa auf den Menschen angewendet hätten, was sie häufig bei Thieren achtet hatten, bat ich Dr. Chichton Browne um Auskunft in Bezug auf ähnliche Erscheinungen bei Geisteskranken. In Antwort hierauf führte er an, dasz er wiederholt gesehen habe, wie sich das Haar unter dem Einflüsse plötzlicher und äuszerster Furcht emporgvi habe. Es war z. 15. nothwendig, bei einer geisteskranken Frau Mor- phium unter die Haut einzuspritzen :                    i die Operation ai ordentlich, obschon sie sehr wenig- Schmerz verursachte; sie glaubte nämlich, dasz Gift in ihren Körper eingeführt würde und das Knochen bald erweicht und ihr Fleisch zu Staub verwandelt

I aaszen wurden durch eine An le- ihen Krampfes steif und das Haar richtete Bich am Vorderteile I fes theilweise in die Höbe.

Dr. Bbowne bemeikt ferner, dasz das borstige Sträuben des

'.

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The Comclete Work of Charles Darwin Online

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Dr. BrcKNii.i, säet2", dasz ein Wahnsinniger „wahnsinnig bis in die „Fingerspitze ist"; er hätte noch hinzufügen können: und häufig bil zur Spitze jedes einzelnen Haares.

Dr. Browne erwähnt als eine empirische Bestätigung der Be> ziehung, welche bei Geisteskranken zwischen dem Zustande des Haares und dem der Seele besteht, Folgendes: Die Frau eines Arztes, welche die Pflege einer an acuter Melancholie mit starker Furcht vor Jen Tode für sich selbst, ihren Mann und ihre Kinder leidenden Dame übernommen hatte, berichtete ihm am Tage, ehe er meinen Brief er- halten hatte, wörtlich wie folgt: „Ich glaube, Mrs. — wird sich bald „bessern, denn ihr Baar fängt an, glatt zu werden: and ich „immer bemerkt, dasz unsere Patienten bes                      sobald ihr

„Baar aufhört, kraus und anbehandelbar zu sein."

Dr. Browne schreibt den beständigen rauhen Zustand des Haares bei vielen geisteskranken Patienten zum Theil dem Umstände zu, dasz ihr Geist fortwährend etwas gestört ist und zum Theil den Wirkungen der Gewohnheit, — d. h. dem Umstände, dasz das Haar während der vielen wiederkehrenden Paroxysmen stark aufgerichtet wird. Bei Pa- tienten, bei denen das borstige Sträuben einen extremen Grad erreicht, ist die Krankheit meist 'lauernd und tödtlich; bei andern aber, wo das Sträuben nur mäszig eintritt, erhält das Haar, sobald sie den esunden Zustand ihres Geistes wieder erlangen, auch seine Glätte

In einem frühern Capitel haben wir gesehen, dasz bei Thieren s Haar durch die Zusammenziehung auszerordentlich kleiner, nicht gestreifter und unwillkürlicher Muskeln aufgerichtet wird, welche jeden einzelnen Haarbalg treten. Mr. .1. Wood hat, wie er mir in theilt, deutlich durch das Experiment ermittelt, das/ auszer der Wir- kung jener Muskeln beim Menschen die Ilaare auf dem vordem Theile

feSj welche nach vorn niedergelegt sind, und diejenigen hintern Theile des Kopfes, welche nach hinten herabliegen, durch Zusammcnziehimg des Binterhaupt-Stirnmuskels oder Kopfhautmuskels in entgegengesetzten Richtungen am                     rden. Es scheint

daher dieser Muskel das Aufrichten der Haare am Kopfe des Mensehen in derselben Weise zu unterstützen, wie der Panniculus carnc oder der grosze Hantmuskel, bei der Aufrichtung der Stacheln am

20 citirt von Dr. Maudslcy, Body and Mind, 1870, p. II.

. :                                                                                                                                  .'.,: .'. ,'..' '"'

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bng äei ri.ify.-n

Rücken einiger der niedern Tlüere unterstützend wirkt oder geradezu gröszten Theil der Bewegung ausführt

Zusammenziehung des Platysma-myoides-Muske

Dieser -Muskel breitet sich über die Seiten des Halses aus und eckt sich nach abwärts etwas über die Schlüsselbeine und na aufwärts bis an die untern Theile der Backen. Ein Theil von ihm, der Kisorius oder Lachmuskel genannt, ist in dem Holzschnitt Fig. 2 M. (S. 22 dargestellt. Die Zusammenziehunj bewirkt die Beweguug der .Mundwinkel und der untern 1 Wangen nach unten und hinten. Gleichzeitig ruft sie divergirende, längsverlaufende vorspringende Falten an den Seiten des Halses bei jungen Individuen und bei alten magern Personen feine qnei hervor. Man sagt zuweilen, dieser Muskel stehe nicht unter der Co trole des Willens; aber fast Jedermann setzt ihn in Thätig ihm gesagt wird, er solle die .Mundwinkel mit groszer Kraft nach hinten und unten ziehen. Ich habe indessen von einem Manne gehört, welcher ihn willkürlich nur an einer Seite des Halses zusammenzieht kann.

Sir Cir. Bell81 und andere haben angegeben, das/ dieser Muskel unter dem Einflüsse der Furcht stark zusammengezogen werde; und Duchenne betont seine Bedeutung beim Ausdruck dieser Gemüths- bewegung so stark, dasz er ihn den „Muskel der Furcht" nennt'-2. Er gibt indessen zu, dasz seine Zusammenziehung völlig ausdruckslos ist, wenn sie nicht von weiter Öffnung der Augen und des Mundes begleitet wird. Fr hat eine (im umstehenden Holzschnitt copirte und verkleinerte) Photographie des bei früheren Gelegenheiten schon er- wähnten alten Mannes gegeben, als dessen Augenbrauen erhoben, der Mund geöffnet und das Platysma zusammengezogen war, und zwar alles dies mittelst des Galvanisirens. Die Originalphotographie wurde vierundzwanzig Personen gezeigt und diese wurden einzeln gefragt, ohne dasz irgend eine Erklärung gegeben worden wäre, welche A drucksform wohl beabsichtigt sei. Zwanzig antworteten augenblii lieh: „intensive Furcht" oder „Schauder", drei sagten „Schmerz" ii

ich

:' Anatom; of Expression, p. 108.

" Mecanisme de la Phyaioaomie Humaräe, Album, I.

Darwli                                                    'ii.                                                     18

:. . .

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z

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mmenziehmi .

L'iiannt werden, denn seine Zusaminenziehung ist sicherlich kein no wendiger Begleiter dieses Seelenzusta

Ein Mensch kann nämlich die äuszerste Furcht in der deutlich- sten Weis.' durch todtenähnliche Blässe, durch Tropfi auf der Haut und durch vollkommene Abspannung der Kräfte dl

1 alle .Muskeln mit Einschlusz des i ständig erschlafft. Obgleich Dr. Browne häufig diesen Muskel bei kranken zucken und sich zusammenziehen gesehen hat, so ist b nicht in: -:                     i, die Zusammenziehung desselben

- i-lenzustande in Verbindung zu brin- gen, trotzdem er sorgfältig Patienten beobachtet hat, die von Furcht

tend litten. Andererseits hat Mr. Nicöl drei Fälle beol in denen dieser Muskel unter dem Einflüsse der Melancholie, verbun- den mit grosser Furcht, mehr oder weniger permanent zusammen gezogen zu sein schien; doch waren in einem dieser Fäll

. ire Muskeln am Halse und Kopfe krampfhaften Zusammi Ziehungen unterworfen.

Dr. W                               für mich in einem der

l'atienten, gerade ehe sie behul Einwirkung des Chloroforms ausgesetzt wind Zittern, aber keine äuszerste Furcht. Nur bei vier Fällen untej war eine Zusammenziehung                                 lar, und der

ich zusammenzuziehen, bis die Patienten an zu schreien. Der Muskel schien sich im Momente einer jeden tief eingezogenen Inspiration zusammenzuziehen, so dasz es sehr zweifel- haft ist. ob die Zusammenziehung überhaupt von der Erregung der Furcht abhängig war. In einem fünften Falle war der Patient, wel- cher nicht chloroformirt worden war, in sehr groszer Furcht, und sein Platysma war gewaltsamer und dauernder zusammengezogen als in den andern Fällen. Aber selbst hier kann man noch zweifeln] denn Dr. OöLE hat gesehen, das/, sich dieser Muskel, welcher hier ungewöhnlich entwickelt zu sein schien, zusammenzog, als der Mann seineu Kopf vom Kissen in die Höhe hob, nachdem die Ope forüber war.

a ich mich darüber sehr in Verlegenheit fühlte, warum in irgend einem Falle ein oberflächlic                     am Halse speciell von der

Furcht affleirt werden sollte, wandte ich mich an meine vielen freuud- ichen Correspondenten mit der Bitte um Auskunft über die Zusammen

18*

hie-

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274

Aasdruck der Furcht.

Cap. 12.

eine „äuszerstes Unbehagen". Dr. Duchenne hat noch eine andere Photographie desselben alten Mannes gegeben, mit zusammengezogenem Platysma, geöffnetem Munde und schräg gestellten Augenbrauen, wiederum mit Hülfe des Galvanismus. Der hierdurch bewirkte An- druck ist sehr auffallend (s. Taf. VII. Fig. 2); die schräge Stellung der Augenbrauen fügt noch die Erscheinung groszer geistiger Trübsal oder Angst hinzu. Das original wurde fünfzehn Personen gezeigt;

zwölf antworteten äuszcrste Furcht oder Schauder und dr angst oder groszes Leiden. Nach diesen Fällen und nach einer Unter- suchung der andern von Dr. Duchenne mitgetheilten Photographien, zusammen mit seinen darüber gemachten Bemerkungen, glaube ich, dasz nur wenig Zweifel darüber bestehen kann, da-/, die Zusammen- ziehung des Platysma bedeutend den Ausdruck der Furcht erhöht. Nichtsdestoweniger sollte doch dieser Muskel kaum der der Furcht

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illkürlieh auf diesen Muskel nur an einer Seite des Halses wirken kann, sagt positiv, dasz derselbe sich an beiden Seiten zusammenziehe, sobald er erschreckt werde. Es sind bereits Belege angeführt worden, welche zeigen, dasz sich dieser Muskel zuweilen, vielleicht um den Mund weit öffnen zu helfen, zusammenzieht, weun das Athmen in Folge einer Krankheit schwierig wird und wahrend der tiefen Inspirationen der Schreianfälle vor einer Operation. Sobald nun Jemand über irgend einen plötzlichen Anblick oder Laut zusammenschrickt, so holt er augenblicklich tief Athem; hiernach könnte möglicherweise die Zu- sammenziehuDg des Platysma mit der Empfindung der Furcht associirt wurden sein. Es besteht indessen, wie ich glaube, eine noch wirk- samere Beziehung. Die erste Empfindung der Furcht oder die Ein- bildung irgend etwas Fürchterlichen erregt gewöhnlich ein Schaudern. Ich habe mich selbst dabei überrascht, dasz ich bei einem schmerz- vollen Gedanken unwillkürlich ein wenig schauderte und ich nahm dabei deutlich wahr, dasz sich mein Platysma zusammenzog; dasselbe geschieht, wenn ich ein Schaudern nachmache. Ich habe Andere ge- beten, dies zu thun; bei Einigen zog sich der Muskel zusammen, bei Andern nicht. Einer meiner Söhne schauderte vor Kälte, als er aus dem Bette aufstand und da er zufällig seine Hand am Halse hatte, fühlte er deutlich, dasz sich dieser Muskel zusammenzog. Er schau- derte dann willkürlich zusammen, wie er es bei früheren Gelegenheiten gethan hatte; das Platysma wurde aber dabei nicht afficirt. Mr. J. Wood hat auch mehrere Male beobachtet, wie sich dieser Muskel bei Pa- tienten zusammenzog, welche sich der Untersuchung wegen auszuklei- den hatten, und zwar nicht, weil sie sich gefürchtet hätten, sondern weil sie leicht vor Kälte schauderten. Unglücklicherweise bin ich nicht im Stande gewesen zu ermitteln, ob, wenn der ganze Körper wie im Froststadium eines Anfalles von kaltem Fieber geschüttelt wird, das Platysma sich zusammenzieht. Da dasselbe sich aber sicher häutig während eines Schauderns zusammenzieht, und da ein Schaudern häufig die erste Empfindung der Furcht begleitet, so haben wir, meine ich, hierin einen Schlüssel zum Verstehen seiner Thätigkeit im letztern Falle23.

23 Duchenne hat in der That diese Ansieht (a. a 0. p. 45), da er die Zu- sammenziehung des Platysma dem Schaudern vor Furcht (frisson de la ueur) zu- schreibt; an einem andern Orte vergleicht er aber die TbStigkeit mit .1. >. das Haar erschreckter Sängethiere rieb aufzurichten verursacht: und dies kann kaum als völlig correct betrachtet werdeil.

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ziehung dieses Muskels unter andern Umständen. Es wurde üb flüssig sein, alle die Antworten hier mitzutheilen, die ich erhall habe. Sie zeigen, das/, dieser Muskel unter vielen verschiedenen dingungen, häufig in einer verschiedenen Art und in einem denen Grade in Thätigkeit tritt. Er wird in der Wasserscheu heftig zusammengezogen und in einem etwas geringeren Grade bei Kinn- backenkrampf; zuweilen auch in einer ausgesprochenen Weise während der rjnempfindlichkeit nach Chloroform. Dr. W. Ogle beobachtete zwei Patienten, welche an einer solchen Schwierigkeit beim Athmen litten, dasz die Luftröhre geöffnet werden muszte; in beiden Fällen war das Platysma stark contrahirt. Einer dieser Männer hörte das Gespräch der ihn umgebenden Ärzte mit an, und als er fähig war. len, erklärt.' er, das/ er sich nicht gefürchtet habe. In einige andern Fällen äuszerster Schwierigkeit des Athemholens, trotzdem s keine Tracheotomie nOthig machten, bemerkten Dr. Ogle und Dr. Lax siaii keine Zusammenziehung des Platysma.

Mr. ,1. Wood, welcher, wie aus seineu verschiedenen VeröfFen lichungen hervorgeht, die Muskeln des menschlichen Körpers mit groszer Sorgfalt untersucht hat. hat das Platysma häutig beim Er- brechen, bei Übelkeit und Abscheu oder Widerwillen sich zusammen ziehen sehen; auch bei Kindern und Erwachsenen unter dem Einflussi der Wuth, — /. B. bei liländerinnen, welche mit zornigen Gesti culationen zankten und schrieen. Dies wird möglicherweise eine Folge ihrer Indien und zornigen Stimmen gewesen sein; denn ich kenne eine Dame, welche ausgezeichnet musikalisch ist, und beim Singen gewisser hoher Noten immer ihr Platysma zusammenzieht. Dasselbe thut. wii ich gesehen habe, ein junger Mann beim Angeben gewisser Töne auf der Elöte. Mr. -I. Wood theilt mir mit, dasz er das Platysma am besten bei Personen mit dickem Hals und breiten Schultern entwickelt gefunden habe, und dasz bei Familien, in denen sich diese Eigenthü lichkeiten vererben, seine Entwickelnng gewöhnlich in Verbindung m einer bedeutenden Fähigkeit, willkürlich auf den homologen Hinterhaupt Stirnmuskel einzuwirken, durch welchen die Kopfhaut bewegt werden kann, auftritt.

Keiner der vorstehend angeführten Fälle scheint irgend welches Licht auf die Zusammenziehung des Platysma unter der Erregung der Furcht zu werfen: anders verhält es sich indessen, wie ich meine, mit den folgenden Fällen. Der vorhin erwähnte Herr, welcher

ir, en

so

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pfil

Entsetzen. — Der durch diesen Ausdruck bezeichnete Seelen- zustand schlieszt äuszerste Furcht ein und ist in manchen Füllen bei- nahe synonym mit ihr. So mancher Mensch schon musz vor der glücklichen Entdeckung des Chloroforms beim Gedanken an eine bevor- stehende chirurgische Operation Entsetzen empfunden haben. Wer einen Menschen fürchtet, ebenso wenn er ihn haszt, wird, wie Mn/rON das Woii braucht, ein Entsetzen vor ihm fühlen. Wir empfinden Ent- setzen, wenn wir irgend Jemand, beispielsweise ein Kind, einer augen- blicklichen zermalmenden Gefahr ausgesetzt sehen. Beinahe ein Jeder würde dies selbe Gefühl im höchsten Grade an sich erfahren, wenn ige davon sein sollte, dasz ein Mensch gemartert würde oder gemartert worden sollte. In diesen Füllen ist keine Gefahr für uns selbst vorhanden: aber durch die Kraft der Einbildung und der Sym- pathie versetzen wir uns selbst in die Lage des Leidenden und em- finden etwas der Furch! Verwandtes.

Sir Cii. Bell bemerkt26, das/ „das Entsetzen voll von Energie t: der Körper ist im Zustande äuszerster Anspannung, nicht durch urcht entnervt". Es ist daher wahrscheinlich, das/, das Eni in von einer starken Zusammenziehung der Augenbrauen gleitet sein wird. Da aber Furcht eine der darin enthaltenen eleme taren Empfindungen ist, so werden die Augen und der Mund geöfFne und die Augenbrauenrunzler diese Bewegung gestatten. Duchenn hal eine Photographie27 (Figur 21) des bereits wiederholt erwähnt alten Minnes gegeben, wo die Augen etwas starrend, die Augenbraue zum Theil erhoben und gleichzeitig stark zusammengezogen, der .Mm geöffnet und das Platysma in Thätigkeit gesetzt war, und zwar auc hier wieder Alles durch Anwendung des Galvanismus. Er ist Ansieht, das/ die hierdurch hervorgebrachte Ausdrucksform äuszers Furcht mit entsetzlichem Schmerz oder Qualen anzeigt. Ein gemar terter Mensch wird, so lange ihm seine Leiden gestatten, vor den Kommenden irgend welche Furcht zu empfinden, wahrscheinlich Ent setzen im allerhöchsten Grade darbieten. Ich habe die Origina Photographie dreiundzwanzig Personen beiderlei Geschlechts und ve schiedenen Alters gezeigt; dreizehn antworteten sofort: Entsetze

" Anatom; of Exp

-; Mäeanisme de ia Physionomie Hntoaine, Album, pl. 65,

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Seine Zusammenziehung ist indessen kein unabänderlicher Begleiter der Furcht; denn der Muskel tritt wahrscheinlich niemals unter den Einflüsse äuszersten, ertödtenden Schreckens in Thätigkeit.

Erweiterung der Pupillen. — Gkatioi.et hebt wiederholt hervor21, dasz die Pupillen enorm erweitert werden, sobald äuszerste Furcht empfunden wird. Ich habe keinen Grund, die Genauigkeit dieser Angabe zu bezweifeln, habe aber vergebens nach bestätigenden Be- legen gesucht, den einen vorhin mitgetheilten Fall einer geisteskrank.!! Frau ausgenommen, welche an groszer Furcht litt. Wenn Dichter davon sprechen, das/, die Augen stark erweitert worden seien, so ve muthe ich, dasz sie die Augenlider meinen. Münro's Angabe25, da bei Papageien die Regenbogenhaut durch die Leidenschaften affici wird, unabhängig von der Lichtstärke, scheint sich auf diese Fra zu beziehen. Professor Donders theilt mir indessen mit. das/ er diesen Vögeln häufig Bewegungen der Pupille gesehen habe, welche sich aber, wie er meint, auf das Vermögen dieser Vögel, das

a Entfernungen zu accomodiren, beziehen, in nahezu de Beiben Weise, wie sich unsere eignen Pupillen zusammenziehen, we:

Lugen zum Nahe-Sehen convergiren.                       merkt, das;

die erweiterten Pupillen so erscheinen, als starrten sie in tiefe Finster- nis. Ohne Zweifel ist die Furcht bei den Menschen häufig im Dunkeln erregt worden, aber kaum so oft oder so ausschlieszlich, dasz es die Entstehung einer fixirten und associirten Gewohnheit erklären könnte. Angenommen, dasz Qbatiolet's Angabe correct ist, scheint es wahr- scheinlicher zu sein, dasz das Gehirn direct durch die gewaltig regung der Furcht afticirt wird und auf die Pupillen zurückwirkt; doch theilt mir Prof. Donders mit, das/, dies ein aus/erst complicirter Gegenstand ist. Ich will noch hinzufügen, da es möglicherweise Licht auf den Gegenstand wirft, dasz Dr. Fyffe vom Netley-Hospital zwei Patienten beobachtet hat, dasz die Pupillen während des Stadiums eines Fieberanfalls deutlich erweitert waren. Prof. Donders hat auch häutig Erweiterung der Pupillen bei beginnenden Ohnmächten gesehen.

ter

t

I'hysionomie. p. 51, 256, 846. 25 citirt in White's Gradation in Man. p. 57.

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oder fährt zusammen, oder die Arme werden heftig vorgestreckt, als wollten sie irgend einen fürchterlichen Gegenstand fortstoszen. So viel aus der Handlungsart von Personen geschlossen werden kann, welche versuchen, eine lebhaft eingebildete Scene des Entsetzens aus- zudrücken , ist die häufigste Geberde das Erheben beider Schultern, wobei die gebogenen Arme dicht gegen die Seiten der Brust gedrückt werden. Diese Bewegungen sind nahezu die gleichen mit denen, welche mlich ausgeführt werden, wenn wir stark frieren; allgemein wer- den sie von einem Schandern, ebenso auch von einer tiefen Exspiration oder Inspiration begleitet, je oachdem die Brust zu der Zeit zufällig erweitert oder zusammengezogen ist. Die hierdurch hervorgebrachten Laute werden in Worten wie uh oder ugh ausgedrückt28. Es ist

klar, warum wir, wenn wir frieren oder ein G' fühl des Entsetzens ausdrücken, unsere gebogenen Anne gegen [örper drücken, unsere Schultern erheben und schaudern.

Schlusz.                        an versucht, die Verschiedenart

drucksweisen der Furcht, in ihren Abstufungen von bloszer Aufmer samkeit zu einem überraschten Zusammenfahren Ins zu auszer Furcht und Entsetzen, zu beschreiben. Einige der Zeichen können durch die Principien der Gewohnheit, Association und Vererbui klärt werden. — so das weite Öffnen de.- Mundes und der Augen aufgehobenen Augenbrauen. SO dasz wir so schnell als möglich rui um uns her sehen können und deutlich hören, was für Laute über- haupt nur unsere Ohren erreichen mögen. Denn wir haben uns in dieser Weise gewohnheitsgemäsz vorbereitet, irgend eine Gefahr zu entdecken und ihr zu begegnen. Einige der andern Zeichen der Furcht können gleichfalls, wenigstens zum Theil durch diese drei Principi erklärt weiden. Hie Menschen haben zahllose Generationen hindur versucht, ihren Feinden oder Gefahren durch ungestüme Flucht durch heftiges Kämpfen mit ihnen zu entgehen; und derartige strengungen werden es verursacht haben, dasz das Herz geschwii schlägt, das Athmen beschleunigt ist, die Brust sich schwer hebt und die Nasenlöcher erweitert werden. Da diese Anstrengungen sich

rcht cipe

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29 s. Bemerkungen hierüber beiMr. Wedgwood in der Einleitung zu seine

Dictionary of English Etymology. 2. ed., 1870, p. XXXYll.

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280                                 Ausdrucl des Entsetzens.                           Cap.

groszer Schmerz, Marter oder Seelenangst; drei antworteten: änszer stes Erschrecken; so dasz also sechzehn nahezu in Obereinstimmung mit Dochknne's Ansicht antworteten. Sechs sagten indessen: Zorn, ohne Zweifel durch die stark zu.-ammengezogenen Augenbrauen ver- leitet und den eigenüiümlicli geöffneten Mund übersehend. ESne Person sagte: Abscheu. Im Ganzen weisen diese Thatsachen darauf hin, dasz wir hier eine ziemlich gute Darstellung des Entsetzens und der Todes-

I > ; eh onne.

'

angst vor uns haben. Die vorhin angezogene Photographie (Tat. VII. Fig. 2) zeigt gleichfalls Entsetzen; bei dieser weist aber die schiefe Stellung der Augenbrauen grosze geistige Angst nach statt der Energie.

Das Entsetzen wird allgemein von verschiedenen Geberden be- schiedenen Individuen verschieden sind. Nach emählen zu artheilen, wird häufig der ganze Körper weggewandt

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Dreizehntes Capitel.

tetanfmerbsamkeit. - Scham. Schüchternheit, scheidenheit: Erröthen.

Au.

I rröthens, — Vererbung. — Die um meisten afficirten Theile des Kör-

le Geberden, des Erröthens. - - Selbstanfmerksam- keit, das Fundamental-EIement,                                            m nach Verletzung

viui Muraliresetzeii uinl roi                          jeln.        Bescli.-idonheit. — Theorie

.' iederholune.

then ist die eigenthümlichste und menschlichste all usdrucksformen. Affen werden vor Leidenschaft roth; es würde aber eine überwältigende Menge von Beweisen bedürfen, um uns glauben zu machen, dasz irgend ein Thier erröthen könne. Das Rothwerdi des.Gesichts in Folge aufsteigender Schamröthe (des hier im enge Sinne sogenannten Erröthens) ist Folge der Erschlaffung der muskulös' Wandungen der kleinen Arterien, durch welche die Haarg Blul erfüllt »erden, und dies hängt wieder davon ab, dasz die be- treffenden vasomotorischen Centraltheile afficirt werden. Ohne Zweifel wird, wenn zu gleicher Zeit eine grosze geistige Aufregung herrscht, die allgemeine Circulation mit afficirt sein; es ist aber keine Folge der Thätigkeit des Herzens, das/. il\* Netzwerk der kleinsten, das Ge- sicht bedeckenden Gefäsze unter einem Gefühle von Scham mit Blut überfüllt wird. Wir können Lachen durch Kitzeln der Haut, Wein oder Stirnrunzeln durch einen Sehlag, Zittern durch Furcht od' Schmerz verursachen u. s. w.j wir können aber, wie Dr. Bubges! bemerkt1, ein Erröthen durch keine physikalischen Mittel, — d. h

1 The Physiology or Mechanism of Blushing, 1889, p. 156. Ich werde hü Veranlassung haben, dieses Buch im vorliegenden Cajiitel zu citiren.

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282                                       Ausdruck des Entsetzens.                                Cap.

häutig bis zur äuszersten Höhe andauernd wiederholt haben, äuszerste Kraftlosigkeit, Blasse, Schweisz, Zittern aller Muskeln oder ihre völlige Erschlaffung das endliche Resultat gewesen sein. Und nun sind, sobald die Erregung der Furcht stark empfunden wird, trotzdem sie zu keiner Anstrenguug zu führen braucht, die durch die Gewalt der Vererbung und Association angeregten Resultate geneigt, wieder zu erscheinen.

Nichtsdestoweniger sind doch wahrscheinlicherweise viele oder die meisten der eben geschilderten Symptome äuszerster Furcht, so das Klopfen des Herzens, das Zittern der Muskeln, der kalte Seh weis/. D.s. W., zum groszen Theile directe Folgen der gestörten oder unterbrochenen Übermittelung von Nervenkraft von dem Gehirn-Rückenmarks \stein an verschiedene Theile des Körpers, weil der Geist dabei so mächtig afficirt ist. Wir können dies zuversichtlich, unabhängig von Gewohu- heit und Association, in solchen Fällen für die Ursache ansehen, wo /.. I!. die Absonderungen d                                Seirt werden und die

Thätigkeit gewisser Drüsen versagt. In Bezug auf das unwillkürliche Sträuben des Haares haben wir guten Grund zur Annahme, das/, die Thiere betrifft, dieser Act, wie [ auch ursprünglich sein mag, in Verbindung mit gewissen willkürliehen Bewegungen dazu dient, dieselben ihren Feinden schrecklich erscheinen zu lassen; und da dieselben unwillkürlichen und willkürlichen Bewegungen von solchen Thieren ausgeführt werden, welche mit dem Menschen nahe verwandt sind, so werden wir zu der Annahme geführt, das/ der Mensch durch Vererbung ein jetzt nutzlos gewordenes Überbleibsel derselben beibe- halten hat* Es ist gewisz eine merkwürdige Thatsache, dasz die sl kleinen, nicht quergestreiften Muskeln, durch welche die dünn über den beinahe nackten Körper des Menschen zerstreut stehenden Haare aufgerichtet werden, bis auf den heutigen Tag erhalten worden sind und dasz dieselben sich noch immer unter denselben Gemüths- erregungen, nämlich äuszerster Furcht und Wuth zusammenziehen, welche das Aufrichten der Haare bei den niedern Gliedern der Ord- nung, zu welcher der Mensch gehört, verursachen.

Comolete Wort

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. 1".                                      Erröthen.

gibt an, dasz drei blindgeborene Kinder unter sieben oder acht sich zu der Zeit in der Anstalt befindenden leicht und stark erröthen. Anfangs sind sich die Blinden nicht bewuszt, dasz sie beobachtet werden, und es ist, wie mir Mr. ISi.uk mittheilt, eines der wichtig- sten Stücke in ihrer Erziehung, dies Bewustsein ihrem Geiste einzu- prägen; der hierdurch erlangte Eindruck dürfte die Xeigung zu er- röthen durch die Verstärkung der Gewohnheit, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten, bedeutend befestigen.

Die Neigung, zu erröthen, wird vererbt. Dr. Blrgess theilt den Fall einer Familie mit5, bestehend aus dem Vater, der Mutter und zehn Kindern, welche sämmtlich ohne Ausnahme bis zu einem äuszerst peinlichen Grade zu erröthen geneigt waren. Die Kinder wuchsen heran, «und einige von ihnen wurden auf Reisen geschickt, um diese .krankhafte Empfindlichkeit zu überwinden; es half aber alles nicht Geringste". Selbst Eigenthümlichkeiten beim Erröthen scheinen vererbt zu werden. Als Sir James Paget das Bückgrat eines jungen Mädchens untersuchte, fiel ihm die eigentümliche Art des Krröthens bei ihr auf; es erschien zuerst ein groszer rother Fleck auf der einen Wange, dann kamen andere Flecken verschiedentlich über das Gesicht und den Hals zerstreut. Er frag dann spater die Mutter, ob ihre Tochter immer in dieser eigenthümlichen Weise erröthet wäre, erhielt zur Antwort: „Ja, sie ist nach mir gerathen." Und nun be- merkte Sir J. Paget, dasz er durch das Stellen dieser Frage die Matter zu erröthen veranlasst habe; sie zeigte dabei dieselben Eigenthümlich- keiten wie ihre Tochter.

In den meisten Fällen sind das Gesicht, die Ohren und der Hals die einzigen Theile, welche roth werden; viele Personen fühlen aber, während sie intensiv erröthen, dasz ihr ganzer Körper zu glühen und zu prickeln anfängt; und dies beweist, dasz die ganze Körperober fläche in irgend einer Art aihcirt sein musz. Man sagt zuweile dasz das Erröthen an der Stirn beginne, häufiger thut es dies an den Wangen und verbreitet sich später bis auf die Ohren und den Hals6. Hei zwei von Dr. BüRGESS untersuchten Albinos begann das Erröthen mit einem kleinen umschriebenen Flecke auf den Wangen über dem Xervengeflecht der Ohrspeicheldrüse und vergröszerte sich dann kreis-

5  a. a. 0. i

6  Moreau.                    I »Tatex von 1820, Vol. IV, p. 303.

' :                                                                                            :':. . .'

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durch keine Einwirkung auf den Körper verursachen. Es ist der Geist, welcher afficirt sein inusz. Das Erröthen ist nicht blosz un- willkürlich; vielmehr erhöht schon der Wunsch es zu unterdrücken, dadurch, dasz er zur Aufmerksamkeit auf sich selbst führt, factisch die Neigung dazu.

Jüngere Individuen erröthen viel leichter und häufiger als alt aber nicht während der ersten Kindheit2; dies ist deshalb merkwür- dig, weil wir wissen, das/, kleine Kinder in einem sehr frühen Alt vor Leidenschaft roth werden. Ich habe den authentischen Berieb über zwei kleine Mädchen im Alter von zwischen zwei und drei Jahre erhalten, welche errötbeten, ferner von einem andern empfindliche ein Jahr älteren Kinde, welches erröthete, wenn es wegen eines Feh lers getadelt wurde. Viele Kinder erröthen in einem etwas vorge schritteneren Alter in einer scharf ausgesprochenen Weise. Es scheint als waren die geistigen Kräfte kleiner Kinder noch nicht hinreichend entwickelt, um ein Erröthen bei ihnen zu gestatteD. Daher kommt es auch, dasz Idioten selten erröthen. Dr. I                      . \k beob-

r mich die unter Beiner Pflege Befindlichen, sah aber niemal; ein rechtes Erröthen, obschon er gesehen hat, das/, ihr Ges Anscheine nach aus Freude, wenn ihnen Nahrung vorgesetzt wurde. und aus Zorn roth wurde. Nichtsdestoweniger sind manche, wenn sie nicht im aus/ersten Grade erniedrigt sind, im Stande zu erröthen. hat z. 15. Dr. Behn3 einen microcephalen Idioten von dreizehn Jahn beschrieben, dessen Augen ein wenig strahlten, wenn er sich oder wenn er erheitert wurde, und welcher erröthete und sich nach, der Seite umwandte, als er der ärztlichen Untersuchung wegen ent kleidet wurde.

Frauen erröthen viel mehr als Männer. Es ist selten, einen alt Mann, aber nicht nahezu so selten, eine alte Frau erröthen zu Die Blinden entgehen dem Erröthen nicht. Lai i;.\ Beidgman, welcl in diesem Zustande und ausserdem noch vollständig taub gebo

erröthet'. Mr. li. 11. Blair, Vorsteher des YVorcester-College

2   Dr. Burgess, a. a. 0. p. 56. Auf p. 33 macht er gleichfalls die ', tauig, dasz Frauen viel reichlicher errfithoo als Männer, wie unten angi

3   cilirt von C. Vogt. Memoire BDI les Microcefihalea, 1867, p. 20. Dr. B<

ii (a. a. 0. p. 56), ob Blödsinnige jemals erröthen. ♦ Lieber, On the Vocal Sounds etc. in: Smithsonian Contributions, Vol. 1851, p. 6.

lete Wort of Charles Darwin Onln

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Cap. 13.                                             Erröthen.                                                   287

Fällen sogar bia auf den Busen. Er theilt mir den Fall von einer verheiratheten siebenundzwanzig Jahre alten Frau mit, die an Epilepsie litt. Am Morgen nach ihrer Ankunft in der Anstalt besuchte sie Dr. Browne zusammen mit Beinen Assistenten, während sie im Bette lag. Im Augenblicke, als er sich ihr näherte, erröthete sie tief über ihre Wangen und Schläfe und das Erröthen breitete sich schnell bis zu den Obren aus. Sie war sehr erregt und zitterte leicht. Dr. Brown« band nun den Kragen ihres Hemdes auf, um den Zustand ihrer Lungen zu untersuchen und dabei ergosz sich ein glänzendes Erröthen auf ihren linsen, sich in einer bogenförmigen Linie über das obere Drittel jeder Brust und abwärts zwischen die Brüste Ins nahe an den schwert- förmigen Fortsatz des Brustbeins erst reckend. Es ist dieser Fall des- halb von Interesse, weil sich hiernach das Erröthen nicht eher so weit hinab erstreckte, als bis es dadurch intensiv wurde, dasz ihre Aufmerksamkeit auf diesen Tii.il ihres Körpers gelenkt wurde. Im en Verlaufe der Untersuchung wurde sie ruhig and das Erröthen verschwand; aber bei mehreren spätem Gelegenheiten traten dieselben ; auf.

Die vorstehend erwähnten Fälle zeigen, dasz sich der allgemeinen Regel nach bei englischen Frauen das Erröthen nicht tiefer hinab als bis zum Halse und dem obern Theil der Brust erstreckt. Nichtsdesto- weniger theilt mir Sir James Pagei mit, dasz er kürzlich von einem Fall gehört habe, und. er könne sich sieber auf die Angabe verlassen, in welchem ein kleines Mädchen, über etwas beleidigt, was ihrer Idee nach ein Act der Qnzartheit war, über ihr ganzes Abdomen und die obern Theile ihrer Heine erröthete. Auch Moreac berichtet8 nach der Autorität eines berühmten Malers, das/, die Brust, Schultern. Arme und der ganze Körper eines Mädchens, welches sich nach Wider- streben dazu verstanden hatte, als .Modell zu dienen, rotb wurden, als sie zum ersten Male von ihren Kleidern entblöszt wurde.

Es ist ziemlich merkwürdig, warum in den meisten Fallen (las Gesiebt, die Ohren und der Hals allein rotb werden, während doch häutig die ganze Oberfläche des Körpers prickelt und heisz wird. Dies scheint hauptsächlich davon abzuhängen, dasz das Gesicht und die benachbarten Theile der Haut gewöhnlich der Luft, dem Lichte und den Temperaturveränderungen ausgesetzt gewesen sind, durch

- s. I.avater. Ausgabe von 1820, Vol. IV.

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286                                                   Bn&then.                                            Cap. 13.

förmig; zwischen diesem errötheten Kreise und dem Erröthen am Halse bestand eine deutliche Demarcationslinie, obschon beides gleich- zeitig eintrat. Die Netzhaut, welche bei den Albinos naturg roth ist, nahm unabänderlich zu derselben Zeit an Röthe in1. mann musz bemerkt haben, wie leicht nach einmaligem Erröthen frische Nachschübe von Erröthen, wenn der Ausdruck gestatte einander über das Gesicht jagen. Dem Erröthen geht ein eigenthüm- liches Gefühl in der Haut voraus. Nach Dr. BüBGBsa folgt dem Er- röthen allgemein eine geringe Blässe, welche zeig!, dasz sich die Haargefäsze nach der Erweiterung zusammenziehen. In einigen seltenen Fällen wurde unter Umständen, welche ihrer Natur nach ein Erröthen hatten herbeiführen sollen, Blässe verursacht an-                         So er-

zählte mir eine junge Dame, dasz sie in einer groszen und sehr noblen Gesellschaft mit ihrem Haar so fest am Kopfe eines vorübergehenden Dieners hängen geblieben war, dasz es eil                         dauerte, ehe

sie wieder losgemacht werden konnte. Ihren Empfindungen nach bildete sie sich ein, dasz sie tief purpurn erröthet sei, und doch ver- sicherte sie eine Freundin, das/, sie äuszerst blasz geworden wäre.

Ich war begierig zu erfahren, wie weit sich das Erröthen ab- wärts am Körper erstreckt. Sir James P                           nothwendiger- Gelegenheit zur Beobachtung in dieser Einsicht hat, war so freundlich, wahrend zweier oder

diesen Punkt zu beachten. Er findet, das                         Erröthen bei

Frauen, welche am Gesicht, an den Ohren und im Nacken intensiv roth werden, gewöhnlich nicht weiter am Körper herunter erstreckt. Man sieh] es selten so tief herabreichen, wie bis zu den Sei beinen und Schulterblättern; er selbst hat                         a einzigen Fall

gesehen, wo es sich bis über den obern Theil der Brust nach unten erstreckte. Er hat auch bemerkt, dasz das Erröthen zuweilen nach unten nicht allmählich und unmerkbar, sondern mit unregelmäszigen blaszrothen Flecken aufhört. Dr. Langstapf bat gleichfalls in meinem Interesse mehrere Frauen beobachtet, deren Körper nicht im Gering- sten roth wurde, während ihr Gesicht vom Erröthen tief purpurn wurde. Bei Geisteskranken, von denen einige auszerordentlich zu er- röthen geneigt scheinen, hat Dr. Crichton BROWNE mehrere Male das Erröthen bis auf die Schlüsselbeine                          >n sehen und in zwei

' Iiurgess, a. a. 0. p. 38, über die Blasse nach dem Erröthen, p. 1T7.

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The Comülete Woi

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288                                                   Frrothen.                                            Cap. 13.

Einflüsse die kleinen Arterien nicht blosz die Gewohnheit erlangt haben, sich leicht zu erweitern und zusammenzuziehen, sondern auch im Vergleich mit andern Stellen der Oberfläche ungewöhnlich ent- wickelt worden zu sein scheinen9. Wie Mr. Moreaü und Dr. I! bemerkt haben, ist dies wahrscheinlich Folge derselben Ursache, aus welcher das Gesicht auch unter verschiedenen Umständen so leicht roth wird (wie in einem Fieberanfalle, bei gewöhnlicher Wärme, hef- tiger Anstrengung, bei Zorn, einem leichten Schlage u. 8. w.), auf der andern Seite aber vor Kalte und Furcht leicht blasz, und wäh- rend der Schwangerschaft mißfarben wird. Das Gesicht ist auch ganz eigentümlich bei Hantkrankheiten, wie bei Pocken, Kose u. B. w. dem Ergriffenwerden ausgesetzt. Diese Ansicht wird auch von der Thatsache unterstützt, dasz Menschen g                         o, welche ge-

wöhnlich nahezu nackt gehen, häufig über ihre Arme, über die Brust und selbst bis hinab auf ihre Taille erröthen. Eine Dame. leicht und stark erröthet, theilte Dr. Bkowni mit, dasz, wenn sie sich beschämt oder aufgeregt fühlt, sie über das Gesicht, den Bals, die Bandgelenke und Hände erröthet, — d. h. also über alle

n Theile der Haut. Nichtsde:                           t sich doch zweifeln,

ob das gewoh:                                  jesetztsein der Haut, des Gesichts

und des Halses und das davon abhängige Vermögen, auf Heize aller Arten zn reagiren, an sich hinreichend isl                             bei Englän-

derinnen in diesen Theilen viel bedeutender zu erröthen als an anderen zu erklären. Denn die Bände sind mit Nerven und kleinen Gefäszen hinreichend versorgt und sind der Luft eben so viel aus wesen als das Gesicht oder der Bals, und doch erröthen die Bände selten. Wir werden sofort sehen, wie der Umstand, das/, die merksamkeit des Geistes viel häufiger und eingehender auf das Ge- sicht als auf irgend einen andern Theil des Körpers gerichtet gel ist. wahrscheinlich eine genügende Erklärung darbietet.

Das Erröthen bei den verschiedenen Menschenrassen. — Die kleinen Gefäsze des Gesichts werden in Folge der Erregung der Schani bei fast allen Menschenrassen mit Blut erfüllt, obschon bei den sehr dunklen Kassen keine deutliche Farbenveränderung wahr-

9 Burgess, a. a. 0. p. 114, 122. Morean im Lavater a. a. 0., Vol. IV,

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enominen werden kann. Das Errötheo ist bei allen arischen Nationen von Baropa deutlich und in ge                           auch bei denen Ost-Indiens.

Aber Mr. Erskuje hat niemals bemerkt, dasz den Hals der Hindus entschieden davon ergriffen würde. Bei di                        les Sikkim hat

Mr. Scott häufig ein leichtes Erröthen auf den Wangen beobachtet, ferner an der Basis der Ohren und an den                                      n Ver-

bindung mit niedergeschlagenen Angen und einem herabgesenkten Kopfe. Dies ist eingetreten, wenn er irgend eine I                        i ihnen ent-

deckt oder sie der Undankbarkeit beschuldigt hatte. Die

bümlich bleiche Gesichtsfarbe dieser Leute macht ein Errötheu bei ihnen deutlicher als bei den meisten der andern Kingebomen von Indien. Bei den letzteren wird Scham, oder es konnte zum Theil Furcht sein, der Angabe Mr. Scoti's zufolge viel deutlicher dadurch ausgedrückt, das/, der Kopf abgewandt oder niedergebeugt wird, wobei die Augen hin und her schwanken oder nur von der Seite cken, als durch irgend eine Farbenveränderung in der Haut. Die semitischen Rassen erröthen leicht und stark, wie aus ihrer allgemeinen Ähnlichkeit mit den Ariern hätte erwarten lassen. So heiszt es von den .luden beim                             , 6, V. 15):

„Wie wohl sie wollen ungeschändet sein und wollen                      schämen

Bah einen Araber, der sein Boot auf dem Nile sehr schwerfällig behandelte; und als er von seinen Be- gleitern ausgelacht wurde, „erröthete er vollständig bis in den Nacken*. Ladj 1;                                                   ein junger Araber erröthete, als er

ihre Nähe kam10.

Mr. Swdjhoe hat die Chinesen erröthen sehen, glaubt aber, 5 selten ist. Doch habe                                                      i im rotb we

den". Mr. Geaca theilt mir mit, dasz die in Mal

d und die eingebornen Malayen des Innern beide en ige von diesen Leuten gehen nahezu nackt: Mr. Geach war daher rzüglich auf die Ausdehnung Mit Hinweg'a-                       Ue, in denen nur da

gesehen wurdi.                          Mr. Geach, dasz das Gesicht, die

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-Air. Washington Matthews hat häufig ein Erröthen auf den Ge- sichtern der jungen Mädchen gesehen, die zu verschiedenen wilden Indianerstämmen von Nord-America gehörten. Am entgegengesetzten Ende des Continents im Feuerlande erröthen die Eingebornen der Angabe Mr. Brjdgbs1 zufolge «sehr, aber vorzüglich mit Rücksicht „auf Frauen; sie erröthen aber sicher auch über ihre eigene persön- liche Erscheinung". Diese letztere Angabe stimmt mit dem überein, ch mich von dem Feuerländer Jkmmy Button erinnere, welcher rröthete, als er über die Sorgfalt geneckt wurde, mit welcher er eine Schuhe blank machte und sich auf andere Weise noch schmückte. Bezug auf die Aymara-Indianer auf dem hochgelegenen Plateau on Bolivien sagt Mr. Fokbes13, dasz es wegen der Farbe ihrer Haut unmöglich ist, ihr Erröthen so deutlich zu sehen, wie bei den weiszeu „Es läszt sich aber" unter solchen Umständen, welche bei uns ein Erröthen hervorrufen würden, „immer derselbe Ausdruck der Bescheidenheit oder Verwirrung erkennen, und selbst im Dunkeln kann man eine Erhöhung der Temperatur der, Haut des Gesichtes fühlen, genau so, wie es bei Europäern vorkommt." Bei den In- dianern, welche die warmen gleichförmig feuchten Theile von Süd- America bewohnen, antwortet dem Anscheine nach die Haut der geisti- gen Erregung nicht so leicht wie bei den Eingebornen der nördlichen südlichen Theile des Continents, welche lange groszem Klima- echsel ausgesetzt gewesen sind; denn Humboldt citirt, ohne einen otest dagegen zu erheben, die spöttische Bemerkung des Spaniers: ..Wie kann man denen trauen, welche nicht erröthen können?'14 Wo Siin und Mabtids von den Ureinwohnern von Brasilien sprechen, führen sie an, dasz man nicht eigentlich sagen könne, sie erröthen; „erst nach langem Verkehr mit den Weiszen und nachdem sie eine gewisse Erziehung erhalten hatten, konnten wir bei den Indianern eine Ver- änderung der Farbe wahrnehmen, welche für die Erregungen ihrer Seele ausdrucksvoll war"iS. Es ist indesz unglaublich, dasz das Ver- erröthen in dieser Weise entstanden sein könne: die Ge- ohnheit der Selbstaufmerksamkeit aber, welche eine Folge ihrer Er- ziehung und ihrer neuen Lebensweise war, dürfte jene eingeborne Nei- gung zum Erröthen bedeutend verstärkt haben.

" Transact. of tlie Ethnolog. Society. Vol. II, 1870, p. 16. ' Humboldt, Personal Narrative. VoL III. p. 229. 15 citirt von I'richard. Miysic. History of Mankind, 4. edit., Vol.1,1851,p.!

10*

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roth wurden, und bei einem andern Chinesen wurde der ganze Kör in ähnlicher Weise afficirt, als er gefragt wurde, warum er sei Arbeit nicht besser.gethan hätte. Bei zwei Malayen11 sah Mr. Oka Gesicht, der Hals, die Brust und die Arme errötheten, u bei einem dritten Malayen (einem Bugis) erstreckte sich das Erröth bis zur Taille hinab.

Die Polynesier erröthen sehr viel. Mr. Stack hat band Beispielen bei den Xeu-Seeländern gesehen. Der folgende Fall ist der Erwähnung werth, da er sich auf einen alten Mann bezieht, wel- cher ungewöhnlich dunkelfarbig und zum Theil tättowirt war. Nach- dem er sein Land für eine geringe jährliche Rente an einen Englän- der verpachtet hatte, ergriff ihn eine starke Leidenschaft, sich einen Gig zu kaufen, was vor Kurzem bei den Maoris Mode geworden war. In Folge dessen wünschte er die ganze Rente für vier Jahre von seinem Pächter voraus zu erhalten und consultirte Mr. Stack, ob er dies thun könne. Der Mann war alt, schwerfällig, arm und zerlumpt, und die Idee, dasz er sich in seinem Wagen zum Ansehenlassen herum- fahren könne, erheiterte Mr. Stack so sehr, dasz er nicht umhin konnte, in Lachen auszubrechen, und hierauf „erröthete -der alte Mann bis an „seine Haarwurzeln". Förster sagt12, dasz man auf den Wangen der schönsten Frauen in Tahiti „leicht ein sich ausbreitendes Erröthen „unterscheiden könne". Auch die Eingebornen mehrerer der andern des stillen Oceans erröthen, wie man gesehen hat.

" Capt. Osborn sagt (Quedah, p. 199), wo er von einem Malayen spricht, den er wegen seiner Grausamkeit tadelte, er habe sich gefreut, den Mann erröthen in sehen.

- .1. R. Forster, Observations during a Voyage round the World. 4° 1778, Waitz gibt, Anthropologie der Naturvölker, Theil I, 1859, Seite 149, tere Belege ip Bezug auf andere Inseln des stillen Oceans. Siehe auch Da pier, über das Erröthen der Tunquinesen (Vol. II, p. 40); ich habe aber das W. vi nicht eingesehen. Waitz führt Bergmann dafür an, dasz die Kaimucken nii erröthen; nach dem, was wir in Bezug auf die Chinesen gesehen haben, läszt sl dies indessen bezweifeln. Er citirt auch Kolli, welcher leugnet, dasz die sinier des Errtthena fähig wären, Unglücklicherweise hat Captain Speedy eher so lange unter den Abyssiniern gelebt hat, meine Anfrage über di nicht beantwortet. Endlich musz ich noch hinzufügen, dasz der Rajah Brooke bei den Dyaks von Boraeo niemals das geringste Zeichen eines Erröthens gesehen hat; im Gegentheile geben sie selbst an, dasz sie unter Umständen, welche bei uns ein Erröthen erregen würden, .fühlen, wie das Blut aus dem „werde."

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(Fern von Süd-Africa niemals erröthen. Dies dürfte aber vielleicht nur heiszen, dasz keine Farbenveränderung zu unterscheiden ist. Gaika fügt hinzu, dasz unter den Umständen, welche einen Europäer erröthen machen würden, seine Landsleute „sich schämen, den Kopf aufrecht „zu halten."

BVier meiner Correspondenten haben angegeben, dasz die Australier, eiche beinahe so schwarz sind wie die Neger, niemals erröthen. Ein mfter beantwortet meine Frage mit einem Zweifel, wobei er bemerkt, isz wegen des schmutzigen Zustandes ihrer Haut nur ein sehr starkes rröthen würde gesehen werden können. Drei Beobachter geben an, dasz die Australier wirklich erröthen19; Mr. S. WILSON fügt noch hinzu, dasz dies nur in Folge einer starken Erregung bemerkbar wird und wenn die Haut nicht in Folge langen Ausgesetztseins und eines Mangels an Reinlichkeit zu dunkel ist. Mr. Lang antwortet: „Ich „habe bemerkt, dasz Scham beinahe immer ein Erröthen hervorruft, „welches sich häufig den ganzen Hals herab erstreckt." Scham zeigt sich auch, wie er hinzufügt, dadurch, „dasz die Augen von einer Seite zur „andern gedreht werden". Da Mr. Lang ein Lehrer in einer Einge- bornenschule war, so hat er wahrscheinlich hauptsächlich Kinder beob- achtet, und wir wissen, dasz sie mehr erröthen als Erwachsene. Mr. G. T.ui.iN hat Halbblutmischlinge erröthen gesehen und er sagt,

Rasz die Ureinwohner ein Wort haben, was Scham ausdrückt. Mr. [aoenai i:u. welcher einer von denen ist, welche niemals die Australier röthen gesehen haben, sagt, dasz „er gesehen habe, wie sie vor Scham auf die Erde blicken"; und der Missionär Mr. Bulmer bemerkt: Obscbou ich nicht im Stande gewesen bin, irgend etwas der Scham Ähnliches bei den erwachsenen Eingebornen zu entdecken, habe ich „doch bemerkt, dasz die Augen der Kinder, wenn sie verschämt sind,

ein ruheloses wässeriges Ansehen darbieten, als wenn sie nicht wüsz- ten, wo sie hinsehen sollten." Die bis jetzt mitgetheilten Thatsachen reichen wohl hin, nach- zuweisen, dasz das Erröthen, mag nun irgend eine Farbenveränderung dabei vorliegen oder nicht, den meisten und wahrscheinlich allen Menschenrassen gemeinsam zukommt.

" Auch Barrington sagt, dasz die Australier von Neu-Süd-Wales erröthen, wie Waitz citirt. a. a. 0. S. 149.

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282                                           Errötben.                                     Cap. 13.

ire glaubwürdige Beobachter haben mir versichert, dasz sie auf den Gesichtern der Neger eine Erscheinung bemerkt hätten, welche einem Erröthen ähnlich ist. and zwar unter Umständen, welche ein solches bei uns erregt haben würden, trotzdem die Haut von einer ebenholzschwarzen Färbung war. Manche beschreiben es als ein braunes Erröthen; die Meisten sagen aber, dasz die Schwärze dann noch intensiver wird. Ein vermehrter Zuflusz von Blut in die Haut scheint in einer gewissen \\'.>is.' deren Schwärze zu erhöhen; - gewisse exanthematische Krankheiten die afficirten Stellen auf der Haut bei dem                     rzer erscheinen, statt dusz sie wie bei uns

röther würden 16. Vielleicht dürfte auch die Haut, weil sie durch die Erfüllung der Haargefäsze gespannter wird, eine etwas verschiedene Farbe reflectiren, als sie vorher that. Dasz die Haargefäsze des Ge- sichts unter der Gemüthserregung der Schani beim Neger mit Blut erfüllt werden, können wir getrost annehmen, weil eine vollständig als solche characterisirte Albino-Negerin, welche                     lnieben

hat17, einen leichten purpurnen Anflug auf ihren Wangen zeigte, als sie sich nackend darstellen muszte. Narben der Haut bleiben beim

lange Zeit weisz. und Dr. Bukgess, welcher häutig Gelegi hatte, eine Narbe dieser Art im Gesichte einer Negerin zu beobachten, hat deutlich gesehen, dasz die Narbe „ausnahmslos roth wurde, „die Negerin plötzlich angeredet oder in irgend einer Weise unbe- deutend beschuldigt wurde" '". Man konnte sehen, dasz das Erröthen viiu der Peripherie der Narbe nach dem Mittelpunkte hin Fortschritt, es erreichte aber den letzteren nicht. Mulatten erröthen häutig sehr leicht und stark, wobei ein rother Hauch nach dem andern über ihr Gesicht zieht. Nach diesen Thatsachen läsz.t sich nicht daran zwei- feln, d                                                                            i'jr Haut nicht sichtbar wird.

G.uka und Mrs. BARBEB haben mir beide versichert, dasz die

!i Waitr, Anthro- pologie                                                                                                          lillirten

raklavin n Busen

11 citirt von Prich.ir!.

I -iida p. 33. ;                                      I ilatten ähnliche S                        rhalten.

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I bemerkt (Episteln XI. 5), „dasz die römischen Schauspieler „ihre Köpfe hängen lassen, ihre Augen auf den Boden heften und sie „gesenkt erhalten, aber nicht fähig sind, beim Darstellen der Scham .20 errötben". Nach Macrobiüs, welcher im fünften Jahrhundert lebte (Saturnalia. VII, 11). „behaupten die Naturphilosophen, dasz die „durch die Scham bewegte Natur das Blut vor ihr wie einen Schleier

Ausbreitet, da wir Jemand, der erröthet, auch häufig sei: or das Gesicht halten sehen". -                   laszt Marens zu seiner

ichte sagen (Titos Andronicus, Act II. ä                  'ich, wendst Du

.jetzt Dein Angesicht weg aus Scham?' Eine Dame theilt mir mit, sie in dem Lock-Hospital ein Mädchen gefunden habe, welches sie früher gekannt habe und welche ein rerwori                     geworden

sei. Als sie sich dem armen Geschöpfe näherte, verbarg dasselbe sein Gesicht unter den Betttüchern und konnte nicht überredet werden, sich sehen zu lassen. Wir sehen häufig kleine Kinder, wenn sie

Ion und noch immer aufrecht stehend ihre Gesichter in den Kleidern der Motter verbergen;

r sie werfen sich mit dem Gesichte nach unten in den Verwirrung des Geistes. — Bei den meisten wirren sich, während sie intensiv erröthen, ihre geistigen Fähigkeiten. Dies ist in derartigen gewöhnlichen Ausdrücken anerkannt wie: .sie .wurde von Verlegenheit übergössen-. Personen in dieser Gemnths- verfassnng verlieren ihre Geistesgegenwart und bringen cigenthüm- liche unpassende Bemerkungen hervor. Sie sind häufig sehr zerstreut, stottern und machen verkehrte Bewegungen oder fremdartige Gl In gewissen Fällen kann man unwillkürliches Zucken einiger der Ge- sichtsmuskeln beobachten. Mir hat eine junge Dame, welche ganz excessiv erröthet, mitgetheilt, dasz sie zu solchen Zeiten nicht einmal weisz, was sie sagt. Als die Vermuthung gegen sie ausgesprochen wurde, dasz dies eine Folge ihrer Angst sein dürfte, weil sie sich dessen bewuszt würde, dasz man ihr Erröthen bemerke, antwortete sie, dasz dies nicht der Fall sein könnte, „denn sie habe sich zuweilen .genau so dumm gefühlt, wenn sie über einen Gedanken in ihrem „eigenen Zimmer erröthete.'

Ich will ein Beispiel von der auszerordentlichen Störung des Geistes anführen, welcher manche empfindliche Menschen ausgesetzt sind. — Ein Herr, auf den ich mich verlassen kann, versichert mir,

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Cap. 13.

Bewegungen und Geberden, welche das Erröthen be- gleiten. — Bei einem scharfen Gefühle der Scham ist auch ein starkes Verlangen nach Verbergen vorhanden20. Wir wenden den ganzen Körper und ganz besonders das Gesicht weg, welches wir in irgend einer Art zu verbergen suchen. Eine sich schämende Person kann es kaum ertragen, den Blicken der Anwesenden zu begegnen, so dasz sie beinahe unabänderlich die Augen niederschlägt oder von der Seite in die Höhe sieht. Da allgemein in derselben Zeit auch ein starkes Verlangen vorhanden ist, die Erscheinung der Scham zu ver- meiden, so wird ein vergeblicher Versuch gemacht, direct die Person anzusehen, welche dies Gefühl verursacht; und der Gegensatz zwi diesen beiden entgegengesetzten Neigungen führt zu verschi unruhigen Bewegungen der Augen, [cn habe bemerkt, wie zwei Damen beim Erröthen, was sie auszerordentlich gern thaten, einen dem An- scheine nach äuszerst merkwürdigen Zug sich angewöhnt hatten, min - lieh unablässig mit den Augenlidern mit ausserordentlicher Geschwin- digkeit zu blinken. Ein intensives Erröthen wird zuweilen von einem leichten Thränenergusse begleitet21, und ich vermuthe, das/ dies Folge davon ist, dasz die Thränendrüsen an dem vermehrten Blut- zaflusse theilnehmen, welcher, wie wir wissen, in die Haargefäsze der benachbarten Theile mit Einschlusz der Netzhaut einströmt.

Viele Schriftsteller, sowohl alte als neuere, haben die vorstehend erwähnten Bewegungen bemerkt, und es ist bereits gezeigt worden, dasz die Ureinwohner verschiedener Theile der Erde häufig ihre Schani durch das Abwärts- oder Seitwärtsblicken, oder durch unruhige Be- wegung ihrer Augen ausdrücken. Esra ruft aus, Cap. 9, Vers 6: ...Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, meine Augen aufzu- heben zu Dir, mein Gott!" Im Jbsaias (Cap. 50, Vers G) finden wir die Worte: „mein Angesicht verbarg ich nicht vor Scham und Speichel/'

Wedgwood sagt (Diction. of English Etymology, Vol. HI, 1865, p. 155), dasz du                         i -harne) „wohl in der Idee des Schattens oder

„Verborgenseins seinen Ursprung finden und durch das deutsche Schemen, „Schatten, erläutert werden dürfte." Gratiolet (De la Physionomie, p. 357—362) hat eine gute Erörterung der die Scham begleitenden Geberden gegeben; einige dieser Bemerkungen aber erscheinen mir doch ziemlich phantastisch. Siehe auch - (a. a. 0. p. 69) über denselben Gegenstand. 21 Burgess a. a. 0. p. 181, 182. Auch Boerhaave (citirt von Gratiolet, a. a. 0. p. iiill) erwähnt die Neigung zur Thränenabsonderung beim Erröthen. Wie wir gesehen haben, spricht Mr. Bulmer von den „wässrigen Augen- der Kinder der australischen Eingebornen, wenn sie sich schämen.

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Errtthen.

Dr. Browne hat bei seinen Patienten häufig die Dämpfe von ni'ii] Amyläther angewendet88, welcher die eigentümliche Eigenschaft hat, lebhafte Roths des Gesichts innerhalb dreiszig bis sechsig Secunden hervorzurufen. Dieses Rothwerden ist dorn Erröthen vor Scham in beinahe jeder Einzelnheit ahnlich: Es beginnt an meh- reren verschiedenen Punkten im Gesicht und breitet sich aus, bis es die ganze Oberfläche des Kopfes, Halses und der Vorderseite der lirust nmfaszt. Ahn- nur in einem einzigen Falle hat man beobachtet, dasz es sich bis auf den Bauch erstreckte. Die Arterien der Netzhaut werden erweitert, die Augen glänzen, und in einem Falle trat ein leichter Thränenergnsz ein. Die Patienten werden anfangs angenehm erregt: wie aber das Rothwerden zunimmt, werden sie verlegen und verstört. Eine Frau, bei welcher die Dämpfe häutig angewendet wor- den waren, behauptete, dasz, sobald sie warm werde, sie wie „umnebelt" würde. Bei Personen, welche eben beginnen zu erröthen, scheint nach ihren glänzenden Augen und ihrem lebendigen Betragen zu theilen, als ob ihre Geisteskräfte etwas angeregt würden. Nur we: das Erröthen excessiv wird, wird der Geist verwirrt. Es möchte daher scheinen, als würden die Haargefäsze des Gesichts sowohl während der Einathmung der Amyläther-Dämpfe als auch während des Erröthens eher afficirt, als der Theil des Gehirns mit ergriffen wird, von dei die Geistesfähigkeiten abhängen.

Wenn umgekehrt das Gehirn an erster Stelle afficirt wird, so wird die Circulation der Haut in einer secundären Art ergriffen. Dr. Brown k hat. wie er mir mittheilt, häufig zerstreute rothe Flecken und Zeichnungen an der Brust epileptischer Patienten beobachtet. Wenn in diesen Fällen die Haut an der Brust oder an dem Bauch leicht mit einem Pinsel oder einem andern Gegenstande gerieben oder bei scharf ausgesprochenen Fällen einfach mit dem Finger berührt wird, so wird die berührte Oberflächenstelle in weniger als einer hal- ben Minute mit hellrothen Flecken bedeckt, welche sich eine geringe Entfernung auf beiden Seiten des berührten Punktes hin ausbreiten und mehrere Minuten stehen bleiben. Dies sind die „cerebralen Flecken" Trousseau's. Sie deuten, wie Dr. Browne bemerkt, einen im hohen Grade modificirten Zustaud des Gefäszsystems der Haut

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" siehe auch Dr. J. Crichton Browne's Abhandlung Ober diesen Gegen- stand in: The West Riding Lunatic Asylura Medical Report, 1871, ]

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dasz er ein Augenzeuge der folgenden Scene gewesen ist: — Es wurde zu El                     iszerordentlich schüchternen Menschen ein kleines

Mittagessen gegeben. Als derselbe aufstand, seinen Dank zu sagen, er die Rede her, welche er offenbar auswendig gelernt hatte. indesz im absoluten Stillschweigen und ohne dasz er ein einziges Wort laut ausgesprochen hätte, aber mit groszer Emphase. Als seine Freunde merkten, wie die Sache stand, applaudirten sie laut dem vermeint- lichen Ausbruch der Beredsamkeit, sobald seine Geberde eine Pause andeutete, und der Mann entdeckte nicht einmal, dasz er die ganze Zeit vollständig schweigend verharrt hatte. Im Gegentheil bemerkte

iter gegen meinen Freund mit vieler Genugthuung, wie er glaube, dasz er seine Sache ganz aaszerordentlich gut gemacht habe.

Wenn Jemand sich sehr schämt i                      utern ist und in-

stincth                                                                 wind und sein Athe

wird gestört. Es kann hierbei kaum anders geschehen, als dasz di Circulation des Blutes innerhalb des Gehirns und vielleicht auch die

i. Es Bcheinl                    felhaft, nae

den noch mächtigeren Einflüssen des Zornes und der Furcht auf d Circulation zu urtheilen, ob wir hierdurch den verlegenen Zustand bei Personen, web                    irröthen, erklären können.

Die richtige Erklärung liegt allem Anscheine nach in der innigi Sympathie, welche zwischen .lem capillaren Kreislaufe auf der Ober fläche des Kopfes und                        und dem des Gehirn

Ich wandte mich an Dr. Ceichton Browne um Aufschlusz und er hat mir verschiedene auf diesen Gegenstand Bezug habende Thatsachen mitgetheilt. Wenn der sympathische Xerv auf einer Seite des Kopfes durchschnitten wird, so werden die Haargefäsze auf dieser Seite er schlafft und mit Blut erfüllt; sie verursachen hierdurch eine Köthun. und ein Warmwerden der Haut und gleichzeitig auch ein Steigen der Temperatur innerhalb des Schädels auf derselben Seite. Entzündun der Hornhaut führt eine Überfüllung des Gesichts, der Ohren um in mit Blut herbei. Das erste Stadium bei einem epilepti- schen Anfalle scheint die Zusammenziehung der Gefäsze des Gehirns zu sein uud die erste äuszere Offenbarung ist die auszordentliche Blässe des Gesichts. Kopfrose verursacht gewöhnlich Delirien. Selbst die bei heftigen Kopfschmerzen durch eine starke Einreibung hervor- gerufene Erleichterung durch Erhitzen der Haut hängt, wie i muthe, von demselben Grundsatze ah.

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scheint, beträchtliches Gewicht. Es ist notorisch, dasz nichts eine schüchterne Person so stark zum Erröthen bringt, als irgend eine wenn auch noch so unbedeutende Bemerkung über ihre persönliche Erscheinung. Man kann selbst den Anzug einer leicht zum Erröthen geneigten Frau nicht beachten, ohne dadurch zu veranlassen, dasz sich ihr Gesicht purpurn färbt. Bei manchen Personen genügt es, sie scharf anzustarren, um sie, wie Colekidüe bemerkt, „erröthen zi machen: — Erkläre dies wer kann- -;.

Bei den zwei von Dr. Burgess 24 beobachteten Albinos verursachte „der g                   Buch, ihre Eigentümlichkeiten zu untersuchen,

ausnabmlos ein tiefes Erröthen.'- Frauen sind viel empfindlicher in Bezug auf ihre persönliche Erscheinung als es Männer sind, besonders alte Frauen im Vergleich mit alten .Männern. Auch erröthen sie viel leichter. Die jungen Individuen beiderlei Geschlechts sind in aoi denselben Punkt viel empfindlicher als die alten und sie erröthi auch viel leichter als alte. Kinder erröthen in einem sehr frühen Alter nicht, auch zeigen sie die andern Zeichen des Selbstbewus/.t-

ins nicht, welche allgemein das Erröthen begleiten, und es ist einer ihrer Hauptreize, dasz sie nicht darüber nachdenken, wi dere von ihnen denken. In diesem frühen Alter können sie ein Fremden mit einem testen Blicke und nicht blinkenden Augen wie einen unbelebten Gegenstand anstarren in einer Weise, «reiche wir ältere Personen nicht nachahmen können.

Es ist für Jedermann klar, dasz junge Männer und Frauen Bezug auf die gegenseitige Meinung hinsichtlich ihrer persönliche: Erscheinung im hohen Grade empfindlich sind, und sie erröthen un- vergleichlich mehr in der Gegenwart des andern Geschlechts als in der ihres eigenen25. Ein junger nicht leicht erröthender .Mann wird sofort bei irgend einer unbedeutenden lächerlichen Bemerkung eines Mädchens über seine Erscheinung intensiv erröthen, dessen L'rtln über irgend einen wichtigen Gegenstand er vollständig unbeachti lassen würde. Kein glückliches Paar junger Liebender, welche

13 Im Laufe einer Erörterung über den sogenannten thierischen Magnctismu in: Table Talk, Vol. I.

" a. a. 0. p. 40.

« Mr. Bain bemerkt (The Emotions and tue Will, 1865, p. 65) über ,bei dem Verkehr der beiden „durch den Kinflusz der gegenseitigen Beachtung herbeigeführt werde und z« „in Folge der beiderseitigen Besorgnis, nicht gut zu einander zu passen."

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Wenn dann nun, wie nicht bezweifelt werden kann, eine innige Sym- pathie zwischen der capillaren Circulation in dem Theile des Gehirns, von welchem unsere Geistesfähigkeiten abhängen, und in der Haut des Gesichts besteht, so ist es nicht überraschend, dasz die moralischen ien, welche intensives Erröthen hervorrufen, gleichfalls und zwar

bhängig von ihrem eigentlichen störenden Einflüsse eine starke

wirrung des Geistes verursachen.

Die Xattir der Seelenzustände, welche Erröthen ;i führen. — Es bestehen dieselben aus Schüchternheit, Scham leidenheit; das wesentlichste Element bei allen ist Aufmerk- samkeit auf sich selbst. Viele Gründe können für die Annahme bei- gebracht werden, dasz ursprünglich diese Selbstbeachtung. welche der persönlichen Erscheinung zugewendet ist, in Bezug auf die Meinung Anderer, die erregende Ursache war. Dieselbe Wirkung wurde dann später, in Folge der Kraft der Association, durch Selbstaufmerksan keit in Bezug auf die moralische Führung hervorgebracht. Es nicht der einfache Act, über unsere eigene Erscheinung nachzudenken, sondern der Gedanke, was Andere von uns denken, welcher ein Er- röthen hervorruft. In absoluter Einsamkeit würde die empfindlichste Person vollständig indifferent über ihre Erscheinung sein. Wir em- pfinden Tadel oder Jlisbilligung viel schärfer als Billigung; in Folge dessen verursachen geringschätzende oder lächerlich machende Bemer- kungen, mögen sie sich auf unsere Erscheinung oder unser Betragen beziehen, viel leichter ein Erröthen als Lob. Unzweifelhaft sind aber Lob und Bewunderung äuszerst wirksam. Ein hübsches Mädchen er- im ein .Mann sie scharf ansieht, trotzdem sie vollkommen sicher weisz, dasz er sie nicht geringschätzt. Viele Kinder erröthen ebenso wie alte und empfindsame Personen , wenn sie sehr gelobt werden. Später wird die Frage erörtert werden, woher es gekommen ist, dasz das Bewusztsein, Andere schenken unserer persönlichen Er- scheinung Aufmerksamkeit, dahin geführt hat, dasz die Haargefäsze, speciell die des Gesichtes, im Augenblicke mit Blut gefüllt werden. Die Gründe, weshalb ich annehme, dasz die der persönlichen Er- scheinung und nicht dem moralischen Betragen zugewendete Aufmerk- samkeit das fundamentale Element bei der Erlangung der Gewohn- heit des Erröthens gewesen ist, sollen jetzt mitgetheilt werden. Ein- zeln sind sie unbedeutend, besitzen aber in Verbindung, wie es mir

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13.                         Erriithcn. — Schüchternheit.

bergen, denn das Gesicht wird dabei unter Umständen abgewendet oder verborgen, welche jeden Wunsch, die Scham zu verbergen, aus- schlieszen, so wenn eine Schuld umständlich bekannt und bereut wird. Es ist indesz wahrscheinlich, dasz der Urmensch, ehe er eine grosze moralische Empfindlichkeit erlangt hatte, im hohen Grade in Bezug auf seine persönliche Erscheinung empfindlich gewesen ist, wenigstens in Rücksicht auf das andere Geschlecht, und er wird in Folge dessen bei jeder geringschätzigen Bemerkung über seine Br- scheinung Unbehagen empfunden haben. Dies ist eine Form d Scham: und da das Gesicht derjenige Theil des Körpers ist, welch am meisten angesehen wird, so ist es verständlich, dasz ein Jeder, der über seine persönliche Erscheinung in Scham geräth, den Wunsch haben wird, [diesen Theil seines Körpers zu verbergen. Ist die Ge wohnlieit einmal hiernach erlangt werden, so wird sie natürlich bei' behalten worden sein, wenn Scham aus streng moralischen Ursache empfunden wurde. Es ist nicht leicht in anderer Weise einzuseher warum unter diesen Umständen ein Verlangen noch vorhanden sein sollte, das Gesicht mehr als irgend einen anderen Theil des Körpers zu verbergen.

Die bei einem Jeden, der sich beschämt fühlt, so allgemeine An> gewöhnung, sich wegzuwenden oder seine Augen zu senken, oder di selben unruhig von einer Seite zur andern zu bewegen . scheinlich eine Folge davon, dasz jeder auf die Personen, wele gegenwärtig sind, gerichtete Blick die Überzeugung ihm wieder vor d Seele führt, dasz er intensiv betrachtet wird; und er versucht daher dadurch, dasz er die gegenwärtigen Personen und besonders ihre Au gen nicht ansieht, momentan dieser peinlichen Überzeugung entgehen.

Schüchternheit. — Dieser merkwürdige Seelenzustand, di häufig auch Blödigkeit oder falsche Scham "Jer .tnauvaise honte' nannt wird, scheint eine der allerwirksamstcu unter allen Ursachen des Erröthens zu sein. Es wird allerdings die Schüchternheit haupt- sächlich durch die Böthung des Gesichts, durch das Wegwenden ode. Niederschlagen der Angen und durch eigentümliche verkehrte nervo: Bewegungen des Körpers erkannt. So manche Frau erröthet a dieser Ursache vielleicht hundert oder tausendmal, während sie r ein einziges Mal deshalb erröthet, dasz sie irgend etwas gethan li

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Bewunderung und die Liebe des andern höher als irgend etwas in d Welt werth halten, hat sich wahrscheinlich je um einander beworben ohne so manches Erröthen. Selbst die Barbaren des Feuerlandes er- then nach Mr. Bkidges „hauptsächlich in Bezug auf die Frauen. er sicher auch über ihre eigene persönliche Erscheinung."

Von allen Theilen des Körpers wird das Gesicht am meisten he- chtet und angesehen, wie es auch natürlich ist, da es der haupt- hlichste Sita des Ausdrucks und die Quelle der Stimme darbietet. Es ist auch der hauptsächlichste Sitz der Schönheit und der Häs/.lich- keit und über die ganze Erde ist es der am meisten geschmückte Theil -6. Es wird dalier das Gesiebt während vieler Generationen einer näheren und eingehenderen Selbstbetrachtung unterworfen ge- D als irgend ein anderer Theil des Körpers; und in Ueberein mung mit dem hier erwähnten Gesetze können wir einseh rum es am meisten dem Erröthen unterworfen ist. Ob- Umstand, dasz die Haargefäsze des Gesichts und der benachbarten Theile den Temperaturveräuderungen u. s. w. am meisten ausgesetzt gewesen sind, wahrscheinlich die Fähigkeit derselben sich zu erwei- tern und zusammen zu ziehen bedeutend erhöht hat, so wird dies doch an sich kaum erklären, warum diese Theile viel mehr als der übrige Körper erröthen; denn es erklärt die Thatsache nicht, das die Hände so selten erröthen. Bei Europäern prickelt der ganze Körper leicht, wenn das Gesicht intensiv erröthet. und bei denjenigen Menschen- rassen, welche gewohnheitsgemäsz fast nackt gehen, erstreckt sich das Erröthen über einen viel gröszeren Theil des Körpers als hei uns. itsachen sind in einem gewissen Grade verständlich, da die Selbstbeachtung der Urmenschen ebenso wie derjenigen existirenden Kassen, welche noch immer nackt gehen, nicht so ausschlieszlich auf ihr Gesicht beschränkt gewesen sein wird, wie es bei den Völkern der Fall ist, welche jetzt bekleidet einhergehen.

Wir haben gesehen, dasz in allen Theilen der Welt Personen,

welche über irgend ein moralisches Vergehen Scham fühlen, geneigt

sind, ihr Gesicht abzuwenden, niederzubeugen oder zu verbergen, un-

hängig von irgend einem Gedanken über ihre persönliche Ersehe!

Die Absicht kann hier kaum die sein, ihr Erröthen zu ve:

" siehe für Bei II, S. 64, 321.

»e über diesen Punkt: Die Abstammung des Menschen, 3. Aufl.

:te Work of Charles Darwin Onlir

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versichert sind, so z. B. ein Mädchen in der Gegenwart ihrer Mut Ich habe es versäumt, in meinen gedruckten Fragebogen nachzufor- schen, ob Schüchternheit bei den verschiedenen Menschenrassen ent- deckt werden kann. Aber ein gebildeter Hindu versicherte Mr. Erskqtc, dasz dieselbe bei seinen Landsleuten zu erkennen sei.

Wie die Ableitung des Wortes in mehreren Sprachen andeutet27, ist Schüchternheit oder Scheuheit mit Furcht nahe verwandt. Doch ist sie im gewöhnlichen Sinne von Furcht verschieden. Ein schüch- terner Mensch fürchtet ohne Zweifel die Beachtung Fremder; man kann aber kaum sagen, dasz er sich vor ihnen fürchtet. Er kann so kühn wie ein Held in der Schlacht sein, und doch hat er in der Gegenwart von Fremden kein Selbstvertrauen in kleinlichen Dingen. Beinahe Jedermann ist auszerordentlich nervös, wenn er zuerst eine öffentliche Versammlung anredet, und die meisten Menschen behalten dies ihr ganzes Leben lang. Dies scheint aber von dem Bewusztsein einer noch bevorstehenden groszen Anstrengung mit deren associirten Wirkungen auf den Körper abzuhängen, und zwar wohl eher hiervon als von Schüchternheit28, obschon ein furchtsamer oder schüchterner .Mensch ohne Zweifel bei derartigen Gelegenheiten unendlich mehr . leidet als ein anderer. Bei sehr kleinen Kindern ist es schwierig, zwischen Furcht und Schüchternheit zu unterscheiden. Das letztere Gefühl hat mir aber häufig bei ihnen theilweise den Character der Wildheit eines nicht gezähmten Thieres darzubieten geschienen. Schüchternheit tritt in einem sehr frühen Alter ein. Bei einem meiner eigenen Kinder sah ich, als es zwei Jahre und drei Monate alt war. eine Spur von dem, was sicher Schüchternheit zu sein schien und zwar in Bezug auf mich selbst, nachdem ich nur eine Woche vom Hause abwesend gewesen war. Es zeigte sich dies nicht durch ein Erröthen, sondern dadurch, dasz die Augen wenige Minuten leicht von mir weggewendet wurden. Ich habe bei andern Gelegenheiten bemerkt, dasz Schüchternheit oder Blödigkeit und wirkliche Scham in den Augen kleiner Kinder gezeigt werden, ehe sie die Fähigkeit erröthen erlangt haben.

K" Mr. Wedgwood, Piction. English Etymology, Vol. III, 1865, p. 184; gilt für das lateinische rerecundus. :" 1fr. Rain (The Emotions and the Will. p. 64) hat die „verlegenen", solchen Gelegenheiten empfundenen Gefühle erörtert, ebenso das „Lampenfieber" der der Bühne ungewohnten Schauspieler. Wie es scheint, schreibt Mr. Bain ' se Gefühle einfach der Besorgnis oder der Furchtsamkeit zu.

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302                                 Ausdruck der Schüchternheit.                               Cap. 13.

was Scham verdient oder worüber sie sich wirklich schämt. Die Schüchternheit scheint von der Empfindlichkeit für die Meinung An- derer, mag dieselbe eine gute oder schlechte sein, abzuhängen und be- sonders in Bezug auf die äuszere Erscheinung. Fremde wissen nichts von unserem Betragen oder unserem Character und kümmern sich auch nicht darum, aber sie können unsre Erscheinung kritisiren und thun dies auch häufig. Daher sind schüchterne Personen ganz besonders geneigt, in der Gegenwart von Fremden schüchtern zu werden und zu erröthen. Das Bewusztsein, irgend etwas Eigentümliches oder selbst nur Neues an der Kleidung zu haben, oder irgend ein unbe- deutender tadelnswerther Punkt an seiner Person und ganz besonders im Gesicht — Punkte, welche sehr leicht die Aufmerksamkeit Frem- der auf sich lenken — macht den einmal schon Schüchternen ganz un- erträglich schüchtern. Auf der andern Seite sind wir in denjenigen Fällen, in welchen es sich um unser Betragen und nicht um die per- sönliche Erscheinung handelt, viel mehr geneigt, in der Gegenwart von Bekannten schüchtern zu werden, deren Urtheil wir in einem gewissen Grade schätzen, als in der von Fremden. Ein Arzt erzählt mir, dasz ein junger Mann, ein wohlhabender Herzog, mit dem als ärztlicher Begleiter gereist war, wie ein Mädchen erröthete, wenn er ihm sein Honorar bezahlte. Doch würde dieser junge Mann wahr- scheinlich nicht erröthet oder schüchtern geworden sein, wenn er einem Kaufmanne seine Rechnung bezahlt hätte. Einige Personen sind indessen so empfindsam, dasz der blosse Act des Sprechens bei- ahe mit Jedermann hinreichend ist, ihr Selbstbewusztsein zu erregen ad dann ist ein leichtes Erröthen das Resultat.

Misbilligung oder Lächerlichmachen verursacht wegen unserer Emptindlickkeit in diesem Punkte Schüchternheit und Erröthen viel leichter als Billigung, obgleich auch die letztere bei einigen Personen auszerordentlich wirksam ist. Der Eingebildete ist selten schüchtern denn er schätzt sich viel zu hoch, als dasz er Geringschätzung er- warten könnte. Warum ein stolzer Mann häufig schüchtern ist, es der Fall zu sein scheint, liegt nicht so auf der Hand, wenn es nicht deshalb wäre, dasz er mit all seinem Selbstvertrauen wirklic viel von der Meinung Anderer hält, obschon in einem geringschätzen den Sinne. Personen, welche äuszerst scheu sind, sind selten in der Ge genwart derjenigen schüchtern , mit denen sie vollständig vertraut sind und von deren guter Meinung und Sympathie sie vollkommen

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heit in der Wirkung zwischen dem Bewusztsein, dasz Gott unsere Handlangen kennt und dasz sie die Menschen kennen, liegt, wie ich vermuthe, darin, dasz die Misbilligung der Menschen über unmora- lisches Betragen ihrer Natur nach mit der Geringschätzung unseres persönlichen Erscheinens etwas verwandt ist, so dasz beide durch ation zu ähnlichen Resultaten führen, während die Misbilligung Gottes keine derartige Association hervorruft.

Gar manche Person ist intensiv erröthet, wenn sie irgend eines Verbrechens angeschuldigt wurde, trotzdem sie vollständig unschuldig war. Selbst der Gedanke (wie die eben erwähnte Dame gegen mich bemerkt hat), dasz Andere denken, dasz wir eine unfreundliche oder dumme Bemerkung gemacht haben, ist weitaus genügend ein Er- röthen zu verursachen, obschon wir die ganze Zeit hindurch wissen, dasz wir vollständig misverstanden worden sind. Eine Handlung kann verdienstlich oder von einer gleichgültigen Natur sein, aber eine empfindsame Person wird, wenn sie nur vermnthet, dasz Andere eine verschiedene Ansicht hiervon haben, erröthen. Z. B. kann eine Dame für sich allein Geld einem Bettler geben, ohne eine Spur ein Enöthens. Wenn aber Andere noch gegenwärtig sind und sie feit, ob sie es billigen, oder vermuthet, dasz sie glauben, sie würde von dem Wunsche beeinfluszt, sich zu zeigen, so wird sie errt Dasselbe wird der Fall sein, wenn sie sich erbietet, die Noth einer herabgekommenen Frau aus bessern Ständen zu erleichtern, noch be- sonders einer solchen, die sie früher unter bessern Verhältnissen ge- kannt hat, da sie dann nicht sicher sein kann, wie ihre Handlungs- weise betrachtet werden wird. Aber derartige Fälle gehen in Schüch- ternheit über.

Verletzungen der Etikette. — Die Regeln der Etikette ziehen sich immer auf unser Betragen in der Gegenwart von Andern oder Andern gegenüber. Sie haben keinen nothwendigen Zusammen- haut,' mit dem moralischen Gefühle und sind oft bedeutungslos. Da sie aber von dem feststehenden Gebrauche der uns gleich Stehenden oder höher Gestellten abhängen, deren Meinung wir hoch in Ansehen halten, so werden sie nichtsdestoweniger heinahe als ebenso bindend betrachtet, wie die Gesetze der Ehre es für einen gebildeten Mensche sind. In Folge dessen wird ein Verletzen der Gesetze

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20

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ick der Schuld.                              Cap. 13.

Da Schüchternheit allem Anscheine nach von Selbstbeachtung abhängt, so können wir einsehen, wie Uecht diejenigen haben, welche behaupten, dasz das Tadeln der Kinder wegen der Schüchternheit, statt ihnen dadurch irgend welches Gute ZU thiin. sehr schadet, da es ihre Aufmerksamkeit noch eingehender auf sich selbst richtet. Es ist sehr treffend, hervorgehoben wurden, dasz -nichts jungen Leuten „mehr schadet als beständig wegen ihrer Gefühle beobachtet zu wer- ben, ihre Gesichter untersucht zu sehen und den Grad ihrer Em- pfindsamkeit durch das überwachende Auge des unbarmherzigen Zu- schauers gemessen zu wissen. Unter dem Zwange derartiger Unter- suchungen können sie an nichts denken als daran, das/, sie angesehen .werden, und nichts anderes fühlen als Scham oder Besorgnis"'-9.

Moralische Ursachen: Schuld. — In Bezug auf das Er- rötben aus streng genommen moralischen Ureachen begegnen wir den- selben fundamentalen Grundsätzen wie vorher, nämlich der Etücl auf die Meinung Anderer. Es ist nicht das Bewusztsein, welches ein Erröthen hervorruft; denn ein Mensch kann aufrichtig irgend einen unbedeutenden in der Einsamkeit begangenen Fehler bereuen, oder er kann die schärfsten 11                      wegen eines nicht entdeckten Ver-

brechens fühlen, und doch wird er nicht erröthen. „Ich en sagt Dr. BrjRGESS30, „in der Gegenwart meiner Ankläg nicht das Gefühl der Schuld, sondern der Gedanfc                    ere uns

für schuldig halten oder wissen, dasz wir schuld haben, was uns das Gesicht roth macht. Ein Mensch kann sich durch und durch be- schämt fühlen, dasz er eine kleine Unwahrheit gesagt hat, ohne zu erröthen; aber wenn er auch nur venuuthet. da wird er augenblicklich erröthen. besonders wenn er von irgend Je- mand entdeckt wird, den er i

Auf der andern Seite kann ein .Mensch überzeugt sein, dasz Gott Zeuge aller seiner Handlungen ist und er kann sich irgend eines Fehlers tief bewnszt fühlen und um Vergebung bitten; aber dies wird niemals ein Erröthen hervorrufen, wie eine Dame meinte, die sehr gern und stark erröthet. Der Unter                      Verschieden-

es on Practioal Eiliic.ition, V.y Marin and R, L. I 6dit., VoL II. 1822, p. 38. Dr. Burgess (a. a. 0. p. I                        llie sehr

stark hervor.

30 a. a. 0. p. 50.

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in den Sinn kommende und unangenehme Erinnerung rotli, wie selbst beobachtet habe und wie mir von Andern versichert worden is.. Die häufigste Ursache scheint die plötzliche Erinnerung daran zu sein dasz irgend etwas für eine andere Person nicht gethan ist, was vi sprochen worden war. In diesem Falle dürfte der Gedanke halb bewuszt durch die Seele ziehen: „was wird er von mir denken?" U dann wird das Rothwerden die Natur eines wirklichen Erröthens vor Scham erhalten. Ob aber derartige Erscheinungen des Rothwerdens in den meisten Fällen Folge einer Affection des capillaren Kreislaufs sind, ist sehr zweifelhaft. Denn wir müssen uns daran erinnern, dasz beinahe jede starke Gemüthserregung, so z. B. Zorn oder grosze Freude, auf das Herz wirkt und das Gesicht zu erröthen veranlaszt.

Die Thatsache, dasz Erröthen in absoluter Einsamkeit erregt den kann, scheint der hier vertretenen Ansicht entgegen zu sein, dasz nämlich die Gewohnheit ursprünglich aus dem Gedanken dara entstanden sei, was Andere von uns denken. Mehrere Damen welche leicht und stark erröthen, sind in Bezug auf die Ein- samkeit einstimmig, und einige von ihnen glauben, dasz sie im Dun- keln erröthet sind. Nach dem, was Mr. Forbes in Bezug auf die Aymaras angegeben hat, und nach meinen eigenen Empfindungen habe ich keinen Zweifel, dasz die letzte Angabe richtig ist. Shakj irrte sich daher, als er Julia, welche nicht einmal allein war, gen liesz (Act II, Scene 2):

„Do uviszt, die Nacht verschleiert mein Gesicht, Sonst färbte Mädchenröthe meine Wangen Dm 'las, was du vorhin mich sagen hörtest."

Wenn aber ein Erröthen im Alleinsein erregt wird, so beziel: sich die Ursache beinahe immer auf die Gedanken Anderer über auf Handlungen, die in ihrer Gegenwart ausgeführt oder von il vermuthet wurden; oder wir erröthen ferner, wenn wir uns überlegen, was Andere von uns gedacht haben würden, wenn sie von der Hand- lung gewuszt hätten. Nichtsdestoweniger glauben ein oder zwei meiner Berichterstatter, dasz sie aus Scham über Handlungen errröthet sind, die in keiner Weise sich auf Andere beziehen. Ist dies der Fall, so müssen wir das Resultat der Gewalt eingewurzelter Gewohnheit und ociation unter einem Seelenzustande zuschreiben, welcher dem

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sdruck der Bescheidenheit.                             Cap. 13.

d. h. irgend eine Unhöflichkeit oder gaucberie, irgend eine unpassende Handlung oder unpassende Bemerkung, wenn sie auch ganz zufällig ist, das intensivste Erröthen verursachen, dessen ein Mensch nur fähig ist. Selbst die Rückerinnerung an einen derartigen Act wird nach Verlauf vieler Jahre ein Prickeln auf dem ganzen Körper hervorrufen. Auch ist die Kraft der Sympathie so stark, dasz eine empfindsame Person, wie mir eine Dame versichert hat, zuweilen über offenbare Verletzung der Etikette durch einen vollkommen Fremden erriithen I, trotzdem die Handlung selbst sie in keiner Weise etwas angeht.

Bescheidenheit. — Diese ist ein weiteres mächtiges Mittel, Schamröthe zu erregen. Doch schlieszt das Wort Bescheidenheit sehr verschiedene Seelenzustände in sich. Es umfaszt Demuth, und wir schlieszen auf diese häufig daraus, dasz eine Person über unbedeuten- des Lob sich sehr freut und erröthet, oder, dasz sie von Lob unan- genehm berührt wird, welches ihr nach ihrem eignen niedrigen Masz- stabe der Selbstbeurtheilung zu hoch scheint. Das Erröthen hat hier die gewöhnliche Bedeutung der Beachtung der Meinung Anderer. Be- scheidenheit [oder Sittsamkeit] bezieht sich aber häufig auf Acte der Unzartheit, und Unzartheit ist eine Sache der Etikette, wie wir deut- lich bei den Nationen sehen, welche vollständig oder nahezu nackt gehen. Wer sittsam ist und leicht über Handlungen dieser Natur erröthet, thut es, weil dies Verletzungen einer fest und weise gründeten Etikette sind. Dies zeigt sich in der That aus der AI leitung des Wortes modestus von modus, ein Masz oder Maszstal unseres Benehmens. Ein Erröthen in Folge dieser Form von Be- scheidenheit wird überdies gern intensiv, weil es sich gewöhnlich auf das andere Geschlecht bezieht, und wir haben gesehen, wie in allen Fällen unsere Geneigtheit zu erröthen hierdurch vergröszert wird. Wil wenden den Ausdruck bescheiden, wie es den Anschein hat, auf diejenigen an, welche eine demüthige Meinung von sich selbst haben, und auf diejenigen, welche äuszerst empfindsam in Bezug auf ein un- zartes Wort oder eine unzarte That sind, einfach deshalb, weil in beiden Fällen leicht Erröthen erregt wird; denn diese beiden ' zustände haben sonst weiter nichts mit einander Gemeinsames. Au wird Schüchternheit aus dieser selben Ursache häufig irrthüuilich Bescheidenheit gehalten.

Einige Personen werden plötzlich über irgend eine ihnen schm

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entgegen, welche jetzt so allgemein angenommen wird. Es gehört aber nicht zu meiner Verpflichtung, hier mich in Argumentationen ober die allgemeine Frage einzulassen. Diejenigen, welche an Zwecke glauben, werden es schwierig finden, zu erklären, warum die Schüch- ternheit die häufigste und wirksamste aller Ursachen des Erröthens ist, da es sowohl die enöthende Person leidend als auch den Zuschauer ungemüthlich macht, ohne dasz es für eine von den beiden von ten Nutzen ist. Sie werden es auch schwierig finden, zi klaren, warum Neger und andere dnnkelgefärbte Rassen erröthen denen eine Farbenveräuderung in der Haut kaum oder gar nicht sicht- bar ist.

Ohne Zweifel erhöht ein leichtes Erröthen die Schönheit eim Mädchengesichtes, und diejenigen tscherkessischen Frauen, welche Stande sind zu erröthen, erreichen im Serail des Sultans ausnahmst einen höhern Preis als weniger empfindliche Frauen32. Aber selb: derjenige, welcher ganz fest an die Wirksamkeit geschlechtlicher Zucht- wahl glaubt, wird kaum annehmen, dasz das Erröthen als eine ge- schlechtliche Zierratb erlangt wurde. Diese Ansicht würde auch dei entgegenstellen, was soeben über das in einer nicht sichtbaren eintretende Erröthen dankelgefärbter Kassen gesagt worden ist.

Die Hypothese, welche mir die wahrscheinlichste zu sein seh obschon sie zuerst voreilig erscheinen könnte, ist die, dasz scharf a irgend einen Theil des Körpers gerichtete Aufmerksamkeit die gewöhn liehe und tonische Zusammenziehung der kleineren Arterien dieses Theils zu stören geneigt ist. In Folge hiervon werden diese Gefäsze zu solchen Zeiten mehr oder weniger erschlafft und augenblicklich mit arteriellem Blute erfüllt. Diese Neigung wird in hohem Grade verstärkt worden sein, wenn die Aufmerksamkeit währeud vieler Ge- nerationen häufig auf denselben Theil gewendet worden ist, und zwar dadurch, dasz die Nervenkraft leicht gewohnten Canälen entlang flieszt, und durch die Kraft der Vererbung. So oft wir nur immer glauben, dasz Andere unsere persönliche Erscheinung geringschätzen oder auch nur beachten, wird unsere Aufmerksamkeit lebhaft auf die äuszern und sichtbaren Theile unseres Körpers gelenkt, und von allen der- artigen Theilen sind wir im Gesicht am empfindlichsten, wie es ohni

" Nach der Autorität der Lady Mary Wortley Montague; siehe Bt gess, a. a. 0. p. 43.

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sehr analog ist, welcher gewöhnlich ein Erröthen erregt. Auch dürfen wir uns darüber nicht überrascht fühlen, da, wie es die Annahme Mehrerer ist, selbst die Sympathie mit einer andern Person, welche einen offenbaren Bruch der Etikette begeht, wie wir eben gesehen haben, zuweilen ein Erröthen verursacht.

Ich komme denn endlich zum Schlüsse, dasz das Erröthen, mag es Folge der Schüchternheit oder Scham wegen eines wirklichen Ver- brechens oder der Scham wegen eines Bruchs der Gesetze der Etikette oder Bescheidenheit aus Dermith oder der bei einer Unzartheit sich regenden Sittsamkeit sein, in allen Fällen von demselben Grundsatze abhängt, und dieser Grundsatz ist eine empfindliche Rücksicht für die Meinung und ganz besonders für die Geringschätzung Anderer, ur- sprünglich in Beziehung auf unsere persönliche Erscheinung, speciell unseres Gesichts, und in zweiter Linie durch die Kraft der Association und der Gewohnheit in Bezug auf die Meinung Anderer über unser

agen.

Theorie des Erröthens. — Wir haben nun zu betrachten, um der Gedanke, dasz Andere etwas von uns denken, unsern capil- ren Kreislauf afficiren sollte. Sir Cfl. Bell hebt hervor31, dasz das Erröthen eine specielle Einrichtung für den Ausdruck unseres Inneren ist, „wie man daraus schlieszen kann, dasz sich die Farbe nur auf „die Oberfläche des Gesichts, des Halses und der Brust e „d. h. die am meisten exponirten Theile. Es ist nicht erlangt; es „besteht von Anfang an". Dr. Bukgess glaubt, dasz es vom Schöpfer beabsichtigt war, „damit die Seele souveräne Gewalt habe, auf den „Wangen die verschiedenen innern Erregungen der moralischen Ge- „fühle darzustellen", so dasz es für uns selbst als eine Art Hemmnis und für andere als ein Zeichen dient, dasz wir Gesetze verletzen, welche heilig gehalten werden sollten. Gratiolet bemerkt: „Or, comme „il est dans l'ordre de la nature que l'etre social le plus intelligent ,goit anssi le plus intelligible, cette faculte' de rougeur et de päleur ,qui distingue l'homme, est un signe natural de sa haute perfection."

Dem Glauben, dasz das Erröthen speciell vom Schöpfer beah sichtigt worden sei, steht die allgemeine Theorie der Entwickelung

1 Bell, Anatomy of Expression, p. 95. Burgess, in Bezug auf das weit folgende Citat, a. a. 0. p. 49. Gratiolet, De la Phyaionomie, p. P4.

Compiete                             . Jarwin Onlir

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Es ist bekannt, dasz die unwillkürlichen Bewegungen des Heizens lieht weiden, wenn ihnen eingehende Aufmerksamkeit gewidmet wird. ' : i" führt den Fall eines Mannes an. welcher durch bestän- diges Beobachten und Zahlen seines eigenen Pulses zuletzt es veran- laszte, dasz unter je sechs Schlägen einer stets ausfiel. Auf der an- dern Seite erzählte mir mein Vater von einem sorgfältigen Beobachter, welcher sicher herzkrank war und später an einer Herzkrankheit starb, dasz er positiv angegeben hätte, wie sein Puls gewöhnlich im äuszer- ,en Grade unregelmäszig wäre und doch zu seinem Ärger auenahms- regelmäszig geworden wäre, sobald mein Vater das Zimmer be- treten hätte. Sir Henri Holland bemerkt35, dasz „die Wirkung auf »die Circulation in einem Theile in Folge des plötzlich auf ihn ge- wichteten und fest haftenden Bewusztseins häutig und unmittelbar zu Tage tritt". Prof. Latcock, welcher besondere Aufmerksamkeit auf Erscheinungen dieser Art gerichtet hat36, hebt hervor, dasz „wenn die Aufmerksamkeit auf irgend einen Theil des Körpers gerichtet wird, die Innervation und Circulation local gereizt und die func- ionelle Thätigkeit dieses Theils entwickelt werde."

wird allgemein angenommen, das/, die peristaltischen egungen der Eingeweide dadurch beeinfluszt werden, da Aufmerksamkeit in bestimmt wiederkehrenden Perioden auf sie richtet, und diese Bewegungen hängen von der Zusammenziehnng nicht ge- treifter und unwillkürlicher Muskeln ab. Die abnorme Thätigkeit er willkürlichen Muskeln bei Epilepsie, Veitstanz and Hysterie wird bekanntlich durch die Erwartung eines Anfalls beeinfluszt, ebenso durch den Anblick anderer, in ähnlicher Weise leidender Patienten37. Dasselbe gilt auch für die unwillkürlichen Acte des Gähnens und Lachens.

Gewisse Drüsen werden durch das Denken an dieselben oder an ie Bedingung, unter welcher sie gewohnheitsgeraäsz erregt werden, stark beeinfluszt. Dies ist eine allbekannte Erscheinung in Bezug auf vermehrten Zaflnsz von Speichel, wenn z. B. der Gedanke an eine intensiv saure Frucht lebhaft vorgestellt wird3S. In unserm sechsten

Da la riivsionomie, p. 283.

iial Phyaiology, 1858, p. 111. Min.I and Brain, 1860, p. 327. Chaptera on Mental Phj                           106.

Jen Punkt: Gratiolet, De la Physionomie,

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Theorie des Errothens.

eifel während vieler vorausgegangener Generationen der Fall ge- wesen ist. Wenn wir daher für den Augenblick einmal annehme: dasz die Haargefäsze von scharfer Aufmerksamkeit beeinfluszt wer können, so werden diejenigen des Gesichts im höchsten Grade i pfindlich geworden sein. Durch die Kraft der Association werden dann dieselben Wirkungen einzutreten geneigt sein, so oft wir denken, dasz Andere unsere Handlungen oder unsern Character beachten o beurtheilen.

Da die Grundlage dieser Theorie darauf beruht, dasz geistige fmerksamkeit eine gewisse Kraft besitzt, den capillaren Kreislauf beeinflussen, so wird es nothwendig sein, eine beträchtliche Menge von Einzelnheiten anzuführen, die mehr oder weniger direct sich auf Gegenstand beziehen. Mehrere Beobachter33, welche in Folgi Irfahrnng und Kenntnis in hervorragendem Grade fäl d, sich ein richtiges Urtheil zu bilden, sind überzeugt, das/. Ai; rksamkeit oder Bewusztwerden («eichen letztern Ausdn:

wo für den bezeichnenderen hält), auf irgend einen Theil Körpers concentrirt (und es kann beinahe jeder so beeinfluszt werden), irgend eine gewisse directe physikalische Einwirkung auf

iben hervorruft. Dies gilt sowohl für die Bewegungen der ui llkürlichen wie der willkürlichen Muskeln, wenn sie unwillkürlii Thätigkeit treten — desgleichen für die Absonderung der Drüsen r die Thätigkeit der Sinne und der Sinnesempfindungen — und se r die Ernährung der Theile. England war wohl, wie ich meine, Sir H. Holland der er-: i Einflusz der geistigen Aufmerksamkeit auf verschiedene Theile des Körpe -.inen Medical Notes and Reflections, 1839, p. 61. Dieser Aufsatz wieder abgedruckt von sir H.Holland in seinen „Chapters Mental Physiology", L858, p. 79, nach welchem Werke ich immer citire. Ziem- lich zu derselben Zeit und dann auch später noch erörterte Professor Laycoek denselben Gegenstand; siehe Edinburgh Medical and Surgical Journal, 1839, Jnly, p. 17—28; s. auch dessen Treatise <>                                                      n, 1840,

p. llo, und Mind and lirain. Vol. II, 1860, p. 327. I>r. Carpenter's Ansichten über Mesmerismus gehen ziemlich auf dasselbe hinaus. Der berühmt.' 1 Johannes Müller ;                          m Einflüsse der Aufmerksamkeit auf die

Sinne; Handbuoh der Physiolo                        len, Bd. 2, 1840, S. . -",. -jt-J. Sil

James Paget erörtert                          des Geistes auf die Ernährung i

Pathology, 1853, Vol. I, p. 39. Ich citire na der dritten von Profes                                                                  28. s. auch Gr

tiolet, De la PI                       _>3—287.

of Charles Darwin Onli

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Cap. 13.

Erröthen.

313

gleichfalls, dasz wir uns nicht blosz der Existenz eines Theiles be- wiiszt werden, welcher concentrirter Aufmerksamkeit unterworfen wird, sondern wir empfinden in demselben Theile auch verschiedene merk- würdige Gefühle, wie das der Schwere, der Hitze, Kalte, Prickeln oder Stechen12.

Endlich behaupten manche Physiologen, dasz der Geist die Er- nährung der Theile beeinflussen könne. Sir J. Packt hat einen merk- würdigen Fall der Gewalt allerdings nicht des Geistes, sondern des Nervensystems über das Haar mitgetheilt. Eine Dame, „welche An- falle von Kopfschmerzen hat, die man nervöses Kopfweb nennt, findet „immer am Morgen nach einem solchen, dasz einige Stellen ihres „Haares weisz sind, als wären sie mit Stärke gepudert. Die Ver- änderung wird in einer Nacht bewirkt, und in wenig Tagen später „erhalten die Haare allmählich ihre dunkel bräunliche Färbung »wieder"43.

Wir sehen hieraus, dasz eingehende Aufmerksamkeit sicherlich verschiedene Theile und Organe afficirt, welche nicht eigentlich unter der Controle des Willens stehen. Durch welche Mittel Aufmerksam- keit — vielleicht die wunderbarste aller wunderbaren Kräfte der Seele — bewirkt wird, ist ein äuszerst dunkler Gegenstand. Der Angabe Johannes Müllbr's zufolge** ist der Procesz, durch welchen die em- pfindenden Zellen des Gehirns durch den Willen für das Erhalten in- tensiverer und deutlicherer Eindrücke empfindlich gemacht werden, dem sehr analog, durch welchen die Bewegungszellen dazu gereizt werden, Nervenkraft an willkürliche Muskeln zu senden. Es finden sich viele analoge Punkte in der Tbätigkeit der empfindenden und bewegenden Nervenzellen, z. B. die allgemein bekannte Thatsache, dasz nahe Aufmerksamkeit auf irgend einen Sinn Ermüdung verursacht, ebenso wie die länger andauernde Anstrengung irgend eines Mu- Wenn wir daher willkürlich unsere Aufmerksamkeit auf irgend einen Theil des Körpers concentriren, so werden wahrscheinlich die Zellen

♦» Chapters on Mental Physiology, 1858, p. 91—93.

* Lcctures on Surgical Pathology, 3. edit. revised by Prof. Turner, 1870, p. 28, 31.

41 Handbuch der Physiologie des Menschen, Bd. 2, 1840, S. 97.

*5 Professor Laycock hat diesen Punkt in einer sehr interessanten Art er- örtert. Siehe seine „Nervous Diseases of Women", 18-10, p. 110.

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pitel ist gezeigt worden, dasz ein ernstliches und lang anhaltendes Verlangen, entweder die Thätigkeit der Thriinendrüsen zurfickzubali oder zu vermehren von Wirkung ist. Einige merkwürdige Fälle in Bezug auf Frauen mitgetheilt worden von der Gewalt des Geist über die Milchdrüsen und noch merkwürdigere in Bezug auf die Uter functionen ".

Wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf irgend i richten, -                                                   :it40. und die Di

beit scharfer Aufmerksamkeit, so bei blinden Leuten auf sinn und bei blinden und tauben Personen auf den Tastsinn. Bcbeii den in Rede stehenden Sinn permanent feiner auszubilden. Nach Fähigkeiten verschiedener Menschenrassen zu urtheilen, ist auch einigt Grund zur Annahme vorbanden, das/, die Wirkungen vererbt werde Wendet man sieh zu gewöhnlichen Empfindungen, so ist es eine kannte 1                          , der Schmerz arger wird, wenn man ihm

achtung schenkt, und Sir Ben .                                                rlauben, da

hmerz in jedem Tbeile des Körpers fühlen könne, auf den

nfmerksamkeit sich scharf richtet41. Sir Hf.xky Holland bemerk

heirat

und s

" Dr. J. Crichton Browne ist nach seinen Beobacl kranken überzeugt, dasz die längere Zeit hindurch auf irgend einen Theil od

Aufmerksamkeit Ernährung beeinfluszt. Er hal

welcher hier nicht ausführlich erzählt werden kann, betrifft eine ver- \<i von fünfzig Jahren, welche an der festen und lange anhaltenden in andern Umständen sei. Als die erwartete Zeit heran sie sich genau so, als wäre sie von einem Kinde entbunden worden, d schien auszerordentliche Schmerzen zu haben, so das/, der Schweisz ihr auf rne trat. Das Resultat war. dasz ein Zustand der Dinge eintrat und drei Tage lang anhielt. welcher während der vorausgehenden sechs Jahre ausgesetzt

hatte. Mr. Braid führt in seinem Buche: „Magic, Hypnotism etc." 1852, p. 95, und in andern Werken analoge Falle, ebenso noch andere Thatsachen an. welche den groszen Einflusz des Willens auf die Milchdrüsen, selbst einer Seite allein nachweisen.

40   Dr. Maudsley hat (The Physiology and Pathology of Mind. 2. edit.. p. 105) nach guter Gewahr einige merkwürdige Angaben in Bezug auf die Vi besserung des Tastsinnes durch Übung und Aufmerksamkeit mitgetheilt. E; merkwürdig, dasz wenn dieser Sinn hierdurch an irgend einem Theilc des KOrpers, z. B. an einem Finger, schärfer geworden ist, er auch an der andern Seite des Körpers in gleicher Weise an Schärfe gewonnen hat.

41   The Lancet, 1838, p. 39-40, citirt von Prof. Laycock, Nervous Dise of Women, 1840, p. 110.

ist

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Cap. 13.

Errijthen.

315

kraft dem vasomotorischen Centraltheile und zwar mit denselben Re- sultaten übersenden.

Um noch eine andere und in gewissen Beziehungen noch passen- dere Erläuterung zu geben: Wenn ein Mensch vor einem tüchtigen Feuer steht, so röthet sich sein Gesicht. Dies scheint, wie Mr. Michael Foster mir mittheilt, zum Theil eine Folge der örtlichen Wirkung der Hitze, zum Theil einer Keflexthätigkeit von dem vasomotorischen Centraltheile her zu sein46. In diesem letztern Falle afficirt die Hitze die Nerven des Gesichts. Diese übermitteln einen Eindruck den em- pfindenden Zellen des Gehirns, welche auf den vasomotorischen Central- theil einwirken, und dieser wieder wirkt auf die kleinen Arterien des Gesichts zurück, erschlafft sie und gestattet ihnen, sich mit Blut zu füllen. Auch hier scheint es nicht unwahrscheinlich zu sein, dasz, wenn wir wiederholt mit groszem Eifer unsere Aufmerksamkeit auf die Erinnerung unserer erhitzten Gesichter concentrireu, derselbe Theil des Sensoriums, welcher uns das Bewnsztwerden wirklicher llit/e mit- theilt, in einem gewissen unbedeutenden Grade gereizt wird, und in Folge hiervon können gewisse Theile von Nervenkraft an die vaso- motorischen Centraltheile übersendet werden, so dasz die Haargefäsze -ichts sich erweitern. Da nun die Menschen im Verlaufe end- loser Generationen ihre Aufmerksamkeit häufig und ernstlich ihrer persönlichen Erscheininig gewidmet haben und besonders ihrem Ge- sichte, so wird jede beginnende Neigung der Haargefäsze des Gesichts, in dieser Weise afficirt zu werden, im Laufe der Zeit durch die eben erwähnten Grundsätze, nämlich dasz Nervenkraft leicht gewohnten Canälen entlang ausströmt, und durch vererbte Gewohnheit bedeutend verstärkt worden sein. Es wird hierdurch, wie mir scheint, eine plausible Erklärung für die mit dem Acte des Erröthens in Verbin- dung stehenden leitenden Thatsachen dargeboten.

Recapitulation. — Männer und Frauen, und besonders die jungen, haben stets in hohem Grade ihre persönliche Erscheinung werth gehalten und haben in gleicher Weise die Erscheinung Anderer beobachtet. Das Gesicht ist der hauptsächlichste Gegenstand der

46 s. auch Mr. Michael Foster, über die Thätigkeit <les vasomotorischen in seiner interessanten Vorlesung vor der Royal Institution, übersetzt in der .Revue des Cours Scientifiques- Sep, 25. I8Ö9, p. 683.

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314                                         Theorio des Erröthens.                                   Cap. 13.

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des Gehirns, welche Eindrücke und Empfindungen von diesem Theile erhalten, in irgend einer unbekannten Weise zur Thätigkeit gereizt. Dies dürfte es erklären, dasz ohne irgend welche locale Veränderung em Theile, auf welchen unsere Aufmerksamkeit ernstlich gerichtet Schmerz oder eigentümliche Empfindungen gefühlt oder verstärkt rden. Wenn indessen dieser Theil mit Muskeln versehen ist, so kön. nicht sicher sein, wie Mr. Michael Foster gegen mich beme hat, ob nicht irgend ein geringer Impuls unbewuszterweise derartigen Muskeln übermittelt wird, und dies würde wahrscheinlich eine dunkle Empfindung in dem Theile verursachen.

In einer groszen Zahl von Fällen, so bei den Speicheldrüsen in Thränendrüsen, dem Darmcanal o. s. w. scheint die Gewalt der Auf- merksamkeit entweder hauptsächlich oder, wie manche Physiologen glauben, ausschließlich darauf zu beruhen, dasz das vasomotorische System in einer derartigen Art und Weise afffeirt wird, dasz einer Menge Blut gestattet wird, in die Capülargefäsze des in Kede stehenden Theils einzuströmen. Diese vermehrte Thätigkeit der Haargefäaze kann in manchen Fällen mit der gleichzeitig vermehrten Thätigkeit des Sensoriums combinirt sein.

Die Art und Weise, in welcher die Seele das vasomotorische System beeinfluszt, kann in der folgenden Weise vorgestellt werden. Wenn wir wirklich eine saure Frucht schmecken, so wird ein Eindruck durch den Geschmacksnerven einem gewissen Theile des Sensoriums zugesendet. Dieses übermittelt Nervenkraft an das vasomotorisc! Centrum, welches in Folge hiervon den mnscnlösen Wandungen kleinen Arterien, welche die Speicheldrüsen durchziehen, gestattet zu erschlaffen. In Folge hiervon flieszt mehr Blut in diese Drüsen, und diese sondern eine reichlichere Menge von Speichel ab. Nun scheint keine unwahrscheinliche Voraussetzung zu sein, dasz wenn wir in- tensiv über eine Empfindung nachdenken, derselbe Theil des Sensoriums er ein nahe mit ihm zusammenhängender Theil desselben in einen tand von Thätigkeit versetzt wird, in derselben Weise, als wenn r wirklich die Empfindung wahrnähmen. Ist dies der Fall, so w dieselben Zellen im Gehirn, wenn auch vielleicht nur in eim ringern Grade, durch ein lebhaftes Denken an einen sauern Ge schmack, sowie beim Wahrnehmen eines solchen erregt werden, und sie werden dann in dem einen Falle so gut wie in dem andern Nerve:

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Erröthen verursachen und warum die mächtigste aller Ursachen die Schüchternheit ist. Denn die Schüchternheit bezieht sich auf Gegenwart oder die Meinung Anderer, und schüchterne Personen stets mehr oder weniger selbstbewuszt. In Bezug auf wirkliche Schal in Folge moralischer Fehler können wir verstehen, woher es kommt, dasz nicht die Schuld, sondern der Gedanke, dasz Andere uns für schuldig halten, ein Erröthen erregt. Ein Mensch, welcher über ein in Einsamkeit begangenes Verbrechen nachdenkt und von seinem Ge- wissen gepeinigt wird, erröthet nicht. Doch wird er unter der leb- haften Rückerinnerung an einen entdeckten Fehler oder an einen in der Gegenwart Anderer begangenen erröthen, wobei der Grad des Er- röthens in naher Beziehung zum Gefühle der Achtung vor Denen steht, welche seinen Fehler entdeckt, mit erlebt oder vermuthet haben. Verletzung conventioneller Regeln des Betragens verursachen, wenn solche von uns gleich- oder höher als wir stehenden Personen stren aufrecht erhalten werden, häufig intensiveres Erröthen als selbst entdecktes Verbrechen, und ein Act, welcher wirklich Verbrechens' ist, erregt, wenn er nicht von uns Gleichstehenden getadelt wird, kaum eine Erhöhung der Farbe auf unsern Wangen. Bescheidenheit aus Demuth oder die Regung der Sittsamkeit in Folge einer Unzart- heit erregt ein lebhaftes Erröthen, da sich beide auf das Urtheil oder die feststehenden Gebräuche Anderer beziehen.

In Folge der intimen Sympathie, welche zwischen dem capillareu Kreislaufe der Oberfläche des Kopfes und des Gehirns besteht, wird, sobald intensives Erröthen eintritt, auch eine gewisse und häufig grosze Verlegenheit des Geistes eintreten. Dieselbe wird häufig von unge- schickten Bewegungen und zuweilen von unwillkürlichen Zuckung' gewisser Muskeln begleitet.

Da das Erröthen dieser Hypothese zufolge ein indirectes Resulti der Aufmerksamkeit ist, welche ursprünglich unserer persönlichen Erscheinung, d. h. der Oberfläche des Körpers und ganz besonders dem Gesichte zugewendet war, so können wir die Bedeutung der Geberden verstehen, welche über die ganze Erde das Erröthen be- gleiten. Diese bestehen in dem Verbergen oder dem Wenden des Gesichts auf den Boden oder nach einer Seite. Die Augen werden gewöhnlich abgewendet oder sind unruhig; denn den Menschen blicken, welcher die Ursache war, dasz wir Scham

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Aufmerksamkeit gewesen, trotzdem, wenn der Mensch ursprünglich nackt gieng, die ganze Oberfläche seines Körpers beachl sein wird. Unsere Aufmerksamkeit auf uns selbst wird beinahe schlieszlich durch die Meinung Anderer angeregt; denn kein in ab- soluter Einsamkeit lebender Mensch würde sich um seine Erscheinung kümmern. Jedermann fühlt Tadel empfindlicher als Lob. Sobald wir nun wissen oder vermuthen. dasz Andere unsere persönliche Erschei- nung geringschätzen, wird unsere Aufmerksamkeit sehr stark auf uns selbst und ganz besonders auf unser Gesicht gerichtet. Die wahr- scheinliche Wirkung hiervon wird, wie soeben erklärt wurde, die sein, dasz der Theil des Sensoriums, welcher die empfindenden Nerven di Gesichts erhält, zur Thätigkeit veranlaszt wird; und dieser wird duri das vasomotorische System auf die Haargefäsze des Gesichts znrücl wirken. Durch häufige Wiederholung während zahlloser Generationen wird der Procesz in Association mit dem Glauben, dasz Andere sich Gedanken über uns machen, so gewohnheitsgemäsz geworden sei dasz selbst eine Vermuthung ihrer Geringschätzung genügt, die Ha gefäsze zu erschlaffen ohne irgend einen bewuszten Gedanken an uu Gesicht. Bei einigen empfindsamen Personen ist es hinreichend, auch nur ihren Anzug zu beachten, um dieselbe Wirkung hervorzurufen. Auch werden durch die Kraft der Association und Vererbung unsere Haargefäsze erschlafft, sobald wir wissen oder uns einbilden, dasz irgend Jemand, wenn auch stillschweigend, unsere Handlungen, Ge- danken oder unsern Character tadelt, und ferner, wenn wir hoch ge- priesen werden.

Nach dieser Hypothese können wir verstehen, woher es komm' dasz das Gesicht viel mehr erröthet, als irgend ein anderer Theil Körpers, wenn schon die ganze Oberfläche in gewisser Weise afficirt wird, besonders bei den Rassen, welche noch immer nahezu nackt einbergehen. Es ist durchaus nicht überraschend, dasz die dunkel gefärbten Rassen erröthen, wenn schon keine Veränderung der Farbe auf ihrer Haut sichtbar ist. Nach dem Principe der Vererbung ist es ferner nicht überraschend, dasz blindgeborne Personen erröthen. Wir können verstehen, warum junge Individuen viel mehr afficirt werden als alte, und Frauen mehr als Männer und warum die ent- gegengesetzten Geschlechter speciell gegenseitig das Erröthen erreg Es wird verständlich, warum persönliche Bemerkungen

ilete Work of Charles Darwin On

hrrotnen erregen.

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Vierzehntes Capitel.

Schluszbeinerkuiigen und Zusammenfassung.

drei leitenden Grundsätze, welche die hauptsächlichsten Bewegungen des Aus- drucks bestimmt haben. — Deren Vererbung. — Über den Antheil, welchen der Wille und die Absicht bei der Erlangung verschiedener Ausdrucksweisen gehabt haben. — Das instinctive Erkennen des Ausdrucks. — Die Beziehung des Gegenstandes zur Frage von der specifischen Einheit der Menschenrassen. — Über das allmähliche Erlangen verschiedener Ausdrucksformen durch Urerzeuger des Menschen. — Die Wichtigkeit des Ausdrucks. — Schlusz.

Ich habe nun nach meinen besten Kräften die hauptsächlichsten einen Ausdruck bezeichnenden Handlungen beim Menschen und bei einigen wenigen der niederen Thiere beschrieben. Ich habe auch ver- sucht , den Ursprung oder die Entwicklung dieser Handlungen aus den drei im ersten Capitel mitgetheilten Grundsätzen zu erklären. Der erste dieser Grundsätze ist der, dasz Bewegungen, welche zur Befriedigung irgend eines Verlangens oder zur Erleichterung irgend einer Empfindung von Nutzen sind, häufig wiederholt und so gewobi heitsgemäsz werden, dasz sie, mögen sie nun von Nutzen sein od nicht, ausgeführt werden, sobald dasselbe Verlangen oder dieselbe Empfindung selbst in einem sehr schwachen Grade gefühlt wird.

Unser zweites Princip ist das des Gegensatzes Die Gewohnheit willkürlich unter entgegengesetzten Antrieben entgegengesetzte wegungen auszuführen, ist durch die praktische Übung unseres ganzi Lebens fest entwickelt worden. Wenn daher gewisse Handlungen in Übereinstimmung mit unserm ersten Grundsatze bei einem bestimmten Seelenzustande regelmäszig ausgeführt worden sind, so wird unwill- kürlich ein lebhaftes Bestreben eintreten, unter der Erregung eines entgegengesetzten Seelenzustandes direct entgegengesetzte Handlungen auszuführen, mögen diese von irgend welchem Nutzen

it, »e- es

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31*

ap. 13

heit empfinden, bringt uns sofort in einer unerträglichen Weise das Bewusztsein in unsere Seele zurück, dasz sein Blick scharf auf uns gerichtet ist. Durch das Princip associirter Gewohnheit werden dieselben Bewegungen des Gesichts und der Augen ausgeübt und können in der That kaum vermieden werden, sobald wir wissen oder glauben, dasz Andere unser moralisches Betragen tadeln oder stark loben.

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und ScUnszbemei

Zeichen dargestellt werden. Allerdings ruft die Zuneigung, insofern eine angenehme Empfindung ist, die gewöhnlichen Zeichen des ergnügens hervor.

Andererseits scheinen viele von den Wirkungen, welche in Folge

er Heizung des Nervensystems eintreten, von dem Ausströmen der

ervenkraft in den durch frühere Willensanstrengungen gewohnheits-

emäsz gewordenen Canälen völlig unabhängig zu sein. Derartige

irkungen, welche häufig den Seelenzustand der in dieser Art affi-

iitiii Personen verrathen, können für jetzt nicht erklärt werden; so

B. die Veränderung der Farbe des Haares in Folge äuszerster

urcht oder Grames, — der kalte Schweisz und das Zittern der Mi, -

ein vor Furcht, — die modificirten Absonderungen des Darmcanals

und das Aufhören der Thätigkeit in gewissen Drüsen.

Trotzdem nun, dasz so Vieles von dem hier behandelten Gegen-

ide unverständlich bleibt, können doch so viele einen bestimmten

Ausdruck darstellende Bewegungen und Thätigkeiten bis zu einem

gewissen Grade durch die oben genannten drei Grundsätze oder Ge-

erklärt werden, dasz wir hoffen dürfen, sie später sämmtlich

urch diese oder sehr analoge Principien erklärt zu sehen.

Wenn Handlungen aller möglichen Art regelmäszig irgend einen eelenzustand begleiten, su werden sie sofort als ausdrucksgebend er- kannt. Dieselben können aus Bewegungen jedweden Theils des Kör- pers bestehen: so finden wir das Wedeln mit dem Schwänze beim Hunde. das Zucken mit den Schultern beim Menschen, ferner das Sträuben der Haare, die Absonderung von Schweisz, einen veränderten Zustund der C'apillargefäsze, beschwerliches Athmen und den Gebrauch der Stimmorgane und anderer lauterzeugender Werkzeuge zum Aus- drucke benutzt. Selbst Iusecten drücken Zorn, äuszerste Furcl fersueht und Liebe 'durch ihre Stridulation aus. Beim Menschen Bind die ßespirationsorgane von besonderer Bedeutung beim Ausdruck. losz in einer directen, sondern in einem noch höhern Grade in einer : Art.

Nur wenig Punkte sind bei dem vorliegenden Gegenstande in- teressanter als die auszerordentlich complicirte Kette von Vorkomm- . welche zu gewissen ausdruct                    jungen führen. Man

nehme z. B. die schräge Stellung der Augenbrauen eines Mei der vor Kummer oder Sorgen leidet, Wenn Kinder vor Hunger oder Schmerz laut aufschreien, so wird die Circulatiou afficirt und die

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Unser drittes Princip ist das der directen Wirkung des gereiz- ten Nervensystems auf den Körper, unabhängig vom Willen und auch zum groszen Theil unabhängig von der Gewohnheit. Die Erfahrung lehrt, dasz Xervenkraft erzeugt und frei gemacht wird, sobald das Gehirn-Rückenmark-Xervensystem gereizt wird. Die Richtung, welche diese Xervenkraft einschlägt, wird nothwendigerweise durch die Ver- bindungsarten der Nervenzellen unter einander und mit verschiedeneu Theilen des Körpers bestimmt. Es wird diese Richtung aber auch be- deutend durch Gewohnheit beeinfluszt, insofern die Xervenkraft sich leicht in lange gewohnten Canälen fortpflanzt.

Die wahnsinnigen und sinnlosen Bewegungen eines wüthenden Menschen können zum Theil dem einer besonderen Leitung erman- gelnden Ausflusse von Nervenkraft und zum Theil der Gewohnheit zugeschrieben werden; denn es stellen dieselben häufig in einer unbe stimmten Art den Act des Schiagens dar. Sie gehen hierdurch die unter unser erstes Princip fallenden Geberden über; so z. wenn ein unwilliger oder indignirter Mensch sich unbewuszt in eine zum Angriffe seines Gegners passende Stellung bringt, wenn schon ohne irgend welche Absicht, einen wirklichen Angriff auszuführen. "Wir sehen auch den Einflusz der Gewohnheit bei allen den Gemüths- bewegungen und Empfindungen, welche erregende genannt werden; sie haben nämlich diesen Character dadurch angenommen, dasz sie ge- wöhnlich zu energischem Handeln geführt haben; eine jede Thätig keit aber afficirt in einer indirecten Weise das Respirations- und Cir culationssystem und das letztere wirkt wieder auf das Gehirn zurück. Sobald diese Gemüthsbewegungen oder Empfindungen selbst in unbe- deutendem Grade von uns gefühlt werden, wird, wenn dieselben auch zu dieser Zeit gar keine Anstrengung herbeiführen, doch trotzdem unser ganzer Körper durch die Kraft der Gewohnheit und Association mit erregt. Andere Gemüthserregungen und Empfindungen werden deprimirende genannt, weil sie nicht gewöhnlich zu energischem Han- deln geführt haben, ausgenommen im ersten Beginne, wie bei äuszer- stem Schmerz, Furcht oder Gram; zuletzt haben sie vollständige Er- schöpfung verursacht; sie werden in Folge hiervon hauptsächlich durch negative Zeichen und allgemeine Abspannung ansgedrückt. Ferner gibt es noch andere Gemüthsbewegungen, wie die der Zunei- gung, welche gewöhnlich zu keiner Thätigkeit irgend welcher Art führen und folglich auch von keinen scharf ausgesprochenen äuszeren

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z. B. das Weinen und das Lachen. Die Erblichkeit der meisten gerer ausdruckgobenden Handlungen erklärt die Thatsache, dasz Blindgeborene, wie ich von Mr. B. H. Bi.au; hure, dieselben ebenso gut zeigen, wie die mit dem Augenlicht begabten Kinder. Wir können hieraus auch die Thatsache verstehen, dasz sowohl die jungen als die alten Individuen weit von einander verschiedener Kassen, sowohl beim Menschen als bei den Tbieren, denselben Seelenzustand durch dieselfc Bewegungen ausdrücken.

Wir sind mit der Thatsache, dasz junge und alte Tliiere ihre Gefühle in derselben Art and Weise zum Ausdruck bringen, Be- traut, das/, wir kaum bemerken, wie merkwürdig es ist, das/, ein junges, kaum geborenes Hündchen mit dem Schwänze wedelt, wenn es eudig gestimmt ist, dasz es seine Ohren niederdrückt und die Eck- ne entblöszt, wenn es böse werden will, genau so wie ein alter nd, oder dasz ein kleines Kätzchen seinen Kücken krümmt und sein Haar sträubt, wenn es zum Fürchten oder in Zorn gebracht wird, wie eine alte Katze. Wenn wir uns indessen zu Geberden wenden, die bei uns selbst weniger häufig sind und welche wir gewr.li!!1 für künstliche oder conventioneile anzusehen, — so das Zucken der ultern als ein'Zeichen der Unfähigkeit oder das Erheben der Arme Händen und ausgespreizten Fingern als ein Zeichen der erwunderung, — so überrascht es uns vielleicht zu sein-, o zu finden, dasz sie angeboren sind. Dasz diese und einige apde berden vererbt werden, keimen wir indessen daraus entnehmen, das/ . ganz kleinen Kindern, von Blindgeborenen und von ilcn aller- edensten Menschenrassen ausgeführt werden. Wir müssen auch _v behalten, dasz neue und in hohem Grade eigentümliche »ciation mit gewissen Seelenzuständen bekannter- as/.en bei gewissen Individuen entstanden und auf ihre Naeh

Fällen durch mehr als eine Generation, vererbt worden sind, rden, welche uns so natürlich das/, wir uns Leicht einbilden könnten, sie wären angeboren, sind in Anscheine nach gelernt worden wie die Wörter einer Sprache. D und Emporheben der Hände und dem . der Augen nach oben im Gebet der Fall zu sein. Ds

als ein Zeichen der Zuneigung; dies ist indessen d abhängt, wi I rührung mit einer gel                                 ruft. Die Belege binsichtr

21«

Comolete ,                          . larwin Onlii

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322                                                      -ung                                Cap. 14.

Augen werden dadurch leicht mit Blut überfüllt: in Folge dessen werden die die Augen umgebenden Muskeln zum Schutze derselben stark zusammengezogen. Diese Handlungsweise ist im Verlaufe vieler Generationen Bicher fixirt und vererbt worden. "Wenn aber mit dem Fortschritt der Jahre oder der Cultur die Gewohnheit zu schreien zum Theil zurückgedrängt wird, so streben doch die Muskeln rings um die Augen sich zusammenzuziehen, sobald auch nur unbedeutende Xoth gefühlt wird. Von diesen Muskeln sind die Pyramidenmuskeln der Nase weniger unter der Controle des Willens als die andern und ihre Zusammenziehung kann nur durch die der mittleren Bündel des Stirnmuskels gehemmt werden; diese letztem Bündel ziehen die in- nern Enden der Augenbrauen in die Höhe und furchen die Stirn in einer eigentümlichen Weise, welche wir augenblicklich als den Ausdruck des Kummers oder der Sorge wiedererkennen. Unbedeu- tende Bewegungen, wie die eben beschriebenen oder das kaum wahrnehmbare Herabziehen der Mundwinkel, sind die letzten Über- bleibsel oder Rudimente scharf ausgesprochener und verständlicher Be- wegungen. Sie sind uns mit Hinsieht auf den Ausdruck ebenso be- deutungsvoll, wie es die gewöhnlichen Rudimente für den Naturfor- scher bei der Classification und Genealogie organischer Wesen sind. Dasz die hauptsächlichsten ausdruckgebenden Handlungen, welche Mensch und die niedern Thiere zeigen, jetzt angeboren oder ange- bt sind, — d. h. dasz sie nicht von dem Individuum gelernt worde sind, — wird von Jedermann zugegeben. Ein Erlernen oder Naci ahmen hat mit mehreren derselben so wenig zu thun, dasz sie voi den frühesten Tagen der Kindheit an durch das ganze Leben hindurch vollständig auszer dem Bereiche der Controle liegen: so z. B. die Er- schlaffung der Arterien in der Haut und die erhöhte Herzthätigkeit beim Zorn. Wir können Kinder, nur zwei oder- drei Jahre alt und selbst blindgeborene, vor Schan                    hen; und die nackte Kopf-

baut kleiner Kinder wird in der Leidenschaft roth. Kindi vor Schmerz unmittelbar nach der Geburt und dann nehmen ihr sichtszflge Bämmtlich dieselbe Form an. wie während späterer Jah: Schon di                     n allein reichen hin, um zu zeigen, dasz v

ii Ausdrucksweisen nicht gelernt worden sind; es ist indessen merkwürdig, da                                 welche sicherlich

11 sind, Übung beim Individuum erfordern, vollständigen und vollkommenen Art und Weise an

und )pf-

ind;

lieh he sie in geführt we

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Gap. 14.                                 nnd Schluszbemerkungen.

es auf der Hand, dasz das Bewusztsein und der Wille zuerst mit in's -.'kommen sein müsseu. womit indesz nicht gesagt sein soll, dasz «ir uns in diesen oder in andern derartigen Füllen bewuszt würden, welche Muskeln in Thätigkeit gesetzt werden, was hier so wenig geschieht wie bei der Ausführung der allergewöhnlichsten will- kürlichen Bewegungen.

Was die ausdruckgebenden Bewegungen betrifft, welche von dem Grundsatze des Gegensatzes abhängen, so ist hier klar, dasz, wenn auch in einer entfernten und indirecten Art, der Wille dabei inj Spiel gekommen ist. Dasselbe gilt auch für die Bewegungen, welc! unter unser drittes Princip fallen. Insofern diese dadurch beeinfluszt worden sind, dasz die Nervenkraft leicht in gewohnten Canälen sieh fortbewegt, sind sie durch frühere wiederholte Äuszerungen des Willens bestimmt worden. Die Wirkungen, welche eine indirecte Folge dieses letztern Einflusses sind, werden häufig in einer complicirten Art durch die Kraft der Gewohnheit und Association mit denen combinirt, welche das directe Resultat der Reizung des Gehirn-Eüekenmark-Xervensvsteins sind. Dies scheint bei der vermehrten Herzthätigkeit uuter dem Ein- flüsse einer jeden starken Seelenerregung der Fall zu sein. Wenn ein Thier sein Haar aufrichtet, eine drohende Stellung annimmt und wüthende Laute ausstSszt, um einen Feind in Schrecken und Furcht zu versetzen, so sehen wir eine merkwürdige Combination von solchen Bewegungen, welche ursprünglich willkürlich waren, mit andern willkürlichen. Es ist indessen möglich, dasz selbst streng genomm' unwillkürliche Acti\ wie das Aufrichten der Haare, durch diemj'ster; illens aflicirt worden sein dürften.

.Manche ausdruckgebende Bewegungen können in Association gewissen Seelenzuständen spontan entstanden, wie die eigentümlichen kleinen Züge, die erst vor Kurzem noch erwähnt wurden, und später vererbt worden sein. Ich kenne aber keine thatsächlichen Zeugnisse, welche diese Ansicht wahrscheinlich machen.

Das Vermögen der Mittheilung zwischen den Gliedern eines und desselben Stammes mittelst der Sprache ist in Bezug auf die Ent- wickelung des Menschen von der allerobersten Bedeutung ge und die Gewalt der Sprache wird durch die einen Ausdruck verleihen- den Bewegungen des Gesichts und Körpers bedeutend unterstütz! Wir bemerken dies sofort, wenn wir uns über irgend einen wichtigi Gegenstand mit einer Person unterhalten, deren Gesicht verhüllt

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lieh der Vererbung des Nickens und Schütteins des Kopfes als Ze der Bejahung und der Verneinung sind zweifelhaft; dieselben nämlich nicht ganz allgemein, scheinen indessen doch zu weit breitet zu sein, als dasz sie von allen Individuen so vieler K unabhängig hätten erlangt werden können.

Wir wollen nun untersuchen, wie weit der Wille und da! wusztsein bei der Entwickelung der verschiedenartigen Bewegungen des Ausdrucks mit in's Spiel gekommen sind. So weit wir es be- urtheilen können, sind nur einige wenige ausdruckgebende Bewegungen, solche wie. die oben angeführten, von jedem Individuum gelernt wor- den, d. h. sind bewuszterweise und willkürlich während der frühern Lebensjahre zu irgend einem bestimmten Zwecke oder aus Nachahmung Anderer ausgeführt und dann zur Gewohnheit geworden. Die bei weitem gröszere Zahl der Bewegungen des Ausdrucks, und alle die bedeutungs- volleren, sind, wie wir gesehen haben, angeboren oder vererbt, und von diesen kann man nicht sagen, dasz sie vom Willen des Individm abhängen. Nichtsdestoweniger waren alle die unter unser erstes Ges Fallenden ursprünglich zu einem bestimmten Zwecke ausgeführt wor- den — nämlich um irgend einer Gefahr zu entgehen, irgend eine Noth zu erleichtern oder irgend ein Verlangen zu befriedigen kann z. B. darüber kaum ein Zweifel bestehen, dasz die Thiere, welc] mit ihren Zähnen kämpfen, die Gewohnheit, wenn sie wild werdei ihre Ohren rückwärts dicht an den Kopf zu drücken, dadurch erlan haben, dasz ihre Voreltern willkürlich in dieser Weise gehandelt um ihre Ohren vor dem Zerrissenwerden durch ihre Gegner zu schützen denn diejenigen Thiere, welche nicht mit ihren Zähnen kämpfen, drücken einen wild gereizten Seelenzustand uicht in dieser Weise aus. Wir können es für in hohem Grade wahrscheinlich halten, dasz wir selbst die Gewohnheit, die Muskeln rings um die Augen zusammenzu- ziehen, wenn wir ruhig weinen, d. h. ohne die Äuszerung irgend eines Lautes, dadurch erlangt haben, dasz unsere Urerzeuger besonders während der Kindheit beim Acte des Schreiens ein unbehagliches G fühl in ihren Angäpfeln empfanden haben. Ferner sind einige in hobei Grade ausdrucksvolle Bewegungen das liesultat des Versuchs, andei ausdruckgebende Bewegungen aufzuhalten och?r zu verhindern; so ist die schräge Stellung der Augenbrauen und das Herabziehen der Mund- winkel eine Folge des Versuchs, den Ausbruch eines Schreiunfalls zu verhüten oder ihn zu unterbrechen, wenn er eingetreten ist. Hier liegt

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Cap. 14.                                 ond Schtaazbemerkniigen.                                       327

ganz allgemein geworden sind. Dasz beim Menschen eine starke Nei- gung zur Nachahmung besteht, unabhängig von dem bewuszten Willen, ist sicher. Dies zeigi Bich in der auszerordentlichsten Art nnd Weise

bei gewissen Gehirnkrankheiten, besonders beim Beginne der entzünd- lichen Gehirnerweichung, und ist das „Echo-Symptom" genannt worden. Die in dieser Art afficirten Patienten ahmen ohne jedes Verständnis jede ihnen vorgemachte absurde Geberde nnd jedes Wort nach, wel- ches in ihrer Nahe, seihst in einer fremden Sprache geäuszert wird'. Was die Thiere betrill't. so haben der Schakal und der Wolf in der Gefangenschaft das Hellen des Hundes nachahmen gelernt. Aufweiche das Bellen des Hundes zuerst gelernt worden ist, welches ver- me Gemfitbserregungen und Begierden auszudrücken dient und welches deshalb so merkwürdig ist, weil es erst erlangt worden ist. seitdem das Thier domesticirt worden ist, und weil es von verschie- denen Rassen in verschiedenem Grade vererbt wird, wissen wir nicht; konnten wir aber nicht vermuthen, dasz die Nachahmung bei Erlangung etwas zu thun gehabt hat. insofern nämlich die Bunde lange Zeit in enger Association mit einem so gesprächigen Thiere Mensch eines ist, gelebt haben?

Im Verlaufe der vorstehenden Bemerkungen und durch dieses ganze Buch habe ich häutig eine bedeutende Schwierigkeit in Bezug auf die gehörige Anwendung der Ausdrücke Willen. Bewusztsein und Beabsichtigung empfunden. Handlungen, welche anfangs willkürlich sind, weiden bald gewohnheitsgemäs/ und zuletzt erblich, und dann können sie selbst im Gegensatz zum Willen ausgeführt werden. Ob- schon sie häufig den Seelenzustaud verrathen, so wurde doch dieses Resultat anfangs weder beabsichtigt noch erwartet. Selbst solche Ausdrücke, wie dasz „gewisse Bewegungen als Mittel des Ausdrucks „dienen", können leicht irre leiten, da sie den Gedanken einschlieszen, dasz dies ihr ursprünglicher Zweck war. Dies scheint indessen nur selten oder niemals der Fall gewesen zu sein; die Bewegungen sind entweder anfänglich von irgend einem directen Nutzen gewesen, oder sie sind die indirecte Wirkung des gereizten Zustandes des Sensorium. Ein kleines Kind kann entweder absichtlich oder instinetiv schreien, um zu zeigen, dasz es Nahrung bedarf: es hat aber keinen Wunsch

1 s. die interessanten von Dr. Bateman über .Aphasie11 mitgetheilten That- 1-70. p, HO.

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zu

Nichtsdestoweniger bestehen, soweit ich es nachzuweisen im Stan bin, keine Gründe für die Annahme, dasz irgend ein Muskel aus- Bchlieszlich zum Zwecke des Ausdrucks entwickelt oder auch nur modificirt worden wäre. Die Stimmorgane und die andern lauterzeugen- den Werkzeuge, durch welche verschiedene ausdrucksvolle hervorgebracht werden, scheinen eine theilweise Ausnahme zu bilde ich habe aber an einem andern Orte zu zeigen versucht, dasz d Organe anfangs zu sexuellen Zwecken entwickelt wurden, damit eine Geschlecht das andere rufen oder bezaubern könne. Ich kann auch keine Gründe für die Annahme aasfindig machen . dasz irgend

irbte Bewegung, welche jetzt als ein Mitti dient, ursprünglich willkürlich und bewuszt zur Erreichung dieses speciellen Zweckes ausgeführt worden wäre, — wie einige di den und die von Taubstummen benutzte Fingersprache. Im G scheint jede echte oder vererbte Bewegung des Ausdrucks irg türlichen oder anabhängigen Ursprung gehabt zu haben. Wan r derartige Bewegungen einmal erlangt, so können sie willkürli und bewuszterweise als Hülfsmittel der gegenseitigen Mittheilung gewendet werden. Selbst kleine Kinder finden es in einem sehr frü Alter heraus, wenn sie sorgfältig gewartet werden, dasz ihre Sehr anfalle ihnen Erleichterung herbeiführen, und üben dann da bald willkürlich aus. Wir können häufig sehen, wie Jemand anwill- lieh seine Augenbrauen erhebt, um Überraschung anszud r lächelt, um vermeintliche Befriedigung und Genugthuung aus- zudrücken. Häufig wünscht Jemand gewisse Geberden auffällig oder demonstrativ zu machen; dann hebt er seine ausgestreckten Arme mit weit von einander gespreizten Fingern über seinen Kopf, um Erstaunen zu zeigen, oder zieht seine Schultern bis an die Ohren in die Höhe, zu zeigen, dasz er irgend etwas nicht thun kann oder nicht thun ill. Die Neigung zu derartigen Bewegungen wird dadurch verstärkt er erhöht werden, dasz dieselben in der angegebenen Weise will- rlich und wiederholt ausgeführt werden; auch können die Wirkuni erbt werden.

ist vielleicht einer Betrachtung werth, ob sich nicht gew: Bewegungen, welche anfänglich nur von einem oder von wenigen In— viduen dazu benutzt wurden, einen gewissen Seelenzustand auszu- cken, zuweilen auf andere Individuen verbreitet haben und durch die Gewalt der bewoszten wie der unbewuszten Nachahmung

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liebes Säugethier zum ersten Mal Junge hat, es das Weinen vor Angst and Noth bei ihren Jungen kennt, oder dasz viele Thiere ihre Feinde instinetiv wiedererkennen und fürchten: und an diesen beiden That- sachen läszt sich vernünftigerweise nicht zweifeln. Es ist indessen äuszerst schwierig zu beweisen, dasz unsere Kinder instinetiv die Be- il eutung irgend eines Ausdrucks erkennen. Ich achtete auf diesen Punkt bei meinem erstgeborenen Kinde, welches nichts durch di Verkehr mit andern Kindern gelernt haben konnte, und kam zu der Überzeugung, dasz es ein Lächeln verstand und Freude empfand, ein solches zu sehen, es auch durch ein gleiches beantwortete, in einem viel zu frühen Alter, als dasz es irgend etwas durch Erfahrung ge- lernt haben könnte. Als dies Kind ungefähr vier Monate alt war, lnnehte ich in seiner Gegenwart verschiedene curiose Geräusche fremdartige Grimassen, versuchte auch böse auszusehen; waren ab die Geräusche nicht zu laut, so wurden sie ebenso wie die Gri für gute Späsze aufgenommen: ich schrieb dies zu der Zeit dem Um- stände zu, dasz allem diesem ein Lächeln vorausgegangen war oder

tete. Als es fünf Monate alt war. es einen mitleidsvollen Ausdruck und Ton der Stimme zu verstell Als es wenige Tage über sechs Monate alt war, that seine Wärteri so als weinte sie; und hier sah ich, wie sein Gesicht augenblicklich einen melancholischen Ausdruck annahm mit stark herabgezogen Mundwinkeln. Nun konnte dies Kind nur selten irgend ein ander Kind und niemals eine erwachsene Person weinen gesehen haben; au zweifle ich, ob es in einem so frühen Alter über die Sache nachge- dacht haben dürfte. Es scheint mir aber, dasz ihm ein angeborenes Gefühl gesagt haben musz, das vermeintliche Weinen der Warte drücke Kummer aus; und dies erregte durch den Instinct der Sy pathie in ihm Kummer.

Mr. LKMOINE meint, das/, wenn der Mensch eine an. Kenntnis der Ausdrucksförmen besäsze, Schriftsteller und Künstler es nicht für so schwierig, wie es notorisch der Fall ist, gefunden haben würden, die characteristischen Zeichen jedes eigentümlichen Seelenzustandes zu beschreiben und nachzubilden. Dies scheint mir indessen kein gültiges Argument zu sein. Wir können ladisch sehen, h der Ausdruck bei einem Manschen oder einem Thiere in einer nicht miszuverstehenden Weise ändert, und doch völlig aus/er Staude sein, wie ich aus Erfahrung weisz, die Natur der Veränderung z'

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328                                         Zusammenfassung

oder keine Absicht dabei.                                     in die eigentümliche

Form zu verziehen, welche so deutlich Unglück anzeigt. I i sind einige der characteristischsten Ausdrucksformen des Menschen aus dem Acte des Schreiens herzuleiten, wie früher erklärt worden ist.

Obschon die meisten unserer ausdruckgebenden Handlangen an- geboren oder instinctiv sind, wie i                      a zugegeben wi ist es doch eine andere Frage, ob wir irgend eine instinctiv.1 Fähig- keit Italien, sie wiederzuerkennen. Allgemein i-i das/, dies der Fall sei: diese Annahme ist aber von Mr. Lehoine heftig bekämpft worden2. Affen lernen bald nicht blosz den I

Herren, sondern den Ausdruck ihres Gesichts nur'

ein sorgfältiger Beobachter angegeben hat3. Hunde kennen sehr wohl

den unterschied zwis                       öden und drohenden Geberden und

Tönen; auch scheinen sie einen mitleidsvollen Ton v.\\ ei

viel ich aber nach wiederholten Versuchen ermitteln konnte, verstehe

eine nur auf das Gesicht beschränkt.                                   mahnte

des Lächelns oder Lachens; dies scheinen sie wenigstens in manchen

wiederzuerkennen. Diesen beschränkten Grad von Kenntnis

Affen als Hunde, wahrscheinlich dadnreh erlangt,

de eine rauhe oder freundliche Behandlung mit einzelnen unserer

. keiten assoeiirten; sicherlich ist diese Kenntnis nicht instinctiv. Ohne Zweifel werden Kinder bald die Bewegungen des Ausdrucks bei Personen, we                       - sie Bind, in derselben w

lernen, wie die Thiei                        ihrer Herren. Wenn überdies ein

Kind weint oder lacht, so weisz es in einer allgemeinen Art, was es thut und was es fühlt, so dasz dann nur ein geringer Aufwand von Verstand ihm sagen wird, was das Weinen oder Lachen bei Andern zu bedeuten bat. Die Frage isl indessen die: erlangen unsere Kinder die Kenntnis des Ausdrucks nur durch Erfahrung mittelst der Kraft iation und des Verstandes?

Da die meisten Bewegungen des Ausdrucks allmählich erlangt worden und später instineth geworden sein müssen, so scheint es in gewissem Grade a priori wahrscheinlich, dasz auch das Wiederkennen

Iben instinctiv geworden sei. Wenigstens bietet diese Annabmi keine gröszere Schwierigkeit dar als anzunehmen, dasz wenn ein wei

en

2 La l'hvsionoraie et la Parole. 1865. p. 103. 118.

thieie von Paiagn

Z'. i et                      Cl jrle

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gen

von verschiedenen Species erlangt worden; diese Ansicht erklärt aber die grosze Ähnlichkeit verschiedener Species in einer groszen Zahl unbedeutender Einzelheiten nicht. Wenn wir nun die zahlreichen, in keiner Beziehung zum Ausdruck stehenden Punkte der Structur im Sinne behalten, in denen alle Menschenrassen nahe mit einander einstimmen und zu diesen die zahlreichen Punkte fügen, — ein von der gröszten Bedeutung und viele von dem untergeordnets Werthe, — von welch indirect abhängen, so scheint es mir im höchsten Grade unwahrscheil lieh zu sein, dasz eine so grosze Ähnlichkeit oder vielmeh im Baue durch unabhängige Mittel erlangt worden sein könne. V doch mfiszte dies der Fall gewesen sein, wenn die einzelnen .Mensch rassen von mehreren ursprünglich verschiedenen Species abgestam: wären. Es ist bei weitem wahrscheinlicher, dasz die vielen Punkte

Ähnlichkeit in den verschiedenen Hassen Folge der Vererbun von einer einzigen elterlichen Form sind, welche bereits einen mensc liehen Character angenommen hatte.

Es ist wühl interessant, wenn schon vielleicht müszig, eine Speculation anzustellen, wie früh in der langen Reihe unsei Urerzeuger die verschiedenen ausdruckgebenden B< der Mensch darbietet, successiv erlangt worden sind. Die folgenden Bemerkungen mögen mindestens dazu dienen, einige der hauptsächlich- sten in diesem Baude erörterten Punkte in's Gedächtnis zurückzurufi Wir können zuverlässig annehmen, dasz das Lachen als ein Zeich der Freude oder des Vergnügens von unsern Qrerzengern ausgeübt wurde, lange ehe sie verdienten, menschlich genannt zu werden; denn sehr viele Arten von Allen st<>szen, wenn sie vergnügt sind, wiederholten Laut aus, welcher offenbar unserm Lachen analog ist unl von zitternden Bewegungen ihrer Kiefer und Lippen begleit wird, wobei die Mundwinkel nach hinten und oben gezogen, die Wi cht und selbst die Augen glänzend werden.

In gleicher Weise können wir schlieszen, dasz die Furcht er äus/eist entfernt zurückliegenden Zeit in beinahe derseli ausgedrückt wurde, wie es jetzt von Menschen geschieht: nämlich durch Zittern, das Aufrichten der Haare, kalten Schweisz, I weit geöffnete Augen, Erschlaffung der meisten Muskeln und dadurch,

dasz sich der Körper niederduckte odei                         ä gehalten wurde.

i wird von Anfang an, wenn es grosz war, Schreien oder

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ist

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Zusammenfassung                                      Cap.

analysiren. In zwei von Duchenne mitgetheilten Photographien

und desselben alten Mannes (Taf. 111. Fig. 5 und 6) erkannte beinah . dasz die eine ein echtes, die andere ein falsches Lächel darstellt'; und doch fand ich es für sehr schwierig, zu entscheiden, worin der ganze Unterschied bestand. Es ist mir häufig als eine merkwürdige Thatsache aufgefallen, dasz so viele Nuancirangen des Ausdrucks augenblicklich ohne irgend einen bewuszten Procesz der Analyse unsererseits erkannt werden. Ich glaube. Niemand kann deut- lich einen verdrieszlichen und einen schlauen Ausdruck beschreibe: sind viele Beobachter darüber einstimmig, das/ diese Aul men bei den verschiedenen .Menschenrassen zu erkennen sind. Beinahe ein Jeder, dem ich DtiCHENNE's Photographie des jungen Mannes mit schräg gestellten Augenbrauen (Taf. 11. Kg. 2) zeigte, ifort, das/, sie Kammer oder irgend ein derartiges Gefühl ausdrücke; doch hätte wahrscheinlich nicht eine von diesen Person oder eine unter einem Tausend vorher irgend etwas Genaues über gehrage Stellang der Augenbrauen mit den zusammengewulste1 iuneren Enden oder über die rechtwinkligen Furchen auf der Stirn ai geben können. So geht es auch mit vielen andern Ausdrucksformen; habe darüber practische Erfahrungen gemacht in Bezug auf die Mühe, kostete, Andere zu unterrichten, welche Punkte zu beob- achten wären. Wenn daher die grosze Unwissenheit in Bezug auf Einzelnheiten es nicht verhindert, dasz wir mit Sicherheit und Fertig- keit verschiedene Ausdrucksweisen erkennen, so sehe ich nicht ein, wie man .                    : iheit als einen Beweis dafür vorbringen kann,

dasz unsere Kenntnis, obschon sie nur anbestimmt und ganz allgemein nicht angeboren sei.

Ich habe mit ziemlich detaillirter Ausführlichkeit zu zeig übt, das/, alle die hauptsächlichsten Ausdrncksweisen, welche de: Mensch darbietet, über die ganze Erde dieselben sind. Diese That- sache ist interessant, da sie ein neues Argument zu Gunsten der An- nahme beibringt, dasz die verschiedenen Passen von einer einzigen Stammform ausgegangen sind, welche vor der Zeit, in welcher die

n einander abzuweichen begannen, beinahe vollständig lieh in ihrem Baue und in hohem Grade so in ihrer geisl Wickelung gewesen sein musz. Ohne Zweifel sind zwar wohl ähnlich Structureinrichtnngen, die demselben Zwecke angepaszt sind, häufig unabhängig von einander durch Abänderung und natürliche Zuchtwal

iilil

ähnliche

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Cap. 14.                                 und Schluszbemerkiingeii.

Wutliausbruche, wie im Falle einer Geisteskrankheit, vollen Lauf lfi.-zt. Wir können auch darüber beinahe sicher sein, dasz sie ihre Lippen vorgestreckt haben werden, wenn sie mürrisch oder enttäuscht waren. und zwar in einem höheren Grade, als es jetzt bei unsern Kindern oder selbst bei den Kindern jetzt lebender wilder Menschenrassen der Fall ist.

Unsere frühen Urerzeuger werden ferner, wenn sie sich unwillig oder in mäszigem Grade zornig fühlten, nicht eher ihren Kopf auf- recht gehalten, ihren Brustkasten erweitert, ihre Schultern scharf zu- sammengenommen und ihre Fäuste geballt haben, bis sie die gewöhn- liche Haltung und aufrechte Stellung des Menschen angenommen und gelernt hatten, mit ihren Fäusten oder mit Keulen zu kämpfen. Bis zum Eintritt dieser Periode wird die gegensätzliche Geberde des Zuckens mit den Schultern als ein Zeichen der Unfähigkeit oder der Ged nicht entwickelt worden sein. Aus demselben Grunde wird damal das Erstaunen nicht durch ein Emporheben der Arme mit geöffneten Händen und auseinander gespreizten Fingern ausgedrückt worden sein. Auch wird das Erstaunen, nach den Handlungen von Affen zu urtheilen, sich nicht durch einen weit geöffneten Mund zu erkennen gegeben haben; die Augen werden aber weit geöffnet und die Augenbrauen gewölbt worden sein. Abscheu oder Widerwille wird in einer seh: frühen Zeit durch Bewegungen um den Mund, ähnlich denen brechend, gezeigt worden .-ein. — indessen nur, wenn die Ansic welche ich vermuthungsweise ausgesprochen habe, correct ist, da: nämlich unsere Urerzeuger die Fähigkeit hatten uud auch davon Ge- brauch machten, willkürlich und schnell irgend welche Nahrung aus ihrem Magen auszustoszen, die ihnen nicht zusagte. Die verfeinerte Art indessen, Verachtung oder Geringschätzung durch Herabsenkung der Augenlider oder Abwenden der Augen und des Gesichts auszu drücken, als wenn die verachtete Person nicht werth wäre, angesehi zu werden, wird wahrscheinlich nicht eher als bis in einer viel sp tern Periode erlangt worden sein.

Von allen Ausdrucksformen scheint das Erröthen die im alle: strengsten Sinne menschliche zu sein; und doch ist sie sämmtliche oder nahezu sämmtlichen Kassen des Menschen eigen, mag nun irgend welche Veränderung der Farbe auf der Haut dabei sichtbar sein odi nicht. Die Erschlaffung der kleinen Arterien der Hautfläche, v welcher das Erröthen abhängt, scheint an erster Stelle eine.Fol

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Heulen verursacht haben, wobei mit den Zähnen geknirscht und | rerzeuger werden aber jene in trade ausdrucksvollen Gesichtszüge nicht eher dargeboten hab welche das Schreien und Weinen begleiten, als bis ihre Circulations- und Respirationsorgane und die die Augen umgebenden Muskeln ihren rtigen Bau erlangt hatten. Das Vergieszen von Thräne seheint durch Reflexthätigkeit in Folge der krampfhaften Zusamm Ziehung der Augenlider, vielleicht in Verbindung mit einer I der Augen mit Blut während des Actes des Schreiens, entstanden zn sein. Das Weinen trat daher wahrscheinlich spat in der Reihe unserer Vorfahren auf; dieser Schlusz stimmt mit der Thatsache überein. das/.

in Verwandten, die anthropomorphen Allen, nicht weinen. Wir müssen hier indessen mit einiger Vorsicht auftreten; denn da

. welche nickt nahe mit den Menschen verwandt sind, weinen, so kann sich diese Gewohnheit schon vor langer Zeit bei einem Unterzweige der Gruppe entwickelt haben, von welcher der Mensch ausgegangen ist. Wenn unsere frühern Urerzeuger von Kummer oder Sorgen litten, werden sie nicht eher ihre Augenbrauen schräg gestellt oder ihre Mundwinkel herabgezogen haben, bis sie die Gewohnheit erlangt hatten, zu versuchen, ihr Schreien zu unterdrücken. Es ist daher der Ausdruck des Kummers und der Sorge in eminentem Gra menschlich.

Wuth wird schon in einer sehr frühen Zeit durch drohende oder rasende Geberden, durch Kothwerden der Haut und durch starrende Augen, aber nicht durch ein Stirnrunzeln ausgedrückt worden s Die Gewohnheit, die Stirne zu runzeln, scheint nämlich dadurch langt worden zu sein, dasz die Augenbrauenrunzler (Corrugatoren) di ersten Muskeln waren, welche sich zusammenzogen, sobald während der frühesten Kindheit Schmerz, Zorn oder Trübsal empfunden wurde, zum Theil auch dadurch, dasz das Kunzein der Stirn als Schirm bei schwierigem und intensivem Sehen diente. Diese Handlung, mit den Augenbrauen einen Schirm für die Augen zu bilden, scheint wa scheinlicherweise nicht eher gewohnheitsgemäsz geworden zu sein, der Mensch eine vollkommen aufrechte Stellung angenommen hatte denn Allen runzeln ihre Augenbrauen nicht, wenn sie blendendem Lichte ausgesetzt, werden. Unsere frühen Urerzeuger werden wahr scheinlich, wenn sie in Wuth gerathen sind, ihre Zähne noch wei gezeigt haben, als es jetzt der Mensch thut, selbst wenn er sein<

te Work of Charles Darwin Onli

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i erklingen.

wären, so würden ihre Bewegungen in hohem Grade ausdrucksvoll gewesen sein, wie es bei allen den Thieren der Fall ist, die mit ihren Zähnen kämpfen; and wir können annenn                      re frühern Ur-

erzeuger in dieser Weise kämpften, da wir noch immer den Eckzahn der einen Seite entblüszeu, wenn wir Jemandem Hohn oder Trotz bieteD, und wir unsere sämmtlichen Zähne zeigen, wenn wir in rasende Wuth gerathen.

Die Bewegungen des Ausdrucks im Gesicht und am Körper eher Art auch ihr Ursprung gewesen sein mag, sind an und für sie selbst für unsere Wohlfahrt von groszer Bedeutung. Sie dienen als die ersten Mittel der Mittheilung zwischen der Mutter and ihrem Kinde: sie lächelt ihm ihre Billigung zu und ermuthigt es dadurch auf dem rechten Wege fortzugehen, oder sie runzelt ihre Stirn aus Misbilligung. Wjr nehmen leicht Sympathie bei Andern durch die Form ihres Ausdrucks wahr: unsere Leiden werden dadurch gemildert und unsere Freuden erhöht; und damit wird das gegenseitige wohl- wollende Gefühl gekräftigt. Die Bewegungen des Ausdrucks verleihen unsern gesprochenen \                    iftigkeü und Energie. Sie enthüllen

die Gedanken und Absichten Anderer wahrer als es Worte thun, welche gefälscht werden können. Wie viel Wahrheit die sogenannte Wissenschaft der Physiognomie überhaupt enthalten mag, scheint, wil Haller schon vor langer Zeit bemerkt hat4, davon abzuhäi verschiedene Personen je nach ihren Gemüthsstimmungen verscl

htsmuskeln in häufigen Gebrauch bringen; die Entwickelung dieser Muskeln wird hierdurch vielleicht verstärkt und die in Folge ihrer gewohnheitsgemaszen Zusammenziehung im Gesicht auftretenden Linien oder Furchen werden damit tiefer und auffallende]-. Der freie Ausdruck einer Gemüthserregung durch äu                   n macht s:

intensiver. Auf der andern Seite macht das Zurückdrängen alle: äuszern Zeichen, so weit dies möglich ist. unsere Seelenbewegungen milder5. Wer seiner Wuth durch heftige Geberden nachgibt, wird sie nur vergröszern; wer die äuszern Zeichen der Furcht nicht der Controle des Willens unterwirft, wird Furcht in einem bedeutenderen

und wer in Chthätigkeit verharrt, wenn Kummer überwältigt wird, läszl

r, L820, Tom. IV. p. 211,

; of Charles Dar'

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»fassung

davon gewesen zu sein, dasz ernste Aufmerksamkeit der Erscheinung unserer eigenen Person, besonders unseres Gesichts zugewendet wurde. wozu dann Gewohnheit, Vererbung und das leichte Strömen von Kervenkraft gewohnten Caniilen entlang zur Unterstützung hinzuge- treten sind; später scheint es dann durch die Kraft der Association auf die Form der Selbstbeachtung ausgedehnt worden zu sein, welche sich der moralischen Aufführung zuwendet. Es kann kaum bezweifelt werden, dasz viele Thiere im Stande sind, schöne Farben und selbst Formen zu würdigen, wie es sich in der aufgewandten Mühe zeigt, mit welcher die Individuen des einen Geschlechts ihre Schönheit vor denen des andern Geschlechts entfalten. Es scheint aber nicht mög- lich zu sein, dasz irgend ein Thier eher, als bis seine geistigen Fähig- keiten sich zu einem gleichen oder nahezu gleichen Grade mit denen des Menschen entwickelt hatten, seine eigene persönliche Erscheinung in nahen Betracht gezogen hätte und in Bezug auf dieselbe empfind- lich geworden wäre. Wir können daher wohl schlieszen, dasz das Erröthen in unserer langen Descendenzreihe erst in einer sehr späten Periode entstanden ist.

Aus den verschiedenen, eben erwähnten und im Verlaufe des vor- liegenden Bandes mitgetheilten Thatsachen folgt, dasz, wenn d Structur unserer Respiration»- und (,'irculationsorgane nur in ei unbedeutenden Grade von dem Zustande, in dem sie sich jetzt finden, abgewichen wäre, die meisten unserer                     isen wundi

bar verschieden gewesen wären. Eine sehr geringe Veränderung Verlaufe der Arterien und Venen, welche zum Kopfe gehen, würi

ahrscheinlich verhindert haben, dasz sieh das Blut während hef- tiger Exspirationen in unsern Augäpfeln aufhäuft; denn dasselbe tritt nur bei äuszersi wenig Säugethieren ein. In diesem Falle würden wir einige unserer characteristischsten Ausdrucksformen nicht darge- boten haben. Wenn der Mensch mit Hülfe äuszerer Kiemen Wasser li-t hätte (obgleich diese Idee kaum einer Vorstellung fähig ist), anstatt Luft durch seinen Mund und seine Nasenlöcher zu athmen, so würden seine Gesichtszüge seine Gefühle nicht viel wirksamer aus- gedrückt haben, als es jetzi seine Bände od                      o ihun. Wuth und Widerwille würden indessen noch immer durch Bewegungen um die Lippen und den Mund haben gezeigt weiden können, und die würden glänzender oder matter geworden sein je nach dem tande der Circnlation. Wenn unsere Ohren beweglich geblieben

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Abbildungen der Gesichtsmuskeln,

HJ. 23. Absi'lii'u, -':!.'>: Ausspucken ein Zeichen

des —8, Absonderungen, durch starke Ge-

miithserregungen aftkirt, 62.

Abyssinier, weinen vor Lachen, 190; Mundhängen, 212; Wutb, 226; Ent-

mit den Schultern, 245; Bejahung und Verneinung. -'M ; L'rstaunen. L'.'iii. L'ü.'i; sollen niclil erröthen, 290, Anni. 12. ffe ii. 54; Vermögen geg

ittheilung und Ausdruck, d der Ohren, i

eile Ausdrucksformen, 119; Ver- gnügen, Freude u. s. w., 120; schmerz- liche Erregungen, 123; Zorn, 124;

werden vor Leidenschaft roth, 125;

ien, 126; mürrisches Wesen, 126; Stirnrunzeln, 129; Erstaunen,

cken, 130, fletschen die nicht, 231; erbrechen sieh hau

Aguti, Sträuben der Haare. B9.

Albinos, Erröthen bei, 28

Alison, Professor, 28.

Ameisenfresser. Sträuben der Haare, 89.

Anatomie und Philosophie des Aus- drucks, 1.

Anatomische Abbildungen von

Heule, 1.

Andacht, Ausdruck der frommen —200. A n der son, Dr., 97, Anm. 26.

. I.ieut.. ii:;. Anm. 4. Antilopen, Sträuben der Haare, 89. Anuhis-Pavian, 87, 122. Araber, zucken mit den Schultern,

245; Bejahung und Verneinung, 251;

erröthi d Araucaner, mürrische Kntschlossen-

heit, 211.

A rg w oh n. 110,

Arrectores pili,

Hl«»                          IM Auflagt'. (VII.)

Association, Kraft der, 27:

28, 29. Audubon, 90, Anm. 11, A n fb 1 äh e n des Körpers u. I bei Kröten und Fröschen', 96; I" Chamaeleons u. s. w., 95; schlangen,

Aufmerksamkeit, 255. Aufrichten der Hautanhänge, 86. Augen, Contraction der Muskeln um

die — beim Schreien, 143; Stellung

derselben wahrend des Schlafes

bei der Andacht, 200. Augenbrauen, schräge Stellung

162. Ausdruck, Anatomie und Philoso;

des —s. 1. —, allgem                         - —s, 24

drei Hauptgesetze, 24: zwi

assoeiirter Gewohnheiten, 25, des -. II. der Thätigkeit des n-ystems, 60.

- . Mittel des—s bei Tbieren, 76; Aus' 36; Aufrii h-

ten der Hautanhange, «13—95; Auf-

blähen dl                          101 j Zurück-

ziehen der Ohren, 101—104; Aufrich- ten der Ohren, 104. Ausdrucksformen, specielle, bei Tbieren, 106; Hunde. 105 — 11 Katzen, 114-117; Pferde, 117- Wiederkäuer, 118; Affen. Pavii Chimpansen, 11

eben, 133;

den. 133 : Weinen hei Kindern, Zusammenziehuntr der Muskeln riii:

Loge heim Schreien, U

Absonderung von Thränen, 1 I*: Kum- mer und Gram, 161; schräge Stellung brauen, 162; Gram-Muskeln,

HM: Herabziehen der Mundwinkel.

175; Freude, 180; Ausgelassenheit,

Heiterkeit. 193; Liehe, /arte Empfin- dungen, 1 !».">: andächtige Ergebung. 21 in,

Ausgelassenheit, 193; Definit'

derselben von einem Kinde, 193. 22

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Jusammenfassung und Sehluszbeinerkungen.

Cap.

Elasticität des Geistes wieder zu erhalten. Diese Resultate sind zum Theil eine Folge der innigen Beziehung, welche zwischen allen Gfl müthserregungen und ihren äuszern Offenbarungen besteht, zum Theil Folge des directen Einflusses einer Anstrengung auf das Herz und folglich auch auf das Gehirn. Selbst das Heucheln einer Gemüths bewegung erregt dieselbe leicht in unserer Seele. Shakespeare, wel eher doch wegen seiner wunderbaren Kenntnis der menschlichen See! ein ausgezeichneter Beurtheiler sein sollte, sagt: —

„Ist's nicht erstaunlich, da-z der Spieler hier Bei einer bloszen Dichtung, einem Traum

ine seine Seele Nach eignen Vorstellungen so zu in Dasz sein Gesicht von ihrer Regung blaszte, Sein Auge nasz, Bestürzung in den Mienen, Gebrochne Stimm' und seine ganze Haltung Gefügt nach seinem Sinn. Und alles das um nichts!"

IWir haben gesehen, wie das Studium der Theorie des Ausdruc! einer gewissen beschränkten Ausdehnung die Folgerung bestätig] dasz der Mensch von irgend einer niedern thierischen Form hei und wie dasselbe die Annahme der speeifischen oder subspeeifischen Identität der verschiedenen Menschenrassen unterstützt; so weit aber mein Urtheil reicht, bedurfte es kaum einer solchen Bestätigung. Wir haben auch gesehen, dasz der Ausdruck an sich, oder die Sprache der Seelenerregungen, wie er zuweilen genannt worden ist, sicherlich für die Wohlfahrt der Menschheit von Bedeutung ist. So weit möglich die Quelle und den Ursprung der verschiedenen Ausdruc weisen, welche stündlich auf den Gesichtern der Menschen um hen sind (unsere domesticirten Thiere dabei gar nicht ahnen), verstehen zu lernen, sollte ein groszes Interesse für esitzen. Aus diesen verschiedenen Gründen können wir schlieszi dasz die Philosophie unseres Gegenstandes die Aufmerksamkeit, welc e bereits von mehreren ausgezeichneten Beobachtern erfahren ha ohl verdient und sie besonders seitens jedes fähigen Physiologen ohl noch mehr

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'A Charles Darvn Orj:

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Darwin.                 Register.                  Gould.                    339

arwiu. Dr. 1'... 27. Anm. 8j 42, Anm. 16; Tu, Anm. 11. . 96. Demuth, Dhangars, Ausdruck des Gl

170; zacken mit den Schultern. 245. Dickens. < hartes, 222.

chenne, Dr., 1, 10, 12, 120, 185, Anm. 8; 136, Anm. i: 165, 172, 208,

II I, 277. 279.

Borneo, weinen vw Lachen, 0; Glänzt                        194; Mund-

ngen, 212; Verachtung, 233; Be-

': Erstau- i. Anm. 12.

. wilder. 103. . 97.

Eckzahn. Entblöszung, des —s, 228.

Edgeworth, Maria und R. !

E li r g e i.

Eidechsen, 95.

Eifersucht, 72

Eingebil del sein, 240.

Eitelkeit. 240

Elephan tcu. 103; Weinen der, 151.

Elk, Sträuben der Haare, 89.

Engelmann, Professor \V.. 208.

Inder, «einen selten, 140; wenig demonstrativ. 242; Zeichen der Ver- neinung,

Entblöszen de, Eckzahns, 228.

Entschlossenheit oder Entschieden- heit, 214: Schlieszen des Mundes, 216.

Erh rech en. 111

Erröthen, 283; Neigung zum — ver- erbt, 286: bei                         [enschen- Bewegungen und Geber- den. (»".'leiten. j;i.|:

rlegenheitbeim —, 295; Natur der Seelenzustände, welche es verai 298; :

Ursachen, Schuld, 304; Verletzungen ikette. 805; Bescheidenheit, 306; Theoiie des —s, 308. —, Physiologie oder Mechanismus des

—s, 4; 284, Anm. 1. Erskine, Mr. H., 19, 80, 170, 262.

B, 256; bei Affen, 130. Erweiterung der Pupille, 278. Eskimos, Küssen unbekannt, 196; Be-

jahung und Verneinung, 252. Etikette, Verletzung der, 305.

F.

Feuerländer, weinen, 140; Küssen

unbekannt, 196; Wuth, 226; Verach-

tung, 238; Anspucken, 239; Bejahung

. 291. Fingos, Schmollen der Kinder, 212;

Fledermaus, Sträuben der Haare,

. Mr. iL. 211.

Ford, Mi

Forster, J. R., 290. Foster, Mr. Michael, 31 Fragen, betreffs des Ausdrucks,

Frende, Ausdruck der.

Kindern, 69, Hunden, Pferde Lachen, 180.

Fuchs, der. li i

Furcht, / I, 265; Beschreibung der

F urcli t, iiuszi                         ' eisz bei

ilben,67; bei einer geisteskranken

Frau, 268; bei Mördern, 269

ben der Haare. 270; Erweiterung'

Pupillen, -'7-.

Fyffe, Dr

G. ;i. 126, 149. Gaika, Christian. 20, 1

251, 25 Galton, Mr., 30, Anm. 8. Gänse haut, 92, Garrod, Mr. A. H., 67, Anm. 9.

Gaskell, Mr.. 1 17, Anm. 5. Geach, Mr. F., 19, 170, 230, 239,

269, 289.

Geberden, 29,56; Vererbung gewohn- iszer, 80, Anm. 8; das Er- le. 294. Geberdensprache, 55. Gedrücktsein, 161. i; ed u Idmuskela, 2 17, Gefühle, zärtliche, 195; durch Sy

pathie erregt. 197.

/. Gesetz desselben, Hunde, 45, 50; Katzen. 50; conve Zeichen, 55,

1 aen viel, 11 Zeichen der Wuth, 223. Geiz, 240.

G ewoh g li ei t, Macht der, 26.

Gibbon, erregt. 126.

Gibbon- Affe, bringt mnsikal. Lau

r, 80.

Glenie, Mr. 8. 0 Gordon, Lady Duff, 289. Gorilla, der, -7. 129

Gould, Mr. .1.. 91, Anm. 15. 2o.

:

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338                         toszen.            Register.           Dakota-Indianer.

Ausstoszen von Lauten, s. Laute. A 11 st ral ier, Ausdruck des Orams,169; benderMundwinki druck der Freude, 190, 194; Glänzen .. 194; Küssen anbekannt,

Augenlider beim Nachdenken, 208;

imirri-<l.<

Schmollen der Bänder, 2] Wuth, 226; Entbl

Ausdruck der Schuld, 240; /ucken mit

ung und Verneinung, 251; l'elierraschung und

hl und Eul- setzen, 2Ü7; Furcht, 270 293. Aymaras, mürrische Entschlossenheit,

211; ErrOthen, 291. Azara, 115, Anm. 6; 117, Anm. 7.

Hain. Mr.. 7, 28, 182, Anm. 1; 195,

Anm. 21 . Baker, Sir Saun. Barber, Mrs., 20,98, Anm.2 Barringti Bartlett, Mr., K>, 13, -

Behn, Dr., 284. Bejahung, Zeichen der, 249. B eil, Mr., 268.

Bengalesen, Wuth, 227.

zucken mit den Schultern, 246. Bennett, ö., 126, Anm. 16. Bergeon, 153, Anm 21. Bernard, Claude, 84, 62, 64, Anm. 5. Bescheidenheit, 306. Bewegungen, symbolische, 5; sym- pathische. 6 (nach luatiolet). —, assoeiirte gewohnheitsgemäsze bei

niedern Thieren, 38; Hunde, 38—41;

Wulfe und Schakale. 40; Pferde, 41;

Katzen. 42; junge Hühnchen, 43;

Spieszente u. s Bewunderung. Billard-Spieler, Geberden, 5. Blair, Mr. R. II.. 284, Blinde, Neigung der —n zu erröthen,

284. Blödsinnige, s. Idioten. Blyth, Mr. 89. Bowman, Mr., 146, Anm. 14: 146,

Anm. 16; 164, 207, Brasilianer, erröthen nicht, 291. Brehm, 87. 117. 125, Anm. 14: 126,

Anm. 15.

Bridges, Mr.. 20, 226, 2! Bridgman, Laura. 180, 194, 2

267, 261, 26 Uli n ton, Dr., 1 1 l. Anm. 10. Brodie, Sir Benj., 312.

Brown, Dr. R., 98, Anm. 29,

12, 69, Anm. 10; 141,

Bucknill. Dr., 272. Bulmer, Mr. J.. 18, 190 Bunnett, Mr Templeton, 18, li . Dr., I. 219, Anm. 3. Burton. I

Buschmänner, Erstaunen dei Button, Jemmy, der Feuerlandi i

C.

Cullitliri.r sciuretts, 124.

Camper, Peter, 1, und 1, Anm. 3.

Carpcnter. Dr, W.. eber die Grund- züge der vergleichenden Physiologie, 48, Anm. 17.

Call in.

Caton, Hon. Judge, 89, Anm. 11.

ädrucks-

furmen, 121.

iben der

. 87,

r, 104. Ceylonesen, Entblöszen des

staunen, 256 ;Furcht,269.

C ha in a i

Charma,

ul, 5.

Ch im pause. 87, 120, 131; Zeichen der Wut]

Chinesen, Kummer, 190; weinen vor Lachen. 190; mürrische Entschlossen- heit, 211: Mundhangen. 212; Zorn und Wuth. 226; Entblöszen des Eck- zahns. 230: Entschuldigung, 241 jahung und Verneinung. 2,")1; Erstau- nen, 256; Erröthen, 289.

Cistercienser Mönche, Geberden- Bprach

Cmho uro

Cobra-de-capello, die, 96.

Cooke, der Schauspieler. 229.

Cooper. Dr., 96, Anm. 22.

Cope, Professor, 99, Anm. 31.

Crantz, 238.

Cynopithecus nijer, 104,122,123,12 1,130

D.

Dakota-Indianer. Wuth, 226; Ver- achtung, 235.

of Charles D

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zu

K a i

S

Kämpfen, Art zu— beiThieren, 101; alle Fleischfresser kämpfen mit ihren Eckzähnen, 101; Hunde, Katzen. 101; Pferde, Guanacos u. s w., 102; nah 103; Kaninchen, 103; Eber, 108; Elephanten, 103; Rhinocerosse Affen, 104.

Kanarienvogel, blasz und ohnmäch- tig, 70.

Känguruhs. Art zu kämpfen, 103.

Kaninchen, Gebranch der stimme, 76; stampfen auf den Boden, 85; Art ii kämpfen, 10J,

i/. e. 42, 111: Vorbereitung zum ampf, 50; ihren Herrn liebkosend, '; Zurückziehen der iihren. 101; chwingen des Schwanzes, 114: Be- wegungen der Zuneigung, 115; in schrecklicher Furcht, 116; Empor- heben des Schwanzes, 116; Schnurren. 117.

Kinder, kleine. Ausdruck derselben,

11; Schreien. 134; Weinen, 138. Kindermann. Herr. 21, 134, Anm. 1. King, Major Rosa, 103. Kitzel, 183.

Klapperschlange, 97, 99, 100. Kolli ker, Kröten, 95.

Kummi>r, 7:;; Ausdruck des —s, 101;'

Stellung der Augenbrauen,

li;_': Herabziehen der Mundwinkel,

75; bei Ai: Bsen, 196.

Lächeln. 184, 186, 191; bei kleinen Kindern. 191 : bei Wilden, 194.

II i-, 180; bei Affen, 120; Freude ausgedruckt durch —, 180; bei Kindern, 180; bei Idioten, 181; Ursachen bei Erwachsenen, 181; durch Kitzeln rerursacht, 183; Glänzen der i Hindus. Malayen 190; zur Verbergung der Ge- : beginnendes — bei einem Säugling. 192. acv. Mr.Dyson, 18,211,22 ähmung, allgemeine, bei Geistes- kranke haue. Mr. II. D., 18.

Mr. Archibald G., 18. Langstaff, Dr., 134, 188, 286.

La pplä nder. reiben die Nl Laute. Aeuszeruii.tr von —n, wirk- es Mittel des Ausdrucks, 76; im

Verkehr der beiden Geschlechter, 77: bei getrennten Thieren. 77: der Wuth.

78; Bellen der Hunde. 78; gezähmte

Schakale, 78; Tauben, 7:1

liehe Stimme, 79; Mittel der Werbung,

79; Musik. Bl; bei kleinen Kindern,

-i: bei Deberraschung, Verachtung und Abscheu, 84; Kanin

riweinen, 85; Insecten, bei \ ögeln, 86.

La vate r, (i.. 2. Anm. G. Professor, 310. Le-Brun, der Maler, 1, 3, 225, Anm Leichhard

Leiden des Körpers und Geistes, 13 Lemoine, M. A., 2, 328. Lepchas, erröthen, 289. Lessing, G. E., Laokoon, 13. Leydig, Prof. Frz., 92, 94. Liebe, mütterliche, 71; der beiden Ge schlechter, 71 ; Ausdruck der . 196; in Zeichen der i krauen, 1117. Lieber. Mr. F., 181. Anm. 2; 260.

Lister, Mr., 92, 183, Anm. 6 Litchfield, Mr., über den musika

sehen Ausdruck, 81. Lockwood, Mr. S., 80, Anm. 3. Lorain, Mr., 67, Anm. 9. Lubbock, Sir .lehn. 1 III. 196, Anm. ! \ an. 26.

M.

Macacus sp . 104, 123. maurus, 150.

Mitcacus Wich... 125: erblaszt ans Furch

l:;i. Macalister, Professor, 9, Anm. 13.

ja, 27. Malayen, Ausdruck des Grams, 170; Herabziehen der Mundwinkel, 176; weinen vor Laiben, 190; gute Laune, :. der Augenlider beim Nach- denken. L'n-: mürrische Kntschlossen-

heit, 211; Mundhängen, 212; Wuth, 226; BntblBszen d

ecken \er Ali-ciieu. 238; zucken mit den Schult                         mg und

Verneinung, 251; Furcht, röthen, 289.

Marsh all, Mr., 141, Anm. 9;

Anm. 8. Martin, W. L , 120, 124, 127, Anm. Martins. I . V. l'le ron, 291. M att h e WS, Mr. Washington,

268, 262, 265. Maudslev. Dr., 33, Anm. 10;

Anm. 14; 224, 812, Anm. 40. M au v aisc honte, 301.

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Gram. 73

Gram-Muskeln, 164. Gratiol

Sil. Gray, Frofessor und Mrs Asa. i -»89.

ick der Freude,

Gnaranis, runzeln die Stirn, 204.

m. I. Gunnin( Günthi

u u in

II

92, 270.

II a s en, TU.

tanhftn je, Aufrichten l m Chimp u

Helmholtz, Pi

.Uli. 31.

Henl i

l, 100. empfindlich für aaszei

dun '

Wnth afficirt,

[winket, rar Lachen, 190 Laune, 194; runzeln die Stirn, 204;

rocken mit den :

Biob, 1                         . Furcht, 267.

I

. Kampfart, 108; Ein- 112; Ausdrucks- formen, 119.

Hogarth, Darstellung eines Betron-

Holland, Sir Hi                        \ Anm.

Homer's Beschreibung des Lachens, r Freude, 197.

Lachen,

. 212.

Hund, die sympathischen Bewegungen des —s, ii: Herumdrehen vor dem

strauben der Ilaare, 88;

Zurückziehen                         Ol ; ver-

lier /

it. 110; 111.

1 : 225, Ann

Iluxley, Professor, 28, Anm. 5;

. 80. Hypochondrie, Gram-Muskeln thatij

u;s.

rnck der Freude, :.. 284. dunkelfarbige Stämme I

Wnth, 226; Eingeborne 11 [ndign Innes, Dr

Italiener, Zeichen der Verneinung,

Jerdon, Dr.,

Jukes, Mr. J

251, Anm. 22

Kaffern,                            ichen, 190;

runzeln d

Verlegen!                         11 ische Ent-

illen der Kin-

2' 2 . Verach-

nieht. 241 2.'>1 : !

Schultern

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licj 1 ander.

Iszen der Augenlider, 84; Zusammenfahren, 35; Zusammen- Ziehung der Iris, 37. ijlander, Mr.. 21, 134, Anm. 1; 1C5,

Rei nolds, Sir J., 189, Anm. 15. Rhinoceros, E

Rinder, schwitzen bei äuszersl heftigen

ISchmerzen, >                         r Ilaare

B9; ziehen die Ohren nicht zurück, in.', h iere, Mr.. 22, 109. ) t h k e h 1 c h e n, vor Schreck ohnmäch- tig, 70. )throck, Dr., 20, 211, 230, 238. Isselschwa r iner, 27, ,1

John, M

.hin. Mr. F., 40, Anm. 15.

Band wich - Insulaner, weinen im

Glück. Savage, Mr., li>'J. Schakale, 40, 113. Schani, Geberden der, 294; Erwähnung

der — bei Jesajah, Bai Schauder, beim Abscheu, 235. Schauern, bei schöner Musik, 02. Schlangen, 96—101. Schlauheit, 240. Seh leiereule, 90. Schluchzen, dir Menschenart eigen-

thiimlicli, 142. Schmalz, Mr.. 261.

jzere Zeichen bei Thieren,

63; '"'im Menschen, 63; beim

63; führt Schweisz herbei,

00: wirkt auf das Herz, (.7; Nieder-

agenheit, 7:;.

Schmollen, 211; Ausdruck über die ganze Erde, '-'12: bei Affen, 126; bei jungen Orangs n. B. w., 213.

Schnippen mit den Fingern, 234.

Schrecken, 70.

Schrei, als Hülferuf, 83; — des Ent- setzens, 267.

Schüchternheit, 301.

Schuld. 240; verursachtErrOthen,804.

Schwan, 90.

Seh w e ine, angewendet zur Vertilgung

dir Klapperschlangen, 98. S c h w e i B z. kalter, 2Ü6; vor Schmerz, 66. Scott, Sir \\\, 166.

. Mr. .1., 19, 170, 226-228, 238, 245,

, Hr. \V. Et., 65, Anm. 3.

Secretaii.

Semiten, ernithcn, 289. Seneca. 295.

iare, 28, 72. 221, 238, 240.

2 17. 251

. !I8, 99. Sittsamki i Smith, sir Andr., 190. Smyth, Mr. Brongh, 18, 262, 269. Somalis, Küssen unbekannt, 196. Somerville, 109. Sorgen, 101.

Speedy, Captain, 20,230,241 Spencer, Mr. Herbert, 7.

2 1, Anm. l: 26, Anm. 2:

2u7, Anm Spcnser (der Dichter), 72, 240. Spicsze in

Spitzen der Ohren, 104. Spi x . .1. TOI

Spotten oder Höhnen, 228. Sprache, Geberden-, 55. Spucken, Zeichen des Absehens, Stachelschweine, 85. Stack. Mr. .1. \V.. L8, 212, 220..

menschliche, 79.

S t i r n r u n z e 1 n , Al

Menschen aller Rassen runzeln die

Stirn. 201; Lei Kindern, 205; zur

Unterstützung des Sehen- .

blendendes Licht abzuhaltei Stolz. 210, 241.

Stotterer, runzeln die Stirn, 203. Stra üben des Haai Smart. Mr.. 2:.7. Sutton, Mr., 87, 125, HU. 231, Swinhoe, Mr., 19, 190, 220. Sympathie, 198.

T.

Tadorna, 43.

Taga len , Zeich a der Ed

Tahiti. Fiiigehurenc, Kl

kannt, 196; Erstaunen, 202; Krauen

erröthen, Taplin, Mr. G., 18, 170, 22 Taubstumme, Benutzung

satzc hei ihrem Unterricht,

3; 234. Taylor, Mr. R., 111. Tegetmeier, Mr.. 01. Tcnnent, Sir J. Emerson, i"l l'hiere. specielle Ausdrucksformen

—n, 106, s. Ausdruck.

— . gewollt

. hei niedern —n, 38—44; Wölfe und Schakale, 40; Pferde 41;

Katzen, 12: Hühnchen, I'.: -

43; Flamingo, Kagu and Eisvögel, 43.

10,

182,

um.

bei

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lieflcxthatigkeiten.

May, Mr. A.. 22.

Melancholiker, «einen viel. 140; abranen, 162,168; Herab- ziehen der Mondwinkel, 176. Mensch, Specielle Ausdrucksformen,

133, s. Ausdruck.

Meyer, Dr. Adolf, 252.

Sträuben der Ha

Mittheilung, Vermögen der —bei social'                                     lubstum-

men, 55; Händen und Katzen,

Moschus-Ochse. L19.

Mowbray, über Hühner, 13, Anm. 18.

Mulatten errflthen, 292.

Maller, Dr. Ferdinand, 18.

—, Johannes, 10, 20, Anm. 2; G2, Anm.

2: 64, Ann.. 6.

Mund, Oeffncn desselben beim Erstau-

Marie, Di

Ma scu 1 us superbus, 241,

Mu si k. l!i:t: musikalischer Ausdruck, 82.

Geduld, 247; — der üeberiegun

N.

Nachdenken, 208, häufig von ge- wissen Geberden begleitet, 209.

Neger, Au-; reiben den Hauch vor Freude, 194; Narben werden roth bei der Wuth,219; Aus.-;                        neu, 23S; zucken

mit den Schaltern, 246; Bejahung und

Verneinung, 25"; Erstaunen. .

265; Erröthen, 2:12. Neid. 240. Neigungen, vererbte oder instinetive,

27. Nervensystem, directe Wirkung des

I: ParbenverSnderungdes

61; Zittern der Mus!,.

der Seeretionen, 02; -

Wuth, 67; Freude, 0'.l; auszorstc An<-'~t,

70; Liebe, 71; Eifersucht u. s. w., 72; Kummer 73. Neo-Griechen, Bejahung und Ver- neinung,

Neu-Seelander, weinen, 140; gute Laune. 194; Küssen unbekannt, 196; reibe                         6; Mundhangen,

212; Wuth. 226; Bejahung und Ver- neinung, 252; Erstaunen, 256; Er- röthen. 290,

Nicol, Mr. l'atrik. 12, 168, 224, 275.

Niedergeschlagenheit, 73, 161.

Nord-A merica. Indianer; weinen vor Lachen, 191; Ausdruck der Verlegen-

heit, 210; mürriscl

ollen der Kinder, 212; wer- den roth vor Wuth, 219; Wuth, 226; Entblöszen des Eckzahns, 230; Ab- scheu, 288; zucken mit den Schulte]

246; Bejahung und Verneinung,

: Errüth

0.

Ogle, Dr, W.. 284, 248, 21

Uhren, das Zurückziehen der—, 10!,

heim Kämpfen: Hunde. Katzen, Tiger u. s. w., ioi; Pferde. 102; Guanacos n.s.w.,102; Orignal, 103; Kaninchen, 108; wilde Eber, 103; Affen, 104

Aufrichten der

Oliphant, Mrs., 73, Anm. 12; 21

Anm. 16. Olmsted. 217. Orang, 120. 120, 181; Zeichen d<

Wuth, 213. Orignal, 103. Owen, Professor R., 9, Anm. 13;

Anm. S; 129, Anm. 18.

Paget, Sir James, 62, 10G, 286, 313. Papuas, Küssen unbekannt, 196. Parsons, J., 1, Anm. 1. l'a v ia n. Anubis-, 87.

ia no,

125.

Peccari, Strauben der Ho

P fe i f e u als Zeichen der Uebcrraschung,

262. Pferd, 41; Knabbern, Kratzen, 41;

bei hettigen Schmerzen, 66; Sträuben des Haares vor Furcht. 89; Schrei vor Noth, 77; Kämpfen, 102; Ausdruck der Furcht, des Vergnügens

L17.

Dr.,

137, 187, 203,

Piderit

Platysma myoides, Zusammenziehung

' n, 273. Plaut us, 209. Polynesier, erröthen, 290. Ponchet, Mr. &., 61, Anm. 1.

Sträuben der Haare, 89 Puff-Otter, 96. Pupille, Erweiterung der, 278.

lg

Rache, 240.

Reade, Mr. Winwood, 19,

Reflexthät igkeiten, 32; Husten, Niesen u. s. w., B2; Mnskelthätig- keit eines enthaupteten Frosches,

.

[page break]

344

Regit ur.

Zuummriifiui

Thrinen. 1'rMclto der Absonderung, Wenle, Mr.J. P. Mantel, 20. 209, IIS,

148: Ltcfarn, Hütten, 118; Gabt

149: Reflenhaiiukeil, 154. Thwaicc*, Mr.. 101. Trigonottphalut, 9?*. Tropib-VogeU 80, Trott, hetaustordeindcr, 228. Türken, Iti-jnhonKiiBJVe(D.-iiiuiie.i*>l. Tnrner, Frofemor W™ 92, Ann. 18. Tylor, Mr, 55, Anm. 2; 234, 239,

U.

Deberlegung, 203; liefe — Eewönn-

lieh lon Siinirunieln begleilei, 203. üeberrn.chans. 255. üeblc Laune, 219. Unfähigkeit, 242. Dnvillen, 225.

ttoriichei Htr

311.

.a

Verachtung, 232; Schnippen milden

Fingern, 234. Vererbend «ewohnheimemiwer Ge-

berdrn, 3I>. Aura. 9; Krrothtn, 2*5. Verlegenheit, 204, 209. Verneinung, Zeichen der, 240. Vertunkentein in (.»danken. 208.

Wedgwood. Mr. Hen.lete*. 95, HS, Anm. 18; 201, Jll, Anm. 10; 22», Anm. 8; 229, JSo, 202, 281.

Weinen, 132t die Zeit de* eruen Tbchuemeigtatenf bei bUiuei Ein- dun gant unlmiimmt, 138, bei Wil- den. lli>; bei GrlMeik ranken. 140; .'nterdmckunR oder Stärkung der Ge- wohnheit, III; Schreien o. Schluchten kleiner Kinder, 142, ». auch Thiinen.

Wcir, Mr. Jenaer, 9a

Weil. Mr.. 19.

Widerwille, 235.

Wiederkäuer, ihreScctenencgungcn, 1 118.

Wilson, Mr., 17.

—, Mr. Samuel, 18.

Wolf, der, 40, 113.

Wolf, Mr., 21.

Wood, Mr. J, 164, Ana 3; 272.

-, Mr. T. W., 21.

Würgen, 114.

Wuth, U7.219: Zittern, eine Folg«d-r, 220,&hak«iienre'.lte»cbreibung, i'21: Fletschen der Ziliu*. 222.

Wjman, J, 129.

Verwirrung, des Geittet,

rothen, 29». Verzweiflung. 161. Vircho-, R., 32. Anm. 9. Voeut, Mr. de», 100, Anm. Vöfol, richten ihre Feden

auf, 90: drucken dieselben

an, 91. Vngt, C, 187, Anm. 12.

W.

Wallaee, Mr., 120. Wallleh, l>r., 21, 184.

Er-                               Z.

.Zeichen, der BejabunRuiulVemeinun.',

249; (oinemionel le. 55. ' Ziegen, Sir*ulirndcrHa»re,W; liebe« MM I die Obren nicht turnen, luJ. infcl Zittern, »on der Furcht leranla*", . lil; toe KnuiWfcea, 81; W tchöper Mimik. 61; vor Watb, 03. rar autter- «ler Angst, 70. Zorn, 225; bei Affen, 124. Zucken mii den Scbultiin .42 Zutaminmcnfnttuajff, JSItf.

>" q t i z für den Buch binde r!

Tafel      I. gegenüber von  fceite  124.

,       II.                     .       .     l«3.

-       III.         ,           ,       -     l-l

-       IV-        -          -       -    *2«. .       V.        _          .             233. ,      VI.                     ,       .     ui .     VII,         .          .       _    27J.

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Thränen, Ursache der Absonderung, 118; Lachen, Husti u. I'.eflextliiitigkeit, Thwaites, Mr., 151, . 98. !. 90. Trotz, herausfordernder, 228. Tür ki'ii, Bejahung und Verneinung,251. Turner. Professor W., 92, Anm. 18. Tylor, Mr.,                           234, 239,

Anm. 11.

ü. Ueberlegung, 202; tiefe — gewöhn- lich von Stirnrnnzeln begleitet, 203. UeberraschuiiL Deble Laune, 210. Unfähigkeit, 242. Unwillen, 225.

Vasomotorisches Nervensystem, 63,

S14. Verachtung, 232; .-< ihnippen mit den

Fingern, 23 1. Vererbung, gewohnheitsgemäszer Ge- berden, 30                        öthen, 285. Verlegenheit, 204, 209. Ve rnei n u n g, Zi Vit -u n ken sein in Gedanken, 208. V e r w irrung des Geistes, beim Er- röthen

< iflung, 101. Virchow. R., 32, Anm. 9.

ix. Mr. des. 100, Anm. 32.

ten ihre Federn im Zorne nf. 90: drucken dieselben vor Furcht

ist, Anm. 12

Wallace, Mr., 120. "Tal lieh, Dr., 21, 184.

Z usam m'

. 20, 209, 262. Wedgwood, M Anm. 1-: 201, 211, Anm. 10;

Anm. tl; 229. jr.n, 2112, 2-1.

Weinen, 182; die Zi Thränenvergieszens bei kleinei Kin- dern ganz unbestimmt, 138; bei Wil- den, 140; I

Unterdrückung oder Stärkuni wohnheit, 141; Schreien u. Schluchzen kleiner Kinder, 142, s. auch 1 b

\V eir, Mr. Jennt

West, Mr., 19.

Widerwille, 2

W ieder k äu e r, ihre Seelenenegunge 118.

Wilson, Mr., 17. . Mr. Samuel, 18.

Wolf, der, H), 113.

Wolf, Mr., 21.

W.....I, Mr. .1, 164, Anm. Sj

. Mr. T. W., 21.

Wuth, 67,219; Zittern, eine Folge de! akespeare's Beschreibung, 22

fletschen der Zahne, 222. Wyman, .1.. 129.

Zeichen, der Bejahung und Verneinun

Z i egen. Sträuben der Haare, die (ihren nicht zurück,

Zillern. v.m der Furcht veranlasst.

atzücken, i 1 ; bei BchoBer

Musik, 61; vor \\ n

bei Allen. 124. Zucken mit den Schultern 242 Zusa m 111 in i'ii I.:

Notiz für deu Buchbinder!

Tafel I. gegenüber von Seite  124. II. „ ....

., III.         .           ., ..     184.

IV.         .,                   ..     228.

„ V.         .,           .. ..     233.

VI.......     242

- VII.         ,           „ .,     271.

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Cap. 11.

Verachtung.

gert1, dasz ihre Beschreibungen nicht zuverlässig sind. Wir werden aber sofort sehen, dasz es sehr natürlich ist, dasz die Empfindungen, welche wir hier zu betrachten haben, auf viele verschiedenartige Weise ausgedrückt werden, insofern verschiedene gewohnheitsgemäsze Hand- lungen gleichmäszig gut, durch das Princip der Association nämlich, zum Ausdrucke derselben dienen.

Spott und Geringschätzung können ebenso wie Hohn und heraus- fordernder Trotz durch ein unbedeutendes Entblöszen des Eckzahns auf einer Seite des Gesichts dargestellt werden, und diese Bewegung scheint allmählich in eine andere überzugehen, die einem Lächeln auszerordentlich ähnlich ist. Oder das Lächeln oder das Lachen kann ein wirkliches sein, wenn auch ein höhnisches, und dies setzt voraus, ler Beleidiger so bedeutungsl.                     r nur Erheiterung er-

regt; die Erheiterung ist aber meist nur eine vorgebliche. Gaika be- merkt in seinen Antworten auf meine Fragen, dasz von seinen Lands- leuten, den Kaffern, \                     iwöhnlich durch ein Lächeln gezeigt wir«]; unl der Rajah Brooke macht dieselbe Bemerkung in auf die Dyaks von Borneo. Da da                                          Lusdruck er Freude ist, so lachen, wie ich glaube, kleine Kinder niemals aus Hohn.

Das theihveise Schlieszen der Augenlider, wie Duchenne hervor- hebt8, oder das Wegwenden der Augen oder auch des ganzen Körpers sind gleichfalls                     usdrucksvoll für Geringschätzung.

Handlun                       erklären zu sollen, dasz die verachtete Person

nicht werth ist. angesehen zu werden "'ler unangenehm anzusehen ist. .i' Photographie (Tafel V. Fit,'. 1) von Mr. RfiftiNDEB Hing. Sie stellt eine junge Dame dar, vmi der man sieh vorstellen kann, das/, sie die Photographieeines verachteten Lieh

Methode, Verachtung auszudrücken, ist die

durch gewisse Bewegungen um die Nase und um den Mund. Aber

leren Bewegui                                                               len sind.

n leicht in die Höhe gewendet sein, was

allem Anscheine nach Folge des Aufwerfens der Oberlippe ist,

2 Physionomie Bumaii                                                      tiolet spricht

auch (De                                                                                       und des Kopfes.


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Citation: John van Wyhe, editor. 2002-. The Complete Work of Charles Darwin Online. (http://darwin-online.org.uk/)

File last updated 2 July, 2012