RECORD: Hahn, Otto. 1880. Eophyllum canadense aus dem Serpentinkalk des Laurentian-Gneises von Canada. Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg (Württembergische naturwissenschaftliche Jahreshefte). 36: 71-74.

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V. Rechtsanwalt Dr. Otto Hahn in Reutlingen sprach über das Eophylliim canadense aus dem Serpentinkalk des Laurentian-Gneisses von Canada.

Es ist das Verdienst Sir William Logan's in Montreal, des verstorbenen Vorstands der geologischen Staats-Anstalt Canadas, die Laurentian-Formation festgestellt zu haben.

lieber dem Granite liegt in Canada ein zu 30 000' Mächtigkeit geschätzter Gneiss, Er bedeckt einen grossen Tlieil von Obercauada. Der Gneiss selbst besteht aus Orthoklas, Quarz und Glimmer, an manchen Stellen aber tritt Anorthit an die Stelle des Orthoklases.

Da wo der Anorthit den Hauptbestandteil dos Gesteins ausmacht, ist der Laurentian-Gneiss von Kalkschichten durchzogen. Diese enthalten wieder Lager von Dolomit, edlem Ser-

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pentin und zwischen diesen eingeschlossen, Wechsellager von Serpentin und Kalk. Es ist das Gestein, welches nach der Entdeckung Sir W. Logan's und Dr. Dawson's (Canzlers des M'Gill-College in Montreal) das berühmte Eozoon in Form von Steinknolle» einschliessfc.

Ich brauche hier nicht an den langgoführten Streit um die organische Natur des Eozoon-G-esteins zu erinnern. Es ist derselbe in unseni Jahresheften schon erörtert worden. Das Ende desselben war der Nachweis, dass das Eozoon (das Morgenröthe-Thier) nicht existire, dass es ein solches Thier nicht gäbe.

Bekanntlich wurde die Annahme dieses Tbiers als solches auf die Aobnlichkcit mit den Nummuliten gestützt. Da sollte eine Kammer gewesen sein, welche den Sarcodeleib eingeschlossen — da eine dünne Schale, welche diesen Leib umschlossen — da eine Art Stockwerke über einander und der Zwischenraum von Kalkmasse ausgefüllt, welche zusammen eine Form, wie etwa l'olytrema minaceum dargestellt hätten. Um das Bild zu vollenden, suchte man „Canal-Systeme", microscopische Einlagerungen in der kalkigen Zwischenmasse (Intermediate Skelelon) für Kanal-systemc der Nummuliten zu erklären.

Ich habe nachgewiesen, dass die sogenannte Kammer nicht ein Hohlraum gewesen sein könnte, dass die Schale meist fehle, und das was man ebenfalls für Schale ausgab, Chrysotyl-Adern seien, dass endlich die Canalsysteme auch für sich vorkommen.

Damit war sowohl der organische Ursprung der einzelnen Theilo geleugnet, wie der Zusammenhang der einzelnen angeblichen Merkmale zerschnitten.

Allein merkwürdig blieb das Gestein immer. In der That es gibt kein Gestein auf der Welt, welches diese Regelmässigkeit der Anordnung, diese scharfe Scheidung zweier Mineralien in solch' regelmässig wiederkehrender Form zeigt, wie das Eozoongestoin Canadas. Ich habe Sammlungen, grosse Sammlungen durchstöbert, weder Berlin, noch London, noch Paris haben etwas Aebnliches aufzuweisen. — Am auffälligsten darin aber waren die sog. Canalsysteme.

Von Anfang an war bei dem ganzen Streit um das Eozoon

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-das Misslichste der Mangel an Untersuchungsmaterial. Ich musste mich mit einigen Grammen der Tübinger Sammlung, einem etwa 5 cm breiten Gesteinssclmitt von unserem verehrten Landsmann Dr. F. v. Hochstotter in Wien begnügen: meine Bitte an Dr. Dawson in Montreal hatte den Erfolg, dass ich in den Besitz eines welschnussgrosscn Stückes gesetzt wurde. In den Handlungen war nichts zu bekommen, und in den Sammlungen fand sich blos ein Stück, meist Geschenk von Dr. Carpenter in London. Diese Stücke waren 50 mm dicke, einige Centimeter breite und lange Platten, schön polirt und offenbar so zugerichtet, dass sie gefällige Beweisstücke waren.

Ich führe diese Thatsache an, weil sie für den Verlauf des Streites von grossem, Einfluss war. Wie soll man prüfen ohne Material? Und gerade der wichtigste Beweis, dass das Gestein in gleicher Zusammenstellung vorkomme, ohne dass es sich um ein Thier handeln konnte — dieser Hauptgegenbewois war abgeschnitten, sobald man nicht ganze Gesteinsproben hatte.

Da traf es sich, dass ich auf eine Einladung der canadischen Regierung eine Reise nach Canada machte.

Ich sah dort die Laurentianschicht in ihrer vollen Entwicklung, sah die Eozoonschicht und konnte nun Material nach Herzenslust nehmen.

Als ich zurückkehrte, war die Abhandlung von Dr. Möbius in Kiel erschienen, welche in prachtvollen Abbildungen den Beweis dessen führte, was ich bloss in Worten sagen konnte.

Die Abbildungen der Carpe nter'schen Präparate veranlassten mich, mein Gestein mit dem Microscop noch einmal zu prüfen. Bei dieser Gelegenheit fand ich in einem besonders glücklich getroffenen Dünnschliff „ein Astsystem", welches das deutliche Bild einer — Pflanze, einer Alge, gab.

Ich theilte meine Entdeckung Botanikern vom Pach mit, welche sich nach genauer Untersuchung dahin aussprachen, dass das Gefundene zweifellos eine Pflanze sei — und zwar eine Alge.

Ich lege Ihnen das Präparat vor. Die Vergrösserung ist 90.

Die Alge kann nicht einmal zu den nieder organisirton gezählt werden.

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Ich habe sie Eophyllum canadense, das G-estein nun Eophyl-Jwm-Kalk genannt.

Wir haben statt des ersten Thiores die erste Pflanze. Wir haben also auch nichts verloren, sondern ich glaube, gewonnen. Die Anfänge des Organischen können nicht Thiero, und zwar verhältnissmässig hoch entwickelte wie Nuinmuliten, gewesen2sein. Die Pflanzenschöpfung — das ist eine logische Forderung — muss der thierischen vorausgegangen sein.

Ich begnüge mich mit dieser Ankündigung, da ich Ihnen die Sache selbst vorzeigen kann.


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Citation: John van Wyhe, editor. 2002-. The Complete Work of Charles Darwin Online. (http://darwin-online.org.uk/)

File last updated 2 July, 2012