RECORD: Darwin, C. R. 1875. Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. Translated by J. V. Carus. 3d edition. Stuttgart: Schweizerbart. Volume 2.

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Ch. Darwin's

gesammelte Werke.

Aus dem Englischen übersetzt

J. Victor Carus.

Autorisirte deutsche Ausgabe. Sechster Band.

Die Abstammung des Menschen. II. Band.

Mit zweiundrdnfcig Holzschnitten.

STUTTGART.

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1875.

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Die

Abstämmling des Menschen

und

die geschlechtliche Zuchtwahl

von

Charles Darwin.

Aus dem Englischen übersetzt von

J. Victor Carus.

In zwei Bänden. II. Band.

Hit zweinndfünfzig Holzschnitten. Dritte gänzlich umgearbeitete Auflage.

STUTTART.

E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1875.

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Inhalt.

Zwölftes Gapitel.

Secundäre Sexualcharaetere der Fische, Amphibien und Reptilien.

Fische: Werbung und Kämpfe der Männchen. — Bedeutendere Grosse der Weib- chen. — Männchen: helle Farben und ornamentale Anhänge: andere merk- würdige Charactere. — Färbungen und Anhänge von den Männchen allein während der Paarungszeit erlangt. — Fische, bei denen beide Geschlechter brillant gefärbt sind. — Protective Farben. — Die weniger augenfälligen Färbungen der Weibchen können nicht nach dem Grundsatze des Schutzgebens erklärt werden. — Männliche Fische bauen Nester und sorgen für die Eier und Jungen. — Amphibien: Verschiedenheiten des Baues und der Farbe iwischen den Geschlechtern. — Stimmorgane. — Reptilien: Schildkröten. — Crocodile. — Schlangen: Farben in manchen Fällen protectiv. — Eidech- sen: Kämpfe derselben. — Ornamentale Anhänge. — Merkwürdige Verschie- denheiten in der Structur der beiden Geschlechter. — Färbungen. — Geschlecht- liche Verschiedenheiten fast so gross wie bei den Vögeln.....8.1.

Dreizehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharaetere der "Vögel.

Geschlechtliche Verschiedenheiten. — Gesetz des Kampfes. — Specielle Waffen. — Stimmorgane. — Instrumentalmusik. — Liebesgeberden und Tänze. — Per- manenter und an die Jahreszeit gebundener Schmuck. — Doppelte und ein, fache jährliche Mauser. — Entfaltung der Ornamente seitens der Männchen.

S. 85.

Vierzehntes Capitel.

Vögel (Fortsetzung).

Wahl vom Weibchen ausgeübt. — Dauer der Bewerbung. — Nichtgepaarte Vögel. — Geistige Eigenschaften und Geschmack für das Schöne. — Vorliebe für, oder Antipathie gegen gewisse Männchen seitens der Weibchen. — Variabilität der Vögel. — Abänderungen zuweilen plötzlich auftretend. — Gesetze der Ab- änderung. — Bildung der Augenflecken. — Abstufungen der Charactere. — Pfauhahn, Argus-Fasan und Urostictc ...........S. 91.

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IV

Inhalt.

Fünfzehntes Capitel.

Vögel (Fortsetzung).

Erörterung, warum in manchen Species allein die Männchen, und in andern Spe- beide Geschlechter glänzend gefärbt sind. — Ueber geschlechtlich be- schrank!- Vererbung in ihrer Anwendung auf verschiedene Bildungen und auf ein hell gefärbtes Gefieder. — Nestbau in Beziehung zur Farbe. — Ver- last des Hochzeitsgefieders während des Winters.......-

Sechszehntes Capitel.

Vögel (Schluss).

Das Jugendgefieder in Bezug auf den Chaiacter des Gefieders beider Geschlechter

im erwachsenen Zustande. — Sechs Classen von Fällen. — Geschlechtliche

edenheiten derMSnnchen nah- verwandter oder repräsentativer Species.

—   Das Weibchen nimnil die Chaxactere des Männchens an. — Das Gefieder der Jungen in Bezug auf das Sommer- und Wintergefieder der Erwachsenen.

—   Ueber die Steigerung der Schonheil der Vögel auf der ganzen Erde. — Protective Färbung. — Auffallend gefärbte Vögel, — Würdigung der Neuheit,

—   Zusammenfassung der vier Capitel über Vögel.......S. 17".

Siebenzehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharactere der Säugethiere.

Das Gesetz des Kampfes. — S].....teile auf die Bfännchen beschrankte Waffen. —

Waffen bei den Weibchen. — Beiden Geschlechtern

gemeinsame Waffen, die aber doch ursprünglich tuersl ron) .Männchen erlangt

wurden. — Anderer Nutzen Bolcher Waffen. — Ihre hohe Bedeutung. — Be-

!-r Männchen. V'ertheidigungsmittel. — Ueber die von

beiden Geschlechtern gezeigte Vorliebe beim Paaren der Säugethiere S

Achtzehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharactere der Säugethiere (Fortsetzung).

Stimme. — Merkwürdige geschlechtlich- Eigentümlichkeiten bei Robben.

ruch. — Entwicklung des Haars. — Farbe des Haars und der Haut. — Anomaler Fall, wo das Weibchen mehr geschmückt ist als das Männchen. — Farbe und Schmuck Folgen geschlechtlicher Zuchtwahl. — Farbe zum Zwecke des Schutzes erlangt. — Farbe, wenn schon beiden Geschlechtern gemeinsam, doch häufig Folge geschlechtlicher Zuchtwahl. — Ueber das Verschwinden von Flecken und Streifen bei erwachsenin Säugethieren. — Ueber die Farben und Zierathen der Quadrumanen. - Zusammenfassung.......S. 255.

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Inhalt.

V

Dritter Theil: Geschlechtliche Zuchtwahl in Beziehung auf den Menschen und Schluss.

Neunzehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharactere des Menschen.

Verschiedenheiten zwischen dem Mann und der Frau. — Ursachen derartiger Ver- schiedenheiten und gewisser, beiden Geschlechtern eigener Charactere. — Gesetz des Kampfes. — Verschiedenheiten der Geisteskräfte — und der Stimme.

—  Ueber den Einfluss der Schönheit bei der Bestimmung der Heirathen unter den Menschen. — Aufmerksamkeit der Wilden auf Zierathen. — Ihre Ideen von Schönheit der Frauen. — Neigung, jede natürliche Eigentümlichkeit zu übertreiben....................»S. 295.

Zwanzigstes Capitel.

Secundäre Sexualcharactere des Menschen (Fortsetzung).

Ueber die Wirkungen der fortgesetzten Wahl von Frauen nach einem verschie- denen Maassstabe der Schönheit in jeder Rasse. — Ueber die Ursachen, welche die geschlechtliche Zuchtwahl bei civilisirten und wilden Rassen stö- ren. — Der geschlechtlichen Zuchtwahl günstige Bedingungen in Urzeiten.

—   Ueber die Art der Wirkung der geschlechtlichen Zuchtwahl beim Men- schengeschlecht. — Ueber den Umstand, dass die Frauen wilder Stämme in etwas die Fähigkeit haben, sich Gatten zu wählen. — Fehlen des Haars am Körper und Entwickelung des Bartes. — Farbe der Haut. — Zusammen- fassung ......................S. 884.

Einundzwanzigstes Capitel.

Allgemeine Zusammenfassung und Schluss.

Hauptsächlichste Schlussfolgerung, dass der Mensch von einer niederen Form ab- stimmt — Art und Weise der Entwickelang. — Genealogie des Menschen. — Intellectuelle und moralische Fähigkeiten. — Geschlechtliche Zuchtwahl. —

—  Schlussbemerkungen................S. 363.

Register.......................S. 381.

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Zwölftes Capitei.

Secundäre Sexualcharactere der Fische, Amphibien uml Reptilien.

rben and ornamentale Anhänge: ander wiiv:                                                                                                                    allein

während di                                                                                                       dechter

lirill                                                                rbei

d können nicht nach erklärt werden. — Männlich and Jungen. — Amphibien: Verschiedenheiten

zwis                                                                                                                    Itröten.

— Crocodilc — -

denheiten in der Stractur der bi

Wir sind nun bei dem grossen Pnterreiche der Wirbelthi gekommen uml wollen mit der untersten Classe, nämlich den I". beginnen. Die Männchen der Plagiostomen (Haifische, Rochen a. s. w.) und der chimärenartigen Fische sind mit Klamn welche dazu dienen, das Weibchen festzuhalten, ähnlich wie die ver- schiedenen Bildungen, «                                            a Thiere be Ausser den Klammerorganen haben die Männchen vieler Rochen i förmige Gruppen starker Schürfer Dornen auf dem Kopfe und n Reihen solcher ..den oberen äusseren Flächen ihrer Brustflossen entlang", sind bei dm Männchen einig irhanden, bei denen die andern Theile des Körpers glatt sind. Sie werden nur zeitweise ent- wickelt wahrend der Paarungszeit, und Dt. Günther vermuthet, sie als Greiforgane in Thätigkeit kommen in der Weise, dass die bei- den Seüen des Körpers nach innen und nuten umgi

eine merkwürdige Thatsache, da-- die Weibchen und nicht die

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1                                                            itwahl.                         II. Theil.

Männchen n             -                      11. von Raja clatcUa, deu !

mit grossen hakenförmigen Dornen dicht besetz) haben '.

Die Männchen des Capelin | h                       . eines lachsartigen

Fisches) hahen allein eine aus dicht stehenden, bfirstenartigen Schup- pen bestehende Leiste, mittelst deren zwei Männchen, eines auf jeder Seite, das Weibchen halten, während dasselbe mit grosser Geschwin- digkeit über den sandigen Grund hinfährt und dort seine Eier al

hiedene Monacanthus scopas bietet eine ziem- lich analoge Bildung dar. Wie mir Dr. Günther raittheilt, besitzt dännchen einen Haufen                   ider Stacheln, wie die Zähne

des Schwan                 ien waren in einem

Exemplar von sechs Zoll Länge beinahe einen und einen halben Zoll das Weibchen hat an derselben Stelle einen Haufen Bo II mit denen einer Zahnbürste vergleichen kann. Bei einer an- Species, .1/. peronii, hat das Männchen eine Bürste ähnlich der heim Weibchen der ersten Species, während die Seiten des Schwanzes beim Weibchen glatt sind. Bei einigen andern Arten derselbe! tung lässt sieh wahrnehmen, dass der Schwanz heim Männchen rauh, heim Weibchen vollkommen glatt ist; und endlich sind bei an- Ji hwanzseiten beide                 iter glatt.

Die Männchen vieler Fische kämpfen um den Besitz der Weib- chen. So ist der männliche Stichli                                           schrie- ben worden als „närrisch vor Entzücken", wenn das Weibchen aus seinem Verstecke heraus kommt und das Nest in Augenschein nimmt,

es das Männchen für dasselbe gebaut hat. „Das Männchen

„um das Weibchen herum in allen Richtungen, dann zurück zu den

äuften Materialien für den Nestbau, dann im Augenblicke wie-

urück, und wenn                                                             ersucht

Männchen es mit                                  stossen und es mit

„Schwänze und dem Seitenstachel nach dem Neste zu treiben" s. Die

.Manuellen sollen Polygamisten -in1. Sie sind ausserordentlich kühn

und kampflustig, während „die Weibchen vollständig friedfertig sind".

1 Yarrell, History of British Pishes. Vol. II. 1836, p. 117. 125, 136. Dr. Günther theill mit mit, dass die Dorne:                                                           eigen-

thümlicl

. Lpr. 1871, p. II'.'.

; -                                  I tikel Mr. W                                                      M j

Nat. lli-t. 2. Ser. Vol                                     i Vol. XVI.

1 Noel l1 a n: ph i

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3

ter Arl: „d „Kam]                          Für mehrere Secnnden eng aneinander und stür-

ben mit einander kopfüber herum, bis ihre Krafi vollständig erschöpft „zu sein scheint". Bei den rauhschwänzigen Stichling                 hurus)

i die Männchen einander, während sie im Kampfe rnnd um einander herumschwimmen und versuchen, siel               tig mit ihren

erhobenen seitlichen Dornen /.n durchbohren. Derselbe Schrifts fügt hinzu5: „Der Biss dieser kleinen Furien isl sehr schai „benutzen auch ihre seitlichen Dornen mit solch' tödtlicher Wirkung,

während eines Kampfes der eine „Widersacher vollständig aufschlitzte, so dass er auf den Boden sank „und 3tarb". isl ein Fisch besieg                irlässt ihn sein I

men, seine muntejen Farben blassen ab, und er verbirg! „Unglück in der                    r friedlichen Camerad                ier eine

„Zeil lang der beständi                 i ad der Nachstellungen

Der männliche Lachs isl so kampflustig wie der kleine Stichling, - die männliche Forelle, wie ich von Dr. Gt:

Mr. Shaw i.....pachtete einen heftigen Kampf zwischen zwei männli-

Lachsen, welcher einen ganzen Tau- dauerte; und Mr. R. Oberaufseher der Fischereien, theill mir mit, dass                on der

Brücke in Perth beobachtet hat, wie die Männchen ihre Nebenbuhler iben, während die Weibchen laichen. „Die Männchen kämpfen tnd zerren sich auf den Laichstätten herum, und „verletzen einander so, dass der Tod gar mancher Männchen hierdurch „verursach! wird. Wenigstens hai man viele in der                  Fluss-

in einem Zustande der Erschöpfung und dem Anscheine nach „im Absterben begriffen gesehen"6. Wie mir Mr. Bcisi mittheilt, der Verwalter der S1                Ier Zuchtteiche im Juni L86S

! irdlichen Tyne und fand ungefähr dreihundi welche mil Ausnahme eines einzigen sämmtlich Männchen i Seiner Ueberzeugung nach hatten 3ie alle ihr Leben im Kampfe mit andern verloren.

* London'a Magaz. of Natur. History. Vol. III. 1830, p. 331.

Juni 1867. Wegen Mr. Shaw'i                          linburgh Re-

- tlmon Fishing, Männ- chen v. i

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iitwahl,

II. Theil.

Der merkwürdigste umstand in Bi                 m männlichen Lachs

sich während der 1                          einer bedeutende

ie* treibUeheo La

li, ebenso wie atlo audern im vorliegend« i ler '                                                                                                                           Vn&lchl des Dr.

änderung in der Farbe „die untere Kinnlade verlängert und ein „knorpliger Vorsprang von der S'u/. aus sich nacb oben erhebt,

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5

"im die Kinnladen geschlossen sind, in ein „höhlu                    , den Intermaxillarknochen des Oberkiefers eingi

i. Bei unserem Lachse hall diese Structurverände- lur während der Laichzeil an; bei '1

aber ist diese Veränderung, wie Mr. J. K. manent und am m. welche schon früher in den Fli                             a sind.

Bei diesen alten Männchen werden die Kinnladen zu ungeheuren haken- orsprüngen entwickelt und die Zähne wachsen zu i Bauern aus, ofl über einen halben Zoll lang. Der Angabe von Mr. Lloyd9 zufolge dient bei dem europäischen Lachs poräre hakenförmige Bildung dazu, die Kinnladen zu kräftigen und zu schützen, wenn das eine Männchen                   es mit wunderbarer

. Aber die bedeutend entwickelten Zähne des männ- lichen americamschen Lachsen können mit den Stosszähnen männlichen Säugethiere verglichen werden; -:                    1er auf einen

offensiven Zweck hin als                              protective Bedeutung.

Der Lachs ist nicht der einzige Fisch, bei welchem die Z den beiden Geschlachtern verschieden sind. Dies i-i auch bei

der Fall. Bei l                    hat das Männchen scharfe spitze

Zähne, Welche nach rückwärts                    sind, während die Zähl

Weibchens breit und platt sind und eine An Pflaster bilden, -

Zähne in den be                              rn einer und der nämlichen

br von einander verschieden

i Gattungen einer und derselben Familie der Fall ist.

hne des Männchens werden erst dann schar!', nenn dasselbe

erwachsen is                                                                      and platt wie die

ibchens. Wie es so häufig bei secundären Sexualchan vorkomm't. besitzen l>.                                                             von Kochen,

/. II. B. batis, wenn sie erwachsen sind,                                       Zähne

und hier scheint ein Character, welcher dem Männchen eigen und ur- sprünglich von diesem erlangt worden ist, auf die Nachkommen

worden zu sein. Audi bei ß. ma die Zahne gleichfalls in beiden Geschlechtern zugespitzt, aber nur illständig erwachsen sind: die Männchen erhalteu diese

- ]                                                                                  54.

' -                                                                       104.

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II. Theil.

: als die W analogen Fällen bi                                 3 gnen, bei welchen das Männ-

chen das beiden 1

früheren Alter erlang! als das Weibchen andern Arten von Rochen besitzen die Männchen, selbst wenn Bind, niemals scharfe Zähne, und es              jlich beide G

wenn sie erwachsen sind, mii breiten, platten Zähm                 . ähn-

lich denen der Jungen und d                Weibchen der oben erwähnten

- "'. Da die Rochen kühne, kräftige und                             sind,

so dürfen wir vermuthen, dass die Männchen ihre scharfen Zähne zum Kämpfen mit ihren Rivalen erhalten; 1                                 ile be-

. welche zum Ergreifen des Weibchens ......lificirt und an,

siml.                                  i auch ihre Zähne zu di

nutzt we

betrifft, so behauptet Mr. Carbonnier n, dass bei

inchen; und Dr. Günther kennt nicht ein               Beispiel, in welchem das Männ-

chen factisch grösser wäre als das Weibchen. !;                    prino-

donten ist d:                 n nicht einmal halb so grose als das Weibchen,

vielen Arten von Fischen die Männchen gewöhnlich mit ein- ander kämpl                            raschend,                                       durch die Wirkungen der geschleclitlichen Zuchtwahl grösser und kräftiger len sind als die Weibchen. Die Männchen leiden unter ihrer

Mr. Carbonnieb zufolge

den sie gern v.....len Weibchen ihr                                  iald dieselbe

fleischfressend ist, und ohne Zweifel auch von andern

r in irgend welcl Bedentung für die Weibchen sein, als es die Kraft und di die Männchen zum Kämpfen mit andern Männchen ist, und dies wahr- lich, um dei                                                            iren Anzahl

ielen Arten ist nur das Männchen mit hellen Farben verziert oder die Farben sind beim Männchen viel glänzender als beim Weib- Auch ist das Männchen zuweilen mit Anhängen

ren Nutzen zu den gewöhnlichen Z

I     3. Yarrel

. 1836, p. 110. mii

II   citirt in 1

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Cap. 12.                                                                                              7

des Lebens zu sei                                            Dzfedern des Pfauhahns

Bind. Die meisten der                  rhatsachen verdanke ich der _

Freundlichkeil des Dr. Günther. Es ist Grund zu der Vermuthung vorhanden, dass viele tropiscl                  m Geschlechte nach in Farbe

and Structur von einander verschieden sind, und hierfür finden sich auch luffallende Beispiele bei ansern britischen Tis. lim. Der männ- lyra wird von den Engländern „gemmeous drag genannt „wegen seiner brillanten edelsteinartigen Farben". Wi genommen wird, i-                 ir gelb in n

denen Schattirungen und mit einem lebhaften Ulan auf dem Kopfe ki: die Rückenflossen sind blassbraun mit dunkeln

'berc.)

ländern, die Bau                3 hwanz- and Afterflossen sind bläu-

lichschwarz. Das Weibchen, von den Engländern „sordid drag genannt, wurde von Linnk und vielen späteren Naturforschern für eine

Ibe ist von einem schmutzigen Röth- lichbraun, die Rückenfl                 braun und die andern Flossen

(schlechter weichen auch in der proportionalen i and des Mundes von einander ab, ebenso in der Stellung der Ai alier die am meisten auffallende Verschiedenheit isl                 ordent-

12 Ich habe dies                              »ch rarrell's British Pishes. Vol. I.

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'.in Männchi W . Sa\ii.i.i: Kkyi mar:                   rkung: „di                          \nhaug

I inschaft, demselben Zwecke zu di<                  die Pleischlappen,

büsche und andern abnormen Anhänge der Männchen bei hühner- nämlich, ihi                  zu bezaubern" ';.

Die jungen Männchen gleichen in ihrer Structur und Farbe di

Weibchen. In der ganzen Gi Männchen allgemein viel glänzender gefleckt als das Weibchen, und des i-t nicht bloss die Rück Männchens bedeutend verläng Das Männchen des Seescorpio                                  schlanker und

kleinei                \ eibchen. Es besteht am

in der Färbung zwischen den Geschlechtern. „Für

nicht während der l.ai                            Lrbung am glänze

. wie Mr. Lloyd '"' bemerkt, „schi

„sich                   llung von der Mischung von brillanten Färb

n. mit welchen derselbe, der in andern Bezii                  wenig

ist, ......liese Zeit verziert ist". Bei La

lechter schön, trol                 n der Färbung sehr verschie-

orange mit hellblauen Streifen and das Weibchen hellroth mit i                 varzen Flecken auf dem Rücl

B iwohner :--ii die Geschlechter zuweilei in verschiedenen .Merkmalen von einander ab. Bei dem Männchen

leutend entwickelt und mit eiien- i;                  r runder, augenförmiger, hellgefärbter

leimet, während dieselbe Fl                 Weibchen kleiner.

von verschiedener Form und nur mit unregelmässigen gekrüm

:i Flecken gezeichnet ist. Bei den Männchen ist auch der ba- sale Rand d                          i wenig vorgezogen und dun Bei den Männchen einer verwandten Form, des

:4 i                                                             the British Museum by Dr. < üi

151.

" In Bezog aal

= c. Vol. VI. 1868, p. 185.

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Cap. 12.                                                                                              9

(Kg. '                                                             zu einem 1:

entwickelt, welcher, wie ich von Dr. Günther höre, mit hellen I

i

Dieser fadenförmige Anhang enthält keine Muskeln und kann d                                   a keinem directen Nutzen für dei

- der Fall                 die Männchi

äie jung sind, in ihrer Färbung und Structur den erwacl hen ähnlich. Geschlechtliche Verschiedenheiten wie di len können ganz streng mit denen verglichen werd bei hühnerartigen Vögeln so häufig                 m l7.

Bei einem siluroiden Fisch, welcher die                           ron Süd-

.: bewohnt, nämlich 'lern Plecostomus ba bei dem Männchen der Mund und das tnteroperculum mit steifer Haan                , von welchen das Weibchen kaum eine Spur

-ind von der Natur der Schuppen. Bei einer an- dern S]                i Iben Gattung springen von dem vorderen The

Männchens weich                         akeln vor, welche beim

len fehlen.                    kein sind Verlängerungen der wirklichen

Haut und sind d                           Haaren der früh                 - nichi

homob -                   sich aber kaum zwi

Was dieser Zweck sein mag, ist schwierig zu ver- muthen. Eine Verzierung scheint hier nicht wahrscheinlich zu sein;

>' Dr G Q athi i

. Vol. III. 1861, p. 141.

Online

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10

litwahl.

wir können aber kaum vermuthen. dass steife Haare und bieg Filamente in irgend einer gewöhnlichen Weise allein den Männchen von Nutzen sein könnten. Bei jenem fremdartigen, monströs aus- gehenden Fische, der GKimaera monstrosa, hat das Männchen hakenförmigen Knochen auf der Spitze des Kopfes, welcher nach vor- iii abgerundeten Ende mit scharfen Dor- ist; beim Weibchen „fehl! i                   vollständig

Gebrauch sein mag, isi völlig unbekannt19. Die Gebilde, die bis jetzt erwähnt wurden, sind beim Männchen, nachdem es zur Keife _                           manent; aber bei einigen Ar-

ten vo                                  einer andern verwandten Gattung20 ent-

i sich ein Kamin auf dem Köpfe des Männchens nur während der Paarungszeit, auch wird der Körper der Männchen zu derselben Zeit h                                           i nur wenig zweifeln,

Kamm als ein temporäres geschlechtliches Ornamenl dient; denn das Weibchen zeigl auch nicht eine spur davon. Bei andern Arten der nämlichen G                  tzen beide Geschlechter einen Kamm und min-

- bei einer                                 a beiden Geschlechtern damit

i bromiden, z. 11. bei Geophagus und besonders hla, haben die Männchen, wie ich                   >r Agassiz höre-'1,

eine auffallende Protuberanz am Vorderkopfe, welche bei den Weib- chen und den jungen Männchen vollständig fehlt. Profess

habe diesen Fisch häufig zur Zeil                   ns be-

obachtet, wo die Protuberanz am grössten ist, ebenso zu andern „Jahreszeiten, wo                 illständig fehlt und die beiden Geschlech-

„ter in der Contur des Profils ihres Kopfes durchaus kei „denheii von einander zeigen. Ich konnte durchaus nicht mit Sicher- ten bestimmen, dass diese Hervorragung irgend einer speciellen ..Function diene, und die Indianer am Amazonenstrome wissen über „ihren Gebrauch nicht--. Diese Protuberanzen gleichen in ihrem pe- chen Erscheinen den fleischigen Carunkeln an den Köpf

I, ob -ie alier als Ornamente von Nutzen sind, muss für jet/t zweifelhaft bleiben.

19 f. Flu.'Klan.!, in: I.:.                                             : . p. -TT. mil

n Bildungen,                          h anbekannt ist. anführen.

- l'                                                                    Vol. III. i>. 221 and

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11

Die .Männchen derjenigen Fische, \                                   Färbung

FOD den Weibchen verschieden sind, werden häufig während der Zeit

*

des Laichens brillanter, wie ich \ m Pi                  ssiz und Dr.

riiKK höre. Dies isi gleichfalls bei einer Menge von Fischen der Fall, deren Geschlechter zu allen andern Zeiten des Jahres in ihrer Färbung identisch sind. A                  können die Schleihe, di               - und

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12

»Vang                       - -

..ihm                                                              i, und auch                     nimmt

2

!. Eine Veränderung findet !"! bull-trout d

gleichfalls

-

Miinn- brillant und - fallendes der mal

i : !i und die                                                              braun

und der Bauen i i

lern mancl linem hellen S                                      -             -grün,

inden.

<

in von Labi rbung vom '

ind dann in

ihm zu ti,

ndig hin an

-

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„ihm folge". Die Männchen von i                                           ährend

der Laichzeit tiei bleischwarz; sie ziehen sich dann aus dem Haufen zurück und höhlen ein Loch aus zum N                          innchen hält

„nun sorgfältig W                   seiner ihn

andern Fi-                                                                      rtreibt

„ihn. Seinen Genossen vom andi

:i sind zu ili „Eiern ausgedehnt, und durch alle ihm nur z                          m Mit-

..tcl versucht das Männchen dieselben einzeln zu dem vorben

zu locken und dort die Tausende von Eiern abzusetzen, mit en sind und welche es dann beschützt und mit der 11 bewacht" -". Ein noch auffallenderes Beispiel von Werbui Entfaltung der Re                  der Manne]

- von Cabb                                   d in. der di<

laft sorgfälti                bei hat27. Die Männchen sii

wunderschön gefärbt, schöner als die Weibchen. Während der I meurriren 8ie um den Besitz der Weibchen; im Acte der ! Werbung breiten sie, der Ai                 onnter's zufolge in den

Weise wie der Pfauhahn, ihre Flossen aus, welche                 nd mit

hell gi              Strahlen verziert -                         ein sich auch mit

Lebhaftigkeit um die Weibchen herum in                   durch

„l'ätalage de leurs vives couleurs chercher ä attirej l'attenti „femelli                lies ue paraissaient indifförei I

aient avec une molle lenteur vers les mäles et sembla „complaire dans leur voisinage". Nachdem das Mäni                  Braut

gewonnen hat, bildet es eine klei -                   Schaum, indem es

Luft und Schleim aus dem Munde ansstösst. Dann nimmt es dii Weibe!                 in und befruchteten Eier in den Mund; dies beun-

ruhigte Carbonnieb sehr, da er glaubte, sie würden verschlungen wer- den. Bald aber bringt das Männchen dieselben in den scheibenl

Schaum, bewacht sie später, ersetzt den Schaum um um die Jungen, wenn sie ausgeschlüpft sind. Ich erwähne diese Ein- zelnheiten deshalb, weil es, v                          en werden, bei denen die Männchen die Eier in der Mundhöhle ausbrüten; und diejenigen, welche nicht an das Princip der stufenweisen Entwickelung

" Nature, May, 1878, p. 25.

- B

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11

II. Theil.

glauben, könnten fragen, wii                          brauch wob

sein könnte. Die                 reit wird aber sehr vermindert, wenn wir

erfahr                                           she in dieser Weise die Bier zusam-

mennehmen und i                   Wären sie nämlich durch irgend welche

Ursacl                   Mi worden,'sie wieder abzulegen, so dürften sie wühl

äie in der Mundhöhle auszubrüten, erlangl haben, auf den zunächst vorli                           nd zurückzu-

d Erfahrung bringen kann, niemals freiwillig ihren immen in Gegenwart der Männchen, und die Männ- chen b

Weibchen. Die Männchen kämpfen um den Besitz der Weibchen, Bei vielen Arten sind die Männchpn so lange sie jung sind den Weibchen

Färbung ähnlich; werden sie ah viel brillanter und behalten ihre Farben durch ihr ganzes Leben. Bei andern Äxten werden die Männchen nur während der Laichzeit heller in anderer Weise bedeutender verziert als die Weibchen. Die Männchen machen den Weibchen eifrig den Bof und geben sich in einem Falle,                          . haben, Mühe, ihre Schönheit vor diesen

zu entfalten. Kann man wohl glauben,                   hrend ihrer Braut-

handeln würden? Dies würde aber der Fall .iiii nicht die Weibchen irgend eine Wahl ausüben und die- Männchen wählen, welche ihnen am meisten gefallen oder welche sie am meisten reizen. Wenn das Weibch Wahl ausübt, dann sind alle obigen Fälle \ -n Verzi                 Männ-

eller Zuchtwahl verständlich. Wir haben nun zunächst zu untersuchen, ob diese Ansicht, dass die hellen Färbung                 r männlichen Fische durch geschlecht-

liche Zuchtwahl erlangt worden                      Zuhülfenahme des Ge-

der gleichmässigen Ueberlieferung von Merkmalen auf beide auch auf jene Gruppen übertragen werden kann, bei wel- chen die Männchen und Weibchen in demselben oder nahezu demsel- ben Grade und in derselben Art und Weise brillant sind. Hei einer Gattung wie /./'                                             ndsten Fische dei

zen Erde umfasst, /.. B. den Labrus pavo, der mit .-ein- verzeihlicher schrieben wird'-" als au- polirten Schuppen \<

. i'lli-:. iu- u. Tom. IX.

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L5

pislazuli, Rubinen, Saphirn, Smai und Amethysten, können wir mit vieler Wahrscheinlichkeit dieser An- »en; denn wir habi bei einer S                            in der Färbung von einand

weichen. Bei einigen Fischen könnten wohl, wie bei vielen der nied- länzende Farben das directe Resultat der Natur ihrer und der Wirkung der umgebenden Bedingungen Bein ohne irgendwelche Hülfe einer Zuchtwahl. Vielleicht ist der G

- nach der \                 r Goldvariet:

[arpfens zu urtheilen, ein hier einschlagender Fall, äeine glänzenden Farben einer einzigen, in Folge der Bedingungen, welchen dieser Fisch im Zustande der Gefangenschaft unterworfen ist, plötzlich auftretenden Abtnderung verdanken dürfte. Es ist in wahrscheinlicher, dass diese Farben durch künstliche Zuchtwahl in- tensiver geworden sind, da di                                                    ir ent- d sorgfältig gezüchtet worden ist-'', unter natür- lichen Verhältnissen scheint es nicht wahrscheinlich, dass so hoch organis wie Fische, und welche un ilicirten Be- dingung . brillant gefärbt werden sollten, ohne aus einer .so

snden Veränderung irgend einen Nachtheil oder einen V zu erlangen, folglich also auch ohne das Dazwischentreten natüi Zuchtwahl.

Was müssen wir denn nun in Bezug auf die vielen Fische, bei

i sind, dara                ? Mr.

Wallace30 glaubt, dass die Species, welche I; rallen und andere glänzend gefärbte Organismen in grosser Zahl glänzend gefärbt sind, damit sie der Entdeckm                 ihrer Feinde

in; alier meiner Erinnerung zufolge würden sie hierdurch nur

;" Vi ranli                                                                     genstand in m

Bache »Das Varüren der rhiere und Pflanzen im Zi W. I'. Ma j

Goldfische zuerst nnl Sung-Dj                                                                    trechnnng hen

: wurden. Im Jahn                                                  blreich.

in andern Orte wird

genannt wurde. Sie wird .                                                          ' keinen

iltivirt würde, theil                      Wetteifers in

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16

in hohem Grade auffallend gemacht. In de                           rn '1er

iländer finden sich keine brillant g                  rallen oder andere

smen . welchen d                                  den könnten, nnd doch

sind \                                                                      rbt und viele der

Beischfr—nden Cypriniden in [ndien sind ..mit glänzenden I „linien verschiedener Fi                   imückt ", Mr. M'Clellak

Schreibung d „thümliche Glanz ihre                                            Ziel für Eisvögel,

awalben und andi                 liene, welche dazu besti.....i;

„die Anzahl                                            Schranken zu halten". Aber

verden nur wenige Naturforscher annehmen, irgend ein Thier auffaHend gemacht worden sei als Hülfsmitt

m Zerstörung. Es                                           Fische auf-

fallend                  irden sind, um Vögeln und Raubthieren anzuzi

ssbar sind (wie auseinandergesetzt wurde, als die Rau- hen wurden); es ist aber, »i>' ich glaube, nicht bekannt, dass irgend ''in Fisch, wenigstens kein Süsswasserfisch, deshalb von fleischfressenden Thieren verschmäht würde, weil er widerwärtig wäre. Im Ganzen \-\ die wahrscheinlichst« Ansicht in Bezug auf die Fische, bei denen bi                 ichter brillant gefärbt sind, die, dass ihr'1 Far-

'.i den Männchen als eine geschlechtliche Zierde erlangt worden und dann in                           >der nahezu e                 ide auf das andere

i hi überliefert worden sind. Wir haben nun zu beb                 . wenn das Männchen in einer

auffallenden Weise von dem Weibchen in der Färbung oder in andern Zierathen abweicht,                allein modificirt worden ist, so dass

die Abänderungen nur von seinen männlichen Nachkommen ererbt worden Bind, oder ob das Weibchen besonders modificirt und /um Zwecki                          inansehnlich geworden ist . wobei dann solche

Modifikationen nur \ -n 'hm Weibchen ererbt wurden. Es lüsst sich unmöglich zweifeln, 'las> die Färbung von vielen Fischen als Schutz- mittel erlangt worden i-t. Niemand kann die                          Fläche einer Flunder betrachten und deren Aehnlichkeit mit dem sandigen Grundi lern der Fisch lebt, übersehen. [Jebrigens können auch gewisse Fische durch die Thätigkeit ihres Nervensys ihre Farben in Anpassung an umgebende Gegenstände, und /.war in

11 Indian Cyprinidae, by Mr. J. &TClelland, in                                   Vol.

XI\. P. IL 18

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17

kurzer Zeit, verändern                   der auffallendste]                   unter

allen je beschriebenen von einem Thiere, welches durch seine Farbe (soweit sich nach Sami                oplaren artheilen lässt) und i

Form Schutz erhält, ist das von Dr. G von einer Meernadel, welche mit ihren rechlichen, Qottirenden Faden- anhängen kaum vi                 gras zu unterscheiden ist. an welcl sich mit ihrem Greifschwanzi                                                     i hier zu unti Weibchen allein zu d Zwecke modificirt worden sind. Wir können einsehe

durch natürliche Zuchtwahl zum Zv                            nicht

mehr als d                  modificirt werden wird, vo

[echter variiren; i längere Zeit hindurch Gefahri                         in oder geringere Kraft

Gefahren zu i                 Is das andere; und bei Fischen

scheinen die Geschlechter in diesen Beziehungen nicht von«einander abzuwi                                                    jehiedenheit existirt. sind die

Männchen, »eil sie meist von geringerer Grösse sind und mehr umher- schweifen,                   eren Gefahr                   als <li>' Weibchen; und doch sind die Männchen, wenn die Geschlechter überhaupt rerscl sind, beinahe immer die am auffallendsten Gefärbten. Die Eier wer- den unmittelbar nachdem sie sind befruchtet, und wenn die- nert, wie '- beim Lachse der Fall SU wird das Weibchen während der ganzen Zeit vom .Manuelen l>e-

Nachdem die Eier befruchtet sind, werden sie in den n Fällen von beiden Eltern unbeschützt gelassen, so dass die Mäi i und Weibchen, soweit das Geschäft des Eierlegens in Betracht kommt, gleichmassig der Gefahr ausgesetzt sind; auch sind Beide für d

mg t'nichtli.i:                 ii gleicher Bedeutung. In l

werden die                    weniger hell gefärbten Individuen beid

schlechter in gleichem Maasse häufig zerstört oder erhalten i und b                    inen gleichen Einfluss auf d               i ihrer Nach-

kommen oder der Rasse haben.

Gewisse zu verschiedenen Familien .. und einige dieser Fisch                «ich für die Junge)

geschlüpft sind. Bei i                                                               beide

ii G. 1                                 bitnt, Nov. 1.. 1-71. p. 134.

:1 |'                                                             pl. \']Y uai \V

II. p. II.

Jt\l:                                                                                                                                                                                                            -

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18

itwahl.

II. Theil

der hellgefärbten Arten zusammen beim Aufbau ihrer -. Muscheln u. 3. w.ss Aber bei gewissen Fischen verrichten die Männchen alle Arbeit und übernehmen auch später die Jungen. Dies isi der Fall bei den dun- kel gefärbten Meergrundeln36, bei denen die Geschl                  i man in der Farbe nicht von einander verschieden sind, und ebei q Stichlingen (Gat bei welchen die Männchen während der Laichzeit brillant gefärbt werden. Das Männchen schwänzigen Stichlings (1 Zeit hindurch die Pflichten einer Wärterin mit exemplarischer Sorgfalt nnd Wachsam- keit lind ist beständig thätig, die Jungen -anii zum Nest zurückzu-: leiten, wenn sie sich zu weit entfernen. Muthig treibt dasselbe alle Feinde fori mit Einschluss der Weibchen seiner eigenen Species. Es würde in der That für das Mannen

das Weibchen nach Ablegung seiner Eier sofort von irgend einem Feinde                 rürde, denn das Männchen ist gezwungen,

fortzntreib Die Männch                 ir anderer Fische, welche Südamerica und

bewohnen und zu zwei verschiedenen Ordnungen gehören, die ausserordentliche Gewohnheit, die von den Weibi                 en Eier

innerhalb des Mundes oder der Kiemenhöhlen auszubrüten 38. Bei den - vom Amazonenstrome, welche diese Gewohnheit haben, sind. wie mir Profi—t Agassiz freundlich mitgetheilt hat, „die Männchen ..nicht bloss gewöhnlieh heller als die Weibchen, Bondern es ist auch ächiedenheit zur Laichzei                 Js zu irgend einer an-

...l.-ii! Zeit"                             Geophagus handeln in derselben W

and bei dieser Gattung wird eine auffallende Protuberanz am Vorder- kopfe der Männchen während der B                twickelt. Bei den ver- schiedenen Species von Chromiden lassen sich, wie mir gleichfalls Pro-

ihlechtliche Differenzen in der Farbe

itnngen von G                    lünl li r's K

Literature. 1865, p. 194.

aniiiK.1. Vol. II. 1829, p. 242.

Mr. V.'ari:. [

wus in: Ann. and Magaz. of Nati                                   il. XVI.

Prof. W'yinan. in: P s. auch W. Turner, in: .Tnurnal of Anatnmy and Physiol., I. Nov., 1866, I her iiat gleichfalls noch weiten

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Cap. 12.

19

igen die Arten ihre Eier im Wasser um die w „pflanzen herum oder in Böhlungen legen, wonach sie dieselben beim „Ausschlüpfen, ohne weitere Sorge für sie zu haben, sich selbst über- dache Nester in den Flussschlamm bauen, „auf denen sie dann sitzen, wie unsere Pomotis es thut. Es ist auch „zu beachten, dass diese Nestsitzer zu den hellsten Species ihrer be- treffenden Familien gehören; so i-i /. B. Hygrogomts bellgrün mit uwarzen, v.....lern brillantesten Roth eingefassten Augen- nflecken''. Ob bei allen den Species von Chromiden das Männchen allein es ist. welches auf den Eiern sitzt, ist nicht bekannt. I - die Thatsache, ob die Euer beschützt i oder unbeschützt bleiben, wenig oder gar keinen Einfluss auf die Ver- enheiten in der Farbe zwischen den beiden Geschlechte hat. Offenbar würde auch ferner in allen den Fällen, in die Männchen ausschliesslich die Sorge um das Nest und die Jungen übernehmen, die Zerstörung der heller gefärbten Männchen von einem grösseren Einflüsse auf den Character der Rasse sein als rstörung der heller gefärbten Weibchen. Heim der Tod des Männchens während der Periode der Bebrütung oder Aufzucht würde id der Jungen mit sieh führen, so dass diese dessen Eigenthüm- rben könnten; und doch sind in vielen dieser selben Fälle die Männchen auffallender gefärbt als die Weibchen.

Bei den meisten Lophobranchiern (Meernadeln, Seep) n. s. w.) haben die Männchen entweder marsupiale Taschen oder halb- kugelige Vertiefungen am Abdomen, in wej.cb.en die von den Wei 11 Eier ausgebrütet «erden. Auch zeigen die Männchen _ Annan;                 . ihre Jungen S9. Die Geschlechtei                   wohn-

lich nicht sehr in der Färbung von einander ab; doch glaubt Dr. Günther, d                 innlichen Hippocampi eher heller sind als die

weiblichen. Die Gattung Solenostoma bietet indessen einen sehr merk- würdigen exceptionellen Fall dar"1. Hier ist das Weibchen viel leb- gefärbt und gefleckt als das Männchen und nur das Weibchen ine marsupiale Tasche und brütet die Eier aus, Weibchen von Solenostoma von allen übrigen Lophobranchiern in die-

:' \ arrell, Hist. oi British Pishes. Vol. II. 1836,

.i Erscheinen des Werks: The Fishea of Zanzibar by Col. Plaifair, worin p. 137 diese Art                    n ist. hat Di                                 cemplare

nochmals untersucht und mir die oben mitgetheilten Bemerkui

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twahl.

ser l               I ziehung und von beinahe allen üb]                  d darin

ist als das Männchen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass diese merkwürdige doppelte l'mkehri Characters bei dem Weibchen ein zufälliges Zusammentreffi

Da die Männchen mehrerer Fische, wi               chliesslich die

r und die Jungen übernehmen. b ( als die Weibc*hen, und da hier das weiblii

nimmt und beller gefärbt ist als das Männchi könnte man schliessen, dass die auffallenden Färb

a für die Wohlfahrt der Nachkomn bedeutungsvollste ist, in eim                                  Schutzmitte]

iber in Betracht der Menge von Fischen, bei denen die Männchen entweder dauernd oder periodisch heller sind i chen, deren Leben aber durchaus nicht von grösserer Bedeutung für die Wohlfahrt di i -

halten werden. Wenn wir die Vögel bes| en, werden sich uns analoge Fälle darbieten, bei welchei l'nikr'iirui..

;-t. und v,ir «erden dann eil

nliche Erklärung hierfür geben, nämlich diese, dass

.ahli haben, anstatt dass

die letzteren in [Jebereinstimmung mit der gewöhnlichen, durch das

hindurch herrschenden R                  aziehenderen

Im Ganzen können wir schli bei welchen die G                                 irbe oder in andern ornamen-

talen Merkmalen von einander verschieden sind, die Männchen ur-

indert haben, worauf dann ihre Abänder am'                    schlecht überliefert und durch geschlechtliche Zucht-

wahl, nämlich durch Anziehung und Reizung der Weibchen, angehäuft wurden. Indessen sind in vielen Fällen derartige Merkmale entweder theilweise oder vollständig auf die Weibchen üb

r sind in andern Fällen beide Geschlechter zum Zwecke des gefärbt worden. Es scheint aber kein einziges Beispiel vorzuk                 o die Farben oder anderen Merkmale des Weibchens

allein speciell zu diesem letztern Zwecke modificirt worden wären.

Der letzte Punkt, welcher einer Erwähnung bedarf, ist

e aus vielen Theilen der Welt bekannt sind,

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2]

rden in mal ii. Dr. I1 Aufmerksamkeit gewidmet hal

n auf mehi                   willkürlich

: durch Bei                - hlundknochen, — durch

Schwimmblas                          iskeln,

and durch S

ittskeln. .\                                  \rt er-

and lang                                   siehe beinah

das Männchen mit

aus kleinen,                 n. mit

iden und mit eignen Muskeln

In der

L'mbrinen in den                                                                       zwan-

den hörbar                                                      behaupten .

p allein die Mannchen während der Laichzeil „und                                               n durch Nachahmung

hier, in der Wirbelthiere, wie                 len In-

- in manchen   Fällen durch

DchtwaU als Mittel, die                         asammenzu- rden sind.

Amphibien. ginnen wir mit den geschwänzten Amphibien. Die rsalamander oder Tritonen weichen oft sowohl In der Farbe als in der Structur bedi i

itwickeln sich während der Paarung!             bensile

Krallen an den \                   der Männchen; zu dieser Zeit sind bei

ännlichen 7                                                                     rimm-

den (Jmbrin

'

U, p. 36) einige weitere Einzelnheil

omDlete Work of Charles Darwin

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--                                                                   twahl.                            II. Theil

hen, welche während des Winters beinahe vollständ sorbirt wird, so dass dann seine Fasse denen des Weibchens gleich sind43. Diese Bildung unterstützt ohne Zweifel 'las Männchen bei seinem eifrigen Suchen und Verfolgen des Weibchens, w

en den Bof macht, lässl es das Ende -                          schnell

schwingen. Bei unsern gewöhnlichen Wassersalamandern i i

ttua und cristotus) ''niwickr.it sich während der Paan hoher, vielfach zahnarl                         ner Kamm dem Rücken und

Schwänze des Männchens entlang, welcher während des Winters wie- der absorbiri wird. Wie mir Mr.                     Mjväbt mittheilt, ist der Kamm nicht mil Muskeln versehen und kann daher nicht zur mtzl werden. Da er während der Zeil der Braut- werbung mit hellen Farben geränderi wird, so lässt sich kaum zweifeln, dass er als eine männliche Zierde dient. Bei vielen Species bietet der Körper stark contrastirende, wenn auch schmutzige Färbungen dar und dii während der Paarungszeil lebendiger. So ist /. 11. das Männchen unseres gemeinen kleinen Wassersalamani

„oben bräunlich-grau, was nach unten in Gelb übergeht, „welches im Frühling ein saftiges helles Orange wird, überall mit „runden dunklen Fleck                            Der Band des Kamm

dann gleichfalls mit Bellroth oder Violeti punktirt. Das Weibchen iwöhnlich von gelblich-brauner Farbe mit zerstreut stehenden braunen Flecken und die untere Fläche ist häufig vollständig gleich-

" Bell, II                                        -'. edit. 1849,

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Cap. 12.

Amphibien.

farbig4*. Die Jungen sind düster gefärbt. Die Eier werden des Ad- des Eierlegens befruchtet und werden in der Folge weder vom Vater noch von der Mutter weiter besorgt. Wir können daher -iL dass die Männchen ihre scharf gezeichneten Färbungen und ornamentalen Anhänge durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt haben, und das                                 r allein auf die männlichen Nachkommen

oder auf beid                 iter überlieferf worden sind.

Arnim oder, Batrachia. — Bei vielen Fröschen und Kröten dienen die Farben offenbar zum Schutze, wie es die hellgrünen Farben bei Laubfröschen und die düster gefleckten Zeichnungen vieler auf der Erde lebenden Arten tluin. Die am auffallendsten                 Kröte,

Phryniscus nigricans '"', war auf der ganzen oberen Fläche des Körpers so schwarz wie Tinte, wäh-

nlen der Füsse und Theile des Abdomen mit dem hi Carmoisin gefleckt                          >ch auf den weiten, sandigen oder

offenen Grasebenen von La Plata unter einer glühenden Sonne herum und musste den Blick jedes vorüberkommenden Wesens auf sich ziehen. Diese Farben können für die Kröte eine Wohlthal sein dadurch, dass sie allen Raubvögeln sofort anzeigen, dass dieselbe ein ekelerre§ ist. In Nicaragua gibt es einen klein                   „hell in Roth und

„Blau angethan", welcher sich nicht wie die meisten andern verbirgt. sondern bei Tage herumhüpft. Mr. Belt sagl 4(i. d sobald er sein glückliches Gefühl der Sicherheit gesehen habe, auch nberze ij                                        geniessbar sei. Nach verschiedenen

Versuchen gelang es ihm, eine junge Ente dazu zu verfuhren, jungen Frosch zu schnappen, er wurde aber augenblicklich wieder aus- fen ..und die Ente gieng herum, ihren Kopf schüttelnd, al inen unangenehmen Geschmack loszuwerden". Was geschlechtliche Verschiedenheiten betrifft, so kennt Dr. Gün- ther bei Fröschen und Kröten kein auffallend                        h kann er häufig das Männchen von dem Weibchen dadurch unterscheiden, ren ein wenig mehr intensiv ist. Auch kennt Dr. Günther keine auffallende Verschiedenheit in der aus

" i;                  :, 146, 151.

is /,,                                                              üles, by Mr. Bell, p. 19.

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24

lechtliche Zuchtwahl.

blechtern mit Ausnahme der Vorspi rend der Paarungszeit an den Vorderbeinen des Männchens sich entwickeln und durch -                 Männchen befähigt wird, das

Weibchen zu halten 4;. Es ist überraschend, dass diese Thiere nicht schärfer ans}                                           irschiedenheiten erlangt haben;

denn wenn sie auch kaltes Blut haben, so sind doch ihre L schalten stark. Dr. GtNTHEK theilt mir mit, dass er mehren

den hat, wie eine unglückliche weibliche Kröte durch eine zu dichte Umarmung von drei oder vier Männchen erstickt worden war.

Dachtet, wie Frösche während der Paarungszeit den ganzen Tag lang und mit einer solchen B impften, dass bei einem der Körper aufgeschlitzt wurde.

tte und Kröten besitzen eine in:                           chtliche

iedenheit, nämlich die sich nur im Besitze der Männche lindenden musikalischen Begabungen. Es scheint freilich niil Rück- sicht auf unsern Kunstgeschmack ein unangebrachter Ausdruck zu sein, wenn man                           d und überwältigend lauten

welche männliche Riesenfrösche und einig als Musik bezeichnet. Nichts

einer entschieden gefällig                   In der Nähe von Rio de Janeiro

ich häufig am Abend dazusitzen und auf eine Anzahl kleiner Laubfrösche zu horchen, welche auf den Grasrlächen in der Nähe des ind liebliche zirpende Töne harmonisch erklingen ihiedenen Laute »erden hauptsächlich von den Männ- chen während der Paarungsa                         . wie es auch der fall mit dem Quaken unserer gewöhnlichen Frösche ist '*. In üeberein- stimmung mit dieser Ihatsache sind die Stimmorgane der Männchen

löher entwickelt als die der Weibchen. In einigei -ind nur die Männchen mit Säcken versehen, welche sich in den Kehl- öffnen 4q. So sind /.. 11. hei dem essbaren Frosche (Bait -'mim-ucke ihm Manne'                  Imlich und werden beim Acte

Quakens mit Luft gefüllte grosse kugelige Blasen, welche an

« Bei                                       - Männchen zwei platten»! g

r.n an der Brost und gewisse Rauhigkeiten an den Fingern, welche vielleicht demselh                   lienen, wie die oben erwähnten V

. 204).

'- Bell, History of British Beptiles.

49 .1. Bishop,                                                              I Physiol. Vol. IV.

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Cap. 12.                                          tilien.                                            25

„beiden Seiten des Balses in der Nähe der Mundwinkel nach

_ n". Der Ruf des Männchena wird hierdurch ausserordentlich - gemacht, während der des Weibchens nur ein unbedeu knurrendes G                  '"'. Die Stimmorgane weichen in ihrer Structur

auch beträchtlich bei den verschii               fctungen der Familie ab

und ihre Entwickelung kann in allen Fallen geschlechtlicher Zucht- wahl zugeschrieben werden.

Reptilien.

Chelonia oder Schildkröten. — Meer- und Landschildkröten keine gul ausgesproehei                                            enheiten dar.

Bei manchen Species ist der Schwan/, des Männchens läi des Weibchens. Bei manchen isl das Plastron oder die untere I des Knochenpanzers beim Männchen unbedeutend concai in Beziehung zum Kiicken des Weibchens. Das Männchen der Schlammschild der Vereinigten Sti                         - pieta) hat                  Vorderffissen

Krallen, welche zweimal so lang sind, wie diejenigen des Weibchens, und diese werden gebraucht, wenn sich die Geschlechter verbinden 51. Bei den ungeheueren Schildkröten der Galapagosinseln Testudo sollen . wie man sag! . die Männchen zu einer bedeutenderen i heranwachsen als die Weibchen. Während der Paarungszeit und zu keiner anderen bring) das Männchen ein heiseres, blasendes Geräusch hervor, welches in einer Entfernung von mehr als hundert Yards ge- hört werden kann: das Weibchen dagegen braucht seine Stimme niemals "'-.

Von der Testudo elegans von Indien sagt man. „dass die Kämpfe

Männchen aus ziemlicher Entfernung gehört werden können, in

„Folge des Lärms, den sie beim Stossen auf einander hervorbringen" '';.

Crocodilia. — Die Geschlechter weichen, wie es scheint, in der Farbe nicht von einander ab; ich weiss auch nicht, ob die Männchen mit einander kämpfen, obschon dies wahrscheinlich ist: denn manche Arten führen wunderbare Vorstellungen vor den Weibchen auf. Bar- !k.\m:'4 beschreibt, dass dermännli                or bestrebt i-t. sich das

50  Bell, a. a. 0. p. 112—114. '' i'. J. May na rd, in: 1

mein Journal of Researchea dnring the V. .

" Dr. Gunthei                   Britiah India, 1864, p. 7.

51  Travels throogh I                  1791, p. 128.

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ie Zuchtwahl.

Weibchen dadurch zu gewinnen, dass er in der Mitte einer L sich herumtummelt und brüllt. Dabei i-i er „in einem Gra „schwollen, dass er dem Platzen nahe ist: seinen Kopf und Schwanz „in die Höhe gehoben, dreht und treibt er sich auf der Oberfläche „des Wassers herum wie ein Indianerhäuptling, der äeine Kriegstänze „einstudirf. Während der Paarung                n die Dnterkieferdrüsen

des Crocodils einen moschusartigen Geruch von sich,                i Auf-

enthaltsorte durchzieht "'"'.

Ophidia.         Dr. Günther theilt mir mit. da-- die Männchen

immer kleiner als die Weibchen sind und allgemein längere

schlankere Schwänze haben; er kennt aber keine andere Differenz ihrer

en Bildung. Was die Farbe betrifft, so kann Dr. G ntheb bei-

nahe immer das Manne!             Weibchen durch seine schärfer hervor-

iden Färbungen unterscheiden. So i-t das schwarze Zickzackband auf dem Rücken der männlichen ägyptischen Viper deutlicher drückt als i"-i der weiblichen. Die Verschiedenheit i-t bei den Klapper- schlangen von Nordamerica noch viel deutlicher, deren Männchei mir der Wärter im zoologischen Garten                 ugenblicklich von

dem Weibchen dadurch unterschieden werden kann, das- es am gan- zen Körper mehr schmutzig-gelb ist. In Südafrica bietet der

Verschiedenheit dar. denn ..das Weibchen „ist niemals so voll mit Gelb an den Seiten gefleckt als das Manne]

r andern Seite i-t da- Männchen der indischen Dipso schwärzlich braun mit einem zum Theil schwarzen Bauch, während da- Weibchen röthlicfa oder gelblich-olivenfarben ist und einen ent- weder gleichförmig gelblichen oder mit Schwarz marmorirten Bauch hat. Bei Tragops dispar desselben Landes i>t das Männchen hell- grün und das Weibchen bronzefarbig*7. Ohne Zweifel dienen die Farben einiger Schlangen zum Schutze, wie die grünen Färbungen der

id dir verschieden gefleckten Färbu welche an sandigen Orten leben. Es ist aber zweifelhaft, ob die Far- ben vieler Arten, so /. B. der gemeinen englischen Schlange und Vi- per, dazu dienen, sie zu verbergen; und dies i>t noch zweifelhafter n vielen ausländischen Arten, welche mit äusserst

615. Andrew Smith, 2                                                         19, pl. X.

ü Dr !                                     British India. R

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Cap. 12.                             Reptilien: Schlang                                        27

gefärbt sind. Die Färbung -                                          ichsenen und

ihr verschied Während der Paarungszeit sind die analen Kiechdrüsen der Schlan- gen in lebhafter Function :''': dasselbe gilt für die gleichen Drüsen ! Eidechsen, wie wir es schon für die Unterkieferdrüsen von Crocodilen gesehen haben. Da die Männchen der meisten Thiei Weibchen aufsuchen, so diene                                                   ändern-

den Drüsen wahrscheinlich dazu, das Weibchen zu reizen oder zu be- zaubern, und /.war hier/u viel eher, als dasselbe nach dem Orte hin zu leiten, wo das Männchen zu finden ist. Trotzdem männliche Schlan- ein scheinen, sind sie doch verliebt; denn man hat schon viele Männchen um ein und dasselbe Weibchen herumkriechen sehen, ja selbst um den. todten Körper eines Weibchens. Eis ist nicht bekannt. dass sie aus Eifersucht mit einander kämpften. Djre intel- lectuellen Kräfte1 sind höher, als sich hätte voraussetzen lassen. In den zo                             lernen sie bald, nicht mehr auf die

loszufahren, mit denen ihre Käfigi                          l; Dr. Kees

in Philadelphia theilt mir mit, das- einige Schlangen, die er hielt, nach vier oder fünf Malen es lernten, eine Schlinge zu vermeiden, mit der sie zuerst leicht gefangen wurden. Ein ausgezeichneter Be ter in Ceylon, Mr. E. Layabd60, Bah eine Cobra ihren Kopf durch eine enge Oeffnung stecken und ein                                    ,Mi1 dieser

versehen, konnte sie sich nicht wieder zurückziehen. D einsah, brach sie mit Bedauern den kostba                   wieder

welcher sich davonzumachen begann. Dies war zu stark für die einer Seih                  orde denn die Kröte wieder ergrif-

fen, und von Neuem war die Schlange nach heftigen Anstrengungen, „sich zurückzuziehen, da/u gezwungen, ihre Beute wieder von sich zu 1. Diesmal hatte Bie aber etwas gelernt, und nun wurde die ah den Beinen ergriffen, zurückgezogen und dann im Triumph chlungen".

Der Wärter im :                          en ist der Deberzeugung, dass

langen, /. B. Crotalus und Python, ihn von allen andern

1-7". p. 205, 211.

" nv.. ,,. Anatomj oi Vertebrates. Vol I. 1866, p. 615

w Batnbli                     in: Ann. and Magaz. of Natnr. H                   Pol. IX,

Online

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itwaM.                                 II. Theil.

selben Käfig zusammen- gehaltene Cobras scheinen ei                   Anhänglichkeit für einander zu füh!

-ii daraus,                 Wangen ein gewi— \ er-

mögen der Deberi                                  denschaften and

Anhänglichkeit besitzen, nicht zu folgen, dass sie auch mit hinreichen-

rbungen bei ihren -ii in einer Weise zu bewundern, dass hierdurch die Species tttlicher Zuchtwahl verschönt worden sein könnte. Trotzdem isl es schwierig, auf irgend eine andere Weise die

u erklären, /. B. die d rallenschlangen von America,                  insiv roth sind mit schwarzen

and gelben Querbändern. Ich erinnere mich noch sehr wohl, wie über- rasch! ich war, als ich die Schönheit der ersten Corallenschlange vor mir hatte, welche ich quer über einen Pfad in Brasilien gleiten sah. Sclilai!.                        »enthümlichen Weise gefärbt, werden, wie Mr.

W.vllace auf die Autorität von Dr.                 gestützt angibl "-. nir-

anders auf der ganzen Erde als in Südamerica gefimden, und hier kommen nicht weniger als \i                  sn vor. Eine von

zweite and weit davon verschiedene Gattung tig und die beiden andern sind vollständig harmlos. Die zu diesen verschiedenen Gattungen gehörigen Arten bewohnen dieselben Bezirke und sind einander so ähnlich, dass Niemand „als „ein Naturforscher die harmlosen von den giftigen Arien ante]; „den kann-. Es haben daher, wie Mr. Waixai i glaubt, die unschäd- lichen Arten ihre Farben als ein Schutzmittel nach dem Princi]

Efung erhalten, denn ihre Feinde «erden sie dieses lTmstandes für gefährlich halten, indessen bleib) die Ursache der glän- zenden Farben der giftigen Elaps hiernach unerklärt; man köm cht ans geschlechtlicher Zuchtwahl erklären. Schlangen bringen noch andere Laute ausser dem Zischen hervor. Itliche Echit                hat an ihren Seit                schräge Rei-

m Schuppen einer eigentümlichen Structur m                   Rän-

dern. '               äe Schlange gereizi wird, werden diese Schuppen

einander gerieben, was ..''inen merkwürdigen, aus

- I, p. 340. 32.

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nt hervorl i pern der Klapperschlang                                                               Mit-

theilungen erhalten. I'

i

- und mit erhobi                   mit kurzen unterbrach

. endlich sal nähern, and sobal                                                                     h. Er

r Klapper zusammenzubrii                                                      nicht

das Männch                          bchen war.

einem Orte blieb und das andere rief. . -

ifen würden. Auch kann ii -

verhalten, v andre Schlai - ihren -                                                                                    schwin-

gehört.

rtilia. — Die Männchen von mani

sen kämpfen aus Eifersucht m rdentlich kampfli                 hrend des Frühjahrs in.

„Theils des Somn                                               zwei Männchen, ohne

:.11 11 Kampf zu gerath

f vier Mal mit ihrem Kopfe auf und nieder und ;

und nachä len lang hin und                          u haben, als

„wollti                                                               wüthend

aber einander und halten sich mit ihren „Zähnen lest. Der Kampf endet meist damit,

dann häufig von dem Sieger ver-

i

The Cornplete Work of Charles Darwin Online

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30

htwahl.

II. Theü.

wird". Das Männchen dieser Species ist beträchtlich g als das Weibchenas, pnd soweit Dr. Günther im Stande gewesen ist chzuweisen, ist dies bei Eidechsen aller Arten die allgemeine Bei Cyrtodactylus rubidus der Andaman-Inseln besitzen nur die Männchen praeanale Poren; und nach Analogie zu schli dienen dieselben dazu, einen Geruch auszusenden66.

Die Geschlec                ten oft bedeutend in verschiedenen äusseren

Merkmalen von einander ab. Das Männchen der obenerwähnten

ra Kamme versehen, welcher dem Rücken und Schwänze entlang läuft und nach Belieben a                   werden kann: ahn- das

Weibcl                 ron diesem Kamme auch nicht eine spur. B

: das Weibchen einen Rückenkamm, doch viel weniger entwickelt al- beim Männchen, und d wie mir Dr. Günther mittheiit, bei den Weibchen vieler Iguana, und anderer Eidechsen der Fall. Bei einigen Speci ii der Kamm in beiden Geschlechtern gleichmässig entwickelt, der Iguan                   i. Bei der Gattung Sitana sind allein

die .Manuellen mii einer grossen Kehltasche (Fig. 33) versehen, welche wie ein Fächer auseinandergefaltet werden Kann und blauschwarz und roth gefärbt ist. Diese glänzenden Farben bieti selbe aber nur während der Paarui dar. ha- Weibchen besitzt auch nicht .in Rudiment dieses Anhangs. Bei Anolis cristatettm iE                ibe von Mr. Ai sten

zufolge derselbe, wenn auch in einem ru- dimentären Zustande, beim Weibchen vor- handen und hellroth mit Gelb marmorirt. Ferner sind bei gewissen andern Eidechsen beide Geschlechter in gleicher Weise mit Kehlsäcken versehen. Bier sehen wir, wie in vielen früher erörterten Fällen, bei Species, welche /u derselben Gruppe gehören . den nämlichen Character entweder auf die Männchen be- schränkt "der hei den Männchen bedeutender entwickelt al- hei den Weibchen, oder auch in beiden Geschlechtern gleichmässig entwii Die kleinen Eidechsen der Gattung Draco, welche auf ihrem von Rip-

'' Mr. N. Ii. An---:, ii.e diese Thiere lange Zeit lebendig gehalten. B.Land and Water, Jnly; lsn;. p. 0.

in: Journal ol

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:!1

pen unterstützten Fallschirm durch die Luft gleiten und welche in hönheit ihrer Färbung jeder Beschreibung Bpotten, sind mit Bautanhängen an ihren Kehlen \                  ähnlich den

chlappen der hühnerartigen Vögel". Diese werden aufgerichtet, wenn das Thier gereizt wird. Sie kommen in beiden ö( vor, sind aber am besten bei dem Männchen entwickelt, wenn es zur gelangt, in welchem Alter der mittlere Anhang zuweilen zwei- mal so lang als der Kopf wird. Die meisten dieser Species haben falls einen niedrigen Kamm dem Rücken entlang laufend, und dieser ist bei den völlig erwachsenen Männchen viel mehr entwickelt den Weibchen oder junj Eine chinesische Art soll während des Frühlii s                  leben;

vir.], fällt *Ii«- andre vom Baume herab und ingestraft fangen" ich vermuthe aus Verzweifelung6S. Es sind noch andere und viel merkwürdigere Verschied' zwischen den Geschlechtern gewisser Eidechsen vorhanden. Das Mann- et trägt an der -               1er Schnauze einen Anhang, der halb so lang als der Kopf ist. Kr i.-t cylindrisch, mit Schuppen bedeckt . biegsam und wie es scheint einer Erection : beim Weibchen ist er vollständig rudimentär. Bei einer zweiten - der nämlichen Gattung bildet eine endständige Schuppe ''in kleines Hörn auf der Spitze des biegsamen Anhangs und bei dritten Spei , 3-1) ist der ganze Anhang in ein Hörn umgewandel gewöhnlich von weisser Farbe ist, aber wenn das Thier gereizt wird, eine purpurähnliche Färbung erlangt. Beim erwachsenen Männchen dieser letzteren Species ist 'las Hörn einen halben Zoll lang; aber beim Weibchen und den Jungen ist es iner äusserst geringen Grösse. Dieser Anhang lässt sich, wie Dr. Gcntheb gegen mich bemerkt hat, mit den Kämmen hühner-

1 vergleichen und dient, wi.....i                   in hat, als

l

Bei der"Gat                            kommen wir zu dem höchsten Grade

von Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern. Der obere Theil

: \\\. clii -' Ingaben and Cit I die folgenden Thatsacheu in Bezog anf Ceratophora und Chamaeleon rühren entweder von Dr. Günther selbst her oder Bind seinem prachtvollen Werke ;-!) in.ii.r. B                        564, p. 122, 130, 185, entnommen. .....I. zoolog. Soc, 1870, p. 240.

The Cornolete Work of Charles Darwin Online

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32

iiwalil.

männlichen                                    (Fig. 35),

Dera von M

] :i. welche mit Schuppen                 od wie der

Kopf, und von dieser wunderbaren Modifikation der Bildung b das Weibchen nur ein Rudiment. Ferner I

der I                  von

. das Männchen an seiner Schnauze und dem Vorderkopfe drei merkwürdige Eörner, von welchen das Weib- Spur hat. Diese Eörner be- Kno- chenaus wuchs, welcher mit einer gli Theil

Körperbedeckungen bildendenScheideüber-

ihrer Structur nach identisch mit di a Bör- nern eines ' Ichsen, ei- ner Ziege oder andere) 9cheidenhörniger Wie- derkäuer sind. Ob- drei Homer in ihrer Erscheinung 30 bedeutei

: Schädels be l             on bifurcus

sich doch kaum zweifeln, dass sie in der en Tili,'iv demselben all dienen. Die erste Vermutbm -

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-

wird, i-t.                             Männchen.                 mit einander

kämpfen, benntzl                                                             streitsüchtig

W wahrscheinlich die richtige. T. W. theilt mir auch mit, dass er einmal zwei Individuen von

'- auf dem                                    tig mit einander kämpf

sehen habe; sie schwangen ihre Köpfe herum und suchten einander

zu beissen; dann ruhten sie für i                  und nahmen später den

wieder auf.

Bei i                                                              Gescl lechter nnbe-

dentend in der Farbe, den Schattirungen und Str                 inander

ab, welche                 : anchen heller und deutlicher abgegrenzt sind

bchen. Dies ist z. Li. mit den vorhin erwähnten

Hs und dem Acanthodactylu                         Südafrica der Fall.

las Männchen ent- \ i>-l röther oder riel grüner als das Wi               Bei den indi-

schen '                                                                            mheii in der

heu den Geschlechtern, auch sind die Lippen des Männ- .rz. während die des Weibchens grün sind. Bei i kleine]                                           Dden Eidechsi /

..die i                    des Körpers und dii                                      beim

„Männchen hell orange mit Schwarz gefleckt; heim Weibchen sind Theile blass-gräulich-grün ohne Flecke" :". Wir h; Hein die Männchen I -          einen Kehlsack besitzen, und

ist in einer glänzenden Weise mit Schwarz, Blauschwarz und Roth gefärbt. Bei 'lern J',                            ron Chile i-t nur das

Männchen mit Flecken von Blaugrün und Kupfrigroth g

11 Dr. Bnchholz, in: Monm-                                        I. Jan. 1-7!

'' In Bezog an) Reptiles by Mr. Dell. p. i

DAnmr, AlwUr n m

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34

htwahl.

In vielen Füllen behalten die Männchen die nämlichen Farben durch das ganze Jahr, in andern aber wi                 ahrend der Paarungszeii

viel heller: als ein weiteres Beispiel will ich noch den ' anführen, welcher in di                 inen hellrothen Kopf hat, während

der übrige Körper grün ist '-.

Bei vielen Species sind bei                ehter vollständig

gefärbt, und es ist kein Grund zu der Vermuthung vorhanden, dass solche Färbungen zum Schutze dienen. Hei den hell grünen Ar- ten, welche mitten in der Vegetation leben, dienen zwar diese Farben ohne /wu i zum \ rln r., n; im nördlichen Fvfcagonian sah ich csne Eidechse (Prodotretus multimaculatus), welche, wenn sie erschreckt wurde, ihren Körper platt machte, die Augen schloss und dann wegen ihrer fleckigen Färbung kaum von dem umgebenden Sande zu unter- en war. Die glänzenden Farben aber, mit denen so viele Eidechsen geschmückt sind, ebenso auch die verschiedenen merkwür- digen Anhänge werden wahrscheinlich von den Männchen als An- ziehungsmittel erlangt und dann entweder allein auf die männlichen Kachkommen oder auf beide Geschlechter überliefert. In der That scheint geschlechtliche Zuchtwahl bei Reptilien eine fast ebenso be- deutungsvolle Rolle gespielt zu haben als bei Vögeln. Die weniger auffallenden Färbungen der Weibchen im Vergleich mit denen der Männchen können, wie es Mr. Walu.ce hei Vögeln thun zu kennen glaubt, nicht dadurch erklärt werden, dass die Weibchen während der Brütezeit Gefahren ausgesetzt sind.

Sonth \                          Sit Andren Smith, pl. 26 nnd

ducken I                                              les of British In.lia. p, 143.

,; Günther, in: Procced. Zoolog. Soc. 1870, mit einer colorhtcn Abbildung.

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Dreizehntes Capitel.

Secnndäre Sexnalcharactere der Vogel.

htliche Verschiedenheiten.                       Kampfes. — Specielle Waffen. —

Stimmorgane. — Instrumentalmusik, — Liebesgeberden und Tänze. — Per- manenter und an die Jahreszeit gebundener Schmuck. — Doppelte und ein- fache jährliche Ilauser. — Entfaltung der Ornamente seitens der Männchen.

Secnndäre Sexnalcharactere sind bei Vögeln von grösserer Mannich-

laltigkeit und auffallender, wenn sie auch vielleicht keine bedeuten- deren Veränderungen in der Structur mit sich bringen, als in i einer andern «lasse des Thierreiches. Ich werde daher den Gegen- stand in ziemlicher Ausführlichkeit behandeln. Zuweilen, wenn auch

. besitzen männliche Vögel specielle Waffen zum Kampfe mit ein- ander. Sie bestricken die Weibchen durch vocale und instrumentale Musik der mannichfaltdgsten Art. Sie sind mit allen Arten von Käm- men, Fleischlappen, Protuberanzen, Hörnern, von Luft ausdehnbaren irstützen, nackten I               ten, Schmuckfedern und andern

gerten Federn, die graziös von allen Theilen des Körpers ent- springen, verziert. Der Schnabel und die nackte Haut um den Kopf herum und die Federn sind oft prächtig gefärbt. Die Männchen machen den Weibchen zuweilen den Hof durch Tanzen oder durch Ausführung phantastischer Gesten, entweder auf dem IBoden oder in der Luft. Mindestens in einem Falle sendet das Männchen einen moschusartigen Geruch aus. von dem man wohl vermuthen kann, dass er für das Weibchen als Beiz- oder Liebesmittel dient; denn jener ausgezeichnete Beobachter, Mr. Ramsat1, sagt von der australischen :\b>.-,-husente

,-a lobatu), dass ..der Geruch, welchen das Männchen während „der Sommermonate aussendet, auf dieses Geschlecht beschränkt i;t

1 ii,i-, New Ser. Vol. II] (New Seriefl.) 1867, p. 414.

3*

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..und bei einigen Individuen während des ganzen Jahres abgesondert ..wird, ich nahe niemals, selbst in der Paar

Bossen, welches irgendwelchen Geruch nach Moschna s „hätte". Dieser Genie!                  rk während der Paarungszeit,

er lange ehe der Vogel zu sehen ist. wahrgenommen werden kann-. Im Ganzen ;                          1 unter allen Thieren die ästheti-

zu sein, natürlich mit Ausnahme des Menschen, und sie haben auch nahezu                          hmack für 'las Schöne wie wir haben. Dies

zeigt sich darin, dass wir ans über den Gesang der Vögel treuen und dass unser.' Frauen, sowohl die civilisirten als die wilden, ihre I mit erborgten Federn schmücken und Edelsteine zur Zierde benutzen, welche kaum brillanter gefärbt sind als die nackte Haut und die ilai'pou gewi                   Beim Menschen indessen i-t dieser Sinn

hönheit, wenn er cnltivirt i-t . ''in viel compliciri und ist mit verschiedenen intellectuellen Ideen vergesellschaftet.

Ehe wir von den Characteren handeln, mit denen wir es hier ganz

lers zu thun haben, will ich nur eben gi                  biedenheiten

ii den Geschlechtern anführen, welche dem Anscheine nach von

liedenheiten in ihren Lebensweisen abhängen; denn wenn auch

derartige Fälle bei den niederen Classen häufig sind, so sind sie

en höheren selten. Zwei Colibris, die zu der Gattung /. gehören und die Insel Juan Fernandez bewohnen, wurden lang( für speeifisch verschieden gehalten; wie mir aber Mr. Gouxn mittheilt, man jetzt, dass es die beiden Geschlechter einer und derselben

1. sie weichen in der Fenn ihres Schnabels onbedi

inander ab.*- Bei einer andern Gattung von Colibris (Gryp

der Schnabel des Männchens dem Rande entlang gesägt und an

hakenförmig gekrümmt, wodurch er von dem des Weibchens bedeutend abweicht. Bei der                                    iland besteht, wie

a haben, eine noch gri                 chiedenheit in der Form

des Schnabels in Beziehung auf die Art und Weise, wie sich die bei- Geschlechter ernähren. Etwas Aehnliches lässt sich bei m

i beobachten : denn wie mir Mr. Jknneb versichert, können die Vogelfänger die Männchen an ihrem un- bedeutend längeren Schnabel erkennen. Ofl findet man Schaaren von Männchen sich von den Samen der Weberkarden Dij>*<i<-».A nähren.

Gonld, Handbook to the Birds ol Aiietralia. 1865. Vol. II. p. 388.| g

of Charles Darwin Online

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[es Kampfes.

37

sie mit ihrem verlängerten Schnabel erreichen können, wäh- rend die Weibchen sich häufiger von den Samen der Scrophn ernähren. Nimmt man eine unbedeutende Verschiedenheit dieser Art als Ausgangspunkt an, so läss                en, wie die Schnäbel der bei-

den Geschlechter durch natürliche Zuchtwahl zu einer bedeutenden

iedenheil gebracht werden können. Es ist indessen in einigen der angerührten Fälle möglich, dass zurrst die Schnäbel der Männ- chen in Beziehung auf ihre Kämpfe mit andern Männchen modificirt worden sind, und dass dies später zu unbedeutenden Aenderungen der Lebensweise geführt hat.

- Kam[il'es. — Fast alle männlichen Vög äl kampfsüchtig und brauchen ihren Schnabel, ihre Flügel und Beine, um mit einander zu kämpfen. Wir sehen dies alle Frühjahre bei unsern ßothkehlchen und Sperlingen. Her kleinste von allen Vö- geln, nämlich der Colibri, ist einer der zanksüchtigsten. Mr. G beschreibt einen solchen Kampf, in welchem ein paar Colibris sich an ihren Schnäbeln fassten und sich beständig rund herumdrehten, bis sie fast auf den Boden fielen; und Mr. Montes de Oca spricht von einer andern Gattung und erzählt, dass sich selten zwei Männchen begegnen, ohne einen sehr heftigen in der Luft ausgekämpften Streit zu beginnen. Werden sie in Käfigen gehalten, 30 ..endet ihr Kampf meistens damit, „dass die Zunge des einen von Beiden aufgeschlitzt wird, welcher dann „sicherlich, weil er unfähig ist sich zu ernähren, stirbt" '. Unter '.w Wadvögeln kämpfen die Männchen des gemeinen Wasserhuhns (1 nula chloropus) ..zur Paarungszeit heftig um die Weibchen. Sie stehen ..1,1-1 aufrecht im Wasser und schlagen mit ihren Füssen". Man hat . dass zwei Hähne eine halbe Stund.' lang sich in dieser Weise bekämpften, bis ''in.']- den Kopf des andern zu lassen bekam, welcher entschieden getödtet worden wäre, wenn nicht der Beobachter einge- schritten wäre. Das Weibehen sah während der ganzen Zeit als ruhi- ger Zuschauer zu5. Die Männchen eines verwandten Vogels (1 ristatus) sind, wie mir -Mr. Bi.ytii mittheilt, ein Drittel g aN die Weibchen und sind während der Paarungszeit so kampfsüchtig, rie von den Eingeborenen des östlichen Bengalen zu Kämpfen

5 Citirt von Gould. Introduction I» the Trochilidae. 1801, p. 29.

Gonld, a. a. 0. p. 52.

W. Thompson, Natur. Hist. of Ireland: Birds. Vol. II. 1850, p. S27.

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38                                  ' - : ' ''' : Zuchtwahl: Vi g                            II. TheiL

gehalten werden. In Indien werden verschiedene andere Vögel zu dem- selben Zwecke gehalten. /.. 1). die Bulbuls [Pycnonotus haemorrlious), welche „mit grossem Ulan kämpfen- 6.

Der polygame Kampfläufer (Machet                . Fig. 37)isi

rordentlichen Kampfsucht bekannt: im Frfihlin

Fig. 3". Der CampCtitafer odor Machrlei pugnax (aus ltrehm, Thierlobon).

mein sich die Männchen, welche beträchtlich grösser sind als die

Weibchen, Tag für Tag an bestimmten Flecken, wo die Weibchen ihre Eier zu legen beabsichtigen. Die Hühnerjäger entdecken diese Flecke

6 Jerdon, Birds of India. 1SC0. Vol. II. p

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39

daran, dass der [lasen leicht niedergetreten ist. Bier kämpfen diese Läufer fast so wie Kampfhähne, ergreifen einander mit ihren Schnä- beln und schlagen sich mit ihren Flügeln. Der runde Federkragen rund um ihren Hals wird dann aufgerichtet und dient der Angabe des Colonel Montagu zufolge den Thieren wie ein Schild, um „auf dem „Boden hinstreichend «1 i - - zarteren 1               schützen". Dies ist auch

das einzige mir bekannte Beispiel bei Vögeln von irgend einer Bil- dung, welche als ein Schild dient, indessen dient dieser Federkragen wegen seiner verschiedenartigen reichen Färbungen wahrscheinlich hauptsächlich zur Zierde. Wie die meisten kampfsüchtigen scheinen sie jederzeit /um Kampfe bereit zu sein und wenn sie in chaft mit einander leben, tödten sie sieh oft. Mon-

iieobachtete aber, dass ihre Kampflust während des Frühjahrs grösser wird, wo die langen Federn au ihrem Halse vollständig wickell sind; und zu dieser Zeit ruf die geringste Bewegung irgend einem Vogel einen allgemeinen Kampf hervor7. Für die Kampf- lust der mit Schwimmfüssen versehenen Vögel werden zwei Beispiele genügen. In Guyana „kommen blutige Kämpfe zur Paarungszeit zwi-

; den Männchen der wilden Moschusente (Cairina mosehata) vor, ..und da WO diese Kamille gefochten worden sind, ist der Fluss „Strecke lang mit Federn bedeckt"8. Selbst Vögel, welche für einen Kampf nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, beginnen ; Kämpfe. So treiben unter den Pelicanen die stärkeren Männchen

die schwächeren fort, schnappen nach ihnen mit ihren g Schnäbeln und gehen ihnen heftige Schläge mit ihren Flügeln. Männ- liche Becassinen kämpfen zusammen, „stossen und treiben einander ..mit ihren Schnäbeln in einer Weise, wie sie merkwürdiger kaum ge- „dacht werden kann-. Von einigen wenigen Arten glaubt man. dass 3ie niemals kämpfen. Dies ist nach Aüdübon mit einem der S] der Vereinigten Staaten (Pkus auratus) der Fall, obgleich ..die Weib- chen von einer Anzahl, bis zu einem halben Dutzend, ihrer muntern „Liebhaber verfolgt werden" ".

Die Männchen vieler Vögel sind grösser als die Weibchen, und

; Macgilliyray, History of British Birds. Vol. IV. 1852, p. 177

Sir R. Sohomburgk, in: Journal of B. Geograph. Soc. Vol. XIII.

: . 31.

9 Omithological Biography. Vol. I, p. 191. Wegen der Pelicane und Becas- sinen b. ebenda. VoL III. p. S81, 177.

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ifel das Resultat des Yortheils, welchei reu und               i Männchen über ihre Nebenbuhler

hindurch erlangt haben. I1                                                    n den

beiden G                                     i                           Species bis zu einem

ganz extremen Grade _                            sind die Männchen der

ind die Männchen von l (mit unserem Steinschmätzer verwandt) der wirklichen Messung nach i zweimal -

lie Männchen und, rkt wurde, ist die häufig hierfür angeführte Erklär                   unlieb die Weibchen beim Aufziehen dr Jung

bal.ieii. nicht hinreichend. In einigen wenigen Fällen . :r späterhin                  . werden, die Weibchen allem An-

nach ihre be                       ;se and Kraft deshalb erlangt, um andere

Weibchen besiegen und in den B                                  gelangen zu

kdnnen.          ,

Die Männchen vieler hühnerai Arten, sind mit speciellen Wallen zum Kample mit ihren Nebenbuhlern n. nämlich mit Spornen, welche mit einer fürchterlichen Wir- 'den können. Ein zuverl                          Her hat be-

richtet ''. di                           ein Habicht auf eine Kampfhenne, welche

gleitung ihrer Küchlein war, stiess, worauf der Kahn zu ihrem Entsätze herbeieilte und                                  Lurcb das Auge und den

I des Angreifers hindurchschl                   in war nur mit Schwie-

rigkeit ans dem Schädel herauszuziehen, und da der Habicht, frr er todt war,                                           i die beiden '                in ein-

ander verbisf                 war der Hahn,                  gemacht wurde, nur

tzt. Der d                    Muth der Kampfhähne

kannt. Ein Herr, welcher vor langer Zeit die folgende brutale

htete. erzählte mir. das                 I durch irgend einen Zufall in

dem Hühnerstalle '-in B s                           und der Besitzer wagte

- wenn das Bein geschient werden körn I rar aufrecht stehen kenne, er zu kämpfen fortfahren würde. Dies wurde auf der Stelle ausgeführt und der Vogel kämpfte mit anbezähmtem Mut:                 . bis er seinen Todesstreich erhielt.

In Ceylon kämpft eine nahe verwandte wilde Art. !

ii.i. V..I. 1. p. 395. V.l II. p. ::::. "Mi                                                                    i                                137.

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'

II

bekanntlich ganz verzweifelt ..in der Vertheidig                         Is", 30

iner der Kämpfenden liäufig todt gefunden wird12. Bin indisches

rnis gularis)                Mäunchen mit starken und

scharfen Spornen versehen i-t, ist so streitsüchtig, „dass < 11» Narben

„von früheren Kämpfen die Brust von beinahi                 gel, den mau

. entstellen" ';. Die Männchen beinahe aller hühnerartigi welche nicht mit Spornen versehen sind, werden während der Paai zeit in heftige Kämpfe verwickelt. Der Auerhahn nnd das Birkhuhn gaüus und '/'. letrix), welche beide polygam Leben, haben bestimmte Plätze,                               in hindurch si

1 Anzahl versammeln, um mit einander zu kämpfen and vor den Weibchen ihre Reize zu entfalten. Dr. W. Kowalevsk* theilt mir inii. dass er in Russland auf den Plätzen, wo der Auerhahn gel hat, den Schnee ganz blutig fand, und die Birkhühner „lassen „dem in allen Richtungen hinfliegen", wenn mehrere ..in einem ' „liehen Kam]                   äind". Der ältere Brebm gibt einen anziehen-

den Bericht über die B                           Liebestanz und l.

des Birkhuhns genannt wird. Her Vogel stösst bein fremdartigsten Laute aus. „Vor dem Kollern halt er den Schwanz

echt und fächerförmig ausgebreitet, richtet Hals und Kopf, an

.welchen alle Federn gesträubt sind, in die Höhe und trägt die Flügel

„vom Leibe ab und gesenkt. Dann thut er einige Sprünge hin und

.her. zuweilen im Kreise herum und drückt endlich den Dnterschnabel

i auf die Erde, d                   die Kinnfedern abreibt. Bei allen

er mit den Flügeln und dreht sieh um

.-ieh selber herum. Je hitziger er wird, um so lebhafter geberdei er

„sich, und schliesslich meint man. da<s man einen Wahnsinnigen »der

„Tollen vor sieh habe". Zu solchen Zeilen werden die Birkhühi

von ihrem Gegenstande absorbirt, dass sie last blind und taub werden,

in einem geringeren Grade als der Auerhahn. In I

sich ein Vogel nach dem andern an dem nämlichen Orte seh oder selbst mit der Hand fangen. Nachdem di neu aufgeführt haben, beginnen sie mit einander zu kämpfen, und ein und derselbe Birkhahn wird, um seine Stärke über mehrere Gegner zu

rd, in: Ann. and Magaz. of Nat. lli-t. Vol. XIV. 1854, p. 63. " Jerdon, Birds -1' India. Vol. III. p. 574.

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42                                                                                           II. Theil.

beweisen, mehrere Balzplätze an einem Morgen besuchen, wel aufeinanderfolgenden Jahren immer dieselben bleiben u.

Der Pfauhahn erscheint mit seiner langen Schwanzschleppe mehr

wie ein Stutzer als ein Krieger, doch tritt auch er zuweilen in ! Kämpfe ein. Mr. W. Darwin Fox theilt mir mit. dass zwei Pfau- hähne, wahrend sie in einer geringen Entfernung von Chester mit ein- ander kämpften, so aufgeregt wurden, dass sie aber die ganze Stadt hinweg immer noch kämpfend flogen, bis                 nf der Spitze von

I ihn's Thurm niederliessen.

Der Sporn ist bei denjenigen hühnerartigen Vögeln, welche damii

len sind, im Allgemeinen einfach, aber Polyplectron (s. Fig. "'l S. 81) hat zwei oder selbst mehr an einem Beine, und es i-t beobachtet worden, da-.- einer der Blutfksane (Ithaginis cruentus) fünf Sporne hatte. Die Sporne sind allgemein auf das Männchen beschränkt und werden beim Weibchen durch blosse Höcker oder Rudimente rep tirt; doch besitzen die Weibchen des javanischen Pfaus (Pavo mu und. «ie mir Mr. ISi.ytii mittheilt, die Weibchen des kleinen roth- rückigen Fasans Euplocamus erythrophthalmus) Sporne. Bei

hat gewöhnlich das Männchen zwei Sporne und das Weibchen nur einen Sporn an jedem leim- lä. Man kann daher die Sporne ge- trost als einen männlichen Character ansehen, welcher gelegentlieh in

irem '»1er gering,-rem Grade auf die Weibchen ül> Wie die meisten andern geeundären Sexualcbaractere sind die Sporne

i\ variabel sowohl in ihrer Zahl als in ihrer Entwickelung bei einer und derselben Spe

Verschiedene Vögel haben Sporne an ihren Flügeln. Aber die ägyptische (Sans ((                                  -i hat nur nackte, stumpfe

Höcker, und dies zeigt uns wahrscheinlich die                 . aus welcher

echte Sporne sich bei andern verwandten Vögeln entwickelt haben. Bei der spornflügeligen Hans (Plectropterus gambensis) haben die Mannchen viel grössere Sporne als die Weihchen und sie benutzen dieselben, wie mir Mr. Bauti.ktt mittheilt, hei ihren Kämpfen unter einander, so dass in diesem Falle die Flügelspornen als geschlechtliche Wallen dienen;

14 Brelmi. Iünstrirtes Thierleben. 1867. Bd. ' S. 851. Einige der oben theilten Angaben sind entnommen aus L. Lloyd, The Game Birds

'* .1 erd               of India: üb i

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Cap. 18.                                                mpfes.                                     43

hauptsächlich bei der Verteidigung der Jungen gebraucht. Di( /                 Fig. 38) ist

mit einem Paare Spornen an :

Bltea plügeUporne

fürchterliche Wallen, dass ein einziger Schlag damit einen Hund heu- lend davongetrieben hat. Dem Anscheine nach sind aber in diesem Falle oder auch hei den mit Spornen an den Flügeln versehenen Hallen die Sporne beim Männchen nicht grösser als beim Weibchen l6. Bei

16 In Bezug auf die                                 jillivray, British Bilds. Vol.

IV. p. 1                                                  jstone, Travels, p. 254, I

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II

II. Theil.

m Regenpfeifern müssen indessen die Flügelsporne als ein ge- schlechtlicher Character betrachtet werden. So wird der Höcker an der Flügelschulter beim Männchen unseres gemeinen Kib

I während der Paarungszeil vorragender, und es ist bekannt, dass die Männchen mit einander kämpfen. Bei einigen Species von Lobi-

entwickelt sich während der Paarungszeit ein ähnlicher Böcker „zu einem kurzen hornigen Sporne". Beim australischen /.. lobatua haben beide Geschlechter Sporne, aber dieselben sind bei den Männ- chen viel grösser als bei den Weibchen. Bei einem verwandten \ dem Hoplojj                   <.-, werden die Sporne während der Paai

zeit in                          ir man hat in A                         . dass diese

in derselben Weise mit einander kämpfen wie unsere Kibitze. Sie springen dann plötzlich in die Höhe und schlagen einander von

ite zuweilen mit einem tödtlichen Erfolge. Sie treiben aul

auch andere Feinde fort l7. Die Zeit der Liebe ist die Zeit des Kampfes. Aber die Männ- Kampfhuhns und der Kampfläufer und Männchen des wilden Truthuhns und Haselhuhns 1S sind bereit zu kämpfen, so oft sie einander begegnen. Die Gegenwart des Weibchens ist die teterrima belli causa. Die bengalischen Kna- ben bringen die niedlichen kleinen Männchen des Amadavat (Ei amandavo) dazu, mit einander zu kämpfen, dadurch dass sie drei

Käfige in eine Reihe -teilen mit einem Weibchen in der Nach kurzer Zeit lassen sie die zwei Männchen frei und sofort beginnt ein ganz verzweifelter Kampfi9. Wenn viele Männchen sich auf einem und demselben bestimmten Platze versammeln und mit einander käm- pfen, wie es bei den Waldhühnern und                   en andern \ der Fall ist, so sind sie meist von den Weibchen begleitet i0, welche

Brehm'a Thierleben. IM. I, s. 740. -. über diesen Vogel auch Azara,                  l'Ameriqne mridion. Tom. IV. 1809, p. 17'.'. 258.

' s. ober den Ebitz .Mr. R.Cari in: Land and Water B. Aug. 1868, p. 10. In Bezng aul I                                            l [ndia. Vol. III. p. 647, und

. Handbook of Birda ofAustralia. Vol. II. p. 220. W< Ulen, in: Ilii-. VoL V. 1863, p. 156. 19 Audnbon, Ornithological Biography. Vol. II, p. 492. Vol. I. p. 1—13.

19 Mr. Ulyth. in: Land and W                          212.

2U Richarfaou.                                          i: Fauna Bor. Ainer.: Birds. lv::i

|i. 343. L. Lloyd. Game Birda J                                  .''-'. 79, aber den Amr- und

ihn. Brehm führt ii                      Dliierleben d.s. w. Bd. I. S. 352), dass in

tennen gewöhnlich beim Balzen der Birkhähne nicht .

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später mit den siegreichen Kämpfern sich paaren. Aber in ei Fällen geht das Paaren dem Kämpfen voraus statt ihm zu l So führt Audubon an21, dass mehrere Männchen des virginischen Zie- genmelkers (Caprimtdgus virginianus) „in einer äusserst unterhalten- den Art und Weise dem Weibchen den Hof machen, und sobald das- selbe seine Wahl getroffen hat, jaul der bevorzugte Liebhaber alle „Eindringlinge fort und treib! sie über die Grenzen seiner Herrschaft „hinaus." Im Allgemeinen versuchen die Männchen mit aller Kraft ihre Nebenbuhler fortzutreiben "der zu tödten ehe sie sieh paaren, [ndessi                 i - doch, als ob die Weibchen nicht ohne Ausnahme

immer die siegreichen Männchen vorzögen. Mir ist in der Thal von Dr. W. Kowalevskv versichert worden, dass das weibliche Auerhuhn sich zuweilen mit einem jungen Männchen fortstiehlt, welches nicht r hat, mit den älteren Hähnen den Kampfplatz zu betreten, in derselben w                          igentlich bei den Thieren dos Rothwilds

in Schottland der Fall ist. Wenn zwei Männchen in Gegenwart eines einzigen Weibchens Bich in einen Kampf einlassen, so gewinnt ohne Zweifel gewöhnlich der Sieger das Ziel seiner Wünsche. Aber einige von diesen Kämpfen werden dadurch verursacht, dass herumwandernde Männchen versuchen, den Frieden eine- bereits vereinigten Paars zu stören --'.

bei den kampfsüchtigsten Arten ist es wahrscheinlich, dass das Paaren nicht ausschliesslich von der blossen Kraft und dem I Mnthe der Männchen abhängt. Denn derartig.' Männchen sind all- gemein mit verschiedenen Zierrathen geschmückt, welche ofl während der Paarungszeit brillanter und eifrigst vor den Weibchen entfaltet werden. Auch versuchen die Männchen ihre Genossin durch Liebes- töne, Gesang und Gesten zu bezaubern oder zu reizen, und in vielen Fällen ist die Bewerbung eine sieh in die Lange ziehende Angelegen- heit. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Weibchen für die lies andern Geschlechts unempfänglich sind oder dass sie unab- änderlich gezwungen sind, sieh den siegreichen Männchen zu ergehen.

Bindj 'las ist aber 'ine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel. Möglicl liegen die Hennen vorsteckt in den umgi                   ben, wie es bekanntlieh bei

rkbennen in Skandinavien und mit andern Arten in Nord - America der Fall ist.

*' Ornithological Biography. Vol. 11. i 275,

w Brenn                                                3.990. Audnbon, Ornithological

Biography. Vol. II. ;

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46                                     chlechtliche Zuchtwahl; V3g                          II. Theü.

wahrscheinlicher, dass die Weibchen von gewissen Männchen entweder vor oder nach dem Kampfe gereizt «erden and diese daher nnbewnsst vorziehen. Was den Tetrao umbellus betrifft, so geht ein Beobachter2' so weit anzunehmen, dass die Kampfe der Mann- eben „nur Sei                  sind, ausgeführt, um sieh in größtmöglichem „Vortheile vor den um sie herum versammelten und sie bewundernden „Weibchen zu zeigen. Denn ich bin niemals im Stande gewesen.

stammelten Helden zu linden, und selten habe ich mehr als eine gefunden." Ich werde auf diesen Gegenstand zurück- zukommen halien. will aber hier hinzufügen, dass beim Tetrao cupido der Vereinigten Staaten ungefähr zwanzig Männchen sich auf einem leren Flecke versammeln und. während sie nmherstolziren, die Luft von ihrem ausserordentlichen Lärmen ertönen machen. Bei der ersten Antwort seitens eines Weibchens heginnen die Männchen wü- thend mit einander zu kämpfen, und der Schwächere gibt nach. dann Buchen, der Angabe von AüDüboh zufolge, sowohl die Sieger als die Besiegten das Weibchen, so dass die Weibchen dann entweder eine Wahl eintreten lassen müssen oder der Kampf von Neuem heginnen kämpfen ferner die Männchen eines der Feldstaare der Vereinigten Staaten (Sturnella ludoviciana) heftig mit einander, „aber „beim Erblicken eines Weibchens fliegen sie alle hinter diesem her „als wenn sie närrisch wären."24.

Vocal- und Instumentalmusik.         Bei Vögeln dient die

Stimme dazu, verschiedene Gemüthserregungen auszudrücken, wie Un- glück, Furcht, Aerger, Triumph oder blosses Gefühl des Glücks. Dem Anscheine nach wird sie zuweilen dazu benutzt, Schrecken zu erregen, wie es mit dem zischenden Geräusch der Fall ist, welches.

istlinge ausstossen. Audubon erzählt85, dass ein Beiher (Ardea . l.iNNKi. welchen er zahm hielt, sieh zu verstecken pflegte, wenn sieh eine Katze näherte, und ..dann stürzte er plötzlich vor und - eines der fürchterlichsten G                                  ibar über die

..Unruhe und die Flucht der Katze amnsirend." Der gemeine Haus- hahn gluckt seiner Henne und die Henne ihren Küchlein, wenn ein

-' Land and Water, 25. July, 1868, p. II.

:l Andubon's Ornithologie»] Biograph}                      cupiäo, V.l. II. p. 492,

über die -

nithol igical Bi gra] hy. Vol. V, p. 601.

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Cap. 13.                                                                                                                            i ]

guter B               mden wird. Die Henne

I legt hat. einen and denselben Ton sehr oft nnd schliessl dann ..mit . -                                                   _ Zeit aushalf;26 und

hierdurch drückt sie ihre Freude

rufen offenbar einander zu Hälfe, nnd da sie von Baum zu Baum flüchten, wird der Schwärm durch stets einander antwortende zii Rufe zusammengehalten. Während der nächtlichen '               »en der

und anderer Wass p         im man hoch über unsern Köpfen

sonore Ausrufe von der Spitzi                  her in der Dunkelheit hören,

denen dann Ausrufe von dem End Ausrufe dienen als Warnungssignale, welche, wi

Zeit erfahren hat, sowohl von einer und ders auch von andern sehr wohl verstanden werden. Der Haushahn kräht und der Kolibri zirpt im Triumph über einen besiegten Nebenbuhler.

! I und verseii: fremdartige Laute hauptsächlich während der Paarungszeit h

it und dienen entweder nur                                 - als Lockruf

für di s                         eht.

Die Naturforscher sind in Bezug auf den Zwei           - gens der

ilter Meinun ;                                 ten haben

behauptet. die Männchen der - i i                      andere im Allgemeinen

„nicht die Weibchen aufsuchen; sondern ihr Geschäft im Frühlinge ä atheil darin, sich auf irgend '-inen weii sichtbaren „Punkt niederzulassen und dort ihre vollen liebeathmenden Töi ..klingen zu lassen; das Weibchen erkennt dies                  ict und be-

„gibt sieh darauf nach dem Flecke hin. um sieh ihren Genossen zu „wählen"". Mr. Jenner Weib theilt mir mit. das auf die Nachtigall sieher der Fall                  stein, welcher während

ganzen L                     hielt, führt an, „das               ibliche

„Canarienvogel immer den hotte. -            ;icfa wählt und 'I.

„Naturzustande der weibliche Finke unter Hunderten von Männchen „dasjenige sich auswählt, des                g ihm am                    1t--'.

inea Barrington, in: P                                        773, p. 252.

IT-"..

u Naturgeschichte der                                                                                  Weir

schreibt mir: „Mir                         rden, daas die am                                   [ännchen

:i erhalten, wenn sie in demselben Zimmer gezüchl find."

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48                                                  ichtwahl: Vi ;

Darfibet kann kein Zweifel sein, dass Vögel äusserst aufmerksam aul ihren .                 n Gesang sind. Mr. Weir hat mir einen Fall von

Gimpel mitgetheilt, dem gelehrt worden war, einen deutschen Walzer zu pfeifen, und der i                 r Sänger war, dass er zehn

Gnineen kostete. Als dieser                  rst in ein Zimmer gebracht

wurde, wo andere Vögel gehalten wurden, und er zu sing stellten sich alle übrigen Vögel und es waren ungefähr zwanzig Hänf- linge und Canarienvögel vorhanden, auf die nächsteSeite in ihren Bauer uml hörten mit di                 i Interesse dem neuen Sänger zu. Viele

Naturforscher glauben, dass das Sil                 gel beinahe

lieh »die Wirkung der Rivalität und Nebenbuhlerschaft" sei und nicht zu dem Zwecke ausgeübt werde, ihre Genossen zu bezaubern. Dies war die Ansicht von Datnbs Barrington und White von Seiborne, welche beide dem Gegenstand besondere Aufmerksamkeit schenkten-'". gibt Barrington zu. „dass eine Ueberlegenheit im G

In eine wunderbare Ueberlegenheit über andere überhaupt sehr gut wiss Es besteht ganz sicher ein intensiver Grad von Rivalität v den Männchen in ihrem Gesänge. Vogelliebhaber bringen ihre Vögel zusammen, um zu sehen, welcher am längsten singen wird, und mir hat Mr. Yarreli. erzählt, dass ein Vogel ersten Ranges zuweilen sin- gen wird, bis er Fast todt oder der Angabe von Beckstein zufi vollständig todt umfällt, in Folge des Zerplatzens                  sses in

den Lungen. Was auch immer die Ursache sein mag, männliche ' sterhen. wie ich von Mr. Weir höre, häufig während der Singezeil plötzlich. Dass die Gewohnheit zu singen zuweilen von der vollständig unabhängig ist. ist Klar. Denn man hat einen unfrucht- baren hybriden Canarienvogel beschrieben31, welcher sang, als er sich selbst im Spiegel erblickte, und dann aufsein i                 gelbild los-

Btürzte. Er griff in gleicherweise mit Wuth einen weiblichen Cana- rienvogel an, als er zu ihm in denselben Dauer gebracht wurde. Die

inger ziehen beständig von der Eifersucht, die dun des Sinken-                   vird, Vortheil. Ein Männchen, welches gnt

singt, wird verborgen und geschützt, während ein ausgestopfter \

59 Philosophie»] Transactions, KT::, p.263. Whiti . Natural History ofSel- 246.

; \

:l Vir. Bold, in: Zoo!

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Gesang.

leimten Zweigen umgeben, dem B                           wird. Aul

diese Weise hat, wie Mr. Weib mir mittheilt, ein -Mann im Verlaufe infzig und au einem sog                 g männliche

Buchfinken _                 Das Vermögen und die Neigung zum S

bei Vögeln                                                              is eines ge-

wöhnlichen mannlichen Buchfinken nur einen Sixpence beträgt. Mr.

Wedj doch i                   -all. für welchen der Vogelhändler drei Pfund

te. Die Probe für einen wirklich guten Sänger ist dabei die,

lerselbe zu singen fortfährt, während der Käfig rund um den

Kopf d                                            ird.

sowohl aus Eifersucht als zu dem Zwecke, das

Weibchen zu bezaubern, singen, ist durchaus nicht unverträglich mit

einander und hatte sich in der Thal als mit einander Hand in Hand

i erwarten lassen, ebenso wie Geschmücktsein und Kampfsucht.

uchens nicht dazu dienen könne, das Weibchen zu bezaubern, weil die '

ies, wie des Canarienvogels, des Bothkehlchens, der und des Gimpels, besonders wenn sie. wie Bechstetn bemerkt, im Zustande des Verwittwetseins sich befinden, selbsl einen mel

In einigen von diesen Füllen kann man die nheii zu singen zum Theil dem Umstände zuschreiben, dass die lir gut gefüttert und in Gefangenschaft gehalten .. sind32, denn dies stört alle .die gewöhnlich mit der Reproduction der Art im Zusammenhange stellenden Functionen. Es sind bereits viele Beispiele mitgetheilt werden von der theilweisen Uebertragung ; därer männlicher Charactere auf das Weibchei                  es durchaus

nicht überraschend ist zu sehen, dass die Weibchen einiger S auch das Vermögen zu singen besitzen. Man hat ferner auch ge- schlossen, dass der Gesaug des Männchens nicht als ein Reizmittel dienen könne, weil die Männchen gewiss                                   Both-

kehlchens, während de!                 singen33. Es ist indessen nichts

häufiger, als dass Thiere darin Vergnügen finden, irgendwelchen In- st inet auch zu anderen Zeiten auszuüben als zu denen, wo er ihnen von wirklichem Nutzen ist. Wie oft sehen wir Vögel leicht hinfl

32   Daines Barrington, in: Philosoph. Transact. 177::. b, 262. Bech- stein. Naturgeschichte der Stufaenvögel. 1840, S. I.

33   Dies ist auch mit der Wasseramsel (Cinclus) der Fall. s. Mr. B in: Zoologist, 1844—46, p

DAR«                                                                    (VI.)                                              1

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50

II. Theil.

durch die I.uit gleitend und segelnd, and offenbar nur zum

n Maus und der i 'ormoran mit Der Webervog in einem Käl                         , ist. damit, Grashalme niedlich /.

das Drahtgiti                                          in. Vögel,                    ähnlich

während der Paarungszeit kämpfen, sind meist zu allen Zeiten : mit einander zu kämpfen, und die Männchen des Auerhahns halten ihre Balzen oder Leks auf den gewöhnlichen Versammlungsplätzen auch während des Berbstes l4. Es isl daher durchaus nicht

lännliche Vögel zu ihrer eigenen Unterhaltung auch dann a                  - fortfahren, wenn die Zeii der Brautwei

r ist.

n frühe- st wurde, eine Kunst und wird durch I

Man kann Vögel verschiedene M               inen.

Ibst der unmelodische Sperling hat zu singen gelernt wie ein Hänfling. Sie nehmen den Gesang ihrer Nähreltern ss und zu den ihrer Nachbarn an :;,i. Alle die gewöhnli                          t in zu

der Ordnung der I                               -                    äind viel compli-

cirter als diejenigen der meisten andern Vögel, D merkwürdige Thats                                                             die Raben,

im >ie niemals singen und von Natur ihre Stimmen in durchaus keiner be- deui snden Weise moduliren. J. Hünteb behauptet                   i den

echten Sängern die Kehlkopfmuskeln der Männchen stärker sind als Weibchen. Aber mit dieser unbedeutenden Ausnahme I ii den Stimmorganen der beiden G              er keine Verschie-

. trotzdem die Männchen der n. und so beständig*                                    nen.

Es ist merkwürdig, dass nur klein               'entlieh singen. In-

' L. Lloyd, Garn

Barrington, a. a. 0. p. 264. Bi '" I luv au de la Malle führt ein merkwürdiges Beispiel von einigen frei lebenden Amseln an (Annal. des BCJenc. natu:

gel 'in republi- kaniachea Lied lern!

Bishop, in: Todd's Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Vol. IV. p. 1496. der Angabe von Barrington in den Phil                    wct. 1773,

The CorriDlete Work of Charles Darwin Online

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Cap. 18,

5]

uss die australische Gattung Menura ausgenommen werden, denn < 1 i < Menura Alberti, welche ungefähr die G              & halberwachsenen

Truthahns hat, ahmt nicht bloss andere Vögel nach, sondern auch ..ihr eigenes Pfeifen ausserordentlich schön und mannichfa Die Männchen versammeln sich wie zu einer Concertprobe, singen und ihre Schwänze aufheben und auseinanderbreiten wie Pfauen und ihre Flügel sinken lassen ". Es ist auch merkwürdig, dass die Vögel, welche singen, selten mit brillanten Farben oder andern Zier- rathen geschmückt sind. Von unsern britischen Vögeln sind, mit Ausnahme des Gimpels und des Stieglitz, die besten Sänger einfach gefärbt. Die Eisvögel, B                 , Baken, Wiedeho]                  u.s.w.

harsche Geschreie aus. und die brillanten Vögel der Tropen- länder sind kaum jemals Sänger '". Es scheinen daher glänzende Färbungen und das Vermögen zu singen einander zu ersetzen. Wir können wohl einsehen, dass. wenn das Gefieder nicht in seinem Glänze variirte               > hello Farben für die Art gefährlich waren,

Mittel liahen angewendet werden müssen, das Weibchen zu bezaubern; und eine melodische stimme bietet eines dieser Mitte] dar.

Bei einigen Vögeln sind die Stimmorgane je nach den Geschlech-

sehr ron einander verschieden. Bei Tetrao cupido (Fig. 39) hat

das Männchen zwei nackte, orange gefärbte Säcke, einen auf jeder

erden stark aufgeblasen, wenn das Männ-

während der Paarungszeit seinen merkwürdig hohlen, iu einer

grossen Entfernung hörbaren Laut ausstösst. Aüdübon hat m

. da- der Laut innig mit diesem Apparate in Verbindung steht, welcher uns an die Luftsäcke an jeder Seile des Kopfes bei gewissen männlichen Fröschen erinnert: denn er fand, dass der Laut bedi vermindert, wurde, wenn einer der Säcke bei einem zahmen Vogel an- gestochen war. und waren beide angestochen, 30 hörte er vollständig auf. Das Weibchen hat „eine etwas ähnliche, wem, auch kleinere ..nackte Hautstelle am Halse, aber sie kann nicht aufgeblasen wer- ben" ". Das Männchen einer andern Art von Waldhuhn ( i

'« Gonld, Handboo                            Lustralia. Vol. I. 1865, p. 308—810.

s. auch T. W. W.....I, in dem .Student", April, L870, p. 125.

rkongnn hierüber in: Gould, Introdnction to the Trochilidae. 22. 11 Major \V. Ross Kinj                  tsmau and Naturalist in Canada. 1866,

p. 144—146. Mr. T. Vf. Wood gibt im „Student" (April, lu70. p. 116) eine aus- gezeichnete Schilderung der Stellungen und Gewohnheiten dieses Vogels während

I*

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Zuchtwahl: Vögel.                        II. Theil.

. während es das Weibchen umwirbt, seinen „nack- ten gelben Kropf zu einer b                                  --. reichlich halb „so gn r. aufgetrieben", and es                an verschie- denartige kratzend« -. Die Halsfedern aufgerichtet.

.

die Flügel gesenkt and auf dem Boden schleifend und den langen zn- tzten Schwanz wie einen Fächer ausgebreitet, .                    dann

in einer Menge verschii                                  Stellangen. Die S

röhre des Weibchens zeig! in keiner Weis                 nerkenswertl

heint jetzt sicher ermittelt zu sein, dass der Kehlsack der männlichen europäischen Trapj                 la) rmä wenigstens noch vier

anderer Species nicht, wie man früher vermuthete, dazu d zu halten, sondern mit der Aeusserung eines eigenthümlichen Tons während der Paarungszeit in Zusammenhang steht, welcher einem „Ode" gleicht43. f]in rabenartiger Vogel, welcher SQdamerica bewohnt

Kr fuhrt an, dass die Ohrbüschel oder Ilalsschmuckfedem aufgerichtet werden, so dass sie sich oberhalb T                                             khhü-

düng. Fig. 39.

,; Biehardson, Fauna Bor. Americana: Birds. 1831, p. 359. Audubon. Ornitholog. Biograph. VoL IV. p.

" Die folgenden Aufsätze sind neuerdings über diesen Gegenstand geschrieben Prot A Newton, in: „The Ibis", 1862, p. 107. Dr. Cullen ebenda

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Cap. 13

Gesang.

53

(Cephalopteru& ornaius, Fjg. 10), wird Schirmvogel genannt wegen seines ungeheuren, von nackten weissen Federschäften und dunkel- blauen erstere überdeckenden Federn gebildeten Federstutzes, welchen

; -ierlebcu).

der Vogel zu einer grossen, nicht weniger als fünf Zoll im Durch- . haltenden und den ganzen Kopf bedeckenden Haube erheben

er, in: Prc-i -                    747, und Dr.

Mari.', in: Proceed. Zooloj p. 471. In di                            \ aisatze

ist eine :llinm- der männlichen anstralischen  Trappe in voller

Entfaltung mil                                                                                 mlicheThat-

sache, dass der Sack nicht bei allen Männchen derselben Species  entwickelt ist.

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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II. Theil.

kann.                  _ 1 hat an seinem Halse einen langen dünnen, cylin-

Icher dicht mit Schuppens blauen Federn bekleidel                                  scheinlich zum Theil als

Schmuck, al - falls auch als ein Resonanzapparat. Denn Mr.

öhnlichen Entwickelung „der Luftröhre und der Stimmorgam

Dämlichen tiefen, lauten und lange ausgehalte-

lehnt. Beim und der Anhang am Halse nur rudi- mentär vorhanden 44.

Schwimmffiss und V*                                          tlich complicirt und weichen .

einander ab. In manchen Fallen U                                                           iwunden und

tief in

beim erwi                   uneben tief

lern männlii der er                   -il der Luferöhre mit ei                 leren Muskelpaare

. nämlich . knöcherne !

im Weibchen *'.                                                      hiedenheiten

in der Luftr                                          chtert der Anatiden ist nicht

erklärt: denn das                        nicht immer das stimmr

während d; -

ringt die Luftröhre der beidei G tern ii                                                                    schlechtliche

„ficationen" dar.                   Männchen des schwär;                 - findet

ihieden-

41 ;

in: I'i

einem i                                                                                                                      Vol. I.

Bishop. in«

-:

'' |                                                                                                                                                              aidene

\ ol. III. ht immer vor- handei:

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Ca)>. 13.                                     sang. Instrumentalmusik.

in der Länge and der Krümmung der Lufl                 ". Es

haben also in diesen Fallen .sehr bedeute                 :>ilde je nach dem

scheiden, ob die vielen fremdartigen reiche männliche Vögel während der Paa zeit ai                                   mittel oder nur als ein Lockruf für das

hen 'lieneii. Di                                   Turteltaube und vieler

andern Tauben gefällt dem Weibchen, wie man wohl vermuthen kann, ilden Truthahns am M                  d Ruf

antworte! das Männchen mit einem von den gewöhn- lichen kollernden Geräus

. sobald es mit ;:                                                                     :n und

vor dem Weibchen sieh brüstend einher- stolzirti9. Das Kollern des Birkhahns dien!                   Lockruf für

das Weibchen; denn man hat erfahren,                   c oder fünf Weib-

chen aus weiter Entfernung zu einem                                     iltenen

Männchen hingerufen hat. Da aber der Birkhahn sein Kollern Stun- den lang wahrend aufeinanderfolgender Tage und. wie es der Auer- halm thut. „mit Alles überwältig werden wir zu der Vermuthung geführt, dass die Weibchen, i

sind, hierdurch bezaubert werden""'. Die Stimme des gemeinen Raben wird bekanntlich während der Paarungszeit ver- !i und ist daher in einer gev                                 blich5l. Was

Bollen wir aber zu dein rauhen Geschreie z. li. mancher Arten von Macavt -                                          I wirklich ''inen -

Bchmack für musil                                                    ine nach für Far-

ben haben,                    nach dem unharmonischen Contrast ihres auf-

fallend gelben und blau                 - zu urthi i

lauten Stimmen vieler männlichen Vögel, ohm dadurch irgend ein Vortheil für sie erzielt worden ist. das Resultat der vererbten Wirkungen des beständigen Gebrauchs ihrer Stimm- sind, wenn sie durch die kräftigen Leidenschaften der I

'- Bad v.                                                                     -

ilirt in: Tb                                                             XIV.

1. 1.1. y [, The G

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bliche Zuchtwahl: Vögel.

der Eifersucht und der Wuth aufgeregt werden. Am diesen Punkt . wir aber zurückkommen, wenn wir die Säugethiere bebandeln werden.

Wir haben bis jetzt nur von der Stimme gesprochen; aber die Männchen vei                         I üben wahrend der Zeit ihrer Bewerbung

man Instrumentalmusik nennen könnte. Pfau- hähne und Paradiesvögel rass               [en Kielen ihrer Federn zu- n. Truthähne fegen mit ihren Flügeln über den Boden hin und einige Arten von Waldhühnern bringen hierdurch ein ram»

in ein and                                            Idhuhn

mit aufgerichtetem Schwänze und entfalteter Krause Federprachl den in der Nachbarschaft verborgen lieg „Weibchen darbi                                                                     _! der

Mr. R. Eatmond's zufolge oberhalb des Rückens zusammen- _: und nicht wie Acddbon meint'' gegen die v hierdurch hervorgebrachte Laut wird von einig                nem entfern-

Aii'l.'tn mit dem schnellen Wirbel ein . . Weibchen trommelt niemals, „sondern „nach der Stelle, wo das .Männehen in der genannten Weise beschäf- In dem Himalaja macht das Männchen des Kalij-F . enthümlich tromn                                   inen Flügeln, dem

nicht unähnlich, welches man dm „Stücks steifer Leinwand hervorbringen kann.- An der Westküste die kleinen schwarzen ( in einer kleinen Anzahl auf den Büschen rund um einen k i Fleek und singen de                 lurch die Luft mit ziu

Flügeln, „was einen rapiden schwirrenden Ton hervorbringt, „Kinderklapper". Ein Vogel nach dem andern producirt sich in dieser

stundenlang, aber nur wahrend der Paarungszeit. In ders Zeit bringen die Männchen gewisser Ziegenmelker (i ieräusch mit ihren Flug

i hteii klopi                            mit ihrem

Schnabel mit einer so rapiden schwing „Kopf an zwei Stellen zugleich zu äein scheint." Der hierdurch her-

e brachte Klang ist in einer beträchtlichen Entfernung b kann aber nicht b                          n, und ich glaube sicher, d,

nd je vermuthet werden wird, was ihn hem                der ihn

zum ersten .Male hört. Da dieses rasseli                 b vorzüglich wäh-

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Instrnmi ;i

57

rend der Paarungs               cht wird, so ist es als ein Liebesg

angesehen worden; es ist aber strenger genommen vielleicht nur ein Lockruf. Wenn das Weibchen von seinem Neste getrieben wir hat man b                                   in Männchen in dieser Weise ruft,

«reiches dann in derselben Weise antwortet und bald an Ort und

eint. Endlich verbindet auch der männliche Wiedehopf (Upupa epops) Vocal- mit Instrumentalmusik. Denn während der Paarungszeit zieht er, wie Mr. Swinhoe gesehen hat, zuerst Luft ein und Btfhlägl dann die Spitze seines Schnabels

Silin oder den Stamm eines Baumes, „worauf dann die durch den „röhrenförmigen Schnabel abwärts gestossene Luft den richtigen Laut „hervorbringt". Wenn der Schnabel nicht in der eben geschilderten ler Laut völlig verschieden. Gleichzeitig wird Luft verschluckt und die Speiseröhre schwillt stark auf; dient zur Resonanz und wahrscheinlich nicht Mos beim Wiedehopf, sondern auch bei Tauben und andern Vögeln. "-

In den vorstehend angeführten Fällen werden Laute lervurgebraht mit HiillV von bereits vorhandenen und anderweit nothwendigen Ge- bilden, aber in den folgenden Fällen sin                                   iell zu dem ausdrücklichen Zwecke modificirt worden, die Töne hervorzubrin- gen. Das meckernde, schnurrende oder summende Geräusch, die verschiedenen Beobachter bezeichnen, welches die Bekassine | - pax gattinago) hervorbringt, muss einen Jeden, der es nur einmal gehört hat, überrascht haben. Dieser Vogel fliegt zur Zeit der Paarung „vielleicht tausend Fuss in die Höhe," treibt sich in solcher flatternd im Kreise herum und schiesst aus dieser mil

im Schwänze und zitternden Flügeln in                Jen mit

überraschender Schneiligkeil zur Erde herab. Der Laut wird nur

i- Wegen der vei                oben angeführt                                  radies-

Hbei Waldhühner; B ichardaon. Bor. Americai                                   Major W. Rose King

man in Canada, 1866, p. 156; -Mr. Haym.....1. in Prof. I                  rvey of

Indiana, p. 227. Andnbon, An,                                      Vol. I, p. 216; ttbei

inen: Jerdon, Birds of [ndia. Vol. III. p. 588; über die Weber- vögel: Livi ngs( on e, Exj

llivray, Hist. ol                         Vol. III. lvl". p. 84, --

über den Wiedehopf: Swinhoe in; Pn                             23. Juni 1803.

und 1871. )>. 348; über <ii''                        Audubon, a. a. 0. Vol. II.

and American Natural                                                 Ziegenmelker macht gleich-

falls im Frühlinge ein merkwürdig                                               iden Flugs.

The Cornolete Work of Charles Darwin Online

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58

11. Xheü,

Fig. 41. Aeusseri - (nach dem Proc. Zool. Soc. 1858).

während dieses rapiden Herabschiesi                 rgebracht. Niemand war

im Stande, die Ursache dieses Geräuschs zu erklären, bis Metes beobachte', dasa auf ;                                                                     Federn

eigenthümlich geformt sind (1                            en nämlich einen steifen,

säbelförmig gekrümm- ten Schaft, die schräg davon abgel

der Fahne sind von un- olicher Länge und äusseren Ränder sind fest an einander geheftet. Er fand, dass wenn man an; i bläst "der wenn man dieselben an einen langen dünnen bindet und sie schnell durch die I.nt't bewegt, man einen genau dem irnden, von dem lebenden Vogel hervorgebrachten Laute ähn- liehen Ton hervorbringen kann. Beide Geschlechter sind mit

ind aber beim Männchen allgemein grösser als beim Weibchen und bringen einen                     m hervor. Bei einigen

ä, so bei S. frenata (Fig. 42), sind vier Federn und bei S (Fig. 43) sind nicht weniger als acht Federn aui

vanzes bedeutend modificirt. Werden die Federn von verschiedenen ä in der eben geschilderten Weise durch die Luft geschwungen', - den verschiedene Töne hervorgebracht, und der Scolopax n                     Ver-

"ii macht, währi :. schnell zur Erde herabstürzt, ein seh, wie wenn i                     schnell durch die Li

wird 53.

Beim Männchen von Chamaep »rossen hühner- artigen Vogel von America) ist die ster Ordnung der Spitze zu gebogen und viel mehr zugespitzl als beim Weib- chen. Bei einem verwandten Vog                     i opi nigra, l.....bachtete

Mr. Salvin ein Männche                es, während es „mit ausgebrei

pax frenala.

pax javi

1858, In Bezug auf die I                             assine s. Macgillivray, History

'. Birds. Vol. IV. p. 371. Wegen der americanischen Bekassine: Capt. Blakiston, in: Ibis, Vol. V. 1-

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Cap. 13.

Instrumentalmusik.

59

In abwärts flog, eine Art von krachendem ran sehendem Ge- „räusche von sich gab," wie beim umfallen ei                   54. Nur das

Männchen einer der indischen Trappen :                            < hat

tend zugespitzte Schwangfedern erst                j, und vom Männ-

chen einer verwandten Species »eis- man. dass es, während Weibchen umwirbt, einen summenden Ton hervorbringt "''. Bei einer sehr verschiedenen Gruppe von Vögeln, Dämlich den Colibris, haben nur die Männchen gewisser Arten entweder die Schäfte ihrer Schwang- erster Ordnung sehr verbreitert oder die Fahnen plötzlich nach dem Ende zu ausgeschnitten. So hat z. B. das Männchen von phorus platycercus im erwachsenen Zustande die ersten Schwung (Fig; 44) in dieser Weise ausgeschnitten. Während es von Blüthe zu Blüthe fliegt, bringt es ..ein scharfes, fast „pfeif                lisch" hervor58, alter wie es

Mr. Salvik schien, wurde das Geräusch nicht absichtlich hervorgebracht.

Endlich haben bei verschiedenen Species eiien- Untergattung von Ftpra oder Mana- nang «in« com» kins die Männchen modificirte Schwungfedern ZTi,'r.7>7v'°Tol zweiter Ordnung, und zwar, wie Mr. Scla- voneiMmMSnnchons o

.....         .                      .           i -          gurdleeni                     I« vom

teb beschrieben hat, in einer noch merkwur- weftch». d Weise. Bei der brillant gefärbten

sind die drei ersten Schwungfedern zweiter Ordnung dickschäftig und nach dem Körper zu gekrümmt; bei der vierten und fünften (Fig. 45a) ist die Veränderung grösser; und bei der sechsten und siebenten (b, c) ist der Schalt in einem ausserordentlichen Grade verdickt und bildet eine solide hornige Masse. Auch die Fahnen sind bedeutend in ihrer Form verändert im Vergleich mit den ent- sprechenden Federn (d, e, f) des Weibchens. Selbst die Knochen des Hügels, welche diese eigenthümlichen Federn tragen, sollen beim Männchen, wie Mr. Fbaseb sagt, bedeutend verdickt sein. Diese kleinen Vögel bringen ein ausserordentliches Geräusch her-

" Mr. Salvin, in: Proceed. Zoolog. -                   160. Ich bin diesem aus-

gezeichneten Ornithologen sehr verbunden für Zeichnungen der Federn von Cha- maepetes und für andere Mittheiluj

" Jerdoi                      ia. VoL III. p. 618,

so GouM.                                                            p. 19. Salvin. Proceed.

Zoolog. Soc. 1867, p. 160.

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II. Thcil.

vor. Der erste „scharfe Ton ist dem Knall einer !'                ht un-

ähnlich" ~,;.

hiedenartigkeil der sowohl durch die - i

arungs- z.eit äussern, and die Verschie-

Vfittel zur II bringiing solcher Laute ist in merkwürdig. Wir erhalten hierdurch

. I deutung zu sexuelli                  and werden

innert, zu der wir :                   lehn-

ten ge-

sich di

stellen, durch welche die ihe ur- sprünglich nur als ein b Lockruf oder zu irgend einem andern                  raucht wur-

den, zu einem melodischen Lie- redell worden sein können. In Bezug auf die sich am die Mo- dification von Federn handelt, durch welche das Trommeln, oder die andern laute- ren Geräusch                 brachi werden, wissen wir, dass während ihrer Brautwerbung ihr nicht modificirtes Gefieder schütteln, rasseln oder erzittern machen; und wenn die Weihehen veran- 11 Spieler zu wühlen, so dürften diejenigen Manne! ler dicksten oder auch die am mei-

-

-

-                                                                                                Vol. IV.

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Cap. 1".                      Instrumentalmusik. Lieljesgeberd                                     ß]

sten verdünnten, an irgend einem beliebigen Theile des Körpers den Federn besassen, die erfolgreichsten sein; und hierdurch können in langsamen Abstufungen die Federn beinahe in jeder Ausdehnung modificirt worden sein. Natürlich werden die Weibchen Dicht unbedeutende aufeinanderfolgende Abänderung in der Form bea< sondern nur die durch so reränderte Federn hervorgebrachten Laute. Es i-t eine werkwürdig                                           derselben <'In--

Tbieren so verschiedenartige Laute sämmtlich den Weibchen der ver- lehm sein sollen, wie das .Meckern der Bekas- sine mit ihrem Schwänze, das Klopfen des Spechtes mit dem SchnabeJ, das rauhe trompetenartige Geschrei                                      1, das Girren

der Turteltaube und der ßesang der Nachtigall. Wir dürfen aber den Geschmack der verschiedenen Arien nicht nach einem gleichför- beurtheilen; auch dürfen wir hierbei nicht den Maassstab des menschlichen Geschmacks anlegen. Selbst in Bezug auf den Menschen müssen wir uns daran erinnern, welche unharmo- das 'du- der Wilden angenehm berühren, wie das Schlagen der Tamtams und die grellen Töne von Rohrpfeifen. Sir S. Bakeb bemerkt58, das- „wie der Magen der Araber das rohe „Fleisch und die «arm aus dem Thiere genommene noch rauchende „Leber vorzieht, so ziehe sein Ohr auch seine in gleicher Weise rauhe ..und unharmonische Musik aller andern

Liebe                   n und Tänze. — Die merkwürdigen Liebes-

len verschiedener Vögel, besonders der Gallinaceen, sind bereits gelegentlieh erwähnt worden, so dass hier nur wenig hinzugefügt zu werden braucht. In KTordamerica versammeln sich gros eines Waldhuhns, des Tetrao phasiandlus, jeden Morgen wahrend der Paarungszeit auf einem ausgewählten ebenen Flecke und hier laufen sie rund herum in einem Kreise von ungefähr fünfzehn oder zwanzig l'uss im Durchmesser, so dass der Boden vollständig kahl getreten wird, wie ein Elfenring. Bei diesen „Bebhuhntänzen", wie sie von den -lagern genannt werden, nehmen die Vögel die fremdarl Stellungen an und laufen herum, einige nach links, einige nach rechts. Adddbon beschreibt die Mannehen eines Reihers (Ärdea herodias), wie sie auf ihren laugen Beinen mit grosser Würde vor ihren Weihchen

- Tb. Nile Trilmt.iri.....f Abysainia. 1867, p. 203.

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62                                    schlechtliche Zuchtwahl: Vogel.                      II. I

herumstolziren und ihre Nebenbuhler herausfordern. Bei einem wider- wärtigen Aasgeier                            sind, wie derselbe Naturforscher angibt, „die Gesticulationen und das Paradiren der Männchen im An- lächerlich*. G<                     führen ihre

jgeberden im Fluge aus. wie wir bei dem schwarzen africanischen ten haben, und nicht auf der Knie. Während des Frühjahrs erhebt sich unser klein,.« Weisskehlchen (Syh oft wenige I                Yards über einem Gebüsche in die Luft und

„schwebt mit einer verzückten und phantastischen Bewegung vi der ganzen Zeit singend darüber und senkt sieh wieder auf .Ruheplatz". Di*                             Trappe wirft sieh, wie es Wou

dargestellt hat, in ganz unbeschreibliche wunderliche Stellungen, wäb* rend sie das Weibchen umwerbt. Eine verwandte indische Trappe ,steigt in solche]                akrecht in die Luft mit

ii eiligen Schlagen der Flügel, wobei sie ihren Federkamm er- ..hellt, die Federn des Hai-"- und der Brust aufsträubt, und lässt sich „dann auf den linden nieder.- Sie wiederholt die- Manöver mehrmals hintereinander und summt während der Zeit in einer eigentbümlicben Weise, Die Weibchen, welche zufällig in der Nähe sind, .gehorchen .jenen tanzenden Aufforderungen," und wenn sie sieh nähern, senkt das Manie i:                   ige] und breitet seinen Schwanz wie ein Trut-

hahn aus 39.

Den merkwürdigsten Fall aber bieten drei verwand australischer Vögel dar. die berühmten Laubenvögel — sämmtlich ohne Zweifel Nachkommen einer alte                 welche zuerst den merk-

würdigen instinet erlangte, sieh zur Production ihrer Liebespantomimen

Lauben zu bauen. Die Lauben (Fig. 46), welche wie wir noch sehen werden, mit Federn, Muschelschalen, Knochen und Blät- tern in hohem Grade decorirt sind, werden einzig zu dem Zwecke der Bewerbung auf die' Erde gebaut, denn ihre Nester bauen sie auf Bäume. Beide Geschlechter helfen bei dem Aufbauen dieser Lauben, aber da< Männchen i-t der hauptsächlichste Arbeiter daran. Dieser

'' '                                           Bichardeon, Fauna Bor. Americana,

p. 861, and wegen weiterer Einzelheiten Capt. Blakiston, Ibis. 1800. In Bezug anlCathartet and Ardea: Audubon, Ornithol. Biograph. Vol. 11. p. 51 und Vol. III. p. 89. Uebei                                - Macgillivray, llistory of

British Birds. Vol. II, p. 354. üeber die Indische Trappe: Jerdon. Birds of India. Vol. III. p. 018.

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Cap. 13.

63

Instiii'                                          selbst in                                           h aus-

geübt wird. Mr. Strange hat die Lebensweise einiger Ailas-Lauben- vögel beschrieben80, welche er in seiner Voliere in Nen-Südwales äicb

Kragenvogel, CMamydtra maculata, mit seiner Laubo (aus Brehm, Thierleben).

„Eine Zeit lang jagt das Männchen das Weibchen durch die

,ganze Volidre, dann geht es zu der Laube, pickt eine lebhaft ge-

; oder ein grosses Blatt, stösst einen merkwürdigen Laut

«° Gould. Handbook to the Birds of Anstralia. Vol. I. p. 111. 1-19, 455. Die Laube de« Atlasvogels ist im Zoologischen Garten in ßegents'Park, London, zu sehen.

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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64                                                        Zuchtwahl: Vogel.                      II. Theil.

„ans, richtet alle seine Federn in die Höhe, läuft rund um die Laube „herum und wird dabei                                  ine Augen fasl aus dem

„Kopfe herauszuspringen scheinen: unaufhörlich hebt er zuen „einen Flügel, dann den andi                                   -u. pfeifenden Ton

„aus und scheint, wie der Haushahn, irgend etwas von der Erde auf- zupicken, bis zuletzl das Weibchen sanften Muthes aui dasselbe zu- „geht." Captain -                                            und die „Spielhäuser*

einer andern Art, nämlich des grossen Laub                        trieben,

iah er, wie derselbe „vor- und rückwärts flog, eine Muschel- schale abwechselnd vo                 a, dann von der andern Seite auf- „nahm Ibe in seinem Schnabel haltend, in die Pforte eintrat", merkwürdigen Bauten, welche einzig und allein als Versamm- lungsräume aufgeführt werdfjp, wo sich beide Geschlechter unterhalten und Bicl den Hof machen, müssen den Vögeln viel Mühe kosl ist z. ü. die Laube der braunbrüstigen Art beinahe vier Fuss lang, achtzehn Zoll hoch und auf einer dicken I                        i errichtet.

Schmuck. — Ich will zurrst die Fälle erörtern, in welchen die Männchen entweder ausschliesslich oder in einem viel bedeutenderen Grade geschmückt sind als die Weibchen, und in einem späteren Ca- diejenigen, in denen beide G                        »leicher Weise ge-

schmückt sind, und endlich die seltenen Falle, in denen das Weibchen etwas glänzender gefärbt ist als das Männchen. Wie es mit den künstlichen Zierathen der Fall ist. welche wilde und civilisirte Men- schen benutzen, so ist auch bei den natürlichen Zierathen der der Kopf der hauptsächlichste Gegenstand der Ausschmückung61. Die Zierathen sind, wie im Eingange dieses Capitels erwähnt wurde, in einer wunderbaren Weise verschiedenartig. Die Schmuckfedern an der vorderen oder hinteren Seite des Kopfes sind verschiedenartig geformte und sind zuweilen einer Aufrichtung oder Ausbreitung fähig, wodurch ihre schönen Farben vollständig entfaltet werden. Gelegent- lich sind elegante Ohrbüschel (s. Fig. 39, S. 52) vorhanden. Der Kopf ist zuweilen mit sammetartigen kurzen Federn bedeckt, wie beim Fasan, oder er ist nackt und lebhaft gefärbt. Auch die Kehle ist zuweilen mit einem Barte geschmückt oder mit Fleisch- lappen oder Carunkeln. Derartige Anhänge sind im Allgemeinen hell

01 s. Bemerkungen in diesem Sinne über das Gefühl für Schönheit bei den .in J. Shaw im: Uhenaeum, 24. Nov. 1866, p. 681.

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Cap. 13.

Schmuck.

65

gefärbt und dienen ohne Zweifel als Zierathen, wenn sie auch nicht immer für unsere Augen ornamental sind. Denn während das Männ- chen sich im                         ichens dem Weibcl                ber befindet, schwellen dieselben oft au und nehmen noch lebendigere Farben an. wie /.. 1!. bei dem Truthahn. Zu solchen Zeiten schwellen die Bi gen Anhange am Kopfe des männlichen Tragopan-Fasans [Cer

i zu einem grossen Lappen an der Kehle und zu zwei Hör- nern an. eine.- au!' jeder Seite des glänzenden Federstutzes, und diese sind dann mit dem intensivsten Blau gefärbt, was ich je gesehen habe82. Bei den aMcanischen Hornraben (Bt*                          | wird

narlachene blasenartige Fleischlappen am Halse aufgeblasen, und der Vogel bietet dann mit seinen herabhängenden Flügeln und aus- gebreitetem Schwänze „eine ganz grossartige Erscheinung" darM. Selbst die Iris des Auges ist zuweilen beim Männchen glänzender ge- färbt als beim Weibchen. und dasselbe ist häufig mit dem Schnabel

'all, z. B. bei unserer gemeinen Amsel. Bei Bu sind der ganze Schnabel und der ungeheure Helm beim .Männchen auffallender gefärbt als beim Weibchen, und .die schrägen Gruben an „den Seiten der unteren Kinnlade sind dem männlichen Geschlechte „eigentümlich" 6».

trägl der Kopf häufig fleischige Anhänge, Fäden und solide Protuberanzen. Wenn diese nicht beiden G               rn zu-

kommen, sind sie immer auf die Männchen beschränkt. Die soliden

Hinge sind im Detail von Dr. W. Mabshali beschriebe! den ''': er zeigt, dass sie entweder aus schwammiger Knochensubstanz oder aus Haut und andern Geweben bestehen. Bei Säugethieren wer- den echte Heiner stets von den Stirnbeinen getragen: bei den Vögeln aber sind verschiedene Knochen zu diesem Zwecke modificirt worden; bei verschiedenen Arten einer und derselben Gruppe haben die Höcker entweder Knochenzapfen als Grundlage, oder es fehlen solche, und beide extreme Fälle werden durch /»ischenliegende Abstufungen mit einander verbunden. Es bemerkt daher Dr. Mabshau. mit Recht, dass Abänderungen der verschiedensten Arten zur Entwicklung dieser

62 s. Dr. Murie's Schilderung und colorirte Abbildungen in: Proceed. Zoolog.

730. M Mr. Monteiro, in: Ibis. Vol. IV. 1362, p. 339. 64 Land and Water, 1868, p. 217.

's üeber die Schädelhöcker etc. in: Niederländ. Archiv für Zoologie, Bd. 1. Hft. ». 1872. Dam i A

The Cornolete Work of Charles Darwin Online

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66                                                                                                       II. Theil.

ornamentalen Anhänge durch geschlechtliche Zuchtwahl gedient haben. Verlängerte Federn oder Sehn                    sntspringen von beinahe jedem

Theile des Körpe                  'edern an der Kehle und der Brust sind

zuweilen zu schönen Kragen und Halskrausen entwickelt. Die Schwanz- federn sind häufig sehr verlä                     wir an den Schwanzdeck des Pfauhahns und am Schwänze des Argusfasans sehen. Beim Pfau- hahn sind selbst die Knochen des Schwanzes zum Tragen der - Schwanzdeckfedern modificirt worden66. Der Körper des 6 fasans ist nicht grösser i                      - Huhns; doch beträgt die Länge von der - Schnabels bis zum End                   ganzes nicht weniger als fünf Fuss drei Zoll67, und die de iön mit Flügelfedern zweiter Ordnung nahezu drei Fuss. i africanischen Ziegenmelker ((

rii erster Ordnung während der Paarungs- zeit eine LS                   ichsundzwanzig Zoll, während der Vogel selbst nur zolin Zoll lang ist. Bei einer andern nahe verwandt von Zi ü sind die                              rlängerten Flügelfedern mit Ausnahme der Spitze, wo sie                                             Fer- ind in einer andern Gattung von Ziegenmelkern die Schwanzfedern noch angeheurer entwickelt. Im Allgemeinen sind die Federn des Schwanzes häufiger verlängert, als d jel, da jede bedeu- tende Verlängerung derselben den Flug beeinträchtigen würde. Wir sehen daher, dass eine und dieselbe Art von Verzierung von den Männchen nahe verwandter Vögel durch die Entwickelung sei iedener n erlangt worden ist.

merkwürdige Thatsache, dass die Federn von arten, welche zu sehr verschiedenen Gruppen gehören, in beinahe genau Iben eigentümlichen Weise modificirt worden sind. So sind die Flügelfedern bei einem der oben erwähnten Ziegenmelker am ganzen

nackt und endigen nur in einer Scheibe, oder sie sind, f zuweilen genannt wird, löffel- oder spateiförmig. Federn dieser Art kommen am Sehwanze eines Motmot I /.'

»eis, Finken, Colibri's, Papageien, mehrerer indischer Drongos [Dicrurus und Edolius, bei einem derselben steht die Scheibe senk-

' Dr. W. Marshall, Ueber d                                        Bd, I. Hfl.2. 1872.

' Jardine'a Natnralist'a Library: Birds. Vol. XIV. p, 166.

clater, in: Ibis. Vol. VI. 1864, p. 111. Livingstone, Expedition to

the Zan.

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Schmuck.

67

d letz- lo zieren ähnlich                                                   iflecken

:i. den Ko]

einer indischen Trap]

heiben69. Es thümlii                                                            Mr. s.u.vin klar gezeigt

. ihren Schwanzfedern dadurch dii : die Barben

hat.

auseinanderstehenden Vögeln faden

. und hfihner                                        . Fallen

n den Schaft nackt und dieser er-

. in rierund-

1': bei P.                                   nd sie viel kürzer und

dünn. Werden kli

äo /. 11. an der 1'.                 ithahns. Wie '-ine jede

ikende Mode in der Kleidung beim Menschen aümählii

t Färbung der Federn beim Männ- chen vüii dem W                                  rden /u sein. Die Thaü

lern in sei i                                                            pen in

!jen Art und Weise modificirl                                    ohne

I ursprünglich davon                                       nahezu di

Strnctur und Entwickeli                'iahen und folglich auch in einer

und der nämlichen Art und Weise zu variiren neigen. "\\ i eine N                                   riabilität in dem Gefieder unserer dome-

sticirt sind 1'

storbenen Varietät des Truthahns bestand der Federstutz aus n Schäften, welche von dunenartigen Fadei dass di

rn ähnlich wurden. Bi                   Rassen der Tan1

-

"' Wallace. in: Ann. und in seinem Mal.

5*

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68

Geschlechtliche Zuchtwahl:

11. Theil.

des Huhns sind die Federn fadenförmig, wobei die Schäfte eine ge- wisse Neigung haben, nackt zu werden. Bei der Sebastopolgans sind die Schulternfedern bedeutend verlängert, gekräuselt oder selbst spiral gedreht und haben fadige Bänder*2.

Es braucht hier kaum irgend etwas über die Färbung ges werden, denn Jedermann weiss, wie glänzend die Farben der Vögel und wie harmonisch sie mit einander verbunden sind. Die Farben sind oft metallisch und iridescirend. Kreisförmige Flecke werden ,zu-

i.'in Buch: l>;i- Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 2. Aull. Bd. 1. S. 321 und 326.

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Cap. l".

Schmuck.

69

weilen von e                nehreren verschieden schattirten Zonen umgeben

und werden hierdurch in Angenflecke verwandelt. Auch braucht nicht viel über die wunderbaren \                   iten zwischen den Geschlech-

tern vieler                   sjt zu werden. Der gemeine Pfauhahn bietet

hier ein auffallendes Beispiel dar. Weibliche Paradiesvögel sind düster

Fig. 48. Lopkvrxil                                                                                                     Hl).

gefärbt und entbehren aller Ornamente, während die Männchen wahr- scheinlich die am allermeisten unter allen Vögeln und in so verschie- denen Weisen geschmüekte Vögel sind, dass nun.                   uiuss, um Alles würdigen zu können. Die verlängerten und goldig-orangenen Schmuckfedern, welche von unterhalb der Flügel der Para

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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70                                                liehe Zuchtwahl: V8|

entspri                  rden, wenn sie senkrecht aufgerichtet und zum

Schwingen gebracht werden, als eine Art von Hof beschrieben, in Mittelpunkt der Kopf „wie eine kleim                             nne er-

int . deren Strahlen von den beiden Schmuckfedern gebildet „werden"73. In einer andern ausserordentlich schönen Species ist der Kopf kahl and „von einem reichen Kobaltblau mit mehreren Quer- in von schwarzen, sammetartigen Federn"7*. Männliche Colibri'e (Fig. 18 und 49) überbieten beinahe die Schönheit, wie Jeder zugeben wird, welcherdie prächtigen Abbildungen von Mr. Gould oder seine reiche Sammlung bat. Es ist sehr merkwürdig, in wie vielen verschiedenartigen Weisen diesi                  irziert sind. Es ist beinahe von jedem Theile

des Gefieders Vortkeil                       irden durch besondere Modifikation

ind die Modificationen sind, wie mir Mr. Gould gezeigt hat, in einigen Arten fast aus jeder Untergruppe zu einem wunderbaren

trieben. Derartige Fälle sind denen merkwürdig g welche wir bei unsern Liebhaberrassen sehen, welche der Mensch mü- des Schmuckes wegen züchtet                   [ndividuen variirten ursprüng- lich in einem Merkmale and andere Individuen, welche zu einer inul ten, in andern Merkmalen, and diese hat dann der Mensch aufgegriffen und bis zu einem extremen Punkte gehäuft. So ge- mit dem Schwänze der Pfauentaube, der Haube des Jacobiners, dem Schnabel und den Fleischlappen der Botentaube u. s.w. Die einzige Verschiedenheit zwischen diesen Fällen ist die, dass bei den einen die Entwickelung derartiger Merkmale das Resultat der vom Menschen ausgeübten Zuchtwahl ist. während sie in den andern, wie libri's, Paradiesvögeln u. s. w. eine Folge geschlechtlicher Zuchtwahl, d. h. der vom Weibchen vollzogenen Wahl der schöneren Männchen ist.

Ich »ill nur noch einen andern Vogel erwähnen, welcher wegen

rdentlichen Contrastes in der Farbe zwischen den beiden

ii merkwürdig ist. nämlich den berühmten Glöckner

(Chasmorhynchus                     a Südamerica, dessen Stimme in einer

Entfernung von drei Meilen (miles) unterschieden werden kann und

iye im Annale and Magaz. of .Vit. Ili-i. V"ol. XIII. 1-                    . auch Mr. Wallace's viel ausführlichere Schilderung

Vol. XX. I-"iT. ]i. 112 und in Beinern Kala; Archipelago. ' Wallace, Th                                  \ il. II. 1869, p. 105.

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Schmuck.

71

einen Jeden, der Bie zuerst hört, in Erstaunen Betzt. Das Männchen ährend das Weibchen schmutzig-grün ist, und die

erstere Färbung ist bei Landvögeln mä                    und ron nicht

hnheiten sehr selten. Auch hat das Männchen, wie

Waterton beschrieben hat, ein spirales Rohr, wel                  be drei

i                                               [Knochen und Weibchen (aus Brebm, Thlerleben).

Zoll Lang ist und von der Basis des Schnabels entspringt. Es ist tief schwarz und über und über mit kleinen dunigen Federn bedeckt. Dieses Rohr kann mit Luft durch eine Communication mit dem Gau- men aufgebl.                  b, und wenn es nicht aufgeblasen ist, hängt es an der einen Seite herab. Die Gattung besteht aus vier Species, deren

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72                                       hlechtlicue Zuchtwahl: Vögel.                      II. Theil.

Männchen sehr verschieden sind, während die Weibchen, nach der Beschreibung von Mr. Sclatbb in einem äusserst interessanten Auf- sätze, einander ausserordentlich ähnlich sind und hierdurch ein vor- zügliches Beispiel der allgemeinen Regel darbieten, dass innerhalb einer und derselben Gruppe die Männchen viel mehr von einander verschie- den .sind als die Weibchen. In einer zweiten Art [C. nudicollis) ist das Männchen gl                uhneeweiss mit Ausnahme eines grossen

Fleckes nackter Haut an der Kehle und rund um die Augen, welcher nährend der Paarungszeit von schöner grüner Farbe ist. In einer dritten Art (C tricarn                sind nur der Kopf und Hals des

Manne                                                     kastanienbraun; auch ist das

Männchen di<                                                  d Vorsprüngen versehen,

mg als dcriKörper sind und von denen der ein der B                  inabels und die beiden andern von den Mundwinkeln

entspringen~\

teder und gewisse andere Ornamente der Männ- chen im erwachsenen Zustande werden entweder für halten oder periodisch während des Sommers und der Paarui -

ert. Dm di                  ihseln der Schnabel und die nackte Haut

um den Kopf häufig ihre Fai                 - der Fall ist bei einigen Rei-

hern, [bissen, Möven, einem der eben erwähnten Glöckner u. s. w. dem weissen Ibis werden die Wangen, die ausdehnbare Haut der und der basale Theil des Schnabels carmoisinroth 76. Bei eine Rallen                                    mtwickelt -                ad derselbe!

Carunkel am Kopfe des Männchens. Dasselbe ist mit einem dünnen hornigen Kamm" auf dem Schnabel eines Pelikans i/'.                                   'all; denn nach der Paarungszeit werden

Hornkämme                en wie die Hörner von den Köpfen der

Hirsche; und das L'fer                    in einem See in Nevada fand man

mit diesen merkwürdigen Resten ganz bedeckt77.

'arbe im Gefieder je nach der Jahreszeit hängen erst                iner doppelten jährlichen Mauserung

iränderung der Farbe in                          -i und

in: The Intellectnal                                                n'a Wan-

Luch den inte

56 Land and Wi

, D. G. Elliot, in: Pi

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Cap. 13.

Schmuck.

73

drittens davon ab, dass die dunkler gefärbten Ränder periodisch ab- gestossen werden, oder dass diese drei Vorgange sich mehr oder weni- ger combiniren. Das Abstossen der hinfalligen Ränder lägst sich mit dem Abstossen des Dnnenkleides bei sehr jungen Vögeln vergleichen, denn die Dunen entstehen in den meisten Fällen von den Spitzen der ersten wirklichen Federn :".

Was die Vögel betrifft, welche jährlich einer zweimaligen -Mau- serung unterliegen, so gibt es erstens einige Arten, /. B. Schnepfen, Brachschwalben (Glareolae) and Brachschnepfen, bei welchen die bei- den Geschlechter einander ähnlich sind und die Farbe zu keiner Zeit verändern. Mi weiss nicht, ob das Wintergefieder dicker und v.

das Sommergefieder, was. wenn keine Farbenveränderung ein- tritt, die wahrscheinliche Ursache der doppelten Mauserung ist. Zwei- tens gibt es auch Vögel, z.B.              - «cies von Totanus und andern Wadvögeln, denn Geschlechter einander gleichen, aber deren Sommer- gefieder in anbedeutendem Grade von dem Winter-. ist. Indessen isi die Verschiedenheit der Farbe in diesen Füllen 30 unbedeutend . kaum ein Vbrtheil für die Vögel sein kann, und sie lässt sieh vielleicht der directen Einwirkung der umgebenden Bedingungen zuschreiben, welchen die Vögel während der beiden ver- schiedenen -Iah]---. sind. Drittens gibt es viele . Vögel, hei welchen die Geschlechter gleich sind, welche aber in ihrem Sommer- und Wii verschieden sind. Viertens _' Vögel, deren Geschlechter in der Farbe von einander abweichen. Ob- gleich aber die Weibchen sich zweimal mausern, behalten sie doch dieselbe Färbung da.- ganze Jahr hindurch, während die Männchen eine Veränderung erleiden und zuweilen, wie hei gewissen Tri

Veränderung in ihrer Färb                1. Fünftens

und letzten- gibl es Vögel, deren Geschlechter sowohl im Winter- als im Sommergefieder von einander verschieden sind: aber das Männchen unterlieg! einer grösseren Veränderung als das Weibchen bei jeder der wiederholt abwechselnd eintretenden Jahreszeiten, wofür der Kampf- läufer 1 Machetes pugnax)                  Beispiel darl

Was die Drsach.....ler den !                          liedenheiten in der

Färbung zwis                        ner- und Wi                   betrifft, so kön-

'» Nil                                                                                  - ty. 1867,

p. II.

rk of Charles Darwin Online

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, ;                                                 Z ichtwahl: Vögel.                   II. 'I beil.

neu dieselben in einigen Fällen, «;                  -                        ehrend

beider Jahreszeiten zum Sehnt/ dienen. Est die Verschiedenheit zwi-

lleicht, wie

- bemerkt, der directen Wirkung der L schrieben werden; aber bei vielen \                   sich kaum daran zwei-

acke dient, selbsl dann, wenn beide Geschlechter einander gleich sind. Wir können wohl annehmen,

: reihern u. s. w. der Fall ist, denn

halten ihre                                    . nur während der Paarungs-

zeit. [Jeberdies sind derartige Schmuckfedern, Federstütze u. nenn sie auch beide G                                           gelegentlich beim

Männchen etwas stärker entwickelt als beim Weibchen und - den Federn und andern Zierjathen ähnlich, welche nur die Männchen bei andern \                          Es ist auch bekannt, d;

dadurch, dass            - Beproductivsystem männlicher Vögel afficirt,

bäufig die Entwickelung ihrer seeundären Sexualcharactere hemmt. aber keinen unmittelbaren Einfluss auf irgend ein anderes .Merkmal hat; auch hat mir Mr. Bartleti mitgetheilt, dass acht oder neun Exemplare von Tringa Canutus ihr schmuckloses Wintergefieder im zoologischen Garten das                 ir hindurch behielten, aus welcher

Thatsache wir schliessen können, dass das Sommergefieder, wenn es auch i                                                            Ibe Bedeutung für diese

. hat wie das ausschliesslich männliche Gefieder vieler andern

tsachen und ganz besonders aus der, bei gewissen Vögeln keines der bei                   bter während bei-

der jährlicher Mauseru \               rbe irgendwie oder nur so unbedeu-

tend verändert, da-- diese Aenderung ihnen kaum von irgendwelchem

" Das braune                                             - hneehnhns ist als Schutzmittel

für dasselbe von genau so 2

man wi                     : linavien während des Frühlings, wenn '1er Schi

Bchwnnden ist. dei ' -              Zerstörung durch Raubvögel Behi

ehe er sein Sommerkleid erhalten hat. b. Wilhelm y. Wright, in: Lloyd, 125. ° In Bezog aui                                            ober Mauserung s. wegen der

Bekassinen u. s. w. Macgillivray, Ilist. Brit. Birds. Vol. IV, p. 371, über hachnepfen und Trappen: Jerdon, Birds of India. Vol. III.

ber die Schmuckfedern der Reiher, ebenda p. 738 und Macgillivray, a. a. 0. Vol. IV. p. 135 and III. and Mr. Stafford Allen in:

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rock.                                            7.",

Nutzen sein kann, und daraus, dass die Weibchen anderer 8 zwar sich zweimal mausern, aber doch das ganze Jahr hindurch die- selben Farben beibehalten, können wir schliessen, dass die Gewohnheit sich im Jahre zweimal zu mausern nichi deshalb erlangt worden ist, das Männchen während der Paarungszeit einen ornamentalen Character erhalten soll; wir weiden vielmehr zu der Annahme geführt. lie doppelte Mauserung, welche ursprünglich yu irgend einem mten Zwecke erlangt worden i-t. später dazu benutzt wurde, issen Fällen den Vögeln durch Erlangung eines llochzeitsgefie- ders einen Vnrtheil zu gewahren.

heint aui den ersten Blick ein überraschender [Jmstand zu i'in. dass bei nahe verwandten Vög                         - regelmassig eine

zweimalige jährliehe Mauserung erleiden und andere' nur eine einzige. Das Schneehuhn mausert sieh z. B. zwei oder seihst drei Mal im Jahre und das Birkhuhn nur einmal. Einige der glänzend gefärbten Honigvögel (Nectariniae) von Indien und einige Untergattungen dunkel gefärbter Pieper (Anthus) haben eine doppelte Mauserung, während andere nur eine einmalige im Jahre haben81. Aber die Abstufungen in der Art und Weise der Mauserung, welche bei verschiedenen Vögeln bekanntlich vorkommen, zeigen uns, wie Species "der ganze Gruppen von Species ursprünglich ihre doppelte jährliehe Mauserung erhalten haben dürften oder wie sie dieselbe, nachdem sie sie früher einmal erlangt hatten, wieder verloren haben. Bei gewissen Trappen uud Kegei:,                        Frühjahrsmauserung durchaus nichi vollständig;

einige Federn werden erneuert und einige in der Farbe verändert. Wir halien auch Grund zu vermuthen, dass bei gewissen Trappen und rallenartigen Vögeln, welche eigentlich eine doppelte Mauserui leiden, einige der älteren Männchen ihr Hochzeitegefieder das ganze Jahr hindurch behalten. Einige' wenige bedeutend modificirte Federn können während des Frühjahrs allein dem Gefieder hinzugefügt wer- den, wie es mit den scheibenförmigen Schwanzfedern gewisser Drongos (Bhringa) in Indien und mit den verlängerten Federn am Rücken, Halse und mit dem Federkamine gewisser Reiher der Fall ist. Durch derartige Stufen kann die Frühjahrsmanserung immer vollständiger gemacht worden sein, bis eine vollkommene doppelte Mauserui

81 Ueber das Mausern                       ohne -. Gould, Birils of Great Bi

(Jebei die Bonig-vögel - Jerdon, Birds of India, VoL I. p. daa Mausen \                        Blyth, in: [bis, 1867, p. 32.

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76                               Ges.                                      BgeL                       II. Thefl.

wurde. Einige Paradiesvögel behalten ihre Hoehzeitsfedern das

ganze Jahr hindurch, haben daher nur eine einfache Mauserang

dere werfen sie unmittelbar nach der Brütezeit ab, haben daher eine

luserung, und noch andere werfen sie in dieser Zeit nur

während des ersten Jahres ab, aber später nicht mehr: diese letztern

i daher in Bezug auf die Art ihrer Mauserung gerade in

iitte. Es besteht auch bei vielen \ i                            Unterschied

in der Länge der Zeit, während welcher jedes der beiden jährlichen

[behalten wird, so dass das eine endlich das ganze Jahr

hindurch behalten wird, während das ander.1 vollständig vi

hält der .'/                    max -'-inen Kragen im Frühjahre kaum

zwei Monate lang. Der männliche Wittw                                      i erhält

in Natal sein -                      ler und seine langen Schwanzfedern im

ler Januar und verliert sie im Mär                                wah-

rend ungefähr dreier Monate '"'hallen werden. Di                   -pecies,

elte Mauserung erleiden, behalten ihre ornamentalen Monate lai t                  o behält das Männchen

federn neun oder zehn Monate lang und wenn diese abgeworfen werden, treten die darunter len schwarzen Federn am Halse völlig sichtbar hervor. Ä.ber Jachkommen dieser Art werden die Bals-Sichel- I durch neue wieder ersetzt, 90 dass wir hier in B auf einen Th                                                                      Mauserung durch

den Einfluss der D                                      infache Mauserung umg

Der gemein                                                                     anntlich nach

der Paarungszeit sein männlii                                       Zeit von drei Mo-

. während welcher Zeit                        ler des Weibchens annimmt.

Die männlicl                                                 rerliert ihr Gefieder für eine

M inneben . wi' aber Trappen and Regenpfeifer in:                                                             '.711

Blytb, in: 1

Dr. Vf. Marshall in: ! iL III. 1861, ; die Drongos: Jerdon. a. a. 0. Vol. I.                                         hrsmauserang

- 8. Allen, in: [bis, 1863, a b. Blytb, in: Ann                             Matnr. Hist. Vol. I.

s. auch über                                                                                            im Zu-

264,

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Cap. 13.

Schmuck.

TT

kürzere Zeit, nämlich für sechs Wochen oder zwei Monate, und Mon- tagü bemerkt, dass „diese doppelte Mauserung innerhalb einer so kur- .."-]i Zeil ein äusserst merkwürdiger Umstand isl . welcher allem

schlichen Nachdenken Trotz zu bieten scheint*. Wer aber an die allmähliche Modifikation der Arten glaubt, wird durchaus nicht über- rascht sein, Abstufungen aller Arten zu finden. Sollte die mannliche

nte ihr neues Gefieder innerhalb einer noch kürzeren X halten. >u würden die neuen männlichen Feilem beinahe notbwendig mit den alten sich vermischen und beide wieder mit einigen, die dem Weibchen eigentümlich sind: und dies ist all« drin Männchen eines in nicht sein- entferntem Grade mit jenen ver- wandten Vogels, nämlich bei dem des Merganser serrator, der Fall. Denn hier sagt man. das! die Männchen .'-ine Veränderung des Ge- ,fieders erleiden, welche sie in einem gewissen Maas«.' den Weibchen .ähnlich macht". Durch ine unbedeutend weitergehende Beschleuni- gung des Vorgangs würde die doppelte .Mauserung vollständig loren gehen 83.

Kinige männliche Vögel werden, wie früher schon angegeben, im Frühjahre heller gefärbt, nicht durch eine Frühlingsmauserung, sondern entweder durch eine wirkliche Veränderung der Farbe in den Federn oder durch das Abstossen der dunkel gefärbten hinfälligen Ränder derselben. Die hierdurch verursachte Aenderung der Farbe kann eine längere oder kürzere Zeit andauern. Bei dem /' '                  rohdus

breitet sich ein schöner rosiger Hauch über das ganze Gefieder im Frühlinge aus. wobei citronengefärbte Flecke auf der Brust auftreten. Diese Färbungen halten alier. wie .Mi-. ScLATEB anführt, .nicht lange .an. sondern verschwinden allgemein in ungefähr si                 n oder

„zwei Monaten, nachdem sie erlangt worden sind-. Gewisse Finken stossen die Ränder ihrer Federn im Frühlinge ab und werden hier- durch heller gefärbt, wahrend andere Finken keine \                \ dieser \ri erleiden. So bietet die Fringiüa trisHs der Vereinigten Staaten (ebenso wie viele andere americanische Species) ihre hellen Farben nur dar. wenn der Winter vorüber ist, während uns                  . wel- cher jenen Vogel in der Lebensweise genau repräsentirt, und

. welcher demselben der Structur nach noch näher entspricht,

" s. Macgillivray, History of British Birds. Vol. V. p. 34, 70 und 223, über die Mauserung der Anatidcn. mit Citateo nach Waterton und Montagu. s. auch Yarrell. History of British Birds. Vol. III. p, 243.

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7-                            Geschlechtliche Zuchtwahl; Vögel.                   II. Theil.

keine derartig               ernng erleiden. Aber eine Verschiedenheü die-

ser Art im Gefieder verwandter Species ist nicht überraschend; denn bei dem gemeinen Hänfling, welcher zu derselben Familie gehört, sich die carmoisine Stirn und Brusl in England nur während rs, während diese Farben in Madeira das ganze Jahr hin- durch behalten werden M.

ieders seitens der Männchen. — Die männlichen '                                 I Zierathen aller Arten, mögen diese

mm permanent oder nur                                                           amente

dienen allem Anscheine nach dazu, die Weibch               gen oder an-

zuziehen oder zu bezaubern. Die Männchen entfalten aber auch diese Zierathen zuweilen, wenn sie sich nichl in der Gegenwart '1er Weib- chen befinden, wi                         h mit Jen Waldhühnern auf ihren Balzplätzen geschieht und wie man auch bei dem Pfauhahne achten kann, Indessen wflns                   letztere Vogel äich offenbar irgend einen Zuschauer und zeigt selbsl häufig -einen Schmuck, wie

heu habe, vor Hähnern, ja seihst vor Schwei Alle Naturforscher, welche d                           ir Vögel, gleichviel ob

im Naturzustände oder in der Gefangenschaft, aufmerksam i.....bachtel

hahen. sind einstimmig der Ansicht, dass die Männchen ein Vergnügen darin linden, ihre Schönheit zu entfalten. Aüdübon spricht häufig von den Männchen, als versuchten sie in verschiedenen Weisen das Weibchen zu bezaubern. Mr. Goüld beschreib! einige Eigentümlich- keiten bei einem männlichen Colibri und fahrt dann fort, er zweifle nicht, da-s er das Vermögen habe, diese Eigentümlichkeiten auf das Vorteilhafteste vor dein Weibchen zu entfalten. Dr. Jerdon betont86, dass das schöne Gefieder des Männchens dazu diene, „das Weibchen „zu bezaubern und anzuziehen-. Mr. BartleTT im zoologischen ten drückt sieh in demselben sinn,' auf das Allerentschiedenste aus. Es muss ein grossartiger Anblick sein in den Wäldern von Indien,

«'I                                                          in: l'roceed. Zoolog. Soc. 186S, p. 265.

Ueber die americanit                    d s, Audubon, Omitholog. Biograph. Vol. I

p. 171. 221, und Jerdon, Birds of India, Vol. II. p. 388. Debet die /' cannabi                                   Mr. E. Vernon Barconrt, in: Ibis, VoL V. 1863,

p. 230.

auch E. S. Pixon, Ornamental Poultry. 1818, p. 8.

S9 Birds of India. Introduotion, Vol. I. p. XXIV; über den Pfauhahn: Vol. III, p. 507. s. Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 15 und 111.

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Cap. 13.

Entfaltung dea männlichen Schmucks.

7'.'

plötzlich auf zwanzig oder dreissig Pfauhennen zu stossen, vor denen „die Männchen ihre prachtvoll                  entfalten und in allem Prunke

ihchen herumstolziren'. Der

wilde Truthahn richtet sein ;                 Gefieder auf, i

schön gebänderten Schwanz und seine quergestreiften Flügelfedern aus

und bietet im Ganzen mit seinen prachtvollen carmoisinen und blauen

blappen eine                          . auch für unsei                   >teske

linung dar. Aehnliche Thatsachen sind bereits in Bezug auf die

.

Waldhühner                  1er Arten mi                 orden. Wenden wir uns

zu einer andern Ordnung: die mannliche S                               50) ist

je! in der Welt, nämlich von einem glänzenden Orange,                                                                  '' sind und fadig

auseinandergehen. Das V               i\ bräunlich-grün mit Roth schattirt

und hat einen viel kleineren Federkamm. Sir R. Schombtjbgk hat ihre bung beschrieben. Er fand einen ihrer Versammlungsplätze, wo zehn Männchen und zwei Weibchen gegenwärtig waren. Der Platz war von vier bis fünf Puss im Durchmesser and ers                 als ob

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80                                      hlechtliche Zuchtwahl: Vogel.                      II. Thoil.

er durch menschliche Hände von jedem Grashalm gereinigt und nieder- ktet wäre. Eines der Männchen „hüpfte hemm, offenbar zum Knt- ,zücken mehrerer anderer. Jetzt ;                                 el aus, warf

: öffnete Beinen Schwan/ wie einen Fächer, .jetzt stolzirte es herum mit einem hüpfenden Gange, bis es ermüdet -war.                     Art von Gesang anstimmte and von einem andern

„Männchen abgelöst wurde. So traten drei von ihnen nach einander „auf die Bühne und zogen sich dann mit Selbstzufriedenheit zu den .andern zurück-. Die Indianer warten, um ihre Bälge zu erhalten. an einem dieser Versammlungsplätze, Ins die Vögel eifrig mii Tanzen ftigt sind, und sind dann im Stande, mit ihren vergifteten Pfeilen vier oder fünf Männchen eines nach dem andern zu tödten "7. Von den Paradiesvögeln versammeln sich ein nutzend oder noch mehr im vollen Gefieder befindlicher Männchen auf einem Baume, um. wie en nennen, eine Tanzgesellschaf) altzuhalten, und hier schein:                                      Mr. Wallach bemerkt. von dem

Umherfliegen der Vögel, dem Erheben ihrer Flügel, dem Auf- und Ab- schwingen ihrer ausgezeichneten Schmuckfedern und dem Erzittern derselben, als sei er mit schwingenden Federn erfüllt. Wenn sie hier- mit beschäftig! sind, so werden sie so davon absorbirt, d schick-                                    die ganze Gesellschaft schiessen kann.

Werden diese Vögel in Gefangenschaft auf dem malayisfchen Archipel gehalten, so sollen sie auf das Reinhalten ihrer Federn sehr vii ' falt verwenden, breiten sie oft aus, unters                and entfernen

Pünktchen Schmutz. Ein Beobachter, welcher mehrere Paare lebend hielt, zweifelte nicht daran, dass die Entfaltung des Männchens dazu bestimmt war. dem Weibchen zu gefall-

Der Goldfasan und der Amherstfasan breiten nicht bloss während ihrer Brautwerbung ihre prächtigen Halskragen aus und erheben sie, sondern wenden sie auch, wie ich selbst gesehen habe, schräg gegen das Weibchen hin. auf welcher Seite dieses auch stehen mag, offenbar damit eine grössere Fläche davon vor demselben entfaltet werde s.

« Journal of the Roy. Geograph. Soc. Vol. X. 1840, p. 2 88 Annais and Maeaz. of Natur. Hirt. Vol Xlll. 1854, p. 157; auch Wal- iace, ebenda. VoL XX. 1857, p. 112. and The Malay Ärchipelago, Vol. IL 1869, p. 252; auch Dr. Ben nett, citirt von Brehm. Thierleben. Bd. 3, S. 326.

8» Mr. T. W. W.....1 hat im „Student", April. 1870, p. 115, eine ausführ- liche Schilderung der Art und Weise dieser Entfaltung gegeben, welche er die

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Cap. 13.                  Entfaltung des männlichen Schmucks.                         - 1

Auch wenden sie ihre schonen Schwänze und Schwanzdeckfedern etwas nach dieser Seite bin. Mr. Bartlett hat ein männliches Polyplectron (Fig. öl) im Acte der Brautwerbung beobachtet und hat mir ein Exemplar gezeigt, welches in der Stellung ausgestopft wurde, die qs

Fig. 51. P

bei jenem Acte einnahm. Der Schwanz and die Fingelfedern

- sind mit wunderschönen Augenflecken verziert, ähnlich denen auf dem Schwänze des Pfauhahns. Wenn nun der Pfauhahi präsentirt. so breitet er den Schwan/, aus und richtet ihn quer zu

laterale                                              s bietet sie der Goldfasan und di

eotor.

Darwin, Abstammu: _                                                                              Q

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32

II. Theil.

:. Körper in die II                  r steht vor                  hen and hat

zu derselben Zeit seine lebhaft gefärbte blane Kehle and Brust zu zeigen. Aber die Brost des Polyp                   dunkel gefärbt and die

lecke sind nicht auf die Schwanz!               hränkt. In

dem Weibchen, sondern es anzfedern 11                e auf und i

Richtung aus,              auf derselben Seite auch den Flügel ausbreitet

and den der entgegen«.

vor den Augen des bewundernden Weibchens die Augenflecke über

_ nzen Körper in einer                Gitternden Fläche entwickelt.

Am' v,                            ach das Weibchen wenden m                 _'ebrei-

teten Flügel und dir schräg ..                                 den nach ihm hin

in handelt fast in de« Weise; denn er richtet die Federn

auch nicht gerade                    selbst, und zwar am                   welche

! _                                                                                 he da-

zu einer und de                                    rden.

Der Argusfasan I                   noch viel merkvi                 Fall dar.

lern zweiter Ordnu - auf das Männchen beschränkt sind, sind mit                            «ranzig

bis dreiundzwanzig Augenflecken verziert. jeder über 'inen Zell im Durchmesser haltend.

dunklen Streifen und Reihen von I                                  inlich denen

an der Hau                                                      in Verbindung.

>r dem Weibe!                                                  - änen Schwanz auf und ;

-

gen Fächer "der Schild                          « dem Körper «ehalten wird.

Der Hals and K .                                                                      - vrom

sind; um aber das Weibchen, vor welchem er para-

dirt, zu sehen, -

chtet hat) zwischen zwi                        - - hwungfedern

durch und bietet dann einen g               mblick dar. Im Naturzustande

ine häufig -                                  : denn

Sohn mehrere aus Indien geschickte voll-

k'.mn.                          suchten, fan

an hier der Kopf

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Cap. 13.

Entfaltung des männlichen Schmucks.

oft durchgesteckt worden wäre. Mr. Wood glaubt auch, dass Männchen von der Seite her über den Band des I                eh dem

Weibchen hinschielen könne.

Die Augenflecke auf den Schwungfedern -inil wunderbare Objecte; sie sind so schattirt, dass, wie der Herzog von Abgyll bemerkt "". sie

-                                                                                                                         r dem Weibchen

T. W. Wood,

ie in einer Aushöhlung liegende Engel en                \ls ich

semplar im liritisli Museum mir Ix                                  ' aus-

gebreiteten und abwärts hängenden Flügeln atisgest               war ich

90 The Bei)

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ie Zucht wali 1.

II. Theil.

: enttäuscht, denn die Augenflecki

D ich erklärte mir Mr. Gom d die -                  bald,

denn er hielt die Federn aufrecht, in der Stellung, in welcher 3ie naturgemäsa entfaltet werden würden; sobald nun das Licht tob oben auf Bie fällt, gleicht jeder Augenfleck sofort jenem ornamentalen Mo- tive, das man Kugel- und Sockel-Verzierung nennt. .                n sind mehrei n, und alle haben ihre Bewund

nickt. .Man darf wühl : Iche künstli                 ttirte Verzierungen duri                 tigkeit

der geschlechtlichen Zuchtwahl gebildet sein können. Es wird zweckn                        Antwort auf diese Frage bis dahin zu vei

"im wir im nächs hen. Die \                                                    a sich auf die Schwung-

wungfedern erster Ordnung, bei den meisten hühnerartigen Vögeln gleichförn nicht weni; . i von einer weichen, braunen Färl                 thlreichen dunklen

einer u                   dunklen Z

. parallel dem dunkelblauen Schafte lau- irelcher in                            ine vollkomi

innerhalb der wahren Feder drin liegt. I innere Theil ist heller kastanienbraun gefärbt und i-i dicht mi

leckt. Ich habe reren Personen gezeigt, und viele habt                                  ihr be-

wundert als                                             in und lialien erklär! .

lehr einem Kunstwerk

ii werden nun hei allen gewöhnlichen Veranlass gänzlich verborgen, werden aber, zusammen mit den lang der /.weiten Ordnung, vollständig entfaltet, wobei 3ie sämmtlicb zu- Fächer oder 1 1 lüden. Der Fall bei dem männlichen Argusfasan                         tlich in-

nt. weil er einen guten Beleg dafür dai                 i die raffinir-

Schönheit nur als Reizmittel für das Weibchen dienen kann und zu keinem andern Zwecke. Dass dies der Fäll ist, müssen wir daraus folgern, das                                           r Ordnung niemals entfaltet

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Cap. 13.                         Itnng des männlichen Schmucks,                          85

□ und die Kugel- und Sockel-Verzierung niemals in ganzer Voll- kommenheit gezeigt wird, ausgenommen, wenn das Männchen di hing der Brautwerbung annimmt. Der Argusfasan besitzt keine bril- lanten Farben . -                                                    rbnng von der be- deutenden G ir Zierfedern abgehangen zu haben scheint, ebenso wie von der Ausführung der elegantesten Zeichnungen. Viele

d erklären,                  Ukommen unglaublich ist, dass ein weib-

licher Vogel im Stande sein sollte, feine Scha'ttirungen und zeichnete Zeichnungen zu würdigen.                eifellos eine merkn

Thatsache, dass das Weibchen diesen beinahe menschlichen Grad von

mack besitzen soll. Wer der Ansicht ist, mit Sicherheit die Onterscheidnngskraft und den Geschmack der niederen Thiere ab- sehätzen zu können, mag längnen, dass der weibliche Argusfasan solche ausgesuchte Schiinheit würdigen könne; er wird aber dann ge- zwungen sein zuzugeben, dass die ausserordentlichen Stellungen, welche das Männchen während des Actes der Bewerbung annimmt und durch welche die wunderbare Schönheit seines Gefieders vollständig zurfmt- faltung kommt. zwecklos sind. und dies ist eine Schlussfolgerung, ich t'i'ir meinen Theil wenigstens niemals zugeben kann. Obgleich so viele Fasanen und verwandte hühnerartige Vögel

iltdg ihr schönes Gefieder vor den Weibchen entfalten, so ist es doch merkwürdig, dass dies, wie mir Mr. Bartlett mittlieilt, bei den trübe gefärbten Ohren-und Wallich'schen Fasanen Crossoptüon tum und Phasianus fPalUchii) nicht der Fall                 Deinen daher

isst zu -ein. dass sie wenig Schönheit zu entfalten im Stande sind. Mr. Bartlbti hat niemals | die Männchen einer dieser bi                  - mit einander kämpften, ob-

schon er nicht so gute Gelegenheit gehabt hat. den Wallich'schen Fasan zu beobachten als den Ohrenfasan. Auch finde! Mr. Jknnkk Weib, lle männlichen Vögel mit reichem oder scharf characterisirtem Gefiadi                 ' tiger Bind als die trübe gefärbten Arten, welche zu

denselben Gruppen gehören. Der Stieglitz isi z. B. viel zanksüchtiger als der Hänfling, und die Amsel zanksüchtiger als die Drossel. Die- jenigen Vögel, welche in den verschiedenen Jahreszeiten eine Verän- derung des Gefieders erleiden, werden in der Periode,               m leb-

äten geziert sind, gleichfalls viel kampflustiger. Ohne Zweifel kämpfen auch die Männchen einiger dunkel gefärbten Vögel verzweifelt mit einander, aber es scheint 'loch, als ob in den Fällen, wo !

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80                                 blechtliche Zuchtwahl: Vögel.                   II. Theil.

schlechtliche Zuchtwahl von grossem Einflüsse gewesen i-i und den Männchen irgend einer Species helle Farben gegeben hat, dieselbe dann auch den Männchen eine starke Neigung zum Kämpfen verliehen hätte. Wir werden nahe analoge Fälle noch zu verzeichnen haben, wenn wir von den Säugethieren reden werden. Auf der andern Seite Bind bei Vögeln das Vermögen des Gesangs and brillante Färbungen von den Männchen einer und derselben Species zusammen er- worden. In diesem Falle würde aber der dadurch'erlangte Vor- titel) ganz genau derselbe gewesen sein, nämlich Erfolg heim Bezaubern des Weibchens. Nichtsdestoweniger muss zugegeben werden, dass die Männchen mehrerer brillant gefärbter Vögel ihre Farben speciell zu dem Zwecke modificirt haben, Instrumentalmusik hervorzubringi schon die Schönheit dieser letzteren, wenigstens tinsi nach, nicht mit der Vocalmusik vieler Singvögel verglichen »er- den kann.

Wir wollen uns nun zu solchen männlichen Vögeln wenden, welcne in keinem sehr hohen Grade verziert sind, welche aber doch nichtsdestoweniger wahrend ihre]- Brautwerbung das was sie nur irgend an Anziehungsmitteln besitzen, zur Entfaltung brimj                  Fälle

sind in manchen Beziehungen noch merkwürdiger als die in den stehenden erörterten und sind nur wenig beachtet worden, [ch verdanke die folgenden-Thatsachen, welche aus einer grossen Menge werthvoller, mir freundlichst mitgetheilter Notizen ausgezogen sind, der Güte des Mr. Jenner Weik, welcher lange Zeit Vögel vieler Äxten, mit Ein- sehluss aller britischen Fringilliden und Emberiziden, gehalten hat. Der Gimpel macht seine Annäherungsversuche, indem er vor dem Weibchen steht; dann bläst er -eine Brust am', so dass viel mehr v.on den carmoismen Federn auf einmal zu sehen sind, als es sonst der Fall sein würde, und zu derselben Zeit dreht und biegt er schwarzen Schwanz von der einen nach der andern Seite hin in einer lächerlichen Art und Weise. Auch der männliche Buchfink steht vor dem Weibchen und zeigt dabei seine rothe Brust und -einen aschblauen Kopf und Nacken. Hie Flügel werden zu derselben Zeit leicht erhöhen. wobei die rein weissen Binden aul den Schultern auffallender wi

fling dehnt -ein- rosige Brust au-, erhebt leicht seine braunen Flügel und den Schwanz, so dass er durch Darstellung ihrer weissen Bänder Bie offenbar noch am besten verwerthet. Wir htig sein, wenn wir schliessen weilen, das

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Cap. 13.                  Entfall                anließen Schmucks.                          87

Flügel nun zur Entfaltung ausgebreitet werden, da dies manche thun, deren Flügel nicht schön Bind. Dies isl der Füll mit dem Haus- hahn, doch ist es hier stets der Flügel auf der dem Weibchen ent- gegengesetzt,                  elcher ausgebreitet und gleichzeitig auf dem Boden hingelegt wird. Der männliche Stieglitz benimmt sich von allen andern Finken ganz verschieden. Seine Flügel sind schön, die Schultern sind schwarz und die schwarzspitzigen Flügelfedern mit

Weiss gefleckt und mit Goldgelb gerändert. Wei.....r dem Weibchen

den Hof macht, schwingt er seinen Körper von der einen Seite nach der andern und dreht seine leicht ausgebreiteten Flügel schnell hemm, zuerst auf die eiue, dann auf die andere Seite, wobei ein goldener Glanz über sie fallt. Wie Mr. Weib mir mittheilt, dreht sich kein anderer britischer Finke während seiher Bewerbung in dieser i v in Seite zu Seite, nicht einmal der nahe verwandte männliche i . denn er würde dadurch nichts seiner Schönheit zufügen.

) der britischen Ammern sind einfach gefärbt Im Frühjahre erhalten aber die Federn auf dem Kopfe des männlichen Rohrsperling-               a schoeniclus) eine                                   durch

Abstossung der grauen Spitzen, und diese werden wahrend des der Bewerbung aufgerichtet. .Mr. Weib hat zwei Arten von An au- Australien gehalten. Die .1. castan               in -ein- kleiner und

Men gefärbter Finke mit einem dunklen Schwänze, weissem Rumpfe und glänzend schwarzen oberen Schwanzdeckfedern, von wel-

letzteren jede einzelne mit drei grossen, auffallenden, ovalen,

n Flecken gezeichnet ist '-". Wenn das Männchen dieser Species das Weibchen umwirbt, breitet es leicht diese zum Theil gefärbten Schwanzdeckfedern aus und                                   hr eigenthfln

Wei.....rzittern. Hie männlic                 a Latkami benimmt sii

verschieden hiervon, indem sie ihre brillant gefärbte Brust und ihren scharlachenen Rumpf und die scharlachenen oberen Schwanzdeckfedern FOr dem Weibchen entfaltet. Ich will hier nach Hr. Jebdon hinzu-

. dass der indische Bnlbul Pycnonotus haemorrhom) carmoisin- rothe untere Schwanzdeckfedern hat. und die Schönheit dieser I kann, wie man denken möchte, niemals gut entfalte! werden. „Wird „aber der Vogel                                    -' oft seitwärts ;

»i Wegen der Beschreibung di                               Sandbook to the

117.

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88                            Geschlechtliche Zuchtwahl: Vö(                       II. Theil.

Ibst von oben gesehen werden können" 92. Die carmoisinrothen untern Schwanzdecken einiger anderer Vögel, so eines der Spechte,

major, können auch ohne eine derartige Entfaltung gesehen werden. Die gemeine Taube hat iridescirende Federn an der Brost, und ein Jeder mnss ja gesehen haben, wie das Männchen seine Brust aufblast, während es das Weibchen umwirbt, und dabei diese I auf das Vortheilhaftesl                  Eine der schönen bronzeflügeligen

Tauben von Australien (Octfphaps lophotes) benimmt sich, wie mir Mr. W:                trieben hat, sehr verschieden. Während das Männ-

chen vor (lern Weibchen steht, senkt es seinen Kopf fasl Ins auf die Eide, breitet den Schwanz aus und erhebt ihn senkrecht und breitet auch seine Flügel halb aus. Es hebt dann abwechselnd den Körper in die Höhe nnd senkt ihn wieder langsam, so dass die iridescirenden metallisch glänzenden Keilern alle auf einmal zu sehen sind und in der Sonne glitzern.

Es sind nun hinreichende Thatsachen mitgetheilt worden, welche zeigen, mit welcher Sorgfalt männliche Vögel ihre verschiedenen Reize entfalten and wie sie dies mit dem grössten Geschicke thun. Wäh- rend sie ihre Federn, ausputzen, haben sie häufig Gelegenheit, sich selbst zu bewundern und zu studiren, wie sie ihre Schönheit am besten darbieten können! Da alier sämmtliche Männchen einer und der näm- lichen Species sich in genau derselben Art und Weise producta scheint es, als seien doch vielleicht zuerst absichtliche Handlungen instinetive geworden. 'Wenn dies der Fall ist. so dürfen wir die Vö- gel nicht bewusster Eitelkeit beschuldigen; und doch seheint uns. wenn wir einen Pfauhahn mit ausgebreiteten und erzitternden Schwanz? federn umberstolziren sehen, derselbe das lebendige Abbild von und Eitelkeit ZU sein.

Die versehiedeie-n Zierathen, welche die Männchen besitzen, sind von der s                 leutung für dieselben, denn sie sind in

Fällen auf Kosten des bedeutend eingeschränkten Flug- oder Laufvermögens erlangt worden. Der afrieanische Ziegenmelker

'). welcher während der Paarungszeit eine -eine]- Schwungfedern

Ordnung zu einem Fadenanhange von ausserordentliche! Länge entwickelt hat, wird hierdurch in seinem Fluge aufgehalten, obschon er zu andern Zeiten seiner Schnei:'.,                n merkwürdig ist. Die

92 Bir.ls of In.lki. Vol. ü

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Cap. 13.

Entfaltung dos männlichen Schmucks.

80

ieure Grösse" der Schwungfedern zweiter Ordnung des männ- lichen Argusfasan beraubt, wie man sagt, „den Vogel fast vollständig des „Vermögens zu Siegen". Die schönen Schmuckfedern männlicher Paradiesvögel stören sie während eines starken Windes. Die ausser- ordentlich langen Schwanzfedern der männlichen Wittwenvögel ( Vidua)

idafrica mächen „ihren Flug schwer", sobald dieselben aber ab- geworfen Bind, Biegen si                vie die Weibchen. Da Vögel stets brüten, wenn die Nahrung reichlicb vorhanden ist, so erleiden die Männchen wahrscheinlich nicht viel Unbequemlichkeiten beim Suchen von Nahrung in Folge ihres gehinderten Bewegungsvermögens. Es

-ich aber kaum zweifeln, dass sie viel mehr der Gefahr ausge- setzt sind, von Raubvögeln ergriffen zu werden. Auch können wir daran nicht zweifeln, dass das lange Behänge des Pfauhahns und der

Schwanz und die lautren Schwungfedern des Argusfasans - leichter zu einer Beute für irgend eine raubgierige Tigerkatze machen müssen, als es sonst der Fall wäre. Selbst die hellen Farben vieler männlichen Vögel müssen sie selbstverständlich für ihre Feinde aller Arten auffallender machen. Wahrscheinlich sind daher, wie Mr. Gould bemerkt hat, solche Vögel allgemein von einer scheuen Disposition, als ob sie sich dessen bewnsst wären, dass ihre Schönheit eine Quelle der Gefahr für sie ist; auch sind sie viel schwerer zu entdecken und zu beschleichen als ihre dunkel gefärbten und vergleichsweise /.ah- men Weibchen oder als ihre jungen und noch nicht geschmückten Männchen "'.

Es ist eine noch merkwürdigere Thatsache, dass die Männchen einiger Vögel, welche mit speciellen Wallen für den Kampf ausgerüstet und im Naturzustande so kampfsüchtig sind, dass sie oft einander tödten, darunter leiden, dass sie gewisse Zierathen besitzen. Kampf- hahnzüchter stutzen die Sichelfedern und schneiden die Kämme und Fleischlappen ihrer Hähne ab, und dann, sagt man. sind die Vögel

jtumpft"." "Hin Dichtgestumpfter (undubbed) Vogel ist, wie Mr. Tegetmeieb betont, „in einem angeheuren Nachtheile. Der Kamm und

»* L'eber den Cot                                                     I ipedition to the Zambeai,

den Irgus-Pasan s Jardine, Naturalist's Library: Birds. Vol Xl\. 167. I                       svögel: Lesson. citirt von Brehm, Thierleben,

15. Deber den Wittwenvogel s. Barm«. Travels in Africa. Vol. 1. 1». 243, uii'l Ibis, Vol. III. 1861, p, 133. Mr. Gonld, aber das Scheusein männ- licher Vögel in: Hai                                              tralia. Vol. I. 1865, p. 2)0, 157.

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<>0

wähl: Vögel.

„die Fleischlappen bieten dem Schnabel                             «n leichten

„Halt dar, und da ein Halm allemal schlägt wo er hält, wenn er ..einmal seinen Feind ergriffen hat, so hat er ihn dann vollständig in „seiner Gewalt. -                 nommen, dasa der Vogel nicht gel

.wird, sü ist der Verlust an Blut, den ein nichtgestumpfter Hahn „erleidet, viel bedeutender als der, welchem ein gestumpfter Hahn nthähne ergreifen während ihrer Kämpfe sieh stets einander bei den Fleischlappen, und ich vermuthe, dasa die alten Vögel in derselben Weise kämpfen. Man könnte vielleicht ein- werfen, dass der Kamm und die Fleischlappen nicht zur Zierde dienen und den Vögeln auf die-.' Weise nichl von Nutzen Bein können; aber für unsere Augen wird die Schönheil des glänzend schwarzen spanischen Hahns durch sein weis                 I und den carmi

Kamm bedeutend erhöht, und Jeder, der nur irgend einmal die zend blauen Fleischlappen des männlichen Tragopan-Fas hat, wenn er sie wahrend der Brautwerbung ausdehnt, kann auch nicht einen Momenl zweifeln, dass das in ihrer Entwicklung verfolgte Ziel die Schi                   Aus den vorstehend mitgetheilten Thatsachen

sehen wir deutlich, dass die Zierfedern und andere Schmuckarten des Männchgns von d                          itung für dasselbe sein müssen; und

wir sehen ferner, dass Schönheil in einigen Füllen selbst von gr Bedeutung ist als ein Erfolg beim Kample.

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Vierzehntes Oapitel.

Vögel (Fortsetzung).

Wahl vom Weibchen ausgeübt. — Hauer der Bewerbung. — X:

haften und Geschmack für da -                             r, oder

tipathie gegen                nehen seitens der Weibchen.— Variabilil

n zuweilen plötzlich auftrel                          i Ab-

änderung. — Bildung der A                                                       re. —

-.in und Ur<

Wenn die Geschlechter in Bezug auf die Schönheit ihrer Er- scheinung, auf ihr Gesangsvermögen oder auf das Vermögen das zu produciren, was ich Instrumentalmusik genannt habe, von einander abweichen, so ist es beinahe unveränderlich das Männchen, welches das Weibchen übertrifft. Wie wir soeben gesehen haben, sind diese Eigenschaften ollenbar für das Männchen von höchster Bedeutung. Werden sie nur für einen Theil des Jahres erlangt, so geschieht dies immer kurz vor der Paarungszeit. Es ist das Männchen allein, wel-

mit Sorgfalt seine verschiedenartigen Anziehungsmitte] entfalte) und oft fremdartige Geberden auf dem Boden oder in der Luft in

vart des Weibchens ausführt. Jedes Männchen treibt alle Nebenbuhler fort "der tödtet dieselben, wenn es kann. Wir können daher folgern, dass es die Absicht des Männchens ist, das Weibchen dazu zu veranlassen, sieh mit ihm zu paaren, und zu diesem Zwecke versucl                  Ibe auf verschiedenen Wegen zu reizen und zu be-

zaubern; dies ist auch die Meinung aller Derer, welche die I. gewohnheiten der Vögel sorgfältig studirt haben. Es bleibt aber hier eine Frage übrig, welche eine äusserst bedeutungsvolle Tragweite in auf geschlechtliche Zuchtwahl hat, nämlich: reizt jedes Männ- chen einer und derselben Spei                  ässig das Weibchen und zieht h? oder übt das Letztere eine Wühl aus und zieht dieses gewisse Männchen vor? Diese Frage kann in

The Cornoiete Work of Charles Darwin Online

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02                            Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

zahlreicher directer und indirecter Belege bejahend beantwortet wer- den. Viel schwieriger ist es aber zu entscheiden, welche Eigenschaften die Wahl der Weibchen bestimmen. Doch haben wir auch hier wie- derum einig                                           eise dafür, dass in grossem Maasse das Anziehende der äusseren Erscheinung des Männchens es ist, welches hier in'- Spiel kommt, obschon ohne Zweifel seine Kraft, sein Muth und andere geistige Eigenschaften desselben auch in Be- tracht kommen. Wir wollen mit den indirecten Beweisen beginnen.

Dauer der Brautwerbung. — Die Dauer der meist längeren Periode, während welcher beide Geschlechter gewisser Vögel Tai,' für ioli auf einem bestimmt'']) Platze treffen., hängt wahrscheinlich zumTlieil davon ab, dass die Bewerbung eine sich in die Länge ziehende Angelegenheit ist, zum Theil von der Wiederholung des Paarungsactes. So lauert in Deutschland und Scandinavien das Balzen oder dii der Birkhähne von der Mitte des März durch den ganzen April bis in den Mai hinein. Bis vierzig oder fünfzig oder selbst noch mehr Vögel versammeln sich auf den Leks und ein und derselbe Platz wird häufig während aufeinanderfolgender Jahre besucht. Das Balzen des Auerhahns                   Ende März bis in die Mitte oder selbst das

Ende des Monats Mai. In Nordamerica dauern -die Hebhuhntänze" des inen Monat oder noch länger". Andere Arten v.ui Waldhühnern sowohl in Nordamerica als im östlichen Sibirien ' haben nahezu dieselben Gewohnheiten. Die Hühnerjäger entdecken die Hügel, wo die Kampfläufer sich versammeln, daran, dass das niedergetreten ist, und dies weist darauf hin, dass derselbe lange Zeit frequentirt wird. Die Indianer von Guyana kennen die ab- geräumten Kampfplätze sehr wohl, wo sie die schönen Wäldhühner zu finden erwarten können, und die Eingeborenen von Neu -Guinea kennen die Bäume, wo sieh zehn bis zwanzig in vollem Gefied rindliche männliche Paradiesvögel versammeln. In diesem letzteren Fallo ist nicht ausdrücklich angegeben, dass die Weibchen sich auf

1 Nordmann beschreibt (Bullet. So«. Imp. des Natur, de Mos \ W1V. p. 264) das Balzen des Tetrao urogälloides in dem Amm-Lande. Er schätzt die Zahl der sich versammelnden Männchen auf' über ein Hundert. ohne die Weibchen. welche in den umgebenden Sträuchen verborgen liegen, mit- zuzählen. Die dabei ansgestossenen Geräusche weichen von denen des T. urogaTlus, rhahns, ab.

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Dauer der Brautwerbung.

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densell                 a einfinden, aber wenn                                    II dar-

nach gefragt werden, werden sie wahrscheinlich deren Anwesenheit nicht erwähnen, da ihre Bälge werthlös sind. Kleine Gesellschaften

'sammeln sich während der Paarungszeit und führen stundenlang ihre grai                  itionen

aus. Die grosse Bekass                                  mmelt sich wäh-

rend der Dämmerung in grossen Zahlen in einem Sumpfe, und ein und derselbe Ort wird zn demselben Zwecke während aufeinander- folgender Jahre besucht. Hier kann man sie umherlaufen sehen, „wie

. mit ausgebreiteten Federn, ihre Flügel gend und die                                                    send '-.

Einige der oben erwähnten Vögel, Dämlich der Birkhahn, der Auerhahn, di                                  . der Kampfläufei

und vielleicht noch einige andere, leben, wie man annimmt, in Polygamie. Bei solchen Vögeln hätte man glauben können,

ikercn Mannehen einfach die                          ttreiben und dann

sich in den Besil                  Weibchen als mög               d wür-

den. Wenn es aber für das Männchen unerlässlich ist, das Weibchen zu reizen oder demselben zu gefall(                        irir den Grui

längeren Hauer der Bewerbung und der Versammlung so vieler Indi- viduen beider Geschlechter an einem ui                                    ! ver-

. halten gleichfalls Bochzeitszusammenkünl                 scheint in Scandinavien

mit eil                 bneehühner der Fall zu sein; und d                dauern

von Mitte März bis Mitte Mai. in Ai                  richtet der I

kleine runde Hügel und die .1/. Alberti scharrt sich flache Höhlen aus                                            snen genannt »er-

den, Probirplätze, wo sich, wie man annimmt, beide Geschlechter ver- iln. Die \                 sren der Met

öffentlicht3, wonach er in einem unter ihm befindlichen Thalc. wel- ches dicht mit Strauchwerk bedeckt war. ein „Klingen hörte, w

; In Bezug auf die Versammlung                                                        Brehm,

i . Lloj d, Ga 78. Bichardson,                                                            Belegstellen in Bezug

auf di'                                                                        führ) werden. Delx

:n: Annais ai                                                      I \\. 1 357,

p. 112                            »inen: Lloj i                    221.

3 fit

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94

Geschlechtliche Zuchtwahl

Cap. ll.

..ihn vollständig in Erstaunen versetzte". Als er in die Nähe hin- erblickte er zu seiner Verwunderung hundertundfünfzig der prachtvollen                  i „in förmlicher Schlachtordnung

and „mit unbeschreiblicher JVuth kämpfend". Die Lauben der Lau- ge! sind Zufluchtsorte beider Geschlechter während der Paarungs- zeit; und „hier treffen sich die Männchen und streiten mit einander »um di                                  ler Weibchen, und hier versammeln sich

„die Letzteren und kokettiren mit den Männchen." Bei zweien der Gattungen wird dieselbe Laube wahrend vieler Jahre besucht4.

Mi- iromeine Eiste                         L.) pflegt sich, wie mir Mr.

Darwin Fox mitgetheilt hat. aus allen Theilen des Delamere-Waldes her zu versammeln, um ..di- grosse Elsternhochzeit" zu feiern. Vor einigen Jahren waren di                                  i sntlich grosser Anzahl

vorhanden, so dass ein Wildwart an einem Morgen neunzehn Männ- chen und ein anderer mit einem einzigen Schusse einem Sitze zusammen                          tten damals die Gewohnheit,

in- zeitig im Frühjahre an besonderen Orten zu versammeln, wo man sie in Haufen sehen k.....ite, schwatzend, zuweilen mit ein- ander kämpfend und geschäftig um die Bäume hin und her fliegend. Die ganze Angelegenheil wurde offenbar von den Vögeln ah

Kurz nach der Versammlung trennten :i alle, und -Mr. Fox bi i                                          andere, dass

i mm für das ganze Jahr gepaart hatten. In einem Bezirke, in welchem ein                                    r Anzahl existirt, könm

ständlii                          Versammlungen dieser Art abgehalten werden

und eine und die nämli                            auch in vi                 i Lan-

dern verschiedene Lebensweisen haben. So habe ich z. 1!. nur ein einzigesmal                                                              ir Birkhähner in

Schottland gehört, von Mr. Weddebbern, trotzdem sind diese Ver- sammlungen in Deutschland und Scandinavien so wohl bekannt, erhalten haben.

Nichtgepaarte Vögel. Am- den hier  mitgetheilten That-

sachen können wir schliessen, dass bei Vögeln,   welche zu seh

inen Gruppen gehören, die Bewerbut                sehr langdauernde,

delicate und mühsame Angelegenheit ist. Es i-i   selbst Grund zu der

' Gonld, Handl                                    lia, Vol.X p. 800, 3

- hneehuhn, was oh./ii erwähnt wurde, -. Lloyd, a. a. 0

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Cap. 11.

95

Vermuthung vorhanden, so unwahrscheinlich dies anf den ersten Blick erscheinen wird, dass immer einige Männchen und Weihchen der näm- lichen Species, welche denselben Bezirk bewohnen, einander nicht ge-

und in Folge dessen sich auch nicht paaren. Viele Schilde- rungen sind veröffentlicht worden, wonach entweder das Männchen oder das Weibchen eines Paares geschossen und sehr schnell dnreh ein anderes ersetzt worden ist. Dies ist bei der Kister häufiger beob- achtet worden als bei irgend einem anderen Vogel, vielleicht in Folge ihrer auffallenderen Erscheinung und ihres leichter sichtbaren Nestes. Der berühmte Jenner führt an, dass in Wiltshire ein Individuum

Paares jeden Tag, und zwar nicht weniger als sieben Male hintereinander geschossen wurde, aber trotz alledem ohne Erfolg; denn die übrigbleibende Bister ..fand sehr bald einen anderen Gefährten", and das letzte Paar zog die Jungen auf. Allgemein wird ein

am folgenden Tage gefunden; aber Mr. Thompson führt einen Fall an. wo ein Gatte schon am Abend desselben Tages wieder i wurde. Selbst nachdem die Eier ausgebrütet sind, wird, wenn einer der allen Vögel getödtet wird, häufig ein m                  te gefunden. Dies geschah nach einem Verlaufe von zwei Tagen in einem vor Kur- zem von einem von Sir.I. Lubbock's Jägern l.....bachteten Falle5. Die

lligste Vermuthui                  dass männliche Elstern

bedeutend zahlreicher sein müssen als weiblich                - in den oben

erwähnten Fällen ebenso wie in noch vielen anderen, die noch führt werden könnten, allein die Männchen getödtet wurden. Dies gilt allem Anseheine nach für einige Beispiele. Denn die Wildwarte im Delamere-Forst versicherten Mr. Fox, dass die Elstern und Krähen. welche sie früher nach und nach                   Zahl in der Nähe ihrer

sämmtlich Männchen waren, und sie erklärten dies durch die Thatsache, dass die Männchen leicht getödtet werden, wäh- rend sie don auf doli Nestern Bitzenden Weibchen Nahrung zubringen. Indessen fähr! .M                   nach der Autorität eines ausgezeichneten

Beobachters ein Beispiel auf. wo drei auf einem und dems hintereinand                          Istern sämmtlich Weibchen waren, und

dann noch einen andern Fall, wo sechs Elstern hintereinander ge- Ihrend sie auf denselben Eiern süssen, was es wahr-

srilliv                                                                          570. T!......pson, in: Annais

Hi-t.. Vol. III. 1842, p. 194.

jinolete Work of Charles Darwin Online

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w

II. Th.il.

gcheinlich erscheinen I                                   n von ihnen Weihchen

waren, obschon, wie ich von Mr. Fos höre, auch das Männchen auf den Eiern sitzt, wenn das Weibchen getödtet ist.

Sir .1. Li bbo< k's Wildwarl hat wiederholt, aber wie ofl konnte er nicht sagen, eines von einem Paare von Eichelhähern (Ga glandat                          and kurze Zeit nachher das überlebende Indi-

viduum ausnahmslos wieder gepaart gefunden. .Air. W. I). Fox. Mr. 1'. Bond and Andere haben eine von einem Paare Krähen (i corone) gesi                  c bald darauf wai                  wieder von einem

bewohnt.                     l sind im Allgemeinen häufig; aber der

Wanderfalki                                    selten, and doch Fährt Mr. Thomp-

son an, dass in Irland, „wenn entweder ein altes Männchen oder ein „Weibchen in der Paarungszeil getödtet wird, was kein ungewöhn- licher                                    sehr wenig                                    fahrte „gefunili'ii wird, so dass ungeachtet solcher Zufälligkeiten die I „doch mit Sicherheit die gehörige Zahl Junge ergeben." Mr. Jenneb hat in Erfahrung gebracht, & auch mit dem Wander- falken in Beachy-Head eintritt. Derselbe Beobachter theilt mir mit, drei Thurmfalken (Falco th und zwar sämmtlich Männchen, einer nach dem andern geschossen wurden, während und dasselbe Nest besuchten. Zwei von diesen waren in erwachs

r und der dritte im Gi                         gehenden Ja]

in Bezug auf den seltenen Goldadler (Aquila chrysaetos) versicherte ein zuverlässiger Wildwart in Schottland dem Mr. Birkbeck, dass nenn i                Itei werde, sich bald ein anderer finde. So ist auch

in Bez                            reule (Strix flammea) beobachtet worden, dass

der überlebende Vogel „sehr leicht wieder einen Gatten fand und also „durch die Tödtung nichts erreichl war-.

White von Seiborne, welcher den Kall von der Knie anführt, fügt hinzu, dass er einenJMann gekannt habe, welcher die männlichen Reb- hühner schoss, weil er glaubte, dass die Pärchen.durch die Kämpfe der Männch                   würden; und trotzdem er ein und das

Weibchen mehrere Male zur Wittwe gemacht habe, so wäre es doch ehr bald mit einem neuen Gatten versehen gewesen. Derselbe Naturforscher liess die Sperlinge, welche die Hausschwalben ihrer Nester beraubten, schiessen; aber der Pebrigbleibende, „mochte es „nun ein Männchen oder ein Weibchen sein, verschaffte sich sofort „einen neuen Gatten und so mehrere Male hintereinander." Ich kennte

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Cap. 14.

Nichtgepaart.

97

analoge Fälle in Bezug auf den Buchfinken, die Nachtigall und das Rothschwänzchen anführen. In Bezug auf den letzteren Vogel (Fhoe-

. rvticüla) bemerkt ein Schriftsteller, dass derselbe durchaus nicht häufig in seiner Gegend gewesen sei. und er drückt sein grosses Erstaunen darüber aus, wie das auf dem Neste sitzende Weibcl bald mit Erfolg zu erkennen gehen konnte, dass es verwittwi Mr. Jenneb Weib hat einen ganz ähnlichen Fall gegen mich erwähnt. In Blackheath sah er weder jemals den wilden Gimpel noch hörte ei- sernen Gesang und doch, wenn eines seiner in Käfigen gehaltenen Männch               ben war. kam im Verlaufe weniger Tage ein wildes

Männchen herbei und Hess sich in der Nähe des verwittweten Weib- chens nieder, dessen Lockruf durchaus nicht laut ist. Ich will nur noch eine einzige weitere Thatsache nach der Autorität desselben

- anführen. Einer von einem Staarpaare (Sturnus vul wurde am Morgen geschossen; am Mittag war ein neuer Gefähi fluiden: dieser wurde wiederum geschossen; aber noch vor Einbruch der Nacht war das Pärchen wiederum complel. so dass die antröst- liche Wittwe "der.der betreffende Wittwer während eines und des- selben Tages sich dreimal zn trösten wusste. Mr. Engleheart theilt mir gleichfalls mit, dass er mehrere Jahre hindurch einen Vogel

nein Staarpärchen zu schiessen pflegte, welches in einer Höhle in einem Hause in Blackheath haute; aber der Verlust war immer sofort wieder ersetzt. Während des einen Jahres hielt er sich eine Liste und fand, dass er fünfunddreissig Vögel von einem und dem- selben Neste geschossen hatte. Unter diesen befanden sich sowohl Männchen als Weibchen, alier in welchem Verhältniss konnte er nicht sagen. Trotz aller dieser Zerstörung abej wurde doch eine Brut heran-

11 6. Diese Thatsachen verdienen wohl Beachtung. Woher komm! es, hinreichend viele Vögel vorhanden sind, bereit, sofort einen ver- lorenen Gatten zu ersetzen? Elstern, Eichelhäher, Krähen, Bebhühner und einige ander.- Vögel sieht man während des Frühjahrs stets in

6 Ueber den Wanderfalken b. Thompson, Katar. History of Ireland: Birds, Vol. I. 1849,                                                            nd Rebhühner .s. White, Natur,

ibe von [825. Vn]. I. p. 139. Ueber di i Natur. Hist, Vol. VII. 1834, p.245. Brehm (Thierleben, Bd. I.                      bnt gleichfalls mehrerer Fälle, wo -i<li Vögel währei

inen paarten. WlS, Abstimmung. II, Dritte AdJU(0.                                                         

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98                                    schlechüiche Zuchtwahl: Vogel.                      II. Tlieil.

Paaren, and diese bieten auf den ersten Blick den allerverwirrendsten Fall dar. Es loben aber auch Vögel eines und desselben Geschlechts, stverständlich nicht eigentlich gepaart sind, zuweilen in Paaren oder in kleinen Gesellschaften, wie es bekanntlich mit Tau- ben und Rebhühnern der Fall ist. Es leben auch Vögel zu Dreien. wie es bei d                                                  in und Rebhühnern beobachtet

worden ist. Von Rebhühnern ist bekannt geworden, dass zwei ' chen mit einem .Männchen und auch umgekehrt zwei Männchen mit einem Weibchen leben. In allen solchen Fällen ist wahrscheinli Verbindung sehr leicht zu lösen, und einer der drei Vögel wird sich leicht mit einem Wittwer oder einer Wittwe paaren. Die Männchen

-er Vögel kann m                   tlich ihren !.                  _ anstimmen

hören lange nachem die eigentliche Zeit vorüber ist, was dafür spricht,

sie entweder ihre Gattin verloren oder nie                              rlangt

haben. Der Tod eines von einem Paare, sei es durch Zufall oder in l""lue von Krankheit, wird den anderen Vogel frei und ledig zurück- lassen, und es ist Grund zu der Vermuthung vorhanden, dass weib- liche Vögel während der Paarungszeit ganz besonders einem zeitigen Tode zu unterliegen neigen. Ferner werden Vögel, deren Nester zer- stört wurden, oder unfruchtbare Paare oder verspätete Individuen leicht veranlasst werden sich neu zu paaren und werden wahrschein- lich froh sein, alle die Freuden und Pflichten des Aufziehens Nachkommen auf -ich zu nehmen, wenn auch diese nicht ihre eig sind7. Derartige Zufälligkeiten erklären wahrscheinlich die n. der im Vorstehenden angeführten Fälle". Ni-                    dger ist es

- s. Wh it.' i Natur. History of Seiborne, 1825. Vol. 1. p.                    as Vor-

kommen kleiner Braten männlicher Rebhühner zeitig im Jahre; von welcher That- ich noch andere Beispiele habe anfahren hören, a. Jenner, aber den zu- rückgebliebenen Znstand der Generationsorgane b

Transact., 1824. In Bezog auf Vögel, welche zu Dreien leben, verdanke ich Mr.

Weit die Mittheilong der Falle vom Staare and den Papageien, nnd

Mr. Foj den von den Rebhühnern. Ueber Krähen -. „The Field," 1868, p. 415.

_ 1 noch nach der eigentlichen Zeit s. I..3 i Observation- in Natural History, 1846, p. -7.

s Nach der Autorität des Honor. 0. W. Porester hat Mr. J. 0. M den folgenden Fall n                                                             Der Wüdwi

„fand in diesem Jahi                                                            "'» I-r nahm vier

.davon und t

Alten zu diel

: n, den jungen zu für

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Cap. 14.

Geistige Eigenschaften.

99

. Ja-- innerhalb eines and desselben Be- zirkes während der Höhe der Paarungszeit so viele Männchen und Weibchen immer in Be                  iin sollten, den Verlust des gepaar-

ten Vogels wieder zu ersetzen. Warum paaren sich solche einzeln gebliebene Vögel nicht sofort mit einander? Haben wir nicht einige Veranlassung, hier zu vermuthen (und auf diese Vermuthung ist auch Mr. Jenneb Weib gekommen), dass ebenso wie der Act der Bewer- bung bei vielen Vögeln eine sich in die Länge ziehende und lang- weilige Angelegenheit zu sein scheint, es auch gelegentlich eintritt, dass gewisse Männchen und Weibchen während der eigentlichen Zeit beim Anregen der Liebe zu einander keinen Erfolg haben und in Folge sich auch nicht paaren? Diese Vermuthung wird etwas weniger unwahrscheinlich erscheinen, nachdem wir gesellen haben, welche starke Antipathien und Bevorzugungen weibliche Vögel gelegentlich in Bezug auf besondere Männchen äussern.

Geistige Eigenschaften derVögel und ihr Geschmack für das Schöne. — Ehe wir die Frage weiter erörtern, ob die Weib- chen die anziehenderen Männchen sich auswählen oder das erste beste annehmen, das ihnen zufällig begegnet, wird es gerathen sein, kurz die geistigen Kräfte der Vögel in Betracht zu ziehen. Ihr Verstand wird allgemein und vielleicht mit Recht als gering geschildert; doch

: sich einige Thatsachen mittheilen , welche zu dem entgegen- gesetzten Schlüsse führen. Ein geringes Vermögen des Nachdenb indi'ss. wie wir es beim Menschen sehen, mit starken Affecti

„Wärter glaubt«, die Sache sei abgemacht. Den nächsten Tag kam er wieder „und fand zwei andere mitleidige Habichte, welche mit Adoptivgefühlen herbei- gekommen waren, dem Waisenlände zu helfen. Diese beiden wurden wie<

i and das \                                  er später wiederkehrte, fand er zwei wei-

tere mitleidige Individuen bei demselben Wohlthätigkeitsgeschäfl thätig. Einen „von diesen i                        a andern -< 1                          IIa, konnte ihn aber nicht

„rinden. Nun kam keiner wieder zu diesem unfruchtbaren Werte'.

8 Ich i                         Newton die folgende Stelle aus Ad am's Travels of a

Naturalist, 1-7". p. 278, Wo ei von Japanesischen Spechtmeisen in der Gefangen- schaft spricht, sagt er: „Anstatt der nachgiebigeren Frucht der Eibe, welche die

nlielie Nahrung der -                       m Japan bildet, gab ich ihr ei.....al harte

.Haseln                         Vogel nicht im Stande war, sie zu knack

„nach der andern in sein W                     fenbar in der !

rden, — ein

7*

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

scharfer Wahrnehmung und Geschmack für das Schöne ganz gut ver- träglich, und mit diesen letzteren Eigenschaften haben wir es -. hier zu thun. Es ist oft gesagt worden, dass Papageien so innig an einander hängen, dass wenn der eine stirbt der andere eine langi hindurch sich grämt. Mr. Jknnbb Weib glaubt aber, dass in Bezug auf die meisten Vögel die Stärke ihrer Zuneigung' bedeutend über- trieben worden ist. X                 Bniger hat man gehört, dass wenn

»on einem Paare im Zustande der Freiheit geschossen worden ist, der Ueberlebende tagelang- nachher noch einen kl                 n aus-

gestosseu hat. und Mr. St. John theilt verschiedene Thatsachen mit "', welche die Anhänglichkeit gepaarter Vögel an einander beweisen. i erzählt11, dass in China eine Mandarin-Ente, nachdem ihr wunderschöner Enterich gestohlen worden war, ganz untröstlich blieb,

in ihr andere Enteriche, die alle ihre Reize vor ihr entfalteten, eifrig den Hof machten. Nach Verlauf von drei Wochen wurde der gestohlene Enterich wieder gefunden, und sofort erkannte sich das Paar mit ungeheurer Freude wieder. Andererseits haben wir gesehen,

Staare dreimal im Verlaufe eines und desselben Tages über den Verlust ihres Gatten getröstet werden können. Tauben haben ein so ausgezeichnetes Ortsgedächtniss, dass Bie, wie man in Erfahrung gebracht hat, zu ihren früheren Heimstätten nach einem Verlauf neun Monaten wieder zurückgekehrt sind; und doch höre ich von Mr. Bäkrison Wi.ii.'. dass, wenn ein Pärchen, welches seiner Natur nach zeitlebens verbunden geblieben sein würde, wahrend des Winters für Wochen getrennt und mit anderen Vögeln gepaart wird, die Beiden, wenn sie wieder zusammengebracht werden, Belten, wenn über- haupt je, sich einander wiedererkennen.

Vögel zeigen zuweilen wohlwollende Gefühle; sie füttern d lassenen .Im.                  verschiedener Arten. Dies könnte man aber

vielleicht für einen Misgriff ihres Instincts halten. Sie Rittern auch, wie in einem früheren Theile dieses Buch                wurde, erwael

Vögel ihrer eigenen Species, welche blind geworden sind. Vir. Büxton

ine merkwürdige Schilderung eine- Papag                        e Sorge

10 A Tour in 8ntherland8hire, Vol. I- 1849, p. 185. Im-. Baller erzähl) ad, 1872, p. 56), „dass einst ein männlicher Königs-Lory Weihchen härmte and .sehnte sieh, rem                  Nahrung

„und starh an gebrochenem II

:1 Wanderings in New South Wale-, Vol. II, 1884, p. 62.

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Cap. 14.

Geistige Eigenschaften.

101

um einen vom Prost getroffenen und verkrüppelten Vogel einer ver- schiedenen Species auf sieh nahm, seine Federn reinigte und ihn gegen die Angriffe der anderen Papageien vertheidigte, welche zahlreich in seinem Garten herumschwärmten. Es ist eine noch merkwürdigere dass diese Vögel, wie es scheint, e                  Sympathie

mit den Freuden ihrer Genossen empfinden. Als ein Paar Cacadu Nest in einen Akazienbaum hauten, „war es förmlich lacherlich, das ivagante Interesse zu beobachl                   die anderen Individuen

ilben Species an diesem Geschäfte nahmen-'. Diese Papageien zeigten auch eine unbändige Neugier und hatten offenbar ..die Idee „von Eigenthum und Besitz" '-. Sie haben auch ein gutes Gedächt- niss; denn im zoologischen Garten haben sie ganz deutlich ihre frühem Herren nach Verlauf mehrerer Monate wiedererkannt.

Vögel besitz                                cbtungsgabe. Ein jeder gepaarte

Vogel erkennt natürlich seinen Genossen. Audubon führt an. dass von den Spottdrosseln der Vereinigten Staaten (Mimus polyglottus) eine gewisse Zahl .las ganze Jahr hindurch in Louisiana bleibt, wäh- rend 'li'' andern nach den östlichen Staaten auswandern. Diese Letzteren werden hei ihrer Rückkehr sofort wider erkannt und stets von ihren südlichen Brüdern angegriffen. Vögel in der Gefangenschaft erkennen verschiedene Personen, wie durch die starke und dauernde Antipathie oder Zuneigung, welche sie ohne irgend eine scheinbare Ursache gegen -< Individuen zeigen, bewiesen wird, leh habe von zahlreichen Beispielen hierfür l"'i Eichelhähern, Rebhühnern, Canarienvögeln und ganz besonders hei Gimpeln gehört. -Mr. Hisskv hat beschrieben, in welcher ausserordentlicher Weise ein gezähmtes Rebhuhn Jedermann erkannte: und -eine Zu- und Abneigung war sehr stark. Dieser schien „lebhafte Farben sehr gern zu haben und man konnte kein „neues Kleid anziehen und keinen neuen Hut aufsetzen, ohne seine „Aufmerksamkeit zu fesseln' '*. Mr. Hkwitt hat die Lebens einiger Enten (directe Nachkommen mich wilder Vögel) sorgfältig be- schrieben, welche bei der Annäherung eines fremden Hundes oder einer Katze sich kopfüber in's Wasser stürzten und sich in Versuchen zu entfliehen erschöpften. Sie kannten aber -Mr. Hkwitts eigene Hunde und Katzen so gut. dass sie sich dicht bei ihnen niederlegten und in

12 C. Buston. Acelimatization of Parrots, in: Annais and Magaz. of Natur. Bist., Nov. 1868. p. 381.

" The Zoologist, 1847—1848, p. 1602.

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102

lechtliche Zuchtwahl: Vögel

II. Theü.

nne wärmto                          :h immer vor einem fremden Men-

schen zurück and thaten dasselbe anch vor der Dame,

ifl sie irgend eine bedeutende Veränderung in ihrem An- züge vorgenommen hatte. Ai di bon bei                  - er einen wilden Truthahn aufzog und zähmte, welcher vor jedem fremden Hundi riss. »el entfloh in die Wälder; einige Tage später sah Aüdübon, wie er glaubte, einen wilden Truthahn und Hess seinen Hund ihn jagen. Aber zu seinem Erstaunen lief der Vogts] nicht weg und als der Hund an ihn herankam, griff er den Vogel nicht an, Bondern Bie erkannten sich beide als alt.' Freunde wieder ".

Mr. Jenneb Weib ist überzeugt, das                n Farben anderer

besondere Aufmerksamkeit zuwenden, zuweilen aus Eifersucht und zuweilen als Zeichen von Verwandtschaft. So that er einen Rohr- sperling (Em                oenidus), welcher seinen schwarzen Kopf be- kommen batl                le \.>li'T". und der neu.' Ankömmling wurde von keinem Vogel weiter beachtet, ausgenommen von ein welcher gleichfalls einen schwarzen Kopf hat. Dieser Gimpel war .'in sehr ruhiger Vogel und hatte sich noch nie zuvor mit einem seiner Kameraden gezankt, mit Einschluss eines andern Bohrsperlings, wel- aber seinen schwarzen Kopf noch nicht erhalten hatte. Aber der Bohrsperling mit dem schwarzen Kopfe wurde so unbarmherzig behand r wieder entfernt werden musste. Spiza cyanea ist wahrend der Paarungszeit von hellblauer Farbe; trotzdem der gewöhnlich friedfertig ist, griff er doch eine S. eins, welche nur einen blauen Kopf hat. heftig an und scalpirte den unglücklichen Vogel vollständig. Mr. Weib war auch gezwungen, ein Bothkehlchen zu entfernen, da es alle Vögel, die nur irgend etwas Roth in ihrem Ge- fieder hatten, aber keine andern Arten, wüthend angriff. Es I

-. ii einen rothbrüstigen Kreuzschnabel und tödtete beinahe einen itz. Auf der andern Seite hat er beobachtet, dass einig'1 als sie zuerst in seine Voliere gebracht wurden, nach den Arten hin- flogen, welche ihnen am meisten in der Farbe glichen, und sich ruhig an ihrer Seite niederliessen.

Da männliche Vögel mit so viel Sorgfalt ihr schönes Gefieder und andere Zierathen vor den Weibchen entfalten,                   ffenbar

" Hewitt, aber wilde Enten, in: Journal of Horticnlture, Jan. 18, lSti'3. p. 39. Audubon. über den wilden Truthahn, in: Ornitholeg. Biography. Vol. I. p. 14. über die Spottdrossel, ebenda. Vol. I. p. 110.

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. Cap. M.

Geschmack fül

103

wahrscheinlich, dass di              3 nönheit ihrer Liebhaber würdigen,

schwierig, di                ge ihrer Fähigkeit, Schönheil

zu würdigen, zu erlangen. Wenn Vögel sich selbst in einem - anstarren, wofür viele Beweise angeführt worden sind, so sind wir nicht sicher, ob es nicht ans Eifersucht gegen einen vermeintlichen nbuhler geschieht, obschon einige Beobachter dies nicht daraus folgern. In andern Fällen i-t es schwierig, zwischen blosser Neugierde und Bewunderung zu unterscheiden. Es i-i vielleicht das erstere Ge- fühl, welches, wie Lord Lilfokd anführt ''. den Kampfläufer so mäch- tig zu jedem hellen Gegenstande hinzieht, so dass er auf den joni- schen Inseln „auf ein hell gefärbtes Taschentuch herabfährt, ohne „Bücksicht auf wiederholt abgefeuerte Schüsse". Die gen wird aus den Lüften herabgezogen und in grosser Anzahl gi I durch einen klein                   ien man in der Sonne bewegt und glitzern

lässt. 1-' es Bewunderung oder Neugierde, was die Elster, den Raben und einige andere Vögel veranlasst, glänzende Gegenstände, wie Sil— g "der -Juwelen, zu stehlen und zu verbergen?

Mr. Goutn führt an, di                  Colibri's die Aussenseite ihrer

„mit dem äussersten Geschmacke verzieren. Sie befestigen in- „stinctiv schöne stücke Bacher Flechten daran, die grösseren Stücke „in der Mitte und die kleineren an dem mit dem Zweige verbundenen „Theile. Hier und da wird eine hübsche Feder hineingeschoben oder „an die äusseren Seiten befestigt, wobei der Schaft immer so gestellt „wird, da-s die Feder frei von der Oberfläche hervorragt". Den besten für einen Geschmack für das Schöne bieten die drei Gattungen der bereits erwähnten australischen Laubenvögel dar. Ihre Lauben (s. Fig. 46, S. 63), wo sich die Geschlechter vereinen und ihre fremdartigen                   ausführen, werden verschieden gebaut;

was uns alier hier am meisten angeht, ist. dass dieselben von den

-denen Speciea in einer abweichenden Art und Weise vi werden. Der Atlasvogel sammelt munter gefärbte Gegenstände, solche wie die blauen Schwanzfedern von Papageien, gebleichte Knochen und Muschelschalen, welche er zwischen die Zweige steckt oder an dem Hingänge in die Laube anordnet. Mr. GoüLD fand in der einen Laube einen sehr nett gearbeiteten steinernen Tomahawk und ein Stückchen blauen Cattuns, den sich die Vögel offenbar aus einem Lager der Ein-

15 The Ibis. Vol. II. 1860. p. 844.

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104

echtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

ifft hatten. Diese Gegenstände werden beständig an- ders angeordnet und von den Vögeln in ihrem Spiele umhergeschleppt.

fleckten Laubenvogels ..wird schön mit langen „halmen ausgefüttert, welche so angeordnet werden, dass die Spitzen „sich nahezu treffen, und die Verzierungen sind ausserordentlich reich". Hunde -               den dazu benutzt, die G                 an ihrem gehöri-

gen Orte zu lialtcn und verschiedene zu der Laube hinleitende Pfade zu bilden. Die Steine und Muscheln werden ofl aus einer sehr g Entfernung herbeigebracht. Der Prinzenvogel verziert nach der Be- schreibung des -Mr. Kam-ay seinen kurzen Laubengang mit gebleichten Landmuscheln, welche zu fünf oder sechs Species gehören, und „mit „Beeren verschiedener Farben, Blau, Roth und Schwarz, welcl .Laube, wenn sie frisch sind, ein sehr nettes Aussehen geben. A

. fanden sich mehrere frisch abgepflückte Blätter und junge von einer rosa Färbung daran, >.. dass das Ganze /\wi\

hiedenen Geschmack für <\,\< Schöne bekundete. Mr. Gould dürfte mit vollem Rechte sagen, dass .dies.» in hohem Grade verzierten Ver- „sammlungshallen als die wunderbarsten Beispiele von Vogelarchitec- ,tur betrachtet werden müssen, die bis jetzt entdeckt sind": und wie wir sehen, ist der Geschmack der verschiedenen Spei den l6.

Mir Weibchen ziehen besondere Männchen vor. — Nach- dem ich diese vorläufigen Bemerkungen über

mögen und den Geschmack der Vögel gemacht habe, will ich nun alle die mir bekannten Thatsachen mittheilen, welche sich auf den Vorzug beziehen, welchen nachweisbar das Weibchen bestimmten Männchen gibt. Es ist sicher, dass sich im Naturzustande gelegentlich verschie- dene Species von Vögeln paaren und Bastarde erzeugen. Hierfür Hessen sich viele Beispiele anführen. So erzählt Macgiluvbat, wie eine mann- liehe Amsel und eine weibliche Drossel „sich in einander verliebten" und Nachkommen erzeugten17. Bis vor mehreren Jahren winden acht- zehn Fälle beschrieben, in denen in Grossbritannien Bastarde zwischen dem Birkhuhn und dem Fasan vorgekommen waren18. Aber die mei-

' Dehei die verzierten Nester der Colibri's s. Gould. Introduetion to the Trochilidae. 1861, p. 19. lieber die I.aubenyögel: Gould, Handbook to the Birds ralia. 1865. Vol. I, p. 444—461. Mr. Ramsay in: The Ibis. 1867, p. 456. " History of British Birds. Vol. II. p. 92. '" The Zoologist. 1853-54, p. 3946.

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Cup. 11.

Vorliebe der Weibchen.

1".-,

3ten dieser Fälle lassen sich vielleicht dadurch erklären, dass einzeln- lebende Vögel keinen Genossen ihrer eigenen Art rinden, um sich mit ihm zu paaren. Bei andern Vögeln glaubt .Mr. Jenneb Weib Grund zu der Vermuthung zu haben, dass Bastarde zuweilen das Resultal eines gelegentlichen Verkehrs von Vögeln sind, welche in dichter Nach- barschaft bauen. Aber diese Bemerkungen lassen sich nicht auf die vielen angeführten Beispiele von gezähmten oder domesticirten \ anwenden, welche, trotzdem sie zu verschiedenen Species gehörten und mit Individuen ihrer eigenen Species lebten, absolut vernarrt in ein- ander waren. So erzählt Waterton19, dass aus einer Heerde von dreiundzwanzig Canada-Gänsen sich ein Weibchen mit einem einzeln

II Bernikel-Gänserich paarte, trotzdem dieser in der aus Erscheinung und der Grösse so verschieden ist, und sie brachten wirk- lich hybride Nachkommen hervor. .Man hat die Erfahrung gemacht,

ine männlicl                                   ndope), welche mit Weibchen

ihrer eigenen Species lebte, sich mit einer Spiessente (Querquedula

i paarte. Lloyd beschreibt die merkwürdige Anhänglichkeit zwi- schen einer männlichen Brandente (Vulpanser tadorna) und einer ge- meinen Ente. Viele weitere Beispiele könnten hier noch angeführt werden. Mr. E. S. Dixos bemerkt, dass „diejenigen, welche viele cies zusammengehalten haben, sehr wohl wissen,

:he unerklärliche Verbindungen dieselben häufig eingehen und „dass sie völlig ebenso gern sich mit Individuen einer Rasse ode

paaren und Junge erziehen, welche ihrer eigenen so fremdartig ..als möglich ist. als mit ihrer eigenen Stammform".

Mr. W. D. Fox fcheilt mir mit, dass er einmal gleichzei Paar chinesischer Gänse (Anser cygnoides) und einen gemeinen Gänse- rich mit drei Gänsen besass. Die beiden Gruppen lebten völlig

trennt von einander. Ins der chinesische Gänserich ei.....ler gemeinen

verführte, mit ihm zu leben. Ausserdem waren von den uns den Eiern der gemeinen Gänse ausgebrüteten Jungen nur vier reinen Blu- tes. Die andern achtzehn erwiesen sich als Bastarde, so dass der

" Wal                   -ys on Natural History. 2. Series, p. 42. 117. Was die

den Angaben betrifft, so ist zu vergleichen: über die Pfeifente, I. oudon's Magaz. of Natur. Hist. Vol. XI, p. 616. L. Lloyd, Scandinavian Adventures. Vol. I. 1854, p. 452. Dixon, Ornamental and Domestic Poultry, p. 137. II.- witt, in: Journal of Horticulture. Jan. 13., 1863, p. 40. Bechstein, 8t vögel. 1840, S. 230. Mr. J. Jenncr Weir hat mir neuerdings einen analogen Fall von Enten zweier verschiedener Arten mitgetheilt.

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L06

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

chinesi                 rieh ganz überwiegende Reize verglichen mit dem

h gehabt zu haben scheint. Ich will hier nur noch

einen andern Fall anführen. Mr. Hewitt fuhrt an, dass eine in der

jene Wildente, „nachdem sie ein Paar „mit ihrem eigenen Enterich gebrütet hatte, sich auf einn „entledigte, nachdem Mr. Hewitt eine männl                  inte auf das

„Wasser gebracht hatte. Es war offenbar ein Fall von Verliebtwerden „auf den ersten Blick. Denn das Weibchen schwamm um den An- kömmling liebkosend herum, trotzdem dieser offenbar beunruhigt und ,, von ihren Liebeseröffnungen unangenehm berührt schien. Von dieser „Stunde an vergass das Weibchen seinen alten Genossen. Der Winter „zog vorüber und im nächsten Frühjahr schiei „Schmeicheleien des Weibchei                                                   i inn sie

iten zusammen und brachten sieben oder acht                    >r".

Was in diesen verschiedenen Fällen den Zauber gebildet haben mag, ausser dem Reize der Neuheit, können wir nicht einmal ver- muthen. Indess spielt zuweilen die Farbe doch wohl eine um Bas                                                                          i inarienvogel

zu ziehen, ist es der Angabe von Bechstein zufolge am be ein und derselben Färbung zusammenzubringen. Mr. Jenneb Weib brachte einen weiblichen Canarienvogel in seine Voliere, wo sich männ- liche Hänflinge, Stieglil                . Grünfinken, Buchfinken und a Vögel befanden, um zu sehen, welchen von diesen das Weibchen sich erwählen würde. Aber                             nicht einen Augenblick, und der Grünfinke gewann den Pi aarten sich und producirten hybride Nachkommen.

Was die Individuen einer und derselben Species betrifft, so erregt wohl die Thatsache, dass das We                   irzieht, sich lieber mit

dem einen Männchen als mit dem andern zu paaren, nicht so leicht die Aufmerksamkeit, als wenn dies, wie wir so eben gesehen haben, zwischen verschiedenen Species intritt. Fälle der ersten Art können am besten bei domesticirten oder in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln beobachtet werden. Dieselben sind aber oft durch zu reichliches Fut- ter verwöhnt und zuweilen sind ihre Instincte bis zu einem ganz ausserordentlichen Grade verderbt. Von dieser letzteren Thatsache könnte ich hinreichende Belege von Tauben und besonders von Hüh- nern anführen, sie können aber hier nicht einzeln mitgetheilt werden. Verderbte Instincte können auch einige der Bastardverbindungen er-

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Cap. II.

der Weibchen.

L07

klären, welche vorhin erwähnt wurden. Aber in vielen dera Fallen war den V                 ttei worden, sich frei auf grossen T<

zu bewegen, und es liegt kein Grund zur Vermuthung vor, das durch reichliches Futter unnatürlich erregt worden wären.

Was Vögel im Naturzustande betrifft, so ist die erste sich Jeder- mann aufdringende nnd am meisten in die Augen springende Vermu- thung die, dass das Weibchen zur gehörigen Zeit das erste Männchen dem es zufällig begegnet annimmt. Dasselbe hat aber wenig Gelegenheit eine Wahl auszuüben, da es fast unabänderlich von Männchen verfolgt wird. Audebon — und wir müssen uu> erinnern, dass dieser Forscher ein langes Leben hindurch in den Wahlern der Vereinigten Staaten sich herumgetummelt und die                 Dachtet

hat — zweifelt nicht daran, dass das Weibchen sich mit Ueberlegung Hatten wählt. So spricht er von einem Spechte und erzählt, das Weibchen von einem halben Dutzend munterer Liebhaber verfolg! werde, welche beständig fremdartige Geberden ausführen, „bis „dem einen in einer ausgesprochenen Weise der Vorzug gegeben wird". Das Weibchen des rothgeflügelten Staars                                j) wird

gleichfalls von mehreren Männchen verfolgt, „bis dasselbe ermüdet . die Werbungen der Männchi                 inimmi und

„bald darauf eine Wahl trifft". Er beschreibt auch, wie mehrere männliche Ziegenmelker wiederholt mit erstaunlicher Schnei] durch die Luft streifen, sich plötzlich herumdrehen und dabei ein eigentümliches Geräusch hervorbringen. ..Alna- sobald das Weibchen „seine Wahl getroffen hat. werden die andern Männchen fortgetrieben". Bei einer der Geierarten der Vereinigten Staaten (Cathartes versammeln sich Gesellschaften von acht oder zehn oder mehr Männ- chen und Weibchen auf umgestürzten Stammen und „zeigen das stärkste „Verlangen, sich e                 zu gefallen"; und nach vielen Liebkosun-

gen führt jedes der Männchen seine Gattin im Fluge hinweg. Acdu- bon beobachtete auch sorgfältig die wilden Heerden der Canadagänse (dnser canadensis) und gibt eine lebendige Beschreibung ihrer Liebes- geberden. Er sagt, dass die Vögel, welche sich schon früher gepaart hatten, „ihre Bewerbung sehr zeitig und zwar schon im Monat Januar „erneuerten, wahrend die andern jeden Tag sieh stundenlang stritten ..und coquettirten, bis alle sich mit der Wahl, welche sie getroffen „hatten, befriedigt zeigten, wonach, trotzdem sie alle zusammenblieben. „doch Jedermann leicht beobachten konnte, dass sie sehr ängstlich

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108                                   lilechtlichc Znchtwahl: Vögel.                       II. Tlieil.

.waren, sich paarweise znsammenznhalten. Ich habe auch beob

. je älter die Vögel wa                  i irzer die Präliminarien ihrer

(Werbung waren; die Junggesellen und alten Jungfern traten. „ob mit Betrübniss oder in der Absicht von der Unruhe nicht .. .zu werden, ruhig zur Seite und legten sich in einiger Entfernung „von den übrigen nieder" '-". Von demselben Beobai noch viele ähnlich.' Angaben in Bezug auf andere Vögel anführen.

Wenn wir uns nun zu den domesticirten und in G gehaltenen \                         30 will ich damit

mitzutheilen, was ich in Bezug auf die B                der Hühner in Er-

fahrung gebracht habe. Ich habe lange Briefe über vnii den Herren Hkwut und Tegetmetee und beinahe eine handlung von dem verstorbenen Mr. Breni erhalten. Jedermann wird - Herren, welche durch ihre veröffentlichten Werke

hl bekannt sind, sorgfältige und erfahrene Beobachter sin

Männchen wegen der - heit ih                          ziehen; aber man muss den künstlichen Zu-

stand, in welchem sie lange Zeil gehalten wurden sind, ein

hnung bringen. Mr. Tegetmeier ist übei                   ein Kampf-

bahn, trotzdem er durch das Abstumpfen und das Stutzen

entstellt i-                  iht von den Weibchen angenommen

wird als ein Männchen, welches alle seine natürlichen Ornamente noch Mr. Breni ind                 zu, dass die Schönheit des Männ-

chens wahrscheinlich dazu beitragt, dhs Weibchen anzuregen: und die Zustimmung                  hens ist nöthig. Mr. Hkwut ist über

dass die Verbindung durchaus nicht einem blossen Zufalle überl

lenn das Weibchen zieht beinahe ausnahmslos dp.s kräftigste,

5te und zanksüchtigste Männchen vor. Es ist daher, wie er be- merkt, fast nutzlos, „ein reines Züchten zu versuchen, wenn ein Kampf- „hahn in guter Gesundheit und gutem Zustande an demselben Orte „frei umherläuft: denn fast eine jede Henne wird nach dem Verlassen .ihres Ruheplatzes sich dem Kampfhahne nähern, selbst wenn dieser nicht factisch das Männchen von der Varietät des Weibchens „wegtreibt-. Unter gewöhnlichen Umständen scheinen die Männchen und Weibchen des Huhns vermittelst gewisser Geberden zu einem gegenseitigen Einverständnisse zu gelangen, welche mir Mr. Breni

Amlubon.Ornitholog. Biography. Vol. I. p. 191. 310 Vol. II, p. 42, 275. Vol. III, p. 2.

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Cap. 11.

Vorliebe der Weibchen.

109

beschrieben hat. Hennen vermeiden aber häufig die ostensiblen Auf- merksamkeiten jüngerer Männchen. Alte Hennen von einem kampf- ameni haben, wie derselbe Schriftsteller mir mit-

. fremde Männchen nicht gern und geben denselben nicht eher nach, als bis sie gehörig zum Gehorsam geschlagen werden, [nd beschreibt Mr. Ferguson, wie eine kampfsüchtige Henne sofort durch die Bai                  luingen eines Shanghai-Hahnes gezähmt wurde'21.

"Wir halien Grund anzunehmen, dass Tauben beiderlei Geschlechts eine Paarung mit Vögeln derselben Basse vorziehen; und Haustauben hassen alle di'' hochveredelten Rassen22. Mr. Harrison Wkiu hat vor Kurzem von einem glaubwürdigen Beobachter, welcher blaue Tauben hielt, gehört, dass diese alle anders gefärbten Varietäten, wie . rothe und gelbe wegtreHten, und von einem andern Beobachter, dass eine weibliehe graubraune Botentaube nach wiederholten Versuchen nicht mit einem schwarzen .Männchen gepaart werden konnte, aber sieh un- mittelbar darauf mit einem graubraunen paarte. Ferner hatte Mr. mkikk ein weibliche- blaues Mövchen, welches hartnäckig ver- sieh mit zwei Männchen derselben Hasse zu paaren, die hinter einander Wochen lang mit ihm eingeschlossen wurden; als es herausgelassen wurde, hätte es sofort den ersten blauen Botentauber angenommen, der ihm Offerten machte. Da es ein werthvoller Vogel war. wurde es viele Wochen lang mit einem Silbermännchen (d. h. sehr blass blau) eingeschlossen und paarte sich endlich mit ihm. Nichtsdestoweniger scheint im Allgemeinen die Farbe nur wenig Ein- ßuss auf das Paaren der Tauben zu haben. Mr. Tegetmedjr färbte auf meine Bitte einige seiner Vogel mit Magenta-Roth, aber sie wur- den von den übrigen nicht sein- beachtet.

Weibliche Tauben empfinden gelegentlich eine starke Antipathie

gegen gewisse Männchen und zwar ohne irgend eine nachweisbare Ur-

So geben Boitabd und Corbie, i\ri-''\i Erfahrungen sieh über einen

um von fünfundvierzig Jahren erstrecken, an: „Quand une femelle .eprouve de l'antipathie pour tin male avec lequel on veut l'accoupler, „malgre1 tous les fem de l'amour, malgre" I'alpiste et le chenevis dont .on la nourrit pour augmenter son ardeur, malgre* im emprisonne- „nient de six mois et m§me d'un an. eile refuse constamment ses ca-

- Rare and Prize Ponltry. 1854, p. 27.

Variiren der Thiere und Pflanzen im Znstand« der Don: 2. Au;                   119.

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110

htliehe Zuchtwahl:

II. Theil.

,tendr<                 mens, rien ne pent lui plaire, ni l'lmow

„boudeuse, I                an coin de la prison, * 11 - n'en sort que pour

. "ii ponr repouss

Inf der andern Seite b htet nnd von mehreren Zfichl .la-- eine weibliche Tanl                                         Liebhaberei für ein

irea Männchen erhielt und ihren eigenen Gatten verliess. Einige Weibchen sind di c                        mderen erfahrenen

hters, Riedel, zu                                    /liehen Disposition nnd

ziehen                  Fremde Männchen ihrem eigenen Gatten vor. M

verliebte Männchen, welche unsere englischen Züchter .heitere \ nennen, sind in ihren Galanterien ;                 :;. dass sie, wie mir Mr.

n Wkik mittheilt, getrennt gehalten werden c Nachtheils,                           hen.

.richten in den Ven                  aten zuweilen

„wilde Truthähne ihre                 »en an domesticirte Weibchen und

.werde                                                                   jen angenommen*.

Biernach scheint es, als ob d                 ien den wilden Männchen vor

igenen den Vorzug Das 1                  ein noch merkwürdigerer Fall. Sir II. Bekon

hielt viele Jahre hindurch ein Tagebuch über die Gewohnheiten der

izahl züchtete. Kr führt an. dass .die Hennen häufig eine grosse Vorliebe für einen besonderen Pfau- .hahn haben. Sie waren sämmtlich einem alten gefleckten Pfauhahne derselbe in dem einen Jahre eingesperrt wurde, aber .immer noch von Jen w              _ -'hen werden konnte, sich dieselben

ndig dicht um das Lattenwerk seines Gefängnisses versammelten .nnd nicht litten, dass ein schwarzschultriger Pfauhahn sie anrührte.

in wurde. machte ihm die ältesl .den Hennen den Hof und war in ihrer Bewerbung erfolgreich. Im .nächsten Jahre wurde er in einem stalle gehalten und nun coquet-

11 B                                                             1824, p. 12. Prosper Lucas

unliebe Fälle bei Tauix a

" 0                             iphy. Vol. I. p. 18. 9. Bemerkungen in dems

in: Allen, Hammais and Bbds of Florida, |

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Cap. 11.

Vorfiel)'.-

111

„tirten alle die Hennen mit seinem Nebenbuhler" -". Dieser Neben- buhler war ein schwarzschultriger oder lackirter Pfauhahn, welcher für unsere Augen ein schönerer Vogel i-                  wohnliche Act.

Li'iiii.N-niN", welcher ein guter Beobachter war and ausgezeich-

Gelegenbeii zur Beobachl                ip der guten Hoffnung hatte,

versicherte Rüdolphi, dass der weibliche Wittwenvogel (Chera progne) das Männch                 . wenn dasselbe der langen Schwanzfedern be-

raub! wird, mit welchen es während der Paarungszeil verzierl ist; ich

outhen, dass diese Beobachtung an Vögeln im Zusl der Gefangenschaft gemacht sein muss*7. Das Folgende isl ein ana- loges Beispiel: Dr. JSger-8, früher Director des zoologischen Gartens in Wien, führ! an, dass ein männlicher Silberfasan, welcher über die anderen Männchen gesiegt hatte und der angenommene Liebhaber der Weibchen war, sein ornamentales Gefieder verletzt hatte. Er wurde darauf sofort von einem Rivalen verdrängt, welcher die Oberhand er- hielt and später den Trupp anführte.

Es ist eine merkwürdige Thatsache, da sie zeigt, wie bedeutungs- voll die Farbe bei der Werbung der Vögel ist, dass Mr. Boakdman, ein bekannter Sammler und Beobachter von Vögeln seil vielen Jahren in den Qördlichen Vereinigten Staaten, trotz seiner grossen Erfahrung niemals gesehen hat, dass sich ein Albino mit einem andern Vogel gepaart hätte; and doch hat er Gelegenheit gehallt, viele zu ver- schiedenen Species gehörige Albinos zu beobachten29. Es kann kaum behauptet werden, dass Albinos im Naturzustande unfähig sind, sich fortzupflanzen, da sie in der Gefangenschaft mit der grössten Leich- tigkeit gezogen werden können. Es scheint daher, als müsse man die Thatsache, dass sie sich nicht paaren, dem Umstände zuschreiben, von ihren aormal gefärbten Genossen verworfen werden.

Weibliche Vögel üben nicht bloss eine Wahl ans. sondern um- werben in einigen wenigen Fällen das Männchen oder kämpfen

» Proceed. Zoolog. 8                                                        linltrige Pfau wird ron

Mr. Sc! al ei für eine be» n

rjannt ist; die                       scheinen mir aber dafür zu  sprechen, dass es nur eine

Varietät ist.

;: Rndolphi, Beiträge zur Anthropologie. 1812,  S, 1-1.

rin'sche Theorie and ihre Stellung zu Moral und Religion. 1869, -

In- macht A. Leith Adams in   seinen „Field and Forest

Rambles", 1873,                                                        jenen   Erfahrungen überein,

te Work of Charles Darwin Online

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112

entliehe Zuchtwahl i

II. Theil.

um dess                         R. Hebon führt an. dass bei den Pfaui

ersten Annäherung                                  d ausgehen.

Art findet auch Audubon zufolge bei den alt                   en des wil-

den Truthuhns statt. Beim Auerhuhn coquettiren die Weibchen um

onchen herum, während es auf einem der Versammlungsplätze herumstolzirt, und                         Aufmerksamkeit /                      Wir

haben gesehen, dass eine zahme Wildento                                  mwer-

bung einen anfangs unw                          irich verführte. Mr. Bartleti

glaubl.                                                           lere hühner;

in ist: man kann aber nicht zw                 u mit

einem Männchen in einen und denselben Käfig thun,                    heftig

mit einander kämpfen. Das folgende Beispiel von Rivalität ist noch überraschender, da es sich auf Gimpel bezieht, welche sich gewöhn- lich für die i                        paaren. Mr. Jenner Weib brach! dunkel gefärbtes und hässliches Weibchen in seine Voliere und unmit- telbar darauf griff dieses ein anderes, gepaart-- Weibchen so erbar- mungslos an. dass das letztere getrennt werden mnsste. Das hinzugekommene Weibchen verrichtete alle Dienst und war zuletzt erfolgreich, denn es paarte sich mit dem Männchen. Aber nach einer gewissen Zeit erhielt es seinen gerechten Lohn; denn nachdem es aufgehört hatte kampfsüchtig zu sein, wurde das alt'' hen wieder hinzugebracht, und nun verliess das Männchen

ad kehrt'' zu seiner alten Liehe zurück. In allen gewöhnlichen Fällen ist das Männchen so gierig es Weibchen annimmt und. so weit wir es beurtheilen können, nicht das eine einem andern verzieht. Aber Ausnahmen von

kommen, wie wir später sehen werden, allem Anschein in einigen wenigen Gruppen vor. L'nter den doi                     - in habe

ich nur von einem einzigen Falle geliert. in                           nnchen

irgend eine Vorliebe für besondere Weil              »ten, nämlich vom

Haushahn, welcher der hohen Autorität des Mr. Hkwitt zufolge die

n Hennen den älteren vorzieht. Auf der and                  -: Mr.

Hewitt in Folge seiner Erfahrung hei der Ausführung hybrider Ver- bindungen zwischen den männlichen Fasanen und \               Sennen

" In Bezug auf Pfauen 8. Sir K. Heron. in: Procced. Zoolog. Soc,

ud ]:. 8. Dizon, Ornamental Ponltry, 1848, p. 8. Wegen des Truthuhns lubon, a. a. 0. p. I. V,                 Luerhuhns: Lloyd. Game Birds of

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Cap. 11.

Vorliebe der Weibchen.

118

überzeugt, dasa der Fasan ohne Ausnahme die älteren Vögel vorzieht. Er scheint nicht im Mindesten von ihrer Farbe beeinflusst zu werden, ist aber „in seinen Neigungen äusserst launisch" 3I. In Fi Ige irgend einer unerklärbaren Ursache zeigt er die allerentschiedenste Aversion gewisse Sennen, welche keine Sorgfalt <                 des Züchters

überwinden kann. Manche Hennen sind, wie Mr. Etewrn mir mit- theilt, völlig ohne irgendwelche Anziehung selbst für Männchen ihrer eigenen Species, so dass sie mit mehreren Hähnen ein ganzes Jahr hindurch gehalten werden können, und nicht ein Ei unter vierzig oder fünfzig erweist sieh als fruchtbar. Auf der anderen Seite ist bei der langschwänzigen Bisente (Harelda glacialis), wie Ek              . . „be-

„obacbtet worden, dass gewisse Weibchen mehr umworben werd „die übrigen. In der Thal sieht man häufig ein [ndividuum von sechs „oder acht verliebten Männchen umgeben". Ob diese Angabe glaub- haft ist, weiss ich nicht. Aber die Jäger des Landi                a diese Weibchen, um sie als Lockvögel auszustopfen32.

In Bezug auf den Umstand, dass weibl Vorliebe für gewisse Männchen fühlen, müssen wir im Ae dass wir darüber, ob eine Wahl ausgeübt wird, mir nach Ai urtheilen können. Wenn ein Bewohner eines anderen Planeten eine Anzahl junger Landleute auf einem Jahn

einem hübschen Mädchen schön thäten und sieh um                  nkten,

wie Vögel auf einem ihrer Versammlungsplätze, so Eifer d                 r, ihm zu gefallen und ihren :               ihm zu ent-

falten, den Schiusa ziehen, dass das Mädchen das Vermögen der Wahl habe. Nun liegt bei den Vögeln der Beweisappara haben schar!                  fcungsvermögen und scheinen ein

oack für das Schöne sowohl in Bezug auf die Farbe als auf Tone zu besitzen. Es ist sicher, dass Weibchen gelegentlich aus un- bekannt                 n die stärkste Antipathie und stärkste Vorfiel gewisse Männchen zeigen. Wenn die Geschlechter in der Farbe und gewissen Verzierungen von einander abweichen, so sind mit seltenen Ausnahmen die Männchen die am meisten verzierten, und zwar ent- weder für immer oder nur ,                 ährend der Z                arung. In der Gegenwart der Weibchen entfalten iedenen

" Mr. Hewitt, citirl in I                    l'mltry Book. 1866, p. 165.

rt in [.luve'                         of Sweden, p. 345.

1>a:...                                                                                                                                                        8

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114

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Zierathen, strengen ihre Stimme an und führen fremdartig

Männchen, von denen man hätte glauben ml' auf ihren Erfolg nur von dem i Kamp:                  a, sind in den meisten Fällen im hohen Grade rer-

ziert, and ihre Zii                                   a eines gewissen Betn -

Kraft erlangt worden. In anderen Fällen sind Zierathen um den Preis einer \                 o Gefahr vor Raubtbieren oder K.

jchiedenen .-                   m.....In sich viele Individuen

hlechter an demselben Orte und ihre Brautwerbni eine sich i                 i»e ziehende Angelegenheit. Wir haben selbst

Grund zu vermuthen, dass die Weibchen und Männchen innerhalb eines und desselben Districts nicht immer den Erfolg haben, einander zu gefallen und sich zu paaren

Welche Folgerung haben wir denn nun ans diesen Thatsachen und Betrachtungen zu ziehen? Entwickelt das Männchen seine Reize viel Pracht und Eifersucht zu gar keinem Zwecke? Sind wir nicht berechtigt anzunehmen, dass das Weibchen eine Wahl ausübt und dass dasselbe die Liebeserklärungen desjenigen Männehe] nimmt, welches ihm am meisten gefällt? Es ist nicht wahrscheinlich, eibchen die Sache lange mil                 in überlegt;

e? wird aber v.....lern schönsten "der dem melodischsten oder dem

tapfersten Männchen am meis                                          . Mau darf

dabei nicht vermuthen, dass das Weibchen jeden Streifen oder

iiit. da-s z. B. die Pfauhenne jedes Detail in dem prachtvollen Behänge <] Pfauhahns bewundert: es wird wahrschein- lich nur dur                remeine Wirkung frappirt. Wenn wir aber ge- hört i                          Itig der männliche Argus-Fasan seine eleganten Schwungfedern erster Ordnung entfaltet und seine mit Augenflecken Schmuckfedern in der richtigen Stellung, um die volle Wirku ubringen, aufrichtet, oder ferner wie der männliche

Qitternden Flügel entfaltet, so dür- ins nicht etwa zu sehr bei der Meinung beruhigen, dass das Weibchen nicht einem jeden Detail eines schönen Gefieders seine Aufmerksamkeit zuwendet. Wir können, wie bereits ii wurde, über eine etwa ausgeübte Wahl nur nach Analogie urtheilen; und die geistigen Fähigkeiten der \                   o nicht fun-

damental von den nnsern ab. Nach diesen verschiedenen Betrachtun- gen künnen wir scnliessen, dass das Paaren der Vögel nicht dem Zu-

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Cap. 1 I.

Variabilil

115

falle fiberlassen ist, sondern di               jen Männchen, welche in Folge

ihrer verschiedenen Reize am besten im Stande sind, den Weibchen zu gefallen oder dieselben zn reizen, unter gewöhnlichen umständen von letzteren angenommen werden. Wenn dies zugegeben wird, so ist es auch nicht schwierig zu verstehen, aufweiche Weise männliche nach und nach ihre ornamentalen Charactere erlangt haben. Alle Thiere bieten individuelle Verschiedenheiten dar, and da der Mensch seine domesticirten Vögel dadurch modificiren kann, dass er die Individuen auswählt, welche ihm am schönsten erscheinen, so wird auch die gewöhnlich oder selbst nur gelegentlich eintretende Vorliebe des Weibchens für die anziehenderen Männchen beinahe mit Sicherheit zn der Modifikation der Männchen führen; und derartige Modifikationen können dann im Verlaufe der Zeil beinahe in jeder Ausdehnung ver- mehrt werden, so lange sie nur mit der Existenz der Species ver- träglich sind.

Variabilität der Vögel und besonders ihrer secundären Sexualcharactere. — Variabilität und Vererbung sind die Grund- lagen für die Wirksamkeit der Zuchtwahl. Dass domesticirte

tend variirt und dass ihre Abänderungen sich vererb! haben, ist sicher. Dass ferner Vögel im Naturzustände zur Bildung distincter Rassen modificirt worden sind, wird jetzt allgemein zugegeben33. Die Abänderungen können in zwei Ciassen eingetheilt werden: in solche, welche uns in unsrer Dnwissenheil spontan aufzutreten scheinen, und in

. welche direcl zu den umgebenden Bedingungen in Bezug stehen,

so dass all.....ler beinahe alle Individuen einer und der nämlichen

Species in ähnlicher Weise modificirt werden. Falle der letztern Art sind neuerdings sorgfältig von Mr. J. A Allen beobachtet worden3*,

Nach Dr. Blasius (The Ibis, Vol. II. 1800, p. 297) gibt ea 425 unzwei- felhafte Species von Vögeln, «reiche in Europa brüten, ausser                        welche

d letzteren mein! Dr. Bla- sius. d                          wirklich zweifelhaft sind und dass die übrigen fünfzig mit

ihren nächsten Verwai                                            Uten: dies zeigt aber, dass bei

einigen unserer europäischen Vögel ein beträchtlicher Grad von Abänderung be- stehen muss. Es ist auch                                         '                             .-h nicht fest-

mehrere nordameric                       ' als von den europäischen

Arten                         bieden clkssificirl werden müssen. Ferner werden vi.de nord-

vor Kurzem noch als distinete 8 führt wurden, jetzt für locale                        sehen.

Mammals and oaisance of Kansas- etc. Trotz                         . des Climas auf die Farben der

8*

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116                                          lilechtliche Zuchtwahl: Vögel.                          II. Xheü.

welcher zeigt, dass in den Vereinigten Staaten viele Species von Vö- geln, je weiter nach Süden sie leben, um so stärker, und je weiter nach Westen, nach den dürren Ebenen des Innern bin sie leben, um so heller gefärbt sind. Allgemein scheinen beide Geschlechter i gleichen Art und Weise afficirt zu werden, zuweilen aber ein Geschlecht mehr als das andere. Dies Resultat i-t mit der Annahme nicht un-

jjlich, dass die Färbungen der Vögel hauptsächlich Fol] Anhäufung successiver Abänderungen durch geschlechtliche Zuchtwahl sind; denn selbst wenn beide Geschlechter sehr verschieden von ein- ander geworden sind, kann das Clima eine gleiche Wirkung auf beide ausüben oder, in Folge irgend einer «institutionellen Verschiedenheit, auf das eine Geschlecht eine grössere Wirkung als auf das andere.

Jedermann gibt zu, dass individuelle Verschiedenheiten zwischen den Gliedern einer und der nämlicl                   im Naturzustande vor-

kommen. Plötzliche und stark markirte Abänderungen sind auch ist es zweifelhaft, <>b sie, wenn sie wohlthätig sind, durch Zucht- wahl häufig erhalten und a                                   n überliefert wer- den ;\                                                                              in, die weni-

inahe aller Ar- ten zu erklärei                                                                                                       In unter

ml. allem Ans in: Americai

zweifeln

erklärt weilten kann; 'leim                                                                        im BChon mir

grünem I

sind viel; brillant and an                                                                                 ilen ge-

dacht, oh nicht die

genannt                                                                                                                    bewoh-

mnte. ; Arten. 5. Aufl. S. 104. Uli hat in.l scharf markirte StrncturaDweichungen, welche M genannt zu werden verdienen, nur selten durch nal                       'wähl erhalten

werden können and dass die Erhi I

in einer gewissen Ausdehnung yom Zufall                       [ch hatte auch rollb

:- individuell

zu be- tonen, welche eine i                                                                                 ten [ndividnen jeder B sse zu modifici-

in .The North British hV 1S67, p. 289 und flg                                                                                 zen für

mich gewesen ist, ah irgend ein anden Kritik. sah ich nicht,

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Cap. 11.

Variabilität di

117

ich zu sammeln im Stande gewesen bin und welche sich hauptsächlich auf Farbe bezieben, jedoch mit Auschluss d fachen Albinismus und Melanismus. hier mitzutheilen. Mr. Gould gibt bekanntlich das Vorhandensein von Varietäten nur selten zu; denn er hält selbst unbedeutende Verschiedenheiten für spei Doch führt er an36, dass in der Nähe von Bogota gewisse Colibri's, welche zu der Gattung Cynanthus gehören, in zwei oder drei : oder Varietäten sich schieden, welche von einander in der Färbung des Schwanzes abwichen: „Bei einigen sind sämmtliche Federn blau, ,. während bei anderen die acht centralen Federn mit einem schönen „Grün an der Spitze gefleckt sind". Wie es scheint, sind in diesem und in den folgenden Fällen intermediäre Abstufungen nicht beobach- tet worden. Nur bei deS Männchen eines australischen Papageien sind „die Oberschenkel bei manchen Bcharlachroth, bei andern gras- „grün". Bei einem andern Papagei desselben Landes haben „einige ..Individuen das quer über die Flügeldeckfedern sich ziehende Band ilb, während bei anderen derselbe Theil mit Roth gefärbt ist" 37. In den Vereinigten Staaten haben einige wenige Männchen des schar- lachenen Tanager (Tanagra rubra) „eine schöne Querbinde von Feuer- „roth auf den kleineren Flügeldeckfederi                   scheint aber diese

Abänderung etwas selten zu sein, so dass ihre Erhaltung durcl schlechtliche Zuchtwahl nur unter ungewöhnlich günstigen Umständen erfolgen würde. In Bengalen hal der Honigbussard (Pernis cristatus) entweder einen kleinen rudimentäi                 stutz auf seinem Kopfe

oder durchaus keinen. Es würde indessen eine so unbedeutende Ver- schiedenheit kaum werth gewesen sein erwähnt zu werden, besässe nicht diese Qämlicl                    im südlichen Indien „einen gut ent-

wickelten Occipitalkamm, welcher aus mehreren abgestuften Federn „gebildet wird" 39.

Der folgende Fall ist in manchen Hinsichten noch interessanter. refleckte Varietät des Raben, bei welcher der Kopf,

Wahrscheinlichkeit gegen die Erhaltung von Abänderungen ist, welche, mögen sie nun schwach oder stark ausgesprochen sein, nur in einzelnen Individuen

36 Introduction to the Trochilidae, p. 102.

" G Id, Handbook to the Birds of australia. Vol. II. p. 32 und 68. » Audubon, Ornithological Biography, 1838. Vol. IV. p, 389. 59 Jerdon, Birds of [ndia. Vol. I, p. 108; und Mr. Blyth, in: Land and Water, 1868, p. 881.

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118

Geschlechtliche Zuchtwahl:

das Abdomen und Theile der Flügel und der Schwanzfedern

ist auf die Färöer beschränkt. Sie ist dort nicht sehr selten, denn

Graba sah während seines Besuches acht bis zehn lebende Exemplare.

m die Charactere dieser Parietal nicht völlig constant sii ist dieselbe doch von mehreren hervorragenden Ornithologen als eine verschiedene Species aufgeführt und benannt worden. Die Tim;

.: den andern Raben der Inseln mit viel rfolgt nnd angegriffen werden, war die hauptsächlichste Veranlassung, welche Brünnich zu dem Schlüsse leitete, dass sie specific                                                                     - jetzt, dass dies ein

lrrthum ist4". Dieser Fall scheint dem vor Kurzem angeführten analog zu sein, dass Albino-Vögel sich nicht paaren, weil sie von ihren Genossen zurückgewiesen wei

In verschiedenen Theilen der nördlichen Meere wird eine merk- würdige Varietät der gemeinen Lnmme (Uria trotte) gefunden, und auf den Färöern gehört unter je fünf Vögeln nach Graba's Schätzung einer dieser Varietät an. Dieselbe wird durch einen rein weissen Ring rund um das Auge, mit einer gebogenen scHtnalen anderthalb Zoll I

Iche sieh von dem King'' aus nach hinten erstreckt, characterisirt4I. Dieser auffallende Character ist die Veranlassui

von mehreren Ornithologen für eine besondere alten wurde, welche den Namen Uria lacrymans erhielt. Man weiss aber jetzt, dass es bloss eine Van                               rl sich

oft mit der gemeinen Art, doch sind intermediäre Üebergangsformen noch nie gesehen werden: auch ist dies nicht überraschend, denn Ab- änderungen, welche plötzlich erseheinen, werden, wie ich an einem anderen Orte gezeigt habe42, entweder unverändert oder gar nicht überliefert. Wir sehen hieraus, dass zwei verschiedene Formen einer und der nämlichen Species an derselben Oertlichkeit zusammen existiren können, und wir dürfen nicht zweifeln, dass wenn die eine i bedeutenden Vortheil über die andere besessen hätte, sie sich Ins zur Unterdrückung der Letzteren vervielfältigt haben würde. Wenn /. B. die männlichen gefleckten Raben statt verfolgt und von ihren I raden fortgetrieben zu werden, in ähnlicher Weise wie der früher

*" Graba, Tagebuch einer Reise nach Pärö. 18!                         Macgilli-

vr.iy, History of British Birds. Vol. III, p. 745. Ibis, VoL V. 1863, p. *' Graba, a. a. 0. S. öl. Macgillivray, a. a. 0. Vol. V, p. " Das Variiren der Tlü.ro and Pflanzen im Zustande '1er D

2. Aufl. Bd. 2, S. i

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Cap. M.

Variabilität der Vögel.

119

erwähnte gefleckte Pfauhahn eine bedeutende Anziehungskraft auf ge- wöhnliche schwarze Raben-Weibchen geäussert hätten, so würde sich ihre Zahl mit Schnelligkeit vermehrt haben und dies würde ein Fall von geschlechtlicher Zuchtwahl gewesen sein.

In Bezug auf unbedeutende individuelle Verschiedenheiten, welche iu einem grösseren oder geringeren Grade allen Gliedern einer und der nämlichen Species gemein sind, haben wir allen Grund zu glauben, dass sie. was die Wirksamkeit der Zuchtwahl betrifft, die bei weitem wichtigste Kelle spielen. Secundäre Sexualcharactere sind einer Ab- änderung ausserordentlich unterworfen, sowohl bei Thieren im Natur- zustande als bei solchen im Zustande der Domestication43. Wie wir in unserem achten Capitel gesehen haben, ist auch Grund vorhanden anzunehmen, dass Abänderungen mehr im männlichen als im weib- lichen Geschlechte aufzutreten geneigt sind. Alle diese Zufälligkeiten in Verbindung sind für geschlechtliche Zuchtwahl äusserst gül Ob in dieser Weise erlangte Charactere auf ein Geschlecht oder auf beide Geschlechter überliefert werden, hängt, wie ich in dem folgen- den Capite] zu zeigen hoffe, in den meisten Fällen ausschliesslich von der Form der Vererbung ab, welche bei der in Rede stehend" n Gruppe vorherrs

äl zuweilen schwierig, sich darüber eine Meinung zu bilden, ob gewisse unbedeutende Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern bei den Vögeln einlach das Resultat einer Variabilität mit geschlecht- lich beschränkter Vererbung ohne die Hülfe geschlechtlicher Zuchtwahl, oder ob sie durch diesen letzteren Process gehäuft worden sind. Ich beziehe mich hier nicht auf die zahllosen Beispiele, in denen das Männ- ehen prachtvolle Farben oder andere Verzierungen entfaltet, an wel- chen das Weibchen nur in einem unbedeutenden Grade Iheäl hat; denn diese Fälle sind beinahe sicher eine Folge davon, dass ursprüng- lich von dem Männchen erlangte Merkmale in einem grösseren oder Grade auch aufs Weibchen vererbt worden sind. Was haben wir nun aber aus Bolchen Fällen zu schliessen, in welchen, wie d Vögeln, /.. B. die Augen der beiden Geschlechter unbe- deutend in der Farbe von einander abweichen?44 In manchen Fällen

" l                  Punkte s. auch das Variiieo der Thiere und I'flanzen im Zu-

stande der Domestication. 2. Aull. Tsd. 1. S. 281; Bd. 2, S. 84, 86.

" B. l. B. über die Iris einer Podica und eines GalUcrex in: ,The [bis. Vol. II. 1S60, p. 206, und Vul. V. 1863, p. 426.

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120

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

sind die Augen auffallend verschieden. So sind unter den Sti in der Gattung Xenorhynchus die des Männchens schwärzlich nuss- braun, während die der Weibchen bräunlichgelb sind. Bei vielen Horn- vögeln (Buceros) haben, wie ich von Mr. Blytb hör«                    nnchen

intensiv carmoisinrothe und die Weibchen weisse Augen. Bei J:

k i-t der hintere Band des Helms und ein Streifen auf drin Schnabelkamm beim Männchen schwarz, aber nicht so beim Weibchen. Haben wir anzunehmen, dass diese schwarzen Zeichnungen und die carmoisinrothe Farbe der Augen bei den Männchen durch geschlecht- liche Zuchtwahl erhalten oder verstärkt worden sind? Dies ist sehr zweifelhaft; denn Mr. Babtlett zeigte mir im zoologischen Garten, ie innere Seite des Mundes dieses Buceros beim Männchen schwarz und beim Weibchen fleischfarbig ist, und ihre aus                  einung

oder Schönheit wird hierdurch gar nicht berührt, [ch beobachi Chile4", dass die Iris beim Condor, wenn er ungefähr ein Jahr alt ist, dunkelbraun ist, dass sie sich aber im Alter der Reife beim Männ- chen in Gelblichbraun und beim Weibchen in Hellroth verändert. Auch hat das Männchen einen kleinen longitndinalen, bleifarbigen, fleischi- gen Kamm. Bei vielen hühnerartigen Vögeln ist der Kamm eine bedeutende Verzierung und nimmt während di                    r Brautwer-

bung lebendige Farben an. Was sollen wir aber von dem trüb ge- färbten Kamme beim Condor uns denken, welcher uns nicht im aller- geringsten ornamental erscheint? Dieselbe Frage könnte man in Be- zug auf andere Merkmale aufwerfen, so in Bezug auf den Höcker an der Basis des Schnabels bei der chinesischen Gans (Anser cygm welcher beim Männchen viel _                   als beim Weibchen. Auf diese

Frage kann keine bestimmte Antwort gegeben werden; wir sollten aber vorsichtig mit der Annahme sein, dass solche Höcker und flei- schige Anhänge für's Weibchen nicht anziehend sein könnten, wenn wir uns daran erinnern. das> bei wilden Menschenrassen verschiedene hässliche Entstellungen sämmtlich als ornamental bewundert werden: z. B. t                   d auf dem Gesiebt, aus denen das Fleisch in Pro-

tuberanzen sich erhebt, ferner die Nasenscheidewand mit Stäben oder Knochen durchbohrt, Löcher in den Ohren und weit offen gezerrte Lippen. .Mögen nun Verschiedenheiten ohne weitere Bedeutung zwischen den Geschlechtern, wie die eben einzeln angeführten, durch geschlecht-

» s. anch Jerdon, Birds of India. Vol. I, p. 243—245. 46 Zoolog)- of tue Voyage of H. M. S. Beagle. 1841, p. 6.

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Variabilität.

12]

liehe Zuchtwahl erhalten worden sein oder nicht, so müssen diese Ver- schiedenheiten ebensogut wie alle übrigen doch ursprünglich von den Gesetzen der Abänderung abhängen. Nach dem Principe der correla- fciven Entwickelung varürt das Gefieder                               enen Theilen

des Körpers oder über den ganzen Körper in einer und derselben Art und Weise. Wir sehen 'li>'- bei gewissen Bühnerrassen sehr deutlich ausgeprägt. Bei allen Kassen sind die Federn am Halse und den Weichen im männlichen Geschlechte verlängert und werden Sichelfedern

at. Wenn nun beide Geschlechter einen Federstutz erhalten, welches in dieser '                    i neues Merkmal i>i. so werden die Fe-

dern auf dem Kopfe des Männchens sichelfederförmig, offenbar nach dem Principe der Correlation, während diejenigen auf dem Kopfe des Weibchens von der gewöhnlichen Form sind. Audi steht die Farbe der den Federstutz bildenden Sichelfedern bei den Männehen oft mit der der Sichelfedern am Halse und an den Weichen in Correl wie sieh bei einer Vergleichung dieser Federn bei den gold- und gefütterten polnischen Hübnern, den Houdans- und den Creve-coeur-

i ergibt. Bei einigen natürlichen Species können wir di

ation in den Farben derselben Federn beobachten, so z. B. bei den -Männehen der prachtvollen Gold- und Amherst-Fasanen.

Die Structur jeder individuellen Feder ist im Allgemeinen die Ursache, dass jede Veränderung in ihrer Färbung symmetrisch wird. Wir sehen dies in den verschiedenen betressten. gefütterten und ge- strichelten Bässen des Huhns, und nach dem Principe der Correlation sind häutig die Federn über den ganzen Körper in einer und dei Weise modificirt Wir werden hierdurch in den Stand gesetzt, ohne viele Mühe Bässen zu züchten, deren Gefieder fast ebenso symmi wie das natürlicher Species gezeichnet i-i.                       jten und ge-

fütterten Hühnern sind die gefärbten Händer der Federn abrupt be- grenzt, aber bei einer Mischlingsform, welche ich von einem schwarzen spanischen Halme, der einen grünlichen Sammetglanz hatte, und einer

n Kampfhenne erzog, waren alle Feilem grünlich-schwarz, aus- genommen nach ihrer Spitze zu, welche gelblich-weiss war. Aber zwischen den weissen Spitzen und den schwarzen Grundtheilen fand sich an jeder Feder eine symmetrische, gebogene Zone von Dunkelbraun. In manchen Fällen bestimmt der Schaft der Federn die Verthcilung der Farben. So war bei den Körperfedern eines Mischlings von dem- selben schwarzen spanischen Hahne und einer silbergeflitterten polni-

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122                          Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                    ILTheiL

sehen Henne der Schaft und ausserdem ein schmaler Streif an jeder

grünlich-schwarz, und dieser letztere wurde von einer regelmäs-

bräunlich-weiss geränderten Zone von Dunkelbraun um_

In diesen Fallen sehen wir Federn symmetrisch schattirt werden,

ähnlich denen, welche dem Gefieder vieler natürlicher Speciea eine so

! tnz verleihen. Ich habe auch eine Varietät der gen

Taube I......bachtet, bei welcher die Flügelbalken symmetrisch mit drei

hellen Schattirungen eingefasst waren, statt einfach schwarz auf einem rblauen Grunde zu .-ein, wie es bei der elterlichen Species sich findet.

In vielen f<nippen von Vögeln beobachtet man, dass das Gefieder in den verschiedenen Species verschieden gefärbt ist, dass . Flecke, Zeichnungen oder Streifen von all                beibehalten wei-

den. Analoge Fälle kommen bei den Kassen der Tauben vor. welche den Flügelbalken beibehalten, obschon dieselben roth, gelb, weiss, schwarz oder blau gefärbt sein können, wahrend das übrige r von irgend einer völlig verschiedenen Färbung ist. Das Fol- b merkwürdigerer Fall, in welchem gewisse l nungen zwar beibehalten, aber doch in einer fast genau umgekehrten Weise gefärbt sind, als im Naturzustande. Die ursprüngliche Fels- taube hat einen blauen Schwanz und die Spitzenhälfte der aus Fahnen der beiden äusseren Schwanzfedern weiss; nun gibt es Untervarietät, welche statt eines blauen einen weissen Schwanz hat und bei welcher derselbe kleine Theil seiner Federn schwarz ist, welcher bei der elterlichen Species weiss gefärbt ist '\

Bildung und Variabilität derOcellen oder Augenflecken auf dem Gefieder der Vögel. Da keine Verzierungen schöner sind als die Augenflecken auf den Federn verschiedener Vögel, auf dein Haarkleide mancher Säugethiere, auf den Schuppen von Reptilien

und Fischen, auf der Haut von Amphibien, auf den Flügeln vieler tterlinge und anderer [nsecten, so verdienen sie wohl be-

hervorgehoben zu werden. Ein solcher Augenflecken oderOcellus b

nem Flecke innerhalb eines anders gefärbten Ringes, ähnlich der

Pupille innerhalb der Iris, aber der centrale Flecken wird oft von

noch weiter hinzutretenden concentrischen Zonen umgeben. Die Augen-

' Bechstein, \                                             i. 1795, s. 31, aber eine

Unter-Varietät der Mönch-Taube.

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Cap. 11.

Bildung der Augenfleckc.

123

flecken auf den Schwanzdeckfedern des Pfauhahns bieten ein allbekann- tes Beispiel dar. ebenso diejenigen auf den Flügeln des Pfauenaugen- Schmetterlings (Vanessa). Mr. Tui.mkn hat mir eine Beschreibung einer südafricanischen Motte (Gynanisa isis) gegeben, welche unserem kleinen Nachtpfauenauge verwandt ist und bei welcher ein prachtvoller Heck nahezu die ganze Oberfläche jedes Hinterflügels einnimmt. Er besteht aus einem schwarzen Mittelfelde, welches eine durch- scheinende halbmoi                  Zeichnung enthüll und von aufeinander- folgenden ockergelben, schwarzen, ockergelben, rosa, weissen, rosa, braunen und weisslichen Zonen umgeben wird. Obschon wir n Schritte nicht kennen, auf welchen diese wunderbar schönen und com- plicirten Verzierungen entwickelt worden sind, sei ist doch, mindestens bei [nsecten, der Process wahrscheinlich ein einfacher gewesen; denn wie mir Mr. Teimen sehreibt, sind „bei den Lepidoptern kein.' anderen „Ohara t Zeichnung oder Färbung so anbeständig wie die „Augenflecken, sowohl der Zahl als der Grösse nach". Mr. Wallace, welcher zuerst meine Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand lenkte, zeigte mir eine Keihe von Exemplaren unseres gemeinen gelben Sand- auges (Hipparchia Janira), welche zahlreiche Abstufungen von einem einlachen äusserst kleinen schwarzen Flecken bis zu einem elegant geformten Augenflecken darboten. Bei einem südafricanischen Sei terlinge (Cytto leda /,.>. weicher zu derselben Familie gehört, sind die Augenflecken selbst noch variabler. In manchen Exemplaren (A, Fig. 53) sind grosse Stellen auf der oberen Fläche der Flügel schwär/, gefärbt und enthalten unregelmässig                  Zeichnungen, und von diesem Zustande aus lässt sich eine vollständige Stufenreihe verfolgen bis zu einem ziemlich vollkommenen Ocellus (A1); dieser ist das Resultat einer Zusammenziehung der unregelmässigen Farbenflecke. In einer andern Reihe von Exemplaren lässl sich eine Abstufui s folgen von äusserst kleinen weissen Plecken, welche von einer kaum sichtbaren schwarzen Linie umgeben werden (1!). zu vollkommen sym- metrischen und grossen Augenflecken (Il'i '8. In fallen wie den vor- stehenden erfordert die Entwicklungeines vollkommenen Ocellus keinen langen Verlauf von Abänderungen und Zuchtwahl.

r Holzschnitt i-l nach einer schönen Zeichnung angefertigt worden, welche Mr. Trimen für mich zu machen die '                     auch seine B

bong dea wunderbar                                                  r Färbung and der Form des

: Rhopalocera                    ralis, ]j. 186.

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121                          Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                   II. Theil.

Bei Vögeln und vielen anderen Thieren seheint es nach der Ver- gleichung verwandter Species, als seien die kreisförmigen Flecken dadurch entstanden, dass Streifen unterbrochen und contrahirt wurden. Bei dem Tragopan-Fasan repräsentiren beim Weibchen weisse Linien die schönen weissen Flecken des Männchens49; und etwas derselben Art lässt sich in den beiden Geschlechtern des Argusfasans beobach- ten. Wie sieh dies auch verhalten                   I es doch Erscheinungen, die Annahme sein- stark begünstigen, dass auf der einen Seite ein dunkler Flecken oft dadurch gebildet wird, dass der färbende Stoff nach einem Mittelpunkte hin von einer umgebenden Zone aus gezogen

ntlfche Weit« der

. .-.Wo Flüche c]. lar von NaUl, i                                         B1 >                               tritiu, ebenso.

wiid. welche hierdurch heller gemacht wird, und auf der anderen Seite, dass ein weisser Flecken oft dadurch gebildet wird, dass die von einem central gelegenen Punkte entfernt wird, so das- sie sich in einer umgebenden dunklen Zone anhäuft. In beiden Fal ein Augenflecken das Resultat. Her färbende Stoff scheint in nahezu constanten Menge vorhanden zu sein, wird aber verscl lieh vertheilt und zwar entweder centripetal oder centrÜugal. Die Fe- ilem des gemeinen Perlhuhns bieten ein gutes Beispiel weisser Fl dar. welche von dunkeln Zonen umgeben werden; und wo nur immer die weissen Flecki                  sind und nahe hei einander stehen, da

« Jcrdon, Birds of India, Vol. III, p. 517,

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Cap. 14.                                                                                          125

Biessen die umgebenden dunkeln Zonen zusammen. Bei einer und der- selben Schwungfeder des Argusfasans kann man dunkle Flecken sehen, welche von einer blassen Zone umgeben sind, und weisse Flecken in- nerhalb einer dunklen Zone. Es erscheint hiernach die Bildung Augentieekens in seinem einfachsten Zustande eine einfache Angelegen- heit zu sein. Auf welche weitere Weisen aber die complicirteren Augenflecken, welche von vielen aufeinanderfolgenden farbigen i umgeben sind, sich gebildet haben, will ich uichl zu sagen wagen. Die gebänderten Federn der Mischlingsnachkommen von verschieden gefärbten Hühnern und die ausserordentliche Variabilitäl der Augen- Hecken bei vielen Schmetterlingen führen uns aber zu dem Seh dass die Bildung dieser schönen Ornamente kein complicirter P

sondern von irgend einer unbedeutenden und Veränderung in der Natur der benachbarten Gewebe abhängt.

Abstufung seeundärer Sexualcharactere. — Fälle von Ab- stufung sind von Wichtigkeit, da sie uns zeigen, dass sehr bed complicirte Verzierungen durch kleine aufeinanderfolgend! halten werden können. Um die wirklichen stufen zu entdecken, auf welchen das Männchen irgend eines jetzi existirenden Vogels seine prachtvollen Farben oder anderen Verzierungen erhalten hat, mi wir die lange Reihe Beiner alten und ausgestorbenen ürerzeuger be- trachten. Dies ist aber offenbar unmöglich. Wir können ind allgemein einen Schlüssel zum Verständniss durch eine Vergleichung aller Species einer und derselben Gruppe, wenn dieselbe eine grosse ist, erhalten; denn einige von                 len wahrscheinlich mind

in einer partiellen Art und Weise Spuren ihrer früheren Merkmale beibehalten haben, statt auf langweilige Einzelnheiten in Bezug auf iedene Gruppen einzugehen, .                in auffallende Beispiele

solcher Abstufungen angeführt werden könnten, scheint es am B zu sein, ''in oder zwei scharf characterisirte Falle zu nehmen, z. B. den Pfauhahn, und zu untersuchen, ob auf diese Weise irgend wi Licht auf die Schritte geworfen werden kann, durch welche Vogel -'i prachtvoll decorirt worden ist. Der Pfauhahn ist haupt lieh merkwürdig wegen der ausserordentlichen Länge seiner Schwanz- deckfedern, wogegen der Schwanz selbe! nicht bedeutend verlängert ist. Die Federfahnen sind fast der ganzen Länge dieser Federn ent- ;i oder sind aufgelöst. Doch ist dies bei Federn

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126

Geschlechtlicho Zuchtwahl:

II. Theil.

- der Fall und auch bei einigen Varietäten des Haushahns und

der Taube. Die einzelnen Fahuei                 Q nach der Spitze des

- zu zusammen, um die ovale Scheibe oder den Augenflecken

zu bilden, «                                         schönsten Objecto der Well ist

aus einem iridescirenden intensiv blauen zahnför-

lingeschnittenen -Mittelpunkte, umg                              ttgrünen

Zone. D             lerum wird von einer breiten kupferbraunen Zone und

ndlich \on fünf anderen schmalen Zonen von anbedeutend Ver-

Feder des Pfauhahos , ai                                                                                      ' I'rd ge-

Die durchsehe:-.                          tnreh die äusserst* veisse Zone dargestellt, welche anf das

ober.' l

schiede:                                                 ttirungen umgeben. Vielleicht

verdient ein unbedeutender Character in         -            Beachtung. Den

. fehlen, eine -           lang einer der concentrischen Zonen

entsprechend, in höherem oder                m Grade die seitlichen Aest-

chen, so dass ein Theil der                n einer fast durchscheinenden

Zone umgeben wird, wel                 in einen äusserst eleganten Anstrich

gibt. Ich habe aber an einer anderen Stelle eine genau analoge Ab- änderung di'r Sichelfedern einer üntervarietäi des EampfhaTn

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Cap. II.                  Abstufung secnndirer Sexualcharactere.                       127

geben50, bei welcher die Spitzen, welche einen metallischen Ai haben, „von dem unteren Theile der Feder durch eine syrnm

mte durchscheinende Zone getrennt werden, welche aus den „nackten Theilen der Fahnenaste gebildet wird". Der untere Main!

- dunkelblauen Mittelpunktes in der Sichtung des Schaftes mit einem tiefen zahnförmigen Ein- schnitte versehen. Die umgebenden Zonen zeigen, wie man in der Abbildung (]               ehen kann, gleichfalls Spuren derartiger Ein-

schnitte oder vielmehr Unterbrechungen. Diese zahnförmigen Einschnitte kommen dorn indischen und javanischen Pfauhahne (Pavo cri und /'.                 gemeinsam zu and sie schienen mir besondere Auf-

aikeit zu verdienen, da sie wahrscheinlich mit der Entwickelung

Lugenfleckens in Verbindung stehen: aber                 lang konnte

ich ihre Bedeutung auch nicht einmal vermuthen.

Wenn wir das Princip der allmählichen Entwickelung für richtig halten, so müssen wir annehmen, dass früh                               \i.-Iirl

haben, welche jeden der einzelnen aufeinanderfolgenden Zustände zwi- schen den wunderbar verlängerten Schwanzdeckfedern des Pfauhahns und den kurzen Schwanzdeckfedern aller gewöhnlichen Vögel darboten; ferner ebenso Zwischenstufen zwischen den prachtvollen A

i; und den einfachen Ocellen oder den einfach geß d andern- Vögel; und dasselbe gilt auch für alle übrigen Merk- male des Pfauhahns. Sehen wir uns unter den verwandten hühner- »eln nach irgend welchen gegenwärtig noch bestehenden Abstufungen um. Die Species und Subspecies von Polyphän Wuhnen Länder, welche an das Heimathland des Pfauhahns gr und sind diesem Vogel insoweit ähnlich, dass sie zuweilen Pfauen-

en genannt werden. .Mir hat auch Mr. Baktlett mitgetheilt,

sie dem Pfauhahne in ihrer Stimme und in einigen Zügen ihrer Lebensweise ähnlich sind. Während des Frühjahrs stolziren, wie früher

ieben wurde, die Männchen vor den verg

Weibchen einher, breiten ihren Schwanz und ihre Schwung-

federn ans und richten sie auf. welche beide mit zahlreichen Augen-

ind. Ich ersuche den Leser, seinen Blick zurück auf

die Zeichnung eines Pdyplectron zu werfen (Fig. 51, S. 81). B

Napoleonis sind die Augenflecken auf den Schwanz beschränkt und

40 Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der DomesticatioD. 2. Aufl. Bd. 1. s 283.

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128                               ühlechtHbhe Zuchtwahl: Vögel.                    II. Theil.

ichen metallischen Blau, in welch Ziehung               -pecies sich dem javanischen Pfauhahne nähert. /'.

* einen eigentümlichen Federstutz, in einer gewissen Iben Pfauenart ähnlich. Die Augenflecken auf den :i und dem Schwänze sämmtlicher Species von Polypl sind entweder kreisförmig oder oval und In:-:

renden grünlich-blauen oder grünlich-purpurnen Scheibe mit einem schwarzen Rande. Dieser Wand schattirt sich bei /'. chinquis in braun ab, welches wieder mit blass-rosa umrändert ist, .- der Augenflecken hier von verschiedenen, wenn auch nicht glänzend schattirten concentrischen Farbenzonen umgeben ist. Dir nngewöhn- chwanzdeckfedern ist ein anderer äusserst merkwür- i Polyplectron. Denn in einigen Species sind sie halb -> lang und in anderen zwei Drittel 80 lang als die echten ivanzfedern. Die Schwanzdeckfedern sind mit Augenflecken versehen, wie beim l'i'au- Es bilden hierdurch die verschiedenen abar eine all- mähliche Annäherung               Pfaühahn und zwar in der Länge ihrer Schwanzdei

Zonen ihrer A                a und in eini-

gen anderen Characl

- Polyplectron, welche ich durch Zufall zur ichung anter dir Hände bekam. die Prüfung aufzugeben; denn ich fand nicht nm.

beim Pfauhahne völlig gleich gefärbt

sind, mit Augenflecken verziert waren, son-

dern auch da--                 inflecke auf allen

fundamental von denen beim Pfauhahne verschieden waren und

zwar dadurch, dass sich an einer und derselben Feder zwei

d fanden (Fig. 55), einer auf jeder Seite des Schaftes. Ich kam hierdurch zu                                 die frühen Urerzeuger des Pfauhahns

einem /'                in gar keinem Grade ähnlich gewesen sein könn-

otersuehung fortsetzte, beobachte dass in                                 lie beiden Augenflecken einander sehr nahe

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Cap. M.

Bildung der Augenflecke.

129

stauden. da-s bei den Schwanzfedern von P. Hardurickii sie sich

einander berührten und endlich dass sie bei den Schwanzdeckfedern

dieser letzteren Species ebenso wie bei P. mdlaccense (Mg. 56) factisch

/u-aminenflossen. Da nur der centrale Tbeil

Beider ineinander fiiesst, so bleibt am oberen

and unteren Ende ein zahnförmiger Einschnitt

übrig, wie auch die                            irbten

Zonen gleichfalls eingezahnt sind. Hierdurch

wird auf jeder Schwanzdeckfeder ein einfacher

Augenflecken gebildet, wenngleich er noch

deutlich seine Entstehung aus dein dopp

Flecken verräth. Diese zusammenfliessendec

Augen!'                hen voii den einfachen Oci

rahahns dadurch ab, dass sie einen zahn- Hg.se. rheuei Jen Einschnitt an beiden               ätzen, *

dass sie nur am unteren oder basalen th.iiw«i«> jusammcüiess«; » Ende einen solchen hätten. Die Erklärung

dieser Verschiedenheit ist indessen nicht schwierig. In einigen Arten

von Polyplt                                                    .enflecken auf einer und

inander parallel, bei anderen Species (so bei P. chin-

quit) convergiren sie nach einem Ende hin. Ms wird nun das theil-

Zusammenfliessen zweier convergirender Augennecken offenbar einen viel tieferen Einschnitt an dem

;. als an dem convergirenden Ende. Es ist auch ganz offenbar, dass wenn die Convergenz stark ausgesprochen und das Zu-ammen- fliessen rollständig ist, die Indentation an dem convergirenden Ende völlig obliterirt zu werden strebt.

Die Schwanzfedern hei beiden Species des Pfauhahns sind völlig ohne Augenflecken, und dies steht offenbar in Beziehung zu dem Uni- stande, dass sie von den langen Schwanzdeokfedern verdeckt im borgen werden. In dieser Beziehung weichen sie merkwürdig von den Schwanzfedern von Polgplectron ab, welche in den meisten Species mit

iren Ocellen verziert sind, als diejenigen auf den Schwan: federn sind. Ich wurde hierdurch veranlasst, sorgfältig die Schwanz- federn der i                 u Species von Polyplectron zu untersuchen, um nachzusehen, ob die Augenflecken bei irgend einer derselben eine Nei- gung zum Verschwinden zeigten, und zu meiner Genugtuung hatte ich hierbei Erfolg. Die centralen Schwanzfedern von /'. N<q

Darwin, Abstammung. II. Dritte Auflage. (VI.)                                              9

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130

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

haben beide Augenflecken auf jeder Seite des Schaftes vollständig ent- wickelt, aber der innere Augenflecken wird bei den mehr nach aussen gelegenen Schwanzfedern immer weniger und weniger deutlich, bis an der inneren Seite der äussersten Feder ein blosser Schatten oder eine rudimentäre Spur eines Fleckens übrig bleibt. Ferner sind, wie wir gesehen haben, bei P. malaccense die Augenflecken an den Schwanz- deckfedern zusammenfassend, und diese Federn selbst sind von einer ungewöhnlichen Länge, indem sie zwei Drittel der Länge der Schwanz- federn betragen, so dass in diesen beiden Beziehungen sie den Schwanz- deckfedern des Pfauhahns ähnlich sind. Bei dieser Species nun sind nur die beiden centralen Schwanzfedern und zwar jede mit zwei hell gefärbten Ocellen verziert, während der innere Augenflecken von allen übrigen Schwanzfedern völlig verschwunden ist. Es bilden folglich die Schwanzdeckfedern und die Schwanzfedern dieser Species von Poly- plectron eine bedeutende Annäherung in der Structur und Verzierung an die entsprechenden Federn des Pfauhahns dar.

So weit denn nun das Princip der Abstufung irgend welches Licht auf die Schritte wirft, durch welche das prachtvolle Gehänge des Pfau- hahns erlangt worden ist, braucht kaum noch irgend etwas weiter nachgewiesen zu werden. Wenn wir uns im Geiste einen Urerzeuger des Pfauhahns in einem beinahe genau intermediären Zustande zwi- schen dem jetzt existirenden Pfauhahne mit seinen enorm verlängerten Schwanzdeckfedern, die mit einfachen Augenflecken verziert sind, und einem gewöhnlichen hühnerartigen Vogel mit kurzen Schwanzdeckfedern, die bloss mit etwas Farbe gefleckt sind, vormalen, so erhalten wir das Bild eines mit Pdyplectron verwandten Vogels; d. h. eines Vogels, welcher der Aufrichtung und Entfaltung fähige, mit zwei zum Theil zusammenfliessenden Augenflecken verzierte und fast bis zum Verbergen der eigentlichen Schwanzfedern verlängerte Schwanzdeckfedern besitzt, während die letzteren bereits ihre Augenflecken zum Theil verloren haben. Der zahnförmige Einschnitt der centralen Scheibe und der umgebenden Ringe der Augenflecken in beiden Species von Planen scheint mir deutlich zu Gunsten dieser Ansicht zu sprechen, und es wäre diese Structur auch sonst unerklärlich. Die Männchen von l'nhj- plectron sind ohne Zweifel sehr schöne Vögel; es kann aber ihre Schönheit, wenn sie aus einer geringeren Entfernung betrachtet wer- den, mit der des Pfauhahns nicht verglichen werden. Viele weibliche Vorfahren des Pfauen müssen während einer langen Descendenzreihe

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Cap. 14.

Argusfasan.

131

diese Superiorität gewürdigt haben; denn sie haben unbewusst durch das fortgesetzte Vorziehen der schönsten Männchen den Pfauhahn zum glänzendsten aller lebenden Vögel gemacht.

Argusfasan. — Einen anderen ausgezeichneten Fall zur Unter- suchung bieten die Augenflecken auf den Schwungfedern des Argus- fasans dar, welche in einer so wundervollen Weise schattirt sind, dass sie iunerhalb Sockeln liegenden Kugeln gleichen, und welche daher von den gewöhnlichen Augenflecken verschieden sind. Ich glaube, es wird wohl Niemand diese Schattirung, welche die Bewunderung vieler erfahrener Künstler erregt hat, dem Zufall zuschreiben, — dem zu- fälligen Zusammentritte von Atomen gefärbter Substanzen. Dass diese Ornamente sich durch eine behufs der Paarung ausgeübte Auswahl vieler aufeinanderfolgender Abänderungen gebildet haben sollten, von denen nicht eine einzige ursprünglich bestimmt war, diese Wirkung einer Engel im Sockel hervorzubringen, scheint so unglaublich, als dass sich eine von Eaphael's Madonnen durch die Wahl zufällig von einer langen Beine jüngerer Künstler hingekleckster Schmierereien gebildet hätte, von denen nicht eine einzige ursprünglich bestimmt war, die menschliche Figur wiederzugeben. Um zu entdecken, in wel- cher Weise sich die Augenflecken bestimmt entwickelt haben, können wir auf keine lange Beine von Urerzeugern blicken, auch nicht auf verschiedene nahe verwandte Formen, denn solche existiren nicht; aber glücklicher Weise geben uns die verschiedenen Federn am Flügel einen Schlüssel zur Lösung des Problems und sie beweisen demonstratio dass eine Abstufung von einem einfachen Flecken bis zu einem voll- endeten Kugel- und Sockel-Ocellus wenigstens möglich ist.

Die die Augenflecken tragenden Schwungfedern sind mit dunklen Streifen (Fig. 57) oder Beihen dunkler Punkte (Fig. 59) bedeckt, wobei jeder Streifen oder jede Beihe schräg an der äusseren Seite des Schaftes nach einem Augenflecke hinläuft. Die dunklen Punkte sind meist in querer Richtung in Bezug auf die Reihe, in welcher sie stehen, verlängert. Sie werden oft zusammenfliessend entweder in der Richtung der Reihe — und dann bilden sie einen longitudinalen Streifen — oder quer, d. h. mit den Flecken in den benachbarten Reihen, und dann bilden sie quere Streifen. Zuweilen löst sich ein Flecken in kleine Flecken auf, welche noch immer an ihren betreffen- den Plätzen stehen.

9*

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132                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                       II. Theil.

Es dürfte angemi                   lerst einen vollkommenen Kugel- und

Sockel-Augenflecken zu beschreiben. Ein solcher besteht aus einem intensiv schwarzen, kreisförmigen Hinge, welcher einen Baum umgibt, abc der genau so abschattirt ist, dass er einer Kugel ähnlich wird. Die hier mitgetheilte Abbildung ist von .Mr. Fobd wunderbar genau gezeich- oet und in Holz geschnitten wor- den. Es kann aber ein Holzschnitt die ausgezeichnete Schattirung des Originals nicht niedergehen. Der Bing ist beinahe immer an einem in der oberen Hälfte lieg Punkte etwas nach rechts und nach oben von dem weissen Lichte der eingeschlossenen Kugel unbedeutend unterbrochen (s. Fig. 57), zuweilen ist er auch nach der Basis zu an der n Seite unterbrochen. Diese kleinen Unterbrechungen haben eine wichtige Bedeutung. Der Etil . nach dem linken oberen Winkel, wenn man die Feder aufrecht hält, in welcher Stellung sie hier gezeich- . immer sehr verdickt, wobei dieRänder sehr undeutlich umschrie- ben sind, unter diesem verdickten Theile findet sich auf der Oberfläche der Kugel eine schräge, beinahe rein weisse Zeichnung, welche nach abwärts in einen blassbleifarbigen Ton abschattirt ist, und diese geht wieder in gelbliche und braune Färbungen über, welche nach dem n Theile der Kugel unmerklich dunkler und dunkler werden. Ie dies,. Schattirung, welche in einer so wunderbaren Weise irkung hervorbringt, als scheine Licht auf eine convexe Ober- . untersucht man eine dieser Kugeln, so wird man finden, dass der untere Theil von einer braunen Färbung und undeutlich durch eine gekrümmte schräge Linie von dem oberen Theile geschieden ist, welcher gelber und mehr bleiern aussieht. Diese gekrümmte schräge

Plg. 57. Theil sin« !                 lex »weit«

Ordnum:

ig nach ab- wärts laufen, ein jeder zu einem Oeellus.

(Von der Fahne ist auf beiden Seiten, be- sonders links vom Schaft . :.itten worden).

The Comolete Work of Charles Darwin Oi

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Cap. li.

Argusfasan, Aug

133

Linie läuft in rechtem Winkel auf die längere Achse des w Lichtflecks und in der That aller Schattirungen. Aber diese Verschie- denheit in den Tinten, welche natürlich im Holzschnitt nicht wieder- gegeben werden kann, stört nicht im allermindesten die vollkommene Schattirung der Kugel. -Man mnss noch besonders beachten, das.? Augenflecken in offenbarem Zusammenhan                er mit einem

dunklen Streifen oder mit ei                                           steht, denn

beide kommen ganz indifferent an einer und derselh läuft in Figur 57 der Streifen A zu dem Augenflecken a. der Strei- fen 11 läuft zu dem Flecken b. der                          dem oberen Theile

unterbrochen und läuft abwärl nächstfolgenden Augenflecken, welcher im Holzschnitte nicht mehr dargestell 1) zu dem nächsten unteren; das gilt für die                ! und I". Bndlich

weiden die verschiedenen Augenflecken durch eine blasse Fläche, welche unregel- mässige schwarze Zeichnungen trägt, von einander getrennt.

Ich will nun zunächst das andere Extrem der Reihe beschreiben, nämlich die erste Spur eins Augenflecken. Die kurze Schwinge zweiter < Ordnung (Fig. 58i zunächst dem Körper ist wie die übrigen Federn mit schrägen longitudinalen im Ganzen unregelmässigen Reihen von Flecken gezeichnet. Der unterste Flecken. r«d« *»«iter Ordnung, zunächst dem oder der am nächsten dem Schafte. j»t in

den fünf unteren Reihen (mit Ausnahme der basalen Reihe) um ein Weniges grösser als die anderen Flecken in derselben Reihe und ein wenig mehr in einer queren Richtung verlängert. Er weicht auch von anderen Flecken dadurch ab. dass er an seiner oberen Seite mit einigen mattgelben Schattirungen gerändert ist. Es ist aber dieser Hecken in keiner Weise merkwürdiger, als die am Gefieder vieler Vögel auftretenden, und kann leicht völlig übersehen werden. Der höhere Flecken in jeder Reihe weicht durchaus nicht von den oberen in derselben Reihe ab, obschon er. wie wir sehen werden, in den folgenden Reihen bedeutend modificirt wird. Die grösseren Flecken

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134

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. TheiL

nehmen genau dieselbe relative Stellung an dieser Feder ein, wie die vollkommenen Angenflecken an den längeren Schwungfedern.

Betrachtet man die nächsten zwei oder drei folgenden Schwingen zweiter Ordnung, -                h eine absolut unmerkbare Abstufung von

einem der eben beschriebenen unteren Flecken in Verbindung mit den nächst höheren in derselben Reihe bis zu einer merkwürdigen Verzie- rung verfolgen, welche nicht ein Augenflecken genannt werden kann und welche ich aus Mangel eines besseren Ausdrucks ein „ellipt Ornament" nennen will. Diese werden in der nebenstehenden Figur erläutert (Fig. 59). Wir seilen hier mehrere schräge Reihen von Flecken des gewöhnlichen Characters A, 15, C, D, (s. die mit Bach- staben versehene Umrisszeichnung). Jede Keihe von Flecken läuft abwärts nach einem der elliptischen Ornamente hin und steht mit ihm in Verbindung, in genau derselben Weise wie jeder Streifen in Figur 57 abwärts zu einem der Kugel- und Sockel-Augenflecken läuft und mit diesem in Verbindung steht. Fasst man irgend eine in das Auge, z. B. B, so ist der unterste Flecken oder die unterste Zeichnung (/-) dicker und beträchtlich länger als die oberen Flecken und sein linkes Ende ist zugespitzt und nach üben gekrümmt. Die schwarze Zeichnung wird an ihrer oberen Seite direct von einem ziem- lich breiten Baume reich schattirter Färbungen eingefasst, welche mit einer schmalen braunen Zone beginnen, die wieder in eine orangene und diese in eine blasse bleifarbige Färbung übergeht, wobei das Ende nach dem Schafte hin blasser ist. Die abschattirten Färbungen fül- len zusammen den ganzen inneren Raum des elliptischen Ornaments aus. Die Zeichnung (b) entspricht in jeder Beziehung dem basalen schattirten Flecken der einfachen Feder, welcher in dem letzten Ab- sätze (Fig. 58) beschrieben wurde, ist aber viel weiter entwickelt und viel heller gefärbt. Nach oberhalb und rechts von diesem Flecken (/>, Fig. 59) mit seiner hellen Schattirung findet sich eine lange schmale schwarze Zeichnung (<), welche zu derselben Reihe gehört und welche ein wenig nach abwärts gekrümmt ist, so dass sie b gegenübersteht. Diese Zeichnung ist zuweilen in zwei Partien getheilt. Sie wird auch an der unteren Seite von einer gelblichen Färbung schmal gerändert. Nach links und oben von c findet sich in derselben schrägen Rich- fcung, aber immer mehr oder weniger abgesetzt von ihr, eine andere schwarze Zeichnung (d). Diese Zeichnung ist allgemein subtriangulär und in der Form anregelmässig, aber die in der ümrisszeichnung mit

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Cap. 14.

Argusfasan, Augenflecke.

135

dem Buchstaben versehene ist ungewöhnlich verlängert und regel- _r. Sie besteht dem Anscheine nach aus einer seitlichen und unterbrochenen Verlängerung der Zeichnung c, und ist wohl auch mit einem abgelösten und verlängerten Theil des zunächst folgenden obern i zusammengeflossen; doch bin ich hierüber nicht sicher. Diese drei Zeichnungen b, und <l, mit den dazwischen tretenden helleren Schattirungen bilden zusammen das sogenannte elliptische Ornament. Diese Ornamente stehen in einer dem Schafte parallelen Eeihe und

Flg. o9.                                                          lorn zweiter Ordnung naht) am Körper, dio sogenannten

elliptischen Ornamente zeigend. Die Fi-                                                                    rnriss beigegeben

worden wegen der Buchstabenzeichnung.

A. I:. 0, 1> n.s, f. lUthra tob Flecken, «eiche       c der nächst folgende Flocken oder die nächste

nach ali' llptutehen Ornamen-              Zeichnung in derselben Keine,

ten laufen und diese bilden.                                 J Allem Anscheine nach eine unterbrochene

erster Flecken oder Zeichnung i                                                               i :., c in der Reihe B. Reihe B.

entsprechen offenbar ihrer Lage nach den Engel* und Sm-kol-Augen- flecken. Ihre ausserordentlich elegante Erscheinung kann nach der Zeichnung nicht gewürdigt werden, da die orangenen und bleifarbigen Färbungen, die so schön mit den schwarzen Färbungen contrastiren, nicht dargestellt werden können.

Zwischen einem der elliptischen Ornamente und einem vollkom- menen Engel- und Sockel-Augenflecken ist die Abstufung so voll- kommen, dass es kaum möglich zu entscheiden ist, wenn der let Ausdruck in Gebrauch treten soll. Der Uebergang von dem einen iu

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13G

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

das andere wird durch die Verlängerung und grössere Krümmung in entgegengesetzten Richtungen der unteren schwarzen Zeichnung ('-.

59) und besonders noch der obern (c) in Verbindimg mit einem Znsammenziehen der anregelmassigen snbtriangnlären oder schmalen Zeichnung (d) bewirkt, so dass endlich diese drei Zeichnungen zu- sammenfliessend werden und einen regelmässigen elliptischen Ring bilden. Dieser Bing wird allmählich mehr und mehr kreis) und n                                   t in derselben Zeit an Durchmesser zu-

nimmt. Ich habe hier eine Zeichnung eines uoch nicht ganz voll- kommenen Augenfleckens in natürlicher Grösse gegeben (Fig. 60). Der Theil des schwarzen Ringes i<t viel stärker gekrümmt als die untere Zeichnung im elliptischen Ornament ('. Fig. 59). Der obere Theil des Ringes besteh! aus zwei oder drei getrennten Partien; von der Verdickung des Theils, welcher die schwarze Zeichnung oberhalb der weissen Schattirung bildet, findet sieh nur eine Spur. Dieser ist noch nicht sein- concentrirt; unter ihm ist die Oberfläche heller gefärbt als in einem vollkommenen Eugel- und -Augenflecken. Spuren der Verbindung der drei oder vier ver- längerten schwarzen Flecken oder Zeichnungen, aus denen der Ring gebildet wurde, können noch selbst in den vollkommensten Augen- fiecken beobachtet werden. Die unregelmässige subtrianguläre oder schmale Zeichnung               59) bildet offenbar durch ihre Zusammen-

ziehung im] Ausgleichung die verdickte Partie des Ringes oberhalb der weissen Zeichnung eines vollkommenen Kugel- und Sockel-Augen- 5. Der untere Theil des B                 ausnahmslos ein wenig

dicker als die anderen Theile (s. Fig. 57;. und dies folg! daran-:, dass die untere schwarze Zeichnung des elliptischen Ornaments 0,, Fig. 59) ursprünglich dicker war als die obere Zeichnung (<). In dem Processe des Zusammenfliessens und der Modification kann jeder einzelne Schritt

Igt werden, und der schwarze Ring, welcher die Kugel des Ocel- lus umgibt, wird ohne Frage durch die Verbindung und Modification der drei schwarzen Zeichnungen /, e, <l, des elliptischen Oman gebildet. Die unregelmässigen schwarzen Zickzackzeichnungen zwischen den aufeinanderfolgenden Augenflecken (s. wiederum Fig. ">7) sind offenbar Folge davon, dass die etwas reg*                 d . aber ähnlichen

Zeichnungen zwischen den elliptischen Ornamenten unterbrochen v.

l>i" aufeinanderfolgenden Abstufungen in der Schattirung der Kugel- und Sockel-Augenflecken können mit gleicher Deutlichkeit ver-

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Cap. 11.

Abstufung äer Charactere.

137

folgt werden. Es lässt sich beobachten, wie die braunen, oran iiml blass-bleifarbenen schmalen Zonen,                         tere schwarze

Zeichnung des elliptischen Ornaments begrenzen, sieh allmählich immer mehr und mehr ausgleichen und in einan- der abschattiren, wobei der obere hellere Th.il nach dem Winkel linker Hand immer heller wird, so dass er t'a-t wt und gleichzeitig zusammengezogen wird. Aber selbst in dem vollkommensten Kugel- nnd Sockel-Ocellus lässt sich eine unbedeu- tende Verschiedenheit in der Färbung, wenn auch nicht in der Schattirung, zwischen den oberen und nnteren Theilen der Kugel be- obachten (wie vorher ausdrücklich erwähnt i. Denn die Trennungslinie verläuft schräg in derselben Richtung mit den hell

iten Lichtern des elliptischen On mentes. Es lässt sich in dieser Weise /ei- gen, dass fasi jedes minutiöse Detail in der Form und Färbung der Kugel- und Sockel- Becken aus allmählichen Veränderungen an den elliptischen Or- namenten hervorgeht; und die Entwickelung der letzteren kann durch in gleicher Weise nnb.                Schritte aus der Vereinigung

beinahe einfacher Flecken verfolgt werden, von denen der untere (Figur 58) an seiner oberen Seite eine kleine, mattgelbliche Schatti- rung zeigt.

Die Enden der längeren Schwungfedern zweiter Ordnung, welche die vollkommenen Kugel- and Sockel-Augenflecken tragen, sind in thümlicher Weise verziert (Fig. 61). Die schrägen longitudinalen a hören nach oben hin plötzlich auf und werden anregelmässig, und oberhalb dieser Grenze ist das ganze obere linde der Feder (o) mit weissen, von kleinen schwarzen Bingen umgebenen Flecken be- . welche auf einem dunkeln Grunde stehen. Selbst der schräge Streifen, welcher zu dem obersten Augenflecken gehört (6), wird nur durch eine sehr kurze, unregelmässige schwarze Zeichnung mit der olichen gekrümmten queren Basis dargestellt. Da dieser Strei- fen hiermit nach oben plötzlich abgeschnitten wird, so könnei

dem, was vor                 n ist. vielleicht verstehen, wie es kommt,

ganfleeken in einem inlermediarenZu.-' . elliptischen Ornament und dem voll, liiinimenen Kugel- u. Soor:'

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138

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

dass der obere verdickte Theil des Ringes bei dem obersten Augen- flecken fehlt; denn wie früher angegeben wurde, wird dieser verdickte Theil allem Anscheine nach durch eine unterbrochene Verlängerung des nächst höheren Fleckens in derselben Keine gebildet. Wegen der Abwesenheit des oberen und verdickten Theiles des Ringes erscheint der oberste Augenflecken, trotzdem er in allen übrigen Bezieht vollkommen ist, so, als wenn sein oberes Ende schräg abgeschnitten wäre. Ich glaube, es würde Jedermann, welcher glaubt, dass das Ge- fieder des Argusfasana so wie wir es jetzt sehen erschallen sei, in Verlegenheit bringen, sollte er den unvollkommenen Zustand der ober- sten Augenflecken erklären. Ich will noch hinzufügen, dass bei den vom Körper entferntesten Schwungfedern zweiter Ordnung alle Augen- flecken kleiner and weniger vollkommen sind als an den übrigen Federn und dass bei ihnen der obere Theil des Kings fehlt, wie in dem eben erwähnten Falle. Hier scheint die Unvollkominenheit mit der That- sache in Verbindung zu stehen, dass die Flecken an dieser Feder weniger als gewöhnlich die Neigung zeigen, zu Streifen zusammenzu- fliessen; sie werden im Gegentheile oft in kleinere Flecken aufgelöst, so dass zwei oder drei nach abwärts zu jedem Augenflecken laufen.

Noch ein anderer, sehr merkwürdiger Punkt, den Mr. T. W.Wood zuerst bemerkt hat51, verdient unsre Aufmerksamkeit. Auf einer mir von Mr. Wabd gegebenen Photographie eines ausgestopften Exemplars im Acte der Entfaltung kann man an den senkrecht gehaltenen Federn sehen, dass die weissen Zeichnungen an den Augenflecken, welche das von einer convexen Oberfläche reflectirte Licht darstellen, an dem obern oder ferneren Ende liegen, d. h. dass sie aufwärts gerichtet sind; und natürlich wird der Vogel, wenn er auf der Erde stehend seine ii üben beleuchtet werden. Nun kommt der merk- würdige Punkt: die äusseren Federn werden fast horizontal gehalten, und da deren Augenflecke gleichfalls als von oben beleuchtet erschei- nen sollten, so müssten die weissen Zeichnungen an der obern Seite der Augenflecken angebracht sein. So wunderbar die Thatsache auch äie linden sich factisch dort angebracht! Obgleich daher die Augenflecken auf den einzelnen Feilem sehr verschiedene Stellungen in Bezug auf das Licht einnehmen, so erscheinen sie doch alle als von oben beleuchtet, genau so wie ein Malet- sie schattirt haben würde.

;.. 1870.

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Cap. 14.

Abstufung der Charactere.

139

Trotzdem sind sie aber nicht ganz genau von demselben Tunkte aus beleuchtet, wie es der Fall sein sollte; denn die weissen Zeichnungen der Federn, welche beinahe horizontal gehalten werden, sind etwas zu weit nach dem ferneren Ende hin gestellt, d. h. sie stehen nicht hinreichend seitlich. Wir haben indessen kein Recht, absolute Vollkommenheit in einem durch geschlecht- liche Zuchtwahl ornamental gemachten Theile zu erwarten, ebensowenig wie wir eine solche in einem durch natürliche Zucht- wahl zu einem realen Zwecke modificirten Theile erwarten dürfen, z. B. in jenem wun- derbaren Organe, dem menschlichen Auge. Wir wissen ja, was Helmholtz, die höchste Autorität in Europa über diesen Gegenstand, über das menschliche Auge gesagt hat, Dämlich, dass er, wenn ihm ein Optiker ein so nachlässig gearbeitetes Instrument ver- kaufte . sich vollständig berechtigt halten würde, es ihm zurückzugehen '-.

Wir haben nun gesehen, dass eine voll- kommene Reihe von einfachen Flecken bis zu den wundervollen Kugel- und Sockel- verzierungen sich verfolgen lässt. Mr.' welcher mir einige dieser Federn freundlichst überliess, stimmt durchaus mit mir in Be- zug auf die Vollständigkeit der Abstufung überein. Offenbar zeigen uns die von den Federn eines und des nämlichen Vogels dargebotenen Entwickelungsstufen durchaus nicht nothwendig die Schritte an, durch welche die ausgestorbenen Drerzeuger der Species hindurchgegangen sind; sie geben uns aber wahrscheinlich den Schlüssel für das Verständniss der wirklichen Schritte und beweisen mindestens bis zur Demonstration, dass eine Abstufung möglich ist. Vergegenwärtigen wir uns, wie sorgfältig der männliche Argusfasan seine Schmuckfedern vor dem Weibchen entfaltet, ebenso

nalie der Engel- und

. r Theil. 1>. Ober-t.

I1UII

lonkal).

Populäre wissenschaftliche Vortrage.

jinolete Work of Charles Darwin

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140

Geschlechtliche Zuchtwahl:

wie die vielen anderen Thatsachen, welche es wahrscheinlich machen, ein-- weihliche Vögel die anziehenderen Männchen vorziehen, so wird Niemand, der die Wirksamkeit geschlechtlicher Zuchtwahl zugibt, läugnen können, dass ein einfacher dunkler Flecken mit einer matt- gelblichen Schattirung durch die Annäherung und Modifikation zweier bbarter Flecken in Verbindung mit einer unbedeutenden Ver- stärkung der Färbung in eines der sogenannten elliptischen Ornamente rändelt werden kann. Diese letzteren Verzierungen sind vielen izeigt worden und alle haben zugegeben, dass sie schön sind. Einige halten sie sogar für schöner als die Kugel- und S Augenflecken. In der Weise wie die Schwungfedern /.weiter Ordnung durch geschlechtliche Zuchtwahl verlängert wurden und die elliptischen im Durchmesser zunahmen, wurden ihre Farben dem An- hell; und es musste nun die Verzierung der Schmuckfedern durch Verbesserungen der Zeichnung und Schattirung I Dg ist nun eingetreten bis zur endlichen Entwicklung der wundervollen Kugel- und Sockel-Augenflecken. In — und wie mir scheint in keiner anderen — können wir den jetzigen Zustand und den Ursprung der Verzierungen auf den Schwungfedern de<                           tehen.

In Fol                                  ä das Princip der Abstufung uns gibt,

— nach dem, was wir von den Gesetzen der Abänd                 en, —

eränderungen, welche in vielen unserer domestic

funden haben, — und endlich (wie wir sliter noch deutlicher

gehen werden) nach dem Character des Jugendgefieders jüngerer Vögel

in wir zuweilen mit ein.'in .                rade von Vertrauen die

wahrscheinlichen Schritte andeuten, durch welche die Männchen ihr

brillantes Gefieder und ihre verschiedenen Verzierungen erlangt haben.

sind wir in vielen Fällen in völlige Dunkelheit gehfillt. Vor mehreren

Jahren machte mich Mr. GouXD auf einen Colibri aufmerksam, die

thümlichen Verschieden- hlechter darbieten, merkwürdig ist. Das Manu- al ausser einer glänzenden Kehle grünlichschwarze Schwanz- . von denen die vier centralen mit Weiss gespitzt sind. Bei dem Weibchen sind, wie bei den meisten der verwandten Species, die drei in               Schwanzfedern auf jeder Seite mit Weiss an der Spitze

versehen, so dass das Männchen die vier centralen, das Weibchen da- gegen die Bechs äusseren Federn mit weis-en Spitzen verziert b

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Cap. 14.

Abstufung der Cl

111

Was den Fall so eigentümlich macht, ist, dass, obgleich die Färbung des Schwanzes in beiden Geschlechtern vieler Arten von Colibri's ver- schieden ist, Mr. GoüLD doch nicht eine einzige Species ausse mit, bei welcher das Männchen die vier centralen I mit we

Der Herzog von Argtll bespricht diesen Fall53, übergeht die geschlechtliche Zuchtwahl und fragt, „welche Erklärung gibt d

der natürlichen Zuchtwahl für soh                                    a, wie

.- Er antwortet: „durchaus keine-, und ich stimme mit ihm vollkommen überein. Kann dies aber mit gleicher Zuversicht von der geschlechtlichen Zuchtwahl gesagt werden? Wenn man sieht, in wie vielfacher Weise die Schwanzfedern der Colibri's verschieden sind, warum konnten nicht die vier centralen Federn allein in dieser einzi- gen Species so variirt haben, dass sie weisse Spitzen erlangten? Die Abänderungen können allmählich, oder auch etwas plötzlii ten sein, wie in dem neuerdings mitgetheilten Falle der Colibri's in der Nahe von Bogota, an denen nur bei gewissen Individuen „die

den Schwanzfedern wunderschöne grüne Spitzen haben". Bei den Weibchen der UrosticU bemerkte ich äusserst kleine oder rudi- mentäre weisse spitzen an den zwei äusseren der vier centralen schwar- zen Schwanzfedern, so dass wir hier eine Andeutung einer Veränd

Vit in dem Gefieder dieser Species vor uns Geben wir die .Möglichkeit zu, dass die centralen Schwanzfedern des Männchens in ihrem Weisswerden variiren, so liegt darin nichts Fremd- artiges, dass derartige Variationen von der geschlechtlichen Wahl be- rücksichtigt worden sind. Die weissen Spitzen tragen in Verbindung mit den kleinen weissen Ohrbüschelu, wie der Herzog von Abgyix zugibt, sicherlich zur Schönheit des .Männchens bei, und die w Farbe wird allem Anscheine nach von allen anderen Vögeln

eh aus derartigen Fällen schl                t, wie das 31

Männchen des Glockenvogels eine,, solchen darbietet. Die von Sir K. Heeon gemachte Angabe sollte nicht in Vergessenheit kommen, dass nämlich seine Pfauhennen, als sie vom Zutritte zu dem gefleckten Pfauhahne abgeschnitten waren, mit keinem anderen Männchen sich verlanden wollten und wahrend dieses Jahres keine Nachkommen pro- ducirten. Es ist auch nicht befremdend, dass Abänderungen an

53 The Reign et Law. 1867, y. 247.

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Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Th.il.

Schwanzfedern der                 -peciell des Ornamentes wegen ausgewählt

sein sollten. Denn das nächstfolgende Genus in der Familie erhält seinen Namen Mäallura von dem Glänze dieser Federn. Ueberdies haben wir gute Belege dafür, dass Colibri's sich besondre Mühe geben, ihre Schwanzfeder sehen zu lassen. Mr. Belt schildert die Schönheit der Florisuga mettivora54 und fahrt dann fort: „Ich habe ein Weib- „chen auf einem Zweige sitzen und zwei Männchen ihre Reize vor ihm „entfalten sehen. Das eine schiesst auf wie eine Rackete, breitet „dann plötzlich seinen schneeweissen Schwanz wie einen umgestülpten „Fallschirm aus und senkt sich langsam vor ihm nieder, sich allmäh- lich herumdrehend, um sich von vorn und von hinten zu zeigen.... „Der ausgebreitete weisse Schwanz nahm mehr Raum ein als der ganze „übrige Vogel und bildete offenbar den hervorstechendsten Zug in der „ganzen Vorstellung. Während das eine Männchen sich herabliess, „schoss das andre in die Höhe und kam dann ausgebreitet langsam „herab. Dies Spiel endet dann in einem Kampfe zwischen den b „Darstellern; ob aber der schönste oder der kampfsüchtigste der au- fgenommene Liebhaber war. weiss ich nicht". Nachdem Mr. ' das eigentümliche Gefieder der Urosticte beschrieben hat, fn hinzu: „dass Verzierung und Abwechselung der einzige Zweck hierbei „ist, darüber besteht bei mir nur wenig Zweifel"ss. Wird dies zu- gegeben, so können wir einsehen, dass die Männchen, welche in der elegantesten und neuesten Art und Weise gekleidet waren, einen Vor- theil erlangten, und zwar nicht im gewöhnlichen Kampfe um's Dasein, sondern in dem Rivalisiren mit anderen Männchen, und dass sie folg- lieh eine grössere Zahl von Xaehkommen hinterliessen, um ihre neu erlangte Schönheit zu vererben.

' The Naturalist in Nicaragna, 1-71. p. 112.

" Introduction to the Trochüi                      , 110.

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Fünfzehntes Capitel.

Vögel (Fortsetzung).

Erörterung, warum in manchen Species allein die Männchen, und in andern Spe- cies beide Geschlechter glänzend gefärbt sind. — Ueber geschlechtlich be- schränkte Vererbung in ihrer Anwendung auf verschiedene Bildungen und auf ein hell gefärbtes Gefieder. — Nestbau in Beziehung zur Farbe. — Ver- lust des Hochzeitsgefieders während des Winters.

Wir haben in diesem Capitel zu betrachten, warum bei vielen Alton von Vögeln das Weibchen nicht dieselben Verzierungen erhalten hat, wie das Männchen, und warum bei vielen andern Vögeln beide Geschlechter in gleicher Weise oder in beinahe gleicher Weise verziert sind. Im folgenden Capitel werden wir dann untersuchen, warum in einigen seltenen Fällen das Weibchen in die Augen fallender gefärbt ist als das Männchen.

In meiner „Entstehung der Arten"' habe ich vorübergehend die Vermuthung ausgesprochen, dass der lange Schwanz des Pfauhahns, ebenso wie die auffallende schwarze Farbe des männlichen Auerhuhns für das Weibchen nnzweckmassig und selbst gefährlich wäre, solange es dem Brütgeschäfte obzuliegen hat, und dass in Folge hiervon die Ueberlieferung dieser Charactere vom Männchen auf weibliche Nach- kommen durch die natürliche Zuchtwahl gehemmt worden sei. Ich glaube noch immer, dass in einigen wenigen Beispielen dies eingetreten ist; aber nachdem ich alle Thatsachen, welche ich zusammenzubringen im Stande war, reiflich überdacht habe, bin ich jetzt zu der Annahme geneigt, dass, wenn die Geschlechter verschieden sind, die aufeinander folgenden Abänderungen allgemein vom Anfange an in der Ueberliefe- rung auf dasselbe Geschlecht beschränkt gewesen sind, bei welchem sie zuerst auftraten. Seitdem meine Bemerkungen hierüber erschienen

1 Fünfte (deutsche) Auflage, S. 221.

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144

btliche Zuchtwahl:

II. Theil.

sind, :-                 natand der _                chen Färbung in einig'-:.

Mr. Wallace2 erörtert worden, vi der Ans                           beinahe allen Fallen die aufeinanderfolgenden

Abänderungen ursprünglich zu einer gleiclm.                 rerbung auf

t das Weibchen durch natürliche Zuchtwahl vor dem Erlangen der auffallenden Farben des Männchens rden ist in Folge der 11                                         ährend

/: gewesen wäre, icht macht eine langwierige Erörterung über einen rigen Punkt nothwendig, nämlich ob d               efernng eines

ron beiden Geschlechtern geerbt wurde, durch Hülfe von Ztichtwahl auf ein Geschlecht allein beschränkt werden kann. Wir müssen im Sinne behalten, wie es in den l'itel über geschlechtliche Zuchtwahl gezeigt wurde,

reiche in ihrer Entwickelung auf ein Geschlecht be- schränkt sind, immer in dem andern G                  latent ?orl sind. Wir können uns ein Beispiel ausdenken, welch eignet Schwierigkeit des Kall,., im- vor Augen zu führen. Nehmen wir an, dass ein Züchter den Wunsch hat, ein Tauben darzustellen, bei welcher allein die Männchen bli färbt sind, während die Weibchen ihre frühere schieferblaue Färbung behalten sollen. Da bei Tauben Charactere aller A i hnlich

pererbt werd               rde der Züch-

-uch zu machen haben, diese letztere Form v«n Vererbung blechtlich beschränkte Deberlieferung umzuwandeln. nun thun konnte, bestünde darin, in ausdauernder Weise jede männliche Taub.', welche im allergeringsten Grade blasser blau gefärbt rar Zucht auszuwählen, und das natürliche Resultat dieses Pro- . wenn er eine lange Zeit hindurch stetig fortgesetzt würde und lie blassen Abänderungen entschieden »ererbt würden oder häufig aufträten, würde darin bestehen, dasa der Züchter Beinen ganzen Stamm heller blau färbte. Dnser Züchter würde aber gezwungen sein, Ge- neration seine blassblauen Männchen mit schiefer- blauen                   m paaren. Denn er wünscht ja die lel

Färbung zu behalten. Das Resultat würde im Allgemeinen luction einer gescheckten Mischlingsrasse sein "4er.

. July. 1*07. Journal of Travel, Vol. I

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Cap. 15.                                                            bong,                        ] 45

und zwar wahrscheinlicher, der schnelle und vollständige Verlus blassblauen Farbe. Denn die ursprüngliche schieferblaue Färbung würde mit überwiegender Kraft überliefert werden. Nehmen wir in- dess an, dass in jeder der aufeinanderfolgenden Generationen einige blassblaue Männcl                         ilaue Weibchen hervorgebracht und

immer mit einander gekreuzt würden, dann würden die schieferblauen Weibchen, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, viel blaues Blut in ihren Adern haben, denn ihre Väter, Grossväter u. s. w. werden alle blassblaue                            in. Unter diesen Umständen

lässt sieh wohl denken (obschon ich keine entscheidenden Thatsachen kenne, welche die Sache wahrscheinlich mach                         hiefer-

blauen Weibchen 1                                  Neigung zur blassblauen Fär-

bung erlangen, d                   Farbe bei ihren männlichen Nachkommen

nicht zerstören, während ihre weiblichen Nachkommen immer noch die schieferblaue Färbung behalten. Wäre dies der Fall, so würde das gewünschte Ziel, eine Rasse zu erzeugen, in welcher die beidi iter permanent in ihrer Farbe verschieden wären, erreicht we Die ausserordentliche Bedeutung oder geradezu Notwendigkeit des Umstandes, dass der in dem eben erläuterten Falle erwünschte Cha- racter, nämlich die blassblaue Färbung, wenn auch in einem latenten /.ustande bei dem Weibchen vorhanden ist, so dass die männlichen Nachkommen nicht benachtheiligt werden, wird am besten nach den folgenden Erläuterungen richtig gewürdigt werden. Das Männchen vom Sömmerringsfasan hat einen siebenunddreissig Zoll langen Schwanz, wahrend der des Weibchens nur acht Zoll lang ist. Der Schwan Männchens des gemeinen Fasans ist ungefähr zwanzig Zoll und d Weibchens zwölf Zoll lang. Wenn nun der weibliche Sömmerringsfasan dnem kurzen Schwänze mit dein männlichen gemeinen Fasane gekreuzt würde, so kann man nicht zweifeln, dass die mannlichen hybriden Nachkommen einen viel Längeren Schwanz haben « als die reinen Nachkommen des gemeinen Fasans. Wenn auf di deren Seite der weibliche gemeine Fasan, dessen Schwanz nahezu zweimal so lang als der des weiblichen Sömmerrii                st, mit

dem Männchen dieser letzteren Form gekreuzt würde, so würden die mannlichen hybriden Nachkommen einen viel kürzeren Schwanz ha- ben als der der reinen Nachkommen des Sömmei

1 Teiiniiincl                  der Schwanz des w

mir sechs Zoll lang sei: Planches                    V. 1888, p,

DABWMT, Absununm                               Sago. |VI                                              1"

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L46

Geschlechtlich* Zuchtwahl: Vögel.

II. Theo.

Unser angenommener Züchter wird, um seine neue Rasse, deren Männchen von einer entschieden blassblauen Farbe sind, während die Weibchen unverändert bleiben, zu bilden, beständig viele Generationen hindurch die Männchen auszuwählen haben und jeder Zustand von Blässe wird in den Männchen zu tixiren und in den Weibchen latent zu machen sein. Die Aufgabe würde eine ausserordentlich schwierige sein und ist auch niemals versucht wurden, könnte aber möglicherweise Erfolg haben. Das hauptsächlichste Hinderniss würde der frühzeitige und rollständige Verlust der blassblauen Färbung sein, wegen der Notwendigkeit wiederholter Kreuzungen mit den schieferblauen Weib- chen, welche letztere zunächst gar keine latente Neigung haben, blassblaue Nachkommen zu erzeugen.

Wenn auf der andern Seite ein oder zwei Männchen, wenn auch noch so unbedeutend, in der Blässe ihrer Färbung variiren sollten und wenn die Abänderungen von Anfang au in der Ueberlieferung auf das männliche Geschlecht beschränkt wären, so würde die Aufgabe, eine neue Kasse der gewünschten Art zu bilden, hiebt sein; denn es wür- den einfach derartige Männchen zur Zucht auszuwählen und mi wohnlichen Weibchen zu paaren sein. Ein analoger Fall ist fa< eingetreten, denn in Belgien4 gibt es Taubenrassen, bei welchen die Männchen allein mit schwarzen Streifen gezeichnet sind. So hat fer- ner Mr. Tki.ktmkiek neuerdings gezeigt \ dass Botentauben nicht sel- ten silbergraue Vögel produciren, welche beinahe immer Weibchen sind; er selbst hat zehn solcher Weibchen erzogen. Andrerseil es ein sehr angewöhnliches Ereigniss, wenn ein Silbermännchen erzeugt wird, so dass. wenn es gewünscht würde, nichts leichter wäre, als eine Hasse von Botentauben mit blauen Männchen und silbergrauen Weibchen zu bilden. Diese Neigung ist in der Tnat so stark, das.-. als Mr. Tf.oktmkier endlich ein silbergraues Männchen erhielt und es mit einem seiner silbergrauen Weibchen paarte, er nun erwartete, eine Frucht zu erzielen, wo beide Geschlechter so gefärbt wären. Er wurde indessen enttäuscht, denn das junge Männchen kehrte zur blauen Farbe seines Grossvaters zurück, und nur .las Weibchen war silber-

die oben mit-                                                  ilater für mich ausgeführt. In

Bezug auf den gemeinen Fasan b. Macgillivray, Statory of British Birds, Vol. 1. p. 118—121.

4 Dr. C h a |

Tl;                      1872.

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Cap. 1">.                     Geschlechtlich beschränkte Vererbung.                           147

grau. Ohne Zweifel wird sich diese Neigung zum Rückschlag bei den, aus der Paarung eines gelegentlich auftretenden silbergrauen Männ- chens mit einem silbergrauen Weibchen producirten Männchen durch Geduld eliminiren hissen, und dann werden beide Geschlechter gleich gefärbt sein. Diesen nämlichen Process hat denn auch bei silber- grauen Mövchen Mr. Bsoj m.ant mit Erfolg ausgeführt.

Was 'las Huhn betrifft, so kommen Abänderungen der Farbe, welche in der Ueberlieferung auf das männliche Geschlecht beschränkt sind, beständig vor. Selbst wenn diese Form von Vererbung vor- herrscht, kann es sieh wohl zutragen, dass einige aufeinanderfolgende Stufen in dem Processe der Abänderung auf die Weibchen mit über- tragen werden können, welche dann in einem unbedeutenden Grade dem Männchen ähnlich werden, wie es bei manchen Hühnerrassen fac- tisch vorkommt. Oder es könnten auch ferner die grössere Zahl, aber nicht alle, der aufeinanderfolg                                       Geschlechter über-

tragen werden, und das Weibchen würde dann dem .Männchen sehr ähnlich werden. Es lässt sich kaum zweifeln, dass dies die Ursache davon ist, dass die männliche Kjopftaube einen etwas grösseren Kropf und die männliche Botentaube etwas grössere Fleischlappen hat als die beziehentlichen Weibchen. Demi die Züchter haben nicht ein Ge- schlecht mehr als das andere hei der Nachzucht berücksichtigt, und haben Dicht den Wunsch gehegt, da                   aractere beim Männchen

stärker entfaltet sein sollten als beim Weibchen, trotzdem dies bei beiden Rassen der Fall ist.

Es müsste derselbe Process eingeleitet und es müssten ganz die- selben Schwierigkeiten überwunden werden, wenn wir wünschten, eine zu bilden, bei welcher nur die Weibchen irgend eine neue Fär- bung darböten.

Es könnte nun aber endlich unser Züchter wünschen eine Rasse zu bilden, bei welcher beide Geschlechter von einander und auch beide von der elterlichen Speciea verschieden wären. Hier würde die Schwie- rigkeit ganz ausserordentlich sein, wenn nicht die aufeinanderfolgenden Abänderungen von Anfang an auf beide Seiten beschränkt wären, und dann würde gar keine Schwierigkeit eintreten. Wir sehen dies bei dem Sühne. So weichen die beiden Geschlechter der gestrichelten Hamburger bedeutend von einander, ebenso wie von den beiden Ge- schlechtern des ursprünglichen Oallus bankiva ab, und beide werden jetzt auf der Höhe ihrer Vbrzüglichkeit gehalten durch fortgesetzte

10 *

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Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Zuchtwahl, welche unmöglich wäre, wenn nicht die Unterscheidungs- merkmale beider Geschlechter in ihrer Ceberlieferung beschränkt wären, panische Huhn bietet einen noch merkwürdigeren Fall dar: das Männchen hat einen ungeheuren Kamm, aber einige der aufeinander- folgenden Abänderungen, durch deren Anhäufung jener erlangt wurde. scheinen auch auf das Weibchen überliefert worden zu sein. Denn be besitzt einen vielmal grösseren Kamm, als der der Weibchen der elterlichen Species ist. Der Kamm des Weibchens weicht aber in einer Beziehung von dem des Männchens ab, denn er ist geneigt um- zuschlagen, und in der neueren Zeit ist durch die Mode festgesetzt worden, dass dies immer der Fall sein soll; dieser Befehl hat auch sehr bald einen 1                                  .-- nun das Herabhängen des

Kammes in seiner Ueberliefejung geschlechtlich beschränkt sein, denn sonst würde es den Kamm des Männchens verhindern, vollkommen aufrecht zu stellen, was jedem Züchter entsetzlich wäre. Auf der andern Seite muss aber auch das Aufrechtstehen des Kammes beim Männchen gleichfalls ein geschlechtlich beschränkter Character sein, denn im anderen Falle würde er den Kamm des Weibchens hindern herabzuhängen.

Aus den vorstehenden Erläuterungen sehen wir, dass es, selbst wenn wir eine ganz unbegrenzte Zeit zu unserer Disposition hätten, ein ausserordentlich schwieriger und complicirter, wenn auch vielleicht nicht anmöglicher Vorgang wäre, durch Zuchtwahl die eine Form von Ceberlieferung in die andere umzuwandeln. Ohne entschiedene Belege für jeden einzelnen Fall bin ich daher nicht geneigt zuzugeben, dass bei natürlichen Species dies häufig erreicht worden ist. Ander würde aber durch Hülfe aufeinanderfolgender Variationen, welche von Anfang an in ihrer Ceberlieferung geschlechtlich beschränkt waren, nicht die gi                                          aen können, männliche Vögel

in der Farbe oder in irgend einem andern Character muh Weibchen verschieden zn machen, wobei das letztere unverändert gelassen oder anbedeutend verändert oder zum Zwecke des Schutzes speciell modifi- len könnte.

Da glänzende Farben für die Männehen in ihrem Rivalitätskampfe mit andern Männchen von Nutzen sind, so werden derartige Farben bei der Zuchtwahl berücksichtigt, mögen sie nun ausschliesslich auf das männliche Geschlecht beschränkt überliefert werden oder nicht. In Folge hiervon lässt sich erwarten, dass die Weibchen häufig an der

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Cap. 15.                                                iin'inkte Vererbung.                           ].|'.i

glänzenderen Färbung der Männchen in einem grösseren oder geringeren Grade Theil haben, nnd dies Irin bei einer Menge von Species ein. Wenn alle aufeinanderfolgenden Abänderungen gleichmässig auf beide

biechter überliefert würden, so würden die Weibchen von den Männchen nicht zu unterscheiden sein. Dies tritt gleichfalls bei vielen

In ein. Wenn indessen trübe Färbungen zur Sicherheit des Weib-

- nährend der Brütezeit von                                    d, wie es bei

manchen auf dem Boden lel                  In der Fall ist, so würden die

Weibchen, welche in der Helligkeit ihrer Farben variirten, oder welche durch Vererbung von den Männchen irgend eine auffallende Annähe- rung an deren Helligkeit erlangten, früher oder später zer Es würde aber die Neigung bei den Männchen, ganz unbegrenzt ihre

ne helle Färbung den weiblichen Nachkommen beständig zu über- liefern, nur durch eine Veränderung in der Form der Vererbung be- seitigi werden können; und dies würde, wie die oben gegebene bei-

sweise Erläuterung                                  iwierig sein. Pas wahr-

scheinlichere Resultat der I                                                   r heller

gefärbten Weibchen würde, vorausgesetzt, dass die gleiche Form von Ueberlieferung herrschend bliebe, die Verringerung oder gänzliche Be- nng der hellen Farben der Männchen sein, und zwar in Folge ihrer                  i Kreuzung mit den trüber gefärbten Weibchen. Es

würde langweilig sein, hier alle die übrigen möglichen Resull verfolgen; ich will alier die Leser daran erinnern, dass, wenn ge-

ichtlich beschrankte Abänderungen in der hellen Färbung bei den Weibchen aufträten, selbst wenn dieselben nicht im allergeringsten für sie nachtheilig wären und folglich auch nicht beseitigt würden, sie doch nicht begünstigt oder bei der Zucht berücksichtigt werden würden; denn das Männchen nimmt gewöhnlich jedes beliebige Weib- chen an und wählt sieh nicht die anziehenderen Individuen aus. Folg- lich würden diese Abänderungen leicht verloren werden und wurden wenig Einfluss auf den Character der Kasse haben: un<\ dies wird die Erklärung des ümstands begünstigen, dass die Weibchen gewöhnlich weniger glänzend gefärbt sind als die Männchen.

In dem achten Capitel wurden Beispiele gegeben, — und es hätte sich noch eine beliebige Zahl hinzufügen lassen. — von Aliänderungen, welche in verschiedenen Altemuständen auftreten und auf entspre- chende Altersstufen vererbt werden. Es wurde auch gezeigt, dass Abänderungen, welche spät im Leben auftreten, gewöhnlich auf das-

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

selbe Geschlecht überliefert werden, bei welchem sie zuerst auftraten, während Abänderungen, welche früher im Leben erscheinen, geneigt sind auf beide Geschlechter vererbt zu werden, womit jedoch nicht

prochen werden soll, dass alle Fälle von geschlechtlich be- schränkter Vererbung hierdurch erklärt werden können. Es wurde ferner gezeigt, dass, wenn ein männlicher Vogel in der Wims.' variirte,

i während des jugendlichen Alters glänzender würde, derartige Variationen von keinem Nutzen sein wurden, so lange das reproductions- fähige Alter nicht erreicht ist, wo dann Concurrenz zwischen dun ri- valisirenden Männchen eintritt. Aber bei Vögeln, welche auf dem Boden leben und welche gewöhnlich des Schutzes trüber Färbungen bedürfen, würden helle Färbungen für die jungen und unerfahrenen Männchen bei weitem gefährlicher sein als für die erwachsenen Männ- chen. In Folge hiervon würden die Männchen, welche in der Hellig- keit ihres Gefieders während des jugendlichen Alters variirten . häufig zerstört und durch natürliche Zuchtwahl beseitigt werden. Auf der anderen Seite können die Männchen, welche in derselben Art und im nahezu geschlechtlichen Zustande variiren, trotzdem dass sie hierdurch noch etwas mehr Gefahr ausgesetzt sind, leben bleiben und. da sie durch geschlechtliche Zuchtwahl bej                  nd, ihre Art

Fortpflanzen. Da in vielen Fällen eine Beziehung besteh! zwischen der Periode der Abänderung und der Form der Feberlieferung, so würden, wenn die hell gefärbten jungen .Männchen zerstört würden und derartige reife Männchen in ihrer Bewerbung erfolgreich wären, allein die -Männchen brillante Färbungen erlangen und nur ihren männlichen Nachkommen überliefern. Ich beabsichtige aber durchaus nicht, hiermit zu behaupten, das- der Einfluss des Alters auf die Form der Deberlieferung die einzige Ursache der grossen Verschiedenheit in dem lirillantsein des Gefieders /.wischen den Geschlechtern vieler Vögel ist.

Da es in Bezug auf alle Vögel, bei denen die Geschlechter in der Farbe verschieden sind, eine interessante F'rage ist, ob allein die Männchen durch geschlechtliche Zuchtwahl modifieirt und die Weib- chen . soweit die Wirksamkeit dieses Moments in Betracht kommt, unverändert geblieben oder nur theilweise verändert worden sind, oder ob die Weibchen durch natürliche Zuchtwald zum Zwecke eines Schutzes speciell modifieirt worden sind, so will ich diese Frage in ziemlicher Ausführlichkeit erörtern, selbst in grösserer Länge als die

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t

Cap. 15.                  Geschlechtlich beschränkte Vererbung.                        IM

an und für sich in ihr liegende Bedeutung es verdienen könnte. Denn es lassen sich dabei verschiedene merkwürdige collateral von ihr aus- gehende Punkte bequem betrachten.

Ehe wir auf die Frage eingehen, und zwar besonders mit Rück- sicht auf die Folgerungen Mr. Wallace's, dürfte es von Nutzen sein, von einem ähnlichen Gesichtspunkte aus einige andere Verschieden- heiten zwischen den Geschlechtern zu erörtern. Es existirte früher in Deutschland eine Rasse von Hühnern6, hei welchen die Hennen mit Spornen versehen waren. Sie waren fleissige Leger, aber störten ihre r mit ihren Spornen so bedeutend, dass man sie nicht auf ihren eigenen Eiern sitzen lassen konnte. Es schien mir dalier früher ein- mal wahrscheinlich, dass bei den Weibchen der wilden Gallinaceen die Entwickelnng von Spornen durch natürliche Zuchtwahl gehemmt worden sei, und zwar wegen des ihren eigenen Nestern zugefügten Schadens. Dies schien mir um so wahrscheinlicher, als die Flügel- sporne, welche während der Nidificationsperiode von keinem Nachtheile sein können, häufig beim Weibchen ebensowohl entwickelt sind als beim Männchen, trotzdem sie in nicht wenigen Fallen beim Männchen im Ganzen grösser sind. Wenn das Männchen mit Spornen an den i versehen ist: so bietet das Weibchen beinahe immer Rudimente

Iben dar. Das Rudiment besteht zuweilen aus einer blossen Schuppe, wie bei den Species von Gallus. Es könnte daher geschlos- sen werden. dass die Weibchen ursprünglich mit wohlentwickelten Spornen versehen gewesen sind, dass diese aber entweder durch Nicht- gebrauch oder durch natürliche Zuchtwahl verloren wurden. Folgt man aber dieser Ansicht, so würde man sie auf unzählige andere Fälle auszudehnen haben, und sie schliessl auch die Folgerung ein, dass die weiblichen Urerzeuger der jetzt Sporne tragenden Species einst mit einem schädlichen Anhange belästigt gewesen seien.

In einigen wenigen Gattungen und Arten, so bei GaUoperdix, Acomus und dem javanischen Pfau (Pavo muHcus), besitzen die'Weib- chen ebensowohl wie die Männchen wohlentwickelte Sporne. Haben wir nun aus dieser Thatsache zu schliessen, dass sie eine verschiedene Art von Nest bauen, welches durch die Sporne nicht verletzt wird, und zwar verschieden von dem Neste, welches ihre nächsten Verwandten bauen, so dass also hier das Bedürfniss nicht vorlag, ihre Sporne zu

" r.echstein. Naturgeschichte Deutschlands. 1703. Bd. 3, S. 339.

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152

etatliche Zuchtwahl:

II. TbeiL

igen, oder haben wir anzunehmen, dass diese Weibchen die Sporne

11 zu ihrer Verteidigung bedürfen? Ein wahrscheinlicherer Schluss ist der, dass B                                 rhandensein als die Ab-

leit von Spornen bei den Weibchen das Resultat von verschie- denen G                . Vererbung ist, welche unabhängig von natürlicher Zuchtwahl s                   iben. Bei den vielen Weibchen, bei welchen die Sporne als Rudiment                 i, können wirschli               ä einige wenige der nacheinander auftretenden Abänderungen, durch welche

: den Mannchen zur Eni                                  sehr früh im Leben

auftrat.'ii und als Folge hiervon am' die Weibchen überliefert wurden. In den amlereii und viel selteneren Fällen, in völlig                                             können wir schlies                 immt-

liche nacheinander aufta                                  auch auf sie überliefert

wurden und da-- sie allmählich die vererbte Gewohnheit erlangten, ihn' reu. Die Stimmorgane und die verschiedentlich modificirten Federn zur

irbringung i                 ihen ebenso wie die eigentümlichen to-

se Einrichtungen zu benutzen, sind oft in den beidi schlechten! verschieden, zuweilen aber in beiden gleich entwi Können derartige Verschiedenheiten dadurch erklärt werden, da Männchen d                  i und Enstincte erlang! haben, während dir

Weibchen vor einer Ererbung derselben dadurch bewahrt wurden, ihnen daraus eine Quelle von Gefahr, die Aufmerksamkeit von Raub- vögeln und Raubthieren auf sich zu lenken, entstanden wi re? l>i"- scheint mir nicht wahrscheinlich zu sein, wenn wir an die g Zahl von Vögeln denken, welche ungestraft die Landschaft mit ihren

len während des Frühjahrs erheitern7. Eine sicherere Folgerung e di'' Stimmorgane und instrumentalen Einrichtungen nur für die Männchen während ihrer Bewerbung von speciellem Nutzen sind, diese Organe durch geschlechtliche Zuchtwahl und beständigen Gebrauch allein bei diesem Gesehlechte entwickelt wurden, während die aufeinanderfolgenden Abänderungen und die Wirkungen des Ge- brauchs vom Anfange an in ihrer Ueberlieferung in einem gri

7 Haines Barrington hielt -                 tut wahrscheinlich 1

Tr.in-ai't. 177:',. p. 164), dass deshalb wenig weibliche Vögel Bingen, weil dies für sie während 4er Incnbationszeit gefahrü                                     _ hinzu, dass

;ine ahnl'-he Ansicht möglicherweise auch !aj Im'jr rifcä des Vi 1 -asna im ! - fieder gegenüber dem Männchen erklären könne.

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Cap. 15.

oder geringeren Grade auf die männlichen Nachkommen beschrankt wurden.

Es konnten viele analog,.' Falle noch vorgebracht werden, z. B. die Schmuckfedern auf dem Kopfe, wi                                  o Männchen

länger sind als bi                  bchen. zur. i

ehlechtern, und gelegentlich beim Weibchen fehlen, wobei kommt, dasa                                   Ue zuweilen in einer un

intreten. Es würde schwierig sein,

zu erklären, das.- es für das Weibchen eine Wohll sei, einen unbedeutend kürzeren Federkamm zu besitzen, und dass der- selbe in Folge hiervon durch natürliche Zuchtwahl verkleinert oder ; unterdrückt wäre. Ich will aber einen -                 Fall, näm-

lich d                          hwanzes betrachten. Das lange Behäng

Pfauhahns würde nicht nur unbequem, sondern auch während der In- cubationsperiode und solange das '                -eine Jungen begl

lieh für das                        - in. Es liegl also darin. das

Entwickelt»;                          beim Weibchen durch natürliche Zucht-

wahl gehemmt worden sei, nicht im allermindesten a priori eine Dn- wahrscheinlichkeit. Aber die Weibchen verschiedener Fasanen, welche dem Anscheine mich auf ihren offenen Nestern ebenso vielen Gefahren Pfauhenne, haben Schwänze von beträchtlicher von Menü                          sn ebenso wi

nze und sie hauen ein kup]                  Nest,

grossen Vogel eine bedeutende Anomali Die Naturforscher haben sich darüber verwundert, wie die weibliche i wahrend der Bebrütung ihren Schwanz, unterbringen könne. Man weiss aber jetzt8, dass sie „in ihr Nest mit dem Kopfe voraus „eintritt und sich dann herumdreht, wobei ihr Schwanz zuweilen über „ihren Kücken geschlagen, aber häufiger rund um ihre Seite herum- ,, gebogen wird. Es [wird hierdurch der Schwanz im Laufe der Zeit »fällig sein f und gibt unen ziamln.ii si« hrrn Hinweis auf du lange „der Zeit, während welcher der Vogel bereits                  at". Beide

eines australischen Eisvogels [Tanysiptera sylvia) haben I ideutend verlängerte mittlere Schwanzfedern, und da das Weib- chen sein Nest in einer Höhle haut, so werden diese Federn, wie mir

" Mr. Ramsay, in: Proc.....1. Zoolog, i               . 50.

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154                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                      II. Theil.

Mr. R. 11. Shaspe mitgetheilt hat, während des Nestbaues sehr zer- knittert.

In diesen beiden letztgenannten Fällen mnss die bedeutend) der Schwanzfedern in einem gewissen Grade für das Weibchen unzu- träglich sein, und da in beiden Spi              Schwanzfedern des Weib- chens etwa- kürzer sind als die des Männchens, so könnte man schliessen, dass ihre volle Entwickelung durch natürliche Zuchtwahl Ks würde alier die Pfauhenne, wenn die Entwickelung aur dann gehemmt worden wäre, wenn derselbe un- zuträglicb oder gefährlich lang geworden wäre, einen viel länj

iz erlangt haben als sie factiscb besitzt, denn ihr Schwanz ist im Verhältniss zur Grösse ihres Körpers nicht nahezu so lang wie

eler weiblicher Fasanen und auch nicht länger als der des weib- lichen Truthuhns. Man muss auch im Sinne behalten, dass in Ueber- einstimrnung mit dieser Ansicht. sobald der Schwanz der Pfauhenne gefährlich lang und in Folge hiervon seine Entwickelung gehemmt würde, sie beständig auf ihre männlichen Nachkommen eingewirkt haben und den Pfauhahn gehindert haben würde, seinen jetzigen pracht- rollen Behäng zu erlangen. Wir können daher schliessen, dass die Pfauhahn und seine Kürze bei der Pfau- henne das 1,'esultat davon sind, da-s die nöthigen Abänderungen heim Männchen von Anfang an allein auf die männlichen Nachkommen vererbt worden sind.

Wir werden zu einer nahezu ähnlichen Schlussfolgerung in Bezug auf die Länge des Schwanzes bei den verschiedenen Species von Fa- sanen geführt. Bei dem Ohrenfasan (Crossoptüon auritum) is Schwanz in beiden Geschlechtern von gleicher Länge, nämlich zehn oder siebzehn Zoll; bei dem gemeinen Fasane ist er ungefähr zwanzig Zoll lang bei dem .Männchen und zwölf heim Weibchen. Bei dem Sömmerringsfasane ist er beim Männchen siebenunddreissig und beim Weibchen nur acht Zoll lang, und endlich bei Reeve's-Fasanen zuweilen factiscb beim .Männchen zweiundsiebenzig Zoll lang und sechszehn Zoll heim Weibchen. Ks ist daher in den verschiedenen - der Schwanz des Weibchens beträchtlich seiner Länge nach

lieden und zwar ohne Bezug auf den Schwanz des Männchens und dies lässt sich, wie mir scheint, mit viel grösserer Wahrschein- lichkeit durch die Gesetze der Vererbung erklären — d. h. dadurch. lie aufeinanderfolgenden Abänderungen vom Anfange an mehr

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Cap. 15.

Farbe and

155

oder weniger streng in ihrer Ueberlieferung auf das männlich schlecht beschränkt waren — als durch die Wirksamkeit der natür- lichen Zuchtwahl, dass Dämlich die Länge des Schwanzes in einem grösseren oder geringeren Grade für die Weibchen der verschiedenen dlich geworden wäre.

Wir können nun Mr. Wallace's Argumente in Bezug auf die ge- schlechtliche Färbung der VögeJ betrachten. Er glaubt, dass die ur- sprünglichen von den Männchen durch geschlechtliche Zuchtwahl er- langten glänzenden Farben in allen oder beinahe allen Fällen auf die Weibchen überliefert worden wären, wenn diese [Jebertragung nicht durch natürliche Zuchtwahl gehemmt worden wäre. Ich will hier den Leser daran erinnern, dass verschiedene auf diese Ansicht sich be- ziehenden Thatsachen bereits in dem Abschnitte über Reptilien, Am- phibien, Fische und Lepidoptern gegeben werden sind. Mr. Wallace gründet seine Ansicht hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich, wie wir im nächsten Capitel sehen werden, auf die folgende Angabe9,

wenn beide Geschlechter in einer sehr auffallenden Weis färbt sind, das Nest von einer solchen Xatur ist, da-                uf den

Ficm sitzenden Vögel verbirgt, dass aber, wenn ein ausgesprochener Contrast der Farbe zwischen den Geschlechtern besteht, wem Männchen hell und das Weib                   gefärbt ist. das Nest dann

offen ist und die auf den Eiern sitzenden Vögel den Blicken ausi Dieses Zusammentreffen unterstützt                 - vorkommt, sicherlich

die Annahm                   Weibchen, welche auf offenen Nestern sitzen,

zum Zwecke 'l'> Schutzes Bpeciell modificirt wurden sind: wir werden aber sofort sehen, dass es noch eine andere und wahrscheinlichere Erklärung gibt, nämlich die, dass auffallend gefärbte weibliche Vögel häufiger als truj>e gefärbte den [nstinct erlangt haben, kuppeiförmige zu bauen. Mr. Wallace gibt zu, dass. wie sich hätte erwar- ten lassen, einige Ausnahmen von diesen seinen beiden Regeln i

- ist alier die Frage, ob die Ausnahmen nicht so zahlreich sind, dass die Kegeln ernstlich erschüttert werden.

An erster Stelle liegt in der Bemerkung des Herzogs von Abgyll io viel Wahres, dass ein grosses kuppeiförmiges Nest einem Feinde viel auffälliger ist, besonders allen auf Bäumen jagenden fleischfressenden Thieren. als ein kleineres offenes Nest, Auch dürfen wir nicht ver-

» Journal of Trarel. edited by A. Murray. Vol. I. 1868, p. 78. "> Journal of Travel, edited by A. Murray. Vol. I. 1868. p

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Geschlechtliche Zuchtwahl :

II. Theil.

. dass bei vielen Vögeln, welche offene Nester bauen, die Männ- chen ebensogut wie 'li'' Weibchen auf den Eiern sitzen und letztere bei dem Ernähren der Jungen unterstützen. Dies ist /. I!. der Fall ranga aestiva1', einem der glänzendsten Vögel in den Verei- Staaten: das Männchen i-t scharlachroth, das Weibchen hell- bräunlich-grün. Wenn nun brillante Färbungen für Vögel. während sie auf ihren offenen Nestern sitz                          ährlich wärei

würden in diesen Fällen die Männchen b                                   a. Es

kann indessen für 'las Männchen v......iner so capitalen Bedeutung

sein, brillant gefärbt zu werden, um seine Rivalen zu bes

tere Gefahren hierdurch mehr als                   a werden.

Mr. Wallace gibt zu, dass bei                   skrähen (/'<

Golddrosseln (Orioli) und Prachtdrosseln l               die Weibchen auf-

fallend gefärbt sind und doch offene Nester bauen. Er beton! aber, dass 'li'' Vögel der ersten Grnppe in hohem Grade kampfsüchtig sind und sich selbst vertheidigen können, dass diejenigen der zweiten Gruppe darauf verwenden, ihre offenen Nester zu verbergen; doch gilt dies nicht für alle Fälle ohne Ausnahme -; und dass bei den Vögeln der dritten Gruppe die Weibchen hauptsächlich an der Unter- fläche glänzend gefärbt sind. Ausser diesen Fällen bietet die

ivelche zuweilen hell und beinahe immer auffallend gefärbt sind und welche notorisch den Angriffen von Raub- vögeln sehr                   sind, eine bedenkliche Ausnahme von der Regel dar-, denn Tauben bauen beinahe immer offene und exponirte S In einer anderen grossen Familie, der der Colibri's, bauen alle S offene Nester, und doch sind bei einigen der prachtvollsten Species die Geschl gleich, und in der Majorität der Arten sind die Weibchen, wenn auch weniger brillant als die Männchen, aber doch hell gefärbt. Auch kann nicht behauptet werden, dass alle weiblichen Colibris, welche hell gefärbt sind, dadurch der Entdeckung entgehen, das- ihre Farbentöne grün sind; denn einige entfalten auf ihrer obe- ren Fläche rothe, blaue und andere Färbungen ';.

" Audubon. Ornithological Biography. Vol. I, p. 1 11 Jerdon, Birds of lndia. Vol. II, p. 108. Gould's Handbook of th of Australia. Vol. I. ;

:l So hat z.B. die weiblicheEupetomena macroura einen dunkelblauen und Schwanz und röthliche Weichen; die weibliche Ltim].urin> porphururus ist schwärzlich-grün auf der obern Fläche und hat Zügel and Seiten der Kehle car- moisin; die weibliche Euiampis jugularis hat den Scheitel des Kopfes und den

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Farbe uii'l N

157

Was die Vögel betrifft, welche in Höhlen nisten oder sich kuppel- i werden, wie Mr. Wallace bemerkt, ausser dem Verbergen noch andere Vortheile dadurch erre t, so Si

Wannt' and in warmen Ländern Schatz gegen die strahlen14,                    dem umstände, dass viele Vögel, von

denen                 schlechter dunkel

bauen '"'. kein gültiger Einwi                                                     Weib-

chen des 1! !!;'. gels (ßuceros) z. !'> in Indien nnd Africa ist während der Zeit des Nistens ausserordentlich sorgfältig geschützt; denn das- : hie, in weh                                  n sitzt, mit -

/ zu and lässt nur eine kleine Oeffnung, durch welche hindurch das Männchen es ernährt, frei. Das Weibchen wird auf d                                                            tungszeit in

:. ">: und doch sind weibliche Hornvögel nicht Irbt, als viele andere Vögel von gleicher G ster bauen. Wie Mr. Wallace selbst zugibt, liegt ein bedenklicherer Einwurf gegen seine Ansicht darin, dass in einigen jen Gruppen die Männchen brillant gefärbt, die'Weibchen dunkel sind und dass trotzdem die letzteren ihre Eier in I ausbrüten. Dies ist der Fall mit den Grallinen von Australien, mit den Malurid                                  len Nectariniden und mit mel

der australischen B                  oder Meliphagiden".

Wenn wir                    m England betrachten,                sich her-

dass kein enges und allgemein best den Farben des Weibchens und der Natur des Nestes, welches di baut, vorhanden ist. Ungefähr vierzig unserer britischen Vögel (mit

Bücken grün, aber die Weichen nnd der Schwanz sind cannoisin. Es Hessen sich noch viele an                      von in hohem Grade auffallenden Weibchen anführen.

b, Hr. Gonld's prachtvolles Werk                      milie.

" Mr. Salvin beobachtete in Gnatemal viel weniger gera '"'' Nester in sehr warmem 9 hell schien, als während kalten, wolkigen oder regnerischen ihre Hier darunter litten. 14 Ich will als Beispiele von d                               In, welche verborgene

banen, die zu acht australischen i                                                »ahnen,

welche in Gonld's Bandbook of I

od -114 beschrieben sind. » C Home, in: P

book etc. Vol. I. p. 504, 527.

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158

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Ausnahme der von bedeutender Grösse, welche sich selbst vertheidigen können) nisten in Böhlungen, an Ufern, an Flüssen oder Bäumen, oder bauen sich gewölbte Nester. Wenn wir die Farben des weiblichen litz, Gimpel oder der Amsel als Maassstab für den Grad der Augenfälligkeit annehmen, welche für das auf den Eiern sitzende Weib- chen von keiner                   Fahr ist. so kann man unter den eben erwähnten vierzig Vögeln nur die Weibchen von zwölf als in einem gefahrlichen Grade auffallend gefärbt betrachten, wogegen die übrig- bleibenden achtundzwanzig nicht auffällig sind '". Eis besteht auch keine nahe Beziehung zwischen einer scharf ausgeprägten Verschieden- heit in der Farbe /wischen den beiden Geschlechtern und der Beschaf- fenheit des gehauten Nestes. So weicht der männliche Haussperling [Passer domesticus) sehr gom Weibchen ab, wogegen der männliche Baumsperling (Pa nus) kaum irgendwie vom Weibchen ver- ii i.-t; und doch bauen beide wohlverborgene Nester. Diebeiden Geschlechter des gemeinen Fliegenschnäppers (Muscicapa grisola) kön- nen kaum von einander unterschieden werden, während die Geschlechter des gefleckten Fliegenschnäppers (M. luctuosa) beträchtlich von einander abweichen, und beide nisten in Bohlen. Die weibliche Amsel (Turdus mertda) weicht bedeutend, die weibliche Bings                 rquatus) nur wenig und das Weibchen der gemeinen Drossel ('/'. musicus) kaum irgendwie von dem betreffenden Männchen ab. und doch bauen sie sämmtlich offene Nester. Andererseits haut die ziemlich nahe mit den Genannten verwandte Wasseramsel (Cinclus aquaticus) ein gevi Nest und die Geschlechter weichen hier ungefähr so viel von einander bei der Ringamsel, Das Birkhuhn und Moorhuhn Tetrao tetrix und T. scoticus) bauen offene Nester in gleichmässig wohlverborgenen

18 Ich habe über diesen Gegenstand Macgilliyray's British Birds zu Eath gezogen, und obsehon man in einigen Fallen in Bezug auf den Glad des Ver- borgenseins des                  1 rücksichtlich des Grades der Auffälligkeit des Weib- chens Zweifel hegen kann, so können doch die folgenden Vögel, welch.' sämmtlich ihre Eier in Höhlen oder kuppelföm                    gen, nach dem oben angenommenen bähe kaum als auffällig betrachtet werden: Passer, 2 Species; Sturnus, wo das Weibchen beträchtlich weniger brillant ist als das Männchen; i

\a boarula (?); Er                                                                    'uticüla,

2 Sp-i SyJe«o,SSp.; I                                     Anorthura; Certhia

io, 3 Sp. und '                Die Weibchen der folgenden

zwölf Vögel können Dach dem nämlichen                    fax auffällig angesehen wer-

den, nämlich: Pastor, Motaätta alba, i i-, Alcedo und M- r

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Cap. 15.

Farbe un-:

159

Oertlichkeiten. Doch weichen in der einen Species bedeutend und in der anderen sehr wenig von einander ab.

Trotz der im Vorstehei                . ihlten Einwürfe bann ich nach

Durchlesen von Mi-. Waixace'                           Abhandlung nicht

fein, dass im Hinblick auf die Vögel der ganzen Erde eine bedeutende Majorität derjenigen Species, bei denen die Weibchen auffallend gefärbt sind (und in diesen Fällen sind die Männchen mit seltenen Ausnahmen

auffallend gefärbt), ve eines Schutzes bauen. Mr. Waixace zählt19 eine lange Reihe von Gruppen auf, in welchen die:               rfiltigkeit hat. Es wird aber

genügen, wenn ich hier als Beispiel die bekannteren Gruppen der Eis- Tukans. Kurukus                                     (Capitonidae), l'isang- (Musophagae), Spechte, und Papageien anführe. Mr. Wallace glaubt, dass in diesen Gruppen die brillanten Färbungen in dem Maasse Mannchen dieselben durch geschlechtliche Zuchtwahl allmählich erlangt haben, auf die Weibchen überliefert und wegen des Schutze-, welchen dies lits durch die Art und Weise ihres Nestbaues erhielten, nicht wieder beseitigt wurden. Dieser Ansicht zufolg langten diese Vögel die jetzige Art und Weise des Nistens früher als die sie jetzt schmückenden Farben. Es scheint mir aber viel wahr- scheinlicher zu sein, dass in den meisten Fallen die Weibchen, wie dieselben dadurch immer mehr und mehr brillant gefärbt wurden, dass sie au der Färbung <\< .Mannchens theilnahmen, allmählich dazu geführt wurden, ihre Instincte zu verändern (allerdings unter der An- nahme, dass sie ursprünglich offene Nester bauten) und sich Schutz zu suchen durch das Errichten kuppeiförmiger oder verborgener Nester. Niemand, welcher z. 1!. Aodubon's Beschreibung               shiedenheiten in dem Xestbaue einer und der nämlichen Species in den nördlichen und südlichen Vereinigten Staaten li"st:". wird eine besondere Schwie- rigkeit darin linden, zuzugeben, dass Vögel entweder durch eine Ver- änderung (im strengsten Sinne des Wortes) ihrer Lebensweise oder durch die natürliche Zuchtwahl sogenannter spontaner Alländerungen des Instinctes leicht dahin gebracht werden können, die Art und Weise ihres Nestbaues zu modificiren.

' Journal of Travel, edited by A. Murray. Vol. 1.

10 t. viele Angaben hierüber in der .Ornithological Biography". s. auch einige merkwürdige Beobachtungen über die Nester italienischer Vögel von Eu- genio Bettoni in d-r                          Italiana. Vol. XI. 1869, i. 187,

The Comolet                                               Online

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160                                  CS''-'                     Zuchtwahl: Vi -                              II. Theil.

\r(. 'las V'erhältnisa zwischen der hellen Färbung weiblicher und ihrer "W                zu bauen, soweil ein \                tig ist,

zn betrachten-, erfahrt durcl                  inaloge Fälle Unterstützung,

in der Wüste Sahara vorkommen. Hier leben, wie in den mei- oderen Wüsten, verschiedene Vöge] and siele andere I Färbung in einer wunderbaren V,                  trbung der umgel

Erdoberfläch                                                    er bestehen, wie mir Mr.

is mitgetheilt hat, einige merkwürdige Ausnahmen von dieser Männchen der Monticola cyo                         r hell-

blauen Farbe auffallend und das Weibchen i-t beinahe in gleicher Weise auffallend wegen seines                  und braunen Gefiei

Geschlechter von zwei Species von Dromolaea sind von einem glän- zenden Schwär/. Diese drei Vögel sind daher weit entfernt davon, durch ihre Farbe Schutz zn erhalten, und doch sind sie im Stande zu lewohnheit erlangt, bei drohender Gefahr in Höhlen oder Felsenspalten Zuflucht zu suchen.

In Bezug auf die oben angeführten Gruppen von Vögeln, bei denen die Weibchen auffallen.1 gefärbt sind und verborgene Nester bauen, - nicht nöthig anzunehmen, dass bei jeder einzelnen Species der tuende [nstinet speciell modificirt worden ist, äondern nur. dass die frühen i                  einer jeden Gruppe allmählich dazu gebracht

wurden, kuppeiförmige oder verborgene Nester zu errichten, und Bpäter [nstincl in Verbindung mit ihrer hellen Farbe auf ihre modi- Scirten Nachkommen vererbten. Diese Folge) i                        sie zu-

3ig ist, inter                           tämlich, dass geschlechtliche Zucht-

wahl in Verbindung mit gleichmäs                  nahezu gleichniäs

Vererbung auf beide Geschlechter indireci die Art und Weise des hau.'- bei ganzen Gruppen von Vögeln bestimm! hat.

(nippen, bei welchen Mr. Waixäce zufolge die ihen ihre hellen Farben nicht durch natürliche Zuchtwahl verloren . weil sie in Folge ihrer Art des Nestbaues bereits geschlitzt sind, weichen die Männchen oft in einem ganz unbedeutenden und ge- legentlieh in einem beträchtlichen Grade von den Weibchen ab.

nie sehr bezeichnende Thatsache; denn derartige Verschiedenheiten in der Färbung müssen aus dem Principe erklärt werden, dass einige der Abänderungen bei dem Männchen vom Anfange an in ihrer Deber- ing auf ein und das nämliche Geschlecht beschränl sind, da sich doch kaum behaupten läset, dass i                 iedenheiten,

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161

sra wenn sie sehr anbedeutend sind, als ein Schutz für das ben dienen. So bauen alle Species in der glänzenden Gruppe der Kurukus                 | in Höhlen und Mr. Gocld gibt Abbildungen21

von beiden G               rn von fünfundzwanzig                 bei welchen

sämmtlich, mit einer theilweisen Ausnahme, die Geschlechter zuweilen unbedeutend, zuweilen auffallend in der Farbe von einander abweichen, wobei die Männchen immer schöner als die Weibchen sind, trotzdem auch die letzteren Bchön sind. Alle Species von Eisvögeln bauen in Höhlen und hei den meisten der Species sind die Geschlechter gleich- i brillant, und soweit hat Mr. Wau.ace's Begel Gültigkeit. Aber

tustralischen Species sind die Farben des Weil izen etwa- weniger lebhaft al                Männchens and in einer

glänzend gefärbten Art weichen die Geschlechter so bedeutend von einander ab. dass sie Anfangs für i]                rschieden gehalten wur-

den22. Mr. R. B. Sharpe, welcher diese Gruppe specieller studirt hat. hat mir einige americao                                   gezeigt, bei denen die

Brust des Männchens einen schwarzen Gürtel trägt. Ferner ist auch bei Co               die Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern in die

fallend; bei dem Männchen ist die obere Fl                r blau

mit Schwarz gebändert, während die untere Fläche theilweise roth- braun gefärbt ist: auch findet sich um den Kopf herum viel Roth. Heim Weibchen ts                   Fläche röthlich-braun mit S

bändert und die untere Fläche i-t weiss mit schwarzen Zeichnungen. .'ine interessante Thatsache, da sie zeigt, wie dieselbe eigen- tümliche Art geschlechtlicher Färbungen oft verwandte Formen eha- racterisirt, dass in drei                                  is Männchen vom

chen nur darin abweicht, das                'anz dunkelblau mit Schwarz.

idert ist, wäl                                 Weibchens braun mit schwärz-

lichen Querbalken ist. so dass hier der Schwanz der bi                 lechter

in seiner Färbung in genau derselben Weise verschieden ist. wie die ganze obere Fläche bei den beiden Geschlechtern von Ca

Unter den Papageien, welche gleichfalls in Hohlen nisten, linden wir analoge Fälle. In den n                                   Geschlechter bril-

lant gefärbt und nicht von einander zu unterscheiden, aber in nicht sind die Männchen im Ganzen lebhafter gefärbt als

21 s. seine Monographie der Trogoniden, erste Ausgabe. " oSrnMch Cyattalcyon. Gould, Handboot t" tue Birds of Australia. Vol.1, p. 133. s. auch p. ISO, 13(5.

DARWU                                                                     '-' VI.                                                           11

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Iti2                                  Geschlechtliche Zuchtwahl: V5g                               II. Tboil.

die Weibchen, od                  ihr verschieden von jenen. So

anderen scharf ausgesprochenen Vi                                 ganze untere

Fläche des männlichen Königslori i I                                         arlach-

roth, während die Kehle und Brnsl des Weibchens grün mit Roth gefärbt ist. Bei der Euphema splendida bestehl eine ähnliche Ver-

Gesichi und die Flügeldeckfedern des Weibchens ausserdem von einem blasseren Blau als beim Männchen -,;1. Im der Familie der Meis                   I, welche verborgene Nester bauen, isl

das Weibchen unserer Blaumeise (Parut                   „viel weniger hell

gefärbt" als das Männchen, und bei der prachtvollen .gelben Snltan- von Indien ist die Verschiedenheil noch grösser2*, nd ferner in der grossen Gruppe der Spechte28 d ter allgemein nahezu gleich; aber bei dem Megapicus validus äind alle die Theile des Kopfes, des Balses und der Brust, welche bei den Männ- chen carmoisinroth sind, beim Weibchen blassbraun. Da bei mehreren Spechten der Kopf hell schärlachroth ist. während der des Weibchens einfach gefärbt ist. so kam mir der Gedanke, dass diese Färbung möglicherweise das Weibchen in einem gefährlichen Grade auffallend machen würde, sobald es seinen Kopf aus der das Nesl enthall Höhle herausstreckt, und dass in Folge hiervon diese Färbung in üeber-

einstii......mg mit der Ansichl Mr. Waluce's beseitig! worden sei.

Diese Ansicht wird durch das unterstützt, was Malherbe in Bezng auf den Indopicus carlotta angibt, dass nämlich die jungen Weibchen ganz ebenso wie die jungen Männchen etwas Scharlachroth um ihren Kopi haben, dass aber diese Färbung bei dem erwachsenen Weibchen ver- schwindet, während sie bei dem erwachsenen Männchen noch intensiver wird. Aber trotz dem Allem machen die folgenden Betrachtungen diese Ansicht doch äusserst zweifelhaft. Das Männchen nimmt einen gehörigen Theil an der Bebrütung28 und würde soweit beinahe ebenso der Gefahr ausgesetzt sein; beide Geschlechter vieler Species haben

M Bei den Papageien von Australien lässt sich in der Verschiedenheit zwi- schen den Geschlechtern jede Abstufung verfolgen, s. Gould's Handbook. Vol. 11,

p. 14-1"J.

;l Macgillivray. History of BritishBirds. Vol II. p. 438. Jerdon, Birds of India. Vol. II, p. 282.

" Alle >Ii - folgenden Thatsachen sind dem prachtvollen Werke Mal h erbe's, Monographie                          1961, entnommen.

26 Audubon, Ornithological Biograph}*. Vol. II, p. 75. s. auch Ibis, Vol. I.

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Farbe nnd

163

einen in gleicherweise hell scharlachrote gefärbten Kopf; bei anderen Species ist die Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern in Bezug auf diese scharlachene Färbung so anbedeutend, dass hierin kaum irgend ein wahrnehmbarer unterschied in der darin liegenden Gefahr erblickt werden kann; und endlich ist die Färbung des Kopfes in den Geschlechtern oft in anderer Weise anbedeutend verschieden.

Die bis jetzt mitgetheilten Fälle von anbedeutenden and allmäh- lich abgestuften Verschiedenheiten in der Färbung zwischen den .Männ- chen und Weibchen in denjenigen Gruppen, bei welchen als allgemeine die Gesohlechter einander ähnlich Bind, beziehen sich sämmtlicb auf Species, welche kuppeiförmige oder verborgene Nester bauen, ähnliche Abstufungen lassen sich in gleicher Weise in Gruppen beob- achten, bei denen die Geschlechter der allgemeinen Regel nach einan- der ähnlich sind, welche aber offene Nester bauen. Da ich vorhin die australischen Papageien als Beispiel angeführt habe, so will ich hier ohne weitere Details mitzutheilen die australischen Tauben als Bei- spiel anziehen'27. Es verdient besondere Beachtung, dass in allen diesen Fällen die unbedeutenden '                                          ir /.wi-

schen den Geschlechtern von derselben allgemeinen Beschaffenheit sind,

die gelegentlich auftretenden grösseren Verschiedenheiten. Eine gute Erläuterung dieser Thatsache ist bereits durch die Erwähnung der Eisvögel mitgetheilt worden, bei welchen entweder der Schwanz allein, oder die ganze obere Fläche des Gefieders in derselben Art und Weise in den beiden Geschlechtern verschieden ist. Aehnliche Falle lassen sich bei Papageien and Tauben beobachten. Audi sind die dedenheiten in der Färbung zwischen den Geschlechtern einer und der nämlichen Species von derselben allgemeinen Beschaffenheit wie die Verschiedenheiten in der Färbung zwischen den einzelnen Species einer und der nämlichen Gruppe. Denn wenn in einer Gruppe, in welcher die Geschlechter gewöhnlich gleich sind, das Männchen beträchtlich vom Weibeben abweicht, so ist es durchaus nicht in einem vollkommen neuen Style gefärbt. Wir können daher schliessen, dass innerhalb einer und der nämlichen Gruppe die speciellen Karben beider Geschlechter, wenn sie gleich sind, und die Färbungei Männchens, wenn diese unbedeutend oder selbst beträchtlich vom Weibchen verschieden ist, iii den meisten Fällen durch eine und die

-' Gould, Handbook to the Bird« ot aoatralia. VoL II. p. 109—149.

11*

The Cornolete Work of Charles Darwin Online

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164

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

nämliche Ursache bestimmt worden sind; und diese ist geschlecht- Zuchtwahl.                                       

Wie bereits bemerkt worden                                    heinlich, dass

iedenheiten in der Färbung zwiscl                 schlechtem, wenn

sind, für d                  d als Schatzmitte] von

Nutzen sein könn                                                              von Nutzen

seien, so könnte man wohl glauben, dass sie Del                         stellen.

Wir haben aber keinen Grund zu der Annahme, dass zu irgend einer gegebenen 7.                                                   _ unterliegen. Wir kön-

nen daher kaum zugeben, dass die zahlreichen Weibchen, welch unbedeutend in der Färbung von ihren Männchen jetzt alle zum /.                     -              dunkler zu                  ginnen.

Selbst wenn wir

lenheiten in Betracht ziehen:                                           - z. B.

der K                  blichen Buchfinken, das Carmoisinroth an der Brust

li Gimpels, das Grün des weiblichen Grünfinken, die mmtlicb dur - der Zuchtwahl zum Zwecke des                        ger hell ge-

macht worden sind'- Ich kann dies nicht glauben, und noch w in Bezug auf unbedeutende v                                                     hlech-

andern Seite können di                 lenheiten in der Färbung zwischen

den beiden G               rn, mögen sie n                    der kleiner

in einer bedeutenden Ausdehnung durch die Annahme erklärt werden.

lie aufeinanderfolgenden Variationen,                   Männchen durch

echtliche Zuchtwahl erlangt haben, vom Anfange an in ihrer

rjeberlieferung mehr oder weniger auf die Männchen beschränkt waren.

nkung in vi r und der nämlichen Gruppe verschieden ist, wird Niemand überras                her die Gesel                                 lirt hat; denn sie

sind so complicirt, dass sie uns bei unserer Unwissenheit in ihrer Wirksamkeit launenhaft zu sein scheinen

ich es nachweisen kann, gibt es nur sehr wenig, i trächtliche Anzahl von Species enthaltende Gruppen, bei welchen alle Arten in be               hlechtern brillant gefärbt und gleich sind.

Dies scheint aber, wie ich von Mr -            höre, mit den P

in meinem Buche: Das Varüren der Thiere uml Pflanzen im '/.<.--                    I imestication. 2. Au:                           L2.

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Cap. 15

Farbe und

165

rn oder Mut                 der Fall zu -ein. Auch glaube ich nicht,

r i rrup].....xistirt, bei                      l leschlechter

Bämmtlicher Arten in ihrer Färbung                   ;on einander verschieden

wären. Mr. Wallage theilt mir mit, dass                    schwänze von

- der besten                   I irbieten; aber bei

i welchen das Männchen eine glän tuch das Weibchen etwas Roth an seiner Brust, und die Weibchen anderer -                 jen Spuren der grünen und anderen

Färbungen der Männchen. N                             c haben wir aber auch

innerhalb anderer Gruppen Fälle von bedeutender Annäherung an ntliche Aehnlichkeit oder ünähnlichkeit; und di nach dem, was oben über die fluctuirende Beschaffenheif der Vererbung _ worden ist, ein etwas überraschender Umstand. Dass aber bei verwandten Thieren die Dämlichen Gesetze in hohem Maasse gelten, icht überraschend. Das Baushuhn hat eine grosse Anzahl von d und Unterrassen entsl                                       diesen weichen im

Allgen                  Geschlechter im Gefieder von einander ab, ao d

als ein merkwürdiger Umstand betrachte! worden ist, wenn sie in ge- ü'nterrassen einander ähnlich sind. Aul" der anderen Seite hat die Baustau                    lls eine ungeheure Anzahl von verschiedenen

a entstehen lassen, und bei diesen sind mit seltenen Ausnahmen die beiden Geschlechter identisch gleich. Wenn daher andere Spe                 Gallus und '

waren und variirten, su würde es nicht voreilig -ein. vorauszusagen, dass di iselben, von der herrschenden Form der Vererbung abhängigen allgemeinen Regeln der geschlechtlichen Aehnlichkeit und Ünähnlich- keit in beiden Fallen gelten werden. In einer ähnlichen "Weise hat allgemein dieselbe Form der Ueberlieferung durch dieselben natürlichen Gruppen hindurch geherrscht, wennschon ausg                    Ausnahmen

von dieser Regel vorkommen. Innerhall) einer und der nämlichen Fa- milie oder selbst derselben Gattung können die Geschlechter identisch und gleich oder sehr verschieden in der Färbung sein. Heispiele, welche sich auf dieselbe Gattung beziehen, sind bereits mitgetheilt worden, so bei Sperlingen, Fliegenschnäppern, Drosseln und Waldhühnern. In der Familie der Fasanen sind die Männchen und Weibchen beinahe Bämmtlicher Species wunderbar unähnlich, sind aber einander bei dem Ohrenfasan oder Crossoptilon auritum rollständig ähnlich. In zwei Species von CMoephaga, einer Gattung der Gänse, können die Männ-

arles Darwin Online

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L66

Geschlechtliche Znchtwahl:

II. Thcil.

chen nicht von den Weibchen unterschieden werden, ausgenommen durch die Grösse, während in zwei anderen die Geschlechter einander so ungleich sind, dass sie leicht fälschlich für verschiedene Arten ge- halten werden könn

Die folgenden Fälle können nur durch di                   I ir Vererbung

erklärt werden, wo nämlich                   chen in eine                  Eiebens-

periodi                                          erhält. welche dem Männchen

sind, und dann schliesslich diesem mehr oder wei                 ständig

ähnlich wird. Hier kann der Schutz kaum in's Spiel gekommen sein. Mr. l.i.vni theilt mir mit, dass die Weibchen von 0

locephalus ui                    nahe verwandter :                 enn sie hin-

reichend reif sind, um zu brüten, beträchtlich in ihrem Gefieder von den erwachsenen Männehen verschieden sind. Aber nach der ii oder dritten Mausern                      sie nur darin von jenen ab,

dass der Schnabel eine leicht grünliche Färbung erhalt. Bei den d [Ardetta) erlangt derselben Autorität zufolge .das Männ- seine schliessliche Färbung mit der ersten Mauserung, das ichen nicht vor der dritten "der vierten. In der Zwischenzeit r es eine intermediäre Färbung dar. weh                 --lieh gegen

„ein Kleid vertauscht wird, welches mit dem des Männchens identisch .ist-. So erlangt ferner der weibliche Wanderfalke (J                  rinus)

sein blaues Gefieder langsamer als das Männchen. Mr. Swwhob führt an, dass bei einem Drongo-Würger (Dicrurm macrocercus) das Männ- chen, während es fast noch ein Nestling ist. sein weiches braun fieder mausert und ein .                                                                   warzes

erhält. Das Weibchen behält dagegen lange Zeit die weissen Streifen und Flecken auf den Achselfedern und nimmt die gleichm schwarze Farbe des Männchens vor den ersten drei Jahren nicht voll- ständig an. Ders                                      leobachter bemerkt, dass im Frühlinge des zweiten Jahres der weibliche Löffelreiher (Platalea) von China dem Männchen des ersten Jahres ähnlich ist und dass er allem Anscheine nach nicht vor dem dritten Frühlinge dasselbe erwachsene Gefieder erhält, wie es das Männchen in einem viel früheren Alter besitzt. Der weibliche nordamerieanische Seidenschwanz (BombyciUa carolinensis) ist muh Männchen nur sehr wenig verschieden; aber die Anhänge, welche wie Tropfen von rothem Siegellack die Schwungfedern

" The Ibis, Vol. VI. 1864, p. 122.

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167

vorzieren30, entwickeln sich bei demselben nicht so zeitig im I

im Männchen. Die obere Kinnlade beim Mannchen eines indi- schen Papag                                           ist von der frühesten Jugend

an korallenroth; beim Weibchen aber ist sie. wie Mr. Blyth an in gen gehaltenen und wilden Vögeln beobachtet hat, anfangs schwarz nnd wird nicht eher roth, als bis der Vogel wenigstens ein Jahr alt ist. in welchem Alter d                chter einander in allen Beziehungen

ähnlich sind. Bei                chter des wilden Truthuhns sind sc!

lieh mit einem Büschel von Borsten aui ihrer Brost versehen, aber bei zwei Jahre alten Vögeln ist dieses Büschel heim .Männchen unge- fähr vier Zoll lang und heim Weibchen kaum zu bemerken. Wenn tertes Jahr erreicht hat, so ist jenes Bü- schel vier bis fünf Zoll lang31.

Derartige Fälle dürfen nicht mit solchen vermengt werden, bei in erkrankte oder alte Weibchen abnormer Weise mannliche Charactere annehmen, oder mit solchen, in welchen vollkommen frucht- bare W                                  jung sind, durch Abänderung oder durch i eine unbekannt« Ursache die .Merkmale des Männchens anneh- -. Aber alle diese Fälle                 iel mit einander gemein, dass

von ahliangen. dass aus jedem                                   - herrührende Keimchen beim Weibchen,

wenn auch latent, vorhanden sind und dass ihre Entwickelung Folge von irgend einer unbedeutenden Veränderung in den Wahlverwandt- schaften sei               tuirenden Ge?

Wenn Jas Männchen dem Weibchen den Hof macht, werden diese Anhänge

tdurch sehr vortheilhaft znr Erscheinung gebracht",

da die                                              Iten werten, b. A. Leith Adams, Field und

'" üebi                                            tznng von Cuvier'a Eegne animal von Mr.

Blyth p. 159, Anmerk. L'eber Falco peregrinus: Blyth. in: Charlesworth's

tur. Hist. Vol. I. 1837. p. 804                       ms: Ibis, 1868, p,

i: II.;-. Vol VI. 1884, p. 866; über die Bombycitta: Audubon, Ornitholog.

Biography. Vol. I. p. 229; Hber Palaeornis s. auch .1 erdon, Birds of India, Vol. I,

p, 263.                      wilde Truthuhn: Audubon, a. a. 0. Vol. I. p. 15. Von

Judge Caton höre ich aber, dass in Illinois das Weibchen sehr selten das Feder-

1 erhält. Analoge Fülle in Bezug auf das Weibchen von Petrocoasyphua

hat B. B. Sharpe mitgetbeili in: Proceed. Zoolog. Soc. 1872, p. 496.

J1 Mr. Blyth hat in der üebersetzung von Cuvier'a Regne animal verschie- Pälle verzeichnet von Lanius, RubiciUa, Linaria und Ana». Auch Audu- bon hat einen ähnlichen Fall von Pyranga aestiva verzeichnet, Ornitholog. Bio- graphy. Vol. V. p. 519.

ornolete Work of Charles Darwin Online

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10-

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

lun paar Worte müssen noch über die Veränderung des Gefieders in Beziehung auf die Jahreszeit zugefügt werden. Aus früher führten Gründen lässt sieh nur wenig daran zweifeln, >la>s die elegan- i, die langen wallenden Federn, Federbüsche u. s. w. 3ilberreihern, Reihern und vielen anderen Vögeln, welche nur während des Sommers entwickelt und behalten werden, ausschliesslich zu ornamentalen "der Hochzeitszwecken dienen, wenn sie auch b

aeinsam zukommen. Das Weibchen wird hierdurch während der Bebrütungsperiode auffallender gemacht als währen Winter                                  ne Reiher, Silberreiher werden im -

sein, sieh selbst zu vertheidigen. Da indessen Schmuckfedern wahr- scheinlich während des Winters unbequem und gewiss von ki Nutzen äind,                aöglicL da-                 oheit, zweimal im Jahre

sieh zu mausern, allmählich durch natürliche Zuchtwahl zu dem /. erlangt worden i-t. unzuträgliche Zierathen während des Winters ab-

!:t kann indess auf viele Wadevögel nie'.' gedehnt werden, hei welchen da- Sommer- und Wintergefieder nur sehr wenig in der Färbung verschieden ist. Bei vertheidigungs Species, bei welchen entweder beide Geschlechter oder allein die Männ- chen wahrend der Paar                         iffällig werden, oder wenn die Männchen in dieser /..-it 30 lange Schwung- "der Schwanzfedern erlang' irt wird, wie 'm-i Cosmetornis und 1 —, erseheint es sicherlich auf den ersten Blick im hohen Grade wahrscheinlich, dass die zweite Mauserung zu dem speciellen Zwecke erlangt worden ist, die-,' Ornamente abzuwerfen. Wir müssen uns indessen daran erinnern, dass viele Vögel, so die Paradiesvögel, der lasan und Pfauhahn, ihre Schmuckfedern im Winter nicht ab- werfen, und ii doch kaum behaupten, dass in der Constitution dieser Vögel, mindestens der Gallinaceen, etwa- liege, was eine dop- pelte Mauserung unmöglich macht; denn das Schneehuhn mausert sich dreimal im Jahre33. Es muss daher als zweifelhaft angesehen werden, ob die vielen Species, welche ihre ornamentalen Federn mau- sern oder ihre hellen Färbungen während des Winters verlieren, diese Gewohnheit wegen der Unbequemlichkeit oder der Gefahr, welcher sie im andern Falle ausgesetzt wären, erlangt haben.

Ich komme daher zu dem Schlüsse, dass die Gewohnheit, zweimal

s. Gould's Birds of Grcat Britain.

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'efieder.

169

im Jahre zu mausern, in den meisten oder sämintlichen Fällen

zu irgend einem bestimmten Zwecke erlangt worden ist. vielleicht um

ein wärmeres Winterkleid zu bekommen, und dass Aenderungen im

[che während des Sommers auftreten, durch geschlechtliche

iuft und auf die Nachkommen in derselben Zeit des

Jahres überliefert wurden. Derartige Abänderungen wurden dann ent-

irn oder allein von den Männchen geerbt,

Form von Vererbung, welche bei den

wahrscheinlicher, als dass dii allen Fällen ursprünglii                                   a hätten, ihr ornamen-

ler während                   - m behalten, hiervor aber durch

naturliche Zuchtwahl bewahrt geblieben wären, wegen der dadurch veranlassten Unbequemlichkeit oder Gefahr.

Ich habe in diesem Capitel zu zeigen versucht, dass 'las Beweis- Waffen, helle Farben und verschiedene Zierathen jetzt deshalb auf die Männchen beschränkt sind, weil die natürlich'-' Zuchtwahl d

auf beide Geschlechter in eine I                   g allein auf

das männlic                                             habe, nicht in einer zuver-

interstützt. Es ist auch zweifelhaft, ob die Fär- .; vieler weiblichen Vögel Folge einer zum Zwi                ihutzes

eintretenden Erhaltung von Abänderungen sind, welche von 4 an in ihrer                 rung auf das weibliche Geschlecht beschränkt

waren. Es wird aber zweckmässig sein, jede weitere Erörterung über Gegenstand so lange zu verschieben, bis ich im folgenden Ca- pitel die Verschiedenheiten im Gefieder zwischen den jungen und alten Vögeln behandeln

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Sechszehntes Capitel.

\ ögel

im erwaciu                                                n von Fällen.                    titliche

Verschiedenheiten der Männchen nah..- verwandter oder repräs

—  Das Weibchen nimmt die Charactere des Männchens an. — der Jungen in Bezog

—   i                                                                                        .."II Erde. — Protective Färbung. — Auffallt nd .. der Neuheit

—  Zosamm

/.t Dan die Ueberlieferung von Cha                  trachtet

.. und /.war wie di               Bezug auf geschlechtliche Zuchtwahl

durch das Alter beschränkt is                ichtigkeit und die Bedeutung

.. auf entspreclicnde Altersstufen braucht

hier nicht erörtert zu werden, da üb

denen im Ganzen doch complicirten Kegeln od                                         theile, unter

inheiten im Gefieder zwischen den jungen und alten Vögeln.                                          . zusammen-

kann, dürfte es nicht unzwi                          inige wenig

läufige Bemerkungen zu machen.

Wenn bei Tbieren aller Arten die Erwachsenen in der Farbe von

den .Jungen \                                                                             lii wir

irtheilen können, nicht von irgendwelchem speciellen Nutzen

lungen, dein Umstände zuschrei                                  der den Character eine? frühen

halten bat. Mit Zuversicht kann indessen dies sieht nur dann aufrecht erhalten werden, wenn die Jungen mehrerer - einander sehr ähnlich und gleichfalls andern erwacl ähnlich sind, welche zu derselben Gruppe gehören; denn die

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Vererbung auf bestimmtes Alter.

171

letzteren sind die lebendigen Beweise dafür, dass ein derartiger Zu- stand der Dinge früher möglich war. Junge Löwen und Pumas sind mit schwachen Streifen oder Reihen von Flecken gezeichnet, und da viele verwandte Arten sowohl in der Jugend als im erwachsenen Zu- stande ähnlich gezeichnet sind, so wird kein Naturforscher, wi an eine allmähliche Entwicklung der Species glaubt, daran zweifeln, dass der ürerzeuger des Löwen und Puma ein gestreiftes Thier war und dass die Jimgen Spuren dieser Streifen bebalten haben, ebenso wie solche bei den Jungen schwarzer Katzen sich finden, welche im erwachsenen Znstande nichi im Mi                          sind. Viele Arten

der Hirschfamilie sind ira geschlechtsreifen Alter nicht gefleckt und

-ind sie jung mit weissen Flecken bedeckt, wie es auch einige wenige Species in ihrem erwachsenen Zustand'' sind. So sind ferner auch in der ganzen Familie der Sehweine (Suidae) und bei gewissen im Ganzen nur entfernt damit verwandten Thieren, wie beim Tapir, die düngen mit dunklen Längsstreifen gezeichnet; hier haben wir in- dessen einen Character vor uns. welcher allem Anscheine nach von einem ausgestorbenen (Jrerzeuger herrührt und jetzt nur von den Jun- gen noch beibehalten wird. In allen derartigen Fällen sind die Farben der alten Thiere im Laufe der Zeit abgeändert wurden, während die Jungen unverändert geblieben "der nur wenig abgeändert worden sind: und dies ist nach dem Gesetze der Vererbung auf entsprechi stillen bewirkt wurden.

Dasselbe Princip gilt auch für viele zu verschiedenen Gruppen gehörige Vögel, bei welchen die Jungen einander in hohem Grade gleichen und von ihren respectiven Eltern im erwachsenen Zustande

tend verschieden sind. Die Jungen beinahe sämmtlicher Galli- naceen und einiger entfernt damit verwandter Vögel, wie der Strausse, sind im Dnnenkleide längsgestreift: dieser Character weist aber auf einen so weit zurückliegenden Zustand der Dinge zurück, dass er uns kaum hier angebt. Junge Kreuzschnäbel (Loxia) haben zuerst gerade Schnäbel wie die andern Finken, und in ihrem gestreiften Jug gefieder gleichen sie dem erwachsenen Hänfling und dem weiblichen i ebensowohl wie den düngen des Stieglitz, Grünfinken und eini- ger andern verwandten Arten. Die düngen vieler Arten von Ammern Emberiza) gleichen sowohl einander, als auch dem erwachsenen Zu- stande der Grau-Ammer, E. müiaria. In beinahe der ganzen grossen Gruppe der Drosseln haben die Jungen eine gefleckte Brust, — ein

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172

chtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

Character, welchen viele Arten ihr ganzes Leben hindurch behalten haben, welcher aber von andern, wie z. B. von dem Turdua migra- torius vollständig verloren worden                  id ferner bei vielen Dros-

seln die Federn am Bücken gefleckt,               sich zum erstenma

mausert haben, und dieser Character wird von g                jtlichen

- zeitlebens beibehalten. Die Jungen vieler Arten von Würgern

niger Spechte und einer indischen Taube (Clutlcopha I sind an der untern Körperfläche quer gestreift; und ähnlich sind gewisse verwandte Arten oder Gattungen im erwachsenen Zu- stand                   . Von einigen einander nahe verwandten und pracht- vollen indischen Kuckucken (Chrysococcyx) wi                          . wenn sie geschlechtsreif sind, beträchtlich in der Farbe von einander ab, die Jungen derselben können aber nicht von einander unterschieden werden. Die Jungen einer indischen (laus (Sarkidiornis melanm sind im Gefieder einer verwandten Gattung, Dendrocygna, im erwach-

Zustande sehr ähnlich '. Aehnliche Thatsachen werden in Bezug auf gewisse Beiher mitgetheilt werden. Jungt' Birkhühner

ix) gleichen sowohl den alten Vögeln                   öderer

s, z. B. Tetrao scotictis, als deren Jungen. Endlich zeigen sich die natürlichen Verwandtschaften vieler Species am besten in dein Ju- Beder, wie Mr. l'.i.vm. welcher dem Gegenstande eingehende Aufmerksamkeit gewidmet hat, richtig bemerkt hat, und da die wah- ren Verwandtschaften sämmtlicher organischer Wesen von ihrer Ab- stammung von einem gemeinsamen Ürerzeuger abhängen, so besi diese Bemerkung eindringlich die Annahme, dass das Gefieder der jugendlichen Formen uns annäherungsweise die frühere oder vor liehe Beschaffenheit der Species zeigt.

Obgleich uns hiernach viele junge, zu verschiedenen Ordnungen gehörige Vögel einen Blick auf das Gefieder ihrer weit zurück liegen- den frühen Ürerzeuger werfen lassen, so gibt es doch auch viele an- dere Vögel, and zwar sowohl trübe als hell gefärbte, bei denen die Jungen ihren Eltern sehr ähnlich sind. Bei solchen Species kennen

1 In Bezug auf Drosseln. Würger and Spechte B. Mr. Blyth in: Charles- worth's Magaz. of nat. Hist. Vol. I. 1837, p. 304; auch die Anmerkung zu seiner

animal, p. 159. Auch den Fall von der theile ich nach Mr. Blyth's Angaben mit. Ueber Drosseln s. auch Audubon. Ornitholog. Biography. Vol. II, p. 195. Ueber Chrysococcyx und I Blyth, citirt von Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 485. Ueber Sarl;i s. Blyth in The Ibis, 1867, p. 175.

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Gap. 16.

d Fällen.

173

die Jungen der vi                    ixten einander nicht ähnlicher sein, als

es die Eltern sind; auch können sie keine auffallenden Aehnlichkeiten mit verwandten Formen in ihrem erwachsenen Zustande darbieten. Sie geben uns nur wenig Aufklärung über das Gefieder ihrer (Jrerzi

Qommen insoweit als es wahrscheinlich ist, dass, wenn die jun- gen and die alten Vögel durch eine ganze Gni]            - cies hindurch in einer und der nämlichen Art und Weise gefärbt sind, auch ihre ürerzeuger ähnlich gefärbt waren.

Wir «-ollen nun die Classen von Fällen oder die Regeln betrach- ten, unter welche die Verschiedenheiten und Aehnlichkeiten zwischen dem Gefieder der jungen und alten Vögel entweder beider Geschlechter oder eines Geschlechts allein gruppirt werden können. Gesetze dieser Art wurden zuerst von Ctrvna ausgesprochen; mit dem Fortschreiten der Erkenntniss b<                                  niger Modification und Erwei-

terung. Dies habe ich, soweit es die ausserordentliche Complicirtheit des Gegenstandes _               lach Belehrungen, die ich aus verschiede-

nen Quellen schöpfte, zu thun versucht:                           erschöpfende

Abhandlung über diesen Gegenstand von irgend einem competenten Or- nithologen ein dringendes Bedürfhiss. Dm darüber zu einer Gewissheit zu gelangen, in welcher Ausdehnung jede dieser Kegeln gilt, habe ich die in vier umfangreichen Werken mitgetheilten Thatsachen tabella- risch zusammengestellt, nämlich nach Macgiluvbai! über die von Grossbritannien, nach Audobon über die nordamericanischen Vögel, nach Jeedon über die Vögel von Indien und nach GouiD über die von Australien. Ich will hier noch vorausschicken

enen Fälle oder Hegeln allmählich in einander übergehen, und zweitens, das.-, wenn gesagt wird, die Jungen glichen ihren Eltern, damit nicht gemeint sein soll, sie wären ihnen identisch gleich: denn ihre Farben sind beinahe immer etwas weniger lebhaft, auch sind die Federn weicher und oft von einer verschiedenen Form.

Regeln oder Classen von Fällen.

1. Wenn das erwachsene Männchen schöner oder in die Augen

fallender ist als das erwachsene Weibchen, so sind die Jungen beider

[echter in ihrem ersten Federkleide dem erwachsenen Weibchen

sehr ähnlich, wie beim gemeinen Huhn und dem Pfau; oder, wie es

gelegentlich vorkommt, sie sind diesem viel ähnlicher als dem er- wachsenen Mannchen.

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174                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                      II. Theil.

II.     Wenn das erwachsene Weibchen in die Augen fallender ist als das erwachsene Männchen, was zuweilen wenn auch selten vor- kommt, so sind di                 leiderloi Geschlechts in ihrem erste

aen Männchen ähnlich.

III.   Wenn das erwachsene Männchen dem erwachsenen Weibchen ähnlich ist, so haben die Jungen beiderlei Geschlechts ein ihnen be-

rs zukommendes eigentbfimlicl                  . wie z. B. beim

hen.

IV.   Wenn das ei                Männchen dem erwachsenen Weibchen ähnlich ist. so sind die Jungen beiderlei Geschlechts in ihrem ersten

leide den Erwachsenen ähnlich, wie es /. B. beim Eisvogel, vielen Papageien, Krähen, Grasmücken der Fall ist.

V.     Wenn die Erwachsenen beider!                         in verschiede- mmer- und Wintergefieder haben, mag nun das Männchen vom

Weibchen verschie                 ler nicht, so sind die Jungen den Erwach-

senen beiderlei Geschlechts in deren Winterkleide, oder, jedoch viel seltener, in deren Sommerkleide, oder allein den Weibchen ähnlich; oder die Jungen können einen intermediären Charai                 ; oder

ferner sie können von den Erwachsenen in ihren hehlen Jahres n bedeutend verschieden

VI.   In einigen wenigen Fallen weichen die Jungen in ihrem

ler je nach ihrem Geschlechte von einander ah. wobei die jungen Männchen mehr oder weniger nahe den erwachsenen Männchen und die jin                 ben mehr oder weniger nahe den erwachsenen Weib-

chen ähnlich sind.

1. Classe. In di                  sind die Jungen beiderlei Geschlechts

mehr oder weniger nahe den erwachsenen Weibchen ähnlich, während !.milchen häufig in der augenfälligsten Art und Weise vom erwachsenen Weibchen verschieden ist. Hier Hessen sich unzäh- lige Beispiele aus allen Ordnungen anfahren; es wird genügen, den gemeinen Fasan, die Ente and den Haussperling in'? Gedächtniss zu rufen. Die in dieser Classe inbegriffenen Fälle gehen allmählich in andere aber. So können die beiden Geschlechter in ihrem erwacl Zustande so anbedeutend von einander und die Jungen so unbed von den Erwachsenen verschieden sein, da-- es zweifelhaft wir solche Fälle zu der vorliegenden (.'lasse oder zu der dritten oder vier- ten zu ziehen sind. So können ferner die Jungen beider GeschL

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Cap. 16.                Die ]                                                                  ehen.                      175

anstatt einander rollständig gleich zu sein, in einem unbedeut Grade von einander abweichen, wie es in unserer sechsten Classe der Fall ist. Diese transitionellen Fälle sind indessen nur wenig der Zahl nach oder mindestens nicht scharf ausgesprochen im Vergleich mit denen, welche                    ig unter die vorliegende Rubrik lallen.

Die Kraft des vorliegenden Gesetzes zeigt Bich sehr wohl in den- jenigen Gruppen, in welchen der allgemeinen Regel nach die beiden r und die Jungen sämmtlicli einander gleich sind; denn wenn das Männchen in diesen Gruppen wirklich vom Weibchen ver- schieden ist. wie bei gewissen Papageien, Bisvögeln, Tauben u. s. w., so sind die Jungen beider Geschlechter dorn erwachsenen Weibchen ähnlich '-. Wir sehen die nämliche Thatsache noch deutlicher wissen anomalen Fällen ausgesprochen; so weicht das Männchen von Helioti                             einem Colibri) augenfällig vom Weibchen darin

ab, dass es eine prachtvolle Kehle und schöne Ohrbüschel hat; das hen ist aber dadurch merkwürdig, dass es einen viel längeren Schwanz hat als das Männchen. Nun sind die Jungen beider Ge- schlechter (ausgenommen, dass die Brust mit Bronze gefleckt ist erwachsenen Weibchen mit Einschluss der Länge <\''< weiblichen Schwan- zes ähnlich, so da-s der Schwan/, des Männchens factisefa mit dem Erreichen des Reifeznstandes kürzer wird, was ein äusserst ungewöhn- licher Umstand ist :;. Ferner ist das Gefieder des männlichen

i auffallender gefärbt und die Schulter- federn und -                   zweiter Ordnung sind viel länger als beim

Weibchen; aber verschieden von dem. was soviel ich weiss bei allen übrigen Vögeln vorkommt, ist der Federkamm des erwachsenen Männ-

B. Mr. Gonld'a Beschre                              tm, einem -l.-r Eisvögel

(HandbooA to the Birds of Australia. Vol. I. p. 138), bei welchem indes» junge Männchen. obschon es dem erwachsenen Weibchen ähnlich brillant gefärbt ist. In einigen Species von Daeelo haben die Männchen blaue Schwante und die Weibchen braune; und Mr. K. 1). Sharpe tbeilt mir mit, dass twanz des jungen Männchens von D. '<                        nfangs braun ist. Mr.

Gould hat (a. a. 0. Vol. II. p. 11. 20, 87) die Geschlechter und die Jungen ge- wisser schwarze!                                         j8-Loris beschrieben, bei welchen dasselbe ich Jerdon, Iuris of India. Vol. I. p. 260, über Pala bei dem die Jungen mehr gleich dem Weibchen als dem Männchen Bind, s. Audubon. Ornithol. Biography. Vot H. p. 745, über die beiden Geschlechter und die Jungen von Columba passerintt,

3 Ich verdanke die Kenntnis* dieser Thatsache Mr. Gonld. welcher mir die Exemplare zeigte; s. auch seine Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 120.

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176

entliehe Zuchtwahl:

II. Theil.

chens, wenn er auch breiter ist als der des Weibchens, doch beträcht- lich kürzer, nämlich nur wenig über einen Zoll lang, während der Federkamm des Weibchens zwei und einen halben Zoll lang ist. Nun sind die Jungen beider Geschlechter in allen Beziehungen d

enen Weibchen ähnlich, so dass ihre Federkämme factisch von er Länge, wenn auch etwas schmäler als beim erwacl .Mannellen sind 4.

Wenn die Jungen und die Weibchen einander sehr ähnlich und beide vom Männeben verschieden sind, so liegi die Folgerung am nächsten, dass allein das Manuellen modificirt worden ist. Selbst in den anomalen Fallen von Heliothrix und Mergus ist es wahrscheinlich,

ursprünglich beide Geschlechter im erwachsenen Zustande die eine Species mit einem beträchtlich verlängerten Schwänze, und mit einem sehr verlängerten Federkamme versehen waren, dass diese Characl                tu von den                 n Männchen aus irgend einer

unerklärten Ursache verloren und in ihrem verkleinerten Zustand.' allein ihren männlichen Nachkommen in dem entsprechenden Alter der Ge- schlechtsreife überliefert worden sind. Die Annahme, dass in der vor- liegenden Classe, soweit die Verschiedenheiten zwischen den Männchen und den Weibchen zusammen mit deren Jungen in Betracht kommen, allein das Männchen modificirt worden ist, wird nachdrücklich durch einige merkwürdige, von Mr. Iiivm "' mitgetheilte Thatsachen in Be- zog auf nahe verwand!                                inander in versehii Ländern repräsentiren, unterstützt. Denn bei mehreren dieser stell- vertretenden Speciea haben die erwachsenen Männchen einen gi

g von Veränderung erlitten und können unterschieden werden; die Weibchen und die Jungen aus den verschiedenen Landein sind

l n nicht zu unterscheiden und sind daher absolut unverändert geblieben. Dies ist der Fall bei gewissen indischen Schmätzern [Thamnobia), mit gewissen Honigsaugern (1              t), Würgern

( Tephrodorn                                   | TanysipU ra I, Kalij-Fasanen (Gallo-

phasis) und Baum-Bebhühnern Arboricola).

' Macgillivray, History of British Birds. Vol. V. p 207—214. afsatz in dem Journal of tbe Asiat Beugal, Vol. XIX. 1S50, p. 223; s. auch Jerdon, Birds of India. Vol. I. Intro- doction p. XXIX. In Bezug auf /                                Pwf. Schlegel Mr. Blyth,

dass er mehren verschiedene Rassen durch Vergleichung der erwachsenen Mfian- chen unt                       nne.

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Cup. 16.               I1!*' Jungen gleichen den erwachsenen Weihchen.                      177

In einigen analogen Fällen, nämlich hei Vögeln, welche ein ver- schiedenes Sommer- und Wintergefieder haben, deren Geschlechter aber nahezu gleich sind, können gewisse einander nahe verwandte Arten in ihrem Sommer- oder Hochzeitsgefieder leicht unterschieden werden, sind aber in ihrem Winterkleide ebenso wie in ihrem jugendlichen Gefieder ununterscheidbar. Dies ist der Fall bei einigen der nahe unter ein- ander verwandten indischen Bachstelzen oder MotacilUte. Mr. Swimiok theilt mir mit6, dass drei Species um Ardeola, einer Gattung der Reiher, welche einander auf verschiedenen Continenten vertreten, .in „der auffallendsten Weise verschieden" sind, wenn sie mit ihren Som- merschmuckfedern geziert Bind, dass sie aber nur sehwer, wenn über- haupt, während des Winters von einander unterschieden werden können. Es sind die Jungen dieser drei Species gleichfalls in ihrem Jugend- gefleder den Erwachsenen in ihrem Winterkleide sehr ähnlich. I Fall ist um so merkwürdiger, als in zwei andern Species von Arieabi echter während des Winters und des Sommers nahezu das- selbe Gefieder behalten, wie ,],< ist. was die drei ersterwähnten Species wählend des Winters und in ihrem unreifen Alterszustande besitzen; und dieses Gefieder, welches mehreren verschiedenen Species auf ver- schiedenen Altersstufen und zu verschiedenen Jahreszeiten gemeinsam zukommt, zeigt nns wahrscheinlich, wie der Urerzeuger der Gattung gefärbt war. In allen diesen Fällen ist es das Hochzeitsgefieder, von welchem wir annehmen können, dass es ursprünglich von den erwach- senen Männchen während der Paarungszeit erlangt und auf die Ur- nen heider Geschlechter in dei                 mden Jahreszeit vererbt und modificirt worden ist. während das Winterkleid und das Gefieder der unreifen Jungen unverändert gelassen wurde.

Ks entsteht nun natürlich die Frage: woher kommt es, dass in diesen letzteren Fällen das Wintergefieder beider Geschlechter und in den zuerst erwähnten Fällen das Gefieder der erwachsenen Weibchen ebenso wie das unreife Gefieder der Jungen durchaus <.rar nicht beein- Susst worden isf- Diejenigen Species, welche einander in verschiede- nen Ländern vertreten, werden beinahe immer irgendwie etwa- ver- schiedenen Bedingungen ausgesetzt worden sein; wir können aber die Modifikation des Gefieders allein der Männchen kaum dieser Wir- kung zuschreiben, wenn wir sehen, dass die Weibchen und die Jungen,

s. :iueh Mr. Swinhoe in .Ibis", July, 1868, p. 131, and einen früheren mit einem Auszuge einer Notiz von Mr. Blyth in: [Iris, Jan

Iimwis. Almsmraung. II. Drille Aullage. (VI.)                                            12

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chtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

trotzdem sie in ähnlicher Weise denselben Bedingungen ausgesetzt gewesen sind, nicht afficirt wurden. Kaum irgend eine Thatsache in der Natur zeigt uns deutlicher, wie untergeordnet in ihrer Bedeutung die direete Wirkung der Lebensbedingungen ist im Vergleich mit der durch Zuchtwahl bewirkten Anhäufung unbestimmter Abände- rungen , als die überraschende Verschiedenheit zwischen den Ge- schlechtern vieler Vögel; denn beide Geschlechter müssen dieselbe Nahrung consumirt haben und demselben Clima ausgesetzt gewesen sein. Nichtsdestoweniger hindert uns nichts anzunehmen, dasa im Laufe der Zeit neue Lebensbedingungen irgend eine direete Wirkung entweder auf beide Geschlechter oder, in Folge der constitutionellen Verschiedenheiten, nur auf-ein Geschlecht allein hervorbringen können, jenen nur, dass dies seiner Bedeutung nach den angehäuften Re- sultaten der Zuchtwahl untergeordnet ist. Wenn indessen eine Spe- cies in ein neues Land einwandert — und dies muss ja der Bildung stellvertretender Arten vorausgehen, — so werden die veränderten Bedingungen, welchen dieselbe beinahe immer ausgesetzt sein wird, Veranlassung sein, dass sie auch, einer weitverbreiteten Analogie nach zu urtheilen, einem gewissen Betrage fluetuirender Variabilität unter- liegen wird. In diesem Falle wird die geschlechtliche Zuchtwahl, welche von einem im höchsten Grade der Veränderung ausge- EHemente abhängt, nämlich von dem Geschrnacke oder der Bewunde- rung des Weibchens, neue Farbenschattdrungen oder andere Verschie- denheiten gefunden haben, auf welche sie wirken und welche sie an- häufen konnte: und da geschlechtliche Zuchtwahl beständig in Wirk- samkeit ist. so würde es. — nach dem. was wir von den Resultaten der unbeabsichtigten Zuchtwahl .seitens des Menschen in Bezug auf domesticirte Thiere wissen, — eine überraschende Thatsache sein, wenn Thiere, welche getrennte Bezirke bewohnen, welche sich niemals kreuzen und hierdurch ihre neuerlich erlangten Charactere verschmel- zen können, nicht nach einem genügenden Zeiträume verschiedenartig modificirt würden. Diese Bemerkungen beziehen sich in gleicher Weise auf das Hochzeitskleid oder Sommergefieder, mag dasselbe nun auf das Männchen beschränkt oder beiden Geschlechtern eigen sein.

Obgleich die Weibchen der obengenannten nahe mit einander ver- wandten Arten ebenso wie ihre Jungen kaum irgendwie von einander verschieden sind. so dass die Männchen allein unterschieden werden können, so weichen doch in den meisten Fällen die Weibchen der

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Cap. 16.             Die Jungen gleichen den erwachsenen Weibchen.                   179

Species innerhalb eines und des nämlichen Genus nachweisbar von ein- ander ab. Indessen sind die Verschiedenheiten selten so bedeutend wie die zwischen den Männchen. Wir sehen dies deutlich in der ganzen Familie der Gallinaceen; so sind beispielsweise die Weibchen des gemeinen und des japanesischen Fasanen und besonders des Gold- und des Amherst-Fasanen — vom Silberfasan und dem wilden Huhu — einander in der Farbe sehr ähnlich, während die Männchen in einem ausserordentlichen Grade von einander verschieden sind. Dasselbe ist auch bei den Weibchen der meisten Cotingiden, Fringilliden and vieler anderer Familien der Fall. Es lässt sich in der That nicht daran zweifeln, dass, als allgemeine Kegel, die Weibchen in einer geringeren Ausdehnung modificirt worden sind als die Männchen. Einige wenige Vögel indessen bieten eine eigenthümliche und unerklärliche Ausnahme dar; so weichen die Weibchen von l                  <q>oda und P. papuana

mehr von einander ab, als es ihre respectiven Männchen thun7; das Weibchen der letztern Species ist an der untern Körperfläche rein weiss, während das Weibchen der P. apoda unten tief braun ist. Ferner weichen, wie ich von Professor Newton höre, die Männchen zweier Speei                               (Würger), welche einander auf den In-

seln .Mauritius und Bourbon ersetzen ". nur wenig in der Farbe von einander ab, wahrend die Weibchen sehr verschieden sind. Bei der Species von Bourbon scheint es, als ob das Weibchen zum Theil einen Jugendzustand des Gefieders beibehalten hätte, denn auf den Blick „möchte man dasselbe für das Junge der Species von Mauritius .lialten-. Diese Verschiedenheiten lassen sich mit denen vergleichen, welche unabhängig von der Zuchtwahl durch den Menschen und für uns unerklärbar bei gewissen Untertassen des Kampfhuhns vorkom- men, bei welchen die Weibchen sehr verschieden sind, wahrend die Männehen kaum unterschieden werden können 9.

Da ich nun die Verschiedenheiten zwischen den Männchen ver- wandter Arten in so grosser Ausdehnung durch geschlechtliche Zucht- wahl erkläre, wie lassen sich dann die Verschiedenheiten zwischen den hen in allen gewöhnlichen Fällen erklären? Wir haben hier

; Wallace, The                   i:.elago. Vol. II. 1869, p. S

" Ks sind diese Species unter Beigabe colorirter Figuren von M. F. Pollen

beschrieben in: Ibis, 1866, p. 275.

» Das Variiren der Thk-re und Pflanzen im Zustande der Domestication.

2. Aufl. Bd. 1, S. 280.

12«

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

nicht nöthig, die zu verschiedenen Gattungen gehörigen Arten zu be- trachten; denn bei diesen werden Anpassung an verschiedene Lebens- weisen und andere Kräfte mit in's Spiel gekommen sein. In Beziig auf die Verschiedenheiten zwischen den Weibchen innerhalb "einer und der nämlichen Gattung scheint es mir nach Durchsicht mehre- rer grosser Gruppen beinahe gewiss zu sein, dass die hauptsächlich wirksame Kraft die in einem grösseren oder geringeren Grade ein- getretene Uebertragung auf das Weibchen von Characteren ge- wesen ist, welche von den Männchen durch geschlechtliche Zucht- wahl erlangt worden waren. Bei den verschiedenen britischen Fin- kenarten weichen die Geschlechter entweder sehr unbedeutend oder beträchtlich von einander ab; und wenn wir die Weibchen des Grünfinken, Buchfinken, Stieglitz, Gimpel, Kreuzschnabel, Sperling u. s. w. vergleichen, so sehen wir, dass sie hauptsächlich in den Punk- ten von einander verschieden sind, in welchen sie zum Theile ihren respectiven Männchen gleichen; und die Farben der Männchen können wir getrost der geschlechtlichen Zuchtwahl zuschreiben. Bei vielen hühnerartigen Vögeln weichen die beiden Geschlechter in einem ganz ausserordentlichen Grade von einander ab, so beim Pfau, beim Fasan, beim Huhn, während bei andern Species eine theilweise oder selbst vollständige Uebertragung von Characteren vom Männchen auf das ihen stattgefunden hat. Die Weibchen der verschiedenen Species von Polyplectron bieten in einem undeutlichen Zustande, und zwar hauptsächlich auf dem Schwänze, die prachtvollen Augenflecken ihrer Männchen dar. Das weibliche Rebhuhn weicht vom Männchen nur darin ab, dass der rothe Fleck auf seiner Brust kleiner ist, und die wilde Truthenne nur darin, dass ihre Farben viel trüber sind. Bei dem Perlhuhn sind die beiden Geschlechter nicht von einander zu unterscheiden. Es liegt in der Annahme nichts Unwahrscheinliches, dass das einfarbige, wenn auch eigentümlich gefleckte Gefieder dieses letztern Vogels zunächst durch geschlechtliche Zuchtwahl von den Männchen erlangt und dann auf beide Geschlechter überliefert worden ist; denn es ist nicht wesentlich von dem viel schöner gefleckten Ge- fieder verschieden, welches allein für das Männchen des Tragopan- Fasanen characteristisch ist.

Es ist zu beachten, dass in manchen Fällen diese Uebertragung der Charactere von dem Männchen auf das Weibchen allem Anscheine nach in einer weit zurückliegenden Zeit bewirkt worden ist, wonach

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Cap. 16.            Die Jungen gleichen den erwachsenen Weibchen.                181

später das Männchen bedeutenden Abänderungen unterlegen ist, ohne irgend welche seiner später erlangten Charactere auf äs zu übertragen. So sind z. B. das Weibchen und die Jungen des Birk- huhns Tetrao tetrix) den beiden Geschlechtern und den Jungen des

M.....huhns, T. scotieus, ziemlich ähnlich: und wir können in Folge

hiervon schliessen, dass das Birkhuhn von irgend einer alten Species abstammt, bei welcher beide Geschlechter in nahezu derselben Weise gefärbt (raren, wie das Moorhuhn. Da beide Geschlechter dieser letz- teren Species während der Paarungszeit deutlicher gestreift sind, als zu irgend einer andern Zeit, und da das Männchen unbedeutend in Beinen schärfer ausgesprochenen rothen und braunen Tönen abweicht "'. so können wir folgern, dass sein Gefieder wenigstens in einer gewissen Ausdehnung von geschlechtlicher Zuchtwahl beeinflusst word- Ist dies der Fall gewesen, so können wir weiter schliessen, das- das nahezu ähnliche Gefieder des weiblichen Birkhuhns in einer früheren

de auf ähnliche Weise entstanden ist. Seit dieser Zeit aber hat das männlich.' Birkhuhn sein Bchönes schwarzes Gefieder und seine gegabelten und nach aussen gekräuselten Schwanzfedern erhalten ; es ist aber kaum irgend eine Uebertragung dieser Charactere auf das Weibchen eingetreten, ausgenommen dass dasselbe an seinem Schwänze eine Spur der gekrümmten Gabelung ze

Wir können .laier schliessen, dass das Gefieder der Weibchen verschiedener, wenn auch verwandter Arten oft dadurch mehr oder weniger verschieden geworden ist, dass Charactere. welche sowohl in früheren als in neueren Zeiten von den Männchen durch geschlecht- liche Zuchtwahl erlangt wurden, in verschiedenen Graden auf sie aber- tragen worden sind. Es verdient indessen besondere Aufmerksamkeit, dass brillante Färbungen viel seltener übertragen worden sind, als andere Farbentöne. So hat z. B. das Männchen des Blau kehlchens (Cyanecida suecica) eine reichblaue Oberbrust, mit einem schwach

ckigen rothen Flecke; nun sind Zeichnungen von annähernd der- selben Form auf das Weibchen übertragen worden, der mittlere Fleck isl aber röthlichbraun statt roth und wird von gefleckten anstatt von blauen Feiern umgeben. Die hühnerartigen Vögel bieten viele ana- loge Fälle dar; denn keine von denjenigen Arten, so die Rebhühner, Wachteln, Perlhühner u. s. w., bei welchen die Farben des Gefieders in hohem Grade vom Männchen auf das Weibchen übertragen worden

10 Macgillivray, History oi' British Birds. Vol. I, p. 172—171.

rrtplete Work of Charles Darwin Online

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

sind, ist brillant gefärbt. Dies erläutern die Fasanen sehr gut, bei welchen das Männchen allgemein um so vieles brillanter ist als das Weibchen; aber bei dem Ohrenfasan und dem Wallich'schen (Crosso- ptilon auritum und Phasianus \\'<dli<hii) sind die Geschlechter ein- ander sehr ähnlich und ihre Färbungen sind trüb. Wir können selbst soweit gehen, anzunehmen, dass, wenn irgend ein Theil des Gefieders dieser beiden Fasanen brillant gefärbt gewesen wäre, dies nicht auf die Weibchen übertragen worden wäre. Diese Thatsachen unterstützen nachdrücklich die Ansicht von Mr. W.u.lack, dass bei Vögeln, welche während der Zeit des Nistens vieler Gefahr ausgesetzt sind, die Ueber- tragung heller Farben vom Männchen auf das Weibchen durch natür- liche Zuchtwahl gehemmt worden ist. Wir dürfen indessen nicht ver- gessen, dass eine andere früher mitgetheilte Erklärung möglich ist: dass nämlich diejenigen Männchen, welche variirten und hell gefärbt wurden, so lang sie jung und unerfahren waren, grosser Gefahr aus- gesetzt gewesen und wohl meist zerstört worden sind; wenn auf der andern Seite die älteren und vorsichtigeren Männchen in gleicher Weise variirten, so werden diese nicht bloss im Stande gewesen sein, leben zu bleiben, sondern werden auch bei ihrer Concurrenz mit an- dern Männchen begünstigt gewesen sein. Variationen nun, welche spät im Leben auftreten, neigen dazu, ausschliesslich auf dasselbe Geschlecht übertragen zu werden, so dass in diesem Falle äusserst glänzende Färbungen nicht auf die Weibchen übertragen worden sein würden. Auf der andern Seite wären Zierathen einer weniger augen- fälligen Art, solche wie sie der Ohren- und Wallichs-Fasan besitzen, nicht gefährlich gewesen, und wenn sie in früher Jugend erschienen, würden sie allgemein auf beide Geschlechter überliefert worden Bein. Ausser den Wirkungen einer theilweisen Uebertragung der Cha- ractere von den .Mannchen auf die Weibchen, können einige der Ver- schiedenheiten zwischen den Weibchen nahe verwandter Species auch der directen oder bestimmten Wirkung der Lebensbedingungen zuge- schrieben werden". Bei den Männchen wird eine jede derartige Wir- kung durch die brillanten, in Folge von geschlechtlicher Zuchtwahl erlangten Farben maskirt worden sein; aber nicht so bei den Weib- chen. Jede der endlosen Verschiedenheiten im Gefieder, welche wir bei unsern domesticirten Vögeln sehen, ist natürlich das Resultat

" s. über diesen Gegenstand das 23. Capitel in dorn Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication.

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Cap. 16.           Die Jungen gleichen den erwachsenen Weibchen.                 183

irgend einer bestimmten Ursache; und unter natürlichen und gleich- förmigeren Bedingungen wird irgend eine gewisse Färbung, voraus- gesetzt, dass sie in keiner Weise nachtheilig ist, beinahe sicher früher oder später vorherrschen. Die reichliche Kreuzung der vielen zu einer und derselben Species gehörenden Individuen wird am Ende dahin streben, jede hierdurch veranlasste Veränderung in der Farbe dem Character nach gleichförmig zu machen.

Es zweifelt Niemand daran, dass bei vielen Vögeln die Färbung beider Geschlechter zum Zwecke des Schutzes den Umgebungen ange- passt ist; und es ist möglich, dass bei einigen Arten allein die Weib- chen in dieser Weise rnodificirt worden sind. Obschon es ein schwie- riger und, wie im letzten Capitel gezeigt wurde, vielleicht unmöglicher Process sein würde, die eine Form der Ueberlieferung durch Zuchtwahl in die andere zu verwandeln, so dürfte doch nicht die geringste Schwierigkeit vorhanden sein, die Farben der Weibchen unabhängig von denen des Männchens dadurch umgebenden Gegenständen anzu- passen, dass Abänderungen, welche von Anfang an in ihrer Ueber- lieferung auf das weibliche Geschlecht beschränkt waren, gehäuft wur- den. Wären die Abänderungen nicht in dieser Art beschränkt, so würden die hellen Farben des Männchens verkümmert oder zerstört werden. Ob allein die Weibchen vieler Species in dieser Weise speciell rnodificirt worden sind, ist gegenwärtig noch sehr zweifelhaft. Ich wünschte, Mr. Wallacb der ganzen Ausdehnung nach folgen zu kön- nen; denn seine Annahme würde einige Schwierigkeiten beseitigen. Eine jede Abänderung, welche für das Weibchen von keinem Nutzen wäre als Schutzmittel, würde sofort wieder fehlschlagen, statt einfach dadurch verloren zu gehen, dass sie bei der Zuchtwahl nicht berück- sichtigt würde, oder dass sie in Folge der reichlichen Kreuzung ver- loren gienge, oder dass sie eliminirt werden würde, wenn sie auf das Manuellen übertragen und diesem in irgend welcher Art schädlich wäre. So würde das Gefieder des Weibchens in seinem Character con- stant erhalten werden. Es wäre gleichfalls eine Erleichterung, wenn wir annehmen könnten, dass die dunkleren Färbungen beider Ge- schlechter bei vielen Vögeln zum Zwecke des Schutzes erlangt und bewahrt worden wären, — so z. B. bei dem Graukehlchen und dem Zaunkönig (Accentor modularis und Troglodytes vulgaris), — in Bezug auf welche Erscheinung wir für die Wirksamkeit der geschlechtlichen Zuchtwahl nicht hinreichende Beweise haben. Wir sollten indessen

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Tli.-il

in Bezug auf die Folgerung, dass Färbungen, welche uns trübe er- scheinen, auch den Weibchen gewisser Species nicht anziehend sind, vorsichtig sein: wir sollten derartige Fälle im Sinne behalten, wie den gemeinen Hanssperling, bei welchem das .Männchen bedeutend vom nt, aber keine hellen Farbentöne darbietet. Wahr- scheinlich wird Niemand bestreiten wollen, dass viele hühnerartige Vögel, welche auf offenem Grunde leben, ihre jetzigen Färbungen we- nigstens zum Theile als Schutzmittel erlangt haben. Wir wissen, wie gut sie durch dieselben sich verbergen können; wir wissen, dass Schnee- hühner, während sie ihr Wintergefieder in das Sommerkleid umwan- deln, die ja beide für sie protectiv sind, bedeutend durch Hau leiden. Können wir aber wühl annehmen, dass die sehr unbedeutenden Verschiedenheiten in den Farbennuancen und Zeichnungen z.B. zwi- schen dem weiblichen Birkhuhn und Moorhuhn als Schutzmittel dienenP Sind Rebhühner, so wie sie jetzt gefärbt Bind, besser geschätzt, als wenn sie Wachteln ähnlich geworden wären? Dienen die unbedeu- tenden Verschiedenheiten zwischen den Weihehen des gemeinen Fa- sanen, des Japanesischen und Gold-Fasanen zum Schütze oder hätte ihr Gefieder nicht ohne weitern Nachtheii vertausch! weiden k Nach dem. was Mr. Wallach von der Lebens                 äser hübner-

artigen Vögel des östlichen Asiens beobachtet hat, glaubt er, dass solche geringe Verschiedenheiten wohlthätig sind. Was mich betrifft, so will ich nur sagen, dass ich nicht überzeugt bin.

Als ich früher noch geneigt war. ein grosses Gewicht auf das Princip des Schutzes zu legen, als Erklärungsmittel der weniger hellen Farben weiblicher Vögel, kam mir der Gedanke, dass möglicherweise ursprünglich beide Geschlechter und die Jungen in gleichem Grade hell gefärbt gewesen sein könnten, dass aber später die Weibchen der während der Brütezeit erwachsenen Gefahr und die Jungen wegen ihrer Unerfahrenhcit behufs eines Schutzes dunkler geworden seien. Diese Ansicht wird aber durch keine Beweise unterstützt und ist nicht wahrscheinlich; denn wir setzen damit in unserer Vorstellung die Weibchen und die Jungen während vergangener Zeiten Gefahren aus, vor denen die modificirteii Nachkommen derselben zu schützen sich später als nothwendig herausgestellt hätte. Wir hätten auch durch einen allmählichen Process der Zuchtwahl die Weibchen und die Jun- gen auf beinahe genau dieselben Färbungen und Zeichnungen zurück- zuführen und diese auf das entsprechende Geschlecht und Lebensalter

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Die Jungen gleichen den erwachsenen Weibchen.                   185

zu überliefern. Es ist auch eine etwas befremdende Thatsache, — unter der Annahme, dass die Weibchen und die Jungen während einer des Modifications                  "ine Neigung gezeigt hätten,

so hell geßrbt zu werden wie die Männchen, äass die Weibchen niemals dunkel gefärbt worden sind, ohne dass gleichzeitig auch die Jangen an                       ndernng Theil genommen haben: denn

ich ermitteln kann, liegen keine Fälle vor von Species, bei denen die Weibchen trübe gefärbt, die Jungen dagegen hell gefärbt sind. Eine theil weise Ausnahme hiervon bieten indessen die Jungi Spechte dar. denn sie haben .den ganzen obern Theil des Kopfes mit »Roth gefärbt",                       h später entweder bei den Erwacl

beider I                   r zu einer einfachen kreisförmigen rothen Lini

mindert oder bei den erwachsenen Weibchen vollständig verschwü

Was endlich die vorliegende i                   Fällen betrifft, bo

die wahrscheinlichste Ansicht die zu sein, dass aufeinanderfolgende Abänderungen in dem Glänze oder in andern ornamentalen Characteren, welche bei den .Männchen zu einer im Ganzen spätem I. auftraten, allein erhalten wurden sind, und

sämmtliche dieser Abänderungen in Folge der späten Lebensperiode, in welcher sie erschienen, von Anfang an nur auf die erwacl männlichen Nachkommen überliefert worden sind. Eine jede Abände- rung in der Helligkeit, welche bei den Weibchen oder bei den .Tungen auftrat, würde für diese von keinem Nutzen gewesen und nie! der Nachzucht b                     wählt worden sein, sie würde übi

wäre sie gefährlich gewesen, beseitigt worden sein. In dieser werden daher die Weibchen und die Jung                 ler nicW modificirt

werden, oder, und dies ist um vieles häufiger vorgekommen, sii den zum Theil durch Debertragung einiger der bei den Männchen nach einander erscheinenden Abänderungen modificirt worden sein. Auf beide Geschlechter haben vielleicht die Lebensbedingungen. welchen sie lange ausgesetzt gewesen waren, direct eingewirkt: da aber die Weibchen nicht auch noch anderweitig modificirt worden sind, werden diese alle Folgen derartiger Einwirkungen am besten darbieten. Diese Veränderungen werden wie alle andern durch die reichliche Kreuzung Individuen gleichförmig erhalten worden sein. In einigen Fällen,

:1 Andabon, Ornitholog. Biography. Vol. I. p. 193. Macgillivray. Hi- story of British Bads. VoL III. p. 85. s. auch den oben angeführten Fall von u Carlottae.

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Im;

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

besonders bei Bodenvögeln, können auch die Weibchen und die Jun- gen unabhängig von den Männchen möglicherweise zum Zwecke des Schutzes modificirt worden sein, so dass sie beide das nämliche trabe Gefieder erlangt haben.

2. ('lasse. Wenn das erwachsene Weibchen in die Augen fallender ist als das erwachsene Männchen, so sind die Jun- gen beiderlei Geschlechts in ihrem ersten Gefieder dem er- wachsenen Männchen ähnlich. Diese Classe enthält gerade die umgekehrten Fälle von denen der vorigen, denn hier sind die Weib- chen heller gefärbt oder mehr in die Augen fallend als die Männchen, und die Jungen sind, so weit man sie kennt, den erwachsenen Männ- chen ähnlich, statt den erwachsenen Weibchen zu gleichen. Die Ver- schiedenheit zwischen den Geschlechtern ist indess niemals annähernd so gross, wie es bei vielen Vögeln in der ersten Classe vorkommt, und die Fälle sind auch vergleichsweise selten. Mr. Wah.uk, wel- cher zuerst die Aufmerksamkeit auf die eigenthümliche Beziehung lenkte, welche zwischen den weniger hellen Farben der Männchen and der von ihnen ausgeübten Pflichten des Brütens besteht, legt auf die- sen Punkt ein grosses Gewicht1S, als einen entscheidenden Beweis dafür, dass dunklere Farben zum Zwecke des Schatzes während der Nidificationsperiode erlangt worden sind. Eine davon verschiedene Ansicht scheint mir wahrscheinlicher zu sein. Da die Fälle merk- würdig und nicht zahlreich sind, so will ich alle hier anführen, welche ich zu finden im Stande war.

In einer Alitheilung der Gattung Tur/iix (wachtelartige Vögel) ist 'las Weibchen ausnahmslos grösser als das Männchen (in einer der australischen Arten ist es nahezu zweimal so gross) und dies ist bei den hühnerartigen Vögeln ein ungewöhnlicher umstand. Bei den mei- sten Species ist das Weibchen entschiedener gefärbt und heller als das Männchen '*, in einigen wenigen Arten sind indessen die Ge- schlechter einander gleich. Bei Turnix taigoor aus Indien .fehlt dem ..Männchen das Schwarz an der Kehle und dem Halse, und der ganze

11 Westminster Review, July, 1867, und A. Murray, Journal of Travel, 1868, p.

" Wegen der australischen Arten s. Gould, Handbook to the Birds of Au- stmlia. Vol. II. p. ;                 36 und 188. An den Exemplaren der Trappen-

wachte!                                       im Britischen Museum lassen sich ähnliche ge-

schlechtliche Verschiedenheiten erkennen.

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Cap. 16.            Die Jungen gleichen den erwachsenen Männchen.                  187

„Färbungston des Gefieders ist heller und weniger ausgesprochen als „der des Weibchens*. Das Weibchen erscheint lauter und ist sicher viel kampfsüchtiger als das Männchen; so dass die Weihchen, und nicht die Männchen, häufig von den Eingebornen zum Kämpfen ge- halten werden wie Kampfhähne. Wie von englischen Vogelfängen) männliche Vögel in der Nähe einer Falle als Lockvögel aufgestellt werden, um andere Männchen durch Erregung ihrer Eifersucht zu fangen, so werden in Indien die Weibchen dieser Turnix hierzu ver- wandt. Sind die Weibchen in dieser Weise aufgestellt, so beginnen sie sehr bald „ihren lauten schnurrenden Lockruf ertönen zu lassen, „welcher eine bedeutende Entfernung weit gehört werden kann, und „alle Weibchen im Bereich der Hörbarkeit dieses Rufes laufen eiligst „nach der Stelle hin und beginnen mit dem gefangenen Vogel zu „kämpfen". Auf diese Weise können von zwölf bis zwanzig \ sämmtlich brütende Weibchen, im Laufe eines einzigen Tages gefangen werden. Die Eingebornen behaupten, dass die Weibchen, nachdem sie die Eier gelegt haben, sich in Heerden versammeln und es den Männ- chen überlassen, die Eier auszubrüten. Es ist kein Grund vorhanden, diese Behauptungen zu bezweifeln, welche durch einige von Mr. Swdjhoe in China gemachte Beobachtungen unterstützt werden IS. Mr. Blyth glaubt, dass die Jungen beider Geschlechter den erwachsenen Männ- chen ähnlich sind.

Die Weibchen der drei Arten von Goldschnepfen Rhynchaea, Fig. 62) „sind nicht grösser, aber viel reicher gefärbt als die Männchen1'18. Bei allen übrigen Vögeln, bei welchen die Luftröhre ihrer Structur nach in den beiden Geschlechtern verschieden ist. ist sie bei den Männ- chen entwickelter und complicirter als bei den Weibchen; aber bei der Rhynchaea australis ist sie beim Männchen einfach, während sie beim Weibchen vier besondere Windungen beschreibt, ehe sie in die Lungen eintritt ". Es hat daher das Weibchen dieser Species einen eminent männlichen Character erhalten. Mr. Bltth hat durch Untersuchung vieler Exemplare ermittelt, dass bei Bh. bengalmsis, welche Species der Rh. australis so ähnlich ist, dass sie, ausgenommen durch ihre kürzeren Zehen, kaum von ihr unterschieden werden kann, die Luft-

ls Jerdon, Birds of lndia. Vol. III, p. 596. Mr. Swinhoc in: Ibis, 1865. p. 542; 1866, p. 131, 405.

rdon, Birds of lndia. Vol. III. p. 677. " Gould's Handbook to the Birds of Australia. Vol. II, p. 275.

rh :'                                                              Online

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188

ohtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

röhre in keinem der beiden Geschlechter gewunden ist. Diese That- sa. In' bietet ein weiteres auffallendes Beispiel für das Gesetz dar. da-s Becund&re Sexualcharactsere oft bei nahe verwandten Formen «reit »ob einander verschieden sind, obschon es ein sehr seltener Umstand ist.

..nehaea capentit (aus Brehm, Tliierloben).

wenn sieli derartige Verschiedenheiten auf das weibliche Geschlecht beziehen. Es wird angegeben, dass die Jungen beider Geschlechter von Bh. bengalensis in ihrem ersten Gefieder den erwachsenen Manu- ellen ahnlieh sind IS. Es ist auch Grund zur Annahme vorhanden,

" Thi                                [858, p. 3.

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Cap. 16.             Die Jungen gleichen den erwachsenen Männchen.                  189

dass das MänDchen die Pflicht des Ausbrütens auf sich nimmt; denn Mr. Swbjhob1' fand die Weibchen vor Ende des Sommers zu Heerden versammelt, wie es mit den Weibchen von Turnkt vorkommt.

Die Weibchen von Phalaropua fulicarius and J'li. hupi sind grosser und in ihrem Sommergefieder „lebhafter in ihrer 1 „nung als die Männchen*. Doch ist die Verschiedenheit in der Farbe zwischen den Geschlechtern durchaus nicht augenfällig. Nur das Männchen von Ph. fulicarius übernimmt nach Professor Steenstri v die Verpflichtung des Brtttens, wie es sich anch durch den Zustand seiner Brustfedern wahrend der Brütezeit ergibt. Das Weibchen des Morinell-Regenpfeifers (Ewl*                               I ist grösser als das

Männchen, und die rothen und schwarzen Farbentöne auf der untern Fläche, der weisse halbmondförmige Fleck auf der Brust und die Strei- fen oberhalb der Augen sind bei ihm .stärker ausgesprochen. Audi nimmt das Männchen wenigstens am Ausbrüten der Eier Theil: aber anch das Weibchen sorgt für die Jungen'-'". Ich bin nicht im Stande ii zu ermitteln, ob bei diesen Arten die Jungen den erwachsenen Männchen in bedeutenderem Grade ähnlich sind als den erwachsenen Weibchen; denn die Vergleichung ist wegen der doppelten Mauserung etwas schwierig anzustellen.

Wenden wir uns nun zu der Ordnung der Stransse: Jedermann würde das Männchen des gemeinen Casuars Casuarius galeatus) für das Weibchen zu halten geneigt sein, da es kleiner ist und die An- und die nackten Hautstellen am Kopfe viel weniger hell gefärbt sind: auch hat mir Mr. Rakti.ktt mitgetheilt, dass es im zoologischen Harten sicher allein das Männchen ist. welches auf den Eiern sitzt und die Sorge um die Jungen übernimmt-1. Mr. T, W. WOOD gibt

19 Ibis, 1866, p. 298.

-u In Rezug auf diese verschiedenen Angaben s. liould, Birds of G tain. Professor Newton tbeilt mir mit, er sei nach seinen eigenen Beobachtun- gen wie nach denen Änderet schon lange überzeugt gewesen                  t uneben der oben genannten Species entweder zum Theil oder vollständig die Pflicht der Bebrütung auf sich nehmen und „dass sie im Falle einer Gefahr eine viel grössere „Hingabe an ihre Jungen zeigen, als es die Weibchen thun*. So ist es auch, wie er mir mittheilt, mit der Limosa lapponica und einigen wenigen andern Wad- vögeln der Fall, bei welchen die Weibchen grösser sind und viel schärfer conlra- stireude Farben besitzen als die Männchen.

21 Die Eingeborenen von Ceram behaupten (Wallace. Mala; Archipelago, Vol. II, p. 150), dass das Männchen und das Weibchen abwechselnd auf den

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

11. Theil.

an --, dass das Weibchen während der Paarungszeit von ausserordent- lich kampfsüchtiger Disposition ist; seine Fleischlappen werden dann vergrössert und brillanter gefärbt. Ferner ist das Weibchen von einem der Emus (Dromaeus irroratus) beträchtlich grosser als das .Männ- chen und besitzt einen unbedeutenden Federbusch, ist aber in anderer im Gefieder nicht zu unterscheiden. Allem Anscheine nach be- sitzt es indessen, „wenn es geärgert oder sonstwie gereizt wird, stär-

das Vermögen, wie ein Truthahn die Federn an seinem Halse „und seiner Brust aufzurichten. Es ist gewöhnlich muthiger und .zanksüchtiger. Es stösst einen tiefen, hohlen, gutturalen Ton aus. „besonders zur Nachtzeit, welcher wie ein kleiner Gong klingt. Das „Männchen hat einen schlankeren Bau und ist gelehriger, hat auch »keine Stimme ausser einem unterdrückten Zischen oder Knurren, „wenn es ärgerlich ist". Es übt nicht nur die gesammten Pflichten der Brütung aus, sondern hat auch die Jungen gegen ihre Mutter /u vertheidigen; „denn sobald diese ihre Nachkommenschaft erblickt, „wird sie heftig erregt und scheint trotz des Widerstandes des \ „ihre äusserste Kraft anzustrengen, sie zu zerstören. Monate lang „nachher ist es nicht gerathen, die Eltern zusammenzubringen, hef-

Kämpl'e sind das unvermeidliche Resultat, aus denen meist das „Weibchen als Sieger hervorgeht"2'1. Wir haben daher bei diesem Emu eine vollständige Umkehrung nicht bloss der elterlichen und Brüte-Instincte, sondern auch der gewöhnlichen moralischen Eigen- i der beiden Geschlechter; die Weibchen sind wild, zanksüchtig und lärmend, die Männchen sanft und gut. Beim afrieanisclien Strauss verhält sich der Fall sehr verschieden . denn hier i.-i das .Männchen etwas grösser als das Weibchen und hat schönere Schmuckfedern mit schärfer contrastirenden Farben; nichtsdestoweniger übernimmt das-

pollstandig die Pflicht des Brütens-4.

sitzen:                      ist aber, wie Mr. Itartlett glaubt, so zu erklären, dass das

Weibchen das Nest besucht, um seine Eier abzulegen. i; The Student, April, 1870, p. 124. " s. die                                 reibung der Lebensweise dieses Vogels in der

Mr. A. W. Bennett, in: Land and Water, May 186-,

** Sclater. über das Brüten der straussartigen Vögel, in: Proceed. Zool.

Soc. June 9, 1863. Dasselbe ist bei der /                    i der Fall: Capt. Musters

\- hörne witb. the Patagonians, 1871, p. 128), dass das Männchen grösser,

und schneller ist als das Weibchen und von einer unbedeutend dunkleren

Färbung; doch nimmt es allein die Sorge um die Eier und um die Jungen auf

sich, genau so wie es die gewöhnliche Species von llheu thut.

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Cap. 16.               Die Jungen gleichen den erwachsenen Männchen.                      191

Ich will noch die andern wenigen mir bekannten Fälle anführen, wo das Weibchen augenfälliger gefärbt ist als das Männchen, ob- schon über ihre Art des Brfitens nichts bekannt ist. Bei dem Geier- bussard der Falkland-Inseln (Müvago 1< ueurus) war ich sehr überrascht, bei der Zergliederung zu finden, dass die Individuell, «eiche starker ausgesprochene Färbungen zeigten und deren Wachshaut und Beine orange gefärbt waren, die erwachsenen Weibchen waren, wahrend die- jenigen mit trüberem Gefieder und grauen Beinen die Männchen oder die Jungen waren. Bei einem australischen Baumläufer Climacteris eryüirops) weicht das Weibchen darin vom Männchen ab, dass es „mit schönen strahlenförmigen röthlichen Zeichnungen an der Kehle „geschmückt ist, während beim Männchen diese Theile völlig gleich- „farbig sind-. Endlich übertrifft bei einem australischen Ziegenmelker „das Weibchen immer das Männchen an Grösse und an dem Glänze „der Färbung; andererseits haben die Männchen zwei weisse Flecke „auf den Schwingen erster Ordnung augenfälliger entwickelt als die ..Weibchen" -5.

Wir sehen hieraus, dass die Fälle, in denen die weiblichen Vögel auffallender gefärbt sind als die Männchen und wo die liiiiLr>-n in ihrem unreifen Gefieder den erwachsenen Männchen, anstatt wie in der vorhergehenden Classe den erwachsenen Weibchen, gleichen, nicht zahlreich sind, obschon sie sich auf verschiedene Ordnungen yertheilen. Auch ist der Betrag an Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern unvergleichlich geringer, als wie er häufig in der letzten Classe auf-

" In Bezug auf den Milvago s. Zoology of the Voyage of the Beagle. Birds, 1841, p. 16. Wegen der Climacteris und des Ziegenmelker! Gould, Handbook to the Birds of Australia. Vol. I. p. 602 und 97. Die Neu- seeländische Brandente (Ta '                      ita) bietet einen völlig anomalen Fall dar; der Kopf des Weibchens ist rein weiss und sein Kücken ist rother als der des Männchens; der Kopf des Männchens ist von einer kräftigen dunkelbronzcnen Farbe und sein Rücken ist mit schön gestrichelten schieferfarbigen Federn be-

80 dass es durchaus als das Schönere von den beiden betrachtet werden kann. Es ist grösser und kampfsüchtiger als da- Weibchen and sitzt nicht auf

in. Es fällt daher diese Species in allen diesen Beziehungen unter unsere erste Classe von Fällen. Mr. Sclater war aber sehr überrascht, zu beobachten (Proceed. Zoolog. Soc. 1866, p. 150), dass die Jungen beider Geschlechter, wenn sie ungefähr drei Monate alt sind, in ihren dunklen Köpfen und Hälsen den er- wachsenen Männchen ähnlich sind, statt es den erwachsenen Weibchen in so dass es in diesem Falle scheinen möchte, als wären die Weibchen modificirt worden, während die Männchen und Jungen einen frühern Zustand des Ge behalten haben.

The Comrjlete Work of Charles Darwin Online

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192                              Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                      II. Theil.

tritt, so dasa die Ursache der Verschiedenheit, was dieselbe auch ge- wesen sein mag, in der gegenwärtigen Classe weniger energisch oder

weniger ausdauernd anf die Weibchen eingewirkt hat. als in der letz- ten Classe auf die Männchen. Mr. Wallace glaubt, dass die Fär- bungen der Männehen zum Zwecke des Schutzes während der Bebrü- tungszeit weniger augenfällig geworden sind: die Verschiedenheit zwi- schen den Geschlechtern seheint aber bei kaum einem der vorstehend erwähnten Fälle hinreichend gross zu sein, am diese Ansicht mit Sicherheit annehmen zn können. In einigen dieser Fälle sind die hel- leren Farbentöne des Weibchens beinahe ganz auf die unter.' Körper- fläche beschränkt. und wenn die Männchen in dieser W wärm, so würden sie während des Sitzens auf den Eiern keiner Ge- fahr ausgesetzt gewesen Bein. Mau musa auch im Auge behalten, uneben nicht bloss in einem anbedeutenden Grade weniger auffallend gefärbt sind als die Weibchen, sondern auch von gerii

sind und weniger Kraft haben. Sie haben überdies nicht bloss den mütterlichen Instinct dos Brütens erlangt, sondern sind auch t kampflustig und laut als die Weibchen und haben in einem Falle auch einfachere Stimmorgane. Es ist also eine beinahe voll- ständige Vertauschung der Instincte, Gewohnheiten Disposition, Farbe,

und einiger Structnreigenthünilichkeiten zwischen den beiden '.echtem eingetreten.

Wenn wir nun annehmen können, dass die Männchen in der vor- liegenden Classe etwas von jener Begierde verloren haben, welche ihrem Geschlechte sonst eigen i-t. so dass sie nun nicht länger mehr die Weibchen eifrig aufsuchen: oder wenn wir annehmen können, dass die Weibchen viel zahlreicher geworden sind als die Männchen — und in Bezug auf eine indische Art von Turnix wird angegeben, dass man „die Weibchen viel gewöhnlicher trifft als die .Männchen--6 - . dann ist es nicht anwahrscheinlich, dass die Weibchen dazu gebracht wur- den, den Männchen den Hof zu machen, anstatt von diesen umworben zu werden. Dies ist in der That in einem gewissen Maasse bei eini- gen Vögeln der Fall, wie wir es bei der Pfauhenne, dem wilden Trut- huhn und gewissen Arten von Waldhühnern gesehen haben. Nehmen wir die Gewohnheiten der meisten männlichen Vögel als Maasstab der Beurtheilung, so muss die bedeutendere Grösse und Kraft und die

;" Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 598.

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C»p. 16.                                                               inen.                     ] 93

ausserordentliche Kampfeucht der Weibchen Jim- Vurnix und der Emus die Bedeutung haben, d                 rochen, rivalisirende Weibchen fort-

zutreiben, um in den Besitz des Mannchens zu gelangen; and nach Ansicht werden alle Thatsachen verständlich; denn die Mann- chen werden wahrscheinlich von denjenigen Weibchen bezaubert oder gereizt werden, welche für sie durch ihre helleren Farben, andere Zierathen oder Stimmkräfte die anziehendsten waren. Dann würde nun bald auch geschlechtliche Zuchtwahl ihr Werk verrichten und dir' Anziehungsreize der Weibchen vermehren, während die Männchen und die Jungen durchaus gar nicht .'der nur wenig modi- licirr werden.

3. Classe. Wenn das erwachsene Männchen dem erwach-

. Weibchen ähnlich ist, so haben die Jungen beiderlei in ihnen besonders zukommendes eigentüm- liches Gefieder. — In dieser Classe gleichen beide Geschlechter

einander, wenn si                 . sind, und sind von den Jungen verschie-

den. Dies kommt bei vielen Vögeln vieler Arten vor. Das männliche Rothkehlchen kann kaum vom Weibchen unterschieden werden, die Jungen aber sind mit ihrem trüb-olivenfarbeneii und braunen Ge weit von ihnen verschieden. Das Männchen und Weibchen des pracht- vollen scharlachrothen Ibis sind gleich. während die Jungen braun sind; und obgleich die Scharlachfarbe beiden Geschlechtern gemeinsam zukommt, so ist sie doch allem Anscheine nach ein se- xueller Character; denn bei Vögeln in der Gefangenschaft entwickelt ch nicht gut, in derselben Weise wie die brillante Färbung bei männlichen Vögeln häutig nicht eintritt, wenn sie gefangen ge- halten werden. Bei vielen Arten von Reihern sind die Jungen be- deutend von den Erwachsenen verschieden, und obschon ihr Sommer- gefieder beiden Geschlechtern gemeinsam ist, so hat es doch entschieden einen hochzeitliehen Character. Junge Schwäne sind schiefergrau, während die reifen Vögel rein weiss sind; es würde aber überflüssig sein, noch weitere Beispiele hier hinzuzufügen. Diese Verschiedenheiten zwischen den Jungen und den Alten hängen wie in den letzten zwei Gassen allem Anscheine nach davon ab. dass die Jungen einen frühe- ren oder alten Zustand des Gefieders beibehalten haben, während die Alten beiderlei Geschlechts ein neues Gefieder erhalten haben. die Erwachsenen hell gefärbt sind, so können wir aus den soeben in

DARWig, Abstammung. It. 1                                                                               1:1

;arles Darwin Online

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194

htliche Zuchtwahl

II. Theil.

larlachenen Ibis und viele Reiher gemachten Benier-

.                                                             ächlies-

m den nahezu geschlechtsreifen Männchen

durch geschlechtliche Zuchtwahl erlang!                                    r ver-

- in den beid                         a vorkommt, die

u wohl ani Gesell'.                                   in ist. In .

lechter einander, wenn sie erwachsen sind, und weichen daun von den Jungen ab.

4. Classe. Wenn das senen                 n ähnlich ist, so sind                     i beiderlei

hlechts in ihren                         rkleide den Erwachs

ähnlich. — In di                  gleichen die -                          iisenen

beider Geschlecht-                        - n sie nun brillant oder düster ge-

färbt                             Fälle sind meiner Meinung nach häutiger als

die der letzten (.'lasse. Wir haben in England                         d beim

lern Eichelhäher, der Elster, Krähe und vielen kleinen trübe gel                                         Graukehlchen

lern Zaunkon i                                                 zwischen den .Tun-

gen und Alten ist aber niemals vollstän                   ' sich allmählich

i' Chähnlichkeit ab. So sind die Jungen von einig niilie der Eisvög                                                      rbt als die

Erwai' -               . lern viele von den Federn der untern Körperfläche

sind mit Braun gerändert -7 — wahrscheinlich eine Spur eines früheren Zustandes des Gefieders. Die Jungen manch                   .1 häufig in

Iruppe von \                          nerhalb einer und der nämli-

z. B. in einer australischen Gattung von Papageien . Eltern beiderlei Geschlechts sehr ähnlich, während die Jungen ander                  onerhalb derselben Gruppen von den Er-

zeugern, welche einander gleich sind, beträchtlich verschieden sind -*. Beide Geschlechter und die Jungen des gemeinen Eichelhähers sind einander sehr ähnlich: aber beim canadischen Häher [Pt

sind die Jungen von ihren Ell früher als vers

. VoL I, p. _'.                    iM. Handhook to the

i nitholoieal Biographv. Vol. II.

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Cap. 10.                  Die Jungen gleichen beiden Erwachsenen.                        105

Ehe ich weiter gehe will ich ben                          in dieser und

den .                                   zusammengebrachten Thatsachen so com-

plexer Xatur und                                             ifelhaft sind, dasa Jeder,

Br nicht ein specielles ! lieber überschlagen

Die brillanl                 iffaüenden Färbungen.

in der vorliegenden Classe eh                 a. können ihnen

niemals als Schutzmittel von Nutzen sein, so dass sie wahrscheinlich len Männchen durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt und dann i und die Jungen übertragen

die Männchen die anziehenderen Weibchi wählt haben; und wenn diese iure Charactere auf ihre Nachkommen beider'                                                                              Itat eintre-

ten, wie durch die Wahl der ai                n Männchen seitens der Weib-

chen. Es sind aber einige Belege dafür vorhanden,                  Alter-

native nur                   an überhaupt jemals, in irg

t allgemein gleich sind, eingetreten ist: denn -                                                 inander

auftretenden Abänderungen in ihrer L'eberlieferung auf beide Geschlech- iilagen wären, so würden doch immer die Weibchen in einem geriiiL                 lie Männchen an Schönheit übertreffen haben,

kommt im Natur/'                        q iü beinahe

jeder grossen Gruppe, in wel                schlechter allgemein einander

ähnlich sind, sind die Männchen eil               Jen Arten in einem un-

bedeutenden Grade heller gefärbt                                       ist ferner

schöneren Männchen gewählt haben könnten, wahrend auch umgek                Männchen die schöneren Weil-

chen wählt                                            inmal ob dieser doppelte Vor-

gang einer Auswahl leicht vorkommen dürfte, und zwai

hlechts als des andern, und dann wirksamer sein würde, als Auswahl seitens des einen Ge- daher die wahrscheinli in der vorliegenden (.'las-e. soweit ornamentale Charactere in Betracht kommen, die geschlechtliche Zuchtwahl in Debereinstimmung mit der leinen durch das ganze Thierreich hindun                 n Regel ge-

wirkt hat. nämlich auf die Männchen, u:                - ihre allmählich

_ -n Farben                   s                g "der beim

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196

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Ein anderer Punkt ist zweifelhafter: od nämlich die aacheinander auftretenden Abänderungen bei den Männchen zuerst erschienen, nach- dem sie nahezu geschlechtsreif geworden waren, oder während ihrer Jugend. In beiden Fällen muss geschlechtliche Zuchtwahl auf das Männchen gewirkt haben, als es mit Nebenbuhlern um den Besil Weibchens zu coneurriren hatte: und in beiden Füllen sind die so er- langten Charactere auf beide Geschlechter und auf alle Alter- überliefert worden. Wenn aber diese Charactere von den Männchen erlangt wurden, als sie erwachsen waren, so könnten sie anfangs allein den Erwachsenen wieder vererbt und in einer späteren Periode auf die Jungen übertragen worden sein. Denn es ist bekannt, dass wenn das trang zu entsprechenden Lebensaltern fehlschlägt, die Nachkommen häufig Charactere in einem früheren Alter erben als in dem. in welchem sie zuerst bei ihren Eltern erschienen waren'10. Dem Anscheine nach Fälle dieser Art sind bei Vögeln im Naturzustande beobachtet worden. So hat beispielsweise Mr. lli.vni Exemplare von Lantus rufus und vor, Colymbus glacialis gesehen, welche während sie noch jung waren, in einer völlig abnormen Weise das erwachsene Gefieder ihrer Eltern angenommen hatten ". Ferner werfen die Jungen des geraeinen Schwans (Gygnus clor) ihre dunklen Federn nicht eher ab und werden nicht früher weiss, als bis sie achtzehn Monate oder zwei Jahre alt sind; Dr. Porh. hat aber einen Fall beschrieben, wo drei kräftige junge Vögel unter einer Unit von vier rein weiss geboren wurden. Diese jungen Vögel waren keine Albinos, wie sich durch die Farbe ihrer Schnäbel und Beine zeigte, welche nahezu den entspre- chenden Theilen der Erwachsenen glichen32.

Es dürfte sieh verlohnen, die oben angeführte dreifache Art und Weise, auf welche in der vorliegenden Classe die beiden Geschlechter und die Jungen dazu gekommen sein kennten, einander zu gleichen, durch den merkwürdigen Fall der Gattung Passer zu erläutern:!;i.

3" Das Variiren der Thiere and Pflanzen im Zustande der Domestication. 2. Aufl. Bd. 2, S. 91.

31 Charlesworth, Magaz. of Natur. Hist. Vol. I. 1837, p. 805, 306.

n Bulletin de la Societe Vaudoise des Scienc. Natur VI \ 1869, p. 182. Die Jungen des polnischen Schwan«, Cygnus immutabilis von Yarrell. sind immer weiss; man glaubt aber, wie mir Mr. Sclatei mittheilt, dass                      nicht«

Anderes ist als eine Varietät des domestidrten Schwane [Cyg

" Ich bin Mr. Blyth für Mittheilungen in Bezug aul                   ig verbun-

den. Der Sperling von Palästina gehört zu der Untergattung /'

The Comclete Work of Charles Darwin Online

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Ca]'. 16.                  Die Jungen gleichen beiden Erwachsenen.                        i:i,

lern Haussperling (P. domesticus) weicht das Männchen bedeutend vom Weibchen und von den Jungen ab. Junge und Weibchen sind einander ahnlich und in einem hohen Grade au               Geschlechtern

und den Jungen des Sperlings von Palästina (/'. brachydaa

i i wie auch einigen verwandte                   Wir können daher an-

nehmen. dass das Weibchen und die Jangen annäherungsweise das Gefieder des Urerzeugers der Gattung darbieten. Beim Baumsperling (P.                 | nun sind beide Geschlechter und

die Jungen dem Männchen des Saussperlings sehr ähnlich, so

-ämmtlich in einer und derselben Art und Weise modificirt wor- den sind und sämmtlich von der typischen Färbung ihre- frühen Ur- erzeugers abweichen. Dies kann dadurch bewirkt worden sein. ein männlicher Vorfahre des Baumsperlings variirte, und zwar ei

ächlechtsreif, oder zweitens während er ganz jung war. in welchen beiden Fällen er sein modi                  ider auf die

Weibchen und die Jungen überlieferte; oder drittens, er kann variirt haben,                 wachsen war. und kann sein Gefieder auf beid

wachsene Geschlechter und. in Folge des Fehlschlagen des Gesetzes der Vererbung zu entsprechenden Lebensaltern, in irgend einer spätem le auf die Jungen vererbt haben.

Es lässt sich unmöglich entscheiden, welche von diesen drei Vor-

jweisen durch die ganze vorliegende Classe von Fällen hindurch vorgeherrscht hat. Die Ansicht, dass die Mannchen variirten; . jung waren, und ihre Abänderungen auf ihre Nachkommen beiderlei lechts überlieferten, ist die wahrscheinlichste. Ich will hier hinzufügen, dass ich, allerdings mit wenig Erfolg, durch das Consul- tiren verschiedener Werke versucht habe zu entscheiden, in wie weit bei Vögeln die Periode der Abänderung im Allgemeinen die Ueberlie- ferung von Characteren auf ein Geschlecht oder auf beide bestimmt hat. Die oft angezogenen zwei Kegeln (— nämlich, dass spät im Leben auftretende Abänderungen auf ein und das nämliche Geschlecht überliefert werden, während diejenigen, welche zeitig im Leben auf- treten, beiden Geschlechtern überliefert werden —) bewährten sich dem Anseheine nach in der ersten i'. zweiten und vierten Classe von

" Ea bedürfen /. Ii. die Männchen von 1                                 gilla cya-

neu drei Jahre, das BCanncb                    tiüa ciris vier Jahre, um ihr schönes Ge-

ra vervollständigen, b. Andnbon, Ornitholog. Biogranhy. Vol. I. | Ute braucht drei Jahre (ebenda VoL 111.

jinolete Work of Charles Darwin Online

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Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Fällen: sie schlagen aber in der dritten, häufig in der fünften35 und in der sechsten kleinen Classe fehl. Indessen gelten sie doch, - ich es zu beortheilen vi                  einer betrachtlichen Majorität von

rten; auch dürfen wir die auffallende allgemeine Folgerang des Dr. W. Marshau über die Schädelhöcker der Vögel nicht vergessen, nun die beiden Regeln Geltung haben oder nicht, aus den im achten Capitel mitgetheilten Thatsachen könn die Periode der Abänderung mang der Form der Ueberlieferung gewesen ist.

In Bezog auf di                            hwierig zn                 n, nach

be wir beortheilen Bollen, d änderung eine frühzeitige od<                 . ob nach dem Alter in Bezug

auf di                 ner oder in Bezog ani                                 mögen

die Zahl der Maus                              -          durch-

läuft.                                    I ist zuweilen selbst innerhalb einer und

der nämlichen Familie ohne irgend eine nachweisbare Ursache bedeu- tend vi                                  gel mause::.                          beinahe alle

n Schwungfedern völlig herang               sind; und wir können nicht annehmen, dass dies der

rar. Wenn

1", in welchem di 'wickelt wurden, uns leicht fälschlich als . in früheres erscheinen, als es wirklich war. Dies kann durch den Gebrauch erläutert werden, welchem manche Vogelzüchter

m Kopf "der Hals junge:                                                                      -en, um das

gel zu bestimmen;                   den Männchen werden

:. unmittelbar do                                  ". Die wirkliche

-lauer ist nur bei wenig Vögeln bekannt, so dass wir kaum

urtheilen können.

Männchen vom Goldfasan kann, wi                Kr. Jenner Weir höre, toi

chen unterschieden werden, wenn es ungefähr drei Monate alt ist. es erreicht aber seinen Tollen Glanz nicht eher als bis Ende des September des folgenden

rauchen 4er Uns tantalus und Grus an                    Jahre, der Fla-

mingo mehrere Jahre und                                                 ihre, ehe sie ihr voll-

komm' i.                    rhalten. s. Audnbon, a. a. 0. Vol. I. p. 221; Vol. 111.

19, 211. Mr. Blytl rtlett hat mir die Mittheilung in Bezug auf die Goldfasane gemacht.

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Cap. 16.                     Die Jungen gleichen beiden Erwachsenen.                            199

Und was die Periode betrifft, in welcher das Reproductionsvermögerj

gt wird, so ist es eine merkwürdige Thatsaclie, das.- ven dene Vögel gelegentlich brüten, so lange sie noch ihr unreifes Gefie- der haben '''.

Die Thatsach'e, <la-s Vögel in ihrem unreifen oder Jugendgefieder brüten, scheint der Annahme entgegenzustehen, das- die geschlechtliche Zuchtwahl, wie ich allerdings glaube dass es der Fall ist. eine be- deutungsvolle Rolle bei der Verleihung ornamentaler Farben, Schmuck- federn u. s. w. an die Männchen, und mittelst der gleichartigen CJeber- lieferung auch an die Weibchen vieler Species, gespielt hat. Der Ein- wurf würde ein triftiger -ein. wenn die jüngeren und wenigei schmückten .Männchen ebenso erfolgreich im Gewinnen von Weibchen und in der Fortpflanzung ihrer Art wären, als die älteren nnd -< ren Männchen. Wir haben aber keinen Grund anzunehmen, dass der Fall ist. A.I dubon spricht von dem Brüten der unreifen Männchen Mm Tantalm /'»'- als einem seltenen Ereigniss, wie es auch -Mr. Swin- HOE in Bezug auf die unreifen Männchen von "/,'.,//<.. thut38. Wenn die Jungen irgend                         in ihrem unreifen Gefieder erfolg-

reicher im Gewinnen von Genossen wären als die Erwachsenen, so würde wahrscheinlich di                       ilieder bald verloren werden,

da ja dann diejenigen Männchen das Oebergewicht erlangen würden, welche ihr anreifes Jugendkleid am längsten beibehielten; hierdurch würde am 1                  iracter der Species modificirt werden39. Wenn

" In Au dubon's Ornitholog. Biograph j- habe ich die folgenden Fälle ge- funden. Der americanische .Redst                       ipa nibicilla, Vol.I, p. 203). Der Ibis tantalus braucht vier Jahre, um zu vollständiger Reife zu gelangen, brütet aber zuweilen im zweiten Jahr (Vol. III. p. 133). Dei                        mus braucht dieselbe Zeit, brütet aber ehe er sein volles Gefieder erhält (Vol. III. p. 211). Die Erwachsenen dei Ardea caerulea sind blau und die Jungen weiss; und weisse, ge- neckte und reife blaue Vögel kann man sümmtlich durcheinander brüten sehen (Vol IV. |i. 58 : Mr. Blyth theilt mit iii.l--.-en mit, dass gewisse Reih Anscheine nach dimorph sind, denn man kann weisse und gefärbte Individuen des nämlichen Alters beobachten. Die Harlekin-Ente Anas hhtriunica L.) braucht drei Jahre, um ihr volles Gefieder zu erlangen; doch brüten viele Vögel im zwei- ten Jahre (Vol. 111. p. 614). Der weisskopflge Adler [Falco leueoeephalus, Vol. III, p. 210) brüte', wie man gleichfalls erfahren hat, in seinem unreifen Zu- stande. Einige Species von Oriolus brüten gleichfalls (nach den Angaben von Mr. Blyth und Mr. Swinhoe in: Ibis, July, 1863. p. 68), ehe sie ihr volles ler erlangen.

38 s. die vorhergehende Anmerkung.

Ire zu völlig verschiedenen Classen gehörende Thiere sind entweder

Online

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II. Theil.

auf der andern Seite die Jungen es niemals erreichten, ein Weibchen zu erlangen, so würde die Gewohnheit frühzeitiger Reproduction viel- leicht früher oder später rollständig eliminirt werden, da es äber- i-t und eine Kraftverschwendung mit sich bringt. Das G                                  1 nimmt beständig während vieler

Jahre, noch nachdem sie vollständig reif geworden sind, an Schönheit zu; dies isi mit dem Behänge des Pfauhahns, mit einigen Arten von Paradiesvögeln und mit der Federkrone und den Schmuckfedern wisser Reiher der Fall, z. B. bei der Ardea Ludwiciana*0; es i-t aber zweifelhaft, ob die                   Weiterentwickelung derartiger Fe-

dern das Resultat der Auswahl nacheinander auftretender wohlthätiger Abänderungen (obschon dies in Bezug auf die Paradiesvögel die wahr- scheinlichste Ansicht ist) oder bloss beständigen Wachsthums ist. Die d Fische nehmen bestandig an Grösse zu, so lange sie bei guter Gesundheit sind und reichliche Nahrung haben; und ein in gev Weise ähnliches Gesetz kann für die Schmuckfedern der Vögel gelten.

5. Classe. Wenn die Erwachsenen beiderlei Geschlechts ein verschiedenes Winter- und Sommergefieder haben, mag nun das Männchen vom Weibchen verschieden sein oder nicht, sc sind die Jungen den Erwachsenen beiderlei Ge- schlechts in dem Winterkleide, oder, jedoch viel sei; in dem Sommerkleide, oder allein den Weibchen ähnlich; oder die Jungen können einen intermediären Character tragen; oder ferner sie können von den Erwachsenen in ihren beiden Jahreszeitgefiedern verschieden sein. — Die Fälle in dieser Classe sind in eigentümlicher Weise complicirt; auch

gewöhnlich oder nur gelegentlich im .Stande, sich fortzupflanzen bevor sie ihre jenen Charactere vollständig erlangt haben. Dies ist der Fall mit den jungen Männchen dos Lachses. .Man hat die Erfahrung gemacht, dasa mehrere Amphibien sich fortpflanzen, wahrend sie ihren Larvenban behalten. Fritz Mül- ler hat gezeigt („Für Darwin" 8. 54), dasa die Männchen mehrerer amphipoden ii geschlechtsreif werden, solange sie noch jung sind; und ich halte dies für einen Fall von vorzeitiger Fortpflanzuiiir. weil sie noch nicht ihre völlig ent- wickelten Klammerorgane erhalten haben. Alle derartige Thatsachen sind in hohem Grade interessant, da sie sich auf ein Mittel beziehen, durch welches die E bedeutende Modifikationen des Characters erleiden können.

' Jerdon, Birds of Didia, VoL III. p. 507, aber den Pfauhahn. Dr. Mar- shall glaubt, dass die älteren und brillanteren Männchen der Paradiesvögel einen Vortheil vor den jüngeren Männchen hahen: -. Archives Neerlandaisea, Ten], VI. 1871. — Felier Ardea s. Audubon, a. a. 0. Vol. III. p. 139.

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Cap. 10.              Aenderungen des Gefieders nach der Jahreszeit.                    20]

ist dies nicht zu verwundern, da -                  rbung abhängen, welche

in höherem oder geringerem Grade in dreierlei ver                 Weise

beschränkt ist, nämlich durch das Geschlecht, das Alter und die Jah- reszeit. In                   llen durchlaufen die Individuen einer und der nämlichen Species mindestens fünf verschiedene                         Seders. Bei den Species, in welchen das Männchen allein während der Sommer- zeit oder, was der seltenere Fall ist, während beider Jahreszeiten41 Weibchen vei ist, gleichen die Jungen allgemein den Weibchen, — so bei dem sogenannten Stieglitz von Nordamerica und ine Dach bei den prachtvoll von Australien42. Bei den Species, deren Geschlechter sowohl während des Sommers als auch während des Winters einander gleichen, können die Jungen den Erwachsenen ähnlich sein, und / in deren Winterkleide, us, doch tritt d Itener ein, in ihrem Sommerkleide: drittens können sie zwischen diesen beiden Zuständen mitten inne : und viertens können sie bedeutend von den Erwachsenen zu allen Jahreszeiten abweichen. Ein Beisp servier Fälle sehen wir ai r Silberreiher von Indien mmandus), l»'i welchem die Jungen und die Erwachsenen beider Geschlechter id des Winters «eis- sind, dir Erwachsenen aber während - immers goldröthlich werden. Bei dem Klaffschnabel (Anastomus oscitans) von Indien haben wir einen ähnlichen Fall, nur sind liier kehrt; denn die Jungen und die Erwachsenen b Chts sind während des Winters grau und schwarz und die Erwachsenen werden während des Sommers weiss4;. Ein Beispiel des zweiten Falls bietet der Tord-Alk (JA" Torda L.) dar; die Jungen sind in einem frühen Zustande des Gefieders wie die Erwacl während des Sommers gefärbt; und die Jungen <i krönten Sperlings von Nordamerica (FringiUa leueophrys) haben, sobald sie flügge geworden sind, elegante weisse Streifen auf ihren Köpfen, welche

'' Wegen erläuternder Fälle b. Macgilliyray, His> ory of British Birds,

m u. s. iv. p. 229, 271; über den Macheies, p. 172; über Cha-

hiaticula, p. 11 : Bl

4; Wi _                             Iddistelfink) von Nordamerica, Fringüla tristis I...

InboB, Ornitholog. Biography, Vol. I. p. 172: wegen der Maluri: Gonld's

Handbook to the BL                             i. I. p. 318.

M Ich bin Mr. Blyth für Mittheilungen in Bezog auf Bttphus dankbar ver- bunden: s. auch Jerdon. Birds of India. Vol, III. i'. "49. Ueber den AnOi s. Blyth, in: Ibis. 1867, p. 173.

The Com Dieb:

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1 itlielie Zuchtwahl:

II. Theil.

von den Jungen and den Alten während des Winters verloren werden44. In Beziig auf den dritten Fall, dass nämlich die Jungen einen inter- mediären Character zwischen dem Sommer- und Wintergefieder der Erwachsenen darbieten, betont Tabrbll45, dass dies bei vielen Wad- vorkommt. Was endlich den Fall betrifft, dass die Jungen tend von beiden Geschlechtern in ihrem erwachsenen Sommer- uud Wintergefieder abweichen, so kommt dies bei einigen Reihern und Silberreihern von Nordamerica und Indien vor, bei denen nur die Jun- gen weiss sind.

Ich will über diese complicirten Falle nur eil klingen machen. Wenn die Jungen den Weibchen in ihrem Sommer- kleide oder den E                   beiderlei Geschlechts in ihrem Winter- gleichen, su sind die Fälle von den in der 1. und ''>. ClaSS zeichneten nur darin verschieden, dass die ursprunglich von den .Mannehen während der Paarungszeit erlangten Charactere in ihrer üeberlieferung auf die entsprechende Jahreszeil beschränkt worden sind. Wenn die Erwachsenen ein verschiedenes Sommer- und Wintergefieder haben und die Jungen von beiden abweichen, so ist der Fall schwie-

:.. Wir können als wahrscheinlich annehmen . dir -hingen einen alten Zustand des Gefieders beibehalten haben; wir können auch das Hochzei                        Sommerkleid der Erwachsenen

durch geschlechtliche Zuchtwahl erklären: wie haben wir aber ihr verschiedenes Wintergefieder zu erklären? Wenn wir annehmen könn- ten, dass dies Gefieder in allen Fällen als Schutzmittel dient, so Würde dessen Erlangung eine einfach." Sache sein: es schein! aber für Annahme kein rechter Grund vorzuliegen. F- könnte vermuthet "'er- den, dass die so sehr verschiedenen Lebeosbedingungen während des Winters und des Sommers in einer directen Art und Weise auf das Gefieder eingewirkt haben; dies kann wohl ein gewisses Resultat er- geben haben, ich habe aber kein rechtes Vertrauen, dass eine deutende Verschiedenheit, wie wir sie zuweilen zwischen den beiderlei Gefiedern auftreten sehen, hierdurch verursacht worden sei. Eine wahr- scheinlichere Erklärung ist. da-- '-in.' alte, zum Theil durch die Ueber-

" Deber die Mea -. Macgillivray, History of British lürds. Vol. V. i. 847. Ceber die FringUla leueophrys s. Audubnn. a. a. 0. Vol. II Ich werde nachher noch darauf Bezug zu nehmen haben, dass die Jungen g Beiher und Silberreiher weiss sind.

J' History of British Birds. Vol. I. 1839, p. 159.

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Cap. 16. Die Jungen gleichen den Erwachsenen desselben Geschlechts.          203

tragung einiger Charactere vom Sommergefieder modificirte Form des Gefieders von den Erwachsenen während des Winters beibehalten wor- den ist. Endlich hängen allem Anscheine nach Bämmtliche Fälle in der vorliegenden Classe davon al>. dass Charactere, welche von den erwachsenen Männchen erlangt worden Bind, in verschied je nach Alter. Jahreszeit und Geschlecht in ihrer üeberlieferung be- schränkt worden sind: es würde sich alter nicht verlohnen, zu ver- suchen, den                  ii Beziehungen weiter zu folgen.

6. Classe. Die Jungen weichen in ihrem ersten Gefie- der je nach ihrem Geschlechte von einander ab, wobei die jungen Männchen mehr oder weniger nahe den erwachsenen Männchen und die jungen Weibchen mehr od-                  nahe

den erwachsenen Weibchen ähnlich sind. — Obschon die zu dieser Classe gehörenden Fälle in verschiedenen Gruppen vorkommen. so sind sie doch nicht zahlreich: indess scheint es das Natürlichste zu sein, dass die .hingen den Erwachsenen des gleichen Geschlechts an- in einem gewissen Grade ähnlich seien und ihnen allmählich immer mehr und mehr gleich werden. Das erwachsene Männchen des Plattmönchs (Sylvia atricapitta) hat einen schwarzen Kopf, der des Weibchens ist röthlich-braun; und wie mir Mr. Blttb mittheilt, kann man die Jungen beiderlei Geschlechts an diesem Merkmale unter- scheiden, selbst wenn sie noch Nestlinge sind. In der Familie der Drosseln ist eine ganz ungewöhnliche Anzahl ähnlicher Fälle beob- wuiden: so kann die männliche Amsel (Turdus merida) schon im Neste vom Weibchen unterschieden werden. Die beiden Geschlech- ter der Spottdrossel (Turdus polyglottus L.) weichen sehr wenig von einander ab; doch können die Männchen schon in einem sehr frühen Alter von den Weibchen dadurch unterschieden werden, dass sie mehr reines Weiss zeigen46. Die Männchen einer Walddrossel und einer Steindrossel (nämlich Orocetes erythrogastra und Petrocincla cyanea) haben sehr viel schönes Blau in ihrem Gefieder, während die Weib- chen braun sind; und die Männehen beider Species haben als Nestlinge ihre Hauptschwung- und Schwanzfedern mit Blau gerändert, wählend diejenigen der Weibchen mit Braun eingefas<t sind 4'. Bei der jungen

'" Aodnbon, Ornitholog. Biograph?. Vol. I, p. 113.

,T Kr. C. A. Wright, in: Ibis, VoLVI. l';i- p. <:5- Jerdon, Birds of India. Vol. I, p, 515. s. auch über die Amsel: Blyth, in Charlesworth's Magaz. of Natur. Hist. V.l. 1. 1887, p. 113.

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2114

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

Amsel nehmen die Schwungfedern ihren erwachsenen Character nach den andern an und werden nach ihnen schwarz; andrerseits weiden die Schwungfedern bei den beiden eben genannten                jor den

andern blau. Die wahrscheinlichste Ansicht in Beziehung auf die Fälle der verliegenden Gasse ist die. dass die Männchen, verschieden von dem was in der 1. i'lasse eintritt, ihre Farben in einem früheren Alter ihren männlichen Nachkommen überliefert haben, als in dem. in welchem sie selbst sie zuerst erlangten; denn wenn die Männchen variirt hätten, so lange sie noch ganz jung waren, so würdi wahrscheinlich ihr                   ihren Nachkommen beiderlei Geschlechts

überliefert ha

ler Colibri's) ist das Männchen glänzend schwär/, und grün gefärbt und zwei von den Schwanzfedern sind ungeheuer verlängert; das Weibchen hat einen gewöhnlichen xi. und nicht auffallende Farben; anstatt dass nun in Qeberein- stimmnng mit der gewöhnlichen Regel die jungen Männchen dem er- wach-                  ien ähnlich sind, beginnen sie schon von Anfang an die ihrem G                 eigentümlichen Farben anzunehmen, wie auch Schwanzfedern bald verlängert werden. Ich verdanke diese Mit- theilung Mr. Goüld, welcher mir auch d               Ien noch auffallen- deren und noch nicht veröffentlichten Fall mitgetheilt hat. Zwei zu der Gattung Eustephanus gehörige, beide wundervoll gefärbte Colibri's bewohnen die kleine Insel Juan Fernande/, und sind immer als tisch verschieden aufgezählt worden. Es isi aber vor Kurzem ermit- telt wordon. dass der eine, welcher eine reiche nussbraune Farbe mit goldrothen Kopf hat, das Männchen ist, während der andere, ganl mit Grün und Weiss gefleckt ist und einen metallisch grünen Kopf hat. das Weibchen ist. Nun sind die Jungen von Anfang an in einen: Grade den Erwachsenen die- entsprechenden Ge- schlechts ähnlich und die Aehnlichkeit wird allmählich immer mehr und mehr vollständig.

' Es                   i lern noch die folgendeo Fälle hier erwähnt werden: die

jungen Männchen ihr Tanagra rubra können von den jungen Weihchen unter-

o werden i Audubon, Ornitholog. Biography, Vol. IV, p. 3921: für die Nestlinge einer blauen Spechtmeise von Indien (Dendrophüa frontalis,

n. Birds of India, Vol. I, p. 38!>J. Mr. Blyth theilt mir mit, das.- schlechter des Schwuzkehli                                               in einem sehr frühen Alt.r

ieden worden können, Mr. Salvin führt den Kall von einem i

von Eustephanus an (Proceed. ZooL Soc. 1870, p. 206).

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Cap. 16.          Verhältnis* des .Injenilirefieders zu dem erwachsenen.               205

chtei man diesen letzten Fall and nimmt man wie vorhin der Jungen als Ausgangspunkt, bo dürft» wären beide Geschlechter ganz unabhängig schön gemacht worden, und als hätte nicht das eine Geschlecht theilweisi                   lönheit

auf -las andere übertragen. Das Männchen hat allem Anscheine nach seine glänzenden Farben durch geschlechtliche Zuchtwahl, in ders Weise wie beispielsweise der Pfauhahn oder der Fasan in unserer ersten C'lasse von Fällen, und das Weibchen in derselben Weis Ehynchaea oder Turnix in unserer zweiten ('lasse von Fällen erhalten. Aber darin liegt noch eine grosse Schwierigkeit: zu verstehen, wie dies zu ein und derselben Zeit bei beiden Geschlechtern einer und der nämlichen Species bewirkt werden konnte. Mr. Salvdj gibt an. wie wir im achten Capitel gesehen haben, dass bei gewissen Colibri' Männchen den Weibchen bedeutend an Zahl überlegen sind, während bei andern Arten, welche dasselbe Land bewohnen, die Weibchen be- deutend den Männchen überlegen sind. Wenn wir daher annehmen könnten, das- während irgend einer früheren lange dauernden Periode die Männchen der Species von Juan Fernande?, die Weibchen bedeutend an Zahl übertreffen hätten, dass aber während einer andern gleich- falls langen Zeit die Weibchen bedeutend den Männchen überlegen gewesen wären, so könnten wir einsehen, wie zu einer Zeit die Männ- chen und zu einer andern Zeit die Weibchen durch Auswahl der glän- zender gefärbten Individuen des andern Geschlechts schön geworden sein könnten, wobei beide Geschlechter ihre Charactere ihren Nach- kommen zu einer im Ganzen etwas früheren Periode als gewöhnlich überlieferten. Ob dies die richtige Erklärung ist, will ich nicht zu behaupten wagen; der Fall ist aber zu merkwürdig, um ganz mit Stillschweigen übergangen zu werden.

Wir haben nun in all                 'lassen gesehen, dass eine sehr

nahe Beziehung zwischen dem Gefieder der Jungen und dem der Er- wachsenen, und zwar entweder des einen Geschlechts oder beider Ge- schlechter besteht. Diese Beziehungen werden ziemlich gut durch den Grundsatz erklärt, dass das eine Geschlecht — und die- ist in der grossen Majorität der Fälle das Männchen, — zuerst durch Abände- rung und geschlechtliche Zuchtwahl glänzende Farben und andere i >.- namente erlangte und dieselben auf verschiedene Weise, in Uel Stimmung mit den anerkannt)                                     hing, seinen Nach-

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Jim;

Geschlechtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

kommen überlieferte. Warum Abänderungen in verschiedenen Perioden des Lebens, und zwar selbst zuweilen bei den Arten einer und der- selben Gruppe aufgetreten sind, wissen wir nicht; aber in Bezu<_' auf die Form der üeberlieferung scheint eine bedeutungsvolle Ursache, welche jene bestimmte, das Alter gewesen zu sein, in welchem die Abänderung zuerst auf!

Nach dem Gesetze der Vererbung zu entsprechenden Altersstufen und nach dem [Jmstande, dass eine jede Abänderung in der Farbe, welche bei den Männchen in einem frühen Alter erschien, nicht in dieser Zeil bei der Zucht gewählt, im Gegentheil häufig als gefährlich

tagt wurde, während ähnliche in der Periode der Reproduction oder iu deren Nähe auftretende Abänderungen erhalten wurden, gelangt man zum Schlüsse, das- das Gefieder der Jungen häufig unmodificirt gelassen oder nur wenig modificirt wurden ist. Wir erhalten hier- durch eine gewisse Einsicht in den Zustand der Färbung der einstigen rjrerzeuger unserer jetzt lebenden Species. Bei einer ungeheuren Zahl von Species in fünf unter unseren sechs Classen von Füllen sind die Erwachsenen des einen oder beiderlei Geschlechts, wenigstens während der Paarungszeit, glänzend gefärbt, während die Jungen unveränder- lich weniger hell als die Erwachsenen oder völlig düster gefärbt sind; denn so weit ich es ermitteln kann, ist kein Beispie] bekannt, wo die Jungen düster gefärbter Arten glänzende Farben entfalteten, oder wo die .hingen brillant gefärbter Arten noch brillanter gefärbt wären als ihre Eltern. Indessen gibt es in der vierten i lasse, in welcher die Jungen und Alten einander ähnlieh sind, viele Species (wennschon durchaus nicht alle), bei denen die Jungen glänzend gefärbt sind, und da diese Species ganze Gruppen bilden, so können wir schliessen, dass ihre frühen Lrerzeugei gleichfalls glinz                      sraren. Wenn mi

die Vögel der ganzen Erde betrachten, so scheint, mit dieser letzteren Ausnahme, ihre Schönheit seit jener Periode, von welcher wir in ihrem unreifen Jugendgefieder eine theilweise üeberlieferung haben, bedeutend erhöht worden zu sein.

üeber die Farbe des Gefieders in Bezug auf den Schutz. — Man wird gesehen haben, dass ich Mr. Wallace in der Annahme, dass düstere Färbungen, sobald -ie auf die Weibchen beschränkt sind. in den meisten Fällen speciell zum Zwecke des Schutzes erlangt wor- den sind, nicht folgen kann. Wie indessen früher bemerkt wurde.

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Farbe un

207

kann darüber kein Zweifel bestehen, dass beide Geschlechter vieler

ihre Färbung zu diesem Zwecke so modifieirt haben, dass der Aufmerksamkeit ihrer Feinde entgehen, oder in einigen Fälle

ihre Beute unbeobachtet beschleichen können, in derselben wie das Gefieder der Eulen <                  len ist, damit ihr Flug

nicht gehör! werde. Mr. Wallace bemerkt49, dass „wir nur in den „tropischen Landern und zwar in Wäldern, welche ihren Laubschmuck ils verlieren, ganze Gruppen von Vögeln linden, deren haupt- sächlichste Farbe ßrün ist". Ein Jeder, der es nur irgend einmal .' hat, wird zugeben, wie schwierig es ist, Papageien in einem mit Blättern bedeckten Baume zu unterscheiden. Trotzdem müssen wir uns erinnern, dass viele Papageien mit carmoisinen, blauen und nen Farbentönen geschSiückt sind, welche kaum protectiv sind. Spechte leben ganz vorzüglich auf Bäumen, aber ausser den grünen Species gibt es viele schwarze und schwarz und weisse Arten, während doch sämmtliche Species allem Anscheine muh nahezu denselben Ge- fahren                   sind. Es ist daher wahrscheinlich, dass auf Bäumen lebende Vögel scharf ausgesprochene Färbungen durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt haben, dass aber die grünen Farben häufiger als irgend welche andere durch natürliche Zuchtwahl wegen des dadurch erlangten Schutzes erlangt worden sind.

In Bezug aui Vögel, welche auf dem Boden leben, gibt Jeder- mann zu, dass sie in einer Weise gefärbt sind, dass siederumge .den Oberfläche ähnlich werden. Wie schwierig ißt es. ein Rebhuhn, eine B<                                                   sgenpfeifer, Lerchen und Zie-

genmelker zu sehen, wenn sie sich auf die Erde ducken! Wüsten be- wohnende Thiere bieten die auffallendsten Beispiele dar, denn die nackte Oberfläche bietet keinen Ort zum Verbergen dar. und beinahe alle kleineren Säugethiere, Reptilien und Vögel hängen in Bezug auf ihre Sicherheit von ihrer Färbung ab. Mr. Tbistram hat in Bezug auf die Bewohner der Sahara bemerkt;,°, dass sie alle durch „ihre .Isabellen- oder Sandfarbe" geschützt werden. Wenn ich mir die Wüstenvögel, die ich in Südamerica gesehen habe, ebenso wie die meisten der B                von örossbritannien in mein Gedäcbtniss zu-

" Westminster Review; Joly, 1867, p. 5.

> 1                                      flgde. In einem an mich gerichteten Briefe

bemerkt indess Dr. Rohlfs, dass nach seiner Bekanntschaft mit der Sahara .lies.:

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208

chtliche Zuchtwahl:

II. Theü.

rückrul                                                   schlechter in derartigen Fällen

nahezu gleich gefärbt Bind. Ich wandte mich nun in Folge hiervon an Mr. Tristbam in Bezog auf die Vögel der Sahara, und er hat mir freundlich die folgende Mittheilung gemacht. Es gibt - andzwanzig zu fünfzehn Gattungen gehörige Species, deren Gefieder offenbar in einer protectiven Art und Weise gefärbt ist, und diese Färbung ist um so auffallender, als bei den meisten                   1 die-

selbe von der ihrer Gattungsverwandten ferse!

indzwanzig Species sind bei dreizehn beide Geschlechter in der- selben Art und Weise gefärbt; diese gehören aber zu Gattungen, lud welchen diese Regel gewöhnlich vorherrscht, so dass sie uns nichts darüber sagen, dass die protectiven Farben gerade bei Wüstenvögeln in beiden Geschlechtern dieselben sind. Von den andern dreizehn Spe- rehören drei zu Gattungen, bei denen die Geschlechter gewöhn- lich von einander verschieden sind, und doch sind hier die Geschlech- tlich. Bei den übrigen zehn Species ist das Männchen vom Weibchen verschieden; die Verschiedenheit ist aber hauptsächlich auf die untere Fläche des Körpergefieders beschränkt, welche, wenn der Vogel auf den Boden duckt, verborgen ist; der Kopf und der Rücken haben in beiden Geschlechtern einen und denselben sandfarbigen An- strich. Es hat also in diesen zehn Species natürliche Zuchtwahl /um Zwecke des Schutzes auf die oben- Flüche beider Geschlechter einge- wirkt und sie gleich gemacht, während die untere Fläche allein der Männchen durch geschlechtliche Zuchtwahl /.um Zwecke der Verzierung verschieden geworden ist. Da hier beide Geschlechter gleichn

reschützt sind, -eben wir deutlich, dass die Weibchen nicht etwa durch natürliche Zuchtwahl verhindert worden sind, die Farben ihrer männlichen Erzeuger zu erben. Wir müssen vielmehr, wie früher erwähnt wurde, auf das Gesetz der geschlechtlich beschränkten Ver- erbung zurückgreifen.

In allen Theilen der Erde sind beide Geschlechter vieler weich- schnäfa                 il, besonders solcher, welche Schilfe und Röhrichte

frequentiren, düster gefärbt. Ohne Zweifel würden sie, wenn ihre Fal- ben brillant gewesen wären, ihren Feinden viel auffälliger gewesen sein: ob aber ihre düsteren Färbungen speciell zum Zwecke desSchutzes erlangt worden sind, scheint mir, soweit ich es beurtbeilen kann, doch zweifelhaft. Es i-t noch zweifelhafter, ob derartige düstere Färbungen /.um Zwecke der Verzierung erlangt worden sein können. Wir müssen

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Cap. 16.

Farbe und Schutz.

209

indessen im Auge behalten, dass männliche Vögel, obschon düster ge- färbt, doch häufig bedeutend von ihren Weibchen abweichen, wie es z. B. beim gemeinen Sperling der Fall ist, und dies führt uns zu der Annahme, dass derartige Färbungen, weil sie anziehend sind, durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind. Viele der weich- schnäbeligen Vögel sind Sänger; und man möge sich einer Discussion in einem früheren Capitel erinnern, in welcher gezeigt wurde, dass die besten Sänger selten durch helle Farbentöne verziert sind. Es möchte scheinen, als ob weibliche Vögel der allgemeinen Kegel nach ihre Gefährten entweder ihrer angenehmen Stimmen oder ihrer mun- teren Farben wegen gewählt haben, aber nicht wegen beider Heize in Verbindung. Einige Species, welche offenbar zum Zwecke des Schutzes gefärbt sind, so die Becassine, Schnepfe, der Ziegenmelker, sind gleich- falls nach unseren Ansichten von Geschmack mit äusserster Eleganz gezeichnet und schattirt. In derartigen Fällen können wir schliessen, dass sowohl natürliche als geschlechtliche Zuchtwahl gemeinsam zum Schutze und zur Verzierung gewirkt haben. Ob irgend ein Vogel existiit. (reicher nicht einen speciellen Beiz, womit er das andere Ge- schlecht anzieht, besitzt, dürfte bezweifelt werden. Wenn beide Ge- schlechter so düster gefärbt sind, dass es voreilig wäre, die Wirksam- keit geschlechtlicher Zuchtwahl anzunehmen, und wenn keine directen Belege dafür beigebracht werden können, dass derartige Farben zum Schutze dienen: so i-t es am besten, unsere rollständige Unwissenheit ober die Sache einzugestehen, oder was nahezu auf dasselbe hinaus- kommt, das Resultat der directen Wirkung der Lebensbedingungen zuzuschreiben.

Es gibt viele Vögel, von denen beide Geschlechter autfallend, wenn auch nicht brillant gefärbt sind, so die zahlreichen schwarzen, weissen oder gescheckten Species: und diese Farben sind wahrscheinlich das Resultat geschlechtlicher Zuchtwahl. Bei der gemeinen Amsel, dem Auerhahn, dem Birkhuhn, der schwarzen Trauerente (Oidemia) und selbst bei einem der Paradiesvögel (Lophorina atra) sind allein die .Männchen schwarz, während die Weibchen braun oder gefleckt sind, und es lässt sich kaum zweifeln, dass in diesen Fällen die schwarze Farbe ein geschlechtlicher, bei der Nachzucht gewählter Character ist.

I daher in ziemlichem Grade wahrscheinlich, dass die völlige oder theilweise schwarze Färbung beider Geschlechter, bei solchen \ wie den Krähen, '-""wissen Kakadu's, Störchen und Schwänen und vie-

DAftwm, Abstammung. II. Dritt« Auflag«. (VI.)                                             14

harles Darwin Online

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210

Geschlechtliche Zuchtwahl

II. Theil.

len Seevögeln, gleichfalls das Kesultat geschlechtlicher Zuchtwahl in Begleitung einer gleichmässigen Ueberlieferung auf beide Geschlecht» ist: denn die schwarze Farbe kann kaum in irgend einem Falle als Schutzmittel dienen. Bei mehreren Vögeln, bei welchen allein das Männchen schwarz ist, und bei anderen, bei denen beide Gesell! Bchwarz sind, ist der Schnabel oder die Haut um den Kopf hell ge- färbt, und der hierdurch dargebotene < 'outrast erhöht bedeutend ihre Schönheit. Wir sehen dies an dem hellgelben Schnabel der männlichen Amsel, an der carmoisinrothen Haut oberhalb der Augen des liirk- halins und Auerhahns, an dem verschieden und hell gefärbten Schna- bel des Trauer-Entrichs (Oidemia), an dem rothen Schnabel der Stein- dohle (Corpus graculus L.), des schwarzen Schwans und des schwarzen Storches. Dies führt mich zu der Bemerkung, dass es durchaus nicht unglaublich ist. dass die Tukans die enorme Grösse ihrer Schnäbel geschlechtlicher Zuchtwahl verdanken, zu dem Zwecke, die verschieden- artigen und lebhaften Farbenstreifen, mit denen diese Organe verziert sind, zu entfalten'"'1. Die nackte Baut an der Sohnabelbasis und rund um die Augen ist gleichfalls liäuri«.' brillant gefärbt und Mr. Godld sagt, indem er von einer dieser Species spricht52, dass die Färbung des Schnabels „während der Paarungszeit zweifelsohne in dem „sten und brillantesten Zustande sieh finde". Darin, dass die Tukans mit ungeheuren Schnäbeln, wennschon sie durch ihre schwammige Structur so leicht als möglich gemacht worden sind, zu einem uns fälschlich bedeutungslos erscheinenden Zwecke beschwert wurden, näm- lich zu dem Zwecke schöne Farben zu entfalten, liegt nicht mehr

51 I'                                                                              in Tukans ist noch niemals

eine befriedigende Erklärung gegeben worden, noch weniger für deren glänzende gibt an (The Naturalist on the Amazons. Vol. IL 1863, ren Schnabel 'lazu gebrauchen, Früchte von 'len äusi Spitzen der /                                                           oben, wie von andern Gewährs-

männern angeführt wild, Hier und jung

herauszuholen. Mr. Bates gibt aber zu, dass der Schnabel „schwerlich als ein „für d.-n Zweck, zu welchem er verwandt wird, sein- vollkomro                      - Werk-

„zeug b                      rden kann-. Die grosse M

v Breite, Höhe, ebenso wi                                                                      \nsiclit,

dass er nur alt              _ dient, nicht verständlich. .Mr. lielt glaubt < I

turalist in Nie                                                                      Vertheidigungsmittel gegen

reibchen, wähl                       iner Höhle in einem

Baume auf den

I nograph of Bamphasl

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Cap. 16.

Auffallende Farben.

21]

Un Wahrscheinlichkeit, als dasa der männliche Argusfasan und einige andere Vögel mit so langen Scbmuckfedern versehen sind, das.- ihr Flug dadurch gehindert wird.

In derselben Weise, wie nur die -Männchen verschiedener Species schwarz sind, während die Weibchen trübe gefärbt erscheinen, sind auch in wenigen Fällen allein die Männchen entweder gänzlich oder theilweise weiss, wie bei den verschiedenen Glockenvögeln von Süd- America (Chasmorhynchus), der antarctischen Gana Bernida antarc- tini). dem Silberfasane u. s. w.. während die Weibchen braun oder trübe gefleckt sind. Es ist daher nach demselben oben-               I ixund-

satze wahrscheinlich, dass beide Geschlechter vieler Vögel, wie Kakadus. mehrere Silberreiher mit ihren wunderschönen Schmuck- federn, gewisse ll>i-->'. Sftven, Seeschwalbcn u. s. w. ihr mehr oder weniger völlig weisses Gefieder durch geschlechtliche Zuchtwahl er- langt haben. Das weisse Gefieder einiger der ebengenannten erscheint in beiden Geschlechtern nur. wenn sie geschlechtsreif sind. Dies ist bei gewissen Tölpeln, Tropikvögeln u. s. w. und mit der Schneegans (Anaer hyperboreua) der Fall. Da die letztere auf den nackten Bodenstellen brütet, wenn sie nicht mit Schnee bedeckt sind, und während des Winters nach Süden wandert, so liegt kein Grund zu der Yermuthung vor, dass ihr erwachsenes schneeweisses Gefieder zum Schutze dient. In dem vorhin erwähnten Klaffschnabel, . I"><- atomua oeeüona, haben wir einen noch besseren Beweis dafür, dasa das weisse Gefieder ein hochzeitlicher Character ist, denn es wird nur während des Sommers entwickelt; die Jungen in ihrem unreifen Zn- stande und die Erwachsenen in ihrem Winterkleide sind grau und schwarz. Bei vielen Arten von Möven (Lotus) wird der Kopf und der Hals während des Summers rein weiss, während er den Winter hindurch und im Jugend/.ustande grau "der gefleckt ist. Auf der andern Seite tritt bei den kleineren Mövea (Govia) und bei einigen Seeschwall"                   genau das Umgekehrte ein. Denn die Köpfe

der jungen Vögel sind während des ersten Jahres und die der Ih- nen während des Winters entweder rein weiss oder viel blässer gefärbt als während der Paarungszeit, Diese letzteren Fälle bieten ein weiterea B"ispiel für die launische Art und AVeise dar, in welcher die geschlechtliche Zuchtwahl häutig gewirkt zu haben scheint53.

" (Jebei T.                                      Macgillivray, History of British

Birds. Vol. V                                                                 ' lubon, Onü-

M

The Cc                          of Charles Darwin Online

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212                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.                      IL Theil

Die Ursache, warum Wasservögel so viel häufiger ein weisses Gefieder erlangt haben als die auf dem Lande lebenden Vögel, hängt wahrscheinlich von ihrer bedeutenden Grösse und ihrem starken Flug- vermögen ab, so dass sie sich leicht vertheidigen oder Raubvögeln entgehen können, denen sie überdies nicht sehr ausgesetzt sind. Ge- schlechtliche Zuchtwahl ist folglich hier nicht beeinflusst oder zum Zwecke eines Schutzes besonders geleitet worden. Ohne Zweifel konn- ten bei Vögeln, welche auf dem offenen Oceane schwärmen, die Männ- chen und Weibchen einander viel leichter finden, wenn sie entweder durch ein völlig weisses oder durch ein intensiv schwarzes Gefieder auffallend gemacht wurden, so dass diese Farben möglicherweise zu demselben Zwecke dienen, wie die Lockrufe vieler Landvögel54. Wenn ein weisser oder schwarzer Vogel ein auf dem Meere schwimmendes oder an's Ufer geworfenes Aas entdeckt und auf dasselbe hinabfliegt, wird er aus grosser Entfernung gesehen werden können und wird an- dere Vögel derselben Art oder verschiedener Arten zu der Beute hin- führen. Da dies aber ein Nachtheil für die ersten Entdecker sein würde, so würden diejenigen Individuen, welche die weissesten oder die schwärzesten waren, hierdurch nicht mehr Nahrung erlangt haben als die weniger auffallenden Individuen. Es können also auffallende Färbungen nicht zu diesem Zwecke durch natürliche Zuchtwahl all- mählich erlangt worden sein.

Da die geschlechtliche Zuchtwahl von einem so fluctuirenden Ele- mente wie dem Geschmacke abhängt, so können wir einsehen, woher es kommt, dass innerhalb einer und der nämlichen Gruppe von Vögeln mit nahezu derselben Lebensweise weisse oder nahezu weisse Arten ebenso gut wie schwarze oder nahezu schwarze Arten existiren, wie z. I!. weiss.? and schwarze Kakadn's, Störche, Ibisse, Schwäne, See- schwalben und Sturmvögel. Es kommen gleichfalls gescheckte Vögel zuweilen in denselben Gruppen vor, z. B. der schwarzhalsige Schwan, gewisse Seeschwalben und die gemeine Elster. Dass ein starker

tholog. Biography. Vol. IV, p. 562. Debet den Anastomus s. Mr. Blyth in: 567, p. 173. M Es mag hier auch erwähnt werden, dass van den Geiern, welche weit nnd breit durch die höheren Regionen der Atmosphäre, wie Seevögel übet den Ocean, schwärmen, drei oder riei Species beinahe völliir oder grossentheils weiss sind, während viele ander                      in sind. Diese Thatsache unterstützt die Ver-

muthnng, dass diese auffallenden Farben den Geschlechtern Reifen dürften, eiu- ander während der Paarungszeit zu linden.

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Cap. 16.

Neuheit bewandert.

213

Contrast in der Farbe den Vögeln angenehm ist. können wir nach einem Blicke auf irgend eine grosse Sammlung von Exemplaren oder auf eine Keine colorirter Abbildungen schliessen; denn häufig weichen die Geschlechter darin von einander ab, dass das Männchen die blas- seren Theile von einem reineren Weiss und die verschiedentlich ge- färbten dunkeln Theile von noch dunklereu Farbentönen besitzt als das Weibchen.

Es möchte selbst scheinen, als hätte die blosse Neuheit oder die Veränderung um ihrer selbst willen zuweilen wie ein Zauber auf weib- liche Vögel gewirkt, in derselben Weise wie Veränderungen der Mode auf uns wirken. So kann man kaum sagen, dass die Männchen eini- ger Papageien, wenigstens unserem Qeschmacke zufolge, schöner sind als die Weibchen; sie weichen aber von diesen in solchen Punkten ab, wie den folgenden: das Männchen hat ein rosenfarbiges Halsband statt „eines hell-smaragdnen schmalen grünen Halsbandes", wie es das Weibchen besitzt; oder das Männchen hat ein Bchwarzes Hals- band, statt nur vorn „ein halbes gelbes Band" zu haben mit einem blass rosenfarbigen statt eines blauen Kopfes ss. Da so viele männ- liche Vögel als hauptsächliche Zierath verlängerte Schwanzfedern oder verlängerte Federkämme haben, so scheint der verkürzte Schwanz, der früher von dem Männchen eines Colibri beschrieben wurde, und die verkürzte Haube des männlichen Sägetauchers beinahe wie eine jener vielen einander entgegengesetzten Veränderungen der Mode zu sein, welche wir an unsern eigenen Anzügen bewundern.

Einige Glieder der Familie der Keiher bieten einen noch viel merk- würdigeren Fall davon dar, dass Neuheit der Färbung allem Anscheine nach wegen der Neuheit selbst geschätzt worden ist. Die Jungen der Ardea asha sind weiss, die Erwachsenen dunkel schieferfarbig, und es sind nicht bloss die Jungen, sondern auch die Erwachsenen des ver- wandten Buphus coromandus in ihrem Wintergefieder weiss, welche Farbe sich während der Paarungszeit in ein reiches goldnes Köthlich- gelb verwandelt. Es ist unglaubhaft, dass die Jungen dieser zwei Species ebenso wie die einiger andrer Glieder derselben Familie '6

45 s. Jerdon, Übel '<                                 - in: Birds of India. Vol. I,

p. 258—260.

s* Die Jungen von Ardea rufescens und .1. caerulea der Vereini sind gleichfalls weiss, während die Erwachsenen so gefärbt sind, wie es ihr spe- cifischei Käme ausdruckt. Audubou (Ornitholog. Biography, Vol. III. p. 116-

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211

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

irgend eines speeiellen Zweckes wegen weiss und dadurch für ihre Feinde auffallend gemacht worden seien, oder dass die Erwachsenen einer dieser zwei Species speciell während des Winters weiss gewor- den seien in einem Lande, welches niemals mit Schnee bedeckt ist. Auf der andern Seite haben wir Grund zu der Annahme, dass die weisse Farbe von vielen Vögeln als eine geschlechtliche Zierath er- langt ist. AVir können daher schliessen, dass ein früher Urerzeuger Irdea asha und des Bnphus ein h               'ieder zu hochzeit-

lichen Zwecken erlangt und diese Färbung auf seine Nachkommen überliefert hat, so dass die Jungen und die Alten, wie gewisse jetzt existirende Silberreiher, weiss wurden. Spater wird dann die weisse Färbung von den Jungen beibehalten worden sein, während sie von den Erwachsenen gegen noch schärfer ausgesprochene Färbungen ver- tauscht wurde. Wenn wir aber noch weiter in der Zeit rückwärts auf noch frühere Urerzeuger dieser zwei Species blicken könnten, so würden wir wahrscheinlich die Erwachsenen dunkel gefärbt sehen. Dass dies der Fall sein würde, schliesse ich aus der Analogie vieler anderer Vögel, welche während ihrer Jugend dunkel und im erwach- senen Zustande weiss sind, und noch besonders aus dem Fall der gularis, deren Färbungen gerade die umgekehrten von denen der .1. asha sind. Deren Junge sind nämlich dunkel gefärW und die Erwacl                 -. bo dass hier die Jungen einen früheren Zustand

des Gefieders beibehalten haben. Es geht daher scheinbar hieraus hervor, dass die Vorfahren der Ardea asha, des Buphus und einiger verwandter Formen in ihrem erwachsenen Zustande während einer Descendenzreihe Veränderungen in der Färbung in folgender Reihe erlitten haben; zuerst eine dunkle Schattirung, zweiten- rein weisse Färbung und drittens in Folge einer andern Veränderung der Mode (wenn mir dieser Ausdruck erlaubt ist) ihre jetzige schiefer- farbige rOthliche oder röthlich - graue Färbung. Diese aufeinander- folgenden Veränderungen sind nur nach dem Principe verständlich, dass ihre Neuheit ihrer selbst wegen von den Vögeln bewundert wor- den ist.

Mehrere Schriftsteller haben der ganzen Theorie der geschlecht- lichen Zuchtwahl den Einwand entgegengehalten, dass bei Thieren

Vol. IV. p. 58) Bcheint sich über den Gedauken zu amüsiren. dass diese merk- w&rdige Veränderung des Gefieders in hohem Grade „die Systematiker in Ver- „wirrnng bringen v

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Cap. IG.

Neuheit bewundert

215

wie bei Wilden der Geschmack des Weibchens für gewisse Farben oder andere Ornamentik nicht viele Generationen hindurch constant bleiben würde, dass zuerst eine Farbe, dann eine andere bewundert werden würde und folglich keine permanente Wirkung erreicht wer- den könnte. Wir können wohl zugeben, dass Geschmack etwas Schwan- kendes ist; er ist aber nicht durchaus arbiträr. Viel hängt von der Gewohnheit ab, wie wir beim Menschen sehen; und wir dürfen wohl sehliessen, dass dies auch für Vögel und andere Thiere gilt. Selbst in unserem eigenen Anzüge bleibt der allgemeine Character lange bestehen und die Veränderung ist bis zu einem gewissen Grade ab- gestuft. An zwei Stellen eines späteren Capitels werden ausführliche Beweise dafür mitgetheilt werden, das- Wilde vieler verschiedenen Bässen viele Generationen hindurch dieselben Karben auf der Haut, die- selben in hftsslioher Weise durchbohrten Lippen, Nasenflügel oder Ohren, misgestaltete Köpfe u. 8. w. bewundert haben: und diese Entstellungen bieten zu den natürlichen Ornamenten verschiedener Thiere i Analogie dar. Nichtsdestoweniger bleiben aber bei Wilden derartige Moden nicht immer bestehen, wie wir aus den in dieser Beziehung zu beobachtenden Verschiedenheiten zwischen verwandten Stämmen eines und desselben i.'ontinents sehliessen können. So haben ferner die Züchter von Liebhaberrassen sicher viele Generationen hindurch die- selben Bässen bewundert und bewundern sie noch immer; sie wün- schen entschieden unbedeutende Abänderungen herbei, welche als Ver- edelungen betrachtel »erden: aber eine jede grosse oder plötzlich auftretende Veränderung wird als der grösste Fehler angesehen. Wir haben nun keinen Grund zu venniithen, dass Vögel im Naturzustande einen völlig neuen Styl der Färbung bewundern würden, seihst wenn bedeutende und plötzliche Veränderungen häufig vorkämen,*welches durchaus nicht der Fall ist. Wir wissen, dass Haustauben sich nicht gern mit den verschieden gefärbten Liebhaberrassen paaren, dass Albino-Vögel gewöhnlich keine Khegenossen bekommen, und dass die schwarzen Raben der Faröer ihre gescheckten Brüder fortjagen. Aber dieser Widerwille gegen eine plötzliche Veränderung schliesst nicht aus. dass sie unbedeutende Abänderungen würdigen, ebenso wenig wie dies beim Menschen der Fall ist. Es scheint daher in Bezug auf den Geschmack, welcher von vielen Elementen abhängt, theils aber von Gewöhnung und theils von einer Vorliebe Für Neuheit, nichts Un- wahrscheinliches darin zu liegen, dass Thiere eine sehr lange Zeit

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chtliche Zuchtwahl:

II. Theil.

hindurch denselben allgemeinen Styl der Verzierung oder andere An- ziehungsmittel bewundern und trotzdem unbedeutende Veränderungen der Färb                 rm oder der Tdne würdigen.

ung der vier Capitel über Vögel. — Die meisten männlichen Vögel sind während der Paarungszeit in hohem Grade kampfsüchtig und einige besitzen speciell zum Kampfe mit ihren Nebenbuhlern angepasste Waffen. Aber die kampfsüchtigsten und die bestbewaffneten Männchen hängen in Bezug auf den Erfolg selten oder niemals allein von dem Vermögen, ihre Nebenbuhler zu vertreiben oder zu tödten, ab, sondern haben ausserdem noch specielle Mittel zur Bezauberung des Weibchens. Bei einigen ist es die Fähig- keit zu singen oder fremdartige Rufe auszustossen, oder Instrumental- musik hervorzubringen; und in Folge dessen weichen die Männchen von den Weibchen in ihren Stimmorganen oder in der Bildung ge- Federn ab. Aus den merkwürdig verschiedenartigen Mitteln zur Hervorbringung verschiedenartiger Laute gewinnen wir eine hohe Meinung von der Bedeutung dieses Mittels der Brautwerbung. Viele Vögel versuchen die Weibchen durch Liebestänze oder Geberden, die auf dem Boden oder in der Luft und zuweilen auf dazu hergerichteteu Plätzen ausgeführt werden, zu bezaubern. Aber Ornamente vielerlei Art, die brillantesten Farbentöne, Kämme und Fleischlappen, wunder- schöne Schmuckfedern, verlängerte Federn, Federstütze u. s. f. sind bei Weitem die häufigsten Mittel. In einigen Fällen scheint blosse Neuheit als Zauber gewirkt zu haben. Die Zierathen der Männchen müssen für sie von höchster Bedeutung gewesen sein, denn sie sind in nicht wenigen Fällen auf Kosten einer vergrösserten Gefahr ?or Feinden und selbst mit etwas Verlust an Kraft in den Kämpfen mit ihren Nebenbuhlern erlangt worden. Die Männchen sehr vieler S erhalten ihr ornamentales Kleid nicht eher als bis sie zur Reife ge- langen, oder sie nehmen es nur während der Paarungszeit an, oder es werden die Farbentöne zu dieser Zeit lebhafter. Gewisse ornamentale Anhänge werden während des Actes der Bewerbung selbst vergr schwellen an und werden hell," gefärbt. Die Männchen entfalten ihre mit ausgesuchter Sorgfalt und zu ihrer besten Wirkung; und dies geschieht in der Gegenwart der Weibchen. Die Brautwerbung ist zuweilen eine sich in hie Länge ziehende Angelegenheit, und viele Männehen und Weibchen versammeln sich an einem bestimmten Platze.

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C»p. 10.

Zusammenfassung.

217

Anzunehmen, das» die Weibchen die Schönheit der Männchen nicht würdigen, Messe der Meinung sein, dass ihre glänzenden Decorationen, alle ihre Pracht und Entfaltung nutzlos seien; und dies ist nicht glaublich. Vögel haben feines Unterscheidungsvermögen und in eini- gen wenigen Fällen lässt sich zeigen, dass sie einen Geschmack für das Schöne haben. Ueberdiee weiss man, dass die Weibchen gelegent- lich eine ausgesprochene Vorliebe oder Antipathie für gewisse indivi- duelle Männchen zeigen.

Wird zugegeben, dass die Weibchen die schöneren Männchen vor- ziehen oder unbewusst von ihnen angeregt werden, dann werden die Männchen langsam aber sicher durch geschlechtliche Zuchtwahl immer mehr und mehr anziehend werden. Da-                        schlecht ist,

welches hauptsächlich modiieirt wurden ist, können wir aus der That- sache Bchliessen, dass beinahe in jeder Gattung, in welcher die Ge- schlechter verschieden sind, die Männchen viel mehr von einander verschieden sind als die Weibchen. Dies zeigt sich sehr gut bei ge- wissen nahe verwandten repräsentativen Arten, bei welchen die Weib- chen kaum unterschieden werden können, während die Männchen völlig verschieden sind. Vögel bieten im Naturzustände individuelle Verschiedenheiten dar, welche völlig ausreichen würden, geschlecht- liche Zuchtwahl einwirken zu lassen. Wir haben aber gesehen, dass sie gelegentlich noch stärker ausgesprochen.- Abänderungen darbieten, welche so häutig wiederkehren, dass sie sofort fixirt werden würden, wenn sie dazu dienten, das Weibchen anzulocken. Die Gesetze der Abänderungen werden die Natur der anfänglich auftretenden Verände- rungen bestimmt und in grossem M                endliche Resultat beeiu- flusst haben. Die Abstufungen, welch.' sich zwischen den Männchen verwandter Species beobachten lassen, deuten die Natur der Schritte an, welche durchlaufen wurden Bind, sie erklären auch in der inter- essantesten Art and Weise,                                       entstanden sind. z. B. die zahnförmig eingeschnittenen Ai;_ auf den Schwanz- federn des Pfauhahns und die wunderbar schatteten Kugel- und Sockel-Augenflecke auf den Schwan/ledern des Argusfasans. Es offenbar, dass die brillanten Farben, Federstütze, Schmuckfedern u. vieler männlicher Vögel nicht als Schutzmittel erlangt worden sein können; sie bringen geradezu zuweilen Gefahr herbei. Dass sie nicht eine Folge der directen und bestimmten Wirkung der               lingun- nd, darüber können wir uns versichert halten, weil die Weibchen

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218

! .siiii jh'.luhe Zuchtwahl \ ;gel

II. Theil.

denselben Bedingungen ausgesetzt und doch häufig von den Manschen im iiussersteu Grade verschieden sind. Obschon es wahrscheinlich ist, dass veränderte Bedingungen, welche während einer längeren Zeit ge- wirkt haben, irgend eine bestimmte Wirkung auf beide Geschlechter oder zuweilen nur auf ein Geschlecht hervorgebracht haben, so wird doch das bedeutungsvollere Resultat eine verstärkte Neigung bot Variabilität oder zum Aultreten stärker ausgeprägter individueller Verschiedenheiten gewesen sein; und derartige Verschiedenheiten wer- den für die Wirkung der geschlechtlichen Zuchtwahl ein ausgezeich- netes Wirkungsgebiet dargeboten haben.

Die Gesetze der Vererbung seheinen, ohBe Rücksicht auf Zucht- wahl, bestimmt zu haben, ob Charactere, die von den Männchen zum Zwecke dos Schmuckes, zum Zwecke des Hervorbring              biedener

Laute und des Kämpfen* mit einander erlangt worden sind, auf die Männchen allein oder auf beide Geschlechter und zwar entweder per- manent oder nur periodisch während gewisser Jahreszeiten überliefert worden sind. Warum verschiedene Charactere zuweilen in '1er einen Weise und zuweilen in der andern überliefert worden sind, ist in den in Fällen unbekannt; aber es scheint häufig die Periode der Va- riabilität die bestimmende Ursache gewesen zu -ein. Wenn die zwei Geschlechter alle Charactere gemeinsam geerbt haben, so sind sie oothwendiger Weise einander ähnlich. Da aber die aufeinanderfolgen-

Miänderungen verschieden überliefert werden können, so kann man jede mögliche Abstufung linden, und zwar selbst innerhalb eines und desselben Genus, von der grössten Aehnlichkeit bis zu der schärf- nähnlichkeit zwischen den Geschlechtern. Hei vielen oahe ver- wandten und nahezu denselben Lehensgewohnheiten folgenden Species sind die Männchen hauptsächlich durch die Wirkung geschlechtlicher Zuchtwahl von einander verschieden geworden, während die Weibchen hauptsächlich dadurch verschieden geworden sind, dass sie in einem grosseren oder geringeren Grade an den auf diese Weise von den Männchen erlangten Characteren theilgenommen haben. Ueberdies werden die Resultate der bestimmten Einwirkung der Lebensbedingun- gen bei den Weibchen nicht, wie es bei den Männchen der Fall ist, durch die in Folge geschlechtlicher Zuchtwahl eintretende Häufung scharf ausgesprochener Färbungen und anderer Zierathen maskirt wor- den seien. Die Individuen beider Geschlechter, auf welche Weise sie auch beeinflusst sein mögen, werden auf jeder der aufeinanderfolgen-

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Cap. 16.

Znsammei

219

den Perioden durch die reichliche Kreuzung vieler Individuen nahezu gleichförmig gehalten worden sein.

Bei denjenigen Species, bei welchen die Geschlechter in der Farbe verschieden sind, ist es möglich oder wahrscheinlich, dass zuerst eine

mg bestand, die aufeinanderfolgenden Abänderungen auf beide (echter gleichmassig zu überliefern, dass aber, wenn dies eintrat, die Weibchen mir durch die Gefahr, welcher sie wahrend der Zeit der Bebrütung ausgesetzt worden waren, verhindert wurden, die hellen Färbungen der Männchen anzunehmen. Wir haben aber keine Beweise dafür.                     iglich ist. mittelst der natürlichen Zuchtwahl eine

Form der Ueberlieferung in eine andere umzuwandeln. Andere] würde nicht die mindest                  gkeit vorhanden sein, ein Weihchen

gefärbt zu machen und dem Männchen muh immer seine helle Färbung zu erhalten, und zwar durch die Auswahl nacheinander auf- tretender Abänderungen, welche von Anfang an in ihrer Ueberlieferung auf ein und                              cht beschränkt waren. Ob die Weibchen

vieler Species factisch in dieser Weise modificirt worden sind, muss gegen'.'.                 b zweifelhaft bleiben. Wenn durch das Gesetz der

gleicht                                                  ' lharactere auf beide '

die Weibch 'ii ebenso auffallend gefärbt worden sind wie die Männ- chen, so sind, wie es scheint, auch oft ihre instinete modificirt worden und sie sind dazu veranlasst worden, knppelfönnige oder verborgene zu bauen.

In einer kleinen und merkwürdigen Classe von Fallen sind die Charactere und Gewohnheiten beider Geschlechter völlig vertauscht worden; denn die Weibchen sind hier g                  irker, lauter und

heller gefärbt als ihre Männchen. Sie sind au

worden, dass sie oft, wie die Männchen anderer kampfsüchtiger Species iira den Besitz der Weibchen, so um den Besitz der Männchen mit einander kämpfen. Wenn sie, wie es wahrscheinlich erscheint. In- ständig ihre weiblichen Nebenbuhler wegtreiben und ihre hellen Far- ben oder andere Reize entfalten und damit die Mannchen anzuziehen versuchen, so können wir verstehen, wie es gekommen ist, dass sie allmählich mittelst der geschlechtlichen Zuchtwahl und der geschlecht- lich beschränkten Vererbung schöner als die Männchen geworden sind, während die letzteren nicht modificirt oder nur unbedeutend modificirt wurden.

Sobald das Gesetz der Vererbung zu entsprechenden Lebensaltern

The C                                                            Online

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220

Geschlechtliche Zuchtwahl: Vögel.

II. Theil.

aber nicht das der geschlechtlich beschränkten Ueberlieferung in Kraft tritt, dann werden, wenn die Eltern spät im Leben variiren, — und wir wissen, d;i.<s dies beständig bei unseren Hühnern und gelegentlich bei anderen Vögeln auftritt, — die Jungen nicht afficirt werden, wäh- rend die Erwachsenen beider Geschlechter modificirt werden. Treten diese beiden Gesetze der Vererbung in Kraft und variirt das eine oder das andere Geschlecht spät im Leben, so wird nur dieses Geschlecht allein modificirt werden, während das andere Geschlecht und die Jun- gen unafficirt bleiben. Treten Abänderungen in der hellen Färbung oder in anderen auffallenden Characteren zeitig im Leben auf, wie es ohne Zweifel häufig sich ereignet, so werden diese von geschlechtlicher Zuchtwahl nicht früher beeinflusst werden als bis die Periode der Be- productiou herankommt. In Folge dessen werden sie, wenn sie für die Jungen gefahrvoll sind, durch natürliche Zuchtwahl eliminirt wer- den. Wir können hierdurch verstehen, woher es kommt, dass spät im Leben auftretende Abänderungen so häufig zur Verzierung der Männ- chen bewahrt worden sind, während die Weibchen und die Jungen fast unverändert gelassen worden sind und daher einander gleichen. Bei Species, welche ein besonderes Sommer- und Wintergefieder haben und deren Männchen entweder den Weibchen während beider Jahres- zeiten oder allein während des Sommers ähnlich oder von ihnen ver- schieden sind, sind die Abstufungen und Arten der Aehnlichkeit zwi- schen den Jungen und Alten ausserordentlich complicirt; und diese Comple.vititt hängt allem Anscheine nach davon ab, dass Charactere, welche zuerst von den Männchen erlangt worden sind, in verschiedener Weise und in verschiedenen Graden, sowie durch Geschlecht, Alter und Jahreszeit beschränkt, überliefert wurden.

Da die Jungen so vieler Species nur wenig in der Farbe und in anderen Ornamenten modificirt worden sind, so sind wir in den Stand gesetzt, uns ein Urtheil in Bezug auf das Gefieder ihrer früheren Ur- erzeuger zu bilden, und wir können schliessen, dass die Schönheit unserer jetzt existirenden Species, wenn wir die ganze Classe betrach- « ten, seit der Zeit, von welcher uns das unreife Jugendgefieder einen indirecten Bericht gibt, bedeutend zugenommen hat. Viele Vögel, be- sonders solche, welche auf dem Boden leben, sind ohne Zweifel zum Zwecke des Schutzes dunkel gefärbt worden. In einigen Fällen ist die obere exponirte Fläche des Gefieders in beiden Geschlechtern auf dieselbe Weise gefärbt worden, während die untere Fläche allein bei

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Cap. IC.

Zusammenfassung'.

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den Männchen durch geschlechtliche Zuchtwahl verschiedenartig ver- ziert worden ist. Endlich können wir nach den in diesen vier Capiteln mitgetheilten Thatsachen schliessen, dass Waffen zum Kampfe, Organe zum Hervorbringen von Lauten, Zierathen vielerlei Art, helle und auf- fallende Färbungen allgemein von den Männchen durch Abänderung und geschlechtliche Zuchtwahl erlangt und auf verschiedenen Wegen je nach den verschiedenen Gesetzen der Vererbung überliefert worden sind, während die Weibehen und die Jungen vergleichsweise nur wenig modificirt worden sind 57.

4' Ich bin Mr. Sclatersehr verbunden, dass er die Freundlichkeit gehabt hat, diese vier Capitel über Vögel sowie die beiden folgenden über Säugethiere durchzusehen. Auf diese Weise bin ich davor bewahrt worden, Fehler in den Namen der Arten zu machen und irgendwelche Thatsachen anzuführen, von denen dieser ausgezeichnete Forscher weiss, dass sie falsch sind. Er ist indessen natür- licher Weise für die Richtigkeit der von mir nach verschiedenen Autoritäten an- geführten Angaben durchaus nicht verantwortlich.

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Siebenzehntes Oapitel.

Secundäre Sexnalcharactere der Sängethiere.

Das Gesetz, dea Kam;                             nf die Männchen beschränkte Waffen. —

I'rsache des Fehlens der Waffen bei den Weibchen. — Beiden Geschlechtern gem.                   in, die aber doch ursprünglich zuerst vom Männchen erlangt

wurden. — Anderer Nutzen soloher Waffen. — Diu

dein                            Männchen. — Vertheidignngssaittel. — Uebei die von

beiden Geschlechtern gezeigte Vorliebe beim Paaren der SängeÜii

Bei Sä iure t liieren scheint das Männchen das Weibchen viel mehr nach dem Gesetze des Kampfes zu gewinnen als durch die Entfaltung seiner Reize. Die furchtsamsten Thiere, welche nicht mit irgend wel- chen speciellen Waffen zum Kampfe ausgerüstet sind, lassen sich wäh-

der Zeit der Liebe in verzweifelte Kämpfe ein. Zwei männliche 1 lasen hat man gesehen, welche so lange mit einander fochten, bis einer getödtet war. Männliche Maulwürfe kämpfen häufig, und zu- weilen mit tödtlichcm Ausgange; männliche Eichhörnchen „beginnen „häufig Kämpfe und verwunden oft einander heftig"; dasselbe thun auch männliche Biber, so dass „kaum ein Fell ohne Xarben ist" '. Ich beobachtete dieselbe Thatsache an den Häuten der Guanacos in roien; auch waren bei einer Gelegenheit mehrere dieser Thiere so von ihrem Kampfe absorbirt, dass sie ohne Furcht dicht an mir vorübergelaufen kamen. Livingstoni erzählt, dass die Männchen vieler Thiere in Südafrica beinahe ohne Ausnahme die in früheren Kämpfen erlangten Narben tragen.

Das Gesetz des Kampfes gilt ebenso für Wasser- wie für Land- Bängethiere. Es ist notorisch, wie verzweifelt männliche Robben wäh-

1 s. Waterton's Schilderung des Kampfes zweier Hasen im: Zoologist, Vol. I. 1843, p, 211. [Jeher Maulwürfe s. Bell, llistry of British Quad I. edit. i'. 1"                     hhSrnchen s. Audubon und Bachmann, Viviparons

Qnadrupeds of North America, 1846, p. 269. (Jeher Biber -. A. H. Green, in Journal of the Linneai                          Vol. X. 1800.

- of Charles Darwin Online

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Cap, 17.

impfes.

223

rend der Paarungszeit mit einander kämpfen und zwar sowohl mit ihren Zähnen als mit ihren Klauen; auch sind ihre Felle gleichfalls häufig mit Narben bedeckt. Männliche Spermaceti-Wale sind sehr eifersüchtig zu dieser Jahreszeit, und in ihren Kämpfen „verbeissen sie „sich häufig mit ihren Kinnladen, walzen sieh auf die Seite und zerren .sieh herum", so d&88 ihre Unterkinnladen durch diese Kämpfe häufig verbogen werden'-.

Von allen männlichen Säugethieren, welche mit speziellen Waffen zum Kampfe ausgerüstet sind, weiss man sehr wohl, dass sie heftige Kämpfe beginnen. Der Jluth und die verzweifelten Duelle von Hir- schen sind oft beschrieben worden. Ihre Skelette sind in verschiede- nen Theilen der Welt mit unentwirrbar in einander verschlungenen

ihen gefunden wurden, dadurch zeigend, wie elend sowohl der Sieger als der Besiegte umgekommen sein muss3. Kein Thier in der Welt ist so gefährlich wie der Elephant zur Brunstzeit. Lord Taxkki;- yii.i.f. hat mir eine lebendige Beschreibung der Kämpfe zwischen den wilden Bullen in Chillingham-Park, den zwar in der Grösse aber nicht im Muthe degenerirten Nachkommen des gigantischen Bot primigenius gegeben. Im Jahre 1861 kämpften mehrere um die Herrschaft und es wurde beobachtet, dass zwei von den jüngeren Bullen in Ueberein- stimmung den alten Anführer der Heerde angriffen, ihn überwanden und kampfunfähig machten, so dass die Wärter glaubten, er läge tödtlich verwundet in einem benachbarten Walde. Aber wenige Tage näherte sich einer der jungen Bullen allein dem Walde; und hierauf kam .der Herr der Jagd", welcher sieh nur um flache zu nehmen ruhig gehalten hatte, hervor und tödtete in kurzer Zeit sei- nen Gegner. Er vereinigte sich dann wieder friedlich mit der Heerde und führte lange und unangefochten das Scepter. Admiral Sir B. J. Sri.[\.\N tlieilt mir mit. dass, als er auf den Falklaudsinseln residirte, er einen jungen englischen Hengst importirt habe, welcher mit acht

t die Kämpfe der Robben s. Capt, C. Abbott in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p. 191; auch Mr. 1:. Brown, ebenda 1868, p. 486; auch L. Lloyd, Game Hirds of Sweden, 1S07, p. 412, Ferner: Pennant, Ueber den Spermacett- Wal s. .1. H. Thomi                   wseed. Zoolog. Soc. 1867, p. 246.

3 s. Scrope (Art of Deeratalking, p. 17) über das [neinanderschlingen der Geweihe bei!                         Bichardaon säst in der Fanna Boreal. Americana,

252, dass auch der Wapiti, das Orignal and Benthiei so versohl gefunden werden sind. Sir                                                  d Hoffnung die Ske-

lette zweier Gnus in demselben Zustande.

The Compfci                                               Online

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224                          Geschlechtliche Zuchtwahl: Sängethiere.                  II. Theil.

Stuten die Berge in der Nähe von Port William frequentirte. Auf diesen Bergen lebten zwei wilde Hengste, jeder mit einer kleinen Zahl TOD Stuten; „und es ist sicher, da8S diese Hengste einander niemals .zu nahe gekommen sein würden, ohne mit einander zu kämpfen. .Beide hatten einzeln versucht den englischen Hengst zu bekämpfen „und seine Stuten fortzutreiben, aber ohne Erfolg. Eines Tages .kamen sie zusammen heran und griffen ihn an. Dies sah der „Capitän, welchem die Sorge um die Pferde anvertraut war; und als „er nach der Stelle hinritt, fand er einen der Hengste mit dem eng- lischen in einen Kampf verwickelt, während der andere die Stuten „forttrieb und bereits vier von den übrigen getrennt hatte. Der Ca- „pitän machte der Sache dadurch ein Ende, dass er die ganze Ge- sellschaft in das Corral trieb, denn die wilden Hengste wollten die „Stuten nicht verlassen".

Männliche Thiere, welche bereits mit wirksamen schneidenden oder zerreissenden Zähnen für die gewöhnlichen Zwecke des Lebens versehen sind, wie bei den Carnivoren, Insectivoren und Nagethieren, sind selten mit Warfen verseilen, die speeiell für Kämpfe mit ihren Nebenbuhlern angepasst sind. Bei den Männchen vieler anderer Thiere liegt aber der Fall sehr verschieden. Wir sehen dies an den Geweihen der Hirsche und an den Hörnern gewisser Arten von Antilopen, von denen die Weibchen hornlos sind. Hei vielen Thieren sind die Eck- zähne in der unteren oder oberen Kinnlade oder in beiden bei den Männchen viel grösser als bei den Weibchen oder fehlen auch bei den letzteren, zuweilen mit Ausnahme eines verborgenen Rudiments. Ge- wisse Antilopen, das Moschnsthier, Kameel, Pferd, der Eber, verschie- dene Allen. Robben und das Walross bieten Beispiele dieser verschie- denen Fälle dar. Beim Weibchen des W'alrosses fehlen die Stoss/.ähne zuweilen vollständig4. Heim männlichen indischen Elephanten und beim männlichen Dugong5 bilden die oberen Schneidezähne starke Angriffswaffen. Beim männlichen Narwal ist allein der eine der obe- ren Zähne zu dem wohlbekannten Spiral gewundenen sogenannten Hörn entwickelt. welches zuweilen neun bis zehn Fuss an I-iinge erreicht.

4 Mr. I.amont (Seasons with the Sea-Horsee, 1861, p. 143) sagt, daaa ein guter Stosszabn des männlichen Walroesea 4 Pfand wiegt und grösser ist als der des Weibchens, welcher nur ungefähr 3 Pfund wiegt. I>ie Männchen kämpfen den Schilderangen infolge wDthend. lieber das gelegentliche Fehlen der Stosszähne beim Weihchen 8. Mr. K. Brown, Proceed. Zoolog. Soc. l-,;-. p. 129.

4 Owen. Anatom; of Vertebrates, Vol III. p. 283.

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Gesetz des Kampfes.

225

Man glaubt, dass die Männchen diese Börner dazu benutzen mit ein- auder zu kämpfen, denn „ein ungebrochenes ist selten zu beschaffen ..und gelegentlich kann man eins finden, an welchem die Spitze eines .andern in die gebrochene Stelle eingekeilt ist"6. Der Zahn auf der anderen Seite des Kopfes besteht bei dem Männchen aus einem un- gefähr zehn Zoll langen Rudimente, welches in der Kinnlade einge- bettet liegt; zuweilen aber, wenn auch selten, sind die Zähne aul beiden Seiten wohl entwickelt. Bei den Weibchen sind beide Zähne immer rudimentär. Der männliche Cachelot hat einen grösseren Kopl als das Weibchen und diese Grösse unterstützt ohne Zweifel diese Thiere bei ihren im Wasser zu haltenden Kämpfen. Bndlich ist der männliche erwachsene Ornifkorhynehua mit einem merkwürdigen Appa- rate versehen, nämlich mit einem Sporn am Vorderbeine, welcher dem Giftzahne einer Giftschlange ausserordentlich ähnhch ist; nach der Angabe Habtdjg's ist aber die Absonderung dieser Drüse nicht giftig; und am Beine des Weibchens findet sich ein Loch, aUem Anscheine nach zur Aufnahme der Sporns'.

Wenn die Männchen mit Waffen versehen sind, welche die Weib- chen nicht besitzen, so läs.-t sich kaum zweifeln, dass sie dazu benutzt werden, mit anderen Männchen zu kämpfen und dass sie durch ge- schlechtliche Zuchtwahl erlangt und allein auf das männliche Ge- ht vererbt wurden sind. Es ist mindestens in den meisten Fällen nicht wahrscheinlich, dass die Weibchen deshalb derartige Wallen nicht erlangt haben, weil sie ihnen nutzlos oder überflüssig oder in irgend welcher Art schädlich wären. Da dieselben im Gegentheil häutig von den Männehen zu verschiedenen Zwecken und ganz beson- ders zur Verteidigung gegen ihre Feinde benutzt werden, so ist es eine überraschende Thatsache, dass sie bei den Weibchen so vieler Thiere so schwach entwickelt sind oder vollständig fehlen. Ohne Zweifel wäre bei weiblichen Hirschen die in jedem der aufeinander folgenden Jahre wiederkehrende Entwickelung grosser sich verzweigen-

" Kr. II. Brown, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1869, p. 553. s. Prof. Turner, in: Jonrn. of Anat. and Phys. 1872, p. 76, über die Homologien dieser Stosszähne; s. auch .1. \V. Clarke. über die Entwickelung zweier Stosszähne bei Männchen, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 42.

' Owen, über den Cachelot und Oniitliorhiinchus a. a. 0. Vol. III, p. 638 und 641. Harting wird von Dr. Zouteveen in der holländischen Uebersetzung des Torliegendes Werkes citirt.

DAEWU, Abi«nununs. II. Drillt Au%.                                                       J5

The C                                                            Online

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                II. Tlieil.

der Geweihe und bei weiblichen Elephanten die Entwickelnng unge- heurer Stosszähne eine grosse Verschwendung von Lebenskraft gi wenigstens nach der Annahm                                   ibchen von keinem

Nutzen sind. In Folge dessen werden diese Organe dazu _ haben, bei den Weibchen durch natürliche Zuchtwahl beseitig werden; das heisst, wenn die nach einander auftretenden Abänderungen in ihrer Ueberlieferung auf die weiblichen Nachkommen beschrankt geblieben wären, denn andernfalls würden die Waffen der Männchen schädlich beeinflusst werden, und dies würde ein noch grösserer Nach- theil gewesen sein. Im Ganzen, sowie nach Betrachtung der ; den Thatsachen, scheint es wahrscheinlich zu sein, dass, wenn die verschiedenen Waffen in den beiden Geschlechtern verschieden sind, dies allgemein von der vorherrschend gewesenen Art der erblichen Ueberlieferung abgehangen hat.

Da das Renthier die einzige Species in der ganzen Familie der hirschartigen Thiere ist, bei welcher das Weibchen mit Geweih sehen ist, wenn sie auch etwas kleiner, dünner und                 r/.weigt

sind als beim Männchen, so könnte man natürlich glauben, dass die- selben wenigstens in diesem Falle von irgend einem speciellen Nutzen für dasselbe sind. Das Weibchen behält seine Geweihe von dei wo es völlig entwickelt ist, nämlich vom September, durch den ganzen Winter bis zum April oder Mai, wo es seine Jungen zur Welt bringt. Mr. Crotch hat um meinetwillen specielle Erkundigungen in Nor eingezogen; es scheint, als ob sich das Weibchen zu dieser Zeit für ungefähr vierzehn Tage verberge, um ihre Jungen abzusetzen; dann erscheint es wieder: und zwar meist hornlos. Wie ich indesen von Mr. H. Kkkks höre, behält in Neu-Schottland das Weibchen zuweilen seine Hörner länger. Das Männchen wirft andererseits sein Geweihe viel zeitiger ab, nämlich gegen das Ende des November. Da beide Geschlechter dieselben Bedürfnisse haben und denselben Lebensgewohn- heiten folgen, und da das Männchen kein Geweihe während des Win- ters besitzt, so ist es unwahrscheinlich,' dass das Geweihe von irgend einem speciellen Nutzen für das Weibchen in dieser Zeit des Jahres sein kann, welche den grösseren Theil der Zeit nmfasst, während wel- cher dasselbe überhaupt Geweihe trägt. Auch ist es nicht wahrschein- lich, dass es sein Geweihe von irgend einem alten Urerzeuger der ganzen Familie der hirschartigen Thiere ererbt haben kann; denn -.ins der Thatsache, dass die Weibchen so vieler Species in allen Theilen

The Comdete Work of Charles Darwin Online

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Cap. 17.

Gesetz des Kampfes.

227

der Erde kein Geweihe besitzen, können wir schliessen, dass dies der ursprüngliche Character der Gruppe war.8

Das Geweihe wird beim Renthier in einem äusserst ungewöhnlich frühen Alter entwickelt: was aber die Ursache hiervon sein mag, ist unbekannt. Das Resultat hiervon ist indessen allem Anscheine nach die Uebertragung der Geweihe auf beide Geschlechter gewesen. Wir müssen im Sinne behalten, dass die Geweihe immer durch das Weib- ehen überliefert werden und dass dieses eine latente Fähigkeit zur Entwickelung von Geweihen besitzt, wie wir l»'i alten oder erkrankten Weibchen sehen9. Ueberdies bieten die Weibchen einiger anderen Speciea hirschartiger Thiere entweder normal oder gelegentlich Rudi- mente vmi Geweihen dar: so hat das Weibchen von Cerwlm moschatus „in einem Knopfe endende borstige Büschel statt eines Hornes": und „bei den m                   nplaren des weiblichen Wapiti (Cervus cano-

ns) findet sich an der Stelle de!                            scharfe knöcherne

„Protuberanz" l0. Aus diesen verschiedenen Betrachtungen können wir schliessen, dass der Besitz ziemlich gut entwickelter Geweihe beim weiblichen Renthier eine Folge davon ist. da                  nnchen

sie zuerst als Wallen für die Kampfe mit anderen Männchen erhiel- ten, und an zweiter Stelle eine Folge ihrer aus irgend einer unbe- kannten Ursache in einem ungewöhnlich frühen Alter beim Männchen eintretenden Entwickelung und ihrer hiervon abhängenden Ueberliefe- rung auf beide Geschlechter.

Wenden wir uns nun zu den scheidenhörnigen Wiederkäuern.

den Antilopen kann man eine sich abstufende Reihe aursteilen.

welche mit Species beginnt, deren Weibchen vollständig ohne Hörner

r und das Abwerfen des Geweihes beim Renthier s. Hoff- berg, in: Amoenitates academicae. Vol. IV. 1788, p. 149. In Bezug auf die Americanische Varietät odei                                            . Fauna Boreal. Amcricana,

p. 241; auch Major W. Ross King, The Sportsman in Canada. 1866, p. 80.

' Isidore Gcoffroy St.-Hilaire, Essais de Zool p. 518. Ausser dem Gehörne werden auch andere männliche Charactere zuweilen in ähnlicher Weise auf das Weih                      [jen; so sagt Mr. Boner bei der

Schilderung einer alten weiblichen Gemse (Chamois Hunting in the Mountains of Bavari                       edit. p. 368): „der Kopf sali nicht bloss ganz männli

„sondern es war dem Rücken entlang ein Kamm langer Haare vorhanden, wie er „sich gewöhnlich nur bei Böcken findet".

10 Ueber den I                                            italogue of the Ifammalia ii

Museum, Part. III. p. 220. Deber den Ce                        Ha oder las Wapiti s. Hon.

J. D. Caton, in: Ottawa Acad. of Natur. Science                         p. 9.

15*

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

Bind, welche dann zu solchen fortschreitet, die so kleine Hörner haben, dass sie beinahe rudimentär sind, wie bei der Antilocapra amei (bei welcher Species sie sich nur bei einem unter je vier oder fünf hen finden) ", ferner zu denen, welche ziemlich gut entwickelte Hörner, aber offenbar kleiner und dünner als die Männchen und zu- weilen auch von einer verschiedenen Form '-' haben, und endlich zu solchen, bei denen beide Geschlechter gleich grosse Hörner besitzen, Wie beim Renthier so besteht auch bei den Antilopen eine Beziehung

hen der Periode der Entwickelung der Hörner und ihrer Ueber- lieferung auf ein Geschlecht oder auf beide. Es ist daher wahrschein- lich, dass ihr Vorhandensein oder Fehlen bei den Weibchen irgend einer Species und ihr mehr oder weniger vollkommener Zustand bei dm Weibchen anderer Species nicht davon abhängt, dass sie von irgend einem speciellen Nutzen sind, sondern einfach von der Form der Vererbung. Es stimmt mit dieser Ansicht überein, dass, selbst in einer und der nämlichen begrenzten Gattung beide Geschlechter einiger Species und allein die Männchen anderer Species in ausgerüstet sind. Es ist auch eine merkwürdige That 4a--. obgleich die Weibchen von Antilope bezoartica der Regel nach Hörner entbehren, Mr. l'.i.vm doch nicht weniger als drei Weibchen gesehen hat, welche solche besassen, und es lag kein Grund zu der Annahm                     diese alt oder erkrank                    wären.

Bei allen wilden Species von Ziegen und Schafen sind die Hörner beim Mann.                       als beim Weibchen und fehlen zuweilen heim

letzteren vollständig l3. Bei mehreren domesticirten Sassen des Si und der Ziege sind allein die Männchen mit Hörnern versehen; und in einigen Rassen, wie in der von Nord-Wales, in welcher beide Ge- schlechter eigentlich Hörner tragen, bleiben die Mutterschafe gern hornlos. Bei diesen selben Schafen sind, wie mir ein zuver- lässiger Beobachter bezeugt hat, der absichtlich eine Heerde wäh- rend der Lammzeit inspicirte, die Hörner bei der Geburt im Allge- meinen beim Männchen vollständiger entwickelt als beim Weibchen. Mr. J. Peel kreuzte seine Lonk-Schafe. bei welchen stets beide Ge-

" Ich bin Dr. Cant'ield für diese Mittheilung verbunden; s. auch Beinen Aufsatz in: Procced. Zodog. Soc. 1866, |i

12 So gleichen beispielsweise die Hörner der weiblichen Antilope Euchore denen einer verschiedenen Species. nämlich der Antilope Doreas, var. Corinc. B. Desmarest, Mammalogie, p. 105.

" Gray, Catalogue Mammalia Brit. Museum, Part. III. 1852, p. 160.

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Cap. 17.

Gesetz des Kampfes.

229

schlechter Homer tragen, mit hornlosen Leiceisters und hornlosen Shropshire-Downs. Das Resultat war, dass die männlichen Nach- kommen Hörner besassen, deren Grösse beträchtlich reducirt war. während die weiblichen der Hörner gänzlich entbehrten. Diese ver- schiedenen Thatsachen weisen darauf hin, dass bei Schafen die Hörner ein bei den Weibchen viel weniger fest fixirter Character sind als bei den Mannchen; und dies führt uns zu der Ansicht, dass die Hörner eigentlich männlichen Ursprungs sind.

Beim erwachsenen Bisaniochsen (Ocibos moschatus) sind die Hör- ner des Männchens grosser als die des AVeibchens und beim letzteren berühren sich die Basen der Hörner nicht u. In Bezug auf das ge- wöhnliche Rind bemerkt Mr. Blyth: „bei den meisten der wilden .rinderartigen Thiere sind die Hörner des Bullen sowohl länger als r als die der Kuh und bei dem weiblichen Banteng (Bos son- „daicus) sind die Hörner merkwürdig klein und bedeutend nach rfick- „wärts geneigt. Bei den domesticirten Kassen des Kindes, sowohl der „Formen mit Buckel als der buckellosen, sind die Hörner beim Bullen ..kurz und dick, bei der Kuh und dem Ochsen länger und schlanker, „und ebenso sind sie beim indischen Büffel beim Bullen kürzer und „dicker und bei der Kuh länger und schlanker. Beim wilden Gaour ,(Bos gaurus) sind die Hörner beim Bullen meist sowohl länger als .dicker als bei der Kuh" l5. Ferner theilt mir Dr. Forsith M.v.tou mit, dass im Val d'Arno ein fossiler Schädel gefunden worden ist, den man als dem weiblichen Bos elruscus angehörig bstrachtet; der- selbe ist gänzlich ohne Hörner. Ich will hier gleich hinzufügen; dass bei dem Ehinoceros simus die Hörner des Weibchens allgemein länger alier weniger kraftvoll sind als heim Männchen, und bei einigen an- deren Specios von Rhinoceros sollen sie beim Weibchen kürzer sein16. Nach diesen verschiedenen Thatsachen können wir als wahrscheinlich annehmen, dass Hörner aller Arten, selbst wenn sie in beiden Ge- schlechtern gleichmässig entwickelt werden. zuerst von den Männ- chen erlangt wurden, um andere Männchen zu bekämpfen und dass sie dann mehr oder weniger vollständig auf die Weibchen über- tragen worden sind.

" Bichardson, Fauna lioreal. Americana, p. 278. 14 Land and Water, 1867, p. 346.

Ih Sir Andrew Smith, Zoology of South Africa, pl. XIX. Owen, Anatom? of Vertebrates, Vol. 111. p. 624.

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230                          Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere                   II. IheU.

Die Wirkungen der Castration verdienen Beachtung, da sie auf den vorliegenden Gegenstand Lieht werfen. Hirsche erneuern nach dieser Operation ihr Geweihe niemals wieder. Doch muss liier das männliche Renthier ausgenommen werden, da es nach der Castration das Geweihe erneuert. Diese Thatsache seheint ebenso wie das kommen von Hörnern in beiden Geschlechtern auf den ersten Blick zu beweisen, dass die Hörner keinen sexuellen Character darstellen i;; da sie aber in einr gehr Brühen Periode entwickelt werden, ehe die Geschlechter der Constitution nach von einander verschieden sind, so ist es nicht überraschend zu finden, dass sie von der Castration nicht beeinflusst werden, seihst wenn sie ursprünglich von den Männchen erlangt worden wären. Bei Schafen tragen eigentlich beide Ge- schlechter Hörner; man hat mir mitgetheilt, dass bei Schafen aus Wales die Hörner der Männchen durch die Castration bedeutend redu- cirt weiden; der Grad dieser Reduction hängt aber in hohem Maasse von dem Aller ab, in welchem die Operation ausgeführt wird, ganz uch bei andern Thieren der Fall ist. Merino-Widder haben grosse Hörner, während die Mutterschafe .allgemein genommen „hornlos sind"; und in dieser Kasse schein! die Castration eine grössere Wirkung hervorzubringen, so dass die Hörner, wenn die Ope- ration in einem frühen Alter vorgenommen wird, „beinahe unent- wickelt bleiben" '\ An der Küste von Guinea lebt eine Schaf- rasse, bei welcher die Weibchen niemals Hörner tragen, und wie mir Mr. WnovooD Reade mittheilt, fehlen dieselben den Widdern nach der Castration vollständig. Bei Rindern »erden die Hörner der Männchen durch die Castration sehr verändert: denn anstatt kurz und dick zu sein, werden sie langer als die der Kuh, sind aber im Debrigen ähnlich. Die Antilopi                   bietet einen ziemlich analogen Fall

dar: die Männchen haben lange, gerade, Spiral gedrehte l1 welche einander fast parallel nach hinten gerichtet sind; die Wi tragen gelegentlich Hörner; wenn sie aber vorhanden sind, biel eine sehr verschiedene Form dar, sie sind nicht spiral, gehen weit

ist die Folgerung, zu der Seidlitz gelangt: Die Darwinsche Theorie,

1871,  p. 47.

19 Ich bin Prof. Victor Carus sehr verbanden, dass ei ober diesen Punkt in Sachsen Erkundigungen eingezogen hat. II. v Nathusius sagt (Viehzucht,

1872,   p. 61), dass die Hörner von zeitig castrirten Schafen entweder vollständig verschwinden oder als blosse Rudimente bestehen bleiben; ich weiss aber nicht, ob er sich dabei auf Merinoschafe oder auf gewöhnliche Rassen bezieht.

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Cap. IT.

Gesetz des Kampfes.

231

auseinander und biegen sich rund um mit den Spitzen nach vorn. Nun ist es eine merkwürdige Thatsache, dass bei den castrirten Männchen, wie mir Mr. Bi.vni mittheilt, die Hörner dieselbe eigenthümliche Form wie beim Weibchen haben, aber länger und dicker sind. Wenn wir nach Analogie schliessen dürfen, so zeigt uns wahrscheinlich in diesen beiden Füllen das Weibchen des Kindes und der Antilope den frühem Zustaiul der Hörner bei irgend einem frühen Urerzeuger jeder Species. Warum aber die Castration das Wiedererscheinen einer früheren Form der Hörner herbeiführen sollte, kann nicht mit irgend welcher Sicher- heit erklärt werden. X                  reuiger scheint es wahrscheinlich zu dass in nahezu derselben Weise, wie die durch eine Kreuzung zwischen zwei verschiedenen Species oder Kassen verursachte consti- tutionelle Störung der Nachkommen häufig zum Wiedererscheinen lange verloren gegangener Charactere führt19, so hier die als Resultat der Castration auftretende Störung in der Constitution des Individuums Wirkung hervorbringt. Die Stosszähue des Elephanten weichen in den verschiedenen Species oder Kassen je nach dem Geschlechte in nahezu derselben Art und Weise ab wie die Hörner der Wiederkäuer. In Indien und Ma- lacca sind allein die Männchen mit wohlentwickelten Stosszähnen ver- sehen. Der Elephant von Ceylon wird von den meisten Naturforschern als eine verschiedene Hasse betrachtet, von einigen sogar als eine iiedene Species, und hier »findet man nicht einen unter einem ..Hundert, welcher mit Stosszähnen versehen wäre, und die wei „welche sie besitzen, sind ausschliesslich Männchen* -". Der africa- nische Elephant isl - verschieden; und hier hat das Weibchen grosse wohlentwickelte Stosszähne, wenn auch nicht so grosse wie die des .Männchens.

inheiten in den Stosszähnen der verschiedenen Rassen und Species von Elephanten — die grosse Variabilität des ihes bei hirschartigen Thieren, wie besonders beim wilden Ren- thier — das gelegentliehe Vorhandensein von Hörnern bei der weib- lichen                               a und ihr gelegentliches Fehlen bei der weib-

'' Verschiedene Versuche und andere Belege, welche beweisen, dass dies der Fall ist. habe ich in meinem „Variiren der Thiere und Pflanzen im Znstande der Domestication", '.'. Aufl. Bd. 2, S. 45—53 nnti.allH.ilI.

n Tennent, C                        Vol. II. p. 274, V(

lacca s. Journal of Indian Archipelago, Vol. IV. p. 357.

jmolete Work of Charles Darwin Online

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

liehen Antüocapra americana — das Vorhandensein zweier Stoss- zähne bei einigen wenigen männlichen Narwallen — das vollständige Fehlen von Stosszähnen bei einigen weiblichen Walrossen —, Alles dies sind Beispiele für die ausserordentliche Variabilität seeundärer Sexualcbaractere und ihrer ausserordentlichen Geneigtheit in nal- wandten Formen verschieden zu werden.

Obgleich Stosszähne und Hörner in allen Fällen ursprünglich als Wallen zu geschlechtlichen Zwecken entwickelt worden zu sein schei- i dienen sie doch häufig auch zu anderen Zwecken. Der Ele- phant gebraucht seine Stosszähne, wenn er den Tiger angreift. Der Angabe Bbuce's zufolge schneidet er die Stämme von Bäumen damit 'in. bis sie leicht umgeworfen werden können und er holt sich damit auch das mehlige Mark von Palmen heraus. In Africa benutzt er oft den einen Stosszahn, und dieser ist immer einer und derselbe, dazu, den Boden zu untersuchen und sich zu vergewissern, ob er seine Last zn tragen im Stande ist. Der gemeine Bulle vertheidigt die Heerde mit seinen Hörnern; und nach Lloyd hat man in Schweden die Erfahrung gemacht, dass der Elk einen Wolf mit einem einzigen Schlage seines grossen Geweihes todt niederstreckte. Viele ähnliche Thatsacben Hessen sieh Doch aiiluliren. Eine der merkwürdigsten seeundftren Anwendungsweisen, zu welchen die Hörner irgend eines Thieres gelegentlich benutzt werden, ist die, welche Capitain Hdtton, und zwar bei der wilden Ziege (Capra aegagrus) des Himalayas, be- obachtet hat2I. Dieselbe kommt, wie man sagt, auch beim Steinbock vor; stürzt nämlich das Männchen zufällig von einer Höhe herab, so biegt es seinen Kopf nach vorn ein und bricht durch das Fallen auf seine massiven Börner die Wirkung des Stosses. Das Weibchen kann seine Hörner nicht in dieser Weise brauchen, da sie kleiner sind, aber wegen seiner ruhigeren Disposition bedarf es dieser merkwürdigen Art von Schutz nicht so nöthig.

Jedes männliche Thier benutzt seine Wallen in seiner eigenen eigentümlichen Weise. Der gewöhnliche Widder macht einen Angriff und stösst dabei mit solcher Kraft mit den Basen seiner Hörner, dass ich gesehen habe, wie ein kräftiger Mann so leicht wie ein Kind über den Haufen gerannt wurde. Ziegen und gewisse Species von Schafen wie i, H, Ovis cycloceros von Afghanistan --', erheben sich auf ihren

Journal of Natural History. Vol. II. 1848, p. 526 " Mr. Blyth, in: Land and Water, March, 1S67. p. 134, nach der Autorität

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Cap. 17.

Gesetz des Kampfes.

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Hinterbeinen und Btossen dann nicht bloss, sondern »machen einen „Hieb nach abwärts und einen Stoss mit der gerippten Vorderseite „ihrer säbelförmigen Hörner, wie mit einem Säbel nach oben. Als „ein Ovis eydoceroa einen grossen domesticirten Widder, welcher ein .anerkannter Boxer war. angriff, besiegte es ihn lediglich durch die „Neuheit seiner Weise zn kämpfen, indem es immer sofort dicht an „seinen Widersacher herantrat und ihn quer übers Gesicht und die mit einem scharfen ziehenden Hiebe seil                     fasste and

„ihm dann durch ''ine kurze Wendung aus dem Wege gieng, ehe der „Stoss zurückgegeben werden konnte". In Pembrokeshire hat man einen Ziegenbock gekannt, den Herrn einer seit mehreren Jahren ver- wilderten Heerde, welcher mehrere andere Männchen im Einzelkampfe tet hat. Dieser Bock besass enorme Hörner, welche in einer geraden Linie von Spitze zu Spitze neununddreissig Zoll maassen, Wie Jedermann weiss.                     gemeine Bulle seinen Gegner und schlen-

dert ihn hin und her. Aber der italienische Büffel soll niemals seine Hörner brauchen. Er gibt mit seiner convexen Stirn einen fürchter- lichen Stoss und trampelt dann auf seinem gestürzten Gegner mit seinen Knien, ein [nstinct, welchen der gemeine Bulle nicht besitzt-". Ein Hund, welcher einen Büffel an der Nase zum Stellen bringen will, wird daher sofort zermalmt. Wir müssen uns indessen erinnern, der italienische Büffel schon seit langer Zeit domesticirt worden ist, und es ist durchaus nicht gewiss, ob die wilde elterliche Form ähn- lich geformte Hörner besessen hat. Mr. Bakti.ktt theilt mir mit, dass, als eine Cap-Büffelkuh (Bubalus caffer) mit einem Bullen der- selben Species in eine Umzäunung gebracht wurde, sie ihn angriff und wiederum mit grosser Heftigkeit herumtrieb. Mr. Baktlett sali alier offenbar, dass wenn der Bulle nicht eine würdige Nachsicht gezeigt hätte, er sie durch einen einzigen Stoss mit seinen ungeheuren Hörnern leicht hatte tödten können. Die Giraffe braucht ihre kurzen mit Haaren überzogenen Hörner, welche beim Männchen im Ganzen etwas länger sind, als beim Weibchen, in einer merkwürdigen Weise; sie schwingt mit ihrem langen Halse den Kopf nach beiden Seiten, beinahe umgekehrt, mit der Oberseite nach abwärts, und zwar mit

des Capt. Hutt"ii und Anderer. Wegen der wilden Ziegen von Pembrokeshire s. The Pield, 1869, j.

;l Mr. E, M. Hailly. sur l'asage des cornes etc.. in: Annal. des natar. Tom. 11 1824, p. 369.

The C                           of Charles Darwin Online

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234                       Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere                II. Theil

solcher Kraft, dass ich selbst eine harte Planke gesehen habe, die durch einen einzigen Schlag tiefe Eindrücke erhalten hatte.

In Bezug auf die Antilopen ist es zuweilen schwierig sich vor- zustellen, wie sie ihre merkwürdig geformten Hörner möglicherweise benutzen können. So hat der Springbock (Antilope euchore) ziemlich kurze aufrechte Homer, deren scharfe Spitzen beinahe rechtwinkelig nach innen gebogen sind, so dass sie einander gegenüberstehen. Mr. Hauiu.ii weiss nicht wie sie benutzt werden, verinuthet aber, dass sie eine fürchterliche Wunde auf jeder Seite des Gesichts eines etwaigen i- herberführen könnten. Die leicht gebogenen Hörner des Oryx m (Fig. ti:J| sind nach hinten gerichtet und sind von solcher

Länge, dass ihre Spitzen über die Mitte des Rückens nach hinten reichen, über welchem sie in fast parallelen Linien stehen. Hier- nach scheinen sie für einen Kampf eigentümlich schlecht angepasst zu sein. Aber Mr. Bartlett theilt mir mit, dass wenn zwei dieser Thiere sich zum Kampfe vorbereiten, sie niederknien und ihren Kopf zwischen die Vorderfüase nehmen; bei dieser Haltung stehen dann die Hörner beinahe parallel und dicht am Hoden, mit den Spitzen nach vorn und ein wenig nach aufwärts gerichtet. Die Kämpfer nähern sich nun allmählich und versuchen die umgewendeten Spitzen ihrer Hörner unter den Körper des Gegners zu bringen. Gelingt dies einem, so springt er plötzlich auf und wirft zu derselben Zeit seinen Kopf in die Höhe, wodurch er seinen Gegner verwunden oder seihst durch- bohren kann. Beide Thiere knien immer nieder, um sich so weit als möglich gegen dieses Manöver zu schützen. Man hat selbst berichtet,

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Cap. 17.

Gesetz des Kampfes.

2:;:.

dass eine dieser Antilopen ihrer Homer mit Erfolg sogar gegen einen Löwen benutzt hat. Weil sie aber gezwungen ist, den Kopf zwischen rderbeine zu bringen, um dii                 orer Römer nach vor-

wärta gerichtet zu halten, so wird sie sich meist in gros theile finden, wenn sie von irgend einem anderen Thiere angegriffen wird. Ea ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Hörner zu ihrer jetzigen grossen Länge und eigentümlichen Stellung zum Zwecke des Schutzes gegen Raubthiere gebracht worden sind. Wir können in- dessen sehen, dass, sobald irgend ein alter männlicher Dre Oryx massig lange und ein wenig nach rückwärts geneigte Hörner erlangt hatte, er in seinen Kämpfen mit Nebenbuhlern gezwungen gewesen sein wird, seinen Kopf etwas nach innen und abwärts zu beugen, wie es jetzt gewiss* Hirsche thun. und es ist nicht unwahr- scheinlich, dass er dabei auch die Gewohnheit, zuerst gelegentlich und später regelmässig niederzuknien, erlangt haben kann. In diesem Falle ist es beinahe sicher, dass diejenigen Männchen, welche die läi Hörner besassen, einen grossen Vortheil vor den anderen, mit kürzeren Hörnern voraus gehabt haben werden, und dann werden die Hörner durch geschlechtliche Zuchtwahl allmählich immer langer und länger geworden sein, bis sie ihre jetzige ausserordentliche Länge und Stellung erreichten.

Bei Hirschen vieler Arten bietet das Verzweigen des Geweihes einen merkwürdigen Fall von Schwierigkeit dar. denn sicher würde eine einfache gerade Spitze eine viel ernstlichere Wunde beibringen, als mehrere auseinandergehende Spitzen. In Sir PHILIPP Egerton's Museum findet sich ein Geweih ']> Edelhirs                         tphua)

dreissig Zoll lang mit „nicht weniger als fünfzehn Enden oder Zwei- gen"; und zu Moritzburg ist noch jetzt das Geweihepaar eines Edel- hirsches aufgehoben, welchen im Jahre 1699 Friedrich 1. schoss, von denen die '.;                   die erstaunliche Zahl von dreiunddreissig En-

den, die rechte siebenundzwanzig, das ganze Geweihe also sechzig Enden trug. Richabdson bildet ein Geweibe des wilden Renthiers mit neunundzwanzig Enden ab-4. Nach der Art und Weise, in welcher das Geweih'                   i-;. und noch besonders weil man weiss, dass

21 Owen. ut»                       des Edelhirsches, in seinen British Fossil Kam-

mals, 1846, p, I7~. l: ich ardson, über das                   - Renthiers in

Fauna Bor. Ameticai                   140. Ich verdanke l'rof. Victor Carus die An-

gaben über den Moritzburger Hin

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236                         Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

Hirsche gelegentlich so mit einander kämpfen, dass sie mit ihren Vorderfüssen stossen25, kam Mr. Bully geradezu zu dem Schlüsse, dass ihre Geweihe mehr von Nachtheil als von Nutzen für sie seien. Aber dieser Schriftsteller übersieht die ausgemachten Kämpfe zwischen rivalisirenden Männchen. Da ich mich in Bezug auf den Gebrauch oder den Vortheil der Enden in ziemlicher Verlegenheit befand, wen- dete ich mich an .Mr. M'Xkill von Colonsay, welcher das Leben des Edelhirsches lange und sorgfältig beobachtet hat, und er theilte mir mit, dass er niemals eines der linden in Thätigkeit gebracht gesehen habe, dass aber die Augensprossen, weil sie sich nach abwärts neigen, für die Stirn ein bedeutender Schutz sind und dass ihre Spitzen gleich- falls beim Angriff gebraucht werden. Auch Sir 1'iiii.iit Egebton theilt mir sowohl in Bezug auf Edelhirsche als auf den Damhirsch mit, dass wenn sie kämpfen, sie plötzlich an einander fahren und, ihr Geweibe gegen den Körper des andern gedrückt, einen verzweifelten Kampf beginnen. Wenn einer der Hirsche zuletzt gezwungen wird nachzu- geben und sich umzuwenden, so versucht der Sieger seine Augen- sprossen in (Ion besiegten Feind einzustossen. Es erscheint hiernach als ob die oberen Enden hauptsächlich oder ausschliesslich zum Siossen und Pariren benutzt würden. Nichtsdestoweniger werden bei einigen Species auch die oberen Enden als Angriffs warten benutzt. Als in Jüdge Catox's Park in Ottawa ein Mann von einem Wapiti-Hirsche canadensit                  fen wurde und mehrere Leute ihn zu be-

freien versuchten, ,erhob der Hirsch seinen Kopf nicht von dem „Boden; in der That, er hielt sein Gesicht beinahe platt auf der „Erde, mit seiner Nase fast zwischen seinen Vorderfüssen, ausgenom- men, wenn er seinen Kopf nach einer Seite drehte, um eine neue „Beobachtung als Vorbereitung zu einem Angriffe zu machen'. In dieser Stellung waren die Bndspitzen des Geweihes gegen seine Geg- ner gerichtet. „Beim Drehen des Kopfes erhob er ihn nuthwendiger „Weise etwas, »eil sein Geweihe so lang war. dass er den Kopf nicht ,drehen konnte, ohne dasselbe auf der einen Seite etwas zu erheben, „während es auf der andern Seite den Boden berührte". Der Hirsch

" Hon. J. D. Caton (Ottawa icad : Xatur. Science, May, 1868, p. 9) sagt, dass der americanische Hirsch mit seinen Vorderheinen kämpft, nachdem .die Frage der Superiorität einmal ausgemacht und in der Heerde anerkannt wor- .di'ii ist". Iiailly, rar l'usage des cornes. in: Annales des scienc. natur. Tom.11. 1824, p. 371.

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Cap. 17.

Gesetz des Kampfes.

237

trieb auf diese Weise allmählich die Gesellschaft, die ihm zu Hülfe kam, auf eine Entfernung von hnndertffinfzig bis zweihundert Pusa zurück; und der angegriffene .Mann wurde getödtet26.

Obgleich die Geweihe der Hirsche wirksame Wallen sind, so kann, wie ich glaube, darüber kein Zweifel sein, dass eine einzige Spitze viel gefährlicher gewesen wäre, als ein verzweigtes Geweihe; und Jüdge Catom, welcher grosse Erfahrungen über Hirsche gemacht hat, stimmt vollständig mit iliesem Schlüsse überein. Es scheinen auch die ver- zweigten Geweihe, obgleich sie als Vertheidiguugsraittel gegen Neben- bnhlerhirsche von hoher Bedeutung sind, zu diesem Zwecke nicht voll- kommen angepasst zu sein, da sie leicht in einander verfangen w Mir ist daher die Yernuilhung durch den Sinn gegangen, dass sie zum Theil als Zierathen von Nutzen sein könnten. Dass das verz Geweihe von Hirschen, ebenso wie die eleganten leierförmigen Hörner

-er Antilopen mit ihrer doppelten Krümmung (Fig. 64) für unsere Augen ornamental sind, wird Niemand bestreiten können. Wenn da- her die Geweihe, wie die glänzenden Rüstungen der Hitler älterer Zeiten die edle Erscheinung von Birschen und Antilopen erhöhen, so können sie wohl zum Theil für diesen Zweck modifieirt worden sein. wenn sie auch hauptsächlich zum factischen Dienste im Kampfe be- stimmt sind. Ich habe aber zu Gunsten dieser Annahme keine Belege.

Neuerdings ist ein interessanter Fall veröffentlicht worden, nach welchem es scheinen möchte, als würden die Geweihe eines Hirsches in einem Districte der Vereinigten Staaten noch jetzt durch geschlecht- liche und natürliche Zuchtwahl modifieirt. Ein Schriftsteller erzählt in einem ausgezeichneten americanischen Journale-7, dass er in den letzten einundzwanzig Jahren in den Adirondacks gejagt habe, wo der - virginianus häufig ist. ungefähr vor vierzehn Jahren hörte er zuerst von Spitzhornböcken (spike-horn-bucks). Diese wurden von Jahr zu Jahr häufiger, ungefähr vor fünf Jahren schoss er einen.

: dann noch einen andern, und jetzt werden sie häufig getödtet. ..Das Spitzhorn weicht bedeutend von dem gewöhnlichen Geweihe des .''. virginianus ab. Es besteht aus einer einzigen Spitze, welche „schlanker als die Stange und kaum halb so lang ist, von der Stirn .nach vom vorspringt und in eine sehr scharfe Spitze endigt. Es

* s. eine äusserst interessante f-cliilderung '" «lern Appendix zu dem oben citirten Aufsatze des Hon. J. D. Caton.

" The American Naturalist: Dec. 1869, p. 552.

The Comolete W;;rk <..f Charles Darwin Online

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Geschlechtliche Zuchtwahl: SSngethiere.                  II. Theil.

dem Männchen, welches es besitzt, einen beträchtlichen Vortheil „vor dem gewöhnlichen Hirsche. Ausser dem [Jmstande, dasa es in „den Stand gesetzt wird schneller durch die dichten Wälder und das „Untergehölz zu laufen (und jeder                  -. dasa Hirschkühe and

.einjährige Hirsche viel schneller als die grossen Hirsche laufen, wenn

1. SlrejMictro« ..                                                                                 -          Afric»).

-diese mit ihren umfänglichen Geweihen beschwert sind), ist auch

Spitzhorn eine wirksamere Waffe als das gewöhnliche Geweih.

..Mit diesem Vortheile ausgerüstet gewinnen die Spitzhornböcke über

gemeinen Hirsche einen Vortheil und können im Laufe der Zeit

.dieselben in den Adirondacks vollständig verdrängen. Zweifellos war

„der erste Spitzhornbock bloss ein zufälliges Naturspiel; aber seine

„Spitzhörner gaben ihm einen Vortheil und befähigten ihn, seine

Eigenthümlichkeit fortzupflanzen. Seine Nachkommen haben einen

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Gesetz des Kampfes.

230

.gleichen Vortlieil und haben die Eigentümlichkeit in einem bestän- ,dig zunehmenden Verhältniss fortgepflanzt, bis sie langsam die mit ihen versehenen Birsche aus den von ihnen bewohnten Gegen- den vertreiben." Treffend hat ein Kritiker diesem Berichte die I entgegengehalten, warum dann, wenn die einfachen Hörner jetzt so vorteilhaft sind, verzweigte Geweihe sich überhaupt jemals entwickelt haben. Hierauf kann ich nur mit der Bemerkung antworten, dass eine neue Art des Angriffs mit neuen Waffen von grossem Vortlieil sein kann, wie es sich in dem Falle des Ovis cydoceros zeigte, der einen seines Kampfvermögens wegen berühmten domesticirten Widder besiegte. Wenn auch das verzweigte Geweihe eines Hirsches dem Kampfe mit Rivalen gut angepasst ist und wenn es auch ein Vorthei] für die gabelhörnig«' Variettt sein dürfte, langsam langes und ver- zweigtes Gehörn zu erhalten, so lange sie nur mit andern Individuen derselben Art zu kämpfen hat, so folgt doch daraus durchaus noch nicht, dass ein verzweigtes Geweihe für das Besiegen eines verschieden bewaffneten Feindes am besten angepasst ist. In dem oben erwähnten Fall des "                        isi es beinahe sicher, dass der Sieg auf Seite

derjenigen Antilope sein wird, welche kurze Hörner hat. welche daher nicht nötbig hat, niederzuknien, obschon ein Oryx durch den Besitz noch längerer Hörner einen Vortheil erlangen würde, wenn er nur mit seinen eigenen Nebenbuhlern kämpfte.

Männliche 8                     welche mit Stosszähnen versehen sind, ge-

brauchen dieselben auf verschiedene Weise, wie es auch mit den Hörnern der Fall ist. Der Eber stösst seitwärts und aufwärts, das Moschusthier mit bedenklicher Wirkunlt abwärts28; trotzdem das Walross einen so kurzen Hals und einen so ungelenken Körper hat. kann es doch mit gleicher Geschicklichkeit entweder „nach oben oder nach unten oder ..nach den Seiten hin stossen"'29. Wie mir der verstorbene Dr. F.w- CONEK mitgetheilt hat. kämpft der indische Elephant je nach der hing und Krümmung seiner Stosszähne auf verschiedene Weise. Wenn sie nach vorn und nach oben gerichtet sind, so ist er im Stande, einen Tiger eine grosse Strecke weit fortzuschleudern; man sagt selbst bis dreissig Pnssj wenn sie kurz und nach abwärts gewendet sind, snchl er den Tiger plötzlich auf den Boden zu bohren und ist desshalb in

a" Fall..                                     Pasc. XIII. 1779. p. IS.

' Lamo                    .,iih the Sea-Horses. 1861, p, 141.

I of Charles Darwin Online

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240                      Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                     II. Theil.

diesem Falle dem Eeiter gefährlich, welcher leicht ans seinem Hudah herabgeschleudert wird 30.

Sehr wenige mannliche Säugethiere besitzen Waffen zweier ver- schiedener Arten, welche zum Kampfe mit rivalisirenden Männchen speciell angepasst sind. Der männliche Muntjac (Ccrvidus) bietet in- dessen eine Ausnahme dar, da er sowohl mit Hörnern als hervorragen- den Eckzähnen versehen ist. Es ist aber die eine Form von Walten häufig im Laufe der Zeiten durch eine andere ersetzt worden, wie wir aus dem was folgt schliessen können. Bei Wiederkäuern steht die Entwicklung von Hörnern allgemein im umgekehrten Verhältnisse zu den selbst nur massig entwickelten Eckzähnen. So sind Kameele, Guanacos, Zwerghirsche und Moschusthiere hornlos, dagegen haben sie wirksame Eckzähne. Es sind diese Zähne ..immer bei den Weibchen „von geringerer Grösse als bei den Männchen." Die Cameliden haben in ihrem Oberkiefer ausser den achten Eckzähnen noch ein Paar eck- rmiger Schneidezähne31. Andrerseits besitzen männliche Hirsche and Antilopen Hörner, wogegen sie selten Eckzähne haben, und wenn solche vorhanden sind, sind sie immer von geringer Grösse, so dass es zweifelhaft ist, ob sie den Thieren in ihren Kämpfen von irgend welchem Nutzen sind. Bei Antilope montana sind sie nur als Rudi- mente beim jungen Männchen vorhanden und verschwinden, wenn das- selbe alt wird; und beim Weibchen fehlen sie auf allen Altersstufen. Man hat aber in Erfahrung gebracht, dass die Weibchen gewisser anderer Antilopen und Hirsche gelegentlich Rudimente dieser Zähne darbieten 33. Hengste haben kleine Eckzähne, welche bei der Stute entweder vollständig fehlen oder rudimentär sind. Sie scheinen aber nicht bei den Kämpfen benutzt zu werden, denn Hengste beissen mit ihren Schneidezähnen und öffnen das Maul nicht weit, wie die Kameele

s" s. auch Corse (Philosoph. Transact. 1799. p. 212) über die Art und Weise, in welcher die Mooknah-Varietät des Elephanten mit kurzen Stosszähnen andere Klephanten angreift.

*' Owen, Anatomy of Vertebrates. VoL III, p. 349.

" s. Kuppel 1 in: Proceed. Zoolog. Soc. Jan. 12. 183«. p. 3, über die Eck- zähne bei Hirschen und Antilopen mit einer Anmerkung von Mr. Marlin über einen weiblichen americanischen Hirsch, s. auch Faleoner. Palaeontol. Memoirs and Notes, Vol. I. isf>8. p. 576 über Eckzähne bei einem weiblichen erwachsenen Bei alten Männchen des Moschusthiere- wachsen die Eckzähne zuweilen (s. Pallas. Spicileg                     . XIII. 1779, p. 18) zu einer Länge von drei

Zollen aus, wahrend bei alten Weibchen ein Rudiment davon kaum einen halben Zoll über das Zahnfleisch vorspringt.

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C»p. 17.

241

und Guanacos. Wo nur immer Jas erwachsene Männchen gegenwär- tig nicht wirksame Eckzähne besitzt, während das Weibchen entweder keine oder bloss Rudimente davon hat, da können wir schliessen, dass der frühere männliche ürerzeuger der Species mit wirksamen Eck- zähnen versehen war, welche zum Tlieil anf die Weibchen überti worden sind. Die Verkümmerung dieser Zähne bei den Männchen scheint die Folge irgend einer Veränderung in ihrer Art zn kämpfen gewesen zu sein, häufig durch die Entwickelung neuer Waffen verur- was indessen beim Pferde nicht der Fall

ahne und Hörner sind offenbar für ihre Besitzer von Bedeutung, denn ihre Entwickelung consumirt viel organische Sub- stanz. Ein einziger Stosszahn des asiatischen Elephanten — eines der ausgestorbenen wollhaarigen Species — und dos africanischen Elephan- ten hat. wie man in einzelnen Fällen erfahren hat, bis hundertfünfzig, hundertsechzig und hundertachtzig Pfund beziehentlich gewogen und einige Schriftsteller haben selbst noch grössere Gewichte angeführt3S, Bei Hirschen, bei welchen die Geweihe periodisch erneuert werden, muss der Einfluss auf die Constitution noch bedeutender sein. So wiegt das Geweih z. B. des Orignal oder Musthiera von fünfzig zu

ig Pfund und das des ausgestorbenen irischen ßiesenhirschi sechzig bis zu siebenzig Pfund, während der Schädel des Letzteren im Mittel nur fünf und ein Viertelpfund wiegt. Obgleich die Hörner bei Schafen nicht periodisch erneuert werden, so führt nach der Meinung vieler Landwirthe ihre Entwickelung doch einen wesentlichen Verlust für den Züchter herbei. Ueberdies sind Hirsche bei ihrer Flucht vor Baubthieren mit einem den Wettlauf noch erschwerenden Eitragewicht beladen und werden heim Durchlaufen waldiger Gegenden bedeutend halten. Das Orignal z. B., dessen Geweihe von Spitze zu Spitze fünf und einen halben Fuss misst, und welches in seinem Ge- braucl                    ckt ist, dass es nichl einen einzigen Zweig berühren

oder abbrechen wird, wenn es ruhig geht, kann n                  schickt

sich benehmen, wenn es vor einem Rudel Wölfe flieht. ..Während „des Laufes hält es seine Ni                                                             hori-

tal zurücklegt, und in i                    rag kann es den Boden nicht

..deutlich sehen" '. Die Spitzen

erson Tenni                                  VoL II. p. 27                      iritiah Fos-

sil Man

nal, Alces pal- .vi.)                                    16

The Compiete Work of Charles Darwin Online

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2-12                             lechtüche Zuchtwahl                                 II. Theit

Riesenhirsches standen Factisch achl Fuss aus einander! So lange das Geweih mit Bast überzogen ist. was bei dem Edelhirsche ungefähr zwölf Wochen lang dauert, ist dasselbe äusserst empfindlich für - so dass in Deutschland die Hirsche um diese Zeil ihre Lebensart in einem gewissen Maasse ändern and dichtere Wälder vermeiden, da- gegen junges Gehölz und niedrige Dickichte aufsuchen ;\ Diese That- sachen erinnern uns daran, dass männliche Vögel ornamentale Federn auf Kosten einer Verlangsamung des Fingvermögens und andere Zierathen auf Kosten eines Verlustes ihrer Kraft beim Kämpfen mit rivalisirenden Männchen erlangt haben.

Wenn bei Säugethieren, wie es häufig der Fall ist, die Geschlech- ter in der Grösse verschieden sind, so sind die Männchen beinahe immer grösser und kräftiger. Dies gilt, wie mir Mr. Goüld i theilt hat, in einer sehr ausgesprochenen Weise für die Beutelthiere von Australien, deren Männchen bis in ein ungewöhnlich hohes Alter fortwährend zu wachsen scheinen. Aber der ausserordentlichste Fall ist der von einer Robbe                  ursinus), bei welcher ein ausgewachsenes

Weibchen weniger als ein Sechstel des Gewichts eines ausgewachsenen Männchens wiegt36. Dr. Gn.i. bemerkt, dass es die polygamen Robben- arten sind, deren Männchen bekanntlich wüthend mit einander kämpfen, bei welchen die Geschlechter bedeutend der Grösse nach von einander abweichen; die monogamen Arten weichen in dieser Hinsicht nur wenig ali. Auch Walfische bieten Belege dar für die Beziehung, welche zwischen der Kampfsucht der Männchen und deren, mit der Grösse der Weibchen verglichen, bedeutenden Grösse besteht; die Mannchen der Bartenwale kämpfen nicht mit einander: sie sind auch nicht grös- ser, sondern eher kleiner, als ihre Weibchen. Andrerseits kämpfen männliche Spermacetiwale heftig mit einander, „ihre Körper tragen .häufig narbige Kindrücke von den Zähnen ihrer Rivalen", und sie sind doppelt so gross als die Weibchen. Die bedeutendere Kraft des

über die Au-                  Homer b. auch Land and Water,

1869, p. US. s. über den irischen Riesenhirsch auch Owen, British Fossil Ham- mais, p. 1-17, 155.

» Forest Creatures, by C. Boner, 1

M s. den sehr interessanten Aufsatz von Hr. .1. A. Allen in: Bullet. Museum Compar. Zoology of Cambridge, Mass. D                        Vol. II. No. 1. p. 82. Die

gewichte wurden ron einem sorgfältigen Beobachter. Capt. Bryant. ermittelt. Hill in: The American Naturalist, Jan. 1871; Prof. Shaler über die relative Grösse der Geschlechter bei Walfischen, in: American Naturalist, Jan. 1873.

/ of Charles Darwin Online

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Cap. 17.                                                                                                       243

Männchens wird, wie schon vor längerer Zeil Bunter bemerk ausnahmslos in denjenigen Theilen des Körpei                    . welche bei

den Kämpfen mit rivalisirenden Männchen in Thätigkeit treten, /. li. in dem massiven Nacken des Bullen. Auch sind männliche Säuge- thiere muthiger and kampfsüchtiger als die Weibchen. Es lässl wenig zweifeln, dasa diese Charactere theilweise durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind, in                                          Siegen auf

Seiten der kräftigeren und muthigeren Männchen über die schwächeren, zum Theil auch durch die vererbten Wirkungen des Gebrauches. Wahr-

dich sind die aufeinanderfolgenden Abänderungen in dem M der Kraft, Grösse und des Muthes, durch deren Anhäufung männliche Säugethiere diese charakteristischen Eigenschaften erlangt haben, im Ganzen spät im Leben erschienen und sind in Folge hiervon in einem beträchtlichen Grade rücksichtlich ihrer Ueberlieferung auf dasselbe Geschlecht beschränkt gewesen.

Yiin diesem Gesichtspunkte aus war ich bemüht, mir Mittheilun- gen in Bezug auf den schottischen Birschhund zu verschaffen, dessen

lechter mehr in der Grösse von einander verschieden sind, die irgend einer andern Kasse (obgleich Bluthunde beträchtlich ver- schieden sind) und auch mehr als die Geschlechter irgend einer wil- den mir bekannten Specdes von Caniden. Ich wandte mich daher an Mr. CüPPLES, einen wohlbekannten Züchter dieser Kasse, welcher viele seiner eigenen Bunde gewogen und gemessen und welcher die folgen- de Thatsachen aus verschiedenen Quellen mit grosser Freundlichkeit für mich zusammengetragen bat. Vorzügliche männliche Bunde sind, an der Schulter gemessen, von achtundzwanzig Zollen, was für niedrig gilt, bis drei- oder selbst vierunddreissig Zoll hoch und wiegen von achtzig Pfund, was für leicht gilt, bis hundertundzwanzig oder selbst noch mehr Pfund. Die Weibchen sind von dreiundzwanzig bis sieben- undz wanzig oder selbst achtundzwanzig Zoll hoch und wiegen von fünfzig bis siebenzig oder selbst achtzig Pfund 3\ Mr. Ci schliesst, dass von fünfundneunzig bis hundert Pfund fiir's Männchen

" Anirnal Economy, p. 45.

" s. auch Richardaon, Manna] on tlie Doj                   da werthvolle Mit-

tlieilungen über den schottischen Hirschhund hat Mr. M'Neill, welcher zuerst die Aufmerksamkeit auf die Ungleichheit der Geschlechter lenkte, in Scrope's Art of Heer Stalking gegeben. Ich hoffe, Mr. Cupples führt sein Vorhaben ans, eine ausführliche Schilderung und Geschichte dieser berühnr                /ajtfft

öffentlichen.

16*

The G                                    arles Darwir

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244                                  lechtliche Zuchtwahl: Sängethiere.                  II. Theil.

und siebenzig Pfund für das Weibchen ein richtiges Mittel ist. Aber es ist Grund zur Vermuthung vorhanden, dass früher beide Geschlech- ter ein beträchtlicheres Gewicht erreichten. Mr. Cüpples hat junge Hunde gewogen, als sie vierzehn Tage alt waren. Unter einem Wurfe betrug das mittlere Gewicht von vier Männchen sechs nnd eine halbe Unze mehr ab das zweier Weibchen. In einem anderen Wurfe über- traf das mittlere Gewicht von vier Männchen das von einem Weib- chen um weniger als eine Unze. Als dieselben Männchen drei Wo- chen alt waren, übertrafen sie da- Weil.dien um sieben und eine halbe Unze und im Alter von sechs Wochen um nahezu vierzehn Unzen. Mr. Wim.in von Yeldersleyhouse sagl in einem Briefe an Mr. Cüpples: „ich habe mir über die Grösse und das Gewicht junger Hunde aus „vielen Würfen Jiotizen gemacht und soweit meine Erfahrung reicht. „sind männliche junge Hunde der Kegel nach sehr wenig von weib- lichen verschieden, bis sie ungefähr fünf "der sechs Monate alt sind; „dann fangen die männlichen an zuzunehmen, wobei sie die weiblichen „sowohl an Gewicht al                 SbertrerTen. Bei der Geburt und

„mehrere Wochen nachher kann ein weiblicher junger Hund gelegent- lich grosser sein als irgend einer der männlichen, aber sie werden „ausnahmslos später von lel                  hlagen". Mr. M'N'ku.i. von

Colonsay kommt zu dein Schlüsse, „dass die Männchen ihre volle „Grösse nicht eher erhalten. als bis sie über zwei Jahre alt sind. „dass aber die Weibchen sie früher erreichen". Nach Mr. Cdppi.es' Erfahrung fahren männliche Hunde an Grösse zuzunehmen fort, bis sie von zwölf bis achtzehn Monate, und an Gewicht, bis sie yon acht- zehn zu vierundzwanzig Monate alt sind, während die Weibchen in auf die Grösse im Alter von neun bis vierzehn oder fünfzehn Monaten und in Bezug auf das Gewicht im Alter von zwölf bis fünf- zehn Monaten zuzunehmen aufhören. Nach diesen verschiedenen An- is klar, dass die definitive Verschiedenheit in der G zwischen dem weiblichen und männlichen schottischen Hirschhund nicht eher erreicht wird als spät im Leben. Die Männchen werden fast ausschliesslich zum Jagen benutzt; denn wie mir Mr. M'Netll iilt, haben die Weibchen nicht hinreichende Kraft und nicht hin- rerehendes <;                  □ ausgewachsenen Hirsch niederzuziehen. Nach

den in alten Legenden angeführten Namen schein!                 i h von

Ls wären in einer sehr alten Zeil die Männchen He'gefeiertsten gewesen, da die Weibchen nur als die Mütter be-

The Comolet                                               Online

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-15

rühmter Hunde erwähnt werden. :                                      ö ist es da-

her d                                                  bes hauptsächlich auf seine Kraft,

-. Flüchtigkeit und seinen Muth geprüft worden ist, und von den besten derselben ist dann weil                 st worden. Da ihi

die Männchen ilu s             n Dimensionen nicht eher als in einer im

a späteren Lebens                                                a sie in Ueberein-

stimmung mit dei                                                                      haben, ihre

Charactere allein ihren männlichen Nachkommen zu überliefern, und hierdurch liisst sieh wahrscheinlich die bedeutende Ungleichheit in der Grösse zwischen dei                                      bottischen Hirschhundes

erklären.

Die Männchen eü                                        t besitzen Organe oder

Theile, welche allein als Mittel der Verl anderer Männchen entwickelt werden. Einig brauchen, »i>' 9                                                 o Enden ihres Gen

hauptsächlich oder ausschliesslich um sich zu                 gen; und die

h, wie mir Mr. Baetleti mitgetheilt hat,

rat geschickt mit ihren langen leb                      a Hörnern; doch

n diese gleichfal                                       gebraucht, llhinocerosse

parken im Kample, wie mir                     ibachter mittheilt, ihre gegen-

beigebrachi Hiebe mit ihren H bei laut zus

thun. Ob- gleich                              eifelt mit ein- ander kämpfen, erhalten sie der An- Itliehe Streiche, da diese meist auf die

ihne des Gegners oder auf die

ht ven derber speckiger Haut l'al- len. welche :           r bedeckt und

welche d                             r das Schild

nennen; und hier haben wir einen Theil, der specteil zur Verteidigung modificirt ist. Bei Ebern in der Blüthe ihrer Jahre (s. Fig. 65) wer- den die Stosszähne in der Unterkinnlade zum Kamillen benutzt

:i aber im hohen Alter, wie Brehji anrührt, so bedeutend nach innen und oben über die Schnauze gekrümmt. hierzu benutzt werden können. Sie können indesa noch immer und

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246                               echtliche Zuchtwahl:                              II. Theil.

selbst in einer noch wirksan                    als Vertheidigangsmittel von

pensation für den Verlust der untern - zahne als Waffen zum Angriff nehmen während des höheren '

itend an Länge zu und krümmen - aufwärl                                                                      können. Nichts-

in alter Eber nicht so gefährlich für Jon Mei - als inner im Älter                          sieben Jahr

-neu männlichen Bab] russa-S id die unioren Stosszähne fürchterliche Wallen, g

- in der lilü:                        i, während dii

- äs               lang sind und so bedeutend nach innen gekrümmte

d Italien, damit raweil                     S :;e berührend, di

als Angriffswaffen Völlig nutzlos sind. Sie sind Hörnern viel ähnlicher als Zähnen und sind offenbar als Zähne so an                '. man früher

geradezu annahm, das Thier ruhe seinen Kopf in der We -

/.ihnen an einen Zweig hänge. Ihre conveien Oberflächen dürften indessen, wem.                    sin wenig seitw.i;-

» Brehm. Dlustrirtea Thieriel

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C&p< 1.

i lignngsmittel.

247

halten wird, als ein ausgezeichnetes Vertheidigungsmittel dienen, und daher kommt es vielleicht, dass sie bei alteren Thieren ..meist abge- brochen sind, wie in Folge eines Kampfes"4". Wir haben daher den merkwürdigen Fall liier vor uns. dass die oberen Stosszahne des Ba- byrussa regelmässig während der Blüthe .1"- Lebens eine Bildung an- nehmen, welche sie dem Anscheine nach nur zur Verteidigung ge-

.! macht, während beim europäischen Eher die unteren - zahne in einem minderen Grade und nur während des hohen Alters nahezu dieselbe Form annehmen und dann in einer gleichen Art nur zur Verteidigung dienen.

Beim Warzenschweine (PAoci                      iopicus, Fig. 67) krüm-

men sich die Stosszahne im Oberkiefer des Männchens während der

Y\g. 67. Kopf des weib:                                                                       Jon Proeeed. Zoolog. Soc. 18Ö9,

dieselben Charactoro .                                                                    Maasssube, darbietend.

Ich dor Meinung, er stelle das Männchen dar.

Blüthe des Lebens nach oben und dienen, da sie zugespitzt sind, als fürchterliche Waffen. Die Stosszahne in der unteren Kinnlade sind schärfer als die in der oberen, ah          t ihrer Kürze seheint es

kaum mOglich zu sein, dass sie als Angriffswaffen benutzt werden.

indessen die des Oberkiefers bedeutend kräftigen, so abgeschliffen sind, dass sie dicht gegen die Basis derselben ein- passen. Weder die oberen noch die unteren Stosszahne scheinen spe- ciell dazu modificirt worden zu sein, zur Abwehr zu dienen, obschon hne Zweifel in einer gewissen Ausdehnung hierzu benutzt werden. Aber das Warzenschwein entbehrt anderer specieller Mittel /um Schutze

ttr, Wallace's interessante SchiMerung dieses Thieres in: The Malay Archipelago, 1869. Vol. T: |

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24

II. Theil.

nicht; denn es findet sich auf jeder Seite des Gesichts unterhalb der Augen ein im Ganzen steifes, indessen biegsames knorpeliges oblonges Kissen (Fig. 67), welches zwei oder drei Zoll nach aussen vorspringt;

und als wir das lebende Thier I.....buchteten, schien es .Mr. Bartlette

und mir selbst, als würden di                 . wenn sie von einem Feinde

mit seinen Stosszähnen von unten getroffen würden, nach aufwärts gewendet werden, wodurch sie in einer wunderbaren Weis vorspringenden Augen beschützten. Wie ich noch nach der Autorität de. Mr. I'iM.iuii hinzulugen will.                  h die..' Eber, wenn sie

mit einander kämpfen, direct Gesicht zu Gesicht gegenüber.

Endlich besitzt das africanische Flussschwein i Potamo cülatus) einen harten knorpeligen Höcker an jeder Seite des Gesi unterhalb der Augen, welcher dem biegsamen Kissen des Warzen- schweins entspricht. Audi hat es zwei knöcherne Vorspränge am Ober- kiefer oberhalb der Nasenlöcher. Ein Eber dieser Art brach kürzlich im zoologischen Garten in de                nes Warzenschweins ein. Sie

kämpften dii                 ht durch und wurden am Morgen sehr erschöpft,

aber nicht bedenklich verwundet, gefunden. Es ist eine bezeichnende

lache, da es .                leutung der eben beschriebenen Vorsprünge

und Auswüchse hinweis                 :elben mit Blut bedeck! und in einer

ausserordentlichen                 schrammt und abgerieben waren.

Obgleich die Männchen so vieler Thiere aus der Familie dei- ne mit Waffen und. wie wir eben gesehen haben, mit Verthei- . sind, so scheinen doch diese Wallen in einer im Ganzen spätem geologischen Periode erlangt werden zu sein. Hr. u .A1a.hu; führt41 mehrere miocene Speeies an: bei keiner der- selben scheinen die Stosszähne bei den .Männchen bedeutend entwickelt gewesen zu sein. Auch Prof. BOTüheteb war früher über diese That- sache überrascht.

Die Mähne des Löwen bietet ein gutes Vertheidigimgsmittel gegen die einzige Gefahr dar, welcher er ausgesetzt ist. nämlich gegen den Angriff von rivalisirendi                   Denn, wie mir Sir A. Svinn mit-

theilt, gehen die Männchen die fürchterlichsten Kämpfe ein und ein junger                 t sich einem alten nicht zu nähern. Im Jahre 1857

brach ein Tiger in Bromwich in den Käfig eines Löwen ein und nun folgte eine fürchterliche Scene: „Die Mähne des Löwen wahrte seinen -Hals und Kopf vor bedeutenden Verletzungen, dem Tiger gelang es

Xai. 1878, Vol. XV. Pasc. IV.

The Cornolete Work of Charles Darwin Online

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Cap. it.

Vertheidigungsmittel.

249

„aber zuletzt, seinen Leib aufzureissen, und in wenigen Minuten war er todtu 4-. Der breite Kragen rund um den Hals und das Kinn des cajiadischen Luchses (Felis canadensis) ist beim Mannchen viel länger als beim Weibchen: ob er aber als Vertheidigungsmittel dient, weiss ich nicht. Man weiss sehr wohl, dass männliche Robben verzweifelt mit einander kämpfen, und die Männchen gewisser Arten (Otaria [)43 haben grosse Mähnen, während die Weibchen kleine oder gar keine haben. Der männliche Pavian vom Cap der guten Hoffnung trcarius) hat ein«' viel längere Mähne nnd grössere Eckzähne als das Weibchen, und die Mähne dient wahrscheinlich /.um Schutze; denn als ich die Wärter im zoologischen Garten, ohne ihnen eine Andeutung des Zweckes meiner Finge zu geben, frug, ob ii einer der Allen speciell den andern beim Nacken angriffe, wurde mir »ortet, dass dies nicht der Fall sei, mit Ausnahme des eben erwähnten Pavians. Bei dem Hamadryas-l'avian vergleich! Ehkenberg die Mähne des erwachsenen Männchens mit der eines jungen Löwen, während bei den Jimgen beiderlei Geschlechtes und bei den Weibchen die Mähne fast vollständig fehlt.

Es schien mir wahrscheinlich zu sein, als diene die ong wollige Mähne des männlichen amerieanischen Bison, welche fas auf die Erde reicht und bei den Männchen viel mehr entwickeil ist als bei den Weibchen, denselben in ihren furchtbaren Kämpfen zum Schutze; aber ein erfahrener Jäger erzählte dem .1                  . dass

er nii                is beobachtet habe, was diese Annahme begflns

Der Hengst hat eine dickere und vollere Maine' als die Stute; ich habe nun besondere Erkundigungen bei zwei bedeutenden Trainers und Züchtern, welche viele Bengste in Verpflegung gehabt haben, einge- zogen, und mir ist versichert worden, dass sie „ausnahmslos versuchen, „einander beim Nacken zu ergreifen". Es folgt indes                a vor-

stehenden Angaben nicht, dass, wenn das Haar am Nacken als Ver- theidigungsmittel dient, es ursprünglich zu diesem Zwecke entwickelt worden ist, obschon das in einigen Fällen, wie z.B. beim Löwen, wohl wahrscheinlich ist. Mr. M'Nk.ii.i, hat mir mitgetheilt, dass

" The Times, Nov. 10. 1857. In Bezug auf dun canadischen Luchs s. Au- dubon und Bachman, Quadrupeds of North America. 18-10. p. 139.

" Dr. Muri                     i in: Procced. Zoolog. Soc. 1869, p. 109. In dem

einen Aufsätze drückt Mr. J. A. Allen Zweifel                     ob das Haar,

welches am Halse des Männchens länger ist als an dem des Weibchens, eine Mähne genannt zu werden verdient.

Online

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250                      Geschl                                  ethiere.                 II. TheiL

langen Haare an der Kehle des Hirsches (Cervu& elaphus) als ein be- deutendes Schutzmittel für ihn von Nutzen Bind, wenn er gejagt wird; denn die Hunde versnoben meist ihn bei der Kehle zu

er nicht wahrscheinlich,                                  11 für diesen Zweck

entwickelt worden sind, denn andernfalls würden die Jungen und die Weibchen, wie wir wohl ven               d können, in gleicher Weise

irden sein.

r die Wahl beim Paaren, wie sie sich bei beiden lechtern der Säugethiere zeigt. - Ehe ich im näi I die Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern in

ind der \ erzierung beschreibe, wird

ihren Verbindungen irg                                                     - Weibchen

irgend ein b                                                   hdem die Männchen mit

einander um die Oberherrschaft gekämpft haben, vor, oder wählt sich das Männchen, wenn i

ine Eindruck unter den Züchtern scheint der zu sein, dass das Mänm                 Weibchen annimmt, ui

in den meisten Fällen wahr- scheinlich richtig. Ob                                  einen Regel nach das Weibchen ganz indifferent jedes Männchen annimmt, ist viel /

Im vierzehnten Capitel, über die Vögel, wu                  mliche

Menge directer und indirecter Belege dafür beigebracht, zu ,

das Weibchen si<                          en wählt; und es würde eine

Anomalie sein, wenn weibliche Säugethiere, welche in der

reihe der Organisation noch höher stehen und höhere geistige

Kräfte haben, nicht allgemein, "der mindestens häufig, i

Wahl ausüben »'Uten. \)-,\< Weibchen kann in den meisten Fallen

entfliehen, wenn es von einem Männchen umworben wird, welches ihm

nicht gefällt oder welches dasselbe nicht reizt; und wenn es, wie es so

beständig vorkommt, von mehreren Männchen verfolgt wird, so wird es

häufig die Gelegenheit haben, wahrend jene mit einander kämpfen,

mit irgend einem Männchen sich zu entfernen oder sieh mindestens

paaren. Dieser letztere Umstand ist in Schottland häutig

liblichen Hirschen beobachtet wurden, wie mir Sir Philipp Eger-

tos und Andere mitgetheilt haben 44.

41 Mi !'. ii. r ragt in seiner ausgezeichneten Beschreibung der Lehensweise

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beim Paaren.

251

Eb i-i kaum möglich, viel darüber zu wissen, ob weibliche Säuge- rn] Naturzustände irgend welche Wahl bei ihren ehelichen Ver- bindungen ausüben. Die folgenden sehr merkwürdigen Einzelheiten über die Werbungen einer der Obrenrobben, Cdlorhinus ursinus, wer- den hier nach der Autorität des Capt. Bbtant mitgetheilt15, welcher reichliche Gelegenheit zur Beobachtung hatte. Er sagt: „viele von ..den Weibchen scheinen bei ihrer Ankunft auf der Insel, „paaren, den Wunsch zu haben, /.u irgend einem besonderen Männ- chen zurückzukehren; sie klimmen häufig auf vorliegende Felsen, um „die -                tmmlung zu übersehen, rufen laut und horchen, ob

nicht eine ihnen bekannte Stimme hören. Dann "

„den Platz und wiederholen                 ..... Sobald ein Weibchen

„das Ufer erreicht, begib! sich das               Männchen hinab zu ihm

„und stösst während der Zeit einen Laut ans. wie 'las Glucken

ne zu ihrem Küchlein. Es machl ihm Diener und neckt es, bis

nicht mehr „entfliehen kann. Dann änd                 In Benehmen und mit

chen Brummen treib!                                     Stelle in -einem

.. Sarem hin. Dies wii                                            Reihe des Harems

„nahezu voll ist. Kann suchen die höher hinauf befindlichen Männ- chen die 1                                jlücklicheren Nachbarn sieh yoi

„Wacl.....ntfernt haben, um sich ihre Weiber zu stehlen. Dies thun

dieselben in ihre Mäuler nehmen, über die B „der amieren Weibchen hinwegheben und „Harem niederlegi                  wie Katzen ihre Kätzchen I

„Männchen noch weiter hinauf befolgen dieselbe Metb „Raum eingenommen ist. Säufig erfolgt ein Kampf zwischen zwei „Männchen um den Besitz eines und des nämlichen Weibchens und „beide ergreifen dasselbe zusammen und zerren es entzwei oder ver- netzen es mit ihren Zahnen schauerlich. Ist der Kaum ganz erfüllt, „dann gehl das alte Männchen wohlgefällig umher, überblickt seine „Familie, schilt diejenigen aus. welche die anderen drängen oder stö-

lelhirsches in Deutschland                   ms, 1861, p. 81): .währe

gegen den einen Eindringt                      jt, bricht ein ai

„in 'las Heiligthnm                        na ein und führt Trophäe Dach Trophäe fort".

Genan dasselbe kommt bei Robben vor, -. Mr. .'. 4. Allen, a. a. 0. p .100. 44 Mr. J. A. Allen in: Bullet. Museum Compar. Zoolog? of Cambridge, il. II No. 1. p. 99.

Online

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252                         Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  IL Theil.

„ren und treibt wflthend alle Eindringlinge fort. Dieses Ueberwachen „hält es beständig in lebhafter Tliätigkeit".

Da so wenig über die Werbungen der Thiere im Naturzustande bekannt ist, habe ich zu ermitteln versucht, in wieweit unsere sticirten Sängethiere eine Wahl bei ihrer Verbindung treffen. Hunde bieten die beste Gelegenheit zur Beobachtung dar, da sie sorg

ichtet und gut verstanden werden. Viele Züchter haben ihre Meinung über diesen Punkt sehr entschieden ausgedrückt. So bemerkt Mr. Mathew: „die Weibchen sind im Stande, durch Zeichen ihre Zu- neigung kund zu geben, und zarte Aufmerksamkeil                    ben so „viel Gewalt über sie, wie man es in anderen Fällen erfahren hat, „wo noch höhere Thiere in Betracht kommen. Hündinnen sind nicht „immer klug in ihren Erbschaften, sondern sind geneigt, sich an „Köter sehr niedrigen Grades wegzuwerfen. Werd                     einem „Gefährten gemeinen Ansehens aufgezogen, da häufig zwi- schen dem Paare eine Hingebung, welche '-. päter wieder

itigen kann. Die Leidenschaft, denn das ist es wirklich, erhält „eine mehr als romantische Dauerhaftigkeit". Mr. Mathew, welcher seine Aufmerksamkeit hauptsächlich den kleineren Rassen zuwe ist überzeugt, dass die Weibchen von Männchen bedeutender ' sehr stark angezogen werden46. Der bekannte Veterinärarzt Hi.aink führt an 4". dasfl sein eigener weiblicher Mops einem Jagdhund bo attachirt wurde, und ein weiblicher Jagdhund einem Köter, das in beiden Fällen nicht mit einem Hunde ihrer eigenen Rasse sich wollten, bis mehrere Wochen verstrichen waren. Mir sind zwei ähnliche und zuverlässige Berichte in Bezug auf einen weiblichen Wasserhund und einen Jagdhund gegeben wurden, welche bei Pinscher verliebt wurden.

Mr. Cupples theilt mir mit, dass er persönlich für die Genauig- keit des folgenden noch merkwürdigeren Falles haften kann, in wel- chem ein werthvoller und wunderbar intelligenter Pinscher einen Wasserhund liebte, welcher einem Nachbar gehörte, und zwar in einem solchen Grade, dass er oft von ihm weggezogen werden musste. Nach- dem sie dauernd getrennt waren, wollte der Pinscher, obwohl sieb

" Dogs: their Manage.....ot, by E. Mayhew, M. B, C. V S., 2. edit. 1864,

L92. 17 citirt vnn Alex. Walker, on Intennarriage, 1838, p. 276. s. auch p. 244.

The ComDiete Work of Charles Darwin Online

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Cap. IT.

Vorliebs beim Paaren.

253

wiederholt Milch in seinen Zitzen zeigte, doch nie die Werbung irgend eines anderen Sundes annehmen und trug zum Bedauern seines Be- ä niemals Junge. Mr. Cujtles führt auch an, dass ein weiblicher Hirschhund, der sich jetzt ilSiiS) unter seiner Meute findet, dreimal Junge producirte, und bei jeder Gelegenheit zeigte er eine ausgespro- Vorliebe für einen der größten und schönsten, aber nicht den -ten unter vier Hirschhunden, welche, sammtlich in der Blüthe des Lebens, mit ihm lebten. Mr. Cum.ES hat beobachtet, dass das Weibchen allgemein einen Hund begünstigt, mit dem es in Gesell- schaft gelebt hat und welchen es kennt; seine Scheuheit und Furcht- et lässt es anfangs gegen fremde Hunde eingenommen sein. Das Männchen scheint im Gegentheile eher fremden Weibchen geneigt zu sein. Es scheint selten zu sein. dass das Mannchen irgend ein be- sondere- Weibchen zurückweist; doch theilt mir Mr. Wbight von JTeldersleyhouse, ein grosser Hündezüchter, mit, dass er einige Beispiele hiervon erfahren hat; er führt den Fall eines seiner eigenen Hirsch- hunde an, welcher von einer besonderen weiblichen Dogge keine Notiz nehmen wollte, so dass ein anderer Hirschhund herzugeholt werden musste. Es würde überflüssig sein, wie ich es wohl könnte, uoch andere Falle anzuführen, und ich will nur hinzufügen, dass Mr. Barr, welcher viele Bluthunde gezüchtet hat, angibt, dass in beinahe jedem einzelnen Falle besondere Individuen der beiden Geschlechter eine aus- gesprochene Vorliebe für einander zeigen. Nachdem endlich Mr. <Yrr- ues noch ein weiteres Jahr diesem Gegenstande seine Aufmerksamkeit zugewendet hatte, hat er an mich geschrieben: „Ich habe die volle „Bestätigung meiner früheren Angaben erhalten, dass Hunde Keim „Paaren entschiedene Vorliebe für einander entwickeln, wobei sie häufig „durch Grösse, helle Farbe und individuelle Charactere ebenso wie „durch den Grad ihrer früheren Vertraulichkeit beeinflusst werden".

In Bezug auf Pferde theilt mir Mr. Blenkiron, der grösste Züch- ter von Rennpferden in der ganzen Welt, mit, dass Hengste in ihrer Wahl so häufig launisch sind, dabei die eine Stute zurückweisen und ohne nachweisbare Ursache eine andere annehmen, dass beständig die verschiedensten Kunstgriffe angewendet werden müssen. So wollte z. B. der berühmte Monarque niemals mit Bewusstsein die Stute Gladiateur eines Blickes würdigen, und es musste ihm ein Streich gespielt w< Wir können zum Theil den Grund sehen, warum werthvolle Benn- pferdhengste, welche in solcher Nachfrage stehen, in ihrer Wahl so

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-">l                                                                                                                                                  II. Theil.

eigen sind. Mr. Blenkibon hat niemals einen Fall erlebt, wo eine einen Hengst zurückgewiesen hätte; doch ist dies in Mr. Wbight's Stalle vorgekommen, so dass die Stute hier betrogen werden musste. Prospek Lucas citirt48 verschiedene Angaben von französischen ritäten und bemerkt: „On voit des etalons, qui s'eprennent d'nne „jument et ue"gligent toutes les autres". Nach der Autorität von Baelex führt er ähnliche Thatsachen in Bezog auf Bullen an: Mr. versichert mir, dass ein berühmter, seinem Vater gehörender Shorthorn-Bulle -sich beständig weigerte, sich mit einer schwarzen „Kuh zu paaren". Bei der Beschreibung des domesticirten Renthiers von Lappland sagt Hoffberg: „Feminae majores et fortiores marefl „prae eeteris admittunt, ad eos confngiunt, a junioribus a „hos in fugam conjkiunt* 4". Ein Geistlicher welcher viele Schweine gezüchtet li.it. versichert mir, dass Sauen häufig den einen Eber zu- i) und unmittelbar darauf einen andern annehmen. Nach diesen Thatsachen kann kein Zweifel sein, dass bei den o unserer domesticirten Säugethiere starke individuelle Antipa- thien und Vorlieben häufig gezeigt werden, und zwar sehr viel häufiger vom Weibchen als vom Männchen. Da dies der Fall ist. so ist es anwahrscheinlich, dass die Verbindungen von Säugethieren im Natur- ide dem blossen Zufalle überlassen sein sollten. Es ist viel dass die Weibchen von besonderen Männchen, welche gewisse i harartere in einem höheren Grade besitzen als andere Männ- chen , angelockt oder gereizt werden; was dies aber für Charactere sind, können wir selten oder niemals mit Sicherheit nachweisen.

:. de l'Hertt. Xatur. Tom. II. 1850, p 49 Amoenitates academicae, Vol. IV. 1788, p. 160.

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Achtzehntes Capitel.

Secnndäre Sexualcharactere der Sängethiere (Fortsetzung).

Stimme. — Merkwürdige geschlechtliche Eigentümlichkeiten bei Robben. -- Ge- ruch. - Entwickelnng des Haars. — Farbe des Ulkus and der Haut. —

Anomaler Fall, «ro das Weibohe.....ehr geschmückt i-i als 'las Männchen. —

Farbe und Schmuck Folgen geschlechtlicher Zuchtwahl. — Farbe nun /.necke des Sei                                Farbe, wenn schon beiden Geschlechtern gemeinsam,

doch h                      geschlechtlicher Zuchtwahl. — Heber das Versöhn

Flecken and Streifen bei erwachsenen SSngethieren. — üeber die Farben and ithen der Qaadramanen. — Zusammenfassung.

Sängethiere braueben ihre Stimmen zn verschiedenen Zwecken, zu Warnungsrufen, oder ein Glied einer Truppe ruft ein anderes an, oder eine Mutter ruft die von ihr verlorenen Jungen, oder die letzteren rillen nach ihrer Mutter um Sehnt/; aber derartige Benutzungen brau- chen hier oicW bi                 i werden. Wir haben es hier nur mit der Verschiedenheit zwischen den Stimmen der beiden Geschlechter zu thun, z. li. zwischen der des Löwen und der Löwin oder des Bullen und der Kuh. Beinahe alle männlichen Sängethiere brauchen ihre Stimmen viel mehr während der Brunstzeit als zu irgend einer anderen Zeit, und einige, wie die Giraffe und das Stachelschwein *, sollen, wie man saut, mit Ausnahme dieser Zeit vollständig stumm sein. Da die Kehlen (d. li. der Kehlkopf und die Schilddrüsen2) der Hirsche im Anfange der Paarungszeit periodisch vergrössert werden, so könnte man meinen, dass ihre mächtigen Stimmen dann in irgendwelcher Weise für sie von grosser Bedeutung sein müssten; doch ist dies sehr zweifelhaft. -Nach Mittheilungen, welche mir zwei erfahrene Beobach- ter, Mr. M'.Vkii.i. und Sir I'ii. Eoerton, gegeben haben, scheint es, als wenn junge Hirsche unter dem Alter von drei Jahren nicht brüllten

1 Owen, Anatomy of Vertebrates, Vol. III, p. 585. 1 ebenda p. 595.

The C<                                                           Online

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25G                         Geschlechtliche Zuchtwahl: S&ngethiere.                  II. Theil.

oder schrien und als ob die alteren mit dem Beginne der Paarungs- zeit anfangs nur gelegentlich und massig zu schreien anfiengen, wäh- rend sie beim Suchen der Weibchen ruhelos nmherwandern. Ihre Kämpfe werden durch lautes und anhaltendes Geschrei eingeleitet; aber während des eigentlichen Conflicts selbst verhalten sie Bich schweigend. Thiere aller Art, welche gewöhnlich ihre Stimmen ge- brauchen, bringen unter jeder starken Qemüthserregung, so wenn sie wüthend werden oder sich zum Kampfe vorbereiten, verschiedene Laute her?or; doch kann dies einfach nur das Resultat ihrer uervösen Auf- regung sein, welches zu der krampfhaften Zusammenziehung beinahe aller Muskeln des Körpers führt, ebenso wie ein Mensch seine Zähne zusammenbeisst und seine Hände ringt, wenn er in Wuth oder ist. Ohne Zweifel fordern die Hirsche einander zum tödtlichen Kampfe durch Geschrei heraus; aber wenn die Hirsche mit der kraftvolleren Stimme nicht zu derselben Zeit aucli die stärkeren, besserbewaffneten und miithvolleren sind, werden sie über ihre Nebenbuhler keinen Vortheil erlangen.

möglich, dass das Brüllen des Löwen für ihn von irgend welchem [actischen Nutzen ist. und zwar dadurch, dass er seinen Geg- ner mit Schrecken erfüllt; denn wenn er in Wuth gerath, so richtet er gleichfalls seine Mähne empor und versucht instinctiv. sich damit so schrecklich als möglich aussehend zu machen. Es kann aber kaum angenommen neiden, dass das Geschrei des Hirsches, selbst wenn es ihm in dieser Weise irgendwie von Nutzen wäre, von hinreichender

fcung gewesen sei, um zur periodischen Vergrösserung der Kehle zu führen. Einige Schriftsteller vermuthen, dass das Geschrei als ein Buf für das Weibchen diene; aber die oben citirten erfahrenen Beob- achter theilen mir mit, dass der weibliche Hirsch nicht das Männchen sucht, dass vielmehr die Männchen gierig die Weibchen aufsuchen, wie sich in der That nach dem. was wir von den Gewohnheiten an- derer männlichen Säugethiere wissen, erwarten liess. Auf der anderen

ruft die Stimme des Weibchens schnell einen oder mehrere Hirsche zu ihm8, wie den Jägern wohl bekannt ist, welche in wilden Gegenden ihren Buf nachahmen. Wenn wir glauben könnten, dass das Männchen das Vermögen hätte, das Weibchen durch seine stimme zu reizen oder zu lecken, so würde die periodische Vergrösserung

t. IS. Major v.                                                                               I, 131J

i irignal nnd des wilden Bei

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Cap. 18.

StimmoTgane.

257

seiner Stinunorgane nach dem Gesetze geschlechtlicher Zuchtwahl, in

Verbindung mit einer auf ein und dasselbe Geschlecht und auf die- selbe Jahreszeit beschränkten Vererbung, verständlich sein; wir haben aber keine diese Ansicht begünstigenden Belege. Wie der Fall liegt, so scheint die laute Stimme des Hirsches während der Paarungszeil für ihn von keinem speziellen Nützen zu sein, weder während seiner Bewerbung noch während seiner Kämpfe, noch in irgend einer anderen Weise. Dürfen wir aber nicht annehmen, dass der häufige Gebrauch der Stimme unter der starken Erregung von Liebe, Eifersucht und Wuth während vieler Generationen fortgesetzt, zuletzt doch eine ver- erbte Wirkung auf die Stimmorgane des Hirsches ebenso gut ausgeübt haben kann, wie bei irgend welchen anderen männlichen Thieren? Nach dem gegenwärtigen Zustande unserer Kenntniss scheint mir dies die wahrscheinlichste Ansicht zu sein.

Der männliche Gorilla hat eine furchtbare Stimme und isi er erwachsen ist, mit einem Kehlsacke versehen, wie auch der männ- liche Orang einen solchen besitzt4. Die Gibbons zählen zu den laute- sten unter allen Affen und die Sumatraner Species (Hylobates syndac- tylus) ist gleichfalls mit einem Kehlsacke versehen. Aber Mr. Bitte, welcher Gelegenheit zur Beobachtung' gehabt hat, glaubt nicht, dass das Männchen geräuschvoller ist als das Weibchen. Es brauchen da- her wahrscheinlich diese letzteren Allen ihre Stimmen zu gegenseiti- gem Kufen und dies ist sicher bei einigen Säugethieren, z. B. beim Biber5, der Fall. Ein anderer Gibbon, der //. agüis, ist dadurch merkwürdig, dass er das Vermögen besitzt, eine vollständige und cor- recte Octave musikalischer Noten hervorzubringen 6, welche, wie wir wohl mit Grund vermuthen können, als geschlechtliches Reizmittel dienen. Ich werde aber auf diesen Gegenstand im nächsten Capitel zurückzukommen haben. Die Stimmorgane des africanischen M caraya sind beim .Männchen um ein Drittel grösser als beim Weib- chen und sind wunderbar kräftig. Wenn das Wetter wann ist. lassen diese Affen die Wähler während der Morgen und Abende von ihrem überwältigenden Geschreie erklingen. Die Männchen fangen das fürch-

*   Owen, Anatom; of Verl                 1. III. p. 600.

*   M. Green, in: Journal of the Linnean Society, Vol. X. Zoology, 1869, p. 862.

'' C. L. Martin. General Introduction to the Natural History of Mamm. Animala, 1841, p. 431.

Darwin, AUtimmung. II. Dritte Auflage. fVI.)                                            17

The Ccmolet                                               Online

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258                          Geschlechtliche Zucht«.,].;: SSugethiere.                  II. Theil.

terliche Concert an, in welches die Weibchen mii ihren woniger kraft- vollen Stimmen zuweilen einstimmen und welches häufig mehrere Stun- den hing fortgesetzt wird. Bin ausgezeichneter Beobachter, Renggek1, konnte nicht wahrnehmen, dass sie durch irgend eine specielle Ursache angeregt wurden, ihr Concert /.u beginnen; er glaubt, dass sie wie riele Vögel an ihrer eigenen Musik Ergötzen finden und einander zu übertreffen suchen. Ob die meisten der vorstehend angeführten Affen ihre kräftigen Stimmen erlangt haben, um ihre Nebenbuhler zu be- siegen und die Weibchen zu bezaubern, — oder ob die Stimmorgane durch die vererbten Wirkungen lange fortgesetzten Gebrauches ge- kräftigt und vergrössert worden sind, ohne dass irgend ein besonderer Vortheil dadurch erreicht wurde. — das will ich nicht zu entscheiden wagen. Doch scheint mindestens in Bezug auf den Fall von /////"- bates agilis die erste Ansicht die wahrscheinlichste zu sein.

Ich will hier zwei sehr merkwürdige Eigenthümlichkeiten bei q erwähnen, weil mehrere Schriftsteller vermuthet haben, dass sie die Stimme afficiren. Die Nase des männlichen See-Elephanten (Macrorhinm proboseideus) ist, wenn das Thier ungefähr drei Jahre alt ist, während der Paarungszeit bedeutend verlängert und kann dann aufgerichtet werden. In diesem Zustande ist sie zuweilen einen Puss lang. Das Weibchen ist auf keiner Periode des Lebens mit einem solchen Gebilde versehen. Das Männchen bringt ein wildes rauhes gurgeludes Geräusch hervor, welches in grosser Entfernung hörbar ist und von dem man glaubt, dass es durch den Rüssel verstärkt wird; die Stimme des Weibchens ist hiervon verschieden. LESSOK ver- gleicht das Aufrichten des Rüssels mit dem Anschwellen der Fleisch- lappen männlicher hühnerartiger Vögel, während sie die Weibchen umwerben. Bei einer anderen verwandten Art von Robben, nämlich der Klappmütze (Cystophora cristata) ist der Kopf von einer grossen Haube oder Blase bedeckt. Diese wird innen durch die Xasenscheide- wand gestützt, welche sehr weit nach rückwärts verlängert ist und sich in eine sieben Zoll hohe Leiste erhebt. Die Klappe ist mit kur- zen Haaren bedeckt, und ist muskulös; sie kann aufgeblasen werden, bis sie an Grösse mehr als der ganze Kopf beträgt! In der Brunst- zeit kämpfen die Männchen auf dem Eise wüthend mit einander und ihr Brüllen „soll dann zuweilen so laut sein, dass man es vier Meilen

' Naturgeschichte der Säugethiere von Paraguay. 1880, B. 15, 21,

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Cap. 18.

Stimmorgane. — Geruch.

259

„(miles) weit hört". Werden sie angegriffen, so brüllen und schreien sie gleichfalls, und so oft sie übeihaupt erregt werden, wird die Banbe aufgeblasen und zittert.                     urforscher glauben, dass die Stimme

hierdurch verstärkt wird, aber andere haben dieser ausserordentlichen Bildung verschieden'1 andere Functionen zugeschrieben. Mr. R. Brown glaubt, dass sie als Schutz gegen Zufalle aller Arten diene; dies ist in- dessen nicht wahrscheinlich; denn Mr. Lamont, welcher sechshundert dieser Tliiere erlegt hat. versichert mir, dass die Klappe bei den Weib- chen rudimentär und bei den Männchen während der Jugend nicht entwickelt ist8.

Geruch. — Bei einigen Thieren, so bei den bekannten .Skunks von America, scheint der überwältigende Geruch, den sie von sich geben, ausschliesslich als Vertheidigungsmittel zu dienen. Bei Spitz- mäusen (Sorex) besitzen beide Geschlechter abdominale Geruchdrüsen, und es lässt sich wegen der Art und Weise, in welcher ihre Körper von Vögeln und Baubthieren verschmäht werden, nur wenig zweifeln, lieser Geruch für die Thiere protectiv ist; nichtsdestoweniger werden die Drüsen bei den Männehen während der Paarungszeit ver- grössert. Bei vielen andern vierfüssigen Thieren sind die Drüsen in beiden Geschlechtern von der nämlichen I                  l.er ihr Gebrauch

ist unbekannt. Bei anderen Species sind die Drüsen auf die Männ- chen beschränkt oder sind bei diesen mehr entwickelt als bei den Weibeben und sie werden beinahe immer während der Brunstzeit thä- tiger. In dieser Periode vergrössern sieh die Drusen an den Seiten des Gesichtes des männlichen Elephanten und sondern eine Secretion ab, die einen starken Moschusgeruch hat. Die Männchen, Belbst auch die Weibchen, vieler Arten von Fledermäusen haben an verschied

lephanten s. einen Artikel von Lesson im Diction. class. d'Hist. natur. Tom. XIII, p. 418. Wegen der Cystophora oder Stemmato Dr. Dekay, in: Annals of the Lycetun of Natur. Hist. New-York, Vol. I

p, 94. Auch Pennant hat von liobbenjägern Mittheilungen übes dieses Thier gesammelt. Den ausführlichsten Bericht hat Mr. Brown gegeben, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p 485.

beim Castoreum des Bibers, s, Mr. I.. II. Morgan's äusserst inter- essantes Werk: The American Bcaver, 1868, p. 300. Pallas hat (Spicileg. Zoolog. Fase. VIII. ITT1.', p. 28) die Ricchdrüsen der Säugethiere sehr gut erörtert. Auch Owen (Anatomy of Vertebrates, Vol. III, p. 634) gibt eine Schilderung dieser ) mit Kinschlnss der des Elephanten und (p. 763) der Spitzmäuse. Ueber Fledermäuse, s. Dobson, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1873, p. 241.

17*

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260

Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.

II. Theil

Theilen ihres Körpers gelegene Drüsen und ausstülpbare Tas man glaubt, dass sie einen Geruch von sich geben.

Die scharfe Aussonderung des Ziegenbocks ist wohlbekannt und die gewisser männlicher Hirsche ist wunderbar stark und pers An den Ufern des La Plata habe ich die ganze Luft mit dem Gerüche des männlichen G                               bis in ein'1 Entfernung von

halben Meile windabwärts von einer Heerde durchzogen gefunden, und ein seidenes Taschentuch, in welchem ich eine Haut nach Hause trug, behielt, trotzdem es wiederholt benutzt und gewaschen worden war, wenn es zuerst entfaltet wurde, Spuren des Geruches noch ein Jahr und sieben Monate lang, Dieses Thier gibt den starken Geruch nicht eher von sich, als bis es über ein Jahr alt ist, und wenn es jung i wird, sondert es denselben niemals ab l0. Ausser dem allge- meinen Gerüche, mit welchem der ganze Körper ge«                  erkäuer während der Paarungszeit durchdrungen zu sein scheint i-" z. B. Bot

. besitzen viele Hirsche, Antilopen, Schafe und Z bare Stoffe absondernde Drüsen an verschiedenen Stellen, besond dem Gesichte. Die sogenannten Thränensäcke oder Suborbitalgruben fallen unter diese Kategorie. Diese Drüsen sondern eine halbfl stinkende Substanz ab, welche zuweilen so reichlich ist. dass -'. ganze Gesicht tränkt.                     - bei einer Antilope gesehen habe.

Sie sind .gewöhnlich beim Männchen grösser als beim Weibchen und „ihre Entwickelnng wird durch die Castration gehemmt'". IM-- märest zufolge fehlen sie beim Weibchen von Antäopi subguti vollständig. Es kann daher kein Zweifel sein, dass sie in einer Beziehung zu den reproductiven Functionen stehen. Sie auch bei nahe verwandten Formen zuweilen vorhanden und zuweilen fehlen sie. Bei dem erwachsenen männlichen Moschnsthiere M

ist ein nackter Kaum rund um den Schwanz von einer riechenden Flüssigkeit angefeuchtet, während bei dem erwachs

iien und beim Männchen ehe es zwei Jahre alt wird dieser

Kaum mit Haaren bedeckt und nicht riechend ist. Der eigentliche

isbeutel ist seiner Lage nach nothwendig auf das Männchen be-

10 Rengger. Naturgeschichte                      re von Paraguay, 1830, 8

Weser Beobachter theilt auch einige merkwürdige Eigentümlichkeiten in Bezug auf den entwickelten Geruch mit.

" Owen. Anatomy of Vertefaates, V.,1. III, p. 632. s. auch Dr. Muric/s Beobachtungen über diese Drüse, in: Proceed. Zoolog. Poe. 1870, p. 340. Des- marest: über die Antilope subgutturosa in seiner Mammalogie, 1820, p. 455.

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Cap. 18.

Geruch. — Haare.

261

schränkt und bildet noch ein weiteres riechendes Organ. Es ist eine eigenthümliche Thatsache, dass die von dieser letzteren Drüse abge- sonderte Substanz sich der Angabe von PALLAS zufolge während der Paarungszeit weder in der Consistenz verändert noch der Quantität nach zunimmt. Nichtsdestoweniger nimmt dieser Forscher an, dass ihr Vorhandensein in irgend welcher Weise mit dem Acte der Re- production in Zusammenhang steht. Er gibt indessen nur eine ver- muthungsweise und nicht befriedigende Erklärung von ihrem Ge- brauche ,2.

Wenn während der Paarungszeit das Männchen allein einei ken Geruch von sich gibt, so dient dieser in den meisten Fällen wahrscheinlich dazu, das Weibchen zu reizen oder zu locken. Wir dürfen in Bezug auf diesen Punkt nicht nach unserem eigenen Ge- schmacke urtheilen; denn es ist wohl bekannt, dass Patten von ge- wissen ätherischen Oelen und Katzen von Baldrian berauscht werden, inzen, welche weit entfernt davon sind, uns angenehm zu sein, und dass Hunde, trotzdem sie Aas nicht fressen, doch dasselbe be- schnuppern und sich darin wälzen. Aus den bei der Erörterung der Stimme des Hirsches gegebenen Gründen können wir wohl die Idee zurückweisen, dasa der Geruch dazu diene, die Weibchen aus der Ent- fernung zu den Männchen hinzuführen. Reichlicher und lange fort- gesetzter Gebrauch kann hier nicht in das Spiel gekommen sein, wie bei den Stimmorganen. Der ausgegebene Geruch muss für das Männ- chen von einer beträchtlichen Bedeutung sein, insofern grosse und complicirte Drüsen in einigen Fällen entwickelt worden sind, die mit ii zum Fm wenden des Sackes und zum Schliessen und Oeffnen der Mündung versehen sind. Die Bntwickelung dieser Organe durch geschlechtliche Zuchtwahl ist wohl verständlich, wenn die stärker riechenden Männchen beim Gewinnen des Weibchens die erfolgreich- sten gewesen sind und Nachkommen hinterlassen haben, ihre allmäh- lich vervollkommneten Drüsen und stärkeren Gerüche zu erben.

Fnt wickelung der Haare. — Wir haben gesehen, dass männ- liche Säugethiere häufig das Haar an ihrem Nacken und ihren Schul- tern viel stärker entwickelt haben als die Weibchen und es Hessen sich noch viele weitere Beispiele hierfür anführen. Dies dient zuweilen

" Pallas. Spicilegia Zoologica, Fase. XIII. 1799, p. 24. Desmoulins, Diction. class. d'Hist. Natur. Tom. III. p. 586.

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262                         Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

als Vertheidigungsmittel für das Männchen während Beiner Kämpfe; ob aber das Haar in den meisten Fällen speciell zu diesem Z entwickelt worden ist, ist sehr zweifelhaft. Wir können ziemlich sicher sein, dass dies nicht der Fall ist, wenn nur ein dünner and schmaler Haarkamm der ganzen Länge des Rückens entlang lauft; denn ein Haarkamm dieser Art würde kaum irgend welchen Schutz darbieten und die Kante des Rückens ist nicht wohl eine gerad letzliche Stelle. Nichts               \ ir sind derartige Haarkämme zu-

weilen aui die Männchen beschränkt oder sind bei ihnen viel mehr entwickelt als bei den Weibchen. Zwei Antilopen, der Tragelaphus scriptus** (Fig. 70, S. 27S) und Portax pieta, mögen als Beispiel ihrt werden. Die Haarkämme gewis              ;he und des wilden

ben aufrecht, wenn diese Thiere in Wuth oder : werden'4. Es lässt sieh aber kaum vermuthen.i dass dieselben nur zu dem Zwecke entwickelt worden sind, damit be ihren Feinden Furcht zu erregen. Eine der eben erwähnten Anti- lopen, Portax pieta, hat einen grossen scharf umschriebenen Pinsel schwarzen Haares an der Kehle und dieser ist beim .Männchen viel r als beim Weibehen. Bei dem Ammotragus tragelaphus von Nordafrica, einen: i                                          fe, sind die Vorderbeine

beinahe gänzlich durch ein ausserordentliches Wachsthum von Haaren verborgen, welche vom Nacken und der oberen Hiili'te der Beine herab- hängen. Mr. Baku.Kit glaubt aber nicht, dass dieser Mantel für's Männchen. bei welchem er viel mehr entwickelt ist als beim Weib- chen, auch nur von dem geringsten Nutzen ist.

Männliche Säugethiere vieler Arten weichen von den Weibchen darin ab, dass sie mehr Haare oder Haare eines verschiedenen Cha- tteten an i                 ieilen ihrer Gesichter haben. Der Bulle allein hat gekräuselte Haare an der Stirn ls. Bei drei nahe verwandten Untergattungen der Familie der Ziegen besitzen allein die Mäi Barte und zuweilen von bedeutend!                  in zwei anderen Unter- gattungen haben beide Geschlechter einen Bart, aber dieser ver- schwindet bei einigen domesticirten Rassen der gemeinen Ziege, und bei Hemitragus hat keines von beiden Geschlechtern einen Bart. Beim

" Dr. Gray, Gleanings fron) II                     ' Knowsley, pl. 28.

'* Jndge Caton aber den Wapiti, in Transact. Ottawa Acad. Natur - 1868, p. 36, 40. Blyth, Land and Water, 18                                        igrus.

15 Hunter's Essays andObsei                 ted byOwen. 1861. V,.l 1.

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Cap. 18.

Entwickelang des Haares.

203

Steinbock ist der Bart während des Sommers nicht entwickelt und ist zu anderen Jahn-                [lein, dasa er rudimentär genannt werden

kann "\ Bei               Ufen ist der Bart auf das Mann               kränkt,

so beim Orang, oder ist beim Männchen viel grösser als beim Weib- chen, wie beim Mycetes caraya und Pithecia satanas (Fig. 68). Das-

rluben).

ist mit dem Backenbärte einiger Species Ton Macacus '' und wie wir gesehen haben mit den Mähnen einiger Arten von Pavianen der Fall. Alier bei den meisten Arten der Affen sind verschiedene Ilaar-

hel um das Gesiebt und den Kopf in beiden Geschlechtern gleich.

Die Männcl                                  ler der Rinderfamilie (B

und gewisser Antilopen sind mit einer Wamme versehen oder grossen Hautfalte am Halse, welche beim Weibchen viel weniger ent- wickelt ist.

Was haben wir nun in Bezug auf derartige geschlechtlicl schiedenheiten wie die angeführten zu folgern? Niemand wird be- haupten wollen, dass die Barte gewisser männlicher Ziegen oder die Wamme des Bullen oder die Saarkämme entlang dem Rückenge»

,6 s. Dr. Gray's Catal. Mammalia British Mut                 !: 1852, p. 144.

" Bi ogger, Säugethiere von Paraguay etc. 8. 14; D               . Manuna-

logie, p. 66.

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264

Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere

II. Theil.

männlicher Antilopen diesen Thieren während des gewöhnlichen Ver- laufs ihres Lebens von irgendwelchem Tatzen sind. Es ist ml dass der ungeheure Bart der männlichen Pithecia und der grosse Bart onlichen <hang ihre Kehle Benutzen, wenn sie mit einander kämpfen; denn die Wärter im zoologischen Garten sagen mir, dass viele Affen einander hei der Kehle angreifen. Es ist aber nicht wahrscheinlich, dass der Kinnbart zu einem besonderen Zwecke ent- wickelt worden ist, der verschieden von dem wäre, welchem der, Backenbart, Schnurrbart und andere Haarbüschel am Gesichte dienen, und Niemand wird annehmen, dass diese als Schutzmittel von Nutzen sind. Müssen wir nun alle diese Anhänge von Haaren oder von Haut einfacher, zweckloser Variabilität beim Männchen zuschreibend Es kann nicht geläugnet werden, dass dies möglich ist; denn bei vielen domesticirten Säugethieren sind gewisse Charactere, die allem An- scheine nach nicht auf Rückschlag von irgendeiner wilden elterlichen Form her bezogen werden können, auf die Männchen beschränkt oder bei diesen viel bedeutender entwickelt als bei den Weibchen — z. B. der Buckel beim männlichen Zeburinde von Indien, der Schwanz beim fettschwänzigen Widder, die gewölbte Umrisslinie der Stirn bei dem Männchen mehrerer Kassen von Schafen, und endlieh die Mähne, die langen Haare an den Hinterbeinen and die Wamme alleim beim Männchen der Berbura-Ziege,8. Hie Mähne, welche allein bei dem Widder einer africanischen Schafrasse auftritt, ist ein ächter seeun- därer Sexnalcharacter, denn er wird, wie ich yon -Mr. Wnrwoon Reade höre, nicht entwickelt, wenn das Thier castrirt ist. Obschon wir, wie ich in meinem Buche: „das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zu- stande derDomestication" gezeigt habe, äusserst vorsichtig sein müssen, wenn wir folgern wollen, dass irgend ein Character, selbst bei Thieren, die von halbcivilisirten Völkern gebalten werden, nicht der Zuchtwahl des Menschen unterlegen und hierdurch gehäuft sei, so ist dies doch in den soeben speciell angeführten Fällen anwahrscheinlich und noch besonders deshalb, weil diese Charactere auf die Männchen beschränkt oder bei ihnen stärker entwickelt sind, als bei den Weibchen. Wenn es positiv bekannt wäre, dass der africanische Widder mit einer Mähne

18 e                                                           inen Thiere im I. Banale meines „Yarii-

„ren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication1-; auch Bd. II, 2. Aufl., S. 84; auch Cap.20 über die Ausübung von Zuchtwahl seitens halbcivilisirter Volker. Wegen dei Berbura-Ziege .-. )>r. Gray. Catalogue etc. p. 157.

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Cap. 18.

Haar. — Ornamentale Farben.

265

von demselben primitiven Stamme, wie die anderen Schafrassen, oder der Berbura-Ziegenbock mit seiner Mahne, seiner Wamme u. s. w. von demselbeu Stamme wie andere Ziegen abstammten, so müssen sie, an- genommen dass Zuchtwahl nicht auf diese Charactere angewendet worden ist, Folge einfacher Variabilität in Verbindung mit geschlecht- lich beschränkter Vererbung sein.

Es erscheint hiernach verständig, dieselbe Ansicht auf alle ana- logen Fälle auszudehnen, welche bei Thieren im Naturzustände vor- kommen. Nichtsdestoweniger kann ich mich doch nicht davon über- zeugen, dass diese Ansicht ganz allgemein anwendbar ist, wie z. B. bei der ausserordentlichen Entwickelung von Haaren an der Kehle und den Vorderbeinen des männlichen Ammatragua oder des ungeheuren Bartes der männlichen PüheUa. Nach den Studien, »eiche ich der Natur habe widmen können, bin ich der Ansicht, dass bedeutend ent- wickelte Theile oder Organe in irgend einer Periode zu einem beson- dern Zwecke erlangt wurden. Bei denjenigen Antilopen, bei welchen das Mannchen im erwachsenen Alter auffallender gefärbt ist, als das Weibchen, und bei denjenigen Affen, bei welchen das Haar am Gesicht in einer eleganten Weise angeordnet und von einer verschiedenen Farbe ist, scheinen wahrscheinlicher Weise die Haarkämme und Haarbüschel als Zierathen erlangt worden zu sein; and ich weiss auch-, dass dies die Ansicht einiger Naturforscher ist. Ist diese Ansicht correct, dann lässt sich wenig zweifeln, dass diese Charactere durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt oder mindestens modificirt worden sind; in wie weit aber diese selbe Ansicht auf andere Säugethiere ausgedehnt wer- den kann, ist zweifelhaft.

Farbe des Haars und der nackten Haut. — Ich will zu- erst alle die Fälle kurz aufführen, die mir bekannt sind, wo männliche t liiere in der Farbe von den Weibchen verschieden sind. Wie mir Mr. Gould mitgetheilt hat, weichen bei Beutelthieren die Ge- schlechter selten in dieser Beziehung von einander ab. Aber das grosse rothbraune Känguruh bietet eine auffallende Veränderung dar, indem hier „zartes Blau an denjenigen Theilen des Weibchens der vorherr- schende Farbenton ist, welche beim Männchen roth sind" l9. Bei dem Didelphis oposaum von Cayenne soll das Weibchen ein wenig

hranter rufus, Gould, Mammals of Australia. Vol. II, 1863. üeber Didelphis s. Desmarc-I. Ifammalogie, p. 304.

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266                             lechtliehe Zuchtwahl                                  II. Tht-il.

mehr rotb sein als das Männchen. In Bezug auf Nagethiere bemerkt Dr. Gkay: „africanische Eichhörner, besonders die in den tropischen ..Landern gefundeneu, haben einen Pelz, der zu gewissen Zeiten riei „glänzender und lebhafter ist als zu anderen, und der Pelz des Männ- ist meist heller als der des Weibchens" 20. Dr. Gkay theilt mir mit, dass er die africanischen Eichhörner deshalb speciell erwähnt. weil sie wegen ihrer ungewöhnlich hellen Färbungen diese Verschie- denheiten am besten darbieten. Das Weibchen von M

nds isl ron                 jereu und schmutzigeren Färbung als das

iien. Bei einer gru."i'ii Anzahl von Fledermäusen ist das Haar- kleid des Männchens heller und glänzender als beim Weibchen -'. Mr. Dobson bemerkt ferner i.                 .; diese Thiere: „Verschieden-

heiten, welche zum Theil oder gänzlich davon abhängen, da .Männchen ein l'elzkleid von einem viel brillanteren Farbentone oder „durch verschiedene Zeichnungen oder durch grössere Länge ge* .Partien ausgezeichnet besitzt, finden sich in einem irgendwie nach- laren Grade nur bei früchtefressenden Fledermäusen, bei denen „der Gesichtssinn gut entwickelt ist-. Diese letzte Bemerkung ver- dient Beachtung, da sie sich auf die Frage bezieht, ob helle Farben dadurch männlichen Thieren von Nutzen sein können . dass sie als Schmuck dienen. Wie Dr. Gkay angibt, ist jetzt bei einer Gattung -- die Männchen in einer von den Weib- verschiedenen Weise geschmückt sind. d. h. sie haben einen „Fleck von kurzem weichen Haar zwischen den Schultern, welcher „allgemein mehr oder weniger orangenfarbig, und iii einer S ..lein weiss ist. Die Weibchen dagegen besitzen diese Zeichnung „nicht'.

Die auf dem Lande lebenden Carnivoren und Insectivoren bieten selten geschlechtliche Verschiedenheiten irgend welcher Art dar, mit Einschluss ihrer Färbung. Indessen bietet der Ocelot (FeUt pardalis) eine Ausnahme dar; denn hier sind die Farben des Weibchens mit denen des Männchens verglichen „moins apparentes, le fauve 'taut

*> Annais and U                                  r. 1867, p. 325. üeber .'/

mdii.' s. Desmarest, Mammalogie, p.

11 J. A. Allen, in: Bulletin of Museum Compar. Zoolog. Cambridge, -i., 1869, p. 207. Mr. Dobson, über die sexuellen Charactere bei Fleder- mäusen, in: Procced. Zoolog. Soe. 1878, p. 241. Dr. Gray, über Fanlthiere, ebenda, 1871, p. 436.

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Cap. 18.

Ornamentale Farben.

si!7

„plus terne, le blanc moins pur, los raiea avant moins de largeur et „les taches moins de diamdtre" -"-'. Auch die Geschlechter der ver- wandten Felis müh weichen, aber selbst in einem noch geringeren Grade, von einander ab, indem der allgemeine Farbenton des Weib- chens im Ganzen etwas blässer ist, auch die Flecken weniger schwarz sind. Die See-Carnivoren oder Robben weichen auf der anderen zuweilen beträchtlich in der Farbe von einander ab, auch biete wie wir bereits gesehen haben, andere merkwürdige geschlechtliche Verschiedenheiten dar. So ist das Männchen der I von der südlichen Hemisphäre oben von einer reichen braunen Schatti- rung, während das Weibchen, welches Beine erwachsenen Farben früher im Leben erhält als das Männchen, oben dnnkelgran is                rangen

beider Geschlechter von einer sehr                                                Das

Männchen der nordischen J'i                            ist grauroth mit einer

merkwürdigen sattelförmigen dunklen Zeichnung am Rücken; das Weibchen ist viel kleiner und hat ein sehr verschiedenes Ansehen, indem es „schmul                                 iner gelblichen Strohfarl

„mit einem braunrothen Hauch über den Bücken". Die Jungen sind anfangs rein weiss und können „kaum unter den Eisblöeken und dem

lee unterschii              len, wobei also ihre Farbe als Schutz-

mittel dienl

Bei Wiederkäuern kommen geschlechtliche Verschiedenheiten der Farbe gewöhnlicher vor als in irgend einer anderen Ordnung. Eine Verschiedenheit dieser Art ist bei den Strepsiceros-artigen Antilopen sehr allgemein. So ist das männliche Nilghau (Portaxpida) bläulich grau und viel dunkler als das Weibchen; auch sind die viereckigen

len Flecke an der Kehle, die weissen Zeichnungen an den 1' und die schwarzen Flecken an den Ohren sämmtlich viel deutlicher. Wir haben gesehen, dass in dies;               , e Kämme und B

von Haaren gleichfalls heim Männchen entwickelter sind als bei dem hornlosen Weibchen. Wie mir Mr. lii.vni mitgetheilt hat, wird das Männchen, ohne sein Haar abzustossen, periodisch während der Paa- rungszeit dunkler. Junge Männchen können von jungen Weibchen,

" Desmarest. Mammalogi.-. 1820, p. 220. Debet /                    Kengger

' Hr. Mnrie, aber die Otaria, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1" R.Brown, über die Phoca                  a, ebenda, 1868, p. 117. l

der Kobben s. auch Desmarest a. a. 0. p. 2-13. 249.

The Comolef                                               Online

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Ge3chlechtliclie Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

wenn sie nicht Aber zwölf Monate alt sind, nicht unterschieden wer- den, und wenn das Männchen vor dieser Zeit entmannt wird, so ver- ändert es nach derselben Autorität niemals seine Farbe. Die Bedeut- samkeit dieser letzteren Thatsache als entscheidend für die sexuelle Natu der Färbung beim Nilghan wird offenbar, wenn wir hören-4, dass weder das rothe Sommerkleid noch das blaue Winterkleid des virginischen Hirsches durch Entmannung im Geringsten afticirt wird. Bei den meisten oder sämmtlichen der äusserst verzierten Species von Bind die Männchen dunkler als die hornlosen Weibchen und ihre Haarkämme sind vollständiger entwickelt. Bei dem Männ- chen jener prachtvollen Antilope, Oreat                                 Bland), ist der Körper röther, der ganze Hals viel schwärzer und das Band, welches diese Färbungen von einander trennt, breiter als beim len. Audi beim Kland vom Cap ist das Männchen unbedeutend dunkler als das Weibchen -''.

Bei dem indischen Schwarzbocke (Antü                           welcher

zu einem anderen Stamme der Antilopen gehört, ist das Männchen sehr dunkel, beinahe schwarz, wahrend das hornlose Weibchen reh- farbig ist. Wir haben in dieser Species, wie mir Dr. Blttii mittheilt, eine genau parallele Reihe von Thatsachen wie bei der Portax vor uns. nämlich beim Männchen periodisch sich verändernde Farbe während der Paarungszeit, Wirkungen der Entmannung auf diese Ver- änderung und die Jungen beider Geschlechter von einander nicht zu unterscheiden. Bei der Antilope nigra ist das Männchen schwarz, das Weibchen, ebenso wie die Jungen, braun. Bei A. sing-sing ist das .Männchen viel heller gefärbt als das hornlose Weibchen und seine Brust und sein Bauch sind viel schwärzer. Hei der männlichen A. caama sind die Zeichnungen und Linien, welche an verschiedenen Theilen des Körpers vorkommen, schwarz, statt wie beim Weibchen braun zu sein. Beim gefleckten Gnu (A. gorgon) sind „die Farben „des Männchens nahezu dieselben wie die des Weibchens, nur gesät-

M Judge Caton, in: Transact. Ottawa Acad. of Katar. Sciences. 1868, p. 1.

** Dr. Uray, Catalogne of Mammalia in the British Museum, Part III. 1852, p. 134—142; s auch Dr. Gray'a Gleanings from the Menagerie of Knowsley, worin sich eine prachtvolle Abbild'-.'                                     findet: vergleiche den

: Tragelaphug. Wegen des Capischen Eland                    \a) s. Andrew

Smith. Zoology of South .Urica. pL -II und 42. Viele dieser Antilopen finden sich auch im Garten der zoologischen Gesellschaft.

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Cap. 18.

Ornamentale 1

:2(i0

„tigter und von einem glänzenderen Tone" -*. Andere analoge Fülle könnten noch angeführt werden.

Der Bantengbulle (Bot                 t) des malayischen Archi]

beinahe schwarz mit weissen Beinen und weissem Kreuz. Die Kuh ist von einem hellen Graubraun, wie auch die jungen Männchen bis un- gefähr in das Alter von drei Jahren, wo sie sehr schnell die Farbe verändern. Der castrirte Bulle kehrt zur Färbung des Weibchens zurück. Die weibliche Kenias-Ziege ist blasser und die weibliche Capra aegagrus soll gleichförmiger gefärbt sein, als ihre beziehent- lichen Männchen. Hirsche bieten selten irgend welche geschlechtliehe niedenheiten in der Farbe dar. Jcdoe Catok theilt mir indessen mit, dass bei den Männchen des Wapitihirsches (t                    iensis)

der Hals, Bauch und die Beine viel dunkler sind als dieselben Theile beim Weibchen, aber während des Winters bleichen die dunklen Fär- bungen allmählich ab und verschwinden. Ich will hier noch erwäh- nen, dass Judge Caton in seinem Parke drei Rassen des virginischen Hirsches besitzt, welche leicht in der Farbe von einander verschieden sind; aber die Verschiedenheiten sind beinahe ausschliesslich auf das blaue Winter- oder Paarungskleid beschränkt, so dass dieser Fall mit denen verglichen werden kann, welche in einem früheren Capitel von nahe verwandten oder stellvertretenden Species von Vögeln angeführt wurden, die nur in ihrem Hochzeitsgefieder von einander abweichen '". Die Weibchen des Cervus paludosus von Südamerica, ebenso wie die Jungen beiderlei Geschlechts, besitzen die schwarzen streiten an der Nase und die schwärzlich braune Linie an der Brust nicht, welche die erwachsenen Männchen characterisiren -". Bndlich ist das reife Männchen des wunderschön gefärbten und gefleckten Axishirsches be-

28 lieber die AntHop                 l'roceed. Zoolog. Soc. 1850, p. 133. In Bezug

auf eine verwandte Species, bei welcher sich eine gleiche geschlechtliche Verschie- denheit in der Färbung findet, s. Sir. S. Baker, The Albert Nvanza. 1866. Vol. II, p. 327. Wegen der A                                      ! Ma111n1.lirit.M11-. p. 100. Heber

caama s. Desmarest. Manunalogie, p. 468. Ueber das Gnu s. Sir An- drew Smith, Zoologjr of South Africa.

" Ottawa Academy of Natur. Scienc. May, 21. 1868, p. ". 5.

11 Sal. Müller, über den Banteng, in: Over de Zoogthieren van den Indi- schen Archipel, 1839—II. Tab. 35. s. auch Raffles von Blyth citirt in: Land and '.Vater, 1867, p. -176.                      n: Dr. Qray, Catal. Hamm Brit. Mos.

p. 146. Desmarest. Mammalogie, p. 482. Ueber Cervus paludosus: Ri n a. a 0. S. 345.                           

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270                         Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Thefl.

trachtlich dankler als das Weibchen, wie mir Mr. Bltth mittheilt; und diese Färbung erlangt das castrirte Männchen niemals.

Die letzte Ordnung, welche wir zu betrachten haben, ist die der Primaten. Daa .Männchen des Lemur macaco ist gewöhnlich kohl- schwarz, während das Weibchen brann ist-9, unter den Quadru- manen der neuen Welt sind die Weibchen und Jungen von Mycäi - caraya gräulich gelb und einander gleich; im zweiten Jahre wird das junge Männchen röthlich braun und im dritten Jahre schwarz, mit Ausnahme des Bauches, welcher indessen im vierten oder fünften Jahre vollständig schwarz wird. Es besteht auch ein scharf markirter Unter- schied in der Karl."' zwischen den Geschlechtern bei Mycetes seniculus und Cebus capucinus; die Jungen der ersteren Art und wie ich glaube auch der letzteren gleichen dem Weibchen. Bei               leucocephala

sind die Jungen gleichfalls den Weibchen ähnlich, welche oben bräun- lich schwarz und unten hell rostroth sind, während die erwachsenen Männchen schwarz sind. Die Haarkrause rings um das Gesicht bei Ateles marginatus ist beim Männchen gell) gefärbt, beim Weibchen weiss. Wenden wir uns zu den altweltlichen Alten: die Männchen von Hylobafes Hoolock sind immer schwarz mit Ausnahme einer weissen Binde oberhalb der Brauen; die Weibchen variiren von weiss- lich braun bis zu einem dunkleren mit schwarz gemischten Tone, sind aber niemals völlig schwarz30. Bei dem schönen Cercopitkecus ist der Kopf des erwachsenen Männchens von einem intensiven Schwarz, während der des Weibchens dankelgrau ist. Bei ersterem ist der Pelz zwischen den Schenkeln von einer eleganten Rehfarbe, bei letzterem ist er blässer. Bei dem schönen und merkwürdigen Schnurrbartaffen (Cercopitkecus cephus) ist die einzige Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern die, dass der Schwanz des Männchens nussbraun und der des Weibchens grau ist: aber Mr. Bartlf.tt theilt mir mit, dass alle diese Töne beim Männchen, wenn es erwachsen ist, schärfer aus- gesprochen werden, während sie beim Weibchen so bleiben, wie sie während der Jugend waren. Nach den colorirten Abbildungen, welch"

2» Sclater. Proceed. Zoolog. Soc. 1866, pl. 1. Dieselbe Thatsache ist auch von Pollen und van Dam vollständig bestätigt worden, s. auch Dr. Gray, in: Annais and U                   Bist, May. 1871, p.

311 Leber Mycetes s. Rengger a.a.O. S. 14 und Brehm. Illustrirtes Thier- leben. Bd. 1. 8.96, 107. Ueber Ateles b. Desmarest. Mammalogie. p. 75. Heber Hylobatf -. Blyth, Land and Water. 1867, p. 135. Ueber den Scmnopithecus: Sal. Müller. Over de Zoogthieren van den Ind. Archipel. Tab. X.

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Ornamentale Farben.

27]

\ Mülleb gegeben hat, ist das Männchen von Semnopithecus chrysomdas nahezu schwarz, während das Weibchen blassbraun ist. Bei dem Cercopithecus cynosurus and griseoviridis ist ein Theil des Körpers, der auf das männliche Geschlecht beschränkt ist, von dem brillantesten Blau oder Grün und cuntrastirt auffallend mit der nackten Haut an dem Hintertheile des Körpers, welche lebhaft roth ist.

Endlich weicht in der Familie der Paviane das erwachsene Männ- chen von Cynocephalus hamadryas vom Weibchen nicht bloss durch seine ungeheure Mähne, sondern auch unbedeutend in der Farbe des Haars und der nackten Hantschwielen ab. Heim männlichen Drill (Cynocephalus leucophaeu$) sind die Weibchen und Jungen viel blässer gefärbt, mit weniger Grün, als die erwachsenen Männchem. Kein anderes Glied der ganzen Classe der Säugethiere ist in so ausser- ordentlicher Weise gefärbt als der männliche Mandrill (Cynocephalus mormon), wenn er erwachsen ist. In diesem Alter wird sein Gesicht schön blau, während der Rücken und die Spitze der Nase von dem brillantesten Roth ist. Nach einigen Autoren ist das Gesicht auch mit weisslichen Streifen gezeichnet und an anderen Theilen mit Schwarz schattirt; doch scheinen die Färbungen variabel znsein. An der Stirn findet sich ein Haarkamm und am Kinne ein gelber Bart. „Toutes „les parties supe>ieures de leurs cuisses et le grand espace nu de

rs fesses sont egalemenl colofes du rouge le plus vifavecun nn;- „lange de bleu, qui ne manque reellement pas d'elegance" ". Wenn das Thier erregt wird, werden alle die nackten Theile viel lebhafter gefärbt. Mehrere Schriftsteller haben bei Beschreibung dieser letzte- ren glänzenden Farben, welche sie mit denen der brillantesten Vögel vergleichen, die allerlebhaftesten Ausdrücke gebraucht. Eine andere merkwürdige Eigenthümliohkeit ist die, dass wenn die grossen Eck- zähne völlig entwickelt sind, ungeheure Knochenprotuberanzen an jeder Wange gebildet werden, welche tief longitudinal gefurcht sind und fiber welchen die nackte Haut so wie eben beschrieben worden ist, brillant gefärbt wird (Fig. 6fl). Bei den erwachsenen Weibchen und den Jungen beiderlei Geschlechts sind diese Protuberanzen kaum bemerkbar, und die nackten Theile sind viel weniger hell gefärbt.

*' Gervais, Hist. natur. des Mammiferes, 1854, p. 103. Hier werden anch Abbildungen des Schädels vom Männchen gegeben. Desmarest. Hämo p. 70. Geoffroy St. Hilaire et F. Cuvier, Hist. natur. des Manm 1824. Tom. I.

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272                         Geschlechtliche Zuchtwahl: .Siiugethiere.                  II. Theil.

das Gesicht ist fast schwans, etwas mit Blau gefärbt. Indess wird beim erwachsenen Weibchen die Nase zu gewissen regelmässig ein- tretenden Zeiten mit Roth gefärbt.

In allen den bis jetzt angeführten Fällen ist das .Männchen auf- fallender oder heller gefärbt als das Weibchen und weicht in einem bedeutenderen Grade von den Jungen beiderlei Geschlechts ab. Wie

I. Kopf des männlichen MandriU (Dach Gervais, Hist. Dat. des Mammiferes).

aber bei einigen wenigen Vögeln das Weibchen glänzender gefärbt ist als das Männchen, so hat auch beim Rhesus-Affen |

ibchen eine grössere Flache nackter Haut rund um den Schwanz von einem brillanten Carmoisinroth, welches periodisch selbst noch lebhafter wird, wie mir die Wärter im zoologischen Garten versichert haben: auch ist sein Gesicht blassroth. Auf der anderen Seite zeigen weder das erwachsene Männchen, noch die Jungen beiderlei Geschlechts, wie ich in dem Garten selbst sah, eine Spur von Roth an der nackten Haut am hinteren Ende des Körpers oder an dem Gesicht. Nach einigen veröffentlichten Berichten scheint es indess, als wenn das

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273

Männchen gelegentlich oder wähl                                  eiten einige

Spuren von Roth darböte. Obgleich es hierna                          mückt

ist als das Weibchen,                   loch in der bedeutenderen G

irem Backenbarte und vorspringenden Augenbrauenleisl lännchen das Weibchen übertrifft.

[ch habe nun alle mir bekannten Fälle von ei

in der Farbe zwischen                                                              i führt.

In einigen Fällen mögen die                                    Resultat von Ab-

. welche aul                                                      b die-

überliefert wurden, ohn                 nd ein Vor-

theil dadurch erreicht wuroV, und daher auch ohne die Bülfe einer

Zuchtwahl. Wir baben Beispiele di                                           cirten

in, wie bei den Männche                           . welche bräunlichroth

nd die Weibchen dreifarbig sind (tortoise-shell). An kommen auch in der Natur vor. Mr. Bari                          warze

und des Wombat gesehen; und er ist sicher, dass alle oder beinahe alle diese Thiere Männchen waren. Auf der anderen Seite werden

. Füchse und wie                                            ie Eichhörner ge-

tlich und zwar in daher vollkommen möglich, dass I                                              Ver- in der Färbung, . ohne die Hülfe von Zuchtwahl, das Re- sultat davon ist, dass ein.....ler i auftraten,

vom Anfange an in ihrer deberliefer                  chtlich be-

schränkt waren.                                      es unwahrscheinlich, das

mannichfaltigen lebhaften um                                                   Säuge-

thiere, /. li. ihr oben erwähnten Affen und Antilopen auf diese Weise erklärt werden können. Wir müssen uns daran eri

:; beim Männchen nicht                                                   rn nur

zur Zeit oder nah" der Zeit der Reife und dass, verschieden von ge- wöhnlichen Abänderungen, d                  . wenn das Männchen ent- mannt wird, verloren werden. Es ist im Ganzen eine viel wahrschein- licher - die scharf markirten Färbungen und andere ornam männlicher Säugethiere für                  o ihrer

IMuwiN, AtaUmmang. II. Dritte Auflag«.                                              IS

The Comoleb                                       Online

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274

Geschlechtliche Zuchtwahl: Sängethiere.                II. Theil.

Rivalität mit anderen Männchen wohlthätig sind und daher durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt wurden. Die Wahrscheinlichkeit dieser Ansicht wird dadurch verstärkt, dass die Verschiedenheiten in der Farbe zwischen den Geschlechtern beinahe ausschliesslich, wie man beim Durchgehen der vorhin angefahrten Einzelnheiten beobach- ten kann, in denjenigen Gruppen und Untergruppen von Säugethieren auftreten, welche andere und bestimmte secundä're Sexualcharactere darbieten; und auch diese sind Folge der Wirkung geschlechl Zuchtwahl.

Sängethiere nehmen offenbar von Farben Notiz. Sir S. Bakeb beobachtete wiederholt, dass der africanische Elephanl und das Rhino- ceros mit b                Wuth Schimmel und Grauschimmel angriffen.

Tch habe an einer andern -                        . dass halbwilde Pferde

allem Anscheine nach verziehen, sich mit solchen von der nämlichen Farbe zu paaren, und dass Heerden von Damhirschen von verschii Farbe trotzdem sie zusammenleben sich doch hinge Zeit gesondert hielten. Es ist eine noch bezeichnendere Thatsache, dass ein weib- Zebra die Liebeserklärungen eines männlichen Esels nicht an- nehmen wollte, bis derselbe so angemall war. dass er einem Zebra ähnlich wurde, und dann .nahm es ihn", wie Jobs Hünteb bemerkt, an. In dieser merkwürdigen Thatsache haben wir einen .Fall von einem durch blosse Farbe angeregten [nstinet, welcher eine

starke Wirkung hatte, dass er alle übrigen Erregungen bemei- Männchen bedurfte dies nicht; das Weibchen, wel- ein ihm selbst einigermaassen ähnliches Thier war. war als ion hinreichend, es zu reizen

In einem früheren Capitel haben wir gesehen, dass die geistigen Kräfte der höheren Thiere nicht der Art nach, wenn auch schon be- deutend dem Grade nach, von den entsprechenden Kräften des Men- schen und besonders der niederen und barbarischen Kassen verschieden sind: und es möchte den Anschein haben, als ob seihst ihr Geschmack für das Schöne nicht so weit von dem der Allen verschieden sei. Wie der Neger von Africa das Fleisch in seinem Gesichte in parallelen sich erheben lässt, .oder in Narben, welche, hoch über der

" Pas Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 1-7::. 2. Aufl. Bd. 2, S. 117 und 113.

" Essays and Observation* by ,1. Bunter, edited by R. Owen. 1861. Vol. I. p. 194.

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Cap. 18.

Ornamentale Farben.

275

„natürlichen Oberfläche als widerwärtige Deformitäten herrortre ,<loch für grosse persönliche Reize angesehen werden"M, — wie '' ebenso vrie Wilde in vielen Theilen der Welt ihre Gesichter mii Blau, Weiss oder Schwarz in verschiedenen Zeichnungen anmale

ach der männliche Mandrill von Africa sein tief durch- furchtes und auffallend gefärbtes Gesicht dadurch erlangt zu haben, dass er hierdurch für das Weibchen anziehend wurde. Es ist ohne Zweifel für uns eine äusserst groteske Idee, dass das hintere Ende des Körpers zum Zwecke einer Verzierung selbst noch brillante färbt sein solle als das Gesicht. Es isl                 in der Unat nicht

mehr befremdend, als dass der Schwan/ vieler Vögel ganz beso geschmückt worden ist.

Bei Säugethieren sind wir gegenwärtig nicht im B welcher Beweise, dass die Männchen sich Mühe geben, ihre Reize den Weibchen zu entfalten, und die ausgesuchte Sorgfalt, mit welcher von Seiten der männlichen Vögel und andrer Thiere geschieht, ist das stärkste Argument zu Gunsten der Annahme, dass die Weib- chen die Verzierungen und Farben, die vor ihnen entfaltet werden, bewundern oder dass sie durch sie angeregt werden. Es besteht in- dessen ein auffallender Parallelismus zwischen Säugethieren und V*ö- geln in allen ihren secundären Sexualcharacteren. nämlich in ihren Wallen /.um Kampfe mit ihren rivalisirenden Männchen, in ihren qr-

na.....ntalen Anhängen und in ihren Farben. Wenn das Männchen

vom Weibchen verschieden i-r. -" gleichen in beiden Classen die Jun-

beiderlei Geschlechts beinahe immer einander und in einer grossen Majorität von Fällen auch dem erwachsenen Weibchen. In beiden

-  ii erhall das Männchen die seinem Geschlechte eigenen Charac- kurz vor dem fortpflanzungsfähigen Alter. Wird es in einem

frühen Aller entmannt, so verliert es derartige Merkmale. In 1

-  m ist der Farbenwechsel zuweilen an die Jahreszeit gebunden und die Färbungen der nackten Theile werden zuweilen während des

der Bewerbung lebhafter. In beiden 'lassen i-t das Männchen beinahe immer lebhafter oder stärker gefärbt als das Weibchen, und ist mit grösseren Kämmen entweder von Ilaaren oder Federn, oder mit anderen Anhängen verziert. In einij               m ausnahmsweisen

Fällen ist in beiden Classen das Weibchen bedeutender geschmückt

Phe Nil- Tril                             .--iiii.i. I - ' T.

18»

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276                                                                           thiere.                   II. Theil.

als das Männchen. Bei vielen Säugethieren und was die Vögel be- trifft, wenig                 iinem, isl das Männchen stärker riechend als das Weibchen. In beiden Classen ist die Stimme des Männchens kräf- als die des Weibchens. Betrachtet man diesen Parallelisn ach nur wenig daran zweifeln, dass hier eine und die nämliche

.'1 und

rkt hat, und soweit ornamentale Charactere in Ue-

tracht kommen, kann das Resultat, wie mir                 . getrost der

: Bevorzugung von Individuen des ''inen G durch gewisse Individuen des anderen Geschlechtes zugeschrieben wer- den, in Verbindung mit ihrem Erfolg                         Anzahl von Nach- en zu hinterlassen, welche ihre höheren Anziel

G leichmä;                 irlieferung ornamentaler Chai

auf beide Geschlechter. Bei vielen Vögeln sind Ornamente, von

welchen uns die Ai                 inlasst anzunehmen, dass sie ursprünglich

von den Männchen erlangt wurden,                         I « beinahe gleich-

2 auf beide Geschlechter überliefert worden, und wir wollen nun

gedehnt wer- den kann. Bei einer beträchtlichen Anzahl von Spec                  rs von n Arien, sind beide G r unabhängig nlecht- Zuchtwahl zum Zwecke eines Schul it worden; soweit kann, weder in so vielen Fällen, noch in nahezu so au; . i und Weise wie in den meisten niederen Classen. nerkt, dass mratte35, während sie an den Ufern schlammigen Stromes sass, häufig für einen Erdkloss gehalten habe, so rollständig wäre die Aehnlichkeit. Der Hase i-t ein sehr utes Beispiel von Geschütztsein durch Farbe, und doch schlägt Princip in einer nahe verwandten Species fehl, nämlich beim Kaninchen; denn sobald dieses Thier nach seinem Baue läuft, wird es dem .läger und ohne Zweifel allen Raubthieren durch seinen nach oben gewendeten reinweissen Schwanz auffallend. Niemand hat jemals bezwe igethiere, welche mit Si bewohnen, vi den sind, um 3ich gegen ihre Feinde zu schützen "der um das Beschleichen ihrer Beute zu begünstigen. In Gegenden,

15 I                                \ui1u1miii and Bachman,                                     North

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Cap. 18.                                                                                                     27 i

wo der Schnee niemals lange auf dem Boden liegen bleibt, würde ein - Kleid von Nachtheil sein; in Folge dessen sind so gefärbte Arten in den wärmeren Theilen der Brdi                                        rdient

Beachtung, dass viele, massig kalb' Gegenden bewohnende Säugethiere, trotzdem sie kein weisses Winterkleid annehmen, doch während d Zeit blässer werden; und dies ist dem Anscheine nach das directe welchen sie lang                             I sind.

Pallas gibt an36, dass in Sibirien eine Verändern                   Natur

beim Wolfe, bei zwei Species von Mut                  dem domesticirten

Pferde, dem Equus hemionus, der Bauskuh, bei zwei Species von An- tilopen, dem Moschusthiere, beim Rehe, dem Elk und dem Renthiere vorkommt. Das Reh hat /.. B. ein rothes Sommer- und ein graulich

les Winterkleid, und das Letztere kann vielleicht als Schutz für das Tbier dienen, während es durch die laublosen, von Schnee und Rauchfrost überzogenen Dickichte wandert. Wenn di                  jeführ-

ire Verbreitung allmählich in Gegenden ausdehnten, beständig mil Schnee bedeckt bleiben, so würde wahrscheinlich ihr id durch natürliche Zuchtwahl                    immer weis-

ser und weisser werden, bis es zuletzt so weiss                       wäre.

Mr. Reeks hat mir ein merkwürdig                                        Thiere

mitgetheilt, welches durch seine eigenthnmliche Färbung Vortheil in .'in.an grossen von einer Mauer umgebenen : von fünfzig las sechzig weiss und braun gescheckte Kann zu derselben Zeit hatte er einige ähnlich gesch                   m in seinem

Haus.'. Derartige Katzen sind, wie ich oft bemerkt habe, bei sehr auffallend; da sin aber während der Dämmerung vor den Löchern der Kaninchenbaue auf Beute lauernd geduckt dazuliegen pflegten, so unterschieden sin die Kaninchen offenbar nicht von ihren ähnlich ge- färbten Genossen. Das Resultat war, dass innerhalb achtzehn Monate jedes einzellig dieser zum Theil gefärbten Kaninchen zerstört war; und es fanden sich Beweise, dass dies durch die Katzen geschehen war. Hei einem andern Thiere, dem Skunk, scheint die Farbe in einer Art und Weise von Vortheil zu sein, von der wir in andern Classen viele Beispiele finden. Kein Tbier wird eines dieser Geschöpfe ab- sichtlich angreiten, wegen des schauderhaften Geruchs, welchen i

eciea Quadrupedum e Gurion) online. 1788, p. 7. Was ich oben I tius von Pal las.

The Ccrnolftr W;;,-'f rf Charles Darwin Online

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278                                                                 thiere.                II. Theil.

wenn es gereizt wird; während der Dämmerung du doch nicht leicht erkannt worden, und dann könnte ein Raubt] angreifen. Deshalb nun ist der Skunk, wie Mr. Belt glaubt37, mit einem grossen buschigen weissen Schwänze ausgerüstet, der als auf- fallendes Warnungszeichen dient.

ich wir zugeben müssen, dass viele Säugethiere ihre jetzi- gen Farben entweder als Schutzmittel oder als Hülfsmittel zur Er-

langung der Beute empfangen haben, so sind doch bei einer M von Species die Farben viel zu auflallend und zu eigenthümlich ange- t, um uns die Vermuthung zu gestatten, dass sie diesen Zwecken dienen. Wir können als Erläuterung gewisse Antilopen betrachten: wenn wir sehen, dass der viereckige weisse Fleck an der Kehle, die d Zeichnungen an den Fesseln und die runden schwarzen Flecke

M The Naturalis! in Nicaragua, p. 249.

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Cap. L8.

Gleichm

279

sämmtlich beim Männchen der Portax picta viel deut- licher sind als beim \\                    wenn wir sehen, dass die Farben --in männlichen Or nus riel Lebhafter, dass die schma- len weissen Linien an den Flanken und die breiten weissen B

r Schulter deutlicher sind als beim Weibchen, - wenn wir eine ähnliche Verschiedenheit zwischen d                                 so merkwür-

erzierten Ari Tragdaphm scriptus (Fig. 70) sehen, so können wir nicht annehmen, dass Verschiedenheiten dieser Art beiden Ge- schlechtern in ihrer täglichen Lebensweise von irgendwelchem Nutzen sind. Ein viel wahrscheinlicherer Schluss scheint der zu

Tschiedenartigen Zeichnungen zuerst Von den Männchen erlangt,

ihre Färbungen durch geschlechtliche Zuchtwahl intensivi worden sind und dann theilweise auf die Weib                          urden.

Wird diese Ansicht angenommen, dann kann man nur wenig daran zweifeln, da:                                         nthfimlichen Färbungen und

Zeichi                                                                                       Lüechr

tern gemeinsam zukommen, in einer gleii                        gt und über-

wurden. So haben z. B. b                    iter der Kudu-Ahtilope

.:. 64, s. 238                                           Linien

in hinteren Theile ihrer Flanken und ei          rante winkelige

bnung an ihrer Stirn.                  schlechter der Gal

br merkwürdig gefärbt. Bei /'. pygarga sind der Rücken und Hals purpurartig roth, 3chattiren an den Seiten in Schwarz ab und sind dann von dem weissen Bauche und einem gross Flecke auf der Kruppe scharf abgesetzt. Der Kopf ist noch merk- würdiger gefärbt. Eine grosse oblonge weisse, schmal mit Schwarz geränderte Larve bedeckt das Gesicht bis herauf zu den Augen (Fig. 71); auf der Stirn finden sich drei weisse Streifen und die Ohren sind mit Weiss gezeichnet. Die Kälber dieser Species sind von einem gleich- förmigen blassen Gelblichbraun. Bei Damalis albifrotis weicht die Färbung des Kopfes \ -n der letzterwähnten Species darin ab, dass hier ein einziger weisser Streif die drei Streifen ersetzt und dass die Ohren beinahe vollständig weiss sind38. Nachdem ich, soweit ich es nach meinen besten Kräften zu tlmn im Stande war. die geschlechtlichen Verschiedenheiten zu allen Classen gehöriger Thiere studirt habe, konnte

** s. die schönen Tafeln in Sir Andrew Smith. Zoology of South Africa und Dr. Gray's Gleaninga from the Menagerie <>f Kno«

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280                                                          -                              II. Theil.

ich nicht vermeiden, zu dein Schlüsse zu kommen, dass die merkwürdig rdneten Farben vieler Antilopen, trotzdem sie beiden Geschlech- tern gi                       .          Resultat ursprünglich auf das Männchen angewandter geschlechtlicher Zuchtwahl sind.

Dir-,.11h. Folgerung kann vielleicht auch auf den Tiger ausg werden, eines der schönsten Ihiere in der Welt, dessen Geschl selbst von den mit wilden Thieren Bändelnden nicht an der Farbe unterschieden werden können. Mr. Wallace glaubt;1". dass d

u                                                             u

streifte Fell des Tigers „so übereinstimmend mit senkrechten Stämmen ,des Bambusrohrs sei, dass es das Thier bedeutend beim Beschleichen „seiner Beute unterstütze". Doch scheint mir diese Ansicht nicht be- friedigend zu sein. Wir haben einige unbedeutende Zeugnisse dafür, dass seine Schönheit Folge geschlechtlicher Zuchtwahl sein mag: denn in zwei Speciea von Felis sind analoge Zeichnungen und Farben im Ganzen beim Männchen heller als heim Weibchen. Das Zebra ist auffallend gestreift und Streifen können auf den offenen Ebenen von

» Westminster Review, .luly. I. 1867, p. 5.

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Gleichm

281

Sfidafrica keinen Schutz darbieten. Bukchell40 sagt bei einer Be- schreibung einer Heerde Zebras: »ihre schlanken Bippen glänzten in „der Sonne und die Helligkeit und Begelmässigkeil ihrer gestreiften „Kleider bot ein G                äserordentlicher Schönheit dar, worin sie

„wahrscheinlich von keinem anderen Sängethiere übertreffen werden". Da aber durch die ganze Gruppe der Equiden                   ihter in der

Färbung identisch sind, so haben wir 'hier keinen Beweis für eil schlechtliche Zuchtwahl. Nl                          wird derjenige, we

die weissen und dunkeln senkrechten Streifen auf den Flanken ver- schiedener Antilopen geschlechtlicher Zuchtwahl zuschreibt, wahr- scheinlich dieselbe Ansicht auf den Königstiger und ausdehnen.

Wir haben in einem früheren Capitel gesehen, dass, wenn junge zu gleichviel welcher Classe t              I liere nahezu               Lebens-

weise haben wie ihn1 Eltern, und doch in einer verschiedenen Art und

.;>t sind, man »<>hl schliessen kann, dass sie die Fäi irgend eines alten und                   nen Drerzeugers b

In der Familie der Schweine und in der Gattimg Tapir sind dir Jun- gen mit Längsstreifen gezeichnet und weichen hierdurch von jetzt lebenden erwachsenen Species in diesen beiden Gruppen ab. Bei vielen Arten von Hirschen sind < 1 i - - Jungen mit eleganten wi Flecken gezeichnet, von denen ihr'' Eltern nicht eine Spur darbieten. .1 eine allmählich aufsteigende Reihe verfolgen vom Axis- hirsch, bei welchem beide Geschlechter in allen Altersstufen und wäh- rend aller Jahreszeiten schön gefleckt sind (wobei dir Männchen im Ganzen etwas stärker gefärbt sind als dir Weibchen), bis zu S] bei welchen weder dir Alten noch dir Jungen gefleckt sind. Ich will einige Stufen in dieser Reihe anführen. Der mantschurische Hirsch - mantschuficus) i-i während des ganzen Jan                  : dir

sind aber, wir ich im zoologischen Garten gesehen habe, wäh- rend des Sommers viel deutlicher, wo dir allgemeine Farbe des Pelzes heller i>t, als während des Winters, wo dir allgemeine Färbung dunk- irr und das Geweih vollständig entwickelt ist. Ihm dem Schweins- hirsch (Hyelaphus porcinus) sind die Flecke während des Summers äusserst auffallend, wo der ganze Pelz röthlich braun ist. verschwin- den aber während des Winters, wo der Pelz braun wird, vollständig M.

« Travels in Sonth Aftica, 1824. Vol. II. p. 315.

11 Dr. l                                                                                ley, p. 64. Mr. Illvt li

Online

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282                                                                          ethiere.                  II. Theil.

In diesen beiden Species sind die Jungen gefleckt. Bei dem virgini- schen Hirsche sind die Jungen gleichfalls gefleckt. und wachsenen in Judge Caton's Park lebenden Ihieren bieten, wie mir derselbe mitgetheilt hat, ungefähr fünf Procenl zeitweise in der Periode, wenn das rothe Sommerkleid durch das bläuliche Winter- kleid ersetzt wird, eine Reihe \ 11 Flecken auf'jeder Flanke dar. welche                    der Zahl nach gleich, wennschon an Deutlich-

er variabel sind.                  im Zustande ist dann nur ein sehr

kleiner Schritt zu dem vollständigen Fehlen von Flecken zu allen Jahreszeiten bei den Erwachsenen, und endlich Ins zu dem Fehlen "ii auf allen Altersstufen, wie es hei gewissen Species vorkommt. Aus der Existenz dieser vollkommenen Reihe und ganz besonders aus

leckt sind, können

chliessen, dass die jetzt lebenden Glieder der Familie der 11 die Nachkommen einer alten                 d, welche wie der Axishirsch

auf allen Altersstufen und zu allen Jahreszeiten gefleckt war. Ein

früherer Urerzeuger war wahrscheinlich in einer gewissen Aus- dehnung dem Uyomoschus aqualicus ähnlich; den                  ier ist gefleckt und i »en Männchen haben grosse vorspringendi von denen einige wenige echte Hirsche noch Rudiment wahren. Es bietet der Hyomoschus auch einen jener interessanten Fülle von Formen dar. welche zwei Gruppen mit einander verl da er in gewissen osteologischen Merkmalen zwischen den Pachyd und Ruminanten mitten inne steht. welche man früher für vollkom- men verschieden hi<

Hier entsteht nun eine merkwürdige Schwierigkeit. Wenn wir a und Streifen als Zierathen erlangt wur- den sind, woher kommt es, das- so viele jetzt lebende Hirsche, dir Nachkommen eines ursprünglich gefleckten Thieres, und sämmtliche Arten von Schweinen und Tapiren, die Nachkommen eines ursprüng-

! streiften Thieres, in ihrem erwachsenen Zustande ihre früheren Verzierungen verloren haben? Ich kirim diese Frage nicht befriedigend beantworten. Wir können ziemlich sicher sein, das- die Flecken und

erwähnt den Schweinshirsch von Ceylon (Land and Water, 1869, p.42) and Bagt,

in der Zeil des Jah                     n Gewei!.....rnenert, heller mit Wi

fiecki i-i alt der gemeine Schweinshirsch.

42 Falconer and Cantley,                             äoc. 1843, and Falconer,

Palaeont, Memoire, VoL I. p. 196.

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Flecken und Streifen.

283

in bei den Voreltern unserer jetzt lebenden Species zur Zeil nahe der Zeil der Reife vetschwam                            von den Jungen

beibehalten und in Folgt                 <"- der Vererbung auf entsprec

Altersstufen auch den Jungen aller späteren Generationen überliefert wurden. Eis mag für den Löwen und das Puma eil                  rtheil

len sein, wegen der offenen Beschaffenheit der Localitäten, in welchen sie gewöhnlich jagen, ihre Streifen verloren zu haben und hierdurch für ihre Beute weniger auffallend geworden zu sein; und wenn die nacheinander auftretenden Abänderungen, durch welche die- ser Zweck erreicht wurde, im Ganzen spät im Leben erschiene werden die Jungen ihre Streifen behalten haben, wie es bekanntlich der Fall ist, Was die Hirsche, Schweine und Tapire betrifft, so hat Fritz Ml lleb die Vermuthung gegen mich ausgesprochen, dass Thiere durch die Entfernung ihrer Flecken und Streifen mit Hülfe der natürlichen Zuchtwahl von ihren l                         leicht werden ge-

sehen worden sein, und sie werden bes                  solchen Sc!

bedurft baben, als die Carnivoren während der Tertiärzeit an G und Anzahl zuzunehmen begannen. Dies kann wohl die richtige Er- klärung sein; es ist aber befremdend, dass die Jungen nicht gleich sollten, und noch befremdender, dass bei

d Arten die Erwachsenen ihre Flecke entweder theilweise oder vollständig während eines Theiles des Jahres beibehalten haben

Können wir die Ursache auch nicht erklären, so wissen wir doch, dass wenn der domesticirte Esel variirl und röthlich-braun, grau oder schwarz wird, die Streifen auf den Schultern und selbst am Rücken häufig verschwinden. Sehr wenige Pferde, mit Ausnahme mausbraun gefärbter Arten, bieten auf irgend einem Theile ihres Körpers Streifen dar, und doch haben wir ;_'iiten Grund zu glauben, dass das ursprüng- liche Pferd an den Beinen und dem Rückgrate und wahrscheinlich an den Schultern gestreift war*8. Es kann daher das Verschwinden der Flecken und Streifen bei unseren erwachsenen jetzt lebenden llii

inen und Tapiren Folge einer Veränderung der allgemeinen Farbe ihres Haarkleides sein; ob aber diese Veränderung durch geschlecht- liche oder natürliche Zuchtwahl bewirkt wurde oder Folge der directen Wirkung der Lebensbedingungen oder irgend welcher anderer unbe-

4,1 Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Dom.

j Aufl. Bd. 1. S. 02-69.

The Compiet«: Wiak of Charles Darwin Online

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284                                     chtliche Zuchtwahl: Säagethiere.                  II. Thcil.

kannter Ursachen war, ist unmöglich zu entscheiden. Eine von Mr. lachte Beobachtung erläutert sehr gut m                ssenheil

von den Ges                 she das Auftreten and Verschwinden von Strei-

fen regnliren: die Species von Asinus, welche den asiatischen Conti- nent bewohnen, entbehren der Streifen und haben nicht einmal den queren Schulterstreif, während diejenigen, welche Africa bewohnen, auffallend gestreift sind, mit der theilweisen Ausnahme von .1.

/».-', welcher nur den queren Schulterstreif .....1 meist einige undeut-

n an den Beinen besitzt; und diese letztere Species bewohnt die fast mitten innen U-.               »enden von Oberäf

und Abyssinien ".

ruHetmdtu. Die>8 ond die folgenden Abbildungen (nteh Ger- lellt, um die merkniirdigo Anordnung und Kulwickelung des H»»res am Kopf zu zeigen.

Quadrumanen. — Ehe wir zum Schlüsse gelangen, wird es ge- rathon sein, einige wenige Bemerkungen über die ornamentalen Cha- ractere der Affen noch hinzuzufügen. Bei den meisten Species sind die Geschlechter einander in der Farbe ahnlich, aber bei einigen wei-

" Proceed. Zoolog. Soc 1862, p. 164. s. auch Dr. Hartmann, Annal. d. Landwirthsch. Bd. 43, S. 222.

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Cap. 1-.

Qoadrui

285

chen, wie                      baben, die Männchen von den Weibchen ab,

der Farbe der nackten Hautatellen, in der Entwicklung dea Kinnbartes, Backenbartes und der Mähne. V'ie                 sind in

einer entwed                 »ordentlichen oder so schönen Art und Weise

gefärbt und sind mit so merkwürdigen und eleganten Haarkaminen ir es kaum vermeiden können, diese Charactere als zu betrachten, welche zum /                 Verzierung erlang! wor-

den sind, Die beistehenden Figuren (Fig. 72 ?               dazu dienen,

in Gesicht und Kopf in mehreren Species zu erläutern. Es ist kaum zu begreifen, dass diese Haarkämme und die scharf contrastirenden Farben des Pelzes und der Haut das

sultat blosser Variabilität oh.....lie Hülfe von Zuchtwahl sein sollten,

und es ist nicht denkbar, dass sie für diese Thiere von irgend welchem unlieben Nutzen sein könnten, l-i dies aber so, so äind sie wahr- ilich durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt, indessen gleichi

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286                                                                  thiere.                II. Theil.

oder beinahe gleichmässig auf beide Geschlechter überliefert worden. Bei vielen Quadrumanen haben wir noch weitere Belege für die Wir- kung geschlechtlicher Zuchtwahl in der bedeutenderen G Kraft der Männchen und in der stärkeren EntWickelung der Eckzähne im Vergleich mit denen der Weibchen.

In Bezug auf die fremdartige Weise, in welcher beide Geschlechter einiger Species gefärbt sind, nnd auf die Schönheit anderer werden genügen. Das Gesicht des I                 u petaurista

(Fig. 77) i-t schwarz, der Backen- nnd Kinnbai                . dabei findet

sich ein umschriebener, runder, weisser Fleck aui                 der mit kur-

zen weissen Haaren bedeckt ist, was demThiere einen fast lächerlichen Anblick gibt. Der Semnopitkecus frontatus hat gleichfalls ein schwärz- et mit einem langen schwarzen Barte nnd eil nackten Flecken an der Sffrn von einer bläulich weissen Färbung. Das

I von Macacus lasiotus i-i -rhu                  bfarben mit einem

umschriebenen rothen Flecke auf jeder Hark.'. Die äussere Erschei- nung d                                                   ;k mit seinem schwarzen Ge- weissen Backenbarte and Kragen, seinem braunen and einem grossen nackten weissen Flecken über jedem Augenlide. In sehr vielen Species sind der Kinnbart, Backenbast und die Haar- kämme rings um das Gesicht von einer an.lern Farbe als das I i des Kopfes, und wenn sie verschieden sind, sind sie immer von einer

ii Färbung45, häufig rein weiss, zuweilen gelb oder röthlicb. Das ganze Gesicht des südamericanischen Brachyurus calvus ist »von „einer glühenden Scharlachfärbung", doch erscheint diese Farbe nicht eher als bis das Thier nahezu geschlechtsreif i-t '". Die nackte Haut des Gesichts «rieht in der Farbe bei den verschiedenen Species wun- derbar ah. Sie ist oft braun oder fleischfarben mit vollkommen weis- sen Theilen nnd häufig so schwarz wie die Haut des schwär

Bei dem Brachyurus ist der scharlachene Ton glänzender als der des am lieblichsten erröthenden kaukasischen Mädchens. Die nackte Haut ist zuweilen deutlicher orange als bei irgend einem Mon- golen, und in mehreren Species i-t sie blau, in Violett oder in Grau übergehend. Bei allen den Mr. Bartlett bekannten Species, bei wel-

45 Ich beobachtete diese Thatsache in den zoologi             tenj zahlreiche

rten Tafeln zu Geoffroj  St. Hilaire nnd F. Cnvier, lli-t. natur. des Mammiferes, Tom. 1. 1824, zn fii

's Bates, The Natural                                        : Vol.  II. p. 3

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Quadruniruirh.

287

chen die Erwachsenen beiderlei Geschlechts stark gefärbte Gesichter haben, sind 1 i< Farben während der früheren Jugend stumpf oder fehlen. Dies gilt gleichfalls für den Mandrill und Rhesus, bei denen das Gesicht und die hinteren Theile des Körpers nur bei dem einen

lechte brillant gefärbt sind. In diesen letzteren Fällen haben wir allen Grund zu glauben,                        n durch geschlechtliche

Zuchtwahl erlangt wurden, und wir werden natürlich dazu gefühlt, dieselbe Ansicht auch auf di                nd erwähnten Species auszu-

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288                                                                                         II. Theü

dehnen, wenngleich bei diesen, wenn sie erwachsen sind, die Ge- sichter beider Geschlechter in einer und derselben Axt gefärbt sind.

Obschon unserem Geschmacke nach viele Arten von Affen bei

nichi schön sind, so werden doch an                 - allgemein

inung und ihrer hellen Farben bewundert.

aeus wird, obschon eigenthümlich gefärbt, doch

als auss                         irieben. Das orange gefärbte Gesichl wird von

einem langen Backenbarte von glänzender Weisse umgeben mii

kastanienbraunen Linie über den Augenbrauen. Der Pelz am i:

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Cap. 18.

Quadrumanen.

2s0

ist von einem zarten Grau, aber ein viereckiger Fleck auf den Lenden, der Schwanz und die Vorderarme sind säramtlich von reinem V Oberhalb der Brust findet sich eine kastanienbraune Kehle. Die Ober- schenkel sind schwarz, die Beine kastanienroth. Ich will hier noch zwei andere Affen wegen ihrer Schönheit erwähnen, und ich habe ge- rade diese ausgewählt, da sie leichte geschlechtliche Verschiedenheiten in der Färbung darbieten, was es in einem gewissen Grade wahr- scheinlich macht, dass beide Geschlechter ihre elegante Erscheinung geschlechtlicher Zuchtwahl verdanken. Bei dem Schnurrbartaffen (Cercopühecua cephus) ist die allgemeine Farbe des Pelzes grünlich gefleckt mit weisser Kehle; beim Männchen ist das Ende des Schwanzes kastanienbraun; aber das Gesicht ist der verzierteste Theil: die Haut ist nämlich hauptsächlich bläulichgrau schattirt, unterhalb der Augen in einen schwärzlichen Ton übergehend: dabei ist die Oberlippe von einem zarten Blau und an dem unteren Bande mit einem dünnen schwarzen Schnurrbart eingefasst. Der Backenbart ist orangefarben, mit dem oberen Theile schwarz und bildet ein sich rückwärts bis zu den Ohren streckendes Band, welch' letztere mit weisslichen Haaren bekleidet sind. Im zoologischen Garten habe ich häufig Besucher die Schönheit eines anderen Affen bewundern hören, verdientermaassen genannt (Fig. 78). Die allgemeine Farbe des Pelzes ist grau, die Brust und die innere Fläche der Vorderbeine sind weiss. Ein grosser dreieckiger umschriebener Fleck an dem hintern Theile des Kückens ist tief kastanienbraun. Beim Männchen sind die inneren Seiten der Oberschenkel und der Bauch zart rehfarben und der Scheitel des Kopfes ist schwarz. Das Gesicht und die Ohren sind intensiv schwarz und contrastiren schön mit einem weis- sen quer über die Augenbrauen laufenden Kamme und mit einem langen weissen zugespitzten Bart, dessen basaler Theil schwarz ist «

Bei diesen und vielen anderen Affen nöthigen mich die Schönheit und die eigenthümliche Anordnung ihrer Farben, noch mehr aber die verschiedenartige und elegante Anordnung der Kämme und Büschel

" Ich habe die meisten der obengenannten Affen in dem Garten der Zoolo- gical Society gesehen. Die Beschreibung des Semnopithecus nemaeus ist entnom- men aus W. C. Martin.                    . of Mammalia, 1841, p. 460; s. auch p. 475, 523.

Darwin, Abstammung. II. Dritte Auflage. (VI.)                                           19

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290                          Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethiere.                  II. Theil.

von Haaren an ihren Köpfen zu der Ueberzeugung, dass diese Cha- ractere durch geschlechtliche Zuchtwahl ausschliesslich als Zierathen erlangt worden sind.

Zusammenfassung. — Das Gesetz des Kampfes um den Besitz 'ibchens scheint durch die ganze grosse Classe der Säugethiere zu herrschen. Die meisten Naturforscher weiden zugeben, dass die be- deutendere Grösse, Kraft, der grössere Mnth und die grössere Kampf- sucht des Männchens, seine speciellen Angriffswaffen ebenso wie seine speciellen Vertheidigungsmittel sämmtlich durch jene Form von Zucht- wahl erlangt oder modificirt worden sind, welche ich geschlechtliche Zuchtwahl genannt habe. Diese hängt nicht von irgend einer I legenheit in dem allgemeinen Kampfe um das Leben ab, sondern da- von, dass gewisse Individuen des einen Geschlechtes, und allgeni' männlichen, hei der Besiegung anderer Männchen erfolgreich gewesen sind und eine grössere Zahl von Nachkommen hinterlassen haben, ihre Superiorität zu erb                                           ichen Männchen.

Es gibt noch eine andere und friedfertigen- Art von Wettkämpfen, liehen die Mann. 1.                  n. die Weibchen durch verschiedene

Reize anzuregen oder zu locken. Dies wird wahrscheinlich in man- chen Fällen durch die kräftigen Gerüche bewirkt, welche die Männ- chen während der Paarungszeit aussenden, nachdem die Riechdrüsen durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind. Ob dieselbe : auch auf die Stimme ausgedehnt werden kann, i-t zweifelhaft; denn die Stimmorgane der Mänm                 in durch den Gebrauch

während des geschlechtsreifen Alters, unter den mächtigen Erregungen der Liebe, Eifersucht oder Wuth gekräftigt und werden in I auf dasselbe Geschlecht überliefert worden sein. Verschiedene Kämme, Büschel und Mäntel von Haaren, welche entweder auf die Männchen beschränkt oder bei diesem Geschlechte bedeutender entwickelt sind als bei den Weibchen, scheinen in den meisten Fällen nur ornamental zu sein, obschon sie zuweilen bei der Verteidigung gegen rivalisirende Männchen von Nutzen sind. Es ist selbst Grund zur Vermutbnng vorhanden, dass das verzweigte Geweihe der Hirsche und die elegan- ten Born er gewisser Antilopen, obschon sie eigentlich als Angriffs- oder Verteidigungswaffen dienen, zum Theil zum Zwecke einer Ver- zierung modificirt worden sind.

Wenn das Männchen in der Farbe vom Weibchen verschieden ist,

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Cap. l&

Zusammenfassung.

201

so bietet es allgemein dunklere und schärfer contrastirende Farbentöne dar. Wir begegnen in dieser Classe nicht jenen glänzend rothen, blauen, gelben und grünen Farben, welche bei männlichen Vögeln und vielen anderen Thieren so häufig sind. Indessen müssen hier die nackten Hautstellen gewisser Quadrumanen ausgenommen werden; denn der- artige Theile, häufig in merkwürdiger Lage, sind auf die brillanteste gefärbt. Die Farben des Männchens können in andern Fällen die Folgen einfacher Abänderungen sein, ohne dass eine Zuchtwahl auf sie eingewirkt hat. Wenn aber die Färbungen mannichfaltig und scharf ausgesprochen werden, wenn sie nicht eher entwickelt werden als in der Nähe der Zeit der Geschlechtsreife und wenn sie nach der Entmannung verloren werden, so können wir die Folgerung kaum ver- meiden, dass sie durch geschlechtliche Zuchtwahl zum Zwecke des Ornamentes erhalten und ausschliesslich oder beinahe ausschliesslich auf dasselbe Geschlecht überliefert worden sind. Wenn beide Geschlech- ter in einer und derselben Art gefärbt und die Farben auffallend oder eigenthümlich angeordnet sind, ohne dass diese von dem allergering- sten nachweisbaren Nutzen als Schutzmittel sind und besonders wenn dieselben in Verbindung mit verschiedenen andern ornamentalen An- hängen auftreten, so werden wir durch Analogie zu demselben Schlüsse gefühlt. nämlich dass sie durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind, wenngleich sie dann auf beide Geschlechter überliefert wurden. Dass auffallende und verschiedenartige Färbungen, mögen sie auf die Männchen beschränkt oder beiden Geschlechtern gemeinsam sein, der allgemeinen Regel nach in denselben Gruppen und Unter- gruppen mit anderen seeundären Sexualcharacteren verbunden auftre- ten, welche entweder zum Kampfe oder zur Zierath dienen, — dies wird man für zutreffend halten, wenn man auf die verschiedenen in diesem und dem letzten Capitel mitgetheilten Fälle zurückblickt.

Das Gesetz der gleichmässigen Ueberlieferung von Characteren auf beide Geschlechter, soweit Farben und andere Zierathen in Betracht kommen, hat bei Säugethieren in viel ausgedehnterer Weise geherrscht als bei Vögeln; aber was Waffen, wie die Hörner und Stosszähne, betrifft, so sind diese häufig entweder ausschliesslich oder in einem viel vollkommeneren Grade den Männchen überliefert worden als den Weibchen. Dies ist ein überraschender Umstand; denn da die Männ- chen allgemein ihre Waffen zur Verteidigung gegen ihre Feinde aller Art brauchen, würden diese Waffen auch den Weibchen von Nutzen

19«

of Charles Darwin Online

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292

Geschlechtliche Zuchtwahl: Säugethicre.                  II. Theil.

gewesen sein. Ihr Fehlen in diesem Geschlechte kann, soweit wir sehen können, nur durch die vorherrschende Form der Vererbung er- klärt werden. Endlich ist bei Säugethieren der Kampf zwischen den Individuen eines und des nämlichen Geschlechtes, mag er friedfertiger oder blutiger Natur sein, mit den seltensten Ausnahmen auf die Männ- chen beschränkt worden, so dass diese letzteren entweder zum Kampfe mit einander oder zum Anlocken des anderen Geschlechtes viel ge- wöhnlicher als die Weibchen durch geschlechtliche Zuchtwahl modifi- cirt worden sind.

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Dritter Theil.

Geschlechtliche Zuchtwahl

in Beziehung auf den Menschen

und Schlnss.

Online

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Neunzehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharactere des Menschen.

Verschiedenheiten zwischen dem Mann und der Frau. — Ursachen derartiger Ver- schiedenheiten und gewisser, beiden Geschlechtern eigener Charactere. — Gesetz des Kampfes. — Verschiedenheiten der Geisteskräfte — nnd der Stimme. — TJeber den Einfluss der Schönheit bei der Bestimmung der Heirathen unter den Menschen. — Aufmerksamkeit der Willen auf Zierathen. — Ihre Ideen von Schönheit der Frauen. — Neigung, jede natürliche Eigenthümlichkeit zu übertreiben.

Beim Menschen sind die Verschiedenheiten zwischen den Ge- schlechtern grösser als bei den meisten Arten der Quadrumanen, aber nicht so gross wie bei einigen, /.. B. beim Mandrill. Der Mann ist im Mittel beträchtlich grösser, schwerer und stärker als die Frau, mit viereckigeren Schultern und deutlicher ausgesprochenen Muskeln. In Folge der Beziehung, welche zwischen der Entwicklung des Muskel- - und ihn Vorsprängen der Augenbrauen besteht', ist die Augen- brauenleiste beim Mann im Allgemeinen starker ausgesprochen als bei der Frau. Sein Körper und besonders sein Gesicht ist behaarter und seine Stimme hat einen verschiedenen und kräftigeren Ton. Bei ge- Rassen sollen die Frauen unbedeutend in der Färbung von den n. So Bpricht z. B. Schwhnftjhth von einer Nege- rin aus dem Stamme der Monbuttoos, welche das innere Africa wenige Grade nördlich vom Aequator bewohnen, und sagt: „Wie bei ihrer n Rasse war ihre Haut mehrere Schattirungen heller als die „ihres Mannes und war ungefähr von der Farbe halb gerösteten Da die Frauen auf den Feldern arbeiten und vollständig ohne Kleidung sind, so ist es nicht wahrscheinlich, dass ihre von der

Schaaffhausen, in: Anthropological Review, Oct. 1868, p. 419, 420, 427. » „Im Herzen von Africa". Engl, üebers. 1873, Bd. I. p. 511.

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296                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theil.

der Männer verschiedene Färbung eine Folge davon ist, dass sie der Sonne weniger ausgesetzt sind. Bei Europäern sind vielleicht die Frauen die heller gefärbten von beiden, wie man sehen kann, wenn beide Geschlechter gleichmässig dem Wetter ausgesetzt gewesen sind.

Der Mann ist mutbiger, kampflustiger und energischer als die Frau und hat einen erfinderischeren Geist. Sein Gehirn ist absolut grösser, ob aber auch relativ im Verhältniss zur bedeutenderen Grösse seines Körpers im Vergleich mit dem der Frau, ist, wie ich glaube, nicht ganz sicher ermittelt worden. Bei der Frau ist das Gesicht runder, die Kiefern und die Basis des Schädels sind kleiner, die um- risse ihres Körpers sind runder, an einzelnen Theilen vorspringender, und ihr Becken ist breiter als beim Mann 3. Dieser letztere Charak- ter dürfte aber vielleicht eher als ein primärer, denn als ein secun- därer Sexualcharacter betrachtet werden. Das Weib wird auch in einem früheren Alter geschlechtsreif als der Mann.

Wie bei Thieren aus allen Classen, so werden auch beim Menschen die unterscheidenden Merkmale des männlichen Geschlechts nicht eher völlig entwickelt, als bis er nahezu geschlechtsreif ist, und wenn er entmannt wird, erscheinen sie niemals. Der Bart ist z. B. ein secun- därer Sexualcharacter, und männliche Kinder sind bartlos, trotzdem sie in frühem Alter reichliche Haare auf ihren Köpfen haben. Es ist wahrscheinlich eine Folge des im Ganzen erst spät im Leben erfol- genden Auftretens der nach einander erscheinenden Abänderungen, durch welche der Mann seine männlichen Charactere erhalten hat, dass dieselben nur aufs männliche Geschlecht überliefert werden. Knaben und Mädchen sind einander sehr ähnlich, ebenso wie die Jun- gen von vielen anderen Thieren, bei denen die erwachsenen Geschlech- ter verschieden sind. Sie sind auch dem erwachsenen Weibchen viel ähnlicher als dem erwachsenen Männchen. Die Frau nimmt indessen zuletzt gewisse bestimmte Merkmale an und steht, wie man sagt, in der Bildung ihres Schädels mitten innen zwischen dem Kinde und dem Manne 4. Wie ferner die Jungen von nahe verwandten aber verschie- denen Species bei weitem nicht so verschieden von einander sind als

s Ecker, in: Anthropological Review, Oct. 1868, p. 351—356. Die Verglei- chung der Form des Schädels beim Mann und bei der Frau ist von Welcker sehr sorgfältig verfolgt worden.

1 Ecker und Welcker, ebenda, p. 352, 355. C. Vogt, Vorlesungen über den Menschen. Bd. 1, S. 94.

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Cap. 19.

Geschlechtliche Verschiedenheiten.

297

die Erwachsenen, so verhält es sich auch mit den Kindern der ver- schiedenen Rassen des Menschen. Einige Forscher haben sogar be- hauptet, dass Kassenverschiedenheiten am kindlichen Schädel nicht nachgewiesen werden können 5. Was die Farbe betrifft, so ist das neugeborene Negerkind röthlich nussbraun, was bald in schiefergrau übergeht; die schwarze Farbe entwickelt sich im Sudan innerhalb des ersten Jahres vollständig, aber in Aegypten nicht vor drei Jahren. Die Augen des Negers sind zuerst blau und das Haar ist mehr ka- stanienbraun als schwarz und nur an den Enden gekräuselt. Die Kin- der der Australier sind unmittelbar nach der Geburt gelblich braun und werden in einem späteren Alter dunkel. Die Kinder der Gunra- nys von Paraguay sind weisslich gelb, erlangen aber im Laufe weni- ger Wochen die gelblich braune Färbung ihrer Eltern. Aehnliche Beobachtungen sind in mehreren andern Theilen von America gemacht worden 6.

Ich habe die vorstehenden Verschiedenheiten zwischen dem männ- lichen und weiblichen Geschlechte beim Menschen speciell angeführt, weil sie in einer merkwürdigen Weise dieselben sind wie bei den Quadrumanen. Bei diesen Thieren ist das Weibchen in einem frühe- ren Alter geschlechtsreif als das Mannchen, wenigstens ist dies der Fall beim Cebua azarae7. Bei den meisten der Species sind die Männ- chen grösser und stärker als die Weibchen, für welche Thatsache der Gorilla ein wohlbekanntes Beispiel darbietet. Selbst in einem so un- bedeutenden Merkmale, wie dem grösseren Vorspringen der Augen- brauenleiste, weichen die Männchen gewisser Affen von den Weibchen ab 8 und stimmen in dieser Hinsicht mit dem Menschen überein. Beim Gorilla und gewissen anderen Affen bietet der Schädel des erwachsenen Männchens einen scharf ausgesprochenen Sagittalkamm dar, welcher

5 Schaaffhausen, Anthropological Review, a. a. 0. p. 429.

" Pruner-Bey, über Negerkinder, angeführt von C. Vogt, Vorlesungen über den Menschen, Bd. 1, S. 238. Wegen weiterer Thatsachcn über Negerkinder, nach Winterbottom's und Camper's Angaben s. Lawrence, Lectures on Physiology, 1822, p. 451. In Bezug auf die Kinder der Guaranys s. Rengger, liiere von Paraguay, S. 3. s. auch Godron, De l'Espece, Tom. II. 1859, p. 253. Wegen der Australier s. Waitz. Introduction to Anthropology. 1863, p. 99.

' Rengger, Säugethiere etc. 1830, S. 49.

- Wie bei Macacus cynomolgus (Desmarest, Mammalogie, p. 65) und bei Hylobatea uijilis (Geoffroy St. Hilaire und F. Cuvier, Hist.natur.di- miferes. 1824. Tom. I, p. 2).

The Comdete Work of Charles Darwin Online

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298                            Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theil.

beim Weibchen fehlt; und Ecker fand eine Spur einer ähnlichen Ver- schiedenheit zwischen den beiden Geschlechtern bei den Australiern 9. Wenn sich bei den Affen irgend eine Verschiedenheit in der Stimme findet, so ist die des Männchens die kräftigere. Wir haben gesehen, dass gewisse männliche Affen einen wohlentwickelten Hart haben, wel- cher beim Weibchen vollständig fehlt oder viel weniger entwickelt ist. Es ist kein Beispiel bekannt, dass der Kinnbart, Backenbart oder Schnurrbart bei einem weiblichen Affen grösser wäre als bei dem männlichen. Selbst in der Farbe des Bartes besteht ein merkwürdiger Parallelisraus /.wischen dem Menschen und den Quadrumanen; denn wenn beim Menschen der Bart in der Farbe vom Kopfhaar verschie- den ist, wie es ja häufig der Fall ist, so ist er, wie ich glaube, bei- nahe immer von einer helleren Färbimg und häufig röthlich. Ich habe diese Thatsache wiederholt in England beobachtet; vor Kurzem haben mir aber zwei Herren geschrieben, um mir mitzutheilen, dass sie eine Ausnahme von der Kegel bilden. Der eine von ihnen erklärt die That- sache aus der grossen Verschiedenheit der Farbe des Haars in der väterlichen und mütterlichen Seite seiner Familie. Beiden war diese Eigentümlichkeit schon lange bekannt (der eine war oft in den Ver- dacht gekommen, dass er seinen Bart färbe); sie waren dadurch darauf geführt worden, andere Menschen zu beobachten, und waren überzeugt, dass solche Ausnahmen sehr selten sind. Dr. Hooker, welcher auf diesen kleinen Punkt in meinem Interesse in Russland aufmerkte, fin- det keine Ausnahme von der Regel. In Calcutta war Mr. J. Scott von dem dortigen botanischen Garten so freundlich, sorgfältig die vie- len Menschenrassen, die dort ebenso wie in einigen anderen Theilen Indiens zu sehen sind, zu beobachten, nämlich zwei Rassen in Sikkim, die Bhoteas, die Hindus, die Birmesen und die Chinesen. Obgleich die meisten dieser Rassen sehr wenig Haare im Gesicht haben, so fand er doch immer, dass wenn irgend eine Verschiedenheit in der Farbe zwischen dem Kopfhaar und dem Barte bestand, der letztere ausnahmslos von einer helleren Färbung war. Nun weicht bei Affen, wie schon angefühlt wurde, der Bart häufig in einer auffallenden Weise seiner Farbe nach von dem Haare auf dem Kopfe ab, und in derartigen Fällen ist er ausnahmslos von einem helleren Tone, oft rein weiss und zuweilen gelb oder röthlich l0.

u Anthropologien! Review, Oct. 1868, p. 353.

10 Mr. Blyth theilt mir mit, dass er überhaupt nicht mehr als ein einziges

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Cap. 19.

Geschlechtliche Verschiedenheiten.

209

das allgemeine Behaartsein des Körpers betrifft, so sind die Frauen bei allen Rassen weniger behaart als die Männer und bei eini- gen wenigen Quadrumanen ift die untere Seite des Körpers beim Weib* chen weniger behaart als beim Männchen ". Endlich sind männliche Affen, ebenso wie die Männer, kühner and feuriger als die Weibchen. Sie führen den Trupp an und kommen, wenn Gefahr vorhanden ist. an dessen Spitze. Wir sehen hieraus, wie nahe der Paralleli zwischen den geschlechtlichen Verschiedenheiten des Menschen und der Quadrumanen ist. Bei einigen wenigen Species indessen, wie bei ge- wissen Pavianen, dem Gorilla und dem Orang, besteht ein beträcht- lich grösserer Unterschied zwischen den Geschlechtern als beim Men- schen, und zwar in der Grösse der Eckzähne, in der Entwickelung und Farbe des Haars und besonders in der Farbe der nackten Haut- stelleu.

Alle die secundären Sexualcharactere des Menschen sind lieh äusserst variabel, selbst innerhalb der Grenzen einer und dersel- ben Kasse, und sie weichen auch in den verschiedenen Kassen be- deutend ab. Diese beiden Regeln gelten allgemein durch das ganze Thierreich. Nach den ausgezeichneten an Bord der »Novaru- machten Beobachtungen 1; fand man, dass die männlichen Australier die weiblichen nur um fünfundsechzig Millimeter an Höhe übertrafen, während bei den Javanesen der mittlere Mehrbetrag zweihundertacht- zehn Millimeter war, so dass bei dieser letzteren Kasse die Verschie- denheit in der Grösse zwischen den Geschlechtern mehr als dri so gross war als bei den Australiern. Zahlreiche Messungen wurden

Beispiel gesehen habe, wo der Kinn-, Backenbart u. s. f. bei einem Affen in hohem Alter weiss geworden wäre, wie es so gewöhnlich der Fall bei uns ist. Doch kam dies bei einem alten gefangen gehalt>'nni TMCacaeus cynomölgus vor. dessen Schnarr- bart „merkwürdig lang und menschenähnlich" war. Ueberhaupt bot dieser alte Affe eine lächerliche Aehnlichkeit mit einem der regierenden Monarchen von Eu- ropa dar, nach welchem er scher.                  idig genannt wurde. Bei gewissen Menschenrassen wird das Barthaar kann jemals grau: so hat ]>r. Forb er mir mitgetheilt hat, niemals ein solches Beispiel bei den Aymaras und Quechuas von Süd-America gesehen.

" Di«                   1 bei den Weihchen mehrerer Species von Hyli

Geoffroy St. Hilaire u                    r, Hi-t. Datnr. des Mamma". Tom. I; s.

anch, über II. lar, die Penny Cyclopaedia, Vol. II, p. 119, 150.

" Die Resultate wurden von Dr. Weisbach nach den Messungen der Dr. Dr. K. Scherzer und Schwarz reducirt; s. Reise der Novara; Anthropologischer Theil, 1807. S. 216, 231, 231, 236, 239, 269.

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300

Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

III. Theil.

sorgfältig bei verschiedenen Kassen in Beziehung auf die Körpergrösse, den Umfang des Halses und der Brust, die Länge des Rückgrates und der Arme angestellt, und alle zeigten batiahe, dass die Männer viel mehr von einander verschieden waren als die Frauen. Diese That- sache zeigt, dass, soweit diese Merkmale in Betracht kommen, es der Mann ist, welcher hauptsächlich seit der Zeit modificirt wurde, in welcher die Bässen von ihrer gemeinsamen und ursprünglichen Stamm- form divergirten.

Die Entwickelung des Bartes und das Behaartsein des Körpers sind bei Menschen merkwürdig verschieden, welche zu verschiedenen Bässen und selbst zu verschiedenen Stämmen oder Familien in einer und derselben Basse gehören. Wir Europäer sehen das schon unter uns. Auf der Insel von St. Kilda erhalten nach der Angabe von Martin is die Miinner nicht eher Barte, welche selbst dann noch sehr dünn sind, als bis sie in das Alter von dreissig oder noch mehr Jah- ren gelangen. Auf dem europäisch-asiatischen Continente kommen Barte vor, bis wir jenseits Indien kommen, obschon sie bei den Ein- geborenen von Ceylon, wie in alten Zeiten von Diodorus angeführt wird ", häufig fehlen. Oestlich von Indien verschwinden die Barte, so bei den Siamesen, Malayen, Kaimucken, Chinesen und Japanesen. Nichtsdestoweniger sind die Ainos 1S, welche die nördlichsten Inseln des japanesischen Archipels bewohnen, die behaartesten Menschen der Welt. Bei Negern ist der Kinnbart dürftig oder fehlt ganz, auch haben sie keine Backenbärte; in beiden Geschlechtern fehlt häufig das feine Wollhaar am Körper fast ganz 16. Auf der anderen Seite be- sitzen die Papuas des malayischen Archipels, welche nahezu so schwarz sind wie die Neger, wohlentwickelte Härte ". Im stillen Ocean haben die Einwohner des Fiji-Archipels grosse buschige Barte, während die- jenigen der nicht weit davon entfernten Archipele von Tonga und

ige to St. Kilda (S. edit). 1753, p. 37.

14   Sir J. E. Tennent, Ceylon; Vol. II. 1859, p. 107.

15   Quatrefages, Revue des Cours scientitiques. Aug. 29. 1868, p. 630. Vogt, Vorlesungen über den Menschen, Bd. 1, S. 159.

18 Ucber die Barte der Neger s. Vogt, Vorlesungen Ober den Menschen, Bd. 1, S. 159. W»its, Anthropologie der Naturvölker, Bd. 1, S. 110. Es ist merkwürdig, dam in den Vereinigten Staaten (Investigations in Military and An- thropological Statistics of American Soldiers. 1869, p. 569) die reinen Neger und ihre gekreuzten Nachkommen beinahe so behaarte Körper zu haben scheinen wie die Europäer.

" Wallace, The Malay Archipelago. Vol. II. 1869, p. 178.

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Cap. 19.                        Geschlechtliche Verschiedenheiten.                              301

Samoa bartlos sind. Es gehören aber diese Menschen verschiedenen Rassen an. Auf der Ellice-Gruppe gehören alle Einwohner zu einer und derselben Rasse; und doch haben auf der einen Insel allein, näm- lich auf Xunemaya, „die Männer prachtvolle Barte", während auf den andern Inseln sie »der Regel nach ein Dutzend zerstreut stehender .Haare statt eines Bartes besitzen" 18.

Ueber den ganzen grossen americanischen Continent, kann man sagen, sind die Männer bartlos, aber in beinahe allen Stämmen er- scheinen gern einige wenige kurze Haare im Gesicht, besonders im hohen Alter. Was die Stämme von Nordamerica betrifft, so schätzt Catlin, dass unter zwanzig Mannern achtzehn von Natur vollständig einen Bart entbehren, aber gelegentlich ist ein Mann zu sehen, wel- cher versäumt hat, die Haare zur Pubertätszeit auszureissen, und einen weichen, einen oder zwei Zoll langen Bart hat. Die Guarany Paraguay weichen von allen sie umgebenden Stämmen darin ab, dass sie einen kleinen Kinnbart und selbst einige Haare am Körper haben, aber keinen Backenbart19. Mr. D. Forbes, welcher diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit schenkte, hat mir mitgetheilt, dass die Aymaras und Quechuas der Cordilleren merkwürdig haarlos sind; doch erscheinen bei ihnen im hohen Alter gelegentlich einige wenige zer- streute Haare am Kinn. Die Männer dieser beiden Stämme haben sehr wenig Haare an den verschiedenen Theilen des Körpers, wo bei den Europäern Haar in Menge wächst, und die Frauen haben an den entsprechenden Theilen gar keine. Indessen erreicht das Haar auf dem Kopfe in beiden Geschlechtern eine ausserordentliche Länge und reicht häufig beinahe auf den Boden; dies ist gleichfalls bei einigen der nordamericanischen Stämme der Fall. In Bezug auf die M des Haars und die allgemeine Form des Körpers weichen die Ge- schlechter der americanischen Eingeborenen von einander nicht so be- deutend ab als bei den meisten anderen Rassen des Menschen 20. Diese

'* Dr. J. Barnard Davis, on Oceanic Races, in: Anthropological Review. April, 1870, p. 185, 191.

" Catlin, North American Indians, 3. edit. 1842. Vol. II. p. 227. lieber die Guaranys s. Azara, Voyage dans l'Amerique mi-ridion. Tom. II. 18C9. p. 58, und Rcngger, Säugethicre von Paraguay, S. 3.

'- Prof. und Mrs. Agassiz (Journey in Brazil, p. 530) bemerken, daäs die Geschlechter der americanischen Indianer weniger verschieden von einander sind als die der Neger und der höheren Rassen, s. auch Rengger, a.a.O. S. 3, über die Guaranys.

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Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

III. Theil.

icfae ist dem analog, was bei einigen verwandten Affen vor- kommt: so sind die Geschlechter des Schimpanse nicht so verschieden von einander als die des Gorilla oder Orang21.

In den vorhergehenden Capiteln haben wir gesehen, dass bei

hieren, Vögeln, Fischen, [nsecten u. s. w. viele Charactere, welche,

c allen Grund zu haben glauben, ursprünglich durch geschleclit-

ZuchtwabJ allein von einem Geschlechte erlangt worden waren,

auf beide Geschlechter überliefert worden sind. Da diese selb'

iberlieferung allem Anscheine nach in grösserer Ausdehnung beim

acht hat, so wird es viele nutzlose                hingen

n, wenn wir die dem männlichen Geschlechte eigenthümlichen

ctere in Verbindung mit gewissen anderen, beiden Geschlechtern

gemeinsamen Characteren betrachten.

Gesetz des Kampfes. — Bei barbarischen Nationen. /.. B. bei den Australiern, sind die Frauen die beständige Ursache von Kriegen zwischen den Individuen eines und desselben Stammes und zwischen war es ohne Zweifel auch in all uam l'uit ante Helenam mulier deterrima belli causa". Bei den nordamericanischen Indianern ist der Streit förmlich in ein System Jener ausgezeichnete Beobachter Heäene sagt22: - hat bei diesem Volke stets für die .Männer der Gebrauch be- 11. um eine jede Frau, welcher sie ergeben sind, zu ringen, .und natürlich führt der kraftigste Theil stets den Preis hinweg. Ein Mann. wenn er nicht ein guter Jäger und sehr beliebt ihält selten die Erlaubniss, ein Weib zu halten, welches ein i .Mann seiner Beachtung für werth hält. Dieser Gebrauch icht in allen Stämmen und veranlasst die Entwickelung bedeu- tenden Ehrgeizes unter der Jugend, welche bei allen Gelegenheiten ihrer Kindheit an ihre Kraft und Geschicklichkeit im Bingen ichf. Bei den Guanas von Südamerica heirathen, wie anführt, die Männer selten ehe sie zwanzig oder noch mehr Jahre alt sind, da sie vor jenem Alter ihre Bivalen nicht besiegen können.

21 Rütimey r, Die Grenien der Thierwelt; .ine Betrachtung zu Darwin"*

m I'rince of Wales Port. 8 . edit Dublin, 170C, p. 104. Sir J. Lubbock theilt (Origin of Civilization, 1860, p. 69) andere ähnliche Fälle aus Nord-America mit. Wegen der Guanaa von Süd-Aiuerica s. Azara, Voyages etc. Tom. II, p. 94.

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Cap. 19.

:;n;;

andere ähnliche Thatsachen mitgetheilt werden; aber selbst wenn wir keine Belege über diesen Punkt hätten, so könn- ten wir nach Analogie mit den höheren Quadrumanen23 beinahe - sein, dass das Gesetz des Kampfes beim Menschen während der frü- heren Stufen seiner Entwickelang gleichfalls geherrscht hat. Das ge- legentliche Erscheinen von Eckzähnen beutigen Tages noch, « über die anderen vorspringen, mit Spuren eines Diastema, d. h. jenes offenen Raumes zur Aufnahme des Kek/alme- der entgegengesetzten Kinnlade, ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Fall von Rucks auf einen früheren Zustand, auf welchem die 1 mit diesen Waffen versehen waren, eben               ile jetzt noch eri-

stirende männliche Quadrumanen. Es ist in einem früheren Capitel

tri worden, das- in dem Maasse, als der Mensch seine aufi Stellung erhielt und bestandig seine Hände und Arme zum Kampfe mit Stäben und Steinen ebenso wie für die anderen Zwecke des L benutzte, er auch seine Kinnladen und Zahne immer weniger und weniger gebraucht haben wird. Die Kinnladen werden dann zusammen mit ihren Muskeln in                    Nichtgebrauch verkleinert worden

sein, ebenso wie es die Zähne durch das noch nicht ganz aufgeklärte Princip               lation und der Üekonomie des Wachsthums sein wer-

den; denn wir sehen überall,                 le, welche nicht länger mehr

von Xut/.en sind, an Grösse reducirt werden. Durch solche Schritte wird die Ursprung]                                sehen den Kiefern und Zahnen

in den beiden Geschlechtern des Menschen schliesslich rolle geglichen worden sein. Der Fall                      parallel mit dem von

männlichen Wiederkäuern, bei welchen die Eckzähne zu blossen Rudimenten reducirt worden oder ganz verschwunden sind, und zwar allem Anscheine nach in Folge der Entwickelung der Hörner. Da die ungeheure Verschiedenheit zwischen den Schädeln der beiden Ge- schlechter beim Gorilla und Orang in naher Bi

der ungeheuren Eckzähne bei den Männchen steht, so können wir schliessen, dass die Verkleinerung der Kinnladen und Zähne bei den frühen männlichen Vorfahren des Menschen zu einem äusserst auffallenden und günstigen Wechsel in seiner äusseren Erscheinung geführt haben muss.

männlichen Gorillas 8. Dr. Sa vage, in: Boston Journal of Natur. Bist Vol. V. 1847, p. 423. lieber Presbytis enteUus s. The Indian Field, 1859, p. 146.

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301

Geschlechtliche Zuchtwahl:

111 IK.il.

Es lässt sich nur wenig daran zweifeln, dass die bedeutendere Grösse und Stärke des Mannes im Vergleiche mit der Frau, in Ver- bindung mit seinen breiteren Schultern, seiner entwickelteren Musku- latur, seinen eckigeren Körperumrissen, seinem grösseren Muthe und seiner grösseren Kampflust, sämmtlich zum grössten Theile Folgen der Vererbung von seinen frühen halbmenschlichen männlichen Ur- erzeugern sind. Diese Charactere werden indess auch während der langen Zeiten, wo der Mensch sich noch immer in einem barbarischen Zustande befand, erhalten oder selbst gehäuft worden sein, und zwar durch den Erfolg der stärksten und kühnsten Männer, sowohl in dem allgemeinen Kampfe um's Leben, als in ihren Streiten um Frauen; einen Kampf, welcher ihnen das Hinterlassen einer zahlreicheren Nachkom- menschaft als ihren weniger begünstigten Brüdern sicherte. Es ist nicht wahrscheinlich, dass die grössere Kraft des Mannes ursprünglich durch die vererbten Wirkungen seiner grösseren Thätigkeit erlangt wurde, dass er nämlich uro seine eigene Subsistenz wie um die seiner Familie härter gearbeitet habe als die Frau; denn die Frauen sind bei allen barbarischen Nationen gezwungen, mindestens ebenso hart ZU arbeiten als die Männer. Bei civilisirten Völkern hat die Ent- scheidung durch einen Kampf um den Besitz der Frauen lange auf- gehört; andererseits haben der allgemeinen Kegel zufolge die Männer stärker als die Frauen um ihre gemeinsame Subsistenz zu arbeiten; und hierdurch wird ihre grössere Kraft erhalten worden sein.

"hiedenheiten in den geistigen Kräften der beiden Geschlechter. — In Bezug auf Verschiedenheiten dieser Natur zwischen dem Manne und der Frau ist es wahrscheinlich, dass ge- schlechtliche Zuchtwahl eine sehr bedeutende Rolle gespielt hat. Ich weiss sehr wohl, dass einige Schriftsteller bezweifeln, ob überhaupt irgend welche inhärente Verschiedenheit der Art besteht; dies ist aber nach der Analogie mit niederen Thieren, welche andere secundäre Sexualcharactere besitzen, mindestens wahrscheinlich. Niemand wird iten, dass dem Temperament nach der Bulle von der Kuh, der wilde Eber von der Sau, der Hengst von der Stute und, wie den Me- nageriebesitzern wohlbekannt ist, die Männchen der grösseren Affen von den Weibchen verschieden sind. Die Frau scheint vom Manne in Bezug auf geistige Anlagen hauptsächlich in ihrer grösseren Zartheit und der geringeren Selbstsucht verschieden zu sein; und dies gilt

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Cap. 19.                                          M Mann und Frau.                        305

selbst für Wilde, wie aus einer wohlbekannten Stelle in Mongo Paek'a Keisen und aus den von vielen anderen Reisenden gemachten Angaben hervorgeht. In Folge ihrer mütterlichen Instincte entfaltet die Frau dies.- Eigenschaften gegen ihre Kinder in einem ausserordentlichen Grade. Es ist daher wahrscheinlich. dass sie dieselben häufig auch auf ihre Mitgeschöpfe ausdehnen wird. Der Mann ist Kival anderer Männer; er freut sich der Concurrenz und diese führt zu Ehrgeiz, welcher nur zu leicht in Selbstsucht übergeht. Die letzteren Eigen- ben scheinen sein natürliches und unglückliches angeborenes Recht zu sein. Es wird meist zugegeben, dass beim Weibe die Vermögen der Anschauung, der schnellen Auffassung und vielleicht der Nach- ahmung stärker ausgesprochen sind als beim Mann. Aber mindestens dieser Fähigkeiten sind für die niederen Hassen characteristisch und daher auch für einen vergangenen und niederen Zustand der Zivilisation.

Der hauptsächlichste Unterschied in den intellectuellen Kräften der beiden Geschlechter zeigt sich darin, dass der Mann zu

jeren Höhe in Allem, was er nur immer anfängt, gelangt, als zu welcher sich die Frau erheben kann, mag es nun tiefes Nachdenken Vernunft oder Einbildungskraft, oder bloss den Gebrauch der Sinne und der Hände erfordern. Wenn eine Liste mit den ausgezeichnetsten .Männern und eine zweite mit den ausgezeichnetsten Frauen in Poesie, Malerei, Sculptur, .Musik (mit Einschluss sowohl der Compositum als der Ausübung), der Geschichte, Wissenschaft und Philosophie mit einem halben Dutzend Namen unter jedem Gegenstande angefertigt würde, so würden die beiden Listen keinen Vergleich mit einander aushalten. Wir können auch nach dem Gesetze der Abweichungen vom .Mittel, welches Mr. Galton in seinem Ruche über erbliches hat, Bchliessen, dass wenn die .Männer einer entschiedenen Ueberlegenheit über die Frauen in vielen Gegenständen fähig sind, der mittlere Maas-stab der geistigen Kraft beim -Manne über dem der Frau stehen muss.

Die halbmenschlichen männlichen Drerzeuger des Menschen und die Männer v.>n wilden Völkern haben viele Generationen hindurch mit einander um den Besitz der Weiber gekämpft. Aber blosse körper- liche Kraft und Grösse werden nur wenig zum Siege beitragen, wenn sie nicht mit Muth. Ausdauer und entschiedener Energie vergesell- schaftet wiren Bsi soci den liieren haben Q13 jungea Minnohen gir

DARWBI, Abstammung. II. Drlue Auflage. (VI.)                                             20

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306                                  Geschlechtliche Zuchtwahl: M-:                               111. Theil.

manchen Streit durchzumachen. ehe sie ein Weibchen gewinnen, und die älteren Männchen können ihre Weibchen nur durch erneute Kämpfe sich erhalten. Sie haben auch, wie beim Menschen, ihre Weibchen ebenso wie ihre Jungen gegen Feinde aller Arten zu vertheidigen und um ihre gemeinsame Erhaltung zu jagen. Aber Feinde zu vermeiden oder sie mit Erfolg anzugreifen, wilde Thiere zu fangen und Waffen zu erfinden und zu formen, erfordert die Hülfe der höheren geistigen Fähigkeiten, nämlich Beobachtung, Vernunft. Erfindung oder Einbil- dungskraft. Diese verschiedenen Fähigkeiten werden daher beständig auf die Probe gestellt und während der Mannheit bei der Nachzucht berücksichtigt worden sein: sie werden überdies während dieser selben Periode des Lebens durch Gebrauch gekräftigt wurden sein. Folglich können wir in Debereinstimmung mit dem oft erwähnten Principe er- warten, dass sie mindestens die Neigung zeigen, in der entspn den Periode der Mannbarkeit hauptsächlich auf die männlichen Nach- kommen überliefert zu werden.

Wenn nun zwei Männer mit einander oder ein .Mann mit einer Frau, von denen beide jede §                        laft in derselben Vollen-

dung besitzen, mit der Ausnahme, dass der eine gr—re 1 Ausdauer und .Mut 11 bat. in Concurrenz gerathen, so wird allgemein letztere hervorragender in jedem Streben werden, was auch der Gegenstand gewesen sein mag, und wird den Sieg gewinnen". Man kann sagen, er hat Genie besessen, denn Genie ist von einer grossen Autorität für nichts Anderes als für Geduld erklärt wurden, und Ge- duld in diesem Sinne bedeutet: nicht zurückweichende, unerschrockene Ausdauer. Diese Ansieht vom Genie i-i aber vielleicht anzureichend, denn ohne di                Kräfte der Einbildungskraft und des Verstandes

kann in vielen Gebieten kein eminenter Erfolg erreicht werden. Diese

ren werden aber                    wie die früheren Fähigkeiten beim

theils durch geschlechtliche Zuchtwahl, d. h. durch den Streit

rivalisirender Männchen, und theils durch natürliche Zuchtwahl, d. h.

nach dem Erfolg in dem allgemeinen Kampfe um's Leben entwickelt

worden sein; und da in beiden Fallen der Kampf während des

irden die hierdurch erli

21 J. Stuart Hill bemerkt (The Subjecäon of Women, 1869, p. 122): „die it&nde, in denen der Mann die Krau am .                     trifft, Bind diejenigen,

„kens erfordern". \\.                        lers als Enerf

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Cap. 19.

vi.ii Mann und Frau.

307

ractere auch vollständiger den männlichen als den weiblichen Nach- kommen überliefert worden sein. Es ist mit dieser Ansicht, dass viele unserer geistigen Fähigkeiten durch geschlechtliche Zuchtwahl modifi- cirt oder gekräftigt worden sind, übereinstimmend, dass sie erstens, wie notorisch ist, zur Zeit der Pubertät eine beträchtliche Veränderung erleiden -'. und zweitens, dass Eunuchen während ihres ganzen Lebens in diesen selben Eigenschaften niedriger entwickelt bleiben. Hierdurch ist schliesslich der Mann dem Weibe überlegen worden. Es ist in der That ein Glück, dass das Gesetz der gleichmäßigen Ueberlieferung der Charactere auf beide Geschlechter allgemein bei Säugethieren ge- herrscht hat: im anderen Falle würde wahrscheinlich der Mann in Bezug auf geistige Befähigung der Frau so viel überlegen worden sein, wie der Pfauhahn in Bezug auf ornamentales Gefieder der Pfau- henne.

Man muss sich daran erinnern, dass die Neigung der von einem der beiden Geschlechter in einer späteren Lebensperiode erlangten Charactere, auf dasselbe Geschlecht in demselben Alter überliefert zu werden, und die Neigung der in einem früheren Alter erlangten Cha- ractere. auf beide Geschlechter vererbt zu werden, Regeln sind, welche, wenn auch allgemein, doch nicht immer sich als gültig erweisen. Gäl- ten sie immer, so konnten wir /.u dem Schlüsse kommen (doch schweife ich hier etwas über die mir gezogene Grenzen hinaus), dass die ver- erbten Wirkungen der frühen Erziehung von Knaben und Mädchen gleichmässig auf beide Geschlechter überliefert würden, so das gegenwärtige Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in geistiger Kraft nicht durch einen ähnlichen Hang ihrer frühen Erziehung wischt weiden könnte; auch könnte sie nicht durch ihre ungleiche frühere Erziehung verursacht worden sein. Damit die Frau dii

wie der Mann erreichte, müsste sie in der Nähe ihrer Reifezeit zur Energie und Ausdauer und zur Anstrengung ihres Verstandes und ihrer Einbildungskraft bis auf den höchsten Punkt erzogen werden; und dann würde sie wahrscheinlich diese Eigenschaften hauptsächlich ihren erwachsenen Töchtern überliefern. Alle Frauen könnten ii nicht hierdurch in die Höhe gebracht werden, wenn nicht viele Ge- nerationen hindurch diejenigen Frauen, welche sich in den eben er- wähnten kr;                genden auszeichneten, verheirathet würden und

-' llandaley, Mind and Body, p. 31.

20*

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308                               Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                      III. Tlieil.

Nachkommen in grösserer Anzahl erzeugten als andere Frauen. Wie vorhin in Bezug auf körperlich*' Kräfte bemerkt wurde, bo haben die Manner, wenn sie auch jetzt nicht mehr um den Besitz der Weiber kämpfen nnd überhaupt diese Form der Auswahl vorübergegangen ist, doch im Allgemeinen während des Mannesalters einen heftigen Kampf zu bestehen, um sich selbst und ihre Familien zu erhalten; dies wird dazu führen, die geistigen Kräfte auf ihrer Höhe zu erhalten oder selbst zu vergrößern und als Folge hiervon auch die jetzige Un- gleichheit zwischen den Geschlechtern gleich gross zu halten oder noch bedeutender zu machen 2fi.

Stimme und musikalische Begabung. — Bei einigen Species der Quadrumanen besteht eine grosse Verschiedenheit zwischen den erwachsenen Geschlechtern in der Kraft der Stimme und in der Ent- wickelung der Stimmorgane, und der Mensch scheint dies*' Verschie- denheit von seinen frühen örerzeugern ererbt zu haben. Die Stimm- bänder des Mannes sind ungefähr ein Drittel länger als bei der Pran oder als bei Knaben; nnd Entmannung bringt hei ihm dieselbe Wir- kung hervor, wie bei den niederen Thieren j denn „sie hält jenes her- vortretende Wachsthum des Schildknorpels u. s. w. auf, welches die .Verlängerung der Stimmbänder b                                 \ auf die Ur-

dieser Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern habe ich den im letzten Capitel gegebenen Bemerkungen über die wahrscheinlichen Wirkungen des lange fortgesetzten Gebrauches der Stimmorgane Sei- tens des Männchens unter den Erregungen der Liebe, Wuth und Eifer- sucht nichts hinzuzufügen. Nach Sir Duncän i                 die Stimme und die Form des Kehlkopfes in den verschiedenen Rassen des Men- schen verschieden; doch soll, der Angabe nach, bei den Eingeborenen der Tartarei, von China u. s. w. die Stimme des Mannes nicht so be-

26 Eine Beobachtung Vogt's bezieht sich auf diesen Gegenstand; er sagt: „es ist ein auffallendes Verhältnis*, dass der Abstand 3er Geschlechter in Be- ziehung auf die Schädelhöhle mit der Vollkommenbeil der Rasse zunimmt, so „dass der Europäer weit mehr die Europäerin überragt, als der Neger die „rin. Welcker Badet diesen von Hasofcke aufgestellten Satz in Polgi „Messungen bei Negern und bei Deutschen bestätigt", Vogl l'iiiri indessen hinzu (Vorlesungen über den Menschen. Bd. 1. S. 95): „doch würde es noch mannich- „facher Untersuchung bedürfen, um die allgemeine Geltung zu beweis

*' Owen, inatomy of Vertehrates. Vol. III. p. 603.

-" Journal of Anthropolog. Soc. April, 1869, p. l.VII and I.W I.

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Stimme und musikalische Begabung.                            309

deutend von der des Weibes verschieden sein, wie in den meisten

BD Kassen.

Die Fähigkeit und Liebe zum Singen und zur Musik, veno de auch kein geschlechtliches Merkmal beim Menschen ist, darf liier nicht übergangen werden. Obschon die ?on Thieren aller Arten ausg senen Laute vielen Zwecken dienen, kann doch Nachdruck darauf ge- legt werden, dass die Stimmorgane ursprünglich in Beziehung zur Fortpflanzung der Art gebraucht und vervollkommnet wurden. In- secten und einige wenige Spinnen sind d                ten Thiere, welche

absichtlich einen Laut hervorbringen, und dies wird allgemein mit Hülfe sehr schön construirter Stridulationsorgane bewirkt, welche häufig allein auf die Männchen beschränk) sind. Die hierdurch her- vorgebrachten Laute bestehen, wie ich glaube, in allen Fallen aus einem und dem Dämlichen Tun.-, welcher rhythmisch wiederholt wird -'", und dies ist zuwi.il,'ii selbst für das Ohr des Menschen angenehm. Ihr hauptsächlicher und in einigen Fallen ausschliesslicher Nutzen seheint darin zu bestehen, entweder das                   ihlecht zu rufen oder es

zu bezaubern.

Die von Fischen hervorgebrachten Laute sollen, wie man sagt, in

i Fallen nur von den Männchen wahrend der Paarungszeit her- vorgebracht werden. Alle luftathmenden Wirbelthiere besitzen not- wendiger Weise einen Apparat zum Einathmen und Ausstossen von Luft mit einer Röhre, welche fähig ist, an einem Ende geschlossen zu werden. Wenn daher die ursprünglichen Glieder dieser Classe stark erregt und ihre Muskeln heftig zusammengezogen wurden, so wi beinahe sicher absichtslos Laute hervorgebracht worden sein, und wenn diese sieh in irgend welcher Weise nutzbar erwiesen, können sie leicht durch die Erhaltung gehörig angepasster Abänderungen modificirt oder intensiver gemacht winden sein. Die Amphibien sind die niedrigsten Wirbelthiere, welche Luft athmen, und viele von diesen Thieren. Däm- lich Frösche und Kröten, besitzen Stimmorgane, welche wahrend der Paarungszeit unaufhörlich benutzt werden und welche häufig beim Männchen bedeutender entwickelt sind als beim Weibchen. Nur das Männchen der Schildkröte äussert einen Laut, und dies allein während der Zeit der Liebe. Männliche Alligatoren brüllen oder bellen während derselben Zeit. Jedermann weiss, in welcher Ausdehnung Vögel ihre

:- Dr. Scudder, Note« on Stridnlation, in: Proceed. L XI. April, 1868.

The Co                         of Charles Darwin Online

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310

Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

III. Theil.

Stimmorgane als Mittel der Brautwerbung benutzen, und einige Species üben auch etwa;, was man Instrumentalmusik nennen könnte, aus.

In der Classe der Säugetbiere, mit welchen wir es hier ganz be- sonders zu tbun baben, gebrauchen die Männchen von beinahe allen Species ihre Stimmen während der Paarungszeit viel bedeutender als zu irgend einer anderen Zeit, und einige sind mit Ausnahme Zeit absolut stumm. Bei anderen Species benutzen beide Geschlechter oder allein die Männchen ihre Stimmen zu Liebesrufen. In Anbetracht dieser Thatsachen und des [Jmstandes, dass die Stimmorgane einiger Säugethiere viel bedeutender beim Männchen als beim Weibchen ent- wickelt sind, und zwar entweder permanent oder nur zeitweise wäh- rend der Paarungszeit, und ferner in Anbetracht, dass bei den meisten der niederen Gassen die von den Männchen hervorg                i Laute

nicht bloss dazu dienen, das Weibchen zu rufen, sondern auch es an- zureizen oder zu locken, ist es eine überraschende Thatsache, dass wir bzt keine guten Beweise dafür haben, dass diese Organe von männlichen Säugethieren dazu benutzt würden, die Weibchen zu be- zaubern. Der americanische Mycetes caraya bildet vielleicht eine nähme, wie noch wahrscheinlicher einer jener Allen, welche dem Men- schen noch näher kommen, nämlich der Hylobates agilis. Dieser Gibbon hat eine ins                  >, aber musikalische Stimme. Mr. Watkr-

führt an30: „Es schien mir, als oh beim Auf- und Abgehen „der Scala die Intervalle immer genau halbe Töne wären, und sicher „war der höchste Ton die genaue Octave des niedrigsten. Die Qua- lität der li                   : musikalisch, und ich zweifle nicht, da! „guter Violinspieler im Stande ist, eine correi                   lung von der isition des Gibbon zu geben, ausgenommen in Bezug auf die „Lautlich--. Mr. Waterhoüse gibt dann die Noten. Professor Owen, welcher gleichfalls ein Musiker ist, bestätigt die vorstehenden An- gaben und bemerkt, allerdings irrthümlicher Weise, dass man von diesem Gibbon ..allein unter den Säugethieren sagen kann, dass er singe". Er scheint nach seiner musikalischen Auffährung sehr er- regt zu sein. Unglücklicherweise sind seine Gewohnheiten niemals im Naturzustände eingehend beobachtet worden; aber nach der Ana- logie mit beinahe allen übrigen Thieren ist es äusserst wahrscheinlich,

TO Mitgetheilt in W. C. L. Martin's General [ntroductäon to the Natur. Hist. of Hamm. Animals. 1841, p. 432. Owen, Anatomy of Vertehrates. Vol. 111.

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Musikalische Begabung.

311

dass er seine musikalischen Töne besonders während der Zeit der Be- werbung

Dieser Gibbon ist nicht die einzige Species der Gattung, welche

; mein Sohn. Francis Darwin, bat im zoologischen Garten auf- merksam dem II. leuciscus zugehört, als derselbe eine Cadenz von drei Noten in reinen, musikalischen Intervallen und mit einem hellen musikalischen Tone sang. Noch überraschender ist die Thatsache, Nagethiere musikalische Laute hervorbringen. Häufig sind singende Mäuse erwähnt und zu öffentlicher Ausstellung gebracht worden; gewöhnlich hatte man aber den Verdacht einer Betrügerei. Wir haben indess endlich von einem wohlbekannten Beobachter, S. Lockwood, einen klaren Bericht31 über die musikalisch''» Kräfte einer americanischen Art erhalten, der Hesperomya cognotus, welche zu einer von der englischen Maus verschiedenen Gattung gehört. Dies kleine Thier wurde in Gefangenschaft gehalten u                    ang wurde wieder-

hat gehört. Bei einem der hauptsächlichsten Gesänge „wurde der „letzte Tacl häufig zu zweien oder dreien                   n; zuweilen wech-

das Thierchen von Cis und 1) zu C und D, dann trillerte es „eine kurze Zeit lang auf diesen beiden Tönen und schloss dann mit „einem schnellen Zirpen auf eis und 1>. Der Unterschied /.wischen ..den beiden halben Tönen war sein- ausgesprochen und für ein g „Ohr leicht vernehmbar". Mr. Lockwood führt bi                  je mit

Noten an. und fügt noch hinzu, dass diese kleine Maus, obschon sie „kein Ohr für Tact hatte, doch die Tonart von B (zwei b's) und genau

„die Dur-Tonart inne hielt*......ihre weiche klare Stimme lallt

„mit aller möglichen Präcision um eine Octave, beim Schluss hebt „sie sich dann wieder zu einem sehr schnellen Triller auf Cis und D-.

Ein Kritiker bat gefragt, auf welche Weise die Ohren des Men- Bchen (und anderer Thiere, hatte er hinzusetzen müssen) durch Zucht- wahl -so modificirt werden konnten, dass sie musikalische Tone unter- scheiden. Diese Frage zeigt aber, dass über diesen Gegenstand etwas Confusion vorhanden war. Ein Geräusch ist eine Empfindung, welche das Resultat des gleichzeitigen Vorhandenseins von „einfachen Schwin- o" der Luft von verschiedenen Perioden ist, von welchen eine

so häufig intermittirt, dass ihr gesondertes Vorhandensein nicht wahrgenommen werden kann. Nur durch den Mangel der Continuität

51 The American Naturalist, 1871, p. 761.

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312

Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

III. Theü.

derartiger Schwingungen und durch den Mangel der Harmonie unter sich (reicht ein Geräusch von einem musikalischen Tone ab. Soll daher ein Ohr im Stande sein, Geräusche zu unterscheiden — und die hohe Bedeutung dieser Fähigkeit für alle Thiere wird von Jedermann zugegeben —, so muss es auch für musikalische Töne empfindlich sein. Für das Vorhandensein dieser Fähigkeit haben wir selbst bei sehr tief in der Thierreihe stehenden Formen Beweise: so haben Krustenthiere Hörhaare ran verschiedener Länge, welche man hat schwingen sehen, wenn die richtigen musikalischen Töne angeschlagen wurden3*. Wie in einem früheren Capitel-angeführt wurde, sind ähn- liche Beobachtungen auch ober die Haare an den Antennen der Mücken gemacht worden. Von guten Beobachtern ist positiv behauptet wor- den, dass Spinnen ron .Musik angezogen werden. Es ist auch ganz bekannt, dass manche Hunde heulen, wenn sie besondere Töne hören33. Robben würdigen offenbar die .Musik: ihre Vorliebe rar solche .war ..den Alten ganz wohl bekannt und noch heutigen Tages ziehen Jäger „Vortheil aus derselben- '*.

Soweit daher die blosse Wahrnehmung musikalischer Töne in Betracht kommt, scheint in Bezug auf den Menschen ebensowenig wie auf irgend ein anderes Thier eine besondere Schwierigkeit vorzuliegen. Helmholtz hat mit physiologischen Gründen erklärt, warum Conso- nanzen dem menschlichen Ohre angenehm, Dissonanzen unangenehm sind: wir haben es aber hier nur wenig mit diesen zu thun. da har- monische Musik eine späte Erfindung ist. Wir haben es hier mehr mit der Melodie zu thun, und auch da ist es, Helmholtz zufolge, wohl einzusehen, warum die Töne unsrer musikalischen Tonleiter be- nutzt werden. Das Ohr zerlegt alle Klänge in die dieselben zusammen- setzenden „einfachen Schwingungen", wenngleich wir uns dieser Ana- lyse nicht bewusst sind. Bei einem musikalischen Tone ist die tiefste jener Schwingungen allgemein die vorherrschende, die anderen, weniger deutlich ausgesprochenen, sind die Octave, Duodecime, Doppeloctave u. s. \s.. sämmtlich harmonisch zu dem vorherrschenden Grandton;

* Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen. 3. Aufl. 1870, p. 234.

" Berichte in diesem Sinne sind verschiedene veröffentlicht worden. Mr. Peach schreibt mir, dass er wiederholt beobachtet bat, wie ein alter Hund von ihm heulte, wenn B auf der Flöte geblasen wird, aber bei keinem andern Tora Ich will noch einen andern Fall von einem Hunde anführen. dir .stets winselte, wenn ein bestimmte! Ton auf einer verstimmten Concertine gespielt

" F. Brown, in: Proceed. Zoolog. Soft 1868, p. 4in.

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C»p. 19.                           Musikalische Begabung.                                313

jede zwei Noten unserer Scala haben viele dieser harmonischen Ober- töne gemeinsam. Es scheint daher ziemlich klar zu sein, dass, wenn ein Thier immer genau denselben Gesang zu singen wünscht, es Bich dadurch leiten lassen wird, dass es diejenigen Töne nacheinander an- schlagt, welche viele Obertöne gemeinsam besitzen, d. h. es wird zu seinem Gesang Töne wählen, welche zu unserer musikalischen Ton- leiter gehören.

Wenn aber ferner gefragt wird, warum musikalische Time in einer

Mi Ordnung und einem bestimmten Rhythmus dem Menschen und anderen Thieren Vergnügen bereiten, so können wir hierfür ebenso- wenig einen Grund anführen, wie für das Angenehme gewisser Ge- rüche und Geschmäcke. Dass sie Thieren Vergnügen irgend einer Art bereiten, können wir daraus Bchliessen, dass sie zur />'it der B Werbung von vielen [nsecten, Spinnen. Fischen, Amphibien und \ producirt werden; denn wenn die Weibchen nicht fähig wären, solche Laute zu würdigen, und wenn sie nicht von ihnen angeregt oder be- zauberl würden, so würden die ausdauernden Anstrengungen der Mann- chen und die häufig nur ihnen allein zukommenden complicirten Ge- bilde nutzlos sein; und dies kann man unmöglich glauben.

Allgemein wird                      dass der menschliche Gesang die

Grundlage oder der Ursprung der Instrumentalmusik ist. Da weder die Freude an dem Hervorbringen musikalischer Töne noch die Fähig- keit hierzu von dem geringsten Nutzen für den Menschen in Bezii zu seinen gewöhnlichen Lebensverrichtungen sind, so müssen sie unter die mysteriösesten gerechnet werden, mit welchen er versehen ist. Sie sind, wenn auch in einem sehr rohen Zustande, bei Menschen aller

. selbsl den wildesten, vorhanden: der Geschmack der verschie- denen Rassen ist aber so verschieden, dass unsere Musik den Wilden nicht das mindeste Vergnügen gewährt und ihre Musik für uns widrig und sinnlos ist. Dr. Seemann macht einige interessante Bemerkungen über diesen Gegenstand ss und ..zweifelt, ob selbst unter den Nationen „des westlichen Europa's, so intim sie auch durch nahen und häufigen „Verkehr verbunden sind, die Musik der einen von den anderen in „dem nämlichen Sinne aufgefasst wird. Reisen wir nach Osten, so

34 Joiirn.il of Anthropological Society. Oct. 1870, p. CLV. s. auch die ver- schiedenen späteren Capitcl in Sir .1. I.ubbock's Prehistoric Times, 2. eilit. 1869, welche eine ausgezeichnete Schilderung der Gewohnheit, n der Wilden ent- halten.

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314

btliche Züchtwahl i

m.Theü.

„finden wir, dass sicher eine verschiedene Sprache der .Musik bestellt.

nge der Freude und Begleitung zum Tanze sind nicht länger ..wie hei uns in den Dur-, sondern immer in den Molltoni Mögen nun die halbmenschlichen Drerzeuger des Menschen, wie die singenden Gibbons, die Fähigkeit, musikalische Töne hervorzubringen und daher auch ohne Zweifel zu würdigen, besessen haben oder ni

der Mensch diese Fähigkeiten in einer sehr weil zurückliegenden Periode besass. Labtet hat zwei. aus Knochen und Geweihstücken des Renthiers gefertigte Flöten beschrieben, welche in Bohlen zusammen mit Feuersteinwerkzeugen und den Eli

ner Thiere gefunden worden sind. Auch die Künste des Singens und Tanzens sind sehr alt und werden jetzt von allen oder beinahe allen niedrigsten Menschenrassen geübt. Die Poesie, welche als das Kind des Gesanges betrauhtet werden kann, ist gleichfalls so alt. dass viele Personen darüber -'in Erstaunen erfüllt hat. dass sie während der frühesten Zeiten, von denen wir überhaupt einen Berichi haben, ent- standen sein sollte.

Die musikalischen Fähigkeiten, welche keiner Rasse vollständig fehlen, sind einer prompten und bedeutenden Entwicklung fähig, wie wir l"'i Hottentotten und Negern sehen, welche ausj                 .Musi-

ker geworden sind, obscbon sie in ihren Heimathsländern nur selten etwa- ausüben, was wir als Musik betrachten würden. Schwkinfükth wurde indess von einigen der einfachen Melodien, welche er im Innern rica hörte, angenehm berührt. Es liegt alier in dem Umstände, dass musikal                         m heim Menschen schlummern können,

nichts Abnormes:                   scies von Vögeln, welche von Natur nie-

mals singen, kann ohne gross                . keit das Singen gelehrt wer-

den: so hat ein Haussperling den Gesang eines Hänflings gelernt. Da diese beiden Species nahe verwandt sind und zur Ordnung der Insessores gehören, welche beinahe all.' Singvögel der Welt umfasst, so ist es möglich, ilass der Urerzeuger des Sperlings ein Sänger ge- kann. Es isi eine viel merkwürdigere Thatsache, dass Papageien, welche zu einer von den Insessores verschiedenen Gruppe gehören und verschieden gebaute Stimmorgane haben, nicht bloss ge- lehrt werden können zu sprechen, sondern auch von Menschen erfun- dene Melodien zu pfeifen oder zu singen, so dass sie einige musika- lische Fähigkeit haben müssen. Nichtsdestoweniger wäre es äusserst

ig, anzunehmen, ilass die Papageien von irgend einem alten Vor-

jinolete Work of Charles Darwin Online

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Musikalische Begabung

315

fahren abstammten, welcher ein Sänger gewesen wäre. Es Hessen sich FUle anführen, wo Organe und Instincte, welche ursprünglich einem bestimmten Zwecke angepasst waren, einem anderen völlig

dienstbar gemacht worden sind36. Es kann daher die Fähigkeit für höhere musikalische Entwickelung, welche die wil- den Rassen des Menschen besitzen, entweder die Folge davon Bein, insere halbmenschlichen ürerzeuger irgend eine rohe ITorm von Musik ausgeübt haben, oder davon, dass sie einfach zu einem ver- schiedenen Zwecke die gehörigen Stimmorgane erlangt haben. Aber in diesem letzteren Falle müssen wir annehmen, dass sie. wie in dem eben erwähnten Beispiele der Papageien und wie es bei vielen Thie- ren vorzukommen scheint, bereits einen gewissen Sinn für Melodie besessen haben.

Die Musik erweckt verschiedene Gemüthserregungen in uns, regt alier nicht die schrecklicheren Gremüthsstimmungen des Entsetzens, der Furcht. Wuth u. s. w. an. Sie erweckt die sanfteren Gefühle der Zärtlichkeit und Liehe, welche leicht in Ergebung übergehen. In den Chinesischen Annalen wird gesagt: ..Musik hat die Kraft, den Him- „mel auf die Erde herabsteigen zu machen". Sie regt gleichfalls in uns das Gefühl des Triumphes und das ruhmvolle Erglühen für den Krieg an. Diese kraftvollen und gemischten Gefühle können wohl dem Gefühle der Erhabenheit Eni                           Wir können, wie Dr.

\ bemerkt, eine                         tat des Gefühls in einem ein-

zigen musikalischen Tone concentriren als in seitenlangem Schreiben. Nahezu dieselben Erregungen, aher viel schwächer und weniger com- plicirt, werden wahrscheinlich von Vögeln empfunden, wenn das Männ- chen seinen vollen Stimmumfang in Rivalität mit anderen Männchen zum Zwecke des Bezauberns des Weibi                trömen lässt. Die

Liebe ist noch immer das häufigste Thema unserer Gesänge. Wie

" Seitdem dieses Capitel gedruckt ist. habe ich einen werthvollen Artikel von Mr. Chauncej Wright (North Amerie. Review, Oct 1*70, p. 203) gesehen, welcher nach Krürterung des obigen Gegenstandes noch bemerkt:

:.Stimmungen der Natur, nach welchen die „Erlangung einer nützlichen Kraft viele reanltirende Vortheile eh „schränkende Nachtheile, sowohl factische als nur mögliche mit sich bringt, welche „das Princip der Nützlichkeit nicht mit in Beinen Wirkungskreis gezogen haben .kann", lue- Princip hat I                                        wie ich in einem der frühe-

liegenden Werks zu zeigen versucht habe, mit Rücksicht auf die durch dei                     Uzogene Erlangung einiger seiner geistigi

haften.

The CorriDiete Work of Charles

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316                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theil.

Herbebt Spesceb bemerkt: „die Musik regt schlummernde Empfindun- gen auf, deren Möglichkeit wir nicht begriffen hatten und deren Be- deutung wir nicht kennen", oder wie Jkas Paul sagt: „sie erzählt „uns von Dingen, die wir nicht gesehen haben und nicht sehen wer- „den". Umgekehrt werden, wenn lebhafte Erregungen gefohlt und vom liedner ausgedrückt oder selbst in der gewöhnlichen Sprache er- wähnt werden, musikalische Cadenzen und Rhythmus instineti braucht. Wird der africanisebe Neger erregt, so bricht er häufig in i andrer antwortet mit Gesang, wahrend die übrige „Gesellschaft, als wäre sie von einer musikalischen Welle berührt, in ..vollkommenem Gleichklang einen Chor murmelt" :n. Selbst Allen drücken starke Gefühle in verschiedenen Tönen, Aerger und Ungeduld durch niedrige, Furcht und Schmer/, durch hohe Töne aus3". Die durch Musik oder durch die Cadenzen leidenschaftlichen Redevortrags in uns angeregten Empfindungen und [da               neu, wegen ihrer

timmtheit aber doch Tiefe, wie geistige Rückschläge auf Er- regungen und Gedanken einer lange vergangenen X

Alle diese Thatsachen in Bezug auf Musik und leidenschaftliche Rede werden in einer gewissen Ausdehnung verständlich, wenn wir annehmen dürfen, dass musikalische Töne und Rhythmen von den halb- menschlichen Qrerzeugern des Menschen während der Zeit der Braut- werbung gebraucht wurden, in einer Zeit, in der Thiere aller Arten nicht nur von Liebe, sondern auch von den starken Leidenschaften der Eifersucht, Rivalität und des Triumphes erregt werden. In diesem Falle werden nach dem tief eingepflanzten Principe vererbter Ae Honen musikalische Töne sehr leicht in einer vagen und unbestimm- ten Art die starken Erregungen einer langst vergangenen Zeit hervor- rufen. Da wir allen Grund zu vermuthen haben, dass die articulirte Sprache, wie sie sicher die höchste ist, eine der am spätesten vom len erlangten Künste ist, und da das instinetivi               n, mu-

sikalische Töne und Rhythmen zu produciren, in der Thierreih weit hinab entwickelt ist. SO wäre es durchaus mit dem Principe der Entwickelung in Widerspruch, wenn wir annehmen sollten, dass die musikalische Fähigkeil des Men-clien sich von den in der leidenschafts- losen Hede benutzten Tönen aus entwickelt hätte. Wir müssen an-

: Winw.....i Reade, The Martyrdom ofMan, 1872, p. 441, and „African

Sketch Book", 1873, Vol. II, p. 313.

s« Beugter, Sängethiere von Paraguay, 8. 49.

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Cap. 19.

Musikalische Begabung.

317

nehmen, dass die Rhythmen und Cadenzen der oratorischen Spraehe rorher entwickelten musikalischen Kräften herznleiten sind39. Auf dii                können wir verstehen, woher ee kommt, dass .Musik.

Tanz, Gesang and Poesie so sehr alte Künste sind. Wir können noch weiter gehen and, wie in einem früheren Capitel bemerkt wurde, annehmen, dass musikalische Laute eine der Grundlagen für die Ent- wickelnng der Spraehe abgaben 4".

Da die Männchen mehrerer quadrumanen Thiere viel hoher ent- wickelte Stimmorgane besitzen als die Weibchen, und da ein Gibbon, eine Art der anthropomorphen Affen, ein

Töne erklingen lässt and, wie man wohl sagen kann, singt, so scheint die Vermuthung nicht unwahrBcheinlich zu sein, dass die Drer des M                 ntweder die Mannchen oder die Weibchen oder beide

r, ehe sie das Vermögen, ihre gegenseitige Liebe in arti- kulirter Sprache auszudrücken, erlangt hatten, sich einander in musi- kalischen Tönen and Rhythmen zu bezaubern versuchten. In ! auf den Gebrauch der Stimme bei den Quadrumanen während der Zeil der Liebe ist so wenig bekannt, dass wir kaum irgend ein Mittel zur Beurtheilung besitzen, ob die Gewohnheit zu singen zuerst von nnsern männlichen oder von onsern weiblichen (Trerzengern erlangt winde. Man nimmt allgemein an, dass Frauen lieblichere Stimmen besitzen

:. 1 die Function der Musik v                                      : in -einen g                                . 1858. p. 359.

Mr. Spencer kommt zu einem, dem genau ent ehern ich gelangt bin. Er folgert, wie - früher Diderol (hat, dass die in '1er

mfälle die Gl Musik entwickelt hat; während icl                                                           md Rhythmus

len männlichen ''der weiblichen l                                               erlangt

. n dem Zwecke, das andere Ges                          inbern, Hierdurch worden

musik.:'.                                                                               Dschaften verbanden, welohe

?u fühlen ein Tili.:                        .:] werden nun in 1

durch d                                - benntit. wenn starke Erregungen in di

drückt werden. Mr. -                                            adwie befriedigende Erklärui

kann ich es, warum hohe und tiefe                     Uenschen und bei den

:i Thieren :i!s ausdrücke gewisser Gemuthserregnngi                      ad sein

sollen. Aach gibt Mr. Spencer eine interessante Bt                                    7iehun-

- mg. J" Ich finde in Lord Monboddo's Origin ofLt                                 . 11, p. 469,

Dr. Black loci                                                               :                          en Men-

Musik war und dass, ehe                          lurch articnlir                      .drückt

.worden, sie durch                         eilt wurden,

.nach Quer Hcdie oder Tiefe abgeändert wurden".

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318                                  Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                        III. Th.il.

als Männer, iind soweit dies als Fingerzeig dient, können wir schlies- sen, dass sie zuerst musikalische Kräfte erlangten, um das andere lecht anzuziehen41. Ist dies aber der Fall, so muss dies lange vorher eingetreten sein, ehe unsere Grannen hinreichend menschlich wurden, um ihre Frauen einfach als nützliche Sclaven zu behandeln

imil zu schätzen. Her leidenschaftliche Redner, Bard.....ier Musiker

hat. wenn er mit seinen abwechselnden Tönen und Cadenzen die stärk- sten Gemüthserregungen in seinen Hörnern erregt, wohl kaum eine Ahnung davon, dass er dieselben Mittel benutzt, durch welche in einer äusserst entfernt zurückliegenden Peri ide seine halbmenschliehen Vorfahren in einander die glühenden Leidenschaften während ihrer gegenseitigen Bewerbung und Rivalität erregten.

Ueber den Einflnss der Schönheit bei der Bestimmung der Heirathen unter den Menschen. — Im civilisirten Leben wird der Mann in grossem Maasse, aber durchaus nicht ausschliesslich, bei der Wahl seine- Weibes durch äussere Erscheinung beeinflusst, Wir haben es aber hier hauptsächlich mit den Urzeiten zu thun. und das einzige Mittel, was wir besitzen, uns hier ein ürtheil aber Gegenstand zu bilden, ist das, die Gewohnheit jetzt lebender halb- civilisirter und barbarischer Nationen zu studiren. Wenn gezeigt wer- den kann, dass die Männer aus verschiedenen Rassen Frauen vorziehen, welche gewisse characteristische Eigenschaften besitzen, oder umge- kehrt, da<s die Frauen gewisse Männer vorziehen, dann haben wir zu untersuchen, ob eine derartige Wahl durch viele Generationen hindurch fortgesetzt, eine irgendwie nachweisbare Wirkung auf die Rass weder auf ein Geschlecht oder auf beide Geschlechter ausüben würde, wobei die letztere Alternative von der vorherrschenden Form der Ver- erbung alihängt.

Es dürfte zweckmässig -ein. zuerst mit einigen Details zu zeigen, dass Wilde auf ihi                   :he Erscheinung die grösste Aufmerksam-

keit verwenden42. Dass sie                    rischaft für Ornamente haben,

41 <.                                     rang über diesen Gegenstand in Häckel, Gene-

relle Morphologie. Bd. 2. 1866, S. 246.

1: Eine ausführliche uu                           - hildernng '1er Art and Wei

welcher Wilde aas allen Theilen der Well Bich schmücken, hat der itali

. Prof. Manl                              i: Rio de la Plata, \                    i, l-'iT,

p. 525—545j all'' >li'- folgenden Angaben sind, wenn nicht andere 7er« gegeben sind, diesem Werke entnommen. j. anch Wail                  Bon to Anthro-

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Cap. 10.

Vorliebe für Schmuck.

319

ist notorisch, und ein englischer Philosoph geht so weit, zu behaupten, dass Zeuge zuerst zum Zwecke des Ornamentes, nicht zur Wärm macht wurden. Wie Professor Wajtz bemerkt: „so arm und elend der „Mensch auch sein mag, er findet ein Vergnügen daran, sich zu „schmücken". Die Üstravaganz der nackten Indianer von Südamerika beim Schmücken ihrer Person zeigt sich daraus, dass ein „Mann von

össe mit Schwierigkeit durch die Arbeit z „Wochen hinreichenden Lohn verdient, um sich im Tausch die Chica „zu perdienen, welche er so nöthig hat, sich roth zu machen"48. Die ältesten Barbaren von Europa während der Renthierperiode brachten alle glänzenden oder eigentümlichen Gegenstände, welche sie zufallig fanden, in ihre Sohlen. Beutigen Tages schmücken Bich überall die Wilden mit Schmuckfedern, Halsbändern, Armbändern, Ohrringen u. s. w. Sie bemalen sich selbst in der verschiedenartigsten w

d bemalte Nationen mit derselben Aufmerks.....keit wie bekleidete

„untersucht wurden wären, so würde man", wie Humboldt bemerkt, „wahrgenommen haben, dass die fruchtbarste Einbildungskraft und „die veränderlichste Laune die Moden des Malens ebensowohl wie die

Kleidung erfunden haben".

[n einem Theile von Africa werden die Augenlider schwarz ge- färbt . in einem anderen Theile werden die Nägel gelb oder purpurn gefärbt. An vielen Orten wird das Haar in verschiedenen Tönen ge- färbt. In verschiedenen Gegenden werden die Zahne schwarz, roth, blau u. s. w. gefärbt, und auf dem malayischen Archipel glaubt man sich schämen zu müssen, wenn man weisse Zahn.' „wie ein Hund- hat. Nicht ein einziges grosses Land von den Polargegenden im Nor- den bis nach Neuseeland im Süden kann angeführt werden, in welchem die ursprünglichen Bewohner sieb nicht tättowirten. Diesem Gebrauche folgten die alten Juden und die alten Briten. In Africa tättowiren sich einige der Eingeborenen; es ist aber viel häufiger, Wucherungen

pology. Vol.                                                                                             laführliche De-

tails in                                               'logy, 1822.

wurde, hat Sir .!. l.u bbo

worin -                                                                                                          1 Bndei und

der Zähne und

" A 1

aich beim Mi

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320                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theil.

sich erheben zu lassen dadurch, da                 i/. in. an di

denen Theilen des Körpers angebracht. Einschnitte einreibt; und werden von den Einwohnern in Kordofan and Darfur „für grosse per- sönliche Beize gehalten". In den arabischen Ländern wird keine Schönheit für vollendet angesehen, bis nicht die Wangen „oder S

". In Südamerica würde, wie il                  merkt,

fbarer Gleichgültigkeit gegen ihre Kinder angeklagt an sie nicht künstliche .Mittel anwendete, die Wad „der Mode des Landes zu formiren". In der alten und neuen Welt wurde früher die Form des -              fahrend der Kindheit in der

;i Art und Weise modificirt, wie es jetzt noch an Orten der Fall ist, und dera                rmitäten werden für or-

namental gehalten. So betrachten z.B. die Wilden von Columbia45 einen sehr abgeflachten Kopf als .einen wesentlichen Punkt der „Schönheit-.

Das Haar wird in verschiedenen Landern mit bei                rgfalt

behandelt. Man läs.-t es in seiner vollen Länge wachsen, so d bis auf den Boden reicht, oder es wird „in einen compacten ui „kräuselten Wulst zusammengekämmt, welcher der Stolz und liuhm „der Papuas ist"4'. In Nordafrica „braucht ein .Mann eine Zeit von „acht bis zehn Jahren, um seinen Haarputz zu vollenden-. Nationen wird der Kopf rasirt, und in Theilen von Südameri Äfrica werden selbst die Augenbrauen und Augenwimper:

ingeborenen des oberen Nils schlagen die vier Schneidezähne aus und sag                inschten nicht wi                                         fcer nach

Süden schlagen sich die Batokas nur die beiden oberen Schneidezähne aus. vi                           nk bemerkt *"', dem Gesichte in Folge des Vor-

gens der unteren Kinnlade ein w                                    j diese

Volker halten aber das Vorhandensein der Schneidezahne für äusserst n. und beim Erblicken von Europäern riefen sie aus: „Seht die „grossen Zähne!" Der grosse Häuptling Sebituani versuchte vergeb- lich die.-e Mode zu ändern. In verschiedenen Theilen von Africa und

>' The Nile Tributaries, 1867. The Albert Nyanza, 1866. Vol. 1. p. 2

45 angefahrt von Prichard, I'hysic. Hist. of Maiikind. I. edit. Vol. I. 1851,

** Oeber die Papnaa 9. Wallace, The Malay Archipelago. Vol. II, p. ->45.

Ueber den Haarputz der Africaner: Sir S. Baker, The Albert Nyanza, VoL I,

" I                      533.

The Comrjlete Work of Charles Darwin Online

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für Schmuck.

321

im malayischen Archipel feilen di                                       ihneidezänne

spitz zu wie die Sägezähne oder durchbohren sie mit Löchern. in ickeo.

Wie bei uns das Gesicht hauptsächlich Beiner Schonheil bewundert wird,                    bei Wilden der vorzügliche Sitz der Ver-

stümmelung. In allen Theilen der Welt werden die Nasenscheidewand,

er die Flügel der Nase durchbohrt und i;                   ihen, Federn

and andere Zierathen in die                  ingefügt. Die Ohren »

überall durchbohrt und ähnlich verziert, und bei den Botokuden und Lengaas von Südamerica wird das Loch allmählich so em der untere Band des Ohrläppchens die Schalter berührt. In Nord- end Südamerica und in Africa wird entv                    ire oder die « Lippe durchbohrt, und bei den Botoknden ist das Loch in der Unter- lippe sii gross, da vier Zoll Durchmesser hinein- gethan wird. Mantegazz* gibt einen merkwürdigen Bericht über die von einem südamericanischen Eingeborenen empfundene Scham und von dem Gelächter, welches er err r seine „Tembeta", das rbte Stüek Holz, welehes dnreh d;                               wird, verkaufte. In Centralafrica durchbohren die Frauen die untere Lippe und tragen einen Krystall darin, welcher in Folge der Bewegung der Zunge „während der Unterhaltung eine unbeschreiblich lächerliche .tanzende Bewegung macht". Die Frau des Häuptlings von Latooka . Uakkk'". dass „Lad] Baker verschönern würde, „wenn sie ihre Vorderzähne aus der unteren Kinnlade herausziehen ..und den langen zugespitzten, polirten Krystall in ihrer Unterlippe „tragen wollte*. Weiter nach Süden, bei den Makalolo, wird die Oberlippe dwchbohrt und ein grosser metallener und Bambus-Ring, _ 1 '-1.!.' - genannt, in dem Loehe getragen. „Dies veranlasst'' es, dass ..in einem Falle die Lippe zwei Zoll über die Nasenspitze vorragte, ..und als die Dame läehelte, hob die Contraction der Muskeln die „Lippe bis über die Augen. Warum tragen die Frauen diese Dinge? „wurde der ehrbare Häuptling Chinsurdi gefragt. Offenbar erstaunt „über eine so dumme Frage erwiederte er: der Schönheit wegei „sind dies die einzigen schönen Dinge, welche die Frauen haben. Män- „ner haben Barte, Frauen haben keine. Was für eine Art Person

48 The Albert Nyan?;i. 1866, Vol. I. p. 217.

Darwin. Abstimmung, n. Dritte Ann»*.. (VI.)                                           21

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322                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theil.

„würde die Frau sein ohne das Peleld? Sie würde mit einem .Munde „wie ein Mann, aber ohne Bart, gar keine Frau sein" 49.

Kaum irgend ein Theil des Körpers, welcher in unnatürlicher modificirt werden kann, ist verschont geblieben. Die Grösse der hierdurch verursachten Leiden muss wunderbar gewesen sein, denn viele der Operationen erfordern zu ihrer Vollendung mehrere Jahre, so dass die Idee von ihrer Notwendigkeit ganz imperativ sein muss. Die Motive sind verschiedenartig; die Manner malen sich ihre B an, um sich im Kampfe schrecklich aussehend zu mach- Verstümmelungen stehen mit religiösen Gebräuchen in Verbindung oder bezeichnen das Alter der Pubertät oder den Bang des Mannes, oder sie dienen dazu, die Stämme zu unterscheiden. Da bei Wilden diesel- ben Moden für lange Perioden herrschen '"'. so gelangen Verstümme- lungen, aus                   -ache immer sie auch zuerst gemacht worden, bald zu dem Werthe von Unterscheidungszeichen. Aber Schmückung, Eitelkeit und die Bewunderung Anderer scheinen die häufigsten Motive zu sein. In Bezug auf das Tättowiren sagten mir die Missionäre in Neuseeland, d                               Cadchen zu überreden versuchten, den Gebrauch aufzugeben, diese ihnen antworteten: .wir müssen wenig „ein paar Linien auf uusern Lippen haben, denn wenn wir alt werden, würden wir sonst so sehr hässlich sein". In Bezug auf die Männer "useeland sagt ein äusserst fähiger Beurtheil                  es für die jungen Männer ein grosser Punkt des Ehrgeizes sei, „schön tätto- „wirte Gesichter zu haben, sowohl um sich für die Damen anziehend „als im Kriege auffallend zu machen-. Ein auf die Stirn tättowirter Stern und ein Punkt auf dem Kinn werden in einem Theile von Africa von den Frauen für unwiderstehliche Anziehungsmittel gehalten "'-. In den meisten, aber nicht in allen Theilen der Welt Bind die Männer bedeutender verziert als die Frauen und oft in einer verschiedenen Weise; zuweilen, wenn auch selten, sind die Frauen beinahe gar nicht

** Livingstonc. Brit:                                       mg im Athenaeun:, 7. Juli

1860, p.

50 Sir 8. Baker (a. a. 0. Vol. I, p. 210) spricht von den Eingeborenen von I-Africa und                     Stamm hat eine bestimmte und anveränderliche

Haar zu frisiren". s. Agassiz (Journey in Brazil, 1868. über die Unveränderlichkeit des Tättowirens bei den Indianern des Ämazoneo-

31 R. Taylor, New Zealand and its Inhabitants, 185'.. p. 152. "; Ifantegazza, Viaggi e Studi, p, 542.

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Cap. 19.

Vorliebe für Schmuck.

323

verziert. Da die Wilden die Frauen den grössten Theil der Arbeit verrichten lassen und man ihnen nicht gestattet, die beste Art von Nahrung zu geniessen, so steht es in Uebereinstimmung mit der cha- racteristischen Selbstsucht der Männer, dass man den Frauen nicht gestattet, die schönsten Zierathen zu erlangen oder zu gebrauchen. Endlich ist es eine merkwürdige, durch vorstehende Anführungen be- wiesene Thatsache, dass diesell>-n Moden in der Modificirung der Kopf- form, in der Verzierung des Haares, in dem Malen, dem Tättowiren, dem Durchbohren der Nase, der Lippen oder der Ohren, in der Ent- fernung oder dem Feilen der, Zähne u. s. w., in den von einander ent- ferntest liegenden Theilen der Welt jetzt herrschen oder lange Zeit geherrscht haben. Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass diese Ge- bräuche, welchen so viele Nationen folgen, auf eine aus irgend einer gemeinsamen Quelle herrührende Tradition weisen. Sie deuten viel- mehr die grosse Aehnlichkeit des Geistes bei allen Menschen an, zu welcher Rasse sie auch gehören mögen, in derselben Weise, wie die beinahe allgemeinen Gewohnheiten des Tanzens, des Maskirens und der Fertigung roher Gemälde.

Nach diesen vorläufigen Bemerkungen über die Bewunderung, welche die Wilden verschiedenen Zierathen und Entstellungen zollen, die für unsere Augen äusserst hässlich sind, wollen wir sehen, inwieweit die Männer durch die Erscheinung ihrer Frauen angezogen werden und was ihre Ideen von Schönheit sind. Ich habe behaupten hören, Wilde in Bezug auf die Schönheit ihrer Frauen völlig indifferent seien und dieselben nur als Sclaven schätzen; es dürfte daher der Mühe werth sein, zu bemerken, dass diese Folgerung durchaus nicht zu der Sorgfalt stimmt, welche die Frauen darauf verwenden, sich zu schmücken, ebensowenig wie zu ihrer Eitelkeit. Burchei.l 5S gibt einen unterhal- tenden Bericht von einer Buschmännin, welche so viel Fett, rothen Ocker und glänzendes Pulver brauchte, dass sie „jeden Andern als einen „sehr reichen Ehemann ruinirt haben würde". Sie zeigte auch „viel „Eitelkeit und gar zu offenbares Bewusstsein ihrer Vorzüglichkeit". Mr. Wjnwood Kkade theilt mir mit, dass die Neger der Westküste oft über die Schönheit ihrer Frauen sich in Erörterungen einlassen. Billige competente Beobachter haben den fürchterlich verbreiteten Gebrauch des Kindesmordes zum Theil auf Rechnung des von den

vels in S. Africa, 1824. Vol. I, p. 4M.

21«

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324                               ihleehtliche Zuchtwahl: Mei                       III. Theil.

Frauen gehegten Wnnscb.es geschrieben, ihr gutes Aussehen zu be- wahren84. In mehreren Ländern tragen die Frauen Talismane und Amulette, um die Zuneigung der Männer zu gewinnen; und Mr. B zählt vier zu diesem /.wecke von den Frauen von Nordwest-America gebrauchte Pflanzen auf'5.

Hi:.m:xk :'f\ welcher viele Jahre unter den americanischen Indianern und ein ausgezeichneter Beobachter war, sagt, wo er von den Frauen spricht: „Man frage einen nördlichen Indianer, was Schönheit „sei, and er wird antworten, ein breites plattes Gesicht, Heine Augen, „hohe Wangenknochen, drei oder vier schwarze Linien quer über jede „Wange, eine niedrige Stirn, ein grosses breites Kinn, eine kolbige ,. Hakennase, eine gelbbraune Haut und bis zum Gürtel herabhäi „Brüste". Paiaas, welcher die nördlichen Theile des chinesi Reiches besuchte, äagt: „Es werden diejenigen Frauen „welche die Mandschu-Form haben, d. h. ein               Jesicht, hohe

„Wangenknochen, sehr breite Nasen und enorme Ohren"57; und Vogt bemerkt dabei, das.-- die               Stellung der Augen, welche den Chi-

aesen und Japanesen eigentümlich ist, in ihren Gemälden, „wie es „scheint, zu dem Zwecke übertrieben wird, die volle Pracht und Schön- heit dieser Stellung im Gontraste mit dem Auge der rothhaarigen „Barbaren hervortreten zu lassen". Es ist, wie Buc wiederholt be- merkt, wohlbekannt, dass die Chinesen ans dem Inuern die Europäer mit ihrer weissen Haut und den vorspringenden Nasen für hässlich halten. Nach unseren Ideen ist die Nase bei den Eingeborenen von I V\ Ion durchaus nicht zu sehr vorspringend, und doch waren „die Chinesen ..im siebenten Jahrhundert, an die platten Gesichtszüge der M „rassen gewöhnt, über die vm-sm-ingenden Nasen der Cingalesen über- rascht, und Thsang beschreibt sie als „„den Schnabel i „und den Körper eines Menschen habend"".

Fim ayson beschreibt eingehend das Volk von Cochin-China, sagt,

41 s. wegen Verwi                 l rland, über das Aussterben der Naturvölker,

koch Azara. Voyages etc.. Tom. U. p. 116. 55 Oeber die von den nordv/est-americaniscben Indianern benutzten Producte des Pflanzenreiches s. Pharmaceutioal Journal, Vol. X.

58 A Journey from Prince of Wales Port. B» edit 1796, p. 99. " citirt von Prichard, Phys. Hist. of Mankind, S. edit. V*ol IV. 1844, Vogt, Vorlesungen über den Menschen. Bd. I, 8. 162. Uener die Mei- nung der Chinesen ron Jen Cingalesen b. Sir J. E. Tennent, Ceylon, Vol. II. 1859, p.

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Schönheit.

325

dass ihre runden Köpfe und Gesichter ihre hauptsächlichsten charak- teristischen Merkmale seien, und fügt dann hinzu: „Die Rundung des „ganzen Gesichts ist bei den Frauen noch auffallender, welche in „dem Verhältnisse für schön erklärt werden, als sie diese Form des Ms darbieten". Die Siamesen haben kleine Nasen, mit ausein-

stehenden Nasenlöchern, einen grossen Mund, etwas dicke Lippen, ein merkwürdig grosses Gesicht mit sehr hohen und breiten \V, knochen. Es isl daher nicht zu verwundern, dass „Schönheit unserem »Begriffe nach für sie fremd ist. Und doch betrachten sie ihre eigenen ..Frauen als viel schöner als die von Buropa" "'".

Es ist wohlbekannt, dass bei vielen Hottentottenfrauen der hintere

Theil des Körpers in einer wunderbaren Weise vorspringt; sie sind

und Sir Andrew Smith erklärt es für -                - diese

thümlichkeit von den Männern sein- bewundert wird''9. Er sah I eine Fran, welche für eine Schön!                 a wurde; dieselbe

war hinten so ungeheuer entwickelt, dass                 rieh auf eb

itzt hatte, sie nicht aufstehen konnte, sondern sich soweit fortziehen musste,                        a Abhang kam. M

den Frauen in verschiedenen Negerstämmen sind ähnlich characterisirt; der Angabe von Bukton zufolge sollen die Somali-Männer ..ihre Frauen ivählen, dass sie alle in eine Seihe teilen und die- n, welche am meisten a tergo vorspringt. Nichts „kann für einen N               inswürdiger sein, als die entgegengesetzte

..Form- "".

In Bezug auf die Farbe verhöhnten die Neger Mi ngo Park wegen der weissen Färb,- seiner Haut und des Vorspringens seiner Xase, welche sie beides für „hässliche und unnatürliche Bildungen betrach- teten". Er rühmte in Erwiederung das glänzende Schwarz ihrer Haut und die liebliche Depression ihrer Xasen. Dies hielten sie für „Schmeichelei", gaben ihm aber nichtsdestoweniger etwas zu essen. Auch die africanischen .Meinen „zogen ihre Augenbrauen zusammen

'" Prichard, nach den Angabe!                 wfnrd uinl Finlayson, in:

Bist, of ManMnd, Vol. IV. p. 534, 535.

M „Idem illustrissinius viator dixit mihi praeciiictornini vel tabuhiin forniiiiae, „quod nobis teterrinram est. qnondam permagno aestimari ab bominibns in hae „gente. Nunc cea mntata est                                                                  tandam

" The Antnropological Review, November 1864, p. 237. Weg Weisungen ?. Waitz, Introdnction to Anthiopology. 1863. Vol. I. i

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326

Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

IU. Theil.

und schienen „sich zu schütteln" über die weisse Farbe seiner Haut. Als die Negerknaben an der östlichen Küste Burton sahen, riefen sie aus: „Seht den weissen Mann! sieht er nicht aus wie ein Affe?" Wie Mr. Winwood Reade mir mittheilt, bewandern die an der westlichen Küste eine sehr schwarze Haut mehr als eine von einer hellem Färbung. Aber ihr Entsetzen vor der weissen Farbe kann der Angabe desselben Reisenden zufolge zum Theil dem bei den meisten der Neger vorhandenen Glauben zugeschrieben werden, dass Dämonen und Geister weiss sind, zum Theil der Ansicht, dass sie ein Zeichen schlechter Gesundheit

Die Bauyai des südlicheren Theiles des Continents sind Neger, aber „eine grosse Menge von ihnen ist von einer helleren Milehcaffee- _ färbe, und es wird jetzt diese Farbe in dem ganzen Lande für schön „gehalten", so dass wir hier einen verschiedenen Maassstab des Ge- schmackes haben. Bei den Kaffern, welche bedeutend von den K abweichen, ist „die Haut mit Ausnahme der Stämme in der Nähe der „Delagoa-Bai gewöhnlich nicht schwarz; die vorherrschende Färbung „ist eine Mischung von Schwarz und Roth und die häufigste Schatti- erung ist Chocoladebraun. Dunkler Teint wird als der häufigste „natürlich im grössten \Verth gehalten. Zu hören, dass man hell ge- „färbt oder wie ein weisser Mann sei, würde von einem Kaffern für „ein sehr schlechtes Compliment gehalten werden. Ich habe von einem „unglücklichen Manne gehört, welcher so sehr hell war. dass ihn kein „Mädchen heirathen wollte-. Einer der Titel des Zulukönigs ist: „Ihr der Ihr schwarz seid"61. Als Mr. Galton mit mir über die Eingeborenen von Südafrica sprach, bemerkte er, dass ihre Ideen von Schönheit sehr verschieden von unseren zu sein scheinen; denn in einem der Stämme wurden zwei schlanke helle und hübsche Mädchen von den Eingeborenen nicht bewundert.

Wenden wir uns zu anderen Theilen der Erde. In Java wird der Angabe von Frau Pfetffeb zufolge ein gelbes und nicht ein weisses Mädchen für eine Schönheit gehalten. Ein Mann von Cochin-China „erzählte verächtlich von der Frau des dortigen englischen Gesandten, „sie habe weisse Zähne wie ein Hund und eine rosige Farbe wie

«' Mungo Park's Travels in Africa, 4». 1816, p. 53, 131. liurton's An- gabe wird von Schaaffhausen citirt im: Archiv für Anthropologie, 1866. S. 163. Ueber die Banyai s. Livingstone. Travels, p 84. Oehet äia Kaffern s. J. Shoo- ter. The Kafir's of Natal and the Zulu Country. 1«57. p. 1.

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Cap. 19.

Schönheit.

327

,,1'atatenbluineu". Wir haben gesehen, dass die Chinesen unsere weisse Haut nicht liehen und dass die Nordamerieaner eine „gelblich braune Haut" bewundern. In Südamerika sind die Tnra-caras, welche die bewaldeten feuchten Abhänge der östlichen Cordillera bewohnen, merkwürdig blase gefärbt, wie ihr Name in ihrer eigenen Sprache es ausdrückt; nichtsdestoweniger halten sie Europäische Frauen für ihren eigenen sehr untergeordnet62.

In mehreren Stämmen von Nordamerica wächst das Haar am Kopfe zn einer wunderbaren Länge, und Catlin fährt einen merkwür- digen Beweis dafür an. wie sehr dieses geschätzt wird; der Häuptling

:"ws nämlich wurde zu dieser Stellung deshalb erwählt, weil er die längsten Haare unter allen Männern im Stamme hatte, und zwar zehn Fuss und sieben ZolL Die Aymaras und Quechuaa von Süd- america haben gleichfalls sehr lange Haare, und diese werden, wie Mr. 1). FOBBES mir mittheilt, wegen ihrer Schönheit so sehr geschätzt,

die schwerste Strafe, welche man ihnen auflegen konnte, die war, das Haar abzuschneiden. In beiden Hälften des Continents vei sern die Eingeborenen zuweilen die scheinbare Länge ihres Haares dadurch, dass sie faserige Substanzen mit ihm verwehen. Obs das Haar am Kopfe hiernach sehr hoch geschätzt ist, so wird das im

iit doch von den Nordamericanischen Indianern „für sehr gemein" gehalten, und jedes Haar wird sorgfältig ausgezogen. Dieser Gebrauch herrscht durch den ganzen americanischen Continent von Vancouvers Esland im (forden bis zum Feuerlande im Süden. Als York Mi ein Feuerländer am Bord des Beagle, nach seinem Lande zurückge- bracht wurde, sagten ihm die Eingeborenen, er solle die wenigen kur- zen Baare in seinem Gesichte aus                 Sie drohten auch einem jungen Missionär, welcher eine Zeit lang bei ihnen gelassen wurde, damit, ihn nackt auszuziehen und die Haare von seinem Gesicht und Körper auszureissen, und doch war er durchaus kein stark behaarter .Mann. Es wird diese Mode bis zu einem solchen Extrem getrieben, dass die Indianer von Paraguay ihre Augenbrauen und Augenwimpern aus- reissen, indem sie sagen, sie wünschten nicht wie Pferde auszusehen63.

41 In Bezug auf die Javanesen und Cochinchinesen s. Waitz, Anthropologie dei Naturvölker. Bd. 1, S. 366; Introd. lo Anthropol. Vol. 1, p. 305. Wegen der xnracaras s. Ale. d'Orbigny, citirl bei Prichard, Phys. Bist of Mankind. Vol. V. S. ed., p. 176.

ü' North American Indiana by G. Catlin. S. edii 1842. Vol. 1. p. 49. Vol. II,

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328                                   ihlechtliche Zuchtwahl: Mensch.                    III. Theo.

Es ist merkwürdig, dass über die ganze Welt die Rassen, fast vollständig eines Bartes entbehren, Haare im Gesichte und am Körper nicht leiden können and Sorgfalt darauf verv                    auszu-

ziehen. Die Kalmücken sind bartlos, und man weiss, dl die Americaner, alle zerstreut stehenden Haan/ ausreissen, und selbe gilt für die Polynesier, einige Malayen und die Siamesen. Mr. Yeihii fährt an. dass die japanesischen Damen ,sieh Sämmtlich an „unsere Backenbärte stii                    ir sehr hisslieh erklärten und mir

„riethen, sie abzuschneiden und wie japanesische .Männer auszusehen*. Die Neuseeländer haben kurze, gekräuselte Harte; doch rissen sie früher die Haare im Gesichte aus. Sie hatten ein Sprichwort, . ,einen haarigen Mann keine Frau gibt"; die Mode scheint sieh aber

i-Seeland, vielleicht in Folge der Anwesenheit von Europäern, geändert zu haben; man hat mir versichert, dass jetzt Barte von den

- bewundert werden64. Auf der anderen Seite bewundern bärtige Rassen ihre Barte and seluitzen sie sehr. Unter den Angelsachsen hatte jeder Theil des Kör- pers ihren Gesetzen zufolge einen anerkannten Werth. „Der Verlust „des Bartes wurde auf zwanzig Schilling gesehätzt, während das Bre- chen des Oberschenkels nur zu zwölf festgesetzt war" *. Im Oriente schwören die .Männer feierlich bei ihren Härten. Wir bab dass Chinsurdi, der Häuptling der Makalolo in Africa, offenbi Ansieht war, dass Bär!                   ise Zierde seien. Bei den Fiji-Insu-

lanern im stillen Ocean ist der Bart .üppig und buschig und ist der

ite stolz der .Männer-, während die Eingeborenen der benachbar- ten Archipele von Tonga und Samoa .bartlos sind und ein rauhes „Kinn verabscheuen''. Nur auf einer einzigen Insel der Ellice-Gruppe sind „die Männer stark bebartet und nicht wenig stolz darauf*aä.

p. 227. lieber die Eingeborenen von Vaneouvers Island .-. Sproat, Scenea and Studies of Savage Life, 1868, p. 25. Ueber die Indianer von Paraguay s. Azara. . . !!. i 1 ">. '' Ueber die Siamesen s. Prichard a. a. 0; Vol. IV, p. 533. Ueber die n: Veitch, in: Gardener's Cbronicle 18'iO, p. 1104. In Bezog auf die iza, Viagg'i . Studi, 1867, p. 526. Wegen der andern oli.-n riwalintcn Nationen s. Verweisungen in: Lawrence, Lectures on Physio- 272. r J. Lubbock, Origin of Civilization. 1870, p. 321. 68 Dr. Barnard Davis citirt Prichard und Andere wegen dieser That- sachen von den Polynesien in: Anthropological Keview, April 1870, \>. 185, 191.

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Cap. 19.

-

Wir sehen hieraus, wie sehr die verschiedenen Bässen d in ihrem G                                          schieden sind. In jeder

Nation, die weit ..              . schritten war, sich Bildnisse ihrer G

Herrscher zn am                                 Zweifel

die Bildhauer ihr Ideal von Schönheit und Grossartigkeit in Bildwerken auszudrücken "7. Von diesem Gesichtspunkte aus verdienen

sehen Statuen des Jupiter oder Apollo mit oder assyrischen Statuen im l                        a zu werden, und

wiederum mit den hässlichen Bae                       itörten Bauten von

Central-America.

Ich hin sehr wenigen Angaben begegnet, welche d.-r eben erwähn- ten Selilus-i                atgegenstehen; lud                  . Wniwoon B welcher reichlich l it zur Beobachtung nicht nur in Bezug auf di Westküste von Africa, sondern auch in Bezuj die des Innern hatte, welche niemals mit Europäern in Verbindung . überzeugt, dass ihre Ideen von Schönheit im Gan- zen dieselben sind wie unsere. In ähnlichem - Rohlfs brieflich gegen mich in Bezug auf die Bornu und die von den Pullo-Stämmen bewohnten Länder, Mr. Beade fand,                 ii den ! in der Wertschätzung der Schö ingeborenen Mäd- chen übereinstimmte und dass ihre Würdigui nheit euro- päischer Frauen der unseren entsprechend war. Sie bewundern Haar und brauchen künstliehe Mit hr reich erscheinen zu lassen. Sie bewundern auch einen Bart, obschon si spärlich damit versehen sind. Mr. Beide ist im Zweifel, wel m Na-

.i! meisten geschätzt werde. Man hat ein Mädchen sagen hören, „ich mag Den nicht heirathen, er hat k                . und dies bei

das- eine sehr platte Nase kein Gegenstand der Bewunderung Wir müssen uns indessen erinnern, dass die plattgedrückten und sehr breiten Nasen und vorspringenden Kinnladen der Neger der \ küste ausnahmsweise Typen unter dea Einwohnern von Africa sind, .erstehenden Angaben gibt Mr. RjäADE zu,                ir „die

-Farbe unserer Haut nicht leiden können; sie betrachten blaue Augen „mit Widerwillen und halten unsere Nasen für zu lang und ul .Lippen für zu dünn". Er hält es nicht für wahrscheinlich.

jemals ..die schönste europäische Frau nur auf Grund der

" Cli. Comte gibt Bemerkungen in diesem Sinne in seinem Tra: gislatioii. S. Mit. 1-

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330

Geschlechtliche Zuchtwahl: Mensch.

III. Theil.

«blossen physischen Bewunderung einer gut aussehenden Negerin vor- ziehen würden" 68.

Die Wahrheit des schon vor längerer Zeit von Humboldt 69 be- tonten Grundsatzes, dass der Mensch die Charactere bewundert und häufig zu übertreiben sucht, welche die Natur ihm nur immer gegeben haben mag, zeigt sich auf vielerlei Weise. Der Gebrauch bartloser Rassen, jede Spur eines Bartes zu entfernen, ebenso wie allgemein die Haare am Körper, bietet eine Erläuterung dazu dar. Der Schädel ist während alter und neuerer Zeiten von vielen Nationen bedeutend mo- dificirt worden, und es lässt sich wenig zweifeln, dass dies besonders in Nord- und Südamerica zu dem Zwecke ausgeübt wurde, um irgend eine natürliche und bewunderte Eigenthümlichkeit zu übertreiben. Viele americanische Indianer bewundern bekanntlich einen Kopf, der zu einem solchen extremen Grade abgeplattet ist, dass er uns wie der eines Idioten erscheint. Die Eingeborenen der Nordwestküste drücken ihren Kopf in die Form eines zugespitzten Kegels zusammen und es ist beständiger Gebrauch bei ihnen, das Haar in einen Knoten auf der Spitze ihres Kopfes zusammenzufassen zum Zwecke, wie Dr. W'ii.- merkt, „die scheinbare Erhebung der beliebten conischen Form „noch zu erhöhen". Die Einwohner von Arakhan ..bewundern eine .breite glatte Stirn, und um diese hervorzubringen befestigen sie eine „Bleiplatte an den Köpfen ihrer neugeborenen Kinder". Ander .wird ein breites, gut gerundetes Hinterhaupt von den Eingeborenen „der Fiji-Inseln für eine grosse Schönheit gehalten"7u.

» The A;.                                     . I 1873, p. 253, 394, 521. Wie mir ein

hat, welcher langi                      m Fenerländern gelebt hat,

betrachten dieselben europäische Frauen als                        b schön; nach dem

was wir Ton dem ürtheil der andern Eingeborenen von An haben, kann ich nur glauben, dass dies ein Irrthum ist, wenn sich nicht geradezu Feuerländer beziehen, welche einige Zeit anter Europäern ge- lebt haben und uns für höhere Wesen halten müssen. Ich muss noch hin:

dass ein iinsserst erfahrener Beobachter, Capt Bnrton, der Ansicht ist. dass eine Frau, welche wir für schön halten, auf der ganzen Welt bewandert wird; Anthro- pological Review, March, 1

69 Personal Narrative, Vol IV, p. 518 u. and. 0. Mantegazza hebt in seinen \                   li, 1867, denselben Grundsatz nachdrücklich hervor.

' Uebei die Schädel der americanischen Stämme 9. Notl and Gliddon, Types of Mankind, 1854, p. 440; Frichard, Phys. Hist. of Mankind, Vol. I. 3. edit., p. 821; über die Eingeborenen von Arakhan, ebenda, Vol. IV, p. 537; Wilson. Physical Kthnology, in Smithsonian Institution, 1863, p. 288; über die Fiji-lnsulaner, p. 290. Sir J. Lnbbock (Prehistoric Times, 2. edit., 1869, p. 506) gibt ein ausgezeichnetes Besame1 über diesen Gegenstand.

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Cap. 19.

Schönheit.

331

Wie für den Schädel, so gilt dasselbe auch für die Nase. Die alten Hunnen waren während des Zeitalters des Attila gewöhnt, die Nasen ihrer Kinder mit Bandagen abzuplatten .zum Zwecke der üeber- „treibung einer natürlichen Bildung'. Bei den Tahiti-Insulanern wird die Benennung „Langnase" für eine Insulte gehalten, und sie cora- primiren die Nasen and Stirnen ihrer Kinder zum Zwecke der Schön- heit. Dasselbe ist der Fall bei den Malayen von Sumatra, den Hot- tentotten, gewissen Negern und den Eingeborenen von Brasilien71. Die Chinesen haben von Natur ungewöhnlich kleine Pässe7*; und es ist wohlbekannt, dass die Frauen der oberen Classen ihre Fasse ver- drehen, um sie noch kleiner zu machen. Endlich glaubi

die americanischen Indianer deshalb ihre Körper mit rother Farbe so gern anstreichen, um ihre natürliche Farbe zu übertreiben, und noch bis in die neueste Zeit erhöhen europäische Frauen ihre natür- lichen hellen Farben durch rothe und weisse Schminke. F.s dürfte aber doch zweifelhaft sein, ob barbarische Nationen irgend derartige Absichten hatten, als sie sich bemalten.

Bei den Moden unserer eigenen Kleidung sehen wir genau das- selbe Princip und denselben Wunsch, jeden Punkt bis zum Extrem zu fühlen; auch zeigt sich hier derselbe Geist des wetteifernden Ehrgeizes. Es sind aber die Moden der Wilden viel beständiger als unsere: und wo nur immer ihre Körper künstlich modißeirt werden, ist dies not- wendigerweise der Fall. Die arabischen Frauen des oberen Nils brau- chen ungefähr drei Tage dazu, ihr Haar zu ordnen. Sie ahmen nie- mals andern Stämmen nach, sondern wetteifern nur unter einander „in der höchsten Entwickelung ihres eigenen Stils*. Dr. Wilson spricht von den zusammengedrückten Schädeln verschiedener america- nischer Kassen und fügt hinzu: .derartige Gebräuche gehören zu den „am wenigsten zu beseitigenden und überleben um lange Zeit den „Anprall der Revolutionen, welche Dynastien wechseln lassen und be- deutungsvollere Nationaleigenthümlichkeiten beseitigen" 73. Dasselbe

»i rjeber die Hunnen b. Godron, De rEspece, Tom. II. 1859. p. 300. Ueher die Eingeborenen von Tahiti s. Waitz, Anthropolog. Vol. I, p. 305. Marsden, citirt von Prichard, Physie. Hist. of Mankind. 3. edit. Vol. V, p. 67. Lawrence, Lectures on Physiology, p. 337.

" Diese Thatsache wurde auf der Reise der Novara festgestellt, s. Anthropo- logischer Theil, Dr. VFeiabach, 1867, p. 265.

" Smithsonian Institution. 1863, p. 289. (Jener die Moden der arabischen Frauen s. Sir S. Baker, lue Nil« Trioutaries, 1867, p. 121.

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3§2                                    hlechtliche Zuchtwahl: .Mensch.                    III. TheiL

Princip kommt auch bei der Kunst der Zuchtwahl mit in's Spiel; uud wir können hiernach, vrie ich an einer anderen Stelle erklärt habe74, die wunderbare Entwickelung der vielen Kassen von Thieren und Pflanzen verstehen, welche bloss zum Schmucke gehalten h Zuchter wünschen immer inen jeden Cjbaracter etwas vergrössert zu haben, sie bewundern keinen mittleren Maassstab; sicherlich wünschen sie keinen grossen und plötzlichen Wechsel in dem Character ihrer bewundern allein, was sie zu sehen gewöhnt sind; aber sie wünschen eifrigst, jeden charaeteristischen Zug etwas mehr ent- wickelt zu haben.

Ohne Zweifel ist das sinnliche Wahrnehmungsvermögen des Mcn- schen und der niederen Thiere so constituirt, dass brillante Farben und gewisse Formen ebenso wie harmonische und rhythmische Laute Vergnügen gewähren und schön genannt werden: warum dies aber so sein muss, wissen wir nicht. Es ist gewiss nicht wahr, dass Geiste des Menschen irgend einen allgemeinen Maassstab der Schönheit in Bezug auf den menschlichen Körper gibt, indessen ist es möglich, in gewisser Geschmack im Laufe der Zeit vererbt worden ist, !i keine Beweise zu Gunsten dieser Annahme vorhanden sind: und wenn dies der Fall ist. so würde jede Rasse ihren eigenen ein- geborenen idealen Maassstab der Schönheit besitzen. Es ist behauptet worden7"', dass H&sslichkeit in einer Annäherung au die Bildung der niederen Thiere bestehe, und dies ist ohne Zweifel für civilisirtere Nationen wahr, bei welchen der Intellect hoch geschätzt wird; diese Erklärung lässt sich aber kaum auf alle Formen von H&sslichkeit an- wenden. Die Menschen einer jeden Rasse ziehen das v<>r. was sie zu sehen gewohnt sind, sie können keine Veränderung ertragen, aber sie lieben Abwechselung und bewundern es, wenn ein charaeteristischer Punkt bis zu einem massigen Extrem geführt wird'". Menschen, welche an ein nahezu ovales Gesicht, an einfache und regelmässige Züge und helle Farben gewöhnt sind, bewundern, wie wir Europäer es wissen, diese Punkte, wenn sie stark entwickelt sind. Auf der an-

" Das Yariiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 2. Aufl. Bd. 1, S. 210: Bd. 2, S. 274.

"' Schaaffhausen, Archiv für Anthropologie, 1866, S. 164.

;" Mr. Bain hat (Mental and Moral Science, 1868. p. 304—314) un ein Dutzend mehr oder weniger verschiedener Theorien der Idee der Schönheit gesammelt; aber keine stimmt völlig mit der hier gegebenen überein.

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Cap. 19.

Schönheit.

:::;:;

deren Seite bewundern Menschen, welche an ein breites Gesicht mit hohen Wangenknochen. eine abgeplattete Xase und eine schwarze Haut gewöhnt sind, diese Punkte, wenn sie stark ausgeprägt sind. Ohne Zweifel können Charactere aller Arten leicht zu stark entwickeil werden, um schön zu sein. Es wird daher eine vollkommene Schön- heit, welche viele Charactere in besonderer Art und Weise niodificirt in sich fassi. in jeder Basse ein Wunder sein. Wie der grosse Ana- tom Bichat vor längerer Zeit schon sagte: wenn ein Jeder nach der- D Form geg"-                30 würde es keine Schönheit geben. Wenn

alle unsere Frauen so schön wie die Venus von Medici waren, so würden wir eine Zeil lang bezaubert sein; wir würden aber sehr bald liseluiiLr wünschen; und sobald wir eine Abwechselung erlangt hatten, würden wir gewisse Charactere bei unseren Frauen etwas über den nun existirenden gewöhnlichen Maassstab hinausragend zu sehen wünschen.

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Zwanzigstes Capitel.

Secuudäre Sexualcharaetere des Menschen. (Fortsetzung).

Ueber die Wirkungen der fortgesetzten Wahl von Frauen nach einem verschie- denen Maassstabe ehr Schönheit in jeder Rasse. — Ueber die Ursachen, welche die geschlechtliche Zuchtwahl bei civilisirteii und willen Rassen stö- ren. — Der geschlechtlichen Zuchtwahl gflj                  jungen in Urzeiten. — Ueber die Art der Wirkung der geschlechtlichen Zuchtwahl beim Men- schengeschlecht. — Ueber den Umstand, dasa die Frauen wilder Stämme in etwas die Fähigkeit haben, sich Gatten zu wählen. — Fehlen des Haars am Körper und Entwickelung des Bartes. — Farbe der Haut. — Zusammen- fassung.

Wir haben im letzten Capitel gesehen, dass bei allen barbari- schen Rassen Zierathen, Kleidung und äussere Erscheinung in hohem Werthe stehen und das.- die Männer über die Schönheit ihrer Frauen nach sehr verschiedenen Maassstäben artheilen. Wir müssen nun zu- untersuchen, ob dieses Vorziehen und die darauf folgende Wahl derjenigen Frauen, welche den Männern einer jeden Rasse als die an- ziehendsten erschienen, während vieler Generationen, entweder den Character allein der Frauen oder beider Geschlechter verändert haben, ugethieren scheint die allgemeine Regel die zu sein, dass Cha- ractere aller Arten gleichmässig von den Männchen und Weibchen geerbt werden: wir konnten daher erwarten, dass beim Menschen alle durch geschlechtliche Zuchtwahl von den Frauen oder von den Männern erlangten Charactere gewöhnlich den Nachkommen beiderlei Geschlechts überliefert werden würden. Wenn irgend eine Veränderung hierdurch bewirkt worden ist, so ist es beinahe g<                   die verschiedenen

Rassen verschieden modificirt sein werden, da jede ihren eigenen ab der Schönheit hat.

Beim Menschen, besonders bei Wilden, stören viele Ursachen die Thätigkeit der geschlechtliehen Zuchtwahl, soweit der Körperbau in

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Cap. 20.

Wirkung der Wahl von Frauen.

335

Betracht kommt. Civilisirte Männer werden in hohem Grade durch die geistigen Heize der Frauen angezogen, ebenso durch ihren Wohl- stand und besonders durch ihre sociale Stellung; denn die Männer heirathen selten in einen viel tieferen Lebensrang. Die Männer, welche im Gewinnen der schöneren Frauen erfolgreich Bind, werden keine grössere Wahrscheinlichkeit für sich haben, eine längere Descendenz- reihe zu hinterlassen als Männer mit einfacheren Weibern, ausgenom- men die wenigen, welche ihr Vermögen nach den Gesetzen der Primo- genitur »ererben. In Bezug auf die entgegengesetzte Form der Aus- wahl, nämlich die Wahl anziehender Männer durch die Frauen, wird. obschon bei civilisirten Nationen die Frauen eine freie oder beinahe freie Wahl haben, was bei barbarischen [lassen nicht der Fall ist, doch deren Wahl in hol                  lurch die sociale Stellung und den

Wohlstand der Männer beeinflusst; and der Erfolg der letzteren im Leben hängt zum grossen Theile von ihren intellectuel 1. n Kräften und ihrer Energie oder von den Resultaten dieser selben Kräfte bei ihren Vorfahren ab. Es bedarf nicht einer Entschuldigung, wenn dieser Gegenstand etwas ausführlich behandelt wird; denn wie der Philosoph ScHOPKMi.ukk bemerkt: ..das endliche Ziel aller Liebesintrignen, mö- „gen sie komisch oder tragisch sein, ist wirklich von grösserer Be- deutung als alle uhrig                  im menschlichen Leben. Um was „sich hier Alles dreht, ist nichts Geringeres als die Beschaffenheit der

„nächsten Generation..... Es ist nicht das Wohl und Wehe jedes

„einzelnen Individuums, sondern das der künftig                 nrasse, wel-

ches hier auf dem Spiele steif

Es ist indessen Grund zu glauben vorhanden, dass geschlechtliche Zuchtwahl bei gewissen civilisirten oder halbcivilisirten Nationen doch eine Wirkung auf die Modifikation des Körperbaues einiger ihrer der geäussert hat. Viele Personen sind, und wie mir's scheint mit Recht, davon überzeugt,               Glieder unserer Aristokratie, — wobei

ich unter diesem Ausdrucke alle wohlhabenden Familien mit umfasse, in welchen Primogenitur seit lange geherrscht hat, — weil sie Generationen hindurch aus allen Classen die schöneren Frauen zu ihren Weibern sich erwählt haben, dem europäischen Maass               Schön-

heit zufolge schöner geworden sind als die mittleren Classen; doch sind die mittleren Classen in Bezug auf vollkommene Entwickelnng

1 „Sei;                 I Darwinism", in: Journal of Anthropology, Jan. 1871,

P. 323.

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336                                  nkvhtliche Zuchtwahl: Mensch.                    lII.Th.il.

pers unter gleich                                  n. Cook bemerkt, dass

die Superiorität in der persönlichen Erscheinung, „welche auf allen

ii [nseln (des stillen Oceans) bei den „Erees" oder Adeligen ..zu beobachten ist. auf den Sandwichsinseln allgemein gefunden wird".

mag aber hauptsächlich Folge ihrer besseren Ernährung nnd Lebensweise sein.

Bei der Beschreibung der I              rl der alte Reisende Chardoj:

..ihr Blut ist jetzt durch häufige Vermisohung mit den Georgiern und ide Nationen in Bezug auf persönliche Schön- heit die ganze Welt übertreffen, im hohen Grade veredelt. ..kaum ein Mann von Rang in Persien, welcher nicht von einer

en oder circassisehen Mutter geboren wäre". Er fügt hinzu, da-- sie ihre Schönheit erben, „indesfi nicht von ihren Vorfahren, denn „ohne die erwähnte Vermisch&ig würden die Leute von Rang in Per- Nachkommen der Tartaren sind, äusserst hässlich sein"2. ha- Folgende ist ein noch merkwürdigerer Fall. Die Priesterinnen, welche den Tempel der Venus Erycina in San-Giuliano in

:;. wurden um ihrer Schönheit willen an- ganz Griechenland aus- gewählt. Sie waren keil               chen Jungfrauen, und Qoatrh

r die vorstehende Thatsache anfährt, bemerkt, dass die Frauen

o-Giuliano noch heutigen Tages als die schönsten auf der gan- zeu Insel berühmt sind und von Künstlern als Modelle gesucht wer- den. Offenbar sind die Beweise in den eben erwähnten Fällen aber zweifelhaft.

Obgleich sich der folgende Fall auf Wilde bezieht, so ist er doch seiner Merkwürdigkeit wegen der Erwähnung werth. Mr. Wdtwood theilt mir mit. dass die Jollofs, ein Negerstamm an der West- küste von Äfrica, „wegen ihrer gleichförmigen schonen Erscheinung „merkwürdig sind". Hiner seiner Freunde fragte einen dieser Leute: „Woher kommt es, dass ein Jeder, dem ich hier begegne, so schön ..aussieht, nicht bloss Füre Männer, sondern auch Eure Frauen?" Der Jollof antwortete: „Das ist sehr leicht zu erklären: es ist stets unser

auch gewesen, unsere schlecht aussehenden Sclaven auszusuchen

' Diese Citate sind ans Lawrence, Leettrres on Phytiology etc. I82'2. entnommen, welcher die Schönheit der höheren Classen in England dem [Imstande zuschreibt, dass die Männer lange Zeh hindurch die schöneren Frauen gewählt

[es Cours scientitiques. Oct. 1808. p. 721.

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r Zuchtwahl 1.                        ichen.

.und zu verkaufen". Es braucht kaum hinzugefügt zu wi

bei allen Wilden weibliche Sclaven als Concubinen dii                js dieser

- schön                                                                               q Beseitigui _

:hen Frauen                      n haben sollte, ist nichi                  sehend,

auf den ersten Blick erscheinen dürfte: denn ich habe an einer

Bedeutung der Zuchtwahl bei i icht der d                                                                     n. und ich

. Mr. Reade weitere Belege für diesen Punkt anführen.

Wirkung geschlecht-

t Zuchtwahl bei Wilden hindern oder hemmen. — Die

. sogenannt'                       Ehen

fliehen

Innigen: und endlich die ni

ier Punkte müssen mit einij

&

ibt würde, kann offenbar                  blecht-

Zuchtwahl                                                                       immen keine

Wirkung dadurch                                                                                i ober

mg einen Vortheil haben. Nun  wird behauptet,

mmunale Ehen nennt. d. h. unter ein- jehweifung vieler Wilden                                       unlieb

waren noch weitere Beweise wir vollständig annehmen können, dass die vorkommende Vermischung                   I einem Falle wirklich allgemein ist. Nichts-

destoweniger glan                                                                       ! 1 am ein-

geben .                                                                    il viel mehr werth ist

. Domeätication. .'. Lab bock

7 Mr. M' I.':li I:

ide all- a,gt. (vi.)

Online

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338

chtliche Zuchtwahl:

111. Tlicil.

als das meinige, dass communale Ehen (der Ausdruck wird in ver- umgangen) die ursprüngliche und allgemeine Form auf der ganzen Erde war. mit Einschluss der Beirathen zwischen Brü- dern und Schwestern. Der verstorbene Sir A. Smith, welcher viel in Südafrica gereist war und die Lebensweise der Wilden dort und andrer Orten gut kannte, drückte gegen mich die entschiedenste Meinung aus, dass keine Rasse eiistire, bei welcher die Frau als Eigenthum der Gemeinde betrachtet werde. Ich glaube, dass sein Urtheil in hohem Grade durch die Idee bestimmt wurde, die wir mit dem Ausdruck

irbinden. Im ganzen Verlaufe der folgenden Erörterung werde ich den Ausdruck in demselben Sinne gebrauchen, wie wenn Natur- forscher von monogamen Thieren sprechen, worunter sie verstehen, dass das Mannehen von einem einzigen Weibchen angenommen wird oder ein einziges Weibchen sich wählt und mit ihm entweder wah- rend der Brütezeit oder das ganze Jahr hindurch lebt und dasselbe nach dem Gesetze der Mach! in seinem Besitze hält;                wie wir

vnii einer polygamen Species sprechen, worunter wir versl das Männchen mit mehreren Weibchen leid. Diese Art von Ehe ist Alles, was uns hier angeht, da sie für die Arbeit der geschlechtlichen Zuchtwahl genügt. Ich weiss aber, dass mehrere der oben erwähnten Schriftsteller mit dem Ausdruck »Ehe" noch ein anerkanntes, vom Stamm geschützt

Die indirecten Beweise zu Gunsten der Annahme eine- früheren Vorherrschens communaler Ehen sind äusserst bündig und beruhen hauptsächlich auf Bezeichnungen der Verwandtschaftsgrade, welche /.wischen den Gliedern eine- und des nämlichen Stammes angev

d und welche einen Zusammenhang nur mit dem Stamme und nicht mit einem der beiden Kitern enthalten. Der Gegenstand ist aber zu weitläufig und complicirt, um hier auch nur einen Auszug davon

zu können. Ich «erde mich daher auf wenige Bemerkung schränken. Offenbar ist bei solchen Ehen, oder wo das Band !

»gemein". Mr. M'Lciuian und Sir .1. Labhock haben viele Belege ül ausserordentliche Ausschweifung der Wilden der Jetzt                        tfr. L. H.

I kommt in                          n Abhandlung über 'las . I

Itschaften (Procecd. Auht. Acad. of Sciences, Vol. \il Febr. 1868, p. 475) zu dem Schlüsse, dass Polygamie und alle Formen von Ehen wäh- rend der Urzeiten unbekannt waren. Nach Sir J. Lubbock's Werk scheint es auch, als ob Bachofen gleichfalls der Ansicht                          uglich commu-

:i geherrscht

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Cap. 20.            Die Wirirangen dar Zuchtwahl hemmende Ursachen.                  339

ein sein- lockeres ist. die verwandtschaftliche Beziehung des Kindes zu seinen] Vater nicht bekannt. Es scheint aber beinahe unglaublich zu sein, dass die Verwandtschaft des Kindes mit seiner .Mutter jemals vollständig ignorirt worden sein sollte, besonders da die Frauen bei den meisten wilden Stammen ihre Kinder eine lange Zeit hindurch stillen. Demzufolge werden in vielen Fallen die Descendenzreihen nur durch die Mutter mit Ausschlug                ra zurückverfolgt. Aber

in anderen Fällen drücken die zur Verwendung kommenden Bezeich- nungen nur einen Zusammenhang mit dem Stamme, selbst mit Aus- schluss der Mutier, aus. Es scheint wohl möglich, dass der Zusam- menhang /.wischen den unter einander verwandten Gliedern eines und

ben barbarischen Stammes, welche allen Arten von Gefahren

jetzt sind, wegen der Notwendigkeit gegenseitigen Schutzes und

r Hülfe so viel bedeutungsvoller ist, als der zwischen der

Mutter und ihrem Kinde, dass er /.u dem alleinigen Gebrauche

Ausdrücken geführt hat, welche die erstgenannten verwandtschaftlichen

i enthalten; aber Mr. Moegah i-t überzeugt, dass diese

Ansicht von der Sache durchaus nicht genügend ist.

Die in verschiedenen Theilen der Erde zur Bezeichnung d wandtschaftsgrades benutzten Ausdrücke können nach dem eben ange- führten Schriftsteller in zwei gro-                          heilt werden, die classificatorische und die beschreibende, — die letztere wird von uns

rendet. Eis ist nun das classificatorische System, welches sehr nachdrücklich zu der Annahme führt, dass communale und andere

rst lockere Formen von Ehen ursprünglich allgemein waren. So weit ich aber sehen kann, liegt von diesem Grunde aus keine Not- wendigkeit vor, an eine absolut allgemeine Vermengung zu glauben; und ich freue mich zu sehen, dass dies auch Sir J. Lübbock's An- sicht ist. .Manner und Kranen können, wie viel.' der niederen Thiere, früher feste, wenn auch nur zeitweise Verbindungen für eiue jede Geburt eingegangen sein, und in diesem Falle wird nahezu so viel Verwirrung in den Ausdrücken der Verwandtschaftsgrade eingeti

wie in dem Falle einer ganz allgemeinen Vermischung. Soweit geschlechtliche Zuchtwahl in Betracht kommt, ist Alles was verlangt wird, dass eine Wahl ausgeübt wird, ehe sieh die Fitem mit einander verbinden, und es ist von geringer liedeutung, ob die Verbindungen t'ür's ganze I                 nur für ein Jahr bestehen.

r den von den Bezeichnungen der Verwandtschaftsgrade her-

22*

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340                             Geschlechtliche Zuchtwahl: Monscli.                    III. Theil.

genommenen Belegen weisen noch andere Ueberlegungen auf das früher verbreitete Vorherrschen commnnaler Ehen hin. Sir ,1. Lubbock er- klärt6 in geistvoller Weise die fremdartige und weitverbreitete Ge- wohnheit der Exogamie, — d. h. die Form von Eeirathen, wo die Männer eines                           immer Frauen ans einem verschiedenen

Stamme nehmen, — durch den Communismus, welcher die ursprüng- liche Form der Eh                 ist, so dass ein Mann niemals ein Weib für sich erlangte, wenn er es nicht von einem benachbarten und feind-

Stamme für äich zur G                 inachte; denn dann wird das-

selbe natürlich sein eigenes und werthvolles Besitztums geworden sein. Hierdurch kann der Gebrauch, Frauen zu langen. und wegen der dadurch erlangten Ehre kann es schliesslich die all- gemeine Gewohnheit geworden" sein. Wir können hiernach auch Sir

.....x zufolge die                           einsehen, warum für die Bei-

rath als eine „Beeinträchtigung der l;                                    b Ent-

schädigung oder Sühne eintreten musste, da den alten Ideen ent-

hend ein -Mann kein Recht hatte, das sich selbst anzueignen, ..was dem ganzen Stamme gehörte'. Sir J. LüBBOCK theilt ferner eine merkwürdige Menge von Thatsachen mit, welche zeigen, dass in alten Zeiten den Frauen, wel                    ausschweifend waren.

Ehre erwiesen wurde; und dies ist, wie er erklärt, zu verstehen, wenn wir annehmen, dass allgemeine Vermischung der ursprüngliche und daher lange in Ansehen stehende Gebrauch des Stammes war '.

gleich die Art und Weise der Entwickelung des ehelichen

ein dunkl                  ad ist . wie wir nach den über mehrere

Punkte auseinandergehenden Ansichten der drei Schriftsteller, welche ihn am sorgfältigsten Btudirl haben, nämlich Mr. Moegan, M'Lennan und Sir J. 1                chliessen kennen, so scheint es doch nach den

henden und mehreren anderen