RECORD: Darwin, C. R. 1878. Geologische Beobachtungen über Süd- Amerika. Translated by J. V. Carus. Stuttgart: Schweizerbart.

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Ch. Darwin's

gesammelte Werke.

Aus dem Englischen übersetzt

von

J. Victor Carus.

Autorisirte deutsche Ausgabe.

Zwölfter Band. 1. Abtheilung,

Geologische Beobachtungen über Siid-America.

>X<c

STUTTGART.
E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1878.

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Geologische Beobachtungen

über

Süd-America

angestellt während der Reise des „Beagle* in den Jahren 1832—1836

von

Charles Darwin.

Ans dem Englischen übersetzt

von

J. Victor Carus.

Mit 1 Karte, 5 Tafeln und 24 Holzschnitten.

STUTTGART.
E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

1878.

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K. Uefbuobdruckercl Zu GatUnberg (C»rl Grünlnger) in Stuttgart.

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2™                     -t

Vorwort.

Der vorliegende Band vollendet die wahrend der Reise des Beagle
angestellten geologischen Untersuchung« n: der erste Theil war über
den Bau und die Verbreitung der Corallen-Riffe, der zweite enthielt
<lie Beschreibung der während der Reise besuchten Vulcanischen Inseln,
mit einer kurzen Notiz über die Geologie des Caps der Guten Hoff-
nung und einiger Theile von Australien; dieser dritte und letzte Theil
handelt ausschlieszlich von Süd-America und enthält alle der Veröffent-
lichung werthen geologischen Beobachtungen, welche ich anzustellen
vermochte, mit Ausnahme der wonigen einzeln erschienenen.

Bei der Bearbeitung des vorliegenden Bandes habe ich die Unter-
stützung mehrerer Naturforscher erhalten. Professor Miu.kk von Cam-
bridge hat mich hei der Bestimmung vieler Mineralien unterstützt:
durch die Freundlichkeit des Sir Henry de la Beche hat M. Trenham
Reeks vom Museum of Economic Geology in der zuvorkommendsten
Weise einige Salze und andere Substanzen für mich analysirt. Mr.
G. B. SmvKKKY hat freundlichst die Beschreibung meiner Sammlung
fossiler Muscheln übernommen. Da Mr. Alciüe d'Orbigny in seinem
groszen Werke über Süd-America Beschreibungen vieler fossiler Mollus-
ken veröffentlicht hatte, nahm ich mir die Freiheit, ihn brieflich zu
bitten, meine Sammlung durchzusehen, worauf er in der verbindlichsten
Art eingieng: es ist daher jede Species, welcher sein Xame beigefügt
ist, von ihm identificirt worden. Mr. d'Obbigkt hat mir nicht allein
diesen wichtigen Dienst geleistet, sondern er hat mir auch, wie sich
beim Lesen des Buches ergibt, seine Ansicht über das Alter mehrerer
Gruppen von Fossilen und über die Verschiedenheiten und Verwandt-
schaft vieler Species mitgetheilt: bedenkt man, dasz ich keinerlei An-
spruch an Mr. d'Orbigny's Zeit hatte, so kann ich nicht lebhaft genug
meine Dankbarkeit für seine grosze Liebenswürdigkeit ausdrücken.
Endlich musz ich Prof. Edw. Forbes meinen herzlichsten Dank sagen,
welcher mitten in seinen vielfachen Beschäftigungen Zeit gefunden hat,
die seeundären fossilen Mollusken von der Cordillera von Chile sorg-
fältig zu untersuchen und zu beschreiben.

September 1846.

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VI

Vorwort.

In Folge der groszen Fortschritte, welche die Geologie in neuerer
Zeit gemacht hat, sind vielleicht meine Ansichten über einzelne wenige
Punkte veraltet; ich habe es aber für das Beste gehalten, sie so zu
lassen, wie sie ursprünglich erschienen. Um den Bericht über die
während der Reise des Beagle gemachten geologischen Beobachtungen
zu vervollständigen, will ich hier noch vier Abhandlungen anführen,
welche einzeln erschienen: 1) über die Geologie der Falkland-Inseln
(am 25. März 1846 in der geologischen Gesellschaft gelesen, im Vol. IL
der Proceedings erschienen); 2) über den Zusammenhang gewisser vul-
canischer Erscheinungen in Süd-America (1838 gelesen und im 5. Bande
der Transactions der geologischen Gesellschaft erschienen); 3) über
die Verbreitung der erratischen Blöcke und über die gleichzeitigen nicht
geschichteten Ablagerungen in Süd-America (1841 gelesen und im
6. Bande der nämlichen Transactions erschienen), und 4) Beschreibung
des feinen Staubes, welcher oft auf Schiffe im atlantischen Ocean fällt
(aus den Proceedings der geologischen Gesellschaft vom 4. Juni 1845).

Aus dem Vorwort zur zweiten Ausgabe, 1876.

(Nach Rücksprache mit dem Herrn Verfasser sind diesen in der
vorliegenden Übersetzung [s. 2. Abtheilung dieses Bandes] noch die
beiden Aufsätze hinzugefügt worden: über die von den alten Gletschern
in Caernarvonshire hervorgebrachten Wirkungen (aus dem Philosoph!
Magazine), und über die Bildung der Ackererde (aus den Transactions
der geologischen Gesellschaft). — D. Übers.)

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Inhalt.

Erstes Capitel.

Über die Erhebung der Ostküste von Süd-America.

Emporgehobene Meeresmuscheln von La Plata. — Bahia Bianca, Sanddünen and
Bimssteingeröll. — Stufenförmige Ebenen von Patagonien mit emporgehobenen
Muschelschalen. — Terrassenbegrenztes Thal von Santa Cruz, früher ein Aleei
arm. — Emporgehobene Muschelschalen vom Feuerlande. — Länge und Breite
des emporgehobenen Bezirks. — Gleichförmigkeit der Bewegungen dnrch die
ähnlichen Höhen der Ebenen nachgewiesen. — Langsamkeit des Hebungs-
processes. — Bildungsart der stufenförmigen Ebenen. — Zusammenfassung,
grosze Geröllformation von Patagonien; ihre Ausdehnung. Entstehung und
Verbreitung. — Bildung von Meeresklippen..........S. 1.

Zweites Capitel.

Über die Erhebung der Westküste von Süd-America.

Chonos-Archipel. — Chiloe, neuere und allmähliche Hebung, Traditionen der
Einwohner in Bezug auf diesen Gegenstand. — Concepcion, Erdbeben und
Erhebung von. — Valparaiso, bedeutende Erhebung von, emporgehobene
Muscheln. Erde marinen Ursprungs, allmähliches Erheben des Landes innerhalb
der historischen Periode. — Coquimbo, Erhebung von, in neuerer Zeit, Ter-
rassen marinen Ursprungs, ihre Neigung, ihre Böschungen nicht horizontal. —
Guasco, Gerölh. nas-en. — Copiapo. — Peru. — Emporgehobene Muscheln
vnn Cobija, Iquique und Arica. — Lima, Muschellagerund Meeresstrand von
;n Lorenzo; menschliche Überreste, fossiles Töpfergeschirr, ErdbebenBber-
schwemmung, neueres Sinken. — Über den Zerfall emporgehobener Muscheln.
— Allgemeine Zusammenfassung.............S. 39.

Drittes Capitel.

Über die Ebenen und Thäler von Chile. — Salzfuhrende oberflächliche

Ablagerungen.

Beckenartige Ebenen von Chile; ihre Entwässerung, ihr mariner Ursprung. —
Zeichen von Meereswirkung an den östlichen Abhängen der Cordillera. —

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VIII

Inhalt.

Leicht geneigte terrassenartige Saume von geschichtetem Geröll innerhalb der
Thäler der Cordillera; ihr mariner Ursprung. — Erratische Blocke im Thale
von Cachapual. — Horizontale Erhöhung der Cordillera. — Bildung von Thä*
lern. — Erratische Blöcke von Erdbeben wellen bewegt. — Oberflächliche
Salzlager. — Lager von Natronsalpeter bei Iquique. — Salzincrustationen. —
Salzseen von La Plata und Patagonien; Reinheit des Salzes; sein Ursprung

S B5,

Viertes Capitel.

Formationen der Pampas.

Mineralogische Constitution. — Mikroskopische Structur. — Buenos Äyres, in Tosca-
Gestein eingebettete Muscheln. — Von Buenos Ayres nach dem Colorado. —
Sierra Ventana. Bahia Bianca; M. Hermoso, Knochen und Infusorien; P. Alta,
Muscheln, Knochen und Infusorien; Coexistenz recenter Muscheln und aus-
gestorbener Sangethiere. — Von Buenos Ayres nach Sta Fe. — Skelete von
Mastoilon. — Infusorien. - Untere marine tertiäre Schichten, deren Alter. —
Pferdezahn. — Banda oriental. — Oberflächliche Pampas-Formation. — 1

rtiäre Schichten, Abänderung derselben in Zusammenhang mit vulcanischer
Thätigkeit; M'icrauchenia patachoniea bei Port S. Julian in Patagonien,
Alter derselben, nach dem Erscheinen der lebenden Mollusken und nach der
Periode der erratischen Blöcke. — Zusammenfassung. — Flächengebiet
der Pampas-Formation. — Theorien ihres Ursprungs. — Quelle des Sediments.
— Aestuarium-Ursprung. — Gleichzeitig mit lebenden Mollusken. — Be-
Ziehungen zu den darunter liegenden tertiären Schichten. — Alte Ablagerung
von Aestuarium-Urspiung. — Erhebung und successive Ablagerung der Pampas-
Formation. — Zahl und Zustand der Säugethierreste; ihr Wohnort, ihre Nah-
rung, ihr Aussterben und ihre Verbreitung. — Schlusz. — Localitäten in den
Pampas, an welchen Säugethierreste gefunden worden sind . . . . S. 112.

Fünftes Capitel.

Über die älteren Tertiärformationen von Patagonien und Chile.

Rio Negro. — S. Josef. — Port Desto, weiner bimssteinhaltiger Schieferletten
mit Infusorien. — Port S. Julian. — Santa Cruz, basaltische Lava von. —
P- Gallegos. — Östliches Feuerland; Blätter ausgestorbener Buchen. — Zu-
sammenfassung über die patagonischen Tertiärformationen. — Tertiärformatio-
nen der Westküste. — Chonos- und Chiloö-Gruppe, vulcanische Gesteine. —
Concepcion. — Navidad. — Coquimbo. — Znsammenfassung. — Alter der
tertiären Formationen. — Erhebungslinien. — Veikieseltes Holz. — Ver-
gleichsweise Verbreitung der ausgestorbenen und lebenden Mollusken an der
Westküste von Süd-America. — Clima der Tertiärperiode. — Über die Ur-
sachen des Fehlens recenter muschelführender Ablagerungen an den Küsten
von Süd-America. - Über die gleichzeitige Ablagerung und Erhaltung sedi-
mentärer Formationen................S. 102

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Inhalt.                                                     IX

Sechstes Capitel.

Plutonische und metamorphische Gesteine. — Spaltung und Blätterung.

Brasilien, Bahia, Gneisz mit verschobenen metamorphosirten Gängen. — Streichen
der Blätterung. — Rio Janeiro, Gneiszgranit, Zersetzung eines darin ein-
geschlossenen Fragments. — La Plata, metamorphische und alte vulcanische
Gesteine. — Sierra Ventana. — Thonsteinporphyr-Formation von Patagonien;
eigenthümliche metamorphische Gesteine; falsche Gänge. — Falkland-Inseln,
paläozoische Fossile. — Feuerland, Thonschieferformation, Kreide-Fossile; Spal-
tung und Blätterung; Form des Landes. — Chonos-Archipel, Glimmerschiefer,
Blätterung durch granitische Äie gestört; Gänge. — Chiloe. — Concepcion,
successive Bildung von Gängen. — Centrales und nördliches Chile. — Schlusz-
hemerkungen über Spaltung und Blätterong. — Ihre enge Analogie und ähn-
licher Ursprung. — Schichtung metamorphischer Schiefer. — Blätterung in-
trusiver Gesteine. — Beziehung der Spaltung und Blätterung zu den Spannungs-
richtungen während der Metamorphose...........S. 209.

Siebentes Capitel,

Centrales Chile: Structur der Cordillera.

Centrales Chile. — Basalttbrmationen der Cordillera. — Ursprung des porphyritischen
Thonstein-Conglomerates. — Andesit. — Vulcanische Gesteine. — Durchschnitt
der Cordillera auf dem Peuquenes- oder Portillo-Pasz. — Grosze Gypsformation.
Peuquenes-Zug; Mächtigkeit der Schichten, Fossile derselben. — Portillo-Linie,
Conglomerat, orthitischer Granit, Glimmerschiefer und vulcanische Gesteine. —
Schluszbemerkungen über die Erhebung und Denudation der Portillo-Reihe.

—  Durchschnitt auf dem Cumbre- oder Uspallata-Pasz. — Porphyre. — Gyps-
8chichten. —, Durchschnitt in der Nähe des Puente del Inca; Fossilien. —
Grosze Senkung. — Intrusive Porphyre. — Ebene von Uspallata. — Durch-
schnitt der Vspallata-Kette. — Bau und Beschaffenheit der Schichten. — Ver-
kieselte senkrechte Bäume. — Grosze Senkung. — Granitische Gesteine der
Axe. — Schluszbemerkungen über den üspallata-Zug; späterer Ursprung als
der der Haupt-Cordillera; zwei Senkungsperioden; Vergleichung mit der
Portillo-Kette....................S. 253.

Achtes Capitel.

Nördliches Chile. — Schlusz.

Durchschnitt von Illapel nach Combarbala: Gypsformation mit verkieseltem Holz

—  Panuncillo. — Coquimbo; Bergwerke von Arqueros; Durchschnitt das Thal
hinauf; Fossile. — Fossile von Guasco. — Durchschnitt im Thale von Copiapo
hinauf; Las Amolanus: verkieseltes Holz, Conglomerate, Beschaffenheit des
früheren Landes, Fossile, Mächtigkeit der Schichten, grosze Senkung.— Thal
des Despoblado. Fossile, tuffartige Ablagerungen, complicirte Dislocationen der-
selben. — Beziehungen zwischen alten Eruptionsöffnungen und späteren in-

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X                                                     Inhalt,

jectionsaxen. — Iquique, Peru, Fossile der Salzlager. — Metallführende Adern.
— Zusammenfasung über die porphyritische Conglomerat- und die Gyps-
Formationen. — Grosze Senkung mit theilweisen Erhebungen während der
cretaceo-oolithischen Periode. — Über die Erhebung und Structur der Cor-
dillera. — Recapitulation über die tertiäre Reihe. — Beziehungen zwischen
Senkungsbewegungen und vulcanischer Thatigkeit. — Pampas-Formatiou. —
Neuere Hebungsbewegungen. — Lange fortdauernde vulcanische Thatigkeit in
der Cordillera. Schlusz................S. 311

Anhang.

Beschreibungen fossiler, tertiärer Muscheln aus Süd - America von
G. B. Sowerby..................S. 372.

Beschreibung seeundörer fossiler Muscheln von Süd-America von Prof.
Ed. Forbes....................3 887.

Register.......................s. 391

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Erstes Capitel.

Über die Erhebung der Ostküste von Süd-Änierica.

Emporgehobene Meeresmuscheln von La Plata. — Bahia Bianca, Sanddünen and
BimssteingeröH. — Stufenförmige Ebenen von I onien mit emporgehobenen
Muschelschalen. — Terrassen begrenztes Thal von Santa Cruz, früher ein Meeres-
arm. — Emporgehobene Muschelschalen vom Feuerlande. — Lange und Breite
des emporgehobenen Bezirks. — Gleichförmigkeit der Bewegungen durch die
ähnlichen Höhen der Ebenen nachgewiesen. — Langsamkeit          Hebun

processes. — Bildungsart der stufenförmigen Ebenen. — Zusammenfassung,
grosze Geröllformation von Patagonien; ihre Ausdehnung, Entstehung and
Verbreitung. — Bildung von Meeresklippen.

In dem folgenden Buche, welches von der Geologie von Süd-
America und beinahe ausschlieszlich von Theilen südlich vom Wende-
kreise des Steinbocks handelt, habe ich die Capitel nach dem Alter der
Ablagerungen angeordnet, und bin nur gelegentlich von dieser Reihen-
folge zum Zwecke geographischer Einfachheit abgewichen.

Die Hebung des Landes innerhalb der Neuzeit und die Modificatio-
nen seiner Oberfläche durch die Wirkung des Meeres (welchen Punkten
ich besondere Aufmerksamkeit zuwandte) sollen zuerst erörtert werden;
ich werde dann zu den tertiären Ablagerungen, und nachher zu den
alteren Gesteinen übergehen. Nur diejenigen Districte und Durch-
schnitte werden im Einzelnen beschrieben werden, welche mir irgend
einer besonderen Beachtung zu verdienen scheinen, und ich will am
Knde eines jeden Capitels eine Zusammenfassung der Resultate geben.
Wir wollen mit den Beweisen für das Erheben der Ostküste des Con-
tinents vom Rio Plata an nach Süden beginnen, und im nächsten
Capitel denselben Punkt den Küsten von Chile und Peru entlang ver-
folgen.

LWIH, Siid-America. (XII, 1-)

1

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2                                                Hebung von La Plata.                                       Cap. 1.

Auf dem nördlichen Ufer des groszen Aestuariums des Rio Plata,
in der Nähe von Maldonado, fand ich am oberen Ende eines See's,
welcher zuweilen Brackwasser, aber meist Süszwasser enthielt, eine
Schicht von lehmigem Thon, sechs Fusz mächtig, mit zahlreichen
Schalen von jetzt noch im Plata lebenden Species, nämlich Ässara
labiata d'Orb. , Bruchstücke von Mytilus eduliformü d'Orb., Palu-
destrina Isabettei d'Oeb., und den Solen Caribaeus Lam., welcher letz-
terer senkrecht in der Stellung in der er gelebt hatte, eingeschlossen
war. Diese Schalen liegen in der Höhe von nur zwei Fusz oberhalb
des See's; sie würden auch nicht der Erwähnung werth gewesen sein,
ausgenommen im Zusammenhang mit analogen Thatsachen.

Bei Montevideo bemerkte ich in der Nähe der Stadt und dem
Fasse des Berges entlang Schichten mit einem lebenden Mi/tilus, welche
einige Fusz über die Oberfläche des Plata erhoben waren: in einer
ähnlichen Schicht in einer Höhe von dreizehn bis sechszehn Fusz sam-
melte Mr. Isabeu.k acht Species, welche nach p'Orbigny1 jetzt in der
Mündung des Aesturiums leben. Bei Colonia del Sacramiento weiter
nach Westen beobachtete ich in der Höhe von ungefähr fünfzehn Fusz
über dem Flnsz. welcher dort Süszwasser enthält, eine kleine Schicht
desselben Mytilus, welcher bei Montevideo im Brackwasser lebt. In
der Nähe der Mündung des Uruguay, und mindestens fünfonddreiszig
Meilen nach Norden, finden sich in Zwischenräumen grosze sandige
Züge, welche sich mehrere Meilen von dem Ufer des Flusses weg er-
strecken, aber nicht bedeutend über sein Niveau erhoben sind; die-
selben sind auszerordentlich reich an kleinen zweischaligen Muscheln,
welche in solcher Menge vorkommen, dasz sie bei Agraciado gesam-
melt und zu Kalk gebrannt werden. Diejenigen, welche ich in der
Xiihe von A. S. Juan untersuchte, waren sehr abgerieben; sie be-
standen aus Mactra habeüei d'Orb., mit einigen wenigen Venus sinuosa
Lam. untermischt, welche beide, wie mir Mr. d'Ohbignt mitgetheilt
hat, Brackwasser an der Mündung dos Plata bewohnen, das nahezu
oder ganz so salzig wie das offene Meer ist. Der lose Sand, in

Ichem diese Muscheln eingehüllt sind, ist zu niedrigen, geraden,
langen Dünenzügen aufgehäuft, gleich denen, welche das Meer am

'ren Ende vieler Buchten zurücklaszt. Mr. p'Orbigny2 hat eine

1 V..yage dans l'Araerique merid., Partie geolog., p. 21.
- Yoyagc dans l'Amerique merid.. Partie geolog., p. 43.

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Cap. 1.                               Hebung von La Flal                                         3

analoge Erscheinung im gröszeren Maszstabe in der Nähe von San
Pedro am Flusz Parana beschrieben, wo er weit ausgedehnte Schichten
und Hügel von Sand mit ungeheun-n Mengen der Azara labiata in
der Höhe von nahezu hundert Fusz (englisch) oberhalb der Oberfläche
jenes Flusses fand. Die Azara bewohnt Brackwasser, und es ist nicht
bekannt, dasz sie näher an San Pedro als bei Buenos Ayres gefunden
wird, was in einer geraden Linie über hundert Meilen (englisch) ent-
fernt ist. Näher an Buenos Ayres, an der Strasze von diesem Orte
nach San Isidro finden sich ausgedehnte Schichten der Azara labiata,
wie mir Sir Woopbine Parish3 mitgetheilt hat, die ungefähr vierzig
Fusz oberhalb des Fluszspiegels liegen, und zwischen zwei und drei
Meilen von ihm entfernt sind. Diese Muschelschalen finden sich immer
auf den höchsten Punkten in dem Districte: sie sind in einer geschich-
teten erdigen Masse eingeschlossen, genau der der groszen Pampas-
Ablagerung gleichend, welche später beschrieben werden soll. In einer
Sammlung dieser Muschelschalen fanden sich einige Schalen der Venm
sinuosa Lam., derselben Species, welche mit der Mactra an den Ufern
des Uruguay gefunden wird. Südlich von Buenos Ayres in der Nähe
von Ensenada finden sich andere Schichten der Azara von denen einige
in einer gelblichen, kalkigen, halb krystallinischen Substanz einge-
bettet worden zu sein scheinen; und Sir W. Parish hat mir von den
Ufern des Arroyo del Tristan, welcher in dieser selben Gegend, über
eine Stunde vom Plata entfernt, gelegen ist, ein Stück eines blasz-
rothlichen kalkig-thonigen Steins gegeben (genau Stücken der Pam-
pas-Ablagerung gleichend: die Bedeutung dieser Thatsache wird in
einem späteren Capitel erörtert werden), in welchem Schalen einer
Azara sehr abgerieben äuszerst reichlich vorhanden waren, welche
aber in der allgemeinen Form und dem äusseren Ansehen der Azara
labiata sein- ähnlich, und wahrscheinlich mit ihr identisch sind. Auszer
diesen Muschelschalen wird ein zelliges, stark krystallinisches, aus den
Ausgüssen kleiner Bivalven gebildetes Gestein in der Nähe von Ense-
nada gefunden, und gleichfalls auch Schichten von Seemuscheln, welche
nach ihrem Aussehen an der Oberfläche gelegen zu haben scheinen.
Sir W. Parish hat mir einige von diesen Muscheln gegeben, und Mr.

d'Orbigky erklärt sie für:

3 .Buenos Ayr<         . by Sir Woodbine Parish. p. 168

1*

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Hebung von La Plata.                                 Cap. 1.

1.  Buccinanops globulosum d'Obb.

2.  OUvancffi auricularia d'Orb.

3.   VenUS l'.'.ruosn Lam.

I. Cytherea (unvollkommen).

5.  Mactra Isabellei d'Obb.

6.  Ostrea pukhella d'Orb.

Auszer diesen erhielt Sir W. Pakish4 (nach der Bestimmung
von G. B. Soweeby) die folgenden Muscheln:

7.   Völuta colocynthis.                      I 9. Buccinum (sp.?).

8.   V. angulata.

Alle diese Species (vielleicht mit Ausnahme der letzten) sind
recent und leben an der Küste von Süd-America. Diese Muschel-
schichten erstrecken sich von einer bis sechs Stunden vom Plata, und
Russen viele Fusz oberhall» seines Spiegels liegen. Ich habe auch von
Muschelschichten am Somborombon und am Rio Salado gehört, an
welch' letzterem Orte, wie mir Mr. d'Orbigxy mittheilt, die Mactra
Isabellei und Fem            tosa gefunden werden.

Während der Erhebung der Provinzen von La Plata haben die
Gewässer des alten Aestuariums (mit Ausnahme der Sandhügel an den
Dfera des Parana und Uruguay) die Umrisse des Landes nur wenig
beeintluszt. Mr. Pabchappe5 hat indessen Gruppen von Sanddünen
beschrieben, die über die weiten Pampas südlich von Buenos Ayres
zerstreut sind, welche Mr. d'Oebiönt mit vieler Wahrscheinlichkeit
der Wirkung des Meeres, ehe die Ebenen über seinen Spiegel erhoben
waren, zuschreibt6.

.Buenos Ayres1 etc. by .Sir W. l'arish, p. 1C8.

5   d'Orbigny, Voyage etc., Partie golog.. p. 44.

6  Ehe ich zu den Districten südlich vom Plata weitergehe, dürfte es der
Mühe w<                 ben zu erwähnen, dasz einige Beweise dafür vorhanden sind,
dasz die Küste von Brasilien in einem geringen Grade an der Erhebung Theil ge-
nommen hat. Mr. Burchell theilt mir mit, dasz er bei Santos (24° s. Br.) eini
Meilen vom Ufer und gänzlich oberhalb der Wirkungsgrenze der Gezeiten augen-
scheinlich recente Austerschalen gesammelt hat. Es wird angegeben (s. Harlan.
Med. and phys. Res., p. 35, und Dr. Meigs in: Transact. Amer. Philos. Soc),
dasz Capt. Elliot nach Westen von Rio de Janeiro zwischen fünfzehn und zwanzig
Fusz oberhalb defl Meeresspiegels Menschenknochen gefanden habe, welche mit
Seemuscheln incrustir' waren. Zwischen Rio de Janeiro und Cap Frio überschritt
ich in einer Entfernung von einer Stunde von der Küste sandige Strecken, welche
reichlich Seemuscheln enthielten: ob aber diese Strecken durch Erhebung oder
durch einfaches Anhäufen von Flugsand gebildet worden sind, bin ich nicht vor-
bereitet zu entscheiden. Bei Bahia (13° s. Br.) linden sich an einigen Stellen in
der Nahe der Küste Spuren der Wirkungen des Meeres in der Höhe von ungefähr
zwanzig Fusz über seinem gegenwartigen Niveau; an vielen Stellen sind auch
Beste v'ii Schichten von Sandstein und Conglomerat mit zahlreichen recenten

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Cap. 1.                              Hebung von Bahia Bianca.

Südlich vom Plata. — Die Küste wird bis Bahia Bianca (39°

s. Br.) entweder aus einem horizontalen Zuge von Klippen oder von
ungeheuren Anhäufungen von Sanddünen gebildet. Innerhalb Bahia
Bianca wird ein kleines Stück von Tafelland ungefähr zwanzig Pus«
über Hoch Wasserstand. Finita alta genannt, aus Schichten verkitteten
irölls und rothen erdigen Lehmes gebildet, welche äuszerst reich
an Muschelschalen (mit anderen, die lose auf der Oberfläche lieginj
und an Knochen ausgestorbener Säugethiere sind. Diese Muscheln,
der Zahl nach zwanzig, zusammen mit einem Baianus und zwei Co-
.rallen sind sämmtlich recente Species, welche noch das benachbarte
Meer bewohnen. Sic werden im vierten Capitel aufgezählt werden,
bei der Beschreibung der Pampas-Formation; fünf von ihnen .sind
identisch mit den emporgehobenen aus der Nähe von Buenos Ayres.
Das nördliche Ufer von Bahia Bianca wird zum groszen Theil aus un-
geheueren Sanddünen gebildet, welche auf Geschiebe mit recenten Mu-
sehein liegen und in dem Ufer parallelen Linien angeordnet sind. Diese
Züge sind durch flache, aus steifem, unreinem, rothen Thon gebildeten
Stellen von einander getrennt, in welchen ich in der Entfernung von
ungefähr zwei Meilen von der Küste beim Graben einige wenige
minutiöse Fragmente von Seemuscheln fand. Die Sanddünen erstrecken
sich mehrere Meilen landeinwärts und stehen auf einer Ebene, welche
bis zu einer Höhe von zwischen ein- und zweihundert Fnsz aufsteigt,
/ahlreiche kleine gut abgerundete Rollsteine von Bimsstein liegen zer-
streut sowohl auf der Ebene, als den Sandhügeln: bei Monte Hermosa
auf dem glatten Gipfel einer Klippe fand ich viele von ihnen in einer
Höhe von 120 Fusz (Winkelmessung) oberhalb des Meeresspiegels.
Diese Bimssteingerölle wurden ursprünglich ohne Zweifel von der Cor-
dillera herabgebracht, und zwar durch die Flüsse, welche den Conti-
nent durchkreuzen, in derselben Weise wie der Flusz Negro in alten
Zeiten Bimsstein herangebracht hat und noch immer herabbringt, und

Muscheln ein wenig über den M'-en-sspiegel erhoben. Ich will hinzufügen, dasz
am obern Ende der Bucht von Bahia eine Formation vorhanden ist. welche, un-
gefähr vierzig Fusz mächtig, tertiäre Muscheln von augenscheinlich Süszwasaer-
ursprung enthalt. die jetzt vom Meer gewaschen und mit Balanen incrustirt wer-
den ; dies scheint auf eine ihrer Ablagerung folgende Senkung von einem geringen
Grade hinzuweisen. Bei Pernambuco (8° s. Br.) suchte ich in den alluvialen oder
tertiären Gesteinen, welche das Tiefland auf dem die Stadt steht umgeben, ver-
gebens nach organischen Resten oder andern Beweisen für eine Veränderung des
Xiveau's.

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ß                                  Hebung von Bahia Bianca.                            Cap. 1.

wie der Flusz Chupat Schlacken herabführt: wenn sie einmal bis zur
Mündung des Flusses gelangt sind, werden sie naturlich den Küs
entlang gewandert und dann während der Erhebung des Landes in
verschiedenen Höhen aufgeworfen worden sein. Der Ursprung der
thonigen platten Stellen, welche die parallelen Züge der Sanddünen
trennen, scheint eine Folge davon zu sein, dasz die Gezeiten eine Nei-
gung haben (wie sie an den meisten seichten geschützten Küsten
haben, wie ich glaube), parallel dem Ufer und in einer gewissen Ent-
fernung von ihm eine Bank aufzuwerfen; diese Bank wird allmählich
gröszer, bietet eine Basis für die Anhäufung von Sanddünen dar, und
der seichte Kaum innerhalb derselben wird dann mit Schlamm erfüllt.
Die Wiederholung dieses Processes ohne irgend eine Erhebung des
Landes wird eine horizontale, von parallelen Zügen von Sandhügeln
quer durchsetzte Ebene bilden; wahrend einer langsamen Erhebung des
Landes werden die Hügel auf einer sanft geneigten Fläche ruhen, wie
der an dem nördlichen Tier von Bahia Bianca. Ich habe keine Mu-
srhein in dieser (iegend in einer gröszeren Höhe als zwanzig Fusz ge-
funden, und es musz daher das Alter der von der See angetriebenen

-teingerölle, die jetzt in der Höhe von 120 Fusz liegen, unbe-
stimmt bleiben.

Die Ebene, welche Bahia Bianca umgibt, schätzte ich der Haupt-
sache nach zu 200—300 Fusz; sie hebt sich unmerkbar nach der ent-
fernten Sierra Ventana zu. Es finden sich in dieser Umgebung einige
andere und niedrigere Ebenen; sie stützen sich aber nicht eine an den
Fusz der anderen in der später zu beschreibenden Art, wie es für
Patagonien so characteristisch ist. Die Ebene, auf welcher die Nieder-
lassung steht, wird von vielen niedrigen Sandhügeln gekreuzt, welche
äusserst reich an den minutiösen Muscheln der Paludestrina australis
d'Obb. sind, welche jetzt in der Bucht lebt. Diese niedrige Ebene
wird nach Süden bei der Cabeza del Buey von einem von Klippen
gebildeten Rande einer weiten Ebene der Pampas-Formation begrenzt,
deren Höhe ich zu sechzig Fusz schätzte. Auf der Höhe dieser Klippe
ist ein Zug hoher Sanddünen vorhanden, welcher sich mehrere Meilen
in einer ost-westlichen Linie erstreckt.

Südlich von Bahia Bianca flieszt der Flusz Colorado zwischen
zwei dem Anscheine nach von dreiszig bis vierzig Fusz hohen Ebenen.
Von diesen Ebenen erhebt sich die südliche bis zum Fusze des groszen
Sandsteinplateaus des Rio Xegro und die nördliche stöszt an eine

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Cap. 1.                            Hebung von Bahia Bianca.                                    7

Böschung der Pampas-Ablagerung, so dasz der Colorado in einem fünf-
zig Meilen weiten Thale zwischen den oberen Böschungen flieszt. Ich
führe dies an, weil ich auf der unteren Ebene am Fusze der nörd-
lichen Böschung eine ungeheuere Anhäufung von hohen Sanddünen
durchkreuzte, deren Breite die Gauchos zu nicht weniger als acht
Meilen schätzten. Diese Dünen ziehen nach Westen von der Küste
aus, welche zwanzig -Meilen entfernt ist, weit landeinwärts in mit dem
Thale parallelen Linien; sie werden von einander durch thonige platte
Stellen getrennt, genau denen an dem nördlichen Ufer von Bahia
Bianca gleich. Gegenwärtig findet sich keine Quelle, woher diese un-
geheuere Anhäufung von Sand ausgehen könnte; wenn aber, wie ich
glaube, die oberen Böschungen früher einmal die Ufer des Aestuariums
bildeten, so würde in diesem Falle die Sandstein-Formation des Rio
Negro einen unerschöpflichen Vorrath von Sand dargeboten haben,
welcher natürlich auf dem nördlichen Ufer sich angehäuft haben wird,
wie an jedem Theile der Küste zwischen Bahia Bianca und Buenos
Ayres, welche den Südwinden ofl'en steht.

Bei San Blas (40° 40' s. Br.), ein wenig südlich von der Mün-
dung des Colorado, hat Mr% d'Orbigxy vierzehn Species lebender Mu-
scheln (sechs von ihnen identisch mit denen von Bahia Bianca) in
ihren natürlichen Stellungen eingebettet gefunden. Nach der Tiefen-
zone, welche diese Muscheln bekanntlich bewohnen, müssen sie zwei-
unddreiszig Fusz in die Höhe gehoben worden sein. Er hat auch von
fünfzehn bis zwanzig Fusz oberhalb dieser Schicht Beste eines alten
Strandes gefunden.

Zehn Meilen weiter südlich, aber 120 Meilen westlich, bei Port
S. Antonio, haben die mit der Aufnahme beschäftigten Offiziere, wie
sie mir versichern, viele alte Seemuscheln aui der Oberfläche des Bo-
dens verstreut gefunden, ähnlich denen, die an anderen Theilen der
Küste von Patagonien gefunden wurden. Bei S. Josef, neunzig Meilen
südlich in nahezu derselben Länge habe ich oberhalb des Kieses,
welcher eine alte tertiäre Formation bedeckt, ein unregelmäsziges Bett
und Hügel von Sand in einer Mächtigkeit von mehreren Fusz gefun-
den, die auszerordentlich reich an Muscheln von Patella deaurita, M>j-
tilus magellanicusi dieser letztere noch viel von seiner Färbung be-
haltend, Fusus magellanicus (und eine Varietät desselben) und einem
groszen Balanus (wahrscheinlich B. Tulipa) waren, die alle noch jetzt
an dieser Küste zu finden sind: ich schätzte die Höhe dieser Schicht

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8                                     Hebung von Patagonien.                            Cap. 1.

zu achtzig bis hundert Fusz über dem Meeresspiegel. Nach Westen
von dieser Bucht liegt eine Ebene, deren Höhe zu zwischen 200 und
300 Fusz geschätzt wurde: diese Ebene scheint nach vielen Messungen
eine Fortsetzung des Sandsteinplateau's des Rio Negro zu sein. Der
nächste Ort südwärts wo ich landete war Port Desire, 340 Meilen
entfernt; aber von den dazwischenliegenden Districten erhielt ich durch
die Freundlichkeit der Beamten der Küstenaufnahme, besonders von
Lieut. Stokes und Mr. King, viele HamlHtüeke und Skizzen, welcl
vollkommen genügten die grosze Gleichförmigkeit des ganzen Küsten-
zugea nachzuweisen. Ich will hier angeben, das/, das ganze Pata-
gonien aus einer Tertiär-Formation besteht, welche auf Hügeln von
Porphyr und Quarz ruht, und dieselben zuweilen umgibt: die Ober-
fläche ist in viele weite Thäler und stufenförmige Ebenen ausgewaschen,
welche eine über der andern sicli erheben, und alle von unregelmäßigen
Schichten von Geschiebe bedeckt sind, das hauptsächlich aus Porphyr-
Gesteinen besteht. Diese Geröll-Formation wird besonders am Ende
des Capitels beschrieben werden.

Der Zweck, weshalb ich die folgenden Messungen der Ebenen
mittheile, wie sie von den Offizieren der Aufnahme angestellt wurden,
ist, wie später gezeigt werden wird, der, die merkwürdige Gleich-
förmigkeit der neueren Hebungsbewegungen nachzuweisen. Rund um
die südlichen Theile des Nuevo Golfs bis zum Flusse Chupat (siebzig
Meilen südlich von S.Josef) scheinen mehrere Ebenen vorhanden zu sein,
von denen die am besten sich auszeichnenden hier dargestellt werden.

Mi) Vom W.U.

Fig. 1.
0-220* w.m.

 

80' Sei,


1

 

»"

   
 

\

__N Ost-

Weit.

Meeresspiegel; Mftflzstab l/M Zoll auf senkt         100 Fusz.

NB. W. M. heiszt immer Winkel- oder trigonometrische Messung.
Ba. M. .        „ barometrische Messung.

hfite. -        „        nützung durch die Beamten der Küstenaufnahme.

Durchschnitt der stufenförmigen Ebenen südlich von Nuevo Golf.

Die obere Ebene ist hier gut ausgeprägt (Table hüls); ihr Hand
bildet eine Klippe oder eine Böschungslinie, viele Meilen lang, welche
über eine niedrigere Ebene vorspringt. Die unterste Ebene entspricht
der von San Josef mit den recenten Muscheln an ihrer Oberfläche.
Zwischen dieser niedrigsten und der obersten Ebene ist wahrscheinlich
mehr als eine stufenförmige Terrasse vorhanden; mehrere Messungen

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Q&Y- 1-                                 Hebung von I'atagonien.                                           Q

weisen die Existenz der zwisehenliegenden von der in der Zeichnung
gegebenen Höhe nach.

In der Nähe des nördlichen Vorlandes der ffroszen Bay von
St. George (100 Meilen südlich vom Rio Chupat) wurden zwei gut
markirtc Ebenen von 250 und 330 Fusz gemessen; es wird angegeben,
dasz dieselben um einen groszen Theil der Bucht sich herum erstrecken.
An ihrem südlichen Vorlande, 120 Meilen von dem nördlichen Vor-
lande entfernt, wurde die Ebene von 250 Fusz wiederum gemessen.
In der Mitte der Bay wurde eine höhere Ebene an zwei benachbarten
Stellen (Tilli Roads und C. Marques) zu einer Höhe von 580 Fusz ge-
funden. Mr. Stokes theilt mir mit, dasz oberhalb dieser Ebene nach
dem Innern zu mehrere stufenförmige Ebenen vorhanden waren, deren
höchste zu 1200 Fusz geschätzt wurde, und welche man dem An-
scheine nach in derselben Höhe 150 Meilen weit nordwärts ziehen sah.
Alle diese Ebenen sind in grosze Thäler ausgewaschen und bedeutend
blöszt worden. Der folgende Durchschnitt erläutert die allgemeine
Structur der groszen Baj von St. George. An dem südlichen Vor-
lande der Bay von St. George (in der Nähe von C. Three Points ist

Fig. 2.

1 1'tläZ

bau.         Nicht gemessen. 580' W.M.               10* W.U.           250' W.M.

Meeresspiegel; Maszstab V?o Zoll auf senkrechte 100 Fusz.
Durchschnitt der Ebenen in der Bay von St. George.

die 250 Fusz-Kinne sehr ausgedehnt. Bei Port Desire (40 Meilen
südwärts) machte ich mit dem Barometer mehrere Messungen einer
Ebene, welche der Nordseite des Hafens und der offenen Küste entlang
sich hinstreckt, und welche von 245 bis 255 Fusz an Höhe variirt:
diese Ebene stöszt an den Fusz einer höheren Ebene von 330 Fusz,
welche sich auch weit nach Norden der Küste entlang und gleichfalls
in das Innere hinein erstreckt. In der Entfernung wurde ein noch
höheres landeinwärts gelegenes Plateau gesehen, dessen Höhe ich nicht
kenne. An drei gesonderten Stellen beobachtete ich, dasz der Klippen-
rand der Ebene von 245 bis 255 Fusz von einer Terrasse oder einer
schmalen Ebene umrandet war, welche zu ungefähr 100 Fusz hoch geschützt
wurde. Diese Ebenen sind in dem folgenden Durchschnitte dargestellt:

o»t.
\

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10                                   Hebung von Patagonien.                             Cap. 1.

Fig. 3.

330 Fuss B». M.               245—25.'» Fttu

Aluschein an der                     M. Muscbeln           100 Fuaz

Nicht                                                       Oberfläche,                  ao der Oberfläche.          Schäl*.

I           \                                 !

Meeresspiegel; Maszstab i/l0 Zoll auf senkrechte 100 Fusz.
Durchschnitt der Ebenen bei Port Desire.

An vielen Stellen, selbst in der Entfernung von drei und vier
Meilen von der Küste, fand ich auf der mit Geröll bedeckten Fläche
der 245- bis 255-Fusz- und der 330-Fusz-Ebene Muscheln von Mytilm
mageüanicus, M. edidis, I'ateüa deaurita, und eine andere Patdia,
welche zu stark abgerieben, um bestimmt zu werden, aber allem An-
scheine nach einer Art ähnlich war, welche in auszerordentlicher Menge
den Blättern des Kelp anhängend gefunden wurde. Diese Arten sind
die gemeinsten jetzt an dieser Küste lebenden. Die Muscheln schienen
alle sehr alt zu sein: das Blau der Miesmuscheln war stark verbleicht,
und nur Spuren von Farbe konnten in den Patellen wahrgenommen
werden, an denen die äuszere Fläche sich abschieferte. Sic lagen zer-
streut auf der glatten Fläche des Gerölles, aber waren an gewissen
Stellen am reichlichsten, besonders am obern Rande der kleineren
Thäler: sie enthielten meist Sand im Inneren; und ich vermuthe, dasz
sie durch alluviale Thätigkeit aus dünnen Sandschichten ausgewaschen
worden sind, von denen Spuren noch zuweilen das Geröll bedeckend
getroffen werden. Die verschiedenen Ebenen haben sehr ebene Ober-
flächen; alle aber sind von zahlreichen, breiten, gewundenen, flach-
sohligen Thälern ausgehöhlt, in denen, nach den Gebüschen zu ur-
theilen, niemals Flüsse flieszen. Diese Bemerkungen über den Zustand
der Muscheln und über die Beschaffenheit der Ebenen beziehen
sich auch auf die folgenden Fälle, so dasz sie nicht wiederholt zu
werden brauchen.

Sü'lwiuts von Port Desire sind die Ebenen bedeutend entblöszt
worden, und nur kleine Stücke von Tafelland bezeichnen noch ihre
frühere Ausdehnung. Aber Bird Island gegenüber wurden zwei be-
trächtliche stufenförmige Ebenen gemessen, und als beziehentlich 350
und 590 Fusz hoch gefunden. Diese letztere Ebene erstreckt sich der
Küste entlang bis dicht an Port S. Julian (110 Meilen südlich von
Port Desire), wo wir den folgenden Durchschnitt finden:

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CaP- 1«                                    Hebung von Patagonien.                                         \\

Fig. 4.

90' Schatz.,
Muscheln tu der
950 Fusz W. K.                                     560' W. M.                    430' W. M.            Oberäüchc.

Weit.

0«.

Meeresspiegel; Maszstab ' 20 Zoll auf senkrechte 100 Fusz.
Durchschnitt der Ebenen von Port S. Julian.

Die unterste Ebene wurde zu 90 Fusz geschätzt: sie ist deshalb
merkwürdig, weil das gewöhnliche Kiesbett tief in Höhlungen aus-
gewaschen ist, welche mit sandiger und röthlicher erdiger Masse er-
füllt sind, ebenso wie die allgemeine Fläche mit solcher bedeckt ist.
In einer von diesen so erfüllten Höhlungen war das Skelett der
Macraüchenia patachanica eingebettet, wie später beschrieben werden
wird. Auf der Oberfläche und in den oberen Theilen dieser erdigen
Masse fanden sich zahlreiche Schalen von Mytilus magella j und
M. edulis, Patella deaurita, und Bruchstücke anderer Species. Diese
Ebene ist ziemlich horizontal, aber nicht sehr ausgedehnt, sie bildet
ein sieben oder acht Meilen langes Vorgebirge von drei oder vier Meilen
Breite. Die oberen Ebenen in dem obigen Durchschnitte wurden von
Offizieren der Aufnahme gemessen, sie waren alle von dicken Schichten
von Geschieben bedeckt, und waren sämmtlich mehr oder weniger ent-
blöszt: die 950-Fusz-Ebene bestand nur aus einzelnen, abgestutzten, mit
Geröll gekrönten Hügeln, von denen zwei nach Messungen nur drei Fusz
von einander verschieden waren. Die 430-Fusz-Ebene erstreckt sich,
scheinbar kaum ohne irgend eine Unterbrechung, bis in die Nahe des
nördlichen Einganges des Rio Santa Cruz (fünfzig Meilen weiter Bäd-
lich) ; dort fand es sich aber, dasz sie nur 330 Fusz hoch war.

Auf der südlichen Seite der Mündung des Santa Cruz haben wil-
den folgenden Durchschnitt, welchen ich mit mehr Einzelnheiten zu
geben im Stande bin, als in den vorhergehenden Fällen:

Fig. 5.

.Muscheln
an der

I Tust W. M-                      710' W. M. 463' Ha. M. Oberfläche. 355' Ha. M.

/.

Meeresspiegel; Maszstab «/,„ Zoll auf senkrechte t.00 Fusz.
Durchschnitt der Ebenen an der Mündung des Rio Santa Cruz.

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12                                   Hebung von Patagonien.                             Cap. 1.

Die mit 355 Fusz bezeichnete Ebene (wie durch den Barometer
und durch Winkelmessungen ermittelt wurde) ist eine Fortsetzung der
oben erwähnten 330-Fusz-Ebene, sie erstreckt sich in einer nordwest-
lichen Richtung den südlichen ufern des Aestuariums entlang. Sie
wird von Geschiebe bedeckt, welches an den meisten Stellen von einer
dünnen Schicht sandiger Erde bedeckt wird, und ist von vielen flach-
sohligen Thalern durchschnitten. Sic erscheint dem Auge völlig
horizontal, aber bei dem Vorschreiten in einer süd-südwestlichen Rich-
tung nach einer ungefähr sechs Meilen entfernten Böschung zu, und
gleichfalls beim Durchschreiten in einer nordwestlichen Linie fand sich,
dasz sie zuerst unmerklich, und dann für die letzte halbe Meile merk-
lich anstieg bis dicht zum Fusze der Böschung: an diesem Punkte war
sie 463 Fusz hoch, was eine Erhebung von 108 Fusz in den sechs
Meilen ergibt. Auf dieser Ebene von 355 bis 463 Fusz fand ich meh-
rere Schalen von Mytilus                     . und eines Mytüus, welcher,
wie mir Mr. Sowerby mittheilt, bis jetzt noch unbenannt ist, obschon
als ein an der Küste noch lebend vorkommender wohlbekannt ist:
Patella deaurita, Fusus, ich glaube magellanicus, aber das Exemplar
ist verloren worden; und in der Entfernung von vier Meilen von der
Küste in einer Höhe von ungefähr 40" Fusz fanden sich Fragmente
der nämlichen Patelle und einer Voluta (augenscheinlich V. ancilla)
zum Theil in die oberflächliche sandige Erde eingebettet. , Alle diese
Muscheln hatten dasselbe alte Ansehen wie die aus den vorhergehen-
den Örtlichkeiten. Da die Fluth diesem Theile der Küste entlang
zur Periode der Syzygien vierzig Fusz steigt und daher eine gut aus-
gesprochene Strandlinie bildet, suchte ich besonders nach Furchen und
Leisten beim Durchschneiden dieser Ebene, welche, wie wir gesehen
haben, in ungefähr sechs Meilen 108 Fusz sich erhebt; ich konnte
aber keinerlei Spuren solcher finden. Die nächsthöchste Ebene ist
710 Fusz über dem Meeresspiegel; sie ist sehr schmal, aber horizontal
und mit Geschiebe bedeckt; sie stöszt an den Fusz der 840-Fusz-Ebene.
Diese Gipfelebene erstreckt sich so weit das Auge nur reichen kann
sowohl landeinwärts, der südlichen Seite des Thaies des Santa Cruz
entlang, als nach Süden, dem atlantischen Ocean entlang.

Das Thal des Flusses Santa Cruz. — Dieses Thal läuft
in einer ostwestlichen Richtung nach der Cordillera zu, eine Entfernung
von ungefähr 160 Meilen. Es durchschneidet die grosze patagonische

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Cap. 1.                                Thal des Santa Cruz.                                      1;;

Tertiärformation, welche in der oberen Hälfte des Thaies ungeheuere
Ströme basaltischer Lava enthält, die ebenso wie die weicheren Schich-
ten mit Geschiebe bedeckt sind; und dieses Geschiebe ist hoch oben am
Flusz mit einer ungeheuren erratischen Formation7 verbunden. Beim
Aufsteigen in dem Thale sieht man, dasz die Ebene, welche an der
Mündung auf der südlichen Seite 355 Fusz hoch ist, sich nach der
entsprechenden Ebene auf der nördlichen Seite hinwendet, so dasz ihre
Böschungen wie die Ufer eines früheren Aestuariums, groszer wie das
jetzt existirende, erscheinen ; auch die Böschungen der 840-Fusz-Gipfel-
ebene (mit einer cntspechenden nördlichen, die man eine Strecke weit
das Thal hinauf antrifft,) erscheinen wie die Ufer eines noch gröszeren
Aestuariums. Weiter das Thal hinauf sind die Seiten in ihrer ganzen
Länge von horizontalen mit Geröll bedeckten Terrassen eingefaszt, welche
eine über der andern stufenförmig sich erheben. Die Weite zwischen
den oberen Böschungen ist im Mittel zwischen sieben und zehn Meilen;
an einer Stelle indessen, wo sie durch die basaltische Lava durch-
schneiden, betrug die Entfernung nur anderthalb Meilen. Zwischen
den Böschungen der zweithöchsten Terrasse war die mittlere Weite
uugefahr vier oder fünf Meilen. Die Sohle des Thals beginnt in der
Entfernung von 110 Meilen von seiner Mündung sieb merkwürdig zu
verbreitern und bildet bald eine beträchtliche, 440 Fusz über dem
Meeresspiegel gelegene Ebene, durch welche der Flusz in einer von
zwanzig bis vierzig Fusz tiefen Schlucht durchtritt. Ich fand hier
an einem 140 Meilen vom atlantischen, und siebenzig Meilen von dem
nächsten in den stillen Ocean abfallenden Wasserlaufe entfernten Punkte
in der Höhe von 410 Fusz eine sehr alte und abgeriebene Schale von
Pateüa <leaia-ita. Weiter in dem Thale hinab, 105 Meilen vom
atlantischen Ocean (71° w. L.) und in einer Erhebung von ungefähr
300 Fusz fand ich anch in dem Bette des Flusses zwei sehr abgeriebene
und zerbrochene Schalen der Foluta ancüla, welche noch immer Spuren
ihrer Farbe zeigte, und eine von der r<tt<l/" deaurita. Augenschein-
lich sind diese Schalen von den Ufern in den Flusz gewaschen worden;
bedenkt man die Entfernung von dem Meere, den wüsten und absolut
unbesuchten Character des Landes und das sehr alte Aussehen der
Schalen (genau dem der auf den Ebenen in der Nähe der Küste ge-

1 Ich habe diese Formation in einem Aufsatze in den Geological Transactions,
Vol. VI, p. 415 (Übers, s. diesen Band, 2. Äbth. p. 57) beschrieben.

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14                                              Thal des Santa Cruz.                                        Cftp. 1.

fundenen gleich), so haben wir, meine ich, keine Ursache zu vermuthen,
dasz sie von Indianern hierher gebracht worden sind.

Die Ebene am obern Ende des Thals ist miiszig horizontal, aber
vom Wasser ausgewaschen und mit vielen Sanddünen auf ihr, gleich
denen an einer Meeresküste. An dem höchsten Punkte, zu welchem
wir anstiegen, war sie sechzehn Meilen in einer nördlichen o
südlichen Linie breit, und fünfundvierzig Meilen in einer ostwest-
lichen Linie lang. Sie wird von den Böschungen, einer über der
andern, zweier Ebenen begrenzt, welche divergiren sobald sie sich
der Cordillera nähern, und in Folge dessen in zwei Höhen den Ufern
groszer gegen die Berge gerichteter Buchten ähnlich sind; und diese
Berge sind vor der unteren Ebene durch eine merkwürdige Schlucht
durchbrochen. Das Thal des Santa Cruz besteht daher aus einem ge-
raden, weiten, ungefähr neunzig Meilen langen Einschnitt, welcher von
mit Geröll bedeckten Terrassen und Ebenen begrenzt wird, deren Böschun-
gen an beiden Enden divergiren, oder sich ausbreiten, und zwar eine
über der andern, nach der Art der Ufer groszer Meeresbuchten. Be-
denkt man diese eigentümliche Form des Landes, — die Sanddünen
auf der Ebene am oberen Ende des Thaies, — die Schlucht in der
Cordillera vor dieser, — das Vorhandensein sehr alter Schalen jetzt
noch lebender Species an zwei Stellen, — und endlich den Umstand,
dasz die 355 bis 453 Pusz Kbene, mit zahlreichen Resten von See-
thieren auf ihrer Oberfläche, von der atlantischen Küste weit das Thal
hinaufreicht, so müssen wir, denke ich, zugeben, dasz innerhalb der
neuen Periode der Lauf des Santa Cruz eine den Continent durch-
schneidende Meeresstrasze bildete. Zu dieser Zeit bestand der süd-
liche Theil von Süd-America aus einem Archipel von Inseln, welcher
360 Meilen in einer nördlichen und südlichen Linie lang war. Wir
werden sofort sehen, dasz auch zwei andere seitdem geschlossene
Straszen damals das Feuerland durchschnitten; ich will hinzufügen,
dasz eine von ihnen sich zu jener Zeit am Fusze der Cordillera in
eine grosze Bucht (jetzt das Otway-Water) ausgebreitet haben musz,
gleich der, welche früher die 440-Kusz-Ebene am obern Ende des Santa
( ] uz bedeckte.

Ich habe gesagt, dasz das Thal in seinem ganzen Verlaufe von
mit Geröll bedeckten Ebenen begrenzt wird. Der folgende iMuvhschnitt,
der ein ideales Bild quer durch das Thal in einer nordsüdlichen Rich-
tung gibt, kann kaum als mehr als nur erläutert betrachtet werden;

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Cap. 1.                                Thal des Santa Cruz.                                      15

denn wahrend unseres eiligen Aufsteigens war es unmöglich, alle die
Ebenen an irgend einem Punkte zu messen. An einem Punkte nahezu
auf der Mitte zwischen der Cordillera und dem atlantischen Ocean
fand ich die Ebene A Nord 1122 Fusz über dem Fluszspiegel; alle
die niederen Ebenen auf dieser Seite waren hier in ein groszes durch-
brochenes Riff vereinigt; auf einem sechszehn Meilen tiefer unten am
Flusse gelegenen Punkte fand ich nach Messung und Schätzung, dasz
B (n) 8G9 Fusz über dem Flusse lag; sehr nahe bei dem Punkte, wo
A (n) gemessen wurde, war C (n) 639 Fusz über demselben Spiegel:
die Terrasse D (n) wurde nirgends gemessen; die niedrigste E (n) war
an vielen Stellen ungefähr 20 Fusz über dem Flusse. Diese Ebenen
oder Terrassen waren.da am besten entwickelt, wo das Thal am weite-
sten war: alle fünf gleich gigantischen Stufen kamen nur an einigen

A Sii.l.                 B 3.                   Ca.           Da. E. D n. Co.             B n.               A N'ord.

: ____i       /       !

II— , .                           i .                                                Flu                                    1            - l .                   112-2 P.

Die Höhe einer jeden Terrasse über dem Spiegel des Flusses ist durch die
Zahl unter ihr angegeben. Senkrechter Maszstab '/«o Xo11 au* 10° Fusz; die
Terrasse E aber, die nur zwanzig Fusa Ober dem Flusse liegt, ist nothwendig erhöht
worden. Die horizontalen Abstände sind sehr zusammengezogen; die Entfernung
vom Rande A n. bis zu dem von A s. betragt im Mittel von sieben bis zehn Meilen.

Durchschnitt von Nord nach Süd quer durch die das Thal des
Flusses Santa Cruz begrenzenden Ebenen, hoch oben in seinem

Laufe.

W'iiigen Punkten zusammen vor. Die unteren Terrassen sind weniger
zusammenhängend, als die höheren, und scheinen im oberen Drittel
des Thaies ganz verloren gegangen zu sein. Die Terrasse C (s) wurde
indessen continuirlich für eine grosze Entfernung verfolgt. Die Terrasse
B (n) war auf einem Punkte fönfundfünfzig Meilen von der Mündung
des Flusses vier Meilen breit; höher in dem Thale hinauf war diese
Terrasse (oder wenigstens die zweithöchste, denn ich konnte sie nicht
immer continuirlich verfolgen) ungefähr acht Meilen breit. Diese zweite
Ebene war meist breiter als die unteren, wie allerdings schon daraus
folgt, dasz das Thal von A (n) bis A (s) meist nahezu doppelt so weit
ist, als von ß (n) zu B (s). Tief unten im Thale ist die Gipfelebene

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10                                     Thal des Santa Cruz.                               Cap. 1.

A (s) mit der 840-Fusz-Ebene an der Küste im Zusammenhange, sie
verliert sich aber bald, oder verbindet sich mit der Böschung von
B (s). Die entsprechende Ebene A (n) an der nördlichen Seite des
Thaies scheint continuirlich von der Cordillera bis zum oberen Ende
des jetzigen Aestuariums des Santa Cruz zu reichen, wo sie sich nach
Norden hin gegen Port San Julian wendet. In der Nähe der Cordillera
ist die Gipfelebene auf beiden Seiten des Thaies zwischen 3200 und
und 3300 Fusz hoch; 100 Meilen vom Atlantischen ist sie 1416 Fusz
und an der Küste 840 Fusz hoch, Alles über dem Seestrande, so dasz
in einer Entfernung von 100 Meilen die Ebene 576 Fusz ansteigt, und
nahe an der Cordillera viel geschwinder. Auch die unteren Terrassen
B und C scheinen anzusteigen, wie sie das Thal hinauflaufen. Ebenso
ergab sich, dasz D (n), an zwei vierundzwanzig Meilen von einander
getrennten Punkten gemessen, 185 Fusz sich erhoben hatte. Aus meh-
reren Gründen vermuthe ich, dasz diese allmähliche Steigung der
Ebenen das Thal hinauf hauptsächlich durch die Erhebung des Conti-
nents in Masse verursacht worden ist, welche um so gröszer gewesen
ist, je näher der Punkt der Cordillera lag.

Alle Terrassen sind mit gut abgerundet*im Kies oder Geschiebe
bedeckt, welcher entweder auf der entblöszten und zuweilen gefurchten
Oberfläche der weichen Tertiärablagerungen oder auf der basaltischen
Lava liegt. Die Verschiedenheit in der Hohe zwischen einigen der
unteren Stufen oder Terrassen scheint gänzlich Folge einer Verschieden-
heit in der Dicke des bedeckenden Gerölls zu sein. Furchen und Un-
gleichheiten in dem Kies werden, wo solche vorkommen, von sandiger
Erde ausgefüllt und ausgeglättet. Die Geröllsteine besonders auf den
höheren Ebenen werden häufig von einer weiszen thonigen Substanz
üherzogen und selbst mit einander verkittet; und gelegentlich fand ich,
dasz dies mit dem Kies auf der Terrasse D der Fall war. Ich konnte
keine Spur einer ähnlichen Ablagerung auf den Rollsteinen wahrnehmen,
welche jetzt vom Flusse ausgeworfen werden, und ich glaube daher
nicht, dasz die Terrasse D vom Flusse gebildet worden ist. Da die
Terrasse E meist ungefähr zwanzig Fusz über dem Fluszbette erhoben
steht, war mein erster Eindruck der, dasz ich zweifelte, ob selbst diese
niedrigste von dem Flusse gebildet worden sein konnte; aber man musz
sich immer daran erinnern, dasz die horizontale Emporhebunii eines
Districtes dadurch, dasz sie den Fall der Flüsse vergröszert, immer
dahin streben wird, zuerst in der Nähe der Meeresküste und dann

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Cap. 1.                                       Thal des Santa Cruz.                                             ]?

immer weiter und m               Thal hina           b die direnden und

tfenden Wirkungen der Flüsse zu \                          z eine Alluvial-

. welche beinahe in einem Niveau mit einem Flusse gebil ar,
nach einer Erhebung dieser Art mit der Zeil durchschnitten wird und
in einer Höhe stehen bleibt, die das Wasser niemals wieder erreicht.
In Bezug auf die drei oberen Terr                      ba Cruz glaube ich,

dasz 3ich nicht daran zweifeln läszt, d ne von dem Mi          formt

wurden, als das Thal von einem Meeresarm eil ommen wurde, in
derselben [später noch zu erörternden) Weise, wie die gröszeren stufen-

i, mit Muscheln überstreuten Ebenen entlang der Küste \
Patagonien.

Um an die Kusti          Atlantischen zurückzugehen: man sieht die

B40-Fusz-Ebene an der Mündung de             Cruz horizontal weit sich

nach Süden erstrecken, und mir haben die Beamten der Aufnahme
mitgetheilt, dasz sie sieh rund um das obere Ende von Coy Enlet
(fünfundsechszig -Meilen nach Süden) herumbiegend landeinwärts let.
Einzelne Hügel von anscl ad derselben Böl iehi man vierzig
Meilen weiter nach Süden landeinwärts von dem Flusse Gall i, und
nach Cap Gregory (fünfunddreiszig Meilen weiter nach Süden) in der
Magellan-Strasze erstreckt Bich eine Ebene hinab« welche zu zwischen

Ound LOOO Fusz Höhe geschätzt wurde und welche, sich nach di
Inneren zu erhebend, von der erratischen Formation bedeckt wird.
Südlich von der W llan-Strasze finden sieh gros et rennt vor-
liegende Massen von anscheinend demselben groszen Tafellande, welche
sieh in Zwischenräumen der Ostküste des Feuerlandes entlang er-
strecken: an zwei Punkten, 11<» Meilen von einander entfernt, wurde
hier diese Ebene als 950 und 970 Fusz hoch gefunden.

Von Coy [nlet, wo die hohe Gipfelet          h landeinwärts wendet,

zieht sich eine zu 350 Pusz Höhe gi                    >ne vierzig Meilen

weit bis zum Flusse 6allegos. Von diesem Punkte bis zur Magellan-
asze und auf jeder Seite dieser Strasze ist das Land stark entblöszt
irden und weniger eben. Es bestellt hauptsächlich aus der erratischen
Formation, welche bis zu einer Hohe von zwischen 150 und 250 Fusz
aufsteigt und häutig von Geröllschichten bedeckt wird. Bei N. S. Gra.
auf der Nordseite der inneren Engen der Magellan-Strasze, fand ich
auf dem Gipfel eines Kiffes 160 Fusz hoch Schalen jetzt lebender
Patellen und Mytilus auf der Oberfläche zerstreut und theilweise in

Darwin, Süd-Arn« ric« (XU, i).                                                                              2

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18                               Schluszbemerkongen über die                          Cap. 1.

Erde eingebettet. Auch auf der östlichen Küste des Feuerlandes in
'20' s. Br. fand ich viele Mytilus auf einem horizontalen zu
200 Fusz Höhe geschätzten Lande. Es ist nach der jetzigen Form
des Landes und nach der Vertheilung der groszen erratischen Blöcke8
auf der Oberfläche offenbar, dasz vor der durch das Vorhandensein
dieser Muscheln b           d Erhebung zwei Meerescanäle die Magellan-

' -iwohl mit Sebastian-Bay als auch mit Otway-Water ver-
bunden haben.

Schluszbemerkungen über dir Erhebung der südöst-
lichen Küste von America und über die Wirkung des
Meeres auf das Land. — Emporgehobene Schalen von Mollusken-
arten, welche jetzt noch als die gemeinsten Species in dem bena
harten Meere leben, kommen, wie wir aen haben, in Höhen vor
von /.wischen einigen wenigen und 110 Pusz, in Zwischenräumen i

1 40' bis 53° - - Br. Dies ist eine Entfernung von 118c eng-
lischen Meilen, ungefähr        ;h der I rnung von London bis zum
Nordcap von Schweden. Da die erratische Formation sich in nahezu
derselben Höhe L50 -Meilen südwärts von 53° 20' erstreckt, dum süd-
lichsten Punkte, wo ich landete und emporgehobene Muscheln fand,
und da die ebenen Pampas viele hundert Meilen nach Norden von diesem
Tunkte an sich erstrecken, wo d'O         v in der Höhe von lOOFusz
Schichten von der Azara fand, so musz der Harn        ilcher innerhalb
der n o Periode emporgehoben worden ist, in einer nordsüdlichen
Linie weit über 1180 Meilen betragen haben. Mit dem Ausdruck
„neuere" meine ich nur jene riode, innerhalb deren die jetzt leben-
den Mollusken in's Leben gerufen wurden; denn wir werden im vierten
Capitel Behen, dasz sowohl bei Bahia Bianca als bei P. S. Julian die
Säugethiere, welche mit diesen Muscheln gleichzeitig existirten, zu aus-
gestorbenen Species gehören. Ich habe gesagt, dasz die emporgehobenen
aalen nur in Zwischenräumen auf dieser .Küstenlinie gefunden wur-
den; dies kann aber aller Wahrscheinlichkeit nach dem zugeschrieben
werden, dasz icli an den zwischenliegenden Punkten nicht gelandet bin;
denn wo ich nur immer landete, mit Ausnahme des Rio Negro, wurden
Muscheln gefunden: überdies sind die Schalen auf Ebenen oder Terrassen
verstreut, welche, wie wir sofort sehen werden, auf grosze Strecken

* Geol. Trans., Vol. VI, p. 419 (dieser Band, Abth. 2, p. 61).

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p. 1.                       Aushebung der neueren Erhebung.                              19

hin sich mit einer gleichförmigen Höhe ausdehnen. Ich bestieg die
eren Ebenen nur an einigen wenigen Stellen, in Folge der Ent-
ning von der Küste, in welcher ihre Böschungen meist sich hin-
ziehen, so dasz ich bei v. m nicht sicher weisz, ob 410 Fusz das
Maximum der Erhebung dieser emporgehobenen Überreste ist. Die
Muscheln sind diejenigen, welche jetzt noch im lebenden Zustande am
alleiiiüutigsten in dein benachbarten Meere vorkommen9. Sie haben
sämmtlich ein altes Ansehen; aber einige, besonders die Miesmuscheln,
haben, obschon sie dem Wetter vollständig ausgesetzt daliegen, in einer
beträchtlichen Ausdehnung ihre Farben behalten; dieser Umstand er-
scheint auf den ersten Klick überraschend; es ist aber jetzt bekannt,
/. der färbende Stoff des Mytüus so dauerhaft ist, das/ er bestehen
ibt, wenn die Schale selbst vollständig zersetzt ist10. Hie meisten
Muscheln sind zerbrochen; ich habe nirgends zwei Schalen noch vi
bunden gefunden, die Fragmente sind»nicht abgerundet, mindesten
in keinen von den Exemplaren, welche ich mit nach Hause gebracht

►e,
Was die Breite 'los emporgehobenen Bezirkes in einer von Ost
nach Westen gehenden Linie betrifft, so sehen wir aus dm Muscheln,
welche in den inneren schmalen Theilen der Magellan-Strasze gefunden
werden, dasz die ganze Breite der Ebene, obschon sie dort sehr schmal
war, emporgehoben worden ist. Es ist wahrsebeinlich, dasz in diesem
südlichsten Theile des Continents sich die Bewegung unter dem Meere
weit nach Osten hin erstreckt hat; denn auf den Palkland-Inseln sind,
obschon ich keine Muscheln finden konnte, WalfUchknochen von mehreren
competenten Beobachtern bemerkt worden, die in einer beträchtlichen
Entfernung von dem Meere auf dem Lande und in der Höhe von einigen
Hundert Fusz über dem Meeresspiegel gelegen haben11. Überdies
wissen wir, dasz im Feuerlande die erratische Formation innerhalb der
neueren Zeit emporgehoben worden ist, und eine ähnliche Bildung
kommt an den nordwestlichen Ufern (Byron-Sound) dieser Inseln vorl2.

9 Capt. King, Voyages of Adventare and Beagle, Vol. I, p. 6 und 133.

1(1 b. Lyell's Proofs of a «iradual Rising in Swedcn, in: Philosoph. Tr
actiona, 1835, p. 1. s. auch Smith, of Jordan Hill, in dein: Edinb. New Philo-s.
Journal, Vol. XXV, p. 303.

11   Voyages of Ädventure and Beagle, Vol. II, p. 227, und Bougainvi 11 e,
Yoyage, Tom. 1, p. 112.

12  Ich verdanke diese Thatsache der Freundlichkeit des Capt. Suli van R. N..
eines auszerst competenten Beobachters. Ich erwähne den l" instand besonders des-

2*

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20                                Ausdehnung der neueren Erhebung.                          Cap. I.

Die Entfernung von diesem Punkte bis zur Cordillera des FeuerJ
lnndes betragt            Meilen, welches wir als die wahrscheinliche

Breite des neuerdings en                nen Bezirks annehmen können. In

«Irr Breite von Rio Santa Cruz wissen wir nach den an der Mün-
dung und in der Mitte         Thaies gefundenen Muscheln, dasz die

ize Breite (ungefähr 1<;<> Meilen) der Flache östlich von der Cor-
dillera emporgehoben worden ist. Nach der Abdachung der Ebenen,
wie sieh aus dem Laufe der Flüsse mehrere «irade nach Norden \

ita Cruz ergibt, 1          wahrscheinlich, das-/ die durch die Schalen

an der Küste bezeugte Erhebung sich gleichfalls bis zur Cordillera

treckt hat. Wenn wir indessen noch weiter nördlich bis zu den
Provinzen von La Plata blicken, dürfte diese I rang sehr
sein; es ist nicht blosz die Entfernung von Maldonado (wo ich empor-
gehobene Schalen fand) bis zur Cordiller            . nämlich 760 -Meilen,
sondern am oberen Ende des Aestuariums des Plata ist ein von Nord-
Nord-Osten nach Süd-Süd-Westen gelegener Höhenzug tertiärer vul-
canischer G«-steine beobachte! worden13, welcher wohl eine von der der
Andes ganz verschiedene Erhebungsaxe andeuten dürfte. Überdies sind
im Centruin der Pampas in der Kette von Cordova heftige Erdbeben
gefühlt worden**, während in Mendoz                     en Pusze der Cor-
dillera nur sanfte Schwingungen, von den Ufern des Stillen Oceans
aus fortgepflanzt, jemals erfahren worden sind. Es kann daher die
Erhebung der Pampas Folge mehrerer verschiedener Bewegung
sein, und wir können nach den emporgehobenen Schalen rings um das
Aestuarium des Plata nicht die Breite des innerhalb der neueren Zeit
emporgehobenen Bezirkes beurtheilen.

halb, weil ich in meinem Aufsätze über die ei- he Formation (p. 427, I';
p. 6(!) nach Untersuchung der nördlichen und mittleren Theile der östlichen In
gesagt habe, dasz die Formation hier gänzlich fei.

11 l1! alcanische Formation wird im 1 i                                     len, K-

ist nicht unwahrscheinlich, dasz die Höhe der am obern Ende des Aestuariurns des
Plata gefundenen emporgehobenen Muscheln, welche bedeutender ist als bei Bahia
Bianca oder bei San Blas', «ine Folge des umstand         . dasz die Erhebung dieser

te mit der entfernten Reihe der Cordillera in Verbindnng stand, Wäh-
rend die Erhebung der Provinzen von La Plata mit der daran stoszenden tertiären
vnlcanischen Axe im Zusammenhange stand.

u a. SirW. Parisirs Werk ober T,a Plata, p. 242. Wegen einer Bemerkung
ein Brdbeben, m          einen See in der Nähe von Cordova entwässerte, s. auch

Temple's Travels in Peru. Sir V7. Parish theilt mir mit, das/ eine Stadt zwi-
ta and Tocoman (nördlich von Cordova) früher gänzlich durch ein Erd-
beben zerstört wm

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Cap. 1.                          Gleichförmige Höh          ferrassen.                                 2]

Es ist nichl blosz <lie                ciell geschilderte lange Küsten-

gtrecke innerhalb «1er neueren Zeit emporgehoben worden, sondern ich
glaube, es iäszt sich nach der JLhnlichkeit der Hohe der vron Geröll
bedeckten Hbenen an verschiedenen Punkten ruhig schlieszen, dasz in
dem Erhebung8processe ein merkwürdiger Grad von Gleichförmigkeit

ii hat. Ich will vorausschicken, das/, als ich die Ebenen ma
«lirs nur geschah, um die Höhen zu ermitteln, in denen Muschelschalen
vorkamen; als ich später diese Messungen mit einigen von den wah-
rend der Aufnahme gemachten verglich, war ich von ihrer Glei«
förmig überrascht und brachte alle diejenigen, welche die Gipfel-
punkte der Ebenen darstellten in Tabellen zusammen. Die Ausdehnung
der 330- i»s 355 Fusz-Ebene ist sehr auffallend, da sie sich über einen
im von 500 geographischen Meilen in einer nord-südlichen Linie
rindet. Ich gebe hier eine Tabelle der Messungen. Die Winkel-
Messungen und alle Schätzungen rühren von Beamten der Aufnahme
her. die barometrischen von mir selbst:

gos-Flusz nach Cov Inlet (zum Theil Winkelmessung,

zum Theil Schätzung)............350.

iseite des Santa < !ruz (Winkel- and barometrische Messung)

rJseite desselben (Winkelmes i........33<

Bird [sland, Ebene gegenüber von (Winkelmessung) . .
Port Desire, sieh mit der Küste entlang erstreckende Ebene

irometrisebe Messung)...........330.

George's Bay, nördliches Vorgebirge (Winkelmessung) 330.
fellami,           h von New Bay (Winkelmessung) . . . 35".

Eine in der Höhe von 245 bis 255 Pusz variirende Ebene scheint
sich mit groszer Gleichförmigkeit von Port Desire bis nördlich von
St. (ieorge's Bay eine Entfernung von 17'' Meilen zu erstrecken, und
einige annähernde Messungen, gleichfalls in der folgenden Tabelle
mitgetheilt, weisen auf die viel bedeutendere Ausdehnung von 780
Meilen hin:

v falet, südlich von (theila Winkelmessung, Üu

Schätzung..............    200—300.

Port Desire (barometrische Messung)......    24«

Cap Blanco (Winkelmessung).........    251

rdlichea Vorgebir]                 George's Bay (Winkel-

i...............    250.

Südlich von New Bay (Winkelmessung).....    200—220.

N                                       shätzung)......    200-

El                                 Winkelmessung).....    200—220.

Bai Bianca -              I..........    200-

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22                                   Gleichförmige Höhen der Terrassen.                            Can 1.

Überdies ist die Ausdehnung der 560- bis 580-, und der 80- bis
100 Fusz- Ebene merkwürdig, obachon etwas weniger augenfällig als
in den früheren Fällen. Bedenkt man, dasz ich diese Messungen nicht
aus einer Reihe herausgenommen, sondern alle diejenigen benutzt hal
welche die Rander der Bb bezeichnen, so halte ich es für kaum
möglich, dasz dieses Übereinstimmen in der Höhe zufällig sein sollte.
Wir müssen daher schlieszen, dasz die Thfttigkeit, was auch dieselbe
_'tv         sein mag, durch welche diese Ehenen in ihre jetzige Form

gebracht worden sind, eigenthümlich gleichförmig gewesen ist.

Di               n oder groszen Terrassen, von denen drei oder vier

häufig wie Stufen eine hinter der anderen sich erheben, sind durch
die Entblöszung der alten patagonischen tertiären Schieliten und durch
die Ablagerung einer Masse von gut abgerundetem Gerolle auf ihre
Oberfläche gebildet worden, welche in der Nähe der Küste von zehn
bis fünfunddreiszig Fusz an Mächtigkeit variirt, aber nach dem Innern
zu an Dicke zunimmt. Das Gerolle wird häufig von einer dünnen
unreevlmäszigen Schicht sandiger Erde bedeckt. Die Ebenen steigen
sanft, obschon selten für da< Auge merkbar, von dem Gipfelrande
einer Hösehung bis zum Fusze der nächst höheren auf. Innerhalb
einer Entfernung von L50 Meilen zwischen Santa Cruz bis Port Desire,
wo die Ebenen besonders gut entwickelt sind, finden sich mindestens
sieben Stufen oder Absätze, einer über dem andern. Auf den drei
unteren, nämlich denen von 100 Fusz, 250 Fusz und 350 Fusz
Höhe, sind jetzt lebende litorale Muschelschalen auszerordentlich reich-
lich entweder auf der Oberfläche zerstreut oder zum Theil in der ober-
flächlichen sandigen Erde eingebettet. Durch welche Thätigkeit auch
immer diese drei unteren Ebenen geformt sind, unzweifelhaft sind alle
die höheren, bis hinauf zu einer Höhe von 950 Fusz bei San Julian
und von 1200 Fusz (nach Schätzung) der St. George's Bay entlang,
gleich gebildet worden. Ich glaube, es kann in Anbetracht des Vor-
handenseins der emporgehobenen Meeresmuscheln nicht bestritten wer-
den, dasz das Meer die während der Stadien irgend welcher Art in
dem Erhebungsprocesse thätige Kraft gewesen ist.

Wir wollen nun kurz diesen Gegenstand betrachten: wenn wir
die jetzt existirende Küstenlinie ansehen, so ist das Zeugnis für die
bedeutende denudirende Kraft des Meeres sehr deutlich; denn vom
Cap St. Diego in 54° 30' s. Br. bis zur Mündung des Rio Negro in
31° s. Br. (eine Länge von mehr als 800 Meilen) wird das Ufer mit

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p. X.                       Gleichförmige Höhen der Terrassen.

merkwürdig wenig Ausnahmen von kühnen nackten Klippen gebildet:
an vielen Orten sind die Klippen hoch; so sind sie südlich von Santa
Cruz zwischen 800 und 000 Fusz hoch, wobei ihre horizontalen Schich-
ten plötzlich abgeschnitten sind, hierdurch die ungeheuere Masse von
Substanz anzeigend, welche entfernt worden ist. Nahezu diese ganze
Küstenlinie besteht aus einer Reihe gröszerer oder geringerer Curven,
deren Hörner und gleichfalls gewisse gerade vorspringende Theile aas
hartem Gestein gebildet werden; es sind daher die concaven Theile
offenbar die Wirkung und das Masz der denudirenden Wirkung auf die
weicheren Schichten. Am Fusze aller der Klippen wird das Meer bis
it hinaus sehr allmählich tiefer, und der Grund besteht in einer
Ausdehnung von einigen Meilen überall aus Geschiebe. Ich untersuchte
sorgfältig den Grund des Meeres in der Höhe des Santa Cruz und
fand, dasz eine Neigung genau dieselbe war, sowohl in ihrer G
als ihrer eigenthünilichen Krümmung wie die der 355 Fusz-Ebene
demselben Orte. Wenn daher die Küste mit dem Boden des benach-
barten Meeres jetzt plötzlich 100 oder 200 Fusz emporgehoben würde,
so würde eine landeinwärts gelegene Klippenreihe, d. h. eine Bi ting
gebildet werden, mit einer mit Geschiebe bedeckten Ebene an ihrem
Fusze, welche sanft nach dem Meere zu abfiele und eine Neigung hätte,
wie die der jetzt existirenden 355 Fusz-Ebene. Wegen der denudirenden
Thätigkeit des Meeres würde diese neugebildete Ebene mit der Zeit
wieder rückwärts in eine Klippe ausgenagt werden, und Wiederholungen
dieser Hebungs- und Denudationsprocesse würden eine Reihe von mit
Geschiebe bedeckten, sanft abfallenden Terrassen, einer über der andern
hervorbringen, wie diejenigen, welche die Küsten von Patagonien e
fassen.

Die hauptsächlichste Schwierigkeit (denn es gibt noch andere un-
beträchtliche) bei dieser Ansieht ist die Thatsache, — soweit ich mich
auf zwei zusammenhängende Reihen von Peilungen verlassen kann,
welche zwischen Santa Cruz und den Falkland-Inseln sorgfältig aus-
geführt worden sind, und auf mehrere zerstreute Beobachtungen an dieser
und anderen Küsten, — dasz die Rollsteine auf dem Meeresgrunde
schnell und regelmäszig an Grösze mit der zunehmenden Tiefe
und Entfernung vom Ufer abnehmen, während am Geschiebe auf den
geneigten Ebenen keine solche Abnahme in der Grösze wahrnehmbar
war. Die folgende Tabelle gibt das mittlere Resultat vieler Sondi-
rungen auf der Höhe von Santa Cruz:

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Enrferiiu n

g-

Tiefe.

3—1 Meilen

 

li

11- 12 Faden.

7 .

H

n

17-19

n

-

12

1

H

-

12—150 .

*i

n

-

21                                      Die Erhebung wai allmählich.                                      1.

Innerhalb zweier Weil         m Ufer waren viele von den Gerölls! a von

beil         ler Gri                      -hl mi1 einigen kleineren.

11            der Ger öl 1 steine.

wie Walnüsse; in allen Fällen
mit einigen k!         n untermischt,

wie Haselnüsse.
\.         . bis vier Zehntel /oll im Durch-

m<
Zwei Zehntel Zoll.
Kin Zehntel Zoll bis zum feinsten Sand.

Ich wendete besondere Aufmerksamkeit auf die Gl               Geröli-

st- auf der 355-Fusz-Ebene n □ Santa Cruz und bemerkte, 'las/ auf
dem Gipfelrande der jetzigen Meeresklippen viele halb so grosz waren
wie ein Manneskopf, und bei dem Ueberj von diesen Klippen bis
zum Fusze der nächst höchsten Böschung, eine Entfernung von sechs
Meilen, konnte ich keinerlei Zunahme in ihrer Grösze beobachten. Wir
werden sofort sehen, das/ die Theorie einer langsamen und beinahe
unmerklichen Erhebung des Landes alle mit den llbedeckten Ter-
rassen in Zusammenhang stehenden Thatsachen erklärt, und zwar
besser, als die Theorie plötzlicher Erhebungen von ein- bis zwei-
hundert Fusz.

d'C -\y hat nach den emp           >enen Muschelschalen bei San

Blas, welche in den Stellungen eingebe! sind, in welchen sie lebten,
und nach den Schalen der Azara lubiata hoch an den Ufern des
Farana, welche verbunden und nichl abgerollt sind, vermuthet, das/
die Erhebung          lördlichen Patagoniens und         Plata plötzlich ge-

wesen sein inus/; denn er meint, wenn sie allmählich gewesen wäre,
wurden di                      halen sämmtlich auf hinter einander liegenden

Strandlinien abf              q. Aber in geschützten Buchten, so wie in

irr von Bahia Bianca, wo nur immer das Meer .                   ächlamm-

bänke anhäuft, oder wo die Winde ruhi iddünen aufhäufen, können
Mi Israeliten zuverl          in den Stellungen eingebettet erhalten

werden, in denen                           :. selbst wahrend -l Land dassell

Niveau behielt; jeder, auch der gerin Grad von Erhebung rd
direct zu ihrer Erhaltung bi                 [cb sab eine Menge Orte in

Bahia Bianca, wo dies bewirkt worden sein könnte, und bei Maldo-
nado ist es beinahe sicher bewirkt worden. Wenn ich sage, das/ d
Erhebung des La                 um ._ , n ist, so will ich dabei nicht die

kleinen St                       zen, welche, wie an der Küste von Chile, Brd-

[page break]

Cap. 1.                             Die Erhebung war allmählii                                       25

ien begleiten, und durch derartige BewegungeD können Muschel-

lichten leicht emporgehoben werden, selbst an Stellen, welche einer
heftigen Brandung ausgesetzt sind, ohne irgend eine Abreibung zu er-

len: so wurde beispie                  "> eine fe]          bene in der Höhe

der Insel Santa Maria mit '-inem ze über die Fluthgrenze empor-
gehoben und mit klaffenden und verfaulenden Miesmuscheln, dir m
immer an den Grund auf welchem sie gelebt hatten befestigt waren,
bedeckt zurückgelassen. Wenn d'Obbign* die vielen langen parallelen
Linien von Sandhügeln mit unendlich zahlreichen Muscheln von Mactra
und Venus in einem niedrigen Niveau in der Nähe <\>>< [Jruguaj ge-
kannt hätte, wenn er bei Bahia Bianca die ungeheueren Sanddüi
mit vom Wasser abgeriebenen Bimsstein-Rollsteinen, die in parallelen
Linien eine hinter der anderen bis zu einer Höhe von mindestens 120
Fusz sich hinziehen, gesehen hatte, wenn er die Sanddünen mit den
zahllosen Pa               r-Schalen an der unteren I          in der Näh

its an diesem Orte und jene lange Reihe an dem Rande der Klippe

rizig Fusz höher hinauf hen hätte, wenn er jene langen und
groszen Gürtel paralleler Sanddünen, acht Meilen in der Breite, ül

ritten hatte, welche in der Höhe von vierzig bis fünfzig Fusz ober-
halb des Colorado liegen, wo jetzt kein Sand angesammelt werden
kann, — so glaube ich nicht, das/ er gemeint haben würde, .las/, die
Erhebung dii          oszen Districtes plötzlich gewesen sei. Sicherlich

müssen die Sanddünen (besonders wenn sie an Muscheln so reich sind),
welche in so verschiedenen Niveau'a reihenweise stehen, sämmtlich
lange Zeit zu ihrer Anhäufung erfordert haben; und ich zweifele daher

iii. dasz die letzten hundert Fusz der Erhebung von La Plata und
dem nördlichen Patagonien äusz langsam gewesen sind.

Wenn wir fliesen Schlusz auf das centrale und südliche Pata-
gonien ausdehnen, so kann die Steigung '\<-v auf einander folge
sich erhebenden mit Geschiebe bedeckten Ebenen ebenso gut erklärt wer-
den, wie nach der augenfälligeren, bereits mitgetheilten Ansicht einiger
wenig ergleichsweise groszen uird plötzlichen Erhebungen; in jed<
Falle müssen wir lange Perioden der Kühe annehmen, während welcher

Meer tief in das Land hineinfrasz. Wir wollen annehmen, d.
die jetzige K\\- rieh mit einer nahezu gleichförmig langsamen G
schwindigkeit erhebe, doch hinreichend schnell, um zu verhindern, dasz
die Wellen jeden Theil schnell entfernen, so bald er erhoben ist.
wird in diesem Falle jeder Theil des gegenwärtigen -M           undes

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26                               Die Krhebung war allmählich,                         Cap. 1.

nach einander eine Strandlinie bilden und, da er einer gleichen Ein-
wirkung ausgesetzt ist, auch ähnlich afficirt werden. Es kann \
keiner Bedeutung sein bis zu welcher Höhe die Fluth steigt, selbst
wenn sie bis vierzig Fusz            . wie bei Santa Cruz, denn sie wird

mit gleicher Gewalt und in gleicher Art und Weise auf jede hinter
einander folgende Linie wirken. Es besteht daher in der Thatsache,
dasz die 355 Fusz-Ebene bei Santa Cruz LOS Fusz Ms zum Fusz der
nächst höheren Böschung ansteigt und doch keine Zeichen irge
einer besonderen Strandlinie auf ihr darbietet, keine Schwierigkeit;
denn nach dieser Ansicht ist die ganze Flache ein Strand gewesen.
Ich kann nicht versuchen, die genaue Einwirkung der Fluth wellen
während einer Erhebung des Landes zu verfolgen, die langsam, aber
hinreichend schnell war, um Denudation zu verhüten oder zu hemmen:
wenn sie aber dem analog ist, was an geschützten Theilen der gegen-
wärtigen Küste statt hat, wo Geröll sich jetzt in groszer Menge an-
häuft **, so wird eine geneigte, dick mit gut abgerundeten Kollsteinen
von ungef&hr derselben Grösze bedeckte Ebene schliesslich zurüi
bleiben. Auf »las sich jetzt anhäufenden Geröll werfen die Wellen vom
Winde unterstützt zuweilen eine dünne Decke von Sand, zusammen
mit den gemeinen Küstenmuscheln. Es werden in dieser Weise von
Stürmen emporgeworfene Muscheln während einer Erhebungsperiode
niemals wieder vom Meere berührt werden. Nach dieser Ansicht von
einer langsamen und allmählichen Erhebung des Landes, die durch
Perioden der Ruhe und Denudation unterbrochen wurde, können wir
daher verstehen, warum die Kollstücke über die ganze Weite der
stufenartigen Ebenen von ungefähr derselben Grösze sind, — woher
der gelegentliche dünne Überzug von sandiger Erde kommt, — und
ebenso das Vorhandensein zerbrochener nicht abgerollter Fragmente
derjenigen Muscheln einsehen, welche jetzt ausschlieszlich in der Nähe
der Küste leben.

Zusammenfassung der Resultate. — Es kann geschlossen
werden, dasz die Küste an dieser Seite des Continents in einer Aus-
dehnung von mindestens 1180 Meilen bis zu einer Höhe von 100 Fusz
in La Pinta, und von 400 Fusz im südlichen Patagonien innerhalb

15 Auf der östlichen Seite von Chiloö, welche Insel, wie wir im nächsten
Capitel sehen werden, sich jetzt erhebt, beobachtete ich, dasz alle Strandzüge und
die ausgedehnten den Gezeiten zugänglichen flachen Strecken aus Geröll bestehen.

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Cap. 1.                         Zusammenfassung der Resultat.-.                              27

Periode der jetzt existirenden Muscheln, aber nicht der der jetzt
existirenden Säugethiere erhoben worden ist, dasz in La Plata die Be-
wegung sein- la m bewirkt worden tat, dasz in Patagonien die !
wegung durch betrii                    ze, aber viel wahrscheinlicher langsam

und rahig wr sich gegangen ist. In jedem Falle sind lange zwisrhen-
trei           Perioden vergleichsweiser Ruhe vorgekommen,ö, während

welcher das Meer, wir es jetzt noch thut. tief in das Land einfra

kann ferner         blossen werden, dasz die Perioden der Denudation

und Erhebung i. hzeitig und über grosze Küstenstrecken hin gleich-
formig gewesen sind, wie es die gleichförmigen Höhen der Ebenen er-
geben: das/ es mindestens acht Perioden der Denudation gegeben hat,
and dasz das Land bis zu einer Höhe von 950 bis 1200 Fusz ähnlich
geformt und afficirt worden ist: dasz der erhobene Bezirk in dem süd-
lichsten Theile des Continentes sich in der Breite bis zur Cordillera
und wahrscheinlich meerwärts bis zu den Falkland-Inseln erstreckte:
dasz nach Norden im La Plata die Breite unbekannt ist, da dort
wahrscheinlich mehr als eine Erhebungsachse bestanden hat: und end-
lieb, dasz der durch diese emporgehobenen Schalen bezeugten Erhebung
vorausgehend das Land durch eine Meerenge getheilt wurde, da wo
der Flusz Santa Cruz jetzt flieszt, und dasz weiter nach Süden sich
andere seit jener Zeit geschlossene Meerengen landen. Ich will hin-
zufügen, dasz bei Santa Cruz in 50° s. Br. die Ebenen mindestens
1400 Fusz seit der Periode emporgehoben worden sind, wo riesengrosze
erratische Blöcke zwischen sechzig und siebzig Meilen weit von ihrem
Muttergestein auf schwimmenden Eisbergen forttranspotirt wurden.

Betrachtet man endlich die groszen aufwärts gerichteten Be-
wegungen, welche diese lange Küstenlinie erlitten hat. und die grosze
Nähe ihrer südlichen Hälfte an der vuleanischen Axe der Cordillera,
so ist es im hohen Grade merkwürdig, dasz ich in den vielen schönen
Durchschnitten, welche in der Pampas-, der patagonischen tertiären
und der erratischen Formation dem Blicke ausgesetzt sind, nirgends
auch nur die geringste Verwerfung oder plötzliche Krümmung in den
Schichten beobachtet habe.

16 Ich sage „vergleichsweiser" und nicht .absoluter" Ruhe, weil das
Meer, wie wir gesehen haben, auf dieser ganzen Küstenstrecke mit groszer Kraft
denudirend wirkt; es ist daher ganz gut möglich, das/ wahrend einer Erhebung
des Landes, wenn sie äuszerst langsam war (und natürlich während eines Sinkens
des Landes) KlippenzBge gebildet werden können.

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Geröll-Formation von Patagonien.                          Cap. I.

Geröl l-Format ion von Patagonien.

Ich will hier in gröszerem Detail, als bis jetzt beiläufig ichehen

t, die Natur, den Ursprung und die Ausdehnung der groszen G I-
decke von Pataj              chreiben: icb will aber damit nicht behaupten,

das/ alles dieses Gerolle, besonders «las auf den hohen Ebenen, der

aen Periode ang t Eine dünne Schicht sandiger Erde mit kleinen
Rollsteinen verschiedener Porphyrarten und von Quarz, welche «'ine
niedrige Ebene an der Nordseite des Rio Colorado          kt, ist die

äuszerste nördliche Grenze dieser Konnation. Diese kleinen Rollsteine
rühren wahr- nlicb von der Denudation einer regelmäszigeren Schicht
von GeröD her, welche das ah           re Sandstein]d;tu>au des Hin Xogro

bedeckt. Hie Geröllschicht in der Nahe des Rio Xegro ist im Mittel
ungefähr zehn oder zwölf Pusz machtig; und die Rollsteine sind g er
als auf der nördlichen Seite des Colorado, indem sie von ein bis zwei
I im Ihuvhmesser sind, und bestehen hauptsächlich aus ziemlich
dunkel gefärbteij Porphyren. Unter diesen bemerkte ich hier zuerst

ie noch häufig -zu erwähnende Art, nämlich einen eigentümlich

elben kieselien Porphyr, häufig, aber nicht ausnahmslos,

Quarzkörner enthaltend. 1 >i* ßollsteine sind in einer weiszen kalkigen

Grundsubstanz, Mörtel sehr ähnlich, eingebettet, welche zuweilen ein-

h wie ein Kalküberzug die ein/          steine bedeckt, und zuweilen

dm gröszeren Theil der Masse bildet. An einer Stelle sali ich in dem
I terölle (nicht abgerundete) kömige Concretionen von crystallisirtem
Gyps, sin .                  wie ''in Manneskopf, ich verfolgte diese Schicht

fünfundvierzig Meilen landeinwärts und versicherte mich, das            li

it in das Innere noch erstreckt) Da die Oberfläche der kalkigen
th< ii Ebene der Pampas-F'nmation auf der nördlichen Seite de

dten Thals des Colorado ungefähr in di »en Höhe liegt mit dem
mörtelartij mentirten Geröll, welches den Sandstein auf der südlichen

ite I" t, so i               Anbetracht der augenscheinlichen G t-

förmi          der unterirdischen B              ü dieser Seite von Ameri

entlang wahrscheinlich, dasz dieses Geröll des Rio Negro und die
hichten deT Pampas-1 ition nach Norden vom Colorado

hezu von gleichartigem I                sind, und di           kalkige Masse

aus derselben Quelle herrührt.

Nach Süden vom Rio Negro Bind die Klippen der groszen Bucht
San Antonio entlang mit Geröll bedeckt: bei San Ji fand ich.

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Cap. 1.                           Ger U-Forn ion von Patagonien.

32 die Rollsteine denen auf den Ebenen des Rio Negro sein- ähnlieh
waren, dasz sie aber nicht von kalkiger Substanz cementirt waren.
Zwischen San Josef und Port Desire versicherten mir die Beamten i
Kii aufnähme, dasz die ganze Fläche des Landes mit Geröll bedeckt
ist. Bei Pori Desire und über einen Raum von fünfundzwanzig Meilen
landeinwär uf den drei stufenförmigen Ebenen und in den Thälern
kam ich überall über Geröll, welches, wo es am mächti          war,

dreiszig und vierzig Fusz betrug. Hier wie in den anderen Theilen
von Patagonien i las Geröll oder sein sandiger Überzug, wie wir

haben, oft mit recenten Seemn In überstreut. I
Decke erfüllt zuweilen Furchen in dem Geröll, wie es dies in den
darunter liegenden tertiären Formationen thut. Die Rollsteine Bind
häufig               und selbst zusammi                 durch eine eigentüm-

liche, weisze, zerreibliche, alaunhaltige, schmelzbare Substanz, welcl
wie ich glaube, zersetzter Feldspath ist. Bei Port Desire lag -
Geröll zuweilen auf der Grundfonnation von Porphyr und zuweilen i
den oberen oder unteren denudirten Tertiärschichten. I              irk-

würdig, dasz die meisten Porphyrrollsteine von den Varietäten von
Porphyr, welche hier äuszersi reichlich in situ vorkommen, verschieden
sind. Die eigentümliche gallensteingelbe Varietät war häufig, aber
weniger zahlreich, als bei Port San Julian, wo sie nahezu ein Drittel
der Gerollmasse bildete; der übrige Theil bestand dort aus blaszgrauen
und grünlichen Porphyren mit vielen Feldspathkrystallen. Bei P«
S. Julian bestieg ich einen der flachgipfeligen Berge, den denudirten
Überrest der höchsten Ebene, und fand, dasz er in der Höhe i

> Fusz mit der gewöhnlichen Geröllschicht bedeckt war.
In der Nahe der Mündung des Santa Cruz ist die Geröllschicht
auf der 355-Fusz-Ebene von zwanzig bis ungefähr fünfunddreiszig Fusz
mächtig. Die Kollsteine variiren von minutiöser bis zur Grösze eines
Hühnereies, und selbst bis zur halben Grösze eines -Manneskopfes:
bestehen aus blasseren Varietäten von Porphyr, als die weiter nord-
wärts gefundenen, und es finden sich weniger von der gallensteingelben
Art: Kollsteine von compactem schwarzenThonchiefer wurden hier zu-

it beobachtet. Das Geröll bedeckt, wie wir gesehen haben, die stufen-
förmigen Ebenen an der Mündung, am oberen Ende und den Seiten des
groszen Thals des Santa Cruz. In einer Entfernung von 110 Meilen
von der Küste ist die Ebene bis zur Höhe von 1416 Fusz über den
Meeresspiegel gestiegen, und das Geröll hat mit der damit verbundenen

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30                                    l-Formiition von Patagonien.                       Cap. 1.

groszen erratischen Formation eine Dicke von 212 Fusz erreicht. Die
Ebene, allem Anscheine nach mit ihrer g inlichen Gerölldecke, steigt
allmählich bis zum Fusze der Cordillera bis zur Höhe von zwischen
32oo und 3300 Fusz auf. Bei dem Hinaufschreiten im Thale wird
das Geröll allmählich in seinem Character gänzlich ädert: hoch
oben haben wir Hollsteine von krystallinischem, feldspathartigem Gi
stein, von compactem Thonschiefer, uuarzigen Schiefern und blasz-
gefarbten Porphyren; sowohl nach der riesigen Grösze der erratischen
Blöcke an der Oberfläche als nach einigen kleinen Kollsteinen, welche
unter einer Masse von 700 Fusz Mächtigkeit in den alten tertiären
Schichten eingebettet sind, zu urtheilen, sind diese G ne die vor-
herrschenden Arten in die Cheile der Cordillera; auch Kollsteine
von Hasalt aus den benachbarten Strömen basaltischer Lava sind zahl-
reich ; es finden sieh wenige oder keine von den röthlichen oder von
den gallensteingelben Porphyren, die in der Nähe der Küste so gemein
sind. Es können daher die Rollsteine auf der 850-Fusz-Ebene an der
Mündung des Santa Cruz (mit Ausnahme derer aus opactem Thon-
ilche indessen ebenso gut vom Süden her gekommen sein
kOnnen) nicht von der Cordillera in dieser Breite herrühren, sondern
wahrscheinlich zum hauptsächlich Theile weiter von Norden her.
Südlich vom Santa Cruz ht man, wie «las Geröll zusammen-
hängend die grosze 840-Fusz-Ebene bedeckt: beim Rio <Jallegos, wo
auf diese Ebene noch eine tiefen'         . findet sich, wie mir * in

Si N mitgetheilt hat, eine unregelmäszige Decke von Geröll von
zehn bis zwölf Fusz Mächtigkeit aber das oze Land. Der District
auf beiden Seiten der Magellan-Strasze wird entweder von Geröll oder
von der erratischen Formation bedeckt: es war interessant, den aus-
gesprochenen Unterschied zwischen dem vollkommen abgerundeten Zu-
stande der Kollsteine in der groszen Geröllformation von Patagonien
und den mehr oder weniger eckigen Bruchstücken in der erratischen
Formation zu bemerken. Die Kollsteine und Fragmente in der Nähe
der Magellan-Strasze gehören beinahe sämmtlicb Gesteinsarten an, von
denen bekannt ist, das/ sie im Feuerlande vorkommen. Ich war daher
sehr überrascht, als ich südlich von der Strasze in 54° 1"' s. Br.
mit dem Schleppnetz viele Geröllsteine des gallensteingelben kieseligen
Porj         erhielt; ich verschaffte mir andere aus einer groszen Tiefe

auf der Höhe der Staaten-Insel, und andere wurden mir von dem west-

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*-aP- '                           Geröll-Formation von Patagunien.                                 31

liehen Ende der Falkland-Inseln gebracht17. Die Verbreitung 1
Kollsteine dieses eigentümlichen Porphyrs, von dem ich zu behaupten
wage, dasz er in situ weder im Feuerlande noch auf den Falkland-
[nseln noch an der Küste von Patagonien gefunden wird, ist sehr
merkwürdig, denn sie werden über einen Raum von 84m Meilen in
einer nordsüdlichen Linie und auf den FalklancHnseln 300 Meilen öst-
lich von der K'iisi >n Patagonien gefunden. Ihr Vorkommen im
Feuerlande und auf den Falkland-Inseln kann indessen vielleicht eine
Folge derselben Wirkung                      in, durch welche die erratischen

Blöcke hierher transportirt worden sind,

Wir haben gesehen, das/ Porphyrrollstücke von geringer Grösse
zuerst an der nördlichen Seite des Bio Colorado angetroffen werden,
während die Schicht in der Nahe des Rio Negro ordentlich entwickelt
wird: von diesem letzteren Punkte aus erstreckt sich, wie ich allen
Grund anzunehmen habe, das Geröll ununterbrochen über die Ebenen
und Thäler von Patagonien mindestens 630 nautische Meilen südwärts
bis zum Rio Gallegos. Nach der Abdachung der Ebenen, nach der
Natur der Rollstücke, nach ihrer X dtung am Rio Negro weit in
das Innere und beim Santa Cruz dicht hinauf bis an die Cordillera,
halte ich es für in hohem Grade wahrscheinlich, daaz die ganze Breite
von Patagonien damit bedeckt wird. Ist dies der Fall, so musz die
mittlere Breite der Schicht ungefähr 200 Meilen sein. In der Nähe
der Küste ist das Geröll meistens von zehn bis dreiszig Fusz mächi
und da es im Thal von Santa Cruz in einiger Entfernung von der
Cordillera eine Mächtigkeit von 214 Fusz erreicht, so können wir,
meine ich, ruhig seine mittlere Mächtigkeit über das ganze Gebiet \
630 auf 200 Meilen zu fünfzig Fusz annehmen!

Der Transport und der Ursprung dieser ungeheueren Schicht von
Rollsteinen ist ein interessantes Problem. Nach der Art und AVeise,

17 Auf meine Bitte sammelte Mr. Kent für mich einen Sack Rollsteine vom
strande des WhiW-Uock-Hafens im nördlichen Theile des Sundes zwischen den zw.-i
F:\lkland-Inseln. Von diesen ordentlich abgerundeten, in der Grösze von dereiner
AValnusz bis zu der eines Hühnereies variirenden und einigen noch groszeren Koll-
iuen gehörten achtunddreiszig offenbar zu den Gesteinen 1                In; sechs-

undzwanzig waren den auf den patagonischen Ebenen gefundenen Porphyr-Rollsteinen
ähnlich, welche Gesteine auf den Falkand-Inseln nicht in situ vorkommen; ein
Rcdlstein gehörte zu dem eigenthümlichen gelben kieseligen Porphyr, und dreiv
waren zweifelhaften rrrungs.

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32                                  Geröll-Formation vcn Patagronien.                           Cap. 1.

in welcher sie die stufenförmigen Ebenen, welche von dem Meer im
halb der Periode der jetzt existirenden Muscheln ausgewaschen worden
sind, bedecken, musz ihre Ablagerung, mind<            uf den Ebenen bis

zu einer Höhe von 400 Vu>/. ein neueres jeologisehes Ereigni
wesen sein. Nach der Form des Continentes können wir sicher 3ein,
dasz sie vom VI n hergekommen sind, wahrscheinlich zum haupt-

jhlichen Theile von der Cordillera, vielleicht aber zum Tbeil von
unbekannten felsigen Rücken in den centralen Bezirken von Pata-

liii'ii. Dasz die Rolisteine nichl von Flüssen transportirt worden
Bind, vom Inneren her nach der Küste zu, können wir aus der
ringen Zahl und der Kleinheit der Flüsse in Patagonien schlieszen:
überdies haben wir, was den einen groszen und reiszenden Flusz
Santa Cruz betrifft, gute Belege dafür, dasz sein Vermögen, ' ine
zu fcransportiren, sehr unbedeutend ist. I> Flusz ist von iiOO bis
300 Yards b         ungefähr siebzehn Fusz in seiner Mitte tief, und

läuft mit einem merkwürdigen Gi von Gleichförmigkeit fünf Knoten
in «1er Stunde, ohne irgend welche See'n und kaum mit irgend welchen
ruhigeren Stellen: und trotzdem, um ein Beispiel von seiner gering
Transportfähigkeit zu geben, konnten hei sorgfältiger Untersuchung
Hollsteine von compactem Basalt in dem Bette des Flusses in keiner
gröszeren Entfernung als zehn Meilen unterhalb des Punktes fanden
werden, wo der Strom über Döbris der groszen basaltischen, Beine
Ufer bildenden Klippen strömt: Fragmente der zelligen Varietäten
sind zwei- oder dreimal so weit abwärts gewaschen worden. 1».
die Kollsteine im centralen und nördlichen Patagonien nicht durch

ithätigkeit transportirt worden sind, wie es in einer beträchtlichen
Ausdehnung weiter südlich der Fall 'n zu sein          Dt, und

gleichfalls auch in der nördlichen Hemisphäre, können wir aus der
Abwesenheit aller eckiger Fragmente im Geröll und aus dem voll-
ständigen Contrast in vielen anderen Beziehungen zwischen der Geröll-
und der benachbarten erratischen Formation schlieszen.

Betrachte ich das Geröll auf irgend einer der stufenförmigen
Ebenen, so kann ich nach den verschiedenen in diesem Capitel ange-
führten Gründen nicht daran zweifeln, dasz es durch die lange an-
dauernde Wirkung des Meeres wahrscheinlich wahrend der langsamen
Erhebung des Landes ausgebreitet und abgeglichen worden ist. Der
glatte und vollkommen abgerundete Zustand der unzähligen Kollsteine
würde allein schon eine lange fortgesetzte Thätigkeit beweisen. Wie

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Cap. I.                                Verbreitung des Geschiebes.

aber die ganze M von llollsteinen auf den Küstenebenen von den
Bergen des Inneren her transportirt worden ist. ist eine andere und
schwierigere Präge. Die folgenden Betrachtungen zeigen indessen,
dasz das Meer in seiner         ähnlichen Thätigkeit ein beträchtliches

Vermögen Rollsteine zu verbreiten besitzt. Es ist bereits eine Tabelle
mitgetheilt worden, welche zeigt, wie sehr gleichförmig und allmäh-
lich '" die Kollsteine an Grösze abnehmen mit der nach dem Meere
hin allmählich zunehmenden Tiefe und Entfernung. Eine Reihe dieser
Art führt unwiderstehlich zu der Folgerung, dasz das Meer das Ver-
igen hat. die lose Substanz auf seinem Grunde zu sortiren und zu
vertheilen. Nach der A >e von Martin White19 wird der Grund
tischen Canals bei Stürmen bis in Tiefen von dreiundsechzig
und e        umlsechzig Faden aufgewühlt, und bei dreisziu Faden wer-

den liüu!i<_f Geröllsteine und Fragmente von Muscheln abgelagert, die
später wieder fortgeschafft werden. Von dem Urunde sich erhebender
Wogenschwall, welcher angenommener Maszen von entfernten Stürm
verursacht wird, scheint besonders den Grund zu afliciren: zu solchm
Zeiten wird nach der Angabe von Sir R. Schomburgk20 das Meer bis
in eine        ze Entfernung rings um die westindischen [nseln in Tiefen

von fünf bis fünfzehn Faden entfärbt, und selbst die Anker von Fahr-

ich will erwähnen. dasz ich in einer Entfernung von 1          ilen von der

patagonischen Kü nrgfältig die minutiös abgerundeten Stückchen im .Sande
untersucht und sie schmelzbar gefunden habe gleich den Porphyren der großen

öllachicht. Ich konnte Belbst Stückchen des gallen-tcingvlben Porphyrs imter-
sch<                 war intt-r<ssant zu beobachten, wie die Stückchen uviszen Quav

zunahmen in dem Masze wie wir uns den Falkland-Inseln näherten, welche dar-
aus bestehen. Auf der ganzen Linie von Sondirungen zwischen diesen Inseln und
der K         von Patagonien waren Reste todter oder ;             organischer Formen

äuszersl Bell         Über die Beziehungen zwischen der Ti des Wassers und der

Beschaffenheit des Bodens s. Martin White,               Undings in the Channel",

!. 6, 175; s. auch Capt. Beeche;                 to th< ;fic, Cap. X\"III.

1 - .undings in the Channel', p. 4, 166. M. Siau gibt an (Kdinb. New
los. Journ., Vol. XXXI. p. 246), dasz er in einer Tiefe von 188 .Metern
iment in Wellenfurchen (ripples) von verschiedenen Grade) von Feinheit an-
irdnet gefunden ha' Einige ausgezeichnete Erörterungen Qh             d und

verwandt. G        tände finden sich in Sir H. de la Beeche's „Theoretieal Re-

in»! of K. Geograph. Soc. Vol. V, p. 25. Aus Mr. Scotl B ell's
Untersuchungen (s. Mnrchison'a Annivers. Address Geolog. Soc, 184u. p.
it hervor, das/ bei Übergangswellen die Bewegung der Wa>s._rtheilehen am

Grunde nahezu ebenso grosz ist wie am Gipfel.

])\                                                       (XII.

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34                                 Verb: : des Geschiebe                                    1.

zeugen sind b          worden. Es finden sich indessen einige Schwierig-

keife inzusehen, wie das Meer auf dem Boden liegende Rollsteine
transportiren kann, denn nach Versuchen, die über die Kraft strömen-
den Wassers angestellt worden sind, möchte es scheinen, als hätten
die Strömungen des Meeres nicht hinreichende Schnelligkeit, Steine
von selbst mäsziger Grösze zu bi           : überdies habe ich wiederholt

an den exponirtesten Stellen gefunden, dasz die Rollsteine, welche auf
dem Grunde liegen, mit völlig erwachsenen, lebenden Corallinen, die
mit den zartesten und doch nicht zerbrochenen Stacheln besetzt waren,
incrustirt waren, so beispielsweise in zehn Faden Wasser gegenüber
der Mündung d inta Cruz, wo viele Rollsteine unter einem halben
Zoll Durchmesser in dieser Weise mit Flui trügen Zoophyten über-
zogen waren". Wir müssen daher schlieszen, dasz diese Rollsteine
nicht oft mit Heftigkeit aufgerührt werden; doch ist im Ä.uge zu be-
halten, dasz das Wachsthum der Corallinen ein sehr schnelles
Die von Prof. Platfau              igene Ansicht wird, wie i .. laube,

diese anscheinende Schwierig klaren. — nämlich dasz. weil die
Wellenbewegungen des Meeres Kollsteine oder andere lose Körper auf
dem Grunde auf und nieder zu bewegen streben, diese Körper gern,
ie in dieser Weise ganz oder zum Theil erhoben sind, selbst
durch eine sehr geringe Kraft ein wenig vorwärts bewegt werden.
Wir können hieraus verstehen, wie oceanische oder Flui »mung
von keiner groszen Kraft, oder jene rückläufige Bewegung i rrund-
ssers in der Nähe des Landes, welches die Matrosen „undertow"
nennen (von dem ich vermuthe, dasz es sich so weit seewärts hinaus
erstrecken musz, als die sieh brechenden AVellen das Oberflächenw i sser
nach dem Strande zu 1             während der Stürme die Kraft erhalten

können, Rollsteine selbst von beträchtlicl hrösze zu bewegen und
zu verbreiten, und doch ohne sie so heftig aufzustören, dasz die ineru-
stirenden Corallinen beschädigt würden22.

51 Ks wurde mir ein anderthalb Zoll im Geviert groszer und einen halben
Zoll dicker Rollsteifl gegeben, welcher aus siebenundzwanzig Faden Tiefe gegenüber
dem westlichen En er Falkland-Inseln mit dem Schleppnetz erhalten worden

wo das Heer merk*         stürmisch und sehr heftigen Gezeiten ausges*

ist. Dieser Rollstein war auf all        iten von einer lebenden Coralline incrustirt.

Ich habe viele in                            tirte Rollsteine aus Tiefen zwischen vierzig

und siel                                     ans 1-                  von der Höhe des Ca» Hörn.

h will diese Gelegenheil '         ", einige Bemerkungen über einen eigen-

tlichen, aber sehr hänl                    en ''liaracter in der Form des '! rundes

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;i>. l.                                           Verb*                                                                                               ßg

Das Meer wirkt noch in rinn- anderen und verschiedenen We
auf die Vertheilung der Rollsteine, nämlich durch die Wellen am
Strande. Mr. I'ai. l hat in seiner ausgezeichneten Abhandli
über diesen Gegenstand gezeigt, dasz angeheuere Massen von Geröll
mit überraschender Schnelligkeit den Küstenstrecki itlang wandern,
und zwar je nach der Richtung mit welcher sich die Wellen am
Strande brechen, und dasz diese wiederum durch die vorh hende
Richtung der Winde bestimmt werde. Diese Th                        sehr

wirksam -sein bei dem Durcheinander! ien and Zerstreuen der aus
hiedenen Quellen herrührenden Kulistrine: wir können vielleicht
hieraus die weite Verbreitung der galle ingelben Porphyrsteine \

ihen, und gleichfalls vielleicht die              7er denheit in der

Natur der Kollsteine an der Mündung des Santa Cruz von denen in
derselben Breite an dem oberen Ende des Thals.

Ich will mir nicht anmaszen, diesen chiedenen und compli-
cirten Thätigkeiten ihre betreffenden Rollen bei der Vertheilung der
patag' hen Rollsteine zuzuweisen; aber nach den verschieden
in diesem Capitel mitgetbeilten Betrachtungen, und, wie ich hinzu-

;en will, nach der Häufigkeit der Gerölldecke auf tertiären Ablage-
rungen in allen Theilen der Erde, wie ich selbst beobachtet und in
den Werken verschiedener Autoren angeführt gesehen habe, kann ich
nicht daran zweifeln, dasz das Vermögen, Geröll weit zu verbn
eine gewöhnliche begleitende Erscheinung der Thatigkeit des M
ist, und dasz wir selbst in Bezug auf die grosze patagonische Geröll-
in den Buchten zu machen, welche tief in die westlichen Ufer des l'<uerlandes
eindringen: dasz sie nämlich beinahe ausnahmslos nahe am offenen Meer an ihren
-Mündungen vi<        ihter sind, als weiter 1 .                .So hatte Cook beim Ein-

tritt in Christinas Sound erat Peilungen von siebenunddreiszig, dann von fünf/
dann von        izig Kaden and ein wenig weiter mit einer 170 Faden-Linie keinen

Urund. Die Robbenjäger sind mit dieser Thatsache so vertraut, dasz sie sich Bfc
einen Ankergrund in der Nähe des Eingangs der Buchten aussuchen, s. auch

ir diesen Gegenstand die „Voyage of the Adventure and Beagle", Vol. I, p.!
und .Appendix1, p. 31 Diese Seichtheit der Meeresanne in der Nähe ihrer Ein-
gänge ist wahrscheinlich eine Folge der Menge von Sediment. welches durch das
Verwittern der äuszeren, der vollen Kraft des offenen Meeres ausgesetzten Felsen ge-
bildet wird. Ich habe keinen Zweifel daran, das/ viele Seen, beispielsweise in Schott-
land, welche immer sehr tief und von dem Meer augenscheinlich nur durch einen
Riegel von Detritus getrennt sind, ursprünglich Meeresarme waren, deren Ufer in
der Nähe der Mündung die geschilderte Beschaffenheit hatte, und welche seitdem

porgehoben worden sind.

« ,Philosophical Transaction               p. 576.

3*

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JG                                         Bildung von Meeresklippen,                                   ap. 1.

Schicht keine Veranlassung haben, die Hilfe von Katastrophen heran-
zuziehen. Ich glaubte eine Zeit lang, dasz vielleicht eine ungeheuere
Anhäufung von Geröll ursprünglich am Fusze der Cordillera ang
sammelt worden sei, und dasz diese Anhäufung, wenn sie sieb über
das Niveau des Meeres erhoben hat: , on diesem ausgenagt und theil-
weise ausgebreitet worden sei (wie gegenüber der jetzigen Küsten-
linie); und dasz die neu verbreitete Schicht nun wiederum erhol
worden, ausgenagt worden und wieder von neuem ausgebreitet wor-
den sei, und so fort, bis das Geröll, welches anfangs in groszer Mäi
tigkeit am Fusze der Cordillera angehäuft war, in dünneren Schichl
seine jetzige Verbreitung erlangt hätte. Durch welche Mittel auch
inn lie GeröUschichl von Patagonien verbreitet worden sein m
so scheint die ungeheuere Grösze il Bezirks, ihre Mächti . ihre
oberflächliche Lage, ihr neuer CJrsprung und der bedeutende Grad von
Ähnlichkeit in der Natur ihrer Rollsteine sämmtlich wohl die Auf-

der Geologen in Bezug auf den Ursprung der weit \
breiteten Schichten von vergangenen Epochen angehörenden Conglon
raten zu verdienen.

Bildung von Klippen. — Als ich die von dem Meer abgena
teil Klippen von Patagonien, die an einigen stellen zwischen 800 und
900 Pusz hoch sind und von horizontalen tertiären Schichten gebildet
werden, welche früher einmal weit seewärts hinaus sich erstreckt
haben müssen, betrachtete, — und ferner, als ich die hohen Klippen
rund um viele vulcanische Inseln betrachtete, an denen die sanfte
Neigung der Lavaströme die frühere Ausdehnung des Landes andeutet,
trat mir häufig ei                    keit entgegen. Dämlich wie die Schichten

möglicherv durch die Thätigkeit des Meeres in einer beträcht-
lichen Tiefe unter seiner Oberfläche           nt worden sein können. Der
folgende Durchschnitt, welcher die allgemeine Form des Land
der nördlichen und unter dem Winde gelegenen Seite von St. Helena
(nach Mr. Si ' groszem Modell und verschiedenen Messungen
nonnnen) und dea Grundes des benachbarten Meeres           Ut (haupt-

chlich nach Captain ä.üstin's Aufnahme und einigen alten Karti
wird die Natur dieser Schwierigkeiten zeigen.

We lie basalti i Ströme, wie es wahrscheinlich zu -
scheint, ursprünglich sich mit nahezu ihrer . iwärtigen Neigung
iter fortsetzten, so i en sie sich, wie durch punktirte Linien in

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Cap, L.                            Bildung von Meeresklippen.                                  37

Fig. 7.

lflOO Fubz                                           510 Fusz                                               100

i"e.                             über dem _M.                         on.                                  Faden.

esaple:                           Grund nur bis                      Schlamm n. Sand.

zur Tiefe von fünf

:>-n felsig.

Verticaler und horizontaler W ab zwei Zoll auf di        meile. Der mit „1600

Fnsz" bezeichnete Punkt         q Fusze von High Knoll; der „510 Fusz" b

nete Punkt findet sich am Bande von Ladder Hill. Die Schichten bestehen aus

basaltischen Strömen.

Durchschnitt der Küstenklippen und des Meeresgrundes

bei der Insel St. Helena.

dem Durchschnitte angedeutet ist, früher mindestens bis zu einem
Punkte erstreckt haben, welcher jetzt von dem Meere bis zu einer
Tiefe von nahezu d ig Faden bedeck! wird. Ich habe aber allen
Grund, zu glauben, dasz sie sich beträchtlich weiter erstreckten, denn
diu Neigung der Ströme ist in der Mibe der Küste geringer als weiter
landeinwärts. Es ist auch zu beachten, dasz andere Durchschnitte an
der Küste dieser Insel noch bei weitein auffallendere Resultate [
geben haben würden, ich besasz aber nicht die genauen Messungen;
so sind auf der Seite vor dem Winde die Klippen ungefähr 2000 Fusz
hoch, und die abgeschnittene Lava sehr sanft geneigt, und der Meer
grund hat nahezu eine ähnliche Abdachung rings um die ganze Insel.
Wie ist denn nun das ganze harte basaltische Gestein, welches sich
früher unter die Oberfläche des Meeres hin erstreckte, weggearbeitet
worden? Nach Captain Austin ist der Meeresgrund uneben und steinig
nur bis zu jener sehr geringen Entfernung von dem Strande, inner-
halb deren die Tiefe von fünf bis sechs Faden beträgt; auszcrhalb
dieser Linie bis zu einer Tiefe von ungefähr hundert Faden ist der
Grund glatt, sanft geneigt und besteht aus Schlamm und Sand; nach
auszen von der 100 Faden-Linie fällt er plötzlich in uuerraeszliche
Tiefen, wie es so sehr häufig an allen Küsten der Fall ist, wo sich
Sediment anhäuft. Hei gröszeren Tiefen als fünf oder sechs Faden
scheint es unter den jetzt existirenden Umständen unmöglich zu sein,
dasz das Meer sowohl hartes Gestein stellenweise bis zu einer Mäch-

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38                                  Bildung d« Meeresklippen.

tigkeit von mindestens L50 Fusz abgewaschen als auch ein glatt*- Bett
feinen Sediments abgelagert habe. Wenn wir nun irgend einen Grund
hatten zu vermuthen, dasz St. Helena wiihrend einer langen Zeit lang-
sam im Sinken begriffen wäre, so wurde jede Schwierigkeit beseitigt:
denn blicken wir auf den Durchschnitt und stellen wir uns einen
neuen Betrag von Senkung vor, so können wir sehen, dasz die Wollen
dann auf die k iklippen mit neuer und unbeeinträchtigter Kraft
wirken würden, wahrend der felsige Vorsprung in der Nahe des Stran-
des bis zu jener Tiefe niodergebracht werden würde, bei welcher Sand
und Sehlamm auf seiner kahlen und ebenen Oberfläche abgelaTi
winde: nach der Bildung einer neuen felsigen Untiefe in der Nähe
des Strandes würde eine neue Senkung diese wieder weiter hinab-
führen und es ermöglichen, dasz sie wieder glatt b kt würde. In
mg aber auf die vielen von Klippen »imgebenen Inseln. Z. 15. einige
der Canarischen Inseln und Madeira, um welche rings herum die
Neigung der Schichten zeigt, das/ das Land Bicb einst weit in die
Tiefen des Meeres ei kte, wo keine augenscheinlichen Mittel vor-
liegen, das/, hartes Gestein hätte hinweggewaschen werden können,
snllen wir da annehmen, dasz alle diese Inseln langsam gesunken
sind? Teh will bemerken, dasz Madeira nach Mr. Smith von Jordan-
Hill gesunken ist. Haben wir diese Folgerung auf die hohen, klippen-
begrenzten, horizontal geschichteten Ufer von Patagonien auszudehnen.
denen gegenüber, obschon das Wasser selbst in der Entfernung i
mehreren Meilen nicht tief ist, doch der glatte Meeresgrund mit Koll-
steinen bedeckt ist. welche mit der zunehmenden Tiefe allmählich an
Grösze abnehmen und welche von einer entfernten Quelle herrühren
und dadurch zu erklären         inen, dasz das Meer jetzt ein Nieder-

schlag bewirkendes und nicht ein corrodirendes Agens ist? Ich bin
sehr geneigt, zu vermuthen, dasz wir in allen derartigen Fallen s]>;Uim-
finden werden, dasz das Land mit dem angrenzenden Meeresgrunde in
Wahrheit gesunken ist: ich glaube die Zeit wird kommen, wo 6<
logen es für oso unwahrscheinlich halten werden, das/, das Land
während einer ganzen ge< -heu Periode dasselbe Niveau beibehalten
haben sollte, wie dasz die .' Sphäre wahrend eines ganzen Jahres
absolut ruhig geblieben sein sollte.

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Zweites Capitel.

Über die Erhebung der Westküste von Süd-America.

Chonos-Archipel. — ChiloS, neuere und allmähliche Hebung, Traditionen der
E        iner in Hezug auf diesen Gegenstand. — Concepcion. Erdbeben and

Erhebung von. — Valparaiso, bedeutende Erhebung von, emporgehobene
Muscheln, Erde marinen Ursprungs, allmähliches Erheben des Landes innerhalb
der historischen Pei                 »quirabo, Erhebung von, in neuerer Zeit. Ter-

rassen marinen Ursprungs, ihre Neigung, ihre 1       ungen nicht horizontal. —

Guasco, Gerölli          a. —Copiapo. — Peru. — Emporgehobene Muscheln

von Cobija, Ljuique und Arica. — Lima, Muschellager und Meeresstrand von
ii Lorenzo; menschliche Ül             fossiles Töpfergeschirr, Erdbebenüb<-r-

schwrmmuiig, neueres Sinken. — Über den Zerfall emporgehobener Muscheln.
— Allgemeine Zusammenfassung.

Im Süden beginnend und nach Norden vorschreitend war der erste
Ort. wo ich landete, bei Cap Tres Montes in 40° 35' s. Br. Hier
beobachtete ich an den Ufern von Christmas Covr an mehreren Stellen
einen Strand von Kollsteinen mit recentfii Muscheln, ungefähr zwanzig
Fusz oberhalb der Fluthgrenze. Südwärts von „TresMontes- (/wischen
47° und 48° s. Br.) macht Byhon1 die Bemerkung: „Wir hielten
„für sehr befremdlich, dasz auf den Gipfeln der höchsten Ber         hieb-

„ten von Mascheln ein oder zwei Fusz dick gefunden wurden." Im
Chonos-Archipel wurde die Insel Lemuy (44° 30' s. Br.) nach Mr.CoSTE*
während dos Erdbebens von 1839 plötzlich acht Fusz erhoben; er
gt hinzu: „des roches jadis toujours couvertes par la mer, restant
„aujowd'hui constamment decouvertes.14 In den anderen Theilen dieses
Archipels beobachtete ich zwei Geröllterrassen, von denen die eine sich

1 Xarrative of the I of the Wager.
Comptea R< , Oct. 1838, p. 70«

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40                                     Erhebung von Chili                                 ' l- -

an den Fusz der andern anlehnte: bei Low's Harbour (43° 48') fand
ich unter einer groszen Masse der erratischen Formation von ungefähr
300 Fusz Mächtigkeit eine Schicht Sand mit zahlreichen zerbröckelten
Fragmenten von Seemuscheln, die ein Irisches Ansehen hatten, aber
zu klein waren, um identificirt werden zu können.

Die Insel Chiloe. — Die Zeugnisse für eine neue Erhebung
sind hier befriedigender. Die Bav von St. Carlos wird an den meisten
Stellen von steilen Klippen von ungefähr zehn bis vierzig Fusz Bö
begrenzt, ihre Basen sind von der jetzigen Grenze der Fluththätigkeit
durch eine Böschung von einigen wenigen Fusz Höhe und mit ege-
tation bedeckt getrennt. In einer kleinen geschützten Bucht (westlich

i P. Arena) fand sich statt einer aus losem Gestein bestehenden
Böschung eine nackte, sich abdachende Bank tertiären Schieferlettens,
welcher oberhalb der Linie der höchsten Flutli von zahlreichen Muscheln
einer Pkolaa durchbohrt war, die jetzt im Hafen gemein i Die
oberen Enden dieser Muscheln, welche aufrecht in ihren Höhlungen
standen, aus denen Gras wuchs, waren ungefähr einen Viertel Zoll bis
zu demselben Niveau wie die umgebenen abgeriebenen Schichten ab-
genagt. An anderen Stellen beobachtete ich (wie bei Pudetoj einen
groszen, aus feinen zerbröckelten Muscheln gebildeten Strand, zwanzig
Fusz oberhalb der jetzigen Ufer. Wieder an anderen Stellen fanden
sich kleine, in den Flusz der niedrigeren Klippen eingearbeitete Höhlen,

Iche von der Böschung mit ihrer Vegetation vor den Wellen ge-
schützt waren: eine solche Höhle, welche ich untersuchte, lag mit
ihrer .Mündung ungefähr zwanzig Fusz, und mit ihrem Grunde, welc
mit Sand, der Muschelfragmente und Krabbenfüsze enthielt, erfüllt
war. von acht bis zehn Fusz oberhalb der Fluthgrenze. Aus dies
verschiedenen Thatsachen und aus dem Ansehen der emporgeh-'henen
Muscheln schlosz ich, dasz die Erhebung ganz neuerdings stattgefunden
habe; und als ich mich bei Mr. Williams, dem Hafenmeister, erkun-
digte, sagte er mir, er sei überzeugt, dasz während der letzten vier
Jahre das Land vier Fusz gestiegen oder das Meer so viel gesunken
sei. Während 'lieser Periode hatte ein starkes Erdbeben stattgefunden,
aber es wurde damals keine besondere Veränderung des Nivi beob-
achtet; nach den Gewohnheiten der Leute, welche sämmtlich ihre
Boote in den geschützten Buchten halten, ist es absolut unmöglich,
dasz eine Hebung von vier Fusz plötzlich stattgefunden haben und

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Cap. 2.                                Erhebung von Ghil<-                                        41

and unbeachtet geblieben sein könnte. Mr. Williams glaubt, dasz die
Veränderung ganz allmählich eingetreten sei. Wenn die Hebung
bewegung nicht mit grosser Geschwindigkeit fortdauert, so laszt sieh
nicht daran zweifeln, dasz das Meer die Böschung von Erde am Fu-
der Klippen rings um die Bucht bald zerstören und dann seine früheren
seitlichen Ausbreitungen erreichen wird, aber natürlich nicht sein
früheres Niveau; einige der Einwohner versicherten mich, dasz eine
solche Böschung mit einem Fuszpfade auf derselben selbst jetzt schon
merkwürdig an Breite abnehme.

Ich habe mehrere Schilderungen von Muschelschichten erhalten,
die in beträchtlichen Höhen landeinwärts in Chiloe vorhanden sind,
und nach einer derselben in der Nähe von Catirnan wurde ich von
einem Eingeborenen geführt. Hier fand sich an der Südseite der Halb-
insel von Lacuy ein ungeheures Lager der Vi              ellata und einer
Auster, welche auf dem Gipfelrande eines Stück Tafellandes 350 Fusz
(nach dem Barometer) oberhalb des Meeresspiegels lag. Die Schalen
waren dicht zusammengepackt, von einem sehr schwarzen, feuchten,
torfigen Humus umschlossen und bedeckt, der zwei oder drei Fusz
mächtig war, und aus dem ein Wald von groszen Bäumen hervor-
wuchs. In Anbetracht der Natur und Feuchtigkeit dieses torfigen
Bodens ist es überraschen'!, dasz die feinen Kanten an der Auszenseite
der I vollkommen erhalten sind, obgleich alle Schalen ein schwärz-
liches Ansehen haben. Ich zweifelte nicht daran, dasz der schwarze
Boden, welcher beim Trocknen hart bäckt, gänzlich terrestrischen I
Sprungs war, aber beim Untersuchen desselben unter dem Mikroskop
fand ich darin sehr viele minutiöse abgerundete Schalenfragmente,
unter denen ich Stückchen von Serpein und Miesmuscheln unt lei-
den konnte. Die Venus und die Auster (0. e</«t''s nach
itain King) sind jetzt die gemeinsten Muscheln in den benachbarten
Buchten. In einer Muschelschicht einige wenige Fusz unter der 350-
Fusz-Schicht fand ich ein Hörn des kleinen Cervus humilis, welcher
jetzt Chiloe bewohnt.

Die östliche oder nach dem Lande zu gelegene Seite von Chiloe,
mit den vielen umherliegenden Inselchen, besteht aus tertiären und
erratischen Ablagerungen, welche zu unregelmiiszigen mit Geröll über
deckten Ebenen verwaschen sind. In der Nähe von Castro und zehn
Meilen weiter südlich, ebenso auf der Insel von Lemuy fand ich die
Oberfläche des Bodens bis zu einer Höhe von zwanzig und dreiszigFusz

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42                                     Erhebung von Chili                                   Jap. 2.

über der Kluthgrenze, und an mehreren                Uem Anscheine Dach

fünfzig Fusz darüber, dick von stark zerkleinerten Muscheln be-
deckt, hauptsächlich von der Venus < lata und Mutüus Ch
diese Species sind an dieser KiMenstrecke jetzt auszerordentlich häufig.
Da die Einwohner ungeheure Mengen dieser Muscheln landeinwärts
schaffen, so war die Continuität «In- Schicht in derselben Höhe häufig
das einzige Mittel, ihren natürlichen Ursprung wieder zu erkennen.
In der Nähe von Castro auf jeder Seite der Bucht und des Flüszchens
Gamboa sind drei verschiedene Terrassen zu sehen: die untere wurde
zu ungefähr 150 Fusz Höhe geschützt, und die höchste zu ungefähr
500 Fusz; das Land steigt am              ig hinter ihr auf; auch konnte

man undeutliche Spuren dieser selben Terrassen anderen Theilen der
Küste entlang sehen. \.< kann darüber kein Zweifel bestehen, dasz
diese drei Böschungen Pausen in der Erhebung der tnsel bezeichnen.
Ich will erwähnen, dasz mehrere Vorgebirge das Wort Huapi, welches
in der Indianersprache -Insel- bedeutet, vorgehängt haben, so Huapi-
linao, Buapiiacuy, Caucahuapi u. s. w., und diese bestanden nach der
fndianertradition früher als Inseln. In derselben Weise wird auf Su-
fcra der Ausdruck „Pulo" den Namen von Vorgebirgen angehängt3,
welche der Tradition gemiisz Inseln gewesen sein sollen; in Sumatra
finden sich, wie in rhiloe, emporgehol recente Muscheln. Die Bay
von Carelmapu auf dem Festlande nördlich von Chiloe" war nach
A<             >s* im Jahre 164M ein unter Hafen, jetzt ist sie vollkommen

unbenutzbar, ausgenommen für Boote.

Valdivia.—Ich habe hier keine deutlichen Beweise von neuerer
Erhebung beobachtet; aber in einer Schicht sehr weichen Sandsteins,
welche eine saumartige Ebene bildete, ungefähr 00 Fusz hoch, fanden
sich rings um die Berge aus Glimmerschiefer Muscheln von Mytilus,

hihi, Solen, A iHna und Oyth . aber zu unvollkommen,
um speeifisch bestimmt zu werden. Bei Imperial, Siebzig Meilen
nördlich von Valdivia, gibt Ag ftos an5, dasz sich grosze Schichten

3 HarBden's Sumatra, p. 31.

- „Descripcion Hißt, de la l'rovincia Je Chiloe*", p. TS. Ans der von den
alten spanischen Schritt           q gegebenen Schilderung geht hervor, dasz m

ere Häfen zwischen diesem Punkte und Concepciou früher viel tief             . als

sie jet id.

ripeion Hiat.", p. 25.

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Cap. 2.                               Erhebung von C j'don.                                     j;;

i Muscheln in einer beträchtlichen Entfernung von der Küste finden,
welche zu Kalk gebrannt werden. Die [nsel Mocha, welche ein i
nördlich von Imperial liegt, wurde während des Erdhebens von 18
zwei Fusz6 emporgehoben.

Concepcion. — Ich kann der ausgezeichneten Schilderung von
Captain FmBoi über die Erhebung des Landes an diesem Orte, weL
das Knibeben von 1835 begleitete, nichts hinzufügen7. Ich will nur
i Geologen in'a Gedächtnis rufen, dasz das südliche Ende der [n
ita Maria acht Fusz, der centrale Theil neun, und das nördliche Ende
zehn Fusz <'ini»orgehoben wurde und die ganze Insel mehr, als die um-
gebenden Bezirke. Grosze Schichten von Miesmuscheln, Patellen und
Chitonen, die noch den Gesteinen anhiengen, wurden über die obere
Fluthgrenze emporgehoben, und einige Acker einer steinigen Ebene,
welche früher immer vom .Meere bedeckt war. wurden trocken gela«<Mi
und hauqhten einen widrigen Geruch aus wegen der vielen anhängen-

q und faulenden Muscheln. Es geht aus den Untersuchungen \
Capt. FitzRot hervor, dasz sowohl die Insel Santa Maria als Con-
cepcion (welches nur vier oder fünf Fusz emporgehoben wurde» im
Verlaufe einiger Wochen sanken und einen Theil ihrer ersten Erhebung
verloren. Ich will nur als eine zur Vorsicht mahnende Lehre hinzu-
fügen, dasz es rund um die sandigen Ufer der groszen Bay von Con-

peion          n der störenden Wirkungen der groszen begleitenden Welle

äuszerst schwierig war, irgend einen deutlichen Beweis dieser beträcht-
lichen Erhebung zu erkennen; eine Stelle musz ausgenommen werden,
wo sich ein einzeln stehender Fels fand, welcher vor dem Erdbeben
immer von dem Meere bedeckt gewesen war, nachher aber und später
unbedeckt blieb.

Auf der Insel Quiriquina (in der Bay von Concepcion) fand ich
in einer Höhe von 400 Fusz (geschätzt) ausgedehnte Schichten von
Ali. In, die meisten zerbröckelt, einige alter vollkommen erhalten
und dicht in schwärze vegetabilische Acker»                    Lckt; sie be-

es of Adventure and Beagle, Vol. II. p. I
' Ebenda, Vol. II, p. 412 u. flgde. Im 5. Bande der Geological Transactions
p. 601 (di                Bd. XU. Abth. -'. p. 12) wird eine Schilderung der merkwürdigen

vulcanischen Erscheinungen gegeben, welch..' di        I Ibeben begleiteten. D

Erscheinungen scheinen mir zu beweisen, dasz die Kraft, durch welche gr
Strecken Landes emporgehoben werden, mit der, durch welche vulcanische Erup-
tionen erzengt w<          in jeder Beziehung identisch i

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44                                  Erhebung von Concepcion.                            Cap. 2.

standen aus Concl 08, I         eüa, Mytilus, Trochus und / us.

Einige dieser -Muschelschichten lagen auf einem dicken Lager hell-
rother, trockener, zerreiblicher Erde, welche die Oberflache des tertiären
Sandsteins bedeckte, und wie ich beim Segeln der Küste entlang beob-
achtete, 150 Meilen südwärts sich erstreckte: bei Valparaiso werden
wir sofort sehen, dasz eine ähnliche rothe erdige Masse, obschon voll-
ständig gleich einer auf der Erde gebildeten Ackerkrume, wirklich zum
hauptsächlichsten Theile recenten. mannen Ursprungs ist. An den
Seitenwandungen dieser Insel Quiriquina in einer geringeren Höhe als
400 Fusz waren mehrere Fusz im Geviert haltende Stellen dick mit

igmenten ähnlichen Muscheln überstreut. Während eines späteren
Besuchs des Beagle in Concepcion war Mr. Kent, der SchilVsar/.t. so
freundlich, für mich einige Messungen mit dem Barometer zu machen:
er fand viele marine Koste den Ufern der ganzen Bay entlang in eimr
Hölie von ungefähr zwanzig Fusz, und von dem Berge Sentinella hinter
Talcahuano in der Höhe von 1*'»" Pusz sammelte er zahlreiche, dicht
unter der Oberfläche in schwarze Erde eingepackte Muschelschalen,
welche aus zwei S]             n Mytilus, zweien von Crejtidula, einer

t, l'<         Mactray Turbo, Mo\ 'OSy und dem

Balm                   -* bestanden. Diese Muscheln waren gebleicht, und

innerhalb einiger der Bahnen wuchsen andere Hahnen, woraus hervor-
geht, dasz sie lange abgestorben im Meere gelegen haben m1           Die
obigen Speeies verglich ich mit lebenden von der Bay und fand
identisch; du ich aber seitdem die Kxemplare verloren habe, kann ich
ihre Namen oichl anführen; dies ist von geringer Bedeutung, da Mr.
rp eine ähnliche während Captain Bkec!h;y*s Expedition ge-
machte Sammlung untersucht und ermittelt hat, das/ sie aus zehn

-Uten Arten bestehen, in Verbindung mit Fragmenten von Seeigeln,
Krabben und Plustren; einige dieser Überreste lagen nach der Schätzung

i Lieut, BelcHER in der Höhe von nahezu 1000 Fusz über dem
Meer.                   An einigen Stellen rund um die Bucht beobachtete

Mr. Kknt, dasz sich ausschlieszlicli aus dem Mytilus '            is ge-

bildete Schichten fanden; diese Art lebt jetzt an Orten, welche von
den Gezeiten niemals unbedeckt gelassen werden. In beträchtlichen
Hohen fand Mr. 1\i;\i nur einige wenige Muscheln; aber von dem
Gipfel eines Berges, 625 Fusz hoch, brachte er mir Kxemplare von

Zoology of Capt. Beeehey's Voyage. I». 162.

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Cap. 2.                         Küste nördlich von Concepcion.                             45

GoncholepaSj Mytilus Ckiloensis und einem Turbo. Diese Muscheln
ren weicher und zerbrechlicher, als die aus der Höhe von 104 Fusz,

\md diese letzteren hatten offenbar ein viel älteres Ansehen, als die
nämlichen Species aus der Höhe von nur zwanzig Fusz.

Küste nördlich von Concepcion. — Der erste Unter-
suehungspunkt lag an der Mündung des Rapel (160 Meilen nördlich
von Concepcion und                Meilen südlich von Valparaiso), wo i

einige wenige Muscheln in der Höhi m 100 Fusz beobachtete, und
einige Entenmuscheln, welche den Felsen drei oder vier Fusz oberhalb
der höchsten Fluthgrenze anhiengen. Mr. Gay9 fand liier recente
Muscheln in der Entfernung von zwei Stund« wnUfer. Landeinwärts
finden sich einige weite, mit Geröll bedeckte, von vielen breiten flach-
sohligen Thälern, welche jetzt unbedeutende Bäche führen, durch-
schnittene Ebenen, deren Seiten in aufeinanderfolgende mauerart

«chungen, welche eine über der andern sich erheben, eingeschnitten sind,
und an vielen Stellen nach der Angabe von Mr. Gxi in Höhlen aus-
gewaschen sind. Die eine Höhle lel Ohispo . lebe ich untersuchte,
war denen an vielen Meeresküsten gebildeten ähnlich, ihr Grund war
mit Geröllsteinen erfüllt. Diese         tan landeinwär rind, anstatt

nach der Küste zu abzufallen, in einer entgegengesetzten Art nach
der Cordillera zu geneigt, gleich den hintereinander sich erhebenden
Terr;         auf der dem Festlande zugekehrten oder östlichen Seite von

Chiloe: einige Spitzen von Granit, welche durch die Ebenen in der
Nähe der Küste vorspringen, bildeten ohne Zweifel früher eine KV
vorliegender Inseln, an deren dem Festlande augekehrten Ufern die
Ebenen angehäuft wurden. Bei Bucalemu, wenige Meilen nördlich v<
Rapel, beobachtete ich am Fusze und am Gipfelrande einer Ebene,
zehn Meilen von der Küste, viele recente Muscheln, meistenteils zer-
kleinert, einige aber vollkommen. Es fanden sich auch viele im Grunde
en Thals des Maypu. Bei San Antonio sollen Muscheln ge-
sammelt und zu Kalk gebrannt v n. Am Hoden einer gr<

hluchl (Quebrada Onda, an der Strasze nach < Bianca) in der
Entfernung von mehreren Meilen von der Küste bemerkte ich eine
l"'i tliche ausschlieszlich aus Mesodesma donaeiform Desh. zn-

mraenge              stricht, welche auf einem Lager lehmigen Sandes

Airaales des Sciences naturell'-.-. Avril, 1888.

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|i;                                  Erhebung von Valparaiso.

ruhte: diese Muschel lebt jetzt zu groszen Colonien vereint auf den
zwischen den Gezeiten liegenden Ebenen an der Küste von Chile.

V al para

Wahrend zweier aufeinanderfolgender Jahre untersuchte ich, einen
Theil dieser Zeit, in Gemeinschaft mit Mr.AtisoN, alle die ThatsachenJ
ie mit der neueren Erhebung dieser Gegend in Zusammenhang
stehen. An sehr vielen Orten ist eine Strandbildung von zerbrochenen
Muscheln ungefähr vierzehn oder fünfzehn Fusz über der Bochfluth
grenze zu beobachten; und in diesem Niveau sind die Küstenfelsen,

il abfallen, bandförmig eing              An einem Orte fand Mr.

Auson nach Entfernung von etwas Vogeldünger in <l □ selben
Niveau Entenmuscheln den Gesteinen anhängen. Mehrere Meilen m
Süden von der Bay ist fast jedes flache kleine Vorland zwischen einer
Höhe von 60 und 2:>0 Fusz (nach dem Barometer gemessen) mit einer
dicken Masse zerriebener Muscheln glatt aberzogen, welche von den-
selben S is und augenscheinlich in denselben proportionalen Zahlen
herrühren, wie die jetzt in dem benachbarten Meere lebenden. Die

w ist die bei weitem häufigste und besterhalt Muschel;
ich erhielt aber auch vollkommen erhaltene Exemplare der I

eines Trochus und Baianus (beides wohlbekannl ber nach
Mr. Sowbrbt noch unbenannte Arten) und Stücke des Mytüus Chili
aus dieser Masse. Die n in dieser Muscheln, ebenso wie eine in-
crustirende Nullipora haben zum Theil noch ihre Farbe; sie sind aber

'blich und häufig von einer darunterliegenden | ienartigen Ma
primitiver Gesteine roth gefärbt; einige sind zusammengepackt in
schwarzer oder röthlicher Erde, einige liegen lose auf der nackten
felsigen Fläche. Die Totalzahl dieser Muscheln ist ungeheuer:         ind,

an schon durchaus nicht selten, bis zu einer Höhe ron 1000 Pusz
über dem Meere weniger zahlreich. Auf dem Gipfel eines zu 557 Pusz
gemessenen Berges fand sich ein kleiner horizontaler Streifen zerklei-
nerter Muscheln, von denen viele (und gleichfalls aus geringeren
Höhen) aus sehr jungen und kleinen Exemplaren der noch lebend.-n
1 ncholepaSj Trochus, Patella, Crepiduta und Mytilus Magellani J)10
bestanden; mehrere dieser Muscheln waren unter einem Viertelzoll

Mr. Cuming theilt mir mit, er glaube nicht, daaz diese Species mit dem

echten M. ma               ler südlichen und östlichen Küste von Süd-America identisch

»bschon sie ihm sehr ähnlich sei; sie lebt änszert zahlreich an der Küste von Chile.

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Cup. 2.                              Erhebm        a Valparaiso.                                    \~

in ihrem gröszten Durchmesser. Meine Aufmerksamkeit wurde durch
einen eingeborenen I Ler auf diesen umstand gelenkt, welchen ich
zum Betrachten dieser Muschelschichten veranla          er hielt den Ge-

danken für lächerlich, das« so kleine Muscheln zur Nahrung 1.

ht werden können; auch hätten einige der Ar
nicht, wenn sie l dig waren, anderen gröszeren Muscheln anh!

können. Auf einem andern B , einige Meilen entfernt und 64
ch, fand ich Muscheln der Oonch             und Trochus vollkommen,

whon sehr alt, mit Fragment in Mytilus Chiloei alle in röth-
lich-braune Erde eingebettet: ich fand auch diese selben Spei mit
Fragmenten eines Echinus und Balm                  s auf einem 1000 Fusz

hohen Berge. Oberhalb dieser Höhen wurden Muscheln sehr selten.
obs         ich auf einem 1300 Fusz hohen Berge11 Conchol , Troch

IIa und eine Patella sammelte In diesen grösseren Hol
sind die Musehein beinahe ausnahmslos in Erde eingepackt und werd
zuweilen nur dadurch exponirt, dasz man Sträucher an st. Diese
Muscheln hatten offenbar ein sehr viel älteres Aussehen, als die aus
den geringeren Höhen; die Spitzen der Trochen waren oft abgerieto
Die k                      hrenden Thieren gebildeten Höhlen wann bedeutend

t, und die Concho ; war häufig ganz und gar durchbohrt,
il die inneren Muscbeltafdn sieh abgespalten hatten.
Wie ich igt habe, waren viele von diesen Muscheln in schwarze
oder röthlichbraune Krde ein;: kt oder mit solcher erfüllt, die auf
dem granitischen Detritus ruhte. Bis vor kurzem zweifelte ich nicht,
dasz diese Erde rein terrestrischen l*rSprungs sei, bis ich mit einem
Mikroskop etwas davon von der Innenseite einer Concholepas aus der
Höhe von ungefähr 100 Fusz untersuchte und fand, dasz sie zu einem

rächtlichen Theile aus minutiösen Fragmenten der Stacheln. Mui
Theile und Schalen von Seeigeln und minutiösen Fragmenten haupt-
sächlich sein- junger I'ateilen. Mytilus und anderer Species zusammen-
gesetzt war. Ich fand ähnliche mikroskopische Fragmente in der die
centralen Öffnungen einiger groszen Fissurellen erfüllenden Krde. Wird
diese Erde zerrieben, so gibt sie einen widrigen Geruch aus, genau
wie der aus Gartenerde, die mit Guano gemischt ist. Die zufallig
innerhalb der Muscheln erhaltene Erde aus den gröszeren Höhen hat

11 Mit dem Barometer gemessen; den höchsten Punkt in dem Höhenzuge
hinter Valparaiso fand ich zu 1626 Fusz über dem Meeresspiegel.

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48                                           Erhebung von Valparaiso.                                        p. _>

dasselbe allgemeine Ansehen, ist aber ein wenig röther. sie hat
seilten Geruch beim Reiben; ich war aber nicht im Stande, mit Sic!
heit irgend welche Meeresüberreste darin zu entdecken. Diese Erde
ist, wie vorhin bemerkt wurde, dem allgemeinen Ansehen nach der
ähnlich, welche die Felsen von Quiriquina in der Baj von Concepcion
bedeckt, auf welcher Schichten von Seemuscheln liegen. Ich habe auch
gezeigt, dasz der schwarze torfige Boden, in welchem die .Muscheln
in der Höhe von 350 Fnsz auf ChiloS eingepackt waren, viele minu-
tiöse Bruchstück m Seethieren enthielt. Diese Thatsachen           neu
mir interessant, da sie beweisen, dasz Erdarten, welche naturgem
als rein terrestrischen Ursprungs betrachtet werden würden, ihren
Qrsprung zum hauptsächlichsten Theile dem Meere verdanken können.
Da ich nach dem was ich auf ChiloS und im Feuerlande ge-

len habe wohl weisz, -i;tsz ungeheuere Mengen von Muscheln wäh-
rend auf einander folgender Zeiten weit landeinwärts geschallt werden,
wo die Bewohner hauptsächlich von diesen Erzeugniss leben,
halte ich mich für verpflichtet anzugeben, dasz in gröszeren 1
als 557 Fusz, wo die grosze Zahl .sehr junger und kleiner Muscheln

bewies, dasz sie nicht der Nahrung wegen hinaufgescbafffe won
waren, die einzigen Beweise dafür, dasz die Muscheln natürlich du
das .Meer zurückgelassen worden waren, in ihrem ausnahmslos gh'i
förmigen Ansehen äuszerst hohen Alters bestanden, — ferner in i
Entfernung einiger der Orte von der Küste, während andere von dem
i Theile des Strandes unerreichbar waren, und in dem Fehlen
von Süszwasser zum Trinken für den Menschen, — dann darin, di
die Muscheln nicht in Haufen lagen, — und endlich in der
groszen Ähnlichkeit des Bodens in welchem sie eingeschlossen wai
mit dem. welcher weiter nach unten unzweifelhaft als zum gröszten
Theile aus den Überbleibseln von Seethieren gebildet na

wt-rden kann 12.

» In den Proceedi                   Geolog. Soc, Vol. II. p. W6,            ich eine

bilderung der emporgehobenen Muscheln an der Küste von Chile gegeben
and ha irt angegeben,          die Beweise für eine Erhebung Über eine U

230 Fusz nie!                         ind. Ich' hatte zu jener Zeit unglücklichem

besondere Seite m«                                               lche ich v.

tten Besuchs in Valpi                    schrieben und worin ich die j         □ meii

Muscheln ron dem 557 Pusz hohen Berge beschrieben hatte:
ich ha-                             mmlungen nicht ausgepackt und hati          augenfällige

Ansehen höheren Alteta der M                   bedeutenderen Hüben nicht Doch ein

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Cap. 2.                                  Hebung von Valparaiso.                                        _|<(

In Bezug auf die Stellung, in welcher die Muschelschalen liegen,
war ich liier in Concepcion und an anderen Orten wiederholt über
die Häufigkeit ihres Vorkommens auf den Gipfeln und Rändern ent-
weder einzelner Berge oder kleiner, flacher, oft steil über das Meer
herabhängender Vorgebirge überrascht. Die verschiedenen oben auf-
gezählten Species von Mollusken, welche über die Oberfläche des
Landes von einigen wenigen Fuszen über dem Meeresspiegel bis zur
Hohe von 1300 Fusz zerstreut gefunden werden, leben sämmtlich jetzt
entweder am Stranda oder in einer Tiefe von nur wenigen Faden: Mr.
Edmonston gibt in einem Brief an Prof. E. Forbes an, dasz er beim
-chen mit dem Schleppnetz in der Bay von Valparaiso die häufigen
Species von Couch is, Fissurella, Trochus, Monoceros, Chiton u. s. w.
vom Strande an Jus zu einer Tiefe von sieben Faden in groszer Menge
lebend gefunden habe; und abgestorbene Muscheln kamen nur wenige
Faden tiefer vor. Die gemeine Turritdla cingxdata wurde lebend selbst
von zehn bis fünfzehn Faden heraufgeschleppt; dies ist aber eine Species,
welche ich hier unter den emporgehobenen Muschelschalen nicht fand.
In Betracht der Thatsache, das/, diese Species sämmtlich litoral oder
sublitoral sind, in Betracht ihres Vorkommens auf verschiedenen Höhen,
ihrer ungeheueren Anzahl und ihres meist zerkleinerten Zustandes
läszt sich wenig daran zweifeln, dasz sie auf den hinter einander fei-
nden Strandlinien während einer allmählichen Erhebung des Landes
zurückgelassen worden sind. Indessen erscheint das Vorhandensein
so vieler ganzer und vollkommen erhaltener Schalen auf den ersten
Blick eine Schwierigkeit für diese Ansicht, wenn man bedenkt, das/
die Küste der vollen Gewalt eines offenen Oceans ausgesetzt ist: wir
können aber annehmen, entweder, dasz diese Muscheln während hef-
tiger Stürme auf flache Felsvorsprünge eben über dem Niveau des
Fluthstandes hinaufgeworfen wurden, und dasz sie während der Er-
hebung des Landes niemals wieder von Wellen berührt wurden, oder,
dasz während Erdbeben wie der von 1822, 1835 und 1837 felsige,
mit Seethieren bedeckte Klippen mit einem Stosze über die spätere
Einwirkung des Meeres hinaufgehoben wurden. Diese letztere Erklä-

in Betracht gezogen; auch hatte ich damals den marinen Ursprung der Erde noch
nicht entdeckt, in welcher viele dieser .Muscheln eingeschlossen waren. In An-
betracht dieser Thatsachen habe ich jetzt auch picht einen Schatten von Zweifel,
/ die Muscheln in der Höhe von 1300 Fusz durch natürliche Ursachen in ihrer
gegenwärtigen Lage emporgehoben worden sind.

DAR Will, Siid-Amcrica. (XII, ).)                                                                                4

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tJO                                        II bnng von Valparai                                     Cap. 2.

rung ist vielleicht die wahrscheinlichste in Bezug auf die in Concepcion
sich findenden Schichten, welche gänzlich aus dem Mytilus Chüohisis
zusammengesetzt sind, einer Art, welche unter dem niedrigsten Ebben-
stande lebt, und gleichfalls in Bezug auf die groszen sowohl nördlich
als südlich von Valparaiso vorkommenden Lager des Mesodesma dona-
dforme, einer Muschel, welche, wie mir Mr. Cwung mitgetheilt hat,
Sandbänke im Niveau der niedrigsten Ebbe bewohnt. Aber seihst in
dem Falle, dasz Muscheln die Lebensweise dieses Mytilus und Mi

ma haben, können Schichten derselben, wo nur immer das Meer
Sand oder Schlamm sanft aufwirft und seine eigenen Anhäufungen in
dieser Weise schützt, durch die la niste Bewegung emporgehoben
werden, und doch durch die Wellen jeder neuen Strandlinie ungestört
bleiben.

Es ist der Bemerkung werth, dasz ich in der Nähe von Valpa-
<o oberhalb der Höhen von zwanzig Fusz, oder selten von tun:
Fusz. nirgends irgend welche Erosionslinien an den soliden Felsen, oder
keinerlei Rollsteinschichten sah; ich glaube, dies kann durch die Nei-
gung zur Zersetzung der meisten in dieser Gegend vorliegenden l
steine erklärt werden. Auch ist das Land hier nicht in Terrassen
geformt: doch theilt mir Mr. Alison mit. dasz er auf beiden v
einer engen Schlucht in der Hohe ron 300 Fusz über dem Me 'ine
aufeinanderfolgende Reihe ziemlich undeutlicher, stufenförmiger, aus
brochenen Muschelschalen gebildeter Strandlinien fand, welche zu-
sammen einen Kaum von ungefähr achtzig Fusz senkrecht bedeckten.

Ich kann den Schilderungen, welche über die Erhebung d<'> Lan-
des bei Valparaiso" in Hegleitimg ä?+ Erdbebens von ls;;2 bereits

entlieht worden sind, nichts hinzufügen: ich hörte ea aber zu-
verlässig behaupten, dasz eine Wache auf ihrem Posten unmittelbar
nach dem          ze einen Theil eines Forts sah. welcher verlier nicht in

ihrer Gesichtslinie gewesen war. und dies würde andeuten, dasz die
Kmporhebung nicht horizontal war: es durfte selbst aus einigen von
Mr. Alison gesammelten Thatsachen hervorgehen, dasz nur die i
liehe Hälfte der i lahei emjM>r_rehoben wurde. Durch die Freund-
lichkeit dies- elben Herrn bin ich im Staude, eine int. inte
Schilderung der Xivcauverandeningen zu -n. welche hier innerhalb

13 Meyen |                 die Erde, Th. I, p. 22U fand im Jahre 1831 noch

1 andere Körper einigen Felsen anhängen, welche wahrend des Erd-
von 1822 über das Meer emporgehoUn worden wan

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Cap. 2.                                  in historischer Zeit.                                       5J

der historischen Zeiten vorgekommen sind: ungefähr um das Jahr
1680 wurde eine lange Meeresnferwand (oder Prefil) gebaut, von welcher
jetzt nur einige wenige Fragmente übrig sind: bis zum Jahre 1817
brach das Meer häufig über dieselbe, und wasch die Häuser an der
gegenüber liegenden Seite der Strasze (wo jetzt das Gefängnis steht):
und selbst 1819 erinnert sich Mr. J. Martin, dasz er, als er am Fusze
dieser Mauer hingieng, häufig veranlasst wurde über dieselbe zu klettern,
um den Wellen auszuweichen. Jetzt steht nun (1884) auf der nach
dem Meere zu gelegenen Seite dieser Mauer, und zwischen ihr und
dem Strande an einer Stelle eine einzelne Keine Häuser, und an einer
anderen Stelle zwei Reihen mit einer Strasze zwischen ihnen. Diese
grosze Ausdehnung des Strandes in einer so kurzen Zeit kann nicht
einfach der Anhäufung von Detritus zugesehrieben werden; denn ein
dort lebender Ingenieur masz für mich die Höhe zwischen dem niedi
sten Theile der sichtbaren Mauer und der jetzigen Strandlinie bei
Springfluthen, und der Unterschied betrug elf Fusz sechs Zoll. Die
Kinhe St. Augustin ist wie man glaubt im Jahre 1614 gebaut wor-
den, und es besteht eine Sage, dasz das Meer früher sehr nahe bei
derselben geflossen sei; durch Xivellirung stellte sieh heraus, d.
ihre Fundamente neunzehn Fusz sechs Zoll über der höchsten Strand-
linie standen, so dasz wir liier in einer Periode von 220 Jahren bi

3Z die Erbebung nicht so viel wie neunzehn Fusz sechs /oll be-
tragen haben kann. Nach den in Bezug auf die Mauer am Meer mit-
theilten Thatsaehen. und nach dem Zeugnis der älteren Einwohl
scheint es sicher zu sein, dasz die Veränderung im Niveau sich um
das Jahr 1817 zu zeigen begann. Die einzige plötzliche Erhebui
von welcher irgend ein Bericht vorhanden ist, kam 1822 vor. and
diese scheint weniger als drei Fusz betragen zu haben. Seit Jen
Jahre ist, wie mir von mehreren competenten Beobachtern versichert
wurde, der Tlieil eines alten Wracks, welches in der Nähe des Stran-
des fest eingebettet ist. merklich emporgetaucht; es scheint daher hier
wie in Chiloö ein langsam*                 des Landes jetzt im Fortschreiten

zu sein. Es scheint im hohen Grade wahrscheinlich, dasz die Gesteine,
welche in der Höhe von vierzehn Fusz über dem Meere streifenförmig
eorrodirt werden, während der Periode angegriffen wurden wo der
Überlieferung nach der Grund der St. Augustin-Kirche, welcher jetzt
neunzehn Fusz sechs Zoll oberhalb der höchsten Wassergrenze stellt,
legentlich von den "Wellen bespült wurde.

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52                               Von Valparaiso bis Coquimbo.                         Cap. 2.

Von Valparaiso bis Coquimbo. — Für die ersten iunfund-
izig Meilen nördlich von Valparaiso folgte ich der Küstenstras
and über diesen ganzen Kaum beobachtete ich unzählige Massen empor-
gehobener Muschelschalen. In der Nähe von Quintero rinden sich un-
bedeutende Anhäufungen (zu Kalk verarbeitet) des Mesodesma donaci-
forme in sandiger Erde eingeschlossen; besonders massig sind sie un-
gefähr fünfzehn Fusz über der Fluthgrenze, aber Muscheln finden sich
nach Mr. Miebs14 bis zu einer Hohe von 500 Fusz und in einer Ent-
fernung von drei Stunden von der Küste: ich bemerkte hier Enten-
muscheln den Gesteinen drei oder vier Fusz oberhalb der höchsten
rluthgrenzen anhängen. In der Umgebung von Plazilla und Catapilco
in Höhen von zwischen 200 und 300 Fusz war die Anzahl zerkleiner-
ter Muschelschalen mit einigen vollkommenen von dem Meaodesma in
Schichten gepackt wahrhaft ungeheuer: «las Land bei Plazilla hatte
offenbar als Bucht existirt, aus welcher viele felsige Massen steil sich
erhoben, genau wie die Inselchen in den durchbrochenen Buchten,
welche jetzt diese Küste einschneiden. Auf beiden Seiten der Flösse
Ligua, Longotomo, Guachen und Quilimari rinden sich Geröllebenen
ungefähr 200 Fusz hoch, die an manchen Stellen absolut mit .Muscheln
leckt sind. Dicht bei Conchalee liegt vor einer Geröllebene eine
niedrigere und ähnliche Ebene, ungefähr sechszig Fusz hoch- und diese
wiederum wird durch einen weiten Strich niedrigen Landes vom Strande
getrennt: die Oberfläche aller drei Ebenen oder Terrassen war mit un-
geheueren Mengen der Concholepos Mesodesma, einer jetzt lebenden
Venus und anderer noch e.xistirender litoraler Muscheln überstreut.
Die zwei oberen Terrassen sind den Ebenen von Patagonien in Miniatur
sehr ähnlich; und wie jene werden sie von trockenen, rlachsohligen,
gewundenen Thälem durchfurcht. Nördlich von diesem Orte wandte
ich mich landeinwärts, und fand daher keine Muschelschalen mehr:

aber die Thäler von Chuapa, Illapel und Limari sind von mit Gerolle be-
deckten Ebenen, welche häufig eine untere Terrasse einwärts einschlieszen,
begrenzt. Diese Ebenen schicken buchtenartige Arme zwischen und in
die umgebenden Berge; und sie sind continuirlich mit anderen aus-
lehnten von Geröll bedeckten Ebenen verbunden, welche die Küst
bergkette von der Cordillera trennen.

» Travel- in Chü«, Vol f. e. 458,         Ich habe mehrere ähnliche Schilde-

rungen von den Einwohnern erhalten, und mir ist versichert worden, daaz sich auf
der Ebene von Casa Bianca zwischen Valparaiso und Santiago in der Höhe von

800 Fusz viele Muheln finden.

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Cap. 2.                               Hobung von Oiuimbo.

Coquimbo.

Eine schmale Baumartige Ebene, welche sanft nach dem Meere zu
geneigt ist, erstreckt sich hier elf Meilen lang der Küste entlang mit
aufwärts zwischen die Küstenberge sich erstreckenden Armen, und
gleichfalls das Thal von Coquimbo hinauf: an ihrem südlichen Ende
hängt sie direct mit der Ebene von Limari zusammen, aus welcher
sich Berge plötzlich wie Inselchen erheben, und andere Berge wie Vor-
gebirge an einer Küste vorspringen. Die Oberfläche der saumartigen
Ebene erscheint horizontal, ist aber unmerkbar in der Höhe verschie-
den und an verschiedenen Stellen bedeutend in ihrer Zusammensetzung.

An der Mündung des Thaies von Coquimbo besteht die Oberflüche
gänzlich aus Geröll, und steht von 300 bis 350 Fusz über dem Meer
Spiegel, da sie liier ungefähr 100 Fusz höher als an anderen Stellen ist.
An diesen anderen und niedrigeren Stellen bestehen die oberflächlich« n
Schichten aus kalkiger Masse und liegen auf alten tertiären, spater
zu beschreibenden Ablagerungen. Die oberste kalkige Schicht ist rahm-
farbig, compact, mit glattem Bruch, fast stalaktitenformig, und ent-
hält einigen Sand, erdige Substanz und recente Muscheln. Sie liegt
auf einer viel zerreiblicheren, kalkigen, tuttartigen Varietät, in welche
sie auch keilartige Adern schickt 1:\ und beide liegen auf einer ungefähr

r

zwanzig Fusz mächtigen Masse, welche aus Fragmenten recenter
Muscheln gebildet wird, mit einigen ganz erhaltenen und mit kleinen
fest miteinander verkitteten Rollsteinen. Dieses letztere Gestein wird
von den Einwohnern Losa genannt und wird zum Bauen benutzt: an
vielen Stellen ist es in Schichten getheilt, welche unter einem Winkel
von zehn Graden nach dem Meere einfallen und aussehen, als wären
sie ursprünglich in aufeinanderfolgenden Schichten an einem steilen
Strande (wie man an CorallenrifYen sehen kann) aufgehäuft worden.
Dieser Stein ist deshalb merkwürdig, weil er stellenweise ganz aus
leeren, durchscheinenden Kapseln oder Zellen kalkiger Substanz von
der Grösze kleiner Samenkörner gebildet wird; eine Reihe von Hand-

______

15 In vielen Beziehungen sind diese obere harte und die tiefer gelegene zer-
reiblichere Varietät den groszen oberflächlichen Schichten von King George's Sund
in Australien ähnlich, welche ich in der Schrift über Vulcanische Inseln (Übers.
I*. 146) beschrieben habe. s liesz sich nur wenig daran zweifeln, das/ die oberen
Schichten dort duioh die Einwirkung des Regens auf die zerreibliche kalkiur- Masse
erhärtet sind, und dasz die ganze Masse aus dem Zerfall zerbrochener Seemuscheln
und Corallen in minutiöse Stückchen entstanden ist.

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;, 1                                    Hebung von Coqnimbo,                              Oap. 2.

stücken zeigte unzweideutig, dasz alle diese Kapseln früher minutiöse,
abgerundete Muschelfragmente enthielten, welche seitdem allmählich
durch 'las die Masse durchsickernde Wasser aufgelöst worden sind16.
Die Muscheln, welche in den kalkigen, die Oberfläche dieser saum-
artigen Ebene bildenden Schichten in der Höhe von 200 bis 250 Fusz
über dem Meeresspiegel eingeschlossen sind, sind:

1.   Venus opaca.

2.  Mulinia Byronensis.

3.  Pecten purpuratus.

1. M-:sodtsma donaciforme.
5, Tun        i vingulata.

6.  Monoceros costatum,

7.  Concholepas pcrux

8.  Trockus die gewöhnlich Ipa-

raiaaner Species).

9.  Cahjptraea By>

Obgleich diese Species sämmtlich recent sind und alle in dem
benachbarten Meere gefunden werden, so war ich doch besonders über
die Verschiedenheit in den proportionalen Zahlen der verschiedet!
Species und der jetzt auf den Strand geworfenen überrascht. Ich fand
nur ein Exemplar der Concholepas und der Pecten war sehr selten,
obschon die beiden Muscheln jetzt die gemeinsten Arten sind, vielleicht
mit Ausnahme der Calyptraea radians, von welcher ich in den kalkigen
Schichten nicht eine fand. Ich will mir Dicht anmaszen anzugeben,
in wie weit diese Verschiedenheit in den proportionalen Zahlen auf
dem Alter der Ablagerung beruht und in wie weit auf der Verschieden-
heit in der Natur zwischen den jetzigen sandigen Strandbildungen und
dem kalkigen Grund»', auf welchen die eingeschlossenen Muscheln ge-
lebt haben müssen.

Auf der nackten Oberfläche der kalkigen Ebene oder in einer
dünnen Sanddecke lagen in einer Höhe von 200 bis 252 Fusz viele
recente Muscheln, welche ein viel frischeres Ansehen hatten, als die
eingeschlossenen: Fragmente der Conckolepas und des gemeinen Mytil
welche noch eine Spur ihrer Färbung zeigten, waren zahlreich, und es
war im Ganzen offenbar eine grosze Annäherung in den proportionalen
Zahlen an die jetzt am Strande lebenden vorhanden. In einer Ms
geschichteten, leicht verklebten Sandes, welcher an einigen Stellen die
untere Hälfte der nach dem Meere zu gelegenen Böschung der Ebene
bedeckte, schienen die eingeschlossenen Muscheln in genau denselben
proportionalen Zahlen vorhanden zu sein, wie die an dem Strande.
Auf einer Seite einer steiluferigen Schlucht, welche durch die Eb<

,b Im 7. Capitel der Schrift über die Vulcanischen Inseln hatte ich ber<
Veranlassung dieses Gestein zu beschreiben.

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-'                                 Hebung von Coqoimbo.                                      5g

hinter der Herradura-Bay einschneidet, beobachtete ich einen schmalen
Streifen Richteten Sandes, welcher ähnliche Muscheln in ähnlichen
proportionalen Zahlen enthielt: ein Durchschnitt der Schlucht ist in
der folgenden Zeichnung dargestellt, welche auch dazu dient, die all-
gemeine Zusammensetzung der Kbene anzugeben. Ich erwähne diesen
Fall mit der Schlucht hauptsächlich deshalb, weil ohne das Zeugnis
der marinen -Muschelschalen im Sande Jedermann wrmuthet hal
würde, dasz sie einlach durch Alluvialthätigkeit ausgehöhlt worden sei.

Fig. 8.

Jie der Ebeno S>2 I                         Mevre.

A Geschichteter Sand mit recenten Muscheln in d<        "ii Verhältnissen wie die

am Strande, halb eine Schlucht erfüllend.
B Oberlliiche der Ebene mit darüber gestreuten Bioscheln in nahezu denselben

Verhältnissen wie am Strand--.
C Obere kalkige Schicht                        1 mit recenten Muscheln, aber nicht in

D Untere kalkige, sandige Schicht (losa) j denselben Verhältnissen wie am Strande,
E Obere eisenhaltige sandige, alt-tertiäre Schicht j mit Muscheln, welche alle oder
P untere alt-tertiäre Schicht                              ' nahezu alle ausgestorben sind.

Durchschnitt durch die Ebene von Coquimbo.

Die Böschung der saumartigen Ebene, welche sich elf Meilen der
Küste entlang erstreckt, wird an einigen Stellen von zwei oder drei
schmalen stufenartigen Terrassen eingefaszt, von denen sich eine bei
In- Herradura-Bay zu einer kleinen Ebene ausdehnt. Ihre Oberfläche
war dort aus Geröll gebildet, welches durch kalkige Substanz verkittet
war, und aus ihm habe ich die folgenden recenten Muscheln heraus-
gelöst, welche sich in einem vollkommeneren Zustande fanden, als die
aus der oberen Ebene.

1. Calyptntea radm                               '' Amphidesma rugulosum. Die kleinen

*_'. TurriteUa cingulata.                                 unregelmäßigen Falten auf dem

peruvim                                          hintern Theil dieser Muschel sind

4.  Murex labiosus rar.                       ' "« Ganzen stärker ah an den re-

5.  Nasaa i identisch mit einer lebenden             centen Exemplaren dieser Snecies

ecies}.                                                 v"" Coquimbo (G. B. Sowkrby).

6.  Solen Domh,i<m«.                             10. Bala-tu* (identisch mit einer leben-

7.  J          purpuratus.                                   den Species).

8.   Venus chüensis.

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56                                    Hebuug von Coquimbo.                              Cap. 2.

Auf dem Syenitrücken, welcher die südlich)* Einfassung der Herra-
dura-Bay und -Ebene bildet, fand ich die GonchoUpas und Turrüella
cingtUata (meist in Fragmenten) in der Höhe von 242 Fnsz über dem
Meere. Ich würde nicht haben behaupten können, dasz diese Muscheln
früher nieht von Menschen hinaufgebracht worden wären, wenn ich
nicht eine sehr kleine Masse gefunden hätte, wo dieselben in einem
zerreiblichen kalkigen Tuff mit einander verkittet waren. Ich erwäl
diese Thatsache besonders deshalb, weil ich an vielen, augenscheinlich
günstigen Orten in geringeren Höhen auf der Seite dieses Rückens
gfaltig gesucht habe, und doch selbst nicht das geringste Fragment
einer Muschel rinden könnt»'. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen,
welche beweisen, dasz das Fehlen von Meermuscheln an der Oberfläche,
obsofcon in vielen Beziehungen unerklärlich, ein Argument von sehr
geringem Gewicht gegen andere Zeugnisse über die neuere Erhebung
des Landes ist. Der höchste Punkt in dieser Umgebung, an welchem
ich emporgehobene Schalen jetzt existirender Species fand, war auf
einer landeinwärts gelegenen kalkigen Ebene in der Höhe von 252 Fusz
über dem Meere.

Aus Mr. Caldcleugh's Untersuchungen17 dürfte hervorgehen, da
innerhalb der letzten anderthalb Jahrhunderte hier eine Erhebung statt-
gefunden hat; und da keine plötzliche Niveauveränderung während der
nicht sehr heftigen Erdbeben beobachtet worden ist, welche gelegent-
lich liier vorgekommen sind, so ist die Erhebung wahrscheinlich lang-
sam gewesen, gleich der. welche jetzt oder ganz vor Kurzem in Chiloe
und in Valparaiso im Fortschreiten ist oder war. Es finden sich drei
bibekannte Felsen, die Pelikane genannt, welche 1710 nach der An-
gabe von Fi:nu.K „ä rlcitr d'eauu waren, aber jetzt zwölf Fusz über
der Ebbgrenze stehen sollen: die Springfluthen steigen hier nur fünf
Fusz. Noch ein anderer Felsen ist vorhanden, welcher jetzt neun Fusz
oberhalb der Fluthgrenze steht, welcher sich in der Zeit von Frezier
und Fi-iili.k nur fünf oder sechs Fusz aus dem Wasser erhob. Auch
Mr. Caldcleuöb zeigt, wie icli hinzufügen will (und ich habe noch
ähnliche Berichte erhalten), dasz eine beträchtliche Abnahme der
Lothungen während der letzten zwölf Jahre in den Buchten von Co-
quimbo, Concepcion, Valparaiso und Huasco eingetreten ist; da es aber
in diesen Fallen nahezu unmöglich ist, zwischen der Anhäufung von

,: Proceedinga of the Geological Society. Vol. II. ]>. 446.

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Cap, 2.                          Geröllterrassen von Coquimbo.                               57

Sediment und der Emporhebung des Grandes zu unterscheiden, bin ich
nicht in Einzelnheiten eingegangen.

Thal von Coquimbo. — Die schmale Küstenebene schickt,
wie vorher angegeben wurde, einen Arm, oder richtiger gesagt, einen
Saum nach beiden Seiten, aber hauptsächlich auf der Südseite mehrere
Meilen das Thal hinauf. Diese Säume sind in Stufen oder Terrassen
ausgewaschen, welche ein äuszerst merkwürdiges Ansehen darbieten
und von Captain Basil Hall (wenn schon nicht sehr richtig) mit den
parallelen Strassen von Glen Roy in Schottland verglichen worden
Bind: ihr Ursprung ist sehr treffend von Mr. Lyell erörtert worden
Der erste Durchschnitt, welchen ich geben will, ist nicht quer durch
das Thal gezogen, sondern in einer Ost- und Westlinie an seiner Mün-
dung, wo die stufenförmigen Terrassen münden und ihre sehr sanft
neigten Flächen nach dem stillen Ocean hin darbieten.

Fig. 9.

(F                                                                                               A

02.        I' 120 Po«*.            70 I

Meeresspiegel.                            Stadt Coquimbo.

Verticaler Maszstab l/10 Zoll auf 100 Fusz; horizontaler Maszstab sehr zusammen-
gezogen.

Ost-westlicher Durchschnitt durch die Terrassen von Coquimbo,
wo sie aus dem Thale heraustreten und nach dem Meere zu liefen.

Die Ebene am Fusze (A) ist ungefähr eine Meile breit, und steigt
ganz unmerkbar vom Strande bis zu einer Höhe von fünfundzwanzig
Fusz am Fusze der nächsten Ebene: sie ist sandig und auszerordent-
lich reich mit Schalen überstreut.

Die Ebene oder Terrasse B ist von geringer Ausdehnung, und wird
beinahe von den Häusern der Stadt verborgen, wie es gleichfalls mit
der Böschung der Terrasse C der Fall ist. Auf beiden Seiten einer
Schlucht zwei Meilen südlich von der Stadt finden sich zwei kleine
Terrassen, eine über der andern, die offenbar 13 und C entsprechen:
und auf ihnen waren Reste der bereits aufgezählten marinen Arten
sehr reichlich. Die Terrasse E ist sehr schmal, aber vollkommen

" PrincimVs of Geology (1. etlit.), Vol. III. p. 131.

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58                               Geröllterrassen von Coquimbo.                         Cap. 2.

deutlich und eben. Ein wenig nach Süden von der Stadt rinden sich
Spuren einer Terrasse (D) mitten inne zwischen E und C. Die Ter-
rasse F ist ein Thei] der saumartigen Ebene, welche sich die elf
Meilen der Küste entlang erstreckt; sie besteht hier aus Geröll und
ist 100 Fusz höher, als da wo sie aus kalkiger Substanz besteht Diese
>szere Höhe ist offenbar Folge der Menge von Geröll, welches in
irgend einer früheren Periode da> grosze Thal von Coquimbo herab-
gebracht worden ist.

In Anbetracht der vielen über die Terrassen A, B und C und
einige wenige Meilen nach Süden auf der kalkigen Ebene verstreuten
Museheischalen, welche letztere continuirlieh mit der oberen stufen-
förmigen Ebene F verbunden ist, lüszt sich, wie ich meine, nicht daran
zweifeln, dasz diese sechs Terrassen durch die Thätigkeit des Meeres
gebildet worden sind, und dasz ihre fünf Böschungen ebenso viele
Perioden vergleichsweiser Kühe in der Hebungsbewegung andeuten.
wahrend welcher das Meer in das Land einfrasz. Die Erhebung
zwischen diesen Perioden kann plötzlich gewesen sein, und im Mittel
nicht mehr betragen haben, als zweiundsiebenzig Fusz jedesmal, oder
Bie kann allmählich und unmerkbar langsam gewesen sein. Nach den
Muscheln auf den drei unteren Terrassen und auf der oberen und, wie
ich hinzufügen will, auf den drei mit Geröll bedeckten Terrassen von
Conchalee, welche alle litorale und sublitorale Arten sind, und nach
den analogen bei Valparaiso angefühlten Thatsachen, und endlich n;-
den Zeugnissen für eine langsame kürzlich oder noch jetzt stattfindende
Erhebung liier scheint es mir bei weitem wahrscheinlicher, dasz die
Bewegung langsam gewesen ist. Die Existenz dieser auf einander fol-
genden Böschungen oder alten Klippenlinien ist in einer andern Bezie-
hung in hohem Grade instructiv, denn sie deuten Perioden vergleich-
weiaer Ruhe in der Hebungsb«'W'urung und von Denudation an, welche
nach einer sorgfältigen Untersuchung vieler Meilen von der Küste süd-
lich von Coquimbo niemals auch nur hatten vermuthet werden können.
Wir kommen nun zu den Terrassen auf den entgegengesetzten
Seiten des östlichen und westlichen Thals von Coquimbo: der folgende
Durchschnitt ist in einer nördlichen und südlichen Linie quer durch
das Thal an einem ungefähr drei Meilen von der See entfernten Punkte
genommen. Das Thal masz von den Rändern der Böschungen der
oberen Ebenen (FF) ungefähr eine Meile in der Breite; aber von den
Basen der angrenzenden Berge ist es von drei bis vier Meilen breit.

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Cap- 2.                               Geröll                       Coquimbo.                                     5g

Die mit einem Fragezeichen bezeichneten T          q existiren auf jener

Seite des Thaies nicht, sind aber einfach, um die Zeichnung verstand-
lich zu machen, mit angefügt worden.

Fig. 10.

rd

™"\ * ;

H

-

   

*

 

*

p

   
   
 

Verticaler Maszstab '. i„ Zoll auf 100 Fusz; horizontaler Maßstab sehr /u
mengezogen; die mit (?) bezeichneten Terrassen kommen auf dieser Seite des
Thaies nicht vor und Bind nur eingefügt, um den Durchschnitt verständlicher zu
machen. A Flusz und die Grundebene des Thale3; C, E und F auf der Süd-
seite des Thaies sind beziehentlich 197, 377 und 420 Fusz über dum Meeresspiegel.
V \ die Sohle des Thaies, zu 100 Fusz über dem Meeresspiegel angenommen;
8 ist continuirlich mit der untersten Ebene (A) des früheren Durchschni;
verbundt'i).

diese Terrasse breitet sich höher das Thal hinauf beträchtlich ans; nach dem
Meer zu geht sie bald verloren; ihre Böschung verbindet sich mit der von
C; auf der Südseite des Thaies ist sie gar nicht entwickelt,
C diese Terrasse ist wie die vorige hoher das Thal hinaul beträchtlich v
breitert. Diese zwei Terrassen correspondiren augenscheinlich mit B nnd C

des frühereu Durchschnitte.

1» ist in der Durchschnittslinie nicht gut entwickelt; aber nach dem Meere zu
breitet sie sich in eine Ebene aus; auf der Südseite des Thaies ist sie nicht
>rhand«'ii: sie wird aber, wie früher angegeben, ein wenig südlich von der
Stadt angetrorTen.

E ist auf der Südseite gut entwickelt, fehlt aber auf der Xordseite des Thals;
obschon sie nicht continuirlich mit E des früheren Durchschnitts in Verbin-
dung steht, so correspondirfc sie doch augenscheinlich damit.

F diaa i-t die Oberflächen-Ebene und ist continuirlich mit derjenigen verbanden,
>ich wie ein Saum der Küste entlang erstreckt. Beim Hinaufsteigen
im Thal wird sie allmählich schmaler und wird zuletzt, in der Entfernung
von ungefähr zehn Meilen vom Meere auf eine Reihe flachgipfeliger H<">ckcr
an den Seiten der Berge reducirt. Keine der unteren Terrassen erstrecken
sich so weit im Thale hinauf.

Nord-südlicher Durchschnitt durch das Thal von Coquimbo.

Diese fünf Terrassen werden aus Geröll und Sand gebildet; drei
1 ihnen, welche Captain Basil Hall bezeichnete (13, C und D) sind
viel augenfälliger, al3 die andern. Nach den marinen Resten, die in
Menge an der Mündung des Thaies auf den niedrigen Terrassen und
südlich von der Stadt über die obern zerstreut liegen, sind sie, wie
früher bemerkt wurde, unzweifelhaft marinen Ursprungs; aber inner-
halb des Thaies, und diese Thatsache verdient Beachtung, in einer

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<»i>                                            Geröllterraaeen von Coquimbo.                                    Cap. 2.

Entfernung von nur anderthalb bis drei oder vier Meilen vom Meer
konnte ich auch nicht ein Fragment einer Muschel finden.

Über die Neigung der Terrassen von Coquimbo und
darüber, dasz die oberen und basalen Ränder ihrer Bö-
schungen nicht horizontal sind. — Die Oberflachen dieser
Terrassen sind in einem unbedeutenden Orade geneigt, wie es dir l>'tz-
ten zwei Durchschnitte zusammengenommen zeigen, und zwar so wohl
nach dem Mittelpunkte des Thals als nach dem Meere nach der Mün-
dung desselben hin. Diese doppelte oder diagonale Neigung, welche
in den verschiedeuen Terrassen nicht dieselbe ist, läszt sich, wie wir
sofort sehen werden, einfach erklären. Es finden sieb indessen ein
andere Punkte, welche durchaus nicht auf den ersten Blick klar schei-
nen, nämlich erstens, dasz jede Terrasse in ihrer ganzen Breite vom
(Jipfelrande einer Böschung bis zu der Basis der darüberliegenden ge-
nommen und das Thal hinauf verfolgt nicht horizontal ist; auch haben
die verschiedeneu Terrassen, wenn man sie das Thal hinauf verfolgt,
nicht alle dieselbe Neigung; so fand ich die Terrassen C, E und F an
einem ungefähr zwei Meilen von der Mündung des Thals gelegenen
Punkte, gemessen verschiedentlich zwischen sechsundfünfzig -bis sieben-
umlsiebenzig Fusz hoher liegend, als an ihrer Mündung. Wenn wir
ferner irgend eine Klippenlinie oder eine Böschung betrachten, so ist
weder ihr Gipfelrand, noch ihre Basis horizontal. Nach der Theorie,
dasz die Terrassen während einer langsamen und gleichmäszigen Er-
hebung des Landes gebildet worden sind, mit ebenso vielen Zwischen-
pausen der Buhe als Böschungen vorhanden sind, scheint es zunächst
sehr überraschend zu sein, dasz horizontale Linien irgend welcher Art
nicht am Lande sichtbar zurückgelassen worden sind.

Dasz die Richtung der diagonalen Neigung in den verschiedenen
Terrassen verschieden, — in einigen mehr nach der Mitte des Thaies
zu, in anderen mehr nach dessen Mündung zu gerichtet ist, folgt
natürlich aus der Annahme, dasz jede Terrasse eine Anhäufung auf
einanderfolgender Strandlinien rund um Buchten ist, welche von ver-
schiedenen Formen und Gröszen gewesen sein müssen, wenn das Land
in verschiedenen Höhen stand: denn wenn wir den wirklichen Strand
einer schmalen Bucht ansehen, so ist seine Neigung nach der Mitte
zu gerichtet, während in einer offenen Bucht oder einer unbedeutenden
Concavität an einer Küste die Neigung nach der Mündung zu, d. h.

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Cap. 2.                                    nicht horizontal.                                         ßl

beinahe direct  meerwärts gerichtet ist. .In dem Masze daher, wie eine

Bucht sich in  der Form und Grösze ändert, wird auch die Richtung

«ler Neigung    ihrer aufeinanderfolgenden Strandbildungen veränd

werden.

Wenn es möglich wäre, irgend eine der vielen eine jede sanft
ansteigende Terrasse zusammensetzenden Strandlinien zu verfolgen,
würde sie natürlich horizontal sein, aber die einzigen Abgrenzun
linien sind der Gipfel und der basale Rand der Böschungen. Nun
bezeichnet der Gipfelrand einer dieser Böschungen die entfernteste
Linie oder den weitesten Punkt, bis zu welchem das Meer in die meer-
wärts abfallende Geröllmasse eingeschnitten hat, und da das Meer
meist gröszere Gewalt an der Mündung als an dem geschützten oberen
Ende einer Bucht haben wird, so wird die Böschung an der Mündung
tiefer in das Land eingeschnitten werden, und ihr Gipfelrand wird
höher sein; in Folge dessen wird sie nicht horizontal sein. Was die
basalen oder unteren Ränder der Böschungen betrifft, so wird, wenn
man sich im Geiste alte Buchten in aufeinanderfolgenden Perioden
gänzlich von klippengebildeten Küsten umgeben ausmalt, der erste
Eindruck der sein, dasz mindestens sie nothwendig horizontal sein
müssen, wenn die Erhebung horizontal gewesen ist. Hier liegt aber
eine Täuschung vor: denn nachdem das Meer während einer Pause in
der Erhebung die Klippen rings um die Ufer einer Bucht ausgenagt
hat, kann es sich, wenn die Bewegung wieder beginnt, und besonders
wenn sie langsam wieder eintritt, wohl ereignen, dasz an der exponirten
Mündung der Bucht die Wellen einige Zeit lang noch in das Land
hineindringen, während sich in den geschützteren und oberen Theilen
aufeinanderfolgende Strandlinien auf einer geneigten Oberfläche oder
Terrasse am Fusze der Klippen, welche kürzlich noch erreicht wor-
den sind, anhäufen könnten. Nimmt man daher an, dasz die ganze
Böschungslinie endlich bis über den Bereich des Meeres emporgehoben
wird, so wird ihre Basallinie oder ihr Fusz in der Nähe der Mündung
in einem niedrigeren Niveau verlaufen, als in den oberen und geschütz-
ten Theilen der Bucht, in Folge dessen wird diese Basallinie nicht
horizontal sein. Und es ist bereits gezeigt worden, dasz die Gipfel-
ränder einer jeden Böschung in der Nähe der Mündung meist höher
sein werden (weil «las meerwärts abfallende Land dort am meisten
exponirt und von den Wellen ausgewaschen wird) als in der Nähe des
oberen Endes der Bucht; es wird daher die Totalhöhe der Böschungen

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62

n Coquimbo

. 2.

in der Nähe der Mündung am gröszten sein, und weiter die alte Bucht
oder das Thal hinauf werden sie auf beiden Seiten meist sich ver-
dünnen und verschwinden; ich habe dieses Dünnwerden der aufeinander-
folgenden Böschungen an anderen Stellen auszer Coquimbo noch be-
obachtet, und für eine lange Zeit war ich vollständig auszer Stande,
die Bedeutung i Iben zu verstehen. Die folgende flüchtige Skizze
will vielleicht das, was ich hier meine, noch verständlicher machen:

Fig. 11.

sie stellt eine Bucht in einem Districte dar, welcher !. m sich zu
erheben begonnen hat. Ehe die Bewegung begann, wird hier voraus-
setzt, dasz die Wellen in den Stand gesetzt waren, in das Land ein-
zunähen, und bis zu den Punkten AA. aber mit allmählich vermin-
derter Gewalt Klippen zu bilden: nachdem die Bewegung begonnen
und eine kurze Zeit hindurch fortgedauert hatte, wird angenommen,
dasz das Meer noch immer an der exponirten Mündung der Bucht die
Kraft behalten hat, in das Land einzuschneiden, wie es langsam emp
tauchte, aber in den oberen Theilen der Bucht wird angenommen, d:
bald diese Fähigkeit verloren hat wegen der geschützteren L
und wegen der Menge von Detritus, welche von dem Flusse herab-
gebracht wird, in Folge dessen wird dort Tiefland angehäuft werden.
dieses Tiefland während einer langsamen Hebungsbewegung gebildet
wurde, wird seine Oberfläche von dem Strande nach allen Seiten hin
sanft aufsteigen. Nun wollen wir uns vorstellen, dasz die Bucht, um
die Skizze nicht noch eomplicirter zu machen, plötzlich in ein Thal
verwandelt wurde: die Basallinie der Klippen wird natürlich horizontal

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I i 2-

nirht horizontal.

03

sein, so weit der Strand jetzt in der Skizze sich ausdehnt, aber in dem
oberen Theile des Thaies wird diese Linie höher sein, da das Niveau
des Districtes erhöht ist, während das Tiefland am Fusze der land-
einwärts gelegenen Klippen sich anhäufte. Wenn wir, anstatt dasz
die Bucht in der Skizze plötzlich in ein Thal umgewandelt würde, mit
viel gröszerer Wahrscheinlichkeit annehmen, dasz sie langsam empor-
gehoben wird, dann werden die Wellen in den oberen Theüen der
Bucht fortfahren, sehr allmählich die Klippen nicht mehr zu erreichen,

lebe jetzt in der Skizze als vom Meere gewaschen dargestellt sind,
und welche in Folge dessen immer hoher und höher über seinem Niveau
zurückgelassen werden, wahrend an der noch immer exponirten .Mün-
dung es sich wohl ereignen kann, dasz die Wellen noch im Stande
sind, immer tiefer und tiefer sowohl an und in die Klippen hinein-
zuschneiden, wie sich «las Land langsam erhebt.

Die gröszere und geringere Zerstörungskraft der Wellen an den
Mündungen aufeinanderfolgender Buchten im Vergleich mit dieser näm-
lichen Kraft in ihren oberen und geschützten Theilen wird variiren,
je nachdem die Buchten in Form und Grösze verändert werden, und
werden daher auf verschiedenen Höhen, an ihren Mündungen und
oberen Enden, gröszere oder kleinere Stellen der Oberflächen zwischen
den Böschungen (d. u. die angehäuften Strandlinien oder Terrassen)
unzerstört gelassen werden: nach dem, was vorausgegangen ist, können
wir sehen, dasz in dem Masze wie die hebenden Bewegungen nach jeder
Pause mehr oder weniger langsam wiederbegannen, je nach der Menge
des von dem Flusz an den oberen Enden der aufeinanderfolgenden
Buchten abgelagerten Detritus und je nach dem Grade des durch die
veränderten Formen dargebotenen Schutzes auch eine gröszere oder ge-
ringere Ausdehnung der Terrassen in den oberen Theilen angehäuft
werden wird, bis zu welchen keine Fläche in einem entsprechenden
Niveau an der Mündung sich findet; wir können daher verstehen,
warum nicht eine einzige Terrasse, in ihrer ganzen Breite und das
Thal hinauf verfolgt, horizontal ist, obschon jede einzelne Strandlinie
so gewesen sein musz, und warum die Neigung der verschiedenen
Terrassen sowohl quer, als der Länge nach das Thal hinauf nicht
gleich ist.

Ich bin bei diesem Falle in einiges Detail eingegangen, denn es
war lange Zeit verwirrend für mich (und Andere haben dieselbe

iiwierigkeit gefühlt), es zu verstehen, wie es nach der Mee einer

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64                               Geröllterrasscn von Coquimbo                          Cap. 2.

gleichmäßigen Erhebung, wobei das .Meer in Intervallen in das Land
hineinnagte, kam, dasz keine der Terrassen und ebenso wenig die oberen
oder unteren Ränder der Böschungen horizontal waren. Wenn Küsten-
strecken nahezu gleichförmig exponirt sind, so wird solchen Strecken
entlaug, selbst wenn sie von groszer Länge sind wie die von Pata-
gonien, die corrodirende Kraft der Wellen durch die Hebungsbewegung
zu ungefähr derselben Periode gehemmt und überwunden werden, -
oft sie wiederbeginnt, und es werden daher die Terrassen oder an-
gehäuften .Strandlinien beginnen, in nahezu den nämlichen Höhen ge-
bildet zu werden; in jeder darauffolgenden Ruheperiode werden
wieder in nahezu derselben Schnelligkeit ausgewaschen werden, und es
wird daher eine viel strengere Correspondenz in ihren Höhen und
Neigungen bestehen, als in den rund um Buchten, deren verschiedene
Theile der Wirkung des Meeres sehr verschieden exponirt waren, ge-
bildeten Terrassen und Böschungen. Nur wo die Wellen im Stande
sind, nach einem langen Zeitverlauf langsam harte Gesteine zu eor-
rodiren, oder, weil die Menge von Sediment klein und die Fläche st
geneigt ist, einen schmalen Strand oder Damm aufzuwerten, können
wir, wie in Glen Roy in Schottland w, erwarten, eine bestimmte, ein
altes Meeresniveau bezeichnende, Linie zu linden, welche streng horizon-
tal sein wird, wenn die späteren Hebungsbewegungen so gewesen sind;
denn in diesen Fällen wird keine unterscheidbare Wirkung producirt,
ausgenommen während der langen dazwischentretenden Rnheperioden,
wahrend in dem Falle stufenförmiger Küsten, wie der in diesem und
dem vorhergehenden Capitel beschriebenen, die Terrassen selbst wäh-
rend des langsamen Hebungsprocesses angehäuft werden, wobei die An-
häufung an den geschützten Stellen früher beginnt, als an den ex-
ponirten, und früher da, wo reichliche Zufuhr von Detritus stattfindet,
als da, wo nur wenig davon sich findet. Andererseits werden die Stufen
oder Böschungen während der stationären Perioden gebildet, und wer-
den an exponirten Stellen tiefer niedergewaschen und von Einschnitten
in das Land durchbrochen, als an geschützten Orten; überdies wird
der Procesz des Einschneidena an den am meisten exponirten Stellen
sowohl während des Beginns als des Endes der Hebungsbewegung noch
rlängert werden, wenn dieselbe langsam war.

Obgleich ich in der vorstehenden Erörterung angenommen hal<e,
dasz die Erhebung horizontal gewesen sei, könnte man wegen der

Philosophical Transactions, 1839, p. Z9.

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Cap. 2.                          GerüUterrassen von Guasco.

rachtlichcn nach dem Meere zu gerichteten Neigung der Terrassen
sowohl das Thal von Santa Cruz hinauf als auch in dem von Coquimho
vernmthen, dasz die Erhebung landeinwärts grösser, als in der Nähe
der Küste gewesen sei. Nach den auf den Wassergraben einer Mühle
während des Erdbebens von 1822 in Chile hervorgebrachten Wirkungen
haben wir Grund zu der Annahme20, dasz die Emporhebung eine Moilr
Landeinwärts nahezu doppelt so grosz, nämlich zwischen fünf und sieben
Fusz, war, verglichen mit der an der Küste des stillen Oceans. Wir

sen auch nach den werthvollen Untersuchungen von Mr. Bravais ai,
dasz in Scandinavien die alten Meeresstrande von den inneren Berg-
ketten sanft nach der Küste hin abfallen, und dasz sie nicht einander
parallel sind, woraus hervorgeht, dasz der proportionale Unterschied
in der «irösze der Erhebung an der Küste und im Innern zu verschie-
denen Zeiten variirt hat.

Von Coquimbo nach G-uasco. — Auf dieser Strecke von
neunzig Meilen fand ich beinahe an allen Orten Meeresmuscheln bis
zu einer Höbe von augenscheinlich 200 bis 300 Fusz. Die wüste Ebene
bei Choros ist hiermit bedeckt; sie wird von der Böschung einer
höheren Ebene, begrenzt, welche aus einem blasz gefärbten, erdigen,
kalkigen Steine besteht, gleich dem von Coquimbo, der die nämlichen
recenten Muscheln eingebettet enthält. In dem Thal von Chafiernl
kommt eine ähnliche Schicht vor, in welcher ich, verschieden von der
bei Coquimbo, viele Muscheln der Conckotepaa beobachtete. In der
Nahe von Guasco trifft man gleicher Weise die nämliche kalkige
Schicht.

In dem Thal von Guasco sind die stufenförmigen Geröllterras
in einer auffallenderen Weise entfaltet, als an irgend einem anderen
Punkte, [ch verfolgte das Thal siebenunddreiszig Meilen entlang (nach
Rechnung der Einwohner) von der Küste bis Ballenar: beinahe auf
dieser ganzen Strecke sind fünf grosze Terrassen, die in entsprechen-
den Hohen auf beiden Seiten des breiten Thaies hinlaufen, augenfälliger
als die drei am besten entwickelten bei Coquimbo. Sie geben der
Landschaft das eigentümlichste und formalste Ansehen, und wenn die
Wolken tief herabhiengen und die benachbarten Berge verhüllten, glich

2"

Mr. Place, in: Quarterly Journal of Science, 1824, Vol. XVII, p. 42.
21 Voyages de la Comra. du Kord etc.. auch: Comptes Rendns, Oct, 1842.

Darwin. SÜd-America. ML 1.,                                                                                       5

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66 -

Gerollterrassen von Gua

Cap. 2.

das Thal in der auffallendsten Art und "Weise dem von Santa duz.
Diese Terrassen oder Ebenen scheinen in ihrer ganzen Mächtigkeit aus
Geröll zusammengesetzt zu sein, welches fest zusammen aggregirt ist
und gelegentlich sie in Abteilungen trennende Lager von Thon ent-
hält; die Rollsteine auf der oberen Ebene sind häufig mit einer thonigen
Substanz wie geweiszt, wie in Patagonien. In der Nähe der Küste
beobachtete ich viele Meeresmuscheln auf den unteren Ebenen. Bei
Freyrina (zwölf Meilen das Thal hinauf) rinden sich sechs Terrassen
auszer der Sohlenfläche des Thals; die zwei unteren sind liier nur von
200 bis 300 Yards breit, aber höher «las Thal hinauf breiten sie sich
zu Ebenen aus; die dritte Terrasse ist meist schmal; die vierte sali
ich nur an einer Stelle, sie war aber hier in der Länge einer Meile
deutlich; die fünfte ist sehr breit; die sechste ist die Gipfelebene,
welche sich landeinwärts in ein groszes Becken ausbreitet. Da ich
kein Barometer mit mir hatte, ermittelte ich die Höhen dieser Ebenen
nicht; sie schienen aber beträchtlich höher zu sein, als die bei Co-
quimbo. Ihre Breite variirt bedeutend, zuweilen sind sie sehr breit,
zuweilen ziehen sie sich zu bloszen Säumen von einzelnen tlachgipfeligen
Vorsprüngen zusammen, und verschwinden dann gänzlich. An dem
einen Orte, wo die vierte Terrasse sichtbar war, waren die ganzen
sechs Terrassen für eine kurze Strecke durch eine einzige kühne
Böschung abgeschnitten. In der Nähe von Ballenar (siebemuiddreiszig
Meilen von der Mündung des Flusses) ist das Thal zwischen den Gipfel-
rändern der höchsten Böschung mehrere Meilen breit, und die fünf
Terrassen auf beiden Seiten sind breit entwickelt: die höchste kann
nicht weniger als 600 Fusz über dem Fluszbett sein, welches, wie ich
meine, selbst einige hundert Fusz über dem Meere liegen musz. Ein
nordsüdlicher Durchschnitt quer durch das Thal an dieser Stelle ist
hier dargestellt.

Fig. 12.

Nord                   B                   A                                    Flow G

r\_____.—_

Stadt            ir.

Nordaüdlicher Durchschnitt quer dnrch das Thal von Gnasco und

einer Ebene nördlich davon.

Co

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Cap. 2.                               Geröllterrassen von Copiapo.                                     ß*?

Auf der nördlichen Seite des Thals hat die Gipfelebene von Geröll
(A) zwei Böschungen, die eine sieht nach dem Thale, und die andere
nach einer groszeu beckenartigen Ebene (B), welche sich mehrere
Stunden nordwärts hinzieht. Diese schmale Kinne (A) mit der doppel-
ten Böschung bildete offenbar früher einen Gipfel, oder ein Vorgebirge
von Geröll, welches in zwei grosze Buchten vorsprang und dieselben
theilte, und wurde später auf beiden Seiten in steile Klippen aus-
gewaschen. Ob die verschiedenen Böschungen in diesem Thale wäh-
rend der nämlichen stationären Perioden gebildet wurden wie die von
Coquimbo, will ich nicht zu vermuthen wagen; ist dies aber der Fall,
so müssen die dazwischen eintretenden und späteren Hebungsbewegungen
hier viel energischer gewesen sein, denn diese Ebenen stehen sicher in
einer viel bedeutenderen Höhe, als diejenigen von Coquimbo.

Copiapo. — Von Guasco nach Copiapo folgte ich der Strasze
in der Nahe des Fuszes der Cordillera, und sah daher keine empor-
gehobenen fossilen Beste. Indessen findet sich an der Mündung des
Thaies von Copiapo eine Ebene, welche Meyen22 zu zwischen fünfzig
und siebzig Fusz in der Höhe schützte, deren oberer Theil hauptsäch-
lich aus Geröll besteht und äuszerst reichlich Muscheln enthält, haupt-

ihlich \mii der Concholepas, Venus Dombeyi und Calyptraea trocki-
formis. Ein wenig landeinwärts auf einer von mir selbst zu nahezu
300 Fusz geschützten Ebene wurde die obere Schicht aus zerbrochenen
Muscheln und Sand, von einer weiszen kalkigen Substanz verkittet,
gebildet und enthielt äuszerst reichlieh eingebettet recente Muscheln,
von welchen die Mulinia Byronensis und Pertnt purpuratus die zahl-
reichsten waren. Die untere Ebene erstreckt sich einige Meilen meer-
wiirts und eine nicht bekannte Entfernung nordwärts, aber nicht weit
das Thal hinauf; ihre seewärts gerichtete Fläche ist nach der Angabe
von .Metex oberhalb des Niveaus des jetzigen Strandes in Höhlen aus-
gewaschen. Das Thal von Copiapo ist viel weniger steil geneigt und
weniger direct in seinem Verlauf, als irgend ein anderes Thal, welches
ich in Chile gesehen habe, und seine Sohle besteht nicht allgemein
aus Geröll; es finden sich keine stufenförmigen Terrassen in ihm, aus-
genommen an einer Stelle in der Nähe der Mündung des groszen

itenthals des Despoblado, wo mir zwei vorhanden sind, eine über
der andern: weiter das Thal hinab beobachtete ich an einer Stelle,

22 Reise am die Erde, Th. I, p. 372 n. flgde.

5*

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ß8                                  Geröllterrassen von Copia]                               Cap. 2.

iz das solide Gestein in die Form eines Strandes ausgewaschen und
mit Geröll ausgeglättet war.

Nach Norden von Copiapo in 26° ß. Br. fand der alte Reisende
Wakkr23 ungeheure Mengen von Meeresmuscheln einige Meilen von
der Küste. Bei Cohija (22° 34' s. Br.) beobachtete d'Orbigni Schich-
ten von Geröll und zerbrochenen Muscheln, welche zehn Species recen
Muscheln enthielten; er fand auch auf vorspringenden Porphyrspitzen
in der Höhe von 300 Fusz Schalen von Concholepas, Gliiton, Calyp-
traea, Fissurella nnd Pateüa noch den Stellen anhängend, an denen
sie gelebt hatten. d'Orbign? Bchlieszt aus dieser Thatsache, dasz die
Erhebung grosz und plötzlich gewesen sein müsse21: mir schien es
viel wahrscheinlicher zu sein, dasz die Bewegung allmählich war, mit
kleinen sen, wie während der Erdbeben von 1822 und 1835, durch
welche ganze Schichten von Muscheln an den Felsen angeheftet höher
emporgehoben worden, als bis wohin später die Wellen reichten.
d'Orbigky fand auch abgerundete Kollsteine, die sich an dem Berge
hinanf bis zu einer Höhe von mindestens 60" Fusz erstreckten. Bei
Iquique (20° 12' s. Br.) beobachtete ich in einer Anhäufung von Sand
in einer zu zwischen 150 und 200 Fusz geschätzten Höhe viele gro
Seemuscheln, welche, wie ich meinte, nicht von dem Winde bis zu
dieser Höhe emporgeweht sein konnten. Mr. .1. H. BLAKE hat neuer-
dings2'' diese Muscheln beschrieben: er gibt an. dasz sie »landeinwärts
„nach den Bergen zu eine compacte gleichförmige Schicht bilden, in

" Burnetfs Collection of Voj        Vol. IV. p. 193.

-' \ vage etc. Partie G        . p. 94. Seine Beobachtungen zusammenfassend

rt (TOrhigny (p. 98): „S'il est certain (wie er meint), que tous les terrains

„en pente, compris entre la mer et les montagnes sont Pancien rivage de la mer,

„on doit supposer, pour l'ensemble, un exhanssement, qui ne serait pas moindre de

„deux cent nn         il faudrait Bupposer encore qne ce Bonlevement n'a point 6te*

„graduel......mais qu'il resulterait dune seule et mfime cause fortuite* etc.

Als das Meer den Strand am Fusze der Berge bildete, waren nun nach dieser An-
sicht viele Muscheln der Concholepas, Ch        Calyptraea, Fissurella untiPateUa
(von denen man weisz. dasz sie dicht am Strande leben) in einer Tiefe von 300 K
an Felsen angeheftet, und in einer Tiefe von G00 Fusz waren mehrere dieser näm-
lichen Muscheln in groszer Anzahl zu horizontalen Schichten angehäuft. Nach
dem. was ich selbst bei Versuchen mit dem Schleppnetz gesehen habe, glaube ich,
dasz dies im höchsten Grade unwahrscheinlich, wenn nicht geradezu unmöglich
ist; und ich denke, dasz Jeder, welcher die ausgezeichnete Erörterung von Prof.
E. Forbes über diesen Gegenstand gelesen hat. ohne Zögern in diese Folgerung
einstimmen wird.

15 Silliman's Amer. Journ. of Science, Vol. XI.1V. p. 2.

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Ca                                     Erhebung der Küste von Peru.                                   09

„der kaum eine Spur der ursprünglichen Muscheln unterscheidbar ist,
„aber in dem Masze, in dem wir uns der Küste nähern, werden die
„Formen allmählich bestimmter, bis wir an der Küste den lebenden
„Muscheln begegnen". Diese interessante Beobachtung, welche durch
den allmählichen Zerfall der Muscheln zeigt, wie langsam und allmählich
die Küste emporgehoben worden sein musz, werden wir sofort bei Lima
vollständig bestätigt sehen. Bei Arica (18 ° 28' s. Br.) fand n"<        xv 26

eine grosze Reihe von Sanddünen, vierzehn Stunden lang, die sich nach
Tacna bin erstreckten, recente Muscheln und Walthierknoehen ent-
hielten und bis zu einer Höhe von 300 Fusz über dem Meere auf-
stiegen. Lieut, Freyer hat einige noch genauere Thatsachen mit-
getheilt: er gibt an-'7, dasz der Morro von Arica ungefähr 40«> Fusz
hoch ist; er ist in undeutliche Terrassen ausgewaschen, an deren nack-
tem Gestein er Balanen und Milleporen anhangend fand. In der Höhe
von zwischen zwanzig und dreiszig Fusz waren die Muscheln und
Corallen in einem vollständig frischen Zustand, aber bei fünfzig Fusz
waren sie stark abgerieben; es fanden sich indessen Spuren organischer
Reste in noch gröszeren Höhen. Auf der Strasze von Tacna nach
Arequipa zwischen Loquimbo und Moquegua fand Mr. M. Hamilton
zahlreiche recente Seemuscheln in Sand in einer beträchtlichen Ent-
fernung vom Meere.

Lima.

Nach Norden von Arica kenne ich in einer Ausdehnung von un-
gefähr fünf Breitegraden nichts von der Küste; aber in der Nähe von
Callao, dem Hafen von Lima, rinden sich üuszerst reichliche und sehr
merkwürdige Beweise für die Erhebung des Landes. Die Insel San
Lorenzo ist über 1000 Fusz hoch. Die Stirnenden der den unteren
rheil bildenden Schichten sind in drei undeutliche, schmale, geneigte
tufen oder Schwellen ausgewaschen, welche nur gesehen werden können,
im man auf ihnen steht: sie sind wahrscheinlich denjenigen ahnlich,
die Lieut. Freyer bei Arica beschrieben hat. Die Oberfläche der
unteren Schwelle, welche sich von einer niedrigen in das Meer hängen-
den Klippe bis zum Fusze der nächsten oberen Böschung erstreckt,

2" Voyage etc., p. 101.

31 In einem Briefe an Lyell, in: Geolog. Proceed., Vol. II. p- 179.
EUinb. New Philos. Journ., Vol. XXX. p.

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7o

Krhebuug von Lii

Cap. -'.

wird von einer ungeheueren Anhäufung recenter Muscheln bedeckt29.

Die Schicht ist eben und an einigen Stellen mehr als zwei Fusz mäch-
: icli verfolgte sie eine Strecke von einer Meile Länge und hört«'
von ihr an anderen Stellen: der oberste Theil ist nach dem Barometer
tuni'undachtzig Fusz über der Hochwassergrenze. Die Muscheln sind
zusammengepackt, aber nicht geschichtet; sie sind mit Erde und
inen untermischt und werden meist von einigen wenigen Zollen
von Dettitus bedeckt; sie liegen auf einer Masse von beinahe eckigen
Fragmenten des darunter liegenden Sandsteins, zuweilen durch gewöhn-
liches Salz miteinander verkittet. Ich sammelte achtzehn Species von
Muscheln von allen Altersstufen und Gröszen. Mehrere von den Uni-
valven hatten offenbar lange todt auf dem Meeresboden gelegen, denn
ihre Innenseiten waren mit Balanen und Serpein incrustirt. Nach Mr.
G. B. Sowekbi .sind sie sämmtlich recente Species; es sind:

1.  Mytilus MageÜat         dieselben

die bei Valparaiso gefundene Form,
von welcher dort angegeben war
<lasz sie wahrscheinlich von dem
echten M. magellat            r Ost-

küste verschieden sei.

2.   Venus costcllal        *., Zooi l'roc.
:-;. Peel trpurattti Lam.

4.  CJmma, wahrscheinlich schinulata

Bhod.

5.  Calypti Uli«».         Geay.

6.  '           n$ \ Trochus I.am.
1.1                             \x.

8.  F. bvraäiata Tbbmbly.

9.  Purpura choo          l »i i cos.

10.  Jf. peruviana Gray.

11.  P. Xabidta Gray.

12.  P. bu                  Hbod.)

13.  Couch

14.  Nassa, mit reticulata verwandt.

15.  Ti                 Bbod,

16.  Trochus, noch ui         rieben, a

wohlbekannt und sehr häufig.

17.  und 18. Balanusj zwei Spei        eide

mein.

Diese emporgehobenen Muscheln erscheinen nahezu in denselben
proportionalen Zahlen — mit Ausnahme, dasz die Grepidula zahl-
reicher sind — wie die auf dem jetzigen Strande. Der Erhaltung
zustand der verschiedenen Species ist sehr verschieden; aber die meisten
von ihnen waren stark corrodirt, zerbrechlich und gebleicht; die oberen
und unteren Flächen der Couch* - waren nicht ganz abgeschält:
einige von Trochus und Fissurella hatten noch theilweise ihre Farbe
behalten. Ea ist merkwürdig, dasz diese Muscheln alle zusammen ge-
nommen ein vollständig so altes Ansehen haben, obgleich das äuszerst
trockene Clima für ihre Erhaltung höchst günstig zu sein scheint, wie

29 Mr. C h"valier (in di c Vi yage de la Bonite) beobachtete diese Hasehein;
aber d teniplare gierigen verloren. L'Institut, 1838, p. 151.

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2.                             Beat« menschlicher Industrie.                                  71

die aus einer Höhe von 1300 Fusz bei Valparaiso, und sicherlich ein
älteres Ansehen, als diejenigen aus einer Höhe von 500 bis 600 Fusz
von Valparaiso und Concepcion: an diesen Orten habe ich Gras und
andere Pflanzen factisch ans den Muscheln herauswachsen sehen. Viele
von den Univalven hier bei San Lorenzo waren mit reinem Salze er-
füllt und von ihm miteinander verbunden, welches wahrscheinlich durch
die Verdunstung des Spritzwassers zurückblieb, wie sich das Land
langsam emporhob30. Auf den höchsten Stellen der Schwelle waren
kleine Fragmente der Muscheln mit einem gelblich-weiszen, weichen,
kalkigen Pulver vermischt, und offenbar im Begriff zu einem solchen
reducirt zu werden, welches stark nach Salz schmeckte und an einigen
Stellen so fein war, wie präparirte medicinische Kreide.

Fossile Reste menschlicher Industrie. — Mitten unter
diesen Muscheln bei San Lorenzo fand ich leichte Corallinen, die
hornigen Eikapseln von Mollusken, Wurzeln von Seepflanzen31, Vogel-
knochen, die Ährenköpfe von Mais, und andere vegetabilische Sub-
stanzen, ein Stück geflochtener IJinsen, und ein anderes Stück von
fast zerfallenem Baum wollengarn. Ich erhielt diese Rest»- beim
'Waben einer Höhle auf einer ebenen Stelle und sie waren alle un-
streitig mit den Muscheln eingebettet worden. Ich verglich die ge-
flochtenen Binsen, den Ha um wollenfaden und den Mais in dem
Hause eines Antiquars mit ähnlichen Objecten, welche aus den Huacas

80 Der darunter liegende Sandstein enthält echte Salzschichten, so dasz das
Salz möglicherweise von den Lagern in den höhern Theilen der Insel gekommen sein
könnte; ich glaube aber, ea rührt wahrscheinlicher vom Flugwasser her. Es wird all-
gemein behauptet, dasz an der Küste von Peru niemals Regen fällt; dies ist aber nicht
ganz richtig; denn wahrend unseres Besuchs fiel an mehreren Tagen der sogenannte
peruvianische Thau in hinreichender Menge, um die Straszen kothig zu machen,
und eine so zerflieszliche Substanz wie Salz wird er sicher in den Boden gewaschen
haben. Ich erwähne dies deshalb, weil d'Orbigny bei Erörterung eines analogen
Gegenstandes vennuthet, ich hätte vergessen, dasz es an dieser Küstenstrecke
niemals regne, s. ülloa's Reise (Vol. II, engl. Übers., p. 67) wegen der Schilde-
rung der kothigen Straszen von Lima und über das fortdauernde Vorkommen von
Nebeln während des ganzen Winters. Audi lallt Regen selbst in den trockensten
Districten in seltenen Intervallen, so z. B. 1726 während vierzig Tagen bei Cho-
cope (7° 46'); dieser Regen zerstörte die Lelunhäuser der Einwohner gänzlich

(Ulloa, a. a. 0., p. 18).

31 Mr. Smith, von Jordan Hill, fand Stücke Seetang in einer emporgehobenen
l'k'istocenen Ablagerung in Schottland, s. seinen ausgezeichneten Aufsatz in dem
linburgh New Philos. Journal, Vol. XXV, p, 384.

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72                                Beate menschlicher Industrie.                          Cap. ~.

oder Begräbnisplätzen der alten Peruaner genommen waren, und sie
waren nicht zu unterscheiden: e3 ist zu beachten, dasz die Peruvianer
nur Fäden von Baumwolle benutzten. Die geringe Menge von Sa
oder Kies mit den Muscheln, das Fehlen groszer Steine, die Breite
und Mächtigkeit der Schicht und die zum Einschneiden einer Schwelle
in den Sandstein nothwendige Zeit, Alles dies zeigt, dasz diese Über-
bleibsel nicht durch eine Erdbebenwelle hoch hinauf geworfen worden
worden sind: andererseits machen diese Thatsachen in Verbindung mit der
Anzahl todter Muscheln und schwimmender Gegenstände, sowohl mariner
als terrestrischer, sowohl natürlicher als von Menschen bereiteter, es
beinahe sicher, dasz sie auf einem wirklichen Strande angehäuft waren,
welcher seitdem fünfundachtzig Fusz emporgehoben wurde, und zwar
so hoch emporgehoben wurde, seitdem Indianer Peru bewohnten.
Die Erhebung mag entweder durch mehrere kleine plötzliche Stösze
oder vollständig allmählich erfolgt sein; in diesem letzteren Falle sind
die nicht abgerollten Muscheln während heftiger Stürme bis Jen»
der Wirkungsgrenze der Wellen emporgehoben worden, welche sich
später an dem langsam emportauchenden Lande brachen. Ich habe
diese Bemerkungen hauptsächlich deswegen gemacht, weil ich anfangs
über die vollständige Verschiedenheit in der Beschaffenheit zwischen
dieser breiten glatten emporgehobenen Muschelschicht und dem gegen-
wärtigen Geröllstrande am Fusze der niederen Sandsteinklippen über-
rascht war; aber ein Strand, welcher sich während des Einschneidens
des Meeres in das Land bildete, wie es jetzt der Fall ist nach dem
Augenschein der unteren nackten Sandsteinklippen, sollte nicht mit
einem Strande verglichen werden, der auf einer sanft geneigten felsigen
Fläche angehäuft wurde zu einer Periode, wo das Meer (wahrschein-
lich in Folge der im Fortgang begriffenen Hebungsbewegung) nicht im
Stande war, in das Land einzunagen. Was die Masse von beinahe
eckigen durch Salz miteinander verkitteten Saudsteinfragmenten be-
trifft, welche unter den Muscheln liegen und welche den Materialien
eines gewöhnlichen Seestrandes so ungleich sind, so halte ich es, nach-
dem ich die merkwürdigen Wirkungen32 des Erdbebens von 1835 ge-
sehen habe, welches die primären Gesteine in der Nähe von Concepcion
an der Oberfläche wie durch Schieszpulver absolut zersplitterte, für

ich habe diese Wirkungen in meiner „Reise eines Natarforaehers" (Übers.

Iirieben.

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; '-'                                    Reste menschlicher Industrie.

73

wahrscheinlich, dasz eine glatte nackte Fläche von Gestein vom Meere
mit der muscheligen Masse bedeckt zurückgelassen wurde und dasz sie

ter, als sie emporgehoben wurde, oberflächlich durch die heftigen
hier so oft eintretenden Stösze zersplittert wurde.

Das sehr niedrige die Stadt Callao umgebende Land wird nach
Süden zu durch eine undeutliche Böschung mit einer höheren Ebe
verbunden (südlich von Bella Vista), welche sich der Küste entln
ungefähr acht Meilen weit erstreckt. Diese Ebene erscheint für das
Auge vollständig horizontal; aber die Meeresklippen weisen nach, dasz
ihre Höhe variirt und zwar (so weit ich es schätzen konnte) zwischen
70 bis 120 Fusz. Sie wird aus dünnen zuweilen welligen Thonschichten,
häutig von hellrothen und gelben Färbungen, von Schichten unreinen
Sandes und an einer Stelle mit einer groszen stratiricirten Masse \

Kritischen Rollsteinen zusammengesetzt. Diese Schichten werden
n einer merkwürdigen, von zwei bis sechs Fusz mächtigen Masse
eines röthlichen Lehms oder Schlammes bedeckt, welcher viele zer-
streute und zerbrochene Fragmente recenter mariner Muschelschalen
enthält, zuweilen, obschon selten, einzelne grosze runde Hollsteine,
häutiger kurze unregelmäszige Schichten feinen Kieses und sehr viele
Stücke rother grober Töpferwaare, welche, nach ihren Krümmungen
zu schlieszen, früher einmal Theile gröszerer Gefäszc gebildet haben
müssen. Die Töpferwaare ist von Indianerarbeit; und ich fand genau
ähnliche Stücke zufällig innerhalb der Ziegelsteine, aus denen die
benachbarten alten peruvianischen Begräbnishügel gebaut sind. Diese
Fragmente waren an gewissen Stellen in so auszerordentlicher Anzahl
vorhanden, dasz es den Anschein hatte, als wären Wagenladungen voll
irdener Waare zu Stücken zertrümmert worden. Die zerbrochenen
Seemuscheln und Töpferwaaren sind sowohl auf der Oberfläche, als
auch durch die ganze Dicke dieser oberen lehmigen Masse zerstreut.
Ich fand sie überall, wo ich nur die Klippen untersuchte, über einen
Kaum von zwischen zwei und drei Meilen und eine halbe Meile \\
landeinwärts, und es läszt sich kaum daran zweifeln, dasz diese seihe
Schicht mit einer glatten Oberfläche sich mehrere Meilen weiter Über
die ganze Ebene erstreckt. Auszer den kleinen eingeschlossenen
nnregelmäszigen Schichten kleiner Kollsteine finden sich gelegentlich
sehr undeutliche Spuren von Schichtung.

An einer der höchsten Stellen der Klippe, welche zu 120 Fusz
über dem Meere geschätzt wurde, da wo eine kleine Schlucht hinab-

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74                              F'        irdne .Seherben bei Lira                          Cap. 2.

gieng, fanden sich rechtwinkelig auf einander zwei Durchschnitte
Fuszbodens eines Schuppens oder eines Gebäudes. Iu beiden Durch-
schnitten oder Ebenen sali man deutlich zwei Keinen, eine ober der andern,
von groszeu runden Steinen; sie waren dicht zusammen auf eine künst-
liche Schicht von Sand, zwei Zoll dick, gepackt, welche auf die natür-
lichen Thonschichten gelegt worden war; die runden Steine waren drei
Fusz dick, mit Lehm, mit zerbrochenen Seemuscheln und Töpferwaare
bedeckt. Ehe daher diese sich weit ausbreitende Lehmschicht abge-
lagert wurde, war die Ebene sicher bewohnt; und es ist nach dem
Umstände, dasz die zerbrochenen Gefäsze an gewissen Stellen so viel
zahlreicher waren als an anderen, wahrscheinlich, ebenso wie darnach,
dasz der darunter liegende Thon für ihre Manufactur passend war.
dasz die Öfen hier standen.

Die Glätte und die weite Ausdehnung der Ebene, die Masse der
abgelagerten Substanz und die undeutlichen Spuren einer Schichtung
scheinen darauf hinzuweisen, dasz der Lehm unter Wasser abgelagert
wurde; andererseits beweisen fast die Gegenwart von Seemuscheln, ihr
zerbrochener Zustand, die Hollsteine verschiedener Gröszen und der künst-
liche Fuszboden von abgerundeten Steinen, dasz er in einem Einbruch
des Wassers von dem Meere aus über das Land seinen Ursprung ge-
habt haben musz. Die Höhe der Ebene, nämlich 120 Fusz, macht

unwahrscheinlich, dasz eine Erdbebenwelle, so ungeheuer wie hier
einige gewesen sind, über die Oberfläche in ihrem jetzigen Nivt
hereingebrochen sein könnte; als aber das Land fünfundachtzig Fusz
niedriger lag, in der Periode als die Muscheln auf den Felsenvorsprung

i San Lorenzo heraufgeworfen wurden, und als, wie wir wissen.
Menschen diesen District bewohnten, kann wohl ein solches Ereigni-
vorgekommen sein; und wenn wir ferner annehmen, «las/ die Ebene
zu jener Zeit in einen temporären See verwandelt wurde, wie es fae-

h wahrend der Erdbeben von 1713 und 1746 mit dem tiefen Laut
ringsum Callao in Folge seiner Einschlieszung durch einen hohen kiesigen
Strand der Fall war, so werden alle die oben beschriebenen Erschei-
nungen vollkommen erklärt. Ich musz hinzufügen, dasz auf dem
niedrigeren Niveau in der Nähe des Punktes, wo das jetzt tiefe L;
rund um Callao sieh mit der höheren Ebene verbindet, Erscheinungen
von zwei verschiedenen Niederschlägen sich finden, die allem An-
scheine nach beide durch Überschwemmungen gebildet wurden: in der
oberen waren ein Pferdezahn und ein Hundekiefer eingebettet, so dasz

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p- 2.                                           Senkung bei Lim                                          7;,

beide nach der Niederlassung der Spanier gebildet worden sein müssen;
nach der Angabe von Acosta stieg die Erdbebenwelle von 1586 vier-
undachtzig Fusz hoch.

Die Bewohner von Callao glauben, so weit ich es ermitteln konnte,
nicht, dasz irgend eine Veränderung im Niveau jetzt im Fortschreiten
begriffen ist. Die groszen Fragmente von Ziegelwerk, welche jetzt
der Versicherung nach auf dem Meeresgrunde zu sehen sind und welche
als Beweis einer neueren Senkung angeführt worden sind, sind, wie
mir Mr. Gill, ein dort wohnender Ingenieur, mitgetheilt hat, lose
Fragmente; dies ist auch wahrscheinlich; denn ich fand am Strande
und nicht in der Nahe der Überreste irgend eines Gebäudes Massen
von Ziegelwerk drei und vier Fusz im Quadrat, welche an ihren gegen-
wartigen Fundort herabgewaschen und während des Erdbebens von 1746
mit Geschiebe eingeglättet worden sind. Die Landspitze, auf welcher
die Ruinen von Alt-Callao stehen, Ist so äuszerst niedrig und schmal,
im allerhöchsten «irade unwahrscheinlich ist, dasz eine Stadt
auf ihr in ihrem gegenwärtigen Zustande gegründet worden sein sollte;
und ich habe vor kurzem gehört32, dasz Tschudi nach einem Ver-
gleiche alter mit neueren Karten zu der Schluszfolgerung gekommen
ist, dasz die Küste sowohl südlich als nördlich von Callao gesunl
ist. Ich habe gezeigt, dasz die Insel San Lorenzo, seitdem die Peru-
vianer dieses Land bewohnten, fünfundachtzig Fusz emporgehoben wor-
den ist, und was auch immer der Betrag neuerdings eingetretener Sen-
kimg        esen sein mag, um so viel mehr musz die Erhebung die
fünfundachtzig Fusz übertroffen haben. An mehreren Stellen33 in
dieser Gegend sind Zeichen von der Wirkung des Meeres beobachtet
werden: ÜIXOA gibt einen in's Einzelne gellenden Bericht solcher Er-
scheinungen von einem Punkte fünf Standen nördlich von Callao. Mr.
Crüikshank fand in der Nähe von Lima aufeinanderfolgende Reihen
von Meeresklippen mit abgerundeten Blöcken an ihren Basen in der
Höhe von 700 Fusz über dem jetzigen Niveau des Meeres.

32   Ich bin wegen dieser Thatsache dem Dr. E. Dieffenbach verbunden.
Ich will hinzufügen, dasz eine Tradition besteht, wonach die Inseln San Lorenzo
und Fronton früher einmal verbunden waren und nach welcher der Canal zwischen
San Lorenzo und dem Festlande, welcher jetzt über zwei Meilen breit ist, so
schmal war, dasz die Rinder darüber zu schwimmen pflegten.

33   .Observaciones sobre el Clima del Lima' per Dr. H. Unanüe, p, 4. —
l'lloa's Reise (engl. Übers.) Vol. II, p, 97. — Wegen Mr. Cruikshank's Bc-
obachtnngen b. Lyell- Principles of Geology (1. edit.) Vol. III. p. I

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Zerfall emporgehobener Seemuscheln.                     Cap. 2,

(her das Zerfallen emporgehobener Meeresniuscheln.
— Ich habe angegeben, dasz viele von den Muscheln auf dem niedrig -
ren, geneigten Vorsprung oder der Terrasse von San Lorenzo in «'hier
.enthümlichen Weise corrodirt sind und dasz sie ein viel älteres
Aussehen haben als dieselben Species in beträchtlich gröszeren Höhen
an der Küste von Chile. Ich habe auch angeführt, dasz diese Muscheln
in dem oberen Theile der Terrasse in einer Höhe von fünfundacht
Fusz oberhalb des Meeres im Zerfallen in ein feines, weiches, salziges,
kalkiges Pulver begriffen und an einigen Stellen vollständig in
solches verwandelt worden sind. Der feinste Theil dieses Pulvers ist
auf die Bitte von Sir H. de LA Bbchb durch die Freundlichkeit \
Mr. TiJENHAM Rebks im „Museum of Economic Geology" für mich
analysirt worden; es besteht aus kohlensaurem Kalk im Überschuß.
aus schwefelsaurem und salzsaurem Kalk und aus salzsaurem und
schwefelsaurem Natron. Der kohlensaure Kalk rührt von den Mu-
scheln her und das gemeine Küchensalz ist stellenweise in der Schicht
so massig, dasz, wie vorher bemerkt wurde, die einschaligen Mu-
scheln häufig damit erfüllt sind. Der schwefelsaure Kalk mag, wie
es wahrscheinlich auch mit dem Küchensalze der Fall ist, aus der
Verdampfung des Spritzwassers des Meeres während des Emporhebens
des Landes herrühren; denn schwefelsaurer Kalk wird jetzt reichlich
aus dem Spritzwasser an den Küsten von Ascension niedergeschlagen 8*.
Die anderen salzigen Verbindungen können vielleicht zum Theil in
dieser Weis«' entstanden sein, rühren aber hauptsächlich, wie ich aus
den folgenden Thatsachen schliesze, aus anderen Quellen her.

An den meisten Stellen der zweiten Stufe oder des zweiten alten
Meeresstrandes in einer Höhe von 170 Fusz rindet sich eine Schicht
eines weiszen Pulvers von verschiedener Mächtigkeit, an einzelnen
Stellen bis zu zwei Zoll, welche auf den winkeligen, durch Salz cemen-
tirten Fragmenten von Sandstein und unter ungefähr vier Zoll Erde
Gjt, welches Pulver wegen seiner groszen Ähnlichkeit in seiner Be-
schaffenheit mit den oberen und am meisten zerfallenen Theilen der
muscheligen Masse, wie ich kaum zweifle, ursprünglich als eine
Musehelschicht existirte, welche jetzt bedeutend zusammengefallen und
vollmundig zersetzt ist. [ch konnte mit dem Mikroskop nicht eine

rt s. meine Erörterung über eine kalkige Incrustation im 3. Capitel mein, r
rift über Vulcanische Inseln,

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Cap. 2.                       Zerfall emporgehobener Seemuscheln.                             77

-

Spur organischer Structur in ihm finden; aber seine chemischen Be-
ndtheile sind nach Mr. Reeks die nämlichen, wie in dem von der
anderen Schicht zwischen den zerfallenden Muscheln auf der unteren
Terrasse hergenommenen Pulver, mit der auftauenden Ausnahme, dasz
der kohlensaure Kalk nur in einer sehr geringen Menge vorhanden
ist. Auf der dritten und höchsten Stelle beobachtete ich etwas von
diesem Pulver in einer ähnlichen Stellung, und gleichfalls gelegentlich
in kleinen Flecken in beträchtlich sröszeren Höhen in der Nähe des
Gipfels der Insel. Bei [quique, wo die ganze Oberfläche des Landes
von einer bedeutend salzhaltigen Allnvialablagerung bedeckt ist, und
wo das Clina Äusserst trocken ist, haben wir gesehen, dasz nach der
Angabe von Mr. Blake die Muscheln, welche in der Nähe des Stran-
des vollkommen sind, beim Aufsteigen allmählich immer weniger und
weniger vollkommen werden, bis kaum eine Spur ihrer ursprünglichen

w

Structur nachgewiesen werden kann. Es ist bekannt, dasz, wenn koh-
lensaurer Kalk und das gemeine Küchensalz in einer Masse zusammen
gelassen35 und leicht angefeuchtet werden, sie einander theilweise zer-
setzen: nun haben wir bei San Lorenzo und bei Tquique in den zu-
sammengepackten Muscheln und dem Salze und der gelegentlichen
Anfeuchtung durch den sogenannten peruvianischen Thau die gehörigen
Elemente für eine derartige Wirkung. Wir kennen hiernach das
eigentümlich corrodirte Ansehen der Muschelschalen auf San Lorenzo
und die bedeutende Mengenabnahme des kohlensauren Kalkes in dem
Pulver auf der oberen Terrasse verstehen. Nach dieser Ansicht bleibt
indessen eine grosze Schwierigkeit, denn die resultirenden Salze sollten
kohlensaures Natron und Chlorcalcium sein: das letztere ist vorhanden,
aber nicht das kohlensaure Natron. Ich werde hierdurch zu der viel-
leicht nicht berechtigten Conjectur geführt (auf welche ich mich
später zu beziehen haben werde), dasz das kohlensaure Natron durch
irgend ein unerklärtes Mittel in ein schwefelsaures Salz verwandelt
wird.

35 Durch Mr. Keeks hat mir Dr. Kane mitgetheilt, dasz in Frankreich
auf dieses Princip eine Fabrik gegründet wurde. aber wegen der geringen Menge
von kohlensaurem Xatron, welche dadurch producirt wurde, fehlschlug. Spreugel
gibt an (Gardener's Chronicle, 1845, p. 157), dasz Kochsalz und kohlensaurer Kalk
im Boden einer wechselseitigen Zersetzung unterliegen. Sir Henry de la Beche
theilt mir mit, dasz vom Flugwasser des Meeres gewaschene kalkige Gesteine
ifig in einer eigentümlichen Weise corrodirt werden; s. auch über diesen letz-
teren Gegenstand: Gardener's Chronicle, 1844, p. 675.

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78                                Neuer.' Hebungabewegungen                           Cap. 2.

Wenn die obigen Bemerkungen richtig sind, so werden wir zu dem
sehr unerwarteten Schlusz geführt, dasz ein trockenes Clima dadurch,
dasz es die Salze ans dorn Spritewasser ungelöst läszt, viel weniger
günstitr für die Erhaltung emporgehobener Muschelschalen ist, als
ein feuchtes Clima. Wie sich dies auch verhalten mag, es ist inter-
essant, die Art und Weise kennen zu lernen, in welcher .Massen von
Muscheln, die allmählich über das Meeresniveau emporgehoben wurden,
zerfallen und endlich verschwinden.

Zusammenfassung über die neuere Erhebung der West-
küste von Süd-America. — Wir haben gesehen, dasz empor-
gehobene Reste von Seethieren in Zwischenräumen, und an einigen
Stellen beinahe continuirlich, von 45° 35' bis 12° s. Br. den Ufern des
stillen Oceans entlang vorkommen. Dies ist in einer nord-südlichen
Linie eine Entfernung von 2075 geographischen Meilen. Nach Byron's
Beobachtungen hat sieh die Erhebung noch sechzig Meilen weiter süd-
lich erstreckt; und nach der Ähnlichkeit in der Form des Landes in
der Nähe von Lima hat sie sich wahrscheinlich viele Stunden weiter
nördlich erstreckt36. Dieser groszen Küstenstrecke entlang finden sich
auszer den organischen Resten an sehr vielen Orten Zeichen von
Erosion, Höhlen, alte Strandlinien. Sanddünen und aufeinanderfolgende
Terrassen von Geröll, alle oberhalb des jetzigen Meeresniveau's. Wegen
der Steilheit des Landes auf dieser Seite des Continents sind Muscheln
selten in gröszeren Entfernungen landeinwärts, als von zwei bis drei
Stunden gefunden worden: aber die Zeichen von Meereswirkung sind
noch weiter von der Küste deutlich; so beispielsweise im Thale von
Guasco in einer Entfernung von /wischen dreiszig und vierzig Meilen.
Nach den emporgehobenen Muscheln allein zu urtheilen hat die Er-
hebung in Chiloe" 350 Fusz betragen, bei Ooncepcion sicher 62"> Pusz
und nach Schätzung 1000 Fusz, bei Valparaiso 1300 Fusz, bei Co-
<luimbo 252 Fusz; nach Norden von diesem Orte sind, wie ich
glaube, Meeresmuscheln nicht oberhalb 300 Fusz gefunden worden,
und bei Lima waren sie (wahrscheinlich durch das Salz beeinrluszt)
bei fünfundachtzig Fusz im Zerfallen begriffen. Es hat nicht blosz

36 Ich will bei dieser Gelegenheit anführen, dasz Mr. Weaver in einem im
Besitz der geologischen Gesellschaft befindlichen Manuscript angibt, dasz Schichten
von Austern und andern recenten Muscheln an vielen Stellen von Tampico im Golf
von Mexico, dreiszig Fusz über dem Meeresspiegel gefunden werden.

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Cap. 2.                        uinl Wirkungen des Meeres auf «las Land.                              79

die Erhebung in diesem Betrage innerhalb der Periode der existi-
renden Mollusken und Cirripeden stattgefunden, sondern die ver-
hältnismässigen Zahlen derselben in dem benachbarten Meere sind
in den meisten Füllen dieselben geblieben. In der Nähe von Lima
ist indessen eine geringe Veränderung in dieser Beziehung zwischen
den lebenden und den emporgehobenen Formen beobachtet worden:
bei Coquimbo war dies noch deutlicher, da alle die Muscheln
existirende Species waren; aber die in der obersten kalkigen Ebene
enthaltenen sind ihnen auch nicht annähernd so sehr in ihren Ver-
hältniszahlen gleich wie diejenigen, welche lose auf ihrer Oberfläche
in der Höhe von 252 Fusz liegen, und noch weniger wie die, welche
auf den unteren Ebenen zerstreut vorkommen, welche Letztere in den
Verhältniszahlen mit den jetzt auf den Strand geworfenen identisch
sind. In Folge dieses Umstandes und da ich nach sorgfältiger Unter-
suchung in der Nähe von Coquimbo keine Muschelschalen in einer be-
deutenderen Höhe als 252 Fusz finden konnte, glaube ich, dasz die
neuere Erhebung dort viel weniger bedeutend gewesen ist als bei Val-
paraiso, wo sie 1300 Fusz betragen hat und. wie icli hinzufügen will.
auch als bei Concepcion. Diese beträchtliche Ungleichheit in der Grö
der Erhebung bei Concepcion und Valparaiso, Orte, die nur 200 Meilen
von einander entfernt liegen, ist nicht unwahrscheinlich in Anbetracht
ersteas der Verschiedenheit in der Gewalt und Zahl der Stösze, welche
jetzt jährlich verschiedene Theile dieser Küste treffen, und zweit'
der Thatsache, dasz einzelne Bezirke wie der der Provinz von Con-
cepcion während eines und desselben Erdbebens sehr ungleich empor-
gehoben worden sind. Es würde in den meisten Fällen sehr gewagl
sein, eine Ungleichheit der Erhebung daraus zu folgern, dasz Muscheln
auf der Oberfläche oder in den oberflächlichen Schichten in verschie-
denen Höhen gefunden werden; denn wir wissen nicht, wovon die
Schnelligkeit ihres Zerfalles abhängt; und bei Coquimbo ist ein Bei-
spiel unter vielen von einem Vorgebirge angeführt worden, welches
nach dem Vorkommen einer sehr kleinen Sammlung von durch Kalk
cementirten Muscheln unbestreitbar 242 Fusz emporgehoben worden
ist, und auf welchem dennoch selbst nicht einmal ein Fragment einer
Muschel bei sorgfältiger Untersuchung zwischen dieser Höhe und dem
Strande gefunden werden konnte, obgleich viele Lagen für die Erhal-
tung organischer Keste günstig erschienen: auch musz man das Fehlen
von Muschelschalen auf den Geröllterrassen eine kurze Strecke in dem

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80                                 Neuere Hebungsbewegung'-n.                           Cap. 2.

Thale von Coquimbo hinauf, trotzdem sie auf den entsprechenden
Terrassen an seiner Mündung iiuszerst reichlich vorhanden sind, im
Gedächtnis behalten.

Es gibt noch andere Epochen auszer der der Existenz recenter
Mollusken, nach denen sich die Veränderungen des Niveaus an dieser
Küste beurtheilen lassen. Bei Lima hat, wie wir soeben gesehen
haben, die Krhebung mindestens fünfundachtzig Fusz innerhalb der indo-
menschlichen Periode betragen, und seit der Ankunft der Spanier im
Jahre 1530 hat augenscheinlich eine Senkung der Oberfläche statt-
gefunden. Bei Valparaiso mnsz in dem Verlauf von -1-11 .lahren die
Erhebung weniger als neunzehn Fusz betragen haben; sie hat aber
in den siebzehn auf das Jahr 1817 folgenden .lahren von zehn bis elf
Fusz betragen, und von dieser Erhebung läszt sich nur ein Theil dem
Erdbeben vom 1822 zuschreiben, der Rest ist unmerkbar gewesen und
war allem Anscheine nach im Jahre 1834 noch im Fortschreiten. Bei
ChiloS ist die Erhebung allmählich gewesen und hat ungefähr vier Fu
während vier Jahre betragen; auch bei Coquimbo ist sie allmählich ge-
wesen und hat im Verlauf von 150 Jahren mehrere Fusz betragen. Die
plötzlichen kleinen Erhebungen, die von Erdbeben begleitet waren, wie
1822 in Valparaiso, 1835 bei Concepcion und 1837 im Chonos-Archipel,
sind den meisten (leologen Bete bekannt, aber die allmähliche Erhebui
der Küste von Chile ist kaum beobachtet worden; sie ist indessen sehr
bedeutungsvoll, da sie diese zwei Reihen von Ereignissen miteinander
in Verbindung bringt.

Die Erhebung von Lima ist, da sie innerhalb der Periode di
Menschen fünfundachtzig Fusz betragen hat, noch merkwürdiger, wenn
wir uns nach der Ostküste des Continents wenden; denn bei Port
S. Julian in Patagonien haben wir (wie wir später noch sehen werden i
gute Beweise dafür, dasz, als das Land neunzig Fusz niedriger war,
die Macrauchenia, ein groszes Säugethier lebte; und bei Bahia Bianca
streiften, als das Land nur wenig Fusz niedriger war als es jetzt ist,
viele gigantische Säugethiere über das benachbarte Land. Aber die
Küste von Patagonien ist eine Strecke weit von der Cordillera entfernt
und die Bewegung bei Bahia Bianca hängt vielleicht in keiner Weise
mit diesem groszen Gebirgszuge zusammen, sondern vielmehr mit den
tertiären vulcanischen Gesteinen der Banda Oriental, und daher dürfte
die Erhebung an diesen Orten unendlich laugsamer gewesen sein als
an der Küste von Peru. Alle derartigen Speculationen indessen müssen

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p. 2.                  und Wirkungen des M        auf das Land.                       31

sehr unsicher sein: denn da wir mit Sicherheit wissen, dasz die
Erhebung der ganzen Küste von Patagonien durch viele und lange
Pausen unterbrochen worden ist, wer wird zu behaupten wagen, das/,
in solchen Fallen viele und lange Perioden der Senkung nicht gleich-
falls eingeschaltet gewesen sein sollten?

An vielen Stellen der Küste von Chile und Peru rinden sich
Zeichen der Einwirkung des Meeres auf die successiven Höhen im
Lande, welche zeigen, dasz dir Erhebung durch Perioden vergleichs-
weiser Kühe in der Emporhebung unterbrochen gewesen ist, und eher

i l'-rioden der Denudation durch die Wirkung des Meeres. Diese
sind in Chiloe am deutlichsten, wo in einer Hohe von ungefähr 500 Fusz
drei Böschungen vorhanden sind, — bei Coqnimbo, wo in einer Höhe

i 364 Fusz sich fünf finden, — bei Gm          wo sechs vorhanden

sind, von denen fünf vielleicht mit denen bei Coqnimbo übereinstimmen,
wenn dies aber der Fall ist, sind die späteren und dazwischen treten-
den erhebenden Bewegungen hier viel energischer gewesen, — bei
Lima, wo sich in der Höhe von ungefähr 250 Fusz drei Terrasg
linden und wie behauptet wird, noch andere in beträchtlich gröszeren
Hohen. Das beinahe gänzliche Fehlen alter Zeichen von Meereswirkung
auf bestimmten Höhen beträchtlichen Küstenstrecken entlang, wie in
der Nähe von Valparaiso und Concepcion, ist im hohen Grade instruk-
tiv; denn wie es unwahrscheinlich ist, dasz die Erhebung an diesen
orten allein eontinuirlieh gewesen sein sollte, so müssen wir das Fehlen
solcher Zeichen der Einwirkung der Beschaffenheit und der Form der
Küsten zuschreiben. Wenn wir sehen, über wie viele hundert Meilen
an der Küste von Patagonien und au wie vielen Stellen an den Küsten

3 stillen Oceans der Erhebungsprocesz durch Perioden vergleichs-
weise!' Ruhe unterbrochen worden ist, so können wir in Verbindung
mit den aus anderen Theilen der Erde hergeleiteten Beweismitteln
schlieszen, dasz die Erhebung des Landes eine allgemein intermittirende
Thätigkeit ist. Aus der Quantität der bei der Bildung der Böschungen
entfernten Masse, besonders derer von Patagonien, geht hervor, dasz
die Perioden der Ruhe in der Bew-egung und der Denudation des Lan-
des im Allgemeinen sWir lang gewesen sind. In Patagonien haben wir
gesehen, dasz die Erhebung gleichmäszig gewesen ist, und die Periode
der Denudation über sehr weite Küstenstrecken gleichzeitig; an den
Küsten des stillen Oceans haben wir in Folge des ümstnndes. dasz

Darwin, Süd-Amcr.                                                                                                         6

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- 2                                         Neuere Hebungsbewegungen                                  Cap. 2,

die Terrassen hauptsächlich in den Thälern vorkommen, keine gleich-
förmigen Mittel, über diesen Punkt ein ürtheil zu bilden; und die
sehr verschiedenen Höhen der emporgehobenen Muscheln bei Coquimbo,
Valparaiso und Concepcion scheinen einer derartigen Schluszfolgeruug
direct entgegenzustehen.

Ob auf dieser Seite des Continents die Erhebung zwischen den
Perioden vergleichsweiser Ruhe, wo die Becken gebildet wurden, durch
kleine plötzliche Stösze erfolgt ist, ähnlich denen, welche die neueren
Erdbeben begleiteten, oder, wie es am wahrscheinlichsten ist, ob sie
durch derartige Stösze in Verbindung mit einer allmählichen Bewegung
nach aufwärts, oder durch grosze und plötzliche Emporhebungen ein-
getreten ist, dafür habe ich keine directen Beweise. Da ich aber auf
der Ostküste, nach der Analogie der letzten hundert Fusz des erhobenen
Landes in La Plata und nach der nahezu gleichmäszigen Grösze der
Rollsteine über die ganze Breite der Terrassen und nach dem Um-
stand, dasz die emporgehobenen Muscheln alle litorale Species sind,
zu der Annahme geführt wurde, dasz die Erhebung allmählich gewesen
ist, so folgere ich auch für diese westliche Küste, und zwar nach der
Analogie der jetzt im Fortschritt begriffenen Bewegung und nach jetzt
ausschlieszlich an oder dicht bei dem Strande lebenden Muscheln,
welche in ungeheuren Mengen über die ganze Oberfläche des Landes
bis hinauf zu sehr betrachtlichen Höhen zerstreut vorkommen, dasz
die Bewegung auch hier langsam und allmählich gewesen ist. wahr-
scheinlich unterstützt durch kleine gelegentliche Stösze. Wir wissen
wenigstens, dasz bei Coquimbo, wo fünf Böschungen in einer Höhe von
364 Fusz vorkommen, die successiven Erhebungen, wenn sie plötzlich
gewesen sind, nicht grosz gewesen sein können. Ich glaube, es ist
nachgewiesen worden, dasz die gelegentliche Erhaltung von nicht ab-
gerollten und nicht zerbrochenen Muscheln selbst wahrend eines ganz
allmählichen Emporsteigens des Landes nicht unwahrscheinlich ist,
und wenn die Bewegung durch kleine Stösze unterstützt worden ist,
so ist ihre Erhaltung vollständig mit dem verträglich, was feetisch
während neuerer Erdbeben Statt hat.

Nach der jetzigen Wirkungsweise des Meeres den Küsten des
stillen Oceans entlang auf die Ablagerungen der von ihm selbst an-
gehäuften Massen zu urtheilen scheint die Jetztzeit an den meisten
Stellen eine der vergleichsweisen Kühe in der Hebungsbewecung und
eine Periode der Denudation des Landes zu sein. Unzweifelhaft isl

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Cap. 2.                    und Wirkungen des Meeres auf das Land.                          g3

dies der ganzen grossen Küstenstrecke von Patagonien entlang der
Fall. Bei Chiloe haben wir indessen gesehen, dasz ein schmaler, sanft
aufsteigender Saum, der mit Vegetation bedeckt ist, den jetzigen See-
strand von einer Reihe niedriger Klippen trennt, welche die Wellen
for kurzem erreichten; hier gewinnt daher das Land an Breite und
Höhe, und die jetzige Periode ist nicht eine solche der Ruhe in der
Erhebung und einer davon abhängigen Denudation; wenn aber die Er-
hebung nicht mit einer grösseren Schnelligkeit fortdauert, so ist alle
Wahrscheinlichkeit vorhanden, dasz das Meer seine früheren horizon-
talen Grenzen wieder erreichen wird. Ich beobachtete ähnliche niedrige
sanft abfallende Säume an verschiedenen Stellen der Küste, sowohl
nördlich von Valparaiso als aucli in der Nähe von Coquimbo; aber ;m
diesem letzteren Orte läszt sich wegen der Veränderung der Form,
welche die Küste seit dem Niederarbeiten der alten Böschungen er-
litten hat, daran zweifeln, ob das Meer nach einer Wirkung von irgend
einer Zeit auf seinem jetzigen Niveau in das Land hineinnagen wUn
denn jetzt neigt es eher dazu, grosze Massen von Sand aufzuwerfen.
In Folge solcher Thatsachen wie die eben erwähnten habe ich allgemein
den Ausdruck: „vergleichsweise Ruhe" gebraucht, als auf die
Erhebung des Landes angewandt; die Ruhe oder das Aufhören in der
Bewegung ist eine vergleichsweise, sowohl mit dem verglichen was
vorher gegangen ist, als auch mit dem was ihr folgt, ebenso im
Vergleich mit dem Erosionsvermögen des Meeres an jedem Ort und in
jedem Niveau. In der Nähe von Lima zeigen die klippeuiormigen
Küsten von San Lorenzo und auf dem Festlande südlich von Callao,
dasz das Meer jetzt in das Land vordringt: und da wir hier einige
Beweise dafür finden, dasz die Oberfläche des Landes vor kurzem g
sunken ist, oder noch sinkt, so dürften die Perioden vergleichsweiser
Ruhe in der Erhebung und der davon abhängigen Denudation wahr-
scheinlich in vielen Fällen Perioden der Senkung umfassen. Wie im
Detail gezeigt wurde, als ich die Terrassen von Coquimbo erörterte.
können wir nur da, wo das Meer mit Schwierigkeiten und nach einem
langen Verlauf von Zeit entweder eine schmale Stufe in solides Gestein
eingenagt oder an einer steilen Oberfläche einen schmalen Streifen von
Detritus angehäuft hat, zuversichtlich behaupten, dasz das Land in
diesem Niveau und zu dieser Periode lange absolut stationär geblieben
ist. In dem Falle, wo Terrassen aus Geröll oder Sand gebildet wurden,
wenn schon die Erhebung im strengen Sinne horizontal gewesen sein

6*

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84                                 Neuere H-bungsbewegungm.                           Cap,

_:, kann es sich wohl ereigneo, dasz nicht eine ebene Strandlinie
verfolgt werden kann, and dasz weder die Terrassen selbst noch der
Gipfel oder der basale Rand ihrer Böschungen horizontal ist.

Vergleichen wir endlich die Ausdehnung der emporgehobenen Be-
zirke, wie sie sich ans den emporgehobenen recenten organischen Resten

ibt, auf 'Ifii zwei Seiten des Continents, so haben wir gesehen, d;
am atlantischen Ocean Muscheln in Intervallen von dem östlichen
Feuerlande 1180 Meilen nach Norden zu, und auf der Küste ' stillen
Oceans über einen Raum von 2075 Meilen gefunden worden sind. In
einer Ausdehnung von 775 Meilen kommen sie in denselben Breiten
auf beiden Seiten des Continentes vor. Ohne diesen Umstand in Be-
tracht zu ziehen, ist es nach den im letzten Capitel angeführten Grün-
den wahrscheinlich, dasz die anze Breite des Continentes im centralen
Patagonien in Masse emporgehoben worden ist; aber aus anderen di
mitgetheilten Gründen würde es gewagt sein, diesen Schlusz auf
i'lata auszudehnen. Da der Continent in dem südlichsten Theile
von Patagonien schmal ist und nach den in den inneren engen Simszen
der Magellan-Strasze gefundenen Muscheln, ebenso wie nach -Um weit
in dem Thale des Santa Cruz hinaufgefundenen, ist es wahrscheinlich,
dasz der südliche Theil der Westküste, welchen ich nicht cht habe,
innerhalb der Periode der jetzt existirenden Mollusken emporgehoben
worden ist. \<t dies der Fall, so sind die Küsten des stillen Oceans
continuirlich, in neuerer Zeit, und in einem geologischen Sinne gleich-
zeitig von Linin an in einer Ausdehnung von 2480 nautischen Meilen
nach Süden emporgehoben worden, — eine Entfernung, welche der
vom rothen Meere bis zum Nordcap von Scandinavien .rleichkomnit.

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Drittes Oapitel.

Über die Kinnen und Thäler von Chile. — Salzführende

oberflächliche Ablagerungen.

Beclienartigu Ebenen von Chile; ihre Entwässerung, ihr mariner Ursprung. —
Zeichen von Mo reswirkung an den Östlichen Abhängen der Cordillera. —
Leichl _            terraasenartige Säume von gescliichtetemGerr.il innerhalb der

Thäler der Cordillera; ihr mariner Ursprung. — Erratische Blöcke im Thale
von Cachapual. — Horizontale Erhebung der Cordillera. — Bildung von Thä-
lern. — Erratische Blöcke von Erdbebenwellen bewegt. — Überflächli<
Salzlager. — Lager von Natronaalpeter bei I(|uii|uc. — Sal/incrustationen. —
Salzseen TOn La l'lata and Patagonien; Reinheit des Salzes; sein Ursprung.

Der Kaum zwischen der Cordillera und der Küste von Chile ist
in einem oberflächlichen Mittel von achtzig bis über hundert Meilen
it; er wird aus einer beinahe continuirlichen Gebirgsmasse oder
noch gewöhnlicher aus mehreren nahezu parallelen von Ebenen ge-
trennten Höhenzügen gebildet; in den südlicheren Theilen dieser Pro-
vinz sind die Berge den Ebenen vollständig untergeordnet; in dem
nördlichen Theile herrschen die Gebirge vor.

Die beckeuartigen Ebenen am Fusze der Cordillera sind in meh-
reren Beziehungen merkwürdig; die, auf welcher die Hauptstadt von
Chile steht, ist fünfzehn Meilen in einer ost-westlichen Linie breit,
und in einer nord-südlichen Linie von einer viel bedeutenderen Länge;
steht 1750 Fusz über dem Meere; ihre Oberfläche erscheint glatt,
llt und liebt sich aber in weiten sanften Undulationen, wobei
die Vertiefungen den Hauptthälern der Cordillera entsprechen: die
auffallende Art und Weise, in welcher sie ganz scharf bis an den Fusz
dieses groszen Gebirgszugs herantritt, ist von jedem Schriftsteller1

1 Diese Ebern? wird durch einen Hügelzug zum Theil in zwei Becken ge-
theilt; die südlich. Hälfte fällt in ihrer Höhe nach der Angabe von Meyen

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$<>                                        Beckenartige Ebenen von Chile.                                Cap. 3.

seit Molixa's Zeit bemerkt worden. In der Nähe der Cordillera
sie aus einer geschichteten Masse von Rollsteinen aller Gröszen,
welche gelegentlich abgerundete erratische Blöcke einschlieszt, zu-
sammengesetzt: in der Nähe ihrer westlichen Grenze besteht sie aus
rechlichem sandigen Thon, welcher einige Kollsteine und zahbeiche
Bimsstein-Fragmente einschlieszt, und zuweilen in reinen Sand oder
in vulcanische Asche übergeht. Bei Podaguel auf der westlichen Seite
der Ebene werden Sandschichten von einem kalkigen Tun" überlagert,
dessen oberste Schichten meist hart und substalagmitisch, dessen
untere weisz und zerreiblich sind, während beide zusammen den Schicb-
ten bei Coquimbo, welche neuere .marine Muschelschalen enthalten,
auszerordentlich gleichen. Sich plötzlich erhebende aber abgerundete
Felsenblöcke steigen aus diesen Ebenen empor; die von Santa Lucia
und San Cristoval werden aus Grünsteinporphyr gebildet, welcher
beinahe gänzlich seiner ursprünglichen Decke von einer porphyritischen
Thonsteinbreccie beraubt ist; auf ihren Gipfeln werden viele Gesteins-
fragmente (einige von ihnen aus Arten gebildet, die nicht in situ ge-
funden werden) von einem weiszen zerreiblichen kalkigen Tuff wie dem
bei Podaguel gefundenen überzogen und durch denselben mit einander
verbunden. Als diese Substanz auf dem Gipfel von San Cristoval ab-
gelagert wurde, musz das Wasser 946 Fusz2 über der Oberfläche der
umgebenden Ebene gestanden haben.

Nach Süden verengt sich diese beckenartige Ebene und tritt,
indem sie sich kaum wahrnehmbar mit einer ebenen Oberfläche er-
hebt, durch einen merkwürdigen horizontalen Spalt in den Gebirgen

(Reise um die Erde, Th. I, p. 274) mit einer plötzlichen Senkung von zwischen
fünfzehn und zwanzig; Fa9z.

2 Oder 2690 Fnsz über dem Meere nach einer barometrischen Messung des
Mi. Eck. Dieser Tuff erscheint dem Auge nahezu rein; in Säure gelegt läszt er
aber einen beträchtlichen Rückstand von Sand und zerbrochenen Crystallen, augen-
scheinlich von Feldspath, zurück. Dr. Meyen gibt an (Reise, Th. I, p. 269),
er eine ähnliche Substanz auf dem benachbarten Berge von Dominico gefund. n
habe (nnd ich fand sie auch auf dem Cerro Blanco) und schreibt sie der Ver-
witterung des Gesteines zu. An einigen Stellen, welche ich untersuchte, kam
schon nach der Masse dieser Substanz diese Ansicht von ihrem Ursprung ganz
auszer Frage, und ich zweifle stark daran, ob die Zersetzung eines Porphyrs in
irgend einem Falle eine hauptsächlich aus kohlensaurem Kalk zusammengesetzte
Kruste hinterlassen könnte. Die weisze Kruste, welche so häutig auf verwitterten
feldsjathigen Gesteinen zu sehen ist, scheint keinen freien kohlensauren Kalk zu
enthalten.

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Cap.                                     Beckenartige Ebenen von Chil                                          87

l

durch, eine echte Landenge bildend, welche die Angostura genannt.
wird. Sie dehnt sich dann sofort wieder in eine zweite beckenformige
"iie aus: diese verengt sich wiederum nach Süden zu in eine andere
Landenge und erweitert sich zu einem dritten Recken, welches indessen
plötzlich in seinem Niveau ungefähr vierzig Fusz fällt. Dieses dritte
nach Süden gelegene Becken verengt sich in gleicher Weise in eine
Landenge und öffnet sich dann wiederum in die grosze Ebene von
San Fernando, welche sich so weit nach Süden erstreckt, dasz die
hneebedeckten Gipfel der entfernten Cordillera über den Horizont
hervorragend gesehen werden als stiegen sie aus dem Meere empor.
Diese Ebenen in der Nähe der Cordillera werden meist aus einer
dicken geschichteten Masse von grobem Geschiebe gebildet3, an ande-
ren Stellen aus einem rothen sandigen Thon häufig mit einer Zu-
mischung bimssteinhaltiger Substanz. Obgleich diese Becken wie eine
Perlenschnur in einer nord-südlichen Linie durch ebene Landengen zu-
sammenhängen, so flieszen doch die Flüsse, welche dieselben ent-
wässern, nicht alle von Norden nach Süden, sondern meist nach Westen
durch Durchbrüche, welche in die angrenzenden Berge eingeschnitten
sind; und indem zweiten Becken, oder dem von Rancagua, finden sich
zwei verschiedene Durchbrüche. Überdies wird jedes Becken nicht
einzeln entwässert: so finden wir, um das autfallendste wenn auch
nicht das einzige Beispiel anzuführen, bei dem Vorschreiten nach Süden
über die Ebene von Rancagua hin, dasz das Wasser erst nacli Norden
nach der nördlichen Landenge und durch dieselbe Hieszt; dann sehen
wir dasselbe, ohne dasz es irgend eine auffallende Erhebung oder
Wasserscheide kreuzte, nach Süd-Westen nach dem nördlichen der
beiden Durchbrüche in der westlichen gebirgigen Grenze zu flieszen,
und endlich flieszt es, wiederum ohne irgend einen Rücken, nach dem
südlichen Durchbruche in demselben Gebirge zu. Es ist daher die
Oberfläche dieser einen beckenartigen Ebene, welche für das Auge
so eben erscheint, mit groszer Sorgfalt modellirt worden, so dasz die
Entwässerung ohne irgend auffällige Wasserscheiden nach drei Öffnungen

3 Auf der Ebene von S. Fernando findet sich nach Meyen and Gaj
(Reise etc., Tb. I, p. 295 und 298) in der Nähe der Cordillera eine obere stufen-
förmige Ebene von Thon, auf deren Oberfläche sie zahlreiche, von zwei bis drei
Fusz lange Felsblöcke entweder einzeln oder in Haufen zusammengebracht, aber
aäromtlich in nahezu geraden Linien angeordnet, liegen fanden.

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88                                 okenartige Ebenen von Chile.

in den umgehenden Gebirgen hingeleitet wird*. Die aus den drei
südlichen beckenartigen Ebenen abflieszenden Ströme vereinigen sich,
hdem sie durch die Durchbräche nach Westen zu getreten sind.
und bilden den Pluez Bapel, welcher sich in der Mibe von Navidad
in den stillen Ocean ergieszt. Ich folgte dem südlichsten Zweige
dieses Flusses und fand, dasz das Becken oder die Ebene von San
Fernando continuirlich und glatt mit denjenigen Ebenen verbunden ist,
welche im zweiten Capitel beschrieben wurden und welche in der
Nähe der Küste in aufeinanderfolgende höhlenartig ausgewaschene
Böschungen abgetragen und noch näher der Küste mit emporgehobenen
recenten Meeresresten überstreut sind.

Ich hätte Beschreibungen zahlreicher anderer Ebenen derselben
allgemeinen Form -eben können, einige am Fusze der Cordillera, einige
in der Nähe der Küste und einige halbwegs zwischen diesen Punkten.
Ich will nur noch eine andere erwähnen, nämlich die Ebene von Uepal-
lata, welche auf der östlichen oder entgegengesetzten Seite der 0
dillera zwischen diesem groszen Gebirgszuge und dem parallelen l
dereren Zuge von CTspallata liegt. Nach der Angabe von Miers lii
ihre Oberfläche 6000 Fusz über dem Meeresspiegel: sie ist von zehn
fünfzehn Meilen breit und soll sieh mit einer ununterbrochenen
Fläche 180 Meilen nach Norden erstrecken: sie wird von zwei durch
Durchbrüche in den Gebirgen nach Osten heraustretenden Flüssen ent-
wässert. An den Ufern des Flusses Mendoza sieht man, dasz sie aua
einer groszen Anhäufung geschichteten Geschiebes zusammengesetzt
ist. die der Schätzung nach 400 Fusz mächtig ist. Im allgemeinen
Ansehen und in zahlreichen Punkten ihres Baues ist diese Ebene
denen von Chile sehr ähnlich.

Der Ursprung und die Bildungsweise der dicken GeröUschicbl
der Schichten von sandigem Thon, vulcanischem Detritus und kalkigem
Tuff, welche diese beckenartigen Ebenen zusammensetzen, ist »
wichtig, weil sie. wie wir sofort sehen werden, Arme oder Säume weil
in die Hauptthäler der Cordillera hinaufschicken. Viele von den
Bewohnern glauben, dasz diese Ebenen früher einmal von See'n i

* Ana Capt Herbert"* Schilderang des Diluvium des HimaUya (Gleaninga
of Science. Calcutta, Vol. II, p. 164) geht hervor, dasz sich ganz ähnliche Be-
merkungen auch von den Entv.                rhältnissen der Ebenen oder Thäler
zwischen jenen groszen Gebirgen machen lassen.

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CaP                              Beckenartige Ebenen von Chil                                 gg

genommen, aber plötzlich entwässert worden sind; ich glaube aber,
dasz die grosze Zahl der verschiedenen Durchbräche in nahezu dem-
selben Niveau in den diese Ebenen umgebenden Bergen diese Idee
vollständig ausschlieft. Hätten nicht so bedeutende Naturforscher
wie Msybn und Gay ihre Ansicht dahin ausgesprochen, dasz diese
Ablagerungen von groszen von der Cordillera herabstürzenden Über-
schwemmungen zurückgelassen wären, so würde ich eine Ansicht nicht
erwähnt haben, welche mir nach vielen Gründen im höchsten Grade
unwahrscheinlich erscheint, — nämlich wegen der ungeheueren An-
häufung gut abgerundeter Kollsteine, wegen ihrer häufigen
Schichtung mit abwechselnden Sandschichten, — wegen der darüber
liegenden Schichten von kalkigem Tuff. — wegen des Umstandes, das/
diese Dämliche Substanz die Gesteinsfragmente auf den Felsblöcken in
der Ebene von Santiago überzieht und verbindet, — und endlich schon
wegen des abgeriebenen, abgerundeten und stark denudirten Zustandes
dieser Frlsblöeke und der Vorgebirge, welche von den umgebenden
Bergen vorspringen. Auf der anderen Seite haben mich diese ver-
miedenen Umstünde ebensowohl wie die continuirliche Verbindung der
Beckeu am Fusze der Cordillera mit der groszen Ebene des Rio Rapel,
welche noch immer die Zeichen von Meereswirkungen auf verschiede-
nen Höhen zeigt, und deren allgemeine Ähnlichkeit in der Form und
Zusammensetzung mit den vielen Ebenen in der Nähe der Küste,
welche entweder ähnlich gezeichnet, oder mit emporgehobenen Meer
resten überstreut sind, vollständig zu der Überzeugung geführt, dasz
die diese beckenartigen Ebenen begrenzenden Berge von dem Meere
durchbrochen wurden, dasz ihre inselartig vorspringenden Felsen von
ihm abgerieben und der lose geschichtete Detritus, welcher-jetzt ihre
ebenen Oberflächen bildet, von ihm abgelagert wurde wie das Land
langsam emportauchte. Es ist kaum möglich, in zu starken Aus-
drücken die vollständige Ähnlichkeit im Umrisz zwischen diesen becken-
artigen, langen und schmalen Ebenen von Chile (besonders wenn am
frühen Morgen die Nebel tief herabhängen und wie Wasser erscheinen)
mit den Buchten und Fjords auszudrücken, welche jetzt die südlichen
und westlichen Küsten des Continents einschneiden. Wir können nach
dieser Ansicht, nach welcher das Meer, als das Land tiefer lag, lange
Zeit und ruhig die Bäume zwischen den Bergketten einnahm, ver-
stehen, woher es kommt, dasz die Begrenzungen der einzelnen Becken
an mehr als einer Stelle durchbrochen wurden: denn wir sehen, dasz

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90                              Beckenar: Ebenen von Chile.                        Cap. 3.

dies der allgemeine Cbaracter der landeinwärts zu gelegenen Buchten
und Canäle des Feuerlandes ist; wir sehen auch dort in der ein-
schneidenden Wirkung der Gezeiten, welche mit groszer Gewalt in
diesen Quercanälen flieszen, eine Kraft, welche genügt, um die Durch-
brüche offen zu halten, als das Land emportauchte. Wir können ferner
sehen, dasz die Wellen naturgemäsz den glatten Grund einer jeden
groszen Bucht oder eines jeden Canals, wie diese langsam in Land ver-
wandelt wurden, sanft geneigt gelassen haben werden, und zwar nach
so vielen Punkten hin, als Mündungen vorhanden waren, durch welche
das Meer sich schlieszlich zurückzog und nun ebenso viele Wasser-
züge auf einer nahezu ebenen Fläche bildete, ohne dasz irgend auf-
fallende Rücken vorhanden waren. Das Fehlen von Meeresresten auf
diesen hohen landeinwärts gelegenen Ebenen kann nicht passend als
ein Einwand gegen ihren marinen Ursprung beigebracht werden: denn
daraus, dasz Muschelreste in den groszen Geröllschichten von Pata-
gonien nicht gefunden werden, trotzdem sie reichlich über ihre Ober-
flächen zerstreut sind, und aus vielen anderen analogen Thatsachen
können wir schlieszen, dasz derartige Ablagerungen für das Einschlieszen
solcher Reste äuszerst ungünstig sind; und in Bezug darauf, dasz
Muscheln nicht auf der Oberfläcln1 dieser beckenartigen Ebene gefunden
werden, wurde im letzten Capitel gezeigt, dasz in dieser Weise ex-
ponirte Reste mit der Zeit zerfallen und verchwinden.

Auf den Ebenen am östlichen und entgegengesetzten Fusz der
Cordillera habe ich einige Erscheinungen beobachtet, welche der Er-
wähnung werth sind, da sie zeigen, dasz dort das Meer lange Zeit auf
nahezu demselben Niveau wirkte, wie auf den beckenartigen Ebenen
von Chile. Die Berge auf dieser östlichen Seite sind äuszerst steil
abfallend; sie erheben sich aus einem glatten, schwellenartigen, sehr
sanft geneigten Abhänge von fünf bis zehn Meilen breit (wie im folgen-
den Durchschnitt dargestellt ist), welcher gänzlich aus vollkommen
abgerundeten Rollsteinen besteht, die häufig von einer thonigßn Sub-
stanz, wie zersetzter Feldspath, überzogen sind. Diese geneigte Ebene
oder diese Schwelle geht in einen vollkommen ebenen Raum von einigen
Meilen Breite über, welcher aus röthlichem unreinem Thon mit kleinen
kalkigen Concretionen wie in den Pampas-Ablagerungen, ferner aus
feinem weiszen Sande mit kleinen schichtenweise angeordneten Roll-
steinen und aus der oben erwähnten weiszen thonigen Erde zusammen-
gesetzt ist. welches alles untereinander geschichtet i Diese ebene

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Cap. 3.               Meereswirkungen am östlichen Fusze der Ande                        91

Strecke reicht bis nach Mendoza, dreiszig Heilen nacli Norden, und
liegt wahrscheinlich ungefähr in der nämlichen Hoho über dem Meere,
nämlich 2700 Fusz (Pentland und Miers). Nach Osten zu wird

i einer achtzig Fusz hohen Böschung begrenzt, welche viele Meilen
weit nach Norden und Süden läuft und aus vollkommen abgerundeten,
losen, weisz überzogenen oder in die thonige Erde eingebetteten Koll-
steinen zusammengesetzt wird. Hinter dieser Böschung liegt eine zweite
ähnliche aus Geröll. Nach Norden von Mendoza werden diese Böschun-
gen durchbrochen und vollständig obliterirt, und es hat nicht den An-
schein, als wenn sie je einen seeartigen Bezirk eingeschlossen hätten:
ich schliesze daher, dasz sie vom Meere gebildet wurden als es den
Fusz der Cordillera erreichte, wie die ähnlichen an so vielen Punkt*.]]
an den Küsten von Chile und Patagouien vorkommenden Böschungen.
Die schwellenartige Ebene steigt mit einer glatten Oberfläche in
die groszen trockenen Thäler der Cordillera auf. Auf jeder Seite des

Fig. 13.

a.                            lenartK           ne.                 i«n« FIScbe,                 Ger

) Fusz über dem          terrassen.

-Meere.

Durchschnitt der Ebene am östlichen Fusz der chilenischen

Cordillera.

Portillo-Thales werden die Berge aus rothem Granit, Glimmerschiefer
und Basalt gebildet, welche alle einen wahrhaft erstaunlichen Grad
von Denudation erlitten haben; das Geschiebe in dem Thale ebenso
wie auf der sockelartigen Ebene vor ihm ist aus diesen Gesteinen ge-
bildet; aber an der Mündung .des Thaies in der Mitte (wahrscheinlich
ungefähr 3500 Fusz über dem Meere) springen einige wenige klein»*
isolirte Hügel von mehreren Varietäten von Porphyr empor, rund
um welche auf allen Seiten sich glatte und häufig wie kalkig über-
zogene Rollsteine dieser nämlichen Porphyrarten bis zum Ausschlusz
aller übrigen bis in eine bestimmte Entfernung erstrecken. Es ist
nun schwierig, sich irgend eine andere Thätigkeit mit Ausnahme der
ruhigen und lange fortdauernden Wirkung des Meeres auf diese Hügel
vorzustellen, welche die Porphyrfragmente abgerundet und geweiszt
haben und es verursacht haben könnte, dasz sie von so kleinen und
völlig unbedeutenden Centren ausstrahlten, in der Mitte jenes un-

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92*                                  Geneigte Gerollt. bd                              Cap,

geheueren Stromes von Steinen, welcher von der Haupt-Cordill
herabstieg.

Geneigte Terrassen von Geröll in den Thälern der
Cordillera. — Alle die Hauptthäler auf beiden Seiten der chileni-
schen Cordillera haben früher ihren Grund bis zu einer beträchtlichen
Dicke von einer Masse roh geschichteten Geschiebes gefüllt gehabt.
oder hnben sie noch so. Im centralen Chile ist der gröszere Theil
dieser .Masse durch Ströme entfernt worden; riffbegrenzte, mehr oder

liger continnirliche Säume sind dabei in entsprechenden Höhen auf
beiden Seiten der Thäler zurückgelassen worden. Diese Säume oder,
wie sie genannt werden können, Terrassen haben eine glatte Ober-
fläche, und in dem Masze als die Thäler sich erheben, erlieben auch
sie sich sanft mit ihnen; sie werden daher leicht bewässert und bieten
für die Anlage von Straszen eine grosze Erleichterung dar. Wegen
ihrer < ileichförmigkeit geben sie der Scenerie dieser groszartigen wil-
den durchbrochenen Thäler einen merkwürdigen Character. In der
Breite variiren die Säume bedeutend; sie sind zuweilen nur gerade für
Straszen breit genug und erweitern sich zuweilen zu schmalen Ebenen.
Auszer das/ ihre Oberflächen sanft das Thal hinaufsteigen, sind die-
selben unbedeutend nach der Mitte desselben in einer derartigen W<
hin geneigt, das/ sie zeigen, wie der ganze Thalgrund früher einmal
mit einer glatten und unbedeutend coneaven -Masse erfüllt gewesen
sein musz, wie die trockenen, nicht durchfurchten Thäler des nörd-
lichen Chile es noch sind. Wo zwei Thäler sich zu einem vereinig
sind diese Terrassen besonders gut entwickelt, wie in der folgenden
Zeichnung dargestellt ist. Die Mächtigkeit des diese Säume bildenden

ehiebes kann nach einem rohen Mittel als von dreiszig bis sechszig
oder achtzig Fusz variirend angegeben -werden; aber in der Nähe der
Mündungen der Thäler war sie an mehreren Stellen von 200 bis 3

/. Die von den Bergströmen entfernte Menge von Substanz ist
ungeheuer gewesen; und doch sind in den niedrigeren Theilen der
Thäler die Terrassen selten gänzlich auf beiden Seiten abgewaschen
worden, ebenso wenig ist der solide darunter liegende Fels erreicht
worden: höher in den Thälern hinauf sind die Terrassen häufig auf
einer oder der anderen Seite und zuweilen auf beiden Seiten entfernt
worden: aber in diesem letzteren Falle erscheinen sie nach einem
kurzen Intervall in der Linie wieder, welche sie angenommen haben
würden, wenn sie nicht durchbrochen worden wären. Wo das solide

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Cap. 3.                          in den Thälern der Cordillera.                               93

stein erreicht worden ist, ist es in tiefe und schmale Schluchten
ingeschnitten worden. Noch höher in den Thälern hinauf werden die
Terrassen allmählich immer mehr und mehr durchbrochen, eng, und
weniger mächtig, bis sie in einer Hübe von 7000 bis 9000 Fnsz ver-
loren werden und mit den Haufen niederfallenden Detritus verschmelzen.
Ich habe an vielen Stellen sorgfältig den Zustand des Geschiebes
untersucht und habe heinahe überall die Steine gleichmäszig und voll-
kommen abgerundet gefunden, gelegentlich mit groszen Gesteinsblöcken,
meist deutlich geschichtet, häufig mit scheidenden Sandblättern. Die
Kollsteine waren zuweilen mit einer weiszen thonigen, und weniger
häutig mit einer kalkigen Kruste überkleidet. In groszen Höhen in

Fig. li.

A Ha          A

beit.

Plan eines sich gabelmlen Thals in der Cordillera. von glatten, sanft abfallenden
GeröUsänmen (A,A) begrenzt, welche dem Fluszlauf entlang [in Klippen aus-
gewaschen sind.

den Thälern hinauf wurden die Rollsteine weniger abgerundet, und in
dem Masze wie die Terrassen obliterirt wurden, gieng die ganze Masse
in die Beschaffenheit gewöhnlichen Detritus über. Wiederholt fiel mir
die grosze Verschiedenheit zwischen diesem Detritus hoch oben in den
Thälern und dem Geschiebe der Terrassen tief unten auf, welche wahr-
scheinlich darin bestand, dasz in dem Detritus eine gröszere Anzahl
völlig eckiger Fragmente vorhanden war, ferner in dem ungleichen
«Trade, bis zu welchem die anderen Fragmente abgerundet waren, in
der Quantität der dazu gemischten Erde, in dem Fehlen von Schich-
tung und in der Ünregelmäszigkeit der Oberflächen. Diese Verschieden-
heit zeigte sich in gleicher Weise gut an Punkten tief unten in den

Tri            lete

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94                                   Geneigte GeröUterrasaen                              Cap. 3.

Thälern, wo steile Schluchten durch Gebirge von stark geförbtem Ge-
stein eingeschnitten weite fächerförmige Anhäufungen von Detritus auf
die Terrassen hinabgeworfen haben: in solchen Fällen konnte die
Trennungslinie zwischen dem Detritus und der Terrasse bis innerhalb
eines oder zweier Zolle nachgewiesen werden; der Detritus bestand
gänzlich aus eckigen oder nur theilweise abgerundeten Fragmenten der
benachbarten gefärbten Gesteinsart; das geschichtete Geröll (wie ich
durch genaue Untersuchung besonders in einem Falle in dem Thale
des li. Mendoza ermittelte) enthielt nur eine kleine Menge dieser
Fragmente, und diese wenigen gut abgerundet.

Ich achtete besonders auf das Erscheinen der Terrassen da, wo
die Thäler plötzliche und beträchtliche Biegungen machten, ich konnte
aber keine Verschiedenheit in der Natur wahrnehmen; sie folgten den
Biegungen mit ihrer gewöhnlichen nahezu gleichförmigen Neigung.
Ich beobachtete auch in mehreren Thälern, dasz, wo nur immer grosze
Blöcke irgend eines Gesteins zahlreich wurden, entweder auf der Ober-
fläche der Terrasse oder in sie eingebettet, dieses Gestein bald höher
hinauf in situ auftrat: in dieser Weise habe ich Blöcke von Porphyr,
von andesitischem Syenit, von Porphyr und von Syenit, die abwech-
selnd zahlreich wurden, bemerkt, wo in jedem Falle so zusammen-
gesetzte Berge folgten. Es findet sich indessen eine merkwürdige Aus-
nahme von dieser Kegel; denn dem Thale des Cachapual entlang fand
Mr. Gay zahlreiche grosze Blöcke von weiszem Granit, welcher nicht
in der Nähe dort vorkommt: ich beobachtete diese Blöcke ebenso wie
andere von andesitischem Syenit (der hier nicht in situ vorkommt) in
der Nähe der Bäder von Cauquenes in einer Höhe von zwischen 200
und 300 Fusz über dem Flusz, und daher völlig oberhalb der Terrasse
oder des Saumes, welcher diesen Flusz begrenzt; einige Meilen in dem
Thale höher hinauf finden sich andere Blöcke in ungefähr derselben
Höhe. Ich bemerkte auch in einer geringeren Höhe gerade über den
Terrassen Blöcke von Porphyr (die dem Anscheine nach nicht in den
unmittelbar darüber hängenden Bergen gefunden werden) in rohen
Linien wie an einem Meeresstrande angeordnet. Alle diese Blöcke
waren abgerundet und obgleich grosz, doch nicht riesig wie die errati-
schen Blöcke von Patagonien und dem Feuerlande. Mr. Gay gibt an5,

5 Ännales des Sciences natur., 1. Ser., Tom. 28. Wie mir mitgetheilt worden
schritt Mr. Gay die Cordillera durch das grosze schräge Thal von Los
Cupressos und nicht in der directesten Linie.

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Cap. 3.                             in den Thälern der Cordillera.                                   : <;,

dasz Granit in situ nicht innerhalb einer Entfernung von zwanzig Stan-
den vorkommt; aus mehreren Gründen vermuthe ich, dasz er schliess-
lich in einer viel geringeren Entfernung, wenn schon sicher nicht in
der unmittelbaren Nähe gefunden werden wird. Die von Meten und
Gay auf der oberen Ebene von San Fernando (in einer früheren Be-
merkung erwähnt) gefundenen erratischen Blöcke gehören wahrschein-
lich zu dieser nämlichen Classe von Erscheinungen.

Diese Säume von geschichtetem Geröll kommen entlang all' den
groszen Thälern der Cordillera ebenso wie ihren Hauptzweigen entlang
vor; sie sind in autfallender Weise entwickelt in den Thälern des
Maypu, Mendoza, Aconcagua, Cachapual, und nach Meten6 in dem
des Tinguirica. Indessen kann in den Thälern des nördlichen Chile
und in einigen auf der östlichen Seite der Cordillera, wie in dem
Portillo-Thal, wo niemals Ströme geflossen sind oder dem Volumen
nach gänzlich unbedeutend sind, das Vorhandensein einer Masse von
geschichtetem Geröll nur aus der glatten, leicht concaven Form des
Thalgrandes erschlossen werden. -Man sucht natürlich nach irgend
einer Erklärung einer so allgemeinen und auffallenden Erscheinung;
dasz die die Säume den Thälern entlang bildende oder ihre Beck
noch immer gänzlich erfüllende Masse nicht von anstoszenden Berg
wie gewöhnlicher Detritus herabgefallen ist, wird nach dem vollstän-
digen Contraste in jeder Beziehung zwischen dem Geröll und den
Haufen von Detritus offenbar, mag man dieselben hoch oben in den
Thälern an ihren Seiten oder tief unten vor den steil herabstürzenden
Schluchten sehen; dasz die Masse nicht von Überschwemmungen ab-
gelagert ist, selbst wenn wir annehmen könnten, dasz solche Wasser-
stürze jedes Thal hinabgestürzt wären, ebenso wie alle ihre Zweige
nach Osten und Westen von den centralen Gipfeln der Cordillera ans,
müssen wir nach den folgenden Gründen annehmen: nach der deut-
lichen Stratification der Masse, nach ihrer glatten Oberfläche, nach
dem gut abgerundeten und zuweilen incrustirten Zustande der Roll-
steine, welche von dem lockeren Detritus auf den Bergen so verschie-
den sind, und besonders wegen des ümstandes, dasz die Terrassen ihre
gfeichformige Neigung rund um die plötzlichsten Biegungen beibehalten.
Annehmen zu wollen, dasz wie das Land jetzt steht, die Flüsse das
Geschiebe dem Laufe eines jeden Thals und aller Hauptzweige entlang

* Reise u. s. w., Th. I, p. 302.

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'.iti                                   Geneigte Gerolltem                                   Cap. 3.

abgelagert hätten, scheint mir verfehlt zu sein, wenn man beachtet,
dasz diese selben Flüsse nicht blosz jetzt viel von diesen Ablagerungen
entfernen und entfernt haben, sondern auch überall dazu neigen, tiefe
und schmale Schluchten in den harten darunter liegenden Gesteinen
einzunagen.

Ich hatte angegeben, dasz diese Säume von Geröll, deren Ursprung
unter Annahme von Wasserstürzen oder von gewöhnlicher Alluvial-
wirkung unerklärlich ist, direct continuirlich sind mit den ähnlich zu-
sammengesetzten beckenartigen Ebenen am Fusze der Cordillera, welche
aus den verschiedenen früher angegebenen Gründen, wie ich nicht
zweifle, durch die Thätigkeit des Meeres geformt wurden. Wenn wir
nun annehmen, «las/ das Meer früher die Thäler der chilenischen Cor-
dillera in genau derselben Weise einnahm, wie es jetzt in den süd-
licheren Theilen des Continentes es thut, wo tiefe gewundene Buchten
in das Herz, oder wie in dem Obstructäons-Sund ganz durch diesen
groszen Landstrich durchgedrungen sind, und wenn wir annehmen,
dasz die ISerge in derselben langsamen Art emporgehoben wurden, wie
die östlichen und westlichen Küsten innerhalb der recenten Pen
fiiiporgehoben wurden sind, dann kann der Ursprung und die Bildung
dieser geneigten terrassenartigen Säume von Geröll einfach erklärt
werden. Denn jeder Theil des Grundes eines jeden Thaies wird m
dieser Ansicht lange am oberen Ende einer Meeresbucht gestanden
haben, in welche die damals existirenden Bergströme Gesteinsfragmente
herabbeiordert Italien werden, wo sie durch die Thätigkeit der Gezeiten
abgerollt, zuweilen incrustirt, in grober Weise geschichtet worden sein
werden, und wo die ganze Oberfläche durch das Verschmelzen der auf-
einanderfolgenden Strandlinien eingeebnet worden sein wird7- In dem
Masze als das Land sich erhob, werden die Ströme in jedem Theile
dahingestrebt haben, die Masse, welche kurz zuvor an oder in

1 Sanft abfallend«- 1           m von völlig ähnlicher Structur habe ich (Philosoph.

Transactions. 1'J, p. 58) aus den Thälern von Lochaber in Schottland beachrie-
i, wo in höheren Niveaus die parallelen Sl        in von GleiiRoy das Zeichen des

Langen und ruhigen Vorhandenseins eines glacialon Sees darbieten. Ich zweitie
nicht daran, das/ sanft abfallende Terrassen in den Thälern der meisten europäischen
Gebirgszüge vorhanden wären, wenn nicli*           Spur von ihnen und alle Ül.en

der Mft         irkung von den Gletschern, welche dieselben seitdem eingenommen

haben, entfernt worden waren. Ich habe nachgewiesen, dasz dies bei den Bergen
von Nord-Wales der Fall g         a ist (London and Kdinb. Phil. Journ.. Vol. XXI.

p. 187. Obers, dieser Band. Abth 2, p. 90).

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Cap. 3.                                ihr mariner Ursprung.                                     ()7

Nähe der Strandlinien aufgehäuft worden war, zu entfernen, auch wer-
den die Ströme durch die beständige Erhebung, welche ihren totalen
Fall von ihren Quellen bis zum Meere vermehrte, bestündig an Gewalt
gewonnen haben. Dieses langsame Erheben der Cordillera, welcl
so gut die in anderer Weise unerklärliche Entstehung und Structur
der Terrassen erklärt, wird, nach aller bekannten Analogie zu urtheilen,
wahrscheinlich durch viele Kuhe]>erioden unterbrochen worden sein;
wir dürfen aber nicht erwarten, irgend welche Beweise für diese Perioden
in der Structur der Geröllterrassen zu rinden, denn da die AVellen an
dem oberen Ende tiefer Buchten geringere erosive Kraft haben, so
wird die einzige Wirkung des Meeres, welches lange in demselben
Niveau gewesen ist, die sein, dasz die oberen Theile der Buchten in
solchen Perioden bis zum Niveau des Wassers mit Geröll und Sand
erfüllt worden sein werden und dasz später die Flüsse auf die schon
angefüllten Theile einen Sockel von ähnlicher Masse heruntergeworfen
haben werden, deren Neigung (wie das obere Ende eines zum Theil
erfüllten See's) durch die Zufuhr von Detritus und die Gewalt des
Str 3 bestimmt worden sein wird8. Es wird daher nach der end-
lichen Umwandelung der Buchten in Thäler beinahe der einzige Unter-

hied in den Terrassen an den Punkten, wo das Meer lange stand,
eine sanftere Neigung sein, mit von Flüssen anstatt vom Meere ab-
q Detritus auf ihrer Oberfläche.
Ich kenne nur eine der vorstehenden Ansicht entgegenzuhaltende

nwierigkeit, nämlich die weit her transportirten Felsblöcke hech
oben an den Seiten des Thaies des Cachapual: ich will keinerlei Er-
klärung dieser Erscheinung versuchen, will aber anführen, dasz meiner
Meinung nach ein Bergrücken in der Nähe der Bäder von Cauquenes
lange nach all* den übrigen Bergrücken in der Umgebung emporgehoben
worden ist, und dasz, als dies geschah, die ganze Oberfläche des Lan-
des bedeutend verändert worden sein musz. Überdies können in dem
Verlauf der Zeiten in diesem und anderen Thälern Ereignisse ein-
getreten sein, selbst in einem noch gröszeren Maszstabe, als das von
Molina beschriebene9, wo während des Erdbebens von 17G2 ein Erd-

" Ich habe in einem Briefe an Mr. Maclaren,           ruckt im Kiinburgh

New Philos. Journal, Vol. XXXV, p. 288, diesen Procesz in einer noch detaillir-
teren Weise zu erklären versucht.

9 i endio de la Hut. etc. etc., Tom. I, p. 30. Brongniart ist in seinem
Bericl        r Mr. Gay'a Arbeiten (Ännal. des Scienc. natur., 1838) der Anrieht,

D             - \              (XII, 1.)                                                                           7

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98                                       Geneigte Geröllterrassen.                                 Cap. 3.

rutsch zehn Tage lang den groszen Flusz Lontnl anfdämmte, welcher
dann seine Schranken durchbrach, „die ganze Gegend überschwemmte-
und ohne Zweifel viele grosze Gesteinsfragmente fortschaffte. Trotz
dieses einen schwierigen Falles kann ich endlich doch nicht daran
zweifeln, dasz diese terrassenähnlichen Säume, welche continuirlich mit
den beckenförmigen Ebenen am Fusze der Cordillera verbunden sind,
durch das Aufhalten des von Flüssen fortgeschart't.-n Detritus auf suc-
cessiven Höhen in derselben Weise gebildet worden sind wie wir es
c noch am oberen Ende aller jener vielen tiefen gewundenen Fjorde
stattfinden sehen, welche die südlichen Küsten einschneiden. Meiner
Idee nach ist dies eine der bedeutungsvollsten Schluszfolgerungen ge-
wesen, zu welchen mich meine Beobachtungen über die Geologie von
Süd-America geführt haben; denn wir lernen hieraus, dasz eine der
groszartigsten und symmetrischsten Bergketten auf der Erde mit ihren
verschiedenen parallelen Zügen10 zusammen in Masse zwischen 7<]

dasz die ei chen Blöcke im Cachapual zu derselben Classe gehören wie die
erratischen Blöcke von Enropa. Da die Blöcke, welche ich gesehen habe, nicht
von riesiger Grösse und besonders nicht eckig waren, und da sie nicht eigentlich
quer über niedrige -Strecken oder breite Thäler fortgeschafft worden sind, so bin
ich nicht geneigt, sie mit denjenigen zusammenzustellen, welche sowohl in der
nördlichen als südlichen Hemisphäre (Geolog. Transactions, Vol. VI, p. II"; Obers.
-. Bd. Abth. 2. p, 57) durch Eis transportirt worden sind. Es ist zu hofl
/, wenn Mr. Gay's lange fortgesetzten und              ebneten Arbeiten über Chile

veröffentlicht sind, mehr Licht auf den Gegenstand fallen wird. Die erratischen
Blöcke könnten indesz ursprünglich transportirt worden sein; die endliehe I
derjenigen von Porphyr, welch,- als am Fusze der Berge in undeutlichen Linien
ang' et beschrieben wurden, ist eine Folge der Wirkung der Wellen auf einen
Strand. Das Thal des Cachapual bricht da, wo die erratischen Blöcke vorkommt.n.
durch den hohen Kücken von Camjuenes, welcher mit der Cordillera, aber in einiger
Entfernung davon, parallel läuft. Dieser Kücken ist äuszerst gewaltsamen Kin-
griffen ausg-                sen; traehytische Lava ist aus ihm hervorgebrochen, und
noch immer ent            i heisze Quellen an seinem Fusze. In Anbetracht des enormen
Betrags von Denudation soliden Gesteins in den obern und viel breiteren Theilen
dieses Thals, da, wo es in die Cordillera eintritt, und der groszen Ausdehnung,
in welcher der Rücken von Cauquei         tzt den groszen Höhenzug deckt, wurde
ich zu der Annahme geführt (wie im Texte angedeutet wurde), dasz dieser Rücken
mit seinen traehytischen Eruptionen in einer viel späteren Periode als die Cordillera
emporgehoben worden ist. Wenn dies der Fall ist, so dürften die erratischen
Blöcke, nachdem sie von den Bergströmen nach einem niedrigen Niveau geschafft
worden waren (und in jedem Tbale zeigen die Ströme Beweise für ihre Kraft,
Fragmente transportiren zu können), auf ihre jetzige Höhe mit dem Lande, auf dem
sie lagen, emporgehoben worden sein.

10 Ich will nicht behaupten, dasz diese Linien sämmtlich gleichmiiszig er-
hoben worden sind; unbedeutende Verschiedenheiten in der Erhebung werden keine

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Cap. !                                 Bildung der Thä]                                        99

und 900o Fasz emporgehoben worden ist. in derselben allmählichen
Art und Weise, wie die östlichen and westlichen Küsten innerhalb
der neueren Perioden emporgehoben worden sind.

Bildung der Thäler.

Die Masse soliden Gesteins, welche in den unteren Theilen der
Thäler der Cordillera entfernt worden ist, ist ungeheuer gewesen: nur
durch Betrachtung solcher Fälle wie des der Geröllschichten von Pata-
gonien, die so viele Tausend Quadratstunden Oberflache bedecken, und
lohe, wenn sie in einem Kamm sich erhöben, eine beinahe der Cor-
dillera gleiche Bergkette bilden winden, wird der Grad der Denudation
glaubwürdig vorgestellt. Die Thäler innerhalb dieser Kette folgen
häufig antiklinischen, nur selten synklinischen Linien, d. h. die Schich-
ten auf den zwei Seiten fallen häufiger von der Thallinie weg, als
nach ihr zu. Auf den Seitenabhängen der Kette laufen die Thäler am
häufigsten weder antiklinischen noch synklinischen Axen entlang, son-
dern Krümmnngslinien oder Verwerfungen entlang, d. h. die Schichten
auf beiden Seiten fallen in derselben Richtung ein, aber mit verschie-
denen, wenn auch häufig nur unbedeutend verschiedenen Xeigungen.
Da die meisten der nahezu parallelen Rücken, welche zusammen ge-
nommen die Cordillera bilden, annähernd von Norden nach Süden ver-
laufen, kreuzen die östlichen und westlichen Thäler dieselben in Zick-
zacklinien und brechen durch die Punkte durch, wo die Schichten am

wahrnehmbare "Wirkung auf die Terrassen zurücklassen. Es konnte indessen, viel-
leicht mit einer Ausnahme, gefolgert werden, dasz seit der Periode, wo das Meer
diese Thäler einnahm, die verschiedenen Höhenzüge nicht durch grosze und
plötzliche Verwerfungen und Erhebungen dislocirt worden sind; denn wenn dies
eingetreten wäre, so wurden die Geröllterrassen an diesen Punkten nicht continuir-
lich gewesen sein. Die eine Ausnahme findet sieh am untern Ende einer Ebene
in dem Valle del Ye=o (eines Nebenflusses des Maypu), wo in einer bedeutenden Höhe
die Terrassen und das Thal durch eine Erhebungslinie durchbrochen worden zu
"in scheint, für welche die angrenzenden Berge deutliche Zeugnisse darbieten;
diese Dislocation trat vielleicht nach der Erhebung dieses Theils des Thals ttl
den Meeresspiegel ein. Das Thal wird liier durch einen über 1000 Fus/ mächt;.
Riegel beinahe geschlossen, welcher, soweit ich es beurtheilen konnte, von drei
Seiten L'änzlich oder mindestens zum hauptsächlichsten Tlieil aus Geröll und De-
tritus gebildet wird. Auf der Südseite hat der Flusz diese Masse ganz durch-
schnitten; auf der nördlichen Seite und ganz auf dem Gipfel sind parallel mit der
Richtung des Thaies tiefe Schluchten ausgewaschen, als wenn die Entwässerung
des Thaies darüber, ehe sie ihren jetzigen Lauf erhielt, durch diese beiden Rich-
tungen erfolgt wäre.

7*

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100                                             Bildung der Thaler.                                         Cap. 3.

wenigsten geneigt sind. Ohne Zweifel ist der gröszte Theil der Denu-
dation in den Perioden bewirkt worden, als von den Gezeiten heein-
fluszte Buchten die Thaler einnahmen und wo die üuszeren Seiten
der Berge der vollen Gewalt eines offenen Oceans ausgesetzt waren.
Ich habe bereits die Gewalt der Gezeitenwirkung in den grosz<- Meer-
busen verbindenden Canälen erwähnt, und ich will hier noch erwähnen,
dasz eines der mit der Aufnahme beschäftigten Schiffe in einem Canal
dieser Art trotzdem es unter Segel war durch die Gewalt der Strö-
mung rund herum gedreht wurde. Wir werden später sehen, dasz
von den zwei Bauptrücken, welche die chilenische Cordillera bilden,
der östliche und höchste den gröszten Theil seiner Winkelerhebung
einer Periode verdankt, welche der Erhebung des westlichen Rückens
folgte; und es ist gleichfalls wahrscheinlich, dasz viele der anderen
parallelen Kücken zu verschiedenen Perioden winkelig emporgehoben
worden sind; folglich müssen viele Theile der Oberfläche dieser Ge-
birge früher der vollen Gewalt der Wellen ausgesetzt gewesen sein,
welche, wenn die Cordillera jetzt in das Meer versinken würde, durch
parallele Inselketten geschützt würden. Die Bergströme in den Thä-
lern haben sicher eine bedeutende Kraft, die Gesteine abzunagen, wie

schon das dumpfe rasselnde Geräusch der vielen Fragmente ver-
näh, welche Nachts und Tags abwärts geschleudert werden, und wie
aucli durch die ungeheuere Grösze gewisser Fragmente bezeugt wird,
welche, wie mir versichert wurde, während groszer Wasserstürze fort-
geschafft worden sind; doch haben wir in den unteren Theilen der
Thäler gesehen, dasz die Bergströme selten allen den vom Meere an-
gehäuften Schotter, welcher die Terrassen bildet, entfernt haben, und sie
haben seit der letzten Erhebung in Masse nur Zeit gehabt, in die
darunter liegenden Gesteine tiefe und schmale Schluchten, aber in
ihren Dimensionen mit der ganzen Breite und Tiefe der Thäler ver-
glichen gänzlich unbedeutend, einzuschneiden.

Den Küsten des stillen Oceans entlang habe ich nie während

iner vielen und langen Bxcureionen aufgehört darüber erstaunt zu
sein, dasz ich jedes Thal, jede Schlucht und selbst jede kleine Uneben-
heit der Oberfläche sowohl in harten granitischen als weichen tertiären
I'istrieten die genauen Umrisse beibehalten sah, welche sie hatten, als
das Meer ihre Oberfläche mit organischen ltesten bedeckt zurückliesz.
Wenn diese Reste zerfallen sein werden, wird kaum irgend welche
Verschiedenheit im Ansehen zwischen diesem Zug von Küstenland und

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Cap. ::.                                 Bildung «1er Thäler.                                     101

den meisten anderen Ländern bestehen bleiben, von welchen wir an-
zunehmen gewohnt sind, dasz sie ihre jetzige Gestaltung hauptsächlich
durch die Thätigkeit des Wetters und der Süszwasserströrae erhalten
haben. In den alten granitischen Districten würde es ohne Zweifel
voreilig sein, alle Modifikationen des Umrisses ausschlieszlicb der
Meeresthätigkeit zuzuschreiben; denn wer kann sagen, wie oft diese
vor kurzem noch untergetauchte Küste nicht früher schon als Land
existirt halten und von laufenden Strömen abgenagt und von Regen
abgewaschen worden sein mag? Diese Zweifelsquelle gilt indes
nicht für die oberflächlich aus den modernen tertiären Ablagerungen
gebildeten Districte. Die von dem Meere ausgewaschenen Thäler in
den weicheren Formationen sowohl auf der atlantischen als pacilischen
Seite des Continents sind meist breit, gewunden und fiachsohlig: der
einzige District von einer solchen Beschaffenheit, welcher jetzt von
Meeresarmen durchsetzt wird, ist die Insel Chiloe.

Endlich ist die Schluszfolgerung, zu welcher ich in Beziehung
auf die relative Gewalt von Regen und Meerwasser auf das Land ge-
langt bin, die, dasz das Letztere bei weitem das wirksamste Agens
ist, und dasz sein hauptsächlichstes Streben dahin geht die Thaler zu
erweitern, wahrend Bergströme und Flüsse dahin streben, sie zu ver-
tiefen und die Überreste der zerstörenden Thätigkeit des Meeres zu
entfernen. Da die Wellen mehr Gewalt haben je offener und expo-
nirter die Stelle ist, so werden sie auch immer dahin streben, die
Mündungen der Thäler im Vergleich mit ihren oberen Theilen immer
mehr und mehr zu erweitern: zweifellos rührt es hiervon her, d,
die meisten Thäler sich an ihren Mündungen erweitern, das ist an
jenem Theile, an welchem die in ihnen flieszenden Ströme meist die
geringste abnagende Kraft haben.

Wenn wir über die Wirkung des Meeres auf das Land in frühe-
ren Niveau nachdenken, dürfen die Wirkungen der groszen Wellen,
welche gewöhnlich Erdbeben begleiten, nicht übersehen werden. Wenige
Jahre vergehen, ohne dasz ein heftiges Erdbeben an irgend einer Stelle
der Westküste von Süd-America eintrete, und die hierdurch verursach-
ten Wellen haben eine grosze Gewalt. Bei Concepcion sah ich nach
dem Erdstosz von 1835 grosze Sandsteinblöcke, von denen einer sec
Fusz lang und drei Fusz breit und zwei Fusz dick war, hoch auf den
Strand hinaufgeworfen, und nach der Beschaffenheit der noch immer
ihm anhängenden Seethiere rousz er aus einer beträchtlichen Tiefe

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1<>1»                                     Oberflächliche Salzlager.                                Cap.

losgelöst worden sein. Auf der andern Seite führte bei Callao die
rückläufige Welle des Erdbebens von 1746 grosze Massen von Ziegd-
k zwischen drei und vier Fusz im Geviert eine grosze Strecke weil
in das Meer hinaus. Wahrend de- Verlaufs der Zeiten kann die hier-
durch auf jedem successiven Niveau hervorgebrachte Wirkung nicht
gering gewesen sein; und in einigen der tertiären Ablagerungen auf
dieser Kästenstrecke beobachtete ich grosze erratische Blöcke von
Granit und anderen benachbarten Gesteinen, die in feinen sedimen-
tären Schichten eingebettet waren und deren Transport mit Ausnahme
durch Erdbebenwellen mir immer unerklärlich seinen.

Oberflächliche Salzablagerungen.

Es dürfte von diesem Gegenstande hier am zweckmäszigsten ge-
handelt werden: ich will mit dem interessantesten Falle anfangen,
nämlich mit den oberflächlichen Salzschichten in der Nähe von Iquique
in Peru. Die Porphyrberge an der Küste steigen plötzlich bis zu
einer Höhe von zwischen 1900 und 3000 Fusz empor: zwischen ihren
Gipfeln und einer landeinwärts gelegenen Ebene, auf welcher die be-
rühmte Ablagerung von Natronsalpeter liegt, findet sich ein hoher
welliger District, der mit einer merkwürdigen oberflächlichen Salz füh-
renden Kruste bedeckt ist, die hauptsächlich aus gewöhnlichem Salz.
entweder in weiszen harten opaken Knoten oder mit Sand vermischt,
besteht, wobei dieser in dem letzteren Falle einen compacten Sandstein
bildet. Diese Salz führende oberflächliche Kruste erstreckt sich von
dem Rande der Küstenböschung an über die ganze Fläche des Landes,
erreicht aber niemals, wie mir von Mr. Bollaeet (der lange hier lebt)
sichert wurde, eine bedeutende Mächtigkeit. Obschon ein sehr un-
bedeutender Regenschauer nur in Intervallen von vielen Jahren hier
fällt, zeigen doch kleine trichterförmige Höhlungen, dasz das Salz an
einigen Stellen aufgelöst worden ist11. An mehreren Stellen sah ich
grosze Flecke von Sand völlig feucht, in Folge der Menge von Chlor-
calcium (wie Mr. T. REEKS ermittelte), welches in ihm enthalten ist.

11 Es ist eigenthömlich, wie Langsam Dach den Beobachtung n Cordier'e

über das Salzgebirge             dona in Spanien (Annal,                  Übersetz, geologi-

i Aldiandl. von de la Beche. p. 60) Salz aafj          wird, wo die jährliche

Menge selbst zu 81,4 Zoll angen                 !. .Man hat berechnet, dasz nur fünf

Posz Mächtigkeit im Kaufe eines Jahrhund                              n.

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Salzlager von Iqaique.                                     JQ3

Da der compacte durch Salz cementirte Sand entweder roth, purpurn
oder gelb ist, je nach der Farbe der Gesteinsschichten auf welchen er
ruhte, stellte ich mir vor, dasz diese Substanz wahrscheinlich durch

wohnliche alluviale Thfttigkeit aus den Salzschichten herzuleiten sei,
welche in den umgebenden Gebirgen als zwischeneingeschichtete Lager
vorkommen; aber nach dn von d'Orbigni gegebenen interessanten
Details, und nachdem ich bei einer erneuten Untersuchung dieses
agglomerirten Sandes fand, dasz er nicht unregelmäszig cementirt ist,

ädern aus dünnen Sandschichten verschiedener Farbentöne besteht,
die mit äusserst feinen parallelen Salzschichten abwechseln, schliesze
ich, dasz sie nicht alluvialen Ursprungs ist12. d'OrbignY beobachtete
analoge Salzschichten, die sich von Cobija fünf Breitengrade weit nach
Norden erstreckten, in Höhen, die zwischen 600 bis 900 Fusz schwank-
ten. Da er recente Seemuscheln über diesen Salz führenden Schichten
zerstreut und unter ihnen grosze gut abgerundete Blöcke, genau gleich
denen an dem jetzt existirenden Meeresstrande, fand, nimmt er an,
dasz das Salz, welches ausnahmslos oberflächlich liegt, durch die Ver-
dunstung von Seewasser zurückgelassen worden ist. Diese nämliche
Schluszfolgerung musz, wie ich jetzt glaube, auch auf die oberfläch-
lichen Salz führenden Schichten von Iijuique ausgedehnt werden, ob-
schon sie ungefähr 3000 Fusz über dem Meeresspiegel liegen.

In Gesellschaft mit dem Salze in den oberflächlichen Schichten
finden sich zahlreiche dünne Gesteinsschichten unreiner, schmutzig
weiszer, zerreiblicher, gypshaltiger und kalkiger Tuffe. Die Gyps-
schichten sind sehr merkwürdig, weil sie äuszerst reichlich und zwar
zuweilen in einem solchen Grade, dasz sie beinahe ganz daraus be-
stehen , unzahlige Concretionen, von der Grösze eines Eies bis zu der
eines Manneskopfes, von sehr hartem schweren Gyps in der Form von

12 Voyage etc., p. 102. d'Orbigny fand diese Ablagerung an vielen Stellen
von tiefen Schluchten durchsetzt, in denen kein Salz vorhanden war. Früher
müssen einmal Ströme, obschon sie historisch nicht bekannt sind, in ihnen ge-
flossen sein; und d'Orbigny folgert aus der Gegenwart ungelösten Salzes auf dem
ganzen benachbarten Lande, dasz die Ströme dadurch entstanden sind, dasz Regen
oder Schnee nicht in dem anstoszenden Lande, sondern auf der jetzt dürren Cor-
dillera gefallen ist. Ich will bemerken, dasz ich Ruinen indianischer Bauwerke
an absolut sterilen Stellen der chilenischen Cordillera beobachtet habe (Reise eines
Naturforschers, l.'bers. p.          und danach zu der Annahme geführt worden bin.

da-.-        Clima zu einer Zeit, wo Indianer diesen Theil des Continents bewohn-

in einem geringen Grade feuchter gewesen ist als gegenwärtig-

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104                                       Natronsalpeter.                                    Cap. 3.

Anhydrit enthalten. Dieser Gyps enthält einige fremde Gesteinsstück-
chen; er ist, nach seiner Wirkung auf Borax, mit Eisen gefärbt und
haucht einen stark thonigen Geruch aus. Die Oberflächen der Con-
cretionen sind durch scharfe, strahlige oder gegabelte Leisten gezeich-
net, als wenn sie (aber nicht wirklich) corrodirt wären: innerlich sind
sie von verzweigten Adern von reinem weiszen Anhydrit durchsetzt
(gleich denen von Kalkspath in den Septarien des Londoner Thoi
Diese Adern könnte man natürlich als durch spätere Infiltrationen
bildet ansehen, wäre nicht jedes kleine eingeschlossene Qesteinsfri
ment gleichfalls in einer sehr merkwürdigen Art und Weise von einem
schmalen Rande desselben weiszen Anhydrits eingefaszt. Dies zeigt,
dasz die Adern durch einen Scheidungsprocesz und nicht durch einen
Infiltrationsprocesz gebildet worden sein müssen. Einige der klein«
eingeschlossenen und zerbrochenen Fragmente fremden <lesteins
sind von Anhydrit durchsetzt und Portionen davon sind offenbar in
dieser Weise mechanisch verschoben worden: auf St. Helena beobarh-
tete ich, dasz kalkige Substanz, die durch Regenwasser niedergeschlagen
war, gleichfalls die Kraft hatte, kleine Gesteinsfragmente aus den
gröszeren Massen zu trennen. Ich glaube, dasz das oberflächliche
Gypsbett sehr weit ausgedehnt ist: ich erhielt Handstücke davon aus
Pisagua, vierzig Meilen nördlich von [quique, und gleichfalls aus Arica,
wo es eine Schicht reinen Salzes aberzieht. u'Orbigxy ,3 fand in (
bija eine Thonschicht, die über einer Masse emporgehobener recenter
Muscheln lag, und welche mit schwefelsaurem Natron gesättigt war
und dünne Schichten faserigen Gypses enthielt. Diese weit ausgebrei-
teten oberflächlichen Schichten von Salz und Gyps scheinen mir eine
interessante geologische Erscheinung zu sein, welche sich nur anter
einem sehr trockenen Clima darbieten konnte.

Die Ebene oder das Becken, auf dessen Rändern die berühmte
Schicht von Natronsalpeter liegt, ist in einer Entfernung von ungefähr
dreiszig Meilen von dem Meere gelegen und wird von ihm durch den
Salz führenden oben beschriebenen District getrennt. Sie liegt in einer
Höhe von 3300 Fusz; ihre Oberfläche ist eben und einige Stunden
breit; sie erstreckt sich vierzig Meilen nach Norden, und hat eine
totale Lange (wie mir Mr. Belfoed Wilson, Generalconsul in Lima
mitgetheilt hat) von 420 Meilen. In einem Brunnen in der Nähe der

Voyage, Geolog, etc., p. 95.

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Cap. 3.                                    Natronsalpeter.                                        105

Salzwerke, sechsunddreiszig Yards tief, wurde Sand, Erde und ein
wenig Geröll gefunden: in einem anderen Brunnen in der Nähe von
Almonte, fünfzig Yards tief, bestand das Ganze nach der Angabe von
Mr. Blake1* aus Thon, welcher eine zwei Fusz machtige Sandschicht
einschlosz, auf feinem Geschiebe und dieses wieder auf grobem Geröll
mit groszen abgerundeten Gesteinsfragmenten auflag. An vielen Stellen
dieser jetzt gänzlich wüsten Ebene finden sich Binsen und grosze
niederliegende Baumstämme in einem erhärteten Zustande, allem An-
schein nach Mimosen, in einer Tiefe von drei bis sechs Fusz begraben;
nach der Angabe von Mr. Bi.akk sind sie alle nach Südwesten zu ge-
fallen. Die Schicht von Natronsalpeter soll sich vierzig oder fünfzig
Stunden dem westlichen Rande dieser Ebene entlang ausdehnen, findet
sich aber nicht in ihren centralen Theilen; sie ist von zwei bis drei
Fusz mächtig und ist so hart, dasz sie gewöhnlich mit Schieszpnlver
gesprengt wird; sie steigt sanft von dem Hände der Ebene bis zwischen
zehn und dreiszig Fusz über ihr Niveau an. Sie ruht auf Sand, in
welchem, wie angegeben wird, Pflanzenreste und zerbrochene Muscheln
gefunden worden sind. Nach der Angabe von Mr. Blake sind Mu-
scheln auch sowohl auf als in dem Natronsalpeter gefunden worden.
Er wird von einer oberflächlichen Masse von Sand bedeckt, welcbn-
Knoten gewöhnlichen Salzes enthält und, wie mir ein Bergmann ver-
sicherte, auch viele weiche gypsartige Masse genau gleich der in der
oberflächlichen bereits beschriebenen Schicht: sicher kommt diese Rinde
mit ihren characteristischen Concretionen von Anhydrit sehr nahe bis
zum Rande der Ebene herab.

Der Natronsalpeter variirt in seiner Reinheit an verschiedenen
Stellen und enthält häufig Knoten von gewöhnlichem Salz. Nach der
Angabe von Mr. Blake variirt das Verhältnis von Silbersalpeter von
zwanzig bis fünfundsiebenzig Procent. Eine von Mr. A. Ihres aus:
führte Analyse eines Handstüekcs von mittlerer Zusammensetzung ergal-:

>aliietersaures Natron.....   64,98

Schwefelsaares Natron.....     3,00

Chlornatrium........   28,69

Jodsalze..........     0,63

Muscheln und Mergel.....     2,60

99,90.

14 s. einen ausgezeichneten Aufsatz: „Geolog, and Miscell. Notices of Tara-
paca" in: Silliman'a American Journal, Vol. XLIV, p. 1.

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106                                        Izige Incrustationen.                                    p 3.

Die Mutterlauge in einigen der Raffinerien ist sehr reich an Jod-
salzen, und man nimmt an,15 dasz sie viel Chlorcalcium enthält. In
einem nicht raftinirten Handstück, welches ich selbst nach Haus*.'
brachte, hat Mr. T. Heers ermittelt, dasz Chlorkalk sehr reichlich
vorhanden ist. In Bezug auf den Ursprung dieser Salzmasse kann
man nach der Art und Weise, in welcher das sanft geneigte compacte
Bett für so viele Meilen dem buchtigen Bande der Ebene folgt, nicht
daran zweifeln, dasz es aus einer Wassermasse abgelagert wurde: und
nach den Fragmenten eingeschlossener Musehein, nach den sehr reich-
lich vorhandenen Jodsalzen, und da die oberflächliche Salz führende
Kruste in einem höheren Niveau vorkommt und wahrscheinlich marinen
Ursprunges ist, und da die Ebene in der Form denen von Chile und
der von Uspaliata ähnlich ist, kann man nur wenig daran zweifeln,
dasz diese Wassermasse wenigstens ursprünglich mit dem Meere im
Zusammenhange stand16.

Dünne oberflächliche salzige Incrustationen. — Diese
Salzincrustationen sind an vielen Stellen von America häufig: Hüm-
.DT traf sie auf dem Tafellande von Mexico, und der Jesuit Falenbb
und andere Schriftsteller,7 geben an, dasz sie in Zwischenräumen über
die ungeheueren Ebenen, die sich von der Mündung des Plata bis nach
Rioja und Catamarca hin erstrecken, vorkommen. Hiervon rührt es,
dasz während der Perioden von Trockenheit die meisten Ströme in
den Pampas salzig sind. Ich traf diese Incrustationen nirgends in
solch' ungeheurer Menge wie in der Nähe von Bahia Bianca: Quadrat-
meilen der Lehmebenen, welche sich in der Nähe jenes Ortes nur

15   Literary Gazette, 1341, p. 475.

16  Aus einem ofticiellen Docament, welches mir Mr. Beiford Wilson

zeigte, geht hervor, dasz <ler erste Export von Natronsalpeter nach Europa im

Juli 1830 für französische Rechnung in einem englischen Schiffe geschalt.


30 betrug der Totalexport...... 17,800

1831.........40,885

1832.........51,400

1833      „ „           ....... 1,335

1834      „ „           „            ......149,538.

Der spanische Quintal ist ungefähr 100 englischen Pfunden gleich.

17   Azara (Travels etc., Vol. I, p. 55) betrachtet die Parana als die östliche
Grenze der salzführenden Gegend; ich habe aber von „Salitrales" in der Provinz
Kntre Rios gehört.

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C*P- 3-                                           läge Incrustationcn                                              107

wenige Fusz oberhalb des Meeres erheben, gerade hinreichend, um sie

gegen das ("bcrrluthetwerden zu schützen, erscheinen nach trockenem
Wetter weiszer als der Boden nach dem schärfsten Beif. Nach Hegen
verschwindet das Salz und jeder kleine Wassertümpel wird im hohen
Grade salzig; in dem Masze wie die Oberfläche trocknet, zieht die
Capillarthatigkeit die Feuchtigkeit in abgebrochenen Erdstückchen, ab-
gestorbenen Stammen und Grashalmen in die Höhe, wo das Salz efrlo-
resciit. Wo die Incrustation am dicksten ist, beträgt sie nicht mehr
.'inen Viertelzoll. .Mr. PabchappE hat sie analysirt18 und findet.
das/ das an dem auazersten oberen Knde der niedrigen Ebene in der
Nähe des Rio Manuelo gesammelte 1 landstück aus dreiundneunzig
Procent schwefelsauren Natrons und sieben Procent gewöhnlichen Salzes
bestand, während die dicht an der Küste genommenen Exemplare nur
dreiundsechzig Procent des schwefelsauren und siebenunddreiszig Pro-
cent des salzsauren Natrons enthielten. Diese merkwürdige Thatsache
in Verbindung damit, dasz wir wissen, dasz diese ganze niedere leh-
mige Eben»* innerhalb der recenten Periode vom Meere bedeckt ge-
sell ist, musz zu der Vermuthung führen, dasz das gewöhnliche Salz
durch irgend einen unbekannten Procesz mit der Zeit in schwefelsaures
Salz umgewandelt wird. Zerreibliche kalkige Substanz ist hier äuszerst
reichlich vorhanden, und der Fall einer augenscheinlich doppelten
Zersetzimg der Muscheln und des Salzes am San Lorenzo ist nicht zu
vergessen.

Die salzigen Inerustationen in der Nähe von Bahia Bianca sind
ht auf die niedrigen lehmigen Ebenen beschränkt, obschon sie dort
am reichlichsten sind; denn ich bemerkte einige auf einer kalkigen
Ebene zwischen dreiszig und vierzig Fusz über dem Meere, und ein
inig kommt selbst in noch höheren Thälern vor. Niedrige alluviale
Strecken in den Thälern der Flüsse Negro und Colorado sind gleich-
falls incrustirt, und in dem letzteren Tliale scheinen derartige Flecke
gelegentlich vom Flusse überströmt zu werden. Ich beobachtete Salz-
incrustationen in einigen der Thäler des südlichen Patagonien. Bei
Port Desire war ein niedriges flaches lehmiges Thal dick von Salzen
incrustirt. welche nach der Analyse von Mr. T. REEKS sieh als aus
einer Mischung von schwefelsaurem Natron und Chlornatrium bestehend
erwiesen, mit kohlensaurem Kalk und erdiger Substanz. Auf der west-

!- d'Orbigny, Yoyage etc., Partie Histor., Tom I. i

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los

Salzseon von

3.

liehen Seite des Continents sind die südlichen Küsten viel zu feucht
für diese Erscheinung: aber im nördlichen Chile traf ich wiederum
ähnliche Incnistationen. Auf dem erhärteten Lehme an einzelnen
Stellen des breiten tlachsohligen Thaies von Copiapo incrustirt die
salzige Substanz den Boden bis zur Dicke von einigen Zollen; Hand-
stücke, welche Mr. Bixglev der Apothecaries' Hall zur Analyse ge-
schickt hatte, bestanden der Angabe nach aus kohlensaurem and
schwefelsaurem Natron. Viel schwefelsaures Natron wird auf der
Wüßte von Atacama gefunden. In allen Theilen von Süd-America
kommen die Salzincrustationen am hantigsten auf niedrigen feuchten
Betten vor, wo das Clima im Ganzen trocken ist, und diese niedrigen
Flachen sind beinahe in allen Fällen über das Meeresniveau innerhalb
der recenten Periode erhoben worden.

Salzseen von Patagonien und La Plata. — ,Salinas'
oder natürliche Salzseen kommen in verschiedenen Formationen auf
der östlichen Seite des kontinentes vor: — in der thouig-kalkigen
Ablagerung der Pampas, im Sandsteine des Rio Xegro, wo sie sehr
zahlreich sind, in der Bimssteinschicht und anderen Schichten der
patagonischen Tertiärformation, und in kleinen primären Districten
mitten in dieser letzteren Formation. Port S. Julian ist der süd-
lichste Punkt (40 bis 50° s. Br.), wo man weisz, dasz Salinas vor-
kommen19. Die Depressionen, in welchen diese Salzseen liegen, sind
i einigen wenigen Fusz bis sechzig Meter, wie d'OBBlGNY an-
gegeben hat20, unter die Oberfläche der umgebenden Ebene vertieft,
und nach der Angabe desselben Schriftstellers werden sie in der
Nähe des Bio Negro sämmtlich entweder in nord-östlichen und süd-
westlichen, oder in ost-westlichen Richtungen entwässert, die mit dem
allgemeinen Abfall der Ebene zusammentreffen. Diese Depressionen in
der Ebene haben meist die eine Seite tiefer als die anderen, aber es
finden sich keine Durchlässe zum Entwässern. Unter einem weniger
trockenen Clima würde ein Ausflusz sich bald gebildet haben und das
Salz weggewaschen werden. Die Salinas kommen in verschiedenen

18 A/ara zufolge (Travels etc., Vol. I, p. 56) finden sich Salzseen so weit
nördlich wie Chaco 25° s. Br.J an den Ufern des Vermejo. Die Salzseen von
Sibirien scheinen (Pallas, Reisen, engl. Über        1. I, p. 284) in Depressionen

vorzukommen, welche denen von Patagonien sehr ähnlich sind.
20 Voyage, Geolog., p. 63.

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Cap. 3.                             l'atagonien und I,a I'lata.                                 100

Erhebungen über dem Meere vor; sie sind oft mehrere Stunden im
Durchmesser, sie sind meistens sehr seicht, aber in einer Formation
von Quarzitgestein in der Nähe von C. Bianca findet sich eine tiefe.
In der feuchten Jahreszeit wird das ganze Salz oder ein Theil auf-
gelöst und wird während der darauffolgenden trockenen Jahreszeit
wieder niedergeschlagen. Um diese Zeit ist das Auftreten der schnee-
weiszen Flächen von Salz, welches in groszen Würfeln krystallisirt,
sehr auffallend. In einer groszen Salina nördlich vom Rio Negro ist
das Salz am Grunde während des ganzen Jahres zwischen zwei und
drei Fusz mächtig.

Das Salz liegt beinahe immer auf einer dicken Schicht von schwar-
zem lehmigen Sand, welcher wahrscheinlich wegen des Zerfalls der
denselben bewohnenden bohrenden Würmer übelriechend ist21. In
einer Salina, welche ungefähr fünfzehn Meilen oberhalb der Stadt von
El Carmen am Rio Negro und drei oder vier Meilen von den Ufern
dieses Flusses entfernt liegt, beobachtete ich, dasz dieser schwarz«-
Lehm auf Geröll mit einer kalkigen Bindesubstanz ruhte, ähnlich
dem, welcher über die ganzen umgebenden Ebenen verbreitet vorkommt:
auch bei Port S. Julian ruhte der Lehm auf Geröll: es müssen daher
die Depressionen vor oder gleichzeitig mit dem Ausbreiten des Gerölls
gebildet worden sein. Mir wurde mitgetheilt, dasz eine kleine Salina
in einer alluvialen Ebene innerhalb des Thaies des Rio Negro vorkomme,
und es musz daher ihr Ursprung auf die Aushöhlung dieses Thaies
gefolgt sein. Als ich die fünfzehn Meilen oberhalb der Stadt gelegene
Salina besuchte, fieng das Salz an zu krwstallisiren, und auf dem
lehmigen Boden fanden sich viele meist kreuzweise gelegene Kry-
stalle von schwefelsaurem Natron (wie Mr. RBCKS ermittelte), und in
den Lehm eingebettet zahlreiche Krystalle von schwefelsaurem Kalk
von einem bis drei Zoll in Länge: d'Orbignt28 gibt an, dasz einige
dieser Krystalle spieszig und mehr als selbst neun Zoll lang sind.
Andere sind rhombisch und von groszer Reinheit; diejenigen, die ich
fand, enthielten alle etwas Sand in ihren Centren. Da der sehwarze
und übelriechende Sand über dem Geröll liegt und dieser wieder über
den regelmäßigen tertiären Lagern, so glaube ich, läszt sich nicht
daran zweifeln, dasz diese merkwürdigen Krystalle von schwefelsaurem

21 Prof. Ehrenberg hat Ktwas von diesem lehmigen Sande untersucht, ist

aber nicht im Stande gewesen, Infusorien darin zu finden.
» \                 log., p. 64.

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HO                                           Salzseen von                                       Cap. 3.

Kalk aus den Wassern des See's abgelagert worden sind. Die Ein-
wohner nennen die Seknitknstalle den „padre del sal-, und die des
schwefelsauren Natrons die „madre del sal*; sie versicherten mir, dnsz
beide sich unter den nämlichen Umständen in mehreren der benach-
barten Salinas fänden, und dasz das schwefelsaure Natron jährlich
aufgelöst und immer wieder vor dem gemeinen Salz auf dem leh-
migen Hoden krystallisirt wird23. Die Verbindung von Gyps und Salz
in diesem Falle ebenso wie in den oberflächlichen Ablagerungen von
Iquique scheint mir interessant zu sein, wenn man bedenkt, wie all-
gemein diese Substanzen in den älteren geschichteten Formationen

_resellschaftet sind.

Mr. Reeks hat etwas von dem Salz ans der Sauna in der Nähe
des Rio Xegro für mich analvsirt; er findet es ganz aus ("liloniatrium
bestehend, ausgenommen von 0,26 Schwefel saurein Kalk und 0,22
erdiger Substanz; von Jodsalzen finden sich keine Spuren. Einige
Salzsorten aus der Salina Chiqoitos in der Pampas-Formation sind gleich
rein. Es ist eine eigentümliche Thatsache, dasz das Salz aus diesen
Salinen nicht so gut zum Conserviren von Fleisch dient wie Seesalz
von den Cap Verdi'schen Inseln; und ein Kaufmann in Buenos Ayres
sagte mir, dasz er es für um fünfzig Procent weniger werthvoll hielt.
Die Reinheit des patagonischen Salzes, oder das Fehlen in ihm von
jenen anderen salzigen Körpern, die in allem Seewasser zu finden sind,
ist die einzige nachweisbare Ursache für diese Inferiorität; eine Fol-
gerung, welche durch die vor kurzem ermittelte Thatsache8* unter-
stützt wird, dasz diejenigen Salze am besten dem Zwecke Käse zu
conserviren dienen, welche am meisten zerflieszliche Chloride ent-
halten25.

In Bezug auf den Ursprung des Salzes in den Salinas scheint die
vorstehende Analyse der von d'Orbigny und Anderen aufgestellten

23 Dies entspricht dem, was sich hätte erwarten lassen; denn Ballard gibt
an (Annal. des Sciences, 7. Oct. 1844), dasz schwefelsaures Natron leichter aus
einer Lösung niedergeschlagen wird, wenn das Wasser Chlornatrium in Überech
enthält, als aus reinem Wasser.

» Hortic. and Agricult. Gazette, 1845, p. 93.

25 Es würde sich wahrscheinlich für die Kaufleute von Buenos Ayres (in
Anbetracht des dortigen groszen Bedarfs an Salz zum Conserviren des Fleisches)
verlohnen, die deliquescirenden Chloride zur Mischung mit dem Salz aus den Sa-
linen einzuführen: ich will auf die Thatsache aufmerksam machen, dasz in Iquique
eine grosze Menge Chlorkalk, welcher während des Raffinirens des Natronsalpeters
in der Mutterlauge zurückbleibt, dort jährlich weggeworfen wird.

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Cap. 3.                            Patagonien anf La Plata.                               Hl

Ansicht entgegenzustehen, welche im Übrigen in Anbetracht der neue~
ren Erhebung dieser Küstenstrecke so wahrscheinlich erscheint, dasz
es nämlich eine Folge der Verdunstung von Seewasser und der Ent-
wässerung der umgebenden mit Seewasser imprägnirten Schichten sei.
Man hat mir (ich weisz nicht, ob richtig) mitgetheilt, dasz auf der
nördlichen Seite der Salina am Rio NTegro eine kleine salzige Quelle
sich findet, welche zu allen Zeiten des Jahres flieszt. Ist dies der
Fall, so ist das Salz wenigstens in diesem Falle wahrscheinlich unter'
irdischen Ursprungs. Es erscheint zuerst sehr eigenthümlich, d;
Süszwasser häutig in Brunnen26, und zuweilen in kleinen See'n gefun-
den .wird, welche dicht bei diesen Salinas liegen. Ich wüszte nicht,
dasz diese Thatsache in besonderer Beziehung zu dem Ursprung des
Salzes steht: vielleicht steht sie aber der Ansicht entgegen, dasz das
Salz aus den umgebenden oberflächlichen Schichten ausgewaschen, aber
nicht der, dasz es der Rückstand von Seewasser ist, welches in De-
pressionen zurückgelassen wurde, als das Land langsam erhoben wurde.

20 Sir W. Parish (Buenos Äyrea etc., p. 122, 170) gibt an,           lies in

der NShfl der groszen Saline westlich von der Sierra Ventana der Fall ist. Ich
habe ähnliche Angaben in einem alten handschriftlichen Journal gesehen, welch
S Angelia vor kurzem herausgegeben hat. In Iquique, wo die Oberfläche so
dick mit salziger Substanz incrustirt ist, kostete ich Wasser aus einem sechsund-
dreiszig 3         tiefen Brunnen und fand es nur unbedeutend brackisch; hier über-

eilt aber seine Gegenwart weniger, da reines Wasser unter dem Boden von der
nicht sehr entfernten Cordillera durchsickern kann.

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Viertes Capitel.

Formationen der Pampas.

Mineralogische Constitution. — Mikroskopische Structur. — Buenos Äyres, in Tosca-
Gestein eingebettete Muscheln. — Von Buenos Ayres nach dem Colorado. —
Sierra Ventana, Bahia Bianca; M. Hermoso, Knochen und Infusorien; P. Alta,
Muscheln, Knochen und Infusorien; Coexistenz recenter Muscheln und aus-
gestorbener Saugethiere. — Von Buenos Ayres nach Sta Fe. — Skelete von
Mastodon. — Infusorien. — Untere marine tertiäre Schichten, deren Alter.—
Pi'erdezahn. — Banda oriental. — Oberflächliche Pampas-Formation. — Untere
rtiare Schichten, Abänderung derselben in Zusammenhang mit vulcaniscln r
Thätigkeit-, Macrauchenia patachonica bei Port 8. Julian in Patagonien.
Alter derselben, nach dem Erscheinen der lebenden Mollusken und nach der
Periode der erratischen Blöcke. — Zusammenfassung. — Flächengebiet
der Pampas-Formation. — Theorien ihres l rsprungs. — Quelle des Sediments.
— Aestuarium-rrsprung. — Gleichzeitig mit lebenden Mollusken. — Be-
ziehungen zu den darunter liegenden tertiären Schichten. — Alte Ablagerung
v<m Aeetuarien-Ursprang. —Erhebung und successive Ablagerung der Pamj
Formation. — Zahl und Zustand der Sftugethierreste; ihr Wohnort, ihre Nah-
rung, ihr Aussterben und ihre Verbreitung. — Schlusz, — Localitüten in den
Pampas, an welchen Säugethierreste gefanden worden sind.

Die Pampas-Formation ist im hohen Grade interessant wegen ihrer
ungeheueren Ausdehnung, ihres streitigen Ursprungs, und wegen der
groszen Zahl ausgestorbener riesenhafter Säugethiere, die in ihr ein-
gebettet sind. Sie hat im Ganzen einen sehr gleichförmigen Character:
sie bestellt aus einer mehr oder weniger dunkel-röthlichen, leicht ver-
härteten, thonigen Erde, oder einem solchen Lehm, welcher häufig,
aber nicht immer, in horizontalen Linien Concretionen von Mergel ent-
hält und häufig in ein compactes mergeliges Gestein übergeht. Der
Lehm oder Letten enthielt, wo ich ihn auch untersuchte, selbst dicht an
den Concretionen keinen kohlensauren Kalk. Die Concretionen sind im
Allgemeinen knotig, zuweilen äuszerlich rauh, zuweilen Stalaktit

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Cap. 1.                                  Pampas-Formation.                                      \\%

förmig; sie sind von einer compacten Struktur, werden aber oft (ebenso
wie der Lehm) von haarförmigen Serpentinen Höhlungen und gelegent-
lich von unregelmäszigen Spalten in ihrer Mitte durchbohrt, welche
mit minutiösen krvstallen von kohlensaurem Kalk ausgekleidet sind;
sie sind von einer weiszen, braunen oder blasz-röthliehen Färbung,
häufig mit schwarzem dendritischen Mangan oder Eisen gezeichnet;
sie sind entweder dunkler oder heller gefärbt als die umgebende Masse;
sie enthalten viel kohlensauren Kalk, geben aber einen starken Thon-
geruch von sich und hinterlassen, wenn sie in Sauren gelöst werden,
einen bedeutenden aber variirenden Rückstand, von dem der          ere

Theil aus Sand besteht. Diese Concretionen verbinden sich oft zu
unregelmäßigen Schichten, und über sehr grosze Landstriche hin be-
steht die ganze Masse aus einem harten aber meist cavernösen merge-
ligen Gestein: einige von den Varietäten konnten kalkige Tuffe genannt
werden.

Dr. Carpenteb war so freundlich, unter dem Mikroskop ge-
schliffene und polirte Exemplare dieser Concretionen und des soliden
-Mergelgesteins zu untersuchen, welche an verschiedenen Stellen zwi-
schen dem Colorado und Santa Fe Bajada gesammelt wurden. In der
gröszeren Zahl derselben findet Dr. Ci ter, dasz die ganze Sub-
stanz einen ziemlich gleichförmigen, amorphen Character, aber mit
Spuren einer beginnenden kristallinischen Metamorphose darbietet; in
anderen Präparaten findet er mikroskopisch minutiöse abgerundete
Concretionen einer amorphen Substanz (in der Grösze jenen in oolithi-
schen Gesteinen ähnlich, aber ohne eine concentrische Structur), welche
durch ein hantig krystallinisches Cement verbunden sind. An einigen
kann Dr. Carpenter deutliche Spuren von Muschelschalen, Corallen,
Polythalamien, und selten auch von schwammartägen Korpern wahr-
nehmen. Zum Zwecke der Vergleichung schickte ich Dr. Carpexter
Exemplare des kalkigen Gesteins, welches hauptsächlich aus Fragmenten
recenter Muschelschalen gebildet wird, aus Coquimho in Chile: in einem
dieser Exemplare findet Dr. Carpenteb auszer den gröszeren Fragmenten
mikroskopische Stückchen von Muschelschalen und eine seh wankende Menge
einer opaken amorphen Substanz; in einem anderen Exemplare aus der-
selben Schicht findet er das Ganze aus der amorphen Substanz zusammen-
gesetzt, mit Schichten, welche Andeutungen einer beginnenden kristallini-
schen Metamorphose zeigen; es sind daher diese letzteren Exemplar-'
sowohl im äuszeren Ansehen als in der mikroskopischen Structur denen

Darwin,                              ::. i.                                                                                 8

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114                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

«Irr Pampas äuszerst ähnlich. Dr. Carikmfi; theilt mir mit, dasz
es sehr bekannt sei, dasz chemische Präzipitation kohlensauren Kalk
im opaken amorphen Zustande niederschlägt, und er ist geneigt anzu-
nehmen, dasz die lange fortgesetzte Reibung eines kalkigen Körpers
im Zustande einer krystallinischen oder balbkrystallinischen Aggregation
(wie z. B. in den gewöhnlichen Schalen der Mollusken, welche, wenn
Schliffe gemacht werden, durchscheinend sind) dasselbe Resultat er-
geben dürfte. Nach der sehr nahen Yn-wandtschaft zwischen allen
den Exemplaren von Coquimbo kann ich kaum daran zweifeln, dasz
der amorphe kohlensaure Kalk in ihnen das Resultat der Zerreibimg
und der Zerfall der gröszeren Muschelfragmente ist; ob die amorphe
Substanz in den mergeligen Gesteinen der Pampas gleichfalls in dieser
Weise enstanden ist, würde voreilig zu vermuthen sein.

Der Bequemlichkeit wegen will ich das mergelige Gestein mit
dem Namen bezeichnen, den ihm die Einwohner geben, nämlich: Tosca-
Gestein, und die röthliche thonige Erde: Pampas-Lehm. Ich will er-
wähnen, dasz Prof. Ehrenberg diese letztere Substanz für mich unter-
sucht hat; das Resultat seiner Untersuchung wird an den betreffenden
Localitäten erwähnt werden.

Ich will meine Beschreibungen an einem central gelegenen Punktr
beginnen, nämlich bei Buenos Ayres, und will von da zuerst südwärts
nach der äuszersten Grenze der Ablagerung und später nordwärts vor-
schreiten. Die Ebene, auf welcher Buenos Ayres steht, ist von dreiszig
l»is vierzig Fusz hoch. Der Pampas-Lehm ist hier von einer im Ganzen
blassen Farbe und enthält kleine, beinahe weisze Knötchen und andere
unregelmäszige Schichten einer angewöhnlich sandigen Varietät von
Tosca-Gestein. In einem Brunnen wurde bei einer Tiefe von siebenzig
Fusz nach der Angabe von Ignatio Nünez reichlich Tosca-Gestein an-
getroffen: und an mehreren Punkten sind bei einer Tiefe von 100 Fusz
'idschichten gefunden worden. Ich habe bereits eine Liste der
recenten See- und Aestuarienmuschelo gegeben, welche an vielen Stellen
auf der Oberfläche in der Nähe von Buenos Ayres bis drei und vier
Stunden vom Plata entfernt gefunden werden. Exemplare aus der Nähe
von Ensenada, die mir Sir W. Parish gegeben hat, wo das Gestein
dicht unter der Oberfläche der Ebene in Brüchen bearbeitet wird, be-
stehen aus zerbrochenen zweischaligen Muscheln, die mit krystallini-
schem kohlensauren Kalk cementirt und in solchen verwandelt sind.
Ich habe bereits in einem früheren Capitel ein (mir gleichfalls

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Cap. 4.                                  Pampas-Formation.                                     115

Sir W. Pakism gegebenes) Handstück von dem A. del Tristan erwähnt,
in welchem Muscheln, die in jeder Beziehung der Azara labiata d'Obb.
Ähnlich sind, soweit ihr abgeriebener Zustand eine Vergleichung ge-
stattet, in ein röthliches, weiches, etwas sandiges, mergeliges Gestein
eingeschlossen sind: nach sorgfältiger Vergleichung mit Hülfe des
Mikroskops und von Säuren kann ich keine Verschiedenheit zwischen
der Basis dieses Gesteins und den von mir an vielen Stellen der
Pampas gesammelten Exemplaren wahrnehmen. Ich habe auch nach
der Autorität von Sir W. PARISH angegeben, dasz nordwärts von
Buenos Ayres auf den höchsten Theilen der Ebene, ungefähr vierzig
Fusz über dem Plata und zwei oder drei Meilen von ihm entfernt,
zahlreiche Muscheln der Azara labiata (und ich glaube von Vm

mosa) in einer geschichteten erdigen Masse eingebettet vorkommen,
welche kleine mergelige Concretionen enthält und der Angabe nach
den groszen Pampas-Ablagerungen genau gleich sein soll. Wir können
daher schlieszen, dasz der Lehm der Pampas bis innerhalb der Periode
dieser noch existirenden Aestuarium-Muschel fortwährend niedergeschlagen
wurde. Obgleich diese Formation von so ungeheurer Ausdehnung ist,
kenne ich keinen andern Fall des Vorkommens von Muscheln in ihr.

Von Buenos Ayres bis zum Rio Colorado. — Mit Aus-
nahme einiger weniger metamorphischer Höhenzüge gehört das Land
zwischen diesen beiden Punkten in einer Entfernung von 400 geographi-
lien Meilen zu der Pampas-Formation und wird im südlichen Theile
meist von den härteren und kalkigeren Varietäten gebildet. Ich will
kurz meinen Weg beschreiben: ungefähr fünfundzwanzig Meilen süd-
südwestlich von der Hauptstadt war in einem vierzig Yards tiefen
Brunnen der obere Theil und, wie mir versichert wurde, die ganze
Dicke aus dunklem rothen Pampas-Lehm ohne Concretionen gebildet.
Nördlich vom R. Salado linden sich viele Seen: und an den Ufern
eines derselben (bei dem Guardia) fand sich ein kleines ähnlich zu-
sammengesetztes Riff, welches aber viele knotige und stalaktitenförmige
Concretionen enthielt: ich fand hier ein groszes Stück eines getäfelten
Panzers, ähnlich dem des Glyptodon, und viele Knochenfragmente.
Die Klippen am Salado bestehen aus blasz gefärbtem Pampas-Lehm,
welcher in grosze Massen von Tosca-Gestein übergeht und solches
enthält: hier wurde ein Skelet des Megatherium und die Knochen an-
derer ausgestorbener Säugethiere (siehe die Liste am Ende dieses

8*

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\\Q                                     Pampas-Formation.

Capitels) gefunden. Groszc Mengen krystallisirten Gypses (von dem
mir Handstücke gegeben wurden) kommen in den Uferklippen dieses
Flusses vor; und gleichfalls (wie mir Mr. Limb versicherte) in dem
Pampas-Lehm am Rio Chuelo, sieben Stunden von Buenos Ayres: ich
erwähne dies, weil d'Obbwnt einiges Gewicht auf das vermeintliche
Fehlen dieses -Minerals in der Pampas-Formation legt.

Nach Süden vom Salado ist das Land niedrig und sumpfig; Tos
Gestein erscheint in langen Intervallen an der Oberfläche. Indessen
findet sich an den Ufern des Tapalguen (sechzig Meilen südlich vom
Salado) eine grosze Strecke von Tosca-Gestein, zum Theil in hol
Grade compact und selbst halb krystallinisch, welches über dem blassen
I'arapas-Lehm mit den gewöhnlichen Concretionen liegt. Dreiszig Meilen

iter nach Süden wird der Quarzitrücken von Tapalguen an sei
nördlichen und südlichen Seite von kleinen, schmalen, flachgipfeligen
Hügeln aus Tosca-Gestein umsäumt, welche höher als die umgebende
Ebene stehen. Zwischen diesem Rücken und der Sierra von Guitruguevu.
eine Entfernung von sechzig Meilen, ist das Land sumpfig, und das
Tosca-Gestein erscheint nur an vier oder fünf Stellen; diese Sierra
wird genau so wie die von Tapalguen von horizontalen, häutig klippen-
begrenzten kleinen Hügeln von Tosca-Gestein umsäumt, welche höher
sind, als die umgebenden Ebenen. Auch hier bot sich eine neue Er-
scheinung in einigen ausgedehnten und ebenen Alluvial- oder Detril
becken von benachbarten metamorphischen Gesteinen dar; ich h:
aber vernachlässigt, zu untersuchen, ob sie stratificirt waren oder nicht.
Zwischen Guitrugueyu und der Sierra Ventana überschritt ich eine
trockene Ebene von Tosca-Gestein, welche höher lag als die bis jetzt
durchschnittene La baft, und mit kleinen Stücken denudirten Tafel-
landes derselben Formation, welche noch höher standen.

Die mergeligen oder kalkigen Schichten reichen nicht blosz nah«
horizontal bis zum nördlichen und südlichen Fusze der groszen Quarzit-
berge der Sierra Ventana, sondern falten sich zwischen die parallelen
Züge ein. Die oberflächlichen Schichten (denn ich erhielt nirgends
Durchschnitte von mehr als zwanzig Fusz Tiefe) behalten selbst dicht
an den Bergen ihren gewöhnlichen Character bei: indessen enthielt die
oberste Schicht au einer Stelle Kollsteine von Quarz und ruhte auf
einer Masse von Detritus desselben Gesteins. Am Fusze der Gebirge
fanden sich einige wenige Haufen von Detritus von Quarz und Tosca-
Gestein, welche Landmuscheln enthielten; aber in der Entfernung von

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Cap. 4.                                    Sierra Ventana.                                       117

nur einer halben Meile von diesen hohen zerklüfteten und zertrümmerten
Bergen konnte ich zu meiner groszen Überraschung auf der unbegrenz-
ten Ebene der kalkigen Fläche auch nicht einen einzigen Kollstein
finden. Quarz-Rollsteine von beträchtlicher Grösze sind indessen in
irgend einer Periode bis zur Entfernung von zwischen vierzig und
fünfzig Meilen an die Ufer von Bahia Bianca transportirt worden1.

Der höchste Gipfel der Sierra Ventana ist nach der Messung von
Captain FnzKov 8840 Fusz hoch und die kalkige Ebene an seinem
Fusze liegt (nach Beobachtungen einiger spanischer Officiere2) 840 Fusz
über dem Meeresspiegel. An den Abhängen der Berge in einer Höhe
von 300 oder 400 Fusz über der Ebene fanden sich einige wenige
kleine Flecke von Conglomerat und Breccie, die durch eisenschüssige
Substanz an die steile und zertrümmerte Fläche des Quarzes angekittet
waren, woraus sieh Spuren einer früheren Einwirkung des Meeres er-
gaben. Die hohe Ebene rings um diesen Gebirgszug senkt sich völlig
unmerkbar für das Auge nach allen Seiten, mit Ausnahme nach Norden
hin, ein, wo ihre Fläche in niedrige Klippen gebrochen ist. Rund um
die Sierra« Tapalguen, Guitrugneyu, und zwischen der letzteren und
der Ventana haben wir gesehen (und werden es später noch um einige
Berge in der Banda Oriental sehen), dasz das Tosca-Gestein niedrige,
flachgipfelige, von Klippen begrenzte Hügel bildet, welche höher als
die umgebenden Ebenen von ähnlicher Zusammensetzung sind. Nach
der horizontalen Schichtung und dem Aussehen der durchbrochenen
Klippen darf die bedeutendere Höhe der Pampas-Formation rings um
diese primären Berge nicht gänzlich oder zum hauptsächlichsten Theile
dem zugeschrieben werden, dasz diese verschiedenen Punkte energischer
ä das umgebende Land emporgehoben worden sind, sondern dem Um-
stände, dasz sich der thonige kalkige Lehm rings um sie angesammelt
hat, als sie als Inseln oder submarine Felsen existirten und zwar in
einer grdszeren Höhe als auf dem Boden des benachbarten offenen
Meeres; — die Klippen wurden dann später während der Erhellung
der ganzen Landschaft in Masse abgerieben.

Nach Süden von der Ventana erstreckt sich die Ebene weiter als

S<hinidtmeyer (Travels in Chile, p. 150) gibt an, dasz er zuerst sehr
kleine Stückchen rothen Granits auf den Pampas bemerkte, als er fünfzig Meilen
südlichen Ende der Gebirge von Cordova entfernt war, welche wie ein Riff
im Meere auf der Ebene vorspringen.

' > „La Plata- etc. by Sir W. Parish, p. 146.

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118                                               Panipn-'-Formiition.                                          Cap. 4.

das Auge tragen kann; ihre Flüche ist nicht sehr eben, indem leichte
Vertiefungen ohne Entwiisserungsausgänge vorhanden sind; sie wird
meist Ton einigen wenigen Fusz sandiger Erde bedeckt und an einigen
Stellen, nach der Angabe von Mr. Parchappe 3, von Thonschichten von
zwei Yards Mächtigkeit. An den Ufern des Sauce, vier Stunden süd-
östlich von der Ventana, findet sich ein unvollkommener Durchschnitt
von ungefähr 200 Fusz Höhe, welcher im oberen Theile Tosca-Gestein
und im unteren Theile rothen Pampas-Lehm darbietet. Bei der Nieder-
lassung von Bahia Bianca ist die oberste Ebene aus sehr compactem
stratificirten Tosca-Gestein zusammengesetzt, welches abgerundete
Quarzkömer enthält, die für das blosze Auge unterscheidbar sind: die
untere Ebene, auf welcher die Festung steht, beschreibt Mr. PARCFUrrE*
als aus solidem Tosca-Gestein gebildet; aber die Durchschnitte, welche
ich untersuchte, sehen mehr aus wie eine wiederum niedergeschlagene
Masse dieses Gesteins mit kleinen Rollsteinen und Fragmenten von
Quarz. Ich werde sofort auf die wichtigen Durchschnitt*1 an den Ufern
von Bahia Bianca zurückkommen. Zwanzig Meilen nach Süden von
diesem Orte liegt ein merkwürdiger Höhenzug, der sich von "West bei
Nord nach Ost bei Süd erstreckt und aus kleinen, einzeln stehenden,
flachgipfeligen, steil an den Seiten abfallenden Hügeln gebildet wird, die
sich zwischen 100 und 200 Fusz über die Pampas-Ebene an ihrer
südlichen Basis erheben; diese Ebene ist hier ein wenig niedriger, als
die nördlich gelegene. Die oberste Schicht in diesem Rücken besteht
aus blassem, in hohem Grade kalkigem, compacten Tosca-Gestein,
welches (wie an einem Orte zu sehen war) auf rüthlichera Papas-Lehm,
und dieser wieder auf einer blasseren Art liegt. Am Fusze des
Rückens findet sich ein Brunnen in röthlichem Thon oder Lehm. Ich
habe kein anderes Beispiel einer zu der Pampas-Formation gehörigen
Hügelkette gesehen; und da die Schichten keinerlei Zeichen von Stö-
rung darbieten und da die Richtung des Rückens dieselbe ist mit der
aller metamorphischen Züge in diesem selben Gebiet, so vermuthe ich,
dasz das Pampas-Sediment in diesem Falle an oder auf einem Rücken
harter Gesteine angehäuft worden ist, anstatt wie in dem Falle der
oben erwähnten Sierras rund um ihre submarinen Abhänge. Südlich
von dieser kleinen Kette von Tosca-Gestein fällt eine Ebene von

8 D'Orbigny, Voyage, Part. Geolog., p. 47, 48.
+ D'Orbigny, Voyage, Part. Geolog., p. 47, 48.

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Cap. 4.                                     Bahia Bianca.                                         ] jp

Pampas-Lehm nach den Ufern des Colorado hin ab: in der Mitte ist
ein Brunnen in rothen Pampas-Lehm gegraben, welcher bei zwei Fusz
von weiszem, weichem, stark kalkigem Tosca-Gestein bedeckt ist, über
welchem Sand mit kleinen Rollsteinen drei Fusz in Mächtigkeit liegt,
— das erste Auftreten jener ungeheueren Geröll-Formation, welche im
ersten Capitel beschrieben wurde. Auf dem ersten Durchschnitte nach
überschreiten des Colorado wird eine alte Tertiär-Formation, nämlich
der Rio-Negro-Sandstein (der im nächsten Capitel beschrieben werden
wird) angetroffen; aber nach den mir von den Gauchos gegebenen
Schilderungen glaube ich, dasz an der Mündung des Colorado die
Pampas-Formation sich noch ein wenig weiter nach Süden erstreckt.

Bahia Bianca. — Wir kehren zu den Ufern dieser Bucht zurück.
Bei Monte Hermoso findet sich ein guter ungefähr hundert Fusz hoher
Durchschnitt von vier verschiedenen Schichten, die für das Auge hori-
zontal erscheinen, aber nach Nordwesten zu sich ein wenig verdicken.
Die oberste, ungefähr zwanzig Fusz mächtige Schicht besteht aus
schräg geblättertem weichen Sandstein, welcher viele Rollstücke von
Quarz enthält und an der Oberfläche in losen Sand einfällt. Die zweite
nur sechs Zoll dicke Schicht ist ein harter, dunkel gefärbter Sandstein.
Die dritte Schicht ist blasz gefärbter Pampas-Lehm; und die vierte
ist von derselben Beschaffenheit, aber dunkler gefärbt, und enthält in
ihrem unteren Theile horizontale Schichten und Linien von nicht sehr
compacten rechlichen Concretionen von Tosca-Gestein. Ich will hier
erwähnen, dasz der Meeresboden bis zu einer Entfernung von mehreren
Meilen vom Ufer und bis zu einer Tiefe von zwischen sechzig und
hundert Fusz sich durch Untersuchung der Anker als aus Tosca-Gestein
und rechlichem Pampas-Lehm zusammengesetzt erwies. Prof. Eiikkn-
r.KRG hat für mich Handstücke der zwei unteren Schichten untersucht
und findet in ihnen drei Polygastrica und sechs Pbytolitharien \ Von

5 Die folgende Liste wurde in den Monatsberichten der kön. Academie zn
Berlin, April 1845, mitgetheilt:

Polygastrica.
Fragüaria rhabdosoma.                          Pinnularia ?

GcUlionella distans.

Phytolitharia.

LH:        lium Bursa.

L. furcatum.

Lithostylidiwn rüde.
L. serra.

Lithostylidium        um.                           Spongolühis FußHs '

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120                                     Pani]' rmation.                                 Cap. 1.

-en ist nur eini            gdlithis Fustis?) eine marine Form, fünf von

ihnen sind mii mikroskopischen Gebilden von Brackwasser-Urprung,
die eT noch zu erwähnen sind, aus einem centralen Orte in i
Pampas-Formation identisch. In diesen zwei Schichten, besonders in
der unteren, sind Knochen ausgestorbener Säugethiere, einige in ihren
betreuenden relativ Stellungen und andere einzeln, in einer kleinen
Strecke der Felsenriffe sein- zahlreich. Diese Überreste bestehen zur
aus dem Schädel von Ci            antiquus, mit der jetzt lebenden C. bra-

siliensis verwandt, zweitens aus einem Fragment der Oben
Nagethiers, drittens aus Backzähnen und anderen Knochen eil           Ken

Nagethiers, welches mit der jetzt existirenden Spedes von Hydrochoerus
verwandt, aber von ihr verschieden ist, und daher wahrscheinlich ein
Bewohner von Süszwasser war: viertens und fünftens aus Theilen der
Wirbel. Gliedmaszen, Rippen und anderer Knochen zweier Nagethiere,
und sech 3 aus Extremitätenknochen eines groszen megatherioiden
Si'mgethiers6. Die Anzahl der Überreste von Nagethieren gibt die

mmlung einen eigenthümlichen Character im Vergleich mit den an

end einer anderen örtlichkeit gefundenen. Alle diese Knocl und
compact und schwer, viele von ihnen sind roth gefärbt mit polirten
Oberflächen; einige von den kleineren sind so schwarz wie Rusz.

Monte Iltimoso Heut zwischen fünfzig und sechzig Meilen in einer
südostlichen Linie von der Ventana entfernt, das dazwischen liegende
Land erhebt sich sanft nach ihm hin und das Ganze besteht aus der
Pampas-Formation. In welchem Verhältnis nun stehen diese Schichten
im Niveau des Meeres und unter demselben zu denen an den Seiten
der Ventana in der Höhe von 8-JO Fusz und an den Seiten der anderen
benachbarten Sierras, welche nach den bereits angeführten Gründen
ihre bedeutendere Höhe nicht einer ungleichen Erhebung zu verdanken
scheinen? Als das T               "in sich rings um die Ventana anhäufte

und als mit Ausnahme einiger weniger kleiner zerrissei,< > primärer

ein <lie ganzen weiten umgebenden Ebenen unter Walser gewesen
sein müssen, lagerten sich da die Schichten bei Monte llermoso auf
dem Boden eines groszen offenen Meeres zwischen 800 und 1000 Fusz
tief ab? Ich 1        ifle dies sehr; denn wenn dies der Fall gewe

wäre, so müszten die beinahe vollständigen Leiber der verschiedenen

6 s. Fossil Mammalia (p. 109) \'\ Professor Owen in der „Zoolcgy <>f the
Beagle", und Catalog                    :! Rei           in the Museum of the Royal College

of -                  . i>. 8)

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Cap. 4.                                        Bahia Bianca.                                     ]21

kleinen Nagethiere, deren Überbleibsel so sein- zahlreich auf einem so
schränkten Baum sind, aus der Entfernung von vielen hundert
Meilen auf diesen einen Ort herabgetrieben worden sein. Es scheint
mir viel wahrscheinlicher zu sein, das/, wahrend der Pampas-Periode
dieser ganze Bezirk sich langsam zu erheben begann (und in den
Klippen von mehreren verschiedenen Höhen haben wir Beweise dafür,
dasz das Land der Einwirkung des Meeres auf verschiedenen Höhen
ausgesetzt gewesen ist), und dasz Landstriche rund um die Ventana
und die anderen primären Höhenzüge auf diese AVeise aus Pampas-
Sediment gebildet worden sind, auf denen die verschiedenen Nagethiere
und andere Säugethiere lebten, und dasz ein Strom (in welchem viel-
leicht der ausgestorbene, Wasser bewohnende Rydrochoerm lebte) ihre
Körper in das benachbarte Meer hinabtrieb, in welches der Pampas-
Lehm von Norden her beständig ergossen wurde. Da das Land sich
zu erheben fortfuhr, so scheint diese Sedimentquelle abgeschnitten wor-
den zu sein, und an ihrer Stelle wurden Sand und Kollsteine durch
stärk' Ströme hinabgeschafft und über die Pampas-Schichten in con-
former Schichtung abg :ert.

Punta Alta liegt ungefähr dreiszig Meilen höher hinauf an der
nördlichen Seite dieser nämlichen Bucht: sie besteht aus einer kleinen
zwischen zwanzig und dreiszig Fusz hohen Ebene, welche am Ufer
durch eine Reihe niedriger Klippen von ungefähr einer Meile Länge
abgeschnitten ist; ihr verticaler Maszstab ist in der Zeichnung noth-
wendig übertrieben dargestellt. Die untere Schicht (A) ist ausgedehn-
ter als die oberen; sie besteht aus stratificirtem Geröll oder Kon-
glomerat, von kalkiger sandiger Masse verkittet, und wird durch
krummlinige Schichten eines rothlichen Mergels getheilt, einige genau
wie Tosca-Gestein, andere mehr sandig. Die Schichten sind krumm-
linig in Folge der AA'irkung der Ströme und fallen in verschieden
Richtungen ein; sie enthalten eine auszerordentliche Zahl von Knochen
riesenhafter Säugethiere und viele Muscheln. Die Kollsteine sind von
beträchtlicher Grösze und sind von hartem Sandstein und von Quarz
wie die der Ventana: auch rinden sieb einige wenige gut abgerundete
Massen von Tosca-Gesein.

Die zweite Schicht (B) ist ungefähr fünfzehn Fusz mächtig, aber
nach beiden Knden der Klippe i in der Zeichnung nicht mit einbegriffen)
keilt sie sich entweder aus und vergeht, oder geht unmerklich in eine
darüber liegende Geröllschicht über. Sie besteht aus rothem, zähem.

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122                                               Pampas-Formation.                                         Cap. 4.

thonigem Letten mit sehr kleinen linearen Höhlungen; sie ist mit
schwachen, horizontalen Farbenzügen gezeichnet; sie enthält einige

Fig. 15.

D

% s

Durchschnitt der Schichten mit recenten Muscheln und ausgestorbenen Säugc-

thieren bei Punta Alta in Bahia Bianca.

wenige Rollsteine und selten ein minutiöses Muschelstückchen: an
einem Orte waren der Hauptpanzer und einige wenige Knochen eines
Dasypus-bhnMchen Säugethieres eingebettet: sie erfüllt furchenartige
Vertiefungen in dem darunter liegenden Geröll. Mit Ausnahme
der wenigen Kollsteine und Muschelstückchen ist diese Schicht dem
echten Pampas-Lehm ähnlich; sie ist aber den thonigen (im dritten
Capitel erwähnten) Schichten noch ähnlicher, welche die auf einander
folgenden aufsteigenden parallelen Züge von Sanddünen von einan

scheiden.

Die Schicht (C) besteht aus stratificirtem Geröll wie die unterste;
sie erfüllt Kurchen in dem darunter liegenden rothen Lehm, wechselt
zuweilen schichtenweise mit ihm ab, und geht zuweilen unmerklich
in ihn über; in dem Masze als der rothe Lehm sich verdünnt, nimmt
dieses obere Geröll an Mächtigkeit zu. Muscheln sind in dieser Schicht
zahlreicher, als in dem unteren Geröll; aber die Knochen, obschon
noch einige vorhanden sind, sind weniger zahlreich. An einer Stelle
indessen, wo dieses Geröll und der rothe Lehm in einander über-
giengen, fand ich mehrere Knochen und einen ziemlich vollkommenen
Schädel des Megatherium. Einige der groszen FoJtdo-Arten waren,
obschon sie in der Geröllschicht (C) eingebettet waren, mit dem rothen
Lehm erfüllt, welcher eine grosze Anzahl der kleinen recenten Palu-
australis enthielt. Diese drei unteren Schichten werden in
einer nicht conformen Art von einem Mantel (-D) von geschichteter
sandiger Erde bedeckt, welche viele Rollsteine von Quarz, Bimsstein
und Phonolith, Land- und Seemuscheln enthält.

d'Oebigni ist so freundlich gewesen, mir die zwanzig Spe von
Mollusken, welche in den zwei Geröllschichten eingebettet sind, zu
bestimmen; es sind die folgenden:

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Cap. 4.

hia B1an<

12;

1.   VoluteUa anguXata d'Obb., Voyage,

Mollnsq. und Paleont.

2.   Voluta brasüiana Sol.

3.  OUoanciüaria brasiUet d'Orb.

4.  0. auricularia d'Orb.

5.  Oh puekhana n'Oiti*.

6.  Succinanops cochlidiurn d'Orh.

7.  B. globulosum d'Osb.
Cohuiihella seriulariarum d'Orb.

9. Trochus patagonitus und Var.

desselben, d'Orb,

10.  Pahnlrstritia australis d'Obb,

11.  Fi                 itagonica d'Orh.

12.  C        uZa murira/n Lam.

13.   PVntu purpura(a Lam.

14.   I'. rostrata Phil.

15.  Mytüw DaTwinianus d'Orb.

16.  Xucida semi&rnata d'Orr.

17.  Cardita patagonica d'Orb.

18.  Cöfl'uln palagonica (?) d'Orb.

19.  Pect-'» tehudchus d'Orb.

20.  Ostrea puelcJunut d'Obb.

21.  Eine lebende Art Baianus.

22.  and 23. Eine A-rfraea und eine

incrustirende Flustra, augen-
scheinlich mit jetzt in der Bucht
lebenden Species identisch.

Alle diese Muscheln leben jetzt an dieser Küste, und die meisten
von ihnen in dieser nämlichen Bucht. Mich überraschte auch die
Thatsache, dasz die proportionale Anzahl der verschiedenen Arten die-
selbe zu sein schien mit den jetzt auf den Strand geworfenen: in beiden
Fällen sind Exemplare von Voluta, Crepidula, Venus und Trochus die
häufigsten. Vier oder fünf der Species sind die nämlichen mit den
emporgehobenen Muscheln auf den Pampas in der Nähe von Buenos
Ayres. Alle die Exemplare haben ein sehr altes und gebleichtes Aus-
sehen9 und geben bei Erhitzung keinen thierischen Geruch von sich:
einige von ihnen sind durchaus in eine weisze, weiche, fibröse Suit-
stanz verwandelt, bei anderen ist der Raum zwischen den äuszeren
Wanden entweder hohl oder mit krystallinischem kohlensauren Kalk
erfüllt.

Die Überreste der ausgestorbenen Säugethiere aus den zwei (
röllschichten sind von Prof. Owen in der „Zoology of the Voyage of
the Beagle" beschrieben worden: sie bestehen erstens aus einem nahezu
vollkommenen Schädel und drei Fragmenten vom Schädel des Mega-
therium ( rii; zweitens aus einem Unterkiefer von Megalonyx
Jeffersoni, drittens aus einem Unterkiefer von Mylodon Darwinii
viertens aus Schädelfragmenten eines gigantischen edentaten Säuge-
thieres, fünftens einem beinahe vollständigen Skelet des gros'zen
Scdidotheritim leptocephalumy an dem die meisten Knochen, mit Ein-

1 Ein in der Einleitung zu den Fossil Mammalia in der „Zoology of the
Voyage of the Beagle" erwähnter Bulinus hat ein so viel frischeres Ansehen als
die marinen Arten, das/ ich venuuthe, er ist zwischen die andern hineingefallen
und aus Versehen mit gesammelt worden.

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121                                               Pampas-Formation.                                          Cap. 1.

schlusz des Kopfes, der Wirbel, der Rippen, einiger von den Glied-
rnaszen bis zu den Klaueni»halangcn und. wie Prof. Owex bemerkt
hat, selbst die Kniescheibe, sämmtlich nahezu in ihren gehörigen
relativen Stellungen sich fanden; sechstens aus Fragmenten des Unter-
kiefers und einem einzelnen Zahne eines Toxodon welches entweder
zu T. Platensis oder zu einer zweiten, später in der Nahe von Buenos
Ayres entdeckten Species gehört; siebentens aus einem Zahne von Equus
curvi ; achtens aus einem Zahne eines nahe mit Palaeotherium
verwandten Paehydermen, von welchem Schädeltheile vor kurzem aus
Buenos Ayres an das britische Museum geschickt worden sind; aller
Wahrscheinlichkeit nach ist dieses Pachyderm identisch mit der Ma-
luchenia patachonica von Port S. Julian, welche später erwähnt
werden wird. Endlich neuntens fand sich in einer Klippe der rothen
thonigen Schicht (B) ein doppeltes, ungefähr drei Fusz langes und
zwei Fusz breites Stück des knöchernen Panzers eines groszen Dasypus-
artigen Säugethieres, an dem die zwei Seiten nahezu dicht aneinander
gedrückt waren. Da die Klippe jetzt sehr schnell abgewaschen wird,
war dieses Fossil wahrscheinlich vor kurzem noch viel vollkommener;
aus dem Räume zwischen seinen aufeinander gefalteten Seiten zog ich
die mittleren und Klauenphalangen eines der Füsze untereinander ver-
bunden, und gleichfalls eine einzelne Phalanx hervor; es müssen daher
eine oder mehrere der Gliesmaszen an dem Hautpanzer, als er ein-
geschlossen wurde, angeheftet gewesen sein. Auszer diesen verschiede-
nen Überresten in einem bestimmbaren Zustande fanden sich sehr viele
einzelne Knochen: die gröszere Zahl derselben war in einem zweihun-
dert Yards groszen Räume eingebettet. Das Überwiegen der eden-
taten Säugethiere ist merkwürdig, wie es im Gegensatz zu den Schich-
ten des Monte Hermoso auch das Fehlen von Xagethieren ist. Die
meisten der Knochen finden sich jetzt in einem weichen und zerreib-
lichen Zustande und geben wie die Muscheln beim Anbrennen keinen
animalen Geruch aus. Der zerfallene Zustand der Knochen dürfte
zum Theil dem zuzuschreiben sein, dasz sie noch neuerdings der Luft
und den Gezeitenwellen ausgesetzt gewesen sind. Entenmuscheln, Ser-
pein und Corallinn hangen vielen der Knochen an, ich versäumte
aber zu untersuchen8, ob diese nicht etwa auf ihnen gewachsen sein

9 Nachdem ich meine Sammlungen in Bahia Bianca eingepackt hatte, fiel
mir ii: Punkt ein und ich notirte ihn: bei meiner Rückkehr vergasz ich ihn,

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Cup. 1.                                           hia Blan.                                              125

*

dürften seitdem sie den Einwirkungen der jetzigen Gezeiten ausgesetzt
gewesen sind; ich glaube aber, dasz einige von den Cirripeden auf dem
Scelidotherium gewachsen sein müssen, bald nachdem es abgelagert
wurde, und ehe es gänzlich mit Geröll bedeckt wurde. Auszer den
in dem eben beschriebenen Zustande befindlichen Überresten fand
ein einzelnes Knochenfragment, welches sehr stark abgerollt und so
schwarz wie Rusz war, so dasz es vollständig einzelnen der Reste vom
Monte Hermoso ähnlich war.

Sehr viele von den Knochen waren zerbrochen, abgerieben und
abgerollt worden, ehe sie eingeschlossen wurden. Andere, selbst einige
v<m den in dem gröbsten Theil des jetzt harten Conglomerates ein-
geschlossenen, haben alle ihre minutiösesten Vorsprünge rollkommen
erhalten, so dasz ich zu dem Schlusz gelange, dasz sie wahrscheinlich
von Haut, Fleisch oder Bändern beschützt waren, während sie bedeckt
wurden. Was das Scdidotheriutn betrifft, so ist es vollkommen sicher,
dasz das ganze Skelet durch seine Bänder zusammengehalten wurde, als
es in dem Geröll in dem ich es fand zur Ablagerung kam. Einige Hai-
wirbel und ein Oberarmbein von entsprechender Grösse lagen so dicht
zusammen, wie ebenfalls einige Rippen und die Knochen eines Beines,
dasz ich glaubte sie müszten ursprünglich zu diesen zwei Skeletten
gehört haben und nicht einzeln hereingewaschen worden sein; da aber die
Reste hier sehr zahlreich waren, will ich auf diese zwei Fälle kein
besonderes Gewicht legen. Wir haben aber gesehen, dasz der Haut-
panzer des Dasypus-Bxtigeu Säugethieres sicher zusammen mit einigen
der Fuszknochen eingebettet wurde.

Prof. Ehrenberg9 hat für mich Exemplare der feineren Substanz
untersucht, die mit diesen Säugethierüberresten in Berührung erhalten
war: er rindet in ihnen zwei Polygastrica, entschieden marine Formen,

bis die Überreste gereinigt und geölt waren. Später wurde meine Aufmerksamkeit
durch einige Bemerkungen d'Orbigny's wieder auf den Gegenstand gelenkt.

9 Monatsberichte der K. Aeademie zu Berlin, April 1845. Die Liste enthalt

folgende Formen:

Polygastrica.

GaUiondla        \ta.                   \ Stauroptera atpera ? Fragm.

Phytolitharia.

lAtiia cus tuberculatus.           LithostyluUum r

Liihostylidium Clepsammidium. L. midentatum.
L. quadratum.                             SpongolithU «ciailaris.

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126                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

lind secbs Phytolitharien, von denen eins wahrscheinlich eine marine,
und die andern entweder Süszwasser- oder Landformen sind. Nur
einer von diesen acht mikroskopischen Körpern findet sich auch unter
den neun vom Monte Herraoso: aber fünf von ihnen finden sich auch
unter denen aus dem Pampas-Lehm an den Ufern des Parana. Das
Vorhandensein irgend welcher Süszwasser-lnfusorien ist in Anbetracht
der Trockenheit des umgebenden Landes merkwürdig: die wahrschein-
lichste Erklärung scheint die zu sein, dasz diese mikroskopischen
Organismen aas der anstoszenden groszen Pampas-Formation wahrend
ihrer Denudation herabgewaschen und später wieder niedergeschlagen
wurden.

Wir wollen nun sehen, was für S.hluszfolgerungen sich aus den
oben im Einzelnen mitgetheilten Thatsachen ziehen lassen. Es ist
gewisz, dasz die Geröllschichteu und der dazwischen liegende rothe
Lehm innerhalb der Periode niedergeschlagen wurden, als existirende
Species von Mollusken nahezu in demselben Verhältnis zu einander
standen, wie sie an der jetzigen Küste es thun. Diese Schichten
müssen nach der .Anzahl litoraler Species in seichtem Wasser an-
gehäuft worden sein, aber nach der Stratirication des Gerölls und den
Mergelschichten zu urtheilen, nicht an einem Strande. Nach der Art
und Weise, in welcher der rothe Thon furchenartige Vertiefungen in
dem darunter liegenden Geröll erfüllt und an einigen Stellen selbst
wieder von dem darüberliegenden Geröll durchfurcht wird oder mit
ihm abwechselt, können wir auf mehrere locale Veränderungen in den
Strömungen schlieszen, die vielleicht durch unbedeutende Veränderungen
nach oben oder nach unten in dem Niveau des Landes verursacht
wurden. Durch die Erhebung dieser Schichten wurde die Ebene von
Punta Altu von zwanzig bis dreiszig Fusz Höhe gebildet, zu welcher
Zeit die alluviale Decke mit Bimssteingeröll, Land- und Seemuscheln
gehört. In der Nähe dieses Punktes finden sich noch andere und
höhere vom Meere gebildete Ebenen und Klippenlinien in der Pampas-
Formation, welche durch die denudirende Wirkung der Wellen auf
verschiedenen Höhen abgewaschen sind. Wir können daher leicht die
Gegenwart abgerundeter Massen von Tosca-Gestein in dieser untersten
Ebene verstehen, und gleichfalls auch, da die Klippen beim Monte
Hermoso mit ihren Säugethierresten in einem hohen Niveau stehen,
das Vorhandensein des einen stark abgerollten Knochenfragments,
welches so schwarz wie Rusz war; möglicher Weise rühren einige

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Cap. 4.

üahia Bianca.

127

wenige von den andern stark abgerollten Knochen aus ähnlichen
Quellen her, obschon ich nur das eine Fragment in dem nämlichen
Zustande, wie die am Monte Hermoso sah. d'Orbignt hat die Ver-
muthung ausgesprochen 10, dasz diese sämmtlichen Säugethierüberreste
aus der Pampas-Formation herausgewaschen und später zusammen mit
den recenten Muscheln wieder niedergeschlagen worden sind. Un-
zweifelhaft ist es eine merkwürdige Thatsache, dasz diese zahlreichen
gigantischen Säugethiere, welche mit Ausnahme des Equus curvidi
zu sieben ausgestorbenen Gattungen, und eines, nämlich das Toxodcn,
in keine jetzt existirende Familie gehört, mit Mollusken zusammen
gelebt haben sollen, welche sümmtlich noch lebende Species sind;
aber analoge Thatsachen sind in Nord-America und in Europa be-
obachtet worden. An erster Stelle darf nicht fiberseben worden, dasz
die meisten der zusammen eingebetteten Muscheln ein älteres und
verändertes Aussehen haben, als die Knochen. An zweiter Stelle
frage ich, ist es wohl wahrscheinlich, dasz zahlreiche, weder durch
Kiesel noch irgend ein anderes Mineral erhärtete Knochen ihre zarten
Vorsprünge und Oberflächenbeschaffenheiten so vollkommen erhalten
könnten, wenn sie aus einem Niederschlag ausgewaschen und in einem
andern wieder eingebettet worden wären, wobei dieser letztere Nieder-
schlag aus harten groszen Kollsteinen gebildet war, welche durch die
Thätigkeit der Ströme oder der Brandung in seichtem "Wasser in ver-
schieden gekrümrate und geneigte Schichten angeordnet wurden? Die
Knochen, welche sich jetzt in einem so vollkommenen Erhaltun
zustande befinden, müssen wie ich meine frisch und gesund gewesen
sein, als sie eingebettet wurden, und waren wahrscheinlich von Haut.
Fleisch oder Bändern geschützt. Das Skelet des Scdidotherü
wurde unbestreitbar ganz abgelagert: sollen wir sagen, dasz es*,
während es von seinem Muttergestein zusammengehalten wurde, aus
einer alten Geröllschicht (im Character der Pampas-Formation gänzlich
ungleich) ausgewaschen worden und in eine andere Geröllschicht wie-
der eingeschlossen worden sei, welche (ich spreche nach sorgfältiger
Yergleichung) aus genau derselben Art von Hollsteinen in genau der-
selben Art von Cement zusammengesetzt war? Ich will kein Gewicht
auf die zwei Fälle legen, wo mehrere Rippen und Gliedmaszenknochen
augenscheinlich in ihrer richtigen relativen Stellung eingebettet

Voyage, Part. Geolog., p. 49,

[page break]

128                                     Pampas-Formation.                                 Cap.

worden; wird aber wohl irgend Jemand so kühn sein, behaupten zu

wollen, es sei möglich, das/, ein Stück des dünnen getäfelten Panzers
eines Z>asyp«s-artigen Säugethieres von mindestens drei Fusz Länge
und zwei Fusz Breite, und von einer solchen Zartheit, dasz ich mit
der äuszersten Sorgfalt nicht im Stande war, ein Bruchstück von
mehr als zwei oder drei Zoll im Quadrat herauszulösen, aus einer
Schicht herausgewaschen und in eine andere wieder eingeschlossen
worden sein könnte, zusammen mit einigen der kleineren Fuszknochen,
ohne in Atome zertrümmert worden zu sein? Wir müssen daher
d'Oebigny'sVermuthung vollständig zurückweisen, dagegen als sicher an-
nehmen, dasz das Scelidothcrium und das grosse Z?osyp«s-arti
thier, und wie im hohen Grade wahrscheinlich ist. auch das TOxodt
Megatherium etc., von denen einige Knochen vollkommen erhalten
sind, zum ersten -Male und in einem frischen Zustande in den Schichten
eingebettet wurden, in welchen sie begraben gefunden wurden. Ob-
gleich daher dii iesenhaften Säugethiere zu ausgestorbenen Gattungen
und Familien gehörten, so lebten sie doch mit den zwanzig oben auf-
gezählten Mollusken, den Cirripeden und den zwei Corallinen, die
jetzt an der Küste leben, zusammen. Aus dem abgerollten Fragment
schwarzen Knochens und aus dem ["instand, dasz die Ebene von Punta
Alta niedriger ist als die des Monte Hermoso schliesze ich, dasz die
groben sublitoralen Ablagerungen von Punta Alta von späterem
Ursprünge sind, als der Pampas-Lehm von Monte Hermoso; und die
Schichten an diesem letzteren Orte sind, wie wir gesehen haben, wahr-
scheinlich wieder später entstanden, als die hohe Tosca-Bbene um die
Sierra Ventana: wir werden indessen am Ende dieses Capitels zur
Betrachtung dieser verschiedenen Stufen in der groszen Pampa>-
Formation zurückkehren.

Von Buenos Ayres nach Santa Fe Bajada in Entre
Rios. — Eine Strecke lang nordwärts von Buenos Ayres tritt die
Böschung der Pampas-Formation nicht sehr nahe an den Plata heran
und wird von Vegetation verhüllt; aber auf Durchschnitten an den
Ufern der Rios Luxan, Areco und Arrecifes beobachtete ich sowohl
blassen als dunklen ruthlichen Pampas-Lehm mit kleinen weiszlichen
Concretionen von Tosca-Gestein; an allen diesen Stellen sind Säuge-
thierreste gefunden worden. In den Klippen am Parana bei S. Nicolas
enthält der Pampas-Lehm nur wenig Tosca-Gestein; hier fand d'Orbigkt

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Can. )                     Von Buenos Ayres nach St. FC- Bajada.                       129

die Überreste zweier Nagethiere. (Ctenomys Bonari ls und KerocL
anHquus) und den Kiefer eines Canis. Als ich mich auf dem Flusse
befand, konnte ich an dieser schönen Klippenreihe deutlich „horizontale
„Linien, die sowohl in der Farbe als in der Compactheit verschieden
.waren", unterscheiden.11 Die Ebene nach Norden von diesem Punkte
ist sehr eben, aber mit einigen Einsenkungen und See'n; ich schätzte
ihre Höhe zu von vierzig bis sechzig Fusz über dem Parana. Bei
dem A. Medio enthält der hellrothe Pampas-Lehm kaum irgend welches
Tosca-Gestein, während in einer geringen Entfernung davon der Strom
8 Pabon einen Wasserfall ungefähr zwanzig Fusz hoch über eine

nöse Masse von zwei Varietäten des Tosca-Gesteins bildet; eine
von diesen ist sehr compact und halb krystallinisch, mit Zügen von
krystaUisirtem kohlensauren Kalk; ähnlich compacte Varietäten trifft
man am Saladillo und Seco. Die absolute Identität (ich spreche oai
einer Vergleichung meiner Handstücke) zwischen einigen dieser Varie-
täten und denen von Tapalguen und von dem Kücken südlich von
Bahia Bianca in einer Entfernung von 400 Meilen geographischer
Breite ist sehr auffallend.

Bei Eosario findet sich nur wenig Tosca-Gestein: in der Nähe
dieses Ortes bemerkte ich zuerst am Bande des Klusses Spuren eii
darunterliegenden Formation, welche fünfundzwanzig Meilen höher
hinauf in der Estancia von Gorodona aus einem blasz gelblichen Thon
besteht, der äuszerst zahlreiche concretioninv Cylinder eines eisen-
schüssigen Sandsteins enthält. Diese Schicht, welche wahrscheinlich
das Äquivalent der älteren tertiären marinen Schichten ist, die sofort
in Entre Bios beschrieben werden sollen, erhebt sich nur eben über
den Spiegel des Parana bei niedrigem Wasserstande. Der Eest der
Klippe bei Gorodona wird aus rothem Pampas-Lehm gebildet, welcher
im unteren Theile viele Concretionen von Tosca-Gestein, einige sta-
laktitenfÖrmig, und im oberen Theile nur wenig davon enthält: in der
Höhe von sechs Fusz über dem Flusz waren zwei gigantische Skelette
des Mastodon Andium eingebettet; ihre Knochen waren einige wenige
Fusz weit zerstreut, aber viele von ihnen fanden sich noch in ihrer

11 Ich citire diese Worte aus meinem, an Ort und Stolle geführten Notiz-
buche wegen des l'mstandes, dasz d'Orbignr das allgemeine Fehlen einer Schich-
tung in der Pampas-Formation als einen Beweis dafür betont hat, dasz diese grosze
Ablagerung diluvialen Ursprungs ist.

Darwin, SÜd-Aroeri «I, i.)                                                                          <t

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130                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

gehörigen relativen Stellung: sie waren stark zerfallen und so weich
wie Käse, so dasz selbst einer der groszen Backzähne in meiner Hand
in Stücke zerfiel. Wir sehen hier, dasz die Pampas-Ablagerung
Süugethierreste dicht an ihrer Basis enthalt. An den Ufern des
Carcarana, einige wenige Meilen entfernt, war die unterste sichtbare
Schicht blasser Pampas-Lehm mit Massen von Tosca-Gestein, in deren
einer ich einen sehr zerfallenen Mastodoirzahn fand: oberhall) dieses
Bettes fand sich eine dünne beinahe ganz aus kleinen Concretionen
weiszen Tosca-Gesteins gebildete Schicht, aus welcher ich einen gut
erhaltenen aber leicht zerbrochenen Zahn von Toxodon platenais
herausholte: über dieser lag eine ungewöhnliche Schicht sehr weichen
und unreinen Sandsteins. An dieser Stelle bemerkte ich viele einzelne
eingebettete Knochen und ich hörte, dasz noch andere in einem so
vollkommenen Zustande gefunden worden sind, dasz sie lange Zeit
als Zaunpfosten benutzt wurden; der Jesuit Falkner fand hier den
Hautpanzer eines gigantischen edentaten Säugethieres.

In einer kleinen Partie des rothen Lehms, den ich von einem
Zahne eines der Mast          bei Gorodona abgekratzt hatte, fand

Prof. EhrenbebO sieben Polygastrica und dreizehn Phytolitharien,
welche alle, wie ich glaube, mit zwei Ausnahmen bereits bekannte
Species sind.12 Von diesen zwanzig Arten ist die überwiegende Zahl
dem Salzwasser angehörig; nur zwei Species von Coscinodiscus und
eine ngolitkts zeigen den directen Einflusz des Meeres; Prof. Ehren-
BERG kommt daher zu der bedeutungsvollen Folgerung, dasz der Nieder-

12 Monatsberichte der K. Academie zu Berlin. April 1845. Die Liste enthält
folgende Formen:

Polygastrica.
mpyhi           clypeus.                 QaUionella granülata.

Co                      ibtilis.                   Bimantiäium gracilt.

''. bL sp.

l'i/tmilaria borealis.

Eunot

 

Phytol

i tharia.

Ltthtt CUB tubcrciihitu

Lithostylidium polyedrum.

Lithodontium hur*«.

. quadratum.

L. furcatum.

L. rüde.

L. rotfratum.

L, seri'd.

Lithostylidium Amphiodon.

/.. unidt'Htatuni.

L. Clt'psammidium.

Spongolithis Fttstis.

L. hmnus.

 

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Cap. I.                                       St. I-V Bajada.                                           DU

schlag einen Brackwasserursprung gehabt haben musz. Von den dreizehn
Phytolitharien finden sich neun in den zwei Ablagerungen bei Bahia
Bianca, wo zwei andere Species von Polygastrica den Nachweis geben,
dasz die Schichten in Brackwasser angesammelt wurden. Die Spuren
von Corallen, Schwämmen und Polythalamien, welche Dr. Cakpextek
im Tosca-Gestein fand (wozu ich bemerken musz, dasz die gröszere
Anzahl von Exemplaren aus den oberen Schichten in den südlichen
Theilen der Formation waren), weisen augenscheinlich nach auf einen
ausschlieszlicher marinen Ursprung hin.

Bei St. Fe Bajada in Entre Bios bieten die zu zwischen sechzig
und siebenzig FuszHöhe geschätzten Klippen einen interessanten Durch-
schnitt dar: die untere Hälfte besteht aus tertiären Schichten mit
Seemuscheln und die obere Hälfte aus Pampas-Formation. Die unterste
Schicht ist ein schräg geblätterter, schwärzlicher, verhärteter Lehm
mit deutlichen Spuren pflanzlicher Überreste.13 liier dieser liegt eine
dicke Schicht gelblichen sandigen Thons mit vielem krystallisirtcn
Gyps und vielen Schalen von Östren-, Pecten- und Area-Axten: über
dieser folgt allgemein ein sandiger, kristallinischer Kalkstein, da-
zwischen liegt aber zuweilen noch eine ungefähr zwölf Fusz dicke
Schicht von dunkelgrünem seifigen Thon, der in kleine eckige Frag-
mente verwittert. Wo der Kalkstein am reinsten ist, ist er weisz,
in hohem Grade krvstallinisch und voller Hohlen: er mnfaszt kleine
Kollsteine von Quarz, zerbrochene Muscheln, Haifischzähne und, wie
mir mitgetheilt wurde, zuweilen grosze Knochen: er enthält häufig
so viel Sand, dasz er in einen kalkigen Sandstein übergeht, und in
solchen Stücken ist hauptsächlich die grosze Ostrea patagonicaiA
zahlreich. Im oberen Theile wechselt der Kalkstein mit Schichten
feinen weiszen Sandes ab. Die in diesen Schichten enthaltenen
Muscheln hat mir Mr. d'Orbiunv bestimmt; es sind dies:

13  (VOrbigny hat (Voyage, Partie Geolog., p. 37) eine detaillirte Beschrei-
bung dieses Durchschnitts gegeben; da er aber diese unt< Schicht nicht er-
wähnt dürfto sie, als er dort war, vorn Flusse verdeckt gewesen sein. Zwischen
seiner und meiner Beschreibung besteht ein beträchtlicher Widerspruch, welchen
ich nur dadurch erklären kann, da9Z die Schichten selbst in kurzen Entfernungen

beträchtlich variiren.

14   Capt. Sulivan hat mir ein Exemplar dieser Muschel gegeben, welche er
in den Klippen bei Punta Cerrito gefunden hat. zwischen zwanzig und dreiszig
Meilen oberhalb des Bajada.

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132                                             P< mpas-Formation.                                                I

1.  Ostrea                           ib., Voyage,

Part. Pal.

2.  0. .4/            d'Obb.

3.  J'<                          h'Orb. (und Tat'.

IV dieses Buches, Fig. 30).

4.  P. Darvrinianus d'Obb. (u. Taf. IV

dieses Buche.*. Fig. 28 u. 29).

5.   Venus Münnterii d'Orb.. Voj

Part. Pal.

6.  Area Bonplandiana d'Orb.

7.   Cai'lium j>htt<

8.   I i, wahrscheinlich n. Bp., aber

zu unvollkommen erhalten. um
bestimmt werden zu können.

Diese Arten sind sämmtlich ausgestorben: die sechs ersten wurden
von d'Obbignt und mir selbst in den Formationen des Rio Negro,
S. Josef und anderen Theilen von Patagonien gefunden, und es ge-
hören daher, wie d'Orbigkt zuerst bemerkte, diese Schiebten sieber
zu der groszen patagoniseben Formation, welche im folgenden Capitel
beschritlj.il werden wird und welche, wie wir sehen werden, als eine
sehr alte tertiäre Bildung angesehen werden musz. Nördlich von
Bajada fand d'Orbignv in Schichten, welche er als unter den hier
beschriebenen Schichten liegend ansieht, Überreste eines Toxodon,
welches er als ein von dem T. plat          in der Pampas-Formation

verschiedene Species benannt hat. An den Ufern des Parana (und
gleichfalls am Uruguay) findet sich viel verkieseltes Holz, und mir
wurde mitgetheilt, dasz dieses aus den unteren Schiebten herrührt;
viele von mir gesammelte Stücke sind Dicotyledonen.

Die obere Hälfte der Klippen besteht bis zu einer Mächtigkeit
von ungefähr dreiszig Fusz aus Pampas-Lehm, dessen unterer Tlieil
blasz gefärbt, der obere Theil heller roth ist, mit einigen uuregel-
3zigen Schichten einer sandigen Varietät von Tosca-Gestein und
einigen wenigen kleineren Concretionen der gewöhnlichen Art. Di»
über dem marinen Kalksteine liegt eine dünne Schicht mit einem con-
cretionären Umrisz von weiszem harten Tosca-Gestein oder Mergel,
welche entweder als die oberste Schicht der unteren Ablagerungen
oder als die unterste der Pampas-Formation betrachtet werden kann;
eine Zeit lang glaubte ich, das/, diese Schicht einen Übergang zwischen
den zwei Formationen bezeichne: ich habe mich aber seitdem über-
zeugt, dasz ich in Bezug auf diesen Punkt mich irrte. In dem
Durchschnitt am Parana fand ich keinerlei Säugethierüberreste; aber
in einer Entfernung von zwei Meilen am A. Tapas (einem Nebenflüsse
des Conchitas) waren sie in einer niedrigen Klippe von rothem Pampas-
Lehm äus/erst zahlreich. Die meisten der Knochen waren einzeln und
stark zerfallen: ich sab aber den Hautpanzer eines riesenhaften eden-
taten Säugethieres. welcher eine ofenartige Höhle von vier oder fünf

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Cap. 1.                                     St i                                                      133

Fusz im Durchmesser bildete, aus welcher, wie mir mitgetheilt wurde,
das beinahe vollständige Skelet vor kurzem entfernt worden war.
Ich fand einzelne Zähne des Mastodon Andium, Toxodon platenm
und Equus curvidens dicht bei einander. Da dieser letztere Zahn
sich dem des gemeinen Pferdes sehr nähert, wendete ich dem Orte
seiner Einbettung besondere Aufmerksamkeit zu; denn ich wuszte zu
jener Zeit nicht, dasz sich ein ähnlicher Zahn in derselben Matrix mit
den anderen Säugethierüberresten von Punta Alta eingeschlossen fand.
Es ist ein interessanter Umstand, dasz Prof. Owen findet, daszler
/.ahn dieses Pferdes in seiner eigenthümlichen Krümmung einem fossilen
von Mr. LYELL '5 von Nord-America gebrachten Exemplare viel mehr
sich nähert, als dem irgend einer anderen Species von Equus.

Die darunter liegenden marinen tertiären Schichten erstrecken
sich über ein sehr weites Gebiet: mir wurde versichert, dasz sie in
Schluchten in einer von Osten nach Westen gezogenen Linie quer
durch Entre Rios bis nach dem Uruguay in einer Entfernung von
ungefähr Y\-> Meilen verfolgt werden könnten. In einer südöstlichen
Richtung hörte ich von ihrer Existenz am oberen Ende des R. Nankay;
und bei P. Gorda in Banda Oriental, in einer Entfernung von 170 Meilen,
fand ich denselben Kalkstein mit den nämlichen fossilen Muscheln in
ungefähr derselben Höhe über dem Flusse liegen, wie bei Santa F&
In einer südlichen Richtung werden diese Schichten in der Höhe
niedriger, denn bei einem anderen P. Gorda in Entre Rios ist der
Kalkstein in einer viel geringeren Höhe zu sehen; und es läszt sich
kaum daran zweifeln, dasz der gelbliche sandige Thon in einem
Niveau mit dem Flusz zwischen dem Carcarana und S. Nicolas zu
dieser selben Formation gehört, wie vielleicht auch die Sandschichten
bei Buenos Ayres, welche am Grunde der Pampas-Formation, ungefähr
sechzig Fusz unter der Oberfläche des Plata, liegen. Die südliche
Neigung dieser Schichten ist vielleicht Folge nicht einer ungleichen
Erhebung, sondern der ursprünglichen Form des Meeresgrundes, welcher
von dem nacli Norden zu gelegenen Lande abfiel; denn dasz Land in
keiner groszen Entfernung existirte, dafür haben wir in den pflanz-
lichen Überresten in der untersten Schicht bei Santa Fe Beweise,
ebenso in dem verkieselten Hol/ und in den Knochen des Toxodon

15 Lyell, Travels in North-America, Vol. I. \: 164, und Proceed. «ieulog.
Soc. Vol. IV, p.

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134                                     Pampas-Formation.                                Cap. ♦

pa              , welche sich (nach der Angabe von d'Orbigny) in noch

tieferen Schichten finden.

Banda Oriental. — Diese Provinz liegt an der nördlichen Seite
des Plata und nach i          vom Uruguay: sie hat eine sanfte wellige

Oberfläche mit einer Basis von primären Gesteinen, und wird an den
meisten Stellen von einer nicht geschichteten Masse von keiner groszen
Mächtigkeit von rechlichem Pampas-Lehm bedeckt. In der östlichen
Hälfte in der Nähe von Maldonado ist diese Ablagerung sandiger als
in den Pampas; sie enthält viele aber kleine Concretionen von Mergel
oder Tosca-Gestein und andere von stark eisenschüssigem Sandstein;
an einem nur einige wenige Yards tiefen Durchschnitte lag sie auf
geschichtetem Sand. In der Nähe von Montevideo scheint diese Ab-
lagerung an einigen Stellen von groszer Mächtigkeit zu sein, und die
Überreste des Glyptodon und anderer ausgestorbener Säugethiere
sind in ihr gefunden worden. In der langen Klippenlinie zwischen
fünfzig und sechzig Fusz Höhe, genannt die Barrancas de S. Gregorio,
welche sich westlich vom Rio S. Lucia erstreckt, wird die untere
Hälfte aus grobem Sand von Quarz und Feldspath ohne Glimmer
gleich dem jetzt in der Nähe von Maldonado an den Strand geworfenen
gebildet, und die obere Hälfte besteht aus Pampas-Lehm, der in der
Färbung variirt und wabenartige Adern von weicher kalkiger Substanz
und kleine reihenweise angeordnete Concretionen von Tosca-Gestein und
gleichfalls einige wenige Rollsteine von Quarz enthält. Diese Ab-
lagerung füllt Hohlen und Furchen in dem darunterliegenden Sande
aus, so dasz es aussieht, als wenn mit Lehm beladenes Wasser
einen sandigen Strand überfluthet hätte. Diese Klippen erstrecken
sich weit nach AVesten und in einer Entfernung von sechzig Meilen
in der Nähe von Colonia del Sacramiento fand ich an einigen Stellen
die Pampas-Ablagerung auf diesem Sande liegen, und an anderen auf
den primären Gesteinen: zwischen dem Sande und dem röthlichen Lehm
schien (aber der Durchschnitt war nicht sein- gut) eine dünne Schicht
von Muscheln eines jetzt lebenden Mytüus die zum Theil noch ihre Fär-
bung behalten hattefl, eingeschaltet zu sein. Die Pampas-Formation
in Banda Oriental kann leicht für eine alluviale Ablagerung gehalten
werden: mit der der Pampas verglichen ist sie häufig sandiger und
enthält kleine Quarzfragmente; die Concretionen sind viel kleiner und
es finden sich keine ausgedehnten Massen von Tosca-Gestein.

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Cap. 4.                                    Banda Oriental.                                        135

In den äuszersten westlichen Theilen dieser Provinz zwischen dem
Uruguay und einer von Colonia nach dem R. Perdido (einem Neben-
flusz des R. Negro) gezogenen Linie sind die Formationen bei weitem
complicirter. Anszer primären Gesteinen treffen wir ausgedehnte Zöge
und viele flachgipfelige, horizontal geschichtete, von Klippen begrenzte
isolirte Hügel tertiärer Schichten, welche in ihrer mineralogischen
Natur auszerordentlich variiren; einige sind mit den alten marinen
Schichten von S. Fe Bajada und andere mit denen der viel neueren
Pampas-Formation identisch. Es finden sich auch ausgedehnte niedrige
Landstrecken, welche mit einer Säugethierreste enthaltenden Ablage-
rung bedeckt sind, gleich der soeben in den östlicheren Theilen der
Provinz beschriebenen. Obgleich ich wegen der glatten und nicht
durchbrochenen Beschaffenheit des Landes niemals einen Durchschnitt
dieser letzteren Ablagerung dicht am Fusze der höheren tertiären Berge
erhielt, so zweifle ich doch nicht im Mindesten daran, dasz sie von
einem entschieden späteren Ursprünge ist; sie wurde abgelagert, nach-
dem das Meer die tertiären Schichten in die von Klippen begrenzten
Berge ausgewaschen hatte. Diese spätere Formation, welche sicher
das Äquivalent derjenigen der Pampas ist, ist in den Thälern in der
Estancia von Berquelo in der Nähe von Mercedes gut zu sehen; sie
besteht hier aus röthlicher Erde voller abgerundeter Quarzkörner, mit
einigen kleinen Concretionen von Tosca-Gestein, die in horizontalen
Zagen angeordnet sind, so dasz sie, ausgenommen dasz sie ein wenig
kalkige Substanz enthalten, der Formation in den östlichen Theilen
von Banda Oriental, in Entre Rios, und an anderen Orten vollkommen
ähnlich ist: auf dieser Estancia wurde das Skelet eines groszen eden-
taten Säugetlners gefunden. Im Thale des Sarandis, in der Entfernung
von nur wenigen Meilen, hat diese Ablagerung einen etwas verschie-
denen Character, indem sie weiszer, weicher, feinerkürnig, und voller
kleiner Höhlen, und in Folge dessen von geringerem specifischem Ge-
wicht ist, auch enthält sie keinerlei Concretionen oder kalkige Sub-
stanz: ich verschaffte mir hier einen Schädel des Toxodon plaU nsis,
welcher, als er zuerst entdeckt wurde, ganz vollständig gewesen sein
musz, einen anderen von einem Mylodon 16. vielleicht M. Darwin
und ein groszes Stück eines Hautpanzers, verschieden von dem des

" Von         Q Schädel meinte Prof. Owen anfänglich (in der „Zoology of

the Voyage of the Beagle"), dasz er zu einem besonderen. G           Hum ge-

nannten Genas gehöre.

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13(5                                       Pampas-Formation.                                     ip. i.

Glyptodon clavipes. Diese Knochen sind merkwürdig wegen ihres
auszerordentlich frischen Ansehens: werden sie über eine Spiritusflamnie
gehalten, so hauchen sie einen starken Geruch ans und verbrennen mit
einer kleinen Flamme; Mr. T. Bkkks ist so freundlich gewesen, einige
der Fragmente zu analysiren; er findet, das/, sie ungefähr sieben Pro-
cent thierische Substanz und acht Procent Wasser enthalten17.

Die älteren tertiären, die höheren isolirten Berge und ausgedehnten
Landstriche bildenden Schichten variiren, wie ich gesagt habe, auszer-
ordentlich in ihrer Zusammensetzung; innerhalb der Entfernung einiger
weniger Meilen kam ich zuweilen über krystallinischen Kalkstein mit
Achat, kalkigen Tuffen und mergeligen Gesteinen, die alle ineinander
übergiengen, — rothen und blassen Lehm mit Concretionen von Tosca-
Gestein, ganz gleich der Pampas-Formation, — kalkige Conglomerate

und Sandstein, — hellrothe entweder in rothes Conglomerat oder in
weiszen Sandstein übergehende Sandsteine, — härtere kieselige Kalk-
steine, jaspisartige und chalcedonhaltige Gesteine, und zahlreiche an-
dere untergeordnete Varietäten. Ich war nicht im Stande, die Be-
ziehungen aller dieser Schichten zu ergründen und will nur einige
wenige bestimmte Durchschnitte beschreiben : — an den Klippen zwi-
schen P. Gorda am Uruguay und der A. de Vivoraa ist die obere
Schicht krystallinischer, zelliger häufig in kalkigen Sandstein über-
gehender Kalkstein mit Findrücken einiger von den nämlichen Muscheln
wie bei Sta Fe Bajada: bei P. Gorda 1S ruht dieser Kalkstein auf
weiszem Sande und wechselt inSchicht*'n mit ihm ab, welcher wiederum
eine ungefähr dreiszig Fusz mächtige Schicht von blasz gefärbtem Thon
mit vielen Muscheln der groszen Ostreapatagonica überlagert: unter-
halb dieser findet sich an der verticalen Klippe nahezu in einem Niveau
mit dem Flusz eine Schicht von rothem Lehm absolut gleich der
Pampas-Ablagerung, mit zahlreichen häufig groszen Concretionen von
vollkommen eharacterisirtem, weiszen, compacten Tosca-Gestein. An
der Mündung des Vivoras strömt der Flusz über ein blasses cavernöses

» Liebig (Agricoltnr-Cl          engl, ß         p. 194) gibt an, dasz frische

trockene Knochen von zweiunddreiszig Ins dreiunddreiszig Procent trockene Gelatine
enthalten, s. auch Dr. Daabeny in: Edinb. New I'liilos. Journ.. Vol. XXXVII,
p. 293.

18 In meiner Reise (Journal etc., 1. edit., p. 171) habe ich unrichtigerweise
angegeben, dasz der Pampas-Lehm, welcher auf dem östlichen Theil der Banda
oriental gefunden wird, bei P. Gorda über dem Kalkstein lie't; ich hätte sagen
sollen, dasz Grund zu der Annahme vorliege, dasz er eine                             Ab-

lagerung sei.

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Cap. 4.

Dan da Uriental.

137

Tosca-Gestein, völlig gleich dem in den Pampas, und dieses sein
unter dem krystallinischen Kalkstein zu liegen; aber der Durchschnitt
war nicht so zweifellos wie der bei P. Gorda. Diese Schichten bilden
jetzt nur einen schmalen und stark denudirten Streifen Landes; sie
müssen sich aber früher einmal viel weiter erstreckt haben; denn am
nächsten Strome südlich vom S. Juan fand Captain Sulivax eine kleine,
mir eben über die Fläche des Flusses sich erhebende Klippe mit zahl-
reichen Muscheln der Venus Munstern d'Obb., eine derSpecies, welche
bei Santa Fe vorkommen und von welcher sich bei P. Gorda Abgü-
finden: die Klippenreihe des später abgelagerten echten Pampas-Lehms
erstreckt sich von Colonia bis innerhalb einer halben Meile von diesem
Orte, und bedeckte ohne Zweifel früher diese denudirte marine Schicht.
Ferner fand ein Franzose bei Colonia beim Grundgraben eines Hauses
eine grosze Masse der Oatrea patagonica (von der ich viele Fragmei,
sah) dicht unter der Oberfläche zusammengepackt und direct auf dem
Gneis/, aufliegend. Diese Durchschnitte sind wichtig: D'Oi v ist
nie               t anzunehmen, dasz Schichten von derselben Beschaffen-

heit wie die Pampas-Formation jemals unter den alten marinen t
tiären Schichten liegen; und ich war so überrascht wie er es mir i
wesen sein konnte; aber die senkrechte Klippe bei P. Gorda schlieszt
einen Irrthum aus und es sei mir die Behauptung gestattet, dasz ich
nach einer Untersuchung des Landes vom Colorado bis nach S. Fe
Bajada in dem mineralischen Character der Pampas-Ablagerung nicht
getäuscht werden konnte.

Überdies sieht man an einem steil abstürzenden Theile der Schlucht
von Las Bocas einen rothen Sandstein deutlich über einer dicken Schicht
von blassem Lehm liegen, auch völlig gleich der Pampas-Formation,
welche äuszerst zahlreiche Concretionen echten Tosca-Gesteins enthielt.
Dieser Sandstein erstreckt sich über viele Meilen Landes: er ist so roth
wie die hellsten viücanischen Scorien; er geht zuweilen in ein grell-
rothes aus den darunter liegenden primären Gesteinen zusammengesetztes
Conglomerat über, und häutig in einen weichen weiszen Sandstein mit
rothen Streifen. Bei der Calera de lös Huerfanos, nur eine Viertelmeile
südlich von dem Orte, wo ich zuerst den rothen Sandstein traf, wird
der krystallinische weisze Kalkstein gebrochen; da diese Schicht die
oberste ist und häufig in kalkigen Sandstein mit reinem Sand in
zwischenliegenden Schichten übergeht, und da gleichfalls der rothe
Sandstein in weichen, weiszen Sandstein übergeht und .-Mich die oberste

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138                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

Schicht ist, so glaube ich, dasz diese zwei Schichten, obschon sie so
verschieden sind, gleichwerthig sind. Einige wenige Stunden südwärts
von diesen zwei Orten, auf beiden Seiten des niedrigen primären Höhen-
zuges von S. Juan finden sich einige flachgipfelige, klippenbegrenzt'.
einzeln stehende kleine Berge, sehr ähnlich denen, welche die primären
Höhenzüge in der groszen Ebene südlich von Buenos Ayres umsäumen:
sie werden gebildet 1) aus kalkigem Tuff mit vielen Quarzstückchen,
zuweilen in ein grobes Conglomerat übergehend; 2) aus einem Steine,
welcher bei der sorgfältigsten Inspection von den compacteren Varietäten
des Tosca-Gesteins nicht zu unterscheiden ist, und 3) aus halbkry-
stallinischem , Sandsteine, welcher Achatknoten einschlieszt: diese drei
Varietäten gehen unmerklich ineinander über, und da sie die oberste
Schicht in diesem Districte bilden, so glaube ich, dasz sie auch das
Äquivalent des rein kristallinischen Kalksteins und des rothen und
weiszen Sandsteins und der Conglomerate sind.

Zwischen diesen Punkten und Mercedes am Bio Negro finden sich
kaum irgend welche gute Durchschnitte, da die Strasze über Kalk-
stein, Tosca-Gestein, kalkige und hellrothe Sandsteine, und in der Nähe
der Quelle des S. Salvador über eine weite Strecke von Jaspis-Gesteinen
mit vielem milchigen Achat, gleich dem in dem Kalkstein in der Nähe
von S. Juan, führt. In der Estancia von Berquelo sind die einzelnen
flach gipfeligen klippenumgebenen Berge eher höher als in anderen
Theilen des Landes; sie ziehen sich in einer nordöstlich-südwestlichen
Linie hin; ihre obersten Schichten bestehen aus dem nämlichen hell-
rothen Sandstein, der zuweilen in ein Gonglomerat, und im unteren
Theile in weichen weiszen Sandstein und selbst in losen Sand über-
geht: unterhalb dieses Sandsteins* sah ich an zwei Stellen Schichten
von kalkigen und mergeligen Gesteinen, und an einer Stelle rothe
Pampas-ähnliche Erde; am Fusze dieser Durchschnitte fand sich ein
harter, geschichteter, weiszer Kalkstein mit Chalcedonschichten. In
der Nähe von Mercedes sind Schichten von der nämlichen Beschaffen-
heit und augenscheinlich von dem nämlichen Alter mit compactem,
weiszen] kristallinischen Sandstein verbunden, welcher viele Trauben-
achate und eigentümliche Massen, wie Porzellan, aber in Wirklich-
keit aus einer kalkigkiesigen Taste gebildet, enthält. Beim Graben
von Brunnen in diesem Districte scheinen die Chalcedon führenden
lichten die untersten zu sein. Schichten, sowie die hier beschrie-
benen, kommen über die ganze S e in der Nähe dieses Ortes vor:

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Cap. !                                     Banda Oriental.                                        139

aber zwanzig Meilen weiter den Rio Negro hinauf an den Klippen von
Perika, welche ungefähr fünfzig Fnsz hoch sind, ist die oberste Schicht
ein hübsch gefleckter Chalcedon, der mit einem reinen weiszen talgigen
Kalkstein untermischt ist; unter dieser liegt ein Conglomerat von Quar-
zit und Granit, unter diesem viele Sandsteine, einige in hohem Grade
kalkig, und die ganzen unteren zwei Drittel der Klippe bestehen aus
erdigen kalkigen Schichten von verschiedenem Grade von Reinheit, mit
einer Schicht röthlichen Pampas-ähnlichen Lehmes.

Als ich die Achate, die Chalcedone und jaspisartigen Gesteine,
einige von den Kalksteinen und selbst die hellrothen Sandsteine unter-
suchte, fiel mir ihre Ähnlichkeit mit in der Nähe vuleanischer Herde
gebildeten Ablagerungen sehr stark auf. Ich fand nun, dasz Isabelle
iu seiner „Yoyage ä Buenos Ayres" sehr ähnliche Schichten am Itapuy
und Ibicuy (welche eine Strecke weit nördlich vom Rio Negro in den
Uruguay münden) beschrieben hat, und diese Schichten enthalten Frag-
mente von rothen zersetzten echten Scorien, die durch Zeolith und
schwarzen Retinit gehärtet sind: wir haben daher hierin einen guten
Beweis vuleanischer Thätigkeit während unserer Tertiärperiode. Noch
weiter nördlich, in der Nahe von Santa Anna19, wo der Parana eine
merkwürdige Biegung macht, hat Bonpland einige eigentümliche
amygdaloide Gesteine gefunden, welche vielleicht derselben Epoche an-
gehören. Ich will bemerken, dasz nach der Grösze und dem gut ab-
gerundeten Zustande der Steinblöcke in den oben beschriebenen Con-
glomeraten zu urtheilen. Massen von Primär-Formation in dieser
Tertiärperiode wahrscheinlich über Wasser existirten: auch findet sich
nach Isabelle viel Conglomerat noch weiter nördlich bei Salto.

Aus welcher Quelle und durch welcherlei Mittel die grosze Pampas-
Formation auch immer entstanden ist, hier haben wir, wie ich wieder-
holen musz, unzweideutige Beweise einer ähnlichen Thätigkeit in einer
Zeit, welche der der Ablagerung der marinen tertiären Schichten mit
ausgestorbenen Muscheln bei Santa Fe und Punta Gorda vorausgieng.
Auch während der Ablagerung dieser Schichten haben wir in den
zwischeneingeschalteten Schichten rothen Pampas - ähnlichen Lehmes
und Tosca-Gesteins, und in dem sich in der Nähe von San Juan linden-
den Übergang der halbkrystallinisehen Kalksteine mit Achat in Tosca-
Gestein, welches von dem der Pampas nicht zu unterscheiden ist, Be-

lrOrbigny. Voyage, Part. Geolog., p. 39.

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140                                     Pampas-Formation.                                   ip. 4.

weise derselben Thätigkeit, obschon sie nur in Intervallen und in ge-
ringem Grade fortdauerte. Wir haben ferner gesehen, dasz in diesem
Districte, in einer Zeit, welche nicht nur der Ablagerung der tertiären
Schichten, sondern auch ihrer Emporhebung und äuszcrst hochgradigen
Denudation folgte, echter Pampas-Lehm mit seinen gewöhnlichen Cha-
racteren, und Säagethierfiberreste einschlieszend. ringsum und zwischen
die Berge oder Inseln, die aus diesen tertiären Schichten gebildet
wurden, und über die ganzen östlichen und tieferen primären Districte
von Handa Oriental abgelagert wurde.

Erdige Masse mit ausgestorbenen Säugethierresten
über dem Porphyr-Geröll bei S. Julian, in 40° 14' s. Br.
in Patagonien. — Dieser Fall, obschon streng genommen nicht zu
der Pampas-Formation gehörig, mag am zweckmüszigsten hier beschrie-
ben werden. Auf der Südseite des Hafens findet sich eine nahezu
horizontale Ebene (im ersten Capitel erwähnt) von ungefähr sieben
Meilen Länge und drei oder vier Meilen Breite, die der Schätzung
nach neunzig Fusz hoch und von senkrechten Klippen begrenzt ist,
von welcher ein Durchschnitt hier gegeben wird.

Fig. 16.

A                     A                                                            <

y..,....-r--v,»uSw.IUJJAMIUI..JniJ_.Ii_ijB

AA Oberflächliche Schicht rothlicher Erde mit den Überresten der Macrauchenia

und mit recenten Seemnaoheln an der Oberfläche.

B Gerull porphyritischer Gesteine.

C und D Birossteinhaltige Schieferlett-n i ,, m ,,„ __

, _ -, ,,        ...          ...           alte Tertiär-Formation.

E und F Sandstein und thonige Schichten \

Durchschnitt der untersten Ebene bei Port S. Julian.

Die unteren alten tertiären Schichten (die im nächsten Capitel
beschrieben werden sollen) werden von dem gewöhnlichen Gerölllager
bedeckt; und dies von einer unregelmäszigen, erdigen, zuweilen sandigen
Masse von selten mehr als zwei oder drei Fusz Mächtigkeit, aus-
genommen da, wo sie Furchen oder Schluchten erfüllt, die nicht blosz
durch das darunter liegende Geröll, sondern selbst durch die oberen
tertiären Schichten aasgewaschen worden sind, l'iese erdige Masse

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Cai< 1.                           Säugethierreate bei S. Julian.                               141

ist von einer blaszrötklichen Färbung, ähnlich den weniger reinen
Varietäten von Pampas-Lehm in Banda Orient-al; sie enthält kleine
kalkige Concretionen, wie die von Tosca-Gestein, aber sandiger, und
andere Concretionen von einer grünlichen erhärteten thonigen Substanz:
auch einige wenige Rollsteine aus der darunter liegenden Gerollschiebt
sind in ihr eingeschlossen, und diese zeigen, da sie gelegentlich in
horizontalen Schichten angeordnet sind, dasz die Masse unter Wasser
ihren Ursprung genommen hat. Auf der Oberfläche und in die ober-
flächlichen Theile eingeschlossen finden sich zahlreiche Muscheln, zum
Theil ihre Farben noch zeigend, von drei oder vier der jetzt häufig-
sten litoralen Arten. In der Nähe des Bodens einer tiefen Furche
(die im Durchschnitt dargestellt ist), die mit diesem erdigen Nieder-
schlage erfüllt war, fand ich einen groszen Theil des Skelets der
Macrauchenia patachonica, eines gigantischen und ganz auszerordent-
lichen Pachvderms, welches nach Prof. Owen mit Pal&eoiheriutn ver-
wandt ist, dabei aber Beziehungen zu den Kuminanten, besonders zu
der americanischen Abtheilung der Camelidcn darb;           Mehrere der

Wirbel in einer Reihe und nahezu alle Knochen einer der Gliedmaszen
Ihst bis auf die kleinsten Fuszknochen waren in ihrer gehörigen
relativen Lage eingeschlossen: es war daher das Skelet sicher \
seinem Fleisch oder von seinen Bändern zusammengehalten als es im
Lehm eingehüllt wurde. Diese erdige Masse mit ihren Concretionen
und Säugethierresten, welche Furchen in dem darunter liegenden Geröll
erfüllt, bietet sicher eine sehr auffallende Ähnlichkeit mit einigen l
den Durchschnitten in der Pampas-Formation dar (z. B. bei P. Alta
in Bahia Bianca oder bei den Barrancas de San Gregorio); ich darf
aber annehmen, dasz diese Ähnlichkeit nur zufällig ist; ich vermuthe,
dasz der Schlamm, welcher heutigen Tages sich in tiefen und schmalen
Rinnen am oberen Ende des Hafens ansammelt, nach seiner Erhebung
ein sehr ähnliches Ansehen darbieten würde. Der allersüdlichste Punkt
echter Pampas-Formation, nämlich am Colorado, liegt 560 Meilen
geographischer Breite nach Xorden von diesem Punkte20.

Was das Alter der Ma Kenia 1 ---trifft, so beweisen die Muschel-
haien an der Oberfläche, dasz die Masse, in welche das Skelet ein-

M Im nächsten Capitel werde ich ein groszes Lager ausgestorbener Säuge-
thiemvste zu erwähnen haben, welches vor Kurzem Capt. Sulivan an einem noch
weiter südlich gelegenen Punkte, nämlich am Rio Gallegos entdeckt bat; ihr Alter
musz für jetzt zweifelhaft bleiben.

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142                                     Pampas-Formation.                                Cap. 4.

gehüllt war, innerhalb der Neuzeit über das Meer emporgehoben wor-
den ist: ich habe keinerlei von den Muscheln in einer hinreichenden
Tiefe eingeschlossen gesehen, um mich (obschon es in hohem Grade
wahrscheinlich ist) zu versichern, dasz die ganze Dicke der Masse mit
diesen individuellen Exemplaren gleichalterig war. Dasz die Macrt
ei«,na nach der Zeit lebte, in welcher das Geröll sich auf dieser Ebene
verbreitete, ist sicher; und dasz dieses Geröll in einer Höhe von neunzig
Fusz lange nach der Existenz recenter Muscheln ausgebreitet wurde,
ist kaum weniger gewisz. Denn im ersten Capitel wurde gezeigt, dasz
dieser Küstenstrich mit merkwürdiger Gleichmäszigkeit emporgehoben
worden ist und dasz über einen ungeheueren Bezirk sowohl nördlich
als südlich von S. Julian recente Schalthierspecies über die Oberfläche
der 250-Fusz-Ebene und der 350-Fusz-Ebenc bis hinauf zu einer Höhe
von 400 Fusz verstreut (oder darin eingeschlossen) waren. Diese weiten
stufenförmigen Ebenen sind durch die denudirende Wirkung der Küsten-
weüen auf die alten tertiären Schichten gebildet worden; und als daher
die Oberfläche der 350-Fusz~Ebene mit den Muscheln auf ihr zuerst
über das Niveau des Meeres emporstieg, existirte die 250-Fusz-Ebene
noch nicht und ihre Bildung musz ebenso wie die Verbreitung des
Gerölls auf ihrer Höhe später stattgefunden haben. So musz auch
die Denudation und die Geröllbedeckung der 90-Fusz-Ebene später nach
der Erhebung der 250-Fusz-Ebene stattgefunden haben, auf welcher
recente Muscheln gleichfalls verstreut liegen. Es kann daher daran
kein Zweifel sein, dasz die Macrauchenia, welche sicherlich im frischen
Zustande begraben wurde und welche nach der Ausbreitung des Gerölls
auf der 90-Fusz-Ebene gelebt haben musz, nicht blosz später als die
emporgehobenen Muscheln an der Oberfläche der 250-Fusz-Ebene, son-
dern auch als die auf der 350- bis 400-Fusz-Ebene existirt hat: diese
Muscheln, acht an der Zahl (nämlich drei Species von Mytilus, r
Patella und je ein Fusus, Völuta und Baianus), sind unzweifelhaft
recente Species und die gemeinsten jetzt an diesem Theile der Küste
lebenden Arten. Bei P. Alta in liahia Bianca bemerkte ich, wie wun-
derbar es war, dasz das Taxation, ein allen bekannten Gattungen so
unähnliches Säugethier, mit dreiundzwanzig noch lebenden Seethieren
gleichzeitig existirt haben sollte; und nun finden wir, dasz die Mo*
chenia, ein Säugethier, welches nur um ein Geringes weniger abnorm
ist alsdas Toxo<l<>)t, gleichfalls mit acht anderen noch immer existiren-
den Mollusken zusammenlebte: es ist überdies nicht zu vergessen, dasz

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Cap. 4.                           Säugethierrestc bei 8. Julian.                              143

ein Zahn eines pachydermen Säugethieres mit den anderen Überresten
bei Punta x\lta gefunden wurde, von welchem Prof. Owen beinahe
sicher annimmt, dasz er der Macrauchenia angehörte.

Lvkij, 2i ist zu einem im hohen Grade bedeutungsvollen Schlu!
in Bezug auf das Alter der nordamericanischen ausgestorbenen Säuge-
thiere gekommen (von denen viele denen der Pampas-Formation nahe
verwandt oder selbst mit ihnen identisch sind), nämlich, dasz sie in
einer Zeit lebten, welche der Periode folgte, in der erratische Blöcke
durch die Thätigkeit von Treibeis in temperirte Breiten transportirt
wurden. Nun liegen in dem Thale des Santa Cruz, nur fünfzig Meilen
geographischer Breite nacli Süden von dem Orte wo die Macrauchen
begraben wurde, ungeheuere Mengen von gigantischen eckigen erra-
tischen Blöcken, welche von der Cordillera auf Eisbergen herabtrai
portirt worden sein müssen, über die Ebene bis zu einer Höhe von
1400 Fusz über dem Spiegel des Meeres zerstreut. Bei dem Hinauf-
steigen bis zu dieser Höhe müssen mehrere stufenarti'je Ebenen über-
schritten werden, welche sämmtlich notwendiger Weise eine lange
Zeit zu ihrer Bildung erforderten: es musz daher die niedrigste oder
Neunzig-Fusz-Ebene, deren oberflächliche Schichten die Reste der
Macrauchenia enthielten, sehr lange nach der Zeit gebildet worden
sein, wo sich die 1400-Fusz-Ebene unter dem Meere befand und wo
erratische Blöcke von schwimmenden Kismassen auf sie herabfielen.23
Ltei.l's Folgerung wird daher in so weit in der südlichen Hemisphäre
bestätigt; und dies ist um so bedeutungsvoller, als man naturgemäsz
versucht wird eine so einfache Erklärung anzunehmen, dasz es die
Eiszeit war, welche das Aussterben der zahlreichen groszen Säuge-
thiere verursachte, welche in noch so später Zeit über die beiden
Hälften von America schwärmten.

Zusammenfassung und Schluszbemerkungen über die
Pampas-Formation. — Einer der auffallendsten Züge ist ihre
grosze Ausdehnung; ich fand sie auf meinem Wege vom Colorado
nach Santa Fe Bajada continuirlich in einer Entfernung von fünf-

21   Geologie. Proceedings, Vol. IV, p. 86.

22   Es darf aus diesen Bemerkungen nicht gefolgert werden, dasz die Eis-
tluitigkeit in Süd-America zu dieser vergleichsweise alten Periode aufhörte; denn
im Feuerlande wurden erratische Blöcke wahrscheinlich gleichzeitig, wenn nicht
noch später, mit der Bildung der Neunzig-Fusz-Ebene bei S. Julian und an anderen
Stellen der Küste von Patagonien transportirt.

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144                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

hundert geographischen Meilen, und d'Okhk;ny verfolgte sie noch

I Meilen weiter nach Norden. In der Breite des Plata untersuchte
ich diese Formation in Intervallen auf einer von Osten nach Westen
reichenden Linie von 300 Meilen, von Maldanado bis zum Flusz
Carcarana ; und d'Orbignt glaubt, dasz sie sich noch hundert Meilen
weiter landeinwärts erstreckt. Nach CaldcleüGH's Reisen hatte ich
indessen meinen sollen, dasz sie sich südlich von dem Höhenzuge von
Cordova bis in die Nähe von Mendoza erstreckte, und icli will hin-
zufügen, dasz ich von groszen Knochen gehört habe, die hoch oben
am Flusse Quinto gefunden worden sind. Es ist daher die Ausdehnung
der Pampas-Formation, wie d'Orbigny bemerkt hat, wahrscheinlich
mindestens der von Prankreich gleich, und vielleicht sogar zwei- oder
dreimal so grosz. In einem von Geröllklippen (in einer Höhe von
nahezu 3000 Fusz) umgebenen Becken in der Nahe von Mendoza
findet sich, wie im dritten Capitel beschrieben wurde, eine der Pam-
pas-Ablagerung sehr ähnliche, die mit anderer Substanz schichten-
durcbsetzt ist. und ferner enthält bei S. Julian in Patagonien,
560 Meilen südlich vom Colorado, eine kleine unregelmaszige Schicht
von nahezu ahnlicher Beschaffenheit wie wir eben gesehen haben Säuge-
thierüberreste. In den Provinzen von Moxos und Chiquitos (1000 -Meilen

ii Norden von den Pampas) und in Bolivia in einer Höhe von
4000 Meter hat d'Obbigny ähnliche Ablagerungen beschrieben.
welchen er annimmt, dasz sie durch dieselben Kräfte gleichzeitig mit
der Pampas-Formation gebildet worden sind. In Anbetracht des un-
geheueren Abstandes zwischen diesen verschiedenen Punkten und ihren
verschiedenen Höhen scheint es mir unendlich wahrscheinlicher zu
sein, dasz diese Ähnlichkeit nicht das Resultat eines gleichzeitigen

Sprungs ist, sondern der Ähnlichkeit des Gesteingerüstes des Con-
tinentes: bekanntlich besteht in Brasilien ein ungeheurer Bezirk aus
Gneiszgesteinen, und wir werden später sehen, über eine wie lange

recke die plutonischen Gesteine der Cordillera, die darüber liegenden
purpurnen Porphyre und die traehytischen Auswürflinge in ihrer Be-
schaffenheit beinahe identisch sind.

Über den Ursprung der Pampas-Formation sind drei Theorien

gebracht worden: — erstens die einer groszen Überschwemmung
von d'Orbiönt; es scheint dieselbe hauptsächlich auf das Fehlen von
Schichtung und auf die Anzahl eingebetteter Reste von Landsäuge-
thieren gegründet zu sein. Obgleich die Pampas-Formation (wie so

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1'. I                              Theorien über ihren Ursprung.                                 145

viele thonige Ablagerungen) nicht in deutliche and getrennte Schichten
getheilt ist, so hahen wir doch gesehen, dasz sie in einem guten
Durchschnitte mit horizontalen Farbenzonen gestreift war, und dasz
an mehreren speciell angeführten Orten die oberen und unteren Theile
nicht nur beträchtlich in der Färbung, sondern auch bedeutend in der
Constitution von einander verschieden waren. In dem südlichen Theile
der Pampas besteht die obere Masse (in einer gewissen Ausdehnung
geschichtet) allgemein aus hartem Tosca-Gestein, und der untere Theil
aus rothem Pampas-Lehm, der selbst in zwei oder drei in der Färbung
und in der Quantität eingeschlossener kalkiger Substanz variirende
Massen getheilt ist. In der westlichen Banda Oriental liegen Schichten
ähnlicher Beschaffenheit, aber von höherem Alter conforra unter den
regelmässig geschichteten Tertiärbildungen, und sind /wischen sie ein-
geschaltet. Der allgemeinen Kegel nach sind die mergeligen Con-
cretionen in horizontalen Linien angeordnet, zuweilen zu unregel-
maszigen Schichten verbunden: wenn der Lehm in sturmischer Weise
in Masse abgelagert worden wäre, so würde sich sicherlich die ein-
geschlossene kalkige Masse unregelmäszig vertheilt und nicht in
Knötchen gezeigt haben, die in horizontalen Linien angeordnet sind,
eine über der andern und häufig weit von einander; diese Anordnung
scheint mir zu beweisen, dasz Lehm, der unbedeutend in seiner Zu-
sammensetzung verschieden war, nach einander und ruhig zum Nieder-
schlag kam. Nach der Theorie einer groszen Überschwemmung wird
angenommen, dasz eine ungeheuere Masse von Lehm ohne einen ein-
zigen Hollstein über die ganze weite Flache der Pampas, als sie noch
unter Wasser war, fortgetragen worden ist: andererseits wird an-
genommen, dasz über ganz Patagonien dieselbe oder eine andere Über-
schwemmung nichts als Geröll geschafft hat; das öeröllund der feine
Lehm in der Nahe des Bio Negro und des Rio Colorado wären dann
in gleiche Entfernungen von der Cordillera oder von einer andern
vermeintlichen Störungslinie aus geschafft worden: sicher dürften direct
entgegenstehende Wirkungen nicht einer und derselben Kraft zu-
geschrieben werden. Wo konnte ferner eine Masse feinen Sedimen
welches mit kalkiger Substanz in einem zur ehemischen Trennung
nden Zustande durchdrungen war und dessen Menge hinreichend
war, einen Bezirk von mindestens 750 Meilen Lange und 400 Meilen
Breite bis zu einer Tiefe von zwanzig oder dreiszig Fusz bis zu
hundert Fusz zu bedecken, angehäuft worden sein, bereit von der ver-

Darwin, S                 M i. 1.                                                                               Im

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14ii                                     Pampas-Formation.                                 Cap, 4.

meintlichen CTberechwemmung fortgeschafft zu werden? Für mich ist
es beinahe bewiesen, dasz ein groszer Zeitraum nothwendig war für
die Erzeugung und Ablagerung der enormen lehmartigen Masse, welche
die Pampas bildet; ich würde auch die Theorie der Überschwemmung
nicht erwähnt haben, wäre sie nicht von einem so ausgezeichneten
Naturforscher wie d'Orbignt vorgebracht worden.

Eine zweite Theorie, die wie ich glaube zuerst Sir W. Paeish
aufgestellt hat, ist die, dasz die Pampas-Formation auf niedrige und
marschige Ebenen von den Flüssen dieses Landes niedergeschlagen
wurde, ehe dieselben ihren jetzigen Lauf einnahmen. Das Ansehen und
die Zusammensetzung des Niederschlags, die Art und Weise, in welcher
er um die Hauptgebirgszüge sich erhebt, die Beschaffenheit der darunter-
liegenden marinen Schichten, die Aestuarien- und Meeresmuscheln an
der Oberfläche, die darüberliegenden Sandsteinschichten bei M. Hermoso,
Alles dieses steht dieser Ansicht vollkommen entgegen. Auch glaube
ich nicht, dasz ein einziges Heispiel bekannt ist, wo ein Skelet eines
der ausgestorbenen Säugethiere in einer aufrechten Stellung so als
wenn es im Schlamm versunken wäre gefunden worden ist.

Die dritte Theorie, über deren Wahrheit ich nicht den gering
Zweifel hegen kann, ist die, dasz die Pampas-Formation langsam au
der Mündung des früheren Aestuarium des Plata und in dem daran-
stoszenden Meere angehäuft wurde. Ich bin zu dieser Folgerung aus
den gegen die zwei vorhergehenden Theorien angeführten Gründen
und aus einfachen geographischen Betrachtungen gekommen. Aus den
zahlreichen Muscheln der Azara labiata, welche lost- auf der Ober-
fläche der fibenen liegen und in der Nähe von Buenos Ayres im
Tosca-Gestein eingebettet sind, wissen wir. dasz diese Formation nicht
nur früher von dem Brackwasser des alten La Plata bedeckt wurde,
sondern dasz die oberston Theile derselben in demselben abgelagert
wurden. Südwärts von Buenos Ayres wurden die Ebenen aus Wasser
emporgehoben, welches von echt marinen Muscheln bewohnt war. Wir
wissen ferner aus Prof. Ehbbnbbbg's Untersuchungen jener zwanzig
mikroskopischen Organismen in der Erde um den MastodonZdhn hoch
oben im Verlauf des Parana, dasz der tiefste Theil dieser Formation
von Brackwasserursprung war. Ein ähnlicher Schlusz musz auf die
Schichten gleicher Zusammensetzung im Niveau des Meeres und unter
demselben bei M. Hermoso in Bahia Bianca ausgedehnt werden.
Dr. Cabpentbr findet, dasz die harten hauptsächlich nach Süden zu

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Cap. 1.                            Theorie über ihren Ursprung.                                147

gesammelten Varietäten von Tosca-Gestein marine schwammähnliche

Kürper, minutiöse Muschelfragmente, Corailen und Polythalamien ent-
halten; diese können vielleicht von Gezeiten aus den offeneren Theilen
des Meeres landeinwärts getrieben worden sein. Das Kehlen von
.Muscheln durch diese ganze Ablagerung, mit Ausnahme der obersten
Schiebten bei Buenos Ayres ist eine merkwürdige Thatsache: kann
sie durch den brackischem Zustand des AVassers oder durch den tiefen
Schlamm auf dem Grande erklärt werden? Uli habe angegeben, dasz
sowohl der röthliche Lehm als auch die Concretionen von Tosca-
Gestein häufig von minutiösen linearen Höhlungen durchbohrt werden,
so wie sie häufig in Süszwasserablagerungen von Kalk beobachtet
werden: sind diese das Product von Bohrungen kleiner Würmer?
Nur nach dieser Ansicht, wonach die Pampas-Formation eine Aestuarien-
bildung ist, kann die auszerordentliehe Zahl (die sofort erwähnt wer-
den soll) der eingeschlossenen Säugethierreste erklärt werden.23

In Bezug auf das erste Entstehen des rotben Lehms will ich nur
bemerken, dasz das ungeheuere Gebiet von Brasilien zum hauptsäch-
lichsten Theile aus gneiszartigen und anderen granitischen Gesteinen
besteht, welche einer Zersetzung unterlagen und in eine rothe, sandige,
thonartige Masse verwandelt worden sind, und zwar in einer cröszeren
Mächtigkeit als in irgend einem anderen von mir gesehenen Lande.
Die Mischung von abgerundeten Körnern und selbst von kleinen Frag-
menten und Kollsteiuen von Quarz in dem Pampas-Lehm von Banda
I Mental ist offenbar von den benachbarten und darunterliegenden
primären Gesteinen abhängig. Der Aestuarienschlamm wurde während
der Pampas-Periode von einer viel südlicheren Quelle aus weiter ge-
trieben als der Schlamm des Plata gegenwärtig, wahrscheinlich in
Folge davon, dasz die östlichen und westlichen primären Höhenzuge
südlich vom Plata damals noch nicht erhoben waren; denn er wurde
früher südlich bis zum Colorado abgelagert. Die Quantität kalkiger
Masse in dieser Formation, besonders in jenen groszen Districten wo

23 Es ist beinahe überflüssig, die zahlreichen Falle anzuführen (z. B. auf
Sumatra, s. LyelVs Principles, Vol. III, p. 325, 6. edit.), wo Thierleiber von an-
geschwollenen Flüssen nach dem Meere hinabgeführt .wurden; ich will aber eine
neuere Schilderung von Bettington erwähnen (Asiatic Society, 1845, 21. Juni),
wo Ochsen. Hirsche und Bären in den Golf von Cambray geschafft wurden; s. auch
die Beschreibung in meiner Reise (Übers, p. 152) von der groszen Zahl von Thieren,
welche wahrend der groszen häufig wiederkehrenden Zeiten der Dürre im Plata
ertrinken.

10*

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]48                                       Pampas-Formation.                                   Cap. 4.

die ganze Masse in Tosca-Gestein übergeht, ist sehr bedeutend: ich
habe bereits auf die grosze Ähnlichkeit im äuszeren und mikro-
skopischen Ansehen zwischen diesem Tosca-Gestein und den Schichten
bei Coquimbo, welche sicher die Folge des Zerfallens und Zerreibens
recenter -Muscheln sind, hingewiesen2*: ich darf indessen diese Folge-
rung nicht auf die kalkigen Gesteine der Pampas ausdehnen, besonders
da die darunter liegenden tertiären Schichten in der westlichen Banda
Oriental zeigen, dasz zu jener Zeit eine reichliche Ausscheidung \
kohlensaurem Kalk im Zusammenhang mit vulkanischer Thätigkeit

stattfand.

Nach der Ähnlichen Zusammensetzung! nach der allem Anscheine
nach absoluten specifischen Identität einiger ihrer Säugetbierreste und
nach der genetischen Ähnlichkeit anderer gehört die Pampas-Formation
über das ungeheuere von ihr eingenommene Gebiet — durch die ganze
Banda Oriental, Entre Kios und die grosze Ausdehnung der Pampas
südlich bis zum Colorado — derselben geologischen Epoche an. Die
Säugetbierreste kommen in allen Tiefen von dem Gipfel bis zum Boden
der Ablagerung vor; und ich will hinzufügen, dasz nirgends in den
Pampas irgend welche Erscheinung von bedeutender oberflächlicher
Denudation vorkommt: einii_r»' Knochen, welche ich in der Nähe der
Gnardia de! Monte fand, waren dicht unter der Oberfläche eingeschlossen:
und dies scheint auch mit vielen von den in Banda Oriental entdeck-
ten der Fall gewesen zu sein: auf den Matanzas, zwanzig Meilen süd-
lich von Buenos Ayres, war ein Glyptodon fünf Fusz unter der Ober-
fläche eingeschlossen: zahlreiche Beste wurden von Senor MüNlZ in
der Nähe von Luxan in einer mittleren Tiefe von achtzehn Fusz .
funden: in Buenos Ayres wurde ein Skelet in sechzig Pusz 'liefe aus-

M Ich will hinzufügen, dasz irnnz ähnliche ob iiliche kalkige Ablage-
rung         i King George's Sund i" Australien vorkommen; diese sind zweifelsohne
durch Zersetzung c        r Thierre                                   Vnlcanische Inseln. I
I». 147), Indessen ist die Häufigkeil oberflächlicher dünner Schichten von erdig, r
kalkiger Si a in Di* n, wo die umgebt-ndm Gesteine nicht kalkig sind,
doch sehr merkwürdig, Major Chart era gibt in einem von der R. Geographica! Society
en (13. Apr. U und im Athenaeom, p. :U7 im Auszage roitgetbeilten)
Aufsatze ai n dies in Theilen von Mexico d                  und dasz er ähnliche
Erscheinungen an i Stellen von SDd-Africa beobachtet hat. Die Thatsache,
dasz die oberste Schicht rings un zerklüftete Sierra Ventana aus kalkiger oder
mergeliger -Masse besteht ohne irgend eine Decke von alluvialer Blasse, tallr mir
als sehr eigentüüralich auf. in wi wir auch die Ablagerung und Er-
hebung der Pampa Ion betrachten mögen.

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Cap. 1.                                Ihr neuerer Ursprung.                                   149

gegraben und am Parana habe ich zwei Skelette von Mastodon be-
schrieben, welche nur fünf oder sechs Fusz oberhalb der Basis der
ganzen Ablagerung lagen. In Bezug auf das Alter dieser Formation,
wenn wir dieselbe nach dem gewöhnlichen Maszstahe der Existenz von
Mollusken beurtheilen, wird der einzige Beleg innerhalb der Grenzen
der echten Pampas, welcher überhaupt zuverlässig ist, von der noch
lebenden Azara labiata dargeboten, welche in der Nähe von Buenos
Ayres in Tosca - Gestein eingeschlsosen ist. Bei Finita Alta indessen
haben wir gesehen, dasz mehrere der ausgestorbenen für die Pampas-
Formation äuszerst characteristischen Säugethiere mit zwanzig Species
von .Mollusken, einer Entenmuschel und zwei Corallen, welche alle noch
an dieser nämlichen Küste leben, zusammenexistirten; — denn wenn
wir uns erinnern, dasz die Muscheln ein älteres Ansehen haben als
die Knochen, dasz viele der Knochen, obschon sie in einem groben
Conglomerat eingebettet sind, vollkommen erhalten sind, dasz beinahe
alle Theile des Skelets des Scelidotkerium selbst bis zur Kniescheibe
in ihrer gehörigen relativen Lage sich fanden, und dasz ein groszes
Stück des zerbrechlichen Hautpanzers eines Dasypus-artigen Säuge-
thiers in Verbindung mit einigen Fuszknochen in einem Zustande be-
graben war, welcher es gestattet hatte, dasz die beiden Seiten zusam-
mengefaltet wurden, so rausz ganz sicher zugegeben werden, dasz diese
Säogethierreste in frischem Zustande eingebettet wurden und dasz daher
die lebenden Thiere mit den zusammen eingebetteten -Muscheln existir-
ten. Überdies ist durch befriedigende Belege einer andern Art gezeigt
worden, dasz die Macrauchenia patackonica (von welcher nach Prof.
Owen auch in den Pampas von Buenos Ayres und bei Punta Alta
Reste vorkommen) auf den Ebenen von Patagonien lange nach der
Periode gelebt hat als das benachbarte Meer zuerst von seinen
jetzigen gemeinsten Mollusken bewohnt wurde. Wir müssen daher
schlieszen, dasz die Pampas-Formation in dem gewöhnlichen Sinne dos
Wortes zur recenten Periode gehört25.

Bei St. Fr Bajada liegt die Aestuarium-Formation der Pampas mit
ihren Säugethierresten conform über den marinen tertiären Schichten,
welche, wie d'Orbigni zuerst gezeigt hat, gleichalterig mit denen
von Patagonien sind und welche, wie wir hernach sehen werden, einer

23 d'Orbigny glaubt (Voyage, Part. Geolog., p. 81), dasz diese Formation,
obgleich „trea voisine de la nötre, est näanmoins de beaucoup anteneure ä no
creation4'.

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i\(-|                                     Pampas-Formation.                                    ip, !.

selir alten tertiären Stufe angehören. Als ich die Verbindung zwischen
diesen zwei Formationen untersuchte, glaubte ich, dasz die concretio-
näre Schicht von Mergel einen Übergang zwischen den marinen und
Äestuariumstufen bezeichnete. d'OrbigjH! bestreitet diese Ansicht (wie
ich sie in meiner Reise dargestellt habe) und ich gebe zu. dasz sie
irrig ist, obschon de in einem gewissen Grade entschuldbar ist, da
die Schichten conform liegen und beide an kalkiger Substanz üuszerst
reich sind. Es würde in der That eine grosze Anomalie gewesen sein,
wenn ein wirklicher Übergang zwischen einer Ablagerung, welche mit
existirenden Molinskenarten gleichalterig ist und einer anderen, m
welcher alle Mollusken ausgestorben zu sein scheinen, bestanden hätte.
Nach Norden von Santa Fe traf d'Obbionx eisenschüssigen Sandstein,
mergeliges Gestein und andere Schichten, welche er für eine besondere
und tiefere Formation ansah; die Beweise indessen, dasz sie nicht
Tlieile einer und derselben Schicht mit einem veränderten minera-
logischen Character sind, erscheinen mir nicht völlig befriedigend
zu sein.

In der westlichen Banda Oriental fanden, während die marinen
tertiären Schichten angehäuft wurden, vulcanische Ausbrüche statt;
es wurde viel Kiesel und Kalk aus Lösungen niedergeschlagen, grobe
Conglomerate wurden gebildet, die wahrscheinlich von dem benach-
barten Lande herrührten, ebenso wurden die Schichten rothen Lehms
und mergeliger Gesteine gleich denen der Pampas-Formation gelegent-
lich abgelagert. Die echte Pampas-Ablagerung mit Säugethierüber-
resten sieht man liier, anstatt wie bei Santa Fe conform die.tertiären
Schichten zu überlagern, in einem niedrigeren Niveau und sich rund
um und zwischen die flacbgipfeligen, klippenbegrenzten Hügel falten,
welche sich durch die Erhebung und Denudation dieser nämlichen
tertiären Schichten gebildet hatten. Der ['instand, dasz die Empor-
hebung hier zeitiger eingetreten ist, als bei Santa Fe, kann natur-
gemäsz durch die gleichzeitige vulcanische Thätigkeit erklärt werden.
Bei den Barrancas de San Gregorio liegt die Pampas-Ablagerung, wie
wir gesehen haben, über grobem Sand und erfüllt Furchen in dem-
selben, genau dem gleich, welcher sich jetzt an den Ufern in der Nabe
der Mündung desPlata anhäuft. Ich kann kaum glauben, dasz dieser
lose und grobe Sand gleichalterig mit den älteren tertiären und häufig
krystallinischen Schichten der westlicheren Theile der Provinz ist, un
ich werde zu der Vermuthung geführt, dasz er späteren Ursprungs ist.

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Cap. -I.                               Ihr n-.-uerer Ursprung.                                    [5]

Wenn man sich auf den Durchschnitt bei Colonia ruhig verlassen
könnte, in welchem in einer Höhe von nur fünfzehn Fusz über dem
Plata eine Schicht frisch aussehender Miesmuscheln von einer jetzt
cxistirenden litoralen Art zwischen dem Sande und dem Pampas-
Lehme zu liegen schien, so würde ich schlieszen, das/ Banda Oriental,
als der grobe Sand sich anhäufte, nur wenig unter ihrem jetzigen
Niveau gestanden haben musz und dann gesunken ist, wodurch dem
Aestuarium-Pampas-Lehni gestattet wurde, weit und breit ihre Ober-
Hache bis zur Höhe von einigen hundert Fusz zu bedecken, und dasz
nach dieser Senkung die Prozinz auf ihr jetziges Niveau emporgehoben
rden ist.
In der westlichen Banda Oriental wissen wir aus zwei unzu
deutigen Durchschnitten, dasz dort eine von der echten Pampas-Ab-
lagerung absolut ununterscheidbare Masse unter den älteren tertiären
Schichten vorhanden ist. Diese untere Masse musz sehr viel älter
sein, als die obere Ablagerung mit ihren Säugethierrestcn, denn sie
liegt unter den tertiären Schichten, iu welchen alle Muscheln ausge-
storben sind. Trotzdem sind die unteren und oberen Massen ebei:
wie einige dazwischen liegende in ihrem mineralogischen Cbaraeter so
ähnlich, dasz ich daran nicht zweifeln kann, dasz sie Alle eines
Aestuarium-Iisprungs sind und aus derselben groszen Quelle herzu-
leiten sind. Zuerst erschien es mir äuszerst unwahrscheinlich, dasz
Lehm von derselben Beschaffenheit auf nahezu demselben Fleck
während eines ungeheueren Zeitverlaufs, nämlich von einer Periode
die vielleicht dem europäischen Eocimi äquivalent ist, bis zu der der
Pampas-Formation, abgelagert worden sei. Da aber gleich am Anfang der
Periode, wenn nicht in einer noch früheren Periode, die Sierra Ventana
eine Schranke nach Süden, — die Cordillera oder die Ebene vor der-
selben nach Westen, — die ganze Provinz Corrientes wahrscheinlich
nach Norden bildete — denn nach i»'Orbigxv ist sie nicht von der
Pampas-Ablagerung bedeckt, — und da Brasilien, wie aus den Höhlen-
resten bekannt ist, die Grenze nach Nordosten bildete, und da ferner
während der alteren tertiären Periode bereits Land in der westlichen
Banda Oriental und bei Hanta Fe Bajada twistirte, wie aus den pflanz-
lichen Besten, aus den Mengen von verkieseltem Holz und aus den
n.erresten eines Toxod-m, die nach d'Obbigny in noch tieferen Schich-
ten gefundi-n wurden, geschlossen werden kann, so können wir folgern.
dasz in dieser alten Periode eine grosze Wasserfläche von dem näm-

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Pampas-Formation.                                 Cap 4.

liehen Felsengerüst umgeben wurde, welches jetzt dir Ebene der
Pampas-Formation begrenzt, Ist dies der Fall gewesen, so erscheint
der Umstand, dasz ein Niederschlag derselben Beschaffenheit in dem-
selben Gebiet während eines ungeheuer langen Zeitverlaufs abgelagert
wurde, wenn schon in hohem Grade merkwürdig, docli nicht un-
glaublich.

Die Erhebung der Fampas, wenigstens der südlichen Theile,
langsam und von mehreren Ruheperioden unterbrochen gewesen, wie
aus den in verschiedenen Höhen sich findenden Ebenen, Klippen und
Zügen von Sanddünen (mit Muscheln und Bimssteingeröll) gefolgert
werden kann. Ich glaube auch, dasz der Pampas-Lehm noch fort-
dauernd abgelagert wurde, nachdem Theile dieser Formation bereits
(1 hoben worden waren, in derselben Weise wie Schlamm in dem Astua-
rium des Plata noch weiter abgelagert werden würde, wenn die Schlamm-
banke an seinen Ufern jetzt emporgehoben und in Ebenen verwandelt
würden: ich glaube hieran wegen der Dn Wahrscheinlichkeit, dasz so
le Skelette und Knochen an einem Orte, wo M. Hermoso jetzt steht,
in einer Tiefe von zwischen achthundert und tausend Fusz und in
einer Ungeheuern Entfernung von jedem Lande, ausgenommen kleiner
Felseninselchen, angehäuft worden waren, wie es der Kall gewesen
sein müszte, wenn die hohe Tosca-Ebene um die Ventana und die
benachbarten Sierras nicht bereits emporgehoben und in Säugethiere
tragendes Land umgewandelt worden wäre. Bei Punta Alta haben
wir gute Beweise dafür, dasz die Geröllschichten, welche sicher zu der
echten Pampas-Periode gehören, nach der Emporhebung des Haupt-
theils der Pampas-Ablagerung in jener Gegend angehäuft wurden.
aus welcher die abgerundeten Massen von Tosca-Gestein und jenes ab-
gerollte Fragment schwarzen Knochens in demselben eigentümlichen
Zustande wie die Reste bei Monte Hermoso herrühren.

Die Anzahl der in den Pampas eingebetteten Säugethierreste ist,
wie ich bemerkt habe, wunderbar: mau nuisz im Auge behalten, dl
sie beinahe ausschliesslich in den Klippen und steilen Ufern von
Flüssen gefunden worden sind, und dasz sie bis vor kurzem unter den
Einwohnern keine Aufmerksamkeit erregten: ich bin fest überzeugt,
i kein tiefer Durchschnitt in irgend einer Richtung quer durch die
Pampas ausgeführt werden konnte, ohne auf die Reste irgend eines
Säugethieres zu stoszen. K- isl sehr schwer, sich darüber eine .M

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Can. 4.                                Ihr neuerer Ursprung.                                   153

ming zu bilden, in welchem Theile der Pampas sie am zahlreichsten
sind; an einem beschränkten Orte können sie nicht wohl zahlreicher
gewesen sein als sie bei Punta Alta waren; indesz ist die Zahl, welche
vor kurzem Sefior F. .Mini/, in der Nahe von Luxan in einem cen-
tralen Theile der Pampas gefunden hat, auszerordentlich grosz: am
Ende dieses Capitels will ich eine Liste aller der Localitäten geben,
wo Reste soweit ich es gehört habe entdeckt worden sind. Sehr
häufig bestehen die Reste aus beinahe vollkommenen Skeletten; es
finden sich aber auch zahlreiche einzelne Knochen, wie z. B. bei
Santa Fe. Ihr Erhaltungszustand variirt bedeutend, selbst wenn sie
nahe bei einander eingebettet sind: ich habe keine anderen so voll-
kommen erhalten gesehen, wie die Schädel des Toxodon und Mylodon
aus der weichen, weiszen erdigen Schicht an dem Sarandis in Banda
Oriental; es ist merkwürdig, das/ ich in zwei beschränkten Durch-
schnitten nicht weniger als fünf Zahne einzeln eingeschlossen gefunden
habe, und ich habe von Zahnen gehört, die an anderen Orten in ähn-
licher Weise gefunden wurden: dürfen wir annehmen, dasz die Skelette
oder Schädel eine lange Zeit hindurch sanft von Strömungen über den
weichen schlammigen Boden getrieben wurden und dasz die Zähne ge-
legentlich hier und da ausfielen?

Man kann natürlich fragen, wo diese zahlreichen Thiere lebten.
Aus den merkwürdigen Entdeckungen von Lrxn und Clatjsen geht
hervor, dasz einige von den in den Pampas gefundenen Species die
Hochlande von Brasilien bewohnten: das Mastodon Andium ist in
bedeutenden Höhen in der Cordillera von nördlich vom Äquator26
bis südlich mindestens so weit wie Tanja eingebettet, und da dort
kein höheres Land existirt, so läszt sich daran nur wenig zweifeln,
dasz dieses Mastodon auf den Ebenen und in den Thälern jenes
groszen Gebirgszuges gelebt haben musz. Diese Länder erscheinen
indessen viel zu entfernt, als dasz die in den Pampas begrabenen In-
dividuen dort hätten wohnen sollen : wir müssen uns wahrscheinlich
nach näheren Punkten umsehen, z. B. die Provinz Corrientes, welche
wie bereits bemerkt wurde nicht von der Pampas-Formation bedeckt

II um 1im1.1i gibt an, dasz das 31            in Neu-Granada entdeckt wor-

n ist:           in Quito gefundi irden. Als ich in Lima war, sah ich einen

Ma n-Zahn im B         des Don M. Rivero, welcher bei Flava Chica am

Maranon in der Nähe des Guallaga gefunden war. Jedermann hat von den zahl-
reichen Ma$i               11 in Bolivia gehört.

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154                                    Pampas-Formation.                                 Cap. (.

sein soll und daher in der Periode ihrer Ablagerung als trockenes
Land existirt haben kann. Ich habe bereits meine Gründe für die
Annahme angeführt, dasz die bei Monte Hermoso und Punta Atta in
Bairia Bianca eingeschlossenen Thiere auf dem benachbarten aus
Theilen der bereits emporgehobenen Pampas-Ablagerung gebildeten
Lande gelebt haben. In Bezug auf die Nahrung dieser vielen groszen
ausgestorbenen Säugethiere will ich nicht die in meiner Heise gegeben--n
Thatsachen wiederholen (Übers, pag. 90). welche beweisen, dasz zwischen
der Üppigkeit der Vegetation eines Landes und der Grösze seiner Säuge-
thierbewohner keine Beziehung besteht. Ich bezweifle es nicht, dasz
grosze Thiere, soweit die Menge, nicht die Art der Vegetation in
Betracht kommt, auf den sterilen Ebenen von Babia Bianca und des
Rio Negro ebenso gut existiren könnten, wie auf den gleich, wenn nicht
noch sterileren Ebenen des südlichen Africa. Indes/ kann sich das
Clima vielleicht etwas verschlechtert halten, seitdem die bei Bahia
Bianca begrabenen Säugethiere dort lebten: denn wir dürfen aus der
fortdauernden Existenz der nämlichen Muscheln an den jetzigen Küsten
nicht folgern, dasz keine Veränderung im Clima eingetreten ist; denn
mehrere dieser Muscheln reichen jetzt nordwärts den Küsten von Bra-
silien entlang, wo die üppigste Vegetation in einer tropischen Tem-
peratur gedeiht. Wa 3 Aussterben der vielen gröszeren und kleinen
Säugethiere dieser Periode betrifft, welches zuerst Erstaunen erregt,
will ich auch auf das oben erwähnte Wirk verweisen (Übers, pag. 199)
in welchem ich zu zeigen versucht habe, dasz, so unfähig wir auch
sind die genauen Ursachen anzugeben, wir rigentlich doch nicht mehr
darüber überrascht sein sollten, dasz eine Species ausstirbt, als d
eine selten ist, und doch sind wir gewöhnt, die Seltenheit irgend einer
besonderen Species als ein gewöhnliches Ereignis anzusehen, welches
ine auszerordentliche Thütigkeit zur Erklärung fordert.

Die verschiedenen in der Pampas-Formation eingeschlossenen
Siiugethiere, welche meist zu ausgestorbenen Gattungen und einige
selbst zu ausgestorbenen Familien oder Ordnungen gehören und welche
nahezu wenn nicht vollständig so weit von lebenden Säugethieren ab-
weichen wie die Eocen-Säugethiere von Europa, welche gleichzeitig
mit Mollusken existirt haben, die sihmiitlich noch jetzt das benach-
barte -Meer bewohnen, bieten sicher eine äuszerst auffallende That-
sache dar. Es ist in n durchaus keine einzeln dastehende; denn
wahrend der späteren tertiären Perioden von Grosz-Britanien le

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p. 1.                                    augethierreste.                                       ];

ein Elephant. ein Ehinoceros und Hippopotamoa mit vielen recenteii
Land- und Süszwassermuscheln zusammen; und in Nord-America haben
wir die besten Beweise dafür, dasz ein Mastodon Elephant, Mega-
therium, Megalonyx Mylodon, ein ausgestorbenes Pferd und ein Ochs
gleichfalls mit zahlreichen Land-, Süszwasser- und marinen recenten
Muscheln zusammen existirten.27 Die Aufzählimg dieser ausgestorbenen
nordamericanischen Thiere fuhrt mich naturgemäsz dazu, die frühere
nähere Beziehung der die beiden Hälften Americas bewohnenden Säuge-
thiere zu erwähnen, welche ich in meinem Keisejournal erörtert habe,
und gleichfalls auch die ungeheuere Ausdehnung von Land über welche
einige derselben reichten: so erstreckten sich die nämlichen Species
von Megatkerium, Megalonyx, Equns (so weit es der Zustand ihrer
Überreste gestattet, die Arten zu identificiren) von den südlichen Ver-
einigten Staaten von Nord-America bis Bahia Bianca in 39° s. Br.
an der Küste von Patagonien. Die Thatsache, dasz diese Thiere tro-
pische und temperirte Regionen bewohnten, scheint mir keine grosze
Schwierigkeit darzubieten, wenn man sieht, dasz am Vorgebirge der
guten Hoffnung mehrere Säugethiere. wie der Elephant und der Hip-
popotamos von dem Äquator bis zu 35 ° s. Br. reichen. Der Fall mit
dem Mastodon Andium ist ein schwierigerer, denn es wird von :J6°
s. Br. wie ich anzunehmen Ursache habe, beinahe über ganz Brasilien
und an der Cordillera hinauf bis zu Gegenden, welche nach d'Ohbign?
an den ewigen Schnee reichen und welche beinahe gänzlich vegetatio-1
los sind, gefunden: unzweifelhaft musz das Clima der Cordillera, als
das Mastodon sie bewohnte, verschieden gewesen sein; wir dürfen
aber den Fall des sibirischen Mammutbs und Rhinoceros nicht ver-
gessen, welcher beweist, welch' ein strenges Clima die gröszeren Pachy-
dermen ertragen können, ebenso wenig dürfen wir die Thatsache über-
sehen, dasz das Guanaco gegenwärtig die heiszen niederen Wüsten von
Peru, die hohen /innen der Cordillera und das feuchte mit Wald
bekleidete Land des südlichen Feuerlandes bewohnt; auch das Puma
wird vom Äquator bis zur Magellan-Strasze gefunden, und ich habe
seine Fährten nur wenig unter der Grenze des ewigen Schnees in der
Cordillera von Chile gesehen.

Viele Originalbeobachtungen und eine Zusammenfassung über diesen Ge-
genstand sind in Lyell'fl Aufsatz in: Proceed. Geolog. Soc. Vol. I\\ p. 3, und in
seinen Travels in North America, Vol. I. p. L64, und Vol. II, p. 60, gegeto

Wegen der analogen Falle in Europa                   Principe            >logy (6. edi

Vol. I. p. 137.

[page break]

156                                     Pampas-Formation.                                 Cap. 4.

In der im geologischen Sinne so neuen Periode, in welcher diese
ausgestorbenen Säugethiere existirten, müssen in den beiden Americas
Säugethiere, und viele von ihnen von gigantischer Grösze, äuszerßl
zahlreich gewesen sein: denn auszer den besonders in diesem Capitel
erwähnten müssen wir jene wunderbar zahlreichen Reste, von denen
einige specifisch und andere generisch mit denen der Pampas ver-
wandt sind, welche Ll:m> und Clausen in den Höhlen von Brasilien
entdeckt haben, in diese selbe Periode verlegen. Endlich zeigen uns
die hier mitgetheilten Thatsachen, wie vorsichtig wir sein müssen das
Alter einer Formation selbst nach einer so hochgradigen Verschiedenheit
zwischen den ausgestorbenen und lebenden Species in irgend einer Thier-
klasse zu beurtheilen — wir müssen selbst vorsichtig sein den allge-
meinen Satz anzunehmen, dasz Wechsel der organischen Formen und
Verlauf von Zeit überhaupt nothwendig in Correlation stehen.

Supplement.

Über die Mächtigkeit der Pampas-Formation in der Nähe vou

Buenos Ayres.

(Aus den Proceed. of the Geological Soc, 3. Dec. 1862.)

Die Herren Soi kuraix und J. Coghlax haben die Freundlichkeit
gehabt, mir durch Mr. E. B. \Yebb einige ausgezeichnete Durchschnitte
und Handstücke aus zwei artesischen Brunnen zu schicken, die vor
kurzem in Buenos Ayres gegraben wurden. Ich bitte um Erlaubnis,
diese Handstücke der geologischen Gesellschaft vorlegen zu dürfen, da
sie mir von beträchtlichem Nutzen für einen Jeden, der die Geologie
jenes Landes untersuchen will, zu sein scheinen. Die Pampas-Formation
ist in mehreren Beziehungen, deshalb weil sie eine auszerordentliche
Anzahl der Überreste verschiedene]- ausgestorbener Säugethiere, wie
Megatherium, Myhdon, Mastodon, Toxodon etc., enthält, und wegen
ihrer groszen Ausdehnung, indem sie sich in einer nord-südlichen Linie
mindestens 750 geographische Meilen weit ausdehnt und ein Gebiet
bedeckt, welches völlig so grosz ist wie d; n Frankreich, so inter-
tnt, dasz nach meiner Meinung «-ine Schilderung dieser Bohrungen
aufbewahrt werden sollte. Nach Süden, beim Rio Colorado, stöszt dir

[page break]

Cap. 4.                                       Ihre Mächtigkeit.                                      i;,7

Pampas-Formation an die grosze Tertiftrperiode von Patagonien, und
nach Norden, bei Santa Fe Bajada, liegt sie aber dieser nämlichen
Formation mit ihren verschiedenen ausgestorbenen Muschelschalen.

In der centralen Region in der Nähe von Buenos Ayres ergibt
kein natürlicher Durchschnitt ihre Mächtigkeit; aber aus den dort in
zwei artesischen Brunnen gemachten Bohrungen (Figur 17 und 18)
sieht man, dasz der Pampas-Lehm mit dem Tosca-Gestein sich von
dem Niveau des Rio Plata bis zu einer Tiefe von einundsechzig Fusz
hinab erstreckt, und hierzu müssen dann noch fünfundfünfzig Fusz ober-
halb des Niveaus des Flusses hinzugerechnet werden. Diese thonigen
Schichten liegen über grobem Sand, welcher die Azara labiata enthalt
(eine für die Pampas-Formation characteristische Muschel) und erreichen
eine Mächtigkeit von ungefähr dreiundneunzig Fusz28. Es beträgt
daher die ganze Mächtigkeit der groszen Aestuarium- oder Pamp;
Formation in der Nähe von Buenos Ayres nahezu 210 Fusz.

Diese Formation liegt auf verschiedenen marinen Schichten von
erhärtetem grünen Thon, von Sand mit Corallen, Sandstein und Kalk-
stein, zusammen 107 Fusz mächtig. Diese Schichten enthalten Frag-
mente der groszen Osti 'otagonica 0. Alvart ?), Pectenparan
und andere Muscheln, allem Anscheine nach die nämlichen (sie sind aber
nicht hinreichend streng verglichen worden), wie die, welche A. d'Or-
bigny und ich selbst als bei Santa Fe Bajada gefunden angeführt haben.

29 Der folgende Auszug aus dem Rapport der Bohrung bezieht sich auf diese
Schicht: - „die Schicht gelben beweglichen Sandes m n IS m 60 und 17 m
unter dem Boden enthält einen unterirdischen aufsteigenden Strom, dessen Nivi
drei Jahre lang nicht am einen Centimeter geschwankt hat. Das Niveau ist 0 in 60
(2 Fusz über dem Niveau der Brunnen in Barracas). Diese Schicht (»napa"j ist
machtig absorbirend. Bei 68 in 30 traf man auf eine zweite unterirdische Strömung
(„überflieszend"), welche in Barracas einen Fusz Über die Oberflache des Bod

ig. Der Ausflusz betrug ungefähr 50 Pipen täglich, das Wasser war aber salzig
und untrinkbar. Bei 73 m 30 wurde ein dritter unterirdischer Strom vorgefunden
(ȟberflieszend"), welcher mit Schwierigkeit das Niveau des Bodens erreichte 1
Ausflusz kann auf 100 Pipen täglich berechnet werden. Das Wasser war-sehr
salzig und absorbirte das des ersten übertiieszenden Stromes. Die grosze Quelle
wurde bei 77 m 65 getroffen.

Was die Qualität und die Menge des Wassers betrifft, so bemerkt Mr.
Coghlan, dasz »die Menge ?on Wasser, welche in einer Stunde durch Rohre

»von ungefähr ' , Zoll Durehm         in einem Niveau von 6 Fusz über der Fluth-

„grenze ausflosz,           Gallonen betrug. Seine Temperatur war 21° C; sein G

»schmack war in geringem Grade unangenehm, da es mit Kalk- und Magnesia-
i imprägnirt war und eine geringe Menge Schwefelwasserstoff enthie

[page break]

Pampas-Formation.

Cap. 4.

und welche gleichfalls an verschiedenen Punkten an der Küste von
l'atagonien vorkommen. Die bereits enorme continuirliche Verbreitung

Fig. 17.

Biachnolo.

r

.

gewicht
nlveau der
.uptquclie

1. Quelle

Ja die

3.  Qumic

4.   Quplle

= P-i- Flutli'tandnr-

.'. Qu .
3. Quelle

4- v

I u*z

Mächtigkeit          MSchl

.,..-. bei Buenos A.

Fiui

13

17

94
06

34

Fusi

57

51

a  Thone und Tosca ....

b  Sand ........

c   Sehr sandiger Thon . . .

1   Dunkelblauer plastischer Thon

e   Tosca mit kalkigen Knollen

f   Gelbe Sande, sehr fein und flüssig......

g Grüner Sand..............

h Tertiär.r Thon und Sandstein (wegen Details

s. Fig. 18)............

k Harter Sandstein am Boden des Barracas-Brunnen
k2 Sehr kalkiger rother Thon, der darunter mergeliger
wird, durchbohrt bei einer Tiefe von . . .
Ver gl eichende Durch schnitte der artesischen Brunnen von Barracas

und BuenosÄyres Entfernung 31/* Meilen).

der patagonischen Tertiär-Formation wird hierdurch bedeutend ver-
größert. Unterhalb dieser Schichten wurde eine Masse von rothem

52

45

62

33

225

[page break]

Caj., f.                                                Ihre Macht]                                                              ].V.i

kalkigen Thon, welcher in dem unteren Theile mehr und mehr mergelig
wurde und Schieliten von Sand Mithielt und eine Mächtigkeit von

Fig. 18.

htigkelt
in Metern.

Ib Sehr sandiger Thon ...........     8,02
(Feiner Thon..............     1,05
I C 1 Blauer plastischer Thon..........     2,00
B (1 Tosca mit Kalkknollen......... .     2,30
e Gelber Sand, sein- fein und flüssig, mit Quarz-Koll-
steinen und Fluszmuscheln .......   28.-
g*9 f Grüner Thon, mehr oder weniger plastisch und kalkig
mit Eisenkies, Seemuscheln und Knollen litho-
M graphischen Steins......, . . .   20,30
g Grüner Sand mit Muscheln und Quarz-Rollseinen .     0.-
li Muschliger Kalkstein...........     0,45
B i Kalkiger Thon                                                          2,00
k Muschliger Sandstein.......... .     0,25
SJS h * Grüner sau. Thon......... .     2,00

i                 k m Muschliger Sandstein...........     0,30

t p HM "' " Bunter Sand..............     0,70

*"**"            o Sehr compacter sandiger Thon....... .     2.2"»

p Grober Sandstein............     1,40

i| Grüner Sand, sehr fein und beweglich mit Quarz-
geschiebe und .Muscheln.........        :5.

Detaillirter Durchschnitt des artesischen Brunnens in Barracas.

213 Fusz hat, bis zu einer Tiefe von 470 Fusz vom Niveau des Hin
Plata an durchbohrt. Diese untere Masse enthält keine Fossilien und
ihr Alter ist natürlich unbekannt29; ich will aber hinzufügen, dasz
ich an zwei Stellen in der westlichen Banda Oriental unterhalb der
marinen tertiären Lager Schichten von rothem Thon mit mergeligen
Concretionen gesehen habe, welche mir wegen ihrer mineralogischen
Ähnlichkeit mit der darüber liegenden Pampas-Formation anzudeuten
schienen, dasz in einer alten Zeit der Rio Plata eine Aestuarium-
Formation abgelagert hat, welche später von den marinen tertiären
Schichten, und diese wieder von der neueren Aestnarium-Formation
mit ihren zahlreichen Hosten riesenhafter Säugethiere bedeckt wurde,
und dasz endlich das Ganze erhoben wurde, um die gegenwärtigen

Burmeister vermuthete, dasz sie silurisch sei.

[page break]

100                                       Pampas-Formation.                                   Caj. '<

Örtlichkeiten innerhalb der Region der Pampas, wo grosze

Knochen gefunden wordon sind.

Die folgend« Liste, welche jede Beschreibung enthält, die ich I
: von der Entdeckung fossiler Säugethierreste in den Pampas gefunden
habe, dürfte später für eine geologisch- Untersuchung dieser Region nütz-
lich Bein und weist ihre außerordentlich»' Häufigkeit nach. Ich habe von
vielen Fossilen gehört und dergleichen gesehen, deren ursprüngliche L
ich nicht ermitteln konnte; auch habe ich viele Angaben erhalten, die
zu unbestimmt waren, tun hier aufgeführt zu werden. Ich beginne im
Süden: — hier haben wir die zwei Stationen in Bahia Bianca, welche
in diesem Capitel beschrieben wurden, wo bei Punta Alta Meyatheriumf
Megalonyx, Sceltdotherium, Mylodon, Uolop) \s (oder eine verwandte
Gattung) Toxodon, Macrauchenia und ein Equus gesammelt wurden, und

m Monte Hermoso ein Ctenomys, Hydrocho*           inige andere Na

thiere und die Knochen eines groszen megatherioiden S&ugethieres. Dicht
nach Nordosten von der Sierra Tapalguen haben wir den Bio »Huesos«
(das heiszt: »Knochen«), welcher wahrscheinlich seinen Namen von gj
fossilen Knochen erhalten hat. In der Nähe von Villa Nuevo und bei

nicht weit vom Salado, wurden drei beinahe vollkommene
Skelet ins von Megati mt eins von '                    \vipes und eins von

mein groszen Daus-ahn liehen Säugethier vom Agenten d
W. Pabish gefunden (siehe seine -Schrift: Buenos Ayres etc. p. 171;. Ich
habe den Zahn eines Mastodon vom Salado gesehen; ein wenig m
Norden von diesem Flu an den ufern eines See's in der Nähe
Guardia del Monte habe ich viele Knochen und ein groszes Stück eines
Hautpanzers gesehen; hoher hinauf am Salado findet sich ein Ort, welcher
Monte »Huesos« genannt wird. Hei Jen Matanzas, ungefähr zwauzig
Meilen .südlich von Buenof            . wurde das Skelet (s. i>. 178 \

»Buenos Ayres« etc., von Sir W. Pabisb) eines Glyptodon ungefähr fünf
Fusz unter der Oberfläche gefunden; hier wurden auch (s. «.'atalogue of
Royal College of Surg                te von Glyptodon cla

G. reticularis gefanden.         nor Angelis erwähnt in einem Briefe, den

icb gesehen habe, einige               in Buenos Ayres in einer Tiefe von

zwanzig Varas unter d<            Bäche gefundene 1                »ben Stunden

von dieser Stadl fand derselbe Schriftsteller die Skelette von
Mylodon robustus und Glyptodon us. A >r nämlichen tJmgebu
hat er vor kurzem die folgenden Fossile an das Britische Museum ge-
schickt: — I:        von drei oder vier Individuen von M

i Speciea von Glyj         . von drei Individuen des M          n Ar

von Macrauch         von            zweiten Specü         n Toi

von T. i <is, und endlich von Machairodus, ein wunderbar
carnivi                »thier. d'Obbion* hat vor kurzem vom R<

Nähe von Buenos Ayres (V        , Paleont., p. 144; einen Zahn von

Toxodon plaiet rhalten.

Gehen wir nach Norden dem westlichen Ufer des Parana en1
kommen wir zum Rio Luxan, wo zwei Skelette des Megat                Funden

[page break]

4.                                   Ihre            tierreste.                                      101

worden sind; und vor kurzem hat innerhalb acht Stunden von der S
Luxan Dr. F. X. Mübiz (British Packet, Buenos Ayres, 25. Sept. 1841;
er mittleren Tiefe von achtzehn Fusz Behr zahlreiche Reste von
nicht weniger als wie er glaubt neun verschiedenen Säugethierspecies
Bammelt. Bei Ar ind grosze Knochen gefunden worden, von welchen
die Einwohner glauben, dasz sie durch Jas Fluszwasser ans kleinen Knochen
verwandelt worden sind! Bei ArreciiVs wurdi' das an das College of Sur-
geons geschickte Glyptodon gefunden, und ich halt" zwei Jtfootodon-Zähne
aus il         'irgend gesellen. Bei S. Nicolas hat d'Orbigny Beste eines

und Kerodon gefanden, und Isabelle (Voyage, p. 332)
erwähnt einen riesenhaften hier gefundenen Arinadillo. Bei S. Carlos hörte
ich von groszen Knochen. Ein wenig unterhalb der Mündung des Car-
carana wurden die beiden Skelette von Mastodon gefunden; an den Ufern
dieses Flusses in der Nähe von S. Miguel fand ich Zähne des Mastodon und
ToxOi and Fai.kxer (p. 55) beschreibt den Knochenpanzer irgend eil
groszen Thieres; auch habe ich von vielen anderen Knochen in dieser Gegend

bort. Ich will hinzufügen, dasz ich im Besitz von Mr. Caldclecob den
Zahn eines Mastodon And htm           en habe, welcher in Paraguay gefunden

worden sein soll; auch will ich hier eine Angabe in den Reisen die
Beim (VoL I, p. 48) von einem groszen in der Provinz von Holivia in
Brasilien am Bio de las Contas gefundenen Skelet erwähnen. Der weiteste
Punkt nach Westen in den Pampas, von welchem ich von fossilen Knoel
gehört habe, war hoch oben an den Ufern des Bio Quinto.

In Entre Bios erhielt ich ausser den Besten von Mastodon, Toceod
Equus und einem groszen Dasypus-Bthnlichsn Säugethiere in der Nähe von
Santa Fe* Bajada noch einen Bericht über Knochen, welche ein wenig
südöstlich von Pnnta Gorda (am Parana) und von einem ganzen Skelet,
welches bei Matanzas am Arroyo del animal gefunden worden ist.

In Banda Oriental wurden die Beste von Toxodon, Mylodon und
zwei Skelette grosser Thiere mit Knochenpanzer (verschieden von dem des
Glyptodon) an dem Arroyoa Sarandis und Berqu efunden, und auszer-

m sa<_rt Mr. Isabelle (Voyage, p. 322), das/, viele Knochen in der Nähe

- Bio Negro und am Bio Arapey, einem Nebenflusse des Paraguay, in
0 40' s. Breite gefunden worden seien. Ich habe von Knocln-n in der
Nähe der Quelle des A. Vivoras gehört. Ich habe die Reste eines t>a$yp\
artigen Säugethiere vom Arroyo Seco dicht bei Montevideo gesehen, und
d*0rbi6Ky erwähnt (Voyage, Geolog, p. 24) ein anderes, welches am
Pedernal, einem Nebenflusa des Santa Lucift, gefunden worden ist, und

gnor An - gibt in einem Briefe an, dasz ein drittes Skelet die
Familie in der Nähe von Canelones gefunden worden ist. Ich habe einen
Zahn des Mastodon vom Talas, einem anderen Nebenflusse des Santa
Lucia, gesehen« Der östlichste Punkt, von dem ich gehört habe, d.
gr Knochen daselbst gefunden worden sind, war bei Solis Grande
zwischen Montevideo und Maldonado.

Darwiü, Sud-Amerlca. (Mi. i )

11

[page break]

Fünftes Capitel.

Über die älteren Tertiärformationen von Patagonien und Chile.

Rio Negro. — S. Josef. — Port Desire. weiszer bimssteinhaltiger .Schieferle

mit Infusorien. — Port S. Julian. — Santa Cruz, basaltische Lava von. —
P. Gallegos. — Östliches Feuerland; Blätter ausgestorbener Buchen. — Zu-
sammenfassung über die patagouischen Tertiärformationen. — Tertiär forma t in-
nen der Westküste. — Chonos- und Chiloe-tiruppe, vnlcaniscbe Gesteine. —
Concopcion. — Navidad. — Coquimbo. — Zusammenfassung. — Alter der
tertiären Formationen. — Erhebungslinien. — Wrkieseltes Holz. — Y
gleichsweise Verbreitung der ausgestorbenen und lebenden Mollusken an der
Westküste von Süd-America. — Clima der Tertiärperiode. — Über die Ur-
sachen des Fehlens recenter muschelführender Ablagerungen an den B
von Süd-America. — Tjber die gleichzeitige Ablagerung und Erhaltung sedi-
mentärer Formationen.

Rio Negro. — Ich kann dm von d'Oebigny * mitgetheilten Details
über die Sandsteinformation dieses Districtea nur wonig hinzufügen.
Die Felsen nach Süden vom Flusse sind ungefähr zweihundert Fusz
hoch und ans Sandstein verschiedener Färbungen und verschiedener
Härtegrade zusammengesetzt. Eine Schicht, welche sich an beiden

den ausdünnte, bestand aus erdiger Substanz von einer blaszröth-
lichen Färbung mit i          Gyps, und dem Pampas-Lehm sehr ähnlich

(ich spreche nach Vergleichung der nach Hause gebrachten Hand-
stücke): oberhalb dieser fand sich eine Schicht von compactem nier-

ligen Gestein mit dendritischem Mangan. Viele in hartem Sandstein
eingeschlossene Conglomeratblöcke von Bimssteingeröll waren am Fusz
der Klippen hingestreut und waren offenbar von oben herabgefallen.
Einige wenige Meilen nordöstlich von der Stadt fand ich tief unl
im Sandstein eine wenige Zoll mächtige Schicht eines weiszen, zerreib-

Voyage, Part. Geolog., p. ÖT—65.

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Cap. 5.                                       Rio Negro.                                          Iß3

lieben, sich harsch anfühlenden Sediments, welches der Zunge anhieng,
leicht schmelzbar war und ein geringes a                      wicht hatte;

unter dem Mikroskop untersucht, ergab es sich als Bimssteintuff, aus
zerbrochenen durchscheinenden Kry st allen gebildet. In den Klippen
südlich vom Flusz findet sich auch eine dünne Schicht nahezu ähn-
licher Natur, aber von feinerem Tvorn und nicht weisz; man hatte sie
leicht für einen kalkigen Tuff halten können, sie enthalt aber keinen
Kalk: i          Substanz ist einer aus/erst weit verbreiteten und mäch-

tigen Formation im südlichen Patagonien, welche S]          beschrieben

werden soll, ähnlich, welche deshalb merkwürdig ist, weil sie zum
Theil aus Infusorien gebildet wird. Diese Schichten sind in Verbin-
dung mit dem Bimsstein-Conglomerat interessant, da sie die Natur der
vulcanischen Thätigkeit in der Cordillera während di-ser alten tertiären
Periode nachweisen.

In einer Schicht an der Basis der südlichen Klippen fand d'Orbign*
zwei ausgestorbene Süszv innuscheln, nämlich einen Unio und eine
Chi           l'iese Schicht lag auf einer mit Knochen eines an orbe-j

nen Nagethieres, nämlich der Megamys patagoi              und diese

wiederum auf einer andern mit au           benen Seemuscheln. Die von

>kbk;nv in verschiedenen Theilen dieser Formation gefundenen
Species waren:

1. 0             igonica d'Orb., Voyage,, 3.  "                          Obb., Voyage,

Pal. (auch hei Sta. Fe* un.l an             Pal. (auch bei Sta. Fe u. S. .1

der ganzen Küste von Pata- 4.  Pecten patag Pnsis :

5.  VenusM           o'OBB.faucb

>;.  Area Bonj            ; a* >bb (ebenso).

gomei

2. ' I

Nach der Angabe d'Orwgny's erstreckt sich der Sandstein west-
lich der Kiiste entlang bis nach Port San Antonio und den Rio Negro
hinauf weit in das Innere: nach Norden verfolgte ich ihn bis zur süd-
lichen Seite des Rio Colorado, wo er eine niedrige denudirte Ebene
bildet. Obgleich diese Formation mit der d*>s übrigen Patagonl
gleichalterig ist, so ist sie doch in mineralogischer Zusammensetze
ganz verschieden, in dem sie mit ihr nur durch ''ine dünne weis

ticht zusammenhängt. Diese Verschiedenheit läszt sich rationel-
ler Weise dem zuschreiben, dasz das Sediment in alten Zeiten vom
Rio Negro her. führt worden ist; aus diesem Vorgang können wir
auch das Vorhandensein der Süszwassermuscheln und der Knochen
von Landsäugethieren verstehen. Nach der Identität von vielen d

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164                                     Tertäfirformationen.                                 ( ; - 5.

obigen Muscheln zu urtheilen ist diese Formation (wie d'Orbigny bi

merkt hat) mit derjenigen unter der Pampas-Ablagerung in Entre Kios
und in ISamla Oriental gleiehalterig. Das die Sandsteinebenen be-
deckende Geröll mit seinem kalkigen Cement und seinen Gypsknollen
ist aus den im ersten Capitel angeführten Gründen wahrscheinlich
mit den obersten Schichten der Pampas-Formation auf der oberen
Ebene nördlich vom Colorado gleiehalterig.

San Josef. — -Meine Untersuchung war hier sehr kurz: die
Klippen sind ungefähr hundert Fusz hoch, das untere Drittel besteht
aus gelblich braunem, weichem, unbedeutend kalkigem lehmigen Sand-
stein; werden Stücke abgeschlagen, so entwickeln sie einen fauligen
Geruch. In dieser Schicht war die grosze Ostrea patagonica, häufig
mit dendritischem Mangan und kleinen Corallinen gezeichnet, auszer-
ordentlich zahlreich. Ich fand liier die folgenden Musehein:

1.  Ostrea patagoi b'Obb., Voyage, Paleont. (auch bei Sta. Fr und an

der ganzen Küste von Patagonien).

2.  Ostrea Atrawii d'Orb., Voyage, Pal. (auch Sta. Fe" und Kio Negro).

paranensis d'Orb., Voyage, Pal., und Taf. III. Fi?. 30 dieser
Schrift (auch bei Sta. Fe, S. Julian und Port Desire).

4.  Pecten Dartcimanus d'Orb., Voyage, Pal., und Taf. III, Fig. 28 und 29

(auch St». Fe).

5.  Pecten aetinoäes G. B. Sowbbby, Taf. III. Fig. 38.

6.  Terehratuhi patagmica G. B. Sowbbby, Taf. II. Fig. 26 und 27 (auch

S. Julian).

7.  Abgüsse einer TurriteJla.

Die ersten vier von diesen Arten kommen bei Santa Fe in Entre
Rios, und die zwei ersten im Sandstein des Rio Negro vor. Oberhalb
dieser Fossile führenden Masse liegt eine Schicht von sehr feinkör-
nigem, blassem braunen Schieferletten, welcher zahlreiche Selenit-
blättchen enthält. Alle Schichten erscheinen horizontal; verfolgt man
sie aber mit dem Auge für eine lange Strecke, so sieht man, das/ sie
sich anbedeutend nach Osten senken. Auf der Oberfläche haben wir
das porphyritische Geröll und auf ihm Sand mit recenten Muscheln.

Nuevo Gulf. — Aus Handstücken und Notizen, welche mir
Lieut. Stokes gegeben hat, geht hervor, dasz die untere Schicht aus
weichem lehmigen Sandstein wie der von San Josef besteht, mit vielen
unvollkommenen Muscheln, mit Einschlusz des Pecten paranetms d'Orb

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5.                             Xuevo Gulf und Port Desire.                                165

mit Abgüssen einer Turrüella und           Ua. Auf dii liegen zwei

Schichten des blassen braunen Schieferletten, gleichfalls dem von San
Josef ähnlich, welche durch eine dunkler geftrbte thonigere Varietät,
welche die Ostrea patagonica enthält, getrennt sind. Prof. Ehrbk-
bkrg hat diesen Schieferletten für mich untersucht: er findet in ihm
drei bereits bekannte mikroskopische Organismen in einen feinkörnigen
Bimssteintuff eingehüllt, den ich sofort im Detail zu beschreiben haben
werde. Handstücke, die mir aus der obersten Schicht in der Nähe
von Rio Chupat gebracht worden sind, bestehen aus dieser nämlichen
Substanz, aber von einer weiszeren Farbe.

Tertiäre Schichten, so wie sie hier beschrieben wurden, erstrecken
sich augenscheinlich der ganzen Küste zwischen dem Rio Chupat und
Port Desire entlang, ausgenommen wo sie von dem darunter liegenden
Toeca-Gestein, Porphyr und von einigen metamorphischen Gesteinen
unterbrochen werden; ich will noch hinzufügen, dasz diese harten Ge-
steine in Zwischenräumen über einen Raum von ungefähr fünf Breiten-
graden von Point Union bis zu einem Punkte zwischen Port San Julian
und Santa Cruz gefunden werden; sie werden im folgenden Capitel be-
schrieben. Viele riesenhafte Exemplare der Ostrea patagonica wurden
im Golf von Saint George gesammelt.

Port Desire. — Ein guter Durchschnitt der untersten Fossile
führenden Schicht, ungefähr vierzig Fusz mächtig, welche auf Thon-
steinporphyr liegt, bietet sich einige wenige Meilen südlich vom Hafen
dar. Die Muscheln, welche hinreichend vollkommen waren, um wieder
erkannt zu werden, waren:

1.  Ostrea patagonica d'Orb. (auch Sta. Fe und die ganze Küste von Pata-

gonien).

2.  Pecten parat.         d'Ökb., Voyage, Pal, und Taf. III, Fig. 30 dieser

Schrift (auch Sta. Fe, S. Josef, S. Julian).

3.  Pecten centralis G. B. Sowebby, Taf. III, Fig. 31 (auch S. Julian und

Santa Cruz).

4.  Cuaälaea alta G. B. Sowbbbt, Taf. II, Fig. 22, 23 (auch Santa Cruz).

5.  Nucula ornata G. B. Sowebby, Taf. II, Fir. 19.

6.  Turritetla patagonica G. B. Sowbbby, Taf. III, Fig. 48,

Die Fossile führenden Schichten werden, wo sie nicht denudirt
sind, conform in beträchtlicher Mächtigkeit von dem feinkörnigen
Bimsstein haltigen Schieferfetten, welcher in zwei Massen getheilt ist,
bedeckt: die untere Hälfte ist sehr feinkörnig, unbedeutend fettig, und

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tiärformationen.

Cap. 5.

so compact, dasz sie mit einem halbmuscheligen Bruch bricht, ob-
schon sie dem Nagel nachgibt; sie enthält Selenitblätter. Die obere
Hälfte ist der einen Schicht am Rio Negro und mit Ausnahme, das/
sie weiszer ist, den oberen Schichten bei S. Josef und Nuevo Golf
ähnlich. In keiner der beiden Massen findet sich eine Spur orga-
nischer Formen für das blosze Auge. Nimmt man die ganze Ab-
lagerung zusammen, so ist sie meist völlig weisz, oder gelblich, oder
wach mit Grün gefärbt; sie ist entweder beinahe unter dem Finger
zerreiblieh oder so hari wie Kreide; sie ist von leichter Schmelz-
barkeit, von geringem speeifischen Gewicht, ist für das Gefühl nicht
harsch, hängt an der Zunge und haucht einen starken thonigen
Geruch aus, wenn man auf sie haucht; sie enthält zuweilen sehr
wenig kalkige Substanz und (auszer den eingeschlossenen Blättern)
Spuren von Gyps. Unter dem Mikroskop besteht sie nach Prof. Eheen-
bbeg8 aus minutiösen, zerriebenen, zelligen, glasigen Bimssteinfrag-
menten mit einigen zerbrochenen Krystallen. In den minutiösen
glasigen Fni. iton erkennt Prof. Ehbenbebg organische Gebili
welche durch vulcanische Hitze afficirt worden sind: in den Hand-
stücken von diesem Orte und von Port S. Julian rindet er sechzehn
Polygastrica und zwölf Phjtolithariea Von diesen < ►rganismen sind
sieben neue Formen, die andern waren früher schon bekannt: alle
sind von marinem und hauptsächlich von oceanischem Ursprung. Diese
Ablagerung ist für das blosze Auge der Kruste ähnlich, welche häufig
auf verwitterten Oberflächen feldspathiger Gesteine erscheint: sie ist
gleichfalls jenen Schichten von erdiger feldspathiger Substanz ähnlich,
die zuweilen mit porphyritischen Gesteinen schichtenweise abwechseln.
wie es in diesem nämlichen Districte mit dem darunterliegenden pur-
purnen Thonstein-Porphyr der Fall ist. Nach Untersuchung von
Handstücken unter einem gewöhnlichen Mikroskop und nach Ver-
gleichuug derselben mit anderen Exemplaren von unzweifelhaft vul-
kanischem Ursprung war ich zu dem nämlichen Schlusz gekomm* n
wie Prof. Ehrenbekg: nämlich, dasz diese grosze Ablagerung ihrem
ersten Ursprünge nach vulcanischer Natur ist.

Port S. Julian. — Auf der südliehen Seite des Hafens zeigt
der folgende Durchschnitt, welchen ich hier wiederhole, die Beschaffen-

2 Monatsberichte der K. Academie zu Berlin, April 1

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Cap. 5.                                   Port S. JuUan.                                         167

heit der au den Klippen der 90-Fusz-Ebene sichtbaren Schichten.
Um am Gipfel zu beginnen: erstens die erdige Masse (A A), welche
die Überreste der Macrauchenia enthält und an deren Oberfläche

Fig. 19.

A                    A                                                        a

Durchschnitt der Schichten, welche die Klippen der 90-Fusz-Ebene bei Port

S. Julian darbieten.

recente Muscheln liegen; zweitens das porphyritische Geschiebe (B),
welches in seinem unteren Theile (wie ich glaube in Folge des
AViederniederschlagens wahrend der Denudation) mit den weiszen bims-
steinartigen Schieferlettenschichten abwechselt; drittens dieser weisze
Schieferletten, ungefähr zwanzig Fusz mächtig und in zwei Varietäten
(C und D) geschieden, welche beide der unteren feinkörnigen, fettigen
und compacten Art bei Port Desire sehr ähnlich sind und wie an
jenem Ort viel Selenit enthalten; viertens eine Fossile führende Masse,
welche in drei Hauptschichten geschieden ist, von denen die oberste
dünn ist und aus eisenschüssigem Sandstein besteht, mit vielen
Schalen der groszen Auster und von Pecten paranensis; die mittlere
Schicht (E) ist ein gelblicher erdiger Sandstein, in dem Scutellen
auszerordentlich zahlreich sind, und die unterste Schicht (F) ist ein
verhärteter grünlicher sandiger Thon, welcher grosze Concretionen von
kalkigem Sandstein, viele Schalen der groszen Auster enthält und
stellenweise beinahe ganz aus Balaniden-Fragmenten besteht. Aus
diesen drei Schichten erhielt ich die folgenden zwölf Species, von
denen die zwei ersteren an Individuen äuszerst zahlreich waren,
wie es die Terebrateln und Turritellen in gewissen Schichten sind:

1.  Ostrea yatagonica d'Okh., Voyage, Pal. (auch Santa Fe und die ganze

Küste von Patagonien).

2.  Pecten parat         d'Obb., ebenda, und Taf. III, Fig. 30 dieser Schrift

(Sta. Fe, S. Josef, Port Desire).

3.  Pecten centralis G. B. Sowbbbt, Taf III. Fig. 31 (auch Port Desire

und Sta. Cruz).

4.  Pecten geminatus G. B. Sowekuy, Taf. II, Fig. 24.

5.   Terebratitia patagonica G. B. Sowekuy, Taf. II, Fig. 26 und 27 (auch

S. Josef).

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168                                     Tertiitrforinationen.                                 Cap. 5.

ru>hintari<i ornata G. B. Sowbbby, Taf. IV, Fig. 62 (auch 6 uz).

7.  Fusus patagonicus G. B. Sowebdv, Taf. IV. Fig. '30.

8.  Fusus Noa <s G. B. Bowebby, Taf. IV. 1        - o. 59.

9.  Scalaria rugulosa G. B. Sowbbby, Taf. III, Fig. 42 u. 42.

10.   Turritella ambulacrum G. B. Sowbbby, Taf. III, Fig. 19 auch Bta. Cruz).

11.  l'ifruia, Steinkern, der V. ventrlcosa Sowbbby ähnlich, Tank Cat.

12.  Baianus varians G. B. Sowbbby, Taf. II, Fig. 4, 5, 6.

13.  ScuUUa, von der Species vom Nuevo Gulf verschieden.

Am oberen Ende des inneren Hafens von Port S. Julian ist die
Fossile führende Schicht nicht entfaltet, und die Seeklippen werden
vom Wasserrande an bis in eine Höhe von zwischen hundert und zwei-
hundert Fusz aus dem weiszen bimssteinhaltigen Schieferletten ge-
bildet, welcher hier unzählige weit ausgedehnte, zuweilen hori-
zontale, zuweilen geneigte oder verticale Lamellen durchsichtigen
Gypses, häufig ungefähr einen Zoll dick enthält. Weiter landein-
wärts scheint mit Ausnahme des, oberflächlichen Gerölls die ganze
Mächtigkeit der abgestutzten Berge, welche eine früher zusammen-
hängende 950 Fuss hohe Ebene darstellen, aus diesen weiszen Schiefer-
letten gebildet zu werden. Hier und da sind indessen auf verschie-
denen Höhen dünne erdige Schichten, welche die grosze Auster,
Peden paranensis und Turritella ambulacrum enthalten, in Schichten
zwischeneingeschaltet; es geht hieraus hervor, dasz die ganze Masse
zu der nämlichen Epoche gehört. Ich habe nirgends auch nur ein
Fragment einer Muschel in der weiszen Ablagerung selbst gefunden,
und nur einen einzigen Abgusz einer Turritella. Unter den achtzehn
mikroskopischen von Ehrenberg in den Handstücken von diesem Orte
entdeckten Organismen sind zehn derselben Ablagerung bei Port Deaire,
gemeinsam. Ich will hinzufügen, dasz Exemplare dieser weiszen
Schieferletten mit identisch denselben Characteren mir von zwei
Punkten gebracht wurden, einem zwanzig Meilen nördlich von San
Julian, wo eine weite mit Geröll bedeckte 350 Fusz hohe Ebene so
zusammengesetzt ist und der andere vierzig Meilen südlich von San
Julian, wo auf den alten Karten die Berge als „Chalk-Hills* be-
zeichnet sind.

Santa Cruz. — Die mit Geröll bedeckten Klippen an der
Mündung des Flusses sind 355 Fusz hoch: der untere Theil besteht
bis zu einer Mächtigkeit von fünfzig oder sechzig Fusz aus einem
mehr oder weniger erhärteten, dunklen, lehmigen oder thonigen Sand-

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Cap. '                                               Santa Cruz.                                                  \,

stein (gleich der untersten Schicht von Port Desire), welcher sehr
viele Muscheln enthält, einige verkieselt und einige in gelben Kalk-
spath umgewandelt. Die grosze Auster ist liier schichtenweise zahl-
reich; auch die Trigonocdia und Turritdla sind sehr zahlreich; es
ist merkwürdig, dasz der Peeten paranensis, der an allen anderen
Stellen der Küste so gemein ist, hier fehlt. Die Muscheln sind
folgende:

1.  Ostrea patagonica d'Obb., Voyage, Paleont. (auch bei Sta. Fe und an

der ganzen Küste von Patagonien).

2.  Peeten centralis G. B. Sowebbt, Taf. III, Fig. 31 (auch P. Desire und

S. Julian).

3.   Venus meridionalis G. B. Sow., Taf. II, Fig. 13.

4.  OrassaUUa Lyellii G. B. Sow., Taf. II, Fig. 10.

5.  Cardium puclchum G. B. 8ow„ Taf. II, Fig. 15.

6.  Cardita patagonica G. B. Sow., Taf. II, Fig. 17.

7.  Mactra rugata G. B. Sow., Taf. II, Fig. 8.

8.  Mactra Darwinii G. B. Sow., Taf. II, Fig. 9.

9.  Cncullaea alta G. B. Sow., Taf. II. Fig. 22, 23 (auch Port Desire).

10.  Triaonocelia insolita G. B. Sow., Taf. II, Fig. 20, 21.

11.  Nueuh (?) (ßabra G. B. Sow., Taf. II, Fig. 18.

12.  Orepidula gregaria G. B. Sow., Taf. III, Fig. 34.

13.   Voluta alta G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 75.

14.  Trochus collaris G. B. Sow., Taf. III, Fig. 44, 45.

15.  Natica solida (?) G. B. Sow., Taf. III, Fig. 40, 41.

16.  StrutHolaria onmta G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 62 (auch Port Deaire).

17.  TurriteUa ambulacrum G. B. Sow., Taf. III, Fig. 49 (auch Port S.Julian),
rnvollkommene Fragmente von Byssoarca, Artemis und I-'usus.

Der obere Theil der Klippe wird meist in drei grosze Schichten
getheilt, die nur unbedeutend in der Zusammensetzung von einander
abweichen, aber wesentlich dem bimssteinhaltigen Schieferletten der
weiter nördlich gelegenen Theile ahnlich ist; die Ablagerung ist in-
dessen hier sandiger, von gröszerem speeifischen Gewicht und nicht
so weisz, sie wird von zahlreichen dünnen Adern durchzogen, die zum
Theil oder ganz mit queren Gypsfasern erfüllt sind; diese Fasern
waren zu kurz, um quer durch die Adern zu reichen, ihre Enden sind
daher gekrümmt oder gebogen: in den nämlichen Adern mit dem
Gyps und gleichfalls in besonderen Adern, ebenso in kleinen Nestern,
findet sich viel pulverige, schwefelsaure Magnesia (wie Mr. Rekks
ermittelt hat), und zwar in einer nicht comprirairten Form: ich glaube,
dasz dieses Salz früher noch nicht in Adern gefunden worden ist.
Von den drei Schichten ist die centrale die compacteste und mehr

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17o

Tertiärforinationen.

I p. 5.

wie gewöhnlicher Sandstein; sie enthält zahlreiche abgeplattete sphä-
rische Concretionen, die häutig rosenkranzartig verbunden sind, aus
hartem kalkigen Saudstein bestehen und einige wenige Muscheln ent-
halten: einige dieser Concretionen waren vier Fusz im Durchmesser
und lagen in einer horizontalen Linie neun Fusz von einander, woraus
hervorgeht, dasz die kalkige Substanz aus einer Entfernung von vier und
einem halben Fusz auf beiden Seiten nach gewissen Attractionspunkten
hingezogen worden sein musz. In der oberen und unteren feinkörnigen
Schicht fanden sich andere Concretionen von einer grauen Färbu
welche kalkige Substanz enthielten und so feinkörnig und compact
waren, dasz sie beinahe Porzellanerde glichen: ich habe genau ähn-
liche Concretionen in einem vulcanischen Tufflager in ChiloS gesehen.
Obgleich in diesen oberen feinkörnigen Schichten organische Reste
sehr selten waren, so bemerkte ich doch einige wenige Exemplare der
groszen Auster und in einer darinliegenden weichen, eisenhaltigen Schicht
fanden sich einige Exemplare der Cucullaea aUa (bei Port Desire in
der unteren Fossile führenden Masse gefunden) und der Mactra rugata
welche letztere Muschel theilweise in Gyps umgewandelt worden ist.

Fig. 20.

Oberttiiche der Ebene mit errati                    ken; 1410 Fusz über dem Meere.

lluss Santa Cruz; hier 230 Fusz über dem M>-.[- .

a Geröll und erratische Blöcke.           b Basaltische Lava,

c Sedimentäre Schichten.         d Schicht kleiner ilollsteine.         e Sockel.

Durchschnitt der Ebenen von Patagonien, am Ufer des S.Cruz.

Das Thai des Santa Cruz hinauf sind die oberen Schichten der
Küstenberge mit nahezu den nämlichen Characteren fünfzig Meilen
lang ausgedehnt. Ungefähr an diesem Punkte fangen sie in der

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Cap. 5.                                                 tnUi Cruz.                                                  171

allmählichsten und kaum bemerkbaren Weise an mit weiszen Linien
gestreift zu werden, und ist man zehn Meilen weiter hinauf gestiegen,
so begegnet man deutlichen dünnen Schichten weiszlicher, grünlicher,
und gelblicher feinkörniger, schmelzbarer Sedimente. Achtzig Meilen
ii der Küste entfern!3 fanden sich in einer so zusammengesetzten
Klippe einige wenige Schichten eisenschüssigen Sandsteins und eines
thonigen Sandsteins mit Mergelconcretionen. gleich denen in den
Pampas. Hundert Meilen von der Küste an einem centralen Punkte
zwischen dem atlantischen Ocean und der Cordillera fanden wir den
verstehenden Durchschnitt.

Die obere Hälfte der sedimentären Masse unter der basaltischen
Lava besteht aus unzähligen Zonen vollkommen weiszer, hellgrüner,

Lblicher und bräunlicher, feinkörniger, zuweilen unzusammenhängender
sedimentärer Substanz. Die weiszen, bimssteinartigen, trachjtischen,
tuffartigen Varietäten sind von etwas grösserem specifischen Gewicht,
als der birasst einhaltige Schieferletten an der Küste nach Norden hin,
einige von den Schichten, besonders die braunexen sind gröber, so dasz
die zerbrochenen Krvstalle mit einer schwachen Linse zu unterscheiden
sind. Die Schichten variiren auf kurzen Entfernungen in ihrem
Character. Mit Ausnahme einiger weniger Exemplare von Ostr
patagonica, welche von dem Berge darüber herabgerollt zu sein
schienen, wurden keine organischen Koste gefunden. Der hauptsäch-
lichste Unterschied zwischen diesen Schichten, als ein Ganzes I
trachtet, und den oberen Schichten sowohl an der Mündung des
Flusses als an der Küste nach Norden scheint in dem gelegentlichen
Vorkommen stärkerer färbender Substanz und darin zu liegen, dasz
die Bildung intermittirend gewesen ist; diese Charactere verschwinden
wir wir gesehen haben beim Aufsteigen im Thale sehr allmählich und
diese Thatsache dürfte dadurch erklärt werden, dasz die Strömungen

J An dieser Stelle hat auf einem Räume von drei Viertel Meilen der nörd-
lichen Seite des Flusses entlang und in einer Breite einer halben '        eine grosze
Senkung stattgefunden, welche zwischen 60 and 70 Fusz hohe Hügel gebildet und
die Schichten in stark geneigte und selbst verticale Stellungen aufgerichtet hat.
Die Schichten fielen allgemein unter einem Winkel von 45 Grad Dach den Klippen
hin, von denen sie herabgeglitten waren. Ich habe an Erdratschen. sowohl in
kleinem ak in groszem Maszstabe beobachtet, dasz dieses Einfallen nach innen
sehr allgemein ist. 14 es eine Folge des hydrostatischen Druckes des Wassers,
welches mit Schwierigkeit durch die Schichten durchsickert, der am Ftisze der
Masse mit groszerer Gewalt wirkt als gegen den obern Theil?

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172                                     Tertiärforoiationen.                                 Cap. 5,

eines offeneren Meeres den Niederschlag von einer entfernten und inter-
mittirenden Quelle her durch einander gemischt haben.

Die gefärbten Schichten in dem vorstehenden Durchschnitt liegen
auf einer Masse, anscheinend von groszer Mächtigkeit (aber von dem
unteren Sockel sehr verdeckt), von weichem Sandstein der beinahe
ganz aus sehr kleinen von einem bis zwei Zehntel Zoll im Durch-
messer haltenden Rollsteinen von den Gesteinsarten (mit gänzlicher
Ausnahme der basaltischen Lava) zusammengesetzt ist, welche die
groszen erratischen Blöcke an der Oberfläche der Ebene zusammen-
setzen und wahrscheinlich auch die benachbarte Cordillera bilden.
Fünf Meilen im Thale höher hinauf und dann wieder dreiszig Meilen
höher hinauf* (d. h. also zwanzig Meilen von dem nächsten Höhenzug
der Cordillera) wird die untere in den oberen Böschungen ein-
geschlossene Ebene, wie man an den ufern des Flusses sieht, von
einem nahezu ähnlichen, aber feiner gekörnten, erdigeren blätterigen
Sandstein gebildet, der mit thonigen Letten abwechselt und zahlreiche
mäszig grosze Rollsteine der nämlichen Gesteinsarten und einige Mu-
scheln der groszen Oatrea patagonica enthält. Da die meisten dieser
Muscheln abgerollt waren ehe sie hier eingeschlossen wurden, so be-
weist ihre Gegenwart nicht, dasz der Sandstein zu der groszen pata-
gonischen Tertiärformation gehört, denn sie können in ihr von Neuem
abgelagert worden sein, als das Thal eine Meerenge bildete; da sich
aber unter den Rollsteinen keine von Basalt fanden, obgleich die
Klippen auf beiden Seiten d Thaies aus diesem Gestein bestehen,
so glaube ich, dasz der Sandstein doch zu dieser Formation gehört.
Auf dem höchsten Punkte bis zu welchem wir emporstiegen, zwanzig
Meilen von dem nächsten Abhänge der Cordillera entfernt, konnte ich
sehen, dasz die horizontal gebänderten weiszen Schichten, die sich
unter der schwarzen basaltischen Lava hinzogen bis dicht hinauf an die
Berge reichen, so dasz das Thal des Santa Cruz eine ziemlich gute
Idee von der geologischen Constitution der ganzen Breite von Pata-
gonien gibt.

Basaltische Lava des Santa Cruz. — Mau findet diese
Formation siebenundsechzig Meilen vor der Mündung des Flusses;

* Ich fand an beiden Orten, aber nicht in situ, Mengen von verkieseltem
Holz, Coniferen und gewöhnliche Dicotyledonen, welches Rob. Brown für mich
untersucht hat.

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Cap. 5.                                       Santa Cruz.                                          17:;

von da an erstreckt sie sich ununterbrochen meist, wenn auch nicht
ausschlieszlich an der nördlichen Seite des Thaies bis dicht hinauf an
die Cordillera. Der Basalt ist meist schwarz and feinkörnig, zuweilen
aber grau und blätterig; er enthält etwas Olivin, und hoch im Thale
hinauf viel glasigen Feldspath, wo er auch häufig mandelsteinartig
; er ist nirgends in bedeutendem Grade blasig, ausgenommen an
den Seiten von Spalten und an den unteren und oberen sphäriacl
blätterten Oberflächen. Kr ist häufig säulig, und an einem Orte sah
ich prachtvolle Säulen, jede Flache zwölf Fusz breit und ihre Zwischen-
räume mit kalkigem Tuff erfüllt. Die Ströme liegen ronform auf den
weiszen sedimentären Schichten, ich habe aber nirgends die wirklich*
Verbindung gesehen; auch habe ich nirgends gesehen, dasz die weiszen
Schichten factisch auf der Lava darauf lägen: aber eine Strecke im
Thale hinauf am Fusze der obersten Böschungen müssen sie in dieser
Weise darüber gelegen haben. Überdies sind an dem untersten Punkte
im Thale abwärts, wo die Ströme BJch ausdünnen und in unregel-
mäszigen Vorsprüngen enden, die Räume oder Lücken zwischen diesen
Vorsprängen bis zum Niveau der jetzt denudirten und mit Geröll be-
deckten Oberfläche der p]benen mit den weiszgebänderten sedimentären
Schiebten erfüllt, was beweist, dasz diese Substanz noch fortdauernd
abgelagert wurde, nachdem die Ströme geflossen waren. Wir können
hieraus schlieszen, dasz der Basalt gleichalterig mit den oberen Theilen
der groszen Tertiärformation ist.

Wo man die Lava zuerst findet, ist sie 130 Fusz mächtig: sie
besteht hier aus zwei, drei, oder vielleicht noch mehr Strömen, die
von einander durch blasige Sphäroide getrennt werden, wie die an der
Oberfläche. Da die Ströme wie es scheint sich bis in verschiede
Entfernungen erstreckt haben, so sind die Endspitzen von ungleichen
Höhen. Meist ist die Oberfläche des Basaltes glatt; aber an einem
Orte hoch im Thal hinauf war sie so uneben und höckerig, dasz ich
so lange bis ich später sah, dasz die Ströme sich continuirlich auf
beiden Seiten des Thaies bis zu einer Höhe von ungefähr 3000 Fusz
dicht an der Cordillera hinauf erstreckten, der Meinung war, dasz die
Eruptionskratere wahrscheinlich dicht in der Nähe seien. Diese höcke-
rige Oberfläche ist wie ich glaube dadurch verursacht worden, dasz
verschiedene Ströme sich kreuzten und aulthürmten. ' An einem Orte
fanden sich mehrere abgerundete Kücken von ungefähr zwanzig Fusz
Höhe, einige von ihnen waren so breit wie hoch, und einige breiter,

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174                                               Tertiiirfonn.itionen.                                         Ca:

lehe sicherlich sich gebildet hatten, während die Lava flüssig war;
denn auf queren Durchschnitten zeigte sich jeder Rücken Concentrin h
geblättert und aus unvollkommenen, von gemeinsamen Centren aus-
strahlenden Säulen gebildet, wie die Speichen der Räder.

Die basaltische -Masse ist, wo sie zuerst angetroffen wird, wie ich
gesagt habe, 130 Fusz mächtig und funfunddreiazig Meilen hoher im
Thale hinauf wuchst sie bis auf 822 Fusz an. In den ersten vierzehn
und ein halb Meilen von dieser Strecke fällt die obere Flache der
Lava, nach drei oberhalb des Niveau's des Flusses genommenen
Messungen zu artheilen (dessen sehr gleichförmige Neigung nach
seiner totalen Höhe an einem 135 Meilen von der Mundung ent-
fernten Punkte berechnet worden ist), nach dem atlantischen Ocean
in einem Winkel von nur 0° 7' 20" ab. Dies darf nur als eine an-
nähernde Messung betrachtet werden, sie kann aber nicht sehr falsch
sein. Nimmt man die ganzen fünfunddreiszig Meilen, so fällt die
obere Fläche unter einem Winkel von 0° 10'53"; dieses Resultat ist
aber von keinem Werthe um die Neigung eines bestimmten Stromes
zu zeigen, denn halbwegs zwischen den beiden Messungspunkten erliebt
sich die Oberfläche plötzlich zwischen hundert und zweihundert Fi
augenscheinlich dadurch verursacht, dasz einige der obersten Ströme
sich nur so weit und nicht weiter erstreckt haben. Nach den an
diesen zwei, f&nfunddreiszig Meilen von einander entfernten Punkt'
gemachten Messungen beträgt die mittlere Neigung der sedimentären
Schichten, über welche die Lava geflossen ist. jetzt (nach der Erhebung
von unter dem Meeresspiegel) nur 0° 7' 52"; zum Zwecke der Ver-
gleichung mag erwähnt werden, dasz der Grund des gegenwärtigen
Meeres in einer Linie von der Mündung des Santa Cruz nach den
Falkland-Inseln von einer Tiefe von siebzehn Faden bis zu einer von
fünfandachtzig Faden unter einem Winkel von 0° 1' 22" abfällt:
zwischen dem Strande und der Tiefe von siebzehn Faden ist die
Neigung gröszer. Von einem Punkte aua ungefähr halbwegs im Thale
hinauf erhebt sich die basaltische Masse plötzlicher nach dem Pusze
der Cordillera zu, nämlich von einer Höhe von 1204 Fusz bis zu un-

ilir 8000 Fusz über dem Meeresspiegel.

Diese grosze Lavnfluth ist in ihren Dimensionen des grossen

Contin         zu dem sie gehört, würdig. Die aggregirten Ströme sind

von d« irdillera bis in eine Entfernung (wie ich glaube von keinem

bis jetzt bekannten Falle betroffen) von ungefähr LOO geographischen

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Cap. 5.                                        ante Cruz.                                          i;-

Meilen geflossen. In der Nähe ihres weitesten Endes beträgt ihre
totale Mächtigkeit 130 Fusz, welche füufunddreiszig Meilen weiter
landeinwärts, wie wir eben gesehen haben, bis zu 322 Fusz räch erhöht.
Die geringste von Elik de Beaümont angegebene Neigung der oberen
Fläche eines Lavastroms, nämlich 0° 30', ist die der groszen subaüri-
schen Eruption im Jahre 1783 aus dem Skaptar Jökul in Island; und
Elie de Beaum>m zeigt,5 dasz sie eine mittlere Neigung von weniger
als 0° 20' hinabgeflossen sein musz. Wir sehen aber jetzt, dasz
unter dem Druck des Meeres aufeinanderfolgende Ströme über einen
glatten Boden mit einer mittleren Neigung von nicht mehr als
0° 7' 52" geflossen sind, und dasz die obere Fläche der Endportion
(über einen Raum von vierzehn und einer halben Meile) eine Neigung
hat von nicht mehr als 0° 7' 20". "Wenn die Erhebung von Pata-
gonien in der Nähe der Cordillera gröszer gewesen ist als in der
Nähe des atlantischen Oceans (wie es wahrscheinlich ist), dann sind
diese Winkel jetzt alle zu grosz. Ich musz wiederholen, dasz, ob-
gleich die vorstehenden Messungen, welche sftmmtlich sorgfaltig mit
dem Barometer gemacht wurden, nicht absolut correct sein dürften,

sie doch nicht grosze Fehler enthalten können.

Nach Süden von dem Santa Cruz erstrecken sich die Klippen der

840-Fusz-Ebene bis zum Coy Inlet, und wegen der nackten Flecke des
weiszen Sediments wird auf den Karten angegeben, dasz sie „den
Küsten von Kent* ähnlich seien. Bei Coy Inlet wendet sich die hohe
Ebene landeinwärts und läszt flachgipfelige Ausläufer zurück. Bei
Port (iallegos (51° 35' s. Br. und neunzig Meilen südlich vom Santa
Cruz) findet sich wie mir Captain Sulivax mitgetheilt hat, eine mit
Geröll bedeckte Ebene von 200 bis 300 Fusz Höhe, welche aus zahl-
reichen Schichten gebildet wird, einigen feinkörnigen und blasz ge-
färbten, gleich den oberen Schichten an der Mündung des Santa Cruz,
und anderen im Ganzen dunkleren und gröberen, so dasz sie Sand-
steinen oder Tuffen ähnlich sind: diese letzteren enthalten ziemlich
grosze Fragmente von allem Anscheine nach zersetzten, vulcanischen
Gesteinsarten; es finden sich auch Heröllschichten eingeschlossen. Diese
Formation ist im hohen Grade merkwürdig, weil sie Sfmuethierreste
äuszerst zahlreich enthält, welche bis jetzt Prof. Owen noch nicht
untersucht hat. welche aber einige grosze, meistens aber kleine Species
von Pachydermen, Edentaten und Nagethieren enthalten. Nach der

5 Memoires pour serrir etc., p. 178 und 217.

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176                              -rtiärformationen. — Feuerland.                       Cftp. 5.

Erscheinung der blasz gefärbten feinkörnigen Schichten war ich geneigt
anzunehmen, dasz sie den oberen Schichten des Santa Cruz entsprächen;
Prof. Ehbbnbebg aber, welcher einige von den Handstücken unter-
sucht hat, theilt mir mit, dasz die eingeschlossenen mikroskopischen
Organismen gänzlich verschieden sind, indem sie Süszwasser- und
Brackwasserformen sind. Es ist dalier die 200- bis 300-Pusz-
Ebene bei Port Gallegos von unbekanntem Alter, aber wahrscheinlich
von späterem Ursprung als die grosze patagonische Tertiärformation.

Östliches Feuerland. — Nach der Höhe, der allgemeinen
Erscheinung und der weiszen Farbe der auf den Bergabhängen sicht-
baren Flecke zu urtheilen gehört die oberste Ebene sowohl an der
nördlichen und westlichen Seite der Magellanstrasze als auch der öst-
lichen Küste des Feuerlandes südlich bis in die Nähe von Port S. Po-
lycarp wahrscheinlich zur groszen patagonischen Tertiärformation.
Diese höheren Tafelländer sind von niedrigen unregelmäszigen aus-
gedehnten Ebenen umsäumt, welche zur erratischen Formation gehören6
und aus groben und nicht stratitieirten, blätterigen, lehmigen Sand-
steinen zusammengesetzt sind. Die Klippen in Sebastian-Bay sind
200 Fusz hoch, und sind aus feinem Sandstein zusammengesetzt,
häutig in krummlinigen Schichten, welche harte Concretionen kalkigen
Sandsteins und Geröllschichten einschlieszen. In diesen Schichten
rinden sich Fragmente von Holz, Krabbenfüsze, Entenmiischeln mit
Corallinen incrustirt und zum Theil noch ihre Farbe zeigend, un-
vollkommene Fragmente einer Pholas, von allen bekannten Species
verschieden, und einer Venu*, welche der V. lenticularis, einer an der
Küste von Chile lebenden Species, sehr nahe kommt, aber unbedeutend
in der Form von ihr abweicht. Blätter von Bäumen sind zwischen
den Schichten des lehmigen Sandsteins zahlreich; sie gehören, wie
mir Dr. J. D. Hooker7 mitgetheilt hat, zu drei Arten Blätter alt-
werfender Buchen, verschieden von den zwei Arten, welche die Haupt-
masse der Bäume in diesem waldbedeckten Lande bilden. Nach diesen
Thatsachen ist es schwer eine Vermuthung zu äuszern. ob wir hier
einen basalen Theil der groszen patagonischen Formation oder irgend
eine spätere Ablagerung vor uns haben.

6 Beschrieben in den Geological Transactions, Vol. VI. p. 415 (Übers dies.
Bd., Abth. II, p. 57.)

1 „Botany of the Äntarctic Voyage", p. 212.

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Cap. 5.                          Patagonische Tertiärformation.                             I77

Zusammenfassung über die patagonische Tertiär-
forma tion. — Vier von den sieben         len -Muscheln von Santa Fi

in Entre Bios hat d'Oebignt in dem Sandsteine des Rio Nero und
ich selbst bei San Josef gefunden. Drei unter den sechs von S
Josef sind mit denen von Port Desire und San Julian identisch,
ilche zwei Plätze zusammen fünfzehn Species besitzen, von welchen
drei beiden gemeinsam sind. Santa Cruz hat siebenzehn Species, von
denen fünf Port Desire und San Julian gemeinsam zukommen. In
Anbetracht der Verschiedenheit der Breite zwischen diesen ver-
schiedenen Orten und der kleinen Anzahl von Species, die im Ganzen
gesammelt wurden, nämlich nur sechsunddreiszig, meine ich, dasz die
obige proportionale Zahl der gemeinsam vorkommenden Species genügt
um zu zeigen, dasz die untere Fossile führende Masse nahezu, ich
sage aber nicht absolut, zu derselben Epoche gehört. Welches diese
Epoche gewesen sein mag im Vergleich mit den europaischen Tertiär-
bildungen will d'Orbiön? nicht zu bestimmen wagen. Die sechsund-
dreiszig Species (mit Einschlusz der von mir selbst und von d'Orbigny
gesammelten) sind alle ausgestorben oder mindestens unbekannt: man
musz sich aber daran erinnern, das/ die gegenwärtige Küste aus Ge-
schieben besteht und dasz, wie ich glaube, noch Niemand hier nach
Muscheln mit dem Schleppnetz gesucht hat; es ist daher nicht un-
wahrscheinlich, dasz einige von den Arten später noch als lebendig
gefunden werden. Einige wenige von den          ies sind mit jetzt

existirenden nahe verwandt; dies ist nach d'Orbigny und Mr. Sowekst
besonders der Fall mit dem 1               vgonicus und nach Mr. Sowerbi

mit der Pyrula, der Venus meridionalis, der Crepidulo gregaria,

r Turritella ambulacrum und '/'. pataganica. Wenigstens drei
den Gattungen, nämlich ÖucuU               issatella und (nach der Be-

stimmung des Mr. Sowekbt) Sirutkiolaria finden sieh nicht in diesem
Theile der Welt und Trigonocelia ist ausgestorben. Alles zusammen-
genommen weisen die Belege darauf hin, dasz diese grosze Tertiär-
formation von beträchtlichem Alter ist; wo ich aber von den chile-
nischen Schichten spreche, werde ich auf diesen Gegenstand noch ein-
mal zurück zu kommen haben.

Der weisze bimssteinhaltige Schiefer; 1 mit seinen reichen
Gypsmassen gehört zu derselben allgemeinen Epoche mit der darunter
liegenden Fossile führenden Masse, wie man aus den in den ein-
geschalteten Schichten bei Nuevo Gulf, San Julian und Santa Cruz

Darwin, süd-Amer. i II, 1.                                                                      12

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]7s                             Patagoni                   rmation.                          * !ap, 5.

enthaltenen -Muscheln schlieszen kann, unter den siebemmdzwan
marinen mikroskopischen Gebilden, welche Prof. Ehbenbkrg in den
Handstücken von S. Julian und Port Desire gefunden hat, sind zehn
diesen beiden Plätzen gemeinsam: die drei bei Nuevo Golf gefundenen
sind verschieden. Ich habe diese Ablagerung wegen ihrer merk-
würdigen Charactere und ihrer weiten Ausdehnung eingehend be-
schrieben. Von Cov Inlet bis nach Port Desire, eine Entfernung von
230 Meilen, ist sie sicher continuirlich; und ich habe Grund zu
glauben, dasz sie sich gleichfalls bis zum Rio Chupat, Nuevo Gulf.
und San Josef, eine Entfernung von 570 Meilen, erstreckt; wir haben
auch gesehen, dasz eine einzelne Schicht am Rio Negro vorkommt.
Bei Port San Julian ist sie von 800 bis 900 Fusz mächtig, und bei
Santa Cruz erstreckt sie sicli mit einem unbedeutend veränderten
Character bis zur Cordillera hinauf. Nach ihrer mikroskopischen
Structur und nach ihrer Analogie mit anderen Formationen in vul-
canischen Districten musz sie als ursprünglich vulcanischen Ursprunges
betrachtet werden: sie kann sich durch die lange andauernde Keibung
ungeheuerer Bimssteinmassen gebildet haben, oder, nach der Art, in
welcher die Masse beim Aufsteigen des Thaies von Santa Cruz in ver-
schieden gefärbte Schichten getheilt wird, zu urtheilen, durch lange
fortgesetzte Eruption von "Wolken feiner Asche. In beiden Fallen
müssen wir schlieszen, dasz die südlichen vulcanischen Mündungen der
Cordillera, die jetzt ruhen, ungefähr um diese Periode über eine weite
Strecke und für eine betrachtliche Zeit in Thatigkeit waren. Für
diese Thatsache haben wir Belege: in der Breite des Rio Negro in
dem Sandsteinconglomerat mit Bimsstein, und einen demonstrativen
Beweis bei Santa Cruz in den ungeheuren Überschwemmungen basal-
tischer Lava. Eis finden sich auch in der westlichen Banda Oriental
deutliche Belege von vulcaniseher Thatigkeit in dieser selben tertiären
Periode.

Die patagonische Tertiärperiode erstreckt sich continuirlich, nur
nach den E len zu urtheilen, von Santa Cruz bis in die Nähe des

Colorado, eine Entfernung von über tiOO Meilen, und erscheint

über ein sehr groszes Gebiet in Entre Rios und Banda Oriental wieder,

3 eine totale Entfernung von 1100 Meilen ergibt; diese Formation

ickt sich aber unzweifelhaft (obschon keine Fossile gesammelt
wurden) weit nach Süden vom Santa Cruz und nach d'Orbign*
120 Meilen nördlich von Santa F6. Bei Santa Cruz haben wir ee-

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Tertiärformationen der W                                       179

. dasz sie sich quer über den Continent erstreckt, an der Küste
ist ungefähr 800 Fusz mächtig (hei San Julian eher mehr) und
erhebt sich mit den gleichzeitigen Lavaströmen an der Basia der
Cordillera bis zu einer Höhe von ungefähr 3000 Fusz. Sie liegt,
wo nur immer irgend eine darunter liegende Formation gesehen wer-
den kann, auf plutonischen und metamorphischen Gesteinen. Mit Ein-
nlusz der neueren Pampas-Ablagerung und jener Schichten im öst-
lichen Feuerland von zweifelhaftem Alter, ebenso wie der erratischen
Formation, haben wir eine Linie von mehr als siebenundzwanzig
Breitengraden, also gleich der Entfernung von der Strasze von
Gibraltar bis nach dem Süden von Island, welche continuirlich aus
Tertiiirformationen zusammengesetzt ist. (her diesen ganzen Raum
ist das Land emporgehoben worden, ohne dasz die Schichten in einem
einzigen Falle, soweit meine Beobachtung geht, ungleichmäszig ge-
stürzt oder durch eine Verwerfung dislocirt worden wären.

Tertiär-Formationen der Westküste.

Chonos-Archipel. — Die zahlreichen Inseln dieser Gruppe
bestehen mit Ausnahme von Lemus und Yjmn aus metamorphischen
Schiefern; diese beiden Inseln sind aus weichen, grauen und braunen
schmelzbaren, häufig geblätterten Sandsteinen gebildet, welche einige
wenige Geschiebe, Fragmente von schwarzer Braunkohle und zahlreiche
warzige Concretionen von hartem kalkigen Sandstein enthalten. Aus
diesen Concretionen auf Yjmn (40° 30' s. Br.) holte ich die vier folgen-
den ausgestorbenen Muschelarten hervor:

1.   Turriteüa mturalis G. B. Sowerby, Taf. III, Fig. 50 (auch Navidad).

2.  Sigaretus subglobosus G. B. Sow., Taf. III, Fig. 36, 37 (ebenso).

3.  Cythcraea (?) mlculosa (?) G. B. Sow., Taf. II, Fig. 14 (auch Chiloc und

Huafo?).

4.   Valuta, Fragmente.

In den nördlichen Theilen dieser Gruppe finden sich einige aus
Geröll und aus der erratischen Formation bestehende Felsen. Im süd-
lichen Theile (bei P. Andres auf Tres montes) findet sich eine vul-
canische Formation wahrscheinlich tertiären Ursprungs. Die Laven
erreichen eine Mächtigkeit von 200 bis 300 Fusz; sie sind in der
Färbung und Beschaffenheit äuszerst variabel, sind bald compact bald
breccienartig oder zellig, oder amygdaloid mit Zeolith, Achat und

Bolus oder Porphyroid mit glasigem, albitischen Feldspatb. Auch

12*

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180

Tertiiirformationen.

Cap. 5.

findet sich viel unvollkommener bröckeliger P© in, dessen Lücken
mit pulverigem kohlensauren Kalk allem Anscheine nach von gleich-
alterigem Ursprung erfüllt sind. Diese Laven sind conform mit Schich-
ten von Breccien und von braunem, Lignit enthaltenden Tuff verbun-
den. Die ganze .Masse ist aufgebrochen und unter einem Winkel von
0 aufgerichtet worden, und zwar durch eine Reihe groszer vulkani-
scher Gänge, von denen einer dreiszig Yards breit war. Diese vul-
canische Formation ist einer in Chiloe ähnlich, welche sofort beschrie-
ben werden soll.

Huafo. — (Diese Insel liegt zwischen den Chonos und Chi]
grnppen: sie ist ungefähr 800 Fusz hoch und hat vielleicht einen Kern
von metamorphischen Gesteinen. Die Schichten, welche ich untersucht
habe, bestanden aus feinkörnigen lehmigen Sandsteinen mit Frag-
menten von Lignit und Concretionen von kalkigem Sandstein. Mi
sammelte die folgenden ausgestorbenen Muscheln, von denen sich die
Turritdla in groszer Anzahl fand:

1. Ihi                          G. B SOWBBBT, Tat'. III, Flg.

2.  Pleurotoma nubaequdlis G. B. Sow», Taf. IV, Fig. 52.

3. Fw                       »kb., Voyage, Pal. PI. XII, Fig. G, 7 (auch bei

Coquimbo).
I. /                            G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 6-1.

5.          'elta Chil G. B. Sow.. Taf, IV. Kg, 51 (auch Moctaa).

6.   Venus, wahrscheinlich eine besondere Species, aber sehr unvollkommen.

7.  Cytheraca (?) sui<         (?) G. B. Sow., Taf. II, Fig. 14.

8.  Dentdlim            G. B. Sow., Taf. II, Fig. 3.

Chiloe. — Diese schöne Insel ist ungefähr hundert Meilen lang.
Der ganze südliche Theil und die ganze westliche Küste besteht aus
Glimmerschiefer, welcher auch in den Schluchten im Innern zu sehen
ist, Die centralen lierge erheben sich zu einer Höhe von 3000 Fusz
und sollen zum Theil ans Granit und Grünstein gebildet sein. Es
finden sich zwei kleine vulcanische Districte. Die östliche Küste und
grosze Theile des nördlichen Endes der Insel sind aus Geröll der
erratischen Formation und darunterliegenden horizontalen Schichten
zusammengesetzt. Die letzteren sind zwanzig Meilen lang südlich
und nördlich von Castro deutlich entwickelt: sievariiren im Charac
von gewöhnlichem Sandstein zu feinkörnigem blättrigen Schieferletten:
alle die Exemplare, welche ich untersuchte, sind leicht schmelzbar und
einige von denSchichten konnte man vulcanische Sandsteine nennen.

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Gap. 5.                                          Chiloi-.                                             181

Diese letzteren Schichten stehen vielleicht mit einer Masse säuligen
Trachyts in Beziehung, welche hinter Castro vorkommt. Der Sand-
stein enthält gelegentlich Geschiebe und viele Fragmente und Schichten
von Lignit; der letztere besteht zuweilen aus Holz, andere Arten aus
Blattern: eine Schicht an der Nordwestseite von Lemuy ist nahezu
zwei Pußz mächtig. Es findet sich viel verkieseltes Holz, sowohl ge-
wöhnliche Dicotyledonen als Coniferen: ein Durchschnitt eines Exem-
plares in der Bichtung der Markstrahlen zeigt, wie mir R. Bkown
mitgetheilt hat, die Scheiben in einer doppelt abwechselnd gestellten
Reihe und nicht entgegengesetzt wie in den echten Araucarien. Marine
fossile Reste fand ich nur an einem Orte in einigen Concretionen harten
kalkigen Sandsteins: in mehreren anderen Districten habe ich beob-
achtet, dasz organische Reste ausschlieszlieh auf derartige Concretionen
schränkt warm; haben wir diese Thatsache durch die Annahme zu
erklären, dasz die Muscheln nur an diesen Punkten lebten, oder ist es
nicht wahrscheinlicher, dasz ihre Reste nur da erhalten wurden, wo
Concretionen gebildet wurden V Die Muscheln finden sich hier in
einem schlechten Zustande, sie bestellen aus:

1.  Telliniu         obhnga G. B. Sowebby, Taf. II, Fig. 12 (nach d'Ohbig:.

Meinung eine Sol<><rIi

2.  Natica striolata G. B. Sow., Taf. III, Fig. 39.

3.  Natica (?) pumüa G. B. Sow., Taf. III, Fig. 38.

4.  Cythera         wlcuhsa G. B. Sow., Taf. II, Fig. 14 (auch Ypun und

Huafo?).

Am nördlichen Ende der Insel in der Nähe von S. Carlos findet
sich eine grosze vulcanische Formation von zwischen 500 und 700 Fusz
Mächtigkeit. Die gewöhnlichste Lava ist schwärzlich-grau oder braun,
entweder blasig oder amygdaloid mit Kalkspath und Bolus: die meisten,
selbst die dunkelsten Varietäten schmelzen zu einem blaszgefärbten
Glase. Die nächstgemeine Varietät ist ein bröckeliger, selten gut
characterisirter Pechstein (der in ein weiszes Glas schmilzt), welcher
in der unregelmäszigsten Art und Weise in steinige graue Laven über-
geht. Dieser Pechstein ebenso wie ein purpurner Thonstein-Porj»hyr
ist sicher in der Form von Strömen ausgeflossen. Diese verschiedenen
Laven gehen häufig in einer beträchtlichen Tiefe von der Oberfläche
in der plötzlichsten und eigenthümlichsten Weise in Wacke über.
Grosze Massen des soliden Gesteins sind in Breccie zerfallen und es
war meist unmöglich, nachzuweisen, ob der Procesz des später von

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182                                       Tertiärformationen.                                  Cap. 5.

Neuem eingetretenen Cementirens auf feurigem oder flu.- o Wege
vor sich gegangen ist8. Die Schichten sind undeutlich von einander
getrennt; sie sind zuweilen durch Züge von Tuff und Geschiebschichtwi
von einander getheilt. An einer Stelle lagen sie auf Tuffen und Sand-
steinen, allem Anscheine nach von submarinem Ursprung, und an einer
andern Stelle wurden sie von solchen bedeckt.

Die benachbarte Halbinsel von Lacuy wird beinahe gänzlich aus
tuffigen Ablagerungen gebildet, welche wahrscheinlich ihrem Ursprünge
nach mit den oben beschriebenen Bergen im Zusammenhang stehen. Die
Tuffe sind blasz gefärbt, wechseln mit blätterigen Schieferletten und
Sandsteinen (sämmtlich leicht schmelzbar; ab, und gehen zuweilen in
feinkörnige weisze Schichten, welche in autfallender Weise der groszen
Infusorien-Ablagerung von Patagonien ähnlich sind, und zuweilen in
Breccien mit Bimssteinstücken im letzten Stadium des Zerfalls über;
diese wiederum gehen in gewöhnliche grobe Breccien und Conglomerate
harter Gesteine über. Innerhalb sehr kleiner Entfernungen giengen
einige von den feineren Tuffen häufig in einer eigentümlichen Weise
ineinander über, nämlich dadurch, dasz unregelmüszige polygone Con~
cretionen der einen Varietät so stark und so plötzlich an Grösze zu-
nahmen, dasz die zweite Varietät, anstatt noch länger die ganze Masse
zu bilden, blosz in dünnen Adern zwischen den Concretionen übrig
blieb. An einer geraden Felsenkette bei Point Tenuy untersuchte ich
den folgenden merkwürdigen Durchschnitt: auf der linken Seite besteht
der untere Theil (AA) aus regelmäszigen, abwechselnden Schichten
von braunen Tuffen und grünem blätterigen Schieferletten, welche sanft
nach rechts geneigt waren und conform von einer Masse einer weiszen
tuffiirtigen und breccienartigen Ablagerung (B links) bedeckt waren.
Auf der rechten Seite besteht der ganze Felsen (HB rechts) aus der-
selben weiszen, tuffartigen Substanz, welche auf dieser Seite kaum eine
Spur von Schichtung darbietet, aber nach links sehr allmählich und

9 In einem Felsen der härtesten frugmentüren Masse fand ich mehrere ge-
wundene, vertieale Adern, in ihrer Dicke von wenigen Zehnteln bis zu anderthalb
Zoll varärend, von einer Substanz, von welcher ich keine Beschreibung gesehen
habe. Sie ist glänzend und von brauner Farbe; sj        lünn geblättert, die Bli.

sind durchscheinend und elastisch; sie ist ein wenig härter als Kalkspath: vor dein
Löthrohr ist sie unschmelzbar, decrepitirt zuweilen, gibt Wasser ab, rollt sich auf,
wird schwarz und magnetisch. Borax löst leicht eine beträchtliche Menge davon
auf und gibt ein rün gefärbtes Glas. Ich habe keine Idee, was eigentlich ihre
Natur ist. Als ich sie zuerst sah, hielt ich sie fälschlich für Lignit.

[page break]

Cap. 5.

183

im Ganzen undeutlich in .Schichten getheilt wird, welche mit den
darunterliegenden Schichten (AA) völlig conform sind: überdies sind
einige wenige Hundert Yards weiter nach links, wo die Oberfläche
weniger denudirt worden ist, die tuffigen Schichten (B links) conform
von einer andern Reihe von Schichten bedeckt, gleich den darunter-
liegenden (A A) des Durchschnitts. In der Mitte der Zeichnung sieht
man die Schichten (AA) plötzlich abgeschnitten und gegen die tuff-
artige, nicht geschichtete Masse anstoszen; aber die Verbindungslinie
ist zufällig nicht steil genug dargestellt, denn ich bemerkte besonders,
dasz, ehe die Schichten nach rechts hin aufgerichtet worden sind, diese
Linie nahezu vertical gewesen sein musz. Allem Anscheine Dach hat

ein Wasserstrom sich einen tiefen und steilen submarinen Canal aus-
gewaschen und ist zu derselben Zeit oder später mit der turtartigen
und brecciolirten Masse ausgefüllt worden und hat dieselbe über die
umgebenden submarinen Schichten ausgebreitet; die Masse wird näm-
lich in diesen entfernteren und weniger gestörten Theilen stratiricirt
und überdies spater von andern nicht im Durchschnitte gezeichneten
Schichten bedeckt (gleich denen A A). Ea ist eigentümlich, dasz drei
von den Schichten (von AA) in ihrer gehörigen Kichtung über die
Verbindungslinie mit der weiszen tuffigen Masse, wie es in der Zeich-
nung dargestellt ist, verlängert worden sind: die verlängerten Theile
von zweien der Schichten sind abgerundet, an der dritten ist das End-
fragment nach oben gehoben worden: wie diese Schichten in dieser

The ComDlete Work of Charles Darwin Online.

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184                                               Tertiärformationen.                                         Cap. 5.

Weise verlängert erhalten worden sein können, will ich nicht zu er-
klären wagen. In einem anderen Durchschnitt auf der entgegengesetz-
ten Seite eines Vorgebirges fand sich am Fusze dieser nämlichen Ver-
bindungslinie, d. h. im Grunde des alten submarinen Canals ein Hauten
von Fragmenten der Schichten (AÄ), deren Zwischenräume mit der
weiszen tuffigen .Masse erfüllt waren: dies ist genau das. was sich
unter solchen Bedingungen hätte erwarten lassen.

Die verschiedenen tuffartigen und andern Schichten an diesem
nördlichen Ende von Chiloe gehören wahrscheinlich zu dem nämlichen
Alter, wie die in der Nähe von Castro. und sie enthalten wie dort
viele Fragmente von schwarzer Braunkohle und von verkieseltem und
pyritartigem Holz, die häufig dicht bei einander eingebettet sind. Sie
enthalten auch viele eigenthfimliche Concretionen: einige sind von
hartem kalkigem Sandstein, in denen es scheinen dürfte als wären
gebrochene vulranische Krystalle und Glimmerhlättchen besser erhalten
worden (wie in dem Falle mit den organischen Resten in der Nähe
von Castro), als in der umgebenden Masse. Andere Concretionen in
der weiszen Breccie sind von einer harten, eisenschüssigen und doch
schmelzbaren Beschaffenheit; sie sind so rund wie Kanonenkugeln und
variiren von zwei oder drei Zoll bis zu zwei Fusz im Durchmesser;
innen bestehen sie meist entweder aus feinem kaum cohärentem vul-
canischen Sande9 oder aus einem thonigen Tuff; in diesem letzteren
Falb' war die äuszere Kruste ganz dünn und hart. Einige von den
sphärischen Kugeln waren in der Linie ihres Äquators von einer
perlenschnurartigen Reihe kleinerer Concretionen eingefaszt. Ferner
fanden sich andere unregelmäszig geformte und aus einem harten com-
pacten aschenfarbigen Steine bestehende Concretionen mit einem bei-
nahe porcellanartigen Bruch. welche der Zunge anhiengen und ohne
irgend welche kalkige Substanz waren. Diese Schichten werden auch
von vielen Adern durchzogen, welche Gyps, eisenschüssige Masse,
Kalkspate und Achat enthalten. Man konnte hier mit merkwürdiger
Deutlichkeit sehen, wie innig die Bildung von Concretionen und das
Entstehen von Spalten und Adern zu einander in Beziehung stehen.
Der folgende Durchschnitt ist eine genaue Darstellung einer horizon-
talen Stelle von Tuff, die ungefähr vier Fusz lang und zwei und einen

Die häufig vorkommende Neigung des Ei incohärente Substanz ent-
haltende bohle Concretionen oder Schalen zu bilden ist eigentümlich; d'Au-
buisson (Traite* de Ge*ogn., Tom. I. \>. 318j macht hierüber Bemerkung

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Cap. 5.                                          Chüo                                               185

halben Fusz breit war: die doppelten Linien stellen die theilweise mit
Eisenoxyd und Achat erfüllten Spalten dar, die gebogenen Linien
zeigen den Verlauf der unzähligen concentrischen concretionären Zonen

_'. 22.

Grundrisz, um die Beziehung zwischen Adern und concretionären Zonen in einer

Tuffmasse zu zeigen.

von verschiedenen Farbenschattirungen und von verschiedenen Graden
der Grobheit in den Talpartikeln. Die Symmetrie und Complexität
der Anordnung geben der Fläche ein elegantes Ansehen. Man kann
selien, wie augenfällig die Spalten die Gestalt zuweilen der ganzen
Concretion und zuweilen nur ihrer centralen Theile bestimmen (oder
von dieser bestimmt sind). Die Spalten bestimmen auch die Krüm-
mungen der langen wellenartigen Zonen coneretionärer Thätigkeit
Nach der verschiedenen Zusammensetzung der Adern und Concretionen
ist der Betrag chemischer Einwirkung, welcher die Masse unterlegen
ist, überraschend grosz; und es dürfte auch aus der Verschiedenheit
in der Grösze der Stückchen in den concretionären Zügen hervorgehen,
dasz die Masse inneren mechanischen Bewegungen ausgesetzt ge-
wesen ist.

Auf der Halbinsel von Lacuy sind die Schichten auf eiuer Breit«
von vier Meilen in drei deutlichen und einigen anderen undeutlichen
Erhebunsslinien, welche fast genau von Norden nach Süden gehen,
emporgehoben worden. Die eine ungefähr zweihundert Fusz hohe
Linie ist regelmaszig antiklinisch, die Schichten fallen nach beiden
Seiten hin unter einem Winkel von 15° von einem centralen Er-

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L86                                     Teil irmationen.                                 Cup.

hebungsthale von ongefthr 300 Fards Breite ab. Ein zweiter schmaler
steiler Rücken von nur sechzig Fusz Höhe ist inonoklinisch, die Schich-
ten lallen sämmtlich nach Westen hin ab; diejenigen an beiden Seiten
sind unter einem Winkel von zehn bis fünfzehn Grad .geneigt, während
diejenigen an dem Rücken in derselben Richtung unter einem Winkel
von zwischen dreiszig und vierzig Grad fallen. Dieser Rucken ver-
geht nacli Norden hin ganz, und die Schichten sind an seinem End-
punkte anstatt nach Westen geneigt zwölf Grad nach Norden geneigt.
Dieser Fall interessirte mich, als es der erste war. in welchem ich in
Siid-America Formationen von vielleicht tertiärem Ursprünge fand, die
von Erhebungslinien durchbrochen waren.

Valdivia: Insel Mocha. — Die Formationen von Chiloe
scheinen sich mit nahezu demselben Character bis nach Valdivia zu
erstrecken, und noch einige Stunden nördlich davon: die darunter-
liegenden Gesteine sind Glimmerschiefer und werden von Sandstein
und anderen sedimentären Schichten bedeckt, welche, wie mir versichert
wurde, an vielen Orten Braunkohlenschichten enthalten. Ich landete
nicht auf der Insel Mocha (38° 20' s. Br.), aber Mr. Stokes brachte
mir Handstücke des grauen feinkörnigen leicht kalkigen Sandsteins,
genau gleich dem von Huafo, welcher Lignit und zahlreiche Turritellen
enthielt. Die Insel ist flachgipfelig, 1240 Fusz hoch und erscheint
wie ein einzelnes vorliegendes Stück der sedimentären Schichten auf
dem Festlande. Die wenigen hier gesammelten Muscheln sind:

1.  Tun-Hella chil        G. B. Sowbkbt, Taf. IV, Fig. 51 (auch in Huafo).

2.  Fusus, sehr unvollkommen, etwas dem F. subreßesnu von Navidad ähn-

lich (Taf. IV, Fig. 67), aber wahrscheinlich verschieden.

3.   Venus, Bruchstücke.

Concepcion. — Segelt man von Valdivia nach Norden, so sieht
man, dasz die Küstenberge zuerst in der Nähe des Rio Tolten den
nämlichen mineralogischen Character annehmen, und ihn dann für
150 Meilen nach Norden beibehalten, wie er sofort bei Concepcion be-
schrieben werden soll. Ich hörte an vielen Orten von Braunkoblen-
schichten, von denen einige schön glänzend sein sollen, und gleichfalls
von verkieseltem Holz: in der Nähe des Tolten sind die Klippen
niedrig, aber bald nehmen sie an Höhe zu; und die horizontalen Schich-
ten sind mit einer nahezu ebenen Oberfläche verlängert, bis sie an
einen Höhenzug zwischen P. Kumena und Lavapie anstoszen. Hier

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Ca]'.                                    Valdivia. Concepciou.                                   7

sind die Schichten von mindestens acht oder neun parallelen Erhebung
zögen, welche von Osten oder Ost-Nord-Ost nach Westen oder We

d-West hinziehen, aufgebrochen worden. Diese Linien können mit
dem Auge viele Meilen weit in's Innere verfolgt werden: sie sind Alle
monoklinische, die Schichten in jeder fallen zwischen Süden und Süd-

id-Ost mit einer in den centralen Linien ungefähr vierzig Grad und
in den äuszeren noch unter zwanzig Grad betragenden Neigung ein.
Dieser Streifen eines mmetrisch erschütterten Landes ist ungefähr
acht Meilen breit.

Die Insel Quiriquina in der Bucht von Concepcion wird aus ver-
schiedenen weichen und häufig eisenschüssigen Sandsteinen mit Zögen
von Geschiebe gebildet, und die untersten Schichten gehen zuweilen
in ein Conglomerat über, welches auf den darunterliegenden meta-
morphischen Schiefern liegt. Diese Schichten enthalten untergeordnete
Lager von grünlichem, unreinen Thon, weichem glimmerhaltigeu und
kalkigen Sandstein und rötblicher, zerreiblicher erdiger Masse mit
weiszen Flecken wie zersetzte Feldspathkrystalle; sie enthalten auch
harte Concretionen, Fragmente von Muscheln, Braunkohle und ver-
kieseltes Holz. Im oberen Theile gehen sie in weisze, weiche Sedi-
mente und Breccien über, denen sehr ähnlich die von Chiloe beschrie-
ben wurden, wie überhaupt die ganze Formation jener sehr ähnlich
ist. Bei Lirguen und an anderen Orten auf der östlichen Seite der
Bucht rinden sich gute Durchschnitte der unteren Sandsteine, welche
meist eisenhaltig sind, aber im Character variiren und selbst in eine
tlionige Beschaffenheit übergehen; sie enthalten harte Concretionen,
Braunkohlenfragmente, verkieseltes Holz und Geschiebsteine (von den
nämlichen Gesteinsarten wie die Geschiebe in den Sandsteinen v
Quiriquina) und sie wechseln mit zahlreichen, häufig sehr dünnen Lagen
von unvollkommener Kohle meist von geringem specifischen Gewicht
ab. Die Hauptschicht ist hier drei Fusz mächtig; und nur die Kohle
dieser einen Schicht hat einen glänzenden Bruch. Eine andere un-
regelmäszige krummlinige Schicht von brauner compacter Braunkohle
ist merkwürdig, weil sie in einer Masse groben Gerölls eingeschlossen
ist. Diese unvollkommenen Steinkohlen entzünden sich von seil*
wenn sie auf einen Haufen zusammengelegt werden. Die Klippen an
dieser Seite der Bucht ebenso wie auf der Insel Quiriquina sind mit rother
zerreiblicher Erde bedeckt, welche, wie im zweiten Capitel angegeben
wurde, neuerer Bildung ist. Die Schichtung in der Umgebung dieser

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188                                       Tertiärformationen.                                   Cap. 5.

Örtlichkeiten ist meist horizontal; al>er in der Nähe von Lirguen fallen
die Schichten nordwestlich unter einem Winkel von 23°; auch bei
Concepcion sind sie geneigt; am nördlichen Ende von Quiriquina sind
sie unter einem Winke] von 30°, und am südlichen Ende unter Win-
keln, welche von 15 bis 40° variiren, emporgerichtet worden; diese
Dislocationen müssen unter dem Meere stattgefunden haben.

Eine Sammlung von Muscheln von der Insel Quiriquina ist von
xv beschrieben worden: sie sind alle ausgestorben und aus ihren
generischen Merkmalen schlosz d'Oebignt, dasz sie tertiären Ursprungs
seien; es sind dies die folgenden:

1. Scdlaria chilt           Obb. Voyage. 8. Cardium acuti<         <m d'Ohb

Part. Pal.

2.  Xatü                l d'Ohb.

3.  Natica australis d'Obb.
1. 1                      d'Obb.

5.  Pi/rula l            -<i d'Orb.

6.  Ph        um arme        d'Obb.

Voyage, Pal.
9. Venus a         'Obb.

10.  Mactra Cecikana d'Obb.

11.  Mactra araucana d'Orb.

12.  Area araucana d'Obb.

13.  Nucula LargiUicrti i>'Orb.

7.         ium auca d'Obb.                         14. Trig                    a d'Obb.

Während eines zweiten Besuches des Beagle in Concepcion sam-
melte Mr. Kent für mich etwas verkieseltes Holz und Muscheln aus
den Concretionen im Sandstein von Tome, eine kurze Strecke nördlich
i Lirguen gelegen; sie bestehen aus:

1.  Natica australis d'Obb. Voyage,

Pal

2.  Mactra am       a d'Obb.

3.  Trigoma San        < d'Obb.

n, Fragmente wahrscheinlich

kommen, um beschrieben zu wer-
den.

5. Baculites vagina E. Fobbeb, Taf. V,
Fig. 3.

G. Nautilus cVOrbignyanus E. Fobbes,

zweier Species, aber zu unvoll-            Taf. V, Fig. I (a) und 1 (h).

Auszer diesen Muscheln fand Captain Bei.hier10 hier einen Am-
moniten, nahezu drei Fusz im Durchmesser, und so schwer, dasz er
ihn nicht fortbringen konnte; Fragmente davon sind im Haslar Hospital
niedergelegt: er fand auch die verkieselten Wirbel irgend eines sehr
groszen Thieres. Nach der Identität in der mineralogischen Beschaffen-
heit der Gesteine, und nach Captain Belcher's minutiöser Beschreibung
der Küste zwischen Lirguen und Tome gehören die Fossile führenden
Concretionen dieses letzteren Ortes sicher zu derselben Formation wie
die von mir selbst bei Lirguen untersuchten Schichten; und diese wieder

10 „Zoology of Capt. Belcher's Voyage", p. 163.

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Cap. 5.                                      Concepcion.                                          139

sind ohne Zweifel die nämlichen wie die Schichten von Quiriquina;
überdies sind die ersten drei von den Muscheln von Tome, obschon
sie in den nämlichen Concretionen mit dem Baculiten zusammen vor-
kommen, identisch mit den Species von Quiriquina. Es gehören daher
der siimmtlicbe Sandstein und die Braunkohlen führenden Schichten
in dieser Nähe sicher zu einer und derselben Formation. Obschon die
ttungscharactere der Quiriquina-Fossilen d'Orbignt naturgemäsz zu der
Annahme führten, dasz sie tertiären Ursprungs seien, so müssen wir,
da wir sie jetzt mit dem Baculitt igina und mit einem Ammoniten
in Gesellschaft finden, nach der Meinung von d'Orbigxv und wenn wir
uns durch die Analogie der nördlichen Hemisphäre leiten lassen, die-
selben zum System der Kreide rechnen. Überdies ist der Baculites
vagina, welcher in einem leidlichen Erhaltungszustände ist, wie Prof.
E. Forbes bemerkt, allem Anscheine nach sicher mit einer Species
identisch, welche er aus Pondicherry so genannt hat, wo sie mit zahl-
reichen, entschieden der Kreide angehörigen Species vergesellschaftet
ist, welche am meisten den Formen aus dem unteren Grünsand oder
Xeocom sich nähern: diese Thatsache ist in Anbetracht der Ungeheuern
Entfernung zwischen Chile und Indien wirklich überraschend. Ferner
ist der Nautilus d'OrbtgnyanuSi soweit sein unvollkommener Erhaltungs-
zustand einen Vergleich zuläszt, wie mir Prof. Forbes mitgetheilt hat,
sowohl in seiner allgemeinen Form als in der seiner Kammern zwei
Arten vom obern Grünsand ähnlich. Es mag hinzugefügt werden, dasz
eine jede von den oben genannten Gattungen von Quiriquina, welche
einen augenscheinlich tertiären Character haben, in den Schichten von
Pondicherry gefunden wird. Es bestehen indessen einige Schwierigkeiten
bei dieser Ansicht, dasz die Formation bei Concepcion der Kreide an-
gehöre, welche ich später erwähnen werde; ich will hier nur angeben,
dasz das Ca                ca auch bei Coquimbo gefunden wird, an welchem

Orte die Schichten, wie nicht bezweifelt werden kann, tertiär sind.

Na vi d ad11. — Die Formation von Concepcion erstreckt sich eine
Strecke nach Xorden, wie weit aber, weis/ ich nicht; denn der nächste
Punkt, an dem ich landete, war Navidad, 100 Meilen nördlich von
Concepcion und sechzig Meilen südlich von Valparaiso. Die Klippen

11 Ich wurde durch dm Kapport über Gay's geologische Untersuchungen in
den Annales des Sciences natur. (1. Ser.) Tom. 28 auf diese Localität hingeführt.

*

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Tertiärformationen.

Cap. 5.

sind hier ungefähr 800 Fusz hoch: sie bestehen, wo ich sie nur immer
untersuchen konnte, aus feinkörnigem gelblichen erdigen Sandstein mit
eisenschüssigen Adern und mit Concretionen von hartem kalkigen
Sandstein. An einer Stelle fanden sich viele Qeschiebe von den ge-
meinen metamorphischen Porphyrarten der Cordillera, und in der Nähe
der Basis der Klippen beobachtete ich einen einzelnen abgerundeten
erratischen Block von Grünstein, nahezu einen Yard im Durchmesser.
Ich verfolgte dies»' Sandsteinformation unter der oberflächlichen Decl>
von Geröll eine Strecke weit landeinwärts: die Schichten sind unbedeu-
tend von der See nach der Cordillera zu geneigt, was augenscheinlich
dadurch verursacht worden ist, dasz sie gegen oder rund um vor-
liegende Massen von Granit angehäuft worden sind, von dem einige
Spitzen in der Nahe der Küste vorspringen. Der Sandstein enthält
Fragmente von Holz entweder im Zustande der Braunkohle oder theil-
weise verkieselt, Haifischzahne und Muscheln in gTOSzer Anzahl, so-
wohl hoch oben als tief unten an den Meeresklippen. Pectuncidi
und Oliva waren den Individuen nach am zahlreichsten, ihnen zunächst
kamen TurriteÜa und Fusus. Ich sammelte in einer kurzen Zeit,
obgleich ich von Unwohlsein zu leiden hatte, die folgenden einund-
dreiszig Species, welche sämmtlich ausgestorben sind und von denen
mehrere Gattungen gegenwärtig (wie wir später sehen werden) auch
nicht annähernd so weit nach Süden reichen:

1.  Gastridiwn cepa G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 08, 69.

2.  MonoceroSj Fragmente, von d'Obbigny für eine neue Species gehalten.

3.   Valuta alta G. U. Sow., Taf. IV, Fig. 75 (von d'Orbiökt für Terschie-

den von der V. alta von Santa Cruz gehalten).

4.   Voluta triplicata G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 74.

5.  Oliva dimidiata G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 76, 77.

6.  Pleurotoma discora G. B, Sow., Taf. IV, Fig. 54.

7.  P. turbinettc G. B. Sow, Taf. IV. Fig. 53.

8.  Fu         tbreßexm 6. B. Sow., Taf. IV, Fig. 57.

9.  J-\ pyrulifortm G. B. Sow., Taf. IV, Fig. 5(5.

10.  Fusus, mit F, vulgaris verwandt, Taf. IV, Fig. 55 (von d'Obbigky für

eine verschiedene Species gehalten).

11.  TurriteÜa suturalis G. B. Sow., Taf. III, Fig. 50.

12.  T. patagonica G. B. Sow., Taf. III, Fig. 48 (Fragmente).

13.  Trochus /"< G. B. Sow., Taf. III. Kg. 46, 47.

14.  Tr. collaris G. B. Sow., Taf. III, Fig. 44, 45 (von d'Obbigot für Jagend-

form von Tr. latvis gehalten).

15.  '                    r G. !:. Sow., Taf. IV, Fig. 65,

16.  l'uruin distam G. B. Sow., Tat". IV, Fig, 61.

17.   T\            rueulosua G. B. Sow.. Taf. IV. Fig. I

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. 5.

Navidad.

V.H

18. Sigaretus stibgl                             Taf. III. Fig, 36, 37.

19 !                    G. B. Sow., Taf. III. Fig. W, II (es ist zweifelhaft, ob

die JN        >la von Santa '_'ruz dieselbe Species wie diese ist).

2". Tert                fera G. B. Sow., Taf. IV. Pig, 72. 73.

21.   r. -        ata G, B. Sow., Taf. IV, Fig. 70, 71.

22.  /;;>//>/. Fragmec

23.  Dwrfaft riganteum G. B. Sow., Taf. II. Fig. 1.

24.  D. $u)          G. B. Sow., Taf. II. Fig. 2.

25.  C                       to G. B. Bow, Taf. II, Fig. 11.

26.  Cardium multir um G. B. Sow., Taf. II. Fig. 16.

27.   Vom mt                G. B. Sow., Taf. II, Fig. 13.

28.  Pectwnculus dispar (?) Desh. (von D'OaBxam für eine verschiedene

Species gehalten).
). 30. Cytheraea und Maetrat Fragmente (von d'Orbkjny für neue Species

gehalten).
l. Pecten, Fragmente.

Coquimbo. — Auf mehr als zweihundert bleuen nach Norden
von Navidad besteht die Küste aus plutonischen und metamorphischen
Gesteinsarten mit Ausnahme einiger völlig unbedeutender oberfläch-
licher Schichten von recentem Ursprünge. Bei Tonguay, fünfund-
zwanzig Meilen südlich von Coquimbo, beginnen wieder tertiäre
Schichten. Ich habe bereits im zweiten Capitel die stufenförmigen
Ebenen von Coquimbo minutiös beschrieben, ebenso die oberen kalkigen
Schichten (von zwanzig bis dreiszig Fusz Mächtigkeit), welche Mu-
scheln recenter Species enthalten, aber in verschiedenen Verhältnis-
zahlen von den jetzt am Strande vorkommenden. Es bleiben nur die
darunterliegenden alten tertiären Schichten zu beschreiben übrig, die
in der folgenden Zeichnung (hier wieder abgedruckt) durch die Buch-
staben F und E bezeichnet werden:

Fig. 23.

Ol            ifl dar Kbene S            « über dem M

V ->!§?€=0-:i:-:2

Ueorasstegel.

F Unterer Sandst. in mit Oncretionen und verkieselten |

— ,                                                               / mit fossilen, aammtlicn

Knochen,                                                           f              . '

E Oberer eisenschSasigei Sandstein mit zahlreichen . oder bemane *ue' aus"
Balanon                                                            j gestorbenen Muscheln.

C und D Kalkige Schichten mit recenten Muscheln.

A Geschichteter Sand in einer Schlucht, gleichfalls mit recenten Muscheln.

Durchschnitt der Tertiärformation bei Coquimbo.

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192                                       Tertiärformationen.                                   Ca]

Ich erhielt gute Durchschnitte der Schicht V nur in der Herra-
dura-Bucht: sie besteht aus weichem weiszlichen Sandstein, mit eisen-
haltigen Ädern, einigen Granitgeschieben und concretionären Schichten
von hartem kalkigen Sandstein. Diese Concretioncn sind merkwürdig
wegen der groszen Anzahl groszer verkieselter Knochen, augenschein-
lich von walfischartigen Thieren, welche sie enthalten, und gleichfalls
von Zähnen eines Haifisches, welche denen des Carcharias megalodon
sehr ahnlich sind. Muscheln der folgenden Species, von denen die
riesenhafte Auster und Perna die augenfälligsten sind, sind in den
Concretionen zahlreich eingeschlossen:

1.  Bulla amhigna d'Ord., Voyage, Pal.

2.  Monoccros BlainvtUii d'Obb.

3.  Cardium auca d'Orb.

4.  Panopaea coquin.           d'Obb.

5.  Perna Gattdichauäii d'Orb.

6.  Artru-         nderosa; Mr. Sowerby kann kein Merkmal finden, welches

diese fossile Art von der recenten A. po             unterscheidet; es ist

sicher eine A>       -, wie es der Manteleindruck ergibt,

7.  ' i pata            ?) Mr. Sowerby kann kein Unterscheidungsmerkmal

zwischen dieser und der für die patagonische Formation so eminent
characteristischen Art nachweisen; er will aber nicht zu behaupten
wagen, dasz sie identisch sind.

8.  Fragmente           Venus und Natica.

Die Klippen an der einen Seite der Herradura-Bucht sind mit
einer Masse von geschichteten Geröllsteinen bedeckt, welche ein wenig
kalkige Substanz enthalten, und ich zweifelte zuerst nicht daran, dasz
sie zu der nämlichen neueren Formation gehörten wie das Geröll auf
den umgebenden Ebenen, welches gleichfalls durch kalkige Substanz
cementirt ist, bis ich zu meiner Überraschung in der Mitte ein ein-
zelne dünne Schicht fand, welche beinahe gänzlich von der obigen
riesenhaften Auster gebildet war.

Eine geringe Strecke landeinwärts erhielt ich mehrere Durch-
schnitte der Schicht (E), welche% obschon sie im Ansehen von der
unteren Schicht (Vi verschieden ist, doch zu der nämlichen Formation
gehört: sie besteht aus einer in hohem Grade eisenschüssigen sandigen
Masse, die beinahe ganz, wie die unterste Schicht bei Port S. Julian,
aus Balaniden-Fragmenten zusammengesetzt ist; sie enthält einige
Rollsteine und Schichten gelblich-braunen Schieferlettens. Die ein-
geschlossenen Muscheln bestehen aus:

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Cap. 5.                               Von *Joquimbo bis Copia]                                       ji

1.  M               B         Km j'Orb., Voyage, Pal.

2.  -V                G. B. Sow., Taf. IV,                67.

3.  Anoh                 nt G. B. Sow., Taf. II           25.

4.  Peeteti ruäia G. B. Sow., Taf. III. Fig. 32.

i Gaudxchaudii d'Obb., Voyage, Pal.
Irea patagonica (?) id.

7.  Ostrea, eine kleine Art in unvollkommenem Krhaltungszustande; sie er-

schien mir einer kleinen jetzt in der Bucht lebenden, aber
tenen Art gleich.

8.  Mytilus chiloi                      ebbt kann, soweit der nicht sehr vollkommene

Erhaltungszustand ein*' Vergleichung gestattet, kein Unterscheidungs-
merkmal zwischen dieser fossilen und der recenten Species finden.

9.  B                umbensis G. B. Sow., Taf. II. Pig 7.

10. Bai        psittaeus King (?). Er scheint Mr. Sowebby und mir selbst

mit einer sehr groszen und häufigen, jetzt an der Küste lebend« n
Art identisch zu sein.

Die obersten Schichten dieser eisenhaltigen sandigen Masse wer-
den von der kalkigen Substanz der Schicht (D), Losa genannt, con-
form bedeckt und bis zur Tiefe von mehreren Zollen imprägnirt: ich
bildete mir eine Zeit lang ein, dasz ein allmählicher Übergang zwischen
ihnen stattfinde; da aber sämmtliche Species in der Schicht (D) recent
sind, während die charakteristischsten Muscheln der obersten Schichten
von (E) die ausgestorbenen Perna, Pecten und Monoceros sind, so
stimme ich mit d'Obbignt überein, dasz diese Ansiclit irrig ist, und
dasz nur ein mineralogischer Übergang zwischen ihnen besteht, and
kein allmählicher l'bergang in der Natur ihrer organischen Reste.
Auszer den vierzehn aus diesen zwei unteren Schichten aufgezählten
Species hat d'Obbignt noch zehn andere ihm aus dieser Örtlichkeit
gegebene Species beschrieben, nämlich:

1.  Fusus Clcryanua d'Obb., „Vo}'age,

Pal."

2.  F. Petitianus d'Obb.

3.   Venus Honetiinia d'Orb.

4.    V. incerta (?) d'Obb.

5.    V. Cleryana d'Obb.

6.   Venus Petitiana d'Obb., „Voyage,

Pal."

7.   Venus chüensis d'Obb.

8.  Solecurtun Hanetianus d'Obb.

9.  Mactra auca, d'Orb.
10. Olira serena d'Orb.

Diese vierundzwanzig Muscheln sind sämmtlich ausgestorben, mit
Ausnahme nach Mr. Sowerhy von Artemis ponderosa Mytilus chiloen-
-, und wahrscheinlich des groszen Baianus.

Von Coquimbo bis Copiapo. — Einige wenige Meilen nörd-
lich von Coquimbo traf ich auf die eisenhaltige, Balanen führen

DARW1.V, Süd-America. (XII, 1.)                                                                        13

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194                                     Tertiärformationen.                                 C»P- 5.

Masse (E) mit vielen verkieselten Knochen; mir wurde mitgetheilt,
dasz diese verkieselten Knochen auch bei Tonguay südlich von Co-
miimbo vorkommen: ihre Anzahl ist sicher merkwürdig und sie scheinen
die Stelle des verkieselten Hohes einzunehmen, welches an den Küsten-
formationen des südlichen Chile so gemein ist In dem Thale von
Chaneral sah ich wiederum die nämliche Formation mit den neueren
kalkigen Schichten bedeckt. Ich verlies/ hier die Küste und sah nichts
mehr von den tertiären Formationen bis ich bei Copiapo wieder an
das Meer herabstieg; hier fand ich an einer Stelle verschieden gefärbte
Schichten von Sand und weichem Sandstein, mit Säumen von Gyps,
und an einer andern Stelle eine zerbröckelte muschelige Masse mit
Schichten von Tripel und Säumen von Gyps, welche viele ausgestor-
bene gigantische Austern enthielten: Schichten mit diesen Austern sollen
auch bei English Harbor einige wenige Meilen nördlich von Copiapo
vorkommen.

Küste von Peru. — Mit Ausnahme der recente Muscheln ent-
haltenden Ablagerungen von völlig unbedeutenden Dimensionen sind an
dieser Küste keine tertiären Bildungen auf einer Strecke von zweiund-
zwanzig Breitengraden nördlich von Copiapo beobachtet worden, bis man
nach Payta kommt, wo eine beträchtliche kalkige Ablagerung vor-
handen sein soll: einige wenige Fossile sind von d'Okbigni von diesem
Orte beschrieben worden:

1.   Rosteilxria Gaudichaudü d'Obb. „Voyage, Pal."

2.  Pectunculus paytemis h'Okb.

3.   Venus Petitiana d'Orb.

I. Osi                            Diese grosze Auster (von der mir Exemplare gegt

wurden) kann Mr. Soweebt von einigen der Varietäten von Patagonien
nicht unterscheiden, obgleich es gewagt sein würde, behaupten zu
wollen, dasz sie mit dieser Species oder mit der von Coquimbo iden-
tisch sei.

Schluszbemerkungen. — Die in diesem Capitel beschriebenen
Formationen sind, was ChiloS betrifft und wahrscheinlich auch bei
Concepcion und Navidad, augenscheinlich in von submarinen Rücken,
welche den alten Ufern des Continents sich parallel erstreckten,
bildeten Trögen angesammelt worden; was die Inseln Mocha und Huafo
betrifft, so ist es in hohem Grade wahrscheinlich, und in Bezug auf
Ypun und Lenins beinahe sicher, dasz         rund um isolirte felsige

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Cap. 5.                                Schluszbemerkungen.                                    ]p

D

oder Keine in derselben Art und Weise angehäuft wurden.
wie Schlamm und Sand sich jetzt rund um die auszen vorliegenden
[nselchen und Riffe im westindischen Archipel ansammelt. Es folgt
daher, wie ich bemerken will, hieraas nicht, das/, die vorliegenden
tertiären Massen von Mocha und Huafo jemals in demselben Niveau
mit den Formationen auf dem Festlande continuirlieli verbunden waren,
obschon sie von gleichzeitigem Ursprünge gewesen und später bis zu
derselben Höhe emporgehoben worden sein können. Tn den mehr nach
Norden gelegenen Theilen von Chile scheinen die tertiären Schichten
getrennt in Buchten angehäuft worden zu sein, welche jetzt die Mün-
dungen von Tliälern bilden.

Die Beziehung zwischen diesen verschiedenen Ablagerungen an
den rinn des Stillen Oceans ist nicht nahezu so deutlich wie bei den
tertiären Bildungen auf den atlantischen Küsten. Nach der Form und
der Höhe des Landes zu urtheilen (ein Beweismaterial, welches meiner
Ansicht nach hier viel zuverlässiger ist, als es auf solchen durch-
brochenen Continenten wie dem von Europa sein kann), nach der Iden-
tität der mineralogischen Zusammensetzung, nach dem Vorhandensein
von Bruchstucken von Braunkohle und von verkieseltem Holz und
reichlich eingeschalteten Schichten unvollkommener Steinkohle um
ich glauben, dasz die Küstenbildungen von dem centralen Chiloe an
bis nach Concepcion auf einer Entfernung von 400 Meilen desselben
Alters sind: aus nahezu ähnlichen Gründen vermuthe ich, dasz die
Schichten von Mocha, Huafo und Ypun gleichfalls der nämlichen Periode
angehören. Die gemeinste Muschel in Mocha und Huafo ist dieselbe
Species von Turriteßa, und ich glaube eine und dieselbe Oytherea wird
auf den Inseln Huafo, Chiloe und Ypun gefunden; aber mit diesen
unbedeutenden Ausnahmen sind die an diesen Orten gefundenen organi-
schen Reste verschieden. Die zahlreichen Muscheln von Navidad, mit
Ausnahme von zweien, nämlich dem bei Ypun gefundenen Siga
und TurrUella, sind gleichfalls von den auf irgend einem anderen Theile
dieser Küste gefundenen verschieden. Coquimbo hat Cardium auca
mit Concepcion gemeinsam und Fusus Cleryanus mit Huafo; ich will
hinzufügen, dasz Coquimbo Venus Petitiana und eine riesenhafte Auster
(welche nach d'Orbigni auch etwas südlich von Concepcion gefunden
werden soll) mit Payta gemeinsam hat, obschon dieser letztere Ort
zweiundzwanzig Grad nach Xorden von 27° s. Br. gelegen ist, bis zu
welchem Punkte die Formation von Coquimbo sich erstreckt.

13*

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llti;

Tertiärformatioii

Cap. 5.

Nach i n Tbatsaehen und nach der Gattimgsübereinstimmung
der Fossilen von den verschiedenen Localitiiten kann ich die Vermuthung
nicht vermeiden, das e alle zu nahezu derselben Epoche gehören,
welche Epoche, wie wir sofort sehen werden, eine sehr alte tertiäre
sein musz. Da aber der Baculites, besonders in Anbetracht seiner
augenscheinlichen Identität mit der Species von Pondicherry aus der
Kreide, und das Vorhandensein eines Ammonües und die Ähnlichkeit
des Nautilus mit zwei Arten aus dem oberen Grünsande zusammen
sehr starke Belege dafür darbieten, das/ die Formation bei Concepcion
eine secundäre ist, so will ich in meinen Bemerkungen über die Fos-
silen von den anderen Localitäten besonders betrachten diejenigen von
Concepcion und vom östlichen Chiloe, welche, was auch immer ihr
Alter sein mag, mir zu einer Gruppe zu gehören scheinen. Ich musz
indessen wiederum auf die Thatsacbe aufmerksam machen, dasz das

dium 'iura sowohl bei Concepcion als auch in den unzweifelhaft
tertiären Schichten von Coquimbo gefunden wird; auch darf die
Möglichkeit nicht übersehen werden, dasz, ebenso wie ZWoma, ob-
sclion sie in der nördlichen Hemisphäre nur als ein secundäres Genus
bekannt ist, lebende Repräsentanten in den australischen Meeren hat.
auch ein Baculites, Arnim.         und eine Trigonia in diesem entfernten

Theile des südlichen Oceans bis zu einer etwas späteren Periode leben
geblieben sein können, als nördlich vom Äquator.

Ehr ich die Fossilien von den anderen Localitiiten durchmustere,
verdienen noch zwei Punkte in Bezug auf die Formation zwischen Con-
cepcion und Chiloe Erwähnung. Zuerst, dasz sie, obschon die Schichten
meist horizontal sind, in Chiloe in einer Reihe von parallelen antiklini-
schen und monoklinischen Linien, die von Norden nach Süden ziehen.
emporgehoben worden sind, — in dem Districte bei P. Runiena durch
acht oder neun weit sich ausdehnende äuszerst symmetrische mono-
klinische Linien, die nahezu von Osten nach Westen ziehen, — und
in der Umgebung von Concepcion in weniger regelmäszigen einzelnen
Linien, die sowohl von Nordosten nach Südwesten als von Nordwesten
nach Südosten ziehen. Diese Thatsache ist von einigem Interesse, da
de zeigt, dasz innerhalb einer Periode, welche in Bezug auf die Ge-
schichte des Continents nicht als sehr alt angesehen werden kann, die
Schichten zwischen der Cordillera und dem stillen Ocean in derselben
verschieden gerichteten Art und AVeise durchbrochen worden sind, wie

die alten plutonischen und metamorphischen Gesteine in dem niim-

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Alter tierseil

107

liehen District sind. Her zweite Punkt ist.                 Sandstein /wischen

ipeion und dem südlichen Chiloe überaD Braunkohlen führend
ist und viel verkieseltes Holz enthalt, wahrend die Formationen im
nördlichen Chiloe keine Schichten von Braunkohle oder Steinkohle ent-
halten und an Stelle der Fragmente von verkieseltem Holz dort ver-
kieselte Knochen vorhanden sind. Nun ist heutigen Tages das Land
vom Cap Hörn bis in die Nähe von Concepcion gänzlich von Wäldern
verhüllt, welche hei Concepcion dünner werden und im centralen und
nördlichen Chile gänzlich verschwinden. Dieses Zusammentreffen in
der Vertheilung des fossilen Holzes und der lebenden Wälder mag
völlig zufällig sein; ich bin aber geneigt, hierüber eine verschiedene
Ansicht zu vertreten. Denn da die Verschiedenheit im Clima, von
welcher das Vorhandensein von Wäldern abhängt, hier offenbar zum
hauptsächlichsten Theile Folge der Form des Landes ist und da die

rdillera ohne Zweifel existirte als die Braunkohlen führenden Schich-
ten angehäuft wurden, so stelle ich es mir als nicht unwahrscheinlich
vor, dasz das Clima während der Braunkohlen führenden Periode an ver-
schiedenen Theilen der Küste in einer etwas ähnlichen Art und Weise
variirte, wie es dies jetzt thut. Blicken wir auf eine frühere Periode,
wo sich die Schichten der Cordillera ablagerten, so fanden sich Inseln,
welche selbst in der Breite des nördlichen ChiloS, wo jetzt Alles un-
fruchtbare Wüste ist, grosze Coniferenwälder trugen.

In dem vorliegenden Bande und in dem paläontologischen Theile
von d'Obbiont's „Voyage" sind neunundsiebenzig Species von fossilen
Muscheln in einem erträglich erkennbaren Zustande von der Küste-
von Chile und Peru beschrieben worden: wenn wir auf die eine Seite
die zwanzig Species legen, welche ausschlieszlich bei Concepcion und

iloe gefunden sind, so bleiben neunundfünfzig Species von Navidad
und den andern speciell angeführten Örtlichkeiten übrig. Von diesen
neunundfünfzig Species sind nur eine Artemis, ein Mytilus und ein
Baianus, sämmtlich von Coquimbo (nach der Meinung von Mt.Soweeby,
aber nicht nach der von d'Orbigny), mit lebenden Muscheln identisch,
und es würde sicher eine bessere Reihe von Exemplaren erfordern, um
diese Folgerungen sicher zu stellen. Nur die TurriteUa ckilensis von
Huafo und Mocha, die T. patagonica und Venus meridionalia von
Navidad kommen recenten südamericanischen Muscheln nahe, nämlich
die beiden Turritellen der T. cingulota und die Venus der Venus
exalbida: einige wenige andere Species kommen weniger nahe, und

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log

Tertiärfonnatii'iK'ii.

Cap. 5.

einige wenige sind Formen in den älteren europäischen Tertiärablage-
rangen ähnlich: keine von den Species sind secundären Formen ähn-
lich. Ich bin daher der Meinung, dasz man darüber nicht zweifeln
kann, dasz diese Formationen tertiär sind, ein Punkt, den man nach
dem Falle von Concepcion uothwendig in Betracht ziehen musz. Die
neunundfünfzig Species gehören zu zweiunddreiszig Gattungen, von

Gati tngen mit leben-

Breiten, in welchen sie Südlichste Breite, in der sie

den und teil

d Spe-

>il an den Küsten

lebend an der Westküste von

cies an der Westküf

von Chile und Peru

td-Am gefunden worden

von S&d-America 12.

D worden sind.

sind.

Bül

 

30° bis l 12° in der Nähe von Lima

ln 37'

Cassis . .

 
   

34° (und 36° 30' bei 5° Payta

Cor on)

   

H

23" Mexilloi beint in der
MageUan-Strasze wieder

   

Pli

±

2° 1

J'<

1" 5° Payta

*

Sigaretus

* *

12° Lima

An

30°

7° 48'

   

30°

1" 23' Xixappa
5° Payta

Cardx

4

;"(und36030' 1

   

bei Con n)

.

5° Payta

Voluta . .

 

31 bi

Mr. ' i mino kennt keine Sp
cies. welche an der West-

   
 

t

 

* *

küsto zwischen dem Aquat
und 43° s. Br. lebt; von

 

*

dieser Breite an wird eine
Art südwärts bis zum Fener-

     

lande gefunden.

diesen is1 Gastridium ausgestorben, und drei oder vier von den Gat-
tungen (nämlich Pam t, BosteUaria, Corbis? und ich glaube Sol
curtus) werden gegenwärtig an der Westküste von Süd-America nicht
gefunden. Fünfzehn von den Gattungen haben an dieser Küste lebende
Repräsentanten in ungefähr denselben Breiten wie die fossilen Arten;
aber zwölf Gattungen haben jetzt eine sehr verschiedene Verbreitun

12 d'Orbignv gibt an. das/ die Gattung Natica nicht an der Küste von
Chile gefanden wird; aber Mr. Cuming fand sie bei Valparaiso. Scälariawurde
bei Valparaiso, Area bei Iqniqne in 208 . Bi\ von Mr. Cuming gefunden. Area
fand auch Capt King bei Juan Fernandez in                  Hr.

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Cap. "                                     Alter derselben.                                       i<i»i

n ihrer früheren. Die Idee zu der Tabelle auf der gegenübersteht
den Seite, auf welcher die Verschiedenheit zwischen der Verbreite
in geographischer Breite der fossilen und jetzt lebenden Speciea gezeigt
wird, ist aus D'ORBiGNY'a Werk entnommen, aber die Verbreitung der
lebenden Muscheln wird nach der Autorität von Mr. Cüminq mitge-
theilt, dessen lange fortgesetzte Untersuchungen über die Conchologie
von Sfel-America bekannt sind.

Wenn wir betrachten, dasz sehr wenig, wenn Überhaupt welche,
von den neunundfünfzig fossilen Muscheln identisch mit lebenden S]>
sind oder ihnen Überhaupt nahe kommen, wenn wir betrachten, das/,
einige von den Gattungen jetzt nicht an der Westküste von Sü<l-
An i existiren, und dasz nicht weniger als zwölf Gattungen um
den zweiunddreiszig früher eine sehr versrhiedene Verbreitung von der
der existirenden Species derselben Gattungen hatten, so müssen wir
annehmen, dasz diese Ablagerungen von beträchtlichem Alter sind und
dasz sie wahrscheinlich auf den Beginn der tertiären Zeit hinweisen.
Dürfen wir nicht die Annahme wagen, dasz sie von nahezu gleicli-
alterigem Ursprünge sind mit den eocenen Formationen der nördlichen
Hemisphäre?

Vergleichen wir die fossilen Reste von der Küste von Chile (wo-
bei wir. wie früher, Concepcion und Chiloe weglassen) mit denen von
Patngonien, so können wir aus ihrer allgemeinen Ähnlichkeit und aus
der kleinen Anzahl derjenigen Species. welche von beiden Küsten den
lebenden Formen sehr nahe kommen, schlieszen, dasz die Formationen
von beiden Örtlichkeiten, nahezu derselben Epoche angehören, und dies
ist auch die Meinung von t>'Orbigxy. Wäre nicht ein einziges Fossil
den zwei Küsten gemeinsam zugehörig, so hätte man nicht folgern
können, dasz die Formationen verschiedenen Altern angehörten; denn
die Herren Cujuno und Hinks haben nach der Vergleichung von
nahezu zweitausend lebenden Species von den entgegengesetzten Seiten
\<<n Süd-America nur eine, nämlich die Purpura lapiüus beiden

iten des Isthmus von Panama gemeinsam gefunden: selbst die von
mir selbst zwischen den Chonos-Inseln und an der Küste von Pata-
gonien gesammelten Mus« hei» sind nicht ähnlich, und wir müssen bis
zur Spitze des Continents hinabgehen, bis zum Feuerlande, um die
zwei groszen conchologischen Provinzen sich in eine vereinen zu sehen.
Es ist daher merkwürdig, dasz vier oder fünf von den fossilen Mu-
Beheln von Xavidad, nämlich Valuta alta, TurriteUa patagoni

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oqq                                     Tertiärformationen.                                 Cap. 5.

Trochus collaris, Venus m malis vielleicht Natica solida and
vielleicht die grosze Auster von Coquimbo, von Mr. Soweebs für iden-

h mit Species von Santa Cruz und I'ori Desire angesehen v
den. h'Orbignt gibt indessen die vollständige Identität nur für den
Trochus zu.

Über die Temperatur der Tertiärperiode. — Da die
Anzahl der fossilen Arten und Gattungen von den westlichen und öst-
lichen Küsten beträchtlich ist, wird es interessant sein, dir wahr-
scheinliche Beschaffenheit des Clima's zu betrachten, unter welchem
sie lebten. Wir wollen zuerst den Fall von Xavidad in 34° s. Br.
nehmen, wo einunddreiszig Species gesammelt wurden, welche wie wir
sofort sehen werden, seichtes Wasser bewohnt haben müssen und da-
her nothwendiger Weise die Wirkungen der Temperatur darbieten
werden. Wenn wir uns zu der auf der vorigen Seite gegebenen Tabelle
wenden, so finden wir, dasz die jetzt existirenden Species der Gat-
tungen Cassis, Pifrula Pleurotoma, Terebra und Sigai . welche
allgemein (wenn auch durchaus nicht ausnahmslos) für wärmere Breiten
characteristisch sind, heutigen Tages auch nicht annähernd so weit
nach Süden an dieser Küstenlinie reichen, wie es die fossilen Species
früher thaten. Schlieszen wir Coquimbo mit ein, so findet sieh Peru
in derselben Lage. Der erste Eindruck, den diese Thatsache macht,
ist, dasz das Clima früher wärmer gewesen sein musz, als es jetzt ist.
Wir müssen aber, wenn wir dies zugeben vorsichtig sein ; denn Oar-
dium, Bulla und Fusus (und, wenn wir Coquimbo mit einschließen,
Anomia und Artemis) reichten früher gleichfalls weiter nach Süden
als sie es jetzt thun; und da diese Gattungen bei Weitem nicht charac-
teristisch für heisze Climate sind, könnte ihre frühere beträchtlicher
südliche Verbreitung von Ursachen herrühren, die vom Clima voll-

ndig verschieden sind: ohschon ferner Voluta allgemein eine so
tropische Gattung ist, ist sie gegenwärtig an der westlichen Küste
auf kältere oder südlichere Breiten beschränkt, als sie während der
Tertiärperiode war. Überdiesz reichten Trochus coUaris und, wie wir
soeben nach der Angabe Mr. Sowerby's gesehen haben, zwei oder
drei andere Species früher von Navidad so weit südlich, wie Santa

iz, in 50° s. Br. Wenn wir, anstatt die Fossilen von Navidad,
wie wir es bis jetzt gethan haben, mit den jetzt an der Westküste
von Süd-Amerika lebenden Muscheln zu vergleichen, dieselben mit den

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Temperatur der TfertiSrperiode.                                >l

in anderen Theilen der Welt unter nahezu ähnlichen Breitengraden
gefundenen vergleichen, wie z. B. in den südlicheren Theilen d
mittelländischen Meeres oder von Australien, so rinden wir keine Be-
lege dafür, dasz das Meer auf der Höhe von Navidad früher warmer
war, ;il es seiner Breite nach hätte erwartet worden können,
selbst wenn es etwas wärmer wäre, als es jetzt ist. wo es durch
den groszen südlichen Polarstrom abgekühlt wird. Mehrere der am
meisten tropischen Gattungen haben bei Navidad keine Repräsentanten
unter den Fossilen; und es linden sieh nur einzelne Species von
Fyrula und Sigaretus, zwei von Pkurotoma und zwei von 7         /.

aber keine von diesen Species sind von einer auffallenden Orösze. In
Patagonien finden sich selbst noch weniger Beweise in dem Character
der Fossilen dafür, dasz das Clima früher wärmer gewesen wäre.13
Da naeli den verschiedenen bereits angeführten Gründen daran nur
wenig gezweifelt werden kann, dasz die Formationen von Patagonien
und wenigstens von Navidad und Coquimbo in Chile die Äquivalente
einer älteren Stufe in den Tertiärformationen der nördlichen Hemisphäre
sind, so scheint mir die Schluszfolgerung. dasz das Clima der südlichen
Meere in dieser Periode nicht wärmer war. als sich nach der Breite
eines jeden Ortes hätte erwarten lassen, in hohem Grade bedeutungs-
voll zu sein; denn wir müssen in Übereinstimmung mit den Ansichten
von Lyell annehmen, dasz die Ursachen, welche den älteren tertiären
Krzeugnissen der vollständig temperirten Zonen \<n\ Europa einen
tropischen Character gaben, von einem localen Character
waren und nicht die ganze Erde afficirten. Anderem
habe ich in den „Geological Transactions* zu /eigen versucht, dasz in
einer viel späteren Periode Europa und Nord- und Süd-Ameri
nahezu gleichzeitig der Wirkung des Kises ausgesetzt waren und in
Folge dessen einem kälteren oder mindestens einem gleichmäßiger
Clima als dem gegenwärtig für dieselben Breiten characteristischen.

Über das Fehlen ausgedehnter neuerer, Muscheln
führender Ablagerungen in Süd-A nie rie a. und über d

« Es dürfte der Erwähnung werth sein, dasz die heutigen Tages an dieser
rlichen Seite von Süd-America in 40° s. Br. lebenden Muscheln vielleicht einen
tropischeren Character haben, als die in den entsprechenden Breiten an den Küsten
von Europa lebenden; denn bei Bahia Bianca und S. Blas finden sich zwei schi
Species von Völuta und vier von OUva.

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202                                      Über das Fehl                                      Cap.

gleiche Älter der älteren Tertiärablagerungen an ver-
schiedenen Punkten als Folge gleichzeitiger Senkungs-

wegungen. — Da wir nach den Untersuchungen von Professor
E, Forbes wissen, dasz Mollusken hauptsächlich in einer Tiefe \

Faden und darunter reichlich leben, und wenn wir im Auge be-
halten, wie viele Tausend Meilen an beiden Küsten von Süd-Ann»-'
innerhalb der recenten Periode durch eine lang . lange fortdauen

rmittirende Bewegung emporgehoben worden sind, — wenn wir die

schiedenartigkeit in der Beschaffenheit der Küsten und die Anzahl
gegenwärtig an ihnen lebenden Muscheln bemerken, -- wenn wir
auch betrachten, dasz das Meer in der Höhe von Patagonien und von
vielen Theilen von Chile während der Tertiärperiode der Anhäufung
Sediment in hohem Grade günstig war. so ist das Fehlen aus-
gedehnter Ablagerungen, welche recente Muschelschalen einschlieszen,
an diesen ungeheuren Küstenstrecken in hohem Grade merkwürdig.
Die Muscheln führenden kalkigen, Schichten bei Coquimbo und, bei
einigen wenigen isolirtenStellen weiter nördlich bieten die auffallendsten
Ausnahmen von dieser Angabe dar, denn diese Schichten haben eine
Mächtigkeit von zwanzig bis dreiszig Fusz. und sie erstrecken sich
einige Meilen der Küste entlang, erreichen indessen nur eine sehr un-
bedeutende Breite. Bei Valdivia findet sich etwas Sandstein mit unvoll-
kommenen Abgüssen von Muscheln, welche möglicher Weise der
recenten Periode angehören könnten: Theile der erratischen Formation
und die Geschiebschichten auf den unteren Ebenen von Patagonien ge-
hören wahrscheinlich dieser nämlichen Periode an. aber keine von
ihnen sind Fossile führend: es trifft sich auch so, dasz die grosze
Pampas-Formation, mit Ausnahme der Azaray keinerlei Mollusken
ein.schlieszr. Es Läszt sich nicht im Geringsten danin zweifeln, dl
die emporgehobenen Muscheln den Küsten des Atlantischen und Stillen
Oceans entlang, mögen sie auf der nackten Oberfläche liegen oder in

le, oder in Sandhügel eingeschlossen sein, im Laufe der Zeit durch
alluviale Thätigkeit zerstört werden: dies wird wahrscheinlich seilet
mit den kalkigen .Schichten von Coquimbo der Fall sein, welche der
Auflösung durch Regenwasser so zugänglich sind. Wenn wir die
Wahrscheinlichkeit von Xiveausehwankungen und die davon abhängende

ätigkeit der Gezeitenwellen auf verschiedenen Höhen in Betracht
ziehen, so wird ihre Zerstörung beinahe sicher erscheinen. Wenn wir
auf eine andere Periode blicken, welche in der Zukunft so weit ent-

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; 5.                         muschelführender Ablagerungen.                            203

fernt liegt, wie wir jetzt von -1er vergangenen Mioeenneriode entfernt

nd, so scheint mir kaum irgend eine Wahrscheinlichkeit vorhanden
zu sein, dasz unter den jetzt existirenden Bedingungen die zahlreichen
gegenwärtig in diesen an Lebensformen so fruchtbaren Tiefenzonen
lebenden Muscheln, welche ausschlieszlich an der westlichen und süd-

-tlichen Küste von Süd-America gefunden werden, bis zu die
imaginären Epoche der Zukunft erhalten werden. Gin ganze conchy-
liologische Reihe wird mit der Zeit zerstört werden, ohne dasz Zeichen
ihrer Existenz in der Erdrinde erhalten würden.

Kanu auf dieses merkwürdige Fehlen recenter, Muscheln führender
Ablagerungen an diesen Küsten, an welchen in einer alten tertiären
Epoche mit organischen Oberresten auszerordentlicb reich ver-
sehene S iten in groszer Ausdehnung angehäuft wurden, irgend
weh.-hes Licht geworfen werden? tch glaube, dasz dies möglich ist,
nämlich durch Betrachtung der zur Erhaltung einer Formation bis in
eine entfernte Zeit nothwendigen Bedingungen. Betrachtet man die
enorme Ausdehnung der Denudation, welche rings um uns her überall
bewirkt worden ist, — wie durch die hohen Felsen bewiesen wird,

i welchen an so vielen Küsten horizontale und einst weit ai
gedehnte Schichten von keinem hohen Alter (wie in dem Falle von

atagonien) abgeschnitten erscheinen, — wie durch die ebene Ober*
fläche des Bodens auf beiden Seiten gröszerer Verwerfungen uud Dis-
locationen bewiesen wird. — ferner durch landeinwärts gelegene
Böschungslinien, durch einzelne hinausliegende Gesteinsreste und zahl-
lose andere Thatsachen, und durch jenes Argument von groszer All-
gemeinheit, welches Lyell vorgebracht hat, nämlich dasz jede Sedi-
ment ä re Formation, was auch ihre Mächtigkeit sein mag und über wie
viele Hunderte von Quadratmeilen sie sich auch erstrecken mag, das
Resultat und das Masz eines gleichraiiszigeu Betrags von Abnutzung
früher eiistirender Formationen ist: ich sage in Anbetracht dieser
Thatsachen müssen wir folgen, dasz der gewöhnlichen Hegel nach eine
Formation, um solchen Ungeheuern zerstörenden Gewalten zu wider-
stehen und bis in eine entfernte Epoche noch bestehen zu bleiben, von
groszer Ausdehnung und entweder in sich selbst oder zusammen mit
darüberliegenden Schichten von groszer Mächtigkeit sein musz. Bei
dieser Erörterung betrachteu wir nur Formationen, welche die Re
von Seethieren enthalten, welche, wie früher erwähnt wurde, mit
einigen Ausnahmen innerhalb (die meisten von ihnen sehr stark inner-

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Über das Fehlen

halb) einer Tiefe von hundert Faden leben. Wie kann nun eine dicke
und weit ausgedehnte Formation angehäuft werden, welche derartige
organische Reste enthalten soll? Wir wollen zuerst den Fall an-
nehmen, wo der Meeresgrund lange auf einem stationären Niveau
blieb: unter diesen Umständen ist es offenbar, dasz Muscheln
führende Schichten sich nur bis zu der nämlichen Mächtigkeit an-'
häufen können, wie die Tiefe beträgt, bis zur welcher die Muscheln
leben können; nur an sanft geneigten Küsten können sie sich bis zu
irgend einer beträchtlichen Breite anhäufen, und wegen des Mangels
eines «lariiberliegenden Druckes ist es wahrscheinlich, dasz die sedi-
mentäre Masse selten stark consolidirt sein wird: solche Formationen
haben keine grosze Wahrscheinlichkeit, dann, wenn sie im Laufe der
Zeit emporgehoben werden, der Thätigkeit der Denudation lange zu
widerstehen. Die Wahrscheinlichkeit wird noch geringer sein, wenn die
submarine Fläche, anstatt stationär gebliehen zu sein, sich fortdauernd
langsam während der Ablagerung der Schichten emporhob, denn in
diesem Falle musz ihre totale Mächtigkeit geringer sein, und jeder
Theil wird, ehe er consolidirt oder dick von der 'lariiberliegenden
Masse bedeckt wurde, nach und nach der Einwirkung des Strande
ausgesetzt gewesen sein; und an den meisten Küsten werden die
Wellen am Strande dazu neigen, jeden ihrer Thätigkeit exponirten
'i'genstand abzunagen und zu zerstreuen. Wir haben nun sowohl an
r süd-östlichen als westlichen Küste von Süd-America klare Beweise
dafür gehabt, dasz das Land langsam sich erhoben hat, und in den
langen Zügen hoher Klippen haben wir gesehen, dasz die Neigung des
Meeres beinahe überall die ist in das Land hineinzufressen. In
Anbetracht dieser Thatsachen hört es meine ich auf überraschend
zu Bein, dasz ausgedehnte recente, Muscheln führende Niederschläge
an den südlichen und westliehen Küsten von America gänzlich fehlen.
Wir wollen nun den einen noch übrigen Fall annehmen, wo der
Meeresgrund während einer gewissen Zeit langsam sinkt, während
gleichzeitig Sedimente fortdauernd abgelagert werden. Offenbar wer-
den hierdurch Schichten bis zu jeder Mächtigkeit angehäuft, eine jede
Lage wird in seichtem Wasser abgelagert, und in Folge dessen an
denjenigen Muscheln ausserordentlich reich sein, welche nicht in
groszen Tiefen leben können: auch wird, wie ich bemerken will, der
Druck jeder frischen Lage die Consolidirung aller tieferen unterstützen.
Selbst an einer im Ganzen steilen Küste, obschon eine solche immer

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muschelführender Ablagerangen.                            DQg

weit ausgedehnten Ablagerungen ungünstig sein musz, werden die
Formationen immer dazu neigen, der Breite nach zuzunehmen, weil
das Wasser nach dem Lande vordringt. Wir können daher annehmen,
das/. Perioden langsamen Sinkens gewöhnlich für Anhäufungen von
Muscheln führenden Ablagerungen, von hinreichender Macht:
keit, Ausdehnung und Härte um der mittleren Gewalt der Denudation
zu widerstehen, am günstigsten sein werden.

Wir haben gesehen, dasz in einer alten tertiären Zeit Fossile
führende Ablagerungen in ausgedehnter Weise an den Küsten von
Süd-America abgelagert wurden, und es ist eine sehr interessante
Thatsache, dasz wir dafür Belege haben, dasz diese alten tertiären
Schichten während einer Senkungsperiode abgelagert wurden. So sind
bei Xavidad die Schichten ungefähr 800 Fusz mächtig, und die fossilen

lielu sind sowohl im Niveau des Meeres als auch eine Strecke an
den Klippen hinauf äuszerst zahlreich; ich habe eine Liste dieser
Fossile an Professor E. Pokbes geschickt, und er glaubt, dasz sie in
Wasser gelebt haben müssen zwischen einem und zehn Faden Tiefe:
musz daher der Boden des Meeres, auf welchem diese Muscheln
einst lebten, mindestens 700 Fusz gesunken sein, um der darauf
liegenden Substanz die Ablagerung zu gestatten. Ich musz hier be-
merken, dasz, da alle diese und die folgenden fossilen Muscheln aus-
gestorbene Species sind, Professor Foebes notwendiger Weise die
Tiefen, in welchen sie lebten, nur nach ihrem Gattungscharacter be-
urtheilte und nach der analogen Verbreitung der Muscheln in der
nördlichen Hemisphäre; aber es gibt keine giltige Ursache, deshalb
an den allgemeinen Resultaten zu zweifeln. Bei Huafo haben die
Schichten ungefähr dieselbe Mächtigkeit, nämlich 800 Fusz, und Pro-
fessor Porbes meint, dasz die dort gefundenen Fossile in keiner grösze-
ren Tiefe als fünfzig Faden oder 300 Fusz gelebt haben können. Dl
zwei Punkte, nämlich Xavidad und Huafo, liegen 570 Meilen von ein-
ander, aber nahezu halbwegs zwischen ihnen liegt Mocha, eine 1200
Fusz hohe Insel, welche augenscheinlich bis zu ihrem ebenen Gipfel
aus tertiären Schichten gebildet wird und viele Muscheln, mit Kin-
schlusz der nämlichen Turritdla} welche auch bei Huafo gefunden
wurde, bis dicht an das Niveau des Meeres eingeschlossen enthält.
In Patagonien sind Muscheln bei Santa Cruz zahlreich am Fusze der
350-Fuaz-Ebene, welche sicher durch die Denudation der 840-Fusz-
Ehene gebildet worden ist und daher ursprünglich mit Schichten be-

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206                                Bildung mnschelfahrender                            ö

deckt war, die bis zu jener Zahl von Fuszen an Mächtigkeit empor-
ragten; und diese Muscheln lebten nach Prof. 1 > wahrscheinlich
in einer Tiefe von zwischen sieben und fünfzehn Faden: bei Port San
Julian, sechzig Meilen nach Norden, sind Muscheln am Fusze der 90-
Fusz-Ebene (durch die Denudation der 950-Fusz-Ebene gebildet» zahl-
reich und gleichfalls gelegentlich in der Höhe von mehreren Hundert
Fusz in den oberen Schichten; diese Muscheln müssen in Wasser g
lebt haben, welches irgend wie zwischen fünfundfünfzig Faden tief ge-
wesen ist. Obgleich ich an anderen Stellen von Patagonien keine
directen Beweise dafür gefunden habe, dasz Muscheln aus seichtem
Wasser unter darüber liegenden submarinen Schichten, von beträc) t-
licher Mächtigkeit begraben wurden, so rausz man doch im Auge l -
halten, dasz die untern Fossile führenden Schichten mit mehreren von
den nämlichen Species von Mollusken, die oberen tuffartigen Schichten
und die hohe Gipfelebene sich eine beträchtliche Strecke weit nach
Süden und Hunderte von Meilen nach Norden ausdehnten; im Hinblick
auf diese Gleichförmigkeit der Structur meine ich, ist es ein richtiger
Schlusz, dasz das Sinken, durch welches die Muscheln bei Santa Cruz
und San Julian hinabgeführt und bedeckt wurden, nicht auf diese zwei
Punkte beschränkt war, sondern in gleicher Ausdehnung mit einem
beträchtlichen Theile der patagonischen Tertiärformation gleichzeitig
eintrat. In einem der folgenden Capitel wird sich zeigen, dasz wir
zu einer ähnlichen Folgerung auch in Bezug auf die secundaren Fossile
führenden Schichten der Cordillera geführt werden, nämlich, dasz auch
sie während einer lang andauernden und groszen Senkung'eriode ab-
gelagert wurden.

Nach den vorstehenden Erörterungen und nach den eben mit*,
theilten Thatsachen glaube ich, müssen wir die Wahrscheinlichkeit des
folgenden Satzes zugeben: nämlich, das/., wenn der Grund des Meeres
entweder stationär oder in der Hebung begriffen ist, die Umstände bei
weitem weniger, als wenn das Niveau sinkt, günstig sind, für die An-
häufung Muscheln führender Ablagerungen von hinreichend« r
Mächtigkeit und Ausdehnung, um bei späterer Erhebung der mittleren
Ungeheuern Ausdehnung der Denudation zu widerstehen. Dieses Re-
sultat erscheint mir in mehreren Beziehungen sehr interessant: -leder-
mann ist zuerst geneigt anzunehmen, dasz auf zahlreichen Punkten,
wo nur immer eine Zufuhr von Sediment sich findet, Fossile föhrem
Schichten sich bilden, welche in irgend einer künftigen fernen Epoche

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Cap. 5.                      Ablagerungen in Senkangsperioden.                              2"7

emporgehoben und erhalten werden; aber nach den oben gegebenen
Ansichten müssen wir folgern, das/, dies bei weitem nicht der Fall is
im Gegentheil, wir bedürfen li eine lange andauernde Zufuhr ron
Sediment, 2) einen au         hntcn seichten Bezirk, und 3) dasz dies

Bezirk langsam bis in eine grosze Tiefe sinke, so dasz er die Anhäu-
fung einer weit ausgedehnten dicken Masse von darüber liegenden
Schichten gestatte. In wie wenigen Theileu der Welt werden wahr-
scheinlich diese Bedingungen heutigen Tags vereint vorkommen! Wir
können auch hieraus den allgemeinen Mangel jener genauen Aufein-
anderfolge in den Fossil" führendes Formationen verstehen, welche wir
nach der Theorie im Voraus angenommen haben; denn ohne dasz wir
annehmen, dasz eine Senkungsbewegung an demselben Orte während
einer enormen Periode von einer geologischen Aera bis zu einer andern
fortdauere, und dasz während dieser ganzen Periode Sediment sich mit
der gehörigen Geschwindigkeit anhäufe, so dasz die Tiefe nie zu grosz
für die fortdauernde Existenz von Mollusken werden kann, ist es kaum
möglich, dasz eine vollkommene Aufeinanderfolge an dem nämlichen
Orte in den fossilen Muscheln der zwei geologischen Formationen ein-
tritt11. Es ist eine sehr lange andauernde Senkung so wenig wahr-
scheinlich, dasz im Gegentheil viele Thatsachen uns zu der Annalii
führen, dasz die Oberfläche der Erde auf und nieder schwankt; und
wir haben gesehen, dasz wahrend der Hebungsbewegung nur eine ge-
ringe Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dasz dauerhafte, Fossil-
führende Ablagerungen sich anhäufen.

Endlich scheinen diese nämlichen Betrachtungen auch auf die
Thatsache etwas Licht zu werfen, dasz gewisse Perioden für die Ablage-
rung oder mindestens für die Erhaltung gleichalteriger Formationen an
weit von einander entfernten Punkten günstig gewesen sind. Wir

14 Prof. H. D. Rogers macht in seiner ausgezeichneten Adresse vor der
D of American Geologists (Silliman's Journal, Vol. XLYII. p. 277) die
folgende Bemerkung: „Ich frage, ob wir mir Oberhaupt wissen, wie rollständig
»die ganze Geschichte der ganzen vergangenen Zeit unauslöschlich mit der g\
-ten Ausführlichkeit im Detail in den aufeinanderfolgenden Sedimenten der Erde
„niedergelegt ist, wie wirksam, in andern Worten, jede Zeitperiode ihre eigene
„Geschichte geschrieben hat. sorgfältig jede erschaffene Form und jede
„Spur von Thatigkeit bewahrend.' Ich meine, die Richtigkeit derartiger Ben
kungen ist mehr als zweifelhaft, selbst wenn wir (wie ich glaube, dasz er es thun
wird) alle jene zahlreichen organischen Formen ausnehmen, welche keine ha
Theile enthalten.

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208                        Bildung muschelführender Ablagerangen.                    Ca]-.

haben gesehen, dasz in Süd-America ein angeheuerer Bezirk innerhalb
recenten Periode emporgestiegen ist, and in andern Theilen der
Erde scheinen ungeheuere Strecken gleichzeitig g igen zu sein.
Nach meiner Untersuchung der Corallenrirle der groszen Oceane bin
ich zu der Folgerung geführt worden, dasz der Boden des Meeres
innerhalb der gegenwärtigen .Vera über in Wahrheit ungeheuere Be-
zirke fortdauernd langsam gesunken sei: dies ist in der That an sich
schon wahrscheinlich wegen der einfachen Thatsache, dasz die He-
bungsbezirke so grosz gewesen sind. Wir haben in Süd-America deut-
liche Beweise dafür, dasz in nahezu der nämlichen tertiären Periode
der Meeresgrund Theilen der Küsten von Chile und von Patagonien
gegenüber in der Senkung begriffen war; obschon diese Gegenden sehr
weit von einander entfernt liegen. Wenn es daher als allgemeine
Regel gilt, dasz in dem nämlichen Theile der Erde die Erdrinde
gleichzeitig über ungeheuere Räume sich zu senken und zu erheben
neigt, so sehen wir sofort, dasz wir an verschiedenen Punkten in der
nämlichen Periode diese Bedingungen wirklich vor uns haben, welche
für die Anhäufung Fossile führender Massen von hinreichender Aus-
dehnung, Mächtigkeit und Härte um der Denudation zu widerstehen
und folglich bis zu einer weit in der Zukunft entfernt liegenden Epoche
stehen zu bleiben, erforderlich sind IB.

15 Prof. Korbes macht einige ausgezeichnete Bemerkungen über diesen
Gegenstand in seinem .Report on the Shells of the Aegean Sea'. In einem Briefe
an Mr. Maclaren (Edinburgh New Philos. Journ., Jan., 1843) gieng ich theil-
in diese Erörterung ein und bemühte mich zu zeigen, wie ea in hohem Grade
unwahrscheinlich sei, dasz emporgehobene Atolls oder Barrieren-Riffe, obschon von
szer Mächtigkeit, wegen ihrer geringen Ausdehnung oder Breite bis in eine
entlernte zukünftige Zeit erhalten werden würden.

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Sechstes Capitel.

Plutonische und metamorphische Gesteine. — Spaltung und

Bliittming.

ihohenen metam                                     eichen

Blätterung. --- 1'                                                          - darin ein-

g.           aen Fragments. — La Plata, metamorphische und al                he

G ie. —         i Ventana. — Tl, tnporphyr-Formati                   rnien;

eigentümliche metamorphische G                       Gänge. — Palkland-Inseln,

läozoischeFossile.—Feuerland, Thon-

mg mii) Bla n; Form des Landes. — (.'honos-Archipel, Glimmerschi
Blätterung durch granitische Achse g               ige. — ChiloB. — Concepeion.

suc        Bildung                         Centrales an                   bile. — Sehlusz-

bemerkungen Qber Spaltung and I        rang. — 111r<* enge Analogie und ähn-

licher Ursprung. — Schichtung metamorphischer -        r. — Blätterung in-

trnsiver Gesteine. — Beziehung d<        Itung und Blätterung zu den Spannms

richtungen während der Metamorphose.

Die metamorphischen uml platonischen Formationen der verschie-
denen vom „Bi - besuchten Districte sollen hier hauptsächlich I

handelt den; aber nur derartige Fülle, welche mir neu /u sein
scheinen oder welche irgend ''in s] lies Int e darbieten, werden
im Einzelnen beschi a werden; am Ende des Capitels will ich alle
die Thatsachen über Spaltung und Blätterung, denen ich besond«
Aufmerksamkeit geschenkt habe, zusammenfassen.

Bahia, Brasilien: 1          Br. — Das vorherrsi Ie Gestein

ist Gneisz. welcher häufig durch da- Verschwinden des Quarzes und
des Glimmers und dadurch, dasz der Peldspath seine rothe Farbe ver-
liert, in einen glänzend grauen primitiven Grünstein übergeht. Nicht
!ten sind der onarz und die Hornblende in Schichten in heinahe
amorphem Feldspath angeordnet. Ks findet sich etwas feinkörniger

Darwin, SUd-Ai              S n. 1.)                                                                        11

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210                                         Gesteine bi                                       Cap. 6.

attischer Granit, welcher kreisförmig mit eisenschüssigen Linien
gezeichnet ist und in verticalen cylindrischen, sich einander beinahe
berührenden Höhlen verwittert. Im Gneisz kommen Concretionen von
kornigem Feldspat] 1 und andere von Granat mit Glimmer vor. Der
Gneis/, wird von zahlreichen Gängen durchsetzt, die aus schwarzem,
fein krystallisirtem, hornblendigem Gestein zusammengesetzt sind, wel-
ches et\\ lasigen Feldspath und zuweilen Glimmer enthalt, und in
seiner Mächtigkeit von bloszen Faden bis zu zehn Fusz schwankt:
diese Fäden, welche häufig krummlinig sind, konnten zuweilen in die
stärkeren Gänge auslaufend beobachtet werden. Einer dieser Gänge
war deshalb merkwürdig, weil er an zwei oder drei Stellen seitlieh
verschoben war, mit dazwischen liegendem nicht durchbrochenem Gm
zwischen den abgebrochenen Enden, und an einer Stelle mit einem Stück
von Gneisz, welches augenscheinlich, während er noch in einem weichen
Zustande war, in seine Seite oder Wandung eingetrieben worden war.
An mehreren benachbarten Stellen enthielt der Gneisz eckige, scharf
umschriebene, zuweilen gebogene Massen von Hornblendegesteine, die
vollständig mit Ausnahme, das/, sie vollkommener krystallisirt waren,
jener Hornblende glichen, welche die Gänge bildete, und wenigstens in
einem Falle (wie Professor Miller bestimmt hat) Augit ebenso wie
Hornblende enthielten. In einem der zwei Fälle waren diese winkeligen

3sen, obschon sie jetzt durch den soliden Gneisz vollständig von
einander getrennt waren, ihrer genauen Übereinstimmung in Grösze
und Gestalt nach offenbar einst vereinigt gewesen; ich kann daher
nicht daran zweifeln, dasz die meisten oder alle Fragmente von dem
Zerbrechen de Inge herrühren, von dem wir die erste Stufe in den
oben erwähnten seitlichen Verschiebungen sehen. Der Gneisz enthielt
dicht bei den Fragmenten meist grosze Hornblendekn stalle, welche
an andern Stellen gänzlich fehlen oder selten sind: seine Blätter oder
Blättchen warm sanft um die Fragmente herum gebogen, in derselben
Weise wie sie zuweilen um Concretionen gebogen sind. Es ist daher
der Gneisz sicher erweicht, seine Zusammensetzung modificirt und
seine Blättchen geordnet worden, nachdem die Gänge aufgebrochen
worden waren1, während zu derselben Zeit auch diese Letzteren ge-
bogen und erweicht worden sind.

1 Prof. Hitchcock (Geology of Massachusetts, Vol. II, p. 673) führt einen
sehr ähnlichen Fall von ei: GrDnstexngange in Syenit an.

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Cap. 6.                                           hia, Brasilü                                               211

Ich musz liier die < jenheit nehmen vorauszuschicken, dasz ich
unter dem Ausdruck Spaltung jeneTheilungsebenen verstehe, welche
ein für das hlosze Auge vollkommen oder nahezu homogenes Gestein
spaltbar machen. Unter dem Ausdruck Blätterung meine ich die
Schichten oder Platten verschiedener mineralog r Beschaffenheit,
aus denen die meisten metamorphi i Schiefer zusammengesetzt sind;
es sind auch häufig in solchen Massen abwechselnd homogene spalt-
bare Schichten oder Blätter eingeschl n, und in diesem Falle ist
das Gestein sowohl blätl als auch spaltbar. Unter Schichtung
rstehe ich in ihrer Anwendung auf diese Formationen jene abwech-
Lnden parallelen groszen Massen \            lener Znsamme /.ung,

lebe für sich selbst häutig e; ler bli ig oder spaltbar sind, —
wie die abwechselnden sogenannten Schichten \ on < ilimmerschiefer,
(Jneisz, glänzendem Thonschiefer und Marmor.

Die Blätter des Gneiszes streichen innerhalb einiger weniger .Meilen
rund umBahia meist unregelmäszig, sind häufig krummlinig und fallen
nach allen Richtungen hin in verschiedenen Winkeln ein: wo sie am
besten bestimmt sind, erstrecken : ich am häufigsten in einer Linie
□ Nordost bei Nord (oder Os          Xord) und Südwest bei Süd, ent-

sj «rechen daher nahezu der Küstenlinie nördlich von der Bucht. Ich
will hinzufügen, dasz Mr. Gardner2 an mehreren Stellen der Provinz
von Ceara, welche zwischen 4' in und .V'K) Meilen nördlich von Bahia
liegt, öneisz gefunden hat, d<         Blätter sich nach (ist 45° Nord

ausbreiteten, und in Guyana stn Dach der An.          □ Sir U. m-

bükgk dasselbe Gestein Ost 57° Nord. Ferner beschreibt Humboldt
den Gm ranit über einen Ungeheuern Bezirk in Venezuela und selbst
in Columbia als nach Ost 50° Nord stn md und nach Nordwi
unter einem AVinkel von 50° einfallend. Alle bis jetzt angestellten
Beobachtungen neigen daher daliin, zu zeigen, dasz die gneiszartigen
Gesteine über diesen ganzen Theil des Continents mit ihren Blättern
meist innerhalb heinahe de ien Punktes des Compasses in derselben
Richtung hin gerichtet sind3.

2   Geological Section of the Brit. Association, 1840. Wegen Sir R. Schom-
burgk's Beobachtungen s. Geograph. Journal. }~\'2, p. 190. s. auch AI. v. Hum-
boldt - Erörterung Ober Loiodromie in den .1'        J Narrative".

3   Ich bin nur an einer Stelle nördlich von Bahia gelandet, nämlich in Pernam-
bueo. Ich fand dort nur weiche hoi                 jehichtete M                 he aus zer-

ranitische.....teinen und etwas gelblichem unreinen Kalkstein wahrschein-

14*

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212                                      Granitische Gesteine                                  Cap.

Rio de Janeiro. — Dieser ganze District wird beinahe ans-
schlieszlich aus Gneisz gebildet, der auszerordentlich reich an Granaten

und porphyritisch ist, mit groszen Krystallen, seihst drei und vier Zoll
an Länge, von Orthoclas-Feldspath: in diesen Krystallen sind häufig
Glimmer und Granaten eingeschlossen. An dem westlichen Fusze <1
Corcovado findet sich ein eisenhaltiges oariöses Quarzitgestcin. und
in dem Tijeuka-Gebirgszug viel feinkörniger Granit. Ich beobachtete
erratische Blöcke von Grünstein an mehreren Stellen, und auf <i
Insel von Villegagnon und gleichfalls an der Küste einige Meilen nach
Norden zwei ,'rosze Trappgänge. Der porphyritischc Gneis/, oder«!
Gneiszgranit, wie ihn Humboldt genannt hat, ist nur in so weit
hlätterig, dasz die constituirenden Mineralien mit einem cwi> rrade
von Kegelmiiszigkeit angeordnet sind, und. wie man sagen kann, eil
Art BKornu haben, sie sind aber nicht in bestimmte Blatt
Blüttchen gesondert. Es sind indessen mehrere andere Varietäten von
Gneisz vorhanden, welche regelmäszii ehliittert sind und in sogenann-
ten Schienten miteinander abwechseln. Die Schichtung und Blätterung
des gewöhnlichen Gneiszes und die Blätterung oder das Korn d
Gneiszgranits sind einander parallel und streichen meist nahe bei
Nordost und Südwest, und fallen in einem hohen Winkel (zwischen
50 und 60 Grad) meist nach Südosten hin, so dasz Mir auch hierauf
dasselbe Streichen treffen, v.             aber den nördlicheren Theil des

Continentes vorherrschend ist. Hie Berge von Gneiszgranit sind in
einem merkwürdigen Grade abrupt kegelförmig, welches dadurch ver-
ursacht zu sein scheint, dasz das <                ich in dicken, conisehen,

lieh einer tertiären Kpoche zusammengesetzt war. Ich habe eine höchst eige
thüm liehe natürliche Barr n hartem Sandstein, welche den Hafen schützt, im

Anhang zu meiner Schrift „Über den Bau und die Verbreitung d<       rallenriff

Obers, p. 217, beschrieben.

Abrolhos-Inscln, 18° \ Br., der Küste von Brasilien gegenüber. — I
hon streng genommen nicht recht am Orte, weisz ich doch nicht, wo ich di
kleine Gruppe von Inselchen zweckimis/iger b<        iben kann. Die ontei

ist ein Sandstein mit eisenhaltigen Adern; er verwittert zu einer auszordentlicl
wabenartigen Masse; über ihm liegt ein dunkelfarbiger thoniger Schiefer; über
diesem ein gröberer Sandstein, — eine total         iitigkeit von ungefähr sechzig Kusz

ausmachend; endlich rindet sich oberhalb dieser sedimentai-n Schichten eine feine
conforme Masse von Grünstein, an einigen Stellen eine aäulige Structur darbietend.
Alle Schichten, ebenso wie die Oberflüche des Land.-, fallen anter einem Winkel
von ungefähr 12" nach N. bei W. ein. Einige von den Inselchen sind gänzlich s
den sedimentiir.n, andere aus den trappartigen Gesteinen gebildet, meist den
aber die Sandsteine an dm südlichen Ufern an.

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-Cap. 6.                                   i Rio de Janeiro.                                   213

concentrischen Schichten zu exfolüren neigt: diese Gipfel sind in ihrer
Gestalt denen von Phonolith und andern injicirten Gesteinsarten auf
vulcanischen Inseln ähnlich; auch nietet das Korn oder die Blätterung
(wir wir später sehen werden) für die Annahme keine Schwierigkeit
dar, dasz der Gneiszgranit vielmehr eine eingetriebene als eine meta-
morphiache Bildung ist. Die Gebirgszüge, aber nicht immer jeder
einzelne Berg, ziehen nahezu in derselben Richtung mit der Blätte-
rung und sogenannten Schichtung hin, im Ganzen aber mehr nach
Osten.

An einer nackten sanft geneigten Fläche des porphyritischen
Gneiszes in Botofogo Bay beobachtete ich die hier dargestellte 1
scheinung.

Ein sieben Yards langes und zwei Yards breites Fragment mit

eckigen und scharf bestimmten Rändern, welches aus einer eigenthüm-

lichen Varietät von Gneisz mit dunkeln Schichten von Glimmer und

ranaten zusamn isetzt ist. wird auf allen Seiten von dem gewöhn-

Fig. 24.

Gneiszfragment in eine andere Varietät des nämlichen Gesteins eingebettet.

liehen Gneiszgranit umgeben; beide sind durch eine granitische Ader
dislocirt worden. Die Blätter in dem Fragment und in dem umgeben-
den Gestein streichen in derselben nordnordöstlichen und südsüdwest-
lichen Richtung, aber in dem Fragment sind sie senkrecht, während
sie in dem Gneiszgranit unter einem geringen Winkel, wie durch die
Pfeile angedeutet ist, nach Südsüdosten einfallen. Dieses Fragment ist

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214

Rio de Janeiro.                                           Cap. 6,

in Anbetracht seiner bedeutenden Grösze, seiner solitären Lage und
seiner blatterigen Structur, welche der des umgebenden Gesteins parallel
ist, soweit mir bekannt ist, ein einzig dastehender Fall, und ich will
keine Erklärung seines Ursprungs zu geben versuchen.

Die zahlreichen Reisenden ' in diesem Lande sind alle über die
Tiefe bedeutend überrascht, bis zu welcher der Gneisz und andere
granitische Gesteine, ebenso wie die kalkigen Schiefer des Inneren zer-
setzt worden sind. In der Nähe von Rio ist jedes Mineral mit Aus-
nahme des Quarzes vollständig erweicht worden, und zwar an einigen
Stellen bis zu einer Tiefe die nur unbedeutend geringer als hundert
Fusz ist5. Die Mineralien behalten ihre Lage in Blattern, die in der
gewöhnlichen Richtung streichen, und zerbrochene Quarzadern können
von dem soliden Gestein eine Strecke weit in die erweichte, gefleckte,
stark gefärbte thonige Masse hinein verfolgt werden. Es wird an-
gegeben, dasz diese zersetzten Gesteine sehr reich an Edelsteinen ver-
schiedener Arten sind, häufig in einem zerbrochenen Zustande, und
zwar, wie Einige rermuthet haben, in Folge des Zusammenfalls von
Geoden. und dasz diese Gold und Diamanten enthalten. Bei I. chien
es mir, dasz der Gnei >r der Aushöhlung (ohne Zweifel durch d
Meer) der jetzt existirenden breiten flachsohligen Thäler erweicht wor-
den ist, denn die Tiefe der Zersetzung erschien durchaus nicht mit
den jetzigen Undulationen der Oberfläche conform. Der porphyritische
Gneisz scheint, wo er jetzt der Luft ausgesetzt ist, der Zersetzung
merkwürdig gut zu widerstehen, und ich konnte keinerlei Anzeichen
für eine Neigung zum Entstellen thoniger Massen gleich den hier be-
schriebenen bemerken. Ich war auch über die Tliatsache erstaunt,
dasz, wo eine nackte Oberfläche dieses Gesteins in die ruhigen Buchten
abfallt, keine Zeichen von Erosion auf der Höhe des Wasserspiegels
vorhanden waren, und die Theile sowohl über als unter derselben eine
gleichmiiszige Krümmung beibehielten. Bei Bahia sind die Gneisz«
gesteine ähnlich zersetzt, die oberen Theile verlieren unmerkbar ihre
ßlätterung und gehen ohne irgend eine bestimmte Trennungslinie in

* Spix und Martina haben in einem Anhange za ihren .Reisen0 die gruszte

Menge von Thatsachen über diesen Gegenstand gesammelt, s. auch einige Be-
merkungen von Lund in seinen Mitthi                     die .'. >mie in Kopenhftg
und andere von Gaudichaud in „Frej

5 Dr. Benza beschreibt granitisches < n in den Xeelgherries (Madras
Journal of Lir. etc., Oct. 1830, p. 246), welches bis zu einer ']                 .ierzig

Fusz zersetzt i

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Cap. G.                       Nördliche Provinzen von La Plata.                          215

eine hellrothe thonige Erde über, welche zum Theil abgerundete Frag-
mente von Quarzit und Granit enthält. Aus diesem Umstände, und
weil die Gesteine der Zersetzung vor der Aushöhlung der Thäler
unterlegen zu sein scheinen, vermuthe ich, dasz hier wie bei Rio die
Zersetzung unter dem Meere stattfand. Der Gegenstand schien mir
ein merkwürdiger zu sein und dürfte wahrscheinlich eine sorgfaltige
Untersuchung durch einen competenten Mineralogen wohl lohnen.

Die nördlichen Provinzen von La Plata. — Nach einigen
mir von Mr. Fox mitgetheilten Beobachtungen scheint die Küste von
Rio de Janeiro bis zur Mündung des Plata überall gramtisch zu sein,
mit einigen wenigen Trappgängen. Bei Porto Allegre in der Nähe
der Grenze von Brasilien finden sich Porphyre und Diorite6. An der
Mündung des Plata untersuchte ich das Land fünfundzwanzig M

dt nach Westen und ungefähr siebzig Meilen weit nördlich von
Maldonado; in der Nähe dieser Stadt findet sich etwas gewöhnlicher
Gneisz, und in allen Theilen des Lande ! -robkörnige Mischung
von Quarz und röthlichem 1'eldspath, welche indessen häufig ein wen
dunkelgrüne unvollkommene Hornblende aufnimmt und dann sofort
geblättert wird. Die steilen hieraus gebildeten Hügel ebenso wie i
stark geneigten Blätter der gewöhnlichen Varietäten von Gneisz
streichen nach Nordnordost oder wenig östlicher, und nach Südsüd-
west Gelegentlich trifft mau Thonschicfer und in der Nähe des L. i
Potrero findet sich weiszer Marmor, der durch die Gegenwart von
Hornblende, Glimmer und Asbest spaltbar gemacht ist: die Spaltung
dieser G ine und ihre Schichtung, d. h. die abwechselnden so zu-
sammengesetzten Massen, streichen von Nordnordost nach Südsüdwest,
wie der geblätterte Gneisz, und haben einen beinahe senkrechten Ein-
fallswinkel. Die Sierra Larga, ein niedriger Höhenzug, fünf Meilen
westlich von Maldonada, bestellt aus häufig eisenhaltigem Quarzit,
welcher ein sandiges Gefühl hat und in äuszerst dünne, beinahe senk-
rechte Blättchen oder Blatter in Folge mikroskopischer minutiöser
Schüppchen, augenscheinlich von Glimmer, getheilt ist, und in der.
gewöhnlichen Richtung von Nordnordost und Südsüdwest streicht.
Der Höhenzug selbst wird aus einem Hauptzug mit einigen unter-
geordneten gebildet, und er erstreckt sich mit merk windiger Gleich-

6 Isabelle, Voyage ä Buenos Aviv-, p. 179.

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216                           Krystalliniache Gesteine von La Plata.                      Cap. 6.

migkeit weit nach Norden (man                r bis selbst an die Grenze

von Brasilien) in derselben Richtung mit dem senkrecht gebänderten
Quarzi kein ans dem er zusarai esetzt ist. Die Sierra de las
Animas ist der höchste Gebirgszug in dem Lande; ich schätzte ihn
zu 1O00 Fusz hoch, er läuft von Norden nach Süden und wird aus

Ispathigem Porphyr gebildet; in der Nähe seines Puszes findet sieh
ein nordnordwestlieher und südsüdöstlicher Rücken von einem Conglome-
rat in einem bedeutend porphyritischen Grundgestein.

Nördlich von Maldonado und südlieh von Las Minas findet sich
ein ost-westlicher hügeliger Streifen von Land, der einige Meilen
breit aus kieseligem I                                       tz1 ist. mit etwas

Quarzit und Kai a, der eine unregelmüszig gewundene Spal-
tung darbietet und meist nach Ost und Wi              it. Nach Osten
und Südosten von Las Minas li' ein ve Disl           -n un-
vollkommenem Gneis/ und _ m Quarzit, dessen Berge in ver-
schi li Richtungen ziehen, wo ab' r einzelne Berg meist
derselben Linie verläuft, wie die Blätter der < ine, aus denen
zusammengesetzt ist: die Confusion scheint durch das Kreuzen ost-
westlicher und nordnordosl -südsüdwestlicher Streichungslinieu verur-
sacht worden zu sein. Nach Norden voi herrschen die
regelmäszigeren nördlichen Höhenzüge vor: vi iesem Orte bis in die
Nähe von I'olanco treffen wir auf die grobkörnige Mischung von
Quarz und Feldspath häufig mit der unvollkomn Hornblende,
welche dann in einer nordsüdlichen Richtung geblättert wird, — auf
unvollkommenen Thonschiefer, welcher Blättchen von i m krystal-
lisirtem Feldspath einschlieszt, -- auf m i oder ivarzen -Marmor,
der zuweilen A.sbesi und Gypskrystalle enthält, auf Quarzii ein,

—  auf Syenit und endlich auf viel Granit. Der Marmor und Granit
wechseln wiederholt in augenscheinlich senkrechten Massen ab: einige
Meilen nach Norden von Polanco sollen .          Districi nz und gar
aus Marmor bestehen. Ei merkwürdig, wie            in dem ganzen
Bereiche des Landes nördlich und tlich von Maldonado Glimmer
vorkommt, liier diesen ganzen District fallen die Spaltung des Thon-
schiefers und Marmors, — die Blätterung des Gneiszes und Quarzits,

—  die Schichtung oder die abwechselnden Massen dieser         hiedenen
Gesteinsarten — und der Zug der Berge sämmtlich in ihrer Richtung
zusammen: und obgleich das Land nur hügelig ist, sind die Thei-
lungsebenen beinahe überall sehr stark geneigt oder selbst vertical.

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Ca]

Montevideo.

217

Einige alte submarine vulcanische Gesteine sind der Erwähnung
werth wegen ihrer Seltenheit auf dieser östlichen Seite des Continents.
In dem Thale des Tapas (fünfzig oder sechzig Meilen nördlich von
Maldonado) findet sich ein drei oder vier Meilen langer Zug, der aus ver-
schiedenen Trappgesteinen mit glasigem Feldspath, — aus augenscheinlich
metamorphischen Sandsteinen, — aus purpurnen Mandelsteinen mit
groszen Kernen von kohlensaurem Kalk7, und zu einem groszen Theile
aus einem rauhen Gestein mit glasigem Feldspath, das im Character
zwischen Thonsteinporphyr und Trachyt in der Mitte steht, zusammen-
gesetzt ist. Diese letztere Gesteinsart war an einem Punkte merk-
würdig, weil sie voll von drusigen Höhlungen war, die mit Quarz-
krystallen ausgekleidet und in 1        n angeordnet waren, die unter

einem Winkel von 50 Grad nach Osten einfielen und parallel zu der
Blätterung eines benachbarten, aus der gewöhnlichen Mischung von
Quarz, Feldspath und unvollkommener Hornblende zusammengesetzten
Berges strichen; diese Thatsache deutet vielleicht darauf hin, dasz
diese vulcanischen Gesteine metamorphosirt worden sind, und dasz ihre
ostituirenden Bestandteile von Neuem zu d Iben Zeit und nach
elben Gesetzen angeordnet worden sind, wie die granitischen und
metamorphischen Formationen dieser ganzi           end. In dem Thale

- Marmaraya, wenige Meilen südlich von dem Tapas, ist ein Streifen
d Trapp und mandelsteinartigem Gestein zwischen einem Berg von
Granit und einer ausgedehnten ihn umgehenden Formation von rothem
rlomeral eing                       he (wie die am Fusze der Sierra de las

Aniraas) eine porphyritische Basis mit Erystallen von Feldspath hat
und welche daher sicher eine Metamorphose erlitten hat.

Montevideo. — Die Gesteine bestehen hier ans mehreren Va-
rietäten von (i . in dem der Feldspath h&ufig gelblich, körnig und
unvollkommen krystaliisirt ist, und welche mit Schichten von einigen
inigen Yards bis nahe/u einer Meile an Mächtigkeit von feinem oder
grobkörnigem dunkelgrünen Hornblendeschiefer abwechseln und unmerk-
bar in solche übergehen; dieser geht wiederum häufig in Chloritschiefer
über. Diese l                       einen hauptsächlich eine Folge von Ver-

änderungen im Glimmer und seiner Ersetzung durch andere Mineralien

' In der Nähe des Pan de Azucar findet sich etwas grünlicher Porphyr, an
einer Stelle mit Achat aniygdaloM.

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218                                  Kristallinische Gesteine                              Cap. 6.

zu sein. Auf der Katten-Insel untersuchte ich eineMa               hlorit-

schiefer nur einige wenige Yards im Geviert, welche unregelraös
auf allen Seiten vom Gneisz umgeben und verworren von vielen krumm-
linigen Quarzadern durchsetzt war, welche allmählich in den Gne
übergiengen: die Spaltung des Chloritschiefers und die Blätterung
des Gneiszes waren genau parallel. Nach Osten von der            findet

sich viel feinkörniger dunkel gefärbter Gneisz, der beinahe den Cha-
racter von Hornblendeschiefer annimmt, und in dünnen Blättchen mit
Quarzbliittchen abwechselt, während die ganze Masse von zahli
groszen Quarzadern quer durchsetzt ist: ich beobachtete besonders,
dasz diese Adern mit den abwechselnden Quarzblättchen absolut con-
tinuirlich waren. In di Q Falle und auf der Katten-Insel schii
Übergang des Gneiszes in unvollkommene Hornblende- oder in rit-
schiefer mit der Ausscheidung der Quarzadern in Zusammenhang zu
stehen8.

Der Mount, ein zu 150 Fusz Höhe angenommener Hügel,
welchem der Platz seinen Namen erhalten hat, ist in dieser Gegend

laus das höchste Land: er besteht aus Hornblend
(ausgenommen am östlich)              rten Fusze) eine os stliche nah

verticale Spaltung zeigt; die längere Axe des Berges läuft gleichfalls
in i          selben Linie. In der Nähe des Gipfels wird der Hornblende-

Bchiefer allmählich immer gröber und gröber krystallisirt und wen;
deutlich geblättert, bis er in einen schweren, klingenden (Jn in mit
einem schieferigen muscheligen Bruche übergeht; die Blättchen an <
nördlichen und südliclien Seiten in der Nähe des Gipfels fallen d
einwärts, als wenn dieser obere Theil ausgedehnt oder nach aus
übergefallen wäre. Dieser Grünstein musz meiner Y
als nietamorphosirter HornblendeSchiefer betrachtet werden. Der Cerrito,
der nächsthöchste aber viel weniger erhobene Punkt ist beinahe ähn-
lich zusammengesetzt. In den westlicheren Theilen der Provinz im
sich auszer Gneis/ Quarzitgestein, Syenit und Granit: und bei «'olla
hörte ich von Marmor.

In der Nähe von Montevideo war die Strecke, welche ich genauer
untersuchte, ungefähr fünfzehn Meilen in einer ostwestlichen Linie

8 Greenough bemerkt (Critical Examiuation etc.. p. 78), dasz Quarz in

Glimmerschiefer zuweilen in             □ und zuweilen in Adern erscheint. Auch

L. von Buch bemerkt in seinen Reisen in Norwegen (p. 286), dasz abu        lnde

Blättchen Yon Quarz und Hornblendeschiefer den Glimmerschiefer ersetzen.

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Cap. 6.                                    von Montevideo.                                       219

grosz, und hier fand ich die Blätterung des Gneiszes und die Spaltung
der Schiefer meist gut entwickelt und in einer zu den abwechselnden,
aus Gneisz, Hornblende und Chloritschiefer zusammengesetzten Schich-
ten parallelen Richtung entwickelt. Diese Theilungsebenen ziehen
säramtlich fast genau von Ost nach West, häufig Ost bei Süd nach
West l»ei Nord; ihr Einfall ist meist beinahe senkrecht und der Winkel
kaum irgendwo unter 45 Grad: in Anl ht des Umstandes, dasz d
Oberfläche des Landes unbedeutend wellig ist, verdient diese Thatsache
Beachtung. Westwärts von Montevideo nach dem Uruguay zu, wo
der Gneisz exponirt ist, sieht man die stark geneigten Blätter in der-
selben Richtung streichen; doch musz ich einen Fleck ausnehmen, wo
die Streichlinie Kordwest bei Nord war. Die kleine Sierra de San
Juan, die aus Gneisz und blätterigem Quarzit besteht, ums/gleichfalls
ausgenommen werden; denn sie zieht zwischen Nord zu Nordost und
Süd zu Südwest, und scheint zu demselben System zu gehören, wie
die Berge im Maldonado-District. Endlich h; wir ge en, di
für viele Meilen nördlich von Maldonado und fünfundzwanzig Meilen
westlich davon bis zur Sierra de las Anin Lie Blätterung, Spaltui
die sogenannte Schichtung und die Richtungslinie der Berge sammt-
lich nordnordöstlich und südsüdwestlich hinziehen, welche Richtu
nahezu mit der benachbarten Küste des atlantischen Oceans zusammen-
fällt. Nach Westen von der Sierra de las Animas, selbst so weit bis
zum Uruguay, ziehen die Blätterung, Spaltung und Schichtung (aber
nicht die Bergzüge, denn es linden sich hier keine bestimmten) sammt-
lich ungefähr von Ost bei Süd nach West bei Nord, welches nahezu
mit der Richtung des nördlichen Ufers des Plata Übereinstimmt: in
dem confundirten Landstrich in der Nähe von Las Minus, wo du
zwei groszen Systeme einander zu durchschneiden scheinen, lallen die
Spaltung, Blätterung und Schichtung, welche in verschiedenen Rich-
tungen laufen, doch meistens mit der Zuglinie eines jeden besonderen
Berges überein.

Südliches La Plata. — Der erste Kücken südlich vom Plata.
welcher durch die Pampas-Formation emporspringt, ist die Sierra Ta-
palguen und Vulcan, welche 20 Meilen südlich von dem eben beschrie-
benen Districte gelegen ist. Dieser Kücken ist nur einige weni_
Hundert Fusz hoch, und lauft vom Cap Corrientes in einer west-
nordwestlichen Linie mindestens 150 Meilen nach dem Innern: bei

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220                                           La 1>lata*                                       Cai*- 6-

Tapalguen ist er aus nicht geschichtetem, körnigem Quarzit zusammen-
gesetzt, welcher deshalb merkwürdig ist, weil er tafelförmige Marmor-
massen und kleine von steilen Klippen umgebene Ebenen bildet: andere
Theile des Rücken sollen, wie man sagt, aus Granit bestehen, und Marmor
fini rieh in der Sierra Tinta. Aus Mr. Parchappb's Beobachtungen9
geht hervor, dasz bei Tandil sich ein Höhenzug von quarzigem Gneisz
findet, sehr ähnlich den Gesteinen der Sierra Larga in der Nähe von
Maldonado, der in derselben nordnordöstlichen und südsüdwestlichen
Richtung verlauft, so dasz das feste Gerüst des Landes hier dem vom
nördlichen Ufer des Plata sehr ähnlich ist.

Die Sierra Guitru-Gueyu liegt sechzig Meilen südlich von der
rapalguen: sie besteht aus zahlreichen parallelen, zuweilen zu-
sammen verschmolzenen Bücken, ungefähr dreiundzwanzig Meilen breit
und 500 Fusz hoch über der Ebene, und erstreckt sieh in einer nord-
westlichen und südöstlichen Richtung. Nachdem ich das äuszerste
südöstliche Ende umgangen hatte, bestieg ich nur einige wenige Punkte,
welche aus einem feinkörnigen Gneisz zusamme etzt waren, der bei-
nahe aus Feldspath mit ein wenig Glimmer be ] und in den oberen
Theilen der Berge in einen im Ganzen compacten, purpurnen, thonigen
rgieng. Die Spaltung war nahezu vertical, «las Streichen
in einer nordwestliehen bei westlichen und südöstlichen bei Östlichen
Linie, nahezu, wenn auch nicht ganz, mit der Richtung der parallelen
Rücken zusammenfallend.

Die Sierra Ventana liegt dicht nach Süden von der von Guitru-
Gueyu; sie ist merkwürdig, weil sie eine auf dieser Seite des Continents

br ungewöhnliche Höhe erreicht, nämlich 3340 Fusz. Sie besteht
bis hinauf zu ihrem Gipfel aus mei inem und weiszem. aber zu-
weilen röthlichem und in dicke Blättchen oder Schichten getheilten
Quarzit: an einer Stelle findet sieh ein wenig glänzender Thonschiefer
mit einer gewundenen Spaltung. Die dicken Schichten von Quarzit

reichen in einer Linie West 30° Nord, und fallen nach Süden um
einem Winkel von 4."> Grad, und darüber, ein. Die hauptsächlichste

ebirgslinie mit einigen vollständig untergeordneten parallelen Rücken
zieht i. ihr von West 45° Nord: aber an ihrem 9 Hieben Ende

9 d'Orbigny, Voyage, Part. Geolog., p. 46. Ich habe eine kurze Schilde-
rung der eigentümlichen Formen der in einer metamorphischen Formation so un-
hnlichen Quarzit-Berge von Tapalguen in meiner „Reise eine- Naturforschers"

(t'bers. p. 182) gegeben.

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Cap. 6.                                       Patagonien.                                          o-jj

nur West 25° Nord. Diese Sierra soll sich, wie man sagt, zwischen
zwanzig und dreiszig Stunden weit in «las Innere erstrecken.

Patagonien. — Vielleicht mit Ausnahme des Berges von San
Antonio (600 Fusz hoch) im Golf von San Matias, welcher noch niemals
von einem Geologen besucht worden ist, trifft man keine krystallinische
' i''steine an der Küste von Patagonien auf einer Strecke von 380 -Meilen
südlich von der Sierra Ventana. An dieser Stelle (43° 50' s. Br.), an
den Point Union und Tombo, sollen, wie man sagt, plutonische Gesteins-
arten auftreten, und rinden sich in im Ganzen weiten Zwischenräumen
unterhalb der patagonischen Tertiärformation auf einer Strecke von
ungefähr 300 Meilen nach in bis in die Nähe von Bird Island in
48° ">'*»' s. Br. Xaeh Hand.stücken zu urtheilen, die Mr.              freund-

lich für midi gesammelt hat, ist die vorherrschende Gesteinsart bei
Port Sta Elena, Camerones, Malaspina, und südlich bis nach den Papa
of Pineda ein purpurröthlicher oder bräunlicher Thonsteinporphyr, der
zuweilen blätterig, zuweilen unbedeutend blasig ist, mit Krvstallen von
opakem Feldspath, und mit einigen v en Quarzkörnern: es sind
daher diese Porphyre den unmittelbar zu beschreibenden aus Port Desire
ähnlich, und gleichzeitig auch einer Reihe, welche ich in der Nähe
von Porto Allegre an den südlichen Grenzen von Brasilien gesehen
habe. Diese Porphyrformation ist ferner in einer eigentümlich nahen
Weise der tiefsten geschichteten Formation der Cordillera von Chile
ähnlich, welche, wie wir später sehen worden, eine ungeheuere Aus-
dehnung hat und eine grosze Mächtigkeit erreicht. Im Grunde des
Golfs von St. Georg« - scheinen nur tertiäre Ablagerungen vorhanden zu
in. Bei Cap Blanco findet sich Quarzi ein, dem von den Falkland-
Inseln sehr ähnlich, und etwas harter blauer kieseliger Thonsehi '

Bei Port Desire ist eine sehr ausgedehnte Formation des Thon-
steinporphyrs zu finden, die sich mindestens fünfundzwanzig Meilen
weit in das Innere erstreckt: sie ist denudirt und tief in Rinnsale aus-
gewaschen worden, ehe sie von den tertiären Ablagerungen bedeckt
wurde, durch welche sie hier und da in Bergen vorspringt; diejenigen
nördlich von der Bucht sind 440 Fusz hoch. Die Schichten sind an
mehreren Stellen unter geringen Winkeln meist entweder nach Nord-
nordwest oder Südsüdost aufgerichtet worden. Durch allmähliche Über-
gänge und Abwechselungen verändern die Porphyre unablässig ihre Be-
schaffenheit. Ich will nur einige der hauptsächlichsten mineralogischen

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222                                          Patagouien.                                      Cap. 6.

Veränderungen' beschreiben, welche im hohen Grade instructiv sind
und welche ich sorgfältig untersucht habe. Das vorherrschende Gestein
hat eine compacte purpurne Basis mit Krystallen von erdigem oder
opakem Feldspath und häutig mit Quarzkörnern. Es finden sich an-
dere Varietäten mit einer beinahe rein trachytischen ürundmasse, die
voll von kleinen winkeligen Blasen und Krystallen von glasigem Feld-
spath sind, und es gibt auch Schichten von schwarzem vollkommenen
Pechstein ebenso wie solche von einer unvollkommenen concretionären
Varietät. Bei einer oberflächlichen Betrachtung würde man die ganze
Reihe für von der nämlichen plutonischen oder vulkanischen Natur
halten, wie die trachytischen Varietäten und den Pechstein; aber das
ist durchaus nicht der Fall, da ein groszer Theil des Porphyrs sicher
metamorphischeu Ursprungs ist. Auszer den echten Porphyren findi
sich noch viele Schichten von erdiger, gänzlich weiszer oder gelblicher,
zerreiblicher, leicht schmelzbarer Masse, welche der Kreide ähnlich ist,
aber unter dem .Mikroskop sich als aus minutiösen, zerbrochenen Kry-
stallen bestehend erweist, und welche, wie in einem früheren Capitel
bemerkt wurde, den oberen tuffartigen Schichten der patagonischen
Tertiärlbrmation ähnlich ist. Diese erdige Substanz wird häufig grob
und enthält sehr kleine abgerundete Porphyrfragmente und rundliche
Quarzkörner, und in einem Falle so viele von letzteren, dasz sie einem
gewöhnlichen Sandsteine ähnlich wird. Diese Schichten sind zuweilen
durch Linien von wässerigem Niederschlag gezeichnet, welche Stück-
chen von verschiedenem Grade grober B< tffenheit von einander
trennen; in andern Fällen finden sich parallele eisenhaltige Linien,
nicht von echtem Niederschlag, wie durch die Anordnung der Partikeln
erwiesen wird, aber Bolchen doch in eigentümlicher Weise ähnlich.
Die stärker verhärteten Varietäten enthalten häufig viele kleine und
einige gröszere winkelige Höhlen, welche Folge der Entfernung erdiger
Substanz zu sein scheinen; einige Varietäten enthalten Glimmer. Alle
diese erdigen und im Allgemeinen weiszen Steinarten gehen unmerk-
lich in härtere klingende Varietäten über, welche mit einem muscheligen
Bruch brechen, jedoch von geringem speeifi in Gewicht sind; viele
von diesen Letzteren Varietäten nehmen eine blaszpurpurne Färbung
an, sie sind eigentümlich in verschiedenen Schattirungen gebändert
und geädert, und werden häufig deutlich porphyritisch mit Feldspath-
krystallen. Die Bildung dieser Krystalle konnte äuszerst deutlich
durch minutiöse und häufig theilweise hohle Flecken erdiger Substanz

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Cai>.                                      Porpliyritische Gesteine.                                     223

Igt werden, welche zuerst eine faserige Structur annehmen,
dann in opake unvollkommen gestaltete Krystalle, und endlich in voll-
kommen glasige Krystalle übergehen. Wenn diese Eryetalle auftraten,
und wenn die Grundmasse compact geworden war, konnte das Gestein
an vielen Stellen nicht von einem echten Thonsteänporphyr ohne eine
aer mechanischen Structur unterschieden werden.
An einigen Stellen gehen diese erdigen oder tuffartigen Schichten
in Jas und in sehr schön gefleckte und gebänderte Porzellangesteine
über, welche in Splitter zerbrechen, die an den Rändern durchschei-
ad and hart genug sind. Glas zu ritzen, und zu weiszen durch-
inenden Perlen schmelzen: in den porzellanartigen Varietäl in-
ge>            ne Quarzköraer sieht man in die umgebende teigartige Masse

verschmelzen. An andern Stellen nen die erdigen oder tuffartigen
Dichten entweder unmerklich in Breccien über, oder wechseln mit
en al . Iche aus groszen und kleinen Fragmenten verschiedener
purpurner Porphyre mit einer meist porphyritischen Grundsubstanz
zusammengesetzt sind: diese Breccien gehen gleichfalls, obschon ihr
Ursprung unter Wasser an vielen Stellen sowohl durch die Anordnung
ihrer kleineren Theilchen als durch eine schräge oder durchlaufende
Blätterung nachzuweisen in Porphyre über, in welchen jede Spur
eines median          i Ursprungs und einer Schichtung obliterirt ist.

Einige in hohem Grade porphyritisehe, obschon grobkörnige M
von offenbar sedimentärem Ursprung, und in dünne von einander bau.
blich in äor Zahl der ''ingeschlossenen Quarzkörner abweichende
hichten getheilt, interessirten mich sehr wegen der eigentümlichen
Weise, in welcher hier und da einige von den Schichten in abrupten
Spitzen endigten, denen vollkommen ungleich, welche durch eine Sedi-
mentschicht gebildet werden, die naturgemäsz sich verdünnt, und
offenbar das Resultat eines späteren Processes einer metamorphischen
Aggregation. In einer andern gewöhnlichen Varietät von einer feine-
ren Textur war der Aggregationsprocesz noch weiter gegangen, denn
die ganze Masse bestand aus ganz kurzen, parallelen, häufig unbedeu-
tend gekrümmten Lagen oder Flecken von weiszer oder röthlicher,
feinkörniger, kristallinischer, feldspathiger Substanz, meist an beiden
Enden in stumpfe Spitzen ausgehend; diese Lagen oder Flecken neigten
irrner dazu, in Keile oder mandelförmige kleine Massen überzugebi
und diese endlich wieder in echte Krystalle von Keldspath, deren Cen-
tren häufig leicht drusig waren: die Reihe war so vollkommen, dasz ich

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224                                          Patagonien.                                      Cap. 6.

nicht daran zweifeln konnte, dasz die groszen Krystalle, deren längere
Axen parallel zu einander gestellt waren, ursprünglich während der
Metamorphose und der Aggregation abwechselnder Tuffschichten ein-
standen waren; und es musz daher ihre parallele Stellung (so m
wartet der Schlusz auch sein mag) nicht den Gesetzen chemischer
Thätigkeit, sondern den ursprünglichen Ebenen des Niederschlags zu-
geschrieben werden. leb werde versucht, kurz drei andere eigenthüm-
lich verwandte Varietäten von Gesteinen zu beschreiben; die e
würde ohne Untersuchung für eine stratificirte porpb\ritische Bre
gegangen sein, aber alle die eingeschlossenen eckigen Fragmente
best ii aus einem Saum von röthlicher, krystallinischer. feldspathi
Substanz, welche ein dunkles, durchscheinendes, kieseliges Centrum
umgab, in dem Quarzkörner, die nicht vol idig in die Grundmi
verschmolzen waren, unterschieden werden konnten; diese Gleichförmig-
keit in der Beschaffenheit der Fragmente zeigt, dasz sie nicht
mechanischem, sondern von concretionärem Ursprünge, und vielleicht
das Resultat des Aufbrechens und Wiederaggregirens von Schichl
verhärteten Tüll- ind, welcher zahlreiche Quarzkörner enthielt, —
in welchen in der That die ganze Masse an einer Stelle übergie

zweite Varietäl ist ein röthlicher, nicht porphyritischer Thonstein,
der ganz voll von sphärischen Höhlen ist, von ungefähr einem halben
Zoll im Durchm . jede mit einer collabirten aus Quarzkrystallen
üdeten Kruste ausgekleidet. Die dritte Varietät besteht auch aus
einem blaszpurpurnen nicht porphyritischen Thonstein, der beinahe
ganz aus coneretionären undeutlich in Lagen angeordneten Kugeln
von einem weniger compacten und blasser gefärbten Thonstein be-
stellt; jede Kugel ist an der einen Seite zum Theil hohl und mit
Quarzkrystallen ausgekleidet.

Falsche Gänge. - Einige Meilen den Hafen hinauf beobach-
tete ich an einer aus unbedeutend metamorphosirten tuffartigen und
porphyritischen Thonsteinschichten gebildeten Klippenreihe drei senk-
rechte Gänge, die im allgemeinen Ansehen gewöhnlichen vulcanischen
Gängen so bedeutend ähnlich waren, dasz ich bis zur näheren Unter-
suchung ihrer Zusammensetzung nicht daran zweifelte, dasz sie
unten injicirt worden seien. Der erste isl          le, mit parallelen

Seiten, und ungefähr vier Fusz breit; er besteht aus weiszlicher, ver-
härteter, tuffartiger Substanz, genau gleich einigen der von ihm durch-

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Cap. 6.                                    Falsche Gang                                         225

setzten Schichten. Der zweite Gang ist merkwürdig; er ist unbedeu-
tend gewunden, ungefähr achtzehn Zoll dick, und kann eine beträcht-
liche Strecke dem Strande entlang verfolgt werden; er ist von einer
purpurröthlichen oder braunen Farbe und wird hauptsächlich aus ab-
gerundeten Quarzkörnern mit zerbrochenen Krystallen von erdigem
Feldspath, Schuppen schwarzen Glimmers und minutiösen Fragmenten
von Thonsteinporphyr gebildet, welche alle fest in einer harten spär-
lichen Grundmasse mit einander vereint sind. Die Structur dieses
Ganges zeigt augenfällig, dasz er von mechanischem und sedimentärem
Ursprung ist; doch dünnte er sich nach oben aus und durchschnitt
nicht die obersten Schichten an den Klippen. Diese Thatsache scheint
auf den ersten Blick anzudeuten, dasz diese Substanz nicht von oben
her hineingewaschen worden sein konnte10; wenn wir aber über die
Saugkraft nachdenken, welche dann eintreten würde, wenn sich eine
tief liegende Spalte bildete, so können wir annehmen, dasz, wenn die
Spalte an einer Stelle an der Oberfläche sich öffnete, Schlamm und
Wasser ihrem ganzen Verlauf nach eingezogen werden würde. Der
dritte Gang bestand aus hartem, rauhem, weiszem Gestein, beinahe
ganz aus zerbrochenen Krystallen glasigen Feldspaths mit zahlreichen
Schuppen schwarzen Glimmers zusammengesetzt, welche in einer spär-
lichen Grundmasse eingekittet waren; in der Erscheinung dieses Ge-
steins lag nur wenig, was die Idee, dasz es ein echter injicirter feld-
spathiger Gang sei, ausschlosz. Die diese drei falschen Gänge zu-
sammensetzende Substanz, besonders des zweiten, scheint wie die
umgebenden Schichten einen gewissen Grad metamorphischer Einwir-
kung erlitten zu haben, und dies hat das täuschende Ausehen bedeu-
tend unterstützt. Bei Bahia in Brasilien haben wir gesehen, dasz ein
echter injicirter Hornblendegang nicht blosz Metamorphose erlitten
hat, sondern dislocirt und selbst in den umgebenden Gneisz diffundirt
worden ist, und zwar unter der Form von einzelnen Krystallen und
von Fragmenten.

Falkland-Inseln. — Ich habe diese Inseln in einem im dritten
Bande des „Geological Journal" veröffentlichten Aufsatz beschrieben

10 Erfüllte Spalten kommen bekanntermaszen BOWohl in vulcanischen als in
gewöhnlichen sedimentären Formationen vor. Auf dem Galapagos-Arcbipe] linden
rieh einige auffallende Beispiele von aus hartem Tuff zusammen} ten falschen
Gängen (s. Vulcanisehe Inseln, Cap. V.).

Darm          1-Amorlct. (Xlf, I.)                                                                   15

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226                                       Falkland-Inseln.                                   Cap.

(s. diesen Band, Abth. II, p. 1). Die Gebirgsrücken bestehen aus
Quarzit und das tiefere Land aus Thonschiefer und Sandstein, welcher
letztere paläozoische Fossilien enthält. Diese Fossilien sind besonders von
den Mrs. Morris und Sharpe beschrieben worden; einige von in
sind silurischen und andere devonischen Formen ahnlich. Im östlichen
Theile der Gruppe erstrecken sich dir verschiedenen parallelen Quarzit-
rücken in einer west-östlichen Linie; aber weiter westlich zieht die
Linie westnordwestlich und ostsüdöstlich, und selbst noch mehr nörd-
lich. Die Spaltungsebenen des Thonschiefers sind in hohem Grade
geneigt, meist unter einem Winkel von über 50 Grad und hantig ver-
tikal; -ie streichen beinahe ausnahmslos in derselben Richtung mit
den Quarzitzügen. Die Umrisse der eingeschnittenen Ufer der z
Hauptinseln und die relativen Lagen der kleineren Inselchen stimmen
mit «lein Sirriehen sowohl derHaupterhebungsaxen als auch der Sp
bungsebenen des Thonschiefers überein.

Feuer land. — Meine Notizen über die Geologie dieses Lau
sind zahlreich: da sie aber nicht wichtig sind, und Fossile nur in
einem Districte gefunden wurden, wird hier eine kurze Skizze genügen.
Die östliche Küste von der Magellan-Strasze (wo die erral          For-

mation reichlich entwickelt ist) bis zur St. Polycarp's-Bucht wird aus
horizontalen              □ Schichten gebildet, welche eine Strecke weit

h dem Innern zu von einem breiten bergigen Streifen von Thon-
iefer begrenzt werden. Diese grosze Thonschieferformation erstreckt
sich          St. Le Maire nach Westen 140 Meilen weit, beiden Seiten

des Beagle-Canals entlang, bis in die Nähe seiner Gabelung. Südlich
von diesem «anal bildet sie die ganze \avarin-Insel. und die östliche
Hälfte von Hoste-Insel und von är Hardy-Halbinsel; nördlich vom
Beagle-Canal erstreckt sie sich in einer nordwestlichen Richtung auf
beiden Seiten des Admiralitäts-Sundes bis zur Halbinsel Braunschweig
in der Magellan-Strasze, und ich habe Grund zu der Vermuthuhg, dasz
sich an der östlichen Seite der Cordillera weit hinauf erstreckt.
Die westliche und durchbrochene Seite des Feuerlandes nach dem
.Stillen Ocean" zu wird aus metamorphischem Schiefer, Granit und
jehiedenen trappartigen Gesteinsarten gebildet; die Trennungslinie
zwischen der krystallinischen und Thoriachiefer-Fonnatiönen kann mei-
stens, wie Captain King11 bemerkte, durch den in den Thonschiefer-

11 Geographica! Journal, Vol. I. p. 1

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__7

Districten vorhandenen Parallelismus               r und lle, welche in

einer Richtung angeordnet sind, die zv. u Wesl 20° bis 40° Nord
und Ost 20° bis 40° Süd schwankt, unterschieden werden.

Der Thonschiefer ist i               Ltbar, zuweilen kieselig              en-

haltig, mit Adern von Quarz und Kalkspath; er nimmt häufig, be-
iders auf den höheren Bergen, einen veränderten feldspathigen Cha-
racter an und geht in feldspathigen Porphyr über: gelegentlich ist er
mit Br< d und Grauwacke verbunden. Bei der Good-Success-I».
findet sich ein wenig zwischeneingeschalteter schwarzer krystallinischer
Kalkstein. Bei Port Famine ist ein | er Theil des Thonschiefers
kalkig und geht entweder in einen Schieferletten oder in Grauwacke
über, welch'' merkwürdij           iltete Concretionen eines dunklen tlio-

nigen Kalksteins einschlieszt. Nur hier am Ufer, einige wenige Meilen
nördlich von Port Famine und auf dem Gipfel von Mount Tarn (2600
Fusz hoch) fand ich organische Überreste; sie bestellen aus:

1.  A        ceraa              i.'Ohk.. „Pal. France" (Taf. VT Fig. 2) Mount Tarn.

2.              in unvollkommenem Zustand-                                     «>nda.

3.  Nattca                ebenso,                                                  ebenda.
1. P ebenso,                                                        la.

>w. (T;il. V, Fig. 21),               Port Fami

6.   l         (in anvollkommenem Zustande),                                ebenda.

7.  Turl            ebenso                                                         ebenda.

8.  Ha                       B. Sow.,                                              ebenda.

d'Orbignt gibt an,12 dasz Hombbon und GrANGE in dieser Gegend
len Ancylo j, vielleicht A. simplex, einen Ammoniten, eine PU-
catula und eine Modiola fanden. d'Oi v glaubt nach dem allge-
meinen Character dieser Fossile, und weil der Ancylo (so weit
'Sen unvollkommener Erhaltungszustand einen Vergleich gestattete)
mit dem A. simplex Europa's identisch ist , dasz die Bildung ein
frühen Stufe des Kreid tems angehört. Professor E. F              elcher

nur nach meinen Han<           in urtheilt, stimmt der Wahrscheinlichkeit

! Schluszfolgerung zu. Der Hamii              r der obigen Liste,

von welchem eine Beschreibung von Sowbbby im Anhange gegeben
wird, und welcher seiner bedeutenden Grösze wegen merkwürdig i
ist weder von d'O »ny noch von Professor E. F s gesehen wor-
seit meiner Rückkehr nach England die Exemplare verloren
worden sind. Dasz die grosze Thonschieferformation des Feuerlandea

'- Voyage, Tan. Geolog., p. 242.

15*

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'Jils                                  Kristallinische Gesteine                             Cap. 6.

der Kreidezeit angehört, ist sieher eine sehr interessante Thatsache,
mögen wir das Ansehen des ganzen Landes in Betracht ziehen, welches
ohne die durch Fossilien dargebotenen Beweise nach der Analogie der
meisten bekannten Districte wahrscheinlich als der paläozoischen
Reihe angehörig betrachtet worden sein würde, oder i d wir es
als einen Beweis dafür ansehen, dasz das Alter dieser Endparthie
der groszen Axe von Süd-America das nämliche ist (wie später ge-
zeigt werden wird), wie das der Cordillera von Chile und Peru.

Der Thonschiefer wird an vielen Stellen des Feuerlandes durch
Gänge durchbrochen13 und durch grosze Massen von Grünstein, die
oft in hohem Grade hornblendig sind: beinahe alle die kleineren Inseln
innerhalb der Thonschieferdistriote sind in dieser Weise zusammen-
gesetzt. Der Schiefer in der Xähe der Gänge wird meist blasser ge-
färbt, härter, weniger spaltbar, von feldspathiger Beschaffenheit, und
geht in Porphyr oder Grünstein über: in einem Fall indessen wurde
er spaltbarer, von rother Färbung, und enthielt minutiöse Glimmer-
blättchen, welche in dem unveränderten Gestein fehlten. Auf der Ost-
ite von Ponsonby-Sund waren einige aus einem blassen, klingenden,
feldspathigen Gestein zusammengesetzte Gänge, die porphyritisch mit
ein wenig Feldspath waren, ihrer Anzahl wegen merkwürdig, — es
fanden sich innerhalb des Baumes von einer Meile mindestens hundert, —
sie waren ferner merkwürdig wegen des Umstandes, dasz sie an Mäch-
tigkeit nahezu dem dazwischen liegenden Schiefer glichen, — und be-
sonders wegen der excessiven Feinheit (gleich der feinsten eingelegten
Tischlerarbeit) und dem vollkommenen Parallelismus ihrer Verbindung
mit den beinahe verticalen Schichten des Thonschiefers. Ich war nicht
im Stande mich zu überreden, dasz diese groszen parallelen Massen
injicirt worden seien, bis ich einen Gang fand, welcher sich plötzlich
zur Hälfte seiner Mächtigkeit verdünnte, und dessen eine Seitenwand
nur mit Fragmenten des Schiefers durchsetzt war.

Im südlichen Feuerland wird der Thonschiefer nach seiner süd-
westlichen Grenze hin sehr verändert und feldspathig. So kann man
auf der Wollaston - Insel Schiefer und Grauwacke deutlich in feld-
spathige Gesteine und Grünstein übergehen sehen, welche Schwefel-

13 In einem Grünsteingang im Magdalenen-Canal spaltete der Feldspath mit
dem Winkel des Albit. Dieser Gang wurde, ebenso wie der umgebende Schiefer
von einer groszen Quarzader durchsetzt, ein Umstand von ungewöhnlichem Vor-
kommen.

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Cap. 6.                                    los Feuerlandes.                                       229

kiese und Epidot enthalten, aber nocli immer Spuren von Spaltbarkeit
mit dem gewöhnlichen Streichen und Fallen darbieten. Eine derartige
metaraorphosirte Masse wurde von groszen, Adern ahnlichen Massen
einer wundervollen Mischung (wie Professor Miller ermittelt hat)
von grünem Epidot, Granaten und weiszem Kalkspath durchsetzt. An
der nördlichen Spitze dieser nämlichen Inseln fanden sich verschiedene
alte submarine vulcanische Gesteine, welche aus Amygdaloiden mit
dunklem Bolus und Achat, — aus Basalt mit zersetztem Olivin, —
aus compacter Lava mit glasigem Feldspath, — und aus einem groben
Conglomerat von rothen Schlacken, die zum Theil Amygdaloide mit
kohlensaurem Kalk waren, bestanden. Der südliche Theil von der
Vollaston-lnsel und das (ianze von Hermite und Horn-Insel scheint
aus Grünsteinkegeln gebildet zu sein: die weiter abliegenden Inseln
II Defenso und D. Raminez bestehen, wie angegeben wird,11 aus por-
phyritischer Lava. Bei dem Durchkreuzen der Halbinsel Haidy geht
der noch immer Spuren seiner gewöhnlichen Spaltbarkeit behaltende
Schiefer in säulige feldspathige Gesteinsarten über, denen ein unregel-
mäsziger Zug von Trapp- und Basaltgesteinen folgt, welche glasi-n
Feldspath und viel Schwefelkies enthalten: es findet sich auch etwa--
barscher rother Thonsteinporphyr, und ein beinahe reiner Trachvt mit
Hornblendenadeln, und an einer Stelle ein merkwürdig sebieferiges Ge-
stein, welches in viereckige Säulen getheilt ist, mit einer Basis die
beinahe dem Trachyt gleicht, mit drüsigen, mit Krvstallen erfüllten
Höhlen, welche aber nach Professor Miller zu unvollkommen sind,
um gemessen zu werden, aber Xeagonit ähnlich sind.15 Mitten
zwischen diesen merkwürdigen Gesteinsarten, die ohne Zweifel von
altem submarinen vulcanischen Ursprünge sind, sprang ein hoher Berg
von feldspathigem Thonschiefer empor, der seine gewöhnliche Spaltung
neigte. In der Nähe dieses Punktes fand sich ein kleiner Hügel,
der das Ansehen von Granit hatte, aber aus weiszem Albii. glän-
zenden Hornblendekrystallen (beides durch das Berlexionsoniomei
ermittelt) und Glimmer gebildet wurde, aber ohne Quarz. Kein
neuer vuleanischer District ist in irgend einem Theile des Feuerlandes
beobachtet worden.

14   Von Professor Jameson bestimmt, b. Weddell's Vo;        p. 169.

15  s. Brooke's Aufsatz in: London Philo«. Magaz., Vol. X. Dieses Minoral
kommt in einem alten vulcanischen Gestein in der Nah-' von Koni vor.

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Feuerlan.l.                                           I'

Fünf .Meilen westlich von der Gabelung des Beagle-Canals g die
Sei          rmatiön, anstatt wie in den südlicheren Theilen des Feuer-

land                   »und mit Trapp oder alten vul. neu Gesteinen

vei llschaftet zu v. q, in ab selnder Reihe in ei          tue

darunter liegende Masse von feinem Gneisz und glänzendem Thon-

fer über, welcher in keiner groszen Entfernung          groszarti]

Formation von Glimi               r, der Granaten enthält, folgt. Die

Blätter dieser raetamorpb               hiefer              n parallel zu den

►altungsebenen des Thonschiefers, welche ein jehr gleichförmige
Richtung über diesen ganzen Theil des Landes haben: indessen sind
die B r wellig und gewunden, während die Spaltungsblätter des
Schi*               le sind. Diese Schiefer s<         die Hauptgebirgsketten

des süillichen Feuerlandes zusammen, die sich der nördlichen Seite
des nördlichen Armes des Beagle-Canals entlang in einer kurzen west-
nord-westlicben und ostrsüd-östlichen Linie erstrecken, mit zwei sich
bis zu den Hohen von 6800 und 6900 Fusz erhebenden Spitzen (Mount
Sarmiento und Darwin). Auf der südwestlichen Seite dieses nördlichen
Armes                   -Canals sieht man den Thonschiefer mit seinen

Schiiii i .Mi von der groszen Bergkette abfallend, so d; die meta-
morphis           chiefer liier einen auf 1"         Seiten von Thonschiefer

begrenzten Rücken bilden. \\              dlich in n nach \Y q von

diesem groszen Rücken findel sich kein Thonschiefer, sondern nur
Gneisz, Glimmer und Hornblendeschiefer, welche auf groszen kahlen
Bergen von echtem Granit ruhen und einen ungefähr sechzig virilen
breiten Zug bilden. Wieder nach Westen von diesen Gesteinen sind
die äuszersten [nseln von Trappformation, welche nach den während
der Reise der Adventure und Beagle16 erhaltenen Informationen in Ver-
bindung mit Granit hauptsächlich der westlichen Küste entlang von
Norden bis zum Hingang in die Magellanstrassevorzuherrschen scheint:
ein wenig mehr landeinwärts auf der östlichen Seite von Clarence-
Insel und S. Desolation scheinen Granit, Grünstein, Glimmerschiefer
und Gneis/ vorzuherrschen. Ich werde versucht anzunehmen, dasz wo
der Thonschiefer in gross*]; Tiefen unter der Oberfläche metamor-
phosirt worden ist, Gneisz, Glimmerschiefer und andere verwandte

16 s. den Aufsatz d< pt. King in dem Geographical Journal; auch eil
Brief an Dr. Fitton in: Geolog. Proceed., Vol. I, p. 29; auch einige Bemer-
kungen von Capt. FitzRoy, Voyage, Vol. I, p. 375. Ich bin auch Mr. Lyell
für eine Reihe von Bandstüc verbunden, welche Lieut. Graves gesammelt hat.

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Cap. 6.                              altling des Thonschiefers.                                231

Gesteinsartefi gebildet worden sind, dasz aber da, wo die Einwirkung
näher an der Oberfläche stattgefunden hat, feldspathige Porphyre,
Grünstein u. s. w. das Resultat gewesen sind, häufig hegleitet von
submarinen rulcanischen Eruptionen.

Nur ein anderes Gestein, welches man in beiden Armen des
Beagle-Canals antrifft, verdient irgend eine Erwähnung, nämlich eine
körnige, krystallinische Mischung von weiszem Albit. schwarzer Horn-
blende (durch Messung der Krystalle ermittelt" und von Professor
Milleb bestätigt) und mehr oder weniger von braunem ölimmer,
alier ohne irgend welchen Quarz. Dieses Gestein kommt in groszen
Massen vor, welche in der äuszeren Form Granit oder Syenit sehr
ähnlich sind: im sudliehen Arme des Canals liegt eine solche Masse
unter dem Glimmerschiefer, auf welcher Thonschiefer aufgelagert ist:
dieses eigentümliche platonische Gestein, welches wie wir gesehen
haben auch in Hardj-Halbinsel vorkommt, ist deshalb interessant, weil
dem (später häufig unter dem Namen von Andesit zu erwähnenden)
Gestein vollkommen ähnlieh ist. welches die groszen injicirten Axen
der Cordillera von Chile bildet.

Die Schichtung des Thonschiefers ist meist sehr undeutlich,
während die Spaltung merkwürdig gut bestimmt ist: um mit dem
äuszersten östlichen Theiledes Feuerlandes zu beginnen: die Spaltungs-
ebenen in der Nähe der Strasse von Le Maire streichen entweder west-
lich oder östlich, oder West-Süd-West und Ost-Nord-Ost, und sind
stink geneigt! die Form des Landes mit Einschluss von Staaten-Inseln
deutet an, dasz die Erhebungsaxen in dieser nämlichen Linie laufen,
obgleich ich nicht im Stande war, die Schichtungaebenen zu unter-
scheiden. Beim Fortschreiten nach Westen untersuchte ich genau die
Spaltung des Thonschiefers auf der nördlichen, östlichen und west-
lichen Seite (funfunddreiszig Meilen von einander entfernt) von Navarin-
Insel, und fand überall die Blätter mit äuszerster Kegelmäszigkeit
West-Nord-West und Ost-Süd-Ost ziehend, selten mehr als einen
Punkt des Compasses von dieser Richtung variirend.17 Sowohl an
der östlichen als westlichen Küste kreuzte ich unter rechten Winkeln
die Spaltungsebenen auf einer Strecke von ungefähr acht Meilen, und

17 Der Thonschiefer wurde auf dieser Insel an vielen Stellen von glatten
parallelen Fugen durchsetzt. Unter fünf Fällen war der Durcnscbneidungawinkel

zwischen dem Streichen dieser Fugen und dem der Spaltungsblätter in zwei Fällen
45° und in zwei andern "i»°.

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232                                          Feuerland.                                       Cap. 6.

fand sie unter einem Winkel von zwischen 45 und 00° meist nach
Süd-Süd-West, zuweilen nach Nord-Nord-Ost, und häufig ganz vertical
streichen. Dem südsüdwestlichen Einfall folgte zuweilen ganz plötz-
lich ein nordnordöstlicher Fall, und diesem wieder eine senkrechte
Spaltung, oder wieder ein südsüdwestlicher Fall; da an einem hohen
Felsen am östlichen Ende der Insel die Blätter des Schiefers in sehr
grosze steile Curven gefaltet zu sehen waren, die in der gewöhnlichen
westnordwestlichen Richtung liefen, so vermuthe ich, dasz die variiren-
den und entgegengesetzten Einfallswinkel möglicher Weise dadurch
erklärt werden können, dasz die Spaltungsblätter, obschon sie für das
blosze Auge gerade erscheinen, Theile von groszen, abgebrochenen
Curven sind, deren Gipfel abgeschnitten und fortgewaschen wor-
den sind.

An mehreren Stellen fiel mir ganz besonders die Thatsache auf,
dasz die feinen Blätter des Thonschiefers, wo sie gerade durch die
Schichtungsbänder durchschnitten und daher unbestreitbar echte Spal-
tungsebenen bildeten, unbedeutend in den grauen und grünlichen
Schattirangen ihrer Färbung, in der Compactheit, und darin von ein-
ander abwichen, dasz einige Blätter eine jaspisartigere Erscheinung
darboten, als andere. Ich habe keine Schilderung dieser Thatsache
gesehen und sie scheint mir von Bedeutung zu sein, da sie zeigt, dasz
eine und die nämliche Ursache welche die in hohem Grade spaltba
Structur erzeugt hat, in einem unbedeutenden Grade den mineralo-
gischen Character des Gesteins in denselben Ebenen verändert hat.
Die eben erwähnten Schichtungsbänder können an vielen Stellen, be-
sonders auf Navarin-Insel, unterschieden werden, aber nur an den
verwitterten Flächen des Schiefers; sie bestehen aus leicht welligen
Zonen verschiedener Farbenschattirungen und verschiedener Mächtig-
keit und sind den Zeichnungen ähnlich (und zwar ähnlicher als irgend
etwas Anderem mit dem ich sie vergleichen könnte), welche auf der
Innenseite eines Gefäszes übrig bleiben, wenn man irgend eine schmutzige,
leicht gestörte Flüssigkeit abzieht: auf frisch gebrochenen Flächen war
in der Zusammensetzung kein Unterschied zu bemerken, welcher diesen
Zonen entsprach. In den ebeneren Theilen von Navarin-Insel waren
diese Schichtungsbänder nahezu horizontal; aber an den Seiten der
Berge waren sie von ihnen ab geneigt, aber in keinem Falle unter den
von mir gesehenen unter einem so hohen Winkel. Ich glaube es
läszt sich daran nicht zweifeln, dasz diese Zonen welche nur auf

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Cap. 6.                            Spaltung; des Thonschiefers.                               233

den verwiitorten Flächen erscheinen, die letzten Spuren der ursprüng-
lichen Schichtungsebenen sind, welche durch die in hohem örade spalt-
bare und veränderte Natur, die die Masse angenommen hat, beinahe
verwischt sind.

Der Thonschiefer spaltet in der nämlichen westnordwestlichen
und ostsüdöstlichen Richtung, wie auf Navarin-Insel, auf beiden
Seiten des Beagle-Canals, auf der östlichen Seite von Hoste-Tnsel, auf
der nordöstlichen Seite der Hardy-Halbinsel und auf der nördlichen
Seite von Wollaston-Insel, obschon an diesen zwei letzteren örtlich-
keiten die Spaltung durch den metamorphischen und feldspathigen Zu-
stand des Schiefers bedeutend verwischt ist. Innerhalb des Bezirkes
dieser verschiedenen Inseln, mit Linschlusz von Navarin-Insel, ist die
Richtung der Schichtung und der Bergketten sehr dunkel, obschon
die Berge an mehreren Stellen in der nämlichen westnordwestlieln'n
Linie wie die Spaltung geordnet zu sein schienen: die Umrisse der
Küste entsprechen indessen dieser Linie nicht. Tn der Nähe der Gabe-
lung des Beagle-Canals sind die darunter liegenden metamorphischen
hiefer, wo sie zuerst zu sehen sind, in dieser nämlichen westnord-
westlichen Linie, und wie früher angegeben wurde mit der Haupt-
gebirgsaxe dieses Theils des Landes parallel geblättert (mit einigen
Unregelmäszigkeiten). Westlich von diesem Hauptzuge sind die meta-
morphischen Schiefer, wenn schon weniger deutlich, in derselben Rich-
tung geblättert, welche gleichfalls der Zone alter eruptiver Trapp-
gesteine zukommt, welche die äuszersten Inselchen bilden. Es ist
daher der Bezirk, über welchen die Spaltung des Schiffers und die
Blätterung der rnetamorpliischen Schiefer sich mit einem mittleren
Streichen von West-Nord-\V<isl nach Ost-Süd-Ost erstrecken, ungefähr
vierzig Meilen in einer nordsüdlichen Linie und neunzig Meilen in
einer ostwestlichen Linie grosz.

Weiter nach Norden in der Nähe von Port l'amine ist die Schich-
tung des Thonschiefers und der damit verbundenen Gesteine gut be-
stimmt, und nur dort sind die Spaltung und die Schichtungsebenen
parallel. Ein wenig nördlich von diesem Hafen findet sich eine anti-
klinische Axe von Nordwesten (oder ein wenig mehr nach Westen)
nach Südosten sich erstreckend. Südlich vom Hafen bis zum Admirali-
täts-Sund und Gabriel-Canal deutet der Umrisz des Landes deutlich
die Existenz verschiedener Erhebungslinien in dieser nämlichen nord-
westlichen Richtung an, welche, wie ich hinzufügen will, auf der

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t                                       Chonos-Archipel.                                  Cap. 6.

westlichen Hälfte der Magellan-Strasze so gleichförmig ist, «Ins/, wie
Capitain King bemerkt hat18, „ein Parallel-Lineal auf der Kart«- auf die
„vorspringenden Punkte des südlichen Cfers und qu r Qber die Strasze
„gelegt auch die Vorgebirge der gegenüberliegenden Küste treffen wird."
Ea dürfte aus Capitain Knre'g Beobachtungen hervorgehen, dasz über
diesen ganzen Bezirk hin die Spaltung sieh in derselben Richtung aus-
dehnt. Indessen Laben Tiefwassercanäle in allen Theilen des Feuer-
landes sowohl die Schichtungs- als Spaltungszüge durchbrochen; die
meisten von ihnen dürften während der Erhebung des Landes durch
lange fortgesetzte Erosion gebildet wurden sein, andere aber, wie z.B.
der Beagle-Canal, welcher sich wie ein enger Canal 120 Meilen lang

iiiiig durch die Gebirge erstreckt, können kaum in dieser Weise ent-

anden sein.

Endlich haben wir gesehen, dasz an dem aus               stlichen

Punkte des Feuerlandes die Spaltung und die Küstenlinien sich von
Westen nach Osten oder selbst West-Süd-West und Ost-Nord-Ost er-
strecken: über ein groszes Gebiet nach Westen hin streichen der Haupt-
gebirgszug und einige untergeordnete Züge, aber nicht die Küsten-
umrisae, von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost: in den centralen und
westlichen Theilen der Magellan-Strasze laufen die Schichtung, die
Gebirgszüge, die Umrisse der Küste und die Spaltung sammtlich nahezu
Nord-West und Süd-Ost. Nordlich von der Strasze ziehen die TJmrisf
der Küste und die Gebirge auf dem Festlande nahezu von Norden
nach Süden. Wir sehen daher an diesem südlichen Punkte des Conti-
nents, wie allmählich die Cordillera sich von ihrem nordsüdlichen
Verlaufe von so vielen Tausend Meilen Länge in eine östliche und
selbst ostnordöstliche Richtung umbiegt.

"Westküste, von den südlichen Chonos-Inseln bis zum
nördlichen Chile. — Der erste Ort. wo wir nördlich von der
Magellan-Strasze landeten, war in der Nähe von Cap Tres Montes in
47° s. Br. Zwischen diesem Punkte und den nördlichen Chonos-Inseln,

-

eine Entfernung von 200 Meilen, besuchte der lleagle mehrere Punkte,
und es wurden von Lieutenant Stokbs Handstücke für mich von den
zwischenliegenden Punkten gesammelt. Das vorherrschende Gestein
ist Glimmerschiefer, mit dicken Quarzblättern, welche sehr häufig in

18 Geographica! Journal, Vol. I, p. 170.

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6.                                      lonos-Arcbipel.                                      ->.

eine» chloritischen oder in einen schwarzen, glänzenden, bflnfig g

.. leicht anthracitischen Schiefer übergiengen und mit solchem
abi                       [eher Papier beschmutzt und bei j :er Hitze weisz

wird und dann schmilzt. Zuweilen sind dünne Schichten von Peld-

ath, welche streckenweise zu gut kystallisirten K d anschwellen.
in diesem schwarzen Schiefer eingeschlossen, und ich beobachtete, n
eine Masse der gewöhnlichen schwarzen Vari unmerklich ihre spalt-

re Structur verlor und in eine eigenthümliche Mischung von Chlorit,
Bpidot, Feldspath und Glimmer übergieng. Grosze Quarzadern sind
im Glimmerschiefer zahlreich vorhanden; wo nur immer solche vor-
kommen, sind die Blätter stark        nnden. In. dem südlichen Theile
der Halbinsel von Tres Montes ist ein compactes verändert' Id-

ithiges Gestein mit Feldspatbkrystallen und Quarzkörnern die ge-

hnlichste Varietät; dieses Gestein19 bie gelegentlich Spuren einer
ursprünglich breccienartigen Structur dar. und zeigt häufig (wie der
unveränderte Schiefer des Feuerlandes) Spuren von Spaltungsebene

lebe in derselben Richtung streichen wie die Blätter des Glimmer-
schiefers weiter nach Norden. Bei Inchemo-Insel werden ähnliche
Gesteine allmählich körnig-krystallinisch und enthalten Glimmerblätt-
chen; diese Varietät wird bei S. Estevan in hohem Grade blätterig
und geht, obschon sie noch immer einige abgerundete Quarzkörner
darbietet, in einen schwarzen, glanzenden, unbedeutend anthracitischen
Schiefer über, welcher, wie wir gesehen haben, wiederholt mit dem
Glimmer- und Chloritschiefer abwechselt und in diese übergeht. Es

ihören daher alle Gesteine an dieser Küstenstrecke zu einer Reihe
und variiren unmerkbar von einem veränderten feldspathigen Thon-
schiefer in stark blätterigen echten Glimmerschiefer.

Die Spaltung der homogenen Schiefer, die Blätterung der aus
mehr oder weniger deutlichen Mineralien in Schichten zusammen-
gesetzten, und die Ebenen, wo die verschiedenen Varietäten abwechseln,
oder die sogenannte Schichtung sind sämmtlich parallel und bewahren
über diese 200 Meilen der Küste einen merkwürdigen Grad von Gleich-
förmigkeit in der Sichtung. An dem nördlichen Ende der Gruppe bei
Low's Hafen war das Streichen der sehr deutlichen Blätter des
«Mimmerschiefers innerhalb acht Grad (oder weniger als ein Punkt des

19 Die eigenthümliche, abrupt conische Form der Berge in dieser Gegend
dürfte Jedermann zuerst auf die Wnnuthung geführt haben, dasz sie aus injicirten
oder intrusiven Gesteinen gebildet wären.

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236                                       Chonos-Arcbipel.                                   Cap. 6.

Compasses) von Nord 19° West und Süd 10° Ost, und selbst der Ein-
fall variirte sehr wenig, da er immer nach Westen und meist unter
einem Winkel von 40 Grad gerichtet war: ich musz noch erwähnen,
dasz ich hier sehr gute Gelegenheit zur Beobachtung hatte, denn ich
verfolgte das nackte Gestein am Strande, quer auf das Streichen, eine
Strecke von vier und einer halben Meile lang und achtete den ganzen
Weg auf das Fallen. Den äuszeren Inseln entlang, 100 Meilen nach
Süden von Low's Hafen, beobachtete Lieut. Stokes während seiner
Bootaufnahme freundlichst das Streichen der Blätterung für mich und
er versicherte mich, dasz es ausnahmslos nördlich war, und das Fallen
mit einer einzigen Ausnahme nach Westen. Weiter nach Süden bei
Vallenar Bay war das Streichen beinahe ganz allgemein Nord 25° West,
und das Fallen meist unter einem Winkel von ungefähr 40 Grad nach
West 25° Süd, aber an einigen Stellen beinahe senkrecht. Noch weiter
nach Süden in der Nähe der Häfen von Anna Pink, San Estevan und
San Andres und (aus der Entfernung beurtheilt) dem südlichen Theil
von Tres Montes entlang war die Blätterung und die Spaltung in
einer Richtung zwischen Nord 11°—22° West und Süd 11°—22° Ost;
und die Ebenen fielen meist westlich ein, aber oft auch östlich unter
verschiedenen Winkeln von einer sanften Neigung bis zum Verticalen.

Bei Anna Pink-Hafen, wo die Schiefer meist östlich einfielen, wurde,
wo nur immer der Winkel ein groszer wurde, das Streichen von Xord
11° West geändert bis selbst zu Xord 45° West: in einer analogen Art
und Weise strichen bei Vallenar Bay, wo das Fallen westlich war
(nämlich im Mittel nach West 25° Süd gerichtet), so bald der Winkel
sehr hoch wurde, die Ebenen in einer Linie von mehr als 25° W
von Norden. Das mittlere Resultat aus allen Beobachtungen an diesen
200 Meilen der Küste ist ein Streichen von Xord 19° West und Süd
19° Ost. In Anbetracht dessen, dasz ich an jedem speciell angeführten
Orte meine Untersuchung über einen Bezirk von mehreren Meilen er-
streckte und dasz sich Lieut. Stokes' Beobachtungen auf eine Länge
von 100 Meilen beziehen, glaube ich, dasz diese merkwürdige Gleich-
förmigkeit ziemlich sicher ermittelt ist. Das über die ganze nördlicl
Hälfte dieser Kfistenstrecke beobachtete Vorherrschen eines Einfallen
in einer Richtung, d. h. nach Westen anstatt zuweilen westlich und
zuweilen östlich zu sein, ist nach dem, was ich an anderen Orten ge-
sehen habe, ein ungewöhnlicher umstand. In Brasilien, La Plata, den
Falkland-Inseln und dem Feuerlande besteht meist eine offenbare Be-

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Cap. 6.                          Blätterung des Glimmerschiefers.                             237

ziehung zwischen den Erhebungsaxen, den Küstenumvissen und dem
Streichen der Spaltung oder Blätterung: indessen stimmen im Chonos-
Archipel weder die untergeordneten Details der Küstenlinie noch die
Kette der Cordillera, noch die untergeordneten queren- Gebirgs-Axen
mit dem Streichen, der Blätterung und Spaltung überein: die nach
dem Meere gewendete Seite der zahlreichen diesen Archipel zusammen-
setzenden Inseln und augenscheinlich die Reibe der Cordillera ziehen
in einer Richtung von Nord 11° Ost, während, wie wir oben gesehen
haben, das mittlere Streichen der Blätter Nord 19° West ist.

Es besteht eine interessante Ausnahme von der Gleichförmigkeit
im Streichen der Blätterung. An der nördlichen Spitze von Tres
Montes (45° 52' s. Br.) läuft eine kühne Kette von Granit zwischen
2000 und 3000 Fusz Höhe von der Küste weit in das Innere20, in
einer ost-südöstlichen Linie oder strenger gesprochen Ost 28° Süd und
West 28° Nord. In einer Bucht an dem nördlichen Fusze dieses Zuges
liegen einige wenige Inselchen von Glimmerschiefer, deren Blätter an
einigen Stellen horizontal sind, aber meist unter einem mittleren Win-
kel von 20 Grad nach Norden geneigt sind. An dem nördlichen steilen
Abhänge des Zuges finden sich einige wenige Flecke (einige ganz isolirt
und nicht gröszer als ein halbes Kronenstück) des Glimmerschiefers
mit demselben nördlichen Einfallswinkel geblättert. Auf dem breiten
Gipfel bis zum südlichen Kamm findet sich viel Glimmerschiefer, an
einigen Stellen selbst 400 Fusz an Mächtigkeit, dessen Blätter sämmt-
lich nach Norden einfallen, unter einem Winkel, der von 5—20 Grad
variirt, aber zuweilen sich bis auf 30 Grad erhebt. Der südliche Ab-
hang besteht aus nacktem Granit. Der Glimmerschiefer wird von
kleinen Adern von Granit durchbohrt, die aus dem Hauptkörper sich
abzweigen21. Vernachlässigt man das vorherrschende Streichen der

10 In der Entfernung waren Berge zu sehen, welche augenscheinlich von
Nordnordwest nach Südsüdwest zogen, unter rechtem Winkel auf diesen Zug. Ich
will hinzufügen, dasz sich nicht weit von Vallenar-Bay ein schöner Zug findet,
augenscheinlich von Granit, welcher in einer nordost- bei östlichen und südwest-
bei südlichen Linie durch den Glimmerschiefer durchgebrochen ist.

21 Der Granit innerhalb dieser Adern ist ebenso wie meistens an der Ver-
bindungsstelle mit dem Glimmerschiefer quarzhaltiger als anderswo. Ich will hin-
zufügen, dasz der Granit von Gängen durchsetzt wird, welche eine sehr bedeutende
Sirecke lang in der Richtung der Berge verlaufen; sie sind aus einem etwas ge-
blätterten Eurit zusammengesetzt und enthalten Krystalle von Feldspath, Horn-
blende und Octagone von Quarz.

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238                                       Chonos-Archipel.

Blätter an andern Stelleu dieses Archipels, so hätte sich error
lassen, dasz sie hier einen Einfallswinkel von Nord 28° Ost gehabt
hätten, d. h. direct von dem Rücken weg und in Anbetracht seiner
Steilheit unte4* einer starken Neigung; aber das wirkliche Fallen ist,
wie wir oben gesehen haben, sowohl am Fusze, als auf dem nördlichen
Abhänge und über den ganzen Gipfel nur unter einem kleinen Winl
und nahezu rein nach Norden gerichtet. Nach diesen Betrachtung
kam mir der Gedanke, dasz wir hier vielleicht den neuen und me
würdigen Fall vor uns haben, dasz bereits geneigte Blätter in einer
späteren Periode durch die granitische Axe schräg aufgerichtet worden
wären. Mr. Hopkins, der durch seine mathematischen Untersuchungen
so wohl bekannt ist, hat mit groszer Freundlichkeit das folgende
Problem berechnet: der ihm übersandte Satz war: — man nehme einen
aus Blättern zusammengesetzten District, welche unter einem Winkel
von 40° nach West 19° Süd einfallen, und lasse eine Erhebungsaxe
denselben in einer Ost 28° südlichen Linie durchschneiden, was
wird die Stellung der Blätter an dem nördlichen Abhango sein nach
einer Aufrichtung von, wir wollen zuerst annehmen, 45 Krad? Mr.
Hopkins theilt mir mit, dasz der Einfallswinkel 28° 81' und seine
Richtung nach Norden 30° 33' West sein werde22. Durch Abändern
des angenommenen Aufrichtungswinkels können unsere vorher geil-
ten Blätter in jeden Winkel zwischen 26°, welches der gewöhnlichsl
kleinste Winkel ist, und 90° geworfen werden. Wenn ihnen aber in
dieser Weise eine geringe Neigung gegeben wird, so wird ihr Einfalls-
punkt weit vom Norden sich entfernen und daher nicht mit der fac-
tischen Lage der Blätter des Glimmerschiefers auf unserem granitischen
Gebirgszuge übereinstimmen. - erscheint daher sehr schwierig, ohne
beträchtlich die Elemente des Problems abzuändern, in dieser \Y

anomale Streichen und Fallen der blätterigen Glimmerschiefer zu
erklären, besonders in denjenigen Theilen, nämlich an der Basis
Gebirgszugs, wo die Blätter beinahe horizontal sind. Mr. Hopkins
fügt indessen hinzu, dasz in jeder groszen Erhebungslinie bedeutende

22 Auf der südlichen .Seite der Axe (wo ich Indessen keinen Glimmers«
gesehen habe) würde das Fallen der Blatter unter einem Winkel von 77° 55' n

t 35n 33' Süd gei:         sein.              lasz die Fallrichtung auf den en:.

gesetzten .                 Höhenzugs wie in gewöhnlichen Fällen einander unl nein

Winkel von 180° direct entgegengesetzt wäre, wüJ                     nur um 86          aus-

einander liegen.

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Cay. 6-                         Blätterung desGlimmerschie                                 J:;9

Unregelmäszigkeiten und seitliche Stöaze zu erwarten sein dürften ui

<z diese die bedenklichen Abweichungen von den berechneten Resul-
taten erklären würden: bedenkt man. dasz die granitische Axe, wie sich
aus den Adern zeigt, unbestreitbar nach der vollkommenen Bildui
des Glimmerschiefers injicirt worden ist, und betrachtet man die Gleich-
förmigkeit des Streichens der Blätter über den ganzen übrigen Ar-
chipel, so kann ich nicht anders als immer noch meinen, dasz in
anomale Lage an diesem einen Punkte in irgend welcher W< lirect
und mechanisch zu der Eintreibung dieser westnordwestlichen und ost-
südöstlichen Gebirgskette von Granit in Beziehung steht.

Gänge sind in dem metamorphischen Schiefer der Chonos-Inseln
ifig und scheinen in einem geringen Grade jenen groszen Zug von
Trapp und alten vulcani i Gesteinen auf der südwestlichen Küs
des Feuerlandes zu repräsentiren. Hei St. Andres beobachtete ich auf
einer Strecke von einer halben .Meile sieben breite parallele Gang
die         drei Varietäten von Trapp bestanden und in einer nordwest-

lichen und südostlichen Linie verliefen, parallel mit den benachbarten
Gebirgszügen von verändertem Thonschiefer; sie müssen aber von viel
spätcrem Ursprünge als diese Gebirge sein, denn sie durchschnitten
die im letzten Capitel beschriebene vulcanische Formation. Nördlich
von Tres Montes bemerkte ich drei in ihrer Zusammi zung von
einander abweichende Gänge, der eine hatte eine euritische Basis,
welche grosze Octagone von Quarz enthielt; diese Gänge ebenso v.
mehrere Gänge von porphyritischem Grünstein bei Vallenar Bay er-
streckten sich nordöstlich und südwestlich, nahezu unter rechten Win-
keln zu der Blätterung der Schiefer, aber in der Richtung ihrer Ver-
bindungen. Bei Low's Hafen indessen ist eine Gruppe groszer parallel

nge, einer neunzig Yards und ein anderer sechzig Yards breit durch
die Blätterung des Glimmerschiefers geleitet worden und ist daher
nach Westen unter einem Winkel von 45° geneigt: diese Gänge sind
ans verschiedenen porphvritischen Trappgestemen gebildet, von denen
einige merkwürdig sind, weil sie zahlreiche abgerundete Quarzkörner
enthalten. Bin porphyritischer Trapp dieser letzteren Art gieng an
einem der Gänge in einen äusz'erst merkwürdigen Hornstein über, der
vollkommen weis/ war, einen wächsernen Bruch und durchscheinende
Ränder hatte, schmelzbar war, und viele Quarzkörner und Schwefel-
kiesflecke enthielt. In dem Gange von neunzig Yards waren mehre
grosze augenscheinlich jetzt ganz isolirte Fragmente von Glimmer-

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240                                   Chiloe und Concepcion.                             Cap. G.

schiefer eingebettet; da aber ihre Blätterung der des umgebenden
soliden Gesteins genau parallel war, so bildeten ohne Zweifel diese
jetzt getrennten Fragmente früher keilförmig herabhangende Partien
eines continuirlichen Gewölbes oder einer Kruste, welche sich früher
aber den Gang erstreckte, aber seitdem abgewaschen und denudirt
worden ist.

Chiloe. Valdivia, Concepcion. — In Chiloe ist eine grosze
Formation von Glimmerschiefer der der Chonos-Inßeln auffallend ähn-
lich. Für eine Strecke von elf Meilen an der südöstlichen Küste
waren die Blätter sehr deutlich, obschon unbedeutend gewunden, und
strichen innerhalb eines Punktes von Nord-Nord-West nach Süd-Süd-
Ost, wobei sie entweder ostnordöstlich oder noch gewöhnlicher west-
süd-westlich unter einem mittleren Winkel von 22° (an einer Stelle
indessen von 60°) und daher entschieden mit einer geringeren Nei-
gung einfielen, als auf den Chonos-Inseln. An der westlichen und
nordwestlichen Küste war die Blätterung häufig undeutlich, obschon
sie, wo sie am besten ausgesprochen war, innerhalb eines Punktes von
Nord bei West und Süd bei Ost strich und entweder östlich oder
westlich unter variirenden und meist sehr kleinen Winkeln einfiel.
Wir haben daher von dem südlichen Theile von Tres Montes bis zum
nördlichen Ende Chiloe's in einer Entfernung von 300 Meilen sehr
nahe verwandte Gesteine, deren Blätter im Mittel in derselben Rich-
tung streichen, nämlich zwischen Nord 11° und 22° West Ferner
treffen wir bei Valdivia den nämlichen Glimmerschiefer, welcher nahezu
dieselben mineralogischen Übergänge darbietet wie im Chonos-Archipel,
indessen häufig eisenhaltig wird und so viel Peldspath enthält, dasz
er in Gneisz übergeht. Die Blätter waren meist sehr deutlich; aber
nirgends anders in Süd-America habe ich sie so viel in ihrer Rich-
tung variiren sehen: dies schien hauptsachlich dadurch verursacht
worden zu sein, dasz sie, wie ich zuweilen deutlich verfolgen konnte,
Theile groszer flacher Curven bildeten: nichtsdestoweniger schien so-
wohl in der Nähe der Niederlassung als nach dem Innern zu ein
nordwestliches und südöstliches Streichen häufiger als irgend eine
andere Richtung zu sein; der Fallwinkel war meist klein. Bei Con-
cepcion war die Spaltung eines im hohen Grade glänzenden Thon-
schiefers häufig unbedeutend krummlinig, und zwar selten unter einem
hohen Winkel, aber nach verschiedenen Punkten des Compasses ge-

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Cap. 6.                                          und Concepcion.                                    4j

neigt2:t; es schien aber hier wie bei Valdivia ein nordwestliches und
südöstliches Streichen die häufigste Richtung zu sein. An gewissen
eilen waren grosze Quarzadern zahlreich und in ihrer Nähe wurde
die Spaltung, wie es mit der Bl&tternng der Schiefer im Chonos-Archipel
der Fall war, äuszerst gewunden.

Am nördlichen Ende der Insel Quiriquina in der Bucht von Con-
cepcion kommen mindestens acht ungefähr parallele Gänge innerhalb
des liaumes von einer Viertelmeile vor, welche in einer gewissen Aus-
dehnung durch die Spaltung des Schiefers geleitet worden sind. Sie
variiren bedeutend in ihrer Zusammensetzung und sind in vielen Be-
ziehungen den Gängen von Low's Harbour ähnlich: die gröszere Zahl
besteht aus feldspathigen Porphyren, zuweilen Quarzkörner enthaltend:
einer indessen war schwarz und glänzend wie ein augitisches Gestein,
wurde aber factisch aus Peldspath gebildet: andere von einer feld-
spathigen Beschaffenheit waren vollkommen weisz, entweder mit einem
erdigen, oder mit einem kristallinischen Bruche, und enthielten Körner
und regelmässige Octagone von Quarz; diese weiszen Varietäten giengen
in gewöhnlichen Grünstein über. Obgleich sowohl hier als bei I
Harbour die Beschaffenheit des Gesteins beträchtlich in einem und
demselben Gange variirte, so kann ich doch nicht umhin zu meinen,

23 Ich beobachtete an einigen Stellen, dasz die          n der Blätter des Tb'

Schiefers (b des Holzschnitts) unter dem oberflächlich.-!!                 «. „t

Detritus und Erdboden (a) gebogen waren, znweil
ohne gebrochen zu sein, wie in der beistehenden Zeich- o
nung dargestellt ist, welche nach einer von Sir Henry b
de la Beche gegebenen von einer genau ähnlichen
Erscheinung in Devonshire (Geological Manual, p. 42)
copirt ist. Audi R. A. C. Ansten hat in seinem

ausgezeichneten Aufsätze über Südost-Devonshire (Geolog. Transact.. Vol. VI.
]i. 1"7) diese Erscheinung beschrieben; er schreibt si<         Wirkung der Fröste zu.

zweifelt, aber gleichzeitig, ob die Fröste heutigen Tags bis zur genügenden Tiefe
hingen. Da es bekannt ist, dasz Erdbeben den Boden eigentümlich afficiren,
so kam mir der Gedarrte, dasz diese 1         inong, wenigstens bei Concepcion, deren

häufigem Vorkommen zuzuschreiben sein dürfte; die oberflächlichen Detrituslager
würden da entweder während jeder starken Schwingung in einer Kichtung geworfen
oder, wo die Fläche geneigt war, ein wenig nach unten gestoszen. In Nord-Wales
habe ich eine etwas analoge aber weniger regelmässige Erscheinung gesehen, ob-
schon sie in 'grösserem Maszstabe vorkommt (London Philos. Magaz., Vol. XXI..
p. 184, &bers., dieser Band, Abth. II, p. 81) und durch ei         »lüg verschiedene

Ursache, nämlich durch das Stranden der Eisberge hervorgebracht worden ist;
diese letztere Erscheinung ist auch in Nord-America beobachtet worden.

Darvi                             XII, ].)                                                                        IG

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242                             Centrales und nördliches Chile.                         Cap. 6.

dasz an diesen beiden Stellen und an anderen Theilen der Chonos-
Gruppe, wo die Gänge, obschon sie dicht bei einander und parallel
verlaufen, von verschiedener Zusammensetzung sind, dieselben doch zu
verschiedenen Perioden gebildet worden sein müssen. Wenn wir die
Insel Quiriquina betrachten, so ist dies eine ziemlich interessante
Folgerung, denn diese acht parallelen Gänge durchschneiden die me
morphischen Schiefer in einer nordwestlichen und südöstlichen Linie
und seit ihrer Injection sind die darüber liegenden der Kreide
hörigen oder tertiären Schichten (während sie noch unter dem Meere
lagen) aus einer nordwest-bei-nördlichen und südost-bei-südliihen Linie,
aufgerichtet worden; ferner wurde während des groszen Erdbebens \
Februar 1S35 der Boden in dieser Gegend in nordwestlichen und süd-
östlichen Linien gespalten; und aus der Art und Weise, in welcher
Gebäude niedergeworfen wurden, gieng offenbar hervor, dasz die Ol
he in dieser selben Richtung wellenförmig schwankte24.

Centrales und nördliches Chile. — Xach Norden von
Concepcion hinauf bis nach Copiapo bestehen die Ufer des stillen
Oceans mit Ausnahmt.' einiger kleiner tertiärer Becken aus Gneis/.
Glimmerschiefer, verändertem Thonschiefer, Granit. Grünstein und
Syenit: es ist daher die Küste von Tres Montes bis nach Copiapo in
einer Entfernung von 1200 Meilen, — und ich habe Grund zu
glauben für eine bedeutend gröszere Strecke — beinahe gleich zu-
sammengesetzt.

In der Nähe von Valparaiso ist das vorherrschende Gestein «iueisz,
welcher meist viel Hornblende enthält: aus Feldspath, Hornblende
und Glimmer gebildete concretionäre Ballen von zwei bis drei Fusz
im Durchmesser sind an sehr vielen Stellen von dem geblätterten
Gneisz conform umfaltet: Adern von Quarz und Feldspath, welche
schwarzen Schörl und gut knstallisirten Epidot enthalten, zind zahl-
reich. Epidot kommt gleichfalls im Gneisz in dünnen Lagen parallel
mit der Blätterung der Masse vor. Eine grosze Ader von einer grob-
granitischen Beschaffenheit war deshalb merkwürdig, weil sie an einer
Stelle ihren Character vollständig änderte und unmerklich in einen
schwärzlichen Porphyr übergieng, der spieszige Krystalle von glasigem

" Geolog. Transact. Vol. V, p. 602 und Gl7 (übers., dieser Band. Abih. II,
p. 15 und 35, 51). Reise eines Naturforschers, Obers, p. 347.

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Cap. C.                         Centrales und nördliches Chile.                             243

Feldspath und von Hornblendeschiefer einschlosz: ich habe niemals
irgend einen andern derartigen Fall gesehen.2"'

Ich werde mich in den wenigen folgenden Bemerkungen über die
Gesteine von Chile ausschlieszlich auf ihre Blätterung und Spaltung
beziehen. In dem Gneisz rings um Valparaiso ist das Streichen der
Blätter sehr variabel, ich glaube aber ungefähr Nord bei West und
Süd bei Ost ist die häufigste Richtung; dies gilt gleichfalls für die
Spaltung der veränderten feldspathigen Thonschiefer, die gelegentlich
an der Küste auf einer Strecke von neunzig Meilen nördlich von
Valparaiso getroffen werden. Etwas feldspathiger Schiefer, der mit
Schichten von Thonsteinporphyr in dem Glockenberge von Quillota
und bei Jajuel abwechselt und daher vielleicht einer späteren Periode
als die metamorphischen Schiefer an der Küste angehört, spaltete in
der nämlichen Richtung. In der östlichen Cordillera im Portillo-Pa
findet sich eine grosze Masse von Glimmerschiefer, welcher in einer
nord-westlichen Linie geblättert ist mit einem stark westlichen Fall-
winkel: in der Cspallata-Kette haben Thonschiefer und Grauwacke
eine stark geneigte, nahezu nördliche und südliche Spaltung, ob-
schon an einigen Stellen das Streichen unregelmäszig ist: in der
Bauptkette oder dem Cnmbre-Zug ist die Richtung der Spaltung in
dem feldspathigen Thonschiefer Nord-West und Süd-Ost.

/wischen Coquimbo und Guasco finden sich zwei beträchtliche
Formationen von Glimmerschiefer, in deren einer das Gestein zuweilen
in gewöhnlichen Thonschiefer und zuweilen in eine glänzend schwarze
Varietät, der im Chonos Archipel sehr ähnlich, übergeht. Die Blätter
und die Spaltung dieser Gesteine bewegten sich zwischen Nord und
Nord-West bei Nord und Süd und Süd-West bei Süd. In der Nähe
des Hafens von Guasco haben mehrere Varietäten veränderten Thon-
schiefers eine gänzlich unregelmäszige Spaltung. Zwischen Guasco
und Copiapo finden sich einige kieselige und kalkartige Schiefer, welche
in einer nordsüdlielien Linie spalten, mit einem östlichen Fall von
zwischen 00 und 70 Grad: auch findet sich hoch oben im Hauptthale
von Copiapo < ilimmerschiefer mit einem bedeutenden östlichen Ein-

25 Humboldt (Personal Narrative, Vol. IV, p. 00) hat mit jjroszer Über-
gebung concretionare Kugeln mit concentrischen Abteilungen, ans fcbeilweise gla-
sigem Feldspath, Hornblende und Granaten zusammen: I and innerhalb gro«
Gneiszadern eingeschlossen, beschrieben, welche Adern bei Venezuela quer durch
den Glimmerschiefer durchschnitten.

16*

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944                                Spaltung and Blätterung.                             Cap. 6.

fallswinkel. Auf dem ganzen Räume zwischen Valparaiso und Copiapo
ist ein östlicher Einfall viel häufiger, als ein entgegengesetzter oder
westlicher.

Schluszbemerkungen über Spaltung und Blätterung.

In diesem südlichen Theile der südlichen Hemisphäre haben wir
gesehen, dasz die Spaltungsblätter sich über weite Bezirke mit
merkwürdiger Gleichförmigkeit erstrecken, sie schneiden gerade durch
die Schichtungsebenen durch26 und sind doch im Streichen den Haupt-
erhebungsaxen und meistens auch den Umrissen der Küste parallel.
Das Einfallen indessen ist sowohl in Betreff des Winkels als auch der
Richtung id. h. indem sie zuweilen nach der einen Seite und zuweilen
nach der direct entgegengesetzten Seite geneigt sind) ebenso variabel
wie das Streichen gleichförmig ist. In allen diesen Beziehungen be-
steht eine nahe f'bereinstininmng mit den von Professor SedgwiCK in
seiner berühmten Althandlung in den .Geological Transactions- und
von Sir K. J. Murchison in seinen verschiedenen ausgezeichneten Er-
örterungen über diesen Gegenstand mitgetheilten Thatsacben. Die
Falkland-lnseln und ganz besonders das Feuerland bieten aull'allende
Beispiele davon dar, dasz die Spaltungslinien, die Haupterhehungsaxen
und die Küstenumrisse allmählich zusammen ihren Verlauf andern.
Die Richtung, welche über das ganze Feuerland und die Falkland-
lnseln vorherrscht, nämlich von Westen, mit einer geringen Ab-
weichung nach Xorden, nach Osten, mit einer geringen Abweichung
nach Süden hin, ist auch für die verschiedenen Bergrücken im nörd-
lichen Patagonien und in den westlichen Theilen der Banda Oriental
die gewöhnliche; in dieser letzteren Provinz, in der Sierra Tapalguen,
und in der westlichen Falkland-Insel werden die West bei Nord
oder West-Nord-West- und Ost-Süd-Ost-Rücken unter rechten Winkeln
von andern, die Nord-Nord-Ost und Süd-Süd-West ziehen, gekreuzt,

Die Thatsache, dasz die Spaltungslamellen im Thonschiefer des
Feuerlandes wo man sie gerade durch die Schichtungsebenen durch-

26 In meinem Aufsätze über die Falkland-lnseln ((ieological Journal, Vol. III,
p. 207, Ubeis., dieser Hand, Abih. II, p. 1) habe ich nach der Autorität des Capt.
S uli van einen merkwürdigen Fall von stark gefalteten Schichten von Thonschiet'er
angeführt; in einigen derselben ist die Spaltung senkrecht zum Horizont, und in
andern senkrecht zu jeder Krümmung oder Kalte der Schicht: dies scheint ein
neuer Fall zu sein.

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Cap. 6.                                .iltung und Blätterung.                                 24">

schneiden sieht und wo in Folge dessen kein Zweifel über ihre Natur
bestehen konnte, unbedeutend in der Farbe, Textur und Härte ver-
schieden sind, scheint mir sehr interessant zu sein. In einer dicken
Masse von blättrigem, feldspathigem, und veränderten Thonschiefer,
welcher zwischen zwei groszen Schichten eines porphyritischen Con-
glomerates im centralen Chile eingeschaltet war und wo über die
Schichtenfolge nur geringer Zweifel bestehen konnte, beobachtete ich
ähnliche unbedeutende Verschiedenheiten in der Zusammensetzung, und
gleichfalls einige deutliche dünne Lager von Epidot, welche der im
hohen Grade geneigten Spaltung der Masse parallel waren. Ferner
bemerkte ich beiläufig in Nord-Wales,27 wo Gletscher über die ab-
geschnittenen Rander der in hohem Grade geneigten Blatter des Thon-
schiefers weggegangen waren, dasz die Oberfläche obschon glatt doch
in kleine parallele Wellenlinien ausgearbeitet war, dadurch verursacht,
dasz die zusammensetzenden Blätter unbedeutend verschiedene Härte-
grade darboten. Was die Schiefer von Xord-Wales betrifft, so beschreibt
Professor Sedgwick die Spaltungsebenen als „mit Chlorit und halb-
,kristallinischer Substanz überzogen, welche nicht blosz die in Rede
„stehenden Ebenen markiren, sondern in parallelen Schichten die ganze
„Gesteinsmasse durchsetzen."28 In einigen dieser glänzenden und
harten Varietäten von Thonschiefer, welche man häufig in Glimmer-
schiefer übergehen sieht, schien es mir, als wenn die Spaltungsebenen
aus äuszerst dünnen meist unbedeutend gewundenen Blättern gebildet
wären, die aus 7nikroskopisch minutiösen Glimmerschuppen zusammen-
gesetzt sind. Nach diesen verschiedenen Thatsachen und ganz be-
sonders nach dem Fall mit dem Thonschiefer im Feuerlande, musz
man glaube ich schlieszen, dasz die nämliche Kraft, welche dem
Schiefer seine spaltbare Structur und Spaltung gegeben hat, auch da-
hin gestrebt hat, seinen mineralogischen Character in parallelen
Ebenen zu modificiren.

Wir wollen uns nun zu der Blättmmg der metamorphischen
Schiefer wenden, ein Gegenstand welcher viel weniger Beachtung ge-
funden hat. Wie in dem Falle der Spaltungsblätter bewahren die
Blätter über sehr grosze Bezirke ein gleichförmiges Streichen: so

27 London Philos. Magaz., Vol. XXI, p. 182. Übers., dieser Band, Abth. II,
p. 83.

38 Geological Transactions, Vol. III, p. 471.

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246                                Spaltung und Blätterung.                             Oap.

fand Humboldt29 über eine Entfernung von dreihundert Meilen in
Venezuela, und factisch über einen viel gröszeren Kaum, Gneisz, Granit,
Glimmer und Thouschiefer sehr gleichförmig nord-östlicli und süd-
westlich streichend, und unter einem Winkel von zwischen (30 und
70° nach Nord-Westen einfallend: aus den in diesem Capitel mit-
geteilten Thatsachen dürfte selbst hervorgehen, dasz die metamor-
phischen Gesteine über den ganzen nord-östlichen Theil von Süd-
America meist innerhalb zweier l'unkte von Xord-Ost und Süd-West
geblättert sind. Über die östlichen Theile der Banda Oriental streichen
die Blätter mit einer hohen Neigung sehr gleichförmig von Nord-Nord-
(»st nach Süd-Süd-West, und über die westlichen Theile in einer West-
bei-Nord- und ost-bei-südlichen Linie. Über einen Raum von drei-
hundert Meilen an den Ufern der Chonos und Chiloe-Inseln haben wir
gesehen, dasz die Blätterung selten mehr als einen Punkt des Com-
passes von einem Nord-19°-West- und Süd-19°-Ost-Streiclien abweicht
wie in Bezug auf die Spaltung so ist auch der Winkel des Falle]
bei geblätterten Gesteinen meist hoch, aber variabel und wechselt von
einer Seite der Streichungslinie nach der andern Seite ab, wobei er
zuweilen vertical ist: indessen sind auf den nördlichen Chonos-Inseln
die Blätter beinahe immer nach Westen geneigt; in nahezu derselben
Weise fallen die Spaltungslamellen im südlichen Feuerlande sicherlich
viel häutiger nach Süd-Süd-West ah nach dem entgegengesetzten
Punkte. In der östlichen Banda Oriental, in Theilen von Brasilien,
und in einigen andern Districten läuft die Blätterung in derselben
Richtung wie die Bergkette und die benachbarten Küstenlinien : bei
den Chonos-Inseln indessen fehlt dieses Zusammentreffen, und ich habe
meine Gründe für die Vermuthung angeführt, dasz eine granitische
Axe durchgebrochen ist und die bereits geneigten Blätter des Glimmi
Schiefers aufgerichtet hat: was die Spaltung betrifft30, so scheint d
Znsammentreffen zwischen ihrem Streichen und dem der vorwaltenden
Schichtung zuweilen zu fehlen. Blätterung und Spaltung sind ein-
ander darin ähnlich, dasz die Ebenen sich um Concretionen herum-
winden und da gewunden werden, wo Quarzadern häufig vorkommen.31

Personal Narrative, Vol. IV, p. 591 u. flgde.

w Jukes hat in seiner Geology of Newfoundland, p. 130, Falle angeführt.

31 Ich habe in Brasilien und Chile in dieser Weise von geblättertem Gn<
nmfaltete Concretionen gesehen; und Macculloch hat (Highlands, Vol. I, p. I
einen ahnlichen Fall beschrieben. Wegen analoger Fälle in Thonschieier s. Prof.

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Cap. <i.                                  .'titung und BIS ng.                                  J47

Auf den Abhängen der Berge sowohl im Feuerlande als in anderen
Landern habe ich beobachtet, dasz die Spaltungsebenen häufig unter
einem hohen Winkel einfallen, und dies wurde schon vor langer Zeit
von von Bi CH in Norwegen beobachtet. Diese Thatsache ist viel-
leicht mit der gefalteten f&eherartigen oder strahligen Structur in den
nit'tamorphischen Schiefern der Alpen analog,32 in denen die Blättn
in den centralen Kämmen vertical und an den zwei Abhängen nach
innen geneigt sind. Wo Massen von spaltbaren und geblätterten <
steinen mit einander abwechseln, sind die Spaltungen und Blätterungen
in den Fällen welche ich gesehen habe parallel. Wo in einem Districte
die Gesteine spaltbar und in einem andern benachbarten Districte ge-
blattet sind, sind die Spaltungsebenen und die Blätterung gleichfalls
ist parallel: dies ist mit den feldspathigen homogenen Schiefern in
dem südlichen Theile der Chonos-Gruppe der Fall, verglichen mit den
feinen geblätterten Glimmerschiefern des nördlichen Theils; so spaltet
ferner der Thonschiefer der ganzen östlichen Seite des Feuerlandes
in genau derselben Linie wie der blätterige Gneis/, und Glimmer-
schiefer der westlichen Küste; andere analoge Fälle könnten noch an-
geführt werden.33

Was den Ursprung der Blätter von Quarz, Glimmer, Feldspath,
und der andern die metamorphischen Schiefer zusammensetzenden Mi-
neralien betrifft, so glaubt Professor Sedgwick, Lyell und die meisten
Autoren, dasz die Bestandteile einer jeden Schicht getrennt als
Sediment abgelagert und dann metamorphosirt wurden. Ich glaul
das/ diese Ansicht in der Majorität Her Fälle völlig unhaltbar ist.
In denjenigen nicht seltenen Fällen, wo eine Masse von Thonschiefer
beim Annähern an Granit allmählich in Gneisz übergeht,3* sehen wir
deutlich, das/ Blätter verschiedener Mineralien durch Metamorphose

Henslow'a Abhandlung in den Cambridge Philos. Transact., Vol. I, p. 379, und.
Macculloch's Classification of Rocks, p. 351. In Bezug auf den Umstand, dasz
beides. Blätterung und Spaltung gewunden werden, wo Quarzadern zahlreich vor-
handen sind. habe ich Beispiele gesehen in der Nähe von Montevideo, bei <
eepeion und auf den Chonos-Inseln. s. auch Greenough's Critical Examination,

pag. 78.

32   Studer in: Edinb. New Philos. Journal, Vol. XXI11, p. 144.

33   Ich habe einen Fall von Australien angeführt; s. das 7. Capitel meiner
Schrift über Vulcanische Inseln.

3* Ich habe im 7. I         1 meiner Schrift über Vulcanische Inseln ein gutes

Beispiel eines solchen Übergangs vom Cap der Guten Hoffnung beschrieben.

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248                                           - nnd Blatterang.                            Cap. 6.

eines homogenen spaltbaren Gesteins entstehen können. Es mag noch
bemerkt werden, das/ die Ablagerung von reinem Quarz und von den
Elementen des Glimmers oder Feldspaths in zahlloser wechselnder
Aufeinanderfolge kein wahrscheinliches Ereignis zu sein scheint.35
In denjenigen Districten, in welchen die metamorphischen Schiefer in
Ebenen geblättert sind, welche der Spaltung der Gesteine in einem
benachbarten Districte parallel sind, sollen wir da glauben, dasz die
Blatter Folge der sedimentären Schichten sind, wahrend die Spaltungs-
lamellen, obschon sie parallel sind, keinerlei Beziehung zu derartigen
Niederschlagsebenen haben? Wie können wir nach dieser Ansicht die
ungeheuere Grösze der Bezirke, übet welche das Streichen der Blat-
terang gleichförmig ist, mit dem in Obereinstimmung bringen, was
wir in gestörten aus echten Schichten zusammengesetzten Districten
sehen: und ganz besonders, wie können wir das starke und seihst
verticale Einfallen über viele gai        rosze Districte verstehen, welche

nicht bergig sind, und über einige ganze Districte. wie in der west-
lichen Banda Oriental, welche nicht einmal hügelig sind? haben wir
anzunehmen, dasz in dem nördlichen Theile des Chonos-Arebipels
Glimmerschiefer zuerst in parallelen horizontalen Blättern bis zu
einer Mächtigkeit von ungefähr vier geographischen Meilen angehäuft
und dann unter einem Winkel von 40 Grad aufgerichtet wurde,
wahrend in dem südlichen Theile dieses nämlichen Archipels die Spal-
tungslamellen nahe verwandter Gesteine, von denen Niemand sich vor-
stellen würde, dasz sie je horizontal waren, in nahezu dem nämlichen
Winkel nach nahezu dem nämlichen Punkte hin fallen?

Wenn mau daher sieht, dasz blätterige Schiefer unbestreitbar zu-
weilen durch die Metamorphose homogener spaltbarer Gesteine erzeugt
Bind, wenn man sieht, dasz Blätterung und Spaltung in den verschie-
denen oben aufgezählten Beziehungen so sehr analog sind, wenn man
sieht, dasz einige spaltbare und heinahe homogene Gesteine beginnende
mineralogische Veränderungen den Ebenen ihrer Spaltung entlang
zeigen, und dasz andere Gesteinsarten von einer spaltbaren Structur
mit Varietäten von einer blätterigen Structur abwechseln und in solche
übergehen, so lüszt sich nicht daran zweifeln, dasz in den meisten
Fällen Blätterung und Spaltung Theile eines und desselben Processes

35 s. einige ausgezeichnete Bemerkungen hierüber in i'Aubruiäson's Traite
de Geologie, Tom. I, p. 297, auch einige Bemerkungen von Dana in: Silliman's
Americ. Journ., V01. XLIV, p. II

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Cap. 6.                             Spaltung and Blätterung.                                _>4$

sind: bei der Spaltung findet sich nur eine beginnende Scheidung der
constituirenden .Mineralien, bei der Blätterung eine vollständigere Schei-
dung und Krystallisation.

Die in diesem Capitel häufig erwähnte Thatsache, dasz die Blätte-
rung und die sogenannten Schichten in der metamorphischen Reihe, —
d. h. die abwechselnden Massen verschiedener Varietäten von Gnei
«ilimmerschiefer und Hornblendeschiefer u. s. w. — einander parallel
sind, erscheint auf den ersten Blick der Ansicht, dasz die Blätter keine
Beziehung zu den Ebenen der ursprünglichen Ablagerung haben, ent-
gegengesetzt zu sein. Wo die sogenannten Schichten nicht sehr dick
und von sehr verschiedener mineralogischer Zusammensetzung sind,
glaube ich nicht, dasz irgend eine Schwierigkeit besteht, anzunehmen,
dasz sie in einer analogen Art wie die einzelnen Blätter entstanden
sind. Wir müssen im Sinne behalten, welch' dicke Schichten in ge-
hnlichen sedimentären Massen offenbar durch einen concretionären
Procesz gebildet worden sind. In einem Haufen von vulcanischen Ge-
steinen auf der Insel Ascension finden sich Schichten, die genau so
viel im Ansehen von einander verschieden sind, wie die gewöhnlichen
Varietäten der metamorphischen Schiefer, und welche unzweifelhaft
nicht durch aufeinanderfolgende Ströme von Lava, sondern durch innere
moleculare Veränderungen erzeugt worden sind. In der Nähe von
Montevideo, wo die Schichtung, wie man sie nennen würde, der meta-
morphischen Reihe an den meisten Stellen eigentümlich gut ent-
wickelt ist, wo sie wie gewöhnlich der Blätterung parallel ist,
haben wir gesehen, dasz eine Masse von Chloritschiefer, die netz-
förmig von Quarzadern durchsetzt ist, in einer solchen Weise in
Gneisz verwickelt ist, dasz man sieht, dasz sie sicher durch irgend
einen Scheidungsprocesz entstanden ist: ferner neigte an einem andern
Orte der Gneisz dahin, durch Abwechselung mit Quarzschichten in
Hornblendeschiefer überzugehen; aber diese Schichten von Quarz waren
beinahe sicher nie getrennt abgelagert worden, denn sie waren absolut
continuirlich mit den zahlreichen durchschneidenden Quarzadern. Ich
habe niemals eine Gelegenheit gehabt, für irgend eine bedeutende
Strecke sowohl der Streichuugslinie als der Falllinie entlang die so-
genannten Schichten in den metamorphischen Schiefern zu verfolgen;
ich vermuthe aber stark, dasz sie sich nicht als denselben Character
sehr weit in der Fall-oder Streichungslinie beibehaltend erweisen würden.
Ich werde daher zu der Annahme geführt, dasz die meisten der so-

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250                                 Spaltung und Blätterung.                             Cap. 6.

genannten Schichten von der Natur complexer Blatter und nicht ge-
trennt niedergeschlagen worden sind. Natürlich kann man diese An-
sicht nicht auf dicke, in der metamorphischen Reihe eingeschlossene
Massen ausdehnen, welche von gänzlich verschiedener Zusammensetzung
von der der benachbarten Schiefer sind, und welche, wie es zuweilen mit
Quarz und Marmor der Fall ist, sehr weil ausgedehnt sind; diese
müssen meist von der Beschaffenheit echter Schichten sein36. So!
Schichten werden indessen beinahe immer in derselben Richtung streichen

i die Blätter, und zwar in Folge davon, dasz die Erhebungeaxen in
den meisten Landern parallel dem Streichen der Blätterung sind ;
Verden aber meist in einem Winkel'einfallen, der von dem der Blätte-
rung verschieden ist, und der Winkel der Blatterung ist an sich bei-
nahe immer sehr variabel: es dürfte daher beim Durchschreiten eines
metamorphisch-schieferigen Districtes besondere Aufmerksamkeit er-
fordern, um zwischen echten Ablagerungsschichten und zwischen com-
plicirt geblätterten Massen zu unterscheiden. Die blosze Anwesenheit
echter Schichten in einer Reihe von metamorphischen Schiefem ist
kein Grund dafür, dasz die Blätterung sedimentären Ursprungs ist,
wenn nicht in jedem Falle noch weiter gezeigt wird, dasz die Blätter
in parallelen Ebenen mit denen der echten Schichtung nicht nur streichen,
sondern auch falb

Wie in einigen Füllen deutlich wird, das/., wo ein spaltbare
stein partieller metamorphischer Einwirkung ausgesetzt worden ist, so
z. B. durch den Einbruch von Granit, die Blatterung zu den bereits
existirenden Spaltungsebenen hinzugekommen ist, so kann vielleicht in
einigen Fällen die Blatterung eines Gesteins durch die ursprünglichen
Ablagerungsebenen oder von schrägen /wischenlaufenden Blättern be-
stimmt worden sein: ich habe indessen selbst niemals einen solchen
Fall gesehen und musz behaupten, das/ in den ausgedehl en meta-
morphischen Bezirken die Blätterung das letz esultat jenes Pro-

ses ist. von welchem die Spaltung die erste Wirkung ist. D
die Blatterung eintreten kann ohne irgend eine vorausgehende die
Structur betreffende Anordnung in der Masse, können wir aus
injicirten und daher früher einmal verflüssigten Gesteinen sowohl vul-
cani 11 als plutonischen Ursprungs Bchlieszen, welche zuweilen ein

36 Maccnlloch gibt an [l .fication of Bocks. p.3 lasz primäre Kalk-
steine b        in unregelmäßigen Massen oder             Knol] efundan werden,
»von denen man kaum sagen kann, «lasz sie eine stratificirte Gestalt haben!*

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Cap. 6.                             Spaltung und Blätterung.                                251

Korn haben (wie Professor Sedgwick sich ausdrückt) und zuweilen
aus deutlichen Blättern oder Lamellen von verschiedener Zusammen-
setzung zusammengesetzt sind. In meiner Schrift über die vulcanischen
Inseln habe ich mehrere Beispiele von dieser Structur an vulcanisehen
Gesteinen gegeben, und man sieht sie nicht selten an plutonischen
Massen: so finden sich in der Cordillera von Chile riesenhafte berg-
artige .Massen von rothem Granit, welche wahrend der Verflüssigung
injicirt worden sind, und welche nichtsdestoweniger stellenweise eine
entschieden blätterige Structur darbieten37.

Endlich haben wir gesehen, dasz die Ebenen der Spaltung und
Blätterung, d. h. des beginnenden Processes und seines Endresultates,
meist parallel zu den Haupterhebungsaxen und zu den Umrissen des Landes
streichen: das Streichen der Erhebungsaxen (d. h. der Spaltungslinien, an
deren Rändern die Schichten aufgerichtet sind) wird nach dem Raisonne-
ment von Mr. Hopkins dadurch bestimmt, dasz die Form des Bezirks
Veränderungen des Niveaus und in Folge dessen der Richtung der
Spannungs- und Spaltimgslinien erfahrt. Nun habe ich bei jenem merk-
würdigen Haufen vuleamscher Gesteine auf Ascension, welcher mehrere
Male erwähnt worden ist (und in einigen andern Fällen), zu zeigen
mich bemüht38, dasz die Blätterung der verschiedenen Varietäten und
ihr Abwechselu dadurch verursacht worden ist, dasz die sich bewegende
Masse kurz vor ihrer endlichen Consolidation verschiedenen Spannungs-
richtungen ausgesetzt worden ist (wie bei einem Gletscher); diese Ver-
schiedenheit in der Spannung afficirt den krystallisirenden und con-

cretionären Procesz. Eine der Varietäten der Gesteine, welche hier-
durch auf Ascension hervorgebracht worden sind, ist auf den ersten

Blick einem feinkörnigen Gneisz eigentümlich ähnlich; sie besteht

aus völlig geraden und parallelen Zonen von äuszerster Dünne von

mehr oder weniger gefärbtem krystallisirten Feldspath, von deutlichen

Quarzkrystalleu, Diopsid und Eisenoxyd. Trotz der von Mr. Fox an-

81 Wir in einem früheren Theile dieses Capitela bemerkt wurde, vermuthe
ich, dasz die kühn kegelförmig sich erhebenden Berge in der Nahe von Rio de Ja-
neiro, an welchen die constituirenden Mineralien in parallelen Ebenen angeordnet
sind, intrusiven Ursprungs sind. Wir dürfen indessen die Mahnung zur Vorsicht
nicht vergessen, welche uns die merkwürdigen Thonstein-Porphyre von Port Desire
geben, in welchen wir gesehen haben, dasz das Aufbrechen und die Äggregation einer
dünn geschichteten tuffartigen KU        in halb-porphyritischea Gestein mit in den

Ebenen der ursprünglichen Ablagerung angeordneten Feldspathkryatallen ergeben
haben.

88 Vulcanische Inseln, Cap. III, übers, p. 6!

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Spaltung and Blätterung.                           Cap. 6.

gestellten Experimente, welche den Einflusz electrischer -mung auf
das Erzeugen einer Structur gleich einer Spaltung nachweisen, und
trotz der augenscheinlich unerklärlichen Abänderung sowohl in der
Neigung der Spaltungsblätter als auch in ihrem Fallen, erst nach der
inen und dann nach der andern Seite der Streichungslinie, führen
mich diese Betrachtungen doch zu der Vermuthung, dasz die Ebenen
der Spaltung und Blätterung innig mit den Ebenen verschiedener
Spannung in Zusammenhang stehen, denen der Bezirk lauge ausgesetzt
gewesen ist, nachdem die Hauptspalten oder Erhebungsaxen gebildet

nden sind, aber ehe die endliche Consolidation der Masse und di
gänzliche Aufboren jeder Molecularbewegung eintrat.

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Siebentes Oapitel.

Centrales Chile; Structur der Cordillera.

Centrales Chile. — Basaltformationen der Cordillera. — Ursprung des porphyritischen
Thonstein-Conglomerates. — Andesit. — Vulcanische Gesteine. — Durchschnitt
der Cordillera auf dem Penqnenes- oder Portillo-Pasz. — Grosze Gypsformation.
Peuquenes-Zug: Mächtigkeit der Schichten, Fossile derselben. — Portillo-Linie,
Conglomerat, orthitischer Granit, Glimmerschiefer und vulcanische Gesteine. —
Schluszbemerkungen über die Erhebung und Denudation der Portillo-Reihe.
— Durchschnitt auf dem Cumbre- oder Uspal lata-Pas z. — Porphyre. — Gyps-
schichten. — Durchschnitt in der Nähe des Puente del Inca; Fossilien. —
Grosze Senkung. — Intrusive Porphyre. — Ebene von Uapallata. — Durch-
schnitt der Uspallata-Kette. — Bau und Beschaffenheit der Schichten. — Ver-
kieselte senkrechte Bäume. — Grosze Senkung. — Granitische Gesteine der
ajce. — Schluszbemerkungen über den Uspallata-Zug; späterer Ursprung als
der der Haupt-Cordillera; zwei Senkungsperioden; Vergleichung mit der
Portillo-Kette.

Der District zwischen der Cordillera und dem Stillen Ocean ist
im oberflächlichen Mittel von ungefähr achtzig bis hundert Meilen
breit. Er wird von vielen Bergketten durchsetzt, von denen die haupt-
sächlichsten in der Breite von Valparaiso und nach Süden davon nahezu
von Norden nach Süden verlaufen; aber in den nördlicheren Theilen
der Provinz ziehen sie in beinahe jeder möglichen Richtung hin. In
der Nähe des Stillen Oceans werden die Bergketten meist aus Syenit
oder Granit oder aus einem verwandten euritischen Porphyr gebildet;
in dem Niederlande finden sich auszer diesen granitischen Gesteinen
und Grünstein und vielem Gneisz besonders nach Norden von Valpa-
raiso beträchtliche Districte von echtem Thonschiefer mit Quarzadern,
welcher in einen feldspathigen und porpbyritischen Schiefer übergeht;
es finden sich auch etwas Grauwacke und quarzige jaspisartige Ge-
steinsarten, von denen die letzteren gelegentlich den Character der

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254

Centrales Chile.

Cap. 7.

Grundmasse des Thonsteinporphyrs annehmen: Trappgänge sind zahl-
reich. Näher an der Cordillera sind die Höhenzüge (so die von S. Fer-
nando, dem Prado1 und Aconcagua) zum Theil aus granitischen Ge-
steinen und zum Theil aus purpurnen porphyritischen Conglomeraten,
Thonstein-Porphyr, Griinstein-Porphyrund andern Gesteinsarten gebildet,
solche, wie wir sofort sehen werden, welche die basalen Schichten der
Haupt-Cordillera bilden. In den nördlicheren Theilen von Chile er-
streckt sich diese Porphyrreihe über grosze Landstrecken weit von der
Cordillera v und selbst im centralen Chile kommen dergleichen ge-
legentlich an weit abliegenden Stellen vor.

Ich will nun die Campana von Quillota beschreiben, welche nur
fünfzehn .Meilen vom Stillen Oeean entfernt steht, als ein Beispiel einer
dieser abliegenden Massen. Dieser Berg fällt schon deshalb auf, weil
er sicli bis zur Höhe von 6400 Fusz erhebt: sein Gipfel zeigt einen
für eine Höhe von 800 Fusz unbedeckten Kern von schönem Grünstein,
welcher Epidot und octaßdrisches Magnet-Eisenerz enthalt; seine Seiten
werden aus groszen Schichten von porphyritischen Thonstein-Conglome-
rat gebildet, in Verbindung mit verschiedenen echten Porphyren und
Mandelsteinen, welche mit dicken Massen eines stark feldspathigen,
zuweilen porphyritischen, blasz gefärbten schieferigen Gesteins abwech-
seln, dessen Spaltungsblätter unter einem hohen Winkel nach innen
fallen. Am Fnsze des Berges finden sich Syenite, eine körnige Mi-
schung von Quarz und Feldspath und harschem Qnarzitstein, welche
sitnimtlich zu der basalen metamorphischen Reihe gehören. Ich will
h bemerken, dasz am Fusze mehrerer Berge dieser Classe, wo die
Porphyre zuerst zu "sehen sind (wie in der Nähe von S. Fernando,
von Prado, Las \         u. s. w.) ähnliche harsche quarzige Gesteins-

arten und körnige Mischungen von Quarz und Feldspath vorkommen,
als wenn die schmelzbareren Bestandteile der granitischen Reihe her-
ausgezogen worden w         um die darüberliegenden Porphyre zu bilden.

Im centralen Chile bestehen die Seitenabfalle der Haupt-Cordillera,
in welche ich durch vier verschiedene Thaler vordrang, meist aus deut-
lich geschichteten Gesteinen. Die Schichten sind unter Winkeln ge-
neigt, welche von zuweilen selbst unter zehn bis zwanzig Krad variiren,
und sehr selten vierzig Grad überschreiten: bei einigen der ganz klei-
nen auszeren spornartigen Rücken war indessen die Neigung nicht

1 Meycn, Reise um die Erde, Tli. I. p. 235.

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Cap. 7.                          Basale Schichten der Cordillera.                             255

selten bedeutender. Das Einfallen der Schichten in den hauptsäch-
lichen äuszeren Zügen war gewöhnlich nach auszen oder von der Cor-
dillera weg, aber im nördlichen Chile häufig nach innen, d. h. ihre
Stirnenden sehen nach dem Stillen Ocean. Gänge kommen in auszer-
ordentlicher Anzahl vor. In den groszen centralen höchsten Rücken
sind die Schichten, wie wir sofort sehen werden, beinahe immer stark
geneigt und häufig senkrecht. Ehe ich einen detaillirten Bericht
meiner zwei Durchschnitte durch die Cordillera gebe, wird es wie ich
meine zweckmäszig sein, die basalen Schichten zu beschreiben, wie
man sie häufig bis zu einer Mächtigkeit von 4000 oder 5000 Fusz
an den Abhängen der äuszeren Züge sieht.

Basale Schichten der Cordillera. — Das vorherrschende
Gestein ist ein purpurnes oder grünliches porphyritisches Thonstein-
Conglomerat. Die eingeschlossenen Fragmente variiren in der Grösze
u kleinen Stückchen bis zu Blöcken, die bis sechs oder acht Zoll
(selten mehr) im Durchmesser messen; an viel teilen, wo die Frag-
mente s«lir minutiös waren, waren die Zeichen für einen Niederschlag
aus Wasser unbestreitbar deutlich: wo dieselben grosz waren, konnten
Beweise hierfür selten nachgewiesen werden. Die Grandmasse ist
meist porphyritisch mit vollkommenen Feldspathkrystallen und ist der
eines echten injicirten Thonsteinporphvis ähnlich: häufig hat dieselbe
indessen ein mechanisches oder sedimentäres Ansehen und zuweilen
sie (wie bei Jajuel) jaspisartig. Die eingeschlossenen Fragmente
sind entweder eckig oder zum Theil oder ganz abgerundet2: an einigen
Stellen herrschen die abgerundeten, an andern die eckigen Bruch-
stücke vor, und gewöhnlich sind beide Arten durcheinander gemischt:
es sollte daher eigentlich das Wort Breccie dem Ausdruck
„porphyritisches Conglomerat" hinzugefügt werden. Die Frag-
mente bestehen aus vielen Varietäten von Thonsteinporphyr, gewöhn-
lich von nahezu derselben Färbung wie die umgebende Basis, nämlich

2 Kinige der abgerundeten Gestei        -ke in dem ponihyrtischcn Conglome-

rat in der Nähe der Bäder von Cauquenes waren mit Strahlen und concentrischen
Zonen verschiedener Farbenschattirungen gezeichnet; ein Jeder, dem es unbekannt
war, dasz Rollsteine, z. B. Feuerstein-Rollsteine aus der Kr< zuweilen mit con-
centrischen Zonen versehen sind und dabei abgeriebene und gerundete Oberflächen
haben, würde zu dem Schlüsse geführt werden, dasz diese Porphyrkugeln nicht
echte RollsK-ine wären, sondern durch eine concretionäre Thätigkeit entstanden
wären.

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256                            B;. Schichten der Cordillera.                        Cap. 7.

purjmrröthlich, bräunlich gefleckt oder hellgrün; gelegentlich sind
Fragmente eines blätterigen, blasz gefärbten feldspathigen Gesteins,
verändertem Thonschiefer ähnlich, eingeschlossen, wie es auch zu-
weilen Quarzkürner sind, aber nur in einem Falle (nämlich bei den
Bergwerken von Jajucl) einige wenige Quarzrollsteine. Ich habe nir-
gends Glimmer in der Formation und selten Hornblende beobachtet;
wo das letztere Mineral vorkam, war ich meist darüber im Zweifel,
ob die Masse wirklich dieser Formation angehörte oder ein Eindrin
ling war. Kalkspath kommt gelegentlich in kleinen Höhlungen vor;
und Nester und Lager von Epidot sind häufig. An einigen wenigen
Stellen waren in den feinerkörnigen Varietäten (z. IS. bei Quillot
kurze unterbrochene Schichten erdigen Feldspathes vorhanden, welche
genau wie bei Port Desire, als in grosze Feldspathkrvstalle übergehend,
verfolgt werden konnten: ich zweifle indessen, ob in diesem 1 alle
die Schichten jemals als tuffartiger Niederschlag einzeln abgelagert
worden sind.

Alle die Varietäten der porph\ ritischen Conglomerate und Breccien
gehen in einander über, ebenso durch unzählige Abstufungen in Por-
phyre, welche nicht die mindeste »Spur eines mechanischen Ursprungs
mehr bewahren: der Übergang scheint in den feinkörnigen Varietäten
viel leichter bewirkt worden zu sein, als in den grobkörnigen. In
einem Falle in der Nähe von Cauquenes bemerkte ich, dasz ein por-
phyritisches Conglomerat eine sphäroidale Structur annahm und dazu
neigte, säulenförmig zu werden. Auszer dem porphyritischen Conglome-
rat und den vollkommen characterisirten Porphyren von metamor-
phischem Ursprünge gab es auch andere Porphyre, welche, wenn sie
auch durchaus nicht oder nur unbedeutend in der Zusammensetzung
abwichen, sicher einen verschiedenen Ursprung hatten: diese bestehen
aus rosa oder purpurnen Thonsteinporphyren, zuweilen Quarzkörner
einschlieszend, — aus Grünsteinporphyr, und aus andern trübe gi
färbten Gesteinen, welche alle m< porphyritisch sind, mit schön*
groszen tafelförmigen opaken Krystallen, die häufig kreuzwei elegt
sind, von Feldspath, der wie Albit spaltet (nach mehreren Messungen
zu urtheilen) und häufig mit Kiesel, Achat, kohlensaurem Kalk, grü-
nem und braunem Bolus amygdaloid ist3. Diese verschiedenen por-

' Dieser Bolus ist ein sehr häufiges Mineral in den amygdaloiden Gesteinen;
er ist meist von einer grünlich-braunen Farbe mit einer strahligen Structur; auszer-
lieh ist er schwarz mit einem fast metallischen Glänze, aber häufig mit einem

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Cap. 7.                       Porphyritisches Thonsteinconglomerat.                           257

phyritischen und amygdaloiden Varietäten zeigen niemals irgend welches

Zeichen, dasz sie in Massen von sedimentärem Ursprünge übergehen:
kommen beide in groszen und kleinen intrusiven Massen vor. und
gleichfalls in Schichten, welche mit denen des porphyritischen Conglome-
rats abwechseln, wobei die Verbindungsebenen häufig völlig deutlich,
nicht selten aber miteinander verschmolzen sind. An einigen dieser
intrusiven .Massen bieten die Porphyre mehr oder weniger deutlich

ie breccienartige Stractur dar, gleich der in vulcanischen Massen
häufig gesehenen. Diese breccienartigen Porphyre konnten meist auf
den ersten Blick von den metamorphosirten porphyritischen Breccien-

nglomeraten dadurch unterschieden werden, das/ alle Fragmente
eckig sind, aus derselben Varietät bestehen, und dasz jede Spur von
Niederschlag aus Wasser fehlt. Einer der ol.cn angeführten Por-
phyre, nämlich der Grünsteinporplivr mit gl n tafelförmigen Albit-
kn stallen, ist besonders massig vertreten und schien an einigen Stell*

hellgrünen Überzag bedeckt. Er ist weich und kann von einer Spulfeder gekratzt wer-
i; vor dem Lüthrohre schwillt er bedeutend an und wird schuppig; dann schmilzt
er leicht zu einer Bchwarzen magnetischen I'erle.                ibstanz ist offenbar der

ähnlich, welche oft in submarinen vulcanischen Gesteinen vorkommt. Eine Unter-
suchung einiger sehr merkwürdigen Exemplare eines schönen Porphyrs (von Jajw
führt mich auf die Vermuthung z einige dieser an         loiden Kugeln, statt in

vorher eiifltirenden Luftblasen abgelagert zu sein, von concretionärem Ursprung
sind; denn in diesen Exemplaren werden einige der erbsenförmigen kleinen Massen
(häufig äuszerlich mit kleinen Gruben gezeichnet) aus einer Mischung von grüner
Erde mit steiniger Substanz gebildet, gleich der Grundmasse des Porphyr»] mit
Einschlußz minutiöser unvollkommener Krystalle von Peldspath; und diese erbsen-
migen kleinen Massen sind selbst amygdaloid mit kleinen Kügelchen der grünen
Kl';.-, jedes in einen Überzug aus weiszer, augenscheinlich feldspathiger ei
Substanz          hüllt; so das/ der Porphyr doppelt amygdaloid ist. Es darf ind

nicht übersehen werden, das/ Bämmtliche Schichten eine metamorphische Wirkung
erfahren haben, welche das Erscheinen von Feldspath-Krystallcn verursacht haben
kann und welche ebenso andere Veränderungen in den ursprünglich einlachen

dalöidi ! igeln hervorgebracht haben kann. Mr. J. D. Dana hat in i
ausgezeichneten Aufsatze über Trapp-'                Idinb. New Philos. Journ., Vol. XII,

p. 198) mit viel Nachdruck gefolgert, dasz alle amygdaloide Mineralien durch
wässerige Infiltration abgelagert worden sind. Ich will diese Gelegenheit benutzen,
einen merkwürdigen im 2. Capitel meiner. Schrift über Vulcanischc Inseln (Übers,
p. 28) angeführten Fall zu erwähnen, wo viele von den Zellen in einem amyg-
daloiden Gestein nur halb mit einem mesotypischen Mineral erfüllt waren.

RoBe hat eine von Dr. Meyen aus Chile gebrach : einmandel (Reise um
die Erde, Th. I. p. 316) beschrieben, welche aus krystallisirtem Quarz, innen mit
Krysiallen von Stilbit nnd auszen von grüner Erde Qb                 stand.

Dahv.                               KU, 1.                                                                                 ]7

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258,                            Basale Schichten der Cordiilera.                        Cap. 7.

der Cprdillera (so in der Nähe von Santiago) selbst noch häufiger zu
sein, als das purpurne porphyritische Conglomerat. Zahlreiche Gänge
bestehen gleichfalls aus diesem Grünsteinporphyr; andere werden aus
verschiedenen feinkörnigen Trappgesteinen gebildet, aber sehr wenige
nur aus Thonsteinporphyr: echte Basaltgänge habe ich nicht gesellen.
An mehreren Stellen in dem unteren Theile der Reihe, aber nicht
überall kommen dicke Massen eines in hohem Grade feldspathigen,
häufig porphyritischen schieferigen Gesteins in abwechselnden Schichten
mit dem porphyritischen Conglomerat vor: ich glaube in einem oder
zwei Fällen ist schwärzlicher Kalkstein in einer ähnlichen Lage ge-
funden worden. Das feldspathige Gestein ist von einer blaszgraui
oder grünlichen Färbung; es ist leicht schmelzbar; wa es porphyritisch
ist, sind die Feldspathkrystalle meist klein und glasig: es ist deutlich
geblättert und enthält zuweilen parallele Schichten von Epidot*; die
Blätterung scheint von der Schichtung verschieden zu sein. Gelegent-
lich ist dieses Gestein etwas cariös, und an einem Orte, nämlich an
der Campana von Quillota, hat es eine breccienartige Structur. In
der Nähe der Minen von Jajuel fand sich in einer dritten Schicht
dieses feldspathigen porphyritischen Schiefers eine Lage von hartem,
schwärzlichem, kieseligem, nicht schmelzbarem compactem Thonschiefcr,
wie ich sie sonst nirgendswo gesehen habe: an demselben Orte war
ich im Stande, die Verbindung zwischen dem Schiefer und dem con-
form darunterliegenden porphyritischen Conglomerat eine beträchtliche
Strecke weit zu verfolgen, und sie giengen sicher allmählich Ineinander
über. Wo nur immer diese schieferigen feldspathigen Gesteine reich-
lich vorkommen, scheint Grünstein gemein zu sein; an der Campai
von Quillota lag eine Schicht von gut krystallisirtem Grünstein con-
form in der Mitte des feldspathigen Schi . und die oberen und
unteren Yerbindungsfiächen giengen unmerkbar in denselben über.
Nach dieser Thatsache und nach dem häutig porphyritischen Znstande
des Schiefers würde ich vielleicht dieses Gestein als ein eruptives be-
trachtet haben (wie gewisse blätterige feldspathige Laven in derTrachyt-
reihe), hätte ich nicht im Feuerlande gesehen, wie leicht echter Thon-

* Dieses Mineral ist in allen Formationen von Chile äuszerst gemein: so in
dem Gneisz in der Nähe von Valparaiso und in den denselben durchsetzenden
Granitadern, in dem die Campana von Quillota krönenden injicirten Grünstein, in
einigen granitisrhen Porphyren, in dem porphyritischen Conglomerat und in den
feldspathigen Thnnschiefern.

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Cap. 7.                    Porphyritiaches Thonateincong] at.                         259

schiefer feldepathig und porpbyritisch wird, and hätte ich nicht bei
Jajuel die eingeschlossene Schicht schwarzen kieseligen Thonscbiefers
gesehen, welche Niemand als feurigen Ursprungs betrachtet haben
konnte. Der allgemeine Obergang des feldspathigen Schiefers bei Jajuel
in das porpbyritische Conglomerat, welches sicher wässerigen Ursprungs
ist, sollte auch mit in Betracht gezogen werden.

Die abwechselnden Schichten von Porphyren und porpbyritischen
Conglomeraten mit den gelegentlich eingeschlos           Schichten feld-

spathigen Schiefers bilden zusammen eine groszartige Formation; an
mehreren Stellen innerhalb der Cordillera schätzte ich ihre Mächtig-
keit auf 6000—7000 Fusz. Sie erstreckt sich viele Hundert Meilen
weit, indem sie den westlichen Abhang der chilenischen Cordillera
bildet; und selbst bei Iquique in Peru, 850 Meilen nördlich von dem
von mir untersuchten südlichsten Punkte in Chile, ist die Küsten-
böschung, welche sich Ins zu einer Höhe von zwischen 2000 und
3000 Fusz erhebt, in gleicher Weise zusammengesetzt. In mehreren
Theilen des nördlichen Chile erstreckt sich diese Formation viel weiter
nach dem Stillen Ocean zu über die granitischen und metamorphischen
unteren Gesteine als in dem centralen Chile; aber die Haupt-Cordillera
kann als ihre centrale Linie angesehen werden und ihre Breite in einer
ostwestlichen Richtung ist nirgends grosz. Zuerst erschien mir der
Ursprung dieser dicken, massiven, langen, aber Bchinalen Formation
sehr anomal: wober rührten die unzähligen Fragmente, häutig von be-
utender Grösze, zuweilen eckig und zuweilen abgerundet, undbeinal
ausnahmslos aus porpbyritischen Gesteinen gebildet, und wie waren
sie zerstreut? Wenn man sieht, dasz die dazwischen gesrhi.-hteten
Porphyre niemals blasig und häufig nicht einmal amygdalold sind,
müssen wir schlieszen. dasz der ganze Haufen in tiefem Wasser ge-
bildetwurde: wie kam es nun, dasz so viele Fragmente gut abgerandel
wurden, und so viele eekig blieben, dasz zins eilen die zwei Arten gleieh-
mäszig miteinander vermischt, zuweilen die einen und zuweilen die an-
dern vorherrschend waren? Dasz der Thonstein, Grünstein und andere
Porphyre und Amygdaloide, welche conform zwischen denConglomerat-
schiebten liegen, alte submarine Laven sind, daran kann man. meine
ich, nicht zweifeln; und ich glaube, wir müssen die Cratere, aus denen
diese Ströme hervorgebrochen sind, als die Quelle des Breccienconglon
rates ansehen: nach einer groszen Explosion können wir uns wohl vor-
stellen, dasz das Wasser in dem erhitzten und kaum zur Hube kommen-

17*

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2G0                            Basale Schichten der Cordillera.                        Cap. 7.

den Crater eine beträchtliche Zeit lang5 hinreichend unruhig sein
wird, um die lose in ihm liegenden Fragmente durcheinander zu röhren
und abzurunden: diese abgerundeten Fragmente, der Zahl nach wenige
oder viele, werden bei der nächsten Eruption in Verbindung mit einigen
wenigen oder vielen eckigen Fragmenten je nach der Starke der Ex-
plosion fortgeschleudert werden. Der Umstand, dasz das porphyritische
Conglomerat purpurn oder röthlich ist, selbst wenn es mit trübe ge-
färbten oder hellgrünen Porphyren oder Amygdaloiden abwechselt, i
wahrscheinlich dem Falle analog, dasz die Schlacken der schwärzlichen
Basalte häufig hellroth" werden. Der Umstand, dasz die alten sub-
marinen uffnungen, aus denen die Porphyre und ihre Fragmente her-
vorgeworfen wurden, in einem Streifen angeordnet lagen, wie die meisten
jetzt noch activen Vulcane, erklärt die Mächtigkeit, die Schmalheit
und die lineare Ausdehnung dieser Formation.

Diese ganze grosze aufgehäufte Masse von üesteinen hat eine be-
deutende metamorphische Einwirkung erlitten, wie sein-deutlich hervor-
geht aus der allmählichen Bildung und dem Auftreten der Krystalle
n albitischem Feldspath und von Epidot, — aus dem Miteinander-
rerschmelzen der Fragmente, — aus dem Auftreten einer blätterigen
tructur in dem feldspathigen Schiefer, — und endlich aus dem Yer-
invinden d< hichtungsebenen, welche zuweilen an einem und dem-
Iben Berge in dem oberen Theile völlig deutlich, an den Abhängen
immer weniger und weniger deutlich und am Pusze vollständig oblit-
rirl nachzuweisen waren. Ich habe Porphyrfragmente gesehen, welche
aus einem metamorphosirten Conglomerat, — aus einem in der Nähe
ch findenden Lava m, — aus dem Nucleus oder dem Centrum
(wie es mir erschien) des ganzen submarinen Vulcans, — und endlieh
aus einer intriisiven Masse von völlig späterem Ursprünge genommen
waren, und welche doch sämmtlich absolut ununterscheidbar in äuszeren
Characteren waren, theils in Folge der erwähnten metamorphischen
Einwirkung und theils in Folge der nahen Verwandtschaft des Ur-
sprungs.

Ein anderes Gestein von plutonischem Ursprung und von hoher
Bedeutung für die Geschichte der Cordillera, weil es in den meisten
der groszen Erhebungsaxen injicirt worden ist und weil es augenschein-

b Dies scheint sicher auf einigen recenten vulcaniachen Archipelen stattgefunden
zu haben, wie auf den Galapagos, wo zahlreiche Crater              «lieh aus Tuff

und LavabruchatÜcto bildel werden.

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Cap. 7.                    Andesitische und vulcanische Gesteine.                        261

lieh bei der Metamorphose der darüber liegenden Schichten mit thätig
gewesen ist, dürfte zweckmässiger Weise in dieser vorläufigen Erörte-
rung beschrieben werden. Es ist von einigen Autoren Andesit ge-
nannt worden: es besteht hauptsächlich uns gut krystallisirtem weiszen

Albit6 (wie sowohl Professor Miller als ich selbst an zahlreichen
Exemplaren mit dem Goniometer bestimmt haben), aus weniger voll-
kommen krystallisirter grüner Hornblende, häufig in Begleitung von
vielem Glimmer, von Chlorit und Epidot, und gelegentlich einigen
i Quarzkörnern: in einem Falle im nördlichen Chile fand ich
Krystalle von orthitischem und Kali-Feldspath mit denen des Albit
vermengt. Wo der Glimmer und Quarz reichlich vorhanden sind, kann
das Gestein von Granit nicht unterschieden werden, und man kann
andesitischen Granit nennen. Wo dies iden Mineralien ganz fehlen,
und wenn, wie es häufig der Fall ist, die Albitknstalle unvollkommen
sind und miteinander verschmelzen, kann «las Gestein andesitischer
Porphyr genannt werden, welcher nahezu in demselben Verhältnis zu
dem andesitischen Granit steht, wie euritischer Porphyr zum gewöhn-
lichen Granit. I'iese andesitischen Gesteine bilden Gebirgsmassen von
einer weiszen Farbe, welche in ihren allgemeinen Umrissen und ihrem
Erscheinen, in ihrer Gliederung, in ihrem gelegentlichen Einschlusz
dunkel gefärbter eckiger Fragmente, augenscheinlich von irgend eine
vorher existirenden Gestein, und in den groszen, von ihnen aus sich
in die darüber liegenden Schichten verzweigenden Gängen eine grosze
und auflallende Ähnlichkeit mit Massen von gewöhnlichem Granit und
enit darbieten: ich habe indessen in diesen andesitischen Gesteinen
niemals jene granitischen Scheidungsadern gesehen, welche in den
echten Graniten so häufig sind. Wir haben gesehen, das/ Andesit an
drei Stellen im Feuerland vorkommt: in Chile von San Fernando bis
Copiapo in einer Entfernung von 450 Meilen fand ich denselben unter
den meisten ErhebungsaMu; in einer Sammlang von Bandstücken von

6 Ich bezeichne hier und an andern Orten mit diesem Namen diejenigen
feldspathigen Gesteh        ilche wie Albit spalten: jetzt wird indesz bekannt (Edinb.

New Philos. Jonrn. Vol. XXIV, p. 181), dasz Äbich ein Mineral von der Cordil-
lera, in Verbindung mit Hornblende und Quarz (wahrscheinlich dasselbe Gestein,
welches hier besprochen wird), untersucht hat, welches wie Albit spaltet, welch
aber eine neue und verschiedene, von ihm Andesin genannt.'Art ist. Ea ist mit
Leucit verwandt, in dem die gröszere Menge des Kali durch Kalk und Natron er-
setzt ist. Dies Mineral scheint aus/er durch die Analyse kaum von Albit zu um
scheiden zu sein.

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262

IMutonische ' ine der ConlilK-m.

Cap. 7.

der Cordillera von Lima in Peru erkannte ich es sofort wieder; und
EmiAN7 gürt an, dasz es im östlichen Kamtschatka.vorkommt. Nach
iner weiten Verbreitung und nach der wichtigen Rolle, welche es in
der Geschichte der Cordillera gespielt hat, meine ich, dasz dieses Ge-
stein seinen besonderen Namen Andesit wohl verdient hat.

Die wenigen noch jetzt activen Vnlcane in Chile sind auf die cen-
tralen und höchsten Züge der Cordillera beschränkt, und vulcanische
Substanz, solche, welche augenscheinlich auf dem Festlande ausgebrochen
ist, ist überall selten. Nach der Angabe von MEYENfl findet sich ein
Bimssteinberg hoch oben im Tbale des Maypu, und gleichfalls eine
Traehytformation bei Colina, einem in der Nähe von Santiago ge-
legenen Dorfe. Dicht an dieser letzteren Stadt liegen zwei aus einem
blasigen feldspathigen Porphyr gebildete Hügel, welche merkwürdig
sind, weil sie floppell saulig sind, indem cylindrische Säulen in kleine
vier- oder fünfseitige getheilt sind; und ein dritter Berg (Cerro Blanco)
wird aus einer fragmentären Gesteinsmasse gebildet, welche, wie ich
glaube, vulcanisehen Ursprungs ist, im Character intermediär zwischen
den obigen feldspathigen Porphyren und dem gemeinen Trachyt, und
welches Hornblendenadeln und korniges Bisenoxyd enthalt. In der
Nähe der Bäder von Cauquenee liegt zwischen zwei kurzen parallelen
Erhebungslinien, wo sie vom Thale durchschnitten werden, ein kleiner
aber doch deutlicher vulcanischer District; das Gestein ist ein dunkel-
grauer (andesitiseher) Trachyt, welcher vor dem Löthrohr in eine
grünlich graue Teile schmilzt und aus langen Krystallen von ge-
brochenem glasigen Albit (nach einer Messung zu urtheilen), mit gut
geformten, häufig Zwillingskrystallen von Augit untermischt, gebildet
wird. Die ganze Masse ist blasig, aber die Oberfläche ist dunkler ge-
färbt und viel blasiger, als irgend ein anderer Theil. Dieser Trachyt
bildet einen klippenbegrenzten horizontalen schmalen Streifen an der
steilen südlichen Seite des Thaies in der Höhe von 400 oder 500 Fusz
über dem Fluszbett: nach einer augenscheinlich entsprechenden Klippen-
linie an der nördlichen Seite zu urtheilen, musz das Thal früher einmal
bis zu dieser Höhe von einem Lavafelde erfüllt gewesen sein. Auf
dem Gipfel eines hohen Berges, einige Stunden höher hinauf in diesem
nämlichen Thale des Cachapual fand ich säuligen Pechstein mit Feld-

7 i H'Ographieal Journal, Vol. IX. j>. 51".
- Reise um die Erde, Th. I, p. 338 and 362.

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Cap. 7.                     Durchschnitt durch den Portillo-Pass.                        263

*

spath porphyritisch; ich vermutlie nicht, dasz dieses Gestein vulcani-
schen Ursprungs ist, und erwähne v$ nur hier, weil es von Massen
und Gängen eines blasigen Gesteins durchseht wird, welches sich
im Character dem Trachyt nähert; in keinem anderen Theile von Chile
habe icli vesieuläre oder amygdalolde Gänge beobachtet, ob&chon solche
in gewöhnlichen vulcanischen Districten so häufig sind.

Übergang über die Anden durch den Portillo- oder

PeuqueneS'I'a 8 8.

Obgleich ich die Cordillera nur einmal auf diesem Pass überschritt
und auch nur einmal auf dem von Cumbre oder Uspallata (der sofort
beschrieben werden soll), indem ich langsam ritt und gelegentlich hielt,
um die Berge zu besteigen, sind doch viele Umstände dazu günstig,
eine wahrheitsgetreuere Skizze ihrer Structur zu erhalten, als man es
auf den ersten Blick nach einer so kurzen Untersuchung für möglich
halten sollte. Die Berge sind steil und absolut vegetationslos; die
Atmosphäre ist glänzend klar; die Schichtung deutlich; und die Ge-
steine hell und verschieden gefärbt: einige der natürlichen Durch-
schnitte können in Wahrheit in Bezug auf ihre Deutlichkeit mit den
lorirten Durchschnitten in geologischen Werken verglichen werden.
In Anbetracht des Umstandes, dasz so wenig von der Structur dieses
riesenhaften Gebirgszugs bekannt ist, auf welche ich besonders achtete,
während die meisten Reisenden nur Handstücke der Gesteinsarten ge-
sammelt haben, glaube ich, dasz meine Durchschnittsskizzen, obschon
sie natürlich unvollkommen sind, einiges Interesse besitzen. Der auf
Tafel 1, Fig. 1 gegebene Durchschnitt, welchen ich jetzt im Einzelnen
beschreiben will, ist nach einem horizontalen Maszstabe von einem
Drittel Zoll auf eine nautische Meile, und im verticalen Maszstabe von
einem Zoll auf eine Meile oder 6000 Fusz entworfen. Die Breite des
Gebirgszugs (mit Ausschlusz einiger weniger abliegender Hügel) von
der Ebene, auf welcher Santiago, die Hauptstadt von Chile, steht, bis
zu den Pampas beträgt sechzig Meilen, so weit ich nach den Karten
urtheilen kann, welche von einander verschieden und alle äuszerst
unvollkommen sind. Die Ebene von Santiago an der Mündung des
Maypu schätzte ich nach benachbarten bekannten Punkten zu 2300 Fusz
und die Pampas zu 3500 Fusz, Beides über dem Meeresspiegel. Die
Höhe des Peuquenes-Zugs ist nach der Angabe von Dr. Gillies9

9 Journal of latur. and Geograph. Science, Aug. 1880.

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2G4                         Durchschnitt durch Jon PortUlo-Paae.                     Cap. 7.

L3210 Fusz, und die des Portillo- Zugs (beides in den Einschnitten,
in welchen die Strasze sie überschreitet) beträgt 14345 Pnszj der
unterste Theil des zwischenliegenden Thaies von Tenuyan ist 7530 Fusz
hoch, Alles über dem Meeresspiegel.

Die Cordillera besteht hier, und wie ich glaube in der That durch
ganz Chile, aus mehreren parallelen antiklinischen und monoklinischen
Bergzügen, welche nach Norden, oder nach Norden mit ein wenig Ab-
weichung nach Westen, und Süden ziehen. Einige auszere und viel
niedrigere Rücken variiren häufig beträchtlich von diesem Verlauf, in-
dem sie wie schräge Sporne von den Hauptrücken vorspringen: in dem
District nach dem Stillen Ocean zu erstrecken sich die Berge, w
vorhin bemerkt wurde, in verschiedenen Richtungen, selbst nach Ost
und West. In den hauptsächlichen äuszeren Zügen sind die Schicht«
wie gleichfalls vorhin bemerkt wurde, selten unter hohem Winkel ge-
neigt; aber in den centralen Höhenrücken sind sie beinahe immer be-
deutend geneigt, durch viele grosze Verwerfungen durchbrochen und
häufig vertical. Soweit ich es beurtheilen konnte, sind nur wenige
der Züge von bedeutender Länge; und in den centralen Theilen der
Cordillera war ich häufig im Stande, mit dem Auge einen Rücken zu
verfolgen, der allmählich immer hoher und höher wurde, in dem Musze
als die Schichtung an Neigung zunahm, und zwar von dem einen Ende,
wo seine Hohe unbedeutend und seine Schichten sanft geneigt waren,
bis zu dem andern Ende, wo die verticalen Schichten nun mit Schnee
bedeckte Zinnen bildeten. Seihst nach auszen von der Haiipt-Cordillera
in der Nähe der Bäder von Cauquenes beobachtete ich einen solchen
Fall, wo an einem nordsüdlichen Rücken die Schichten im Thale zu
7° geneigt waren, und weniger als eine Meile weiter sudlich davon
zu 67°: ein anderer paralleler und ähnlich geneigter Rücken erhob
sich in der Entfernung von ungefähr fünf Meilen zu einem hohen
Berge mit absolut verticalen Schichten. Innerhall) der Cordillera wurde
die Höhe der Hucken und die Neigung der Schichten häutig in viel
kürzeren Entfernungen als fünf Meilen verdoppelt und verdreifacht:
diese eigentümliche Form der Erhebung weist wahrscheinlich darauf
hin, dasz die geschichtete Kinde dünn war, und daher den darunter
liegenden intrusiven Massen ongleichmäszig an gewissen Punkten der
altungalinien nachgab.

Die Thaler, durch welche die Cordillera ihr Wasser verliert,
folgen den antiklinischen oder selten synklinischen Trögen, welche

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Cap. 7.

Durchschnitt durch den Portillo-l'aaB.

265

meist von dem gewöhnlichen nordsüdlichen Verlaufe abgehen, oder
noch häufiger jenen Linien der Verwerfungen oder der ungleichen
Krümmung (d. h. Linien, an denen die Schichten auf beiden Seiten in
derselben Richtung einfallen, aber unter einem etwas verschiedenen
Winkel), welche meist von dem nördlichen Verlauf abweichen. Ge-
legentlich laufen die Bergströme eine Strecke weit in den nördlich
und südlichen Thälern und nehmen dann ihren östlichen oder west-
lichen Verlauf dadurch ein, dasz sie durch die Gebirgszüge an den
Punkten durchbrechen, wo die Schichten am wenigsten geneigt, und
die Höhe in Folge dessen geringer ist. Fs sind daher die Thäler,
denen entlang die Strasze lauft, meist im Zickzack, und beim Zeichnen
eines ostwestlichen Du chnittes ist es nothwendig, das, was auf d'T

rasze factisch gesehen wird, bedeutend zusammenzuziehen.

Wenn wir an dem westlichen Ende des colorirten Durchschnitl
(Tafel I) beginnen, wo der Kio Maypu sich auf die Ebene von Santiago
ergieszt, so treffen wir sofort auf die porjfhyritische C lomerat-
Formation, und rinden in der Mitte derselben einige Hügel von Granit
und Syenit (A), welche wahrscheinlich (denn ich versäum! . Hand-

ieke zu sammeln) der Aüdesitclasse ang en. Diesen folgen eini
Hügel mit zerrissenen Contouren (B) von dunkelgrünen, feldspathig
und an einigen Stellen schieferigen Gesteinen, welche wie ich glaul
der veränderten Thonschiefer-Formation angehören. Von diesem Tunkte
an erstrecken sich grosze Berge von purpurnen und grünlichen, ge-
wöhnlich dünn geschichteten in hohem Grade porphyritischen Conglo-
meraten, welche viele Schichten amygdaloider und Grünstein-Porphyre
einschlieszen, das Thal hinauf bis zu der Verbindung der Flüsse Yeso
und Volcan. Da das Thal sieh hier in einem sehr südlichen Verlan
hinzieht, ist die Breite der porphyritischen Conglomerat-Formation
vollständig der Vermuthung überlassen; aus derselben Ursache war
ich nicht im Stande, die Schichtungsverhaltnisse zu ermitteln. An
den meisten der äuszeren Berge war der Fall sanft und nach innen
gerichtet; und nur an einem Punkte beobachtete ich eine Neigung
von fünfzig Grad. In der Nähe der Verbindung des Rio Colorado
mit dem Hauptstrom liegt ein Berg von weiszlichem, durehtrümerten.
theilweise zersetzten feldspathigen Porphyr, welcher ein vulcanisches
Ansehen hat, aber nicht wirklich von derartiger Beschaffenheit ist:
bei Tolla indessen fand Dr. Meyeni0 in diesem Thale einen Berg von

lu Reise um die Erde, Th. I, p. 338. 841.

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266                         Durchschnitt durch den PortiUo-Pass.                     Cap. 7.

Bimsstein, welcher Glimmer enthielt. Bei der Verbindung des Yeso
und Volean (D) findet sich eine ausgedehnte Masse von Andesit in
weiszen conischen Hügeln, welcher etwas Glimmer enthält, und ent-
weder in andesitischenGranit oder in eine gefleckte halbkörnige Mischung
von albitischem (?) Feldspath und Hornblende übergeht: in der Mitte
dieser Formation fand Dr. Meten echten Traehyt. Der Andesit wird
von Schichten dunkel gefärbter kristallinischer, undeutlich porphy-
ritischer Gesteine bedeckt, und über diesen von den gewöhnlichen por-
phyritischen Conglomeraten, — die Schichten fallen sämmtlich unter
einem kleinen Winkel von der darunter liegenden Masse ab. Die um-
gebenden hohen Berge scheinen gänzlich aus den porphyritischen Con-
glomeraten zusammengesetzt zu sein, und i< h schätzte ihre Mächtig-
keit hier auf zwischen 600<> und 7000 Fusz.

Jenseits der Vereinigung des Yeso und Volean scheinen die por-
phyritischen Schichten nach den Andesithügeln zu unter einem Winkel
von 40 Grad einzufallen; aber an einigen weit ntfeint liegenden
Funkten an demselben Kücken sind sie aufgebogen und senkrecht.
Verfolgt man das Thal des Yeso nach Nordost abbiegend (und daher
für unseren Querschnitt noch immer ungünstig) so erstreckt sich die-
selbe porphy ritische Conglomerat-Formation bis in die Nähe der Guesta
del Tndio, welche am westlichen Ende des Beckens (mit einem Abflusz
wie ein See) des Yeso liegt. Eine Strecke weit, ehe man an diesen
Punkt gelangt, konnten zuerst entfernte hohe Berggipfel, die von ge-
färbten zur groszen Gypsformation gehörigen Schichten bedeckt waren.
gesehen werden. Vom Gipfel der Cuesta nach Süden hin hat man einen
prachtvollen Dureliselmittsblick einer Bergmasse von mindestens 2000
Fufl2 Mächtigkeit (E) von schönem andesitischen Granit (viel schwarzen
Glimmer, ein wenig Chlorit und Quarz enthaltend), welcher grosze weisze
'iänge weit in das darüber liegende dunkel gefärbte porphy ritische
Conglomerat einschickt. An der Verbindungslinie sind die zwei For-
mationen wunderbar ineinander gewoben: im unteren Theile des por-
pbyritischen Conglomerates ist die Schichtung vollständig obliterirt,
während sie im oberen Theile sehr deutlich ist; die die Rücken der
umgebenden Berge zusammensetzenden Schichten sind unter Winkeln von
zwischen 70 und 80 Grad geneigt, und einige sogar senkrecht. Auf
der nördlichen Seite des Thals ist eine grosze entsprechende Masse
von andesitischem Granit, von porphyritischem Conglomerat eingefaszt,
welche sowohl an der westlichen als an der östlichen Seite unter ungefähr

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Cap. 7-

Durchschnitt durch den Portillo-P.

207

80 Grad nach Westen einfällt, wogegen an der östlichen Seite die
Spitzen der Schichten in einer solchen Weise gebogen sind, dasz es
wahrscheinlich wird, die ganze Masse sei auf diese Weise übergestürzt
and umgekehrt worden.

Im Thalhecken des Yeso, welches ich zu 7000 Fusz über dem
Meeresspiegel schätzte, erreichen wir zuerst hei (F) die Gypsformation.
Ihre Mächtigkeit ist sehr bedeutend. Sie besteht an den meisten
Stellen aus scbneeweiszem, harten, compacten Gyps, welcher mit einem
zuckerigen Bruch bricht und durchscheinende Ränder hat; vor dem

hrolir gibt er viel Wasserdampf aus; er enthält häufig Nester und
ftuszerst dünne Schichten von krystallisirtem schwärzlichen kohlen-
sauren Kalk. Grosze unregelmäszig gestaltete Concretionen (äuszer-
lich noch immer Streifen von wässerigem Niederschlag darbietend)
von schwärzlich-grauem, zuweilen aber weiszera grobem und glänzend
krystallisirtem, hartem Anhydrit sind mit dem gemeinen Gyps sehr
reichlich vorbanden. Aus den härtesten und reinsten Varietäten des

<zen Gypses gebildete Hügel ragen über die umgebenden Theile
vor und haben gesprungene und gezeichnete Oberflächen, genau wie
frisch gebackenes Brod. Es findet sich viel blaszbrauner weicher
thoniger Gyps; und es finden sich auch einige zwischengeschaltete
grüne Schichten, welche ich zu erreichen nicht Zeit hatte. Ich sah
nur »in Fragment von Selenit oder durchscheinendem Gyps, und dieses
dürfte vielleicht von irgend einer später geformten Ader herrühren.
Nach den hier gegebenen mineralogischen Characteren ist es wahr-
scheinlich, dasz die Gypsschiehten irgend eine metamorphische Ein-
wirkung erfahren haben. Die Schichten sind stark unter Detritus
verborgen, scheinen aber an den meisten Stellen stark geneigt zu sein,
und an einem in der Nähe befindlichen hohen Berggrat konnte man

deutlich sehen, dasz sie nach oben gebogen und senkrecht wurden,
conform mit dem darunterliegenden porphyritischen Conglomerat. An
sehr vielen Stellen der groszen Bergfläche (F), welche aus dünnen Gyps-
schiehten zusammengesetzt war, fanden sich unzählige unregelmäszig und
nicht wie Gänge gestaltete, aber doch scharf bestimmte Ränder dar-
bietende Massen von unvollkommen körnigem, blaszgrünlichem oder
gelblich weiszem Gestein, welches wesentlich aus Feldspath mit ein
wenig Chlorit oder Hornblende, Epidot, Schwefelkies und eisenschüssi-
gem Pulver zusammengesetzt war: ich glaube, dasz diese merkwürdi.
trappartigen Massen von den nicht weit entfernten Bergmassen (E)

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Durchschnitt durch den Portillo-Pa                              C'ap. 7.

von Andesit her eingespritzt worden sind, während sie noch flüssig
waren, und dasz sie in Folge der Weichheit der Gypsschichten nicht
ihre gewöhnliche Form von Gängen erhalten haben. Später nach der
Injection dieser feldspathigen Gesteine hat eine grosze Dislocation
stattgefunden, und die stark erschütterten Gypsschichten liegen hier
auf einem Hügel (G), welcher aus senkrechten Schichten unreinen
Kalkes und schwarzen in hohem Grade kalkhaltigen Schiefers, Icher
Gypsfäden einschlieszt, zusammengesetzt ist; diese Gesteinsarten ge-
hören, wie wir sofort sehen werden, den oberen Theilen der Gypsreihe
an, und müssen dalier durch eine ungeheure Verwerfung hier herunter
geworfen worden sein.

Gehen wir in dem Thalbecken des Yeso weiter hinauf und nehmen
wir unseren Durchschnitt zuweilen auf der einen Seite, zuweilen auf
der andern, so kommen wir zu einem groszen Berge von stratificirtem
porphvritischem Conglomerat (H), welcher unter 45 Grad nach Westen
einfällt; einige wenige Hundert Yards weiter hin finden wir eine zwi-

hen 300 und 400 Fusz mächtige Schicht von Gyps (J), welche unter
einem sehr hohen Winkel nach Osten einfallt: liier haben wir daher
eine Verwerfung und eine antiklinische Axe. Auf der gegenüberliegen-
den Seite des Thaies verliert augenscheinlich eine senkrechte Masse

n rothem Conglomerat                conform unter dem Gyps liegt, all-

mählich ihre Schichtung und geht in einen Porphyrberg über. Der
Gyps (J) wird von einer Schicht (K) von mindestens 1000 Fusz
Mächtigkeit eines purpurröthlichen, compacten, schweren, feinkörnigen
Sandsteins oder Schieferlettens bedeckt, welcher leicht zu einem
weiszen Schmelz schmilzt und unter der Lupe als zerkleinerte I\rv-

ille enthaltend erkannt wird. Dieser folgt eine Schicht (Li 1000 Fusb
mächtig (ich glaube die Mächtigkeit zu unterschätzen) von Gyps genau
gleich den vorher beschriebenen Schichten, und diese wieder wird von
einer andern groszen Schicht (M) von purpurrotem Sandstein bedeckt.
Alle diese Schichten fallen nach Osten ein, aber die Neigung wird
immer geringer und geringer in dem Masze, als wir die erste und
beinahe Benkrechte Schicht (J) von Gyps verlassen.

Wenn man die Beckenebene des Yeso verläszt, so steigt die Straeze
plötzlich an und geht über Berge, die aus den Gypsbetten mit den
begleitenden Schichten zusammengesetzt sind, «.leren Schichtung be-
deutend gestört und daher nicht leicht verständlich ist: es ist daher
dieser Theil des Durchschnittes ohne Coloril gelaasen worden. Kurz

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Cap. ".                                    Gjpaformation.                                        269

ehe man den groszen Peuquenes-Rücken erreicht, ist die tiefste sichtbare
Schicht (N) ein rother Sandstein oder Schieferletten, der von einer
ungeheuren Masse schwarzen, compacten, kalkigen, schieferigen Ge-
steins (0) bedeckt wird, welches in vier hohe aber kleine Rücken auf-
geworfen worden äst: nach Norden hin sehend bemerkt man, dasz die
Schichten in diesem Kücken allmählich in ihrer Neigunj h erheben
und an einigen entt- in Bergzinnen absolut vertical werden.

Der Peuquenes-Rücken, welcher die in den Stillen Ocean flieszen-
den Wässer von den in den Atlantischen fiieszenden scheidet, dehnt

h in einer nahezu nord-nord>>stlichen und sÜd-südÖstlichen Lii
hin: seine Schichten fallen nach Osten unter einem Winkel von zwi-
schen MO0 und 4.'»° ein, aber an den höheren Gipfeln biegen sie sich
empor und werden beinahe vertical. Wo die         ze diesen Höhenzug

überschreitet, betragt die Höhe 13 210 Fusz über dem Meeresspiegel,
und ich schätzte die in der Nahe befindlichen Berggipfel zu 14 000 bis
L5 000 Fusz. Die unterste in diesem Rücken sichtbare Schicht
ein rother geschichteter Sandstein (P); auf ihm liegen zwei grosze
Massen (Q und S) schwarzen harten compacten, selbst einen muscheli-

n Bruch darbietenden, kalkigen, mehr oder weniger geblätterten

hiefers, welcher in Kalkstein übergeht, aufgehäuft: dieses Gestein
enthält organische Res1 die sofort aufgezahlt werden sollen. Die
compacten Varietäten schmelzen leicht in ein weiszes <          und wie

ich hinzufügen will, ist dies ein sämmtlichen sedimentären Schichten
in der Cordillera sehr allgemein zukommender Character: obschon
dieses Gestein, wenn es gebrochen wird, meist völlig schwarz ist, ver-
wittert es überall zu einer aschgräulichen Färbung. Zwischen diesen
zwei groszen Massen (Q und S) ist eine Schicht von Gyps (R) ein-
haltet, die ungefähr -100 Fusz mächtig ist und dieselben Charac-
fcere besitzt, wie die vorhin besprochenen. Ich schätzte die totale
-Mächtigkeit dieser drei Schichten (Q, R, S) zu nahezu 300" Fusz;
und zu diesem rausz noch, wie sofort gezeigt werden wird, eine grosze
darüberliegende Masse von rothem Sandstein hinzu gerechnet werden.
_rt man den Ostabhang dieses groszen Centralzuges hinab, so
werden die Schichten, welche im oberen Tbeile unter einem Winkel

n ungefähr 40 Grad nach Osten einfallen, mehr und mehr gekrümmt,
bis sie nahezu vertical sind, und ein wenig weiter hin sieht man an

r abliegenden Seite einer Schlucht eine dicke Schichtenmasse von
hellem, rothem Sandstein (T) deren obere Enden leicht gekrümmt sind

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270                         Durchschnitt durch den Portillo-Pass.                     Cap. 7.

und dadurch zeigen, dasz sie früher einmal über die Schichten (S) ver-
längert waren; auf der südlichen und gegenüberliegenden Seite der
Strasze stehen dieser rothe Sandstein und die darunterliegenden schwar-
zen schieferigen Gesteine senkrecht und in factischer Nebeneinander-
lagerung. Steigen wir weiter hinab, so kommen wir zu einem syn-
klinischen mit Geröll erfüllten Thale, jenseits welches wir den rothen
Sandstein (T2) sehen, dem bei T entsprechend, und nun, wie es sich
sowohl nördlich als südlich von der Strasze zeigt, unter 45 Grad nach
Westen einfallend; unter diesem liegen die Schichten S2 R2 Q2, und
ich glaube auch P2, in übereinstimmender Reihenfolge und von ähnlicher
Zusammensetzung wie die auf dem westlichen Abhänge des Peuquenes-
Zuges, aber nach Westen einfallend. Dicht bei dem synklinischen
Thale ist der Einfallswinkel dieser Schichten 45 Grad, aber am
liehen oder weiter abliegenden Ende der Reihe erhebt er sich bis zu
60 Grad. Hier endet die grosze Gvpsformation plötzlich, und ihr folgen
weiter nach Osten Haufen neuerer Schichten. Bedenkt man, wie
heftig diese centralen Rücken dislocirt sind, und wie sehr zahlreich
in den äuszeren und unteren Theilen der Cordillera Gänge sind, so
ist es merkwürdig, dasz ich hier nicht einen einzigen Gang bemerkte,
Das vorherrschende Gestein in dieser Gegend ist der schwarze, kalkige,
compacte Schiefer, wahrend in dem Thalbecken des Yeso der purpur-
röthliche Sandstein oder Schieferletten vorherrscht, — beides in Ver-
bindung mit Gypsschichteu von genau derselben Beschaffenheit. Es

würde sehr schwierig sein, die relative n-ereinanderlagerung dieser
verschiedenen Massen zu ermitteln, denn wir werden später beim
Cumbre-Pasz sehen, dasz die Gypslager und die dazwischen geschal-
teten Schichten linsenförmig sind, sich an den Bändern auskeilen.
selbst da, wo sie sehr dick sind, und daher in kurzen horizontalen
Entfernungen verschwinden: es ist vollständig möglich, dasz die schwar-
zen Schiefer und rothen Sandsteine gleichalterig sein dürften, noch
wahrscheinlicher ist es aber, dasz die Ersteren die obersten Theile der
Reihe bilden.

Die oben erwähnten Fossilen in dem schwarzen, kalkigen Schiefer
sind der Zahl nach wenige und in einem unvollkommenen Zustande;
sie bestehen aus den folgenden, die mir Mr. d'Okbiuny bestimmt hat:

1.  Amii         , unbestimmbar, dem A. reclico-         d'Orb. nahe stehend.

Voyage, Pal. France (Neocom-Formation).

2.  Gryphaea, nahe verwandt mit G. Couloni (Neocom-Formation von Frank-

reich und NenfchatelJ. #

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Cap. 7.                                          Gypsforraation.                                              271

3.  Natica, unbestimmbar.

I.  Cyprina r la i.'Orb. Pal. Franc. (Neocom-Formation).

5.  Rostellaria angulot          d'Orb., Pal. de FÄmer. M6rid.

6.   rwrotuto?

Kinige von den Fragmenten von Amnionitis waren so dick wie
ein Mannesarm: die Gryphaea ist bei weitem die am häufigsten vor-
kommende Muschel. d'Orbignt betrachtet diese Fossile als zu der
Neocom-Stufe des Kreidesystema gehörig. Dr. Meyen,11 welcher d
Thal des Rio Volcan, eines Nebenflusses des Yeso, hinaufstieg, fand
eine sehr ähnliche aber augenscheinlich kalkigere Formation mit vielem
öyps, und ohne Zweifel das Äquivalent der hier beschriebenen: die
Schichten waren vertical und bis über die Grenze des ewigen Schnees
hinauf verlängert: in der Höhe von 9000 Fusz über dein Meere
waren Fossile auszerordentlich reichlich, welche nach von Buch ia die
folgenden waren:

1. Exogyra (Grypt         Couloni, absolut identisch mit Exemplaren aus dem

.Iura und Süd-Frankreich.
2 Trigonia          a i identisch mit den in den oberen jurassischen Schichten

3. Pecten striatus \ bei Hildesheim gefundenen.
-i. Gucißlaea, der Form nach der C.                   entsprechend, welche in

n obern jurassischen Schichten von Westphalen so häufig ist.
5. 1             ..dem A. bipjex ähnlich.

Von Buch folgert, das/, diese Formation zwischen dem Kalk des
Jura und der Kreide mitten inne steht, und dasz sie mit den oberst
jurassischen Schichten analog ist, welche die Ebenen der Schweiz
bilden. Es vergleichen daher nur mit verschiedenen Ausdrücken
d'Orbksnt und vo\ Bucb diese Fossilen mit denen von der nämlichen
späten Stufe in den seeundären Formationen von Kuropa.

Einige der von mir gesammeil n Fossilen wurden eine gute Strecke
weit am westlichen Abhänge des Hauptrückens gefunden, und müssen
daher ursprünglich von einer beträchtlich mächtigen Masse des
iiwarzen schieferigen Gesteins, unabhängig von den jetzt denudirten
mächtigen darüber liegenden Massen von rothem Sandstein, bedeckt
gewesen sein, [ch vernachlässigte seiner Zeit zu schätzen, wie viele
Hundert oder vielmehr tausend Fusz mächtig die darüber liegenden
Schichten gewesen sein müssen: und ich will jetzt nicht versuchen es
zu thnn. Doch würde dies ein im hohen Grade interessanter Punkt

11   Reise um die Erde. Th. I, p. 355.

12   Deacript. Phys, des lies Canaries, p. 471.

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272                                Durchschnitt der Portillo-K<                                     ;> 7.

gewesen sein, da er auf einen bedeutenden Betrag von Senkung
hinweist, für welche wir spater an anderen Stellen der Cordillera
analoge Beweise während dieser nämlichen Periode finden werden.
Die Höhe des Peuquenes-Rücken ist in Anbetracht seines nicht hohen
Alters sehr merkwürdig; viele von den Fossilen waren in der Höhe
von 13 210 Fusz im Gestein eingeschlossen, und dieselben Schichten
dehnten sich mindestens bis zu 14000—15000 Fusz über dem Meeres-
spiegel hoch aus.

Die Portillo- oder östliche Bergkette. — Das Thal
von Tenuyan, welches die Peuquenes- und Portillo-Züge scheide
wird von Dr. Gillibs und mir seihst zu ungefähr zwanzig Meilen
Breite geschätzt; der unterste Theil, wo die Strasze den Flusz über-
schreitet, ist 7500 Fusz über dem Meeres eL Der Pass über die
Portillo-Kette ist 11 365 Fusz hoch (1100 Fusz höher, als der über
den Peuquenes), und die in der Nähe sich findenden Berggipfel
müssen, wie ich meine, sich bis nahe/u 1600«> Fusz über das Meer
erheben. Der das dazwischen liegende Thal von Tenuyan entwässern
Flusz tritt durch die Portillo-K             Doch kehren wir zu unserem

Durchschnitt zurück: — kurz nachdem wir die unteren Schichten

M*2) der Gypsfonnation verlassen haben kommen wir zu grossen
Mass»-]] eines groben rothen Conglomerats (V), welche irgend welch
bis jetzt in der Cordillera gesehenen Schichten völlig unähnlich sind.
Dieses Conglomerat ist deutlich geschichtet, einige von den Schichten
sind durch die bedeutendere Grösze der Rollstein hr deutlich: d.

ment ist kalkig und zuweilen krystallinisch, obschon die Masse
keinerlei Zeichen dafür darbietet, dasz sie metamorphisirt worden ist.
Die eingeschlossenen Geröllsteine sind entweder vollkommen oder nur
theilweise abgerundet: sie bestehen aus purpurnem Sandstein, aus ver-
schiedenen Porphyren, bräunlichem Kalkstein, schwarzem kalkigem com-
pactem Schiefer, genau gleich denen in situ an der Peuquenes-Kette,
und auch die nämlichen fossilen Muscheln enthaltend; auch
finden sieb sehr viele Rollsteine von Quarz, einige von Glimmer-
schiefer, und zahlreiche zerbrochene abgerundete Knstalle eines röth-
lichen orthitischen oder Kali-Feldspathes (nach Bestimmung von Pi
fessor Milleb), und diese müssen ihrer Grösze nach aus einem grob-
körnigen Gestein, wahrscheinlich Granit, herrühren. Da dieser IVld-

ath orthitisch ist, und selbst nach seinem äusseren Ansehen, wage

[page break]

i. 7.

Durchschnitt der Portill

273

ich positiv zu behaupten, dasz er nicht .ms den Gesteinen der west-
lichen Bergzüge herrührt, sondern er dürfte wohl zusammen mit dem

Quarz und den metamorphischen Schiefern von der östlichen oder Por-
tillo-Kette herkommen; denn diese Kette besteht hauptsächlich aus
grobem orthitischen Granit. Die Rollsteine der Fossile führenden
Schiefer und des purpurne Sandsteins rühren sicher von der Peu-
quenes- oder westlichen Kette !.

D\           te kreuzt das Thal von Tenuyan in einer nahezu öst-

lichen und westlichen Linie, und für mehrere Meilen hin haben wir
auf beiden Seiten das Conglomerat, welches überall nach Westen ein-
fällt und einzelne grosze Berge bildet. Wo man zuerst die Schichten
trifft, nach dem Verlassen der HyInformation, sind sie unter einem
Winkel von nur 20°, welcher weiter hin sieh bis ungefähr 45° er-
höht, nach Westen geneigt. Wie wir gesehen haben, sind auch die

.psschichten nach Westen geneigt: sieht man daher von der öfi
liehen ite des Thaies nach der Peuquenes-Höhenkette hin, so biel
sich ein äuszerst tauschendes Ansehen dar, als wenn die neueren
Schichten von Conglomerat direct unter die viel älteren Schichten der
Gypsformation einfielen. In der Mitte des Thaies springt ein kühn
aufsteigender Berg von ungeschiebtetem Lila gefärbtem Porphyr (n
Hornblendekrystallen) empor; und weiter hin, ein wenig südlich von
der Strasze, findet sieh ein anderer Berg, dessen Schichten mit
einem kleinen Winkel nach Osten geneigt sind, und welcher in
seinem allgemeinen Ansehen und seiner Färbung der porphyritischi

aglomerat-Formation ähnlich ist, die auf die eite der Peuquenes-
Kette so selten und Über die ganzen westlichen Zuge so groszari

twickelt ist.
Das nglomerat ist von bedeutender Mächtigkeit: ich glaube
nicht, das/ die die einzelnen Bergmassen (V, V, V) bildenden Schichten
jemals über einander weg rlängert worden sind, sondern dasz eine
-Müsse durch mehrere getrennte parallele monoclinische Erhebung
linien gebrochen worden ist. Beurtheilt man daher die Mächtigkeit
des Conglomerates, wie es an den einzelnen Her. isen erscheint, so
ich es mindestens löOO bis 2000 Pusz. Die unterenSchich-
i liegen conform auf einigen eigenthümlich gefärbten weich
liteii (W), welche ich nicht erreichen konnte um sie zu unter-
suchen, und diese wieder liegen conform auf einer mächtigen M
von glimmerhaltigem, dünnbl                            em Sandstein (H) in

I)                                  (XII, 1.)                                                                        1 B

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274

iMirclisclmitt der Portillo-Kel

Cap. 7,

Verbindung mit ein wenig schwarzem Tbonschiefer. Diese unteren
Schichten werden von mehreren Gängen eines sieh zersetzenden Por-
phyrs durchsetzt. Der blatterige Sandstein liegt direci auf den un-
geheueren Granitmassen (JJ), welche hauptsächlich die Portillo-Kette
Lüden. Die Verbindungslinie zwischen diesem letzteren < restein,
welches von hellrother Farbe ist. und dem weiszlichen Sandstein war
wunderbar deutlich; Sandstein wurde von zahlreichen groszen ge-
wundenen, sieh von dem Granit her abzweigenden Gängen durc /.t,
war in ein körniges Quarzitgestein umgewandelt (dem von den Falk-
land-Inseln eigentümlich ähnlich) und enthielt Flecke eines ockerigen
Pulvers, und schwarze krystallinische Atome, augenscheinlich von un-
em Glimmer. Die quarzhaltigen Schichten w             einem

Fleck in          regelmäszige Kuppe emporgefaltet.

Der Granit welcher die prächtigen nackten Gipfel und den steilen

westlichen Abhang der Portillo-Kette zusammensetzt, ist von ziegel-

rother Farbe, grob krystallisirt, aus orthitischen oder Kali-Peldspath,

Quarz und unvollkommenem Glimmer in geringer Quantität zusammen-

, und geht zuweilen in Chorit über. Diese Mineralien nehmen

ie blätterige oder laue         Anordnung an. Die That-

-z der Feldspatb in dieser Bergkette orthitisch ist, ist sehr

merkwürdig in Anbetracht des U]           8, wie selten oder vielmehr

wie ich glaube wie vollständig abwesend dieses Mineral über die

westlichen I                        in welchen Natron-Feldspatb od

mindi          eine Varietät, die wie Albit spaltet, so äuszerst reichlich

»rhanden ist. An einer Stelle an dem westlichen Abhänge und an
dem östlichen Abhänge in der Nähr von Los Manantiales und in
der Nähe des Kammes bemerkte ich einige grosze Massen - weisz-
lichen Granits, von denen Theile feinkörnig waren und andere Theile
grosze Krystalle von Feldspatb enthielten: ich versäumte es, Hand-
jammeln, daher weisz ich nicht, ob dieser Feldspatb gleich-
falls orthitisch ist, obschon ich geneigt bin, dies nach seinem allge-
meinen Anseilen zu glauben. Ich sah auch etwa          dt und ei
Mi Andesit ähnlich war. von welcher ich aber gleichfalls
versäumte, Bandstücke zu sammeln. Nach der Art und Weise in
welcher die v. Granite einzelne Bergmassen in der Glitte
der ziegelrothen Varietät bildeten, und nach der Tha ie, dasz eine
solche Mas Nähe des Kamme n zahlreichen Adern ei:
ihfarbigen und grünlichen Eurites durchsetzt war (in welch

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p, 7.                        Durchschnitt der Portillo-Ke1                                 27 ">

gelegentlich, wie ich beobachtete, der ziegelrothe Granit anmerklich
übergieng) schliesze ich, dasz die weiszen Granite wahrscheinlich einer
älteren Formation angehören und von dem rothen Granit überwältigt
und durchdrangen wurden.

An dem Kamme sah ich auch in einer geringen Entfernung einige
gefärbte geschichtete Lager, augenscheinlich gleich denen (W) an dem

etlichen Fusze, wurde aber durch einen Schneesturm daran ver-
hindert, sie zu untersuchen: Mr. Cäldcleugh13 sammelte indi i hier
Handstücke eines gebänderten .1 -. Dolomit und andere Mineralien.
Eine kurze Strecke den östlichen Abhang hinab trifft man einige wenige
Fragmente von Quarz und Glimmerschiefer, aber die grosze Formation
dieses letzteren Gesteins (Z), welches einen groszen Theil des östlichen
Abhanges und des Fuszes der Portillo-Kette bedeckt, kann nicht eher
bequem untersucht werden, als viel weiter unten bei einem Orte Mal
Paso genannt. Der Glimmerschiefer besteht hier aus dicken Schichten
von Quarz mit dazwischen tretenden Blättern feinschuppigen Glimmers
und geht oft in eine Substanz gleich einem schwarzen glänzenden
Thonschiefer über: an einer Stelle, wo die Quarzschichten verschwunden
sind, ist die ganze Masse in glänzenden Thonschiefer umgewandelt
worden. Wo die Blätter am deutlichsten waren, waren sie unter
einem hohen "Winkel nach Westen geneigt, d. h. nach der Bergkette
zu. Die Verbindungslinie zwischen dem dunkeln Glimmerschiefer und
dem groben rothen Granit war meist aus einer ungeheuren Entfernung
her deutlich unterscheidbar; der Granit schickte viele kleine Adern
in den Glimmerschiefer und schlosz einige eckige Fragmente davon
ein. Wie der Sandstein am westlichen Fusze durch den rothen Granit
in ein körniges Quarzitgestein umgewandelt worden ist, so kann mfl
lieber Weise diese grosze Formation von Glimmerschiefer zu derselben
Zeit und durch dieselben Kräfte metamorphosirt worden sein; in Ann

tracht ihres vollkommenen metamorphischen Characters und ihrer
gut ausgesprochenen lUätterung halte ich es aber für wahrscheinlicher,
das/ sie einer früheren Epoche angehörte, die mit dem weiszen Granit
in Verbindung stellt: ich bin um so mehr zu dieser Ansicht geneigt,
als ich am Fusze des Kückens den Glimmerschiefer einen ausschliesz-
lic'i aus weiszem Granit gebildeten Hügel (V2) umgeben sab. Ji
Nähe von Los Arenales sind die Berge auf allen Seiten aus dem

» Tr;.                Vol. I, p. 308.

18«

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276

Durchschnitt der Fortillo-K.M

p. 7.

Glimmerschiefer zusammengesetzt, und sah man von diesem Punk
aus rückwärts nach den kahlen gigantischen Gipfeln hinauf, so war
der Anblick äusserst interessant. Die Farbe des rothen Granits und
des schwarzen Glimmerschiefers sind so deutlich, «las/ diese Gesteine
bei einem klaren Lichte leicht selbst von den Pampas, also von einem
mindestens 9000 Fusz niedrigeren Niveau unterschieden werden konnten.
Da der rothe Granit durch parallele Fugen getheilt ist, so ist er in
scharfe Gipfel verwittert; auf einigen derselben, selbst auf einigen der
höchsten, konnten kleine Kappen von Glimmerschiefer deutlich erblickt
werden: hier und da hiengen isolirte Flecke dieses Gesteins den Berg-
abhängen an, und diese entsprachen der Höhe und Lage nach ein-
ander auf den gegenüberliegenden Seiten der ungeheueren Thäler.
Weiter hinab herrschte der Schiefer immer mehr und mehr vor und
nur einige wenige ganz kleine Spitzen von Granit erhoben sich durch
denselben. Betrachtet man die ganze östliche Seite des Portillo-
Xuges, so übertrifft die rothe Färbung der Ausdehnung nach bei
weitem die schwarze; doch war es kaum möglich, daran zu zweifeln,
dasz der Granit früher einmal beinahe ganzlich von Glimmerschiefer
eingefaszt worden war.

Bei Los Arenaies weit unten am östlichen Abhänge wird der

limmerschiefer von mehreren dicht an einander liegenden breiten

Gängen durchsetzt, welche mit einander und mit der Blätterung des

Schiefers parallel sind. Die I e werden aus drei verschiedenen

Gesteinsvarietäten gebildet, von denen ein blaszbrauner, feldspathiger

Porphyr mit Quarzkörnern bei weitem die häufigste war. Dir

Gänge mit ihren Quarzkörnern ebenso wie der Glimmerschiefer selbst

n Gesteinen des Chonos-Archipels auffallend ähnlich. In einer

Höhe von ungefähr 1200 Fusz oberhalb dieser Gänge und vielleicht

mit ihnen zusammenhängend findet sich ein Klippenzug, der aus auf

einander folgenden Lavaströmen iAAi gebildet wird, von /wischen

300 und 400 Fusz Mächtigkeit und stellenweise schön gäulig. Die

Lava besteht aus dunkelgrünlichen harschen Gesteinen, die im

Character zwischen Trachyt und Basalt in der Mitte stehen, glasigen

Feldspath, Olivin und ein wenig Glimmer enthalten, und zuweilen

amygdaloid mit Zeolith sind: die Basis ist entweder völlig compa

oder mit Luftbläschen, die in Blättern angeordnet, sind crenelirt. Die

Ströme sind durch Schichten von fragmentären braunen Schlacken von

einander getrennt, die fest zusammen verkittet sind und einige gut

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. 7.

Durchschnitt der Portillo-KV

277

abgerundete Lava-Eollsteine enthalten. Nach ihrem allgemeinen An-
sehen vermuthe ich, dasz diese Lavaströme in einer alten Zeit unter

tn Drucke des Meeres flössen, als der Atlantische Ocean die Pampas
bedeckte und den östlichen Fusz der Cordillera umspülte." Auf der
gegenüberliegenden und nördlichen Seite des Thals findet sich eine
andere Reihe von Lava-Klippen in einer entsprechenden Höhe; das Thal
dazwischen ist von beträchtlicher Breite und so nahe ich es schätzen
konnte 1500 Fusz tief. Dieses Lava-Feld wird auf beiden Seiten von
Glimmerschieferbergen bekriinzt und senkt sich rapid aber unregel-
raäszig bis an den Band der Pampas hinab, wo es mit einer Mächtig-
keit von ungefähr 200 Fusz an einem kleinen Zuge von Thonstein-
porphyr endet. Das Thal breitet sich in diesem unteren Theile in
einem buchtartigen sanften Abhang aus, der von den Lava-Klippen
umsäumt wird, welche sicher früher einmal über diese weite Aus-
dehnung sieh erstreckt haben müssen. Die Neigung der Ströme von
von Los Arenales Ins zur Mündung des Thaies ist so bedeutend, dasz
ich seiner Zeit (trotzdem mir Elie de Beaümont's Untersuchungen
über den äusserst geringen Fall, über welchen Lava tlieszen kann und
doch eine compacte Structur und beträchtliche Mächtigkeit behält,
unbekannt war) den Schlusz zog, dasz sie in einer auf die Zeit ihres
Flieszens folgenden Periode emporgehoben und von den Bergen auf-
htet worden sein müszten: an dieser Folgerung kann ich jetzt
nicht den geringsten Zweifel hegen.

An der Mündung des Thals innerhalb der Klippen des obigen
Lava-Feldes rinden sich in der Form einzelner kleiner Hügel und

n Reiben niedriger Klippen Überreste einer beträchtlichen Ab-
lagerung compacten weiszen Tuffes (der zu Filtersteinen gebrochen
wird), welcher aus zerbrochenem Bimsstein, vulcanischen Krystallen,
Glimmerblättchen und Lavafragmenten besteht. Diese Masse hat sehr
von Denudation gelitten und der harte Glimmerschiefer ist seit der
Periode seiner Ablagerung tief ausgewaschen worden; diese Periode
musz der der Denudation der basaltischen Lavaströme gefolgt sein,
wie dadurch bezeugt wird, dasz deren umgebende Klippen in einem

u Diese Folgerung hätte sich vielleicht schon im Voraus ableiten lassen

jen der allgemeinen Seltenheit vulcanischer Thätigkeit ausgenommen in der

he des Meeres oder grüszerer Wassermassen überhaupt. In Übereinstimmung

mii er Regel gibt es heutigen Tages keine activcn Vulcane auf dieser östlichen

der Cordillera; auch kommen hier keine heftigen Erdbeben vor.

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Durchschnitt der Portülo-Ketto.                         Cäp. 7.

höheren Xiveau stehen. Heutigen Tages können wohl in (lein dort
herrschenden dürren Cllma Jahrhunderte vergehen, ohne dasz ein
Quadratyard von Stein irgend welcher Art denudirt wird. mit Aus-
nahme vielleicht der selten feucht werdenden Abzugscanäle des
Thaies. Müssen wir daher auf jene alte Periode zurückblicken, wo
die Meereswellen gegen den östlichen Fusz der Cordillera anschlugen,
um eine Kraft zu finden, welche in ausgedehnter Weise wenn auch
nur oberflächlich dieses wennschon weiche tuffartige Lager denudirte?
Es bleiben nur einige wenige vom Wasser abgenagte Hügel (BB),
einige wenige hundert Fusz hoch, und blosze Maulwurfshügel im Ver-
gleich mit den riesigen Gebirgen hinter ihnen, zu erwähnen übrig,
welche sich von dem abfallenden von Geschiebe bedeckten Rande der
Pampas erheben. Der erste kleine Höhenzug wird aus einem durcb-
trümerten purpurnen porphyritischen Thonstein gebildet, mit un-
deutlich erscheinenden Schichten, die unter 70° nach Süd-Westen
einfallen; die andern Reihen bestehen aus einem blasz gefärbten feld-
spathigen Prophyr, — einem purpurnen Thonsteinporphyr mit Quarz-
körnern, — und einem Gestein, welches beinahe ausschlieszlich aus
ziegelrothen Feldspathkrystallen zusammengesetzt ist. Diese äuszersten
kleinen Erhehungszüge erstrecken sich in einer Richtung von Nordwe
bei Weai nach Südost bei Süd.

Schluszbemerkungen über die Portillo-Kette. ~ Als
ich mich auf den Pampas befand und nach Süden blickte und als ich
nach Norden reiste, konnte ich sehr viele Stunden lang den rothen
Granit und den dunkeln Glimmerschiefer sehen, welche den Kamm
und den östlichen Abhang der Portillo-Kette bilden. Dieser grosze
Höhenzug kann nach der Angabe i Dr. Gilhes mit wenig Unter-
brechung 140 Meilen südwärts bis zum Rio Diamante verfolgt werden,
wo er sich mit den westlichen Böhenzügen verbindet: nach Norden
hin endet er nach der Angabe desselben Autors da, wo der Rio Men-
doza aus den Bergen sieh ergieszt; aber ein wenig weiter nördlich im

Mieden Tlieile des Cumbre-Abschnittes finden sieh, wie wir späi
sehen werden, einige Gebirgsmassen von einem ziegelrothen Porphyr,
unter vielen andern Porphyrarten der zuletzt injicirte, welcher ein
grosze Analogie mit dem groben rothen Granit der Portillo-Kette h;
dasz ich versucht werde anzunehmen, dasz sie einer und derselben ln-
jeetionsaxe angehören; wenn dies der Fall ist, so beträgt die Lange

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Cap. ~.                                       Die Portillo-Kette.                                         279

der Portillo-Kette mindestens 200 Meilen. Ihre Bötae ist selbst in
dem tiefsten Einschnitt auf der Strasze 14365 Fusz, und ein
von den Gipfeln erreichen augenscheinlich eine Erhebung von über
16000 Fusz über den Mi >piegel. Die geologische < iescliiohto
dieser groszen Kette, -int mir auszerordentlich interessant zu sein.
Wir können ruhig schlieszen, dasz in einer früheren Periode «las Thal

Tenuyan als ein Meeresarm bestand, ungefähr zwanzig Meilen
breit, auf der einen Seite von einem Kücken oder einer Kette von
Inselchen des schwarzen kalkigen Seh - und purpurnen Sandsteins
der <.J\-psformation eingefaszt, und auf der andern Seite von einem
Kücken oder einer K         von Inselchen, die aus Glimmerschiefer,

weiszem Granit und vielleicht in theilweiser Ausdehnung aus rothem
Granit zusammengesetzt waren. Diese beiden Ketten müssen, währe
sie in dieser Weise den alten Meerescanal einfaszten, einen ungeheuren
Zeitverlauf hindurch alluvialen und litoralen Einwirkungen ausgesetzt
gewesen sein, während welcher die Gesteine erschüttert, die Fragmente
abgerundet und die Conglomeratschichten bis zu einer Mächtigkeit
von mindestens 1500 oder 2000 Fusz angehäuft wurden. Der rothe
orthitische Grämt bildet jetzt, wie wir gesehen haben, den hauptsäch-
lichsten 1 heil der Portillo-Kette: er ist nicht blosz in den Glimmer-
schiefer und in die weissen Granite, sondern auch in die blätterigen
Sandsteine injicirt, welche er metamorphosirt und zusammen mit
conform darüber liegenden gefärbten Schichten und stratificirten Conglo-
meraten unter einem Winkel von 45° aufgeworfen hat. Dasz ein*- so
ungeheure Masse von Schichten in diesem Winkel emporgeworfen v
den ist. ist ein Beweis dafür, das/ der Haupttheil des rothen Granits
(mögen nun Theile davon, wie es vielleicht wahrscheinlich ist, frül
schon existirt haben oder nicht) in einem flüssigen Zustande nach
Anhäufung sowohl des blätterigen Saudsteins als des Conglomerates
injicirt wurde; wir wissen, dasz diese- Conglomerat nicht nur nach
der Ablagerung der Fossile führenden Schichten der Peuquenes-Kel
sondern auch nach deren Erhebung and lange fortdauernden Denudal
angehäuft wurde: und diese Fossile führenden Schichten gehören dem
frühereu Theile des Kreidesystems an. [st daher auch das Alter des
Haupttheils des rothen Granits im geol Jchen Sinne notwendiger
Weise jung, so kann ich mir nichts vorstellen, was einen gros
Eindruck machte, als der östliche Anblick dieser groszen Kette, welch'

rn Geist zwingt, sich die Tausende von Tausenden von Jahren vor-

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280                                     Die Portillo-Kot?                                    Cap. 7.

zustellen, welche zur Denudation der Schichten nothwendi aren,
welche sie ursprünglich einschlössen, — denn dafür, dasz der verflüssigte
Kranit früher eingeschlossen war, dafür geben seine mineral he
Zusammensetzung und Structur und die kühne kegelförmige l ilt
der Gehirgsmassen hinreichende Beweise. Von,den einschlieszenden
Schichten seilen wir die letzten Spuren in den gefärbten Lagern auf
dem Kamme, in den kleinen Kappen von Glimmerschiefer auf einigen

hsten Gipfel, und in den isolirten Flecken dieses seihen Ge-
steins auf entsprechenden Höhen an den jetzl kahlen und steilen Ab-
hängen.

Die Lavaströme am östlichen Fusze des Porfcillo sind interessant
nicht sowohl wegen der bedeutenden Denudation, welche sie in einer
vergleichsweise späten Periode erlitten haben, als v i des Bewe
den sie durch ihre Neigung in Verbindung mit ihrer Mächtij         und

Compactheit dafür liefern, das/ nachdem die grosze Kette ihn /.igen
allgemeinen Umrisse angenommen hatte, sie noch immer fortfuhr als
eine Erhebungsaxe sich zu erheben. Die sich von dem Fusze der
Cordillera bis zum Atlantischen Ocean erstreckenden Ebenen zeigen,
das-/, der kontinent in Masse bis zu einer Hohe von 3500 Fusz und
wahrscheinlich zu einer viel gröszeren Höhe emporgehoben worden ist;
denn der glatte mit Geschiebe bedeckte Band der Pampas verlängert
sich in einem sanften ununterbrochenen Aufsteigen weit in viele v

iszen Th&lern hinauf. Man darf auch nicht annehmen, das/ die
Peuquenes- und Portillo-Züge nur Hebungsbewegungen erlitten haben;
denn wir werden später sehen, dasz der Meeresgrund mehrere Tausend
Fusz während der Ablagerung von Schichten, welche di

eilung in der Cordillera wie diejenigen in der Pi enes-B          in-

nehmen unken ist; Überdies werden wir aus dem ganz unzwei-
deutigen Zeugnis begrabener aufrecht stehender Bäume sehen, dasz in
einer etwas späl               iode während der Bildung der Uspallata-

Kette, welche         raphisch der des I'ortillo entspricht. eine andere

nkung von vielen tausend Fusz Statt hatte: in der That bietet hier
in dem Thale von Tenuyan die Anhäufung des grob geschichteten
(Konglomerates bis zu einer Mächtigkeit von 1500 oder 20on Fusz starke
Zeugnisse för die Annahme einer Senkung dar: denn alle bestehen-
den Analogien führen zu der Annahme, dasz grosze Rollsteine nur in
seichtem W . welches einer Beeinflussung durch i cnung und
durch Wellenbewegung«! ausgesetzt ist. fortgeschaffl werden können, —

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7.                      Durchschnitt durch den Combi is.                        jg|

und wenn dies der Fall ist, dann nnisz das seichte Bett des Mc
auf welchem die Kollsteine zuerst abgelagert wurden nothwendig ge-
sunken sein, um die Anhäufung der darüber liegenden Schichten zu
gestatten. Was für eine Geschichte von Niveauveränderungen, von
Abnutzung, All« eit der Periode der letzteren secundären For-
mationen von Europa, enthüllt nicht die Structur dieser einen groszen
Gebirgskette!

t" her gang über die Anden über den Cumbre oder ü

p a 11 a t a - Pas 8.

Dieser Pass Überschreitet die Anden ungefähr sechzig Meilen
nördlich von dem eben beschriebenen: der auf Tafel I Fig. 2 gegebene
Durchschnitt ist nach demselben M         ib wie früher, nämlich ein

Drittel Zoll auf eine Meile Entfernung, und ein Zoll auf eine Meile (oder
6000 Fusz) Höhe, entworfen. Wie der letzte Durchschnitt ist auch
dieser eine blos Skizze und kann keinen Anspruch auf Genauigkeit
sehen, obschon er unter günstigen Umstanden gemacht ist. Wir
dien, wie vorher, mit der westlichen Hälfte anfangen, deren Haupt. -
höbenzug den Namen des ( 'umbre (d. h. der Kücken) trägt und der Peu-
quenes-Reihe in dem früheren Durchschnitt entspricht; ebenso entspricht
der Uspallata-Zug, obschon in einem viel kleineren Maszstabe, dem des
Portillo. In der Nähe des Punktes, wo der Flusz Aconcagua sich auf
die beckenförmige Ebene desselben Namens ergieszt, in einer Höhe
von ungefähr 2300 Fusz über dem Meere treffen wir auf das gewöhn-
liche purpurne und grünliche porphyritische Thonstein-Conglomerat.
hichten dieser Beschaffenheit, mit zahlreichen compacten und mandel-
Bteinartigen Porphyren abwechselnd, welche als submarine Laven ge-
flossen sind, in Verbindung mit groszen Gebirgsmassen verschieden-
artiger injicirter nicht stratificirter Porphyre, verlängern sich die
ganze Strecke hinauf bis nach dem Cumbre oder dem centralen Rücken.
Einer der häufigsten stratificirten Porphyre ist von einer grünen Farbe,
stark mandelsteinartig mit den verschiedenen in der vorläufigen Er-
örterung beschriebenen Mineralien, und schlieszt schöne tafelförmige
Albitkrystalle ein. Der Gebirgszug erstreckt sich von Norden i häufig
etwas nach Westen abweichend) nach Süden. Die Schichtung war,
WO ich sie nur überhaupt deutlich unterscheiden konnte, nach Westen
oder nach dem Stillen Ocean zu geneigt und ausgenommen in der

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'2'2                         Durchschnitt durch den Cunibre-I'i                        Cap. 7.

Nähe des Cumbre selten in gröszerem Winkel als 25 Grad. Nur an
einem Orte an dieser westlichen Seite anf einem hohen Berggipfel nicht
weit vom Cumbre sah ich Schichten, welche augenscheinlich zur Gyps-
formation gehörten und in conformer Lagerung eine Masse stratificirter

Porphyre überlagerten. Es ist daher sowohl in der Zusammensetzung
als in der Schichtung die Structur der Berge auf dieser westlichen
ite des Divortium" aquarum bei weitem einfacher, als in dem ent-
sprechenden Theile des Peuquenes-Durchschnittes. In dem porphyriti-
schen Thonstein-Conglomerat sind die mechanische Structur und die
Schichtungsebenen meist gegen die Basis der Reihe liin bedeutend ver-
dunkelt oder selbst vollständig verwischt, während in dem oberen
Theile in der Nähe der Gipfel der Berge Beides deutlich entfaltet ist.
In diesen oberen Partium sind die Porphyre meist heller gefärbt. An
drei Stellen (X, V, Z) sind Massen von Andesit exponirt; bei Y ent-
hielt dieses Gestein etwas Quarz, aber der gröszere Theil bestand aus
andesitischem Porphyr, nur mit einigen wenigen gut entwickelten
Alhitkrystallen, und bildete eine grosze weisze M . welche das äuszere
Ansehen von Granit hatte und von vielem dunkelen, nicht geschich-
teten Porphyr tiberdeckt war. An vielen Stellen der Berge linden sich
' lange von einer grünen Färbung, und auch andere, weisze, welche
letztere wahrscheinlich von darunterliegenden .Massen von Andesit aus-
gehen.

Der Cumbre ist da, wo die Strasze ober ihn geht, nach Mr.
Pentland 12 !-">! Fusz Über dem Meeresspiegel hoch, und die benach-
barten Pics, die aus dunkeln, purpurnen und weiszen Porphyren be-
stehen, einige undeutlich geschichtet mit einem westlichen Falle und
andere ohne eine Spur von Schichtung, müssen 13 00" Fusz in Hol
übertreffen. Steigt man den östlichen jlbhang des Cumbre hinab, so
wird die Structur sehr complicirt und weicht meist auf den beiden
Seiten der östlichen und westlichen Linie der Strasze und des Durch-
schnittes ab. Zuerst kommen wir an eine grosze Masse (A) nahezu
senkrechter eigentümlich gewundener Schichten, die aus stark com-
pacten rothen Sandsteinen und aus häufig kalkigen Conglomeraten zu-
sammengesetzt sind und von grünen, gelben und röthlichen Gängen
durchsetzt werden: ich werde aber sofort Gelegenheit haben, mit
einigen Details einen ähnlichen Haufen von Schichten zu beschreiben.
Diesen verticalen Schichten folgen plötzlich andere (B), augenschein-
lich von nahezu derselben Beschaffenheit, aber starker metamorphosirt,

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Cap. 7.                                     Qypsf rmation.

die mit Porphyren und Kalksteinen abwechseln; «lies«- fallen eiue kurze
ke lang nach Westen ein; es hat aber in einem auszerordent-
lichen Grad Dislocation stattgefunden, welche auf der Xordseite der
Strasze die Aushöhlung des nordlichen und südlichen Thaies des Rio
de las Cuevaa bestimmt zu haben scheint. Auf dieser nördlichen Seite
der Strasze verlängern sich die Schichten (B) bis sie in dichte Be-
rührung mit einem zerklüfteten hohen Berge (D) von dunkel gefärbtem
nicht geschichteten intrusiven Porphyr kommen, wo die Schichten noch
rker geneigt und noch starker metamorphosirt worden sind. Dieser
Berg von Porphyr seheint eine kurze Erhebungsaie zu bilden, denn
südlich von der Strasze in seiner Richtung findet sich ein Berg (l
von porpln ritischem (Jonglomerat mit absolut senkrechten -Schichten.

"Wir kommen nun zur Gypsforraation: ich will zuerst die Structur
der verschiedenen G' e beschreiben und dann in einem Durchschnitt
einen detailirten Bericht über die BeschatYenheit der Gesteine geben.
Auf der nördlichen Seite der Stras              be hier in einem ostwest-

lichen Thale läuft, :                Porphyrgebirge (D) ein Berg (E(, welcher

aus den oberen Gypsschichten gebildet ist, diese sind unter einem
Winkel von zwischen 70 und 80 Grad nach Westen zu von einer
monoklinischen Erhebungsaie aufgerichtet worden, welche nicht mit
den andern benachbarten Zügen parallel lauft und von kurzer Aus-
dehnung ist, denn an der südlichen Seite des Thaies wird ihre Ver-
längerung nur durch eine geringe Biegung in einem Haufen von Schichten
bezeichnet, die nach einer vollständig verschiedeneu Axe geneigt sind.
Ein wenig weiter im nördlichen und südlichen Thale von Horcones
tritt unsere Durchschnittsliuie unter rechten Winkeln ein; seine we
liehe Seite wird von einem Berge von Gypsschichten (P) begrenzt, d
nach Westen unter ungefähr 45° einfallen, und seine ostliche
von einem Berge von ähnlichen Schichten (G), die nach Westen unter
70° geneigt und durch eine schräge Verwerfung auf eine andere M
derselben Schichten (II) gelagert sind, welche gleichfalls nach Westen,
aber nur unter einem Winkel von ungefähr 30° geneigt ist: die com-
pli Beziehung dieser drei Massen (1 H) wird durch die Structur
eines groszen Bergzuges erklärt, der eine Strecke weit nach Norden
liegt und au dem eine regelmässige antiklinische Axe zu sehen ist
(im Durchschnitt durch punktirte Linien angedeutet), wobei die Schichten
auf seiner 5stlichen Seite wiederum aufwärts gebogen sind und eine
besondere monoklinische Axe bilden, von welcher die (H) bezeichneten

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284                            Durchschnitt des Cumbre-Rückcns.                         Cap. 7.

hüllten den unteren Thei] bilden. Diese grosze monoWinische Ke&e

wird in der Nahe von Puente del Inca durch das Thal durchschnitten,
welchem entlang die Strasze lauft, und die dasselbe zusaromensetzen-
u Schichten werden sofort beschrieben werden. Auf der südlichen
ite der                 auf dem den Bergen (E, F und G) entsprechenden

Kami,, feilen die Schichten überall nach Westenein, meist unter einem
Winkel von 30 °, gelegentlich bis zu 45fl ansteigend, aber nicht in
ununterbrochenen Linie, denn es finden sich mehrere senkrechte
Verwerfungen, die besondere monoklinische Massen bilden, sämmtlich
in derselben Richtung einfallend, — eine Form der Erhebung, die in
der Cordillera häufig ist. Wir sehen hieraus, dasz innerhalb eines
engen Raumes die Gypsschichten emporgehoben und zusammengedrückt
worden sind durch eine grosze monoklinische, antiklinische und eine
kleinere monoklinische Erhebungslinie (B), und dasz zwischen diesen
drei Linien und dem Cumbre in den Sandsteinen, Conglomeraten und
der Porphyrformation wenigstens zwei oder drei andere grosze Er-
hebungsaren vorhanden gewesen sind.

Die in der Nahe des Puente del Inca durchschnittene monoklini-
sche Axe (J)18 (wovon die Schichten bei H einen Theil bilden) zieht
von Nord bei West nach Süd bei Ost und bildet eine Gebirgskette,
augei inlich an Höhe dem Cumbre nur wenig nachstehend: die
hichten fallen wie wir gesehen haben unter einem mittleren Wink
0 nach Westen. Die Abhänge der Berge sind hier völlig nackt
und steil und bieten einen ausgezeichneten Durchschnitt dar, so dasz
im Stande war, die Schichten bis zu einer Mächtigkeit von un-
fähr 4000 Fusz zu untersuchen und deutlich ihre allgemeine Be-
baffenheit für tausend Fusz höher zu unterscheiden, was eine totale
Mächtigkeit von 5000 Fusz ausmacht, wozu dann noch ungefähr 1000
Fusz für die untern Schichten gerechnet werden müssen, welche etw

,s An dieser Stelle finden sich einige warme und kalte Quellen, die warn
hat Doch der Angabe des Lieut. Brand (Travels etc., j>. 240) eine Temperatur
von IM"; sie entwickeln viel Gas. Nach Mr. Brande, von der Royal Institution,
enthalten zehn Cubikzoll fünfuiHlvierzig Gran solider Substanz, hauptsächlich aus
/. Gyps, kohlensaurem Kalk und Eisenoxyd bestehend. Das Wasser ist mit
Kohlensaure und Schwefel« stoffgas durchdrungen. Diese Quellen lagern viel
Tuff in der Form sphärisher Ballen ab. Sie brechen, wie es die von Canquenes
and wahrscheinlich auch die von Villa Vicencio thun, auf einer Erhebungaiinie

ll.TV

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Cap. 7.                                    Gypsformation.

weiter im Thale hinab zu sehen waren. Ich will diesen einen Durch-
schnitt im Kinzelnen beschreiben und von unten beginnen.

1)  Die unterste Masse ist der veränderte in der vorlaufigen Er-
örterung beschriebene Thonschiefer, welcher in diesem Theile des
Durchschnitts hier zuerst getroffen wurde. Weiter im Thale hinab
beim Rio de las Vacas hatte ich eine bessere Gelegenheit ihn zu ual
suchen; er ist dort an einigen Stellen gut characterieirt, hat eine
deutliche, nahezu senkrechte gewundene Spaltung, die nordwestlich
und südöstlich zieht, und wird von Quarzadern durchsetzt: an
meisten Stellen ist er indessen krystallinisch und feldspathig und geht
in echten Grünstein über, häutig mit Einsehlusz von Quarzkörnern.
Der Thonschiefer ist in -iner oberen Hälfte häufig durehtrümert, die
eingeschlossenen eckigen Fragmente sind nahezu von derselben Be-
schaffenheit, wie die Bindemasse.

2)  Mehrere Schichten eines purpurnen porphyritischen Conglomp-
rates von keiner sehr groszen Mächtigkeit ruhen eonform auf dem
feldspathigen Schiefer. Eine dicke Schiebt von schönem purpurnen
Thonsteinporphyr, undeutlich zertrüinert (alter nicht von nietamor-
phischem, sedimentärem Ursprung) und von porphvritischem Conglome-
rat bedeckt, war das tiefste in diesem Durchschnitt beim Puente del
Inca factisch mitersuchte Lager.

3)  Eine achtzig Fusz mächtige Schicht von hartem und sehr com-
pactem, unreinem weiszlichen Kalkstein, der beim Verwittern hell-
roth wird mit eingeschlossenen Schichten durchtrümert und wieder zu-
sammen cementirt. Undeutliche Andeutungen von Muscheln sind in

ihm unterscheidbar.

4)  Ein rothes quarziges feinkörniges Conglomerat mit Quarzknr-
nern und mit Flecken weiszen erdigen Feldspathes, augenscheinlich
Folge irgend eines Processes von concretionärer krystalliniseher Wir-
kung: diese Schicht ist compacter und mehr metamorphosirt als irgend
eines der darüberliegendcn Conglomerate.

5)  Ein weiszer hornsteinartiger Kalkstein mit Knötchen ei
bläulichen Kalkstein

6)  Ein v               nglomerat mit vielen Quarzstückchen, die bei-
nahe in das Bindemittel verschmelzen.

7)  In hohem ßrade kies<!        feinkörniger weiszer Sandstein.

8)  und 0) Rothe und \\               tt untersuchte Schichten.

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jsr»                              Durchschnitt des Combre-Rückens.                         Cap. 7.

10)  Gelber feinkörniger, dünn geschichteter Dolomit (nach seiner
langsamen Auflösung in Sauren zu urtheilen): er enthalt einige weisze

zrollsteine und kleine mit Kalkspath ausgekleidete Höhlungen,
von denen einige die Form von Muscheln beibehalten.

11)  Eine /.wischen zwanzig und dreiszig Fusz mächtige, völlig
nform den darunterliegenden gelagerte Schicht, aus einer harten

grau-lila gefärbten porphyritischen Basis mit zahlreichen Krystallen
eines weiszlichen Feldspathes, mit schwarzem Glimmer und kleinen
Flecken weicher eisenhaltiger Substanz, zusammenges : offenbar ei:
submarine Lava.

12)  Gelber Dolomit wie vorher, zum Theil purpurn gefärbt.

13)  Ein äuszerst merkwürdiges Gestein: Grundmasse purpurn
grau, undeutlich kristallinisch, leicht in ein dunkelgrünes Glas schmel-
zend, nicht hart, dick mit mehr oder weniger vollkommenen Kry-

tllen weiszen kohlensauren Kalkes gerleckt, ferner mit Krystallen
rothen Eisenoxydhydrats, eines weiszen und durchsichtigen Minerals,
wie Analcim, und eines schönen opaken Minerals wie Seifenstein; die
Grundsubstanz ist überdies amygdaloid mit vielen sphärischen Ballen
weiszen krystallisirten kohlensauren Kalkes, von denen einige mit dem

then Eisenoxyd überzogen sind. Ich zweifele nach der Unt< hung
einer darüberliegenden Schicht (19) nicht daran, dasz dies eine sub-
marine Lava ist, obschon im nördlichen Chile einige der metamorpho-
Birten Sedimentärschichten beinahe ebenso krystallinisch und von einer
ebenso mannigfaltigen Zusami jetzung sind.

14)   Rother Sandstein, der im oberen Theile in ein grobes, hartes,
thes, 300 Fusz mächtiges Conglomerat mit einem kalkigen Cement

und Quarzkörner und zerbrochene Feldspathkrystalle einschlieszend über-
geht; die Grundsubstanz unschmelzbar; die Rollsteine bestehen aus
trübe purpurnen Porphyren, mit einigen von Quarz von der Grösze
einer Xusz bis zu der eines Manneskopfs. Dies ist das gröbste Con-
glomerat in diesem Theile der Cordillera: in der Mitte fand sich eine
weisze nicht untersuchte Schicht.

15)  Groszes dickes Lager eines sehr harten gelblich-weiszen Ge-
steins mit einer krystallinischen feldspathigen Grundmasse, welche
grosze Knstalle weiszen Feldspathes, viele kleine meist mit weicher

haltiger Substanz erfüllte Höhlungen und zahlreiche hexagonale

Platten schwarzen Glimme] thielt. Der obere Theil dieser groszen

'nicht ist in geringem Grade zellig; der untere Theil com : die

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Cap. 7.                                    Gypsformation.                                       287

Mächtigkeit variirte etwas an verschiedenen Stellen. Offenbar eine
submarine Lava und verwandt mit der Schicht 11.

10) und 17) Trüb-purpurne kalkige feinkörnige compacte Sand-
steine, welche in grobe weisze Conglomerate mit zahlreichen Quarz-
tückchen übergehen.

18)  Mehrere rothe Cough ate, purpurner Sandstein und sub-
marine Laven gleich dem merkwürdigen Gestein, welches die Schicht
13 bildet, miteinander mehrfach abwechselnd.

19)   Ein sehrschw« comp 3, grünlich-schwarzes Gestein mit
iner feinkörnigen, offenbar krystallinischen Basis, welche einige wenige

Flecke weiszen Kalkspathes, viele Flecke des krystaüisirten rothen
EisenoxTdhydrats, und einige Fl         eines grünen Minerals enthielt;

Adern und mit Epidot erfüllte Nester sind vorhanden: sicher eine
submarine Lava.

20)  Viele dünne Schichten compacten, feinkörnigen, blaszpurpur-

nen Sandsteins.

21)  Gyps in einem nahezu reinen Zustande, u hr 300 Fusz
mächtig. Diese Schicht ist in ihren Conglomeraten von Anhydrit und
Lagern kleiner schwärzlicher Krystalle von kohlensaurem Kall tan
den groszen Gypslagern im Peuquenes-Zug ähnlich.

22)   Blaszpurpurner und röthlicher Sandstein wie in Schicht 20,
nngefähr 300 Pusz mächtig.

23)   Eine dicke Masse, welche aus Schichten zusammengesetzt ist,
die häutig so dünn wie Papier und gewunden sind, von reinem Gyps
und anderem von sehr unreinen, von einer purpurnen Färbung.

24)   Keiner Gyps, dicke Masse.

25)   ßotber Sandstein von groszer Mächtigkeit.

26)  Reiner Gyps von groszer Mächtigkeit.

27)  Abwechselnd Schichten von reinem und unreinem Gyps von
groszer Mächtigkeit.

Ich war nicht im Stande, zu diesen wenigen letzten groszen Schich-
ten, welche die benachbarten höchsten Gipfel bilden, hinaufzusteigen.
Die Mächtigkeit von dem untersten bis zu den obersten Gypslagern
kann nicht geringer als 2000 Pusz sein: die Schichten darum blitzte
icli zu 3000 Pusz, und dies umlaszt \\         die untersten Theile des

porphyritischen Conglomerats noch den verwandelten Thonschiefer; ich
vermuthe, die Gesamintmächtigkeit musz ungefähr 6000 Pusz
tragen, bb beobacl deutlich, dasz nicht nur der Gyps, sondern

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288

Durchschnitt des Combre-Ruckens.

Cap, T.

auch dir abwechselnden Sandsteine und Conglomerate linsenförmig
waren, und wiederholt 3ich auskeilten und einander ersetzten: so keilte
sich in der Entfernung von ungefähr einer Meile eine 300 Fusz mäch-
tige Sandsteinschicht zwischen zwei Gypsschichten vollständig aus und
verschwand. Der untere Theil dieses Durchschnittes ist merkwürdig
von jedem andern der bisher in Chile beschriebenen Durchschnitte ver-
schieden, und zwar: — in der viel bedeutenderen Verschiedenartigkeit
seiner mineralogischen Zusammensetzung, — in dem groszen Reich-
thum an kalkiger Substanz, — in der gröszeren Grobheit einiger der
Conglomerate, — und in den zahlreichen Quarzstückchen und gut ab-
gerundeten Rollsteinen von Quarz, zuweilen von betrachtlicher Grösze.
Nach diesen Eigentümlichkeiten und nach der Linsengestalt der
Schichten ist es wahrscheinlich, dasz dieser grosze Haufen von Schich-
ten auf einem seichten und sehr unebenen Boden angehäuft wurde in

r Nahe irgend eines vorher existirenden, aus verschiedenen Por-
phyren und aus Quarzitgestein gebildeten Landes. Die Formation des
porphyritischen Thonstein-Conglomerates erhalt in diesem Durchschnitt
auch nicht annähernd ihre gewöhnliche Mächtigkeit; dies kann zum
Theil dem zugeschrieben werden, das/, die metamorphische Wirkung
hier weniger energisch als gewöhnlich war, obschon die untern Schicht
ins zu einem gewissen Grade afficirt worden sind. Wäre sie so ener-
gisch gewesen, wie an den meisten andern Theilen von Chile, so wür-
den viele von den Sandstein- und Conglomeratschichten, welche ab-
gerundete Porphyrmassen enthalten, zweifellos in porphyritisches Con-

omerat umgewandelt worden sein, und diese würden mit krystallinisch
und porphyritischen Schichten ohne eine Spur einer mechanischen Stm
tur abgewechselt haben und in solche selbst übergegangen sein, —
nämlich in solche, welche im gegenwartigen Zustande des Durchschnil
unzweifelhaft, wie wir sehen, submarine Laven sind.

Die Gypsschichten bieten zusammen mit den rothen abwechseln-
den Sandsteinen und Conglomeraten eine so vollkommene und merk-
würdige Ähnlichkeit mit denen in unserem früheren Durchschnitte in
dem Beckenthal vom Yeso dar, dasz ich an der Identität der zwei
Formaiionen nicht zweifeln kann: ich will hinzufügen, dasz ein v.
westlich von dem Puente del Inca eine Gypsmasse in den feinkörnigen
i.arten braunen Sandstein übergieng, welcher einige Lager eine iwarzen
kalkigen compacten schieferigen Gesteins enthielt, genau gleich dem, wi
dies in so ungeheuren Massen auf der Peuquenes-Ketto sehen wurde.

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7.                             Fossile aus dem Neocom.                                 280

In der Nähe des Puente del Inca waren zahlreiche Fragmente
von Kalkstein, der einige fossile Reste enthielt, über den Boden zer-
streut: diese Fragmente glichen dem Kalkstein der Schicht N°. 3, in
welchem ich Museheleindrücke gesehen habe, so vollkommen. 'las/, ich
nicht daran zweifle, sie sind aus ihm herausgefallen. Der gelbe Dolomit
der Schicht N°. 10, welcher gleichfalls Muschelspuren enthält, hat ein
verschiedenes Ansehen. Diese Fossilen sind (von d'OrbiGNI benannt):

Gryphaea, der 0. CouJonii nahe stehen«! fNeoconi-Formationj.

Area, vielleicht Ä. G-        - d'Obb., Pal. Kran.;. iN ocom-Formation).

Mr. PeKTLAND hat eine Sammlung von Muscheln an diesem näm-
lichen Orte gemacht, und von Buch meint16, i              aus den folgen-
den Arten bestehen:

Tri . der Form nach T. costata ähnlich.

1'              /a, gleich einer von Dofhesnoy bei Alencon efumlenen.

Isocardia                          «, identisch mit flet vom Jura.

Zwei dieser Muscheln, nämlich die Gryphaea und Tngonia scheinen
mit den Arten identisch zu sein, welche Meten und ich selbst auf
dem Peuquenes-Rücken gesammelt haben; und nach der Meinung von
B < ii und d'Okbign? gehören die beiden Formationen dem näm-
lichen Alter an. Ich musz hier hinzufügen, dasz Professor E. Fol
welcher meine Exemplare von diesem Orte und von dem Penqueni
Zug untersucht hat, gleichfalls den Eindruck erhalten hat, dasz sie
die Kreideperiode andeuten und wahrscheinlich eine zeitige Epoche
derselben: so dasz alle die Paläontologen, welche diese Fossilien ge-
hen haben, in ihrer Meinung in Bezug auf deren Alter ziemlich
übereinstimmen. Indessen liegt der Kalkstein mit diesen Fossilien hier

an der Basis der Formation dicht über dem porphyritischen Conglome-
rai. und sicher mehrere tausend Fus/ tiefer in der Reihe, als die äqui-
valenten, Fossile führenden schwarzen schieferigen Gesteine hoch oben
auf dem Peuquenes-Rücken.

Es ist wohl der Bemerkung werth, das/ diese Muscheln oder
wenigstens diejenigen, von denen ich in dem Kalkstein (Schicht N°. 3)
Eindrücke gesehen habe, der geringsten Schätzung nach 4000 Fnsz
hoch von Schichten bedeckt gewesen sein müssen: wir wissen mm aus

los lies Canaries, p. 472.

Siid-Ai                     II, 1.)                                                                                           i<,

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290                            Durchschnitt des Cumbre-Pas.se«.                        Caj» 7.

Professor E. Forbes1 Untersuchungen, dasz das Meer in gröszeren
Tiefen als 600 Fusz an organischen Wesen äuszerst unfruchtbar wird,
— ein Resultat, welches mit dem Wenigen, was ich selbst von Tief-
seenntersuchungen gesehen halte, vollkommen übereinstimmt. Nachdem
daher dieser Kalkstein mit seinen Muscheln abgelagert war. musz der
Mf.-resgrund da, wo die Hauptlinie der Cordillera jetzt steht, eini
tausend Fnsz gesunken sein, um die Ablagerung der darüberliegenden
submarinen Schichten zu gestatten. Ohne die Annahm*' einer Be-
wegung dieser Art würde es überdies unmöglich sein, die Anhäufln
der verschiedenen tieferen Schichten von groben, gut abgerundeten
Conglomeraten zu verstehen, von denen es kaum möglich ist anzu-
nehmen, dasz sie in äuszerst tiefem "Wasser sich ausbreiteten, und
welche, besonders diejenigen, welche Quarzrollsteine einsehlieszen, kaum
in submarinen Crateren abgerundet und später aus ihnen ausgeworfen
sein können, wie es, wie ich glaube, mit einem groszen Theil der por-
phyritischen Conglomerat-Formation der Fall ist. Ich will hinzufügen,
dasz nach Professor l         s* Meinung die oben aufgezählten Speci

von Mollusken wahrscheinlich in keiner gröszeren Tiefe als 20 Faden,
d. h. nur 120 Fusz, lebten.

Doch kehren wir zu unserem Durchschnitt das Thal hinab zurück:
wenn man auf der groszen von Nord bei West nach Süd bei Ost ziehen-
den monoklinischen Axe des Puente del Inca steht, von welcher soeben
ein Durchschnitt gegeben worden ist, und nach Nordosten hinsieht,
so sind grosze tafelförmige Massen der Gypsformation (K E) in der
Entfernung zu sehen, welche unbedeutend nach Osten hin geneigt sind.
Weiter im Thale hinab sind die Berge beinahe ausschliesslich aus
Porphyren zusammengesetzt, viele intrusiven Ursprungs und nicht ge-
schichtet, andere geschichtet, aber so, dasz die Schichtung selten, mit
Ausnahme in den oberen Theilen, zu unterscheiden ist. Vernachlässigt
man locale Störungen, so sind die Schichten entweder horizontal, oder
unter einem kleinen Winkel nach Osten geneigt: wenn man daher auf
der Ebene von Uspallata steht und nach Westen oder rückwärts sieht,
so erscheint die Cordillera aus ungeheueren viereckigen, nahezu hori-
zontalen tafelförmigen Massen zusammengesetzt: ein so weiter Raum
mit so hohen und so gleichmäszig erhobenen Bergen wird innerhalb
der Cordillera selten angetroffen. In dieser Durchschnittslinie umfaszt
der Zwischenraum zwischen dem Puente del Inca und der Umgebung
des Cumbre sämmtliche Dislocationsaxen.

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Cap. 7.                         Durchschnil                          &.

D;e bereil schriebene umgewandelte Thonschiefer-Formation
an mehreren Stellen des Thals bis hinab nach Las Vacas das p
phyritische Conglomerat nnterteufend zu sehen. Bei der Casa de Puji
(L) findet sich ein Hügel von (andesitischem?) Granit; und d
tung der umgebenden Berge wechselt hier von West bei Süd nach
Südwest. 1'          findet sich in «Irr Nähe des R. Vacas eini

Formation von (andesitischem?) Granit (ftf), welche ein Maschenwerk
von Adern in den darüberliegenden Thonschiefer einschickt und welcl
an einzelnen llen die Schichten auf der einen Seite nach NTordwi
und auf der andern nach Südost, aber unter keinem hohen Winkel,
►gibt: an der Verbindungsstelle ist der Thonschiefer in feinkörnigen
Grünstein umgewandelt. Diese granitische Axe wird von einem grünen
Gange durchschnitten, welchen ich deshalb erwähne, weil ich mich nicht
erinnern kann, irgend wo anders in diesem untersten und spätesten
intrusiven Gestein Gänge gesellen zu haben. Von dem R. Vacas 1
zur Ebene von Ospallata läuft das Thal nordöstlich, so dasz ich meinen
Durchschnitt zusammenziehen muszte; es lauft ausschieszlich durch
rphyritisches Gestein. Bis zum Pasz von Jaula erreicht die Tlion-
in-Conglomerat-Formation, welche an den meisten Stellen stark por-
phyri i ist und von zahlreichen Orangen von Grünsteinporphyr durch-
kreuzt wird, eine bedeutende Mächtigkeit: auch findet sich viel in-
trusiver Porphyr. Von dem Jaula-Pasz bis zur Ebene ist die Strati-
fication an den meisten Stellen verwischt, ausgenommen in der Nähe
der Gipfel einiger von den Bergen, und die metamorphische Wirkung
isl äuszerst bedeutend gewesen. In diesem Baume ist die Anzahl und
der Umfang der intrusiven Massen von \ lieden gefärbten Porphyren,
welche eine in die andere injieirt und von Gängen durchschnitten sind,
in Wahrheit auszerordentlich. Ich habe einen Berg von weiszlichem
Porphyr gesehen, von welchem aus zwei ungeheuere sich auskeilende
Hange abwärts sich in einen benachbarten schwärzlichen Porpln r
verzweigten. Ein anderer Hügel von weiszem Porphyr, welcher durch
dunkel gefärbte Schichten durchgebrochen war, war selbst von einem
purpurnen dnrchtrümerten und wieder cementirten Porphyr injieirt;
beide waren von einem grünen Gange durchkreuzt, und beide waren
emporgehoben und von einer granitischen Kuppe injieirt worden.
Kin ziegelrother Porphyr, welcher oberhalb des Jaula eine isolirte
Masse in der Mitte der porphyritischen Conglomerat-Formation und
weiter im Thale hinab eine prachtvolle Gruppe von mehreren spitzigen

19'

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292                            Durchschnitt des Cumbre-Passe                          Cap. 7.

Bergen bildet, ist merkwürdig von all1 den andern Porphyren verschieden.
Er bestellt aus einer rothen feldspathigen Basis, welche einige ziem-
lich grosze Krystalle von rothem Peldspath, zahlreiche grosze eckige
Quarzkörner und klein.' Stückchen eines weichen grünen Minerals ein-
schlieszt, welches in den meisten seiner Merkmale dem Seifenstein ent-
spricht. Die Krystalle von rothem Feldspatb sind im äuszeren An-
sehen denen von Orthit ähnlich, obschon ich, weil sie theilweise zer-
setzt waren, nicht im Stande war. sie zumessen; sie sind sicher gänz-
lich von der Varietät verschieden, welche in beinahe allen den andern
Gesteinsarten dieser Durchschnittslinie s<> auszerordentlich reichlich
vorhanden ist, und welche, wo ich sie auch nur versuchte, wie Albit
spaltete. Dieser ziegelrothe Porphyr scheint durch die andern Porphyr-
arten durchgebrochen zu sein, und zahlreiche rothe die benachbarten
Berge durchsetzende Gänge sind von ihm ausgegangen: an einigen
wenigen Stellen indessen ist er selbst wieder von weiszen Gängen
durchschnitten. Nach diesem Umstände, dasz sein intrnsiver Ursprung
ein später ist, nach der groszen allgemeinen Ähnlichkeit zwischen
diesem rothen Porphyr und dem rothen Granit des Portillo-Zugi
vnii welchem er mir dadurch verschieden ist, dasz der Feldspatb hier
weniger vollkommen körnig, und der Seifenstein den Glimmer ersetzt.
welcher dort unvollkommen ist und in Chlorit übergeht, — und nach
der Thatsache, dasz der Portillo-Zug ein wenig nach Süden von diesem
Punkte (nach der Angabe des Dr. Gillies) in die westlichen Züge
überzugehen scheint, werde ich stark zu der Annahme veranlaszt (wie
früher bemerkt), dasz die groszen aus di ziegelrothen Porphyren
gebildeten Gebirgsmassen zu derselben Injcctionsaxe gehören wie der
Granit der Portillo-Linie: ist dies der Fall, so fand die Injection dies
Porphyrs wahrscheinlich ebenso lange nach den verschiedenen Erhebungs-
axen in der Gypsformation in der Nähe des Cumbre statt, wie gezeigt
wurde, das/ die Injection des Portillo-Granits auf die Erhebung der den
Peuquenes-Zug zusammensetzenden Gypsschichten erfolgte, und wir haben
gesehen, dasz dieser Zwischenraum ein sehr langer gewesen sein rausz.
Die Ebene von Uspallata ist kurz im dritten Capitel beschrieben
worden; sie isl den bekannten Ebenen von Chile ähnlich; sie ist zehn
oder fünfzehn Meilen breit und soll sich der Angabe nach ISO Meilen
weit nach Norden erstrecken; ihre Oberfläche liegt nahezu 6000 Fusz
oberhalb des Meeres; sie wird bis zu einer Mächtigkeit von einigen
hundert Fusz aus lose aggregirtem geschichteten Geschiebe zusammen-

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Cap. 7.                                Ebene von üspallata.                                   293

gesetzt, welches sich mit einer sanft geneigten Oberfläche die Thäler
hinauf in den Bergen auf beiden Seiten fortsetzt. Ein Durchschnitt
in dieser Ebene (Z) ist wegen des ungewöhnlichen" Umstandes inter-

;ant, dasz Schichten von beinahe losem rothen und weiszen Sande,
welche mit Geröllzügen (von der Grösze einer Nusz bis zu der eines
Apfels) und mit Geschieblagern abwechseln, unter einem Winkel von

5 Grad, und an ein         Stellen selbst unter einem noch höheren

Winkel, geneigt sind. Diese Schichten sind durch kleine Verwerfungen
dislocirt: sie werden von einer dicken Masse horizontal geschieht
offenbar unter Wasser entstandenen Gerölls bedeckt. Nachdem ich
mich daran gewöhnt habe, die ünregelmäszigkeiten von Schichten, die
unter Strömen angehäuft wurden, zu beobachten, bin ich sicher, dasz
die Neigung hier nicht in dieser Weise hervorgebracht worden ist.
Die Rollsteine bestehen hauptsächlich aus dem ziegelrothen Porphyr,
der eben beschrieben wurde, und aus weiszem Granit, welche beide
wahrscheinlich von den Höhenzügen nach Westen herrühren, eben
aus umgewandeltem Thonschiefer und aus gewissen Porphyrarten, die
augenscheinlich zu den Gesteinen der Uspallatakette gehören. Diese
Ebene entspricht geographisch dem Thale von Tenuyan zwischen dem
Portillo- und dem Peuquenes-Zug; aber in jenem Thale ist das Ge-

hiebe, welches gleichfalls sowohl von dem östlichen als westlichen
Höhenzug herrührt, zu einem harten Conglomerat verkittet und ist
durchweg unter einer beträchtlichen Neigung aufgerichtet worden; das

eröll erlangt dort augenscheinlieh eine viel bedeutendere Mächtigkeit
und ist wahrscheinlich von gröszerem Alter.

Der Uspallata-Zug. — Die Strasze über den Villa-Vicencio-
Pasz kreuzt nicht direct den Höhenzug, sondern verläuft einige Stun-
den lang an seinem westlichen Fusze nach Norden, und ich musz in
Kürze die hier gesehenen Gesteine beschreiben, ehe ich mit der Schilde-
rung des colorirten östlichen und westliehen Durchschnittes fortfahre.
An der .Mündung des Thaies von Canota und an mehreren Punkten
nach Norden findet sich eine ausgedehnte Formation eines glänzenden
und harschen und eines feldspathigen ThonschiefCrs, welcher Grauwacke-

" Ich finde, dasz Mr. Smith von Jordanhül (Edinburgh NewPhilos. Joura.

Vol. XXV, p. 392) aus der Nähe von Edinburgh Schichten von Sand und Schotter
Mshrieben hat, welche unter einem Winkel von 60° aufgerichtet und durch
Miniatur-Verwerfungen dislocirt worden sind.

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Durchschnitt der Uspallata-Kette.                            P- 7-

Bchichten einschlieszt, eine gewundene nahezu rerticale Spaltung be-
st und von zahlreichen Metall führenden und von Quarz-A.dern dnrch-

tzt wird. Der Thonschiefer wird an vielen Stellen von einer dicken
Mi von Fragmenten des nämlichen Gesteins, die fest wieder ver-
kittet sind, bedeckt, und beide zusammen sind von sehr zahlreichen
nach Norden und Süden ziehenden Hügeln von lila, weiszen. dunkeln
und blaszrothen Porphyrarten injicirt und aufgebrochen worden: ein
steiler jetzt denudirter Porphyrbügel zeigte an seiner Fläche so deut-
liche Kindrücke der Ecken und Kanten einer Masse von Schiefer-
fragmenten, wobei einige von den zen noch eingebettet waren. wie

-gellack von einem Siegel eingedrückt wird. An der Mündung dieses
nämlichen Thaies von Caüota an einer schönen Böschung, an welcher
die Schichten von 50—60° nach Nordost48 einfallen, sieht man die
Thonsehieferformation bedeckt: erstei o einem purpurnen Thonstein-

rphyr, der an einigen Stellen nicht conform auf dem soliden Schiefer,
und an andern auf einer dicken fragmentären M;tsse liegt; zweitens,
von einer conformen Schicht eines compacten schwarzen Gesteins, wel-
ches eine sphäro'ide Structur hat und voll minutiöser spiesziger Krv-
stalle von glasigem Feldsp'ath mit rothen Flecken von Kisenoxyd ist;
drittens von einer groszen Schicht von purpurröthlichem Thonstein-
porphyr. welclier sehr reich an Krystallen eines opaken Feldspaths
ist, und von dünnen parallelen, häufig kurzen Schichten und gleich-
falls \on groszen unregelmäszigen Flecken von weiszem erdigen, halb
krystallinischen Feldspath durchblättert wird; dieses Gestein (welches
ich an andern benachbarten Stellen bemerkte) ist einer merkwürdigen bei
Port Desire beschriebenen Varietät vollkommen ähnlich und kommt
gelegentlich in der groszen porphyritischen Conglomerat-Formation von
Chile vor; viertens von einer dünnen Schicht grünlich-weiszen ver-
härteten Tutl'es. welclier schmelzbar ist und zerbrochene Knstalle und
Porphyrstückchen enthält: fünftens von einer groszartigen unvollkommen
sauligen und in drei parallele und dicht verbundene Schichten ge-
seilten Masse von rahmfarbigem Thonsteinporphyr; sechstens von eine»
dicken Schicht lilairefarbtcn Porphyrs, welche, wie ich sehen konnte,

19 Nahezu dieser Böschung gerade gegenüber findet sich eine andei
sprechende, deren Schichten nicht genau nach dem entgegeng.        n Punkte, also

t, sondern nach Süd-Süd-West einfallen; in Folge dessen ziehen die zv.
-chungeu aufeinander zu und werden einige Meilen südwärts factiach vereinigt:
dies ist eine Form von Erhebung, welche ich nirgends anderswo gesehen habe.

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Cap. 7.                        Durchschnitt der Uspallata-Kette.                           295

[, einer andern Schicht der rahmfarbigen Varietät bedeckt war: ich
war Dicht im Stande, die noch höheren Theile der Böschung zu unter-
Buchen. Diese conform geschichteten Porphyre sind, obsohon keiner
weder blasig noch amygdaloid ist, offenbar als submarine Laven ge-
flogen: einige von ihnen sind durch Säume verhärteten Tuffea von
einandei rennt, welche indessen mit den Porphyren verglichen an
Mächtigkeit gänzlich unbedeutend sind. Dieser ganze Haufen ist, aller-
dings nicht in hohem Masze, einigen der weniger zertrümerten Theile
der groszen porphyritischen CÄglomerat-Formation von Chile ähnlich;
er gehört aber wahrscheinlich nicht demselben Alter an, da die Por-
phyre hier nicht conform auf dem umgewandelten, feldspathigen Thon-
schiefer ruhen, wahrend die porphyritische Conglomerat-Formation mit
ihm abwechselt und conform auf ihm liegt. Überdies sind diese Por-
phyre mit Ausnahme der einen schwarzen Schicht und des einen er-
härteten weiszen tunartigen Lagers von den Schichten verschieden,

liehe den Uspallata-Zug in der Richtung des Villa-Vicencio-Passes
bilden.

Ich will nun zuerst eine Skizze der Struktur des Höhenzugs geben,
wie er in dem i-olorirten Durchschnitt dargestellt ist. und will dann

ine Zusammensetzung und seine interessante Geschichte beschreiben.
An seinem westlichen Fusze sieht man einen Hügel (N) sich aus der
Ebene erheben, dessen Schichten unter 70° nach Westen einfallen, und
an dessen Vorderrande Schichten (0) unter 45° nach Osten geneigt
sind, womit er eine kleine nach Norden und Süden gerichtete anti-
klinische A\e bildet. Einige andere kleine Hügel von ähnlicher Zu-
sammensetzung, deren Schichten stark geneigt sind, ziehen von Nordost
nach Südwest schräg auf die Hauptlinie des Uspallata. Die Ursache
dieser Dislocationen, welche, obschon sie in kleinem Maszstabe auf-
treten, heftig und complicirt gewesen sind, sieht man in Hügeln von
lilapurpurnen und rotheu Porphyren, welche in einem flüssigen Zu-

inde durch die darunterliegende Thonstein-Formation und in die-
selbe injicirt worden sind. Hier waren mehrere Gänge exponirt, aber
in keinem andern Theile, den ich von diesem Zuge gesehen habe. Da
die Schichten aus schwarzen, weiszen, grünlichen und braun gefärbten
Gesteinen bestehen; und da die intrusiven Porphyre so hell gefärbt
sind, so bot sich ein ganz auszerordentlieher Anblick dar. wie eine
colorirte geologische Zeichnung. An dem sanft geneigten westlichen
Hauptabhange (PP) über dem kleinen eben erwähnten antiklinischen

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296                                        Schichtung der                                    Cap. 7.

Kücken fallen die Schichten unter einem mittleren Winkel von 25°
nach Westen ein; die Neigung beträgt an einigen Stellen nur 10°, an
einigen wenigen andern bis zu 45 °. Diese Massen, die so verschiedene
Neigungen haben, sind von einander durch parallele senkrechte Ver-
werfungen (wie bei Pa dargestellt ist) getrennt, was häufig besondere
parallele monoklinische Rücken entstehen läszt. Der Gipfel des Haupt-
rückens ist breit und wellig, seine Schichtung wellig und unregel-
mäszig: an einigen wenigen Stellen ragen granitische und porphyritische
Massen (Q) vor, welche nach der geringen Wirkung, welche sie local
in der Störung der Schichten hervorgebracht haben, wahrscheinlich
die oberen Spitzen eines regelmäszigen groszen darunterliegenden Ge-
wölbes bilden. Diese denudirten granitischen Spitzen schätzte ich zu
ungefähr 9000 Fusz Höhe über dem Meere« Am östlichen Abhang
sind die Schichten im oberen Theile regelmaszig zu ungefähr 21
nach Osten geneigt, so dasz der Gipfel dieser Kette mit Vernach-
lässigung kleiner Unregelmässigkeiten eine breite antiklinische Axe
bildet. Indessen findet sich weiter hinab in der Nähe von Los Hor-
nillos (K) eine gut ausgesprochene synklinische Axe, jenseits welcher
die Schichten nahezu in demselben Winkel, nämlich von 20 bis 30°
nach Innen oder nach Westen, geneigt sind. In Folge des Betrages
von Denudation, welche diese Kette erlitten hat, bietet der Umrisz
des sanft geneigten östlichen Abhanges kaum eine geringste Andeutung
dieser synklinischen Axe dar. Die stratificirten Schichten, welche wir
Ins jetzt quer Aber den Rücken verfolgt haben, sieht man ein wenig
weiter hinab, wie ich glaube, nicht eonform auf einem breiten gebir-
gigen Streifen von Thonschiefer und Grauwacke aufliegen. Die Schich-
ten und Blätter dieser letztern Formation an der äuszersten östlichen
Seite sind meist nahezu vertieal; weiter nach Innen werden sie von
45 bis SO0 nach Westen geneigt: in der Xalie von Villa Vicencio (S)
findet sich dem Anscheine nach eine antiklinische Axe, aber die Struc-
tur dieses äuszeren Theils der Thonschiefer-Formation ist so undeut-
lich, dasz ich die Schiehtungsebenen in dem colorirten Durchschnitt
nicht bezeichnet habe. Am Eande der Pampas springen einige niedrige
stark dislocirte Gräten dieser selben Formation in einer Nordostlinie
in derselben schrägen Weise vor, wie die Rücken am westlichen Fusze,
und wie es so häufig mit denen am Fusze der Haupt-Cordillera derl
Fall ist.

Ich will nun die Beschaffenheit der Schichten beschreiben, und am

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Cap. 7.                                   Dspallata-Kett                                         2\

Fusze der östlichen Seite beginnen. Erstens die Thonachiefer-Fonnation:
der Schiefer ist meist hart und bläulich, die Blätter mit minutiösen
Glimmerblättchen überzogen; er wechselt vielmals mit einer grobkör-
nigen grünlichen Grauv.aeke ab, welche abgerundete Fragmente von
Quarz und Stück»' von Schiefer in einer leicht kalkigen Basis enthält.
Der Schiefer wird in dem oberen Theile meist purpurn und die Spal-
tung so unregelmäszig, dasz das Ganze aus bloszen Splittern besteht.
Quer durchsetzende Quarzadern sind zahlreich. Bei der Calera, in
einer Entfernung von einigen Stunden, findet sicli ein dunkler kristal-
linischer Kalkstein, der augenscheinlich in dieser Formation einge-
schlossen ist. Mit Ausnahme des Umstandes, dasz die Grauwaeke hi
reichlicher vertreten und der Thonschiefcr weniger umgewandelt i-
ist diese Formation jener sehr ähnlich, welche nicht conform die Por-
phyre am westlichen Fusze dieses selben Höhenzugs unterteui't und
gleichfalls jener, welche in der Haupt-Cordillera mit dem porphyritischen
Conglomerat abwechselt. Diese Formation ist eine beträchtliche und
4reckt sich mehrere Stunden nach Süden, bis in die Nahe von Men-
d6za: die aus ihr gebildeten Berge steigen bis zu einer Höhe von
ungefähr Jooo Kusz über den Rand der Pampas, oder ungefähr 70'
Pusz über das -Meer an 19.

Zweitens: Die gewöhnlichste Schicht über dem Thonschiefer ist ein
grohes, weiszes, leicht kalkiges Conglomerat von keiner bedeutenden
Mächtigkeit, Avelehes zerbrochene Feidspathkrystalle, Quarzkörner und
zahlreiche Rollsteine eines in Breccien zerfallenen Thonsteinporphyra
enthalt, aber ohne irgend welche Geschiebe des darunterliegenden
Thonschiefers. Ich habe nirgends die factische Verbindung zwischen
dieser Schicht und dem Thonschiefer gesehen, obschon ich einen ganzen
Tag darauf verwandte, ihre Beziehungen zu einander zu entdecken. An
einigen Stellen sah ich deutlich das weisze Conglomerat und die dar-
über liegenden Schichten zu 25 bis 30° nach West               srt, und
am Grunde desselben Berges den Thonschiefer und die Grauwacke
nach dem nämlichen Punkte hin, aber unter einem Winkel von 70 bis
Ins 80° geneigt: in einem Falle fiel der Thonschiefer nicht nur unter
einem verschiedenen Winkel, sondern auch nach einem verschiedenen
Punkte von der daröberliegenden Formation ein. In diesen Fällen

19 Ich folgere »lies aus der Höhe der Villa Vicencio, welcher von -Mr. Mi
zu 5326 Fusz über dem Meere ermittelt wurde.

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298                           Durchschnitt der Uspailata-Kette.                        Cap. 7.

erschienen die beiden Formationen sicher gänzlich onconform: über-
dies fand icli in dem Thonschiefer eine grosze senkrechte gang&hn-
liche Spalte, die mit einem erhärteten weiszlichen Tuff erfüllt war, ganz
ähnlich einigen der oberen sofort zu beschreibenden Schichten; und
dies zeigt, dasz der Thonschiefer vor deren Ablagerung consolidirt und
dislocirt worden sein musz. Auf der andern Seite verschwand die
Schichtung des Schiefers und der Grauwacke80 in einigen Fallen all-
mählich, und gänzlich heim Annähern an das darüberliegende weisze
Conglomerat; in andern Fällen wurde die Stratification der zwei For-
mationen streng conform; und wiederum in andern Fällen lag etwas
ziemlich gut characterisirter Thonschiefer ober dem Conglomerat. Die
wahrscheinlichste Folgerung scheint die zu sein, dasz nachdem die
Thonschiefer-Formation dislocirt und aufgerichtet worden ist, während
sie aber noch unter einein Meere sich befand, eine frische und neuere
Ablagerung von Thonschiefer stattfand, auf welchen das weisze Con-
glomerat conform abgelagert wurde, hier und da mit einem dünnen
dazwischen geschalteten Lager von Thonschiefer. Nach dieser Ansicht
sind die weiszen Conglomerate und die sofort zu beschreibenden Tuffe
und Laven wirklich nicht conform mit dem Haupttheile des Thon-
schiefers; und dies ist, wie wir ehen haben, sicher mit den Thon-
schieferlaven in dem Thale von Canota an dem westlichen und ent-
gegengesetzten Fusze des Höhenzugs der Fall.

Drittens: Auf dem weiszen Conglomerat liegen mehrere hundert
Fusz Mächtigkeit haltende Schichten, die in ihrer Beschaffenheit in
kurzen Entfernungen bedeutend variiren; die häufigste Varietät ist ein
weiszer, stark verhärteter Tuff, zuweilen unbedeutend kalkig, mit eisen-
haltigen Flecken und Wasserstreifen, häufig in einem weiszlichen oder
purpurnen, compacten feinkörnigen Sandstein übergehend; andere Varie-
täten werden halb porzellanartig und blaszgriin oder blau gefärbt:
andere gehen in einen verhärteten Schiefer über: die meisten dieser
Varietäten sind leicht schmelzbar.

80 Die grobe mechanische Structur vieler (irauwacken ist mir immer als eine
Schwierigkeit erschienen; denn die Textur des in Verbindung damit auftretenden
Thonschiefers und die Natur der eingeschlossenen organischen Reste, wo solche
vorkommen, wi        darauf hin, dasz das Ganze eine Ablagerung in tiefem Wasser

war. Wo rühren die zuweilen eingeschlossenen eckigen Bruchstücke von Thon-
schiefer und die abgerundeten Massen von Quarz und andern Gesteinen her? Es
bekannt, das/, viele Te        er-Kalksteine in Breccien zerfallen und dann wieder

verkittet sind.

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Cap. 7.                        Durchschnitt der DspalUta-Ketl                              299

Viertens: Eine ungeßhr hundert Fusz mächtige Schicht einer
compacten, theilweise säuligen, blaszgrauen, feldspathigen Lava, die
mit Bisen gefärbt ist und sehr zahlreiche KrystaUe opaken Feldspaths
und etwas krystallisirte und fein vertheilte kalkige Substanz enthalt.
Die Tuffschicht, auf welcher diese feldspathige Lava liegt, ist stark
verhärtet, purpurn gefärbt, und hat eine sphärische concretionäre
Structur: sie enthält hier eine beträchtliche Zahl von Rollsteinen von
Thonsteinporpbyr,

Fünftens: Dünne Schichten, 400 Fusz mächtig, welche bedeutend
in ihrer Beschaffenheit variiren, aus weiszen und eisenhaltigen Tuffen
bestehen, an einigen Stellen eine concretionäre Structur darbietend, an
andern runde Körner und einige wenige Quarzrollsteine enthaltend; sie
gehen auch in harte Sandsteine und in grünliche Schieferletten über:
es findet sich hier auch viel von einem bläulich-grauen und grünen.
halb porzellanartigen Gestein.

Sechstens: Eine vulcanische Schicht, 250 Fusz mächtig, von einer
so variirenden Beschaffenheit, dasz ich nicht glaube, dasz zwanzig
Handstücke alle Varietäten zeigen würden. Ein groszer Theil ist stark
amygdaloid, sehr compact; es gibt grünliche, schwärzlich-purpurne und
aue Varietäten, die nur selten KrystaUe von grünem Augit und
minutiöse nadeiförmige KrystaUe von Feldspath, aber häufig KrystaUe
und amygdaloiden Massen von weiszem, rothem und schwarzem kohlen-
sauren Kalk enthalten. Einige von den schwärzlichen Varietäten
dieses Gesteins haben einen muscheligen Bruch und sind basaltähnlich:
andere haben einen unregelmäszigen Bruch. Einige von den grauen
und purpurnen Varietäten sind dicht mit grüner Erde und mit weiszem
kristallinischen kohlensauren Kalk gefleckt; andere sind in hohem
Grade amygdaloid mit grüner Erde und Kalkspath. Wiederum andere
erdige Varietäten von grünlichen, purpurnen und grauen Färbungen
enthalten viel Eisen und sind beinahe zur Hälfte zusammengesetzt, aus
amygdaloiden Kugeln von dunkelbraunem Bolus, von einer weiszlichen,
:härteten, feldspathigen Substanz, von hellgrüner Erde, von Achat
und von schwarzem und weiszen krystallisitfen kohlensauren Kalk.
Alle diese Varietäten sind leicht schmelzbar. Aus der Entfernung ge-
hen war die Verbindungslinie mit den darunterliegenden hell por-
zellanartigen Schichten deutlich; aber in der Nähe untersucht war es
unmöglich, innerhalb eines Fuszes genau anzugeben, wo die Lava aut-
horte, und die sedimentäre Masse begann: das Gestein war zur Zeit

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300                           Durchschnitt der DspallatarKette.                        Cap. 7.

der Verbindung an den meisten Stellen hart, von hellgrüner Farbe,
und sehr reich an nnregelmäszigen amygdaloiden Massen von eisen-
schlissigem und reinem Kalkspath und von Achat.

Siebentens: Achtzig Fusz mächtige Schichten von verschiedenen
verhärteten Tuffen, wie früher; viele von den Varietäten haben eine
feine Grundsubstanz, welche ziemlich grobe fremdartige Stückchen
einschlieszt; einige derselben sind compact und porzellanartig und ent-
halten Pflanzeneindrücke.

Achtens: Eine ungefähr fünfzig Fusz mächtige Schicht von grün-
lich-grauer compacter feldspathiger Lava, mit zahlreichen kleinen Kry-
dlen von opakem Feldspath, schwarzem Augit und Eisenoxyd. Die
Verbindung mit der Schicht, auf welcher sie ruhte, war undeutlich
bestimmt: Kugeln und Massen des feldspathigen Gesteins waren in
stark verwandelten Tuff eingeschlossen.

Neuntens: Verhärtete Tuffe wie vorher.

Zehntens: Eine conforme, weniger als zwei Fusz mächtige Schicht
von l'echstein, meistens zertrümert und von Adern von Achat und
kohlensaurem Kalk durchsetzt: Tlieile derselben sind aus augenscheinlich
concretionären Fragmenten einer vollkommeneren Varietät zusammen-
gesetzt, welche in horizontalen Streifen in einer weniger vollkommen
characterisirten Varietät angeordnet sind. Es wird mir sehr schwer,
anzunehmen, dasz diese dünne Schicht von Pechstein als Lava ge-
flossen ist.

Elftens: Sedimentäre und tuilartige Schichten wie vorher, in Sand-
stein übergehend und etwas Conglomerat einschlieszend: die Rollsteine
im letzteren sind von Thonsteinporphyr, gut abgerundet, und einige
so grosz wie Cricketbälle.

Zwülftens: Eine Schicht compacter, klingender, feldspathiger Lava
wie die der Schicht No, 8, durch zahlreiche Fugen in grosze, winkelige
Blöcke getheilt.

Dreizehntens: Sedimentäre Schichten wie vorher.

Yierzehntens: Eine dicke Schicht von grünlichem oder gräulich-
hwarzem compactem Basalt (der zu einem schwarzen Schmelz schmilzt)
mit kleinen gelegentlich unterscheidbaren Krystallen von Feldspath
und Augit: die Verbindung mit der darunter liegenden sedimentären
Schicht war, verschieden von den meisten der vorhergeh-'!i'l<'ii        me,

vollkommen deutlich: — die Lava und die tuffartige Masse bewahren
ihre vollkommenen Charactere bis innerhalb zwei Zoll von einander.

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Cap. 7.                       Durchschnitt der Uapallata-Kette.

Dieses Gestein i              ten Theilen jenes variirenden und eigenthüm-

en Lavastromes N°. 6 sehr ähnlich; es ist auch, wie wir sofort

sehen werden, vielen von den groszen oberen Schichten am westlichen
Abhänge und am Gipfel dieses Höhenzugs ähnlieh.

Die Schichtenmasse, welche hier beschrieben wurde, erlangt eine
bedeutende Mächtigkeit; und oberhall» der zuletzt erwähnten vul-
canischen Schicht fanden sich noch mehrere andere grosze tuffartige
Schichten mit submarinen Laven abwechselnd, welche ich zu unter-
suchen keine Zeit hatte; aber eine entsprechende Reihe, mehrere tau-
send Fusz mächtig, bietet sich auf dem Kamme und dem westlichen
Abhänge des Höhenzugs gut dar. Die meisten der Lavaströme an der
trieben Seite sind von tief-schwarzer Farbe und von basaltischer Be-
schaffenheit, und sie sind entweder compact und feinkörnig, minutiöse
Krystalle von Augit und Feldspath einschlieszend, oder sie sind grob-
körnig und sehr reich an ziemlich groszen, kupferig braunen Krystallen
eines augitischen Minerals81. Eine andere Varietät war von einer
trübrothen Färbung, hatte eine breccienartige Basis von Thonstein,
Flecke von Eisenoxyd und von Kalkspath ein und war mit
grüner Erde amygdaloid: offenbar waren mehrere andere Varietäten
vorhanden. Diese submarinen Laven bieten häufig eine sphäroidische und
zuweilen eine unvollkommen säulige Structur dar: ihre oberen Verbin-
dungsglieder sind viel deutlicher entwickelt, als ihre unteren; aber die
letzteren sind nicht so stark mit den untertenfenden sediment.
Schichten verschmolzen, wie es auf dem östlichen Abhänge der Fall
ist. Auf dem Kamme und dem westlichen Abhänge des Gebirgszugs
sind die Ströme als Ganzes betrachtet meist basaltisch; während die-
jenigen an der östlichen Seite, welche tiefer in der Reihe stehen, wie
wir gesehen haben, meist feldspathig sind.

Die mit den Laven auf dein Kamm und der westlichen Seite ab-
wechselnden sedimentären Schichten sind von einer beinahe unendlich
variirenden Beschaffenheit; aber ein groszer Theil derselben ist den
bereits beschriebenen am östlichen Abhänge sehr ähnlich: es finden
sieh hier weisze und braune verhärtete leicht ächmelzbare Tuffe, —
einige gehen in blaszblaue und grüne halb porzellanartige «--leine

" Sehr leicht in eine pechschwarze Perle schmelzend, die der Magnel an-
zog; die KiystaUe waren zu stark verwittert, um mit dem Goniometer g>-
werden zu können.

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302                           Durchschnitt der Üspallata-Kfl                            Cap. 7.

über, — andere in bräunliche und purpurne Sandsteine, häufig Quarz-
körner einschlieszend, — andere in Schieferletten, welche zerbrochene
Krystalle und Gesteinsstückchen, und gelegentlich einzelne grosze Roll-
steine enthalten. Eine Schicht von hellrothem groben vulcaniscben
Sandstein war vorhanden, eine andere von Conglomerat, eine andere
von einem schwarzen verhärteten kohligen Schiefer der mit un-
vollkommenen pflanzlichen Eindrücken gezeichnet war; diese letztere
Schicht, welche dünn war, ruhte auf einer submarinen Lava und folgte
allen den beträchtlichen Unebenheiten ihrer Oberfläche. Mr. MlBl
gibt an, dasz Steinkohle in diesem Gebirgszug gefunden worden ist.
Endlich fand sich eine Schicht (wie X°. 10 an dem östlichen Abhänge)
offenbar von sedimentärem Ursprung, und deshalb merkwürdig, weil
sie im Character einem unvollkommenen Peel i sehr ähnlich war,
und weil sie äuszerst dünne Schichten von vollkommenem Pechstein
ebenso wie Knollen und unregelmäszige Fragmente (aber nicht von
auszen eingedrungenen Fragmenten ähnlich) die- elben Gesteins in
horizontalen Zügen angeordnet enthielt: ich vermuthe, dasz diese
Schicht, welche nur einige wenige Fusz mächtig ist, ihren jetzigen
Zustand durch metamorphische und concretionäre Wirkung erlangt
haben musz. Die meisten dieser sedimentären Schichten sind stark
erhärtet und sind ohne Zweifel zum Theil metamorphosirt worden:
viele von ihnen sind auszerordentlich schwer und compact; andere sind
mit Achat und krvstallinischem kohlensaurem Kalk über und über
durchsät. Einige von den Schichten bieten eine eigentümliche con-
cretionäre Anordnung dar, wobei die Curven von den Spaltungslinien
bestimmt sind. Es finden sich viele Adern von Achat und Kalkspath,
und zahllose von Eisen und anderen Metallen, welche die Schichten
bis zu beträchtlichen Entfernungen auf beiden Seiten geschwärzt und
eigenthümlich afficirt haben.

Viele von diesen tuffartigen Schichten sind, mit Ausnahme dasz
sie stärker erhärtet sind, den oberen Schichten der groszen pata-
gonischen Tertiärformation ähnlich, besonders jenen verschieden ge-
färbten Lagern hoch oben am Flusse Santa Cruz, und in einem merk-
würdigen Grade der Tuffformation am nordlichen Ende von Chili
Mir fiel diese Ähnlichkeit so sehr auf, dasz ich besonders nach ver-
kieseltem Holz mich umsah und dasselbe auch unter den folgend,
auszerordentlichen Umständen fand. Hoch oben an diesem westlichen

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Cap. 7.                       Aufrechte verkie        Baumstämme.                          303

Abhango22, in einer Hohe welche zu 7000 Fusz über dein Meere
schätzt wurde, in einer durchbrochenen Böschung dünner Schichten,
welche aus compactem grünen Sandstein (in feine Schieferletten über-
gehend und mit Lagern von gröberen bräunlichen sehr schweren
Schieferletten, zerbrochene Krystalle und beinahe mit einander ver-
schmolzene Gesteinsstückchen enthaltend. abwechselnd,) zusammen-
setzt waren, zählte ich die Stümpfe von zweiundfünfzig Bäume
Sie sprangen zwischen zwei und fünf Fusz Ober den Boden empor und
standen unter genau rechtem Winkel zu den Schichten, welche hier
unter einem Winkel von ungefähr 2ö° nach Westen geneigt waren.
Elf von diesen Bäumen waren verkieselt und gut erhalten: Kob. Brown
ist so freundlich gewesen, das Holz nach polirten Schnitten zu unter-
suchen; er sagt,         ei Coniferenholz, theilweise mit den Characteren
der Auracariengruppe, in mehreren merkwürdigen Punkten mit der Eibe
Verwandtschaften darbietend. Die Kinde um diese Stämme musz kreis-
förmig von unregelmäszigen Linien durchfurcht worden sein, denn der
Schieferletten rund um sie herum ist in dieser W.-ise deutlich ge-
zeichnet. Ein Abgusz bestand aus dunkelem thonigen Kalkstein, und
vierzig von ihnen aus grobem krvstallisirtem kohlensaurem Kalk mit
von Quarzknstallen ausgekleideten Höhlungen: diese letzteren weiszen
kalkigen Säulen behalten keinerlei innere Structur, aber ihre äuszere
Form weiszt deutlich ihren Ursprung nach. Alle Stümpfe haben nahezu
denselben Durchmesser, variiren von einem Fusz bis achtzehn Zoll;
einige von ihnen stehen innerhalb eines Yards von einander entfernt;
sie sind in einem Haufen gruppirt innerhalb eines Raumes von unge-
fähr sechzig Yards in der Quere, während einige wenige rund herum
in der Entfernung von 150 Yards zerstreut stehen. Sie stehen Alle
ungefähr in demselben Niveau. Der längste Stumpf stand sieben Fusz
aus dem Grunde heraus: die Wurzeln sind, wenn sie noch erhalten
sind, begraben und verborgen. Nicht eine Schicht des Schieferletten
erschien viel dunkler als die andern, als wenn sie früher als Erdboden

" Zur Information eines späteren Reisenden will ich den Ort speciell be-
schreiben. Geht man von der Agua del Zorro nach Osten, so durchschreitet man,
nachdem man auf der nürdUchen Seite -1er strasze einen Rancho bei ein paar alten
Goldminen verlassen hat. eine Schlucht mit niedrigen aber steilen Felsen auf jeder
Seite; dann krümmt sich die Strasze und der Aufstieg wird steiler. Einige wenige
hundert Yards weiter hin sind einen Steinwurf weit von der südlichen -Seite der
Strasze die weiszen kalkigen Stümpfe zu sehen. Die Stelle ist ungefähr eine halbe
Meile östlich von der Agua del Zorro.

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:;u«                             Durchschnitt der Üspallata-Kette.                       Cap. 7.

istirt hatte, auch hätte sich dies nicht erwarten lassen, denn dieselben
Kräfte, welche das Holz der Bäume durch Kiesel und Kalk ersetzten,
würden natürlich auch alle vegetabilische Substanz aus dein Boden ent-
fernt haben. Auszer den zweiundfÖnfzig aufrechten Stammen fanden sich
einige wenige Fragmente wie abgebrochene Zweige horizontal einge-
bettet. Die umgebenden Schichten werden von Adern von kohlensaurem
Kalk, Achat und Eisenoxyd durchkreuzt, und eine armliche Goldader
ist nicht weit von den Bäumen bearbeitet worden.

Die grünen und braunen Schieferlettenschichten, welche die Bäume
enthalten, werden conform von stark verhärteten compacten weiszen
od. senhaltigen Tuffen bedeckt, welche nach oben in ein feinkörniges
purpurnes sedimentäres Gestein übergehen: diese Schichten, welche zu-
sammen eine Mächtigkeit von 400 bis 500 Fusz haben, liegen auf
einem dicken I          von submariner Lava, und werden conform von

einer andern groszen Masse von feinkörnigem Basalt23 bedeckt, welche
ich zu 1000 Fusz Mächtigkeit schätzte, und welche wahrscheinlich
n mehr als einem Strome gebildet worden ist. Oberhalb dieser
Masse konnte ich deutlich fünf conforme Abwechselungen unterscheiden,
jede mehrere hundert Fusz mächtig, von stratificirten sedimentären
Gesteinen und Laven, solche wie früher beschrieben worden sind. Sicher
sind die aufrecht stehenden Bäume unter einer Masse von mehreren
tausend Fusz Mächtigkeit, die sich unter dem Meere anhäufte, b
graben worden. Da die Bäume offenbar früher auf trockenem Lande
gewachsen sein müssen, welch' enormer Betrag von Senkung wird hier-
durch angedeutet! Wenn nicht die Bäume vorhanden wären, so fände
sich trotzdem kein Anzeichen, welches jemand auf die Vermuthung
gebracht hätte, dasz diese Schichten gesunken seien. Da das Land
überdies, auf welchem die Bäume wuchsen, aus Niederschlägen unter
Wasser gebildet wird, von nahezu wenn nicht völlig gleicher Mächtig-
st mit den darüberliegenden Schichten, und da diese Ablagerungen
regelmäszig geschichtet und feinkörnig sind, nicht wie die auf einen
«Strand heraufgeworfene Masse, so wird auch eine vorausgehende

" Dieses G a ist ganz schwur/ und schmilzt zu einer Schwarzen Perle,
welche v                    >rk angezogen wird; es bricht mit muscheligem Bruch; i

geschl en AugitkrjataUe sind mit bloszem Auge zn m (beiden, sind aber
ht vollkommen genug, um gemessen werden zu können; es Bnden sich auch
te Bpiöszige Krjetalle glasigen Feldapath

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CaP- 7-                         Durchschnitt der Cspallata-Kette.                            305

Bewegung nach aufwärts, ohne Zweifel durch die grosze Anhäufung
von Laven und Sediment unterstützt, hierdurch angedeutet24.

Nahezu in der Mitte des Höhenzugs finden sich einige Berge (Q)
die früher erwähnt wurden, welche aus einer Art von Granit, iiuszer-
lich dem Andesit ähnlich, gebildet werden; derselbe besteht aus einer
weiszen unvollkommen körnigen feldspathigen Basis, welche einige voll-
kommene Krvstalle, augenscheinlich von Albit (ich war aber nicht im
Stande, sie zu messen), viel schwarzen Glimmer, Epidot in Adern, und
sehr wenig oder keinen Quarz einschlieszt. Zahlreiche kleine Adern
verzweigen sich von diesem Gestein in die umgebenden Schichten;
und es ist eine eigentümliche Thatsache, dasz diese Adern, obschon
sie aus derselben Art von Feldspath und kleinen Glimmerschuppen,
wie in dem soliden Gestein, zusammengesetzt sind, reich an zahllosen
minutiösen abgerundeten Quarzkörnern sind: in den Adern oder
tJungen, welche von der groszen granitischen Axe in der Halbinsel
von Tres Montes sich abzweigen, beobachtete ich gleichfalls, dasz Quarz
in ihnen viel reichlicher sich fand, als in dem Hauptgestein; ich habe

24 Zuerst glaubte ich, die Schichten mit den Bäumen dürften in einem
angehäuft worden sein: die* Bcheint aber in hohem Grade unwahrscheinlich zu
sein; denn erstens wäre ein sehr tiefer See nöthig, um die Masse unter den Bäumen
aufzunehmen, dann müszte er für ihr Wachsthum entwässert worden, und später
wieder gebildet und sehr tief gemacht worden sein, so dasz er eine spätere An-
häufung von Masse in einer Mächtigkeit von mehreren tausend Fusz auf-
nehmen konnte. Und alles dies muszte nothwendigerweise vor der Bildung der
Uspallata-Kette stattgefunden haben, und daher am Rande der weiten ebenen
Ausdehnung der Pampa Ich komme daher zu dem Schlüsse, dasz es unendlich
viel wahrscheinlicher ist, dasz die Schichten unter dem Meere angehäuft wurden:
überdies konnte, wie ich meine, der ungeheuere Betrag von Denudation, welchen
dieser Höhenzug (nach Ausweis der weiten Thüler, des Umstandes, dasz d
Bäume exponirt wurden, und nach anderen Erscheinungen) erlitten hat, nur durch

lange andauernde Thätigkeit des Meeres bewirkt werden; und dies weisl dar-
auf hin. dasz dieser Höhenzug entweder von unter dem Meere her emporgehoben
oder später in dasselbe          ikt worden ist. Nach der natürlichen Art und VV

in welcher die Stümpfe (der Zahl nach zweiundfönizig) in einen Haufen grup-
pirt sind und nach dem Tjmstand«                e alle senkrecht auf den Schiel

stehen.                         f, noch über di        _dichkeit zu speculiren, dasz

vom benachbarten I                 hierher getriftet und            .-In begraben woi

seien: ich will indessen erwähnen, das/, der verstorbene Dr. Malcolrason mir
versichert hat, da         einmal im Indischen Ocean fünfzig Meilen vom Land

rere Cocos-Bäume senkrecht schwimmend sah. weil ihre Wurzeln mit Erde
schwert waren,

Im                                       XII, ]

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300                                     Schluszbemerkungen                                 Cap. 7.

von andern analogen Fällen gehört: können wir diese Thatsache durch
die lange andauernde Nachbarschaft des Quarzes25 während seiner Ab-
kühlung und dadurch erklären, dasz er in diesem Zustande leichter in
Spalten eingesogen wurde, als die andern constituirenden -Mineralien
des Granits? Die Schichten, welche die Seiten dieser granitischen
oder andesitischen Massen einschlieszen und eine dicke Kappe auf
einem ihrer Gipfel bilden, scheinen ursprünglich von der näm-
lichen tuffartigen Beschaffenheit gewesen zu sein, wie die bereits be-
schriebenen Schichten; sie sind aber jetzt in porzellanartige, jaspis-
artige und krystallinische Gesteine und in andere von einer weiszen
Färbung mit einer harschen Textur und von kieseligem Ansehen um-
gewandelt, obschon sie der Wirklichkeit nach von feldspathiger Be-
schaffenheit und schmelzbar sind. Sowohl die granitischen intrusiven
Massen als die einschlieszenden Schichten werden von zahllosen me-
tallischen Adern durchdrungen, die meisten eisenhaltig und Gold füh-
rend, aber einige Kupferkies und ein wenig Silber enthaltend: in der
Nähe der Adern sind die Gesteine geschwärzt, als wenn sie von Schiesz-
pulver gesprengt wären. Die Schichten sind nur uubedeutend dicht
rund um diese Hügel dislocirt, und hieraus könnte vielleicht geschlossen
werden, dasz die granitischen Massen nur die vorspringenden Tunkte
einer breiten continuirlichen Axenmasse bildeten, welche den oberen
Theilen dieses Höhenzugs ihre antiklinische Structur gegeben haben.

Schluszbemerkungen über die Uspallata-Kette. — Ich
will nicht versuchen, die totale Mächtigkeit der Masse von Schichten
zu schätzen, welche diesen Höhenzug bilden, sie musz aber viele tau-
send Fusz betragen. Die sedimentären und tutl'artigen Schichten haben
durchaus eine grosze Ähnlichkeit, obschon mit unendlichen Abände-
rungen. Die submarinen Laven im unteren Theile der Reihe sind meist
feldspathig, während sie im oberen Theile, am Gipfel und am west-
lichen Abhang, meist basaltisch sind. Wir werden hierdurch an die
relative Lage der trachytischen und basaltischen Laven in den meisten
neuern vulcanischen Districten erinnert, — die letzteren sind wegen
ihres gröszeren Gewichtes auf ein niedrigeres Niveau in der Erdkruste
gesunken und sind in Folge dessen in einer Röteren Periode über die

» s. einen Aufsatz von Elie de Beaumont in: i>oc. Philomath., May,
1839 (L'Institut, 1839, p. 161).

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Cap. 7.                              über die Üspallata-Kette.                                 307

leichteren und oberen Laven der trachytischen Reihe ausgeworfen
worden26. Sowohl die basaltischen als feldspathigen submarinen Ströme
sind sehr compact; keine sind blasig, und nur einige wenige amyg-
daloid. Die Wirkungen, welche einige von ihnen, besonders diejenigen
tief in der Reihe, auf die tuffartigen Schichten, über welche sie ge-
flossen sind, hervorgebracht haben, sind in hohem Grade merkwürdig.
Unabhängig von dieser localen metamorphischen Wirkung bieten sämmt-
liche Schichten zweifellos einen verhärteten und umgewandelten Cha-
racter dar; und alle die Gesteine dieses Höhenzugs, — die Laven, die
abwechselnden Sedimentschichten, die intrusivcn Granite und Porphyre
und der unterteufende Thonschiefer, — werden von Metall führenden
Adern durchsetzt. Man sieht oft die Lavaschichten sich auf grosze
Entfernungen hin erstrecken, conform mit den darunter- und darüber-
liegenden Schichten, und es war augenfällig, dasz sie sich nach Westen
zu verdickten. Es müssen daher die Eruptionspunkte nach Westen
von dem jetzigen Höhenzug in der Richtung der Hauptcordillera ge-
legen haben: da indessen die Abhiinge der Cordillera gänzlich aus
verschiedenen Porphyren, hauptsächlich Thonstein und Grünstein,
einige intnisiv und andere zu der porphyritischen Conglomerat-For-
mation gehörig, aber alle jenen submarinen Lavaströmen vollständig
ungleich, zusammengesetzt sind, so müssen wir aller Wahrscheinlich-

nach die Ebene von Uspallata als den Sitz der jetzt tief begrabe-
nen Eruptionspunkte betrachten.

Vergleichen wir unseren Durchschnitt der Üspallata-Kette mit dem
des Cumbre, so sehen wir, mit Ausnahme des unterteufenden Thon-
schiefers und vielleicht der intrusiven Gesteine der Axen, eine auf-
fallende Unühnlichkeit in den dieselben zusammensetzenden Schichten.
Die grosze porphyritische Conglomerat-Formation hat sich nicht bis
zu diesem Höhenzuge erstreckt, auch haben wir hier keine von den
Gypsschichten, keine Dolomite und andere Kalksteine, rothe Sand-
ne, kieselige Schichten mit Quarzrollsteinen, und vergleichsweise
wenige Conglomerate, welche sämmtlich über die basale Reihe in der
Hauptcordillera hin so ungeheuere Massen bilden. Andererseits finden
wir in «1er Cordillera nicht jene endlosen Varietäten verhärteter Tülle
mit ihren zahlreichen Adern und concretionärer Anordnung, und jene

2*                   u Gegenstand das sechste Capitel meiner Schrift über die Vul-

caniachen Inseln.

20 *

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308                                    Schtassbemerknng                                    Cap. 7.

Sandsteine und Schieferletten und eigentümlichen halb porzellanartigen
Steine, die in der üspallata-Kette so reichlich vorhanden sind. Auch
die submarinen Laven sind beträchtlich verschieden; die feldspathigen
Ströme der Cordillera enthalten viel Glimmer, welcher in denen der
Cspallata-Kette fehlt: in diesem letzteren Höhenzug haben wir ge-
sehen, in welch' groszartigem Maszstabe basaltische Lava ausgeflossen
ist, von welcher sich in der Cordillera nicht eine Spur findet. Diese
Unähnlichkeit ist um so auffallender, wenn man bedenkt, dasz diese
zwei parallelen Ketten von einer Kbene getrennt werden, welche nur
zwischen zehn und fünfzehn Meilen breit ist, und dasz die Uspallata-
Laven ebenso wie ohne Zweifel die abwechselnden Tnffschichten von
Westen her gekommen sind, von augenscheinlich zwischen den zwei
Höhenzügen gelegenen Punkten. Uns vorzustellen, dasz diese zwei
Schichtenmassen gleichzeitig in zwei benachbarten sehr tiefen submari-
nen Gebieten, welche von einander durch einen hohen Gebirgszug ge-
trennt wurden, wo sich jetzt die Ebene erstreckt, abgelagert worden
waren, würde eine unhaltbare Hypothese sein; and wiiren sie ohne
einen solchen scheidenden Kücken gleichzeitig abgelagert worden, so
würde sicher etwas von der Gypsmasse und anderen sedimentären
Massen, welche so ungeheuer dicke Massen in der Cordillera bilden,
sich 'liese kurze Strecke weit nach Osten ausgedehnt haben; sicher
würden sieh auch einige von den rspallata-Turten und Basalten, die
in einer so bedeutenden Mächtigkeit angehäuft sind, ein wenig nach
Westen erstreckt haben, [ch schliesze daher, dasz es weit wahrschein-
licher ist. dasz diese zwei Reihen nicht gleichzeitig sind, sondern da
die Schichten der einen Kette abgelagert wurden und die Kette selbst
ehoben wurde vor der Bildung der andern: — welche Kette
ist nun die älteste? Bedenkt man, dasz in der Uspallata-Kette die
tiefsten Schichten auf dem westliehen Abhänge und conform auf «lern
Thonschiefer liegen, wie es wahrscheinlich mit denjenigen am östlichen
Abhänge der Fall ist, wahrend in der Cordillera alle darüberliegenden

hichten conform auf dieser Formation liegen: — bedenkt man, ds
in der DspallatarKette einige von den Schichten sowohl tief unten als
hoch oben in der Reihe mit Pflanzeneindrficken gezeichnet sind, w<
die fortdauernde Existenz benachbarten Landes andeuten: — bedenkt
man die ?rosze allgemeine Ähnlichkeit zwischen den Ablagerungen
dieser Kette und denjenigen tertiären Ursprunges an mehreren Stellen
des Continentes: — und endlich zieht man selbst die geriiu Hohe

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Cap. 7.                              über die Uspallata-Kette.                                309

und die abliegende Stellung der Uspallata-Kette in Betracht, — so
komme ich zu dem Schlusz, dasz die dieselbe zusammensetzenden
Schichten aller Wahrscheinlichkeit nach von späterem Ursprünge sind,
und dasz sie in einer Periode angehäuft wurden, als ein tiefes mit sub-
marinen Vulcanen besetztes Meer die östliche Basis der bereits zum
Theil erhobenen Cordillera umspülte.

Diese Scbluszfolgerung ist von groszer Bedeutung, denn wir haben
gesehen, da*z in der Cordillera während der Ablagerung der Xeocom-
scbichten der Meeresboden viele tausend Fusz gesuuken sein nmsz:
wir leinen jetzt, dasz in einer späteren Periode ein benachbarter Be-
zirk zuerst eine grosze Anhäufung von Schichten erhielt und zur Bil-
dung von Land emporgehoben wurde, auf welchem Coniferenbäume
wuchsen, und dasz dieser Bezirk dann mehrere tausend Fusz sank, um
die darüberliegenden submarinen Schichten zu erhalten, welche später
durchbrochen, denudirt und in Masse auf ihre gegenwärtige Höhe
emporgehoben wurden. In dieser Folgerung, dasz es zwei verschiedene
grosze Senkungsperioden gegeben hat, werde ich noch dadurch bestärkt,
dasz ich die dicke Masse groben geschichteten Conglomerates im Thale
von Tenuvan zwischen den Peuquenes- und Portillo-Zügen betrachte;
denn die Anhäufung dieser .Masse scheint mir, wie früher bemeri
beinahe nothwendig eine fortdauernde Senkung erfordert zu haben, und
diese Senkung musz, wie wir nach der Thatsacbe, dasz die Rollsteine
in dem CVmlomerat zum groszen Theile aus den Gyps- oder Neocom-
schicht'en der Peuquenes-Linie herrühren, wissen, von jener Senkungs-
bewegung vollständig verschieden gewesen und ihr gefolgt sein, welche
wahrscheinlich die Ablagerung der Peuquenes-Schichten begleitete, und
welche sicher die Ablagerung der äquivalenten Schichten in der Nähe
des Puente del Inca in dieser Durchschnittslinie begleitet hat.

Die Uspallata-Kette entspricht in der geographischen Lage, ob-
schon im kleinen Maszstabe, der Portillo-Linie; und ihre Thonschiefer-
Formation ist wahrscheinlich das Äquivalent des Glimmerschiefers des
Portillo, dort durch die alten weiszen Granite und Syenite metamor-
phosirt. Die gefärbten Schichten unter dem Conglomerat im Thale
von Tenuyan, von welchen Spuren auf dem Kamme des Portillo zu
sehen sind, und das Conglomerat selbst dürften vielleicht mit den tuff-
artigen Schichten und submarinen Laven der Uspallata-Kette synchro-
nisch sein; ein offenes Meer und vulcanische Thätikeit im letzteren
Falle, und ein enger Canal zwischen zwei aneinander stoszenden Ketten

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310                                    Die Ospallata-Kette.                                Cap. 7.

von Inselchen im letzteren Falle wird hinreichend sein, die minera-
logische Unähnlichkeit der zwei Reihen zu erklären. Nach die-
riiereinstimmung zwischen der Uspallata- und Portillo-Kette, vielleicht
im Alter und sicher in geographischer Lage, wird man versucht sein,
den einen Höhenzug als die Verlängerung des andern zu bi liten;
ihre Axen werden aber von gänzlich verschiedenen intrusiven Gesteinen
gebildet; und wir haben die anscheinende Fortsetzung des rothen
Granits des Portillo in die rothen in die Hauptcordillera sieh ver-
zweigenden Porphyre verfolgt. Ob die Axe der Uspallata-Kette vor.
oder wie es vielleicht wahrscheinlicher ist, nach der Portillo - Linie
injicirt wurde, will ich nicht zu entscheiden wagen; aber es dürfte gut
sein, sich daran zu erinnern, dasz die stark geneigten Lavaströme am
östlichen Abhänge der Portillo-Linie beweisen, dasz ihre winkelige Er-
hebung nicht ein einzelnes und plötzliches Ereignis gewesen ist, und
dasz daher die antiklinische Erhebung der Uspallata-Kette gleich-
itig mit einigen der späteren Winkelbewegungen gewesen sein konnte,
durch welche die gigantische Portillo-Kette ihre gegenwärtige Höhe
über der benachbarten Ebene erlangt hat.

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Achtes Capitel.

Nordliches Chile. — Scblusz.

Durchschnitt von Illapel nach Combarbala; Gypsformation mit verkieseltern Holz.

—  Panuncillo. — Coquimbo; Bergwerke von Arqaeros; Durchschnitt das Thal
hinauf; Fossile. — Fossile von Guasco. — Durchschnitt im Thale von Copiapo
hinauf; Las Amolaiu>-, verkieseltes Holz, Conglomerate, Beschaffenheit
früheren Landes, Fossile, Mächtigkeit der Schichten, grosze Senkung. — Thal
des Despoblado, Fossile, tuffartige Ablagerungen, complicirte Dislocationen der-
selben. — Beziehungen /wischen alten Eruptionsöffnungen und               In-
jectii'iisaxen. — Iquique, Peru, Fossile der Salzlager. — Metallfiihronde Adern. —
Zusammenfassung über rphy ritische Conglomerat- und die Gypsformationen.

—  Grosze Senkung mit theilweisen Erhebungen wahrend der cretaceo-oolithi-
schen Periode. — Über die Erhebung und Structur der Cordillera. — Recapi-
tulation über die tertiäre Reihe. — Beziehungen zwischen Senkungsbewegungen
und vulcanischer Thatigkeit. — Pampas-Formation. — Neuer.- IL-bungs-
bewegungen. — Lange fortdauernde vulcanische Thatigkeit in der Cordillera.

—  Schlu

Von Valparaiso nach Coquimbo. — Ich habe bereits die
allgemeine Beschaffenheit der Gesteine in dem Tieflande nördlich von
Valparaiso beschrieben, welche aus Graniten, Syeniten, Grünstem und
umgewandeltem feldspathige« Thonschiefer bestehen. In der Nähe von
[UÜnbo findet sich viel Hornblendegestein und verschiedene trüb ge-
färbte Porphyre, loh will nur einen Durchschnitt in diesem District
beschreiben, nämlich von der Nähe von Illapel in einer nordöstlichen
Linie nach den Bergwerken von Los Hornos und von da in einer
nord-bei-östlichen Richtung nach Combarbala am Fusze der Haupt-

Cordillera.

In der Nähe von Illapel kommen wir, nachdem wir eine Strecke

t über Granit, Andesit und andesitisehcn Porphyr gegangen sind.

zu grünlichem, geschichtetem feldspathigen G in, welches, wie ich

glaube, umgewandelter Thonschiefer ist und conform von Porphyren

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312                                      Durchschnitt von                                  Cap. 8.

und porphyritischen Conglomerat von groszer Mächtigkeit bedeckt wird,
welches letztere unter einem mittleren Winkel von 20° nach Nordost
bei Nord einfallt. Die obersten Schichten bestehen aus Conglomeraten
un«l nur wenig metamorphosirtem Sandstein und sind conform von
einer Gypsformation von sehr groszer Mächtigkeit, aber sehr stark
denudirt, bedeckt. Diese Gypsformation liegt, wo sie zuerst angetroffen
wird, in einem breiten Thale oder Becken ein wenig nach Süden von
den Bergwerken von Los Hornos: die untere Hälfte allein enthält
ßyps, nicht in groszen -Massen wie in der Cordillera, sondern in un-
zähligen dünnen Schichten, selten mehr als einen oder zwei Zoll
g. Der Gyps ist entweder opak oder durchscheinend, und mit
kohlensaurem Kalk vergesellschaftet. Die Schichten wechseln mit
zahlreichen variirenden Lagen eines kalkigen Thonschiefers ab (mit

irk tbonigem Geruch, der Zunge anhängend, leicht in ein blaszgrünes
Glas schmelzend) mehr oder weniger verhaltet, entweder erdig und
rahmfarbig oder grünlich und hart. Die stärker verhärteten Varietäten
haben einen compacten homogenen, beinahe kristallinischen Bruch, und
enthalten Körnchen von krystallisirtem Eisenoxyd* Einige von den
Varietäten sind beinahe Wetzstein ähnlich. Es findet sich auch ein

iiig schwarzer, kaum schmelzbarer kieselig-kalkiger Thonschiefi
einigen von den Varietäten ähnlich, welche am Peuquenes-Zug mit
dem Gyps abwechseln.

Die obere Hälfte dieser Gypsformation wird hauptsächlich aus dem
nämlichen kalkigen Thonschiefergestein gebildet, aber ohne irgend
welchen Gyps und in der Beschaffenheit äuszerst variirend: es geht
auf lern weichen, groben erdigen eisenhaltigen Zustande mit Ein-
Bohlusz von Quarzstückchen in compacte Thonsteine mit krystallisirtem
Ei         yd, in porzellanartige Lager, die mit Säumen von kalkiger

Substanz abwechseln, und in grünen Porzellanjaspis über, der äuszerst
hart, aber leicht schmelzbar ist. Schichten von dieser Beschaffenheit
wechseln mit vielem schwarzen und braunen kieselig-kalkigen Schiefer
ab, der wegen der wunderbaren Zahl ungeheuer gr«         darin eingehet;

ter Klotze von verkieseltem Holz merkwürdig ist. Dieses Holz ist
nach der Angabe von lf. Brown (nach der Beurtheilung mehrerer Stücke)

immtlich von Coniferen. Einige von den Schichten des schwarzen
kieseligen Schiefers enthielten anregelmäszige eckige Fragmente von
unvollkommenem Pechstein, welche wie in dem Uspallata-Höhenzug ur-
sprünglich in einem metamorphischen Procesz meiner Meinung nach

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Cap. 8.                              Illapel nach Los Homos.                                gig

entstanden sind. Es fand sich eine Schicht von einer mergeligen tuft-
artigen Beschaffenheit, und von geringem specifischen Gewicht. Adern
von Achat und Kalkspath sind zahlreich. Diese Gypsformation und
besonders die obere Hälfte ist von zahlreichen Hügeln intrusiver Por-
phyre, die in einer auszerordentlichen Art und Weise zusammengedrängt
sind, iujicirt, metamorphosirt und local verdreht worden. Diese Hügel
bestehen aus purpurnem Thonstein und verschiedenen andern Porphyren
und aus vielem feldspathigen Grünstein, der in Andesit übergeht: diese
letztere Varietät enthielt in einem Falle Krystalle von orthitischem
und albitisehem Feldspath, die einander berührten, und andere von
Hornblende, Chlorit und Kpidot. Die diese intrusiven Hügel bei den
Bergwerken von Los Homos umgebenden Schichten werden von vielen
Allein von Kupferkies, welcher mit vielem glimmerhaltigen Eisenerz
vergesellschaftet sind, und von einigen Goldadern durchsetzt: in di
Nachbarschaft dieser Adern sind die Gesteine geschwärzt und bedeutend
verändert. Der Gyps ist in der Nahe der intrusiven "Massen immer
opak. Einer dieser Hügel von Porphyr war von etwas geschichtetem
porpln ritischen Conglomerat bedeckt, welches von unten herauf ge-
bracht worden sein musz, durch die ganze ungeheuere Mächtigkeit der
darüberliegenden Gypsformation. Die unteren Schichten der Gyps-
formation sind den entsprechenden und wahrscheinlich gleichalterigen
Schichten der Haupt-Cordillera ähnlich, während die oberen Schichten
in mehreren Beziehungen denen der Uspallata-Kette ähnlich sind und
möglicher Weise mit ihnen gleichalterig sein dürften; denn ich habe
zu zeigen versucht, dasz die Uspallata-Scbichten später als die Gyps-
oder Neocomformationen der Cordillera angehäuft wurden.

Dieser Haufen von Schichten fällt unter einem Winkel von ungefähr
20° nach Nordost bei Nord ein, dicht hinauf bis zum Fusze derCuesta
de los Homos, einem vielfach gebogenen Zuge von Bergen, welche ai
intrusiven Gesteinen derselben Beschaffenheit wie die oben beschrie-
ben Hügel gebildet sind. Nur an einem oder zwei Orten bemerkte
ich auf dieser südöstlichen Seite des Höhenzugs einen schmalen Saum
der oberen Gypsschichten aufgerichtet und nach Südosten von ihm
einfallend. Auf seinem nordöstlichen Abhänge und gleichfalls an einigen
wenigen Gipfeln ist das geschichtete porphyritische Conglomerat nord-
östlich geneigt: so dasz, wenn wir den sehr schmalen antiklinischen
Saum von Gypsschichten an seinem südöstlichen Fusze vernachlässigen,
dieser Höhenzug eine zweite monoklinische Erhebungsaie bildet. Beim

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314                               Kupferminen von Panuncillo.                           Cap. 8.

Portschreiten in einer nördlich-bei-östlichen Richtung bis zu dem Dorfe
Combaibala kommen wir zu einer dritten Böschung des porphyritischen
Conglomerates, welches ostwärts einfallt und den äuszeren Zug der
Haupt-Cordillera bildet. Die untern Schichten waren hier mehr jaspis-
artig als gewöhnlich, und sie umschlossen einige weisze quarzige
Schichten und rothe Sandsteine, welche mit purpurnem Thonstein-
porphyr aluvechselten. Höher oben in der Cordillera erschienen sie
wie ein Zug andesitischer Gesteine und über sie hinaus fand sich eine
vierte 1 ung des porphyritischen Conglomerates, welches wiederum
nach Osten oder nach innen einfiel. I >ie dar überliegend < n Gyps-
schichten sind, wenn sie jemals hier eiistirten, gänzlich fortgeschafft
worden.

Kupferminen von Panuncillo. — Von Combarbala nach
Coquimbo überschritt ich das Land in einer Zickzackrichtung, über-
schritt wiederholt bin und her das porphyritische Conglomerat und
fand in den granitischen Distritten eine ungewöhnliche Anzahl von
Gebirgsmassen, die aus verschiedenen intensiven porphyritischen Ge-
steinen, riele von ihnen andesitisch, zusammengesetzt waren. Eine
hantige Varietät war grünlich schwarz, mit groszen Krystallen von
schwärzlichem Albit. Bei Panuncillo verdient ein kurzer von Nord-
nordwest nach Südsüdost ziehender Hucken mit einem aus Grünstein
und aus schieferfarbigem Porphyr, welcher Krystalle von glasigem Feld-
spath enthalt, gebildeten Kerne Beachtung wegen der sehr eigen-
thümlichen Beschaffenheit der beinahe senkrechten denselben bildenden
hten. I'iese bestehen hauptsächlich aus einer feiner-oder gröber-
körnigen Mischung, und /war nicht sehr compact, von weiszem kohlen-
sauren Kalk, von Bisenoxydul und von gelblichen Granaten (nach der
Ermittelung von Prof. Miller), wobei jedes Korn einen beinahe voll-
kommenen Krystall bildet. Kinige der Varietäten bestehen ausschliesz-
lich aus Körnchen des Kalkspathes, und einige enthalten Körner von
Kupfererz und, wie ich glaube, von Quarz. Diese Schichten wechseln
mit einem blaulichen, compacten, schmelzbaren feldspathigen Gestein
ab. Ein roszer Theil der obigen körnigen Mischung hat auch eine
eudobreccienartige Structur, es sind liier Fragmente undeutlich in
Ebenen angeordnet, welche den Schichtungsebenon parallel liegen und an
den verwitterten Oberflächen deutlieh sichtbar sind. Die Fragmente sind
eckig oder abgerundet, grosz oder klein, und bestehen aus bläulicher

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Cap. 8.                                 Co'iaimbo, Arqueros.                                   3];,

oder röthlieher compacter feldspathiger Ilasse, in welcher zuweilen
einige wenige nadelt«.nnige Feldspathkn'stalle zu sehen sind. Die Frag-
mente verschmelzen häufig an ihren Rändern mit der umgehenden
fcnrnigen Masse und scheinen Folge einer Art von concretionärer Thätig-
keit zu sein.

Diese eigenthümlichen Gesteine werden von vielen Kupferadern
durchsetzt und scheinen conform auf einer körnigen Mischung (stellen-
weise so feinkörnig wie ein Sandstein) von Quarz, Glimmer, Hornblende
und Feldspath zu liegen, und diese wiederum auf feinkörnigem gewöhn-
lichen Gneisz, und dieser auf einer blätterigen aus röthlichem orthi-
tischem Feldspath zusammengesetzten, einige wenige Flecke von Horn-
blende enthaltenden Masse, und diese endlich wiederum auf Granit,
welcher zusammen mit andeaitischen Gesteinen den umgebenden District
bildet.

Coquimbo: Berg w e rkdistr ict von Arqueros. — Bei
Coquirabo tritt die porph\ ritische Conglomeratformation naher an den
Stillen Ocean heran, als in irgend einem andern von mir besuchten
Theile von Chile, indem sie von der Küste durch einen Strich
nur wenig Meilen Breite von den gewöhnlichen plutonischen Gesteins-
arten mit Hinzufügung eines Porphyrs, der eine rot!                he llasis
hat, getrennt wird. Beim Weitergehen nach den Bergwerken von
Arqueros sind die Schichten des porphyritischen Conglomeratea zuerst
nahezu horizontal, was ein ungewöhnlicher ün td ist, und spater
lallen sie sanft nach Südsüdost. Nachdem wir in eine beträchtliche
Höhe gestiegen sind, kommen wir zu einem wellenförmigen I>istrict,
in welchem die berühmten Silberminen gelegen sind: meine Unter-
suchung war hauptsächlich auf die von S. Rosa beschränkt. Die
meisten Gesteine in diesem District sind geschichtet, fallen in ver-
schiedenen Richtungen ein, und viele von ihnen sind von einer so eigen-
thümlichen Beschaffenheit, dasz ich auf die Gefahr hin, langweilig zu
den, sie kurz beschreiben musz. Die gewöhnlichste Varietät ist
ein trübrother, compacter, fein zertrümerter Stein, welcher viel Ei
und unzählige weisze krystallisirte Stückchen von kohlensaurem Kalk
und minutiöse fremdartige Fragmente enthält. Eine andere Varietät
ist beinahe gleich häufig in der Nähe von S. Rosa; sie hat eine hell-
grüne spärliche 'inmdsubstanz, welche deutliche Krystalle und Flecke
vonweiszem kohlensauren Kalk und Körner von rothem halbglimmerigen

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;>1,;                                    Coquimbo, Ar<iueros.                                 Cap. 8.

Eisenoiyd einschlosz: stellenweise wird die Gruiidsubstanz dunkelgrün,
nimmt eine undeutlich kristallinische Anordnung an, und gelegentlich
wird sie stellenweise weich und wie Seifenstein leicht durchscheinend.
J»iese rothen und grünen Gesteine sind häufig ganz distinct und gehen
häufig ineinander über; der Übergang wird zuweilen durch eine fein-
breccienartige Structur bewirkt, in welcher Stückchen der rothen und
grünen Masse durcheinander gemischt sind. Einige von den Varietäten
werden augenscheinlich allmählich porphyritisch mit Feldspath, und
sie sind sämmtlich leicht schmelzbar zu blassen oder dunkel gefärbten
Perlen, welche vom Magnet stark angezogen werden. Ich würde viel-
leicht mehrere von diesen geschichteten Westeinen irrthümlich für sub-
marine Laven, wie einige von den von dem Puente del Inca beschri
beneu, gehalten haben, hätte ich nicht einige Stunden nach Osten von
diesem Punkte eine schöne Reihe analoger, aber weniger metamorpho-
sirter sedimentärer Schichten untersucht, welche zur Gypsformation
gehören und wahrscheinlich aus einer vulcanischen Quelle herrühren.
Diese Formation wird von zahlreichen Metall führenden Adern
durchsetzt, welche wenn schon unregelmiiszig von Nordwest nach Süd-
ost laufen und im Allgemeinen in rechten Winkeln zu den zahlreichen
Gängen stehen. Die Adern bestehen aus gediegenem Silber, aus Chlor-
silber, einem Amalgam von Silber, Kobalt, Antimon und Arsenik1,
meist in schwefelsaurem Baryt eingebettet. Mr. Lambert hat mir
versichert, dasz gediegenes Kupfer ohne eine Spur von Silber in der-
selben Ader mit gediegenem Silber ohne eine Spur von Kupfer ge-
funden worden ist. In den Minen von Aristeas sagt man, dasz die
Silberminen unproduetiv sind, sobald sie in die grünen Schichten ein-
treten, während bei S. Rosa, welches nur zwei oder drei Meilen davon
entfernt ist, das Umgekehrte eintritt; und zur Zeit meines Besuches
leiteten die Bergleute durch eine rothe Schicht in der Hoffnung,
dasz die Ader in der darunterliegenden grünen sedimentären Masse
produetiv werde. Ich habe ein Handstück von einem dieser grünen
Gesteine mit den gewöhnlichen Körnchen von weiszem Kalkspath und
rothem Bisenoxyd, welches an durch die Masse verstreuten Stück-
chen glänzenden gediegenen Silbers und Chlorsilbers auszerordentlich
reich ist und doch in der Entfernung von einem Yard von irgend einer

1 s. den Bericht über Domcyko's Schilderung dieser Minen in denComi
Rendus. T. XIV, p. 560,

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Cap. 8.

Durchschnitt im Thal hinauf.

317

Ader hergenommen ist, . ein Umstand von sehr seltenem Vorkommen,
wie man mir versicherte.

Durchschnitt nach Osten, das Thal von Coquimbo
hinauf. — Nach Überschreiten der granitischen Reihe an der Küste
für einige wenige Meilen kommen wir zu dem porphyritischen Con-
glomerat mit seinen gewöhnlichen Merkmalen und wo einige von den
Schichten deutlich ihren mechanischen Ursprung darbieten. Die Schich-
ten sind wo man sie zuerst trifft, wie früher angegeben, nur unbedeutend
geneigt; aber in der Nähe der Hacienda von Pluclaro kommen wir
zu einer antiklinischen Axe, wo die Schichten stark dislocirt und durch
eine grosze Verwerfung verschoben sind, von welcher in dem Umrisz
des Hügels nicht eine Spur iiuszerlich zu sehen ist. Ich glaube, d
diese antiklinische Axe nach Norden zu bis in den District von Arqueros
verfolgt werden kann, wo ein in die Augen fallender Hügel, genannt
Cerro Blanco, der aus einem harschen, rahmfarbigen, euritischen Ge-
stein gebildet ist, welches einige wenige Xr\ stalle von röthlichem Feld-
th enthalt und mit etwas purpurnem Thonsteinporphvr verbunden
ist, auf eine Erhebungslinie zu fallen scheint. Beim Herabsteigen von
dem District von Arqueros überschritt ich auf der nördlichen Grenze
des Thaies Schichten, welche nach Osten von der Pluclaro-Axe geneigt
waren: auf dem porphyritischen Conglomerat lag deutlich eine einige
hundert Fusz mächtige Masse von braunem, thonigen Kalk, zum Theil
krystallinisch und zum Theil beinahe ganz aus Hippurües cküeiuris
d'Obb. zusammengesetzt: über dieser kam ein schwarzer kalkiger
Schiefer, und auf diesen ein rothes Conglomerat. In dem braunen
Kalkstein mit den Hippurites fand sich ein Eindruckeines Peden und
einer Koralle und in groszer Zahl eine grosze Gryphaea, sehr ähnlich
und nach der Angabe von Prof. E. Forbes wahrscheinlich identisch
mit der G. i            \$ Forbes Mspt., einer Si ; aus der Kreide

(wahrscheinlich oberer Grünsand) von Verdachellum in Süd-Indien,
Diese Fossilien scheinen nahezu dieselbe Stellung wie die am Puente
del Inca einzunehmen, nämlich auf dem Gipfel des porphyritischen

Conglomerats und am Fusze der Gypsformation.

Ein wenig oberhalb der Hacienda von Pluclaro machte ich einen
Umweg auf die nördliche Seite des Thaies, um die darüberliegenden
Gypsschichlen zu untersuchen, welche ich zu 6000 Fusz Mächtigkeit
schätzte. Die obersten Schichten des porphyritischen Conglomi

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318                                           Coquimbo;                                       Cap. 8.

auf welchen die Gypsschichten conform ruhen, sind verschieden ge-
färbt, wobei eine sehr eigenthümliche und schöne Schicht ans purpurnen
Kollsteinen verschiedener Porphyrarten zusammengesetzt ist, welche
in weiszem Kalkspath liegen und Höhlungen einschlieszen, die mit
hellgrünem kvystallisirten Epidot ausgekleidet sind. Die ganze zu
beiden Formationen gehörige Schichtenmasse ist augenscheinlich von
der oben erwähnten Axe von Pluclaro aus unter einem Winkel von
zwischen 20 und 30 Grad nach Osten geneigt. Ich will hier einen Durch-
schnitt der hauptsächlichen Schichten geben, welche bei einem Über-
schreiten der ganzen Mächtigkeit der Gypsschichten angetroffen wurden.

Erstens: über der porphyritischen Conglomeratformation findet
sich ein feinkörniger rother kristallinischer Sandstein.

Zweitens: eine dicke Masse eines glattkörnigen kalkigen aluminösen
schieferigen Gesteins, häufig mit dendritischem Mangan gezeichnet, und
wo es am compactesten ist. das äussere Ansehen von Wetzstein dar-
bietend. Es ist leicht schmelzbar. .Ich werde künftig der Bequemlich-
keit halber diese Varietät. Fseudowetzstein nennen. Einig □ den
Varietäten sind, wenn sie frisch gebrochen sind, völlig schwarz, ver-
wittern aber sämmtlich zu einer gelblichen aschenfarbigen weichen
erdigen Substanz, genau so, wie es mit den compacten schieferigen
i.esteinen des Peuquenes-Zuges der Fall ist. Diese Schicht ist von
derselben allgemeinen Beschaffenheit wie viele von den Schichten in
der Nähe von Los Homos in dem Dlapel-Durchschnitt In dieser
zweiten Schicht oder in dem darunterliegenden rothen Sandstein (denn
die Oberfläche war zum Theil von Detritus bedeckt) fand sich eine
dicke Gypsmasse, welche dieselben mineralogischen Charactere wie die
groszen in unseren Durchschnitten quer durch die Cordillera beschrie-
benen Schichten darbot.

Drittens: eine dicke Schicht vou feinkörniger rother sedimentärer,
leicht in ein weiszes Glas wie die Grundsubstanz von Thonsteinporphyr
schmelzender Müsse; stellenweise war sie jaspisartig, an anderen Stellen
breccienartig mit Einschlusz von kristallinischen Stellen von kohlen-
saurem Kalk. In einigen der jaspisartigen Lager und in einigen der
schwarzen kieseligen schieferigen Streifen fanden sich unregelmäszige
Säume von unvollkommenem Pechstein, unzweifelhaft von metamorphi-
schem Ursprung und andere Säume von braunem kristallinischen Kalk-
stein. Auch hier fanden sich Massen, welche, äuszerlich schlecht er-
halten, verkieseltem Holz ähnlich waren.

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Cap. 8.                           Durchschnitt das Thal hinauf.                                \\Q

Viertens und fünftens: kalkiger Pseudowetzstein; und eine dicke
von Detritus verborgene Schicht.

Sechstens: dünn geschichtete Hasse eines hellgrünen compacl
glattkörnigen kalkigen thonigen Gesteins, leicht schmelzbar und einen
stark thonigen Geruch aushauchend: das Ganze hat eine im hohen
Grade eckige concretionäre Structur und es ist in gewisser Ausdehnung
einigen der oberen tuftartigen infusorienhaltigen Ablagerungen der
patagonischen Tertiärformation ähnlich; es ist in seiner Natur unserem
Pseudowetzstein verwandt, und umschlieszt gut characterisirte Schich-
ten dieser Varietät, ferner andere Schichten einer blaszgrünen härteren
und brecciirten Varietät, und andere von rother sedimentärer Substanz,
gleich der der Schicht N°. 3. Einige Rollsteine von Porphyrarten
sind in dem oberen Theile eingeschlossen.

Siebentens: rothe sedimentäre Masse oder Sandstein gleich dem
von Schicht 1, mehrere hundert Pusz mächtig und jaspisartige Schich-
ten häufig von einer fein zertrümerten Structur enthaltend.

Achtens: weiszer, stark verhärteter beinahe krystallinischer Tuft",
mehrere hundert Fusz mächtig, abgerundete Körner von Quarz und
Stückchen von grüner Substanz wie die von Schicht 6 enthaltend, geht
stellenweise in ein sehr blaszgrünes halb-porzellanartiges Gestein über.

Neuntens: rothes oder braunes grobes Conglomerat, 300—400Fusz
mächtig, hauptsächlich aus Porphyrrollsteinen mit vulcanischen Stück-
chen in einer sandartigen, nicht kalkigen schmelzbaren Grundsubstanz
gebildet: die oberen zwei Fusz sind sandig, ohne irgend welche Koll-
steine.

Zehntens: die letzte und oberste Schicht, die hier dargeboten wird,
ist ein compacter schieferfarbiger Porphyr mit zahlreichen länglichen
Krystallen von glasigem Feldspatb, von 150—200 Fusz Mächtigkeit. Sie
liegt im strengen Sinne conform auf dem darunterliegenden Conglomerat
und ist zweifellos eine submarine Lava.

Diese grosze Schichtenmasse ist an mehreren Stellen durch intrusive
Hügel von purpurnem Thonsteinporphyr und von Gängen porphyritischen
Grünsteins aufgebrochen worden: es wird angegeben, dasz einige wenige
ärmliche -Metall führende Adern hier entdeckt worden sind. Nach der
schmelzbaren Beschaffenheit und dem allgemeinen Ansehen der fein-
körnigen Schichten verdanken sie ihren Ursprung wahrscheinlich (gleich
den verwandten Schichten des TJspallata-Zugs und der oberen pata-
gonischen Tertiärformation) sanften vulcanischen Ausbrüchen und dem

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;>2o                                           Coijuimbo;                                       Cap. 8-

Abtragen vulcanischer Gesteinsarten. Bei der Yergleichung dieser
Schichten mit denjenigen in den Minendistricten von Arqueros sehen
wir an beiden Orten leicht schmelzbare Gesteinsarten der nämlichen
eigenthürnlichen hellgrünen und rothen Färbungen, welche kalkige Sub-
stanz enthalten, häufig eine feine breccienartige Structur besitzen,
häufig ineinander übergehen und oft miteinander abwechseln: ich kann
daher nicht daran zweifeln, dasz der einzige Unterschied zwischen ihnen
darin liegt, dasz die Schichten bei Arqueros stärker metamorphosirt
worden sind (in Übereinstimmung mit ihrem stärker dislocirten und
injicirten Zustande), und dasz in Folge dessen die kalkige Substanz
das Eisenoxyd und die grünfärbenden Massen in einer mehr kristallini-
schen Form ausgeschieden worden sind.

Die Schichten sind wie vorher angegeben von zwanzig bis dreiszig
Grad nach Osten geneigt, nach einem unregelmäszig von Nord nach
Süd ziehenden Strich von andesitischem Porphyr und von porphyriti-
schem Grünstein zu, wo sie plötzlich abgeschnitten sind. In dem
Thale von Coquimbo in der Nähe der H. von Gualliguaca werden ähn-
liche plutonische Gesteine angetroffen, augenscheinlich eine südliche

irlängerung der obigen Kette; und nach Osten davon haben wir eine
Böschung des porphyritischen Conglomerates, deren Schichten unt

iem geringen Winkel nach Osten geneigt sind, welche die dritte
Böschung mit Einschlusz der der Küste am nächsten liegenden bildet.
Beim Hinaufschreiten im Thale kommen wir zu einer audern von Nord
nach Süd ziehenden Linie von Granit, Andesit und schwärzlichem Por-
phyr, welche in einem unregelmäszigen Troge des porphyritischen Con-
glomerates zu liegen scheint. Ferner finden sich an der Südseite des
Mio Claro einige unregelmäszige granitische Hügel, welche die Schich-
ten des porphyritischen Conglomerates nach Nordwest bei West auf-
geworfen haben; die Schichtung ist aber hier bedeutend gestört worden.
Ich gieng im Thale nicht weiter hinauf, und dieser Punkt beträgt un-
gefähr zwei Drittel der Entfernung zwischen dem Stillen Ocean und der
Haupt-Cordillera.

Ich will nur noch einen andern Durchschnitt beschreiben, nämlich
auf der nördlichen Seite des Rio Claro, welcher deshalb interessant
ist, weil er Fossile enthält: die Schichten sind durch Verwerfungen
und Gänge dislocirt, und nach Norden hin nach einem Berge von An-
desit und Porphyr geneigt, in welchen sie heinahe überzugehen scheinen.
In dem Masze, als die Schichten sich diesem Berge nähern, nimmt ihre

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8.                          Durchschnitt das Thal hinauf.                             ;;21

Neigung zu bis zu einem Winkel von 70 Grad, und in dem oberen Theile
sind die Gesteine in hohem Grade metamorphosirt. Die unterste in
diesem Durchschnitt sichtbare Schicht ist ein purpurner harter Sand-
stein: zweitens eine zweihundert oder dreihundert Fusz mächtige Schicht
eines weiszen kalkigen Sandsteins mit einem kalkigen Cement, welcher
Säume von schieferigem Sandstein und von hartem gelblich-braunen
(dolomitischen?) Kalkstein enthält; zahlreiche gut abgerundete kleine
Geschiebe von Quarz sind im Sandstein eingeschlossen. Drittens: ein
dunkel gefärbter Kalkstein mit einigen Quarzrollsteinen von 50 bis
60 Fusz Mächtigkeit, zahlreiche verkieselte Muscheln enthaltend, die
sofort aufgezählt werden sollen. Viertens: sehr compacter kalkiger
jaspisartiger Sandstein, welcher in (fünftens) eine grosze mehrere hun-
dert Fusz mächtige Schicht von Conglomerat übergeht, welches aus
Kollsteinen von weiszen, rothen und purpurnen Porphyren, von Sand-
stein und Quarz, die durch kalkige Substanz cementirt sind, zusammen-
gesetzt ist. Ich beobachtete, dasz einige von den feineren Theilen
dieses Conglomerates innerhalb eines Fuszes von einem acht Fusz breiten
'finge stark verhärtet und blässer gefärbt waren, wobei die kalkige
Substanz in weisze krystallinische Stückchen geschieden war; einige
Stellen waren durch die färbende Substanz des Ganges grün gefärbt.
Sechstens: eine dicke undeutlich geschichtete Masse eines rothen
sedimentären Gesteins oder Sandsteins, voll von kristallinischer kalkiger
Substanz, unvollkommenen Krystallen von Eisenoxyd und ich glaube
von Feldspath und daher einigen der bedeutend metamorphosirteu
Schichten von Arqueros sehr ähnlich: diese Schicht wurde bedeckt und
gieng in ihrem oberen Theile augenscheinlich zum Theil über in ähn-
lich gefärbte Gesteine, welche kalkige Substanz enthielten und äuszerst
reich an minutiösen meist länglichen und glänzenden Krystallen von
röthlichem Albit waren. Siebentens: eine conforme Schicht von schönem
röthlichen Porphyr mit groszen Krystallen von (albitischem ?) Feld-
th; wahrscheinlich eine submarine Lava. Achtens: eine andere con-
forme Schicht von grünem Porphyr mit Flecken grüner Erde und
rabmfarbigen Krystallen von Feldspath. Ich glaube, dasz noch andere
aufliegende krystallinische Schichten und submarine Laven vorhanden
sind, ich hatte aber keine Zeit sie zu untersuchen.

Die oberen Schichten in diesem Durchschnitt entsprechen wahr-
scheinlich Theilen der groszen Gypsformation; und die unteren Schich-
ten des rothen Sandsteinconglomerats und des Fossile führenden Kalk-

DarWIK, Ü'l-Ainerica. (XII, 1.)                                                                                   Ol

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322                                                      Coquimbo;                                                 Cap. B.

steins sind ohne Zweifel die Äquivalente der Hippuritenschicht, die
beim Herabsteigen von Arqueros nach Plnclaro gesehen wurde, und
welche dort conform auf der porphyritischen Conglomeratformation
liegt. Die in der dritten Schicht gefundenen Fossile sind: —
Pecten Dufreynoyi h'Orb. Voyage, Part. Pal.

Diese Art, welche hier in ungeheuerer Anzahl vorkommt, ist nach
d'Orbicny gewissen Formen unserer Kreide ähnlich.

Östren hemisphaerica d'Orb. Voyage etc.
ist nach der Angabe desselben Autors gleichfalls Formen unserer Kreide
ähnlich.

Terebrattda aenigma i>*Orb. Voyage etc. (pl. XXII, Fig. 10—12)

und Taf. V, Fig. 10, 11, 12 dieser Schrift.

Ist nach d*Orbk;nv mit T. co> \a vom Forest marble verwandt.
Eine Suite dieser Sp»ri. s an mehreren später zu erwähnenden Localitäten
gesammelt hat Prof. E.