RECORD: Darwin, C. R. 1886. Die parasitischen Gewohnheiten von Molothrus. In Ernst Krause ed., Gesammelte kleinere Schriften von Charles Darwin. Ein Supplement zu seinen grosseren Werken. Leipzig: E. Günther, pp. 82-4.

REVISION HISTORY: Transcribed by Christine Chua and edited by John van Wyhe 5.2022. RN1

NOTE: Translation of Darwin, C. R. 1881 The parasitic habits of Molothrus. Nature 25 (17 November): 51-2.


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Die parasitischen Gewohnheiten von Molothrus. *)

In meinem Buche über die Entstehung der Arten nahm ich die von einigen Autoren unterstützte Ansicht an, dass das Kuckucksweibchen seine Eier infolge seiner Gewohnheit, sie in Zwischen räumen von 2-3 Tagen abzulegen, in die Nester anderer Vögel lege, denn es könnte kaum verfehlen, unvorteilhaft für dasselbe zu sein (und ganz besonders weil es zu einem sehr frühen Zeitpunkte die Wanderschaft anzutreten hat), junge Vögel von verschiedenen Altersstufen und Eier zusammen in demselben Neste zu haben. Nichtsdestoweniger findet man dies bei dem nichtschmarotzenden nordamerikanischen Kuckuck. Wenn dieser letztere Fall nicht gewesen wäre, dürfte man geschlossen haben, dass die Gewohnheit des gemeinen Kuckucks, seine Eier in viel längeren Zeitzwischen räumen abzulegen, als die meisten anderen Vögel, eine Anpassung wäre, um ihm Zeit für die Aufsuchung der Pflegeeltern zu geben.

*) Nature. Vol. XXV (1881). p. 51.

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Von dem Rhea oder südamerikanischen Strauss glaubt man, dass er gleichfalls seine Eier in Zwischenräumen von zwei bis drei Tagen lege, und mehrere Hennen legen ihre Eier in dasselbe Nest, auf welchem das Männchen sitzt, so dass man beinahe sagen kann, eine Henne sei der Parasit einer anderen Henne. Diese Thatsachen machten mich ehemals sehr neugierig, zu erfahren, wie die verschiedenen Molothrus - Arten, welche in sehr verschiedenen Abstufungen bei andern Vögeln schmarotzen, ihre Eier ablegen, und ich habe soeben einen Brief von Herrn W. Nation, datiert Lima, den 22. September 1881, erhalten, der mir über diesen Punkt Auf klärung giebt. Er sagt, dass er daselbst für eine lange Zeit Molothrus purpurascens in Gefangenschaft gehalten und seine Gewohnheit gleicherweise auch im Naturzustande beobachtet habe. Er ist ein Bewohner von West- Peru und legt seine Eier ausschliesslich in die Nester eines Sperlings (Zonotrichia), eines Stars (Sturnella bellicosa) und einer Pieplerche (Anthuschi). Er fährt dann fort: "Die Eier des Sperlings sind denjenigen des Molothrus in Grösse und Farbe sehr bedeutend ähnlich. Die Eier des Stars sind grösser und in der Farbe etwas verschieden, während die Eier der Pieplerche sowohl in der Grösse, als in der Färbung sehr verschieden sind. Im allgemeinen findet man nur ein Ei des Molothrus in einem Neste, aber ich habe deren bis zu sechs Stück angetroffen. Der junge Molothrus wirft nicht immer seine Pflegebrüder aus dem Nest, denn ich habe einen nahezu vollkommen befiederten Molothrus mit zwei jungen Staren in einem Neste gesehen. Ich habe auch zwei nahezu vollbefiederte Molothrus in dem Nest eines Staren gefunden, aber in diesem Falle waren die jungen Stare aus dem Nest geworfen worden." Er teilt sodann mit, dass er ein Männchen und ein Weibchen dieser Molothrus - Art, welche jetzt sechs Jahre alt sind, lange in Gefangenschaft gehalten habe. Das Weibchen begann im Alter von zwei Jahren zu legen und hat jederzeit sechs Eier gelegt, was auch die Eierzahl von icterus, einem nahen Verwandten von Molothrus ist. Die Daten, an welchen die Eier dieses Jahr gelegt wurden, sind folgende: 1., 6., 11., 16., 21. und 26. Februar, so dass ein Zwischenraum von genau vier vollen Tagen zwischen der Ablage von jedem Ei vorhanden ist. Später in der Saison legte es sechs nachträgliche Eier, aber in viel längeren Zwischenräumen und unregelmässig, nämlich am 8. März, 6. und

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13. April und am 1., 16. und 21. Mai. Diese interessanten, von Herrn Nation an einem Vogel, der so weit von dem Kuckuck verschieden ist, wie Molothrus, beobachteten Thatsachen unterstützen stark den Schluss, dass irgendeine nahe Beziehung zwischen Schmarotzertum und Eiablage in beträchtlichen Zeitzwischenräumen vorhanden ist. Herr Nation fügt hinzu, dass er bei der Gattung Molothrus unter drei jungen Vögeln ohne Ausnahme zwei männliche gefunden habe, während bei Sturnella, welche bloss drei Eier legt, zwei der Jungen ohne Ausnahme Weibchen sind.

Down, Beckenham, Kent, 7. November 1881.


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Citation: John van Wyhe, ed. 2002-. The Complete Work of Charles Darwin Online. (http://darwin-online.org.uk/)

File last updated 25 September, 2022