RECORD: Darwin, C. R. 1884. [Letter to "A. Panchin", 1880.] Ein Brief von Charles Darwin. Kosmos vol. 2, p. 80.

REVISION HISTORY: Transcribed by John van Wyhe 12.2019. RN1

NOTE: This letter, though less complete, appears in More letters, vol. 2, 2: 444–5.


[page] 80

Ein Brief von Charles Darwin.

Herr A. Panchin in Kiew hatte die Güte, uns den nachstehend in Übersetzung mitgeteilten Brief von Charles Darwin zur Veröffentlichung im "Kosmos'' zu übersenden. Wir schicken voraus, daß derselbe offenbar die Antwort auf eine kleine Broschüre des Herrn Einsenders bildet, welche unter dem Titel "Quelques mots sur l'éternité du corps humain" 1880 in Nizza erschienen war und die Behauptung zu verfechten suchte, der Mensch könne, ja müsse durch immer weitergehende Anpassung seiner Organisation an die Lebensbedingungen eine immer längere Lebensdauer und zuletzt Unsterblichkeit erreichen. Das Argument gipfelt in dem Satze, daß niemand eine materielle Ursache oder ein Gesetz angeben könne, welches eine so kurze Dauer des menschlichen Lebens bedinge, weil eben kein solches existiere; die Lebensdauer hänge unmittelbar mit der Vervollkommnung der Organisation zusammen, habe mit dieser stetig zugenommen und der Mensch könne nun auf diesem Wege nicht stehen bleiben, sondern müsse mit der Zeit den Tod, dieses "höchst unangenehme Ereignis" vollständig beseitigen. — Der verhältnismäßig recht ausführliche Brief Darwin's gewährt nicht bloß sachliches Interesse — er zeigt auch aufs neue, mit welch bewundernswerter Geduld und Gewissenhaftigkeit der vielbeschäftigte Forscher jedem entgegenkam, der sich bei ihm Aufschluß oder Rat, Mitteilung seiner Ansichten u. s. w. erbat. — D. Red.

Feb. 24. 1880.

Down,

Beckenham, Kent.

Geehrter Herr,

Niemand kann wohl, glaube ich, wirklich beweisen, daß der Tod unvermeidlich ist, allein die Zeugnisse zu gunsten dieser Annahme sind von ganz überwältigender Kraft, denn sämtliche übrigen lebenden Geschöpfe sprechen dafür. — Ich halte es auch keineswegs für ausnahmslos richtig, daß die höheren Organismen jedenfalls länger leben sollen als die niederen. Elefanten, Papageien, Raben, Schildkröten und manche Fische leben länger als der Mensch. — Jede Weiterentwickelung hängt davon ab, daß eine lange Reihe von Generationen aufeinander folgen, was die Existenz des Todes voraussetzt; es kommt mir daher im höchsten Grade unwahrscheinlich vor, daß der Mensch jemals aufhören sollte, dem allgemeinen Gesetz der Entwickelung zu folgen, was entschieden der Fall wäre, wenn er unsterblich werden würde. Dies ist alles, was ich hierüber sagen kann.

Ich bleibe, geehrter Herr,

aufrichtig der Ihrige

Ch. Darwin.


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Citation: John van Wyhe, editor. 2002-. The Complete Work of Charles Darwin Online. (http://darwin-online.org.uk/)

File last updated 31 December, 2019